A des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. In beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post.— Redaktion u. Verlag: 0.27, Schicklerstr. 3. Fernruf: Alexander, 3007 Nr. 16. Berlin, den 21. Juli 1918. 13. Jahrgang. Die parlamentarische �akaienknte. Am 13. Juli ist der deutsche Reichstag in die Ferien gegangen. Vier Monate lang dürfen die Herren Vollsvertreter von ihrer schweren Arbeit ausruhen. Erst im November brauchen sie wieder in den„Stall" am Königsplatze zurückzukehren, um wieder ein bißchen mitregieren zu helfen, oder richtiger, um das Pensum zu erledigen, das ihnen die Dienstherrschaft zuweist. Die Herren können in behaglicher Ruhe ihre Sommerfrische genießen: ihr Kontrakt ist wieder auf ein Jahr verlängert, ihre Diäten sind von 3000 auf 5009 Mk. erhöht worden und sie haben der Regierung wieder eine erkleckliche Anzahl von Milliarden bewilligt. Und damit dem braven Michel der Eintritt in das fünfte Kriegsjahr nicht gar zu bitter eingehe, hat die Mehrheit und vor allem der Negierungssozia- lismus den starken Mann markiert und ein wenig gegen den politischen Haushofmeister Hertling auf- gemuckt. Ebensoschnell hat man sich aber nach Lakaienart wieder geduckt und ist gern bereit, unter der alten Dienstherrschaft weiterzuarbeiten. Die herrschenden Gewalten können mit ihren parlamentarischen Lakaien zufrieden sein. Sie haben zunächst für vier Monate völlige Vewe- gungsfreiheit. Die Regierung Hertling, unter der der Friedensweg durch Brest-Litowsk und die „Vesreiungs"aktionen der gepanzerten Faust im Osten verbarrikadiert worden ist, sitzt fester denn je im Sattel. Zudem hat es sie Regie- rung Hertling leicht gehaht, mit einem hak- ben Dutzend portionsweise verzapfter Erklärungen den parlamentarischen Lakaien den Mund zu stopfen. Und da infolge der Vorgänge der letzten Tage in Deutschland die ganze Kriegsmeute im Ententelager wieder neuen Anlaß zum Kläffen erhalten hat, können die braven Volkstribunen ihre eigene Waschlappigkekt mit der Schlechtigkeit — der anderen entschuldigen. Es ist also alles in schönster Ordnung. Das Ministerium Hertling kann seelenruhig in das fünfte Kriegsjahr hinein- marschieren und wird sich auch gegen die Stürme des fünften Kriegswinters zu decken wissen; die Resolutionshelden der Reichstagsmehrheit haben getan als ob sie etwas taten. Für das Steuernzahlen haben die Reichsboten tüchtig gesorgt. Die Regierung präsentierte eine vorläufige Rechnung von„nur" drei Milliarden, der Reichstag bewilligte ihr aber über 4 Milliar- den. Davon sind allein über 2200 Millionen in- direkte Steuern, d. h. Steuern, die dauernd und von.Jahr zu Jahr steigend die Lebenshaltung der breiten Massen belasten werden. Die bewilligten direkten Steuern betragen knapp 2 Milliarden und gelten zunächst nur für ein Jahr. Dabei ist das ganze, trotz der Milliardenbeträge, im Verhältnis zu der großen Schlußrechnung des Krieges ein arm- seliges Steuerflickwerk. Je länger der Krieg dauert, desto riesiger wird die Endsumme der Schlußrechnung. Es gibt genug politische Kinder, die in ihrem Schlafe davon träumen, daß, sobald die Friedcnsglocken läuten, auch alles, wie der Berliner sagt, wieder in Butter sei. Da wird es dann ein bitteres Erwachen geben, wenn man merken wird, daß die Teuerung auch für die Frie- densjahre Dauerzustand geworden ist. Ohne eine energische, selbständige und durchgreifende prole- tarische Politik werden die Massen nach der Kriegsnot einen, wie der Exkanzler Michaelis es nannte, Notfrieden in den Kauf nehmen müssen. Als Schluß- und Knalleffekt der abgeschlossenen Reichstagsperiode haben die bürgerlichen Par- Kindcbeiv teien, zu denen der Regierungssozialismus nach- gerade ohne weiteres zu rechnen ist, 15 Milliarden neue Kriegskredite bewilligt. Es ist das die zehnte Kreditbewilligung. Die Kriegsschulden sind da- mit auf 139 Milliarden angestiegen. Die Regierungssozialisten haben natürlich auch die zehnte Kreditforderung glatt bewilligt. Die von uns in der vorigen Rummer prophezeite Erklärung ist vonHerrnEbert prompt abgegeben wor- den. Trotz aller Erklärungsphrasen läuft die Bewilligung in der Tat und in Wahrheit auf eine Unterstützung der imperialistischen Gewalten hin- aus. Die Thomas, Hyndman, Gompers und wie die Artgenossen der Scheidemänner im Entente- lager sonst heißen, können wieder das Maul auf- reißen und den ehrlichen proletarischen Friedens- freunden ihrer Länder die Arme binden. Aber was ficht das die Staatsmänner der„proletari- fchen Kampfpartei" an. Dürfen sie doch jetzt wie- der im MehrheitsbloM bleiben und weiter ihren Einfluß-Jllusionen nachjagen. Als praktische und nicht wegzuleugnende Tatsache bleibt bestehen, daß die Regierungssozialisten durch ihre Bewilligung und durch ihr Kleben am Block trotz aller Rörge- leien die Regierung Hertling einschließlich des Herrn Hintzo- stützen. Um aber der deutschen Arbeiterschaft weißzu- machen, daß man auch noch Opposition spielen könne, hat man den Etat abgelehnt. Als ob das jetzt in der Zeit, in der die Kriegskredite der Eck- und Prüfstein der Staatswirtschaft sind, irgendeine praktische Bedeutung hätte. Die Regierung ist daher auch seelenruhig über die Etatablehnung zur Tagesordnung übergegangen. Auch die Block- brüder haben sich darüber nicht aufgeregt. Ach, im Herbst werden die eigentlichen Lenker der Geschicke des deutschen Volkes wieder neue Staats- und Kriegsnotwendigkeiten auf Lager haben, vor denen diese Art Oppositionshelden de- und wehmütig zu Kreuze kriechen werden. Die Fraktion der Unabhängigen Sozialdemo- kratie hat die Kriegskredite abgelehnt. In ihrem Namen gab Genosse Geyer eine Erklärung ab. Und wenn auch im Berichte beide Erklä- rungen aufeinander folgen, so klafft doch zwischen beiden eine unüberbrückbare Kluft. Sozialpatriotismus und internationaler Sozialis- mus stehen sich hier unversöhnlich gegenüber. Es ist uns leider nicht möglich, daß wir die auf der Parlamentstribüne abgegebene Erklärung unserer Fraktion in unserem Blatte, einem Organ der Unabhängigen Partei, den An- gehörigen dieser Partei nicht mitteilen können. Den ganzen Sitzungsbericht hier wiederzugeben fehlen Mittel und Raum. Wir bitten unsere Partei- genossen, die Erklärung Geyers wie die Eberts nach den Reichstagsberichten der„Leipziger Volks- zeitung" oder anderer Parteiblätter zur Kenntnis weiterer Arbeiterkreise zu bringen. Es wird Zeit, daß man die politischen Schlafmützen wachrüttelt. Der Jahrmarkt der Konfustanen. In der ersten Julihälfte gewährte die regie- rungssozialistische Parteipreffe das Bild einer heil- losen Direktionslosigkeit und Zerfahrenheit� Dieselben Leutchen, die gierig die Spalten der Bremer„Arbeiterpolitik", des Stuttgarter „Sozialdemokrat", der Mehring-Vriefe an die „Prawda" und andere Preßerzeugnisse durch- schnüffeln, um dort Material für ihre Theorie vom V e r l i n, den 16. Juli 1918. Zusammenbruch der Unabhängigen Sozialdemo- kratie zu finden, haben selbst ein Tohuwabohu der Meinungen und politischen Urteile zustande ge- bracht, daß man ganze Bände mit den Beweis- stücken ihrer Konfusion und politischen Charakterlosigkeit füllen könnte. „Kühlmannkrise ist Kanzlerkrise", schmetterte der„Vorwärts" herausfordernd in die Welt, um "dann von Tag zu Tag immer kleinlauter zu wer- den und schließlich das neugefestigte Ministerium Hertling einschließlich des Herrn von Hintze her- unterzuschlucken und zur Erneuerung der Block- freundschaft seinen Segen zu geben. Als Menschen von besserer Lebensart sind die Herren Regie- rungssozialisten dem neuen, aufoktroyierten Staatssekretär des Aeußern auch menschlich näher getreten, was der„Vorwärts" und die andere re- gierungssozialiftische Presse ihren Arbeiterlefern verschwiegen hat. Herr von Payer, dieser„Demo- krat" im Ministerfrack, gab im Garten seiner Amtswohnung einen Vierabend, auf dem auser- wählte Parlamentarier mit Herrn Hintze plaudern konnten. Auch die Herren der„proletarischen Kampfpartei", die Herren Scheidemann, Ebert und David haben mit dem Freunde Reventlows unterhaltsam geschmust. Das hat nicht gehindert, daß man an der re- gierungssozialistischen Presse zur Täuschung des dummen Arbeiters starke Töne angeschlagen hat. Da man sich aber über das Leitmotiv nicht klar war, hat es eine Zeitlang ziemlichen Kuddel- muddel gegeben. Da nörgelte Herr Stampfer in seiner Korrespondenz an die Provinzpresse unter der Ueberschrift„Erklärungskleister" an den Er- klärungen Hertlings herum. Ein anderes regie- rungssozialistisches Blatt schrieb von der großen „Einseiftrng", nahm aber die Entscheidung.der Fraktion ergebungsvoll hin und ließ sich dergestalt gründlich mit einseifen. Zornig fauchte Herr Meerfeld in der„Rheinischen Zeitung":„Man wird dem Kanzler klar machen müffen, daß das bloße Mundspitzen nichts hilft. Wenn der Mann nur immer wieder redet und zugleich mit seinem Namen Handlungen deckt, die uns von der Mög- lichkeit baldigen Friedens immer mehr entfernen, so muß die Parole lauten:„Fort mit Hert- ling!" Es koste, was es wolle: im Herbste müssen wir zum Frieden zu kommen versuchen." Nun, Graf Hertling hat wieder geredet, der Kurs bleibt der alte, aber Herr Meerfeld hat brav die Kriegskredite bewilligt und hat damit eben diesen Grafen Hertling im Sattel gehalten. „In weitesten Kreisen ist die Stimmung so, daß man überhaupt nichts mehr von Erklärungen erwartet," schrieb ein anderes, das Frankfurter regierungssozialistische Blatt. Jetzt» nachdem die Kredite bewilligt worden sind, muß man allen Ee- Hirnschmalz aufwenden, um nachzuweisen, daß in den Erklärungen Hertlings immerhin, unter Um- ständen, möglichenfalls, eventuell doch etwas Er- freuliches enthalten sei. Zu Dutzenden ließen sich solche Proben regie- rungssozialistischer Konfusion und Unehrlichkeit noch anführen. Nur zwei oder drei Beispiele mögen für sich selbst sprechen. Das Nürnberger Blatt schrieb: „Nicht die Sprengung einer Mehrheit, die sich von der Militärdiktatur kaltstellen läht, sondern die Auf- rechterhaltung eines solchen scheinparlamentarischen Systems muh unser Ansehen im Auslande schädigen, das Mißtrauen noch vermehren und den Kriegsverlängerern im feindlichen Auslände weiteren Stoff bieten, um die Fortsetzung des Kampfes gegen den preußischen Milita- TiaiiiiiR als notwendig begründen." Die„Chemnitzer Volksstimme" sagte:„Alle in allem kann man sagen, daß im Machtkampf der beiden großen politischen Strömungen die von der Sozialdemokratie vertretene einen Rückschlag ee fahren hat. Ehrlichkeit nötigt, das offen auszu sprechen." Das„Hamburger Echo" dagegen sagt:„Darum war die Verstäirdigungs!), die jetzt zwischen Reichs leitung und Volksvertretung hergestellt ist, nol wendig, weil sie das ersehnte Eirde des Krieges herbeiführen hilft." In diesem Wirrwarr der Meinungen ha schließlich die sozialimperialistische Richtung ge siegt, d. h. die Richtung, die die Eeneralkom Mission der Gewerkschaften und den Millionen schweren sozialistischen Kriegsgewinnler ParvU! der der deutschen Regierung schon so manchen wert vollen Dienst leistete, hinter sich hat, die Richtung deren Sprachrohr die I. K. und die„Glocke" if und die dem Oppositionsmute der Stampfer, Meer feld, Braun usw. das Rückgrat gebrochen Hai Nun hat es aber mit der rabulistisch zurecht gelegten Theorie von der Landesverteidigung sein eigenes Bewenden. Da mit jedem neuen Kriegs jähr die inneren und äußeren Schwierigkeiten der Kriegführung— der Regierungssozialismu! braucht dafür das Wort„Landesverteidigung"— größer werden, muß man solange die Mittel zur „Landesverteidigung" bewilligen, bis entweder der Gegner zerschmettert am Boden liegt oder bis die Notenpresie den Dienst versagt und der letzte Mann im Granattrichter liegt. Eine andere Lö« sung läßt das„grundsätzliche Bekenntnis zur Lan- desverteidigung" nicht zu. Das hat das Schicksal der Friedensresolution vom 19. Juli 1917 be� wiesen. Eine gründliche Lösung der Kriegswirren ist nur mit den Methoden des internationalen Sozia lismus möglich. Davon wollen die Regierungs sozialisten nichts wissen. Kriegskostprobe« t sck. Im Frieden hatte der deutsche Arbeiter nach Professor Hirschfeld im Durchschnitt täglich tonsu- micrt: 470 Gramm Brot, 5S0 Gramm Kartofsein, 135 Gramm Fleisch. Dazu kamen noch ansehnliche Mengen anderer heute sehr knapper Nahrungsmittel. So entfielen auf den Kopf der Gesamtbevollerrmg gegen 100 Gramm Fett täglich, 2 Eier wöchentlich, 3 Pfund Zucker monatlich. Diese Zahlen zeigen am besten, wie gründlich unser Körper hat umlernen müsse»...... * »Wir brauchen uns um unserer Ernährung willen keine Sorge zu machen: Deutschland kann sich selbst ernähren!" So verkündete am 4. August 1914 des deurschen Reiches Kanzler Bethmann Hot- weg. Er gehörte zu den falschen Propheten. 1913 erklären unsere Staatsmänner:„Mit Hilse der Ukraine, Rumäniens, Besjarabiens usw. ist Demschlands Er- nährung gesichert." Wer leben wird, wird sehen! « . Allerhand Volkssreunde sind weiter auf der Suche nach Streckungsmitteln für das inimer knapper wer- denoe Brot. In Wien hat kürzlich ein findiger Kopf Brot mit einem Zusah von 10 Proz. Buchenholz- Niehl hergestellt und damit hochwissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen. Er gibt zwar zu, daß das Holzpulver nicht den geringsten Nährwert besiht und unverändert wieder ausgeschieden wird, aber er weiß als Vorzüge seines Fabrikates hervorzuheben, daß es die Ausnutzung der übrigen Nahrung im Darm wenigstens nicht störe und deutlich zur Beseitigung einer vorhandenen Stuhlverstopfung oeitragc. Also weg mit Glaubersalz und Schotentee! Ihr Hart- leibigen, esset war noch Buchenyolzmehlbrotl » Medizinische Zeitschriften weisen darauf hin, daß die vom Ausland eingesührien Schinken und Fleisch waren trichinenverdächtig seien und die Schleichhan delsbutter als Verbreiterin des Typhus in Betracht kouime. Da kann es einem armen Teufel, der zu- fällig einmal diese Delikatessen erwischt hat, noch recht übel ergehen. Ter alte Baumert in den»We» bern" Hai doch wenigstens das seinem Magen ungewohnte„Hichndel" wieder von sich geben können,— die Typhusbazillen und Trichinen wird man nicht so schnell los.