A mitteilungs' des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Zu beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post.— Redaktion u. Verlag: 0.27, Schicklerftr. S. Fernruf: Alexander, 3007- Nr. 32. Berlin, den 4. November 1917. 12. Jahrgang. Imperialistische Krisen Der Arbeiter, der sich über die Zeitereignisse unterrichten will und täglich einen Blick in die Morgen- und Abendzeitungen wirft, stößt dort auf eine sinnverwirrende Fülle von Nachrichten über kriegerische und politische Ereignisse, die scheinbar in keinem Zusammenhange stehen und jeden Tag von neuen Ereignissen überholt und verdrängt werden. Wer sich aber nicht bloß von Sensations- Meldungen berauschen läßt und nach den inneren Zusammenhängen der Weltkatastrophe sucht, der findet, daß jetzt zu Beginn des vierten Kriegs- winters in allen Ländern eine politische Situation entstanden ist, die überall die gleichen Erundzüge aufweist. Fast in allen Ländern sehen wir die Regierungen im Kampfe mit schweren inneren Krisen, überall ringen die Verrreter des Zer- schinetterungsfriedens mit den Verfechtern des ge- dämpften Verständigungs-Jmperialismus, überall fitzt der Negierungssozialismus in der Klemme, überall gärt es in den Tiefen des hungernden und nach Frieden verlangenden proletarischen Volksschichten. Der internationale Jmperialis- mus hat eine schwere Krise durchzumachen, die sich auf den Kriegsschauplätzen in gewaltigen Kraft- anstrengungen, in der inneren Politik der einzel- nen Länder aber in parlamentarischen Stürmen, im Sturz von Ministern und Negierungen und - in; Sacheu und Tasten nach neuen Männern und neuen Methoden äußert. Und wenn zurzeit dieAus- ficht auf Frieden auch in grauem Nebel liegt, wenn sich die politischen Nachwirkungen des militärischen Zusammenbruches Italiens noch nicht übersehen lasten, so geht doch in allen Ländern durch die regierenden Kreise und durch die Parteien, die die Verantwortung für die Krieas�olitik ihres Landes übernommen haben, das Gefveni't des Grauens vor der Liquidierung, der Schlußabrechnung des Weltkrieges, die überall den leidenden und duldenden Volksmassen die Frage aufzwingen muß' Wozu diese wahnwitzigen Opfer an Gut und Blut. was hat uns diese jahrelange Vernichtungsraserei eingetragen? Ganz unabhängig von den katastrophalen Er- eignissen an der Isonzofront hat Italien in den letzten Wochen leidenschaftliche Kämme im Parlament erlebt, die zum Sturze des Ministe- riums Voselli führten. Die Verfechter einer rücksichtslosen Kriegführung bis zum Endsiege. darunter der„Sozialist" Bistolati, stürmten von rechts auf die Negierung ein, der sie Schwäche gegen den äußeren und besonders gegen den inneren Feind vorwarfen. Die gemüßigten bür- gerlichen Elemente, die Eiolittaner usw. hatten gleichfalls viel an den Handlungen der Regierung auszusetzen und suchten durch parlamentan-che Jntriguen Oberwasser zu erlangen, die Sozialisten aber kämpften tapfer gegen Regierung und bür- gerliche Heißsporne und Leisetreter. E'ner der letzteren, der Abgeordnete und frühere Minrster Nitti, hatte am meisten Aussicht, aus dem Kampfe gegen �das Ministerium Voselli als Sieger her- vorzugehen. Er hatte Andeutungen gemacht, daß die neue Regierung mit den Sozialisten zusammen- arbeiten müsse, um zu einer befriedigenden Liqui- dierung des Krieges zu kommen. Aber der „Avanti" hat ihm die gebührende Antwort darauf gegeben, indem er schrieb:„In Deutschland hat Scheidemann____ die neue Theorie der Mitarbeit auf die Fahne geschrieben, die übrigens die Thomas, Vandervelde und Henderfon in ihren Ländern schon ausgeführt haben. Auch hier wieder „Deutschland über alles". Deutschland macht Schule für Bistolati; aber wir beugen uns dieser Politik Davids, Eberts und Scheidemanns nicht, wir haben unsere eigene Politik, die der alten International e."— Inzwischen kam die Zertrümmerung der italieni- scheu Kampffront am Jsonzo. Die bis dahin feind- lichen bürgerlichen Parteien schlössen stillschwei- gend Frieden. Der Ministerpräsident Äoselli räumte seinen Platz dem bisherigen Minister des Innern Orlando, der die Verantwortung für die blutige Unterdrückung des Turiner Aufstandes trägt; und auch den übrigen Ministern des Kabinetts Voselli bleibt eine Gnadenfrist. Der italienische Imperialismus hat von außen einen tödlichen Stoß erhalten und ist im Innern zer- mürbt und zerrissen. Noch läßt sich nicht voraus- sehen, wie das italienische Proletariat auf die Niederlage am Jsonzo reagiert, die Stellung! unserer italienischen.Genossen ist dadurch jeden- � falls nicht leichter geworden, aber nach der Hal- tuna, die sie bisher eingenommen haben, kann man in sie das Vertrauen setzen, daß sie in den Stürmen, die der feindliche Einbruch mit sich bringt, die Fahne des revolutionären Sozialismus hochhalten werden. Freilich sind sie jetzt in eine ähnliche Lage geraten wie die russische Demokratie, die auch. nur zum Siege kommen kann, wenn ihr die Hilfe i des internationalen Proletariats zuteil wird. Auch der französische Imperialismus stZi seit Wochen im. Zeichen einer schweren Krise, obwohl er militärisch nicht solch schwere Erschütte- rungcn erlitten hat, wie der italienische. Das Ministerium Painleös hat keinen rechten Nück- halt im Parlament und hat seinen Minister des Aem vn, Nibot, ausschiffen müssen, an dessen Stelle wiederum ein Wortführer der energischen: Kriegführung, Varthou, getreten ist. Die politische Lage wird von dem französischem Eewerkschafts- führet Iouhaux folgendermaßen charakterisiert: i „Regierung und Parlament machen den Eindruck c" et beklagenswerten Verwirrung. Die unaus- gefetzt aufeinander folgenden Erörterungen brin- gen keine Klärung, zeigen, den ängstlichen Blicken des Volkes keine bestimmte Richtung an. Und* doch stehen die Probleme deutlich vor unseren| Augen und fordern eine rasche und wirksame � Lösung." Leider kann sich der französische Regie-. rungsfozialismus und auch ein beträchtlicher Teil! der französischen Minderheit zu einer raschen Lösung nicht entschließen. An der Regierung � wagen die Thomas usw. Seite an Seite mit dem Reaktionär Varthou nicht teilzunehmen, sioch: weniger aber haben sie, wie die Regierungssozia-! listen aller Länder, den Mut, die Volksmasssn zu einem energ'schen Kampfe für Frieden und Sozia- lismus auf den Plan zu rufen. Dem Imperialismus Englands sitzt das revolutionäre Irland wie ein Pfahl im Fleische, und wenn auch über die politischen Vorgänge in England selbst nicht allzuviel zu uns dringt, so sind auch dort Kräfte van rechts und von links am Werke, die dem Kabinett Llond Georges das Leben schwer machen. Die vielen Reden der ver- schiedenen englischen Minister sind ja nur darauf berechnet, die imperialistische Stimmung aufzu- peitschen. In R u ß l a n d hat die deutsche Be- setzung der Inselgruppe am Rigaischen Meerbusen die politische Wirkung gehabt, daß Regierung, Bürgertum und gemäßigte Sozialisten geschlossener und schärfer denn je der revolutionären Demo- kratie gegenübertreten. Die Ereignisse um Oesel und am Jsonzo haben bewirkt, daß die Konferenz der Ententeregierungen,- die in diesen Tagen zu- sammentreten und die Kriegszielfrage beraten sollte, das Thema Frieden ganz ausschalten und den Vertreter der Sowjets, Skobelow, überhaupt nicht zulasien will. V e r l i n, den 30. Oktober 1917. Aber die imperialistische Krise ist nicht nur auf der Ententeseite akut, in Deutschland äußert sie sich in dem ganzen Drum und Dran der Kanzler- krise. Und wenn sie sich hier'auch nur in bom- bastischen Zeitungsartikeln, streng geheimen Be- sprechungen der Fraktionshäuptlinge und höfischen Audienzzimmern abspielt, so liegen ihre tieferen Ursachen trotz aller Waffenersolge für jeden, der sich den klaren Blick für die inneren Zusammen- hänge dieser imperialistischen Fieberepoche gewahrt hat, klar zutage. Wie es um O e st e r r e i ch be- stellt ist, das mag der denkende Leser aus dem nach- stehenden Bericht über den Parteitag der deutsch- österreichischen Sozialdemokratie entnehmen. Wir können hier nur andeutungsweise und ganz unvollständig auf die Krisenerscheinungen hinweisen, die jetzt den internationalen Jmperia- lismus erschüttern. Wir wollen unseren Genossen damit sagen, daß sie das gegenwärtige Welt- geschehen nicht als ein Sammelsurium zusammenhangloser Tagesereignisse auffasien, sondern als bedeutsame politische Vorgänge, die gemeinsame Züge aufweisen und gemeinsamen Gesetzen unter- worfen sind, die dem internationalen Proletariat die praktisck'e Schlußsolgerung auszwingen, dem in Fieberdelirien liegenden Imperialismus endlich mit allen Mitteln und Waisen des Sozialisnius und der Demokratie zu Leibe zu gehen. »* Drei Strömungen sind es jetzt, die in allen Ländern um die Herrschaft ringen. Die eine ist die des kriegerischen Imperialismus, der eine end- gültige Entscheidung mit Waffengewalt erzwingen will, der nur die Losung Sieg oder Niederlage kennt, wobei es sich natürlich nicht um Teilstege auf irgendeinem Kriegsschauplatze handeln kann, sondern um die völlige militärische Zerschmette- rung der einen oder der andern gigantischen Mächtegruppe. Der Sieg dieser Strömung würde für alle Länder die Verlängerung des Völker- würgens ins Unabsehbare bedeuten. Die andere Strömung, die man als die des friedlichen Imperialismus bezeichnen könnte, be- kennt sich zu der vieldeutigen und vielgedeuteten Parole vom Veritändigungsfrieden. Zu dieser Parole bekennt sich in verschiedenen Spielarten der internationale Negierungssozialismus. Aber sie Miliesit für das Proletariat eine große Gefahr in sich. Ihre Verwirklichung durch die bürgerlichen Regierungen wird letzten Endes darauf hinaus- laufen, daß die kapitalistischen Klassen der ein- zelnen Länder eingesehen haben, daß das gegen- seitige Zerfleischen ein schlechtes Geschäft für sie ist und daß sie klüger daran tun, ihre Interessen- svharen gegenseitig einverständlich abzugrenzen. Dabei würden Zie sich von dem Gedanken leiten lassen, daß sie aus diese Weise ihrem einzigen wirklichen Feind,-dem Proletariat, viel mächtiger entgegentreten und ihre Klassenherrschaft viel sicherer aufrecht erhalten können. Gegen diese beiden, miteinander ringenden Strömungen der imperialistischen Welt muß der internationale Sozialismus den Kampf aus- nehmen. Sein Ziel muß sein, das Proletariat frei zu machen von der Zwangsherrschaft des kriegerischen wie des friedlichen Kapitalismus. Die Lehren und Wunden' dieses Weltkrieges drängen nach einer Sozialisierung der Staats- und Weltwirtschaft und zu einer gründlichen Demokrat!! erung der nationalen und internatio- nalen Politik. Rur damit ist die dauernde Ee- währ für Erhaltung� des Friedens gegeben, nur kann aus dem Ehaos der Verwüstung eine neue Kultur entstehen. Das kann aber nur er- zeicht werden, roe�in der alte Kampfruf des kam- munistischen Manifestes für jeden klassenbewußten Proletarier nicht bloß eine schöne Formel bedeutet, sondern Sinn, Inhalt und Antrieb zum Handeln erhält, der Kampfruf: Proletarier aNer Länder vereinigt Euch! Per Parteitaft der dentfck'österreichischettbottnldemal'.ratie. Am 13. Oktober und den folgenden Tagen hat in Wien der Parteitag der dcntsch-österreichischen Sozial- deinokratie stattgefunden. Die Opposition in der Partei gab zum Bericht deS Vorstandes eine Erklärung ab. Darnach stellt sich die österreichische Parteiopposition auf den Boden der internationalen Bewegung, die in den Zimmerwalder Kon- fcrenzcn ihren organisatorischen Ausdruck gefun- den hat. Die Linke der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich vertritt dieselben Grundsätze, die im Deutschen Reiche durch die Unabhängige Sozial- demokratic, in Nntzland durch die internationalistischen Fraktionen der Sozialdemokratie, in Italien durch die überwiegende Mehrheit der sozialistischen Partei, in England durch die Unabhängige Arbeiterpartei und durch die britische Sozialistische Partei, in Frankreich durch die Minderheit der geeinten sozialistischen Partei vertreten werden. Sie bekennt sich zu den Grundsätzen d e S Massenkampfes, die Friedrich Adler in seinen Abhandlungen im slampf und in seiner Vcr- teidigungsrede vor Gericht ausgesprochen hat. Sie erstrebt nicht die Spaltung der Partei. Sie fordert die öffentliche Erörterung aller inneren Parteifragcn in der Parteipresse und in den Parteiorganisationen. Sie wirkt für die Demokratisierung der Partei, damit die Haltung der Partei künftig nicht mehr durch einige Führer, sondern durch den Gesamt- willen der ganzen Parteimitgliedschaft gestaltet wird. Sie vertritt folgende Grundsätze: 1. Der Parteivorstand mutz beide sozial- demokratische Parteien im Reiche als vollkommen gleichberechtigte Bruder-' Parteien betrachten. 2. Die Beschlüsse der Internationalen Kongresse von Stuttgart und Kopen- Hägen über die Tätigkeit der Sozialdemokratie wahrend des Krieges und ihre Pflicht, für die rasche Beendigung des Krieges einzutreten, der der Partcivor- stand nicht entsprochen habe, müssen zur Durchführung gelangen. Die Linke spricht sich gegen die Erklärnngcn über die Fricdcnsbedingungcn aus, die die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich in Stuck- Holm abgegeben haben und stellt sich fest ans den Boden der Stockholmer Erklärung der Unabhängigen Sozial- deinokratie Deutschlands. Sic weist darauf hin, daß noch im März 1016, als Friedrich Adler als erster einen Frieden ohne Eroberungen und ohne Kriegsentschädigungen forderte, die Mehrheit der Par- tei diese Forderung auf der zweiten Rcichskoufercnz abgelehnt habe, daß man das Nationalitätsprinzip für Rnftland fordere, cS für Oesterreich aber ablehne. Sie fordert eine energische Aktion für den Frieden im Parlament, in der Presse, durch Masscnversammlnngen und-Massendemonstrationen, um die österreichisch-ungarischc Regierung vorwärts- zutreiben, damit sie ihre ganze Kraft einsetze, d i e Regierung des Deutschen Reiches zu offener, unzweideutiger Bekanntgabe ihrer Friedens beding ungen zu beivcgen. 