■ Aus der Internationale. Helbstv»fi«nung In Frankreich.. Die sozialiMch? Partei Frankreichs hat bis in die jüngste Zeit in ihrer erdrückenden Mehrheit hinter der Kriegspolitik ihrer verschiedenen Re- gierungen gestanden. Erst seit Clemenceau Mi- Nisterpräsident ist, hat man von einer Unterstützung der gegenwärtigen Regierung abgesehen, zu einer entschiedenen Abkehr von der imperialistischen Po- litik hatte man sich aber nicht entscheiden können. Eewitz konnten die französischen Sozialisten sich für ihre Haltung auf eine ganze Anzahl von Gründen berufen, die den deutschen Regierungssozialisten zur Begründung ihrer Hilfsdienste für den deut- schen Imperialismus nicht zur Verfügung stehen, aber mit den Forderungen des internationalen Sozialismus war auch die französische Partei- Politik nicht zu vereinbaren. Im letzten Jahre ist auch hier eine Wandlung eingetreten. Die kleine Gruppe der französischen Zimmerwalder hat zwar seit drei Jahren tapfer den Kampf für die neue proletarische Internationale geführt, konnte aber im Parlamente wenig Geltung erlangen. Die Wirkungen von vier Kriegsjahren sind aber an den werktätigen Massen Frankreichs nicht spurlos vor- übergegangen. Der vor einigen Wochen ftattge- fundene Kongreß der französischen Gewerkschaften hat gezeigt, wie sehr die politisch und ökonomisch geschulten Arbeiter Frankreichs sich dem Zimmerwalder Gedanken genähert haben. Auch die Partei hat sich gegen den Stimmungswechsel in den Massen nicht verschließen können. Die Dagung des letzten Ratlonalrates der Partei, Ende Juli, hat bewiesen, daß die bisherige Mehrheit der er- klärten Sozialpatrioten und.Jusgu'au boutisten (Durchhalter) zu einer Minderheit geworden ist, und daß die bisher äußerst zahme Opposition unter Longuets Führung sich sehr stark radikalisiert hat und zur Mehrheit geworden ist. Der Gegensatz zwischen den Richtungen inner- halb der französischen Partei hat sich in den letzten Monaten immer mehr verschärft. Zu einer organi- satorischen Spaltung hat man es aber nicht kom- men lassen, selbst den Zimmerwaldcrn hat man die Zugehörigkeit zur Partei nicht streitig gemacht. Den rabiaten Kriegssozialiften ging aber in der letzten Zeit der Zug zu sehr nach links. Ihre Frak- tionsvertreter schlössen sich zu einer besonderen Gruppe von 41 Mann, zusammen, die sich auch eine besondere Zeitung,„ba France libre"(Das freie Frankreich), zulegte. Ihr gehören Männer wie Renaudel, Thomas, Compöre-Morel usw. an. Diese Gruppe hat auf der Tagung des Rationelrate? eine schwere Niederlage erlitten. Beachtenswert ist, daß die radikalere Richtung siegte in einer Zeit, in der die Entente gewisse militärische Erfolge ver- zeichnen konnte, daß sich aber die Mehrzahl der französischen Sozialisten nicht von Siegestaumel und Rachegier hinreißen ließ. Ueber die Auffassung der gegenwärtigen Mehr- heit in der französischen Partei gibt die nach- stehende Resolution Longuet Aufschluß, die die meisten Stimmen auf sich vereinigt hat. Sie lautet: „An der Schwelle des fünften Kriegsiahres er- innert der Nationalrat daran, daß die sozialistische Partei in jeder ihrer Erklärungen seit August 1914 sich dazu entschlossen erklärt hat, die nationale Verteidigung vollständig zu sichern. Trotz aller imperialistischen Gemeinplätze, Schwäche anwandlunaen und Irrtümer der Regierung erneuert er die B 5 k rDf t i g u n g seines e i n m ü t i- gen Wunsrfrcs, d i e klaren E n t s