— Die Gesundheitsämter veröffentlichen Ratschläge zur Verhütung der Ruhr und anderer Seuchen, die hygienischen Institute bereiten sich auf Massenuntersuchungen vor. Es ist nämlich zu befürchten, daß im Sommer und Frühherbst manche ansteckenden Krankheiten wieder stärker um sich greifen werden. Vernünftiger wäre es, die Ursachen sür die Ent- stehuilg von Epidemien zu beseitigen: das enge Zu« sammenwohnen, die Uusauberteit. bedingt darch dcn Mangel an Kleidung, Wäsche und Seife, und die Unterernährung, die den Körper zermürbt und wider- standsunfähig macht. DaS Mittelalter kannte aus vielfältiger Erfahrung den innigen Zusammenhang zwischen Seuchen und Notzeiten recht gut; eS prägte den Spruch:'„. Ktteg, Pestilenz und teure Zeit. Ist daS eine da. ist das andere nicht weit. Koiialrevolntionare und Kolschemiki. Anläßlich der Ermordung des Grafen Mirbach in Moskau brachte die„Wiener Arbeiterzeitung" einen Artikel, in dem u. a. von gut unterrichteter Seile folgende Ausführungen über die Sozialrevolutionäre und ihr Verhältnis zu den Bolschcwiki geumcht wurde Seit dem Anfang der neunziger Jahre waren die rcqolutionären Kräfte in Rußland in zwei Par- tcicn geschieden: in die Sozialdemokraten und die Sozialisten- Revolutionäre. Tie So zialdemokraten, die sich 1903 selbst wieder in Vcl schcwiki und Menschewiki teilten, stimmen in Lehre und Programm mit der Sozialdemokratie West- und Mitteleuropas überein: die Sozialisten-Revolutionärc veltrcten einen spezifisch russischen Sozialismus, der von den, Sozialismus West- und Mittelcurppas grundverschieden ist. Die Sozialdemokraten— Bol schewiki und Menschewiki— sind die Parteien der industriellen Arbeiterschaft: die Sozialisten-Rcvolut'io- näre erklären sich als Vertreter des„ganzen arbeiten- dcn Volkes", sie sind in der Tat vor altem Vertreur der Bauernschaft, die ja in Rußland die über wiegende Mehrheit des arbeitenden Volkes bildet Die Sozialdemokraten erwarteten, daß die Emwickc lung der kapitalistischen Industrie, die Konzentration und Zentralisation des industriellen Kapitals, die �Vorbedingungen des Sozialismus schaffen, die Ueber führung der Arbeitsmittel in den Besitz des arbeiten- den Volkes ermöglichen werde; die Softalisten-Revo- lntionärc dagegen wollten die soziali, tische Gesei schast auf die Obschtschina, auf das Grundeigentum der russischen Bauerngcmeindcn am Grund und Boden ausbauen. Die Sozialdemokraten empfahlen den VdkSmassen den organisierten Massenkamps; den in- dividuellen Terror lehnten sie stets ab. Die Sozia listen-Rcvoliitionäre dagegen haben gerade den indi- viducllen Terror als eines, der wlchiigstcn Kamps- mittel betrachtet: sie haben die vielen politischen Attentate organisiert, die bis 1905 die revolutionäre Bewegung oeglertet haben. Die blutige Tat von Moskau, durch die die Sozialisten-Revolmionäre das Zeichen zur Erhebung gegen die Herrschaft der Bol. lchcwi'i geben wollten, ist eine Eptscde in dem alten Kamps« Zwischen den Sozialdemokraten und den So zialislen-Nevonüionären. Nach dcn großen Märztagen des vorigen Jahres, nach dem Sturz des Zarentums sind der revolutio Parteigenossen! Werbet sür die Anabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands! nären Partei breite Volksmassen zugeströmt, die vor. dem von ihrer Agitation nie berührt worden waren. an tbrcn Kämpfen nie teilgenommen hatten. Millio- nen Kleinbürger, die eben noch vor den Tschinow- tilk« des Zaren gezittert hatten, Millionen Bauern, in deren dörfische Enge nie ein politisches Wort ein. gedrungen war, schmückten sich jetzt mit den Farben ?cr Partei, die ihnen als die Bestegcrin des Zaris- mus erschien, nannten sich jetzt Sozialisten-Revolu- tionäre. In den ersten Monaten nach der Revolution »raren die Sozialisten-Revolutionäre unzweifelhaft die größte und volkstümlichste Partei Rußlands: die Wahlen zur konsttürierenden Nationalversammlung gaben ihr die Mehrheit. Aber der Zustrom dieser neuen Massen hat das Wesen der Partei verändert und ihre Gefüge gelockert. Bald schieden sich inner- halb der Partei drei Richtungen, die in den hcf tigsten Kamps gegeneinander gerieten. D!e Rechte der Sozialisten-Revolutionäre scharte sich um K e r e n s k i; sie tvar vom Mai bis zum Oktober 1917 die stärkste Stütze seiner Herrschast. Der bedeutendste Vertreter dieser Richtung war S a w i n- k o>v, der jetzt angeblich den Anschlag auf den deutschen Gesandten angestiftet haben soll. Sawinkolv »var von 1905 einer der führenden Männer der „Kampsorganisation" der Sottalistcn-Rcvolutionäre, die die berühmteic Attentate zener Zeit organisiert hat. Nach der Niederlage der Revolution von 1905 lebte er in Paris; er wendete sich enttäuscht und entmutigt von der revolutionären Arbeit ab und chricb zwei Romane, die bedeutenoe literarisch« Ae- »abung zeigten. Einer von ihnen, der unter dem Titel„Als wäre es nie gewesen" die Revolution von 1905 schilderte, fft auch deutschen Lesern Wohlde- kann«. Als der Krieg ausbrach, begeisterte sich Sa- winkow für die Sache der Entente, deren Sieg über den deutschen Imperialismus er ebenso»vie Plccha- nolv, Gueode. Hyndman für eine Voraussetzung hes 'Sieges der Demokratie in Europa hielt; Satvtnkow gehörte damals zum engsten Freundeskreis Herpes. Nach der Märzrevolution 1917 kehrte er nach Ruß- land zurück. Er trat in Kerenskis Dienste und wurde schließlich im Juli von Kerenski mit der Lei- tung des Kriegsministeriums betraut. Als solcher erblickte er seine Hauptausgabe darin, die Disziplin im russischen Heere wieder herzustellen, die Armee wieder kampffähig zu machen, um im Bunde mit der Entente den Krieg bis zum Siege fortzusetzen. Er hat im engsten Einvernehmen mit den Generalen, vor allem mit Kornilow, die Soldatenkomitecs be- kämpft und die Todesstrafe im Kricgsacbict wieder eingeführt; er war dann der Gegenstand der leiden- schastlichsten Angriffe der Bolschewiki. Nach dem Siege der Bolschcwiki Anfang November war er mo» natclang verschollen. Aber schon vor einigen Wochen hörte man, er habe gemeinsam mit den Kadetten I eine Verschwörung gegen die Sowjets organisiert: jetzt wird«r als einer der Anstifter des Moskauer i Nordes bezeichnet. Hinter ihm steht unzweifelhaft nur ein kleiner Teil der Partei der Sozialisien-R�vo- huionäre; nur jener äußerste rechte Flügel der Par- .>:i. der seit dem März stets bereit»var, alle Be- dürfnisse der Revoluti»n, vor allem ihr Friedensbe- dürsnis, dem Kampfe gegen Deutschland, dem Bund- nis mit der Entente unterzuordnen. Die Masse der Anhänger der Sozialisten-Revo- lutionäre bildet das sogenannte Zentrum, dessen be- deutendster Vertreter T s ch c r n o w ist. Dieses Zentruni ist die eigentliche Bauernpartei in Rußland. Es ist seit dem Anfang der Revolm-ion mit dcn Menschewiki verbündet, hat niit ihnen gemeinsam bis zum Oktober die Arbeiter- und Soldatcnräte be- herrscht,»nit ihnen gemeinsam soivohl dcn Kampf nach rechts, gegen die Kadetten und die Kerenski- Leute, als auch nach links, gegen die Bolschewiki, geführt. Tschernow hat als Ackerbauminister in der Regierung Kerenskis die große Agrarreform begonnen, die später von den Bolsci,ewiki vollendet wurde. Er hat sich seit dem Putschversuch Korni- lows im September von Kerenski getrennt. Es war oer Führer der konstituierenden Nationalversammlung. Seitdem die Bolschewiki die Konstituante auseinandergejagt haben, steht er im heftigsten Kampfe gegen sie. An dem Mord in Moskau und dem Straßen- kämpf, der ihm gefolgt ist, scheint aber gerade dieser Flügel der Partei keinen Anteil zu haben; eine Tat- iache, die sehr wichtig ist, weil gerade diese Rich- tung der Sozialisten-Revolutionäre die stärkste ist und insbesondere aus die bäuerlichen Volksmassen den stärksten Einfluß übt. Der linke Flügel der Sozialisten-Revolutionäre bekennt sich offen zu dem Moskauer Attentat. Er hat es vorbereitet, seine Sendboten haben es durchge- iührt. An der Spitze dieser Richtung stehen Kam- k o w und Frau Spiridonowa. Um sie ha- ben sich seit dem Frühjahr 1917 diejenigen Änhän- gcr der Sozialisten-Revolutionäre geschart, die an den alten Parteigrundsätzen festhielten»md sowohl den rechten Flügel, die Kerenski und Sawinkolv, als zuch das von Tschernow geführte Zentrum beschul- digten, sie hätten nach der Revolution unter dein Einfluß der zur Partei neu zuströmenden Massen die alten sozialistischen und revolutionären Grundsatze vreisgegebcn, die Partei verbürgerlicht. Kainkow und die Spiridonowa haben die Regierung Kerenski und den Eintritt Tschcrnows in diese Regierung be- kämpft, sie haben sich die Losung der Bolschewiki Alle Macht den Sowjets" angeeignet, sie haben die Koalitionsregierung gestürzt. Gemeinsam mit den Bolschewiki haben sie die neue Regierung, den„Rat der Volkskommissare", gebildet, gemeinsam mit den Bolschewiki das Friedensangebot an die Mittelmächte gemacht, gemeinsam mit ihnen die Konstituante aus- cinandcrgeiagt. Von dem Zentrum und der Rechten der Sozialinen-Revolutionäre haben sie sich sett dem Oktober vollständig getrennt; sie haben jeithcr eine eigene Parteioraanisation, die den heftigsten Kampf gegen ihre früheren Parteigenossen führt. Aber ihr Bündnis mit den Bolschewiki ivurde durch den Frieden von Brest- Litowsk zerrissen. Sie haben für die Ab- lchnung dieses Friedens gestimmt, sind wegen der Annahme dlescs Friedens aus der Regierung der owjets ausgetreten. Seither stehen auch sie in heftiger Opposition gegen die Bolschewiki. Eine Denkschrift der österreichischen Sozialdemokratie über de» Frieden. Im Februar dieses Jahres tagte in London eine Konserenz der sozialistischen Parteien der En- tenteländer. Ihre Auffassung der Ziele einer Fricdenöaktion der Internationale legten sie in einer .lusführlichen Denkschrift dar, von der bisher nur Bruchstücke nach Deutschland gelangt sind. Als im vorigen Monat die Abgeordneten Scitz und Ellenbogen von unseren österreichischen Genossen nach dem Haag entsandt wurden, um mit Troelstra die beabsichtigte Einberufung einer internationalen Konserenz zu besprechen, benutzte der Parteivorstand der deutschen Sozialdemok...ie in Oesterreich diese Gelegenheit, Troelstra seine Antwort auf jene Denk- chrift zu übermitteln. Sie ist von großer Bedeu- tung. Wir dürfen sie umso mehr willkommen heißen. als sie sich in wichtigen Punkten mit der Aufsassung der unabhängigen Sozialdemokratie berührt, die von dieser in Stockholm vor einem Jahr« formu- liert wurde. Sie böte eine vortreffliche Grundlag« sür eine Friedensaktion der Internationale. Wir geben ste hier vollständig wieder, mit Aus« nähme des drittletzten Absatzes, der der OeffenUich. keit Oesterreichs unbekannt geblieben ist: „Ein Friede, der den allgemeinen Grund- ätzen der internationalen Sozial- > e m o k r a t i e»ollkommen entsprechen sollt«, müßt« 'olgende Grundsätze verwirklichen: 1. Vereinigung aller Völker zu einer Liga der Nationen, die die internationale Abrüstung durch- ülstt, alle Streitigkeiten zwischen den Staaten der Entscheidung obligatorischer Schiedsgerichte unterwirft und jedem Staate, der das Völkerrecht verletzt, die gemeinsame Kraft des ganzen Völlerbundes gegen- uberstellt. 2. Keinerlei Annextonen, Kösuna aller territo- rialen Streitfragen auf Grund des Selbstbestimmunat- rechte» der Völker. 3. Keinerlei Kontributionen, gleiche Freiheit der wirtschaftlichen EntWickelung für alle Völker. Ver- meidung jedes Wirtschaftskrieges. Nur ein solcher Friede könktte als ein wirklich demokratischer Friede be zeichnet werden, nur er eine wirklich demokratisch« Ordnung in der Welt begründen. Ein soicher demokratischer Friede kann nicht durch den Sieg einer oder der an- deren der beiden imperialistischen Mächtegruppen erreicht werden. Der Sieg des einen oder des anderen Imperialismus würde das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht verwirklichen, sondern vergewaltigen. Wenn zum Beispiel Italien einen vollständigen Sieg über Oesterreich-Ungarn er- zielte, so würde der italienische Imperialismus nicht nur die it-alienischen, sondern auch große slawische Gebiete Oesterreichs zu gewinnen trachten. Wenn um- gekehrt Oesterreich-Ungarn einen vollständigen E�eg über Italien erränge, so würden sich die österreichi- schcn Imperialisten für berechtigt halten, nicht nur den Italienern im eigenen Gebiet das Selbstbcstim- mungsrecht zu versagen, sondern sie würden auch un- ter dem Vorwand, die strategische» Grenzen günstiger zu gestalten, italienische Gebiete annektieren wollen, ohne deren Bevölkerung zu betragen. Ebenso zwischen Frankreich und Deutschland. Wenn Frankreich siegte, so würde der französische Imperialismus nicht nur Elsaß Lothringen, sondern wabrschcinlich auch Teile des deutschen Rsiches, die günstig, für sich nehmen. Wenn unigekehrt das Deutsche Reich v�Ssständig siegte, so würde es nicht nur Elsatz-Lothringcn be» halten, sondern die deutschen Imperialisten würden auch die Erzgebiete Französisch- Lothringens gegen den Willen ihrer Bevölkerung zu annektieren suchen. In beiden Fällen wäre das Selbstbestimmungsrecht der Wölker verletzt. Würden die Mittelmächte vollständig siegen, so würden sie vielleicht das?clostbeslimmungsrecht Jr- lands, Aegyptens, Indiens prollamieren, aber die Regelung der Rechte ihrer eigenen Völker als innere Angelcgenbeit crllärcn. Siegte umgekehrt die Entente, so würde sie vielleicht das Setbstbestim- ■mungsrecht der Esten, Letten, Polen proklatnicren, aber die Ordnung der Rech e der Völ.er in Irland, Aegypten, Indien einem späteren Zeitpunkt vorbe- halten. Ter Sieg des Imperialismus der einen wie der anderen Mächtegruppe kann also keinesfalls eine demokratische Orvnung begründen. Aber auch ein sogenannter Verständi- gungsfrlcde, von kapitalistischen Gesichtspunk- ten aus geschlossen, wird keineswegs die Grundsätze der internaiionalen Sozialbemokrane vollständig ver- ivirklichen können. Deim ein solcher Verständigungs- friede wäre nichts anderes als ein Kompromiß zwischen dem Imperialismus der Mittelmächte und dem Imperialismus der Jntenic. Sein Inhalt wäre nicht durch die Grundsätze der Demokratie bestimmt, sondern durch die Machiverhäitnijje zwischen den ka- pitalisti-chen Regierungen. Er würde bestenfalls kein neues Unrecht schaffen, aber altes Unrecht fortbestehen lassen. Der Krieg ist demnach überhaupt kein Mittel, eine demokratische Ordnung in der Welt zu schaffen. Er kann in keinem Falle die Fdealc der intcrnalio- nalcn Sozialdemokratie verwirklichen. Die Proletarier aller Völker haben die Psticht, mit allen Kräften da- hin zu wirken, daß der abzuschließende Friede diesen Idealen, so weit es möglich ist, entspricht und ins- besondere die weitere Entwicklung in unserem Sinne ermöglicht. Die Psticht liegt ihnen ob, obwohl sie überzeugt sind, daß die wirkliche demokratische Reu- gestaltung der Welt nicht als Ergebnis des Krieges durck einen Friedensschluß kapitalistischer Regierungen verwirklich! werden kann, sondern das Ergebnis des Klassenkampfes und der sozialen Zieoolulron sein wird. Die Völker, aus zahllosen Wunden blutend, können den Krieg nicht so lange fortsetzen, bis das Proletariat überall die Macht an sich zu reißen vermag. Die Völler brauchen den baldigen Frieden. Sie können daher nicht aus einem Frieden be- stehen, der die Grundsätze der internationalen So- zialdemokratie vollkommen verwirklicht, sondern müssen die Regierungen zu möglichst baldigem Friedens- schluß drängen, auch wenn der Inhalt des Friedens der unter den gegenwärtigen Machtverhältnissen mög- lich ist, hinter den Forderungen der internationalen Sozialdemokraiie wei» zurückbleiben müßte. Solange das Proletariat in den einzelnen Län- dern die politische Macht noch nicht erobert bat, kann der Krieg nur entweder durch einen Siegfrieden beendet weiden, den die siegende Partei der unter- legencn diktiert, oder durch einen Verständigungssrieden, der ein Kompromiß zwischen den Forderungen beider Parteien darstellt. Unseres Eradstens muß die internationale Cozialdemolratie mit alter Kraft für den Frieden des Kompromisses, für den Verständi- gungsfricdcn eintreten, oßioohl auch dieser Verständi» gunassriede den demokratischen Idealen nicht wird genügen können. Aus folgenden Griinden müssen wir den baldigsten Vcrständigungsftiedcn der Fort- sührung des Krieges vorziehen. 