A [Ilitteiliings-BIaft des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Zu beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post.— Redaktion u. Verlag: 0. 27, Schicklerftr. 3. Fernruf: Alexander.»007. Nr. 44. Berlin, de« 27. Januar 1918. 12. Jahrgang. Segen die Kriegstreiber! Für Völkerfrieden! Stimmen ans Geßerreich-Ungarn. Seit einigen Tagen dringt aus dem Lande unserer Zlibelunzen-Vrüder keine Nachricht mehr in die plabejischen Niederungen Deutschlands. In den höheren Regionen weih man natürlich ganz genau, was jenseits der schwarz-gelben Grenz- pfähle vorgeht. Aber:„Ruhe ist die erste Bürger- pflicht!", so lautete der altpreutzische Regierungs- grundsatz im Jahre 1806, so lautet er noch heute, im Jahre des Heils 1S18, trotz„Neuorientierung", „Parlamentarisierung" und ähnlicher schöner Er- rungenschasten des Krieges. Daran ändern auch die schönen Reden hinter den filzwuttierten Wän- den des Hauvtausschuffes und die zwölf- oder fünf- zehnmal wiedergekäuten Zeusur-Jeremiaden so gut wie gar nichts. Die Wahlrechts»erschlep?ung im Dreitlassenhaus, das stärkere Anziehen des Zensurknebels, die G«ner«rloffenfi»e der Vaterlandspurtei gegen einen demokratischen Frieden, die Vorgänge' in Brest-Litowsk— all das und noch manches mehr sind Erscheinungen, die in engstem Zusam- menhange stehen und ihre Wellen auch über die Grenzen Deutschlands hinaus schlagen.„Außer- halb des Deutschen Reiches sind Tinge vorge- kommen, von denen das deutsche Publikum nichts weiß", sagt Theodor Wölfs im„Berliner Tage- blatt". Und er hat gonz recht, wenn er weiter sagt:„Es hat reinen Zweck, über die ganze Lage unter den gegenwärtigen Umstünden weiter zu reden, und es hat auch keinen besonderen Reiz. Es hat keinen Reiz,... andern vorbeizureden, was sich sonstwo begibt." Unsere Leser werden begreifen, daß wir an dieser Stelle nicht sagen können, was wir vom Stand- punkte unserer politischen Anschauung zu den überaus bedeiüsomen Zeitereigwssen zu sagen hätten. Wir wollen daher� nur mitteilen, was andere Blätter bis zum 18. Januar aus O e st e r- reich-Ungarn mitteilen konnten. Am 17. Januar wurde dem„Verl. Tageblatt" aus Wien gemeldet: ,Ln Wien und N i e d e r ö st e r r e i ch ist es zu Arbeitseinstellungen gctommcn. Dazu schreibt die„Neue Freie Presse": „Die Sstorreichischcn Arbeiter haben ihre Pflicht im Kriege vollauf erfüllt. Die gesamte österreichische Bevölkerung will den Frieden, eine» Frieden ohne Annexionen und ohne Kriegsentschädigung. Aber weil eine solche Einigkeit besteht, soll in diesem Zeitaoschnittc nichts geschehen, ums den Eindrutk hervorrufen könnte, dast bei Verllingernng des Krieges auch das Ziel der blohen Berteibioung verloren gehe» mühte. Das hieße die Feinde ermuntern und zur Verlängerung deö Krieges verlocken. Deshalb mühte die H c r a b s e h u n g der Mehlguote um jeden nur deotbaren Preis ver- hlltct werden. Tie Verhandlungen mit Ungarn über das Maf: der Lieferung zeigen einen Fortschritt. Die Geueigtheit bricht, daß Ungarn die rückständigen Licferingen flotter abw»elt und sich auch zu weiteren Aushilfen bereit erklärt." Tags zuvor sprach eine Abordnung der Ar- beiterschaft von Z5Hene»-N«»f»adi stnd Umgebung unter Führung des Abg. Dr. Renner beim Minister Hoefer vor. Die Depwtaston verwies darauf, dah die Arbeiter ausschließlich auf die rationierte« Artikel au- gemiesen seien und daß die K ü r z u n g der Mehl- q u o t e von den schwersten Folgen begleitet sein müßte und in allen Ärbelterkreisen große Auf- regung hervorgernfen habe. Minister Heefer, der selbst den Vorsitz in der Berat» na führte, au der alte Referenten des Amtes für Bol«Ser,»ühev«s teilnahmen, übergab dann das PrSfidünn dem Obersten Aaklenstorfer. Äe Referenten des AmtoS gaben Aufschluß über den Stand der Verforgnng. Die Bcthandlungen dauerten mehrere Standen. S« wurde schließlich festgesetzt, daß einige Vertreter deö Amtes für Pallsemviltzeung sich nach Wie«er.R«»ftaSt begeben sollen, im die Lage an Ort und Stell« kennen z« lernen und mit der Ar- beiterschaft tu«rckte Fühllma»» treten." Ferner meldete am 17. Januar das Wiener Telegraphen-Korrefpondenz-Büro: '„Wie die Abendblätter melden, ließ sich der Kaiser über die durch den Arbeiterausstand geschaffene Lage Bericht erstatten und beauftragte die Behörden, mit aller Energie dahin zu wirken� daß den Wünschen der Arbeiterschaft nach befferer Ernäh- rung Rechnung getragen werde." Daß es sich bei all diesen Vorgängen nicht allein um die Kürzung der Mehlration handelt, geht aus dem Bericht über die Sitzung des Budget- Ausschusses des österreichischen Abgeordnetenhauses hervor. In dieser Sitzung hielt Genosse Viktor Adler, der bekanntlich alles andere als ein revolutionärer Draufgänger ist, eine bedeutsame Rede, deren Inhalt wir dem„Vorwärts" ent- nehmen: „Die russische Revolution hat jenes Motiv beseitigt, das für unsere Volksmassen den Krieg psychologisch ermöglicht hat. Nicht nur wir, sondern alle Welt hat sich gesagt: Der Alp des Zarismus müsse endlich entfernt, Europa müsse befreit werden. Nun ist das durch die eigenen Hilfsmittel der russi- scheu Völker geschehen. Wir stehen heute vor der Mög- lichkcit des Friedens und darum hat alle Welt die Ueberzcugung, der Friede darf durch Fragen des Prestiges, durch Fragen von Zu- kunftsplänen nicht hinausgeschoben werden. Nun sieht man plötzlich, daß die Verhaudlun- gen in einem Tone und in einer Art geführt werden, von der man sagen müsse, s o macht man keinen Frieden. Man würde dabei Rußland unterschätzen und die ganze Weltlage falsch beurteilen. Es entstand endlich eine Hoffnung und nun sehen wir, daß diese Hoffnung plötzlich zu verschwinden scheint. In diesem Moment ist ohne jedes Signal, ohne jede von der sozialdemokratischen Partei gegebene Parole, in den Massen der Gedanke ivach geworden: Wenn diese Hoffnung vergeht und nichts zu essen da ist, haben wir nichts mehr zu verlieren. Das ist die Stimmung in der Bevökkernng. Wir können nicht schweigend zusehen, wie ein paar Herren in Brest- Litowsk ihre Politik, vieAcicht die Poltttk anderer machen und das Schicksal der Friebensverbandlungen vielleicht gegen den Willen der österreichischen Frie- densunierhändler aufs Spiel setzen. Man kann in Brest-Litowsk nicht verhandeln, e h n e die Völker Oesterreichs mit am Tische sitzen zu lassen. Wenn auch nicht als Person, aber es muß doch das Beimihtfein der Beranüvertlichkeit für unser aller Schicksal dort am Tische sein. Wir imiise» von der Regierung hören, was sie will. Im jedem anderen Lande wäre im Dezember das Paslament für permanent erklärt worden(und Deutschland? Red. d. „Bvrw."j und jede Regierung würde sagen, sie müsse selbstverständlich mit allen Vertretern der Völker, auch derjenigen, die jetzt gerade unbequem sind, jede Füh- luug haben. Die Ausschalt», ig des Parlmcuts bedeutet nicht nur für die Abgeordneten, sondern auch für die Massen deaußcn eine ganz unuiögltche Sima- tion. Es kann nicht zugegeben werden, daß die Abge- ordneten stumm sind und aus den Zeitungen erfahren müssen, daß ein General auf den Tisch schlägt, mit dem Säbel gergsjett wird und der Friede in Gefahr kommt. Bei der Politik ist weder das österreichische noch das d e n t s ch c O ö e r k o in m a n d o notwendig. Fn allen Völkern und selbst bei jenen Staatsmännern der Entente, die am meisten gewohnt sind, durch auf- geregte Reden das KriegSfener zu imterh altert, ist das Bewußtsein lebendig, daß der Krieg nicht fortgehen könne und zu Ende gebracht werdet, müsse. lDr. Ko- lischcr: Bei Lloyd George siecht man das nicht!) Dr. Adler: Selbst bei Lloyd George! Das Reden aklein ist es nicht! Wir wollen den allge- meinen Frieden, wir wollen ihn bedin- g u n g s l o s, ivir knüpfen dara« nickt die Erwerbung eitles Königreichs. Die sozialdemokratische Partei hat die Selbittndigkeit Polens von jeher als eines der Ziele der Demokratie angesehen. Sie ist auch heute dafür. Sie wäre auch für eine A«gliei«»»ug Krakaus an Warschau zu haben, nicht aber für eine?tngliede- rung Warschaus an Krasau. Dies darum nicht, weil mir dann in BerHckltntfse kommen, die unmöglich sind und die im Widerspruch mit dem Wolle» der Völker Berlin, den 22. Januar 1918. stehen. Wenn die Verhandlungen in Brest-Litowsk nicht vernünsttg geführt werden, we»den wir die Mög- lichkcit verpassen, daß sich an die Verhandlungen über den Separatfrieden der allgemeine Friede schließe: denn die Verhandlungen in Brest-LitvwSk haben eine Bedeutung weit über das Verhältnis zu Rußland hinaus. Die vom Grafen Czernin aufgestellte Formel hat uns in Europa das Ansehen verschafft, daß wir die möglichen Träger der Lösung des Äeltkonflikts sein können. Das soll nicht zerstört werden. Wir ver- langen, daß dem Perlament fortlaufend über die Dinge, die in Brest-Litowsk und sonst in der Welt vorgehen, Auskunft gegeben werde, aber wir Verlan- gen auch, daß uns nicht nur erzählt wird, was vorgeht, sondern daß man auch höre, was die Massen aller Völker wünschen. Mit den Versuchen der Verschweigungen und Ver- schleierungen möge man endlich aufhören. Es geht nicht an, daß man in den Zeitungen liest, was in England, Frankreich, Deutschland und Nußland vor- geht, dabei aber über Oesterreich nichts erfährt. Hat man ja sogar ernsthaft versucht, die gegenwärtige Ausstandsbcwegung in Wien und Nie- derö st erreich, von der jedermann weiß, in den Zeitungen zu unterdrücken. Durch das Tvtschweigen solcher Dinge müssen die abenteuer- lichsten Gerüchte entstehen. Es geht nicht an, die ohne- hin schwierige Lage durch die Zensur noch zu er- schweren. Zu den Ernährungsschwierigkeiten möchte ich nur ganz kurz sagen: Man muß mindestens soviel tun. daß die begründete Meinung entsteht, daß das Hungern nicht weiter gehen wird, als es unbedingt gehen muß.... Wir verlangen, daß die Regierung alles tut. eine» dauernden, allgemeinen Frieden her» betzusührcm" Neben anderen Rednern sprach ditnn noch der Deutschbürgerliche Zenker, der(ebenfalls nach dem„Vorwärts") ausführte: „Man glaubt durch Unterdrückung der Zeitungen und Ausschaltung des Parka- ments etwas zu erreichen und sieht nur die Gc- fahren, die aus der Sttmmung des Volkes für den Frieden entstehen können, nicht aber die Gefahren, die durch ungeschickte Vertreter heraufbeschworen werden. Das Bürgertum will ebenso wie die deutsche Arbeiter- schuft lediglich einen Frieden ohne Annexionen und wurde sich gegen ein Scheitern derVer- Handlungen mit allen Mitteln st e l l e n. Ick) warne die Regierung, heute eine Klasse gegen die andere auszuspielen. Das deutsche Vürgertum hat nicht die Absicht, für den Gewinn von Riga den Krieg auch n n r einen halben Tag weilerzuführen. Die Zugehörigkeit der Ostseeprovinzen zu Preußen ist auch für das deutsche Bürgertum kein Kriegs- Zck e l. Die kläglich gescheiterten Versuche, in Wien Siegfriedensversammlungen abzuhalten, beweisen schon, wie ein durch und durch deutsches Bürgertum über diese Frage denkt. Soweit es sich um Völker handelt. welche vor dem Kriege keine staatliche Selbständigkeit besessen haben und die durch den Zerfall des Zarenreiches und die Wirkungen de» Krieges gewisser- j maße» frei herausgcsallen sind, muß ihnen das ent- scheidende Wort über ihre Zukunft eingeräumt wer- den. Es ist dal)sr nicht verständlich, warum man eine Volksabstimmung in Polen nicht zulassen wolle. Es ist das ein Newels dafür, daß wir oder noch mehr Deutschland eine solche Abstimmung nicht riskieren iönnen, gleichwohl aber dieses Land haben möchten. Das jüwgst veröffentlichte Programm Wilsons könnte die Grundlage zu einer Disßussion bieten. Ich warne davor, die B e r h a n d l u n g e n in Vre st-L i t o w s k durch einen schnoddrigen Ton oder durch Säbelrasseln zu gefährden." Am 17. Januar war dann Graf Czernin aus Brest-Litowsk zurückgekehrt und ließ am 18. Januar durch das amtliche Wiener Tele- graphen-Vllro folgende Erklärung verbreiten: „Die Verhandlungen mit den Vertretern der Regierungen von Petersburg und Kiew sind in vollem Gange. Deren Verlauf ist allerdings lang- wierig und schwierig. Ich hafte und bürge jedoch dafür, daß der Friede unsererseits nicht an Er- oberungsabfichten scheitern wird. Ich nehme kein Wort von dem zurück, was ich als das Friedensprogramm der Monarchie aufgestellt und vertreten habe. Wir wollen nichts von NußlanL, weder Gebietsabtretungen, noch Kriegs- entschädigungen. Wir wollen nur ein freundnuchbarliches, auf sicheren Grundlagen beruhendes Verhältnis, das von Dauer ist und auf gegenseitigem Vertrauen ruht."> Das klingt sehr gut und sehr schön. Damit ist aber der Sache eines allgemeinen Friedens nicht allzuviel gedient. Denn es darf nicht ver- gössen werden, daß Graf Czernin, wenn auch viel- leicht nicht aus eigener Entschließung, mehrmals erklärt hat, daß nach Westen hin sein Friedens- Programm keine Geltung habe. Seit dem 18. Januar sucht man in deutschen Zeitungen vergeblich eine Nachricht über die Vor- gänge in Oesterreich-Ungarn. 