8. Die geschichtliche Aufgabe der Sozialdemokratie kann nur im Klassenkampf erfüllt werden, nicht in der Teilnahme an der Verwalrinigsarbeit in den Gemeinden und in den Kriegswirtschaftsorganisationen. Es dürfe nicht an die Einsicht der herrschenden Klassen, sondern es müsse an den�Willcn des Prole- tariats appelliert werden. Die Linke lehnt jede Blockpolitik, jede Bewilligung des BudgerS des Klasscnstaates, jede Bewilligung von Kriegskrebiten, jede Teilnahme an bürgerlichen Regierungen mibe- dingt ab und hält fest an dem alien Grundsatz: Dem kapitalischen Staate keinen Man« nn d keinen Groschen! 4. Der österreichische Reichsrat sei ein ohn- mächtiges Scheinparlament. Die Sozialdemokratie müsse die Massen darüber aufklären, daß nur durch volle Demokratie, durch eine Berfaisungsreform ans der Grundlage des Telvstbestimmungörcchts dex Nationen Oesterreich zu einem wirklichen Parlamcn- tariSmus gelangen könne. Die Parieiprcsse habe unter dem Einflnsi Nenners die Staatskrise verhüllt und beschönigt. In der Zeit der standrechtlichen Masscnhinrichtungen habe Renner diesen Staat geradezu idealisiert. Er snche die Illusion zu erwecken, das? die Krankheit des Staates durch eine blosse Berwaltungsreform geheilt werden könne. Nicht die Kreisvcrwältung könne je- doch die Losung sein im Kampf für die nationale Autonomie, sondern die Einberufung kon- st i t u i e r e n d e r Nationalversammlungen der einzelnen Nationen, von denen jede die Verfassung und Berwaltnngsvrganisation ihrer Nation souverän festsetzt. 5. Der nationalsozialen Richtung Pernerstor- ferS und Leuthners und der sozialpatriotischen Richtung RenncrS stellt die Linke den alten Inte r n ationalismns entgegen. Solange die deutsche Partei durch den Nationalismus Pernerstor- fers, die tschcchichc durch den Nationalismus Mo- dratschcks und die polnische Sozialdemokratie eben- falls nationalistisch beeinflusst sei, sei cine gemeinsame internationale Politik nichi denkbar. In der deutschen Partei in Oeslerreich, wie in der tschechischen und pol- ntschcn müsse darum der Kampf der internationalen Richtung gegen den Nationalismus geführt werde». „Atit den Jnternationaiisteu innerhalb der deutschen .Partei werden sich die tschechischen und die polnischen Internationalisten verbinden. Nur auf diese Weise glauben wir die Wiederherstellung einer mächtigen, von echtem internationalen Geist erfüllten, und darum einigen und lebenskräftigen Gesamtpartei in Oester- reich vorbereiten zu können." Diese Erklärung, die von einer Anzahl von Red- nern der Opposition begründet wurde, fand den schärf- sten Widerstand der Mehrheit, die bekanntlich unter der Leitung Viktor Adlers steht. Renner führte u. a. folgendes ans: „Es wird in der Erklärung der Linken gewarnt vor dem Geiste des Reformismus, in den die Partei aufzugehen droht, und man nennt mich dessen folgerich- tigsten Vertreter. Ich sage schon in meinem Buche, ich lehne den Reformismus ab als eine Richtung, die das Schwergewicht der Arbeiterbewegung verlegt in die Bürokratie der Arbeiterschaft, in ihre Vertrauens- männer, und das Schwergewicht legt auf die einzelne Reformarbeit, ohne das ganze zu sehen, und die die Theorie ablehnt. Ich lehne aber auch ab den Tok- trinarismns und den Revolntionarismns, der meint, alles und jedes lasse sich durch uninittelbare Aktion der Massen verwirklichen. Ich meine, es gibt für die Arbeiterklasse Zeiten und Umstände, wo sie nichts anderes tun kann, als die aanz gemeine Schützengrabenarbeit des gewerkschaftlichen, des genossenschaft- lichen und kommunalen Kampfes, aber ich leugne nicht, daß es andere Zeiten gibt, wo die Ar- beiterklasse zu anderem und Höherem berufen ist, und ich warte auf die Stunde, wo die Arbeiterschaft in ihrer gesamten Masse durch eine einzige grosse Aktion imstande i st, das Schick- sal der Welt zu wenden., Wenn man mir vorwirft, mein„Reformismus" führe zum„Ministerialismus", so wissen Sic, dass er dazu nicht geführt hat, und dah ich sogleich aus freien Stücken gesagt habe, es ist ausgeschlvijen, daß ich mich an der Regierung beteilige. Wenn man sagt, der Arbeiter brauche eine georö- nete Verwaltung, hört man:„Ihr kümmert e?:ch nur nm Oesterreich und laßt die anderen Tinge gehen!" Aber in diesem Punkte muß die Arbeiterschafr zur Klarheit kommen. Will sie den Verfall zum Grundsah erheben, soll sie es tun. Will sie es nicht, so ninss sie die Zelle, in der man sie gesangen hält, sauber halten. Wir sind in vielen taktischen Fragen deshalb fehl- gegangen, iveil wir nicht eingesehen haben, ivelcheS Gewicht der Staat im täglichen Leben der Arbeiter- klasse hat. Ich bin der ivteinung,' daß die Politik des Proletariats sein muß: Eroberupg der Staatsgewalt, um sie in den Dienst der arbeitenden Klasse zu stellen. Es gibt von vornherein keinen sicheren Weg, nur ein sicheres Ziel. Wenn ich aber den Staat erobern will, dann darf ich ihn nicht von vornherein negieren, sondern ich muß ihn erkennen und studieren und das kann ich nur, wenn ich in alle seine gesetzgebenden Körperschaften, wirtschaftlichen und BerwaltungS- körpcrschaften eindringe. Das ist es, was ich in meinen Biichern zu beweisen suche. Ich werde niemals darin erlahmen, die Arbeiterklasse init der Erkennnis zu erfüllen, dass die Eroberung der Staatsgew>lt, ob plötzlich, ob stufen- oder etappenweise, in politischer Beziehung ihr Hauptziel Ist." Wozu nur zu bemerken wäre, daß nach der furchtbaren Aufrüttelung des Proletariats durch den Weltkrieg die Zeit der„ganz gemeinen Schützengrabenarbeit" allmählich doch zu Ende gehen müßte, wenn es sich nicht unter die Fuchtel des Staatskapitalismus ducken und eine neue Acra deS Imperialismus, zu der Renner mit seinem „Mitteleuropa" schon Bausteine herbcigetragcn hat, über sich ergehen lassen will. Nach der Debaite über die Erklärung der Minder- heiß wurde eine Resolution Viktor Adlers einsttm- m i g angenommen, in der es heißt: „.... kDer Parteitag) stellt fest, daß die Partei ohne Unterschied der Richtungen darin einig ist, ihre Geschlossenheit und Einigkeit zn erhalten und den Kampf für den Frieden mit aller Tatkraft fortznsctzen und in der notwendigen täglichen Kleinarbeit für die Interessen des Proletariats die Pflicht nicht zu vernachlässigen, die Arbeiterklasse zur Erfüllung ihrer großen geschicht- lichen Aufgabe vorzubereiten. De� Partei- tag erwartet mit vollem Vertrauen von der zukünf- tigen Vertretung der Partei, daß sie im Geiste der Grundsätze der Sozialdemokratie innerhalb und außer- halb des Parlaments den Klassen kämpf zu führen und vor allem für den Frieden zu wirken vcr- stehen wird." Damit ist eine Spaltung der deutsch-österreichtschen Partei vermieden worden. Beide Richtungen können im Rahmen der Gcsamtpartei für ihre Anschauungen wirken und unter den Massen für ihre Anschauungen werben. Das Klasscninteresse der Massen und das proletarische Empfinden wird daher ausschlaggebend sein. Der kluge und geschickte Taktiker Viktor Adler hat das leuchtende Beispiel des deutschen regierungs- sozialistischen Parteivorstandes nicht befolgt. Wenn er wie dieser vom Autoritätsdünkel und Korporals- geist besessen gewesen wäre, hätte er auch irgendeinen Vorwand finden können, nm zu dekretieren, daß die Opposition„sich außerhalb der Partei gestellt" habe. Er hat aber im Interesse der Parteicinheit daraus verzichtet. An unseren Freunden, der deutsch-östcr- reichischen Opposition wird es jetzt sein, den internatio- nalen Anschauungen in der Partei zum Durchbrnch zu verhelfen und den Arbeitern mit Takt und Geschick die Augen über das Wesen des Sozialpatriotismus und Reformismus zu offnen. Im weiteren Verlauf des Parteitages wurde ein Antrag einstimmig angenommen, nach dem die zu wählende Parteileitung verpflichtet wird, die rücksichtS- loseste Bekämpfung des Krieges sofort mit allen Mitteln in Angriff zu nehmen. Angenommen wurde auch ein Antrag der jugendlichen Arbeiter, die verlangen, daß innerhalb der Parteiorganisation für alle Genossen und Genossinnen Gelegenheit zur Diskussion der strittigen Fragen aus Theorie und Praxis des proletarischen Klassenkampfes geschasfcii werde. Zum Berichte über die parlamentarische Tätigkeit, den Genosse S'e i tz erstattete, entstand eine lebhafte Debatte, in der eine Anzahl Anträge gestellt wurden, die sich auf die Friedensaktivn und ans die Teilnahme an der Regierung bezogen. In letzterer Frage wurde folgender Antrag angenommen:„Ter Parteitag er- klärt sein ausdrückliches Einverständnis mit der Ab- lehnung der Ministerposten durch den Klub ld. h. die Fraktion) und Parteivorstand. Der Fraktion wurde ferner folgender Antrag der weiblichen Delegierten überwiesen: „Die sozialdemokratische Fraktion inöge unver- züglich darauf dringen, daß die Regierung im Parlament in klaren, unzweideutigen Worten erklärt, daß sie zu einem Frieden ans Grund der russischen Formel ohne Annexion und ohne Kon- tribntion unter Anerkennung des SelbstbestiMmungs- rechts der Völker bereit ist. Die Fraktion ist ferner zu beauftragen, mit ganzer Kraft dafür zu wirken, daß die österreichische Regierung der russischen Regierung offiziell die Ver- st ä n d i g n n g z n k o ni m e n lasse, dass sie auf dieser Grundlage den Frieden anstrebt.-Zugleich soll die russische durch die österreichische Regierung aufge- fordert werden, auf Grund dieses Angebots auf ihre Verbündeten einzuwirken. Diese Aktion der Regierung soll von der sozial- demokratischen Partei in der Form unterstützt werden, daß im ganzen Reiche unverzüglich M a s s c n k u n d- geb ungen für den Frieden veranstaltet werben. Bei diesen Friedenstniidgcbniigen soll auch den Kriegsverbündeten Oesterreichs gegenüber klar und bestimmt zum Ausdruck gebracht werden, baß wir nichts als den Frieden wollen. Der Parteitag gibt der Hoffnung Ausdruck, daß eine solche FricdenskunSgebuiig in Oesterreich die deutsche V r n d e r p a r t c i bestimmen wird. außer ihren bisherigen Friedensaktionen auch eine Kundgebung in dem hier beantragten Sinne zu unter- nehmen." Nach einem Referat Nenners und nach längerer Debatte über die Demokratisierung Oester- reichs wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt: „Die organisierte Arbeiterschaft Oesterreichs ist nicht gewillt, in. diesem Kampfe zurückzubleiben, und nicht gewillt, die politische Entrechtung, die sie in ihrem eigenen Staate in den Gemeinden und Ländern er- fährt, länger geduldig zu ertragen: sie fordert die end- lichc Durchführung ihrer vollen politischen Gleich- berechtigung in allen vffentlickcn Einrichtungen des Staates und erklärt: Inmitten der allgemeinen Demokratie der Welt und neben dem demokratischen Bund freier Volker in Rußland kann Oesterreich nicht bestehen ohne die Verwirklichung der S c l b st r e g i e- rnng des Volkes und des Selb st best im- mungs rechts der Nationen." Die politische Demokratie soll erreicht werden durch die einheitliche allgemeine Kreis- Verfassung für ganz Oesterreich auf Grund der nationalen Abgrenzung der Kreise und in gemischt- sprachigen Gebieten auf Grund der nationalen Sonde- rung in eigenen Vcrwaltungskvrpern. Die Anfrich- tnng der lokalen Selbstregiernng des Volkes, die un- verzügliche Einführung des allgemeinen gleichen Ver- hältniswahlrcchts in Gemeinde und Kreis wird als daS nächste und dringendste Gebot jeder Verfassungs- rcform bezeichnet. Der Parteitag fordert die Umwandlung Oester- reichs in einen Nation alilätcnbundesstaat, wozu die Kreisversassung und die Selbstregiernng des Volkes im Kreise einen gangbaren Weg weife. Er warnt vor dem Wiederaufbau der alten Landtage, die immer nur Mittel der nationalen Fremdherrschaft ge- wescn seien. Alle in den Wahlkreisen einer Nation gewesenen Abgeordneten seien als Nationsver- trctung einzusetzen, die das in Kreisen organisierte cigeileStcdelnngsflebiet derNatio» zu verwalten hätten. Die gesamtstaatliche Verwaltung sei zn führen durch den Bundes st aat der sich selbst regierenden Nationen, die im Wege der Vereinbarung ihre gemeinsamen Angeleaenhciten bestimmen und in vcr- hältnismäßiger Anteilnahme an der Macht gemeinsam ordnen. Diese Verfassung soll das Parlament des all- gemeinen Stimmrechts berufen. Versage das jetzige, so müßten Neuwahlen stattfinden. Nach einem Referate Viktor Adlers über Stock- Holm wurde folgende Resolution angenommen: „Ter Parteitag erklärt es als die selbstverständ- liche Pflicht der politischen und parlamentarischen Vcr- tretung der Sozialdemokratie, mit aller Energie jede Möglichkeit auSzunntzen, für den Frieden ftit wirken. An die Negicruna ist die dringende Forderung\u stellen, önft sie, auf dem von ihr eingeschlagenen Wege fortschreitend, alle kriegführenden Staaten auffordere, zu Friedensverhandlungen zusammenzutreten, indem sie offen und in klare» Worten verkündet, dag sie bereit ist und ihre Verbündeten dafür gewinnt, solche Verhandlungen zu beginnen, unter der Voraussetzung, keine Annexion und keine«ricgsemschädigung anzu- streben, insbesondere Serbien, 3t u m ö n i e n und Belgien wiederherzustellen, ohne diese Staaten oder das unabhängige Polen in irgendwelcher Wirtschaft- lichc» oder militärischer Abhängigkeit erhalten zu wollen, und dah sie schließlich bereit ist, bestimmte Vorschlage zu machen und entgegenzunehmen, die durch internationale Abrüstung, obligatorische, Entscheidung aller Streitfragen zwischen den iwtaatcn durch inter- nationale Schiedsgerichte ein neues Völkerrecht zn schassen und der Wiederholung des heutigen Völker- mordens vorzubeugen." Ein Antrag, der den Parieivorstanö beauftragen sollte, die Verhandlungen mit der reichsdeutschcn Arbeiterbewegung stets mit den beiden deutschen s o z i a l d c m�o r r a t i s ch c n Parteien zn unterhandeln, wurde mit 8 4 gegen i>8 Stim- m e n abgelehnt.