1. Ein Bcrständigungsiricde ist heute schon mög. lich Soll dagegen der Friede erst durch den Sieg einer der beiden Krieg-sparieien erreicht werden, so müßte der Krieg noch jahrelang fortgesetzt werden, die furchtbaren Opfer, die dem Proletariat aller Länder auferlegt sind, würden ungeheuer vergrößert. 2 Ein Siegfriede würde Revanchegelüste bei der besiegten Partei zurücklassen und dadurch zur Ursache neuer Kriege werden, tsin Verständigungs>rtede wird die Annäherung der Völler erleichtern und darum die Bürgschaft der Dauer in sich tragen. 3. Ein Siegsriede würde die Autorität des Mi- litarismus und des Imperialismus in der siegenden Ländcrgruppe befestigen und dadurch die Demokrati- sierung dieser Länder erschtveren. Ein Verständi- aungsfriede dagegen, der keiner der beiden Parteien einen wesentlichen Machtzuwachs brächte, würde. alle Völler überzeugen, daß der Krieg, den die kapiia- listilchen Rcgier'.maeii berausl'eschworcn haben, den Völkern nur tinendliche Opfer, aber keinen Gewinn -.»brach« hat. er würde daher die demokratischen, pa- zisistischcn und sozialistischen Tendenzen in allen Landern gewaltig stärken. Diese Wirkung wird be- 'sonders b«im sehr stark sein, wenn sich die Regierungen unter dem Drucke der internationalen Sozialdemokratie zum Verständigungssrieden entschließen müßten. Wenn es der Sozialdemokratie gelingt, durch ihre Aktion die Resticrungen zum VerHand- lungstisch zu bringen, so wird sie den Völlern als die Bringerin des Friedens, als die Befreierin von Kriegsnoi und Kriegsopfern erscheinen. Millionen werden dadurch für den Sozialismus gewonnen wer- den. Ein Verständigungssricde unter dem Drucke der internationalen Sozialdemokratie geschlossen, wird daher in allen Ländern den Sieg des Proletariats über Bourgeoisie, des Sozialismus über den Kapi- talismus näher rücken. Aus diesen Gründen glauben wir, daß die So- zialdeniokraüe an den Frieden keine Forderunaen stellen darf, die nur im Falle des vollstän»igcn sie- ges der einen oder der anderen Kriegspartei durchgesetzt werden könnten, deren Verwirklichung daher mit der Verlängerung des Krieges erkauft werden müßte und nur im Rahmen eines Siegfriedens mög- lich wäre. Wenn nun eingewendet wird, daß gerade die jetzige Kriegslage nicht geeignet sei, solche VerHand- hingen einzuleiten, weil der psychologische Moment dafür erst dann gegegeben sei. wenn der Krieg stille- stebt und beide Parteien erkennen, daß sie einander nicht entscheidend zu besiegen imstande sind, so tön- neu wir das verstehen. Aber wir müssen daraus verweisen, daß im ganzen Verlauf des Krieges die Ungunst oder Gunst der Kriegslage von den Regie- rungen beider Seiten als Vorwand zur Ablehnung von Friedensverhandlungen benutzt wurde, und daß die deutsche � Sozialdemokratie in Oesterreich dem- gegenüber jederzeit und ohne Rücksicht aus die Kriegslage die Einleitung von Friedensrprhandlun- gen verlangt hat. Was unsere Stellung zu verschiedenen in der Internationale erhobenen Forde- rungen betrifft, wollen wir kurz bemerken: Wir sind einverstanden mit der Forderung der interalliierten Konferenz vom Februar 1S13 vezüg- lich der Liga der Nationen, bezüglich der Wirt- schaftlickken Beziehungen zwischen den Völkern und bezüglich der sozialpolitischen Fordermigen an den Friedensvertrag. In letzterer Beziehung schließen wir uns insbesondere den Forderungen der intcr- nationalen Gewerlschaftskonfcrenzen von Bern und Leeds an. Wir fordern die Umgestaltung Oesterrcich-Ungarns in eine Föderation autonomer Nationen sowie die Schaffung eines Bundes der freien Balkanvölker. Wir lehnen alle Annexion der von Rußland los- aerissenen Randvölker durch die Mittelmächte ab. Wir baben den Frieden von Brest-Litowsk und den von Bukarest parlamentarisch und in der Presse bekämpft und wir werden bei der parlamentarischen Beschlußfassung über diese Friedensverträge jede Be- stimmung ablehnen, die eine Annexion oder Berge- waltignng bedeutet. Wir fordern immer wieder die Wiederherstel- lung und Entschädigung Belgiens. Was die Frage anlangt, wer die Kosten dieser Entschädigung zu tragen hat, so halten wir diese Frage nicht für ent- scheidend. Angesichts der ungeheuren Opfer des Krieges— Opfer nicht mir an Geld und Gut, sondern vor allem an Menschenleben— lehnen wir jede Verlängerung des Krieges um irgendwelcher finanzieller Streitsragen willen ab und glauben, daß über den Anteil der einzelnen Staaten an den Kosten des Wiederaufbaues der verwüsteten kleinen Länder ein Kompromiß geschlossen werden muß. Was die Fragen Elsaß-Lothringcns, Italiens, Polens, der Türkei und der tropischen Kolonien an- langt, so sind wir der Ansicht, daß ein vollkomme- ncr demokratischer Friede, ein Friede, der den Grundsätzen der internationalen Sozialdemokratie ent- spräche, auch diese Fragen im Geiste des Sclbstbe- stimmungsrechtes der Völker entscheiden müßte. Aber wir geben uns keiner Täuschung darüber hin, daß diese Forderung unter den gegenwärtigen Machitvcr- höltnissen nicht durchgesetzt werpen kann. Da wir aus den oben angeführten Gründen den Krieg nicht fortsetzen wollen, bis die vollständige Durchietzuug des Selbstbestimmungsrechtes der Völker möglich wird, da wir vielmehr jetzt schon einen Verständi- gungsfricden anstreben, ballen wir dafür, da, die internationale Sozialdemokratie einen Verstitndi>un,?- frieden auch dann anstreben und annehmen muß, wenn er diese Forderung nicht vollständig vertoirt- licht. Eine Auffassung, die dahin geht, daß wir den Krieg solange fortsetzen sollen, bis die volle Erfüllung dieser Forderungen durchgeseßt werden kann, lehnen wir mit der größten Entschiedenheit ab; wir wollen nicht, daß unsere Forderungen zu Hindernissen eines baldigen Friedens, zu Gründen der Verlängerung des Krieges werden. Wohl aber sind wir der Meinung, daß die internationale So- zialdemotratie ihren ganzen Einfluß dafür einsetzen muß, daß der Friedensvertrag auch tu diesen natio- nalcn Fragen dem Selbstbestimmungsrecht der Völker soweit als möglich entgegenkommt, soweit, als dies ohne Verlängerung des Krieges durchgesetzt werden Wir wünschen daher eine möglichst schnelle Einberufung einer internationalen Sozialtstenkonferenz in ein neutrales Land. e/'.z Grundlage der Diskusstonen dieser Konfe- rcn- jollen sowohl die Dispositionen der einzelnen Pac.eicn in Stockholm als auch das Memorandum der Londoner Konferenz dienen." Gw Verfassungsentwurf der Sowjet- repndUK. Der kurzlich in Moskau zusammengetretene S. allrussische Kongreß der Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernabgeordneten, hat sich mit der Beratung des Entwurfs für eine Persassunz der bolschewistisch-kommu- nistischen Republik zu beschäftigen. Diesep-Fntwurf, der vom Rat der Volkskommissare zum Ten in Vorbe- talungen mit einer besonderen Verfassungskommission ausgebaut wurde, ist nach dem offiziellen Organ der Moskauer Regierung, den„Nachrichten des allrujWjep Zentralkomitees der Soutjets", veröffentlicht JMflMl, Die„Vsssifche Zeitung" gibt daraus tzte WttyiMesi Teile wieder. Unter anderem heißt es tu dem MMM reichen Programm: „Die arbeitende Klasse Nußland« hat, getreu den Vermächtnissen der Internationale, im Oktober 1g17 ihre Bourgeoisie gestürzt und gemeinsam mit der ärm- sten Bauernschaft die Gewatt in ihre Hände genommen. Indem sie die Diktatur des Proletariats und der ärm- sten Bauernschaft aufgerichtet hat, hat die arbeitenve Klasse sich entschlossen, das Kapital den Händen der Bourgeoisie zu entreißen, alle Produktionsmittel in den Händen des sozialistischen Staates zu vereinigen und so schnell wie möglich die Masse der produktiven Kräfte zu erhöhen. Die ersten Schritte in dieser Richtung waren: 1. die Abschaffung des Eigentums an Grund und Boden, Erklärung des gesamten Bodens als National- eigentum und seine Uebcrgäbe an die arbeitende Klasse ohne Ablösung auf dem Prinzip der gleichen B.oden- benutzung. 2. Erklärung aller Wälder, Schätze der Erde und Wasser von. allgemein staatlicher Bedeutung und ebenso alles lebenden und toten Inventars der Musterwirt- schaften und landwirtschaftlichen Unternehmungen als Nationaleigcntums. 3. Einführung eines Gesetzes über Kontrolle der Arbeiter und Nationalisierung einer Reihe von Jndu- striezweigen. 4. Nationalisierung der Banken, die bisher eines der wichtigsten Werkzeuge der kapualistischen Ausbeutung der Gesellschaft waren. 5. Annullierung der von der zaristischen Regierung auf Rechnung des russischen Volkes abgeschlossenen An- leihen, um dadurch dem internationalen Kapital, einem der Hauptschuldigen des WelUrieges, einen Schlag zu versetzen. v. Bewaffnung der Arbeiter und Bauern, Entwaff- nung der desitzendey Klassen. 7. Außerdem wird die Einführung der allgemeinen Arbeitspflicht zur Beseitigung der parasitischen Schichten der Gesellschaft beabsichtigt. Sobald die Produktion in den Händen der in einem riesigen Berband zusammengeschlossenen arbeitenden Massen vereinigt sein wird, in einem Verband, in dem die Entwicklung jeder einzelnen Persönlichkeit als Be- dingung der fteien Entwicklung aller Menschen erscheint, und in dem an Stelle der alten bourgeotsen Gesellschaft mit ihren Klassen und ihrem Klassenhaß sich endgültig die sozialistische Gesellschaft festlegt, die auf allgemeiner Arbeit, planmäßiger Ausnutzung und Verteilung aller produktiven Kräfte und auf der Solidarität aller ihrer Mitglieder beruht, dann wird mit dem Verschwinden der Klassenunterschiede auch die Notwendigkeit der Diktatur der arbeitenden Klassen und der Staatsgewalt als Apparates der Klassenherrschaft verschwinden. Dies find die unmittelbaren inneren Aufgaben der Sowjetrepublik. In Beziehung zu den anderen Völkern steht die jetzige Republik auf dem Boden der Pttrmpien der ersten Internationale, die die Wahrheit, Gerechtigkeit und Sittlichkeit als Grundlage Ufte* Beziehungen zur ganzen Menschheit anerkannt bat, unab- hängig von Rasse, Reliaion und Rationalität. Die sozialistische Sowjetrepnblrk erkennt an, daß dort, wo ein Mitglied der Menschheitsfamilie unterdrückt ist, die gesamte Menschheit unterdrückt ist, und deshalb verkündet und verteidigt sie in vollem Maße das Recht aper Ratio- neu auf Selbstbestimmung, das heißt auf freie Entschei- dung ihres Schicksals Dieses Recht gesteht ste allen Rationen ohne Ausnahme, auch den Hunderten von Aiillionen Arbeitenden in Asien, Afrika und allen Kola» nien nud in den kleinen Ländern zu, die bis zu dieser Zeit mitleidslos von den herrschenden Klassen, den söge- nannten zivilisierten Nationen, unterdrückt und ausge« raubt wurden. Um die von ihr verkündeten Prinzipien in Taten umzusetzen, hat die Sowjetrepublik nach der schon in den ersten Tagen der russischen Märzrevolution erfolgten Anerkennuim des Rechtes Polens auf freie Bestimmung seines Schicksals, nach der Oktoberrevolu- tion die volle Unabhängigkeit Finnlands, das Recht auf volle Selbstbestimmung der Ulraine, Armeniens und «ller Völker, die das Gebiet des früheren russischen Kaiserreiches besiedeln, verkündet. Iu ihrem Streben zur Schaffung eines wirklich freien und freiwilligen und darum um so geschlosseneren Verbandes der arbeiten- den Klassen aller Völker Rußlands hat sich die Sowjet- republik als F ö d e r a t i v r e p u b I il erklärt, die es den Arbeitern und Bauern einer jeden Nation fteistellt, selbständig auf den bevollmächtigten Tagungen ihrer Sowjets— sofern und auf welcher Grundlage fie es wünschen— als gleichberechtigte Mitglieder in die brüderliche Familie der Republik der Sowjet? einzu- treten. Indem die Sowjetrepublik nickt nur in Worten, sondern auch in der Tat dem Kriege den Krieg erklärt, hat sie im Namen der arbeitenden Massen Rußlands feierlich ihren völligen Verzicht auf alle Eroberung?- und Annexionsbestrebunäen sowie auf jeden Gedanken der Unterdrückung der kleinen Völker erklärt. Zugleich hat die Sowjetrepublik in Bekräftigung der Aufrichtigkeit ihrer Absichten offen mit der Politik der geheimen Diplomatie und der geheimen Verträge gebrochen und hat allen kriegführenden Völkern den Vorschlag gemqcht, den allgemeinen demokratischen Frieden ohne Ännexio- nen und Kontributionen aus der Grundlage der fteien Selbstbestimmung der Völker zu schließen. Auf diesem Standpunkt steht die Sowjetrepublik auch jetzt noch uner- schlltterlich. Durck die gewaltige Politik des Imperialismus der ganzen Welt gezwungen, ihre Kräfte für den Wider- stand gegen die stets wachsenden Ansprüche des Raub- gestndels vom internationalen Kapital zu rüsten, erwar- tet die Sowjetrepublik di» Entscheidung über die Frag? des ftiedlichen Zusammenlebens aller Wölket. »» V: Dm Wahlrech« in der Sowjet-RepuSlik wird durch folgende Vestimrnuflflcn geregelt: L Das Recht, zu wählen und in die Sowjets ge- wllhlt zu worden, genießen folgende Bürger der russi- fchen fo�iakisttfchen Sowjetrepublik beiderlei Geschlechts, welche bis zum Tage der AZahlen das 18. Lebensjahr vollendet haben: 1. Alle, welche die Mittel zum Leben durch eine produktive oder der Gesellschaft nützliche Arbeit erworben haben und Mitglieder von Berufsverbönden sind und zwar: a) Arbeiter und Angestellte aller Kategorien, die in der Industrie, im Handel und in der Landwirt- schast beschäftigt find: b) Bauern und Kosaken-Land- arbeiter, die keine Mietarbeit benützen: c) Angestellte und Arbeiter bei den Aemtern der Sowjetregierung. 2. Soldaten der Armee und Marine der Sowjets. 2. Bürger, die in den Kategorien 1 und 2 aufgezählt sind und in irgendeinem Maße die Arbeitsfähig keit verloren haben. II. Weder aktives noch passives Wahl- recht haben, wenn sie auch zu einer der oben aufge- zählten Kategorien gehören: 1. Personen, welche gemietete Arbeit verwenden, um daraus einen Zuwachsgewinn zu ziehen. 2. Personen, welche ein Einkommen ohne Arbeit haben wie: Prozente vom Kapital, Eingänge vom Eigentum usw. 3. Private Kaufleute, Handels- und kommerzielle Vermittler. 4. Angestellte der religiösen Knltusgemeinden. 5. Angestellte und Agenten der früheren Polizei des Ecndarmeriekorps und der- Ochrana. Desgleichen die Mitglieder der früher in Nußland regierenden Dynastie. 