23. Januar Erst am 2 2. Januar konnte man in beut- schen Zeitungen lesen, was in der letzten Zeit in Oesterreich-llngarn in Wirklichkeit vorgegangen war. Man erfuhr, daß'in der Habsburgischen Monarchie seit dem 14. Januar eine * zrsßs Eeneralstreikbeweguag im Gange war. Den Berichten des„Berliner Tageblatt" vom 22. Januar entnehmen wir fol- gende Mitteilungen über die Bewegung: Am Morgen des 14. Januar enistmw unter der österreichischen Arbeiterschaft ein« lebhafte Bewegung, die ncch im Lause des Tages zur Einstellung der Arbeit in zahlreichen Kriegsbe- trieben führte. Die Betvcguug nahm ihren Aus- gang von WSener-Neuftadt, wo Deputationen bei den Behörden wib den Leitern der Sriegsbetrieb« gegen die Herabsetzung der M e h l q u o t e protestierten. Da die Antworten aus diese Proteste nicht befriedigten, gaben die Vertrauensmänner noch am selbe» Tage die Parole ans, die Arbeit niederzu- legen. Als erst« stellten die Arbeiter von den Daimler- Motorenwerken in Wiener-Neustadt die Arbeit ein, ihnen schlössen sich alle übrigen idriegsbemede von Wiener-Äenstadi, die sehr mnsassend sind, noch im Laufe des Tages an.. Dienstag»mitag griff der Streik aus die Wiener ttriegsbetriebe über. Währens des Schicht- Wechsels, um 1 Uhr, versammeUen die Hanpwer- craurusu'.Äm.er die Arbeiterschaft um sich und teilten ihnen mit, batz von mm an die Arbeit ruhe. Es wurde die Parole ausgegeben, ohne lärmende Llund- gedungen den Arbeitsplatz zu oerlassen, Apparate und Masch! um zum Stehen zu bringen und jedm Morgen mn 7 Uhr die Betriebe auszusuchen, nur nach einer neuen Parole zu fragen. So ruhten bereits Dienstagabend in den WeAen F a v a r t t e n, Margareten, F ü n f h a u s und F l o r i d s- dors fümtltche Krtegsbctrieb«. In Ottakring wurde der Streik erst Mittwoch früh organisiert. Im Laus« des Mittwochs schlössen sich zahl- reiche Wiener Privatbetriebe der Streikbewegung an. Donnerstag perhinderte die Wiener Arbeiterschast der Wiener Hosoper öl« B o r st e l l u» g, indem sie erzwang, dast das Publikum«ach Haus« geschstkl werden mutzte. A.n Freitag war Wien bereits ohne Lichl und kein Theater versucht« mehr zu spielen. Freitag mittag wurde der Stkatzenbahnverkehr eingestellt und Freitag mittag find die letzten I« t t u» g« n Wien erschienen. Sonnabend srilif erschien im Vertag „Wiener Arbeiter-Leivmg"«in zwei Seiten umfagendes Mttteilungsblatt an die Arvciterschafr. Auf der ersten Seite des MitleUungSblatte» loaren solgende vier Punkt« festgesetzt, die lauteten: 1. Es wird ge- fordert, daß die Regierung dt«/ Verhandlungen in Brest-Litowsk von keinerlei territorialen Zugeständniffen der Russen abhängig macht, datz bi« Regierung die Vertrauens- männer der Arbeitc? über den Stand der VerHand- lungen freimütig unterrichtet, ste ständig iider die Ver. Handlungen aus dev! Lanfensm halt und ihnen den g«. vührenden Einflust auf den Gang der Verhandlungen nicht versagt, 2. datz die Rc- gierung einer gründlichen Reorganisation des Verpfleg un gsdien st es, insbesondere der Gleichstellung'der Selbstversorger mit der übrigen Be- völkerung zustimmt, 3. dah die Regierung die u n- verzüglich« Einführung des allge- meinen, gleichen und direkten Wahl- rechts für die Gemeindevcrtreiungcn zusagt und 4. daß sie der Aufhebung der Mi- litarisierung der Betriebe keinerlei Schivierigkeiien in den Weg lege. Obwohl der sozialdemrkrmische Partcivorstand die Arbeiter aller Lebensmittelindustrien, die Straßenbahn- und Transportarbeiter, sowie die Gas- und Eleltrizi- am in der Es sind relativ nur wenige Ausschreitungen vorgekommen, wenn mau bedenkt, daß in den letzten Tagen meist eine Arbeitermenge von einer halben Million Ausständiger in Wien allein ständig aus den Beinen war..... In Budapest breitete sich die Bewegung weit schneller ans ats in Wien. Dort wurden am Freilag morgen der General st reik proklamiert und auch der Straßenbahnverkehr eingestellt. Nur die Setzer und Drucker waren am Freitag abend noch nicht im Aus- stand, sondern stellten noch die Morgcnblätter vom Samstag her. Durch eine Zensurbestimmimg durften jedoch die Sonnabend-Morgenblatter lediglich über die Streiks in Oesterreich berichten, aber kein Wort über den Budapester Generalstreik sagen. Daraufhin sisticne der Parteivorstand der ungarischen Sozialdemokratie das weitere Erscheinen der Blätier. Die Bedingungen der Streilaude«. Die Streitenden haben einen N a t von hunderi Vertrauensmännern gewählt. Diese erschienen beim Ernährungsminister Höser und stellten für die Beendigung des Streikes folgende Bedingungen fest: 1. Bedingungsloser Friedens 2. Einführung des Acht st und« n- t a g e s; 3. Freilassung Friedrich Adlers und sämtlicher wegen politischer Telilie Verurteilter und 4. EntMilitarisierung der Betriebe und Aushebung der Kriegsbeiriebe. Die Fühnmg der Verhandlungen mit der Regie- nmg ist der sozialdemokratischen Parteileitung über- tätsarbciter wiederholt dringend ersuchte, im Interesse der Gesamtbevölkerung die Arbeit nicht einzustellen. hatten diese Arbeitergruppen die Arbeit dennoch ein- gestellt..... Die Ausstandsbewegung blieb nicht aus Niederöfterreich beschränkt, sondern dehnte sich am Donnerstag und Freitag auch aus Steiermark, Böhmen und Mähren rniS. Ruch in Graz, Brunn und P r a a wurde der Straßenbahnverkehr eingestellt mid es einstand dieselbe Ausstandsbewegung, die sich betnahe zu emem Generalstreik ouswuchS...... SM die llilÄWztze WldmiMW SkgMWm! Nur der Sozialismus kann die Menschheit von Not und Elend vom wirtschaftlichen und politischen Druck erlösen. Dafür muß der Einzelne kämpfen. Geführt wird der politische Kampf von politischen Organisationen. Sie zu stärken und sie zu einem einflußreichen Faktor im öffentlichen Leben zu machen, das sollte Pflicht eines jeden politischen Unterdrückten sein. In Eroß-Verlin vereinigen die Sozialdemo- keatischen Wahlvereine alle die Männer und Frauen, die auf d�m Boden der sozialdemokratischen Grundsätze stehen und für die Unab- hängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands kämpfen. Erfülle jeder feine Organisationspflicht und erkläre feinen Beitritt zum sozialdemokratischen Wahlverein des Reichstagswahllreises. tragen, welche auf diese Weise wieder einen gewissen Einstnv auf die Lage nehmen kann, nachdem bisher die radikalen Elemente, die in der Oppo- sition der Parteueirnng stehen, o i c Oberhand gehabt zu haben scheinen. Die Parteileitung ist verpflichtet, den Vertrauensmannern, die sich täglich im Eisenbahnerhcim versammelt!, über die VerHand- lungen mit der Regierung Bericht zu erstatten.... ».* Arn 21. Januar abends wurde dem»B. T." aus Wien gemeldet: Der Streik in Wien und Riederöster- reich geht deutüch seinem Ende entgegen. Fast überall ist die Arbeit schon heuie früh ausgenom- mcn worden, nur die Arbeiter des Arsenals mW die Straßenbahner im 17. Wiener Bezirk hatten heute noch gefeiert, es ist aber wahrscheinlich, daß sie morgen dem Beispiel ihrer Genostcn folgen werden.?luch in B u d a p e st trat ims Lause des heutigen Tages Ruhe ein; die Verhandlungen wurden im Wesentlichen auf der Wiener Grundlage cricdigt. Außerdem erzielten die Arbeiter vom Ministerpräsidenten Wekerle die Zu- sage, daß die W a h l r e f o r m unverzüglich in Angriff genommen werde und daß, falls die Partei Tiszas diese Rcsorm verhindern wolle, das Partament aufgelöst und Neuwahlen ausgeschrieben 'würden. Im allgemeinen verlies die Streikbewegung in ganz Oesterreich ruhig und würdig; nur in LZ r o k a u kam es zu schweren Verfehlungen gegen daS Eigentum. Aber auch hier tvurde. ehe das Mili- tär einschritt, die Ruhe wieder hergestellt. Uever die Zuaeständuiffe der Regier««« verbreitete dann Wolffs Teiegraphenbureau folgend« Meldung aus Wien: Bei einer Beratung einer Abordnung der Arbeiterschaft mit der Regierung im Abgeord- ueieuhaupc erllärt« der Ministerpräsident v. S e i d l e r, es sei der sehnlichste Wunsch des Kaisers, sobald als möglich den Krieg durch einen ehrenvoll«: Frieden zu beendigen. Ist zurzeit nur ein Sonderfrieden mit Rußland möglich, so salle die Aeramworlung dafür auf die Ewentemächte, die all die wiederHollen Frie- densemgebote der Mittelmächte ausgeschlagen haben. Dessenungeachtet hält die Regierung an dem Ziele eines möglich st baldigen allgemeinen Friedens fest. Jnternationalc Vereinbarungen über Abrüstung und über Schiessgerichte bieten dazu nach 'ihrer Ueberzengung die geeignetste Grundlage. Da «keine territorialen Erwerbungen aus �Rußlands Kosten von der k. u. k. Regierung , angestrebt werden, werdon daran auch die Friedens- Verhandlungen nicht scheitern. Der Bevölkerung Polens wird es überlassen bleiben, durch Volks- a b st j m m u n g auf breiter Grundlage ihre staat- liche Ordnung zu regeln, am besten durch eine aus breiter Grundlage gewühlte konstituierende Versamm- lung, deren Entscheidung in voller Freiheit und ohne Beeinträchtigung durch die Okkupatiousbehördcn er- folgen soll. Die Forderung der russischen Regienmg nach Räumung der besetzten Gebiete müßte die fl u. k. Regierung allerdings ablehnen, weil bei der Fortdauer des Krieges an den anderen Fron- ten und angesichts der noch nicht gefestigten Verhältnisse Rußlands diese Gebiet« nicht obnc Gefährdung der militärischen Interessen geräumt werden können. Doch werde bei gutem Willen auf beiden Seiten sicherlich ein Kompromiß mit der russischen Regierung gefunden werden vönnen. Da die Monarchie bei Lösung aller dieser Fragen sich von keinen eigenillltzigen Ab- sichten leiten läge mrd bereit sei, den russischen Wün- scheu soweit entgegen zu kommen, als die osterreichi-ch- ungarischen Interessen gestatten, hege der Aiimster- Präsident das vollständige Vertrauen, daß bei ebenso gutem Willen aus der anderen Seite die Verhandln»- gen an diesen Fragen nicht scheitern werden. Die Re- gierunz sei jederzeit bereit, die gewählten Vertreter des Volkes über ihre Absichten und über den Gang der Verhandlungen freimütig zu unterrichten, und dedurch das notwendige Vertraue!! der Bevölkerung zur auswärtigen Politik zu festigen. Zum Schluß wies der Ministerpräsident auf die Sonnabend veröffentlichte Ertlärnng des Ministers des Aeuißern Grafen Ezernin hin. In längeren Ausführungen legte sodann der Mi- nister H o e f e r die Maßregeln dar, die die Regie- ning zur Verbesserung der Ernähr ungsver» h ä l t n i s s e getroffen habe, mrd teilte mit, die Re- gierung sei forlgesetzt mit allem Nachdruck und hoffent- lich nicht ohne Erfolg am Werke, durch Verhaudlu-ngen mit der unparischcn Reaierung und den Verbündeten die Ernährtingsverhäl-msse im einverständlichcm Zu- sammenwirtcn zu verbessern. Hierauf machte der Minister des Innern Gras Toggenburg Mitteilung über die geplante R e- form des Geni ein deWahlrechts. ArsK-�itowsk. Wenn durch das offiziöse Wolffsche Tele- qraphenbllro auch immer wieder über den„pün- stigen" Stand der Verhandlungen und über„An- Näherungen" verbreitet wurden, so liegt doch für den ruhig und nüchtern Denkenden kein Grund zu rosenrotem Optimismus vor, Die Dinge liegen in Wirklichkeit so: Die ausschlaggenbenden poli- tischen Hauptverhandlungen sind' am 18. Januar unterbrochen worden. Gen. Trotzki mußte an diesem Tage aus innerpolitischen Gründen nach Peters- bürg zurückkehren. Ebenso zwangen die Ereignisse in Oesterreich Ungarn den Grafen Czernin zur Rückkehr nach Wien. Auch Herr von Kühlmann ist nach Berlin gereist. Die Hauptverhandlungen sollen erst am 2 9. Januar wieder ausgenom- mcn werden. Alles, was in der Zwischenzeit über wirtschaftliche und rechtspolitische Fragen in Brest- Litowsk verhandelt wird, steht auf schwankendem, unsicherem Grunde, solange� nicht in den Grund- fragen eine Verständigung zwischen Rußland und den Mittelmächten erzielt ist. Das gilt auch für die Verhandlungen mit den Vertretern der Ukraine. In den Grundfragen ist aber der Gegensatz der Auffassungen noch nicht ausgeglichen. Die Russen bestehen norh immer auf der Forderung, daß die besetzten Gebiete militärisch geräumt werden sollen und dag eine Volksabstimmung auf breitester Grundlage und frei von jeder Veemfluffung über das Schicksal Polens. Litauens und Kurlands zu entscheiden hat. Die„Verständigung" hat bisher nur darin bestanden, daß die Russen sitb bereit erklärt haben, auf die Diskussion von Einzelfragen einzugehen und daß Herr von Kühlmann erklärt hat, daß man den besetzten Gebieten keine Staats- form aufzwingen wolle, aber sich das Recht vor- behalte. Litauen und Kurland durch wirtschaftliche und politische Verträge zu einer deutschen ..Einflußsphäre" zu machen. Der„Vorwärts" hatte nicht mit Unrecht darauf