— Wir können zurzeit den Sinn und die Tragweite dieser Abstimmung nicht übersehen. Soll er bedeuten, daß die deutsch-öfterreichische Partei nur zur reichsdeutschcn Scheidemann-Partei Ve- zichungcn unterhalten und die llnabhängigc Sozialdemokratie Deutschlands nicht an- erkennen soll, so wäre die österreichische Opposition in eine sehr peinliche Lage versetzt und der oben er- wähnte' Einigkeitsbcschluß hätte damit schon ein Loch erhalten. Viktor Adler hatte allerdings vor der Ab- stimmung darauf hingewiesen, daß die Beziehungen zu beiden deutschen Parteien bereits beständen und daß der Antrag überflüssig sei. Da er aber zur Abstim- mung kam und abgelehnt wurde, ist eine Situation geschaffen, die noch der Klärung bedarf. Der Parteitag nahm auch noch folgenden An- trag au: „Der Parteitag bedauert lebhaft, daß Genosse Karl Kantsky die Stätte seines Wirkens verlassen mußte, ' spxicht ihm den wärmsten Dank sur seine der Internationale gewidmete Arbeit aus und hofft, daß er in kürzester Zeit eine neue Stätte für seine der gesamten Arbeiterbewegung unentbehrliche Wirksamkeit finden werde". Der Parteitag beschloß auch noch eine Erhöhung der Parteibeiträge. In die Parteileitung wurden, soweit wir von der Stellungnahme der einzelnen Mit- glieder unterrichtet sind, nur Vertreter der Mehrheit gewählt, gn erster Stelle natürlich wieder Viktor Adler, dann aber auch 3!enner, Pernerstorser u. a. Wochenschau. Vom 23. bis SO. Oktober 1917. Sriegsereignisse: Gewaltige Kraftanstrengungcn sind in der vergangenen Woche aus den wichtigsten Kriegsschauplätzen gemacht worden. An der West- front führen die Engländer im flandrischen Front- abschnitt immer wieder größere Jnfanteriemaffen gegen die deutschen Linien vor, während die Frau- zosen am 24. Oktober den dauernden Artilleriekampf zu einem Massenvorstoß an der Aisne erweiterten. Während aber das unausgesetzt zähe Ringen an der Westfront bis heute an der strategischen Gesamtlage nichts hat ändern können, ist an der Jsonzofront eine gewaltige Umwälzung eingetreten. Die riesige Kampflinie der italienischen Armee, die nach zwei- jährigem, opfervollen Ringen von der italienischen Heeresleitung am Jsonzo erreicht worden war, ist durch den Anprall deutscher und österreichischer Truppen durchbrochen, aufgerollt und völlig erschüt- tert worden. Die Sieger haben nicht allein Görz wieder besetzt, ihre Vortruppcn stehen bereits in der Venezianischen Ebene. Zwei' italienische Armeen sind völlig ausgelöst, die anderen sind isoliert und werden kaum noch zu geschlossenem Widerstande zusammen- gefaßt werden können.— An der Ostfront herrscht zwar Ruhe, in Rußland ist man aber fieberhaft an der Arbeit, einem drohenden Vorstotze der deutschen Truppen in 3tichtung Petersburg durch Anlage von Befestigungen, Truppenkonzentrativnen usw. zu be- gcgnen.— Nach einer Mitteilung des deutscheu Admiralstabes sind durch den U-Bootkrieg im Monat September 672 CKia Tonnen Schiffsraum versenkt worden,' seit Beginn des verschärften U-Boot- krieges wurden 6 975 0M Tonnen versenkt.— Die Versenkung eines von enMschcn Torpedobooten ge- leiteten Zuges neutraler Handelsschiffe hat einen gemeinsamen Protest der skandinavischen Staaten zur Folge gehabt. Auslaud: In Oesterreich ist der Regierung nach vielen Kämpfen und Reibungen ein viermvnat- liches Budgetprovisorium bewilligt worden. Die deutsch-österreichische Sozialdemokratie hat gegen das Budget gestimmt, die polnischen Sozialisten dagegen dafür. In Ungarn will es wie anderswo mit der Wahlresorm nicht vorwärts gehen. Das Ministerium Weierle hat sich durch ei- n Angriff auf die Gcwerk- schasten die Gegnerschaft der Sozialdemokraten zuge- zogen und itzill diese bei der Mitwirkung an der Wahlreform von den anderen Parteien trennen. Der Graf Tisza sucht seine Feindschaft gegen das freie Wahlrecht in allerlei parlamentarischen Jntrignen durchzusetzen. In Polen ist unter großem offiziösen Gepränge der von den beiden Kaisern ernannte dreiköpfige Ilegcntschaftsrat in sein Amt eingeführt worden. Wie bürgerliche Berichterstatter melden, verhielt sich daS Volk bei der Feier„zurückhaltend". In der Schweiz haben die Zlationalratswahlcn stattgefunden und haben eine erhebliche Steigerung der sozialdemokratischen' Stimmen gebracht. In England hat Lloyd George wieder einmal eine 3!cde gehalten, in der er gegen einen verfrühten Frieden wetterte und Deutschland das Schicksal Stapolcon I. ankündigte.— Dem Unterhans wird dem- nächst eine neue Kriegskrcditvorlage sdie 20.) in Höhe von 8 Milliarden Mark zugchen. Die gesamten Kriegs- kredite Englands betragen bis jetzt rund 167 Milliarden Mark. In 3! u ß l a n d verschärft sich der Konflikt zwischen Regierung und den hinter ihr stehenden bürgerlichen Parteien und gemäßigten Sozialisten mit der revo- lutionären Demokratie mehr und mehr. Als Ergeb- nis der demokratischen Konferenz war eine Verein- barung anzusehen, nach der ein Vertreter der Arbeiter- und Soldatcuräte an der Konferenz der Entente- 3!egierungen teilnehmen und das von uns in der vorigen Nummer mitgeteilte KriegSziel-Programm der Sowjets vertreten sollte. Die Regierung beeilte sich aber, mitzuteilen, daß sie ihre eigenen Anschau» ungen auf der Ententekonserenz vertreten werde und daß Skobelow, der Abgesandte der Sowjets, kein Siecht habe, im Namen der russischen Republik zu sprechen. Nach dem Zusammenbruch Italiens soll aber Tkobelvw überhaupt nicht zur Konferenz zugelassen werden.— Nach definitiver Auflösung der 4. Duma haben die bürgerlichen Parteien eine„Konferenz der Politiker" abgehalten, die reaktionäre Beschlüsse gefaßt hat. Sie will die Fernhaltung der Politik vom Heere, die Ver- hängung des Kriegszustandes über die von der „Anarchie" bedrohten Gebiete, vor allem aber wendet sie sich gegen die„gefährlichen" Versuche, das wirt- schaftliche Leben dcS Landes auf sozialistischen Grund- sätzen aufzubauen. *#* Innere Politik: Die große Frage, ob der Reich s- kanzlcr Dr. Michaelis geht und wer an seiner Stelle die Kulisse für die Gewalten bilden soll, die in Wirklichkeit die äußere und innere Politik Deutsch- lands beherrschen, ist noch immer nicht gelöst. Denn Kanzler und Staatssekretäre tragen doch bloß die Ver- antwortung nach außen für eine Politik, deren aus- schlaggebende Faktoren weder in der Wilhelmstraßc noch im Reichstage zu suchen sind. In den letzten Tagen wurde der bayerische Ministerpräsident Graf H e r t l i n g, dann aber auch Fürst B ü l o w als aussichsreichste Kanzlerkandidaten genannt. Das deutsche Proletariat muß in dem einen wie in dein andern den politischen Gegner sehen. Wir überlassen es daher dem regierungssozialistischen Zentralorgan, in dem Wust von Kombinationen und Jutrigucn, der mit der Kanzlerkrise verbunden ist, herumzuwühlen und tüchtig mitzukombiniercn und mitzuintrtguiercn Den neunmalweisen Leutchen kommt gar nicht zum Bewußtsein, wie jammervoll ihre sogenannte Demo- kratisierungsarbctt wirkt, die ein Dutzend Partei- führer in dreimal verriegelten und v«sschlosscncn Fraktionszimmcrn und in den Vorzimmern bei Hofe machen. Aber die Scheiöemänner wollen unter allen Umständen Blockpolitik machen in einer Zeit, in der eine energische und selbständige proletarische Politik so dringend notwendig ist. Der Staatssekretär v. Kühlmann hat in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" eine platonische und sehr diplomatisch gehaltene Sympathiecrklarung für das Frtedensprogramm der russischen Sowjets veröffentlicht, mit der der Sache des Friedens eher geschadet als genützt worden ist, denn sie hat mit dazu beigetragen, Skobelow den Weg nach Paris zu sperren. Der bisherige Oberpräsident der Provinz Brandenburg, Herr von der Schulenburg, der der Stadt Berlin im allgemeinen und der Berliner Ar- beiterschaft im besonderen alles andere als Snm- pathi'en entgegengebracht hat, ist zum Oberpräsidcnicu der Provinz Sachsen ernannt worden. An seine Stelle ist der frühere preußische Polizeiminister v. L o e b e l I getreten. In Berlin hat ein Kongreß der christlich- nationalen Arbeitervereine stattgefunden, dem auch Regierungsherren und Vertreter der bür- gcxlichen Parteien, darunter auch Grus Westarp, als Ehrengäste. beiwohnten. Dieser Arbdierfongrcß wollte von einer Parlameutarifierung Teutschlands nichts wissen. Die I. K. als Sprachrohr der„freien" Ge- werkschastssührer schreibt über diese Tagung:„Aber abgesehen von diesem Streitpunkt hat sich die christlich- nationale Arbeiterbewegung durch die Kricgserfahrun- gen in erfreulicher Weise demvtratisch und antikapi- talistisch entwickelt und es eröffnen sich manche Aus- sichten für ein Zusgmmcnwirkcn-mit ihr gegen brutale Gewinnsucht und Reaktion."— Wir nehmen an, daß die Mitglieder der freie-: Gewerkschaften diesen rosen- roten Optimismus nicht teilen. Gegen die VatcrlandSpartei wird eine Gcgcngründung, ein„B o l k s b u n d für F r e i-- h cit und Vaterland" geplant, als dessen Väter der Zentrumsabgeordnctc GicSbcrtS und der gemäßigte Konservative Dr. Grabowsky genannt wer- den. Aus einer Bemerkuug der I. fl. geht aber hervor, daß auch die Gewerkschaften und vielleicht auch die rcgicrungssozialistischc Partei diesem„Volks- bunde" angeschlosscu werden sollen. Wenn die Ge- werkschastssührer und Negicrungssozialisten nicht von dem krankhaften Wahne befallen, wären, unter allen Umständen an den Rockschößen des Bürgertums zu hängen, könnten sie sich die Teilnahme an so und soviel„Volksbünden" und Ausschüssen sparen. Sie hätten Mittel und Massen genug an der Hand, eine gewaltige Volksbewegung zu entfachen, die bald den Krakchl der VaterlandSparteiler übertönen würde. Aus der Keweguug. � Stettin. Am 25. Oktober fand eine stark besuchte Versammlung der Unabhängigen Organisation statt, in der Genossin Wurm über die lchtcui politischen Borgänge referierte. Nach dem mit allgemeinem Bei- fall aufgenommenen Vortrag wurde folgende Nesolu- tion einstimmig angenommen: „Die am 25. Oktober im VolkshanS tagende außerordentliche Mitgliederversammlung des Unabhängigen Sozialdemokratischen Partetvereins Stettin spricht den vom Reichskanzler Dr. Michaelis und dem Staats- sekretär der Marine v. Capelle als Landesverräter gestempelten Genossen Haase, Vogtherr und Dtttmann für ihr mutiges Auftreten im Reichstage ihre Auer- kennung und unbedingtes Vertrauen aus. Die Entwicklung der Danziger Parteiorganisation ist im letzten Vierteljahr wieder sehr günstig gewesen. Trotz zahlreicher Gestellungsbesehle zum Militär stieg die Mitglicderzahl von 310 ans 449 ldarunter 91 weibliche Mitglieder). Die Einnahme betrug ohne den Kassenbestand am Quartalsveginn 1102 Mk. Die Ans- gäbe erreicht die Höhe von 792 Mk. Der Kassenbestand stieg von 495 Mk. auf 805 Mk. Die günstige Entwick- lung hält weiter an und führte bereits zu neuen Auf- nahmen im laufenden Quartal.— Die Regierungs- sozialisten in Danzig dürften höchstens ei« Drittel der Stärke unserer Genossen zählen. Greiz. Der Gewaltstrcich des Parteivorstandes gegen die„Neue Zeit" hat im Greizer VerbreitungS- bezirk die Folge gehabt, daß sämtliche Abonnen- t e n daS Abonnement nicht wieder erneuert haben. Es handelt sich hierbei um alte bewährte Ge- Nossen, die dem neuen Parteitheoretiker der Regie- rnngssozialisten, Cunow. keine Gefolgschaft leisten wollen. Anschluß an die U. T. P. Am 20. Oktober hat der Ortsverein Orla münde der sozialdemokratischen Partei mit starker Stimmenmehrheit den Anschluß an die U. S. P. beschlossen. Die Mitglieder sind bereits im Besitz der neuen Mitgliedsbücher. Diesem Orte aus dem Sachscn-Altcnönrgischcn Kreise, den der Mehrheitsmann Käppler vertritt, dürften-in Bälde noch weitere folgen. So geht es überall vorwärts. Der so überaus beschämende Verlauf des Würzburger Parteitages, der den Abmarsch der Scheidemänner ins bürgerliche Lager nur noch dürftig verhüllt, wird sicher dazu beitragen, die Flucht aus den Nicihen der Abhängigen noch mehr zn beschleunigen. Die RegicrungSsozinlisten in Neust ä. L. Bekannt- lich ist im Wahlkreis Rcuß ä. L. der Uebertritt zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei durch eine außerordentliche Generalversammlung des Sozial- demokratischen Vereins in ordnungsmäßiger Weise vollzogen worden. Eine Anzahl Mitglieder des Vereins, die auf die Parieivorstandspolitik schwören, haben den Uebertritt nicht mitgemacht und betrachten sich dnrch den Beschluß der Generalversammlnna als Partcimärtvrcr. Sie haben unter Führung des Land- tagsabgeordneten O. Fischer eine Sonderorgani- sation gegründet, die nun den alten sozialdcmo- kratischen Verein repräsentieren soll. Nach Berichten im„Vorwärts" soll sich diese Organisation schon kräftig entwickelt haben. Ofsizicll abgemeldet von dem Sozial- demjokrattscheic Verein haben sich aber erst gegen 20 Mitglieder, eine weitere Anzahl verweigert die Bei- tragszählnng, weil sie mit den ganzen Parteiverhält- nissen unzufrieden sind. Das Gros der Parteimit- glieder ist aber mit dem Uebertritt einverstanden und halt treu zum unabhängigen Banner der Sozialdemo- kratie.