6. Personen, die in legaler Form als irrsinnig oder geistig minderwertig erklärt find und ebenso Taub- stumme, l 7. Personen, die wegen eigennütziger oder ent- ehrender Vergehen verurteilt wurden. Utber die Gehalts- und Lohnpolitik der Sowjet- regierung werden folgende Mitteilungen gemacht: Nach der November-Revolution setzte die bolsche- wisttsche Regierung in Petersburg zunächst die Bezüge aller ihrer Beamten und Arbeiter einheitlich auf 500 Rubel im Monak fest. Das scheint sich nicht bewährt zu haben, denn ein Dekret Lenins vom 27. Juni verfügt für die in Moskau und Petersburg wohnenden Beamten und Regierungsarbeiter nunmehr eine S t a f- felung in den Bezügen. Die Angehörigen der ersten Gruppe(Volkskommissare, Mitglieder des Zentral- Erekutwausschusses, Leiter und Geschöstsführer von Re- gierungsunternehmungen, Leiter selbständiger Abteilungen) beziehen monatlich 750 bis 800 Rubel: dabei wird ausdrücklim bemerkt, daß der Rat der Volkskommisiäre für die Volkskommissüre, also für seine eigenen Mit- glieder, Bezüge von mehr als 800 Rubel beschließen kann. Der zweiten Gruppe(Ml) bis 650 Rubel) ge- hören„Beamte mit Spezialkenntnissen und besonderer Erfahrung, die beim Arbeitsprozeß angewandt wird, die aber ihre Arbeit unter Leitung einer verantwortlichen Person ausführen", an: der dritten Gruppe(400 bis 500 Rubel) die berufsmäßig geschulte� Arbeiter und Beamten ohne Spezialkenntnisse, zu denen seltsamerweise auch die Volksschullebrer, Kindergärtnerinnen usw. gezählt werden. Eine vierte Gruppe besteht aus dem untersten Büropersonal. Lehrlingen, Wächtern. Auslaufern und dergl.,' ihr Gehalt wird auf 350 Rubel festgesetzt, sofern nicht ein Berufsverband andere Bezüge festsetzt. Alle Teuerung?- und ähnlichen Zulagen, sowie alle Aus- schiittungen aus Gewinnen werden abgeschafft,' nur ein- malige Zulagen anläßlich der llebersiedelung eines Betriebes können gewährt werden. Eine Gehaltserhöhung ist zulässig, wenn der Empfänger arbeitsunfähige Fami- lienmitglieder unterstützt. Abgeschafft sind ferner Dovpel- bezüge nud Entschädigungen für Teilnahme an Kom- missionsberatungcn und dergleichen. Wohnung und Kost soll nach den örtlichen Bedingungen angerechnet werden. Reisevergütungen für Dienstreisen sollen dem Gehalt des Empfängers entsprechen, jedoch nicht weniger als 20 und nicht mehr als 40 Rubel täglich betragen. Uebcr- stunden von Beamten und Arbeitern, die nicht mehr als 550 Rubel im Monat beziehen, sollen an Werk- wgen nach dem üblichen Tarif, nachts und an Feier- agen in doppeltem Maß ausbezahlt werden. Aus der Kemeanng. Eeuosse Lipinski aus der Haft entlassen. Genosse Richard Lipinski, Vorsitzender des Bezirks Leipzig und des provisorischen Landesvorstgndes für die lluab- häugige Sozialdemokratie Sachjens, war am'0. März in Untersuchungshaft genommen worden. Er ist beschuldigt, während des Januarstrciks eine Tätigkeit entfaltet zu haben, die mit den Gesetzen in Widerspruch stehe. Das Verfahren gegen ihn geht weiter. Auh wegen seiner Tätigkeit beim Streik des April 4917 ist eine Anklage gegen den Genossen Lipinski erhoben worden, die anscheinend in nächster Zeit voi dem Reichsgericht zur Verhandlung kommen soll. In diese Anklage sind auch noch einige andere Leipziger Genossen verwickelt, so u. a. Genosse L i e b m a n n, Redakteur der„Leip- ziger Volkszeitung". Die parlamentarische Berichterstattung des„Vor- wärts" wird unter den Arbeitern in den Betrieben lebhaft besprochen. Um zu zeigen, wie skandalös diese Berichterstattung ist, haben wir in letzter Zeit einige Parlamentsberichte im Mitteilungsblatt veröffentlicht, was bei unserem einmaligen wöchentlichen Erscheinen uns nur. ausnahmsweise möglich ist. Daran haben die Arbeiter sehen können, wie sie vom„Vorwärts berichtet werden. Wohl müssen die Tageszeitungen sich mit Papier einschränken, das braucht aber nicht zur direkten Entstellung oder gar zum gänzlichen Totschweigen der Reden zu führen. Maßgebend für eine Zeitung muß doch sein, ein ungefähres Vild von den Verhandlungen den Lesern zu geben. Das ist aber beim„Vorwärts" nicht der Fall. Aufsehen erregt es überall unter den Arbei- tern, daß der Genosse Adolf Hoffmann im Landtage zum Ministerium des Innern eine Rede gehalten hat, die der„Vorwärts" nicht einmal erwähnte. Auf die Dauer wird diese Totschweigetaktik nicht verfangen. Die Arbeiter sagen sich selber, daß es um eine Sache sehr schlecht bestellt sein muß, die mit solchen Mitteln ar- beitet. Aus einem Betriebe wird uns berichtet, daß acht Leser des„Vorwä'ts" demselben schriftlich die Erklärung haben zugehen lassen, dag sie den„Vorwärts" abbe- stellen wegen seiner skandalösen Berichterstattung. So werden noch vielen mit der Zeit die Augen aufgehen über die regierungssozialistische Presse. Ueranstaltungen. Arvciter-Samaritervunb, Kolouue Grosi-Berli«. Sonntag, den 21. Juli, Ausflug mit Uebung mit dem Allgemeinen Märkischen Touristenbund nach Erkner, Karutzsee, Hohenbinde, Freienbrinck zurück an der Löck- nitz bis Erkner. Näheres in Erkner. Treffpunkt: morgens 83/« Uhr Bahnhof Erkner. Abfahrt Schlesischer Bahnhof morgens 7,53 Uhr. Mitglieder und Kursus- teilnehmer werden gebeten, sich rege zu beteiligen.— Montag, den 2 2. Juli, Uebungsstunde abends 8V- Uhr Königsgraben Nr L. Gäste haben ein- maligen freien Zutritt: Bezirk Reinickendorf- Ost. Am Sonntag, den 2l. Juli 1918: K i n d e r w a n d e r u n g nach Tegel unter verantwortlicher Leitung niehrerer Genossen. Die Kinder treffen sich'hlO Uhr Bahnhof Schönholz. Es wird gebeten, nur Kinder über 7 Jahre zum Treffpunkt zu schicken. Fahrgeld 20 Pf. Heimkehr gegen 6 Uhr. Am Sonntag, den 28. Juli: Familtenpartie nach Tegel(Forsthaus Tcgelgrund). Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Schönholz. Nachzügler direkt Forsthaus Tegel- grund. Gute Beteiligung beider Veranstaltungen erwartet Die Bezirksleitung. Riederfchönhaufen-Pankow. Sonntag, den 2l. Juli Familie nvariie nach Waidmannslust, Restaurant „Zur freien Scholle". Treffpunkt pünktlich mittags I Uhr Bahnhof Schönholz. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand Quittunz. Für die Unabhängige sozialdemokratische Partei Deutschlands gingen in der Zeit vom I.Juni bis zum 8. Juli bei der Unterzeichneten ein: Von L.-Königsberg 65,50 M., R. B.-Friedrichsort 400 M., K.-Hamburg 405,59 M.. Petzold-Erfurt: Munition für den Frieden 000 M., Sch.-Wismar 2 M., F. K. für Hemelingen 45,10 M., 3. Verl. Kreis durch B. M. 129,42 M., Köln 24 M.. Wulsdorf 92.50 M., Berlin 2. Rate a conto 2452,70 M., Hanau 43,00 M., St.-Sieker 14,60 M., Südwestdeutschlanb 935,65 M., K.-Lübcck 0 M., G. M. 4,l0 M., V.-Lohmc 16,40 M.. B.-Friedrichsort 400 M., Kr. M. 1,60 M.. H. Werner 5 M.. 2. Verl. Wahlkreis 273,65 M., Köln 22 M.. 1. Kr. 1.50 M.. R.-Greisenhagen 57,60 M., Stettin 62,89 M. Braunschweig 322,32 M., Gera a conto 53,60 M., 1 Kr. IM M-, I. M. 4,47 M., Beiträge für April und Mai für 5 Genossen 1050 M., Osterwald 26,48 M., S.-Landcshut 6,20 M., B. M. 1,80 M.. S-Schüren 7,10 M., K.-Neu-Ruvpin 9 M., H. B.-Mühlhauscn i. Th. 29,50 M., F. Kaplanci 10,40 M., Freund-Tönning 135 M.. sittistringen 10 M., N. Schmidt 2 M., B. Böhm 40,50 M., Y. M. 6,20 M.. Für ein Marxbuch 7,80 M.. 3. Kr. 4,50 M., M--Wittenberge 2,06 M., H. F. E.-Ham- burg 34 M., K.-Hamburg 72 M., B.-Friedrichsort 472,50 M., Schmidt-Halle 1110,33 M.— In der lehten Quittung mutzte es heißen: Dssnzig 140 M. nicht 40 M Für Untcrstützungszwecke gingen bei der Unter- zeichneten ein: Bon Kater 22 M.. Pscrdewärter 10,50 M., Dir- ling 20 M., Stettin 58 M, Stralsund 28 M., Swine- münde 30 M., Treptow a. Toll. 6,10 M., Spremberg 44,30 M., K. R.-Bremcrhaven 203,45 M, W. Vetterlein 100 M.. P. B.-Lunzcnau 10 M.. W. S. 2 M., P. S. 5 M.. A. H. 2 M-, W. M. 4 M., I. K. 20 M., sämtlich durch Z.-Lunzenau, Grete F.-Aachen 20 M., W. Sch.- Landeshut 20 M., N. Mortau 1 M., H. Pallawitz 3,50 M., R-Greifenhagen 266,10 M., darunter für Bäcker 31 M., Stettin 148,10 M., V.-Gera 60 M., Lohrmann 5 M., Von einem Hamburger Genossen durch Genossin Kautsky 40 M-, durch Nysscl 250 M., Schnellbacher 677,50 M., Vom Eisenfestcn im Rhein- land durch Ed. B. 500 M, K. F.-Essen, junge Garde 50 M., G. Knabe 50 M.. Von S. durch H. 200 M., G. in Oslebshausen 5 M., 9 S.-Karlsruhe 11 M., Minna Cauer 20 M-, K. L. 100 M-, I. P. in H. und K. S. in H. durch Ed. R. 25 M.. P. Stichler-Bcrlin 10 M., Arbeiter der Fiatwerkc Wien 500 Kronen. Zietz, Verlin NW. 6, Schiffbaucrdamm 21, 2. Hof 3 Tr. (Postscheckkonto Nr. 32287.) Für die reichen Beweise der Teilnahm« beim Tode meines teuren Mannes sage ich allen Freunden und Ge- nossen herzlichen Dank. Mar:« Adena. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Naetzricht, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter Anna Kretzke geb. Walde am 9. Juli, vorm. 6'° Uhr, plötzlich und unerwartet verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen Gustav Bretzke, als Gatte Herbert und Erich» als Kinder, Chodowieckistr. 39. Wer dich gekannt, weiß, was wir verloren. KezirksWahlverei« Lichtenberg. Am 10. Juli verstarb plötzlich und unerwartet unsere Genossin, die Gastwirtin Marie Wehrmeyer (62. Gruppe, 4. Viertel(Mozartstr. 10) im Alter von 50 Jahren. Ehre ihrem Andenken! ve««l»er MelsilStbeiler-stetdancl Verwaltungsstelle Berlin.— N.54, Linienstr. 83-85. Geschäftszeit von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185. 1239, 1937, 9714. Donnerstag» den 25. Juli 1918» abends 8 Uhr: Branchen-Versammlung der Elektromonteure u. Helfer Grotz-Berlins im Lokal von Klement» Sophicnstr. 6. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeord- neten O. B ü ch» e r. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Vranchenangelegenheiten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist unbedingt erforderlich. Die Branchenleitung. Nachruf. 3. Wahlkr-i-. 3. Abteilung. Unser Mitglied, Genosse Slomiak ist im Krankenhaus gestorben. 6. Wahlkreis. Am Sonntag, den 14. Juli, verstarb der Chaujseur Genosse Mar Jung lv. Abt. 787. Bezirk, Oudenarderstr. 9. Wahwerei» Neukölln. 19. Bezirk. Am 4. d. Mts. starb plötzlich an Lungenent- zündung unser braves Mitglied Gustav Jahn Prinz Handjerystr. 12. Ehre ihrem Andenken! Wahlverein Neukölln. An den Folgen des Krieges starb im hiesigen Lazarett unser Genosse, der Böttcher Otto Aast Mareschstr., 14. Bezirk. Am 4. d. M. starb unser Genosse Gustav Jahn Prinz-Handjerystr. 12, an Lungenentzündung. Ehre ihrem Andenken! / Ter Vorstand. Sem liMei) Mieter ms dem Kriegs- schmM gcsMe» Semsjen! 4. Waklkrcis. Am 24. Mai fiel inr Alter von 35 Jahren unser Genosse Uanl Heppner Landsberger Allee 44. Bez. 399. 6. Waklkreis. Am 14. September 1916 fiel durch Kopfschuß unser Genosse, der Handlungsgehilfe Walter Kecker Malplaquetstt. 14/16, 20. Abt., Bez. 784a. 22 Jahre alt. Am 8. Juni siel unser Genosse, der 82jährige Kutscher Hanl Kecker Guineastr. 6, 22. Abt., Bez. 774. Am 18. Juni fiel unser Genosse, der 2ljährige Lackierer Erwin Denher Zelterstr. 27, 5. Abt., Bez. 553a. Ehre ihrem Andenken! Verantw. Redakteur: C. Leid; Verleger A. Hoffman») beide Berlin O. 27, Schicklerstratze 5. Druck: Maurer& Dimmick, Berlin, KöpenickerStr.LS-SZ. » Seilage zn Ur. 16 des„MMeilnngsbialles�. �ler Rervand sozialdemokratischer Wahl- ocreine Kerlins und Umgegend. Seine Generalversammlung hielt der Verband am Sonntag, den 14. Zuli, in den Germaniasälen in der Chausseestratze unter starker Beteiligung der Vertreter der einzelnen Wahlkreise ab. Aus dem vorliegenden Jahresberichte ist zu entnehmen: Das letzte Geschäftsjahr fällt zusammen mit der Kon- stituierung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Par- tei in Gotha, Ostern 1317. Die dem Verband angc- schlossenen Kreisvereine stellten sich durchweg auf dem Boden der in Gotha angenommenen Grundlinien. Die Aöjeit im verflosienen Jahre war eine äußerst schwierige. Eine öffentliche Betätigung war uns versagt, da nach einer Bestimmung des Oberkommandos öffentliche Ver- sammlungen nicht zugelasien werden sollen. Im Laufe der Zeit ist nur insofern eine Einschränkung erfolgt, wenn es sich um Versammlungen unmittelbar vor Wahlen und nur zu diesem Zwecke handelt. Die Zu- sammenkünfte in Zahlabenden und kleineren Zirkeln bieten keinen Ersatz für eine größere Versammlungs- tätigkeit, da sie sich ausschließlich auf Mitglieder be- schränken. Durch die fortgesetzten Einziehungen werden uns viele tüchtige Kräfte und vor allem unsere Funk- tionäre entzogen, viele tätige Eenosien haben wir durch den Tod verloren. Bei den Kommunälwahlen haben die Abhängigen ein Mandat im 4. Bezirk behalten, die übrigen haben wir behauptet. Sehr fühlbar macht sich das Fehlen einer täglich erscheinenden Zeitung. Der „Vorwärts" leistet in bezug auf Irreführung der Leser und Verschleierung und Entstellung unserer Bewegung das menschenmöglichste, es nützt ihzn aber nichts. Augen- blickserfolge sind nur Scheinerfolge. Das zeigte sich vor allem bei der� Reichstagswahl in Niederbarnim. Dort hat man versucht, die Massen zu täuschen durch den Hinweis auf den Ukrainefriedcn, gegen den die llnab- hängigen gestimmt hätten. Wie richtig die Haltung unserer Genossen damals war, das zeige sich heute, wo alle Welt de: Ansicht ist, daß dieser Ukrainefriedcn und die an den ganzen Ostfrieden sich anschließende Politik das größte Hindernis für einen allgemeinen Frieden ist. Die Jugendbewegung geht, wenn auch langsam, wieder vorwärts, nachdem eine Einigung zwischen den verschie- denen Richtungen zustande gekommen ist. Mit Schwierig- leiten hat die Frauenbewegung zu kämpfen. Die Frauen sind durch Arbeit, durch Lebensmittelnöte abends abgespannt und müde, so daß sie gar keine Zeit und Muße finden, sich dem politischen Leben so widmen zu rönnen, wie sie das gern möchten und wie das ihrer Klassenlagc entspricht. Das Bildungswescn hat sich auf die Arbeiterbildungsschule beschränkt.' Diese konnte ihre Lehrtätigkeit auch im vierten Krieqswinter trotz aller Schwierigkeiten aufrecht erhalten. An den 24 Sonntags- Vorträgen künstlerischer und wissenschaftlicher Art nahmen rund 2300 Personen teil. Am 8. Mai 1918 wurde zum 100. Geburtstage von Karl Marr in drei Lokalen eine Feier wissenschaftlichen und künstlerischen Charakters ver- anstaltet, an der rund 5000 Personen teilnahmen. Ende September 1317 zogen unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung aus der Entwicklung der Dinge die Konsequenzen und konstituierten sich als selb- ständige Fraktion. Nach dem Januarstreik machte sich die Notwendigkeit geltend, für die Inhaftierten Rechtsschutz zu bewilligen und die Familien Verurteilter vor der größten Not und vor der Armenpflege zu bewahren. Hilfe würde sofort gewährt ohne Rücksicht darauf, ob der einzelne gewerkschaftlich oder politisch organisiert war. Maß- gebend war nur, ob Not vorlag und daß dieselbe gelin- dert wurde. Nach einiger Zeit gaben die Regierungs- sozialisten Listen heraus für den Unterstiitzungsfonds der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, eine Maß- nähme, die geeignet war, eine Zersplitterung der Samm- lung herbeizuführen. Die Arbeiter in verschiedenen Betrieben wünschten eine Beeinträchtigung des Sammel- ergebnisses vermieden zu sehen, und schließlich wurde auf Vorschlag unsererseits von den Arbeitern