A miffeilungs-Blciff des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. A« beziehe« durch die Bezirksführer die N«, inner zu 10 Pf. oder durch die Post.— Redaktion«. Verlag: 0.27. Schicklerstr. 5. Fernruf: Alexander. 3007, Nr. 37. Berlin, den 9. Dezember 1917. 12. Jahrgang. Die ruMe Revolution und die deutfthe SoslaldemoKrafie. Der Kampf gegen den allgemeinen Frieden. Die gesamte Weltlage, die politische wie die militärische, steht jetzt mitten im vierten Kriegs- wintcr unter der Einwirkung des Waffenstill- siands-Angebots der Bolschewiki-Regierung. Die Regierungen aller Länder müssen zu dem Angebot Stellung nehmen, müssen seine politischen und militärischen Konsequenzen als wichtigen Faktor in ihre Kalkulationen einbeziehen. So wenig zur Stunde die volle Tragweite des Angebots über- blickt werden kann, so sehr steht doch fest, dag es die von seinen Urhebern beabsichtigte Wirkung vor- läufig nicht erreicht hat: die Grundlage für einen allgemeinen F r i e d en hat das Waffen- ftillftandsangebot nicht geschaffen. Die Schuld daran liegt wahrlich nicht bei den jetzt in Nutz- land herrschenden Sozialisten. Sie haben es an klaren, unzweideutigen, an die Adresse der Regie- rungen gerichteten Borschlügen ebensowenig fehlen lassen, wie an aufrüttelnden Appells an die tat- kräftige Mitwirkung der Völker, vor allem des internationalen Proletariats. Aber die imperia- listischen Sonderinteressen der einzelnen Regierun- gen lehnen sich noch immer gegen den Gedanken eines wirklich demokratischen allgemeinen Friedens auf, drüben in schroffer, feindseliger Form, hüben in verschleierter Weise. In Frankreich wird unter Giemen- ceaus Ministerpräsidentschaft der Kriegswille der ausschlaggebenden Kreise gewaltsam ausgepeitscht. In England lästt Lloyd George mit seinen Ministerkollegen alle demagogischen Minen sprin- gen, um Volk und Bundesgenossen für die Fort- setzung des Krieges bei der Stange zu halten. Und im kriegerischen Amerika zeigt sich die ganze Hohlheit der Wilsonschen Friedenstheorien an der Feindseligkeit, mit der die Friedensaktion der Bol- fchewiki-Regierung beantwortet wird. Ueberall empfindet man diese Aktion nicht allein als ein Attentat auf die aktuellen imperialistischen Ziele, sondern als einen gefährlichen Vorstost gegen die kapitalistischen Grundlagen überhaupt. Immer- hin werden auch Stimmen laut, die einen Verständigungssrieden befürworten, allerdings nicht im Sinne der russischen Sozialisten, sondern aus der Erwägung heraus, dast die kapitalistischen Interessen der Staaten durch einen baldigen Friedensschluß besser gewahrt werden können als durch Verlängennig des Krieges. In diesem Sinne ist der vielbesprochene Brief des Lord Landsdown zu bewerten, der daneben als früheres Mitglied der von Lloyd George gestürzten Regie- rung Asquith dem derzeitigen politischen Diktator der Entente ein Bein stellen möchte. Nichtsdesto- weniger hat der Brief Landsdowns eine hohe poli- tische Bedeutung für Inland und Ausland. In Deut s ch land hat inzwischen der neue Reichskanzler Graf Hertling eine kurze öffentliche Vorstellung im Plenum des Reichstages gegeben, daß ja nur für einige Tage zusammentritt, wenn es gilt, irgendwelche politischen Dekorationsasfekte zu erzielen und neue Milliarden zur Fortführung des Krieges zu bewilligen. Graf Hertling und die Wortführer der Mehrheitsparteien haben im Reichstage dem russischen Angebote eines allge- meinen Friedens eine höfliche Verbeugung ge-, macht. Das Verschleiern und Verschweigen der wirklichen Kriegsziele aber pe tscht natürlich das Misttrauen und die Kriegswut der Ententeimperialistsn erst recht auf, die jetzt ihre letzte Karte angesichts der militärischen Lage, die durch die freiwillige, im Interesse des allge- meinen Friedens vollzogene Ausschaltung der russischen Streitkräfte, an der Westfront entftan- den ist, auf die amerikanische Hilfe setzen. Ame- rika wird diese Erwartungen auch zu erfüllen suchen, das bedeutet aber eine Verlängerung des Krieges ins Unabsehbare. Der deutsche Regierungssozialismus hat im Reichstage durch den Mund seiner Wortführer Ebert und David dreist und gottesfürchtig behaup- tet, dast ihre Haltung durchaus solidarisch mit dem Friedenswillen der russischen Sozialisten sei. Und die regierungssozialistische Solidarität bestand darin, dast die Scheidemänner zum so- undsovielten Male Kriegskredite in Höhe von 15 Milliarden— im ganzen sind es jetzt rund 110 Milliarden— bewilligten, zur Fortsetzung des Krieges natürlich und nicht für den allgemeinen Frieden. Die russische Bolschewiki-Regierung hat sich sicherlich unter Solidarität etwas andekes vorgestellt. Und auch den deutschen Arbeitern werden hoffentlich allmählich darüber die Augen aufgehen. * MeristJtrheber der rNfstschenRevawtisn? Nicht etwa die russischen Revolutionäre und Sozialisten! Seit acht Monate bemüht sich die deutsche regierungssozialistische Presse, nachzu- weisen, dast die eigentlichen Urheber und Sieger der russischen Revolution, die wirklichen Nernichter des Zarismus die deutschen Sozialpatrioten mit ihrer Politik vom 4. August seien. Die russischen Revolutionäre müßten den Scheidemännern eigent- lich auf den Knien dafür danken, dast jetzt die rote Fahne über Rußland weht. In der Reichs- tagsverhandlung hat Herr David die gleiche Melodie gesungen, und die I. K. schrieb vor kur- zem zum soundsovielten Male:„Die russische Revo- lution ist die Folge der deutschen Siege. Ohne sie und ohne die Politik des 4. August, welche eine der Gründe ist, die den deutschen Sieg erst ermög- lichten, wäre der Zax. niemals gestürzt ryorden." Aber auch in unseren Reihen wird den militari- schen Misterfolgen des Zarismus in bezug auf den Ausbruch der Revolution eine übertriebene Be- deutung zugeschrieben. Hören wir, was die Russen selbst dazu zu sagen haben. Aus der letzten Zeit liegen uns keine Äeustsrungen russischer Sozialisten über diese Frage vor. Sie haben alle Hände voll mit der Durchführung der Revolution und der Sicherung ihrer Errungenschaften. Aber schon vor drei Jahren war diese Frage sehr aktuell. Damals war die regierungssozialistische Presse noch nicht auf das Motto:„Gott strafe England!" einge- drillt, damals suchte sie der Arbeiterschaft den Weltkrieg mit der Parole:„Nieder mit dem Zarismus!" schmackhaft zu machen. Damals schrieb der als Theoretiker wie als Praktiker der Revolution gleich hervorragende Genosse T r o tz k i, der jetzt neben Lenin an der Spitze der Bolsche- wiki-Regierung steht, wie er ja auch schon in der Revolution von 1905 an der Spitze des Peters- burger Arbeiterdelegiertenrates stand, eine geist- volle Broschüre über den Weltkrieg.— In dieser Broschüre untersucht Trotzki die Bedeu- tung der Parole vom Kampfe gegen den Zarismus und die Aussichten der russischen Revolution. Er sagt da u. a.: „Das Jahr 1914 bedeutet die völlige Liquidie- rung des russischen Liberalismus, macht das russische Proletariat zum einzigen Träger des Be- freiungskampfes, und macht endgültig die russische Revolution zu einem Bestandteile der sozialen Revolution des europäischen.Proletariats. In unserem Kampfe gegen den Zarismus, in dem wir nie einen„nationalen" Waffenstillstand kannten, haben wir nie Hilfe bei dem Habsburgischen oder Berlin, den 4. Dezember 1917. hohenzollernschen Militarismus gesucht und suchen sie auch jetzt nicht..... Doch wenn.... der Logik der Kriegsoperationen gehorchend, der deutsche Militarismus, im Gegensatz zu der Logik der eigenen Interessen, dem Zarismus einen ver- nichtenden Schlag versetzen würde, so hätten wir uns auch in diesem... Falle versagt, in den Hohenzollern nicht nur einen objektiven, sondern auch einen subjektiven Bundesgenossen zu sehen. Das Schicksal der russischen Revolution ist zu un- trennbar mit dem Schicksal des europäischen Sozia- lismus verbunden, und wir russischen Cozialdemo- kraten stehen fest genug auf der internationalen Position, um uns ein für allemal zu versagen, den bedenklichen Schritt zur Befreiung Rußlands mit der sicheren Zerstörung der Freiheit Belgiens und Frankreichs zu erkaufen, und— was noch wichtiger ist— die imperialistische Vergiftung in das deutsche und österreichische Proletariat zu" tragen. .... Aus Achtung vor der Zukunft, die die Ar- beiterklasse Rußlands mit dem Proletariat Deutschlands und Oesterreichs verbinden soll, ver- werfen wir mit Empörung die„befreiende" Hilfe, welche uns d�r deutsche Imperialismus— oh weh!