verwiesen, daß das einen Zustand schaffen würde, der dem Verhältnis Frankreichs zu Marokko gleichkäme, das die Franzosen ja auch nicht offiziell annektiert haben, son- dem in das sie nur„friedlich eingedrungen" sind. (Wobei man aber nicht zu vergessen hat, daß anders regierungssoZiolistische Federn, geilendet von mitteleuropäischen Machtvorftellungen, den Absich- ten der deutschen Regierung eifrig vorgearbeitet haben.) Außerdem stehen die deutschen Forderun- gen vom 28. Dezember und das Auftreten des Generals Hoffmann in schneidendem Gegensatz zu den harmlosen Vertragsabsichten des Herrn von Kühlmann. Eine Räumung der besetzten Gebiete wird von den Mittelmächten nach wie vor abge- lehnt. Die einzige Konzession, die man machen will, besteht darin, dag man nur soviel Truppen dort lassen will, als„zur Aufrechterhaltung der Ordnung" notwendig sei. Ziemlich unbestimmt sind auch die Zusagen des Herrn von Kühlmaun über die Volksabstimmung. Es besteht keine Klar- heit darüber, ob das, was der General Hoffmann über die kurländischen und litauischen, in Wirk- lichkeit aus Baronen und Bourgeois der deutschen Minderheit bestehenden Körperschaften gesagt hat, noch aufrechterhalten wird, oder ob man einer auf breiterer Grundlage gewählten Volksvertretung „konstituierende", d. h. über die politische Zukunft der in Betracht kommenden Länder entscheidende Rechte zubilligen will. Solange über alle diese Probleme nicht eine Einigung erzielt ist, kann von einem„günstigen" Stande der Verhandlungen keine Rede sein. Von der Art dieser Einigung hängt aber sehr viel für die Anbahnung eines allgemeinen Friedens ab. Erfolgt sie ohne imperialistische Hintergedan- ken, auf breitester demokratischer Grundlage, wer- den die zum Frieden treibenden Kräfte in Eng- land, Frankreich usw. neues Vertrauen schöpfen und in der Lage sein, den Kriegswillen der Clemenceau, Lloyd George usw. zu brechen. Während die Verhandlungen mit den Russen ruhten, haben die Vertreter der Mittelmächte mit denen der Ukraine weiter verhandelt. Ueber den positiven Inhalt der Verhandlungen wurde in den offiziellen Mitteilungen nichts gesagt. Am 21. Januar wurde aber offiziell verkündet, dag „begründete Hoffnung" auf eine Einigung be- stände und daß die Ukrainer in ihre Heimat zurück- gekehrt seien, um ihrer Regierung die Verein- barungen von Brest-Litowsk zu unterbreiten. Es ist aber notwendig, einer solchen„Einigrmg" sehr kritisch gegenüberzustehen. Es ist schon be- greiflich, dag den Mittelmächten sehr viel daran liegt, zu Sonderabmachungen mit der Ukraine zu kommen. Ob diese aber wirksam und dauernd sein können, hängt von der Gestaltung der Dinge in Nunland selbst ab. Zunächst hat einmal T r o tz k i eine äußerst scharfe Absage an die ukrainische Delegation in Brest-Litowsk gerichtet, die sich„gegen die Revolutionsmoral vergangen" und„ein geheimes Uebereinkommen mit Jmxeria-. listen" abgeschlossen habe. Die Ukrainer hätten hinter dem Rücken der Russen mit der feindlichen Delegation verhandelt und unbeachtet ihres eigenenVsrsprechens dcnRussen keinonVericht über die Verhandlungen mitgeteilt. Die Russen lehnen daher jede Verantwortung für die Verhandlungen der Ukrai- ner ab. Die Dinge liegen in der Ukraine aber so, daß die derzeitige Regierung der Ukraine und deren provisorisches Parlament, die Rada in Kiew, sich aus gemäßigten Sozialisten und bürgerlich-demo- krntischen Elementen zusammensetzt. Diese Kreise sind auch in der Brest-Litowsker Delegation ver- treten. Seit langem ist aber in der Ukraine eine starke proletarisch-bäuerliche Bewegung im Gange, die das Programm der großrussischen Sowjets an- genommen und sich nach deren Muster organisiert hat. Von dieser Seite aus ist auch eine Gegen- regierung geschaffen worden, die in dem exekutiven Zentralkomitee in Charkow ihre Svitze hat und von der Petersburger Bolschewiki-Regierung an- erkannt ist. Solange also nicht entschieden, ist, welche der beiden Richtungen in der Ukraine tat- sächlich die Regierungsgewalt behaupten wird, haben auch die Sonderabmachungen in Brest- Litowsk einen ganz zweifelhaften Wert. Ganz abgesehen davon, daß man überhaupt erst dann von wirksamen und dauernden Abmachungen mit ganz Rußland reden kann, wenn das Verhältnis der einzelnen russischen Republiken zu einander endgültig geregelt ist. Vorläufig sind aber erst die Vorarbeiten zur Schaffung einer russischen Vun- desrepublik nach nordamerikanischem Muster im Gange. So ist also aus den bisherigen.Verhandlungen in Brest-Litowsk etwas Ersprießliches weder für einen dempkratifchen Sonderfrieden mit Rußland noch viel weniger aber für die Möglichkeit eines allgemeinen Friedens herausgekommen *.* Soziale oder demokratische Republik? Um diese Frage handelt es sich bei den gegen- wältigen, äußerst kritischen Ereignissen in Ruß- land. Am 18. Januar ist die langersehnte, heiß umstrittene K o n st i t u a n t e, d. h. die aus all- gemeinen Wahlen hervorgegangene gesetzgebende Körperschaft, die den Errungenschaften der Revo- lution dauernde politische Form verleihen sollte, in Petersburg zusammengetreten und wenige 'Stunden später von der Bolschewiki-Regierung mit Wasfengewalt aufgelöst worden. Es ist zurzeit nicht möglich, zu einem abschließenden Urteil über diesen Aufsehen erregenden Vorgang zu kommen. Bürgerliche Elemente waren in der so kurzlebigen Konstituante so gut wie gar nicht vertreten. Aber zwischen den gemäßigten Sozialisten, den Mensche- wiki und Sozialrevolutionären auf der einen und den Bolschewiki und dem radikalen Flügel der Sozialrevolutionäre aus der anderen Seite bestand erbitterte Gegnerschaft. Auch die gemäßigten Sozialisten wollen die Republik, wollen den Frie- den, aber sie glauben, daß Rußland für eine rein sozialistische Wirtschafts- und Gesellschaftsform noch nicht reif fei, daß nur eine demokratische Republik möglich sei, deren WirUchaftsleben und politische Existenz nur mit Hilfe-�oes Bürgertums aufrecht zu erkalten fei. Die Bolschewiki dagegen sind der Ansicht, daß die proletarisch-bäuerlichen Massen die Träger der Revolution sind, daß d« Traditionen der liberalen Demokratie für das revolutionäre Proletariat nur bedingte Geltung haben und daß die Sozialisierung des Wirtfchafts- lebens die Bildung neuer Klassengegensätze und damit neuer revolutionärer Möglichkeiten aus- scheide. Wir können aus der Ferne heute noch nicht beurteilen, welche der beiden Anschauungen berechtigt ist. Dazu sind die Dinge noch zu wenig geklärt. Jedenfalls ist die innerpolitische Lage Rußlands zurzeit äußerst gespannt. Für den internationalen Sozialismus ist der Ausgang des großen Ringens zwischen gemäßigtem und radika- lem Sozialismus von großer Bedeutung. Wir geben für heute die Meldungen der Petersburger Telegraphen-Agentur wieder, die sich auf die bedeutsamen Vorgänge der letzten Tage beziehen. Vom 19. Januar wurde gemeldet: „Nachdem die vcrfassunggcbeube Versammlung nach andcrthalbstündiger Beratung gegen die Er- klärung des ausführe ndeu Zentral- auSschusses abgestimmt hatte, entfern- ten fich die Bolschewiki. Die Verfassung- gebende Versammlung wollte nicht die Art und Weise billigen, in der die Friedensverhandlungen von den Sowjets, die den Saal verlassen haben, ge- führt wurden. Um 4 Uhr morgens wurde die Ver- sammlung von Matrosen aufgelöst. Heute wirb ein Erlaß erscheinen über die Auflösung der ver- fassunggebendcn Versammlung." Ferner verbreitete die Bolschewiki-Regierung folgenden Funkspruch: „Gestern, den 13. Januar, wurde die kon- stituierende Versammlung eröffnet. Die Versammlung hat Genosse Swerdlow eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Tschernow gewählt. Der Genosse Swerdlow schlug im Namen des zentralen Vollzugsausschusses der konstituierenden Bersamm- lung vor, die Macht der Räte und alle Dekrete, die vom Rate der Volkskommissare veröffentlicht wur- den, bis zur Lilarstellung der Beziehungen der kon- stituierenden Versammlung zur Regierung der Rate anzuerkennen. Die Mitglieder der konsti- iutercndew Beisammlung, und zwar die bolschewifti- scheu und der linken sozialrevolutiouären Fraktion, verließen den Sitzungssaal. Am Tage der Eröffnung der konstituierenden Versammlung fanden Kund- gedungen statt. Die Soldaten, Arbeiter und Mairosen haben an den Kundgebungen nicht teilgenommen. In Petersburg wurde ein M a r i n e r e v o l u t i v n s- a u s s ch u ß gebildet. Die Ordnung in der Stadt wird durch Matrosen und die Soldaten der Roten Garde aufrechterhalten. Führer der politischen Abteilung Ryschkow." Das amtliche Dekret, auf Grund dessen die Konstituante aufgelöst wurde, hat fol- genden Wortlaut: „Die russische Rcvolmion hat von ihren« Anfana an die Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Vaucr>mbzcoronetcii, als die M a s s e n o r g a n t- s a t i o n c n aller arbeitenden a u s g e» beuteten Klassen, weiche einzig sähig ist, den Kamps dieser Klassen für ihre volle politische und wirlschasuiche Befreiung zu führen, an die erste Stellei gestellt. Jen Verlaufe der ganzen ersten Penoae der1 russische« Revolution haben sich die Sowjets verniehrt, sind gewachsen und erstarkt, indem sie aus eigener Ersarrung die Illusionen des Einverständuisses mit der Bourgeoisie, die Falschheit der Formen des bourgeoistischen demokratischen Parlamentarismus er- lebten und praktisch zu dem Schlüsse kamen, daß die Befreiung der untcrdruckieu Klassen ohne Bruch mit diesen Formen und jedem Einverständnis unmöglich ist; als sostli ein Bruch erschien die Oktoberrevolution, die Uebergabe der ganzen Macht in die Hände der Sowjets. Die versa ssuirggebende Bersamm- lung. welche nach den vor der Oktoberrevolution aufgestellten Listen gewählt wurde, war der Ausdruck des Verhältnisses der alten politischen Kräfte, als die Einigungspartei und die Kadetten die Gewalt inne hatten. Das Volk lonnte damals, als es für die Kandidaten der sozialrevolutionäreu Partei stimmte, nicht zwischen den rechten SozialrejvotMonSren, den Parteigängern der Bourgeoisie und den linien, den Parteigängern des Sozialismus wählen; auf diese Weise mußte die verfassunggebende Versammlung, welche als die Krone der bourgeoisen parla- mentanschen Republik erschien, der Oktoberrevolution und der Sowjetsmacht in die Oieere kommen; nach- dem die Oktoberrevolution den Sowjets und durch die Sowjets den arbeitenden und ausgebeuteten' Klassen die Macht gab, rief sie den Widerstand der Ausbeuter hervor und zeigte sich bei der Unterdrückung des Wi- dcrsiandcs als der Anfang der sozialistischen Revo- lutioti. Die arbeitenden Klassen mußten sich durch Erfahrung davon überzeugen, daß der alte bour- geoistische Parlamentarismus sich überlebt hat, daß er gar nicht vereinbar ist mit der Aufgabe der Venvirk- lichimg des SozialisMs, daß, nicht die allge- m e i n- n a t i o n a te n, sondern nur die Klasseneinrichtungen(wiedie Sowjets) sähig sind, den Widerstand der besitzenden Klassen zu besiegen, und den Grund zur sozialistischen G e s e l l s ch a s t zu legen. Jede Absage vor der Vollständigkeit der Macht der Sowjets, vor der durch das Volk eroberten Sowjetrepublik zugunsten des bourgeoistischen Parlamentarismus der Verfassung- gebenden Versammlung würde jetzt ein Schritt zurück und der Bankerott der ganzen Oktoberrevolution der Arbeiter und Bauer» sein. Die am 18. Januar eröffnete versassunggebende Versammlung ergab, aus Grund der allen bekannten Umstände, die Mehrheit der Partei der rechten Sozialrevolutinäre, der Partei des K e r« n s k i, r'l w k s e n t i j c w und Tschernow; es ist klar, daß sich diese Partei weigerte, den vollkommen genauen, klaren, leine falschen Auslegungen zulassenden Vorschlag des höchsten Organs der Sowjetmacht, des Zentralausfüh- rungskomitees der Sowjets, zur Besprechung anzu- nehmen und das Programm der S o lv j e t m a ch t, die Deklaration der Rechte des arbeitenden uno aus- gebeuieten Volles, die Oktoberrevolmion und die Sowjetmacht a n z ir e r k e n u e». Da durch dieses die verfassunggebende Persammlung jede Verbtuidung zwischen sich und der Sowjetrepublik Rußlands abge- brochen hat, war der Weggang der Fraktionen der Bolschewiki und iinlcn Sozialrevolutionäre, welche zur- zeit die größte Mehrheit im Sowjet darstellen und das Vertrauen der Arbeiter und der Bauern genießen, von der verjassiinggebendeii. Versaumilung unausbleiblich. Tie Partei der Mehrheit der versassungqebenden Der- sammlung, die rechten Sozialrevolmionärc und Mint- malisten führen einen offenen Kamps gegen die Sowjetmacht, indem sie ibren Organen zu deren Stürzimg ausrufen und objektiv betrachtet, bierdurch den Widerstand der Ausbeuter gegen den Ucbergang des Landes und der Fabriken in die Hönde der Arbeitenden unterstützen. Es ist klar, daß ver übrig gebliebene Teil der Verfassung- gebenden Versammlung aus Grund dessen nur eine Nolle des V e r d« ck e n s d« S Kampfes der bourgeoistischen Gegenrevolution zu» Stürzung der Macht des SowietS spielen kann. Deshalb v« r s ü g t das Zentralausfubrungskosmitee die versassunggebende Versammlung auszulösen." Nach anderen Meldungen ist es in den Straßen Petersburgs vor und nach der Auflösung der Konstituante zu blutigen Zusammenstößen ge- kommen. Das russische Volk steht somit zurzeit wieder vor schweren inneren Kämpfen und Wirren. Wir als internationale Sozialisten können nur hoffen und wünschen, daß die konsequent sozialistischen Ideen der Bolschewiki sich, behaupten können, ohne daß eine lange, kampfdurchtobte Zwischenzeit die Kräfte des Volkes noch mehr schwächt, als sie durch den Krieg schon geschwächt sind. Soweit Nußland selbst in Betracht kommt, kann die Bolschewiki- Regierung ihr kühnes Programm nur dann durch- führen, wenn sie die Massen der Bauern und Arbeiter nicht allein in Petersburg, sondern im ganzen Lande dauernd hinter sich hat. Der Ausgang der innerpolitischen Kämpfe in Rußland wird natürlich auch von Bedeutung für die Friedenssrage, ebenso auch für die praktische Durchführung der Annullierung der Staatsschul- den, die kürzlich verfügt wurde, für die Agrar- reform usw. sein. *.