ch e i- düngen nicht auszugeben, die er zu die- fem Geoenstand in allen seinen Sitzungen gefällt hat. Er ist aber verpflichtet, in dieser Stunde aus- zusprechen, daß die politischen, diplomatischen und mililärischcn Fehler, die von den Regierungen ge- häuft wurden, für Vaterland und Menschheit ver- derblick gewesen sind. Die Regierung, die sich geweigert hat, freie Ausreise nach Stockholm zu gestatten, ist dieselbe, die zu Beginn 1917 Friedensvorschläge, die einer ernsten Prüfung wert waren, zurückgewiesen hat. Und die- jenize, die jetzt die Macht hat und dein Befehl der schlimmsten Reaktionäre solgt, hat ihren inneren Un- tcrnehmungen gegen jede Freiheit, ihrer Kapitulation vor den Gönnern des Staatsstreichs, ihren Gewalt- streichen gegen die Arbeiterklasse nichts als eine schwere militärische Niederlage hin- zuzufügen vermocht. Nur um den Preis der furcht- barsten Opfer und dank der unver- gleichlichcn Tapferkeit unserer Sol- daten findet sie eine bloßstellende Lage wiederhergestellt. Der Nationalrat fordert von der französischen Regierung die Revision der Kriegszicle, den V e r- z i ch t auf imperialistische Absichten, eine klare und genau umschriebene Darstellung un- serer ltriegsziele auf den Grundlagen, die von der russischen Revolution und vom Präsidenten Wilson umschrieben sind, deren allgemeine Ideen über Krieg und Frieden ratifiziert sind von der Londoner Kon- ferenz vom 20. Februar 1913. an der die berufenen Vertreter aller sozialistischen und Arbeitcrorgani- sationcn der Entente teilnahmen. Besonders fordert der Nationalrat, daß von jetzt ab die Voraussetzun- gen eines Völkerbundes vorbereitet werden, nach den viichtlinicn und nach dem Geist, die in den Erllä- r ungen des Präsidenien der Vereinigten Staaten zum Ausdruck gekommen find. Er erinnert die Arbeiter daran, daß der end- gülcigc Friede nur durch die H e r r s eh a f t des Sozialismus gesichert werden kann, da die kapüalistbehe Gesellschaft in ihrem Wesen eine Herr- jcvast oer Unordnung, der Willkür und der Gewalt ist. Die sozialistische Partei erneuert ihr vollstän- diges und vorbchaltloics Bekenntnis zu dem Ge- dantcn des Zusammentritts eines i n t e r- nationalen Kongresses. Sie erklärt sich bereit, der Einladung der Ge- Nossen Hßysmans, Brauting und Troclstra zu folgen, die von der interalliierten llonferciiz in London be- austragt sind, diese Versammluiig zu organisieren. Der Nationalrat bekräftigt seinen Aillen, für die Arbeiter- und sozialistischen Organisationen die volle Freiheit der. nationalen und internationalen Aktion durchzusetzen. Nachdem die Ausstellung der Pässe durch die Handlungsweise der Netzierenden eine allgemeine ftrage der JnterallierteN geworden ist, bescluießt der dtationalrat im Einven:eemen mit den Arbeiter- und sozialistischen Organisationen de» Eitterneländer, alle Mittel anzuwenden, um die Ausstellung der Passe zu erreichen. Für seinen Teil beauftragt er seine Abqeord- neten, eine kräftige parlamentarische Aktion zu führen und selbst bis zur Verweiqe- rung der Kriegskredite zu gehen. Er leitet seine gaichc Unterstützung der Coufedcration Generale du Travail in der Anwendung ihrer Entschließung, die sie aus ihrem letzten Kongreß am 18. Juni 1913 gefaßt hat. Der Nationalrat erklärt, daß der Sozialismus unter keinen Umständen die Pläne der r u s s i- schen Konterrevolution begünstigen kann. Er erklärt, daß bei dem Zustand der äußersten