— unter dem Segen des deutschen Sozia- lismus— im Kruppschen Munitionskasten bringt. Und wir hoffen, daß der entrüstete Protest des russischen Sozialidmus laut gsnag erklingen wird, um in Berlin und Wien gehört zu werden." Genosse Trotzki untersucht dann an anderer Stelle seiner Schrift die Frage, ob wirklich die Niederlage des Zarismus der Revolution in Nuß- land, die für ihn nur eins Teilerscheinung der sozialen Revolution des europäischen Proletariats ist, Vorschub leisten kann. Dabei verweift er auf die Revolution vom Jahre 1905 und sagt: „Diejenigen, welche denken, daß der russisch- japanische Krieg die Revolution hervorgebracht hat, kennen und verstehen die Ereignisse und ihre Zusammenhänge nicht. Der Krieg hat denjilus- bruch der Revolution nur beschleunigt. Doch hat er eben dadurch auch die Revolution geschwächt. Denn hätte sich die Revolution aus dem organi- schen Auswachsen der inneren Kräfte heraus ent- wickelt, so wäre sie später aufgetreten, aber mäch- trger und planmäßiger. Folglich ist die Revo- lution durchaus nicht an einem Kriege interessiert. Das als erstes. Zweitens hat der russifch-japa- nifche Krieg,'indem er den Zarismus schwächte, den japanischen Militarismus gestärkt. Auf den deutsch-russischen Krieg beziehen sich die beiden obigen Betrachtungen in noch höherem Grade." „Im Laufe der Jahre 1912— 1914 hatte sich Rußland durch den Aufschwung der Industrie end- gültig aus dem Zustand kontrarevolutionärer Niedergedrücktheit herausgearbeitet. Das Wachs- tum der revolutionären Bewegung auf der Grund- läge der ökonomischen und politischen Ausstände der Arbeitermassen, das Anwachsen der oppositio- nellen Stimmung in den breitesten Schichten der Bevölkerung führten das Land in eine neue Epoche der Stürme und Kämpfe. Aber im Unterschiede zu den Jahren 1902— 1905 entwickelte sich die Be- wegung unvergleichlich bewußter und planmäßiger und überdies auf einer weit breiteren sozialen Unterlage. Sie bedurfte der Zeit, um ganz aus- zureifen, keineswegs aber der Lanzen der ostelbi- schen Samurai(Bezeichnung der japanischen Kriegerkaste), die im Gegenteil dem Zaren die Möglichkeit gaben, die Rolle des Verteidigers der Serben, Belgier und Franzosen zu spielen." „Der Krieg kann— katastrophale Niederlagen Rußlands vorausgesetzt— ein schnelleres Hervortreten der Revolution bringen, aber um den Preis der inneren Schwächung. Und mm sogar die Revolution unter solchen Bedingungen die Ober- Hand germmtt, so werden die hohenzollernschen Armeen ihre Bajonette gegen diese richten.� Und diese Perspektive kann ihrerseits nicht verfehlen, die revolutionären Kräfte Ruhlands zu paraly- sieren, weil sich nicht leugnen lägt, daß hinter den hohenzollernschen Bajonetten die Partei des deut- schen Proletariats steht. Das ist jedoch nur die eine Seite der Sachs. Die Vesiegung Ruhlands setzt notwendigerweise entscheidende Siege Deutsch- lands und Oesterreichs auf den anderen Kriegs- fchauplätzen voraus, und dies bedeutet die er- zwungene Aufrechterhaltung des nationalpoliti- schen Chaos im Zentrum und Südosten Eurovas, wie die unbegrenzte Herrschaft des deutschen Mili- tarismus ganz in Europa.... Der Umschwung in der neueren Politik Deutschlands, die mit der Kapitulation der proletarischen Partei vor dem nationalistischen Militarismus ihren Anfang nahm, wäre für lange Zeit gestärkt, die deutsche Arbeiterklasse würde sich materiell und ideell mit den Abfällen vom Tische des siegreichen Jmperia- lismus nähren, die soziale Revolution dagegen wäre ins Herz getroffen." „Daß unter solchen Umständen selbst eine vorübergehend siegreiche russische Revolution nur eine historische Fehlgeburt sein könnte, braucht nicht weiter bewiesen zu werden." So urteilte Trotzki über die„Verdienste" der Politik des 4. August um die russische Revolution, und die Ereignisse der letzten acht Monate haben ihm recht gegeben. Alle Schwierigkeiten, mit denen die Revolution zu kämpfen hatte, alle Gefahren, die sie umlauern, sind darauf zurückzuführen, daß ein Krieg init sich kreuzenden imperialistischen Interessen ihr Geburtshelfer war. Trotzki und seine politischen Freunde haben, gezwungen durch die eiserne Logik der Klassen- kämpfe im Laufe der acht Revolutionsmonate, die politische Macht übernehmen müssen. Sie befan- den sich in einer hochgespannten, tragischen Situa- tion, in der es nur ein Sichselbstaufgeben, eine Kapitulation vor den Mächten der offenen und versteckten Gegenrevolution, oder ein tollkühnes Drauflosgehsn, ein letztes Zusammenraffen aller revolutionären Energien geben konnte. Sie haben sich für den letzteren Schritt entschieden, und nur wer in sicherem Port sitzt, kann sie darum tadeln. Die einzige Möglichkeit, das Revolutionsschiff aus den brandenden Wogen zu steuern, war für sie die Anbahnung des Friedens. Sie haben alle ihre Kräfte eingesetzt, einen allgemeinen Frieden zustande zu bringen. Wenn ihnen das bis jetzt nicht gelungen ist, so ist die Schuld daran nicht allein bei den Regierungen und dem Prole- tariat der Ententeländer zu suchen. Die Bolsche- wiki-Regierung hat sich jetzt einen Monat behaup- ten, anscheinend sogar ihre Stellung festigen können. Sie weiß aber, daß ein Sonderfrieden mit den Mittelmächten noch kein Ende der impe- rialistischcn Kriegsraserei sein, die russische Revo- lution noch nicht in den sicheren Hafen bringen würde. Es ist darum ein sehr eitles Beginnen, wenn deutsche Sozialdemokraten sich mit eingebildeten Verdiensten um die russische Revolution svreizen. Wer es ernst meint mit der Sache des Sozialis- mus, der hat jetzt mit aller Kraft und mit aller Klarheit dafür einzutreten, daß der Waffenstill- stand mit Rußland nicht zu einem Danaergeschenk für die russische Revolution und letzten Endes auch für uns wird. Wochenschau. Vom 20. November biS i. Dezember 1917. KriegsereigNisse: Wochenlang tobt jetzt an der Westfront im Frontabschnitt von Cambrai ein er- bitterter Kampf, indem die Engländer das zu erreichen suchen, maö ihnen in Flandern nicht gelungen ist. Unter Einsatz gewaltiger Truppenmassen haben sie wohl einiges Terrain gewinnen können, auS den: sie aber zum Teil durch deutsche Gegenstöße wieder ver- trieben sind. Irgendwelche Aenbcrungen in der Kriegslage hat daS opferreiche Ringen nicht gebracht, beide Parteien haben damit nur ihren verbissenen Kampfeswillen demonstriert. Auch in den französischen Frontabschnitien haben größere Teilkämpfe stattgefnn- den.— Von der Ostfront berichtete der deutsche Heeresbericht vom 3. Dezember über den Beginn der Waffen still st ands-Verhandlungen mit den russischen Armceleitern. Dieser bedeutsame Vorgang wird natürlich auch eine Rückwirkung auf die strategische und taktische Lage an der Westfront ausüben. Ungeklärt ist zurzeit daS Schicksal der rumä- nlschen Armee, die bisher in engem Verband mit russischen Truppen kämpfte. SS ist kaum anzunehmen, daß sie in Zukunft allein den Kampf fortsetzen kann.— Auf dem italienischen Kriegsschauplätze sind die Kämpfe zum Stehen gekommen, aber auch hier wirb das Freiwerden österreichlsch-ungarischer Truppen an der Ostfront die Kriegslage noch mehr zu Ungunsten der Italiener ändern.— In Palästina haben heftige Kämpfe um den Besitz Jerusa- suiiiiiiniiuuiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiijiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiinj An des i | sozialist-fcheProleLariatDeutschlands.| 1 Genossen und Genossinnen! W Im preußischen Abgeordnetenhaus ist die|| H Wahlrechtsvorlage von der Regierung D H eingebracht worden. W D Auf dem Papier wird das gleiche und H W allgemeine Wahlrecht gewährt. In Wahr-|| H heit bleibt die Ungleichheit bestehen, weil D H im großen und ganzen die alte Wahlkreisein- D = teilung aufrechterhalten ist, und damit die Groß- D D städte mit ihrer industriellen Arbeiterschaft gegen-|| |j über dem platten Lande benachteiligt werden. D D Einen großen Teil von Arbeitern und auch den- j| H jenigen, die alle Entbehrungen dieses Krieges'D j| durchgemacht haben, wird das Recht, das sie D || gegenwärtig besitzen, durch die Wahlrechtsvorlage D ij sogar genommen, soll doch das Wahlrecht in D || Zuknnft von der dreijährigen preußischen Staats- D V angehörigkcit und einer einjährigen Aufenthalts-|| H dauer in der Gemeinde oder dem Wahlbezirk I H abhängig gemacht werden. W H Um den Einfluß des Parlaments zu schwächen, W Ü soll das Herrenhaus so zusammeugesetzt werden, W D daß die Vertreter des Großgrund- j| D b e si tz e s und ihr Anhang jederzeit in der W D Lage sind, Beschlüsse des vom Volke gewählten j| jH Abgeordnetenhauses zu beseitigen. D Statt dieRechte des Parlaments zu W W stärken, wie es die Forderung der breiten Volks- D || masse» ist. will die Regierung die Gelegenheit I W benutzen, ihre eigene Macht auf Kosten der|| || Volksvertreiung zu steigern. Das Recht des Parlaments, durch Ablehnung D j| des Etats auf die Polittk der Regierung ein-|| H zuwirken, soll beseitigt werden. D W Dieser reaktionäre Versuch muh scheitern! D W Die Volksmassen müssen vielmehr mit aller|| j Macht dafür eintreten, daß das Wahlrecht D -i in Wahrheit ein W allgemeines, gleiches wird. j| Dazu ist aber auch nötig, daß die Frauen, W D die insbesondere während des Krieges bewiesen W |j haben, daß sie aus allen Gebieten des Wirtschaft- V D liehen und politischen Lebens für die Gesellschaft U = ebenso wirken, wie die Männer, auch dasselbe D ü Wahlrecht erhalten. 1 Dazu ist weiter nötig, daß der Wille der Z = Volksvertretung fich, unbehindert durch ein|| || Herrenhaus, Geltung verschaffe» kann und nicht W ü in seinem Einfluß gegenüber der Regierung ge- D M mindert wird. | Arbeiter und Arbeiterinnen! = Veranstaltet überall Massenversammlungen D mit der Fordernng: || Geheimes, direktes, gleiches, allgemeines M j| Wahlrecht ohne Einschränkungen und Klauseln E für Männer und Frauen! D Ü Die Versammlungen müssen zu einer wuchtigeu D H Kundgebung werden, deren Wirkung sich Re» D D gierung und Volksvertretung nicht entziehe» D ee können.|j Für das Zentralkomitee D der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei W Deutschlands.= Wilhelm Dtttmanu. Hugo H a a s e. H Adolf H o f e r. Gustav L a u k a n t. Georg W W Ledebour. Robert W e n g e l s. Luise I i e tz. W »IIIssllllllUIIIIIIIIIllltlllllMIIIIIIIIIIIIIllllllllllllllllllNlllMIIIIIIIlllllllMIIIllllS lemS stattgefunden, ohne daß die Engländer bis jetzt in Besitz dieser historischen Stadt gekommen sind. Immerhin ist die Aufgabe dieser Stadt durch die Türken als wahrscheinlich angekündigt worden, weil sie nach offiziöser Darstellung keine strategische Be- deutung hat.