* In Frankreich und Engjand. Das politische Leben ist in den Ententeländern zweifellos durch die Friedensoffensive der Bolfche- wiki in starke Bewegung gekommen. Nur hat der 2S. Dezember von BrsftÄitowsr dazu b«Ketroq»n, dsß sowohl in Frankreich wie in England die Kriegstreiber vom Schlage Lloyd Georges und Clemenceaus noch Oberwasser haben. Aber der elftere hat auf Drangen der englischen Arbeiter� schaft seine kriegerischen Töne schon stark dämpfen müssen. Wohl hat das englische Parlament ange- sichts der zu Ungunsten der Entente veränderten militärischen Situation an der Westfront einem Eesehe zugestimmt, das den Mannschaftsbsstand des Heeres um MO 000 Mann vermehrt und auch mehr Kräfte für den Hilfsdienst disponibel macht, aber Lloyd George mutz alle seine Beredsamkeit aufbieten, um den Arbeitern die Notwendigkeit dieser Maßnahme plausibel zu machen. Ein Sieg des demokratischen Gedankens in Brest-Litowsk sowie andere Umstände würden den Frieden?- gedanken bei den englischen Massen viel stärker zum Durchbruch bringen, als das bisher der Fall war. In Frankreich führt Clemenceau seinen Kampf gegen die Friedensbewegung mit alter Verbissen- heit weiter. Er hat jetzt den angotlagten Ex- minister Caillaux sogar verhaften lassen. Aber bei den vielen Vertrauensvoten, die er sich in der Kammer ausstellen lätzt, tritt doch stets eine nicht unbeträchtliche Clemenceau-feindliche Minderheit in Erscheinung, die über Nacht eine.Mehrheit werden kann. Die französtschen Sozialpatrioten schlagen sich zwar mit der Regierung Clemenceaus und den royalistischen Reaktionären herum, zu einer energischen, proletarischen Friedenspolitik können sie sich aber nicht aufraffen. Nur die Zimmerwalder Minderheit ist rührig, würde aber mehr Einflutz auf die Massen haben, wenn es in Brest-Litowsk nicht zu einem„Schwertsriedcn", sondern zu einem demokratischen Frieden käme. Herr Wilson hat Anfang Januar ein sehr ausführliches Friedensprogramm bekanntgegeben, an dem vom Standpunkte des internationalen Sozialismus sehr viel auszusetzen ist, das aber den Anhängern des bürgerlichen Verständigimgsfrie- dens reichlich Verftöndigungsinöglüh keilen geboten hätte. Die Regierungen der Mittelmächte haben aber Herrn Wilson direkt oder indirekt eine Ab- sage erteilt,—>0 der preußische Minister Drows, der vom Regierungssozialismus begönnert wird, im Abgeordireteichause. In der Mehrzahl der deutschen Zeitungen, deren Takt und Verständnis für weltpolitische Dinge unter aller Kanone ist, hat Wilson nach der beliebten schnoddrigen Methode mit Hohn und Spott überschüttet. Im übrigen gärt es auch in anderen Ländern. So wird aus S p a n i e n und Portugal fort- während über Unruhen berichtet, deren Ursache ebensosehr der Welthunger wie politische Unzu- friedenheit ist. Echt preußische Radikalmittel. In Preutzen gibt es zum Glück noch Männer, die für alle kritischen Situationen ein Allheil- mittel bei der Hand haben. In der Versammlung der westpreustischen Abteilung des Bundes dor Landwirte in Marisnburg erklärte Freiherr v. Wangenheim: „Der Staatsmann, der einen Frieden ohne Kriegsentschädigung abschtießt, muß als LandeSver- räter erschossen werden." Herr v. Oldenburg-Januschau aber äuherte sich dahin: „aBeun die sozialdemokratischen Ar- better sich weigern sollten, für den H«resSedarf zu arbeiten, dann müßte man sie zur Arbeit zwingen und ihre Nädelsfüchrer, die er'als Hunds- föttcr bezeichnete, mühte man an die Wand stellen und erschießen." Und es mag am deutschen Wesen Einmal noch die Welt genesen, sang Eeibel iu seinei» Heroldsrufen. Und natio- nale Schwarmgeister haben das Wort im Laufe des Krieges unzähligemale wiedergekäut. Aber an dem Wsfen, das sich in den Wangenheim und Oldenburg so drastisch äussert, genest die Welt sicher nicht. «« * Der„Vorwärts" ist am 22. Januar„wegen Nichtbeachtung einer allgemein gültigen Zensur- Verfügung" verboten worden.— Wir sind grundsätzliche Gegner der Zensur, aber eine Frage sei bei dieser Gelegenheit erlaubt: Wurde der �vorwärts" unter der früheren Nedak- i tion verboten, dann hieß es, die UrigefchickUchkaB der Redakteure sei daran schuld. Wer ist denn jetzt, wo die früheren Tadler sich in der Redaktion eingenistet haben, daran schuld? Als den Organisationen. 2. Tvastlkreis. Leseabenbe. Für den Süden und Südwesten Montag, den 23. Januar, 8� Uhr, bei H e m p, Hallcschcs Ufer 10. � Für den Westen bei Seiler, Stemmetzstraße 2?. Treptow- Baumschulcnweg. Der Frauenlese- Abend für den Ortsteil Baumschule utoeg findet am Montag, den 23. J««ar, abends 3 Uhr, im Lokal von Krause. Kiesholzsir. 249, statt. Tagesordnung: Bortrag und Verschiedenes. Zablreichen Bestich erwartet Der V o r st a n d. Charlottenhura, Rosinenftraße 4,(Berelnseimmer der Stehbierhalle« Frauen-Leseabcnd. Wich- tige Tagesfragen stehen znr Diskussion. j Brandenburg a. H. Die Verkürzung der Loben- 1 schkußzeit aus b1/? Uhr anstatt wie bdöhcr 7'/- Uhr de- achlchtigt der hiesige Magistrat einzuführen. Das Gewerkschaftskartell, das sich hierzu zu äußern hatte, beschäftigte sich in«einer Sitzung am 10. Januar mit der Sache. Es kam zu- einer eingehenden Debatte. Während Frl. Siman, Sekretär Hinknmn«, Angestellter Müller u. a. die Absicht des Magistrats unter- stützten, legt«! die Kollegen Lleske. Bichter, Müller und Weiter die Nachteile für die Arbeiterschaft dar, die infolge ihrer Arbeitszeit bei einem früheren Ladenschluß an d«n Siilkamc behindert würden, zumal viele Esnzelpersvnen, die am Orte arbeiten, nie- wanden zum Einholen hätte», auch die vielen arbei- tendcn Frauen nicht einkaufen könnten. Hand in Hand mit einem früheren Ladenschluß müßte eine Herabsetzung der Arbeitszeit gehen. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution Müller gelangte vom Borsitzend«! Grinoll leider nicht zur Abstimmung. Er formulierte vielmehr die Frage nach Zustimmung zum Siebenuhrladcnschluß. Dadurch cntsrand große Unruhe. Für Tumult erfolgte die Abstimmung, so daß niemand ivnßte, wie das Resultat war. Denn die Bersaimulung legde den Hauptivcrt auf die gleUlizeitige ißotküiziing der Arbeitszeit. Diese Meinung kam aber durch die famose Zlbstinnnung des Vorsitzenden gar nicht zum Ausdruck. Im ganzen war die Debatte sehr sachlich,- nur dem Herrn Sidow von der Branden- burger Zettung blieb es vorbehalten, die Debatte auf das perfönlichc herabzuziehen. Ihm wurde aber so, gedient. Saß er dte Sttiupung sich merken wird. Nerews-Verauftaltungen. FreireUgwiie Gemeinde Berlin. Sonntag, den 27. Jannor, vsrm. 9 Nhr, Pa»pel-AlleelS/l 7; Neukölln, Fdcalvassage, Weichselste. 3? Oberschöneweide. Wilhelminenhofstr. 43 bei O. Pomp:.Freireligiöse Vor- lesuna."— Vorm. lvv, Uhr, Kl. Frankchrterfir. C: Vortrag von Herrn llr. E. Schmidt- Voltaire.— Gästr willkommen. Martendorf. Der hiesige VUdungsausschuß des Wahlvereins hat für Sonntag, den 3. Fobruar, abends 6 lphr, in der Aula des Realgymnasiums einen Kunst- abend(wranglert. Der Eintritt nebst Programm be- trügt 7b Pf. Das letztere ist so zusammengestellt, daß der Besuch lohnt und heitere, erbauende Stunden in ernster Zeit bietet. Karten sind im 5!onsumladen, so- wie bei deu Vezirksführern zu haben. Zum zahl- retthcn Besuch ladet ein. Der Bezirksbildnugsausschuß des Unabh. Wahlocrcins von Mariendors. Quittung. Für Parteizwecke: Von den Kolleginnen u. Kollegen der Firma E. P. Goers-Werk, Temvclbof, 200 Mk. Ucber- schuß der Kranzspende d. Gen. Stadthagen.— Bezirk Reinickcndorf-Ost 50 Mk. für Agitation der ll. S. P. D. von einem Volksfreund. Rachruf! Am 13. d. M. ist unser Kollege, der Dreher Paul Kettig nach langer, schwerer Krankheit im Mter von 61 Jahren verstorben. Paul R e tt ig war Mit- glicd unserer AoilationSkommisiion. Trotz seiner schwächlichen Gesundheit war er rastlos tätig im Fnteresse der Organtlation. Niemals scheute er sich dort zu erscheinen, wo es galt, für seine Kollegen einzutreten. Selbst dann noch, als eine rückische Krankheit seinem rastUsen Wirken ein Ziel setzte, war sein einzigster Wunsch, daß es ihm nochmals vergönnt sei, die ihm lieb gewordene Tätigkeit wieder aufzunehmen. Der Tod hat alle Hoffnungen zu nichie gemacht. Die Berliner Metallarbeiter, be- sonder? die Dreher, werden sein Andenken in Ehren halten. Die Agitationakommisfion der Eisen-, Metall- und Revolverdreher. Dm ABtoite«rnffret ans dm Mgs- fiWiiji geMen föwjienl 8. Walilkrei». Am 14. Januar starb in einem Reservelazarett unser Mitglied, der Matrose Felir Körnung. Wir verlieren in dem Verstorbenen ein braves Mitglied. Ehre ihrem Andenken! Pachrnf. 4. Wahlkreis. Am 21. Jan. verstarb unser Genosse, der Schleifer Ad«!f Kentscher Muskauerstr. 42, Bezirk tSg. Die Einäscherung erfolgt am Sonnabend, den 26. Januar, nachmittags 4 Uhr, in der Gerichtsstr. 6. Wahlkreis., Unseren Genossen znr Nachricht, dag unser Mitglied, der Genosse K«rl Kartsch Lettestr. 3, Bezirk 64lg, 4. Abteilung verstorben ist. Am Dien««ig. den 16. Januar, verstarb unser Genosse, der Töpfer Reintzald Jarth Okb-nburgerstr. l«, 18. Abt. Bez. 713. Am 8. Jim verfturb unser Mitglied, die Genossin Martha Mich-l Stromstr. 42. Bez. 7lS, 16, Abteilung. Wahwerew Kerli« Marirndarf. Am l7..>anuar l»i8 verstarb n«ch langen Leiden die langjährige Pattcigenossin Emilie Klokel Lslnkwitzerstr. l« im 40. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Mn dukiMMi» Feuerbestattung Geschäftsstelle: H. Müller, NW. 23, Euxhavener Str. 15. Sprechstunden von 7— 8'/? Uhr. Sonntags von 10— 12V, Uhr. Zcl(«tl)*a: Moabit 1199. PostscheiNonto: Rr 18957 Berlin, L. Tentlet lllr„Berein b. Jreidcnler f. Feuerbestattung". Kossierer: L. Denkler, Neukölln, Berliner Str. 35, Port. Ii. Eintrittsgeld l Mk.— Monatsbeitrag 30 Pf.— Aufnahme bis zum 60. Jahre ohne ärztlich« Untersuchung. Nach 26 jähriger Mit, liedschaft BeittagSfteiheit. Nach 1 jähriger Mitgliehfchaft kostenlose Bestattung! Dazu gehören: Amtsärztliche Bescheinigung, vorschriftsmäßiger Holzsarg. Einsargen und Plombieren, Leichen- wagen nebst Träger, Harmoniumspiel in der Halle, Einäscherung der Leiche und Venegung der Aschenkapsel. Personen über 50 Jahre alt werden zu besonderen Bedingungen durch die Geschäftsstelle oder de» Kassierer aufgenommen.— Auskunft erteilt auch jede Zahlstelle. ».> Ordentliche General-Versammlung am Montag, den 4. Februar 1918, abends pünktlich 8 Uhr, im»roh«! Saale des»Mnsiker-Bereinsha»«", Kaiser Wilhet«str. 31. Tagesordnung: l. Jahresbericht des Borstandes: a) des Do�tzenden; b) d«S Kassierers? e) der Rovtsore». 2. Antrag deS Vorstandes betr. Entschädigung der Vorstandsmitglieder. 3. Aahl de? UoritandeS. 4. Bericht vom Kulturkanell Groß-Berltn. Feßfetzung des Jahresbeitrages und Wahl der Delegiert«!. 6. Beschlußfassung betr. Bei- tritt zum brandenburgischen resp. preußischen Verband der FeuerbesiattungSoereme. S. Verschiedenes. Zertritt nur gegen Borzeigen der Sttttgliedskaote. Die Mitglieder werden dringend ersucht, recht zahlreich und pünklvch zu erscheinen. Der Saal ist geheizt. De» Borstand. !»«t 8«i0: KerUter£0*0»et*« Bcttt* 0.27, SchUllerftr. t.— Drock!