— Der Führer der Abhängigen der für die beiden Reußcnländer von seinen Anhängern nach Würzburg delegiert worden ist— entfaltet nun eine rührige Tätigkeit und verlangt von der alten Wahlkreisorga- nisation die Herausgabe eines Teiles des Partciver- mögöns, der Mitgliederliften und Beteiligung an der Reußischen Volkszeitung. Eine von unserer Seite ein- berufene Funktionärsitzung stellte sich im Prinzip Für die viele» Bc»' einem diesbezüglichen Ausgleich nicht ablehnend ab. Ein zeitgemäßes und nueressantes Referat dcS gegen übe wenngleich dabei betont wurde, daß eine. Gen. Zubeil füllte den Abend au». Die vorhergegan -!''ern..-uiue Anerke.luu!!g dieser Forderungen geneu Reichst«.', s-iöunae« bolra reichlich Stoff. Ebenso nicht im geringsten vorliege. Das Entgegenkomme unsererseits wird indes sehr erschwert durch aggressive Vorgehen des Führers der Abhängi des Landtagsabgeordneteu Fischer. Dieser bomb.................. v w.................______...... riZegierungssozialisten tagte noch und ließ- kein ab-! charenthin für seme DrlnKsa?.Ang. herzlicher Teilnahme die Redaktion der Neußischen Volkszeiiung mi: Ar- tikeln bzw. Fnseraien abhängiger Couleur. Diese sind in einem Tone gehalten, daß ihnen die Aufnahme ans verschiedenen Gründen verweigert werden mußte. Der Mann beschwerte fich hierüber bei der Prcssckou:- Mission und als diese Beschwerde gegen die Redaktiv!'. abgewiesen worden war, fiüchtete er sich ans Anraten des Reichstagsabgc ordneten Cohen in die Grcizer Zeitung und machte seinem abhängigen Herzen tn diesem bürgerlichen Blatt, das der schwärzesten Neak- tion angehört, Lust. Fischer hat liebevolles Verstand- nis bei den Leuten gesunden, die die Sozialdemokratie ans tiefster Seele hassen..War es doch gerade diese Zeitung, die erst kurz vorher die Rcgiernngssozialisten mit dem„Scheidemannfrieden" in der bekannten all- deutschen V'.r.nier in ihren Spalten heruntergcrißen hatw. Die Erbitterung über dieses Gebaren eines angeblichen Sozialdemokraten war bei der Mehrzahl der klassenbewußten Arbeiterschaft ziemlich groß. Die Gefolgschaft des Umlerneführcrs freute sich natürlich ob dieses Streiches ihres Strategen, der jedenfalls eine ganz andere Wirkung ausüben wird, als sie vo:- Fischer erwartet wurde. Ein rcgierungssozialistischcr Vorstoß in Leipzig. Am Sonntag sprach hier im Saale des Zentraltheatcrs in einer sogenannten öffentlichen Volksversammlung der Reichstag.abgeordnete Landsberg über Frei- heit und Frieden. Die Abhängigen hatten indes die Vorsicht gebraucht, zu dieser öffentlichen Versammlung s nur denjenigen Eintritt zu gewähren, die im Besitz von Eintrittskarten waren. Unsere. Partei hatte deö- halb auf den Besuch verzichtet. Etwa ö(l(J Besucher hatten sich eingefunden,' ein großer Teil davon aus dem bürgerlichen Lager. Ob unter ihnen die Regie- rungssozialisten viele neue Rekruten gefunden haben, wissen wir nicht. Der Vortrag des Herrn Landsberg war natürlich mit heftigen Angriffen gegen die Unab- hängige Sozialdemokratie gespickt. Als dann nach dem Vortrage ein Redner, obwohl er nicht Mitglied unserer Partei ist, diese gegen die Angriffe in Schutz nahm, bezeichnete das Herr Landsberq als„Knüppel zwischen die Beine werfen". Es sei doch eine Versammlung für Freiheit und Frieden! Der Herr scheint sich wirklich einzubilden, wenn er seiner Versammlung eine ent- sprechende Etikette aufklebt, so dürften die von ihm Angegriffenen aus Respekt vor dieser Etikette sich nicht verteidigen. Eine etwas gar zu ndvokatorischc Logik! Zum Vergleich mit dieser Versammlung wollen wir die unserer Partei anführen, die am Sonntag vorher in der großen Brauerei-Festhalle zu Stötteritz stattfand. Genosse Neichstagsabgcordiieter G e v e r sprach in ihr über die unerhörten Angriffe des Reichs- kanzlers auf unsere Partei. Die gewaltige Halle war dicht besetzt. Nach vorsichtiger Schätzung waren rund 4000 Personen in dieser Protestversammlnng vereinigt. Osterwald(Hannover). Von dem hiesigen sozial- demokratischen Verein wurde am 14. Oktober der Uebertritt zur U. S. P. beschlossen. Nur 5 Mitglieder haben sich geweigert, diesen Schritt mitzutnn, der auch durch das Zureden eints anwesenden Mitgliedes des alten Bezirksvorstandes' nicht verhindert werden konnte. Böckingen. Unter den hiesigen Genossen, die sich der U. S. P. angeschlossen haben, war auch Geno'-'e W. Kautier, Kassierer der Partei. Derselbe Hai'' unserer Trennung die Kasse samt Utensilien in er Währung, deren Herausgabe wir mit der Begründung verweigerten, daß auch wir Miteigentümer seien und die Abhängigen ja die schöne Bibliothek haben. Nur erhielt der Vorsitzende, Genosse Hornung, unterm Ii. Oktober vom Rechtsanwalt im Auftrag der Abb in gigen ein Schreiben, worin unter Androhung einer Klage die„Herausgabe" der Gegenstände verlang! wurde, da wir„ausgetreten" seien. Ilm einem Prv.'en. dessen Ausgang nach allen Richtungen hin nicht zweifel hast sein konnte, vorzubeugen, wurde der Kassierer beauftragt, die Sachen abzugeben und werden nun die Abhängigen nicht wenig stolz auf ihren„Erfolg" sein. Wenn sie glauben, durch eine solche kleinliche Politik der Nadelstiche uns zu bekämpfen, so wird das unserer Agitation nicht schaden.— Dieser Tage halten die Abhängigen im 3. Wahlkreis 9 öffentliche Vcrsamm lnngen ab mit dem Thema:„Verständianngsftiedcn oder Erschöpsnngskrieg". Uns ist jede Versammlungs- tätigkcit unmöglich gemacht. schließendes Urteil zu. Die Genossen waren allgemein j Dank. bei der sagen wir allen dem Arbeiter- eile Berlin des m Genossen rostreichen Worte unseren herzlichsten Ww. Augnste Arndt nebst Angehörige. lesricdigt und von der Richtigkeit der Politik unserer Reichstagsfraktion überzeugt. Zahlreiche Genossen waren erschienen, die der leidige Parteizwist hatte ab- seits stehen lassen und die durch die Temaskiernng derer um Schciöemann uns wieder zugeführt wurden. Eine rege Diskussion und ein Appell an diese Genossen, sich wieder für unsere gute Sache zu betätigen, beschloß die Versammlung. U erems-Ner««KK ltung e». Freireligiöse Gemeinde Berlin. Sonntag, den 4. Nov., vorm. 9 Uhr, Papoel-Allee 15/17: Neukölln, Jdealkasino, Weichlelstr. 8; Oberschöneweide. Wilhelmincnhofstr. 43, Ke! Otto Panw: Freireligiöse Vor- lesung.— Vorm. lOv- Uhr, Kleine Frankturterstr. b: Vor- trag von Herrn Nr. Hermann Hasse: Tolstoi und die russische Seele Gäste willkommen. Arbeiter-Samariterbund, Kolonne Groß-Berliu. A.onlag, den 5. November, abends S1/» Uhr, in Schutzes Vereinshaus, Am Königsgraben 2, Vortrag. Nach den: Vortrag praltiche Verbandsübungen. Gäste baden einmaligen freien Zutritt. Hcrbstkonzert. Der Gesangverein„M ä n n c r- und Frauenchor O st"(M. d. D. A. S. B.) ver- anstaliet am Sonntag, den 11. November, unter der Leitung seines Ehorm-eisters P. A. Joseph in der Singakademie(Kastanienwäldchen) ein Herbstkonzert. Zum Bortrag gelangen durchweg neueinstudierte Chorwerke von F. Schubert, 3!. Schumann, Brahms- Joachim, C. Maria v. Weber, K. Kreuzer, 31. Kahn, Th. Potbcrtski und H. Jüngst für Männer-, Frauen- und gemischte Chöre. Zur Mitwirkung ist das Prof. Becker-Trio: Professor Otto Becker, Orgel und Klavier. Bianka Becker-fSamolewSka, Violine, Kurt Becker, Violoncello, gewonnen. Eintrittskarten ä 75 Pf. sind bei P. Kupfer, Petersburgerstraße 65, P. Schneider, Hufclandstr. 30(Laden), F. Masche. Kopernikusstr. k (Laden), M. Staar, Weinstr. 6, Vi. Masseuth, Marien- burgerstr. 7, A. Beier, Friedrichsfelderstr. 12 und im Berliner Verbandsbüro, Schicklerstr. 4, zu haben. narrend orf. Der Bildungsausschuß veranstaltet auch in diesem Jahre eine Weihnachtsfeier, bei welcher an die K'vder kleine Geschenke oerteilt werden. Die Partei- genossen werden ersucht, Namen, Geschlecht und Alter der Kinder, die an der Feier teilnehmen sollen, bei einer der nachaenannten Parteigenossinnen anzugeben: A. Brand, StreUhstr. 3: Klemm, Strelig'tr. 1; M. Szepansky, Kur- fürstenstr. 74. Kinder, die bis zum 15. November nicht angemeldet sind, können aus keinen Fall berücksichtigt werden. Der Bilduugöansschuß. 2174 2432 2444 2548 2699 2828 0.40. 4.50. 1—. 0,20, 6,70, 4,05, 2,50, 11, 2,40, 11,- 21,- 2,-, 1-, 8,-, Mk. 2288 14,40, 2291 2,—, 2293 2402 2,70, 2100 12,50, 2411 2434 0,90, 2439 4,50, 2443 2541 0,50, 2545 2,30, 2547 2555 1,—, 2697 9,—, 2098 2704 1,50, 2727 2,—, 2825 2881 6,—, 2882 4,—, 2921 3,- 1,50, 0,75, 8,20, 7,20, 3—, 4,10. Bereits quittiert 7017,85 Mk. Ans den Geqttniscktiouen. Mariendorf. Achtung, Parteigenossen und Ge- nossinnen Mariendorfs! Sonnabend, den J.November, findet unsere Mitgliederversammlung im Lokal Herolds Fcstsäle, Chausseestr. 283, abends 8 Uhr, statt. Vortrag des 31eichstagsabgeordncten Genossen Fritz Kunert. Es wird erwartet, daß Manu für Mann zur Stelle sind. Potsdam» Am Mittwoch, den 7. November, abends 8v, ilhr, sindet bei Hausmann. Kaiser Wilhelmstr. 33, die Mitglieder-Versammlung des Unabhängigen Sozialdemo kralischen Wahlvereins statt mir folgender Taaesordnung' 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Genossen Leid-Verlin 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Genossen ist not- wendig. Der Vor''n»d» Eopenick. Mittwoch, den 7. November, abend i '/-9 Uhr, findet im Lokal„Zum Slaötpark"(Jnh. Georg Schmidt), Ecke Bahnhof- und Friedrichs- Hagenerstraße, eine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Vcrbands-Gcneral- Versammlung. 2. Verschiedenes. Zahlreiches Er- scheinen ist dringend notivendig. Der Borstand. Der Wahlverein Britz-Bukow hielt am 13. Ok- tober eine sehr gut besuchte Mitgliederversammlung 2222 2401 2433 2503 2549 2700 2829 Summa 261,75 Summa 7279.60 Mk. 4. Kreis. Für die Partei: Liste 6618 2,—, die Grundsatztrenen von Sch. D. Baumschulenwcg ans Liste 6637 88,60. 6646 9,—. 6650 2,—, 6655'2.50, 6667 0,75, 6662 2,25, 6672 4,50, Kollegen der Firma Schwarz- topf 23,75, Kollegen der Firma 3iichter, Mühlenstr. 60a 18,50, 6709 4,65, 6713 2.59, 6721 2,—, 6735 2,50. 6745 14,30, 6746 16—, 6782 8,75, 6688, 7,—, 6700 11,50, 0794 2,85, 6804 15,20. 6379 9.50, 6881 21,—. 6806 1.20, 6899 2,—, Summa 225,20 Mk. Bereits quittiert 373,65 Mk. Summa 598.85 Mk. Außerdem gina ein: Wa. 0,10, E. Jas. 2,—, Franz 1,30, K. 1,—, Schr. 3,—, Zos.. 4,_ F. B. o—, W. W. 4,15, M. Friedrichshagen 5.—, Kai n. F. 2,—. Gott.. 2,—, Schon... i,—. 14 Genossen 18,20, Bh. 1,— Brin... 7,20, A. Th. 1,40, A. Schul... 3—, H. M. d. Languer 2,—, V. H. d. Langner 3—, Hop. 1,—, P. 33. 0,40, E. K. 1,—, C. B. 5,—, Eh. Verl... 2,— Mk. 4. Kreis. Für die Stockholmer Friedenskonferenz' Liste 8463 16.30, 8446 20,50, 8551 21.50. 8553'9,30, 8459 1.—, 8460 9,70, 8461 2,—, 8466 5,90, die Grundsaktreuen von Sch. u. D. Baumschulenweg 12,—, 8598 3,20, 8599 8.50, durch Kurt Fischer 8510 30,50, gesammelt in der 40. Abteilung 8607 42,50, Bezirk 386 13860 2,95, 13868 3,15, 13888 4,75. Summa 203,65 Mk. Für den Prcsscfonds von einem Feldgrauen M. H. 2 Mk., Bialla 5 Mk. Für Parteizwecke. Landst. Kli. 2 Mk. Danksagung» Für die anläßlich der Einäscherung meiner treuen Gattin und unserer lieben Mutter Emma Müller uns bewiesene'Teilnahme sagen wir allen Teilnehmern, insbesondere dem Genossen Maldeck Manasse für seine rröstenden Worte unfern auftichtigsten Dank. Hermann Müller. Alfons Müller. Walter Müller. Nachruf! Am Mittwoch, den 24. Oktober, starb nach langem Leiden unsere Genossin Emma Müller Bezirk 559 im Urbankrankenhaus.— Wir werden ihr Andenken in Ehren halten. Die Genossinnen und Genossen der 6. Abt. Quittung. 4. Kreis. Zum Pressefonds: Liste 1349 20,20, 1360 2,—, 1401 2,50, 1448 5,25, 1481 1,—, 1495 1,—, 1574 3,50, 1581 34,95, 1701 4,50, 1860 8,—, 1860 1—, 1873 3,—, 2054 4,50, 2060 0,50, 2008 0,50, 2070 1,—, 2156 5,95, 2160 3,50, 2164 1,50, 2171 1,—, 2172 2,10, 2173 0,50, feitoita Njem Me« GesOiil 4. lUaljUivcifin Im Juni fiel unser Genosse Hermann Gndrefat Zorndorfcrslr. 18, Bezirk 392 II. Im Februar 1916 siel unser Genosse. Rudott Meyer Skaligerstr. 129, Beziik 1541. Am 4. Oktober verstarb an den Folgen»des Krieges unser Genosse EbKar Hintze Skalißerstr. 58, Bezirk 195 III. Ehre ihrem Andenken! 6. Waisikrei». Am 17. Sevteinber fand aus dem Kriegsschau- platz durch einen Nnalücksfall unser früherer Ab- KiliingSkassierer, der Genosse Vau! Äokme Rostockerstr. 6,!4. Abt. Bezirk 689» in einem Alter von 37 Jahren den Tod. Sein N> denken wird von uns in Ehren ge- halten werden. Nachruf. "Nte�ir'er& IMmjT&iclc. SO 16, Köpenicker Strasse 36 38.' Anfertigung von: Zeitschriftea— Statuten— 0 ittungsniarken— Billets— Mitgliedsbüchern— Programmen sowie sämtlichen Drucksachen. 1. Mahlkrris. Am 27. Oktober verstarb unser Genosse und langjähriger Bezirksführer, der Schnhinacher Hermann Schneider Landsberger Allee, Bezirk 399. Am 22. Oktober oerstarb unser Genosse, der Tischler Karl Arndt Jnsterburger Straße, Bezirk 344. Am 8. Oktober verstarb unser Genosse, der Friseur Kons Tagom Lichtcnbcrger Straße 20, Bezirk 379. Am 25. Oktober verstarb unser Genosse lanjähriger Bezirksführer, der Schuhmacher Gnltav Springer Kotlbuser Straße, 2. Abt. Oktober verstarb unser Genosse, Robert Gnrske Tilsicer Str. 77, Bezirk 342 1. Sozialdem. Wahlve&in Uleder Barnim. Bezirk Aeinickendorf-Ost. 31iUmv' V-ftv0t)er 1917 verstarb unser langjähriges treues Ptilglied, der Genosse, Restauraleur MiLiam Mendt Provinzstr. 61. Ehre ihrem Andenken! Am 12. Tischler und der VeraulworNtchcr Stedattcui: üaxl iltib; Verleger:«tolf©offmann; beide Berlin 0.27, Tchicklerstr. 5.