Ver- wirrung, in dem sich jenes Land jetzt befindet, die aller- größte Umsicht notwendig ist. Er p r o t e st i e r t gegen jede Jnt-erveution der Alliierten, die gegen die russischen Sozialisten Partei nehmen und das Recht des russischen Voiles, sich nach eigenem Gutachten zu regieren, beeinträchtigen könnte. Für.jeden Fall macht er jede Jittervention von der einstimmigen Zustimmung des russischen Sozialis- mus abhängig, obne die diese Intervention den In- teressen Frankreichs zuwiderlausen würde. Der Nationalrat verzeichnet mit dem allergröß- tcn Bedauern die jüngste Kundgebung jener Frak- tionsnv.t'glicdcr, die entgcgeit den Ilarsten Entschci- düngen alter ncttionalen Sektionen des interallicrtcn Sozialisnius, gegenüber der amerikanischen Föderation der Arbeit eine oppositionelle Haltung zu jenen Ent- scheidungen eingenommen haben. Jeder Mitkämpfer jeder Richtung hat das Recht, seine Auffassunqen im Innern der Partei geltend zu machen, aber es ist nicht erträglich, daß Abgeordnete oder andere Genossen eine Politik treiben, die syste- Berlin, den 6. AllWst 1918. matisch Geist und Buchstaben der nationalen und internationalen Kongresse verletzt und entwertet. Der Nationalrat verurteilt eine solche Hallung und eriimcrt alle Genossen und Omamsationen an die jetzt mehr denn je gebieterische Notwendigkeit der Disziplin und der Einigkeit in der Aktron der so- zialistischen Partei." Bom Standpunkte des Sozialismus ist gewiß allerlei gegen die in der Resolution entwickelte Auffassung einzuwenden. Begrüßenswert ist aber. die Tatsache, daß die französischen Sozialisten jetzt nachdrücklicher das proletarische Klasseninteresse dem nationalen Interesse entgegenhalten und über den Kriegsvorteil der Entente stellen. Dadurch wird es den deutschen Regierungssozialisten immer schwerer, ihre Kriegspoliti! mit der Haltung ihrer Artgenossen im Ententelager zu rechtfertigen » �-e Ans der Arbeiterbewegnng der stchnselx. Auch die Schweizer Arbeiterschaft hat schwer unter den B irkungen des Weltkrieges zu leiden. Ihre Stint- mung ist mehr und mehr gereizter geworden. Das kam schon politisch vor Jahressrist zum Ausdruck in dem Sieg der radikalen Richtung innerhalb der Schweizer Sozialdemokratie. Die Partei hat vor längerer Zeit eine Kommission, das sogenannte Olte- ner Komitee, eingesetzt, das zu den Arbciterforö«rnn- gen und Tagesfragen Stellung zu nehmen und even- tuelle Aktionen vorzubereiten hätte. Vor kurzsm hat in Basel der Parteikongreß stattgefunden, auf dem das Oltener Komitee eine lange Liste von Forderun- gen vorgelegt hat, die dem Bundesrat übermittelt werden solle. Tic Forderungen lauten: Aushebung der Beschlüsse des Bundesrats be- treffend Einschränkung der VersammlungS-, Demonstratrons- und Pressefreiheit? Aufhebung des Beschlusses bevtr es- send Rückweisung fremder Deserteure? Errichtung eines eidgenössischen Ernährnngs- a m t e s mit einem Beirat, in dem die Arveiterschast ihrer Bedeutung und Stärke entsprechend vertrete« sein muß? Ausdehnung der Rationierung der Lebensmittel* und— bestimmte, vorgeschlagene— Maßnahmen einer gleichmäßigen Vertc�ung der Lebulsmittel und anderer nottvendiger Bcdarfsarttkel? Reduktion der Arbeitszeit durch Ver- ordnung deS Bundesrates? Errichtung von Lohnämtern mit der Befug- niS, dix Löhne regional und kantonal zu ordnen? Förderung des kommunalen und genojsenschaft- lichcn Wohnungsbaues durch finanzielle Unter- stützung