der Betriebe eine Kommission eingesetzt, welche die Sammlungen und die Verteilung des Geldes selber in die Hand nehmen sollte. Danach ist auch verfahren worden. Es hat sich aber herausgestellt, daß die Abhängigen keinerlei Unter- stützungsfälle der Unterstützungskommission überwiesen haben, weil sie solche Fülle überhaupt nicht hatten, ob- wohl sie ihre Sammlungen damit begründeten, an sie wären Unterstützungsfälle herangetreten. Der Unter- stützungskommission wurden vom Verband 53 400 Mk. a conto überwiesen, während die Abhängigen 7000 Mk. übermittelten. Dabei hatte der Verband aber bereits 22 785,78 Mk. an Unterstützung und Rechtsschutz ausgezahlt. In der Generalversammlung ergänzte der Vorsitzende Adolf Hoffmann oen Bericht und schilderte die Schwierigkeiten, unter denen wir zu arbeiten hatten. Den Kassenbericht erstattet« der Kassierer Richard H e r b st. Der Verband hatte im abgelausenen Geschäftsjahre eine Einnahme mit Bestand von III 314,57 Mk., der eine Ausgabe von 35 838,85 Mk. gegenübersteht. Während am 1. April 1317 ein Bestand von 4322 Mk. vorhanden war, befanden sich am 1. April 1318 10 075,72 Mk. in der Verbandskasse. Dabei ist zu berücksichtigen, daß im abgelaufenen Geschäftsjahre der Verband alle die großen Verpflichtungen voll beglichen hat, die unsere Vorgänger durch ihre unverantwortliche Wirtschaft uns freundlichst hinterlassen hatten. Finanziell hat sich der Verband wieder gekräftigt und steht auf solidem Boden. Mit diesem Kassenabschluß brauchen wir unsere Anhänger nicht zu täuschen, wie die Abhängigen das tun, denn sie hoben ihren Mitgliedern die zusammengestellten Ein- und Ausgaben der Wahlkreise vorgetragen, damit sich das nach etwas anhört. Wollten wir dasselbe tun, so könnten wir berichten, daß die Wahl- kreise im Jahre 1317/18 rund 235 000 Mark Einnahmen und 205000 Mark Ausgaben gehabt haben und über einen Kassenbestand von 30 000 Mark verfügen. Unser Pressefonds beträgt 18 485,57 Mk. Wir dür- fen auf die Opferfrcudigkeit unserer Freunde zählen, wenn die Verhältnisse uns in den Stand setzen, ein täg- liches Blatt herausgeben zu können. Das'Mitteilungs- blatt hat sich günstig entwickelt, so schwer es heute ist, ein Blatt ohne wesentliche Einnahmen aus Inseraten zu halten. Unsere Mitgliederbewegung hat natürlich auch in diesem Jahre unter den Einziehungen stark zu leiden gehabt. Täglich müssen Mitglieder den grauen Rock an- ztehen; in großen Massen Ende Januar, Anfang Februar während des Streiks. Da die Einberufungen plötzlich erfolgten, erfuhren wir erst spät, daß unsere Mitglieder fort sind. Ueber 5000 Mitglieder müssen wir aus diesem Grunde weniger zählen. Sonst sind unsere Mitglieder uns treu geblieben. Im Gegenteil: wir haben im letzten Jahre 200 0 Neuaufnahmen gemacht. Nur die Zahl der weiblichen Mitglieder wird geringer. Die Frauen müssen arbeiten, sind abends abgerackert und müde und finden gar keine Zeit mehr, sich politisch zu betätigen. Wir haben im Vorjahre 28 000 Mitglieder schätzungsweise angeben können. Wir können heute trotz Einziehungen von vielen Tausenden immer noch 25 000 am Opjte anwesende zahlende Mitglieder buchen: der beste Beweis für die Festigkeit unserer Organisation und die Ueberzeugungstreue unserer Parteifreunde. Namens der Revisoren beantragt Genosse Osburg Dechargeerteilung, da Bücher und Belege bei wiederhol- ter unvermuteter Revision in bester Ordnung vorge- funden wurden. In der Diskussion brachte Genosse R e i m a n n, Niederschöneweide mehrere Wünsche über das Mittei- lungsblatt vor. Parlamentarische Berichte hätten schon öfter und früher kommen können. Die Gemeindevertreter müßten zwecks gemeinsamen Vorgehens zusammenkam- men. Ueber die Verhandlungen über die Wahlrechts- frage, insbesondere über die Stellung der Fraktion zu derselben, hätten die Genossen eingehender informiert werden sollen. Auch die Niederbarnimer Wahl fordere nach einigen Richtungen hin zu Bemerkungen heraus. Wogegen man sich wenden müsse, ist die Art, wie manche Leute in� der Partei sich bemühen, uns bei unserer Ar- bcit Knüppel zwischen die Beine zu werfen, wie das Mehring und andere getan hätten. Heinrich, Verlin III, weist auf die Internationa- lität des sozialistischen Gedankens hin, während Vier- s e n, Oberschönewcide, sich gegen Reimann wendet und sich über mangelnde Hilfe der Genossen bei der Wahl beklagt. Auch er findet die Art der Polemik gegen die Partei von einzelnen Personen von wenig Einsicht in die Verhältnisse getragen. Ledebour' wendet sich gegen die verallgemeinernden Behauptungen Mehrings, die ohne Berechtigung erhoben worden seien. Er selber sei nicht der Meinung Steins und Kautskys über die Bolschewik!, hält diese Meinungsäußerungen nicht nur für falsch, sondern auch für unzeitgemäß: das berechtige Mehring noch lange nicht zu seinen allgemeinen Aus- lassungen gegen die Partei. Als Ledebour zum Beweis für seine Auffassung auf seine letzte Reichstagsrede Bezug nimmt und eine Stelle aus dem stenographischen Berichte verlas, verfiel die Generaloersammlung einem vorzeitigen Ende. Der Vorsitzende holte noch die Zustimmung der Ver- sammlung ein, wonach die bisherige Verbandsleitung solange weiter amtiert, bis eine ordnungsgemäße Wahl stattgefunden hat. Als Revisoren für Eroß-Berlin fun- gieren: Andree, Osburg, Boormann, Justin Braun und Rooch. Aus der Unakdangigen Sszialdemokra- tischen Partei Deutschlands. Der Brief des Genossen Mehring gegen die U. S. P. D. in der„Prawda" wird von der ganzen abhängigen Parteipresse misgeschlackstet. Die Erwiderung der Unabhängigen Parteileitung wird dagegen nur mit ein paar Worten abgetan, an die sick meist mehr oder weniger hämische Bemerkungen knüpfen. So sagt z. B. die„Dresdener Volks- zeitung":„Was(die Unabhängige Parteileitung) sie dagegen zu tun gedenke, daß einer ihrer Landtags- abgeordneten öffentlich ihren Bankerott verkündet und ihre gänzliche politische Wertlosigkeit-nachweist, sagt sie nicht. Offenbar hält ein inneres Gefühl dafür, daß Mehring schließlich doch recht hat, sie davon zurück, eine klare Entscheidung zwischen ihm und der Par- teileitung herbeizuführen".— Im Bezirk Südwestdeutschland hat die Unabhängige Partei trotz aller Schwierigkeiten festen Fuß fassen können. Im ganzen Bezirk sind die Grundmauern für unsere Bewegung ausgerichtet. Der Jahresbericht des Bezirkes kann mit einer Mit- gliederzahl von über 7000 aufwarten. In Hamburg wurde vor kurzem' unter äußerst starker Beteiligung der Parteigenossen der Genosse Max Halbe zu Grabe getragen. Der Verstorbene war zu Beginn der großen Offensive dieses Jahres im März schwer verwundet worden und an den Folgen einer hinzugetretenen Lungen- entzündung gestorben. Die Hamburger Parteibcwe- gung bat an dem Dahingeschiedenen einen bcgeister- ten, tätigen und kenntnisreichen Anhänger der Sache des Sozialismus verloren. Zu derselben Zeit, in der der Verstorbene seine schtvere Verwundung er- hielt, wurde seine Frau, Erna Halde, wegen Her- stellung eines Flugblattes vom außerordentlichen Kriegsgericht zu 2� Jahren Znchthaus verurteilt. Die Genossin Halbe war zur Beerdigung ihres Mannes auf 24 Stunden aus dem Zucht hause be- urlaubt worden. Das Bearäbms gestaltete sich zu einer großen Sympathiekundgebung für den verstor denen Genossen, ivie für die so schwer geprüfte Genossin Halbe. Genosse Henke und Genosse Gut- mann vom Zentrakverband der Handlungsgehilfen, sowie Genosse Kallenbach vom Zeutralverband der proletarischen Freidenker hielten Gedächtnisreden am Grabe.— Ter Vorwärts druckt mit Behagen die An- zapfungcn der Bremer„Arbeiterpolitik" gegen die U. S. P. D. ab. Vor allem hat es ihm ein Ar- tikel angetan, in dem der völlige Zusammenbruch unserer Partei bei den nächsten Wahlen prophezeit wird und aus dem die Arbeiterpolitik schlußfolgert, daß sich die U. S. P. D. nur durch eine völlige Verständigung und durch Zusammenschluß mit der Partei der Abhängigen vor der Katastrophe retten kann.— Der Ortsverein Remscheid beschloß in sei- ner letzten Versammlung, der Kreiskonferenz eine Erhöhung der Beitrüge auf 70 Psg. für männliche und 40 Psg. für weibliche Mitglieder vorzuschlagen. Räch dem Raub der Düsseldorfer Volkszeitung besteltten an 10 000 Düffel- dorfer Arbeiter dieses Blatt ab und bezogen dafür die Bergische Arbcrtcrstimme in Solingen. Längere Zeit war es möglich, den Düsseldorfer Arbeitern das Solinger Blatt zu liefern, bis sich Schwierigkeiten in der Papierbetteferung einstellten. Tvotz aller Ver- suche, das nötige Papier zu erhalten, war es un- fcrcr Solinger Gcschäftsle'tung nicht möglich, soviel Papier von der in Betracht kommenden Reichsstelle zu erhalten als nötig war, auch die Düsseldorfer Abonnenten zu versolrgen. Die Abtreibung der Papierliefcrung ist zum Teil auf Machenschaften der Düsseldorfer Regierungssozialisten zurückzuführen. In einem Aufruf an ihre Düsseldorfer Leser teilte die Solinger Geschäftsleitung diese Tatsache mit und forderte die Arbeiter auf, jetzt, da ihnen von neuem wieder ihr unabhängiges Blatt abgetrieben sei, lieber zn einem bürgerlichen Blatte als zu dem regierungssozialistischen Düsseldorfer Organ zu«greifen. Denn es sei besser, ein gegnerisches Blatt zu lesen, das von vornherein mit offenem Visier als Gegner austrete, als ein Blatt, das mit der Maske eines Freundes an die Arbeiterschaft heranschleiche. Darob ein großer Entrüstungssturm in der ganzen regie- rungssozialistischen Presse, die natürlich den Raub der Volkszeitung sowohl wie die Machenschaften gegen die Bergische Arbeiterstimme verschweigt.— In E l b i n g sind im April d. J. von etwa 270 Mitgliedern-des alten sozialdemokratischen Ver- eins 170 zur Unabhängigen Partei übergetreten. Da äußere Schwierigkeiten zunächst die Gründung eines politischen Vereins verhindern, besteht vorläufig noch eine lose Organisation, deren Vert-rauensmanu der Stadtverordnete Genosse Heinrich Perschon ist. Im Kreise Bochum war der Ortsverein Werne mit großer Mehrheit zur Unabhängigen Partei übergetreten. Da der Verein ein Sparkasscngut- haben hatte, suchte der Kreisvorstand mit Hilfe des bürgerlichen Gerichts dieses in seine Gewalt zu bekommen. Jetzt ist der Kreisvorstand der Abhän- gigen in fünfter Instanz mit seiner Klage abae- wiesen worden. Nach Uebertritt der Werner Gc- nassen zur Unabhängigen Partei war von den Ab- hängigen ein neuer Ortsvcrein gegründet worden; in dessen letzter Schung wurde ein Antrag einge- bracht, zu den Unabhängigen überzutreten. Der An- trag wurde zwar zunächst nicht angenommen, er ist aber charakteristisch für die Stimmung, die hier im Lande der Abhängigen herrscht. Unsere Nürnberger Genossen haben für ihren Verbrcitunqsbczirk ein kleines Wochenblatt: „Der Sozialdemokrat" herausgegeben. Oowohl sie vom Generalkommando die Genehmigung erhalten haben, erhielten sie von der Papicrstelle kein Pa- Pier. Vorläufig lassen unsere Genossen ihr Blatt auf Einwickelpapier drucken. Die Nummer kostet 15 Pfennige. *»» Ans der ZeWegung der Abhangige«. Nach der großen.Entrüstungsrede Scheidemanns im Reichstage vom 5.' Juli macht die Nationallibe- rale Korrespondenz Mitteilungen über die politischen Schacherqcschäste, die der Regierungssozialismus mit seinen Blockbrüdern eingegangen war. Sie teilte mit, daß im Herbst v. Js. ein„neuer Burgfriede auf Gegenseitigkeit" beschlossen worden sei unter der Vor- aussetzung, daß die Sozialdemokratie ihre Opposrtionsstellung aufgebe.„Die Aufhebung des§ 153 der Gewerbeordnung, die Schaffung von Arbeitskammern sind in das Pro- gramm nur unter der Bedingung aufgenommen worden, daß die Partei des Herrn Steide mann der neuen Regierung keine Schwierigkeiten macht." Das Aktionsprogramm der abhängigen Partei wurde in einer Versommlnng zu Stuttgart be- sprachen. Dabei stellte Herr Hcymann u. a. fol- gcnde Grundsätze für die Taktik der abhängigen Partei aus: Das Programm müsse den Willen der Partei-zur Mehrbeitsbildung mit anderen Parteien zum Zweck der Uebertragung der Macht der Volks» Vertretung aus die Handlungen der Regierung klar und deutlich zum Ausdruck bringen. Die Partei müsse zur Durchsetzung bestimmter Forderungen zur Mitarbeit mit anderen Parteien bereit sein. Aus- schlaggebend sei der Wille zur Mehrheitsbildung. Die Gedanken des Herrn Heymann sollen zu be- stimmten Leitsätzen ausgearbeitet werden. Gegen die E n t e n t e- S o z i a l i st e n zieht das Parteivorstandsmitglied Hermann Müller in einem Artikel der Neuen Zett vom Leder, der von der ganzen abhängigen Parieipresse zitiert wird. Herr Mäller erklärt, daß seine Partei nicht daran denke, die Geschäfte des— Ententeimperialismus zu besorgen. Vom Imperialismus der Mittelmächte und dem Verhalten der deutschen Regierungssozialisten zu diesem ist in dem Artikel Müller mit keiner Silbe die Rede. Im Herzogtum Altenburg fand vor kur- zem ein Landesparteitag statt, auf dem festgestellt tvurde, daß die Mitgliederzahl im Lande 1964 be- trage. Mit besonderer Genugtuung wurde betont, daß die Unabhängigen im Lande noch keinen Ein- gang gefunden hätleu. Ter Mitgliederbeitrag wurde für männliche Mitglieder aus wöchentlich 15.Pfg. und für weibliche auf wöchentlich 10 Pfg. sestge- setzt. Nach einem Referat Hcipplers über die poli- t'sche Lage wurde eine Resolution eingebracht, in der die Erwartung ausgesprochen wird, daß Fraknon und Parteileitung mit allen Mitteln die „drohende Herrschast der Militärpartei vereiteln'. „Wann die Verweigerung der Mittel zum Kriege da- zu beiträgt, die Haltung der Regierung in diesem Sinne zu beeinflussen, so hat die Frakiton die wei- tere Geldbewilligung abzulehnen." Für die obere Rheinprovinz fand kürzlich ein Bezirls-Piartestag statt, auf dem die Mitglwderzahl des Bezirkes aus 6641 angegeben wurde. Auch hier wurde mit Genugtuung hervor- gehoben, daß die Unabhängige Partei keinen Ein- gang im Bezirk gesunden habe, bis auf eine Kreis- organisation in Köln. In der Diskussion, nach einem Vortrag Meerfelds, trat auch llar zutage, daß die Stiminung in den Reihen der abhängigen Partei- Mitglieder durchaus nicht friedlich ist. Eine Reihe von Diskussionsredner verlangte ein schärferes Auf- treten der abhängigen Fraktion im Reichstage. Auch die Ablehnung der Steuergesetze wurde verlangt, wenn es nicht gelinge, die vollsfeindlichen Massen- Verbrauchssteuern zu Fall zu bringen. Auch mit der Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstages war man nicht einverstanden. In einer Generalversammlung des sozialdcmokra- tischen Vereins für den Wahlkreis Herford Halle wurde mitgeteilt, daß noch 434 organisterte Mitglieder vorhanden seien. Auch hier wurde in der Diskusston ei n entschiedeneres Austreten der Reichstagsfraktion verlangt.— In Jena hat die Vaterlandspartei beschlossen, einen Aufruf gegen die letzte Scheidcmannredc zu er- lassen und diesen mit gesammelten Unterschriften an den Reichstag zu senden. Als machtvolle Gegende- monstration haben die Jenaer Abhängigen einen Abwehransruf versaßt und gehen nun gleichfalls auf Untcrschriftenfang aus. Man will. mit dieser Aktion eine(eindrucksvolle) Friedensdemonstration markieren. Die Bewilligung der neuen Krieg-?