««»»er* NtMt«, ■au. iumtt iml» HeUage zu Ur. 44 des.Mitteilungsblattes". Die ZenfMr vor de« Keichstags-Avsschuh. Vom 17. bis 19. Januar, beschäftigte sich der Haupiausschup wieder kimnal mit den„Mivgriffen" der Zeniur. Es ist tenuzeichnend für die Geduld der ReichsiagSinehrtzeit bis hin zu den Abhangigen, das trotz dcc von allen Seiten als unerträglich bezeichneten Zustände außer unserem Genossen H a a s e keiner die völlige Aushebung des Belagerungszustandes sorderie, sondern nur die.Auswüchse" beseuigt sehen wolle! Als ob diese nicht die unvermeidlichen Folgen des S y st e m s wären, das dem Gutdünken einer unkon- trollierdar«: Behörde die cndgiltige Emscheidung über- weist— denn die Beschwerden, die gegen die Maß- nahmen der Gencraltomniandos bei dem preußischen Kriegsminister erhoben werden können, heißt, wie im Ausschuß gesagt wurde, den Teusel bei Beelzebub vcr- klagen. Tcshalb konnten es sich der llriegsminister uno sein Geit euer, General v. Ärisberg, sehr leicht machen und mit dem Brustton der Neoerzeugung ver sichern, daß"sie nach bestem Wissen und Gewissen vorgehen— obwohl eine Fülle von Material vorgebracht lourde, das die Freunde eines Verständigungssriedens alle Schärfen des Belagerungszustandes zu tpüren de- kommen, während die Vaterlandspanci und die an- deren Älldeuljcheu die vollste Bewcgunzsireiheit bc- fixen,— auch iinrerhalb des Heeres. Iie Abgeordneten G o t h c i n und E b e r t brachten ganze Bündel von Allen zum Vorschein, aus denen hervorging, welche Masse von Auswüchsen sich bei den Abgeordneten auhaufen, und das ist doch nur ein kleiner Teil aller der Tag für Tag sich abspielen- den großen und lleiuen Tragödien. Tie Verbole von Vcrsaminlungcn und Zeilungen, die Unterdrückung von Artikeln, alles das geschieht nach den Ver- slchc.ungc-.i des KriegSimnisiers nur, um das Vaterland vor dem Untergang zu sthüyen. So haben die Zcmorcn schon vor Jahrhunderten ihr Vorgehen begranoel, und das Slad der Weltgeschichte ist troy ihrer Bremeversliche weucrgerollt, über sie hinweg. Ja die Re> bung: w. derstäne«, die die Ztealtion dem FvA- schritt cntgezcnstc.lt. sorgen nur dasur. daß die Em- pölnug und der Unwille über diese Zustande umso- lnehr wichst. Freilich, wenn dci Alg. Heine diese Eulpörung zwar m.r tönenden Wollen schilderte uild als berechtig: erklärte, dann aber in demselben Atem es als tu-zsichtig und l-cherlich bezeichneie, oaß diese Empörung sich eiwa öffeni.ich Lust machen will, damr können sich die amtlichen Vertreier dieses Systems die Teklamationcn Nlhig anhorcu, und wenn Heine auch immer wicoer, wie er memte,„sicdejackzrob" wird, — das ändert nichts, und solcher Aedeürom bcunru- higt und belästigt auch die Zensoren nicht. Solange oje„(imp.ncn" lrox alledem getreu lunier dem Wagen der Regierung herlaitjen, mag sie ihnen auch noch so viel Hiiwernisse aus den Weg streuen, solange bleibt eben alles bewn alten, auch wenn man, wie Eberl „mit einem bitteren Gefühl an diese Frage heran- geht,£ii der dco Reichstag eine so klägliche Rolle spielt". Diese Kläglichkeit ist eben das Werk derer, die es soweit kommen ließen. Wie die Berrnicr der Regierung denken, dafür � legte das Diklum des General v. W r i s b e r g bei Friede und geheime Gipwmatie. Von Max Adler. In dem geschichtlich denkwürdigen Manifest vom 9. Rovembcr l9l7, mit welchem die russische Revo- lution mitcr Einsetzung einer„Regierung der Arbeiter und Bauern" als erste Tat den Vorschlag sosonigen Waffenstillstandes und Friedensschlusses macht, ftndet sich auch, noch allzuwcmg vcachtei, die Ersulimtg eines anderen fehrniehen Wunsches der Demoiaatie, d i e A b- schassung der geheimen Diplomatie. „Tüe Ro�icimig", heißt es in diesem Manifest,„schafft U/Wjeils die gesamte Gebeimdiplomqlie ab und be- kräfriigl ihren feston Entschluß, die Friedens- Unterhandlungen offen vor der gan- z e n Welt z n führen und zur Veröffentlichung uller von der Regierung der Großgrundbesitzer- oder KapitnÄstonAassc seit Februar bis zum 7. Rovcmbcr 1917 geoilligten oder geschlossouen Geheimoeriräge zu seiMiten. Die Negierung erllärt diese Gehelinvetträge sürnullundnichtig." Mit diesem lähnen Schritt des siegreichen rus, ischen Proletariats ist ein mächtiger Vorstoß gegen jene Ge- wallen der Voogangenheit gemacht worden, die, so sehr sich cwet; das inneistaalliche Leben bereits den Fesseln absoiulislischcr Willkür entrafst hat, im Verkehr der Staaten und Völler untereinander doch noch gänzlich ihre Geltung bewahrt haben. Noch immer war und ist selbst in parlamentarisch regierten Staaten die Wirklühe Gestaltung der äußeren Politik dem Einfluß dei Volksvertretung fast ganz einzogen und mittels der geheimen, auch vor den Parlantenten sich in ihr Geheimnis hüllenden Diplomatie direkt als eine Angelegenheit der Herrscher selbst angesehen: als ob nicht gerade die Beziehungen der Staaten zu- einander, die Frage der Bündnisse, der Erhaltung des Friedens und der Eröffnung des Krieges Dinge wären. die alle Lebensinteressen der Völler selbst aus das tiefste berühren und nicht etwa bloße Machtinlercsson der Herrschenden selbst: oder als ob die Völker nicht selbst bereits genügend reis geworden wären, ihre Jntereffen selbst wahrzunehmen, und immer noch die Vormünder brauchten wie in der Zeit des ausgellarien Absolutismus, da das schönNinqend« Wort galt: „Alles für das Volk, nichts durch das VoUI" Was für einen ungeheuren Widerspruch ,u unserem ganzen modernen polinschen Bewußtsein, das durch- aus auf dem Prinzip der Mündigkeit und Selbstbe- stimmung der Völker aufgebaut ist, die Geheimdivlo- »Mt« wßmrn. das ist tu«s nicht schon früher all seiner Kürz« beredtes Zeugnis ab; er sprach das geflügelte Wort aus: es gebe nur zweiellei Möglich- leiten:„Entweder die Veilammlungen werden alle erlaubt oder nur t e i l w e i s e." Die stürmische Heiter- kell des Ausschusses machte ihn nicht einmal stutzig, denn daß es auch die Möglichkeit gibt, daß alle Versammlungen erlaubt weroen, das liegt außer- halb der Vorstellungen des Generals. Eine wuchtige Anklage waren die Ausführungen Haas e's, die nicht allein bedeutungsvolles Material vorbrachten, sondem auch zeigten, wie es das System ist lmd nicht Uebereiscr oder Dummheit einzelner Personen, die solche unwürdigen Zustände zei- stigen. Der Erlaß des Reichskanzlers an die Zensur- steilen, bringen nur dann einen Fortschritt, wenn er loyal durchgeführt wird. Aber diesen Erlaß erlaubt die Zensur nicht einmal zu verössemlichen, sondern er- klart ihn als innere Dicnstangelcgcnoeit! Die Praris zeigt eben, daß die militärischen Stellen sich um solaze Anordnungen des Reichskanzlers gar nicht kümmern. In dem Erlaß wird ein Grundsatz ausgesprochen, für den Haase seit Jahren cingeireien ist:„Persönliche Be- lcidigungen und Angriffe durch Zensurmaßnaamen zu unterdrücken, ist nicht Ausgabe der Zensurbehörde." Wäre dieser Grundsatz in Geltung gewesen, so hätte der„Vorwärts" nicht veroolen werden können, denn das Verbot erfolgte wegen eines Angriffs gegen den Sckweiinduslriellen Körting, der sich für den rüctstchtslosen U-Boolkrieg einsetzte und gletchzeitig Hauptlieferant von U-Booten ist. Dieses Verbot war ja das Mittel, uni umer Beihilfe der Zensurbchorde oen„Vorwärts" in andere Hönde hinüber zu spielen und ihn den Berliner Arbeitern zu emreitzeli.— Eine Eingabe des Vorstandes der Unabhängigen Sozialoemolratie an die Zensurbchorde mit Beschwer- den über zahlreiche Verbole wurde dahin beantwortet, daß die V>cschwerden geprüft werden,— bis heute, nach fünf Monaten, ist aber diese Prüfung noch nicht beendet! Inzwischen weroen nack wie vor die Annerionisten durch die militärischen Stellen begünstigt, und das nicht, weil sie,, wie Heine meinte,„naiv" sind, sondern aus zielbewußter Politik. Wir gönnen den Annerionisten, jede Freiheit, ihre Meinung zu vertreten,'abec w!r verlangen dieselben Rechte. Nun aber folgendes: Der konservative Abgeordnete v. G r a e s e beschwerte sich, daß oie Valerlandspanei behindert werde, Mitglieder zu werben,— das Gegen- teil ist richtig. Die Maßnahmen richten sich mit volter Ccbärse gegen unsere Unabhängige Partei. Ais die russische Regierung einen Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen anbot, den der Reichskanzler acs eine dislnlablc Perhandlungsgrulidlage bezeichnete, tvurde uns verboten, einen Aufruf zu Versammlungen für diesen Zweck zu veröffentlichen. Die Beschwerde tvurde vom Obermiliturbejehlsbaber, dem Kriegs- luinister v. Stein, mit der Begründung zurüclgewiesen, daß das Verbot nach oen bestehenden Zetisurbcstim- mungen gerechtsettigt sei. Ein Grund wurde nicht angegeben, so daß nich! einmal Nachprüfung möglich war, ob der Grund auch Wirklich den gesetzlichen Be- stimmungen entspricht.— Auch wissenschaftliche Ab- wüßten, nun durch diesen Krieg in schauerttcher Klarheit vor die Seele gebracht worden. Noch Häven die Völker das Entsetzen in allen Gliedern, daß sie eines Tages, mitten in sonniger Ferien- und Urlaubszeit, erwachten, um sich aus einem jahrzehntelangen Frieden in einen Krieg uineingerissen zu- sehen, an dessen so furchtbare Nähe keines eine Woche zuvor gedacht Halle. lind wenn wir nun in den diplomatischen Tokmnen- tensammlungen Ilättern, welche die Regierungen nachher oeröffemlichlen, ersaßt einen dann nicht ein gual- volles Staunen und ohnmachtige Erbitlening, daß einige Tage vor dem Weltbrand Potenla>en, Minister und Diplomaten über Entstehung oder Verhütung des Krieges konferierten und telegraphierten, ohne daß die Massen der Völker oder ihre berusenen Vertreter aum nur die leiseste Ahnung davon hatten, was über das Geschick ihrer lebenden Generationen und ihrer Nach- kommen in diesen unheilschwangeren Tagen entschieden »vurde?! Ein Häuflein, nach der Verfassung mancher Staaten sogar parlamentarisch unvcrantwcrtllcher Menschen hatte so die Möglichkeit, üver die Zukunft Europas zu entscheid«! und die Völker vor Silua- tionen zu stellen, in denen sie selbst mit viel größerer demokratischer Klnst, als sie aufzubieten in der Lage waren, nur noch Gefangene des cntjesselten Krieges gewesen wären. Seither rast dieser Krieg schon das vierte Fahr durch die„zisilisierte" Menschheit. Aber im Gllmde wiederholt sich an allen emsttzeidenden Punkten seines Verlaufes die gleiche Machtlosigkeit der Völker gegenüber der Frage der Kriegssörtsetzmig oder Kriegsbeendigung wie bei Beginn des 5triegeS. Ist es nicht eigentlich ein himmelschreiender Widersinn, daß dieselben Völker, die den Krieg durch ihre maß- losen Opfer tragen, durch ihre bewunderungswürdige Ausdauer und Tüchtigkeit im Felde wie im Hinter- lcmd alle seine Erfolge überhaupt ermöglichen und deren treue Hingabe an Krieg und Vaterland in ofsi- ziellen Kundgebungen immer wieder gerübntt wird, in der wichtigsten Frage nicht etwa keinen ausschlaggeben- den, sondern nicht einmal die Möglichkeit eines mit- entscheidenden Eulflnfses haben, in der Frage: wie lange sie alles dies noch aushalten müssen und zu welchem Zweck? Sicherlich ist es ganz umvürdig, dem beute erreichten Stande staatsbürgerlichen Bewußtseins und Verantwortung, daß, während alle Lande von dem Wunsche nach Frieden ersüllt sind, so daß es keinen Staatsmann, weder hüben noch drüben geben kann, der es wagen dürste, sich nicht als Freund baldigsten Friedensschlusses zu erklären, diese ganze sichernd« Vollerwett gar Itim eigenen Organe h«. Handlungen v»n Gelehrten, z. B. über Kohlensorschung und Ernährung, wurden von der Zensur unterdrückt. I�unzeichnend für die Zensur sei auch das Bei- halten gegcnubec der Herausgabc einer neuen„Neuen Zeit". Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat Kaulsty und Wurm wegen ihrer Än,cyauungell aus oer Redaktion der„Neuen Zeit" entfernt und die Leitung dicier vcn Kautslh selbst vor 38 Jahren bc- grimdeten Wochenschrift an Cunow übertragen, dessen politische und wuiichasttiche Anschauungen sich im schroffsten Gegensatz zu denen Kautzky's besindcn. Als min Kautsly und Wurm eine„Internationale Neue Zeil" herausgeben wollten und einen Pro- spekt beim Generallomuiando in Kassel«inreichten, er- teilte dieses nichi die Genehmigung, weil„damit nicht einem dringenden Bedürfnis der Allgemeinhett geoient wird". Daß ein solches Bedürfnis in diesem Falke vorliegi, vermag das siellvertrccense Genevakkommando nicht ailzuerkenneil, zumal der w i s s c u s cli a s l- l i ch e n Aufklärung der in Frage k o m- menden Kreise durch das Wcitcrbe- stehen der„Neuen Zeit" vollauf g e- ii ü g t i st". Gegen diese die Verhältnisse geradezu auf den Kopf stellende Entscheidung wurde Beschwerse eingelegt,— der Kriegsininister hält aber die Nicht- genehmigung aus den vom Generalkommando angc- ftihrten Gründen für gerechtfertigt. H aase schilderte dann das Verhalten der Zcn- sui zu den Beridsteli über die russischen Friedensver- haudluttgLN. Der Reichskanzler v. Hertliniz hatte der- sprachen, daß der Bevölkerung nichts vorenthalten wird, was die russische Presse darüber berichtei. Jetzt aber meldet die Petersburger Telegraphen-Agemur: „Wolff-Meldung über Friedensverhandluitgen cni- steilen deren wahren Sinn. Killumann erklärt, deutsche Regierung behalte sich Streichung jeder Mit- teiluug vor, die Vollsmassen in �Teutschland erregen könnte." Vor einigen Tagen hat die Sozialdemokratische Partei in Oesterreich einen Aufruf an die Be- völlerung gerichtet, für den annexionolosen Frieden zu Demonstrieren. Dieter Aufruf erschien in Oestelreich, nachdem er zensiert worden ist,— in Deutschland ist seine Veröffentlichung oder Besprechung unmöglich. H aase fragte, was nun geschehen solle. Reso- lutionen sind wertlos, auch Amragc wie der Heine's, wenn nicht vcr Reiths tag alle seine Machtmittel ver- wendet, um seinen Bes. hlüsseu Nachdruck zu geben. Ter Belazerungszustand müßte überall ausgehoben werden, da er dem Gejes widerspricht. Zum Schutz oerech- tigier miiitcmjii/cr Jmeiessen, msvcsondeie gegen Spionage, genügte das Gesetz von 1914 vollständig, das Betagerungszustandsgesetz aber diene nur dazu, unbequeme politische Anjchanungen zu unterorücken. Abg. Erzberger ergänzte noch die Anöfüh- rungen Haase's und verlangte, daß sofort vom Aus- schuß geprüft werde, ob der Belagerungszustand auf gesetzlicher GNtudlage beruhe. Die Achtung vor den Gesetzen sei in Deutschland aus ein Minimum ge- si-nken, die Zensur sei„mir ein Mißbrauch der Mili- tärgetvali zu politischen Zwecken, sie wende bewußt ihren Willen in zweckdienlicher Weise zum Autzdruc? zu bringen, sondern untätig und leidend auf die gute f Sttmoc einer günstigen Aeußerung eines ihrer Mi- nister oder Diplomaten warten muß, und hierauf noch angstvoller auf die Antwort der Gegenseite! Während rinasnm der Krieg jeden Tag ungezählte neue Opser fordert, welche die Vernunft der Völker überall schon längst als überslüssig erkannt hat, müssen sie gleichwohl ihr Geschick an den mehr oder minder glueklichen Ausdruck diplomatischer Noten und Ausdrücke geknüpft sehen und für jedes irnfiberllcgte oder unverantwort liche Wort zittevt, statt daß sie selbst die Stimme und den Willen der Volksintcresfon laut werden lassen kömien- Tic Forderung, daß»bcr Krieg und Frioden das Volk selbst zu entscheiden habe, ist«ine alte und selbst- verständliche Forverung, nicht etwa erst der sozia- listischcn, sondern schon der bürgerlichen Demokratie. Aber was dieser Krieg irnS jetzt besonders grauenvoll gezeigt hat: dazu aenügt nicht bloß, daß diese Staats- akte der Beschlußsaffung der Parlamente zu unterstellen sind, sondern, daß die gesamte Führung der äußern Politik jederzeit und nach allen Richtungen öffentlich und durch Beauftragte der Demokratie selbst erfolge. Allerdings würde schon, wenn auch die ZVriegserkiä- ri.'ng und die Friedensschließung überall das aus- schlicßlichc Rech: der Parlamente wären, ein großer Teil der Kriegsgefahr gebannt sein. Denn solange der Krieg nicht ausgebrochen ist und noch nicht die Leidenschaften eines entfesselten Nationalismus einer- seits, die durch den Krieg geschaffenen Notwendigkeiten anderseits die Freiheit der Abgeordneten behindern, ja oft geradezu ausheben, ist schwerlich anzunehmeil, das: sich irgendwo eine Volksvertretung für die Eröffnung eines Krieges von großen Dimensionen und sicheren Wellkomplikationen entschließen würde. War nicht das mächtige englische Parlament, von dessen Allmacht man schon von alters her rühmte, daß es gkles vermöge, soforn es nicht durch die Grenzen der Statur selbst seiner Gewalt entzogen sei, wie etwa aus einem Weibe einen Mann zu machen— war nicht selbst dieses Parlament so widerstandslos, daß es in der berühmten Sitzung vom 3. August 1914 gegen seinen damaligen Willen in den Krieg treten mußte, weil Sir Edward Greh ihm darlegte, daß es gar nicht mehr anders könne, daß seine Ehre bereits gebunden sei durchs die geheimen Verträge, welche die englische Regienrng mit der sranzösischen bezüglich .Kriegsunterstlitzung gegen Deittschlaud abgeschlossen hatte— Verträge, von denen das englische Untervaus bei iu\u Gelegenheit zum erstenmal Lennttn» erhielt! jhjelcrTt! Maß an". Man glaubt uns im Auslande nichts meyr, tveil die Zensur cS'.mrnögliä) mache, die Angriffe auf die Mehrucit des Reichstaas und gegen die Friedeusnote des Papstes gebüuciiv zu widerlegen. Resolutionen seien vom Reichstag genug geiabt in diesem Kriege, jetzt müsse endlich etwas geschehen. Ter Ausschuß beschloß, einen Unterausschuß von 19 Mitgliedern zur Beratung des Antrages Heine einzusetzen, der schleimigst dem Reichstag seine Vorschläge machen soll. Von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei ist Haas« Mitglied der KKnmission. Ferner wurde ein Unteraus schütz eingesetzt zur Prüfung der P a p i c r b.e 1 i c s e r u n g der verschiedenen Zeitungen durch die Reichspapier- stelle. Mitglied dieses Ausschusses für die Unabhängige Partei ist Abg. V o g t h e r r. Antrag Heine im Hauptausschub. Gesetz über de« SriegSzustaub. Artikel l. An Stelle oes s 1 des Preußi- schen Gesetzes vom ö. Juni 18S1 tritt folgende Bestimmung: Die Verhängung des Kriegszustandes ist zulässig für Gebiete, die teilweise vom Feinde besetzt sind oder in die ein feindlicher Eimuarsch unmittelbar zu befürchten ist. Für Gebiet«, auf die dies nicht zutrifft, ist der Kriegszustand aufgehoben. Artikeln. Wo aus Grund des§ 1 oder § 2 Abs. 1 des Preußischen Gesetzes vom 9. Juni 1351 der Kriegszustand erklärt ist, ist für die aus Grund desselben zu treffenden Maxeegeln, soweit sie sich gegen die Rechte von Zivilpersonen aus Person- liehe Freiheit, Unoerletzlichkeit der Wohnung, des Eigen- tum. der Freiheit in Wort und Schrift sich zu äußern und sich in gesetzlicher Weise zu versammeln, richten, die obere Verwaltungsbehörde zuständig. Artikel III. Gazen die von der oberen Vor- toalttmgsbehörde erlassenen Anordnungen kann jede davon betroffene Person Beschwerde erheben. Artikel IV. Zuständig zur Entscheidung über die Beschwerde ist der Reichsausschuß für die Prüfung der Maßregeln des Kriegszustandes. Artikel V. Der Reichsausschuß besteht aus einem Porsitzenden und 14 Beisitzern. Vorsitzender ist der Stelipertretlr hes Reichs- kanzlerS. Die Beisitzer werden zur Hälfte vom Bundes« rat, zur Hälfte vom Reichstag ernannt. Unter den vom Bundesrat zu ernennenden Mit- gliedern müssen vier Mitglieder des Reichsgerichts sein. Das Geheismis der Umlertterei. Ii. Gerade in dem Voranstellen der national- kapitalistlschen Interessen vor den des als Klasse vom internalionaten Kapital in gleicher Weis« urnerdrüetten und ausgeveuteleu imernatioiialen Proletariats, das ist es, wodurch die rlcegierungssozialisten die Gruno- sätze der Sozialdemokratie verraten, die Jmernationale gemeuchelt haben, und darmn der gro'ie Gegensatz zivtschen ihnen und uns. So heftig Ermow auch bcstrctiet. daß die Regierungsiozialtsten in die aus- getretenen Wegr des Naumaimschc.r Nationalsozialismus«ingefchwenkt seien, mit semer Berufung aus das Staatsgejühl— nationalstaatliche Erwägungen—, als das einzige Mono für die Poliut des 4. August, gilt er selbst den besten Beweis für die Berechtigung, die von ihm verierdlgt« Haliung als naiionalsoziaUsüsche Abirrung von der SozUrldenwiratie zu bezeichnen. Das tritt noch deutlicher hervor, wenn riKyr ihn in seiner weiteren Rechtfertigimg der Scheidemunn— vegien-Politik verjolgt. Er ist da rein opportunistuch. Dil„Basis eines ferneren Aufstiegs der demscheu Ar- heiterkwffe' hätte zusammenbrechen können—wenn die Regiemngösozialdemotratie ein« andere— konsequent sozialistische— Halttmg eingenommen hätte. So be- hauptet Eunowl Die Sozialsemokralie verlangt vo:i den» einzelnen Genossen materielle und persönliche Opfer, werm es heißt, der Sache des Sozialismus zu diencuz das gilt nalurgemuß auch von ganzen Ar- beilrrgntppen. Selbstverständlich sollen die verlangten Opfer im EinklL!.g stehen zu den Erfolgen, die filr das Gesamtproleiariat in Aussicht sieheu, mit den Gefahren, die abzuwehren die Situation erfordert. Was der Sozialismus von einzelnen seiner Bekenner, von größeren Gruppen im Lande verlangen muß, solche Ansprüche sind auch gegenüber dec Aroeiierschast eines ganzen Landes berechtigt, wenn die in Frage stehen- den Opfer im Jntereff« des Sozialismus ,chlechihin erforderlich erscheinen. Cunow spottet darüber, daß man zu Kriegsbcqinn mit einem sometten Zusammenbnich ver kapitalistischen Wirtschaft gerechnet habe. Sein Spott berechtigt der Annahme, daß die Umlerner sofort erkanni haben wollen, daß der Krieg sich zu einem langaiwmttrnden Weltkrieg ausioachsen werde. Dann allerdings hätte man auch wissen müssen, daß dann auch so unendlich viel vernichtet werden würde, daß es nun geraoezu wie«in Hohn klingt, wenn jetzt die Sorge:un weiteren sozialen Aufstieg der Arbeiter- schafi der Beweggrund zur Unterstützung und Förde- rnng des Krieges gewesen sein soll. Dann har man eben unt Speckseiton nach der Wurstpelle geworfen, ohne auch nur die Pelle zu erwischen. Cunow unterstellt als unbestreitbar, daß die Geg- ner mit der Absicht in den Krieg eingetreten wären, Deutschland zu zerstückeln, die Industrie in Deutschland zu vernichten und so der deutschen Arbeiterschaft Erwerbsgelegcnhett und Daseinsmöglichteit zu rauben. Die Mühe, einen Beweis dafür anzuführen, daß die Regierungen der Ententeländer mit einer solchen Absicht in den Krieg eingetreten seien,«ifpart sich Cunow. Erklären jedoch die deutschen Regicrungssozialisten, sie müßten Deutschland gegen Zerstörungsabsichten ver- jetdigcn, dann hatten, nach Cunoloscher Logik, die Sozialisten der Enteuteländ« die gleichen Pflichten | ihren Ländern gegenüber. Mit der gleichen Logik smuß selbstverständlich auch die Sozialdemokratie in ! allen Ländern für das tollste Wctirüsteu eintreten. Was bleibt da noch von sozialistischen Grundsätzen und Aufgaben übrig? Die ganze regierungssozialistische Begründung ihrer Haltung bricht vollends elend zusammen, wenn man näher auf die Frage der Arbeiterintcrcssen eingeht und zwar umer der von Cunow herausgestellten Voraussetzung. Nach seiner Darstellung bedingt die Veränderung na- tionaler Grenzen unbedingt eine Schädigung des in dem betreffenden Gebiet entwickelten Wirtschaftslebens. In solcher Ansicht liegt eine Verkennung des Wesens des Kapitals. Eine Veränderung kann andere Kapi- talisten zur Herrschaft bringen, aber warum soll damit eine Vernichtung des in Frage kommenden Wirtschasts- lebens verbunden sein? Hat etwa die Annerion Elsaß- Lothringens der-wirtschaftlichen Entwiclluug dieses Landes geschadet? Glaubt man, bei einer Annerion Belgiens würde dessen industrielle oder landwirtschast- liche Erzeugungsmöglichkeiten verwüstet werden? Ist man nicht vielmehr davon überzeugt, baß hier und m den besetzten östlichen Gebieten das Wirtschasteleben schneller aufblühen werde, wenn sie annektiert werden, anstatt ihnen die unbeschränkte Selbstständigkeit zu geben? Läßt man die Cunowsche Theorie gelten, dann müßte man unter allen Umständen gar für ge- Waltsame Eroberungen eintreten. So führt die regierungssoziolistische Logik überall zu Widersinn. Die Scheidemänner kömien für ihr Ver« halten tatsächlich anders keine Gründe anaeben, als daß sie, in vager Hoffnung. Reformgeschenke zu er- kaufen oder Maßnahmen gegen Partei und Gewcrk- schatten adzuwebren, sich verleiten ließen, den Sozia- lismus zu verraten, oder aber, daß sie tatsächlich be- wüßt in das nationalsozialistische Lager abgeschwenkt sind, um die Arbeitermassen mit all ihren Futeresssn, denen des kapitalistlschen Nationalstaates zu opfern. Der Einheitskandidat. Die Regierungssozialisten haben für die Ersatz- Wahl im ReichStagswahlkreise Niedcrbarnim den Ar- beitersckretär Rudolf Wissell aufgestellt. Der„Vorwärts" sucht die Wähler vor der Unabhängigen Sozialdemo- kratie kopfscheu zu machen, indem er. die Kandidatur Wissel denjenigen empfiehlt, die für die Einheit der Arbeiterbewegung wirken wollen. In Wahrheit gehört der regierungsioziaUsttsche Kandidat Wissel gerade zu jenen Kreisen der Ge- wcrkschastsführer, die schon gleich nach Ausbruch des Krieges unablässig auf den Herauswurs der opposttio« nellen Elemente aus der ehemaligen soziatdemolra- tischen Partei hin gedrängt haben. Es dürste imseren Lesern noch in Erinnerung sein, daß es gerade der GewcrkschafiZführer Legten war, der im Reichstage den Ausschluß Liebknechts aus der sozialdemokratischen Fraktion verlangte. Und was Legten in der Reichs- tagsfraktion tat, das taten seine engeren Gewerkschasts- freunde In der Partei und in den Gewerkschaften: überall sprechen sie die Acht und Bann gegen die oppositionellen Elemente, die ohnehin schon unter Zensur und Belagerungszustand zu leiden hauen. Jetzt kommen die Regkinngssozialisten her und wollen sich den Arbeitern als diejenigen empfehlen, die die Einheit und Einheitlichkeit der Arbeberhetvogung erstreben! Das ist eitel Heuchelei. Als vor einigen Monaten in der Borsiändekonferenz der Getverkschasten beantragt worden war, die Generqllommission der Ge- werkschasten möge sich bei gewerkschaftlichen