— Zur noch schärferen Durchführung des ll-Boot-KrtegeS wurde das Sperrgebiet»m England und im Mittelmccr erweitert. Nach Mittet- lungen des deutschen AdmiralstabcS wurden im Oktober 671 000 Tonnen Schiffsraum versenkt, damit seit Beginn des verschärften U-Boot-Krieges 7 649 000 To., .m ganzen seit KricgSbeginn 12,6 Mittionen Tonnen. Ausland: In London hat Ende November eine ! Konferenz der Ententeregiernngen stattgefunöeu» auf � der die schnelle Hilfe Amerikas verlangt � und zugesagt wurde. Amerika soll mit größter Ve- schleunigung Truppen nach Frankreich senden und möglichst viel Schiffsraum zur Verfügung stellen. In England hat Lloyd George seine durch die Pariser Rede erschütterte Stellung neu befestigen können. Sein Gegner Asauith hat auf einen scharfen Vorstoß verzichtet, und Lloyd George konnte nach dem Hinweis, daß er in Paris absichtlich eine„unangenehme" Rede gehalten habe, um einen starken Zusam- menhalt der Verbündeten zu erreichen, als Sieger das Unterhans verlassen. Aber schon ist ihm eine neue Schwierigkeit entstanden. Lord Lansdown, der unter Asquith Minister des Auswärtigen war, hat in einem offenen Briefe die Revision der Entcnte-KricgS- ziele und die Bereitschaft für einen Vcrständigungs- frieden verlangt. Der Kampf des friedlichen Jmperia- lismus des englischen Finanzkapitals mit dem kriege- rischcn Imperialismus eines Lloyd George ist damit in ein schärferes Stadium getreten. Daß aber auch in England die demokratische Friedensbewegung an Umfang zugenommen hat, beweist die Abstimmung der Londoner Sektion der Arbeiterpartei, durch die zwar über einen Antrag auf sofortigen Friedensschluß mit 106 Stimmen zur Tagesordnung übergegangen wurde, bei der aber 130 Stimmen für den Antrag abgegeben wurden, eine Stimmenzahl, die für das starke An- wachsen der Fricdensströmung unter den englischen Arbeitern zeugt. In Frankreich sitzt jetzt das Ministerium Clemenccau seit zwei Wochen am Ruder und ist vor- läufig von ernsten Stürmen verschont geblieben. Clcmenccaus Antrittsrede wurde mit einem Ver- trauensvotum der Kammer von 413 Stimmen beant- wortet. Nur die Sozialisten beharren in entschiedener Gegnerschaft gegen Clcmenceau. Dessen Ziel ist, wie er sagte, Sieger zu sein. Gleichzeitig kündigte er allen Friebenöbewegungeu Fehde an, wie er auch alle Skandalaffürcn zur gerichtlichen Entscheidung bringen will. Trotzdem haben die Syndikalisten von Paris und die Arbeiter in Lyon Friedensdemonstrationen veranstaltet. In der Schweiz haben Ende November blutige Unruhen in Zürich statigefundeu, bei denen es mehrere Tote und viele Verwundete gab. Es handelte sich um Kundgebungen gegen MilitariLmns und kapita- listische Ausbeutung. Die sozialdemokratische Partei- lcitung hat die Verantwortung für diese Vorgänge abgelehnt. Die Folge der Unruhen wird eine große Justizaktion sein. Außerdem hat der Bundesrat eine Verschärfung der Aufenthaltsbedingungen für Ans- lunder verfügt, durch die das Asylrccht der Schweiz aufgehoben wird. Und da der Krieg auch das epglische Asylrccht davongefegt hat, wird in Zukunft wohl die einzige Zufluchtsstätte für politische Flüchtlinge-- Rußland sein. In Bern hat eine Zusammenkunft von deutschen, österreichischen und neutralen Parlamentariern und Gelehrten stattgefunden, auf der allerlei Theorien! über einen dauernden Frieden aufgestellt wurden. In Rußland hat die Bolschcwiki-Regterung den Kampf gegen den Kosakenhetman Kalcdin zu führen, der noch immer Herr des Don-Gebictes ist. Auch die Staatsbürokratie und die diplomatischen Vertreter im Auslände machen der Regierung Schwierigkeiten und hindern die Erfüllung ihrer wirt- schaftlichen und politischen Aufgaben, denen sich auch die Industriellen und Grundbesitzer entgegenstemmen. Die gemäßigten Sozialisten verharren der Volschewiki- Regierung gegenüber in einer Art Obstruktion, aber auch einige Bolschewikt haben der Regierung die Ge-> folgschaft gekündigt, weil sie eine Koalition aller sozia- listischen Richtungen erstreben. Nichtsdestoweniger hält sich die Regierung. Einen überaus geschickten Kampf gegest die Geheimbiplomatie hat Trotzki unter- nommen. Er hat eine Anzahl von Geheimdoku- m c n t e n veröffentlicht, aus denen die brutal-impc- rialistischen KricgSzicle der Entente hervorgehen, durch die aber auch die zweideutige Haltung der Kerenski-Regieningen und die Nachgiebigkeit der ge- mäßigten Sozialisten bewiesen wird. Trotzki hat da- mit durch die Tat zum ersten Male den Kampf gegen die Geheimbiplomatie eröffnet, der angeblich auf der Fahne aller sozialistischen Parteien steht und der nicht allein bei der Entente, sondern auch anderswo sehr nötig wäre.— Inzwischen gehen in Rußland die Wahlen zur K o u st t t u a n t e vor sich, über deren Ergebnis aber noch kein klares Bild vorliegt. Die Veröffentlichung der Geheimdokumente brachte auch einige kompromtttterltche Mitteilungen über Branting, der darin der Darteinabme für die Entente beschuldigt wird, wogegen er sich energisch wehrt. en 12* abend in Groß-VsrAn Der Fricdcnsvorstotz der russischen Negierung hat auch den Gedanken an eine internationale Friedenkon serenz wieder aufleben lassen, posi- tive Vorschläge dazu liegen aber nicht vor. j*.* Innere Politik: Ganze zwei Tage, am 29. No- vember und 1. Dezember, war der Reichstag zusam- mcn, um dann trotz des Protestes der beiden sozial- demokratischen Fraktionen und trotz der hochbcdeut- saincn politischen Situation wieder in die Ferien zu gehen, während in Oesterreich und in allen anderen Ländern die Parlamente tagen. Es gibt aber liberale Illusionisten, wie den Herrn 5konrad Hausmann, die in der Kürze der Neichstagstagung eine besondere Stärke der neugebackenen Demokratisierung Deutsch- lands erblicken und behaupten, daß alle Krisennot jetzt ein Ende habe. Für den politischen Weitblick dieser Herren ist das recht bezeichnend. Wie ja die meisten deutschen Politiker, nicht nur die bürgerlichen, alles Weltgeschehen nur aus der Perspektive dcS Wallotbaues betrachten. Inzwischen aber schliesien Alldeutsche. Konservative und libcralistcrendc Reaktionäre die Einheitsfront gegen den Verstündigungsfrieden, preu- ßische Wahlreform und soziale Gesetzgebung und ver- stehen meisterhaft ihre Klasseninteresscn mit politischen Waffen zu verfechten. Und da die Front der söge- nannten Rcichstagsmehrheit ein sehr künstliches und hohles Gebilde ist, das auch nicht in einer einzigen politischen Frage zu einer Einheit kommen kann, werben bald neue Krisen austauchen. So quält sich in der Friedensfrage Herr David ab, nachzuweisen, daß die Mehrhcitsresolution vom 19. Juli noch Immer zu Recht besteht.' Aber Graf Hertling hat sich in seiner Antrittsrede wohlweislicki gehütet, sich klar und unzweideutig auf den Boden dieser Resolution zu stellen und ihr eine Erläuterung zu geben, die alle Zweifel über Einzelfragcn, z. B. Belgien usw., ausschließt. Daneben aber rückt ein Mehrheitsfreund Davids nach dem anderen von der Resolution ab, und wir werden unter der Einwirkung dcö Waffenstillstandes mit Rußland noch genug Bc- weise erhalten, daß die Regierung wie die Parteien gar nicht daran denken, die Formel: Keine Annexio- neu und Kriegsentschädigungen, vor allem aber das Sclbstbestimmnngsrccht der Völker so auszulegen, wie es die russische Regierung tut. Herr S ch w a n d e r hat tatsächlich die Leitung deZ KriegswirtschaftSamteS niedergelegt und sucht seine angegriffene Gesundheit auf seinem alten Posten als Oberbürgermeister von Straßburg wieder herzustellen. Sein Nachfolger ist ein Herr v. Stein geworden, von dem daö Großkapital mehr Verständnis für seine Wünsche erwartet. Ausgerechnet zu der �!cit, in der der Zentrums- Mann Gras Hertling Reichskanzler und Vertrauens- mann der Ncaierungssozialisten wurde, haben samt- ltche deutsche Nischöfe und Erzbischöfe ein Hirten- schreiben veröffentlicht, in dem es heißt, daß der Kampf aufgenommen werden müsse„gegen äußere und innere Feinde, gegen die Mächte des Umsturzes, die auf den Trümmern der bestehenden Gesellschaftsordnung einen Zukunftsstaat aufrichten wollen". Außerdem wollen die Bischöfe denen nicht zustimmen,„denen das Volk in seiner Gesamtheit als Urheber und Inhaber der staatlichen Gemalt, der Wille des Volkes als letzte Quelle des Rechtes und der Macht gilt". Also eine glatte Kampfansage an Sozialismus und Demokratie! Der moralische Einfluß der Bischöfe auf die Zentrums- parte! ist bekanntlich sehr groß, die Zentrumspartci ist aber ein wichtiger Bestandteil der Rcichstagsmchr- heit. An diese Mehrheit klammert sich der Regie- rungssozialismus krampfhaft fest. Werden die deut- scheu Arbeiter noch lange glauben, daß mit solcher Bundcsgenossenschaft ein ehrlicher und erfolgreicher Kampf für Sozialismus und Demokratie geführt werden kann? Herr Kolb hat im badischen Landtage den bürgerlichen Parteien die Großblock-Freundschaft ge- kündigt. I*** Am 19. November verbreitete das Wolffsche Tele- graphcnbüro folgende amtliche Meldung: „Die Unabhängige Sozialdcmokra- 'tische Partei Deutschlands hatte für gestern in Berlin Versammlungen geplant, die behördlicher- seits nickt zugelassen werden konnten. Im Anschluß an die Versa, nmlungen versuchten die Teilnehmer