- k r e d i t e ist nach einer Mitteilung des Vorwärts in der Fraktion der Abhängigen mit allen gegen 8 Stimmen heschlossen worden. Die Annahme des Gewaltfriedensverttages mit Rumänien wurde in der Fraktion mit 25 gegen 24 Stimmen beschlossen. Das Blättchen, das die Halleiwcn Abhängigen gegen unser dortiges Volksblatt ins Leben gerufen hatten, hat am 1. Juli sein Erscheinen eingestellt. Der Redakteur Wende muth, früher in Solin- gen, übernimmt die Redaktion der Märkischen Volks- stimme in Kottbus.— Der Redakteur Dick reit er ist in die Redaktion der Schlesischcn Bergwacht in Beuthen eingetreten.— Im 6. sächsischen Reichstags- Wahlkreise haben die Abhängigen unserem Genossen Horn den Parteisekretär K a h m a n n in Dresden als Gegenkandidaten gegenübergestellt.— Im Wahl- kreise Oschersleben-Halberstadt wurde von den Abhängigen an Stelle des zu unserer Par- tei übergetretenen Genossen Brandes der Chef- redakteur der Magdeburger Volksstimme Bader als Kandidat ausgestellt.— Der bisherige Chefre- dakreur der Schlewig-Holstcinischen BotiSzvitung in Kiel, Eduard Adler, ist aus der Redaktion aus- geschieden und hat die journalistische Tätigkeit über- baupt ausgegeben. An seine Stelle tritt ein Herr Bernh. Rausch, der zur Zeit als Arttllerie-Leut- uant an der Westfront steht. Herr Rausch, ein noch junger Mann, war einige Zeit als Hilfslehrer des Zentralbildungsausschusscs taiig und arbeitete dann vorübergehend in der Redaktion unseres Zeitzer Par- teiblatteS. Dieses bemerkt jetzt zur Wahl Rauschs: „Bernh. Rausch, der sich vor dem Kriege als Ber- trcter des damals inhaftierten Genossen Streinski in der Redaktion des Volksboten die ersten journalistischen Sporen verdiente, hat sonach mit seiner Meinung über den sozialdemokratischen Leutnant aucki seine politischen Anschauungen radikal geändert."— H e l m a S t« i n b a ch, die in der Frauenbewe- dung der alten Partei sehr tätig und bekannt war, ist kürzlich im Alter von 71 Jahren in einem kleinen Orte bei Nauenburg verstorben. Da sie mit ihrem gleichfalls verstorbenen Freunde v. Ellen die Be lehrung zum Regierungssozialismus mitgemacht hatte, werden ihr in der rcgierungssozialistischen Presse Wanne Nachrufe gewidmet. Vor allem tut das das Hamburger Echo, in dem früher die Verstorbene häusig sehr stark angegriffen wurde. Groß-K-vli«-r Chronik. Die Reichstagsersatzwahl im 1. Berliner Wahlkreise ist vom Oberprästdenten auf den 15. Oktober festgesetzt worden. Maschinengew eh rschüsse knatterten am Montag ahend auf dem Courbiereplatz. Dort kam gegen 8 Uhr ein anscheinend geisteskrank gewordener Unteroffizier Schirow vom Lehr-Jnfanterieregiment vorbei. Sein Maschinengewehr, das er bei sich trug, setzte cr auf der Wiese des Courbierevlatzes nieder und setzte es in Tätigkeit. Etwa 40 Schuß gab er ab, die alle faaz vor dem Maschinengewehr in dan Rasen Kingert, so daß zklm Eliick niemand zu Schapen gekommen ist. Ein Schutzmann und mehrere Soldaten nahmen ihm das Maschinengewehr und die Patronen ab und führten ihn zur Polizeiwache des 58. Polizeireviers. Mit der Regierung verhandeln wollen Par- teioarstand, Eeneraltommiffwn und Vertreter der Ber- liner tvewerkschaftskommiffion. So haben die Abhängigen in einer Sitzung be>chloffen, die am 27. Juni statt- gesunden hat. In dieser Sitzung hat Herr Wujchik ein Bild von der Stimmung unrer den Arbeitern in den Betrieben gezeichnet. Diese sei nach erfolgter Kürzung der Brotration eine äußerst gespannte. Ver- zweifelrer würde es nach der Kürzung der Kartoffel- ratton und der Fleijchportion. Es muffe unter allen Umständen eine Befferung herbeigeführt werden, sonst werde es den besonnenen Elementen schwer, aus die Dauer dem steigenden Unmut zu wehren. In Sachen der Wahlrechtsjrage schenke man der Regierung kein Bertrauen niehr. Reue Steuern gingen Hand in Hand mit Lohnkürzungen. Vielfach sei auch die Meinung vorhanden, daß die Fraktion im Reichstag und im Land- tage die Interessen der Arbeiter nicht energisch genug wahrnehme. Die größte Erregung rufe unter der Ar- beiterjchast hervor, daß jeder, der es wage, für die Jnter- effen seiner Kollegen einzutreten, Gefahr lause, sofort an die Front abgeschoben zu werden. Die Dinge hätten einen hohen Grad der Erbitterung erzeugt. Man müsse versuchen, gewaltsame Ausbrüche zu vermeiden. Dazu bedürfe es eines weitgehenden Entgegenkommens der Regierung. Er schlage deshalb vor, eine Kommiffion zu wählen, bestehend aus Vertretern des Parteivorstan- des, der Generatkommiffion und der Berliner Eewcrk- schaften, die den Auftrag erhält, mit der Regierung zu verhandeln. Es würde sich dabei in der Hauptjache um folgende Programmpunkte handeln: Befferung der Lebensmittelsragc. Lohnkürzungen dürfen während des Krieges nicht vorgenommen werden. Bei Mangel an Arbeit sollen leine Entlastungen vorgenommen, sondern Verkürzung der Arbeitszeit eingeführt werden. Ferner soll über Versammlungssreihett, Zensur, Wohnunas- frage usw. verhandelt werden. Scheidemann hält die verzweifelte Stiinung� erklärlich, aber die Anklagen gegen die Fraktion seien nicht gerechrsertigt. Er schob die Schuld auf die Parlamentsberichterstattung, die unvoll- kommen sei. Sie hätten aber immer für die Arbeiter gearbeitet. In der Sache war er auch für die Kom- nlistion. Herr Braun vom Parteioorstand strich die Landtagsfraltion heraus und setzte die Arbeit der lln- abhängigen herab. Die Arbeiter glauben diesen Leuten nicht mehr. Schließlich wurden die Vorschläge ange- ttommen. Die Frage, ob die Unabhängigen zur Teil- nähme aufgesordert werden sollen, wurde mit allen gegen 5 Stimmen verneint. Mögen sie ihren Gang antreten. Wir beneiden sie nicht um ihre Hoffnungen. Wir könnten ihnen schon vorher sagen, welche Antwort sie mitbringen. Aus der Keiuegmtg. In Magdeburg fand am 11. Juli eine öffentliche Volksversammlung statt, in der Genoste Brandes über das Thema: 3 Milliarden neuer Steuern sprach. Die gründliche Kritik, die der Redner an dem, die Lebenshaltung der breiten Masten belastenden Steuer- flickwerk übte, fand lebhaften Beifall. Die Haltung der U. S. P. D. in der«teuerfrage bewirkte, daß eine Menge Neuaufnahmen in der Versammlung gemacht werden konnten und daß auch ein beträchtlicher Teil von Anhängern der abhängigen Partei zur lt. S. P. D über- traten. In Braunschweig ist bekanntlich vor einiger Zeit eine Anzahl von Parteigenosten wegen angeblichen Hausfriedensbruches freigesprochen worden. Sie waren seinerzeit von dem regierungssozialistischen Geschäfts- sührcr Vogler angezeigt worden. Jetzt liegt das ichrift- liche Urteil vor, durch das die regierungssozialistischen Zeitungsräuber vollständig ins Unrecht gesetzt werden. In dein Urteil werden folgende Tatsachen gerichtlich , estgestellt: 1. Das Eigentum der Braunlchweiger Ar- beiter, der„Volksfreund" und das Volksfreundunter- nehmen, ist gegen den Willen der Braunschweiger Ar- beiter aus Anregung des Parteivorstandes entwendet worden. 2. Die zu Recht bestehende Preßkommistion war im März und April 1917 die alte Pregkommission unter dem Vorsitz � des Genossen Kugelberg. 3. Ohne diese Preßkommistion zuzuziehen, wurde der„Volks- freundraub vollzogen. 4. Die Handlungen der Firmen. trüger Rieke und Ohlendorf waren und find rechts- utigültig. 5. Der Geschäftsführer Vogler ist zu Unrecht Geschäftsführer, da cr nicht noch den Bestimmungen des Regulativs angestellt wurde. Seine Handlungen am 5. April waren rechtsungültig und alle seine Hand- lungen haben keine rechtliche Gültigkeit. 6. Die Ar- beiler Braunschweig», die im März und April 1917 den Volisfreundraub zu verhindern suchten und ihn bis zum Eingreifen der Polizei, der Vogler das Haus- recht, welches er unrechtmäßig sich anmaßte und ausübte, übertrug, auch verhinderten, haben in berechtigter Ver- teidigung ihres Eigentums und ihres Rechtes gehandelt. Der Kamps um das Hallefche Volksblatt wird nun- mehr die letzte Instanz, das Oberlandesgericht in Braun- schweig, beschäftigen. Der Termin ist auf den 11. De- zember festgesetzt. Unser Hallesches Parteiblatt hat im letzten Jahre 4 700 Abonnenten neu gewinnen können Hoffentlich gelingt es. die Raubgelüste der Abhängigen aus das Blatt unserer Halleschen Eenösten zu vereiteln. Bei einer Laudtagoersatzwahl im Bezirk Rottwcil (Württemberg) wurden in 6 Ortschaften 258 Stimmen für Karl Liebknecht abgegeben. Die bürgerlichen Parteien und der Regierungssozialismus hatten sich burgftiedlich verständigt, so daß das Mandat den Nationalliberalen zufiel. Die demonstrative Stimmabgabe Ifttr Liebknecht zeigt aber, daß die Oppofition in Württemberg an Umfang gewinnt. Aus den GrssutMstte«. Kreis Niederbarnim. In der Zeit vom 22. Juli bis 10. August ist das Büro in den ersten 3 Tagen der Woche, Montags, Diens- tags und Mittwochs geschlossen. Der Kreisvorstand. 3. Kreis. Alle Anfragen und Zuschriften des Kreises sind zu richten an den Vorsitzenden Hermann Schwcikardt, SO. 26, Reichenberger Str. 178, für Krankenkaffen- geschäfte an den Kassierer, Rudolf Budde, S. 59, May- bachuser 2. Sonntag, den 21. Juli, findet ein Familienaus- flug nach Mahlsdorf-Süd(Hubertus) statt. Abfahrt 9,5 Uhr vormittags vom Schlesischen Bahnhof nach Köpenick. Nachzügler treffen sich im Restaurant Hubertus. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. � Die Jugendweihe in Neukölln findet am Sonnim, den 22.«eptember statt. Anmeldungen bitte im Biu Neckarstraße 3 und bei den Funktionären abzugeben. Der Vorstand. Hernisdorf. Am Sonntag, den 21. Juli veranstalten die Parteigenossen von Hermsdorf und Umgegend ein Sommerfest im Gasthans„Lindengarten", Berliner Straße. Die Berliner Genossen sind hierzu eingeladen. Aus der Jett. Aus einem wilden Lande. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Das Kriminalaericht in Kopenhagen sprach in diesen Tagen drei Jungsozialisten frei, die bei der Demonstration am 1. Mai Fahnen mit aufreizender Inschrift getragen hatten. Das Ur- teil wurde damit begründet, dae die Perbasteten die politisch« Ueberzeugung einer gesetzmäßig zuläfsigen Partei bekundet hätten. Ter Polizeipväsidcnt beab- sichttgt, die Sache an das Reichsgericht gelangen zu lassen.— Dieses Dänemark ist doch ein zurückgeblie» benes Land. Hinter den Kulissen der Kriegsgewinne. Der „Reichenberger Tagespost" entnehmen wir folgende lehrreiche Zusammenstellnng: Auf Grund von Erhebungen� die anläßlich ver- schiedener Verhandlungen dem Gerichtshöfe vorgelegt worden sind, meldet„Budapestt Hirlap" folgende Ein- zelheiten über die Geheimnisse der Kricgsgewinne: I. Ein Budapcster Grobkaufmann hatte im Jahre 1915 den ihm übersendeten Bogen über die Kriegs- gewtnnsteuer mit der Bemerkung zurückgesendet, daH sein Jahreseinkommen 20 600 Kr. nicht übersteige. Der- selbe Kaufmann hat im Jahre 1916 ein Fahresetn- kommen von 48 000 Kr. und im Jahre 1917 ein solches von 90 000 Kr. einbekannt. In Zusammenhang mit einer Preistreiberei richtet sich die Beachtung der Bc- Hörden auf sein Geschäft: seine Anmeldungen schienen verdächtig, so daß die Uebcrpriifung seiner Bücher an- geordnet wurde. Das Ergebnis war überraschend. ES stellte sich heraus, daß sein Jahreseinkommen iur Jahre 1915 280000 Kr., im Jahre 1916 1 800 000 Kr. und im Jahre 1917 3 700000 Kr. betragen hatte. In den drei Jahren hatte er also zusammen 5 642 000 Kr. Reineinkommen verheimlicht und den Staat mit der Summe der nach diesem Vermögen verheimlichten Kriegsgewinnsteuer geschädigt. II. Ein galizischer Flüchtling, der in einem MonatK- Zimmer mit mehreren Personen zusammen wohnte, gestand anläßlich einer Verhandlung vor Gericht, daß er einen großen Teil seines Vermögens verheimlicht hatte und trotzdem jährlich 580000 Kr. Kriegsgcwinn- steuer bezahlen mußte. in. Ein Budapester Vermittler hatte im Caf6 Edison bek einer Gelegetchett den Verkauf von 160 000 Stück Schaflcdcrwestcn vermittelt und an dem Geschäft alS Vermi�ungsgebühr 5 Kr. für das Stück, also insge- samt 800 000 Ksi:. während fünf Viertelstunden„ver- »ient". Der Kaufer wollte davon 10 000 Kr. abhandeln, der Agent wollte sich das aber nicht gefallen lassen. Die Angelegenheit kam vor Gericht und der Richter mußt« dem Vermittler auch noch die 10000 Str. zusprechen. lV. einer in die Oeffentlichkett gedrungenen und später vor Gericht gebrachten Sptritnslieferungs- Angelegenheit haben zwei Agenten je 60 000 Kr. bloß "AVt it ve r dient, daß sie die beiden Parteien zusammen» gebracht hatten und beiläufig zwei bis drei Tage htv durch ein bis zwei Stunden verhandelten. V. q..6i« Agent schmuggelte zehn Waggons Fett nach »"d,""di� an diesem verbotenen Geschäft« J c Wür den Waggon, also insgesamt i«00000 Kr. Auf Grund e uer anonymen Anzeige erfuhr die Be- Hörde von diesem Schmuggel. Die Bücher und Briefe des Agenten wurden einer Prüfung unterzogen, doch konnte ktn«: greifbare Schuld festgestellt werden. Unter dem Drucke anderer Beweise aber gestand der Agent schließlich alles ein. ,�«is Gegrnstück hierzu sei daran erinnert, daß da* f. ,?akk sich mit 90 Gramm, also eint® ÜS&f-~i8t?r0t fiir den Tag und mit 1 Pfttnd Kar» to.feln für Kopf und Woche abfinden muß. Die Ztricg� gewiunler können sich darüber hinwegsetze». für untere fugend. Der Kkmarsch ws barKerliche Lager. Mas wir lange vorausgesehen haben, das- soll jetzr Tatsache werden: Die Jugendbewe- gung der„Abhängigen" geht mit fliegenden Fahnen zur bürger- lichen Jugend. In den Armen liegen sich die„Zentralstelle für die arbeitende Jugend" und der Jungdeutschlandbund, Heinrich Schulz und der nächstbeste christliche Jungfrauenverein. Mir sehen schon im Geiste beim kommenden Ausflug der„Arbeiterjugend" vorneweg die Kapelle der Jugendwehr mit Trommeln und Pfeifen. Es versteht sich von selbst, daß dabei nicht die rote Fahne voranflattern wird. Die Jugendbewegung der Schulz-Ebcrt-Zentrale ist da angekommen, wo sie nach ihrer ganzen Aufmachung schon längst hin- gehörte. In der Nr. 13 der„A r b e i t e r- I u g e n d" unternimmt es nämlich ein unrühmlich bekannter Führer der abhängigen Jugendbewegung,, der Reichstagsabgeordnete Heinrich Schulz, den Jugendlichen zu beweisen, daß sie doch in Wirklich- keit von der bürgerlichen Jugendbewegung wenig trenne. Er entrollt da folgendes mit den Tat- fachen im schroffsten Widerspruch stehende Bild. Schon als kleine Kinder hätten sie sich auf der Strahe und auf den Spielplätzen nicht abgesondert. Ob Beamtenkind oder Kind wohlhabender Leute, alle wären Spielkameraden gewesen. Ob die Väter ihrer Spielgenosien religiös oder nicht religiös waren, sozialdemokratischer, liberaler oder konser- vativer Gesinnung, danach hätten sie und die an- deren nicht gefragt. Sie seien Freunde gewesen, oft auch im späteren Leben. Dann in der Schule sei es ähnlich wie auf dem Spielplatz gewesen. Neben dem Arbeiterkind sähe der Schutzmanns- söhn und der Sohn des Krämers. Sie hätten mit- einander verkehrt, ohne dag das politische oder religiöse Glaubensbekenntnis der Väter eine Rolle gespielt hätte. Und so wäre es bis zur Schulent- - lassung gegangen. Da hätten die Jugendlichen von dem Recht, sich eine eigene Kameradschaft zu suchen, Gebrauch gemacht. Der Schutzmannssohn wäre zum evangelischen Jünglingsverein gegangen, der Sohn des Krämers zum Jungdeutschlandbund, das Arbeiterkind dagegen zur freien Jugendorgani- sation. Jetzt träfe der Sohn des Arbeiters gele- gentlich mit den früheren Schulkameraden, die andere Wege gegangen seien, zusammen. Da hörte er, dag die anderen in der freien Zeit vieles ebenso machten, wie er. Sie gingen in das Jugend- heim, wo Zeitungen und Zeitschriften auslägen, wo Gesellschaftsspiele zur Verfügung ständen, wo gesungen und gescherzt würde. Des Sonntags seien sie auch auf dem Spielplatz und wanderten eben- falls mit anderen Freunden in die Natur. Da wäre dem Arbeiterkind vielleicht schon der Ee- danke gekommen: warum mug das alles getrenntsein, das Jugendheim, das Spielen und Wandern.