Fragen nicht nur mit der regierungsfozialistischen Partei, son- dern auch mit der unabhängigen Sozialdemokraiie in Verbindung setzen, da wurde dieser Antrag mit über- wältigender Majorität abgelehnt. Tie Geweikschasts- führer, aus deren Kreisen Wissel stammt, wollen in Wahrheit eine Einheit nur nach rechts mrd eine Unterdrückung gegen alles, was links von ihnen steht. Sie führen noch jetzt den schärfsten Kampf ge- gen jede freie Meinung innerhalb der Gewerkschaften und zwar mir den schofelsten Mitteln. Aber sie gehen Arm in Arm mit Herrn Cunow, Lensch, David, Kolb usw. Immer mehr hat sich bei den Arbeitern die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß die Politik der freien Gewerkschaften eine falsche und ver- derbliche gewesen ist. Herr Wissel ist das Urbild deS burgfricdlichen GewerkschastsfübrerS, dessen Geist wahrend des Krieges von dem patriotischen Eifer so sehr benebelt worden ist, daß er von der tatsäch- lichen Lage der Arbeiterklasse kaum noch ein« Ahnung hat. Es lvar ja gerade Herr Wissell/ der sich irntenu 17. Oktober 1911 im„Corrcspondenzblatt" der Generalkommission der Gewerkschaften geäußert hat: „Der Krieg hat in allen Golkskreisen ganz ungeahnte soziale Kräfte geweckt und sozialfeindlich« Be- strebungcn eliminiert. Das Bewußtsein sozialer Pflicht- erfüllung ist in solch hohem Maße in unserem Bolle zum Durchbruch gekommen, daß sich die Schwarzseher und Kassandraruser beschämt und zerknirscht in die Ecke stellen müssen." Diese Aeußerung zeigt, daß sich der schönredne- rische Herr Wissell zu allem andere« eignet, nur nicht zum Reichstagskandidaten, denn von diesem muß verlangt werden, daß er sich nicht von jeder patriotische» Welle fortspülen läßt, sondern den festen Boden unter den Füßen behält. M-r xersplMert? Man schreibt uns noch zu der ZersplttterungS- notiz des„SZorwarts": Der„Vorwärts" nennt den Genossen Breit- scheid den Zersplttterungskandidaten fllr Ntederbarnim. Das ist die unter Spitzbuben niederer Ordnung bewährte Methode des„Haltet den Dieb-Nufens". Wer zersplittert? Die Unabhängigen Sozialdemokraten halten fest an der Gedankenwelt des alten Soztalts- m u S. Nicht sie, sondern die Scheidemänner sind es, die die Sozialdemokratie auf Abwege geführt haben. Die Trennung der beiden sozialdemokratischen Gruppen ist vollendete Tatsache. Zwei Parteien stehen gegeneinander. Im Wahlkreis Niederbarnim haben sich seinerzeit bei der Spaltung die meisten und größten Organisationen für die Unabhängigen ausgesprochen. Sie besitzen also daS moralische An- recht auf den Wahlkreis. Ter verstorbene Abgeordnete Stadthagen gehörte im Einklang mit der großen Zahl seiner orga- nisterten Wähler der Fraktion der Unabhängigen an. Es versteht sich also von selbst, daß die Unabhängigen ihm einen Nachfolger auS ihren Reihen geben wollen. Wir bestreiten den Abhängigen nicht daS Recht, auch ihrerseits einen Kandidaten auszustellen. Dabei aber sollten sie den Mut haben, sich auf ihre von den unseren und damit von denen der alten Sozialdemo- kratte abweichenden politischen An sich- t e n zu berufen und nicht in ein heuchlerisches W»h- geschrei über die Zersplitterung durch dt« Unabhän- gigen ausbrechen. Wer zersplittert? Die Kedefreitzett «nd die Kadische Kammer. Ben einem Zenirumsabgeordneten wurde am Dienstag dagegen Beschweroe erboben, daß durch di, Zensur des stellvertretenden Genera ttommaneos iXIV. A.-ft.) der Bericht über die Mannheime» Versammlung der Vaterlandspartei ver- boten wurde. Staaismtnisier v. Bodman machte darauf die Mitteilung: Zwi dem Bezirksamt Mannheim tPolizeibehör»«) erschien ein Verireier der Sozialdemokratie und- teilte mit, er habe gehört, daß Störungen der Versammlungen beab- s i ch t i g t seien; um diese zu Verbindern, sollt« der Sozialdemokratie das Wort ericilt weiden. Dar» aus wurde vereinbart: 1. der RcichStagabgeordncte Oskar Geck dürfe 25 Minuten lang sprechen, 2. auch in Versammlungen der Sozialdocnokretie soll ein Vertreter der PateriandSpartei zimi Wert kommen. Von den«lwa 4590 VerfamuilungSbesuchern waren Wahl 2999 Sozialdemottaten. Bei der Eröffnung durch den Vorstdenden setzte der Lärm«in, Gesang ertönte; da die Ruhe nicht herzustellen war, löste der Polizctkommissar die Versammlung auf. waZ mit Joh- len begrüßt wurde. Langsam und zözernd entfernten sich die Leute, wobei die Schutzmannscliast eingriff. Staatsnlinister v. Bodman erklärte sich mit der Zensur einverstanden, deren Kritislerung ihm nicht zustehe. Der Vorgang sei eine Schande für das ba- disch« Land. Man hätte die Rnyesiörer«msernen, nicht die Redner zmn Schweigen vernrieilen sollen. Der Sozialdemokratie wird gestattet, über Friedens« .ziele zu sprechen. Die organisierte Lezialdemokretie tgemeint sind die Regierungssozialisten. Red.) habe das ihrige getan, das Ventil z u öffnen. «Bravo bei den Biirgeilichen und Regterungssozia- listen!) Abg. Bötzermd soweit es in sachltcher Form geschieht, wird niemand, dagegen etwas sagen können. Slber Leber gibt im Blatte genau an. wie der Genosse heißt, wo rntb was er bei der betreffen- den Finna arbeitet und, damit über seine Person gar kein Zweifel auskommen kann, verzeichnet er auch noch, in welchem Dorf« der Mann wohnt und vor allem, daß er unabhängig sei. Die Absicht, die sich mit solchen Angaben verbindet, kann gar nicht verkannt werden: der Genosse ist der Maßregelung empfohlen! Und das nennt sich noch Sozialdemokrat und Bollsvertveterl Das ist nicht der erste Fall skandalöser Denun- ziation. Vor einiger Zeit wurde der Genosse R. in Eiscnach in der„Volkszeitung" der Verbreitung von Flugblättern denunziert. Ueberdies schrieb die Ge- schästsleitung«inen Brief an das Generallouunando mit der glerchen Beschuldigung. So kam man zu der Genugtuung, daß der Beschuldigte angellagt und ver- urteilt wurde.— Ein« feine Gesellschaft das! Ueber die Verhaftung Miuster» verbreitet« kürzlich die I. K. aus Grund eines Auszuges aus der holländischen Tribüne eine mysteriös« Geschichte. Jetzt wird die Berhaftwig amtlich bestätigt durch folgend« vom Wolffschen Telcgraphenburean herausjgegevenen Mitteilung. Sie heißt: Der Fall M inster. »Wie wir hören, ist am 11. Dezember der Heraus- geber der in Amsterdam erscheinenden vadikai-sozia- listischen Wochenschrift„Der Kamps", Karl Minfter. aus deutschem Bode» von der deutschen Grenzwache in der Nähe von Nievelstein festgenommen worden,«ach- dem er unbefugt den deutsch-niederländisthen Grenz- fluß(Wurm) überschritten hatte. Minster ist dringend verdächtig, mit dem englischen Ncubrichtendienst, ins- besondere dem Bureau Tinsley in Rotterdam, in Ver- bindung zu sieben und für diesen durch Mittelsver- sonen in Deutschland militärische und wirtschaftliche Spionage getrieben zu haben. Er hat bereits zuge» geben, durch«ine Vertrauensperson«ine» Brief an den Lureauvorsteher einer Krieasamicsstell« gerichtet zu haben, in dem er um Auskunft über uns«« Vorräte an Rohstoffen, die für die Rüstungsindustrie wichtig sind, bittet. Als seine Helfershelfer kamen' etwa neun Personell im Westen Deutschlands und in Berlin in Betracht. Von diesen konnten nach kurzer Zeit füns wieder aus der Hast entlassen werden. Von der seind- lichen Presse ist in den letzten Tagen dt« Nachricht verbreitet worden, in Deutschland seien mehrere hun- dcrt Mitglieder der Unabhängigen sozialdeulokratischen Pattei verbasiet worden. Offenbar ist die oben ge- schilderte Verhaftung des Minster und seiner Helfers- Helfer aus diese Weis« von dem Verband« aus leicht erkennbaren Gründen böswillig aufgebauscht worden." Die Form der Notiz läßt keine Klarheit erkennen. Minster ist nach anderen Mitteilungen amerikanischer Staatsbürger. Karlsruhe. Am 13. b. M. veranstaltete die hiesige Mitgliedschaft der U. S. P. D. eine Versammlung im Stadtteil Mühlburg, die eine öffentliche und von nahezu 130 Personen auS Arbeiterkreisen besucht war. Genosse Ad. Geck gab einen Bericht über die letzten Kammerverhandlnnaen, in denen die neue Parteikonstellation nach Auflösung des Großblocks ihre erstell Wirkungen zeitigte. Er befaßte sich ins- besondere mit der EtatSrede des Mühlburger Land- tagsabgeordneten Kalb und mit den ungünstigen Ans- sichten der demokratischen„Neuorientierung" in Baden. Die Anhänger des Kolbieben Reformsozialismus hatten sich bis auf einen BeriaZterstatter des„Volksfreund" der Versammlung ferngehalten. Es brachte diese Versammlung unserer Bewegung einen neuen, Erfolg. Der verurteilte Parteisekretär. In Dan zig wurde der Parteisekretär Gehl wegen Beleidigung unseres Genossen Schröder zu 50 Mr. Geldslraso verurteilt. Da die regterungssozialtstische Presse über den Vorgang in ihrer bekannten„wahrheitsliebenden" Art berichtet, sei der Sachverhalt hiermit kurz fest- gestellt. Am vorigen Jahre setzte die Danziger.LZottSwacht" gegen unsere dort'icn Parteifreunde eine wüste Hetze in Szene, deren Hauptsächlichstes Ziel die Genossen Schröder und Bob waren. Das Beginnen war um so verwersltcher, weil Schröder, her seiner Zuge- Hörigkeit zur Opposition Kalber von diesen Leuten alö Redakteur der„Bolkswacht" gemäß regelt worden war. damals einen Monat in Schutzliaft gciesien hatte, nun beim Magistrat Danzig beschäftigt wurde und ihm von der Kommandantur jede politische Betätigung bei Strafe bis zn einem Jahre Gefängnis verboten mar. Er konnte sich also gegen die fortgesetzten Bcrdächti- gungen der„Bolkswacht" aar nicht wehren und mußte erwarten, zum zweiten Male seiner Ueberzcugung wegen seine Beschäftigung zu verlieren. Wegen Ber- breitung zweier Flugblätter für die Arbeitsgemein- schaft war Schröder vom Schöffengericht zu SV Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Bei der Strafkammer- Verhandlung wies er aus die milde Auffassung hin, die die westpreutzischen Behörden bei ähnlichem Borgchen der Regierungssozialisten bekundet hätten, und bat um gleiche milde Burteilnng. Tie„Bolkswacht" brachte, obwohl sie keinen Berichterstatter bei der Verhandlung hatte, einen Bericht und beschimpfte Schröder wieder- holt als Denunzianten. Schröder strengte gegen den verantwortlich zeichnenden Parteisekretür Gehl Privaiklage an. Fast neun Monate nach dem Erschei- neu des Artikels gelangte die Sache zur Verhandlung. Schröder hatte sich in der Zwischenzeit z w e i m a l z u r Zurücknahme der Klage bereit erklärt? beide Male war die Einigung an dem Verhalten Gehls gescheitert. Obwohl ihm sogar noch von dem Amtsrich- ter schriftlich zu? Einigurg urit Schröder geraten wurde, lehnte Gehl dies ab, da er aus a r t e i p o l i- .tischen Gründen" nicht mit Schröder in persön- liche Fühlung treten könne. Vor dem Schöffengericht mußte Gehl solbstverständlich verurteilt werden. In dem langen Bericht der„Volkswacht" sind alle diese Dinge dem Leser unterschlagen. Dagegen wird bc- hauptet, Schröder hätte eine hohe Strafe beantragt. Das ist unwahr Schröder beantragte nur Ersatz der Kost»n und Publikationsbesugnis? über das Straf- maß hat er sich überhaupt nicht geäußert. Bei den Ber- h«rnAungen gegen Gehl führre Schröder aus, Gehl habe genau gewußt, daß er ihn nie denunziert habe. Er hätte ihm mit Leichtigkeit ein halbes Dutzend Straf- verfahren besorgen können, wenn er diese Absicht ge- habt hätte. Schröder belegte das mit drei weit zurück- liegenden Fällen, die verjährt sind, wo Gehl sich über GesetzeSbesnuwtuugen hinwegsetzte. Tie Volkswacht benutzt das zu neuen Angriffen gegen Schröder.� Es lag daher für Schröder nicht die mindeste Veranlassung vor, auf die Annagelnng der Gehlscheu Praxis zu ver- ztchten. Dieser Herr, der der Erörterung seiner Zwei- dentigkeiten aus dem Wege gehen möchte, beschuldigte seinerzeit die Genosseu Henkc-Bremen und Botz-Dan- zig in Gegenwart der Polizei der Abhaltung ewer verbotenen Versammlung. Gegen beide wurde daraufhin ein Strafverfahren eingeleitet. Das geschah noch vor der Spaltung. Unsere Danziger Genossen haben sich solcher Mittel nie bedient. Soweit kann in- dessen ihre Rücksicht nicht gehen, daß sie das zweierlei Matz, urit dem in Danzig gemessen wird, nicht an den Pranger stellen sollten. Groß-KerUner Chronik. D ie Rücksichtslosigkeit hat durch die in voriger Woche besonders starken Verkchrsnoi einen Grad erreicht, wie selten zuvor. Jeder sieht zu, wo er bleibt. An den Straßenbahnhaltestellen, an den Bahnhöfen der Stadt« und Hochbahn eittnnckelten sich beim Tinsteigeu wahre Faujtkänrpsc. Die Ellbogen werden gebraucht, um sich mit dem Einsatz des Lebens euren Platz zu erkämpfen. Im Innern der Wagen fürchterliche Enge. Man kann sich nicht hin und herrühren und hat seine liebe Not, am Ziele angelangt, rechtzeitig aus dem Wagen zu kommen. Aus der Hoch- und Untergrundbahn war es vorige Woche so schlimm, daß Viele über ihr Ziel hinausfahren muß- len, weil«S ihnen nicht möglich war, rechtzeitig ans dem Wagen zu gelangen. Man vermixte anläßlich des großen Schneefalles die Autoomnibusse, die in Fric- ocnszciten uns einigermaßen über das schlimmste Ver- tehrselend hinweghalfen. Aber auch die bar uns der Krieg genommen. Diese so beliebten und schnellen Beförderimgsmfttel tun anderweitig Dienst und so- tveit noch einige Wagen hier belassen wurden, sind sie entweder schadhaft geworden oder es ist ihnen tnsolge von Beitzinmangel ocr Atem ausgegangen. Und daß die Straßen der Stadt nicht besser und schneller vom Schiree bejreit und für den Verkehr nutzbar gemocht werden konnten, ist auch den: Kriege zu danlcn, der die nötigen Arbeiiskrösic uns entzogen und soweit sie vorhanden, der Kriegsindustrie zugewiesen hat.