des Bundes? Nachtenerungszulage und Einführung der acht- st lind igen Arbeitszeit in den eidgenösiischen Betrieben und Werkstätten. Ter Partcikongreß hat sich die Forderungen des Komitees zu eigen gemacht, in denen zum Schluß die Verhüngung des Generalstreikes angekündigt wird, falls die Regierung den Forderungen der Ar- beiterschaft nicht Rechnung trägt. Der Beschluß des Parteitages hat in der Schweiz große Erregung hervorgerufen, die sich zunächst in leb- haften Prcssecrörterungen Luft macht. Beachtenswert ist, daß die reaktionären Elemente der Schweiz, vor allem das Bauerntum, auch ihrerseits rüsten, um, wie es in einem bürgerlichen Schweizerblatte heißt, „scharfe Waffen tu den Kampf zu tragen". � i» � Ans der amerikanischen Partei. Wie der Pariser„Populaire" meldet, hat die sozialistische Partei in Amerika infolge eines Be- schlujses durch Referendum unter ihre» Mitgliedern des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlveretne Berlins und Umgegend. I« beziehen durch die BezirKsführe? die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post.— Redaktion u. Verlag: 0.27, Schicklerstr. 3. Fernruf: Alexander» 3007. Nr. 19. Berlin, den 11. August 1918. 13. Jahrgang. die OrMnisation des Partc'ivor'standcZ abgeändcrk. An Ttclle von 7 Mitgliedern umfaßt er jetzt deren 1ö Duz ganze Gebiet der Vereinigten Staaten ist in 5 Gebiete, von denen jedes 3 Delegierte ernennt, ein geteilt. Unter den Mitgliedern befinden sich der bekannte Führer Morris Hillquit, Shiplacoff, der im Parlamente eine so energische Rolle spielte,' Ber g c r, der große Agitator. Bezeichnend ist, daß 5 unter den Nengewählten gegenwärtig im Gefängnis oder in Voruntersuchung sind, und zwar wegen ihrer Oppo- sition gegen den Krieg oder wegen der Propaganda- delikte, die ans Grund der speziellen Kriegsgesetze be- straft werden. Die deutsche Frei!)eit.� (Justu s.) Ii. Me.dringendste Freiheitsforderung", die aus der deutschen Freiheitsidee.strömt", ist nun nach Metnecke folgende:„Freiheit für das deutsche Volk in der Welt, Atemraum, Lebensmöglichkeit neben den großen, zu Weltreichen sich zusammenballenden Fein desmächten."(Seite 29.) Also sind Tirpitz, Revent low, Heydebrand die wahren Apostel deutscher Frei- heit und Deutschlands. Rousseau nennt sich Strese- mann! Die nächstwichtigste Freiheitsförderung nennt Mctnccke die Abwehr des Versuches der Gegner, uns ihre„demokratische Freiheit aufzudrängen". Also die Freiheit von der Freiheit ist es, was Herr Meinecke nieint. Gut gebrüllt, Löwe! Ein artiger, dialek- tischer Scherzi Der Scharsblick Meineckes durchschaut auch den Präsidenten Wilson.„Die heutige demokra- tische Welt fordert von uns, daß wir oemokratlsch ioerden, damit wir harmlos und ungefährlich werden für sie. Das ist der cigent.iche reale Kern ihrer Ideologie, die, wie ich gar nicht leugnen will, zugleich von manchen unserer Feinde ganz ehrlich empfunden sein kann." Also heuchelt Wilson doch nicht? Will er wirtlich nur den deutschen Militarismus unge- fährlich machen oder treibt ihn die Sorge um die Dividenden der Stahltrusts? Doch nein: Mau will uns demokratisieren, um uns zu desorganisieren." (Seite 39.) Ungcfährlichkeit ist also Desorganisation. Uebrigens gibt Mcinecke gleich darauf zu,„daß in der Tat eine mächtige, unaufhaltsame Welle von De- " rtr rti Mt /Trt TTJ>■* V ♦ rt mokratie durch die Welt geht," er findet einige Worte gegen die Beherrschung Preußens