in geringer Anzahl im Osten Berlins auf den Straßen zu demonstrieren, wurden aber mühelos von der Polizei rasch zerstreut." Am 2ü. November wurde vom genannten Büro folgende Meldung in die Welt gesandt: .Die Unabhängige Soztaldemokra- Mische Partei Deutschlands hat auch am gestrigen Totensonntag im Norden und Osten Verlins auf der Srraße Veranstaltungen versucht. Ansamm- lungen von mehreren hundert Personen schlössen sich vom Weddingplatz und vom Schlesischen Bahnhof aus schließlich am Bülowplay zusammen und versuchten von dort aus in das Innere der Stadt zu gelangen. Die Menge stieß am Neuen Markt mit der Polizei zusammen, wobei neun Zwangögestellungcn erfolgten. Das Straßenbild war am späten Nachmittag wieder wie gewöhnlich." Der„Vorwärts" bemerkt hierzu: „Auf verschiedenen Plätzen Verlins haben am gestrigen Totensonntag Bolkskundgebungen für den Frieden stattgefunden, die namentlich im Norden der Stadt einen bedeutenden Umfang an- nahmen. Die Menge, die sich nach guter, alter Ge- wohnheit von allen Ausschreitungen fernhielt, bewegte sich unter Hochrufen auf den Frieden und auf Karl Liebknecht durch die Straßen. An der Ecke Spandauer- und Kaiser-Wilhelm-Straße kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, der wohl auf überflüssige AbspcrrungSmaßnahmeu zurückzuführen ist und zu einigen Verhaftungen führte. Da das ganze Volk in dem Ziel, der Herbeifüh- rung des Friedens, mit den Demonstranten einig ist und sich diesem Bestreben innerhalb deZ Reiches keine beachtenswerten Widerstände entgegenstellen, liegt kein Grund vor, solche Kundgebungen als„gefährlich" zu behandeln. Sie sind nur der Widerhall der großen Zeitereignisse innerhalb einer zur Selbst- disziplin erzogenen Bevölkerung. Wir würden uns freuen, bald von ähnlichen Kund- gcbungcn aus Paris und London berichten und sagen zu können, daß der Friedenswille des Volkes auch dort ans die auswärtige Politik des Landes einen so starken Einfluß gewonnen hat, wie jetzt schon in Deutschland. Dann wird es nicht mehr weit zum Frieden sein!" Das ist sehr nett vom„Vorwärts" gesagt, aber in der Situation, in der er und seine Auftraggeber sich damals befanden, läuft es auf ein Schmücken mit fremden Federn vor den Parteien des Auslandes, vor allem Rußland, hinaus. Die Trauerfeicr für unsere» verstorbenen Ge- nossen Artur Stadthagen findet am Sonntag, den 9. Dezember, nachmittags 1 Uhr. im Cafe Bellevne, Lichtenberg. Hauptstraße, statt. Bon dort erfolgt die Ucberführung nach dem städtische» Friedhof iu Fricdrichsfclde. ?rr Transportarbeite-Verbünd vor dem Genurlngefjcht. Eine wenig anständige Handlungsweise fübrte den Vorstand de? TranSportarbeiterverbanbcS kürz ich vor da? Geirerbegeckcht in Verlin. Im Vüro de? V'rdnnde? war Ht dem März 19iG e-n Hilfsarbeiter H. beschäftigt. Durch d'e groß.' Teuerung genötigt, bewilligte der Ausschuß den Angestellten Tei er, nasznlagen, nur H. wurde davon aus- g'schlössen. Er sollte eine für den PrivathonShalt de« Geschäflsführ. r? bestimmte Fuhre Kohlen nicht angen0'"men und den 16 Mk betragenden Fuhrlohn nicht bezahlt haben, eine Sache, die mit dem Angestelllenverhälun? nicht das Mi»desie zu tun hat. Tann wnrde dem Hilfsarbeiter ge- soot. daß er sich seinen.Kollegen anrchlicßcii sollte, dann bekäme er auch Teuer mgSzulage. Mit d m Anschluß war der Beitritt zum regierungssozialistischen DiSkniierklnb ge- meint. Emc Belchwcide an Vorstand wie an Ausschuß wi rde abgelehnt. Darauf verließ H. seine Stelle und klagte denn Gcwelbegcricht auf Zahlung der Tenerungs- zutage. Dl s Gewerbegericht gab der Klage statt und ver- umi.le d n Transpo'.larb-itcrverband zur Zahlung ver Tenerungszulagc für 3>/, Monate in Höhe von H9 Mk. •' ic Art der Behandlung eine? Angestellten im Büro deS Verbandes soll nicht allein dastehen. Kürzlich beschäftigte üch die B a'chcnversamnilung der Gcschästskulscher mit der Behandlung einer Reinemachcsrau durch den Vcr- baudsrolsitzenvcn. Die Frau war von Schumavn unter Umständen entlassen morden, die sonst im Courier in schärfe er Weise gegeißelt werden, wenn e? sich um bürgcr- li l e Betriebe hanvelt. Die Versammlung forderte die Entlassung Schumanns. Ans der Kcweguug. Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Sekretariat und Zeitungsdienst: Schifsbauer- dämm 21, 2. Hof, 3 Treppen, Berlin, N. 6.— Telephon: Amt Morden 9841. Adresse für alle Zuschriften, die Eesamtpartei betreffend, und für alle Geldsendungen: Wil- Helm D i t t m a n n, Verlin, N. 6, Schiffbauer- dämm 21, 2. Hof, 3 Treppen. Adresse für alle Zuschriften, die die Frauen betreffen: Luise Zietz. Berlin, N. 6, Schiff- bauerdamm 21, 2. Hof, 3 Treppen. Adresse für den Zeitungsdienst: Emil Elch- Horn. Berlin, N. 6, Schiffbauerdamm 21. 2. Hof, 3 Treppen. Adresse für den Kontrollausschuß: Wilhelm Bock, Gotha, Nelkenberg 14. Zuwachs der ReichZtagsfraktion. Die Abgc- ordneten Brandes, Dr. Erdmünn, Hütt- mann und I ä ck e l haben ihren Beitritt zur Fraktion der Unabhängigen Sozial- demokraten erklärt. Während Genosse Dr. Erd- mann sich schon vor Wochen von der alten Fraktion getrennt hat, haben die anderen drei Genossen erst jetzt ihren Austritt aus der Sozialdemokratischen Fraktion vollzogen und damit gerade angesichts der jüngsten Vorgänge die Richtigkeit unserer Politik an- erkannt, was bei ihnen als lang bewährten Gewerk- schaftsführern von besonderer Bedeutung ist.— Die Fraktion zählt jetzt 26 Mitglieder. Sprcmbcrg(Lausitz). Am 11. November fand eine gutbesuchte Versammlung des Ortsvereins Spmnberg der lt. S. P. statt. Nach dem Bericht des Kassierers bilanzierten die Einnahmen und Ausgaben seit dem Hebertritt bis 80. September mit 111,40 Mk. Sodann berichtete der Vorsitzende, daß 71 zahlende Mitglieder<44 männliche und 27 weibliche) vorhanden sind. Außerdem ist eine Anzahl wieder zum Heeresdienst eingezogen worden. Wieviel von den im Felde stehenden Genossen si� zu den Unabhängigen bekennen, konnte noch nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden, doch gehen uns laufend Sympathiekundgebungen von früher öcivähr- ten tätigen Genossen zu, was zu den besten Hossunn gen berechtigt. Davon ausgehend, daß vor der Spal- tung in Spremberg 79 zahlende Mitglieder zu ver zeichnen waren und jetzt 71 zu den Unsrigcn zählen, zeigte der Vorsitzende, daß die persönliche kleinliche Kampsesweise der„Durchhalter" die Flucht aus den Reihen der Abhängigen nvch mehr beschleunigt und daß sich aus der„Mandel Unabhängige", die die Märkische Bolksstimmc einmal so nebenbei registrierte, ein reichliches Schock entpuppt hat. Ob dieses Resultat sehr enttäuscht, erblicken die „Durchhalter" ihre Agitation darin, von Hans zu Haus zu gehen und zu versuchen, unsere Mitglieder zur Umkehr zu bewegen. Zu ihrem größeren Leid- wcsen ohne Erfolg. Ebenso liegen die Verhältnisse im Brudervcrcin Slamen. Um einigermaßen lebensfähig zu bleiben, haben sich die Regiernngssozialisten von Spremberg und Slamcn zu einer Ortsgruppe znsammengesckftossen. An Stelle der Biärkttchcn Bolksstimmc, die trotz er hcblichen Abonnentenschwundes ihren unentwegten Kampf gegen die Unabhängigen weiterführt, finde: die Leipziger Volkszeitung und das Berliner Mittcilnngö- blatt immer mehr Eingang. Können wir doch schon 49 Abonnenten dieser Organe buchen. Unablässig weiter zu wirken, ist unsere Losung. Sodann referierte der Borsitzende, Genosse M ü h l, über„Tic russische Revolution und das europäische Proletariat. Redner legte die Schwierigkeiten der russische i Revolution, die Parteien, die in ihr auftreten, die Pflichten, die dem anßerrussischcn Proletariat aegei!- über der russischen Revolution erwachsen, einsehend dar. Die von gutem Geist beseelte Versammlung'.olite dem Referenten ihre Zustimmung, die vom Genoss.-. Harimann in nachstehender Resolution, welche ein stimmig angenommen wurde, zum Ausdruck gebracht wurde: „Die heutige Versammlung begrüßt das Borgest.: der russischen Genossen unter Führung deS Genossen Lenin und wünscht ihnen weiteren Erfolg." Ferner referierte Genosse Mühl über„Der Partei- tag der Mehrbeitssozialtsten in Würzburg", und zeig' an der Hand der Würzburger Beschlüsse, daß die Zieie deö proletarischen Sozialismus in nebelgraue Ferne gerückt sind. Diese Tagung hat die Politik de? 4. August besiegelt und mehr denn je die Erkenntni gebracht, daß wir unermüdlich für die intcrnativnalg unabhängige Bewegung unser Ganzes einsetzen müssen. In der Diskussion wurde dem allseitig zugestimmt Nach eingehender Debatte über die völlig ungenügend.' Lebensmittelversorgung am Orte wurde die etndrucks- volle Versammlung geschlossen. Der Anschluß an die Unabhängige Sozialbemo- kratische Partei hat sich in ganz Württemberg ohne nennenswerte Absptittcrungen vollzogen. Wir hoffen, daß unsere Genossen aus dieser Tatsache neue Arbeits- frcude schöpfen werden. Vorsitzender deS Bezirks der U. S. P. D. ist Genosse Fritz Rück. Alle die Bewegung betreffenden Zuschriften sind zu richten an Fritz Rück, Stuttgart, Schwarenbergstr. 