— Druck; Maurer& Dtmmick, Berlin so>»-ck.... Anlage fit Ur. 83 des»Mitteilungsblattes". Der Kampf «m das preußische Mahlrecht. Von Heinrich Ströbel. Ter Julierlaß des Königs von Preußen, der den früheren Versprechungen einer preußischen Wahlrechts- reform auch die feste Zusicherung des gleichen Wahl- rechts hinzufügte, verhieß zugleich, daß die Wahlrechts- vorläge so früh eingebracht werden solle, daß die nächsten Wahlen nach dem neuen Wahlrecht stattfinden könnten. Da nun die Neuwahlen in Preußen nor- maler Weise im Sommer 1318 stattzufinden hätten, müßte der Landtag bis dahin das neue Wahlgesetz fertiggestellt haben. Nach allen offiziellen Ankün- digungen der letzten Monate sollte dann auch der Landtag bei Beginn seiner neuen Tagung im Oktober die Wahlrechtsvorlage als Beratungsgegenstand bc- reits vorfinden, so daß ihre Verabschiedung bis zum Mai möglich sei. Trotzdem jedoch das Abgeordneten- haus nicht, wie im Frühjahr beschlossen, am 8., sondern erst am IS. Oktober zusammentrat, war die Wahl- rcchtsvorlage noch nicht fertig. Und obwohl daS Haus gleich wieder bis zum S. November vertagt Verabschiedung der Wahlrechtsvorlage nicht mehr, und man kann hoffen, das neue Wahlgesetz wirklich bis nach Kriegsende hinauszuschieben. Wäre aber der Kriegsausgang ein derartiger, daß man ihn als einen Triumph des„alten preußischen Geistes" zu verherrlichen vermöchte, so läge auch kein dringlicher Grund mehr vor, diesen traditionellen Preußengeist durch Uebertragung des Neichstagswahlrechts auf Preußen zu gefährden. Zumal ja dann, nach Frie- densschluß, keine allzu große Rücksichtnahme auf die proletarischen Wünsche mehr geboten schiene. Run hat man allerdings auf dem Würzburger Rumpfparteitag der Abhängigen Sozialisten allerhand tönende Forderungen, ja sogar Drohungen vernom- men. Man hat dort die sofortige Einführung des gleichen Preutzenwahlrechts verlangt und dem Wand- schirm der Reaktion, Herrn Michaelis, den dringlichen Rat gegeben, so rasch als möglich zu verschwinden. Aber die heldenhafte Rethorik dieser allzuleicht zu besänftigenden Umlernesozialisten dürfte weder den Alldeutschen noch der Regierung allzu sehr impo- Vielmehr' wird nur das harte Muß der V nieren.-metmcyrwird nur das harte Muß oer Ver- Hältnisse die Regierung zur Einlösung ihres Juli- erlasses zu drängen vermögen. Zwingende historische gelegt werden Die Absicht der Verschleppung der Wahl seien. Nach den seinerzeit von der Berliner Stadt- verordneten-Verfammlung angenommenen Be- schlüssen sollen die Speisen, welche durch die Massen- speisung an die Bevölkerung zur Ausgabe gelangen, zu den Herstellungskosten abgegeben werden. Der PreiL wurde damals auf 40 Pf. für die ganze und 20 Pf. für die halbe Portion festgesetzt. Wie der Magistratsvertreter in der letzten Sitzung erklärte, werden jetzt bei diesem Preise die Unkosten, ohne daß dabei die entstehenden Generalunkosten'mitgerech- net sind, nicht mehr gedeckt. Im Durchschnitt koste der Herstellungspreis für eine Portion zirka 48,3 Pf., gegenwärtig betrage der tägliche Zuschuß seitens der Stadt ungefähr in 000 Mk. Der seiner- zeit für den Zweck der Massenspeisung bewilligte Betrag von 2 Millionen Mark ist um zirka, eine halbe Million überschritten. Nachdem in aus- giebiger Aussprache Vorschlage der verschiedensten Art gemacht, wegen ihrer praktischen Nndurchf-ilir- barkcit aber verworfen werben mußten, beschloß der Beirat gegen eine Stimme, dem Magistrat anheim- zustellen, den Betrag für eine ganze Portion auf 30 Pf., für die halbe auf 23 Pf. zu erhöhen." Nach den Ausführungen Ritters schwieg der Ober- bürgermeifter und auch die bürgerlichen Mitglieder boeb nach Bläftcrntpffiiinapn prif int D c* p rn h p r tinv-«wumityceici pvnnicyer mesvrmen. VUI ovo) oer- SU sagen. Und bei der Abstimmung aeleat ma�wU IM � c z e m l. e r vor. Bethmann Hollweg, der noch im Frühjahr 1317 j stimmte Ritter für. unser Genosse gegen die Preis- Um Abgeordneten hause mir aller Entschiedenheit er-> erhöhnng. Soweit wir unterrichtet sind, hsit sich Herr � e--„. klärte, daß während des Krieges eine preußische Wahl- resorm Ut unverkennbar. Und ,e. zaghstfter und reform nicht möglich sei. bereits im Juli die u n Körsten, Sekretär Berliner Gewerkschafrskom- lau dspartei forderte ja schon in ihrem Grün- f sich einbilden, durch die Berschlc' dungsaufruf, daß die Entscheidung über die inner-: bis nach einem„siegreichen" Frie tt.llitnttii'N Pifrpf Hrrtrtpn her"Rpif itrtrft.r flV!=.. Be�hÄpu� de�Wahlrewm war bereitet mit Hilfe Ritters und der Magistrat " rieden um die Einführung beeilte sich, die Erhöhung bald in Kraft treten zu lassen. Kriegsbeendigung durchaus in Einklang zu bringen i bevor nicht die D....�.............................. sei: man brauche blog oie prciißnchc Legislaturperiode Deutschlands eine Tatsache geworden ist. Je länger gen sozialdemokratischen Stadtverordneten in die Demokratisierung Preußens und setzung vorzunehmen. Da kamen ihm die uuabhangi- angenommen, die sich mit denkbarster Schürfe gegen das gleiche Wahlrecht in Preußen ausspricht. Also Obstruktion und Opposition auf der ganzen Linie der Vertreter des„alten preußischen Geistes". Und die Regierung ermutigt und unterstützt gegen ihre feierlich bekundeten schlcppnngstaktik, die der renkt mächlichste Zeit zur Sammlung und Anfeuerüng ihres Heerbannes läßt!! maßgebenden Stellen sich den Einflüsterungen Einschüchterungen der alldeutschen Kreise, die ja de- Versammlung von seiner Absicht in einer besonderen reits ungei'ierk der Parole der Demokratie den- Ruf � Vorlage Kenntnis zu geben, Kenntnis geben heißt MüiU die-�Auflebnune Kg pt enwÄll�erA�'K�nZdr�lA| �el wicrJch teile Euch unseren Beschluß zwar mit, i wird der Kampf um die Demokratisierung zu führen! aber»u bestimmen habt ihr nicht. stionären Rcbellerei ge-!''�' un Parlament und im Volke!; In der Stadtverordneten-Versammlung am .** 1 25. Oktober wurde die Angelegenheit behandelt. Unser <-*.* r■ o,. Jnznkischen ist einiges über das Aussehen der' Redner wandte sich mit aller Deutlichkeit gegen die wirklich etwas' a« der Dilrchnihr"un�� Wahlrcchtsvorlage mitgeteilt ivvröen. Essoll sich um Vertcuernng der Massenspeisung. Für eine Familie Programms läge, rasche Ar'beir machen' müßtet um örci getrennte Vorlagen handeln, die aber nicht, wie. von 4 Köpfen bedeute diese Maßnahme eine monat- auch den Eifer, mit dem sie ihr Iieformwerk betrieben, es eine Zeitlang hieß, durch ciu sogenanntes Mantel- Uiche Mehrausgabe von über 10 Mk. Der Grund, daß den aufrichtigen Ernst ihrer Absichten zu bezeugen, gxsetz czusammengefaßt werden. Das eine Gesetz be-i öie Selbstkosten der Herstellung des Essens gedeckt V o rw e�h cn � b c? �F r e n n d n d� �5 e w d� d es gleichen �WaM- handelt die Reform des Wahlrechtes zum Ahgeord- z werden müßten, sei nicht maßgebend, am allerwenig- rechts den verhängnisvollen Eindruck erwecken, daß netenhaufe, das zweite bezieht sich auf die Zusammen- sten in der jetzigen Kriegszcit. Sei doch selbst im ihr selbst an der Verwirklichung der Julibotschaft nich' setzung des Herrenhauses und das dritte soll das! Reichstage von der Budgetkommission beschlossen allzuviel gelegen ist und daß sie im Grunde ihres Bmdgetrecht des Herrenhauses erweitern. DaS Wahl- worden, ReichLmittel zur Senkung der Lebensmittel- ih r� In) r£> ei gl' r Ä" öcr'ti!unu w"16' rJcnK&cl: Kelch an xesormgesetz soll das gliche Wahlrecht vorsehen, das preise für die minderbemittelte Bevölkerung bereit Dieser' Eindruck verstärkt sich noch erheblich wenn mehrjährige Staatsangehörigkeit lind an eine»u stellen. Unser Genosse nagelte die arbeiterfeindliche man an die Entw icklnilg der Wahlreformver- längere Aufenthaltsdauer am Wohnort zur Zeit der. Haltung des abhangigen Sozialdemokraten Adolf heißungen während des Krieges denkt. Jahrelang Wahl geknüpft ist. Ritter im Ernährnngsbeirat und dessen sonderbares schon diese dürftigen Angaben, aus denen noch"Gerechtigkeitsgefühl" fest. Wo könne man von Ge- nichts als ganz vage und allgemeine Versprechungen botschaftz"die� V�rhMnng�Zncr schärfer" umrissmcni'"cht alle Schönheiten der Wahlreform zu' erkennen �gkett wo sew«sett«e gesamte Bevölke- Reform� aber immer noch ohne die Zusicherung sind, werden der Arbeiterschaft t'lar macheu, dasi der ng, auch die reiche, die blllige i�lelschzulage erhalten dcS gleichen Wahlrechts und erst für die Zeit nach entsÄcideude Kampf um ein wirklich freies Wahlrecht liabe, zu deren Kosten Reich, Staat und Gemeinde Erst die politischen Ereignisse des Juli in Preußen noch bevorsteht. i Mittel hergegeben haben. Diese„Geschenke" HaHeu dem Kriege. brachten den Stein ins Rollen. Aber schon scheint er � sich wieder im Stacheldrahtgestrüpp der rasch auige- worfenen reaktionären Verhaue verfangen zu sollen,, ohne sein Ziel zu erreichen. Woher der neue Szenenwechsel, der abermalige' werten er«?? q der NsUtsspeisutty. I...____ Vom 5. November ab wird in Berlin eine Preis Umschwung der innerpolitischen Konstellation? Nun, erhöhnng deö auS der städtischen Volksspeisung be die Ursachen liegen klar genug an der Oberflache. phttri-rcn Die Sturmszencn in der Rcichötagskommliilon, deren Mittagessens eintreten. Niederschlag die Mehrheitsresoliltion für den Ver- erhöht sich von 40 aus 50 Pf. ständigungsfricden und die Julibotschaft der Re gierung darstellten, waren auf den Nieder brnch imperialistischer Illusionen AIW»�»W?»>WMWWW»»W ! alle Kreise genommen, ohne sich Kopfschmerzen zu machen, daß ihnen ein Geschenk gemacht worden sei. Die bürgerlichen Gruppen fanden die Preis- erhöhnng in Ordnung: Für die Abhängigen sprach � Adolf Ritter. In seiner Fraktion hatte es längere Der- Portionspreis Anseinandersetzungen gegeben. Ritter erklärte sich im Namen seiner Fraktion für den von unseren Ge- Unsere aus dem Boden der Unabhängigen Sozial- Zossen gestellten Antrag und gegen jede Verteuerung -luriick'vs' bren demokratischen Partei stehenden Genossen haben mit des Massenessens. Gegen unsere Genossen wandte er 3. Juli. MWWMMW Absage an die Forderung der Parlamentarisierung jetzige Zeit wohl nicht die geeignete sei, die Preise für kurz wiedergegeben, in den„Vorwärts" gekommen ist. der Reichsreaierung. sondern auch in der unlustig Essen zu erhöhen. Es blieb dem Stadtverordneten ES sei zwar richtig, daß er in dem Beirat für die und träge ucb vcrsthlcppenden Jnangriftnahme ce'. Ritter, Arbeitersekretär der Berliner Gewerk- Preiserhöhung gestimmt habe, aber heute habe er im preu„i scheu. offenen haften, vorbehalten, für die Verteuerung sich inS Namen seiner Freunde die Erktärung abzugeben, daß Widersacher''des gleichen Wahlrechts schon viel gewvn- Zeug zu legen. Er stellte sich auf den Standpunkt, sie gegen die Erhöhung seien. Bon seinem Gerechtig- nen zu haben, wenn sie nur erst einmal Zeit gewinncli. daß es ungerecht sei, die über die Selbstkosten hinaus-: keiisgefühl, das ihn zwang, für die Erhöhung einzu- Bringt man es fertig, die erste Lesung der_ Vorlage gehenden Beträge auf allgemeines Konto zu nehmen:: treten, sagte Ritter nichts mehr, dagegen hielt er sich bis in den Dezember hinein zu verschleppen, w wci �i„Gerechtigkeit" müsse er für die Preiserhöhung- bei der Qualität deS Essens, über das sicher manches Bo rwarch'"gebotener �G NW d lichkei t sehr'in die Länge stimmen. Seine Stellung geht aus einem Bericht- S" sagen ist, bei der Behandlung durch Ehrendamen ziehen kann, bis tief in das Frühjahr hinein gehen,! hervor, den der„Vorwärts in seiner Nummer vom! usw. länger auf. Das Verhalten der bürgerlichen so daß die Erledigung der Vorlage bis zum gesetz- 28. September kommentarlos brachte und �n welchem: Fraktionen charakterisierte unser Redner dahin, daß lichen Schluß der Legislaturperiode wegen der be kanntlich notwendigen Doppelabstimmungen der beiden Häuser nicht mehr möglich ist. Wird aber dann die Legislaturperiode nach dem Vor>a)lag des Wehrvereins verlängert, so drängt ja dann auch die s u. a. hieß: i es ihnen um das Wohl der ärmeren Bevölkerung „Der Beirat der Massenspeisung hielt nach � 8U fun fei- Festgestellt wurde von unserem«sie- längerer Papse unlängst eine Sitzung ab, aus der l Nossen auch die Tatsache, daß der Staat cselbst größere die wichtigsten Verhandlungspunkte wiedergegeben- Zuschüsse zu den Kosten der städtischen Speisung ge- leistet habe und dadurch die Zuschüsse der Stadt durch- aus keine übcrmäbigeu zu nennen seien. Unser An- trag, eine Preiserhöhung nicht eintreten zu lassen, wurde abgelehnt. Für unseren Antrag stimmten außer unseren Genossen nur die Abhängigen. An der Tatsache ist aber nicht zu rütteln, daß der Stadtvcrord- nete Adolf Ritter durch seine Haltung in dem vor- bereitenden Stadium die Erhöhung nicht nur mitver- schuldet, sondern sie eigentlich auf dem Gewissen hat. Hätte er sich gleich unserem Genossen Hinhe schon da- mals mit allem Eifer dagegen eingesetzt, so wäre der Magistrat schwerlich zu seinem Schritt gekommen. Er hat durch seinen Gerechtigleitsfimmel die bürger- lichen Vertreter und den Magistrat geradezu ermutigt, die ärmere Bevölkerung in schwerer Zeit besonders zu belasten. Seine Fraktion hat ihm zwar nicht zuge- stimmt. Das entlastet ihn keineswegs von seiner Verantwortung, die er als Vertreter von Arbeitern im besonderen Maße haben sollte. Man könnte eine einmalige Entgleisung noch hingehen lassen, so schwere Folgen sie auch nach sich gezogen hat, wenn sie allein dastände. Aber sie ist die Konsequenz des Verhaltens in der Frage der Gaspreiserhvhung. Auch in dieser stellte sich Adolf Ritter in seiner Eigenschaft als Mit- glieb des Aussichtsrats der Gaswerke im Verein mit Heimann und Theodor Fischer, Parteisekretär der abhängigen Sozialdemokraten in Verlin, auf den gleichen Boden, daß die gestiegenen Kosten der Gas- Herstellung von den Konsumenten getragen werden müßten und somit eine Gasprciserhöhung gerecht- fertigt sei. Erst als die