— Frohe Abende veranstaltet der Göthe-Bnnd. Die Not der Zeit auf einige Stunden vergessen zu machen, solle» der Zweck der Veranstaltungen sein, die von namhaften Künstlern unterstützt werden und einen heiteren Charakter haben sollen. Für die ärmere Be- völkerung sollen die jrohsn Abende bestimmt sein. Die städtischen Behörden haben mit l0 000 Marl den Göthebund subventioniert. Eintrittskarten zu 25 Psg. Familienkarten 1—5 Personen 30 Psg. inkl. Kleiderablage sind bei der Gewerkschaftskömmission zu haben. Die Unglücks n achrichten häufen sich. Eine Frau, die im Begriff war. der Untergrmrdbahn zu entsteigen, wurde mit den Kleidern in die Tür eingeklemmt und dadurch von dem fahrenden Zug mitgeschleift. Dadurch wurde sie so schwer an die Mauer geschleudert, daß sie ihren Tod fand.— Ein Erplosionsunglück in der A. E. G. in der Brunnen- straße hatte zur Aolge, daß zwei Frauen in Stücke gerissen tvurden, und andere Arbeiterinnen zum teil schwex, zum teil leichter verletzt wurden. Ob in dieser Zeit der Arbeitshetze alle Versichtsmatznahmen zum Schutze von Leben und Gesundheit der Arbeiter ge- troffen waren und auch beachtet worden sind, steht da- ht». Jedenfalls läßt auf Meson«Mete hotte nicht mehr wie alles zu wünschen übrig.— Bei einem Zugzusammcnstoß in Westend kamen eine Reihe Ar- bester schwer zu schaden. Sie erlitten schwere Quci- schungen an der Brust, au den Armen und Beinen. Sure Anzahl mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Brenntorf will der Berliner Magistrat selber hdrstellcn lassen. Zu diesem Zwecke soll in Blanken- felde bei Berlin eine besondere Anlage errichtet lvcr- den im Werie von zirla'A Milli.on Mark. Tic An- läge soll mindestens 6000 Tonnen Torf erzeugen können, 20 000 Tonnen soll die Höchstleistung betragen. Man denkt, für den Zentner Tors 2 Mark nehmen zu können. Die Anlage wird aber für diesen Winter nicht mehr in Frage kommen. In der Siadtverord- neicnversammlung fand die Magisttatsvorlagc heftige Widersacher; nach längerer Debatte gelang es aber. die Vorlage zur Annahme zu bringen, die etwa 20 000 Familien Hilfe bringen soll. lieber eine große Wahlrcchtsver- s a m m l u n g für den 1. und 3. Wahlkreis weiß der„Vorwärts" zu berichten, in der Otto Braun vom Parteivorstand der Regicriutgssozialisten sprach. Uns wird dazu mitgeteilt, daß die Versammlung von genau gezählten 19 Personen besucht war, darunter 14 Frauen. Darunter waren eine Anzahl Gäste, die aber die Aufforderung zum Beitritt in die regierungssozia- listische Partei unbeachtet ließen. Die Diebstähle auf den Güterbahn- Höfen sind ail der Tagesordnung. Dieser Tage wurde vor dem hiesigen Landgerichl eine Anklage gc- gen drei ehemalige Babnangestellte und zehn Hclsers- Helfer wegen Beteiligung an Masscudietisrahlen aus dem Anhalter Bahnhos verhandelt. Es wurden Sirasen von 6 Monaten Gssnngnrs bis 3 Jahre Zuchthaus verhängt. Die Schöneberg er Stadtverordnc- tensitzung vom 21. Januar beschäftigte sich ivieder einmal mit der Rathausvruckciei. Zur Anschaffung einer Druckmaschine vertrat Stadtv. Friedrichs die Slu- ficht, daß von einer Envoiterung der Magistratsdru-kerei abzusehen sei, da die Reniabilität solchen Vorhabens recht gering sei und man— wie seinerzeit vorgesehen — die großen Druckaufträge den leisttingsfähigen Druckcreibctrieben der Stadt zuwenden könne. Die Magistrütsvertteter bekundeten die gmc Rentabilität der eigenen Druckerei und legten dar, daß es unbc- dingt lwtwsndig sei, viele Drnckarbeiten in tvenigen Stunden zu erledigen, während sich die Druckereide- triebe bei den Licserungssristen wenig zuverlässig erwiesen haben. Vom sozialen Standpunkt ist die Volte Aus- Nutzung der RathauSdruckcrei nur zu begrüßen, da anderseits die Jntereffen nicht der Allgemeinheit, son- der» der Unternehmer wahrgenommen würden. Die weiteren Punkte der Tagesordnung finden die dcbattcn- lose Animliuie von durch die immer hölier schwellende Teuerung notwendig gewordenen Näcdvewttligungen. Beim Titel: Teuerungszulagen für Hilfsarbeiter und HUfsarbeitcrinnen warf Gen. Psterson eine recht in- tereffante„kleine Anfrage" ein. Ob nämlich ein Ar> tilel der„Weit am Montag" und weitere Stimmen aus den Kreisen der Hilfsarbeiter berechtigt seien, die bekunden, daß die Hilfsarbeiter und Hilssarbeilerinnen statt der angekündigt«! Teuerungszulage von 10 Mk. pro Monat nur cwe solche von 10 Mk, erhalten hätten, da nämlich 30 Mark in Abrechnung gebracht worden seien!? Der Magisttatsvertreler war zwar der Ansieht, daß durch den fraglichen Ariikel eine Ent» stellung der Tatsachen vorliege, führte aber zu dUsem Titel noch spätere Darlegungen zu. Diese Erläuterungen werden erwartet, da diese Abzüge v�n 30 Mk. tatsächlich staitgcsunden haben, was schon daraus erhellt, daß für die Mouate Oktober, November, Dezember 1917 zusanunen 30 Mark, also mir 10 Mk. pro Monat nachgezahlt wnrd«r. Ein Prote st gegen ein Vers ammlnngs- verbot. Die Berliner Stadtverordneten Börner und Genossen von der unabhängigen sozialdcmokrati- schen Fraktion haben der Bertiner Stadtverordneten- Versammlung folgenden Antrag unterbreitet:„Wir beantragen: die Versammlung wolle beschließen, l. gegen das unerhörte, jeder Begründung entbehrende Verbot einer kommunalen Wählerversammlung durch das Oberkommando in den Marken im Interesse der Berliner Bürgerschaft schärfsten Protest zu erheben? 2. den Magistrat zu ersuchen, alle erforderlichen Maß- nahmen zu ergreifen, um für die Zukunft solche unge- setzlichen Verbote zu verhüten und um den Bürgern der Stadt Berlin die gesetzlich gewährleisteten Ver- sammlungsrechtc zu sichern." Aus der Zett. „Religtonsunterricht." In welcher Weise in den Schulen Jlcligionsuutcrrichl erteilt wird, zeigt eine Beschwerde des Berliner Konsistoriums, in der nachstehende Angaben enthalten sind: „Ein Knabe mußte vortreten und erzählte unge- fähr Wie folgt im Berliner Dialekt: Es war einmal eine dmcklc Nacht. Und es war ein Wald, da ftan- den Bäume. Der Mond schien und die Sterne schienen. Da schlief ein Mann. Da sagte ein anderer zu ihm: Du, kucke mal, da vorne ist ein Licht. Und wie er hmkuckte, da war es ein Stern, und ein Engel war da, der sagte: Paßt auf, ich will euch mal was Feines sagen, da hinten ist das Jesustmv geboren, da müßt ihr hingehen.— Ter Lehrer«rklärie das für sehr gut erzählt. Zur Geschichte Josephs: a) Die Lehrerin nahm in der siebenten Klasse Josephs Jugend durch:„Die Brüder mochten ihn nicht leiden, weil er petzte",>v«tt«r, beim Herennaben der arabischen Leute: „Wollt ihr einen Jungen kauten?"„Zeigt ihn ein- null!" �.Wieviel soll er kosten?" b) Die Kinder berichten folgendes:„Da saß mal ein Mann aus der Bank vor der Tür und rauchte seine Pfeife. Da kam «in kleiner Junge, der weinte und sagte: Meine großen Brüder haben mir jebanen. Da sagte der Vater: mta* man»ich. ich werde dir was schenken. Dann hat er ihn an eine Kiste geführt und gesagt: Steh mal den schönen roten Stoff, da will ich dir'ne Jacke von machci!. Deine Brüder kriegen zur Strafe keine und müssen heute ohne Abendbrot zu Bett." Das machte offenbar den Kleinen Spaß." Das ist—„Neligionsunlerr.cht"! Weil er in überreichlichem Maße erteilt wird, müssen wichtige Fächer in den Hintergrunz treten. Das Provinzial- jchuliollegium erfuckt. in Zukunft„derartige Willkür- lichteucn" zu vermeiden. Wir meinen, diese Probe beweist so recht, wie notwendig es ist, die soüaldemo- kratische Forderung zu ersütlcn und den Retigions- Unterricht aus dem Lel?rplan der öffentlichen Schulen zu entfernen. Die Schule hat wahrhaftig andere Aus- gaben zu erledigen. Professor Rein aus Jena hat in Leipzig einen Vortrag über Pestalozzi gehalten, in dem er ausführte: Der große Exzieher Pestalozzi habe keinen R e- ligionsunierricht haben Wollen. Er habe eine Scheu vor allem Wortmachen gehabt. Seine War- nung vor dem Religionsumcrricht sei aber von semen Nachfolgern übersehen worden. Auch habe er im ersten Schuljahr die Kleinen nicht mit Lesen und Schreiben quälen wollen. Was den Religionsunter- richt angehe, so stünden die Lehrer aller- dings unter oem Zwange der Theolo- gic, die nicht das geringste ausgeben wollte. In Teutschland bestehe erst eine Pesta- lozzischulc. Es sei eine Uebungsschule, die unter der Frei- heit der Universität in Jena stünde, und hier wären die ersten vier Schuljahre frei von Religionsunterricht. Alle Schreie der Geistlichkeit könnten daran nicht rütteln. Erst im 5. Schuljahr würden den Kindern Bilder aus dem Alten und Neuen Testament vorgeführt. Es sei das ein Anschauungsunterricht, wobei auch aus die Sagenwelt eingegangen würde. Die Ideen Pestalozzis seien noch lange nicht ausgeschöpft. Nestrast wegen vorzeitigen Verbrauchs der ein- gekelterten Kartoffeln wurde eine Kriegcrfrau in Krefeld. Bei einer Revision irnutie fcslgesrklli, daß die Kartoffeln, die bis zum'9. März reichen sollten, bis aus euva 20 Pfund aufgebraucht ivarem Bor dem Schöffengericht führte die Frau zu ihrer Enischnldi- gu«g an, sie habe ein Kostmädchcn gehalten, das schwer habe arbeiten müssen und das in den zwei Monaten allein drei Zentner Kartoffeln verzehrt habe. Zudem sei sie nicht in der Lage gewesen, ihre Wochenmenge an Kartoffeln vor Dezember regelmäßig abzuholen. Das Gericht war der Ansicht, man könne wohl er- wägen, daß, wer seine Karteffeln vorzeitig aufzehre, sich selbst strafe, da er nachher ohne Kartoffeln wirt- schaften müsse. Diese Erwägung dürfe aber nicht dazu führen, daß man solche Fälle ganz leicht auffasse. Denn es sei zu bedenken, daß bei solch leichtsinnigen Leuten die Ansicht aufkommen könnte, die Stadt lasse sie nicht verhungern und werde ihnen weitere Kartoffeln be- schaffen. Würde eine solche Nachverfforgung, die ja von der Stadt von vornherein als ausgeschlossen hin- gestellt worden ist, nötig, so bedeute das eine Bevor- zugnng gegenüber solchen Leuten, die mit ihren Kar- tosfelvorräten pfleglich und wirtschaftlich umgegangen sind. Unter Berücksichtigung der Verhältnisse der Frau, deren Mann im Felde steht, wurde auf eine Geldbuße von 20 Mark erkannt. Wenn alle Leute, die ihren Kartoffelbestand, ins- besondere in Groß-Berlin die sogenannte eiserne Rotion, vorzeitig aufgegessen haben, bestraft werben sollten, würden die Gerichte nicht ausreichen. In Grpß-Äerlin gibt es wohl kaum eine Farnilie, die noch im Besitze der eisernen Kartofselration sein dürfte. Es reicht eben nicht, dafür aber die Leute noch bestrafen anstatt ihnen die Nation allgemein zu erhöhen, ist wirklich die Höhe. Aus den Gewerkschaft,«. Eine Konferenz des Glasarbeiter-Vcrbandes hat folgende Resolntion beschlossen: „Die am 13. und ll. Januar 1918 tagende Konfe- renz des Vorstandes, des AuSfeljusses und der Gauleiter deS Glasarbeiterverbandes kann sich mit der Halmng der Gencralkommissiou der Gewerkschaften Deutschlands in Fragen des HilsSdienstgesetzes und im Ernähnlngsbcirat nicht einverstanden erklären. Das- selbe ist der Fall in bezng auf ihre Stellungnahme zum .Koalitionsrecht der Arbeiter. Die Konferenz ist der Meinung, daß die Gencralkommission in den genann- ten Fragen nicht konscguent und energisch genug die Rechte und Interessen der organisierten Arbeiterschäft vertreten hat. Die Konferenz erwartet, daß die Gene- ralkonmitffion der Regierung gegenüber ihrey ganzen Einfluß zugunsten der Arbeiterschaft zur Geltung zu bringen sucht unter verstärkter Betonung der unbe- rechcnbarcn Dienste und Opfer, die der Gesellschaft von der ganzen Arbeiterklasse geleistet werden." Arbetter-KUdungsschule. Schickler straße 6. Eingang durch die kleine Tür im Eisengitter. Sonntag, de« 27. Januar, findet der dritte Vor» trag des Genossen Fritze Kun ert über die Lhrnst des Vornsprechens statt. Anfang L Uhr. Eintritts- preis 29 Pf. *.' Da der Gesundheitszustand des Genossen Eich« Horn leider noch immer nicht befriedigend ist, kann sei» Kursus am 28. Januar noch nicht beginnen. Retaktisttsschlttß: Jeden Dienstag Abend. Berantw. Redakteur: C. Leid? Verleger A. Hoff»«»; beide Berlin O. 27, Schicklerstraße 5. Druck: Maurra 4 SäetÜu, KSpottckeeSttt ff-tl.