73. In Hannover ist eine Ortsgruppe der U. S. P. D. begründet worden, die sich bereits einer größeren Mit gltcdcrzahl erfreut. Vorsitzender ist der Genosse Karl Aderholt in Hannover-Heiuhotz, E h a in i s s o st r. 15, II. Nene Ortsgruppen. In Neckartach und in Kochendors(3. württembergischer Rcichstagswahi- kreis) sind Ortsvereine der U. S. P. D. begründet worden. Totenlifte. Die U. S. P. Hamburgs hat durch das Ableben deS Genossen Hildebrandt einen herben Verlust erlitten. Am 24. d. M., morgens 51/« Uhr,'st unser alter Freund und bewährte?' Kämpfer für die Sache deS Proletariats an Herzkrümpfcu gestorben. Unermüdlich hat er sich an dem Aufbau der hiesigen Organisation der U. S. P. beteiligt und weder Mübe noch Gesundheit gescheut, der Sache des tnternativ- nnlen Proletariats zu dienen. Durch die Kriegswirr- nisse hat er seineu Blick nicht trüben lassen. Klar er- kannte er von Anfang an, welche Stellung die Arbeiter- klasse zu den schwebenden Fragen einzunehmen bat. Daher stand er auch von vornyerein in schärfster Kampsstellung gegen die Nationalsozialdemokraten und hat mit Erfolg in den hiesigen Landes- und Kreisver- sammlnngen auch nlö Nedner die Sache der Opposition vertreten. Noch am 28. d. M. war er, obwohl er sich bereits sehr elend fühlte, in der sogenannten Ebert-Ver- sammlung. Zu Freunden äußerte er sich noch, daß jene Versammlung wohl seine letzte gewesen sein wird..... Nun ruht er aus. Ein Kämpferleben ist abge schlössen. Wir aber werden weiter arbeiten im Sinne unseres verstorbenen Freundes. U. S. P. Hamburg. Erlangen. Am IS. November fand im Prater- faale eine öffentliche Versammlung der Regterungs- sozialisten statt. Als Referent über„Kampf um Friede und Freiheit" war Landtagsabgeordneter Hans Vogel erschienen. In seinen 1'/- Windigen Ausführungen zeigte er sich ziemlich radikal und erklärte sich heute noch mit der Politik vom 4. August 1014 einverstanden,' leider wäre es während der Kriegsdauer nicht möglich, in Versammlungen mit dem Volke zu sprechen. Seine Hauptaufgabe erblickte er in der Vekämpfung der Vaterlandspartei, jedoch gegen die Regierung selbst fand er keine Worte. Sein ganzes Heil, dem Frieden näher zu kommen, erblickte Bogel in der Friedens- resolution der Mchrheitsparteic» vom 19. Juli, aber schließlich mußte er selbst zugeben, daß die Regierung doch mache, maß sie wolle. Um Friede und Freiheit redete er immer herum, aber zu einer direkten For- dernng raffte er sich nicht auf. Die Versammlung, die von zirka ISO Teilnehmern besucht war, spendete seinen Ausführungen lediglich am Schlüsse Beifall. Genosse Bai er-Nürnberg sprach in der Tis- Inssion. Nach feiner Ansicht ist dem Volke mit schönen Worten nicht gedient, es ist endlich Zeit, daß die Par- seien in der Fricdensfragc der Regierung gegentiber eine konscguente Stellung einnehmen. Bisher war l � nur die U. S. P. allein, die bei jeder Gelegenheit fi.r den Frieden eintrat, damit diesem Menschen- schlachten ein Ende bereitet wird. Als das beste Mittel hierzu bezeichnete Redner die Benveigerttng der Kriegskredite. Unter lebhaftem Beifall forderte Redner nicht nur die Bekämpfung der Vaterlands- Partei, sondern auch der Regierung. Was den Ber- ständigungsfriedeil der Mehrheitsparteien bctrisst, l unte er Michaelis nicht unrecht geben, wenm er er- ilärte,„so wie er ihn aufsaßt", denn wenn alleö gut a cht, kann man danach auch ruhig annektieren. Zum Schlüsse verwies Genosse Baicr noch auf die ausgc- streckte Friedenshand der russischen Regierung. Soll- Kit die Regierungen noch länger eine abwartende Siellnng zu derselben einnehmen, so müßten die Völker selbst antreiben, um den licißcrsehnten Frieden zu erlangen.— Nicht nur am Schlüsse, sondern auch nährend seiner Ausführungen erntete Genosse Baier starken Beifall.* Vogel konnte in seinem Schlußwort die Aus- fahrungen des Genossen Baicr nicht widerlegen und b itte diese Ausstthrungen lieber in der Versammlung der„Vaterlandspartei" gehört. Kassel. Herr Abgeordneter Thöuc nnd die Seine». Wie Herr Reichstagsabgeorducter Thöne hier wirkt, zeigt wohl am besten nachstehender Bericht über die von ihm am 17. d. M. in Niederzwehren veranstaltete„Volksversammlung", den er, da ein anderer Berichterstatter für diese so besungene Versammlung nicht in Frage kommt, sich zu Ehrcu wohl selbst ge- schrieben hat. „N i e d e r z w c h r c u, 18. November. Die„U n- abhängigen" rühren sich! Tie hier am Sonnabend stattgefundene öffentliche Versammlung hatte einen guten Erfolg aufzuweisen. Vor Eintritt in die Tagesordnung wies der Versammlungsleiter, Genosse Schrcitcr, auf daS Wirken der ,�Latertands- partei" hin, demgegenüber mir unseren Friedens- willen öffentlich zu bekunden hätten. Das Referat des Genosscu Thöne wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In der TiSkusiion meldeten sich zwei Unabhängige, Schwang und Nagel, zum Wort. Der elftere las in Ermangelung eigenen Wissens die in ein Notizbuch eingeklebten Leitartikel der„Leipziger Bolkszcitung" über den Würzburger Parteitag ab, der zweite redete allerlei konfuses Zeug. In seinem Schlußwort ivies Genosse Thöne nach, daß die Taten der Unabhängigen nicht dem Frieden dienten» sondern nur störend wirkten. Die hiesige Arbeiterschaft folge denn auch der soztaldemokraiischeu Partei, die mit ihrer Taktik aus dem rechten Weg sei. Lebhafter Bei- fall unterstricht das!" Zur Richtigstellung aber diene folgendes: Die ..Volksvcrsanimlung" zählte ganze 78 Besucher— Herr Thöne und die drei überwachenden Gendarmen mitge- rechnet. Herr Thöne nahm das Wort über:„Sozial- dcmokratie nnd VcrständignnaSfriedcn", und fetzte alles auf das Konto, seiner Partei: Bildung des Mchrheitsblocks, FricdcnSresoluttvn vom 10. Jnü nnd sogar die letzte Papstnote, die ohne das energische Auftreten der Sozialdemokratie nie hätte zustande kommen können. Nachdem Herr Thöne dann noch zum Verständignngsfricde» ausgeführt hatte, daß es jetzt darauf ankomme, daß die Arbeiterklassen in Einigkeit und Geschlossenheit dafür eintreten müßten, daß ein wahrhafter und ehrlicher Bcrständigungs- frieden zustande käme, wurde sein schläfrig und ein- tvnig hergesagtes Referat zur Diskussion gestellt. Zu dieser nahm einer der Unsrigen, Gen. Schwang, das Wort nnd wies darauf hin, daß das Verhalten der NcaieriliigZfozialistcn auf Einigkeit und Ge- schlossenlieit sehr wenig Wert gelegt habe und auch jetzt noch ihre zu erstrebende Einigkeit unter Ve- dingungen stelle, die jedem grundsatztreuen Sozial- demokraten unannehmbar seien. Gen. Schwang las die in dieser„Einigkeit und Geschlossenheit abge- faßte Resolution des Würzburger Parteitages vor, aber auch die Antwort, die der Vorstand der llnab- hängigen Sozialdemokratie den Abhängigen darauf gegeben hat. Gen. Nagel wies in markigen Ausdrücken darauf hin, daß, wenn Herr Thöne seine Nase ein- i mal in den Schützengraben gesteckt hätte,, et statt hinter der Front hcrumzukuttchieren, er vielleicht anders als fürs Durchhalten gestimmt hätte. Daß er aber von der wahren Sachlage gar keine Ahnung habe, zeige sein so äußerst oberflächlich gehaltenes Referat. Dies brachte den Herrn Retchstagsabgeordneten aus dem Sattel:„Meine Herren," rief er in die Ver- sammlung,„Sie werden mir gewiß bestätigen» daß ich mein Thema doch sehr ausführlich behandelt habe?" Bestätigen aber wollte ihm das keiner. Mehr Beifall als Thöne erntete der Bersamm- lungsleiter Schreiter, als er mit der Fanst auf den Tisch schlug und sagte, daß alle, die den Frieden e r s i e g e n wollten, auch vorn in den Schützengraben gehen müßten, wo sie ihn ersiegen könnten. Der kluge Herr Thöne hat also auch ganz andere Töne zu hören bekommen, als er in seinem Bericht erzählt. Ja» wenn die„Berichterstattung" nicht wäre! Ans den Organisationen. Bezirk Reinickendorf. Der gemeinsame Zahlabend sindet am Mittwoch, den 12. d. M., abends 8 Uhr, bei Sadau, Restdenzstr. 124, statt. Bestimmtes und pünktliches Erscheinen erwartet Di» Bezirksleitung. LiÄtenberg. 4. Bieriel. Der Zahlabend des 4. Biertels findet am Mittwoch, den 12. d M., 8", Uhr, bei Gärtner, Türrschmidtstr. 40. statt. Das Erscheinen aller Genossinnen und Genossen ist Pflicht. Tempelhof. Am Mittwoch, den 12. Dezember, abends 8 Uhr, findet bei Reimer, Ordensmeisterstr. b7, ein ge- mcinsamer Zahlabend statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der außerordentlichen Krciscieneralversammlung. 2. VcreinSangelcgenheUen. Regen Besuch erwartet Ter Borstand. Treptow- Baumschulenweg. Am Mittwoch, den 12. Dezember, abends 8V2 Uhr, findet der Zahlabend für jeden Ortsteil gemeinsam statt. Für Treptoiv bei Scholzc, Gräßstr. 48. Für Baumschulenweg bei Krause, Kiefholz- straße 249. Da wichtige Angelegenheiten zu erledigen sind,' ist das Erscheinen aller Parleigmosscir und Genossinnen notwendig. Der Vorstand. Spandan. Der gemeinschaftliche Zahlabcnd für Spandau findet am Mittwoch, den 12. Dezember, abends 8>/i Uhr, bei Wind, Pichelsdonerstr. ö, statt.— Für die SiemenSstadt findet der Zahlabend am Sonntag, de» 16. Dezember, nachmittags 4 Uhr, bei Kant, Siemens- straße 34, statt. In beiden Zahlabcnden werden Vorträge gehalten. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Weißensee. Am 12. d. Mts., abends 8 Uhr, findet im Lokal von Otto Masche, Berliner Allee 2S6, unsere Mitglieder-Versammlung statt. Zahlrcickes Erscheinen ist unbedingt notwendig. Dte Bezirksleitung. Aus Potsdam wird unS geschrieben: Ein echtes Taschcnsviclerku-istttückchen veranstalteten die Potsdamer Mehrheit: sozialistcn mit ihren Blockbrüdern, den Liberalen Arn Sonnabend, de» 24. 