unabhängigen sozialdemokratischen Stadtverordneten mit aller Schärfe diesen Stand- punkt als falsch und unhaltbar geißelten und nach- wiesen, daß die höheren Kosten als Kriegsfolgen zu werten seien, die jetzt nicht den Konsumenten zu Lasten geschrieben werden dürften, erst dann bequemten sich die Abhängigen dazu, ihre Haltung �zu ändern und mit uns gegen die Gaspreiscrhöhung zu stimmen. Aver auch da bekamen es Adolf Ritter und Theodor Fischer es nicht über ihr gasaufsichtsrälliches H»rz, gegen die GaSpreiserhvhung zu stimmen, sie drückten sich von der Abstiinmung, indem sie den Sitzungssaal während der Abstimmung verließen. Auch Arbeitervertrcter! Und was für welche! -Ü Die Vororte, die auf Berlin nur noch gewartet haben, werden sich beeilen, sofort auch ihre Preise für das in der Gemeindcküche hergestellte Essen zu erhöhen. Berlin wirkt vorbildlich! Agltation der Regrerungssoziaiiftei: im Felde. Kürzlich konnte das„Mitteilungsblatt" darüber berichten, mit welcher bcttlerhasten Ncanier die Regie- rungssozialistcn unter den Kriegsteilnehmern Abon- nentcn für den„Vorwärts" zu fangen suchten. Nun- mehr gehen die Herrschaften daran, die Vorwärtsleser als Mitglieder ihrer Partei zu werben. Der„rote Hindenburg von Berlin" ha: seine überlegene Strategie auf den wirklichen Kriegsschauplätzen zu erproben. Ob das Resultat ihn und seine Getreuen ermutigen wird, bleibt abzuwarten. Außer anderen Organen der Arbeiterbewegung hält mancher unserer geistig regsamen Genossen zu informatorischen Zwecken auch noch den„Vorwärts", obwohl sie von seinem Standpunkt durch eine ganze Weltanschauung getrennt werden. Nachdem sie so „dem„Vorwärts" in schwerer Zeil die Treue halten", bekommen sie von der regierungssozialistischen Be- zirksvrganisation Grvß-Vcrlin das neueste Flugblatt und die„Aufklärungsschrift":„Sozialdemokratie und nationale Verteidigung", worin die notwendige Mit- glicdschaft in der abhängigen Parteiorganisation bc- gründet wird. Die beiden Schriftstücke enthalten freilich nichts neues, aber es erscheint uns doch tnnlich, einen ilüch- tigen Blick darauf zu werfen, um über die Methoden der regierungssozialistischen Agitation unterrichtet zu sein. So erlaubt sich das Werbeflugblait. die dreiste Verdrehung, die Berliner Organisation sei von der „gewissenlosen" Opposition zerstört worden,' es heißt da u. a.:„Die einstmals so achtungsgebietende Orga- nisatio» der Sozialdemokratie Groß-Berlins ist dahin. Sie ist zerstört durch das gewissenlose Treiben sich jetzt„unabhängig" nennender ehemaliger Parteimit- glicder. Ter Geist freiwilliger Disziplin, mit dem wir unsere großen Kämpfe führten, der uns stark gemacht, die sonst selbstverständliche Unterordnung der Minder- heit unter den Willen der Mehrheit, sie hatten auf- gehört, das anerkannte, allcinherrschende Grundgesetz unserer Bewegung zu seist«.." Diese Objektivität ist einfach unübertrefflich! Begann die Zerstörung der Groß-Berlincr Organisation nicht mit einer beispiel- losen Gewalttat de? Parteivorstandes, mit dem Bor- wärtsraub?! Ebenso ist das Gerede von der freien Disziplin, der Unterordnung der Minderheit nuter Lea Willen der Mehrheit offenbare'Demagogie. Fn Groß-Berlin hatte die Opposition von Anbeginn die erdrückende Mehrheit für sich? ihr einziges Verbrechen besteht darin, daß sie den mit roher Gewalt austreten- den Instanzen die Gefolgschaft aufkündigte. Indessen ist von den Leuten, die seikdem einen Gewaltakt auf den andern häuften, nicht zu erwarten, daß sie sachlich über die Dinge berichten, der Wahrheit die Ehre geben. Jeder, der die Zuspitzung und Austragung der Ber- lincr Partciverhältnisse beobachtet Hai, wird sich für diese Belehrung bestens bedanken und es wird den betrübten Strategen ohne Massen gewiß nicht gclin- gen, mit solchen niedrigen Mitteln„eine dauernde Verbindung mit den politisch interessierten Genossen im Heere zu erlangen". Nicht minder arbeitet die Ansklärnngsschrist „Sozialdemokratie und nationale Verteidigung" mit den einseitigen Verdrehungen der Tatsachen. Da wird noch einmal das„historische Material" der David und Hänisch breitgetreten, wonach die deutsche Sozialdemo- kratic schon immer das war, was heute die Regie- rungssozialisten sind. Da werden iM Seiten mit a»S dem Zusammenhang gerissenen Zitaten von EngelS, Liebknecht. Bebel, Auer, Wollmar u. a. angefüllt, um die glorreiche Politik des 4. August zu rechtfertigen. Das Täuschungsmanöver ist denn doch zu plump! Denn der eigentliche Sinn �er Zitate unserer großen Vorkämpfer hat mit der heutigen Mehrheitspvlitik nichts gemein. Engels, Bebel, Liebknecht, kurz, die gesamte soziale Internationale betonten und vertraten wohl die Notwendigkeit der bedingten Landcsvcneidi- gung, das heißt, de? reinen Verteidigungskrieges. Von einer geringen überraöikalcn Minorität abgesehen, steht heute noch jeder Sozialist aus diesem Standpunkt. Aber wie weit, himmelweit, ist der neue Regierungs- sozialiömns von diesem sichern Grundsatz.entfernt. Die Fraktionspolitik der Schetöemänner— und das ist heute der Leitstern für die gesamte regierungs- sozialistische Gefolgschaft— hat die elementarsten svzia- listischeu Prinzipien preisgegeben, jede Selbständigkeit, jede ernsthafte Kritik, llnd darum ist der Börfuch, die eigene Preisgabe des Sozialismus mit Worten der Begründer nnd Vorkämpfer des Sozialismus zu be- kräftigen, ein Zeichen geistigen und moralischen Tief- standes, eine Sophistik, die nicht mehr überboten werden kann. Das alles ist nun gewiß nicht mehr neu. Da aber die Regierungssozialistcu in Ermangelung neuer, stichhaltiger Argumente immer wieder mit der alten Verdrehungskunst auf den Geisterfang ausgehen, ist es erforderlich, sie ivieder einmal bloßzustellen. Tun wir das nachdrücklich, so wird es diesen nenorientiertcn Staatsstützcn ebensowenig im Felde wie in der Heimat gelingen, Proselyten zu machen. Groß-Berliner ChramK. Die Verkehrserschwerung d u r ch Fahr- Preiserhöhung und andere Einschränkungen brachte die Unabhängige sozialdemokratische Nathans- fraktion in der letzten SindtverSrdueten-Bersammlung zur Sprache. Sie verlangte vom Magistrat, er möge dahin wirken, daß diese Erschwerungen verhindert würden. Unser Redner, Genosse Rosenfeld, schilderte eingehend die Wirkungen dieser neuesten Verkehrs- maßnahmen. Die bürgerlichen Vertreter wollten aber nichts davon wissen, daß die Stadt besondere Schritte tue, der Stadt gehe daS nichcs an. Zudem bleibe nichts übrig, als solche Maßnahmen im Kriege als unabänderliche, wenn auch unbequeme KricgSfolgen hinzunehmen. Daß es der Stadt eigentlich nichts an- ginge, und Sache des Landtags sei, meinte auck im Einverständnis mit den bürgerlichen Vertretern der Redner der Abhängigen Fraktion. Erst auf Vorhalt unseres Genossen erklärte er, mit seinen Freunden auch für unseren Antrag stimmen zu wollen, obwohl die Begründung zur Ablehnung Wtte führen müssen. Das Berliner Schulelcnd zeigte in der letzten Siadtverordnrten-Versammlung Genosse Leid auf aus Anlaß einer Vorlage auf Einziehung zweier Gemeindeschulen. Es paßte den Freisinnigen durch- aus nicht, daß unser Genosse in dem eng gezogenen Rahmen die große Unruhe im Schulbetricbe kritisierte, die durch Schließung von Schulen, Anordnung schul- freier Tage, Nötigung von Schulkindern zur Zeich- nung von Kriegsanleihe usw. hervorgerufen werde. Der Schulbesuch würde auch durch das schlechte, teure nAd knappe Schuhwerk stark beeinträchtigt. Das würde im Winter sehr schlimm werden. Der Schulrat teilte mit, daß die Schuiverwaltung sich mit der letzteren Frage schon beschäftigt habe. Welche Maßnahmen getroffen werden sollen, gab er nicht bekannt. Es bleibt kein anderer Weg, als von den Behörden zu ver- langen, für Schuhzeug zu sorgen. Tgs ist genau so nötig, als die Sicherstellung der Ernährung. Für die K r i e g s b c s ch ä d i g t c n mehr Mittel zur Verfügung zu stellen, verlangte vom Reich in der letztcu Skadtverordneten-Bersammluug Genosse Dr. Weyl.—- Neue Eisenba Hn-Mvnatskarteu sind am 1. November zur Ausgabe gelangt. Die Monats- karten für die erste bis dritte Klasse werden in zwei Arten ausgegeben: für Personenzüge zu den bis- herigen Preisen und für Schnellzüge mit IM Prozent Zuschlag auf die bisherigen Preise. Die für Personen- ziige ausgestellten Monatskarten dürfen auch im Schncllzugsverkchr gegen Losung einer Ergänznngs- karte für jede Fahrt benutzt werden. Bei beiden Arten der Rionatskarte ist bei«Bcniltzimg von Schnellzügen der tarifmäßige Schnellzugszuschlag zu zahlen. Die durch Schalteraushang bekannt gemachten Schnell- ziige, die von der Benutzung mit RionatSkarten aus- geschlossen sind, dürfen auch nicht mit Schnellzugs- Monatskarte benutzt werden. Wegen Mangel an Heizschläuchen und zur weite- reu Vermikfdcrung des Kohlenverbrauchs während des Winters muß die H e i z u n gder Züge noch mehr als im vorigen Jahre eingeschränkt werden. Ter diesjährige Hcizzcitraum dauert bis zum 3l. März kommenden Jahres. Die in den. Abteilen anzu- strebende Wärme ist auf ltz biö 12 Grad herabgesetzt worden. Von der Heizung der Stadtbahn-, Vorort- und Nebenbahnzüge sowie der Züge des Nahverkehrs muh abgesehen werden. Die Slaatseisenbahn- Verwaltung richtet daher an das reisende Publikum die dringende Aufforöernng, sich mit Eintritt kälteren Wetters ausreichend mit W i n c e r s ch u tz k l e i d u n g unter allen Umständen zu versehen, weil auch in den- jenigcn Fernzügen, deren Hetzung noch vorgesehen ist, nichi immer auf ausreichende Erwärmung der Abteile in bisher gewohnter Weise gerechnet werden kann. Der B e r k a u f der Englischen Gas- a n st a l t will nicht zur 2tuhe kommen. Jetzt hat der Teltower Kreis sich mit dem Ankauf zu befassen. Dem KreiSausschuß ist jetzt das Ankaufsprojckt vor- gelegt worden. Obwohl auch sicher der Preis für unerhört hoch bezeichnet morden ist, so soll es jetzt keine Rolle für die Wirtschaftlichkeit spielen, wenn 20 Millionen mehr bezahlt werden, als die Sachver- ständigen den Wert geschätzt haben. Allerdings spielen kommunalpolitische Erwägungen bei diesem Ankauf eine Rolle, die höher gcivertet werden, als die 20 Mill. Mehrausgabe. Daß eine Wirtschaftlichkeit bei diesem Preise nicht erzielt werden wird, ist heute schon sicher, zumal nach Ablauf der Verträge Schöneberg und jedenfalls auch Wilmersdorf als Gasabnehmer aus- scheiden werden. Weil sie durch Schleichhandel Lebens- mittel gekauft und verkauft haben, find die Mctfcher- schon Weinstuben in der Französischen Straße gc- schlössen worden. Dem Küchenleiter wie dem Prokn- risten ist außerdem untersagt worden, eine gleichartige Tätigkeit in anderen Geschäften auszuüben..— Eine Anzahl Verhaftungen sind wieder vorgenvm- inen worden wegen Verschiebung von geschlachteten Schweinen. Das Obst ist wieder einnial vom Markte ver- schwundcn, nachdem wir eine kurze Zeit eine Obst- schwemme gehabt haben. 000000 Mark für Holz und Kerzen. Zur Deckung der durch die Versorgung der Einwohner von Schöncberg mit Brenustoffen entstehenden Kosten verlangte der Schöneberger Magistrat außer den bereits bewilligten 00 000 Ml. weitere 600 000 Mk. Für dieses Betrag sollen in der Hauptsache Brenn- holz und Kerzen angekauft und an die Einwohnerschaft abgegeben werden. Einen gemeinsamen Kirchgang unter- nahmen am 31. Oktober, dem Tage der Reformativns- feier Magistrar, Stadtverordnete und unbesoldete Ge- meindebeamte vom Rathaus nach der Nicolaikirche. Die Dien st stunden der Brotkvm- Missionen sind vom 1. November ab wie folgt festgesetzt: An sämtlichen Wochentagen, mit Ausnahme des Mittwoch, tritt durchgehende Arbeitszeit von 0 bis i Uhr ein. Die Brotkommissionen sind also bis-l Uhr für das Publikum geöffnet. Am Mittwoch verbleibt es bei der bisherigen Dienstzeir von 8 bis l Uhr und 3 bis 7 Uhr. um ber arbeitenden Bevölkerung an einem Tage Gelegenheit zu geben, am Schlüsse der Arbeitszeit ihre Kartenangelegenheiten in den Nach-' Mittagsstunden zu erledigen, falls hierzu im Laufe des Tages keine Gelegenheit vorhanden ist. Die Dienstzeit am Sonntag wird mit Rücksicht auf die durchgehende Arbeitszeit an den Wocheutagen auf die Zeit von 9 bis 11 Uhr fesrgescgt. Bor dem Umgang mit Unabhängigen sucht der„Vorwärts" seine Leser zu warnen. Der Oekonom des Gewcrkschaftshauses hatte in seinem üblichen Wocheninserat ernch den von unseren Genossen des 3. Kreises zum Sonntag, den 28. Oktober im Ge- werkschaftshaus arrangierten Kunstabend ans eigenem Antrieb mit anfgenommen. Das veranlaßt den„Vor- wärts", in seinem redaktionellen Teile daraus auf- merksam zu machen, daß eS sich um eine Veranstaltung der Unabhängigen handle. Welche Angst vor dem Verkehr mit Unabhängigen. Ein interessanter Fünfuhrtee wurde am letzten Sonntag von der bekannten Herausgebcrin der Continental Times, Frau White, veranstaltet. Nach einem Bericht in bürgerlichen Zeitungen nahmen zahlreiche Vertreter der Diplomatie, der Kunst, Wissen- schaft und der Großindustrie teil. Es werden namcnt- nch ausgeführt Prinzessinnen, Grafen und Gräfinnen, Professoren, Gcheimräte und Gchcimrätinnen, Gc- sandic und andere mehr. Der nachmittags begonncuc Fünfuhrtee endete, wie berichtet wird, erst um 2 Uhr morgens. In dieser laugen Zeit dürfte ugtürlich auch für des Leibes Notdurft entsprechend gesorgt worden sein. Kohlrüben wird es ja nicht gegeben haben, sonst würde der Tecnachmittag nicht bis 2 Uhr morgens gewährt haben. Aus einer Versammlung der Alldeutschen hinaus- geworfen wurde kürzlich der Reichstagsabgeordnete Otto Wels. In Friedrichsbaaen hatte die Vaterlandspartei in einem Inserat alle diejeniaen eingeladen, die einen Frieden daben wollen, der den Ovkern unseres Volkes in Gut und Blut und den Errungenschaften unseres tapferen Heere? gerecht wird. Der Einladung folgten Wels und einige seiner engeren Parteifreunde. In einem in der Nieder- barninrer Zeitung veröffentlichten Eingesandt, unterzeichnet von Köcker iß, Micke und Sparmann, wird erklärt, daß sie bedauern, die Versammlung besucht zu haben. In der Er- üssnungsrede war nämlich die Rede von der Reichstags- mehrheit als eine von einer..Nervenkrise geschüttelte schwachhcrzipe Gesellschait". Das bezog Herr Wels auf sich und wollte sich durch Anfrage vcrgewisiern, ob auch Anhängern des Verständigungsfriedens das Wort verstattet würde. Vom Vorsitzenden wurde er gehindert, daS eingehender auszuführen und schriftlich aufgefordert, das Lokal zu oerlassen. Die Einsender der Notiz beklagen sich über die abstoßende, gewalttätige Handlung des Versammlungs- leiters. Diese Behandlung hätten sich die Leute ersparen können. So geht cS, wenw man sich, bei dem Bürgertum in empfehlende Erinnerung bringen will. Religion«nd Sozialismus. In der letzten Jugendbeilage(Nr. 28 des „M.