*__ „Diese Fragen hätten ihre Berechtigung. Es brauchte in der Tat nicht zu sein, dag auf allen Gebieten der Jugendbewe- gung solche scharfe Trennung auf- rechterhalten wird," sagt Heinrich Schulz. Wenn von der Gemeinde Jugendheime, Spiel- Plätze und Turnhallen eingerichtet würden, so könnte man sich daran beteiligen, wenn es dort unparteiisch zugehe.... w So steht es gedruckt in der„Arbeiter-Jugend, schwarz auf weist. Und der Jugendliche ftagt denn auch ganz selbstverständlich:„Ist dann die eigene Jugendbewegung nicht überflüssig. Wir ant- Worten:„Ja. die Jugendbewegung der abhängige,!„Arbeite r- I u g e n d ist überflüssig, denn sie unterscheidet sich in nichts von der bürgerlichen Bewegung. � Sre will auch nur Jugendheime, in denen man Eeimlschafts- spiele spielen kann, in denen zum Zeitvertreib ge- sungen und gescherzt wird; �£ � � spielen und wandern wie die Bürgerlichen. Cie wollen die Gegensätze, die nun einmal im kapita- listischen Staate bestehen, verwischen. Ihre Sehnsucht ist, dast die Kinder der Besitzenden mit den Arbeiterkindern zusammenwandern. Das vollzieht sich übrigens wie man weist nur so„ dast m oer Jugendkompagnie die elfteren die Unteroffiziere und die Arbeiterkinder die Untergebenen fpftlen. Gegensätze, die ihre wirtschaftlichen und sozialen Ursachen haben, die sich in den verschiedensten fY i- luen, in der Schulbildung, in der Kleidung u>w., duMs ganze Leben ziehen, die glaubt man, be- seitigen zu können. Sie wollen noch mehr. Die- selbe Jugendpflege, dieselbe Bevormundung der bürgerlichen Jugendvereine, die den' Erwachsenen in der abhängigen Jugendbewegung so Wesens- verwandt ist, kann in Gemeinsamkeit noch ratio- neller betrieben werden..Sie wollen die unmün- dige Jugend bis zur Militärzeit„erziehen", wie man kleine Kinder bemuttert. Das läßt sich mit besonders angestellten Jugendpslegern allerdings vortrefflich machen. Schulz will sich dabei auch der neuen Jugendämter bedienen. Auf diese neue Gefahr für die proletarische Jugendbewe- gung hatten wir schon letzthin hingewiesen. Aber die Abhängigen sehen keine Gefahr. Nein, die gemeinsame Arbeit mit dem Bürgertum mit Hilfe der Jugendämter ist die Verwirklichung ihrer Träume. Es zeigt sich an diesen Proben, dast die Ziele der abhängigen Jugendbewegung zur bürgerlichen paffen, wie die bunte Uniform zum Jungdeutsch- landbund. Darum können wir auch nicht einsehen, dast noch eine eigene abhängige Jugendbewegung notwendig ist. Man wendet dort ein: Für be- sondere Vorträge über den Sozialismus und ähn- liches. Wir meinen, der Sozialismus, der dort von Schulz und anderen gelehrt wird, könnte eben- sogut von einem evangelischen Pastor vertreten werden, und dann Hütte man doch den Vorteil, dast auch die bürgerliche Jugend davon profitiert.... Innerlich war die abhängige Jugendbewe- gung schon längst mit der bürgerlichen verbunden, jetzt soll das auch äusterlich in die Erscheinung treten. Leichter verständlich wird dieser Entwick- lungsprozeß, wenn man die Dinge im Zusammen- hang betrachtet mit dem ganzen gesellschaftlichen Leben der Kriegszeit. Dieselben abhängigen Führer der Jugendbewegung haben seit Jahren im politischen Leben nicht nur den Kampf aufge- geben, sondern sich mit dem Bürgertum verbunden, weil man in dem Wahne lebt, gemeinsame Jnter- effen zu haben. Diese Zusammenarbeit mit dem Bürgertum führte logischerweise auch zur Zu- sammenarbeit auf anderen Gebieten, so hier in der Jugendbewegung. Darum stehen heute die ab- hängigcn Führer nicht mehr im Kampf gegen die bürgerliche Jugendbewegung, sondern sie wirken in vollster Harmonie mit ihr. Aber sie haben die Rechnung ohne die arbei- tende Jugend gemacht. Die Jugend erkennt, dast es gemeinsame Jntereffen mit dem Bürgertum nicht geben kann. Darum wird sie sich auch nur der Jugendbewegung anschliehen, die den Kampf gegen die bürgerliche Jugendbewegung auf ihre Fahne geschrieben hat: der f r e i e n I u g e n d. _ psch. Wieder auf der richtigen Fahrte. Genosse W. E ch u st e r sendet uns aus Anlaß des Zusammenschlusses der Berliner oppositionellen Jugend solgende Ausführungen: � Der Weltkrieg hat die Lebensbedingungen der Ar- beiter nach vielen Richtungen hin verändert. So vor allem durch die vermehrte Hineinziehung der Frauen und besonders der Jugend in das Erwerbsleben. Die vor dem Kriege geschaffenen kläglichen Arbeiter- und Jugendschutzgesetze wurden von der Regierung ganz auto- matisch je nach Bedarf aufgehoben, so daß heut» Millio» nen jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen bei über» langer Arbeitszeit und in Tag- und Nachtschicht in der Kriegsindustrie tätig sind, um zum kargen Lebensunter- halt in der Familie beizutragen. Wenn sich der Schutz der Jugend seitens der Behörden schon früher nur aus Uebergriffe und Mißstände beschränkte, so fällt er heute vollständig fort. Die Lage der jugendlichen Arbeiter ist geradezu trostlos, weil der junge, in der Entwicklung begriffene Mensch infolge der aufregenden und an- strengenden Arbeit körperlich und geistig dahinsiecht. Das kapitalistische Wirtschaftssystem, unter dem wir leben, schreitet unbarmherzig über diese Bedenken hin- weg, es kennt nur die Vergrößerung des Celdsackes und richtet sich nicht nach den sozialen Bedürfnissen der Menschen. Hiergegen gibt es nur die Selbsthilfe: Zusammenschluß aller Unterdrückten und Kampf gegen dieses System. Die Jugend selbst ist zu schwach, um sich aus dieser Lage zu befreien. Sie kann es nur im Verem mit den erwachsznen Arbeitern, die sich in der gleichen Lage befinden. Es ist deshalb auch kein Zu- fall, wenn sich nicht nur die Jugend, sondern auch die erwachsene Arbeiterschaft in Organisationen zusammen- geschlossen hat, um das heutige Wirtschaftssystem zu be- seitigen. Im praktischen Tagestamps um die Ver- besserung der Lebensverhältnisse hat sich auch der einzelne erwachsene Arbeiter als zu schwach erwiesen. Aber der Zusammenschluß allein genügt noch nicht, um zum Ziele zu gelangen. Man muß die Macht der Organisationen auch anwenden. Endgültig würde die Arbeiterklasse zur Macht kommen durch Massepver- Weigerung der Arbeitskraft in. der kapitalistischen Ce- seuschaft und durch Uebernahnte aller Arbeirsmöglich« reiten(Fabriken usw.), sowie aller öffentlichen Aemter. Dies ist ein schwieriger, aber der einzig richtige Weg, weil durch gütiges Zureden bei Unternehmern und Regierung die Lage der Arbeiter noch nie verbessert wurde. Hierüber wäre noch sehr viel zu sagen, allein der Rahmen dieses Aufsatzes gestattet es nicht. Ueber diesen Kampf der Arbeiterorganisationen ist besonders seit Kriegsausbruch ein heftiger Streit in der Arbeiter- und Jugendbewegung entstanden. Zwei Richtun- gen kämpfen in der Hauvtsache miteinander. Die eine will den Interessen der Arbeiter dienen, wenn sie durch Verhandlungen mit der Regierung und den Unternehmern kleine Verbesserungen erreicht, um so schrittweise zum Ziele zu gelangen. Im übrigen will sie zur Verteihi- gung des Landes hinter ihrer Regierung stehen, sowie jeden Kampf, weil nationale Schwächung, einstellen. Die andere Richtung hält diesen Weg für falsch, denn die Geschichte der sozialen Kämpfe der Arbeiterklasse hat leine Erfolglosigkeit längst bewiesen. Die Arbeiter- schaft verliert ourch diese Kompromrßpolitik ihre eigent- lichen Ziele aus den Äugen. Sie wird auch durch die scheinbare Befriedigung ihrer Wünsche immer wieder erneut an die heutige Wirtschaftsordnung gekettet und durch Beteiligung an der„nationalen Verteidigung" deni profitjagenden Imperialismus dienstbar gemacht. Die internationale Verbrüderung der Völker aber wird vernachlässigt. Des ferneren wird auf den entscheidenden Kampf um den Sozialismus und die Beseitigung des herrschenden Wirtschaftssystems verzichtet. Diese andere Richtung will deshalb den internationalen Kampf gegen Krieg und Kapital, weil nur durch eine radikale Lösung der sozialen Frage der Slrbeiterschaft geholfen werden kann. Aus diesem Streit um Weg und Ziel ist nun die Spaltung in der Arbeiterbewegung entstanden, wobei besonders die Jugend bahnbrechend voranging. Uns interessiert hierbei besanders die Jugendbewegung. (Schluß folgt.) Kommt ins Ing-udheim! Des abends, wenn unsere Jugend ihr schweres Tagwerk vollendet hat, wenn sie ermüder heimkehrt vom Lärm der Fabrilen, vom Hämmern und Pochen der Maschinen, da endlich kann sie aufatmen. Nur wenige Stunden der Freiheit sind ihr vergönnt, nur eine kurze Zeit darf sie frei denken und tun, was sie will. Aver auch diese wenige Zeit ist nicht der Erholung und Freude bestimmt. Der Kamps ums Dasein lürzt auch hier der Jugend ihre rade die jetzige Zeit sorgt dafür, daß auch im Kreise (echte.(Le- der Angehärlgen' die Freude nicht aufkomme?*Litm Der Vater ist fort, stündlich den Tod vor Augen. 3fede Nachricht von ihm bringt neue Sorgen. Die Mutter muß verdienen, den» es reicht nicht zum Leben. Sie muß nach aufreibender Arbeit die not- wendigste Nahrung herbeiholen. Die Nacht bleibt frei für sie, um in der Häuslichkeit zu schaffen. Da kann sie nicht mehr Zeit finden, um mit liebender und sorgender Hand ihren Kindem ves Abends ein freudevolles Heim zu bieten. Darum tritt jetzt mehr wie sonst die Notwendigkeit hervor, der Jugend die Gründe für dieses freudlose Dasein zum Bewußtsein zu bringen und die Freude und Erholung, nach der sie verlangt, in besonderen Heimen zu bieten. Sie findet alles reichlich in unseren Arbeiter- jugendheimen. Dort/ finden sich auch die jungen Burschen und Mädchen mit ihren Werskame- raden zusammen, um sich gegenseitig ihr Herz aus- zuschütten. Dort können sie sich aussprechen und über die Not der Zeit, über ihre Ursachen und Wir» kungen diskutieren. Sie hörten ja in der Fabrik von ihren älteren Kameraden so manches Wort über die heutigen Zustände, das auch ihr Denken angeregt hat. Und hier im Kreise von Gleichgesinnten kann man sich über all dies klar werden, denn man will sich selbst ein Urteil bilden. Hier im Jugendheim finden aber auch diejenigen ihren Platz, die in einem Buch Anregung und Belehrung finden wollen. Dort kön- nen sie in Ruhe und bei guten Büchern den?lbend verbringen. Und die jüngsten, die in dieser schweren Zeit immer noch Zrfi und Lust zu« Spiele« ftuven. die kö»«c« eS tun. J«»e»dheime befinden sich w; «•Clin, Brunnenstraße 57, H. Part.(Geöffnet: Wochentags 7-10 Uhr abends, Sonntags 6 bis 10 Uhr abendS.) Berlin. Königsbergerstr. 7, vom I.(Wochentags 6 bis K lO, Sonntaas 7—10 Uhr,) Roinickeusorf., Amcndcstr. 79, vorn Part.(Dienstags und DonuerZtagS 7—�10 Uhr, Sonntags 4— K 10 Uhr.) Lichtenberg, Dossestr. 2. vorn.(Dienstags und Frei- tagS abends.) Friedrichshagen, Scharnweberpr. 59. Hof geradezu. Mittwochs und Sonnabends S— 10 Sonntaas 7-10 Utjr) Mariendorf, Ningstr. 83, vom Part.(Mittwochs und Sonnabends 8—10, Sonntags 5—10 Uhr.) Worte von Goethe. Denken und Tun, Tun und Denken, das ist die Summe aller Weisheit, von jeher anerkannt, von jeher geübt, nicht eingesehen von einem jeden. Beides muß wie Aus- und Einatmen sich im Leben ewig fort hin und wieder bewegen. Wer sich zum Gesetz macht, was einem jeden Neugebornen der Genius des Menschen» Verstandes heimlich ins Ohr flüstert, das Tun am Denken, das Denken am Tun zu prüfen, der kann nicht irren. und irrt er. so wird er sich bald auf den rechten Weg zurückfinden. Kram Wshews an die SstfcheWiki. Der in der„PrawÄa" veröffentlichte offene Brief des Eenogen Mehring ist von der I. K. zurü«iiiberfetzt und vsröGentlicht worden. Jetzt Liegt der Wortlaut des Briefes nach feinem ursprünglichen deutschen Ent- wurf vor. Da er bei den Diskussionen in der Partei eine Rolle spielt und verschiedene Erklärungen zur Folge gehabt hat, drucken wir denselben vollinhaltlich ab. Er lautet: „Ee ehrte Genossen! Es mag anmagend erscheinen, wenn ich, ein einzelner Ihrer deutschen Gesinnungsgenossen, den russischen Käme- raden brüderliche Grütze und herzliche Glückwünsche sende. Aber in Wahrheit schreibe ich Ihnen doch nicht als Einzelner, fondern als Acltester der Gruppe Inter- nationale, der Spartakusleute, derjenigen sozialdemo- kratischen Richtung in Deutschland, die seit vier Jahren unter den schwierigsten Umständen, aus demselben Boden, mit derselben Taktik kämpft, wie sie von Euch ange- wandt worden, ehe die glorreiche Revolution Eure ange- strengungen mit dem Siege gekrönt hat. Mit neidlosem Stolz empfinden wir den Sieg der Bolschewiki als unseren Sieg, und wir würden uns freudig zu Euch be- kennen, wenn unsere Reihen nicht arg gelichtet wären und viele von uns— und wahrlich nicht die Schlech- testen— hinter den Mauern des Gefängnisses schwach- teten, wie die Genossin Rosa Luxemburg, oder hinter den Mauern des Zuchthauses, wie der Genosse Karl Lieb- knecht. Könnte ich wenigstens bessere Kunde von dem Leben innerhalb der deutschen Arbeiterwelt senden! Aber der Regierungssozialismus fritzt noch immer wie ein Oelfleck um sich, so sehr er moralisch und politisch abgewirtschaftet haben mag und täglich mehr abwirtschaftet. Es ist noch das wenigste, datz er, unter dem Schutze des Belage- rungszustandes, durch allerhand schäbige Kniffe und Pfiffe, nahezu sämtliche Arbeiterblätter an sich gerissen hat, und täglich durch hundert Röhren sein Gift und seinen Schmutz in die proletarischen Massen gießen kann. Ungleich bedenklicher ist, daß diese Massen dem Regie- rungsfozwlismus ein Entgegenkommen zeigen, das ihm nun schon in drei Wahlschlochten ermöglicht hat, die Unabhängige Sozialdemokratie aufs Haupt zu schlagen. Zwar bei der ersten dieser Wahlschlachtcn, die nun schon um Jahr und Tag zurückliegt, ließen sich die Dinge uoch zur Rot erNären. Ed handelte stch um den Wahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland, den Karl Liebknecht 1912 zum ersten Male und auch nur durch eine Zufallsmehrheit, erobert hatte, datz sich nun bei der Ersatzwahl