0, Mts, fand hier der Vortrags- abend über das Thema„Die ivlehrhcit im Reichstage' statt. Wer nun glaubte, diese Vortragskünstlcr sclbst'in Augenschein»ehnien zu können, der hatte sich getäuscht. Eintrittskarten waren bei den Arrangeuren zu haben. Während man in der„Brandenburger Zeitung" alle Parteigenossen zu zahlreichem Besuch aufforderte, wurde mit der Karieuausgabe sehr gesiebt. Früher konnten sich einzelne Genossen nicht radikal genug gebärden. Aber wenn man Gewerkschaflsbeamter ivird, verliert man den leisten Rest demokratischen Gefühls.(Schubert jetzt Gau- lcitcr bei den Eisenbahnern.) Oder sollte man i» Vor. dam Apgst vor den böse» Unabhängigen haben? Es scheint so, daß man nach der Scheidcniann-Versamnilung im März den Mut verloren hat, hier öffentlich aufzutreten. Unserer Bewegung können solche Machinationen nur von Vorteil sein, haben wir doch heule schon in Potsdam löO zahlende Mitglieder, außer unseren im Felde stehenden Partei- genoffen. Darum ihr fernstehenden Parteigenossen, die ihr für ein freies Versammlungsrecht seid, hmein in den unabhängigen Wahlverein. Zentralwahlvercin für Teltow-Becskow-Storkow- Eharlotteubnrg. Man hat im Kriege viel Literatur kennen gelernt. Schriften und auch Gcdichtssamm- lungcni, aber kaum dürste unter dieser Literatur eine so großartige und treffende Abfindung des Krieges vorhanden sein, als wie die bereits schon im Mit- teilungsblatt besprochene Gedichtsammlung von Bruno Schönlank, betitelt ,»Jn diesen Nächten". Jeder, der in dem Krieg den Totschläger aller Kultur erblickt, und all dieses von ihm erzeugte Elend in Versen höchster Vollendung in Gedanken vorüberziehen lassen will, kommt in diesem Buch aus seine Rechnung. Hieraus allein erklärt sich auch die große Nachfrage nach diesem Büchlein. Um diesem berechtigten Vedllrfnis Rechnung zu tragen, hat sich der Kreisvorstand tu die Lage versetzt, den Partei- genossen- diese Gedichte zu Vorzugspreisen zur Ver- fügung zu stellen. Bestellungen können mündlich oder schriftlich im Büro des Wahlveretns Neukölln, Neckarstr. 3, Laden, abgegeben werden. Da wir noch reichlich genug am Lager haben und das Weihnachssest vor der Türe steht, so bietet sich Gelegenheit, mit diesem Werk ein wirklich gutes Weih- nachtsgcschcnk zu machen. Berdieuen doch diese klassw scheu Worte des jungen, in der Dichtkunst geradeztt revolutionären Dichters die größte Beachtung. Er hat eine große Zukunft. Seine ticfergreisenden Zeilen haben aber nur Wert, wenn die Arbeiter, zu denen er spricht, fic kennen und achten lernen. Gerade dariq liegt der große Wert des Geschaffenen, dte Arbeitern klaffe für höhere und bessere Ideale zu begeistern, alfg mache ein jeder davvn Gebrauch. Der Kreiövorstand: I» A.: LachmunK, 3 .•.-ix*"-" Ä Uereins-NeranSaltunsen. Freireligiöse Gemeinde Berlin. Sonntag, den 0. Dezbr., vorm. 0 Nhr.Pappel-Allee 15/17; Neukölln, Jdcalvassage, Weichselstr. 8; Oberschönewetde, Wilhelntinenhofstr- 43 bei O. Pamp:„Freireligiöse Vor» lesung."— Vorm. IO'/j Uhr, Kl. Frankkurterstr. 6: Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille:»Das liebe ich."— Gäste willkommen. Ter Bezirk Reinickendorf venrnsiaiiei vom 9. bis 15 b M. im Jugendheim, Amendestr. 79(Wasserturm), eine Bücher- und Wandschmuckausstellung. Geöffnet abend# von 6 bis 9% Uhr, Sonntags von 2 bis 7 Uhr. Regen Besuch erwartet Die Bezirksleitung. Quittung. G 4. KreiS. Für bis Stockholmer Friedettskonfe» revz: Liste 15 32,—, 6453 4,—, 8462 3,50, 8464 14,—, 8465 7,—, 8467 2,—, 8468 7,80, 6469 9,05, 8483 7,—,&487 1,23, 8483 8,—, 8489 1,50, Bezirk 334 8497 5,50, 8502 5,50) Arbeiter der Firma Boas 8519 19,—, 8530 2,—, 8533 3,—, 8549 15,50, 8550 4,30, 8562 3—, 8563 14,-, 8567 17,75, 8475 14,05, Johannes Weder 8476 20,75, 8477 3,45, Bezirk 3191" 25,50, 8694 21,—, 8600 7,50, 13 863 7,—, 13 864 ■o2,— 13 867 4,30, 13 869 8,05, 13 876 2,60, 13 877 11,55, 13 879 12,50, 13 880 2,60, 13 896 13,85, 13 887 6,35 Mt. Summa 369,65 Mk. Bereits quittiert 203,62 Mk. Summ« 573,30 Mk. Feldgrauer N. durch Roseinann, 5. Kreis, für den Pressefonds 4 Mk. Parleibeitrag von S. L. 10 Mt. Dm Äato iinjKet iiiis i>M KnegS' DUM jtfrteiien GenO»! 4. Wahlkreis. An den Folgen des Krieges verstarb am 16. No- vember 1917 im Alter von 30 Jahren unser Genosse Ernk Msndlattd Cuvrrssir. 46, Bez. 189 II, An den Folgen des Krieges verstarb am 17. No- vember 1917 unser Genosse Kerthold Schmidt Camariterstr. 33, Bez. 368. Wahlverein Uenkölln. Im Oktober fiel auf einem Kriegsschauplatz unser Genosse, der Buchdrucker Robsrt Wense Douaustr. 52/53. Am 2. Nov. fand unser Mitglied, der Kanonier Eari KnoÄ Hermannstr. 33, Bezirk 24, durch Granatschuß seinen Tod. Ehre ihrem Anden kenl •r.iieer*zzi- Nachruf. 3. Mahlkreis. An: 14. 10. 17 verstarb plötzlich unsere Genossin, Frau KerSa Hetzet im Alter von 39 Jahren Am 4. 12. 17 verstarb unser Genosse, der Schankwirt Ernst Thamas im Alter von 64 Jahren. Ehre ihrem Andenken! SsfiaiäemolirstilÄer ttlsdivcreiu für den 6. Berliner Reidistagiwablkreiz. Gerichtstr. 71. Anabhängige Partei Deutschlands. Amt Norden, 2137. Bttcherangebot für unsere Mitglieder! Zum Weihnachtsfeste paffend für Geschenke empfehlen mir, so lange der Vorrat reicht:-UW - Klara Müller-Iahnke:~, 1'üf!''- Gedichte. Außerdem sind noch zu empfehlen:„Geschichte der Kommune" von Lissagarey, gebunden 2 Mk. Jgnaz Auer: ,9lach zehn Iahren", gebunden 2 Mk. Bebel:„Ans meinem Leben", 1. Band 2,10 Mk, 2. Band 3,10 Mk., 3. Band 2,35 Mk.„Di- Frau und der Sozialismus«, von August Bebel, gebunden 3 Mk. Geschenkausgabs 3,50 Mk.„Das Kapital", von Karl Marx, Volk-auSgabe, geb. 5,60 Mk.„Geschichteter Berliner Arbeiter- bewegung" 1., 3., 9. Band, zusammen 12 Pik.—„Zugend-Liedsv" von Emma Döitz- 9,75 Mk. Vera, n«.'«, tUcher Rrdalicur: Larl Leid: Lerlcgcu Adolf HoilNann: beide Beeli» 0.27, Schickicrstr. 5.— Druck: Mauset& Di uimick, AcrUa öO.lO, KSpeutckes?iraöe aa-Sä, DeUage zu Ur. 37 des»Mitteilungsblattes". Siivgliags-«ad Kleinkinderschutz. Slm 24. November fand in Berlin die vierte 'Nriultzischc Landeskonferenz für Säuglingsschutz statt mit der Tagesordnung: 1. Die Vereitstellung der Ketlbehaudluug für die Säuglinge und Kleinkinder der Krankcnversichcrten durch die Krankenkassen. 2. Die Stellung von Arzt und Fürsorgerin bei der Organi- satiou der Säuglings- und Kleinkinderfürforge. Einleitend wies Ministerialdirektor Kirchner darauf hin, daß unter den Ernährungsschwierigkeiten nur die älteren JahreSklassen litten, dagegen die Sterblichkeit der Kinder und Säuglinge zurückgegan- gen fei, da feit dem Kriege die Stilltätigkeit der Mütter zugenommen und damit dech Säugling grvherc Widerstandsfähigkeit verliehen habe. Die preussifche Regierung beabsichtigte die Fürsorge inten- swer zu gestalte», tudem sie erhebliche Mittel dafür dereiistcllcu und Wohlfahrtsämter schaffen werde. Zum ersten Punkt der Tagesordnung sprachen drei Referenten: Prof. Dr. Lt r a u t w i g- Köln, Geh. tanitätÄrat Dr. D i p p e- Leipzig und Eduard r a ef- Frankfurt a. M., die darin übereinstimmten, dast Krankheit und Tod der Säuglinge wie der Klein- ikindcr abhängig sei von der sozialen Lage der Eltern, !bah aber das Kleinkind noch mehr gefährdet sei als der Säugling» weil eS noch mehr als dieser Pflege und Aufsicht entbehre, auch die öffentliche Fürsorge sich bis jetzt weit nrehr des Säuglings als des Klein- lindes angenommen habe. Prof. Krautmig betont: Dem Säugling habe die ssieichswochciUsilfe geholfen, wenn auch ein ab- schliestcndes Urteil darüber noch nicht möglich sei, doch für das jkleinkiud fet nichts geschehen. Möge auch das Landkind sich noch Wohlbefinden, dem städtischen Kleinlind gehe es nicht gut. Nach der Berechnung sei sein NahrnugSbedarf zwar gedeckt, in Wirklichkeit werde aber für das Kleinkind nicht extra gekocht, son- deru es teile das grnreinsame Essen mit der ganzen Familie. Auf jede« Fall sei jede weitere Einschrän- ikung in der Ernährung des Kleinkindes verderblich. Er stellt fest, dasi Bcwahranstalten und Horte auch noch nicht einen mästigcn Teil der Kinder erfassen und den einfachsten hygienischen Ansprüche» nicht genügen. Besser seien weuigcr, aber gute Bewahranstalten und eine gründliche sozial hygienische Fürsorge für das Äleintind, die bis jetzt, auster an vereinzelten Orten, wie in Eharlottenburg, gänzlich fehle. Die Tuberkulose nehme enorm zu,' ög Prozent aller Schulkinder seien vom Keime der Tuberkulose infiziert. Sie sei eine Schmntzkrankhcit, das hetstt in weitem Mäste eine soziale Krankheit, deren Bekamp- fung im Vordergrund stehen müsse. Da es fraglich sei, ob die Landesversicherungsanstalten nach dem Kriege noch in der Lage sein werden, Kleinkinder- für sorge zu betreiben, müssen Reich und Staat Mittel dafür bereit stellen und die Gemeinden die Führung und Organisation ttbernehureu. Die Schaffung eines Gesnndbeits- und Wohlfahrtsministerinms wie in Oesterreich sei«nerlästlich. Dr. Dippe sah im Vorbeugen von Krankheiten ?ie Hauptsache, drslsalb müsse Fürsorge und Behaud- tlung bei der Schwangeren einsetzen, was glücklicherweise durch die Retchswochcnhilfc„so ziemlich" erreicht sei, wenn auch, nach seiner persönlichen Meinung, die Stiltbeihilfc zu karg bemessen sei. Unter allen Umstände» müsse die Rcichswochcnhilfe in die Fricdcnszeit mit übernommen werden, wofür jährlich kW Millionen Mark(bei 2 Millionen Geburten) nötig feien. Unbedingt nottvendig sei die Zwangs- f a m t! i e n v c r s t ch c r un g, da sie allein die recht- zeitige Hinzuziehung des ArzieS gervährleiste. Voraus- sctzniig dafür sei allerdings gebührende Berücksichtigung der Stckui'g der Aerzte, denen mit Einführung der ZwaitgSfamilienversichecung, bereu Träger die Kassen sein