-Bl.") haben wir von der sozialistischen Welt- an schauung gesprochen sowie von der Notwendig- keit, datz der jugendliche Arbeiter diese sich zu e'gen inachen muß. Dazu gehört auch die Kenntnis anderer Weltanschauungen, die der sozialistischen feindlich gegenüberstehen. Man kann nur dann für eine Weltanschauung und Ueberzeugung ein- treten, wenn man die Anschauungen der Gegner kennt und mit überzeugenden Gründen zu wider- legen weiß. Im schärfsten Gegensatz zu der Welt- anschauung des proletarischen Sozialismus, so wie ihn Karl Marx usw. wiffenschaftlich begründet hat, steht die religiöse Weltanschauung, die heute noch jahraus jahrein Millionen von Arbeiterkindern durch die Schule usw. aufge- zwungen wird, in vielen Fällen gegen den Willen der Eltern. Die rauhe Wirklichkeit des Lebens wird vielen jungen Proletariern die religiösen Lehren der Schule zwar schnell vergesien machen, aber sie werden sehr häufig mit Anhängern der religiösen Weltanschauung in Berührung kommen und die mit dieser Weltanschauung im Zusammen- hang stehenden kirchlichen Gebräuche usw. werden auch in ihrem Leben von Zeit zu Zeit eine Rolle spielen. Das fängt schon beim Verlassen der Schule mit der Konfirmation an, der wir unsere Jugend- weihe entgegensetzen. Aber wieviel junge Proletarier und Proletarierinnen sind in der Lage, zu begründen, warum sie nicht zur Konfirmation gegangen sind? Wie mancher unserer Leser, der! offen eingestanden hat, daß er mit Religion und| Kirche nichts mehr gemein habe, hat nicht von! Tante, Großmutter oder von anderer Seite den Vorwurf gehört, daß der Mensch doch an Gott glauben und die Gebräuche der Kirche mitmachen! müsse. Aber wie wenige sind in der Lage, � solchen Vorwürfen mit wirklich stichhaltigen Gründen entgegenzutreten! Denn mit spöttischen Redensarten und oberflächlichen Schlagworten kann man niemanden von der Berechtigung der eigenen Weltanschauung überzeugen. Worin besteht der Unterschied zwischen reli- qiöser und sozialistischer Weltanschauung? Die Menschen, die im Banne der religiösen Welt- anschauung stehen, mögen sie nun frommgläubige Mitglieder ihrer Religionsgemeinschaft(evange- lische, katholische, jüdische usw.) sein oder mögen sie nur von Zeit zu Zeit sich ihrer Zugehörigkeit zu solchen Gemeinschaften bewußt werden, sind davon überzeugt, daß ihr eigenes Leben wie öas der ganzen Menschheit abhängt von dem Walten übernatürlicher und übersinnlicher Kräfte, die über den Wolken thronen und die man Gott, Christus, Jungfrau Maria, Jehooah, Allah usw. usw. nennt. Für den Einzelnen nimmt diese Ueberzeugung die Formen des Religionsbekennt- nisses an, in das er durch Zufall hineingeboren ist und das ihm als das richtige und wahre hin- gestellt wird. Jedem Einzelnen wird von Kindes- deinen an durch die Schule usw. gelehrt, daß die Glaubensgesetze und Vorschriften seiner Reli- gionsgemeinschaft die besten und zuverlässigsten seien, daß man nur durch sie sich die Gnade der göttlichen Gewalten sichern könne. Vor allem ent- springt aber der religiösen Weltanschauung der Glaube an eine„göttliche Weltordnung", nach der es unbedingt Arme und Reiche, beherrschende und beherrschte Klassen geben muß, weil das„immer so war" und im Heilsplane der Gottheit liege. Für den wissenschaftlichen Sozialismus gibt es eine solche„göttliche Weltordnung" nicht. Er weist vielmehr nach, daß alles, was in Natur und Menschenwelt geschieht, bestimmten Entwicklung?- gesetzen unterworfen ist, das der menschliche Geist erforschen und erkennen, der menschliche Wille und das menschliche Handeln in bestimmte Bahnen drängen kann. Nach der sozialistischen Welt- anschauung ist die ganze Kulturentwicklung der Menschheit, sind die heutigen Zustände der Gesell- schaft Menschenwerk, wie die Menschen auch die Gestaltung ihrer Zukunft selbst in der Hand haben, wenn sie die Gesetze der Natur und die in der menschlichen Gesellschaft wie im Einzelmenschen lebendigen Triebkräfte erkennen und im Interesse der Gesamtheit wie des Einzelnen richtig anwen- den. Darnach ist auch die Religion selbst Menschen-; werk! die Gottheit hat die Menschen nicht nach! ihrem Bilde geschaffen, sondern die Men-j s ch e n haben sich je nach den natürlichen, wirt- i schaftlichen und gesellschaftlichen Zuständen, unter denen sie lebten, das Bild ihrer Gottheiten ge- schaffen. Daher auch die kaum unübersehbare Menge von verschiedenen Religionen. Diese nehmen alle ihren Ausgang von der Eeistesver- fassung des barbarischen Urmenschen, der den Er- scheinungen des Todes� und des Traumes, dann auch dem schädlichen oder nützlichen Walten der Naturkräfte hilflos und ohne wissenschaftliche Er- kenntnis gegenüoerfteht und rnit Hilfe der Phan- tasie sich eine Erklärung zurechtkonstruiert. Mit dem Fortschreiten der Kultur werden diese vielartigen Erklärungen mit ihrem primitiven Seelen- glauben und der buntscheckigen Schgr der Natur- gottheiten in bestimmte Systeme gebracht und mit bestimmten Vorschriften verbunden, sie werden bei den verschiedenen Kulturvölkern verfeinert und vergeistigt und eine bestimmte Eesellschaftsschicht, die Priesterkaste, wird zur Hüterin und Nutz- nießerin der einzelnen Religionssysteme, deren Eedankeninhalt häufig ineinander übergeht und zur Bildung neuer Religionsformen führt. So- lange aber die Erkenntnis der Naturgesetze' und der in der menschlichen Gesellschaft wirksamen Triebkräfte in den Kinderschuhen steckt, solange ist die Weltanschauung der Menschen auch erfüllt vom Glauben an übersinnliche und übernatürliche Ee- walten. Erst der neuesten Zeit blieb es vorbehalten, dem Jahrtausende alten Glauben das Wissen gegenüberzustellen. Aber auch heute noch ist dieses Wissen noch nicht in die breiten Massen gedrungen, ja es wird noch geflissentlich von ihnen fernge- halten. Millionen von Kindern des Volkes gehen noch heute mit dem festen Glauben in das Leben hinein, daß Weltall und Menschheit so entstanden seien, wie sie es alb biblische Schöpfungsgeschichte in der Schule lernen mußten. Und Kirche und Staat sorgen dafür, daß ihnen dieser Glaube mit all seinen Schlußfolgerungen in bezug auf ihr Ver- halten zur„Obrigkeit" und zu den äußeren For- men des kirchlich-religiösen Lebens immer wieder zum Bewußtsein komme. Wer sich aber zur sozia- listischcn Weltanschauung bekennt, der kann mit solchem Glauben nichts mehr gemein haben, der muß sein Wissen immer mehr ausbauen und ver- tiefen, um seiner freien Ueberzeugung einen festen Grund zu geben und dieser Ueberzeugung gemäß zu handeln. Dazu gehört auch das Wissen vom Wesen der Religion und der Kirche, die in der menschlichen' Kulturgeschichte eine so große Rolle gespielt haben, daß ihr Einfluß auch heute noch in den gesellschaftlichen Zuständen und in den Köpfen der Menschen wirksam ist. Auch auf diesem Gebiete muß der junge Prolet tarier nach Klarheit und Wahrheit streben. Wenn er auf dem Boden der sozialistischen Weltanschau- ung steht, muß er auch zu einer klaren und ehr- lichen Stellungnahme zu Religion und Kirche kpm- men. Mit Gleichgültigkeit, Hohn und Spott ist es nicht abgetan, man mutz seine Ueberzeugung auch begründen und für sie werben können. Unsere jungen Leser werden oft den Vorwurf hören, daß Menschen, die keine Religion haben, schlechte Menschen seien. Dem haben wir entgegenzuhalten, daß auch wir einen glühenden, leidenschaftlichen Glauben in uns tragen; aber nicht einen Glauben an einen allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott,— gerade der mörderische Weltkrieg läßt die angeblich alles umfassende Güte Gottes in sonder- barem Lichte erscheinen—, sondern einen Glauben. an die Höherentwicklung der Menschheit durch.die Menschheit selbst, durch Verwirklichung der Ziele des Sozialismus. Dieser Glauben steht nicht mit dem Wissen in unversöhnlichem Gegensatz: er ver- bindet sich vielmehr mit dem Wissen zu harmoni- scher Einheit und gibt dem Dasein des jungen Proletariers Schwung und Feuer. trotzdem es ihr außerordentlich schwer fällt, die nötigen Mittel dazu aufzubringen. Die Jugendheime, die vielfach von der Partei, zum Teil auch von Mitgliedern der„Ver- cinigung Arbeiterjugend Groh-Bcrlin" aufrecht er- halten werden, sind eine gute Stätte zur Erholung, Belehrung und Unterhaltung. Gerade in der jetzigen Kriegszeit findet man deren wenig und darum sollten alle Eltern ihre Tochter und Söhne in unsere Jugend- Heime schicken und selbst Hand anlegen, um den Orga- nisationen die Aufrechterhaltung der Institutionen zn erleichtern. Unsere Jugendheime waren von jeher bei den Arbeiterkindern sehr beliebt und wurden von ihnen. bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufgesucht. Unsere Jugendheime sind behaglich eingerichtet. Die Jugend findet sich hier mit Kollegen auö der Fortbildungsschule, mit ehemaligen Schulkameraden und jetzigen Arbeitskollegen und mit gleichgesinnten Alterskameraden zusammen, um nach schwerer Arbeit geistig aufzuatmen uud sich l'elbst ihr noch kindlich- frohes Gemüt bei guter Laune zu erhalten. Auch bei gemeinsamen Spielen verlebt die Jitgenb im Heim manche frohe Stunde, an die sie sich nach Jahren mit Genugtuung erinnert. Unsere Heime befinden sich in Berlin in der Rrunncnstraße 70 und in der Königsberger Straße 7. Aber nickt nur die Jugendheime stellen einen guten Herd für die schulentlassene Jugend dar, son- dern auch die„Bereinigung Arbeiterjugend Groß- Berlin". Diese Bereinigung geht rein proletarische Wege und ist daher unabhängig von der Fortbildung�- schule, vom Einflnsi von Lehrherrn, militärischer Stellen und verfolgt keine religiösen Zwecke. Sie wird getragen von Jugendlichen und hat durchaus nichts mit ähnlichen Vereinigungen zu tun. In ihr wird die Bildungsarbeit der Jugendheime sortgesetzt. Durch Vorträge ans allen Wissensgebieten, sowohl der technischen als auch der künstlerischen und der des wissenschaftlichen Sozialismus, durch Führungen durch Museen, Ausstellungen und dergleichen, durch Aus- spräche über berufliche Fragen, durch humoristische Vorträge wie auch durch Veranstaltungen grvheren Stils und durch sonntägliche Wanderungen durch die weitere und nähere Umgebung Berlins versucht die Vereinigung Arbeiterjugend Grotz-Berlin, allen Jugendlichen das zu bieten, was die Jugend, sowohl die männliche als auch die weibliche, braucht, um für den Kampf im späteren Leben gewappnet zn sein. Aufnahmen nimmt entgegen i„Jugendsekretariat für Grosi-Bcrlin", O. 27, Schicklörstr. 5, sowie die Jugendheime in Berlin, Neinickeudorf-Ost, Weißcnsce, Friedrichsfelde und Friedrichshagen. Einführung in die Grundlagen des Wissenschaft- lichen Sozialismus, lieber dieses Thema begann am Mittwoch, den 27. Oktober, in der Arbeiterbildnngs- schule, Schicklerstr. L, ein Vortragskursus, der sich über 8 Abende erstreckt. Er ist besonders für Jugendliche vorgesehen und ist dem Anfnahmegeist derselben an- gepaßt. Der gute Besuch zeugt dafür, daß unsere Jugend auch trotz langer Kriegsdauer das Bedürfnis verspürt, sich auf diesem Wissensgebiete nach Möglich- keit weiterzubilden. Die„Bereinigung Arbeiter- fügend Groß-Berltn", die es ihren Mitgliedern er- moglicht, bei Entrichtung der halben Teilnehmer-. gebühr an dem Kursus sich zu beteiligen, stellt allein annähernd 50 Besucher. Es wäre erwünscht, wem: sich trotzdem noch recht viel neue Jugendliche, weibliche wie männliche, an den kommenden Kursusabenden beteiligten. Jeder Vortragsabend ist in sich abge- schlössen und es ist daher Aenhinzukommenden leicht, sich' in die Materie hineinzufinden. Genossin W n r m versteh:.es vorzüglich, die Hörer mit den Grundlagen des Sozialismus vertraut zu machen. Die folgenden Vortragsabende sind am Mittwoch, den 7., 14. und 23. November und am 5. und 12. Dezember, abends Uhr. Unserer Jugend und deren.Eitern! Schon tobt der Krieg drei und ein halbes Jahr. Die Jugend wird zu immer anstrengenderer körpet- licher Arbeit herangezogen. Nie war es den Vätern und Müttern so schwer wie jetzt, ihren aus der Schule entlassenen Söhnen und Töchtern die nötige Fort- bildung angedeihen zu lasten. Nach des Tages harter Frohn will sich aber auch die Jugend erholen, unter- halten und mit ihren Freunden zusammenkommen und sich auch über ihre Arbeitsverhältnisse usw. aus- sprechen. Die Aufgabe den Eltern zu erleichtern und der Jugend das Leben zu verschönern, hat sich die Partei- organisation schon seit Jahren angelegen sein lassen. Auch jetzl während des Krieges kommt sie dem nach, Jugend-Na-zchverbot. Durch die Presse ging kürz- lich folgende Notiz: „Der Berliner Polizeipräsident hat angeordnet, daß an Personen unter>0 Fahren Tabak, Tabakpfeifen, Zigarren, Zigaretten und Zigorettenpapier nicht verkauft werden darf. Auch ist den Jugendlichen unter Ift Fahren das Rauchen ans öffentlichen Wegen, Plätzen und Anlagen, sowie in öffentlichen Verkehrs- Mitteln und Räumen verboten.