alle bürgerlichen Parteien dem Regierungs- sozialismus vorspannten, um die Wahl eines„Lieb- knechtianers" von der preußischen Residenzstadt Potsdam abzuwenden, war begreiflich und eher eine Schande, als ein Triumph für die Regierungssozialisten. Jedoch anders lag die Sache in den Wahlkreisen Riederbarnim und Zwickau-Erimmitschau, in denen kürzlich Ersatz- wählen für die verstorbenen Abgeordneten Stadthagen und Stolle stattfanden, zwei Mitglieder der Unabhän- gigen Sozialdemokratie. Beide Wahlkreise gehören zum ältesten Besitze der Partei, sie waren immer radikal vertreten, und in beiden stellten die bürgerlichen Par- teien eigene Kandidaten auf, so daß die Entscheidung allein zwischen den Regierungssozialisten und llnabbän- gigen tag. Gleichwohl siegten die Regierungssozialisten spielend, was auf der Gegenseite begreiflicherweise einen niederziehenden Eindruck machte. Gewiß darf man dabei nicht übersehen, daß mit sehr ungleichen Waffen gekämpft wurde. Den Unabhängigen fehlte Preß- und Versammlungsfreiheit, fehlte' jede wirksame Waffe der Wahlagitation, während die Re- gierungssozialisten mit alledem reichlich versehen waren. Aber wie gewichtig man diesen Unterschied einschätzen mag, so reicht er doch nicht entfernt aus, um die Schwere der Niederlage zu erklären: unter dem Sozialistengesetz sind unter ebenso ungünstigen oder noch ungünstigeren Umständen oft genug sozialdemokratische Siege erfochten worden. Die wirkliche Ursache des Usbels liegt tiefer: sie hat sich in diesen Wahlen nur offenbart, wie vorher schon in manchen Anzeichen: der Unabbän.gigen Sozial- demokratie fehlt es an der Stoß- und Werhekra?t. deren es bedarf, um Arbeitermassen um sich zu scharen und fortzureißen. Als Personen darf man ihren Mitgliedern nichts Uebles nachsagen: es sind sehr tüchtige Kräfte darunter und die alle wollen gewiß das Beste. Aber als Partei sind sie unter keinem günstigen Stern geboren. Sie haben sich viel zu spät und viel zu zögernd von dem Regierungssozialismus getrennt, an dessen Sünden sie allzulange teilgenommen haben: sie haben sich auck aar nicht auf Grund einer gemeinsamen und klaren Ueber- zeugung zusammengetan, sondern in vielen und darunter auch wichtigen Fragen geben ihre Ansichten auseinander: was sie verbindet, ist nicht die Parole: Vorwärts, son- dern die Parole: Zurück! Sie wollen ihre alle deutsche Sozialdemokratie wieder haben, wie sie bis zum �l. August 1914 war Sie wollen zurück zur„alten bewährten Taktik" mit den„glänzen- den Siegen" von Reichstaaswahl zu Reichstagswahl und den siegreichen Schlachten gegen den„Revisionis- mus" von Parteitag zu Parteitag. Dieses eiaentüm- liche Ziel der Ilnabhängigen Sozialdemokratie ist aber nichts als eine Utopie, und eine reaktionäre dazu. Sie will einen Leichnam ausgraben und zu neuem Leben schminken. Die ehemalige deutsche Sozialdemokratie mit ihrer„alten bewährten Taktik" ruht unter den zer- malmenden Rädern des kapitalistischen Triumphwagens. Sie existiert nicht mehr: es gibt nur noch eine deutsche Sozialdemokratie, wie sie im August 1!)14 geworden ist. Dieser Sehnsucht der Unabhängigen Sozialdemo- traten nach einer Vergangenheit, die niemals wieder- kehren wird, entspricht ihre völlige Blindheit für die treibenden Kräfte der Gegenwart. Den Schmerz über die Niederlage in Riederbarnim versüßten sie sich durch eine heftige Fehde gegen die Bolschewiki, die in ihrer Presse der Menschewiki A. Stein und neben oder viel- mehr über ihm der große Theoretiker K. Kautskp führ- ten. Eine wahrhaft antike Heldentat und ein staats- tEssrnftscher Tiefstau. Lber den sich Marx, Kante er es erfaheen, dreimal tm Grabe umdrehen würde. Es ist überhaupt bezeichnend für die Partei, daß sie in Kautsky einen heiligen Propheten verehrt, obgleich sie minde- stene seit dem 4. August 1914 wissen mutz, daß dieser gelehrte Schulmeister auch nicht über die leiseste Spur von Marxens revolutionärem Geiste verfügt. Aus alledem ergibt sich, daß die Unabhängige Sozial- demokratie keine S«ß- und Werbekraft in der deutschen Arbeiterklasse entfalten kann. Die Arbeiter wissen sehr genau, was die Solidarität ihrer Klasse für sie be- deutet: wenn sie sich mit einer Spaltung ihrer Partei befreunden sollen, so wollen sie wissen, wofür sie diesen in ihren Augen hohen uijd mit Recht hohen Preis zahlen. Mit einer reaktionären Utopie ist ihnen dann nicht gedient, selbst wenn diese Utopie zu verwirklichen wäre,> stände man nicht am Ende der Krise, sondern immer erst an ihrem Anfange. Denn der Krach vom 4. August 1314 ist nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel gefallen, sondern er war die Folge eines langen Siechtums, das trotz aller glänzenden Außenseiten an der Partei zehrte, und ihre Wiederherstellung in den dama- ligen Stand der Dinge würde nur die Wiederherstellung dieses Siechtums sein. Gewiß kann sich die Unabhängige Sozialdemokratie darauf berufen, daß sie die Spaltung nicht gewollt hat, sondern halb mit Gewalt aus der Partei gedrängt worden ist, aber es ist die Folge ihrer unentschiedenen und zwieschlächtigen Politik, daß die Massen ihnen den Rücken kehren, weil sie in ihnen die Urheberin einer Parteizerissenheit sehen, die weder einen rechten Zweck noch ein rechtes Ziel hat. In der Tat— was ist damit gewonnen, wenn die Regierungssozia- listen sagen: Wir bewilligen die Kriegskredite, aber beileibe nicht aus prinzipiellen Gründen, und wenn die Unabhängigen sagen: Wir verweigern die Kricgskredite, aber beileibe nicht aus prinzipiellen Gründen. Das Ja wie das Rein entspringt doch demselben Wunsche, den Pelz des Bären zu waschen ohne ihn naß zu machen. Soweit die Ersatzwahlen einen Schluß zulassen, kann die Unabhängige Sozialdemokratie von den 28 Reichs- iagsmandaten, über die sie vor Jahr und Tag verfügt? höchstens noch auf 2 oder 3 mit Sicherheit rechnen. Das wäre an sich noch kein Unglück, aber da sie„gemäß der alten bewährten Taktik" vorwiegend eine parlamen- tarische Partei ist, so ist es doch ein unheimliches Vor- zeichen kommender Dinge. Schon der Selbsterhaltungs- trieb und, wie wir aufrichtig annehmen, auch ibr Pflichtgefühl wird sie um so mehr anspornen,„gemäß ihrer alten bewährten Taktik" zu kämpfen: nur wer sich einbildet, daß sie über die Grenzen dieser Taktik heraus einen Finger rühren wird, und sei es um die höchsten Güter der Menschheit, der huldigt einer Illusion, die ihm um so verhängnisvoller werden wird, je größer die Luftschlösser sind, die er auf diesem Flugsande erbaut. Im schroffsten Gegensatz zu der Unabhängigen Sozial- demokratie hat die Gruppe Internationale vom Beginn des Weltkrieges an allen Selbsttäuschungen den Lauf- paß gegeben und sich in ihren„Leitsätzen" und sonstigen prgrammatischen Kundgebungen niemals der Erkenntnis verschlossen, daß nach dem entsetzlichen Zusammenbruch des 4. August 1314 nur ein völliger Neubau der Inter- nationale möglich und nötig sei. Anfangs von allen Seiten angefeindet und verfolgt und nicht zum wenig- sten von den gegenwärtigen Häuptern der Unabhängigen — haben wir immer das Glück gehabt, offene Ohren Detitfchlants" iHarfe Angriffe gegen eir Briez", den ich in der russischen Presse einen„Offenen veröffentlicht habe. Ich will Sie nicht mit einer Verteidigung meines Artikels behelligen, nicht nur mit Rücksicht auf Ihren beschränkten Raum, sondern auch weil mein Artikel keiner Verteidigung bedarf, nachdem er die Wirkung, die er haben sollte, in umfassendstem Maße erzielt hat. Auch insoweit die Parteileitung nach einer uralten, aher'immer gleich kindlichen Methode die Richtigkeit meiner Kritik dadurch zu widerlegen sucht, datz sie die Person des Kritikers schlecht macht, finde ich keinen Anlaß zur Erwiderung, es sei denn, datz diese irre- führenden Behauptungen nach Rußland gelangen sollten, wo man die Verhältnisse nicht so genau kennt wie in Deutschland: dann wird es an einer deutlichen Antwort nicht fehlen. Nur in einem Punkte muß ich Sie bitten, mir eine kurze Erklärung gegen die Angriffe der Parteileitung zu gestatten. Deren Urteil ist schon deshalb hinfällig, weil es auf einer ganz unzureichenden Kenntnis meines Artikels beruht. Die Ueberfetzung, auf die sich die Partei- leitung stützt, stamnit aus der I. K., also einem gegneri- schen Blatte, das allerdings selbst schon bei der Veröffent- lichung der Ueberfetzung auf deren nur bedingten Werk hin- wies. Meine Absicht, die deutsche Urschrift in einem süd- deutschen Blatte zu veröffentlichen, scheiterte an Umständen, die zu ändern nicht in meiner Mackt steht, und mein der Parteileitung gemachtes Anerbieten, ihr mein Manuskript zuzustellen, sobald ich es aus Stuttgart zu- rllckerhalten hätte, wurde keiner Antwort gewürdigt. Die Parteileitung zog es vor. um in ihren eigenen Worten zu sprechen, die Gefahr zu laufen,„aus einer cventl. unrichtigen Uebersetzung falsche Schlüsse zu ziehen", und dieser Gefahr ist sie denn auch reichlich unterlegen. Ich würde mich in- dessen auch darüber bei der geringen Bedeutung, die ihre Angriffe für mich haben, nicht weiter beschweren, aber ich hätte allerdings gewünscht, daß die Parteileitung bei der Vernichtung meines Artikels einen ähnlichen Vorbehalt wegen der Richtigkeit der Uebersetzung ge- macht hätte, wie die I. K. bei der bloßen Veröffent- lichung. Ocffentlich Donnerkeile zu schmieden, mit dem ge- Heimen Bewußtsein,„aus einer evtl. unrichtigen Ueber- sctzung falsche Schlüsse zu ziehen", scheint mir eine neue, aber nicht empfehlenswerte Sitte des literarischen Ver- kehrs zu sein, gegen die ich als ihr erstes Opfer immer- hin einen bescheidenen Protest einlegen möchte. Steglitz-Berlin, 7. Juli 1318. Mit Parteigruß Franz Mehring. Hieraus antwortete die Parteileitung: .'Die Parteileitung der Unabhängigen Sozialdemo- kratischen Partei hat nicht die Absicht, eine Polemik mit dem Genossen Mehring zu führen oder gar„seine Person schlecht zu machen". Sie erfüllt lediglich ihre Pilicht, wenn sie in die Welt gesetzte falsche Behauptungen in ruhiger, sachlicher Weise richtig stellt. So hat sie es auch gehalten, als sie zu ihrer Uebcrraschung durch ein gegnerisches Blatt,- die I. K., Kenntnis von dem offenen Schreiben Meh- rings an die„Prawda" erhielt. Die Behauptung des Genossen Mehring, daß das Urteil der Parteileitung auf einer ganz unzureichenden Kenntnis seines Artikels beruhe, ilt durchaus unrichtig. und Herzen bei den Arbeitern zu finden und denselben Aus dem Text der„Prawda", dessen Uebersetzung wir .. i CT? Srt** C�rt*»rT,4a___ r•<__ cy*: Jix; �: j. ti___.. �____" r___<_ rr_____<. � Opfermut, den einst ihre Väter unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes bewiesen haben. Nur in einem haben wir uns getäuscht: nämlich als wir uns nach der Gründung der Unabhängigen— selbstverständlich unter Wahrung unseres selbständigen Standpunktes— ihr orga- nisatorifch anschlössen, in der Hoffnung, sie vorwärts treiben zu können. Diese Hoffnung haben wir aufgeben müssen: alle Anläufe dieser Art scheiterten daran, daß unsere besten und erprobtesten Leute von Führern der Unabhängigen als Lockspitzel verdächtigt wurden, was auch ein liebes Erbteil der„alten bewährten Taktik" ist. Darüber könnte man schließlich die Achseln zucken. aber was unseren Leuten den Geduldfaden gerissen hat, ssas ist der sinnlose Kampf, den Kautsky und Kompagnie gegen die Bolschewiki führen. Wir begreifen den zit- ternden Unwillen dieses Denkers darüber, daß die Bol- schewiki soweit die Grenzen der„alten bewährten Taktik" überschritten haben, aber man konnte einen Schimmer Hoffnung hegen, daß er aus seinem Marx, den er nach seiner eigenen Angabe auswendig kennt und. ganz gewiß wortgetreu herzistagen vermag, gelernt haben würde, es schicke sich nicht für Leute, die ruhig und sicher im Aus- lande säßen, zur Freude der Bourqeoisie und der Regie- rnngen die Stellung revolutionärer Kämpfer zu er- schweren, die unter den schwierigsten Verhältnissen und großen persönlichen Opfern wirken. Indessen hat es nicht sollen sein und so gebe ich mit diesem Schreiben gern dem Wunsche nach, der aus den Kreisen der Gruppe Internationale in der letzten Zeit wieder und wieder an mich herangetreten ist: Dem Wunsche, den russischen Freunden und Gesinnungsgenossen zu sagen, daß wird uns durch alle Bande lcidenschaft- licher und tiefer Sympathie mit ihnen verknüpft fühlen, und daß wir in ihnen— und nicht etwa in den Ge- spcnstern der„alten bewährten Taktik"— die kraftvollen Vorkämpfer der neuen Internationale bewundern, jener Internationale, von der es in unseren Leitsätzen heißt:„Das Vaterland der Proletarier, dessen Verteidi- gung alles andere untergeordnet werden muß, ist die sozialistische Internationale". Mit Gruß und Handschlag Euer Franz Mehring. Berlin, 3. Juni 1318." » Auf die auch von uns bereits veröffentlichte Abwehr der Parteileitung veröffentlicht Genosse Mehring fol- gende Erklärung. In Nr. 153 der„Leipziger Volkszeitung" richtet die „Parteileitung der Unabhängigen Sozialdemokratie auf ihre Richtigkeit haben nachprüfen lassen, geht her- vor, daß die unserer Erklärung zugrunde gelegten Stellen sinngemäß richtig wiedergegeben sind. Die I. K. hat auch ihrerseits nicht einen Vorbehalt wegen der Nichtigkeit der Uebersetzung gemacht. Genosse Mehring irrt in dieser Beziehung. Die I. K. hat viel- mehr ausdrücklich die Richtigkeit ihrer Uebersetzung betont, die in der Tat. wie wir uns aus der„Prawda" überzeugt haben, sinngetreu ist. Die I. K. hat lediglich den selbstverständlichen Vorbehalt gemacht, daß bei der Uebertragung aus dem Russischen der Stil Mehrings nicht wiedergegeben werden könne. Genosse Mehring ist auch im Irrtum befangen, wenn er erklärt, daß sein der Parteileikmig gemachtes Aner- bieten, ihr seine Manuskripte zuzustellen, keiner Ant- wort gewürdigt sei. Wir sind dem Genossen Mehring keine Antwort schuldig geblieben. Nachdem er es nicht für nötig befunden hatte, aus eigenem Antriebe uns eine Abschrift seines Manuskripts zu senden, haben wir ihn darum ersucht. Darauf hat er uns am 28. Juni er. die Zusendung„binnen einiger Tage, spätestens in nächster Woche" zugesagt. Bis heilte haben wir jedoch da? Manuskript nicht erhalten. Wollten wir nicht die Parteigenossen des In- und Auslandes, die eine Erwiderung auf die Angriffe Meh- rings erwarteten, in den Glauben versetzen, daß diese Angriffe unwiderlegbar seien, so mußten wir die „Prawda" für unsere Antwort benutzen. Das war um so mehr unser Recht, als das, was in der Prawda" stand, eine Widerlegung erforderte. Das Zentralkomitee der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei." LuckcIt'UQlLes'ei SO 16, Köpenicker Strasse 36/38. Anfertigung von: Zeitschriften— Statuten— Quitfungsrnarken— Billets— Mitgliedsbüchern— Programmen sowie sämtlichen Drucksachen. Redaktionsschluß: Jeden Pienstag Abend. Verantw. Redakteur: C. Leid; Verleger: A. Hoffmanu; . beide Berlin O. 27, Schicklerstraße 5. Druck: Maurer& Diuunick. Berilm, SopeutckerStr.2l>2S.