mühten, nur noch eine ganz geringe freie Praxis übrig bleibe. Er befürwortete eine freie stiege- lung ohne gcsetzUchcn Zwang, auf Grund der freien Arztwahl? dann endlich werde der Arzt da.?, was er fein solle: Hausarzt, Freund und Berater. In Lcip- zig habe sich die Familicubehandluug mit freier Arzt- wähl glänzend bewährt, Krankenkassen und Versichertc feien zufrieden. Persönlich ist er der Meinung, der Versicherte müsse an den Kosten der Familicnbchand- lung selbst beteiligt sein, einmal weil dadurch die Leistung deS Arzte? von dem Versicherten höher be- wertet«erde, zum anderen, um den Kassen nicht die vollen lkoftcn cuifzuerlegen. Er hofft, daß auf der jvruudlag« der freie» Arztwahl und gebührender Be- zahluug baldigst Uebereinstrmmung zwischen Aerzten und Krankenkassen zustande komme. Zinn Schluß wendet sich Dr. Dippe gegen die in Sachsen getroffene Regelung, die Kleinkinderfürsorge mit der GäuglingSfürsorge zu verquicken. Wenn nicht vndcrS, müsse das Klctuktnd, nachdem es so lange ver- uachlüssigt worden sei, noch etwaS warten, bis die Säuglingsfürsorge noch besser ausgebaut sei, dann fcvmme das Kleinkind auch zu seinem Rechte. Der dritte Redner, Arbcttcrsekretär Eduard iGraef, Frankfurt a. M., sprach seine Befriedigung darüber auS, daß man die Krankenkassen endlich fhrcm Werte und ihrer Bedentting entsprechend ein- schätze und ihnen Aufgaben zuweise, auf deren Er- füllung sie längst gedrängt. Doch durch die stiefmüttcr- liche Gesetzgebung sei de» Krankenkassen jede vor- beugende Behandlung verwehrt geblieben. Wohl sähen die Kraurcnkasse» die Ausbeutung der Menschen- kraft und die der Kinder, doch sie dürfen nicht? da- gegen tu«. Belehrung habe man den Müttern genug zuteil werden lassen, aber für die Durchführung der sutou Lcbreu sei wenig oder nichts gcfchrheu. Schlimm fei es mit der ärztlichen Behandlung bestellt, auf dem Lause mehr noch als in den Städten, der Arzt werde häufig nur gerufen, um den Totenschein auszustellen, denn Arzt und Medizin kosteten Geld. Die soziale Lage ist die Ursache der Tuberkulose, der Rachytis wie der meisten Krankheits- und Sterbefälle der Kinder. Die durchaus notwendige Familienbehandlung dürfe nicht länger aufgeschoben werden und nicht leiden unter dem Streit zwischen Aerzten und Krankenkassen, wenn auch manche Kassen die Famtltenbehandlung als „Luxus" betrachteten. Der Redner wendet sich gegen den Vorschlag Dippes, die Mitglieder zur Kosten- deckung mit heranzuziehen. Das könne nur als Bremse wirken, und es bleibe bann weiter Vorrecht des Reichen, den Arzt so oft zu rufen, wie er es für nötig halte. Graes fordert ferner, daß auch länger andauernde Kuren, wie z. B. orthopädische, von den Krankenkassen getragen werden. Auch sei die Krauken- Hausbehandlung der Familtenmitglieder der Ver- sicherten nicht wie bisher der Armenfürsorge, sondern der Krankenversicherung zu unterstellen. Die unter- ernährten Kinder und Frauen, die zurückkehrenden Krieger mit ihren Magen-, Nieren-, Herz- und anderen Krankheiten bedeuten eine ungeheure zukünftige Belastung der Krankenkassen, die jetzt schon ihre Pslichtletstuugen kaum aufrecht erhalten könnten,' Reichszuschust sei unbedingt erforderlich. Aufrecht- erhaltung der Reichswochenhilfe, Einführung der Familienbehaudlung, Fürsorge für das Kleinkind seien die Mittel, Kind, Mutter und Familie gesund und stark zu erhalten. Die Diskussion drehte sich leider am wenig- sten um das eigentliche Thema, sondern weit mehr um die Streitfragen zwischen Aerzten und Krankenkassen. Doch verdient hervorgehoben zu werden, daß ein Dis- kussionsrcdncr forderte, in Anbetracht der ungeheuren Summen, die das Reich für nicht aufbauende Zwecke ausgebe, müßte nun auch einmal für aufbauende Zwecke Geld bewilligt werden. Er empfahl eine „Säuglingsschutzanleihe", die jedenfalls mehr Zweck habe, als der kürzlich in Berlin organisierte Straßen- bettet von 18 000 Kindern,' die auf diesem Wege ge- tvonnencn Mittel reichten doch nicht weit! Benchiedene Redner verlangten Einführung des hygienischen Unterrichts in den Schule», damit das Volk lerne, wie man gesund lebt. Zu dem zweiten Punkt der Tagesordnung sprach Stadttat Dr. G o t t st e i n- Eharlottenburg. Er for- dertc, daß der leitende Arzt auch ein durchgebildeter Sozialhygteuiker sei, befürwortete die Einführung von Schulschwestern und betonte die dringende Not- wcndigkeit, die Aufgaben der Fürsorgerinnen und des Arztes genau zu begrenzen. In der Diskussion wurde von Prof. Schlothmann verlangt, daß mindestens in größeren Städten die Behandlung, der Säuglinge und Kleinkinder durch angestellte Aerzte übernommen , verde, denen die Privatpraxis verboten sei. Die Verhandlungen boten zwar viel Anregung für Aerzte und Gesetzgebung, aber die wesentliche Hilfe zur Bekämpfung der Verelendung des heranwachsenden Geschlechts, nämlich ein ausreichender gesetzlicher Ar- beiterinnen-,.Kinder- und Jugendschntz, wurde von keiner Seite auch nur erwähnt! Kirchgang nnd Feldgottesdienst der Disfidente« im Heere. Dissidenten und Freireligiöse beim Heere können und sollen nicht gezwungen werden, an Religions- andachtcn teilzunehmen. Das hat der Kricgsmintster angeordnet. Gegen diese Anordnung wird aber von nachgeordneten Stellen ständig verstoßen. Genosse Adolf Hoffmann hat in seiner Eigenschaft als Vor- sitzender der Freireligiösen Gemeinde wiederholt Be- schwerden an den Kriegsminister gerichtet. Aus den Antworten erhellt der Standpunkt des Krtegsministers ganz klar. Im Dezember lölsi schickte Genosse Hoff- mann an den Kriegsminister eine Beschwerde, nach der ein Major und Bataillonskommandenr eines Landsturmbataillons.... befohlen hatte, daß sich alle Dissidenten am Kirchgang zu beteiligen hätten. Der KriegSminister anttvortete darauf: Berlin W. 06. 27. 12. 1015. Leipzigcrstr. 5. Auf daS gefällige Schreiben vom 13. 12. 1015 teilt das Kricgsministcrium ergcbcnst mit, daß wegen der Abstandnahme von der dienstlichen Heranziehung Heeresangehöriger, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, zum Kirchgang das Erforderliche vcran- laßt worden ist. Im Aufttage(Unterschrift). Das war am 27. Dezember 1015. Am 4. Januar ging folgendes Schreiben von der Front ein: ...... den 3. 1. 16. Werter Gesinnungsfreund! Teile Ihnen hierdurch freudig mit, baß der Kirchcnbesuch für Dissidenten heute durch Parole- befehl aufgehoben wurde. Indem ich Ihnen herzlich danke für Ihre Be- mühungen, zeichnet...... Am 7. 1. erhielt Hosfmann gleich 3 Briefe von der Front, nach welchem nunmehr aus Grund eines am 6. Januar erlassenen Parolebefehls von allen Dissi- deuten verlangt wurde, baß sie bis zum 20. Januar ihre Kirchen-AustrittSbescheinigung bei der Kompagnie einreichen. Und ein späterer Brief meldet, daß am 1V. Januar der-Kvmpagntebcfehl erging, daß, wer bis zum 20. Januar die Bescheinigung über seinen Kir- chenauStrttt nicht eingereicht hat,„muß mit zur K i r ch c". Darauf sandte Hosfmann folgendsö zweite Schreibe» an das Krtegsministerium: Löbl. KriegsministeriumI Den Empfang Ihres Schreibens vom 27. 12. IS dankend bestätigend, möchte ich darauf hinweisen» daß die Anweisung des Herrn Kriegsministcrs, in dieser Sache im... Landsturm-Jnf.-Batl.... ver- sucht wurde, illusorisch zu machen. Wohl wurde der Befehl zum Kirchgang aufgc- hoben, aber durch Herrn Major Sch. im Stabsparolebefehl vom 6. 1. 16 angeordnet, daß alle Dissidenten bis zum 20. 1. ihre Austrittsbeschcini- gung jaus der Landeskirche) bei ihrer Kompagnie einzureichen haben,' das ist aus drei Gründen nicht möglich: 1. Trägt ein Soldat im Felde seine Familien- papiere nicht bei sich. 2. Hat nicht jeder solche Anstritts-Beschciniguiig, da eine solche ja nicht durch Gesetz vorgeschrieben ist und von den Betreffenden, selbst wenn er in der Heimat Anverwandte hat, so schnell nicht zu besorgen ist, selbst dann nicht, wenn er Tag- und Aktenzeichen anzugeben in der Lage ist. Ganz abgesehen von den jetzt schwer erschwinglichen Gerichtskosten. 3. Ist ein Teil der Dissidenten und Freircli- gtösen gar nicht in der Lage, eine solche Bescheini- gung zu beschaffen, wenn sie als Kinder von Dissi- dentcn oder freireligiösen Eltern zur Welt gc- kommen sind. Es müßten für die Militärbehörde doch die Militärpapiere(Paß und Soldbuch) genügen, da sonst leicht die Meinung Platz greifen kann, es sei nur beabsichtigt, den Befehl des Kricgsmtnisters illusorisch zu machen. Indem ich um gef. Veranlassung des Notwendigen ersuche, sieht einer orientierenden Antwort entgegen. Adolf Hoffmann. Am 30. Januar 1016 ging dann vom KriegSmini- sterium noch folgendes Schreiben ein: Berlin W. 66. 20. l. igt«. Leipzigcrstr. 5. Auf das gefällige Schreiben vom 8. 1. 1016 teilt das KriegSministcrium ergcbcnst mit, daß wegen de? Befreiung der Dissidenten vom dienstlichen Kirch gang daS Erforderliche veranlaßt worden ist. Im Auftrage: Ulntcrschrtfrt. Eine weitere Beschwerde bezog sich ans den Befehl cineS Vrigadekommandeurö, daß Urlaubsgesuche zur Eheschließung nur dann befürwortet werden könnten, wenn die Verpflichtung zur kirchlichen Trauung über nommen werde. Darauf wurde folgender Bescheid gegeben: Kricgsministerinm. Berlin W. 66, den 2. Nov. 19)6 Auf das Schreiben vom 5. 10. 16 betr. VcrpfUch tung zur kirchlichen Trauung bei Einreichnng 00» Heiratsurlaub teilt das Krtegsministerium ergeben?