* Eine Begründung dieses Verbots ist zwar nicht bei- gegeben, aber ein Schaden erwächst den Jugendlichen sicher nicht, wenn da? Rauchen unterlassen wird, genau so wenig, wenn der Alkoholgennß gemieden wird. In den Jugend- Heimen gibt es andere Genüsse, welche die Jugendlichen in ihrer körperliche» und geistigen Entwicklung fördern unter strenger Enthaltung vom Alkohol und Zigarren- oder vZigarettyrrauchen. Weißensee. Am Mittwoch, den 7. November, abends 3 Uhr, findet im Jugendheim, Gäolerstr. ich eine Heim- besncher-Bersammlung statt. Zahlreiches Erscheinen der Jugendlichen ist notwendig. Der Jugendausjchuß. I. A.: A. Bautz. IuyendWMs Gstern 1918. Die Arbeitereltern, deren Kinder am kommen- den Ostern die Schule verlassen und die ihren Sohn oder ihre Tochter an der Jugendweihe unserer Arbeiterjugend teilnehmen lassen wollen, werden ersucht, schon jetzt die An- Meldungen im I u g e n d s e k r e t a r i a t, Schickler st rasze 5, H o f 2 Treppen, vorzunehmen. Die Jugendweihe findet am 17. und 24. März 1918 im Festsaale des Stadthauses, Klosterstraße, gemeinsam mit der Jugendweihe der freireligiösen Cemeinde statt. Ebenda werden auch die Jugendweihen im Herbst 1918 und zwar am 22. und 29. September abgehalten. Es sei daran erinnert, daß irgendein gesetzlicher Zwang zur Teilnahme ain Konfirmandenunter- Rechte der Mitglieder i« den G- werk schalten. Mit dem Wachstum der Gewerkschaften ist auch die Beamtenschar gröhcr geworden, aber der Einfluß der Mitglieder hat sich verringert. Wiederholt hat man den Mitgliedern, die in den Ortsgruppen(Zahl- stellen) die Tätigkeit der Hauptvvrstünde kritisierten, gesagt, dazu sei nur der Berbandstag da, diese Kritik gehöre nicht in die Ortsgruppen. Und als während der Kriegszeit manche Matznahmen der General- kommission der Gewerkschaften bei den Mitgliedern Widerspruch fanden, da hieß es, diese Differenzen dürften nur auf dem Gewerkschaftskongreß ausgetragen werden, sie gehörten nicht in die einzelnen Gewerkschaften. Kein Gewerkschaftsbeamter wird brutal zu den Mitgliedern sagen:„Ihr habt Beiträge zu zahlen und das Maul zu halten!" Das sagt keiner. Machen aber die Mitglieder von ihrem Siechte Gebranch, ihre Meinung zu sagen, wollen sie die Organisationen richtunggebend beeinflussen, dann findet der Durch- schnittsgewerkschaftsbeamte gar viele Bedenken, Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich dem ent- gegenstellen lassen. Nur die Demokratie, die in den Gewerkschaften theoretisch gewährleistet ist, nicht praktisch betätigen! Das einzelne �Mitglied ist in den Gewerkschaften einflußlos, will es seine Meinung zur Geltung bringen, so muß es in der Ortsgruppe dafür Propaganda machen. Das ist auch während der Krieaszeit in vielen Fällen geschehen: es sind da mitunter Bc- schlttsse gefaßt worden, die den Hauptvorständen nicht gepaßt haben. Der Hauptvorstand des Holzar beiterver- band es hat neuerdings den Mitgliedern eine Neu- regelung der Beiträge vorgeschlagen, die weiter nichts ist, als eine versteckte Entrechtung der Ortsgruppen. Die Lokalbeitrüge sollen abgeschafft werden und auch die Ortsgruppen nicht mehr das Recht haben, einen größeren Kassenbestand am£rie zu führen, als den jährlichen Berwaltungslosten entspricht. Es ist eine alte gewerkschaftliche Erfahrung, daß gerade die Mög- lichkeit, mit Hilfe der Lokalbeiträge den besonderen örtlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen, für die Mitglieder ein Anreiz ist, höhere Lokalbciträge zu zahlen. DaS soll künftig abgeschafft werden: denn haben die Ortsgruppen Geld, dann haben sie auch eine gewisse Unabhängigkeit vom Hauptvorstande. Tie sollen aber möglichst wenig selbständig sein, darum sollen die Lokalbeiträgc abgefchasst und die Verbands- beitrüge erhöht werden. In den Jahren lülg und 13l7 ist das Vereins- geseß geändert worden, die Gewerkschaftsführer priesen diese Aenderungcn als solche, die den Ort:- gruppen größere Bewegungsfreiheit ermöglichen. Nach den GesetzeSändernngen können, wie sie sagten, die gewerkschaftlichen Ortsgruppen nicht mehr als „politisch" zur Einreichung der Sahungen und Vor- standsadrcssen veranlaßt werden. Und nun kommt der Hanptvorstanö der- Holzarbeiter her und will auf seine Weise die schwächlichen Mitgliederrechte be- schränken. Man erinnert sich hierbei des im Jnli 1917 abgehaltenen Verbandstages der Wt e t a l l a r b e i t e r. Dort war beantragt,„alle Verbandsangestcllte aus der Hauptkasse zu besolden"— ein Antrag, der jedoch abgelehnt worden ist. Gegen den Antrag war von einem Redner aus Essen ausgeführt worden:„Tie Zumutung, die in der heutigen Zeit durch diesen Antrag an uns gestellt wird, spricht allem Hohn. Wie können wir in einer Zeit, wo wir die Demokrati- sierung und das SclbstverwaltungSrccht fordern, die Grundrechte unserer Mitglieder zu beschneiden suchen?" Die Mehrheit der Metallarbeiter-Gencral- Versammlung hat sich dem angeschlossen und jene» Antrag abgelehnt. richt und an der Konfirmation nicht besteht. Arbeitereltern, die kein inneres Band mehr mit der Kirche verbindet und die vielleicht auch schon das äußere Band mit der Kirche gelöst haben, rverden den Wunsch haben, ihren Kindern beim Eintritt ins Leben eine Feier zugänglich zu machen, ; die ihrer Ueberzeugung und ihrer Weltanschauung ! entspricht. Eine solche Feier ist unsere Jugend- l rveihe. Es ist selbstverständlich, daß die Teilnahme ; an unserer Jugendweihe die Teilnahme an einer ' kirchlichen Konfirmation ausschließt. Die Anmel- dutlgen sollen schon jetzt vorgenommen werden, * weil den Kindern vor der eigentlichen Jugend- : rveihe Gelegenheit gegeben werden soll, die Grund- � gedanken unserer freien Weltanschauung, soweit das ihrem jugendlichen Verständnis angepaßt ist, kennen zu lernen. Mögen die Holzarbeiter ebenso auf ihre Rechte i bedacht sein! » In der letzten Generalversammlung des Berliner Ortsvereins des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen war ein Antrag gestellt, an die Generalkommission die Beitragszahlung einzu- stellen. Der Antrag führte zu einer längeren Debatte, die aber nicht zu Ende kam und fortgesetzt werden soll. » Der Redakteur des„Kürschner", Genosse Regge, hat seine Stellung zum 1. Januar gekündigt. Reggc hat als internationaler Sekretär und als Redakteur des Organs seiner Berufsorganisation acht Jahre mit Eifer und Entschiedenheit die Interessen seiner Berufskollegen verfochten: der„Kürschner gc- hörte zu den wenigen Gewerkschaftsblättern, welche mit aller Schürfe die Politik der Gcneralkommission, die auf die Politik des 4. August schwor, als den Interessen der Arbeiter schädlich bekämpfte. Infolge des zeit- wciligen Nichterscheinens des„Kürschner" wollte man den Genossen Regge in Gestalt der Sekretariats- kommission einer neuen Bevormundung unterstellen, der Regge seine Nedaktionsarbeit vor der Druck- legung vorzulegen hätte. Das lehnte Reggc ent- schieden ab. Im Sinne der Politik der General- kommission könne er kein Blatt redigieren, er er- niedrige sich nicht zur politischen Dirne. Er schlug vor, im„Kürschner" eine Aussprache der Mitglieder herbeizuführen, um so die Ansichten der Mitglieder und Organisationen zur Geltung kommen zu lassen. Stelle sich heraus, daß die große Zahl der Mitglieder anderer Auffassung sei als Regge, so erklärte er sich bereit, von seinem Posten als Redakreur zurückzutreten. Das Urteil einzelner Vorstandsmitglieder in der Kriegs- zeit könne für ihn nicht maßgebend sein. Da diese Vorschläge abgelehnt wurden und auch in einer beson- deren Aussprache eine andere Regelung nicht erzielt wurde, reichte Genosse Regge seine Kündigung ein. Man sieht auch hier» wie manche leitende Per- soncn unter Ausschaltung der Mitglieder die jetzige Zeit in ihrem Sinne ausnutzen. Möchten die Mit- glieder in den Gewerkschaften mehr als bisher auf dem Posten sein, um dem demokratischen Recht der Selbst- bcstimmung auch in den Gewerkschaften zum Durch- bruch zu verhelfen. * Die Leipziger Metallarbeiter haben den Beitritt zu dem neuen Leipziger Gewerkschafts- kartest beschlossen. Sic kehrten sich nicht daran, daß der Verbandsvorstand von vornherein den Beschluß als statutenwidrig hinzustellen suchte, da es ihn gar nichts angehe, wem sich der Ortsvcrcin anschließe. DaS sei lediglich Sache der Leipziger Mitglieder selbst. Sollte das neue Kartell vorläufig noch nicht in Funk- tion treten und keinen Sekretär anstellen können, wird für die Leipziger Metallarbeiter eine eigene Be- ratungsstelle eingerichtet werden. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeitcr, OrtSverein Berlin, hatte sich in seiner letzten General- Versammlung mit einem Antrage- zu beschäftigen, dem Vorwärtsuntcrnehmen keine Anzeigen und Druck- auftrüge zu überweisen, da der„Vorwärts" Regie- rungsorgan geworden sei. Der Antrag fand aber keine Mehrheit. der Vom demokratischen Süden. Wegen Verstoß gegen das Belagerungszustandsgefetz standen am 23. Oktober die Gen. M. Herrmann, Schriftsetzer, und Fritz Rück, Redakteur des„Sozialdemokrat", vor der 3. Straf- kammer dcS Landgerichts Stuttgart. Das Verfahren wurde seinerzeit vom RetchSgcricht wegen versuchten Landesverrat?, eröffnet, nach Abschluß der Borunter- snchung konnte dicseAnklage nicht aufrecht erhalten wer- den. Rück war dreieinhalb und Herrmann zweieinhalb Monate in Untersuchungshaft. Tie Verhandlung war öffentlich. Den beide» Angeklagten wurde zur Last Alles Nähere wird bei der Anmeldung bekannt gegeben, die wir recht bald vorzunehmen bitten. Lieder und Erzählungen für Uroleturierkinder. Die in Berliner Parteikreisen bekannte Genossin E m m a D ö l z hat unter dem Titel„Jugend-Lieder� ein Büchlein herausgegeben, das in einfach- geschmackvoller Ausstattung eine Sammlung hübscher Kindcrlicdec und Märchen enthält. Die Gedichte finv nach Jahreszeiten geordnet, denen sich Dichtungen allgemeinen Inhalts an- schließen. Arbeitereltern können ihren Kindern mit nesen Liedern, die von einem warmen Euipßnden für das lind- iiche Fühlen gelragen sind, eine große Freude machen: sie eigenen sich auch zum Vorlesen und ZUlsroendiglerneiv Das Büchlein ist im Selbstverlag der Verfasserin erschienen und kostet 75 Pfennig. gelegt, das Verbot des stellvertretenden Generalkom- mandos, nach dem die Veranstaltung politischer Ver- sammlungen nur nach vorheriger Genehmigung ge- stattet sei, dadurch übertreten zu haben, daß sie am 29. April an dem zwischen Feuerbach und Zuffen- hausen gelegenen Höhenweg eine Versammlung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei abgehal- ten haben und in derselben als Redner aufgetreten sind. Die Beweisaufnahme ergab, daß Rück anläßlich eines Spazierganges den anwesenden Parteimitglie- der» über die Gothaer Konferenz, bei der er als Stuttgarter Delegierter war, berichtet hat, da die Stuttgarter Stadtdirektion die Genehmigung zu einer Versammlung versagt hat und es auch durch die Presse nicht möglich war, auf die Konferenz einzugehen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Stück vier und gegen Herrmann, der nur einige Worte vor und nach Stück gesprochen hat, drei Monate Gefängnis. Die Angeklagten wiesen darauf hin, daß dem radikalen Flügel der Partei in Stuttgart seit zweieinhalb Jahren jede Zusammenkunft und wenn sie auch noch so harmlosen Eharakter trug, unmöglich gemacht worden sei und daß die Vcrichterstattung von Gotha in ganz Deutschland möglich war, nur in Stuttgart nicht. Das Urteil lautet gegen Rück ans drei und gegen Herrmann ans zwei Monate Gefängnis, die durch die Unter- suchungshaft für verbüßt gelten. Die Kosten des Ver- fahrens wurden den Angeklagten auferlegt. Arbeiter-SNdnnflsschnle. Der Kursus des Genossen D ä u m i g über d i e ökonomische und soziale Entwicklung Siußlands seit der Bauernbefreiung, der am Donnerstag, den 1. November, ausfallen mußte, nimmt am Donnerstag, den 8. November, seinen reget- mäßigen Fortgang. Tonntag. de» 4. November, abends 8 Uhr, beginnt der 4 Abende umfassende naturwissenschaftliche Kursus der Genossin Käthe D u n k e r. Am ersten Abend wird Genossin Dunker das Thema: Das Leben auf der Erde, seine Natur und seine einfachsten Formen behandeln. Das zweite Thema, über das Genossin Dunker am Sonntag, den 11. November, sprechen wird, lauict: D i c Em tivicklungsgeschichte der Tier- weit. Eintrittspreis für den Abend 10 Pf. SM die ÜNdhÄigtze soMeoiMWe LMWo«! Nur der Sozialismus kann die Menschheit von Not und Elend vom wirtschaftlichen und politischen Druck erlösen. Dafür muß der Einzelne kämpfen. Geführt wird der politische Kampf von politischen Organisationen. Sie zu stärken und sie zu einem einflußreichen Faktor im össentlichen Leben zu machen, das sollte Pflicht eines jeden politischen Unterdrückten sein. In Groß-Berlin vereinigen die Sozialdemo- kratischen Wahlvereine alle die Männer und Frauen, die auf dem Boden der sozialdcmo- kratischen Grundsätze stehen und für die Unab- hängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands kämpfen. Erfülle jeder seine Organisationspflicht und erkläre seinen Beitritt zum sozialdemokratischen Wahlverein des Neichstagswahlkreifes. Redaktionsschluß: Jeden Dienstag Abend. Berantw. Redakteur: C. Leid: Verleger A. Hoffmann? btzide Berlin O. 27, Schicklerstraße 5. Druck: Maurer L Timmick, Berlin, Äöpenicker Str. 2(5-33.