- mit, daß der diese Verpflichtung anordnende Brigade befehl seit langem aufgehoben ist. Die Angelegen heit dürfte damit ihre Erledigung gesunden habe». Im Austrage:(Name unleserlich). Außerdem ging folgende weitere Beschwerde ab: Berlin, 11. November 1916, L. Krtegsministerium, Berlin. Unterzeichneter ist leider in der unangenehmen Lage, daß trotz Anordnung des Kricgsministertum? in de» Jahren 1015 und 1016 fortwährend noch e: Zwang zur Teilnahme an den Kirchgängen und Gottesdiensten ans Dissidenten und Freireligiöse beim Heere, ja selbst in den Lazaretten anSgeüb. wird. Nach Zuschriften und Antworten, die ich in dieser Sache bisher vom-kkriegSmintsterr-im erhalten habe, bin ich ja der festen Ucberzcngnng, daß dies gegen den Willen desselben geschieht und unterbreite dnhe> folgende zwei Fälle mit dem Ersuchen um gc'ällic Abhilfe. Bei der Mag. Fuhrp. Kol....... wi? von der Etappen-Jnspektion der Befehl zum Kir?! gang ganz allgemein gegeben und auch nicht ZU'. Kirche gehörige Mannschaften gezwungen, dara-c teilzunehmen? sogar mit dem ausdrücklichen Hin weis: „Man sei Soldat und hätte den Befehl auszu- führen. Ob man daran glaube oder nicht, sei egal. Kirchgang sei Dienst, und es könne dem, der sich beschwere, im höchsten Falle noch eine Strafe ein- bringen." Ferner werben im Reservelazarett...... ebenfalls Konfessionslose, soweit sie außerhalb der Betten sich befinden, gezwungen, an den GotteS. dicnsten teilzunehmen. Indem ich hoffe, daß, wie in früheren Fällen, auch in diesen vom Kriegsministerium Abhilfe g» schaffen wird, ersucht um gefl. Bescheid Adolf Hofsmann Mitglied des preußischen Abgeordnctcnhause» Berlin O. 27, Blumenstr. 22, I l. Vorsitzender der Bcrl. Freirel. Gemeinde. Darauf ging folgendes Schreiben ein: Kriegsministerium. Berlin W. 66, den 2. 12. 1910 Auf das Schreiben vom 14. 11. 1016 teilt bai Kricgsmtnistertum ergcbenst mit, daß wegen des be- anstar.dcten Eingriffs in die gesetzlich gewährleistete Glaubens- und Gewissensfreiheit das Erforderliche verfügt worden ist. Im Auftrage:(Name unleserlich). Die Stadtverordttetenwahlett in Kiel. Die am Mittwoch, den 28. November, vor sich ge- gangencn Stadtverordnetenivahlen endeten mit dem„Siege� der Bürgerlichen und der Ncgierungssozialisten. Die Herr- schaften hatten vor der Wahl ein Abkommen geschlossen, um sich ihren gegenseitigen Besitz hübsch burgfricdlich zu wahren, vtoch ehe aber dieses Kompronüß geschlossen wurde, streckte der hiesige Mietervercin seine Fähler aus, um ein Wahlbündnis mit dem hiesigen Ortsvcrein der U. S. P. zustande zu bringen. Augeblich konnten die Herren nicht mehr mit den Mchrheitler» zusammenarbeiten, »da diese es viel besser verständen, die Interessen der Hausbesitzer, als die der Mieter zu vertreten." Unsere Genossen lehnten selbstverständlich jedes Techtelmechtel mit den Bürgerlichen ab und beschlossen, sich seldstäudig an der Wahl zu beteiligen. Sofort nach Bekanntwerden dieses Beschlusses setzte eine wüste regierungssozialistische Hetze gegen uns ein. Was sich die»Schleswig-Holueinische Bollszeitung" in den Tagen vor der Wahl au Beschimpfmige» gegenüber den verhaßten Unabhängigen leistele, kann sich getrost mit den b c st e n Elzeugnissen des Neichslügenverbandes messen. Und die Herrschaften hatten alle Ursache zu schimpfen. Rückten doch die Kieler Arbeiter iu zwei Bersamuliungen, in denen einer unserer Kmididaten unsere prinzipielle Haltung gegenüber der Konrmuualpolitu begründete und dabei die Haltung der Regicrungssozialisten arg zerpflückte, recht fühlbar von di'seu ab. Aber getreu dem Grundsatz„Verleumde nur zu, etwas bleibt schon hänge»/ schimpfte mau weiter. Und der Er- folg blieb nicht aus. Am Wahlragt erhielten die Sozialpatrioten 284S, die Bürgerlichen 2016 und unsere Genossen t>4v Stimmen. Dabei muß bemerkt werden, daß 4l»29 Bürger wähl- berechtigt ivarcii. und daß im Jahre!9t9 die damals noch geeinigte>4 arte i 11 19< Srimmen aufweisen koimte� E- muß weiter denierkl werden, daß den Bürgerlichen 2 Zeitungen, den Soziaipairloten eine zur Verfügung stehen, während nran uns 2 Versainurlungeir mit auswärtigen Referenten und die Herausgabe von Flugblättern nnd Handzetteln nicht zuließ? Unsere Agitation ivar also lediglich auf die von u'tund zu Mund beschräntt. Wenil wir cuso '.rotzdem lg Proz. aller adgegeoeneu Itimn«n auf uns oereiulgen konnten, so ist das ein guter illchtungserfolg. Lächerlich wirkt die Art, wie das regierungssozialistische Organ seinen Tieg in die Welt posauiu. Sic wirtl so, als ständen sich zirei ungleiche Kampfer gegenüber. Der eine ist frei und mit allen Rampfmi'lcln ausgeuattct, der andere aber liegt, aller Kampsmi'lel dar, gefegell am Boden. 'Aber stolz ruft noch dem ungleichen Kampfe der Sieger, indem er seinen Gegner Mit de» Absätzen das Gesicht de- arbeitet:.Sjnrra ich habe gesiegt—— Uno solche Regierungsseziatlsten- Harlekine ivollen die wahre',» Ber- treler der arveüender. Klasse sein. Und immer Ertrageschenlie. Wie es scheint, inuß jede Maßnahme, die getroffen imrd, mit irgend einciu Geschenk für die Landwirte ver- bimdcn werden. So auch nun wieder die über das stärkere Abschlachten von Schwe'nen. Es ist nämlich bestimmt worden, daß die Verordnung, nach der für Schweine im Gewicht von 15—00 kg Stückzulchläge i» Höhe von l8V!k gezahlt werden, bis zum 15. Januar iu Wirksamkeit bleibt. Bei 200000 Stück Schweine in dieser'GeirichlSg cnze würde das eine Mehrauegabe von 3,6 Millionen Marl verursachev. Bei Schweinen im Gewicht von HC— 45 kaS Verhalten des Branchenvcrtreters wird scharf verurteilt, er könne nicht mehr als Vertreter der Branche anerkannt wer- den. Tie Versammlung beschließt daher, einen andere» Vertreter zu wählen, der die Rechte der Biitglieder. auch wahrnimmt. Gewählt wurde Kollege Scholz. Groß-Kerline? Chronik. 5 0 Mark Belohnung für Feststellung von Inhabern falscher Brotkarten schreibt der Oberbürger- meister von Berlin aus. Das beste Mittel, falsche Brotkarten unmöglich zu machen, wird ausreichende Brotlieferung sein. Ein berufsständiges Gemcinbewahk- recht verlangen die Hausbesitzer, welche eine große Hausbesitzcrtagung am Sonntag im Zirkus Busch ge- halten haben. An eine Steuerleistiing müsse das Wahlrecht gebunden sein. Wer nicht mittatet, soll auch nicht mitraten. Das ist ihr Grundsatz. Also der Geld- sack soll bestimmen. Der Vcrbandsdirektor Steiniger erklärte, das Hausbesitzcrprivileg müsse bleiben.„Soll befehlen, wer nicht bezahlt?" war seine Frage. Schreien, schreien, schreien müßten die H«ii»Sbcsiher, mahnte Justizrat Dr. Baumert als Anwalt der Jnter- esse» der Hausagrarier.— Ein Bund zur Gründung von Volkse Häusern ist am Sonntag in Berlin WS Leben gerufen worden. Volkshäuser seien eine bessere Ehrung gefallener Krieger als schlechte Denkmäler. Pens und Schulz-Erfurt waren anwesend und habe» de» Volks- hansbnnd mit aus der Taufe gehoben.— M i t einer recht empfindlichen Woh- nungsnot dürfte nach dem Kriege gerechnet wer- den. Das wurde auch anerkannt von einer Ver- sammlung von Vertretern der zum Regierungsbezirk Potsdam gehörigen Gemeinden Groß-Berlins, die unter Vorsitz des Potsdamer Ncgicruugspräsidciite», Frcihrrril v. Masscnbach, stattgefunden- hat. Ueber die Mittel zur Abhilfe scheint aber keine Klarheit zu bestehen. In der Uebcrgaugszeit möchte man auf die vorhandenen Wohnungen in Dach- und Kcllergcschotze» zurückgreifen, deren Benutzung bisher von der Bau- Polizei verboten ist. Auch ein„Fortschritt"!— D i e Verschmelzung der Brauerei Engelhardt mit der Viktoria-Braucrei hat die Generalversammlung genehmigt.— Wegen Wucher mit Nähgarnen hat das Kricgswucheramt die Firma Flataucr Nachfg. sGustav Caspary), Müllcrstr. 152, überführt. Die Frau deS FirmeuinhaberS und ihr Vetter, die unerhört hohe Preise nahmen, wurden inS Untersuchungsgefängnis überführt. Sic hatten einen Posten Nähgarne in cinenl Wert von 400 Mark für 6890 Mark an Konfek- tionsfirmen verkauft, während Ladcukunöen über- Haupt keine Garne erhielten.— Schmalz als Wagenschmiere deklariert hat der Oelonom deS Herren- und Abgeordnetenhauses, Herr Pfuhl. Der Mann erhielt ver einigen Wochen von dem Pommerschcn VichhandelSverlwud einen Waggon Schmalz zur Venvendung für die Küchen deS Herren- und Abgeordnetenhauses. Durch eine Anzeige erhielt die Staatsanwaltschaft I zu Berlin Kenntnis von der Schmalzfenbiing. die auf dem Frachtbriefe als Wagenschmiere deklariert war, um, wie Herr Pfuhl aussagte, Diebstähle zu vcrmcideir. Obwohl es sich um rationierte Lebcn'mittel handelt, soll nach Blätternieldungeu die Staatsanwaltschaft ein Einschreiten abgclehni haben. Herr Pfuhl war be- müht, seinen Gästen, den Herren Abgeordnete», gutes und fettes Essen zu bereiten, damit sie ihre schwere gesetzgeberische Arbeit auch leisten können. Vielleicht betrachtet der gute Man» die Abgeordneten als Schwerarbeiter. Aus drr Kewesuug. Karlsruhe. Am Mittwoch, den 28. November, fand hier eine Atitaliederversammlung der II. S. P. statt. Genosse Adolf Geck tOsfenburg) sprach über die „Politische Lage". Die trefflichen Ausführungen, die die gegenwärtige Demokratisierung und Parlamcu- tarifieriing im wahren Lichte erscheinen ließen, fanden, nngetcilteu Beifall. Der gute Verlauf der Verstimm- lnng gibt berechtigten Anlast zu der Hoffnung, daß es auch hier vorwärts geht, wie an anderen Orten. Redaktionoschluh: Jeden Dienstaz Abend. Verantw. Redakteur: C. Leid? Verleger A. Hoffmann; beide Berlin O. 27, Schicklerstraße 5. Druck: Maurer-.4 Timmick, Berlin, KöpenickerC!r.SL-2S,