durch Junkc und Korpsstudenten. Er will daher das preußische Wahlrecht demokratisieren, lehnt jedoch das parlamenta- rische System„bestimmt" ab und verlangt, daß die Krone die Regierung auch weiterhin„frei" ernenne» (Seite 3ö.) Also wieder eine der deutschen Frei- heiten: Die Freiheit der Krone! Das heißt llipp und klar: das Volk soll zwar abstimmen, wenn es ihni Vergnügen macht, aber die>en Stimmen deS Volles eine entscheidende Bedeutung zngestehen, nein! Warum verwirft aber unser Professor die Par- lamentsregierung?„Der Parlamentarismus ist die Verfassung des bürgerlich-kapitalistischen Klassenstaats." (Seite 36) Wohlgcmerkt, es sind nicht Lenin und Trotzki, die das verkünden, sondern Professor Mei- necke! Ja, Professor, Wilson ist ein arger Heuchler! „Das parlamentarische Regime entspricht auch nicht dem Interesse der deutschen Arbeiterschaft, denn Parteiregierungen sind eine sehr schlechte Bürgfchaft für gute Sozialpolitik und gerechte Steuerverteuuug. Ter soziale Gemeingeist, der in unserem Staate le- bendig werden und unser aller Freiheit sichern soll, verlangt eine andere Regierungsform als die des bürgerlichen Klassenstaats Wir haben sie in der sozialen Monarchie, wie sie sich bei uns nach der Reform der Parlamente entlvickeln wird." Meinecke ist also auch Prophet. Auf dieses Gebiet können wir ihm freilich nicht folgen. Aber ein Land fällt uns ein, das die ganze Menschheit mit Ausnaiime der Spezies„Homo germanicus Professoralis" für eine Demokratie hält: England. Nicht nur war England die Geburtsstätte des Arbttterschutzes und der So- zialrefornr, Jahrzehnte, bevor man in Preußen- Deutschland daran dachte. Die neuere englische So-- zialrefonn hat Gesetze von einer Kühnheit und Großzügigreit geschaffen, an die in Deutschland nichts heranreicht. Selbst die Leistungen der vielgerühmten deutscheu Sozialversicherungen sind in England weit überholt worden. Gibt es in Deutschland eine obli- gatorische Arbeitslosenversicherung, eine staatlich zen- tralisierte Arbcitsverinittlung, einen gesetzlichen Acht- stundentag im Kohlenbergbau, gesetzliche Minimal- löhne für Heimarbeiter und Kohlengraber, eine Ver- pflichtung zur Ausspeisung bedürftiger Schulkinder und zur Anstellung von Schulärzten und so manche andere Erfolge des Demagogen Lloyd George? Ja, es gibt in der sozialen Monarchie Preußen-Deutsch- land auch nur ein wirksames Koalttionsrecht? Für diese Gelehrten ist es auch durchaus charak- teristisch, wenn der Nationalökonom Scring(Seite 6g) die„furchtbare Verelendung der britischen Industrie- arbeiterschaft" der deutschen Arbeiterschaft, die er die „gesündeste und bestgesichcrte unter alten Industrie- staaten" nennt, cirtgegenstcllt. Vielleicht möchte doch einer seiner Schüler Herrn Scring auf das Statistische Jahrbuch des Deutschen Reiches, herausgegeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt, aufmerksam machen. Er würde dort finden, daß 1912 die Säuglingssterb- lichkeit in England 9,5 Proz. betrug, in Deutschland aber— trotz viel zahlreicherer landwirtschoftlichcr Bevölkerung!— 14,7 Proz., somit um 5 Prozent mehr' Im„verelendeten" Irland betrug sie sogar nur 8,6 Prozent. Auch die Sterblichkeit an Tuberkulose, die Selbstmorde usw. sind in England beträchtlich med- riger. Wie steht es ferner mit der von Meinecke ge- pnefenen„gerechten Steuerverteilung" in der Sozial- *) Aus dem„Karnpf". Monarchie? Wir haben die„Franksnrter Zeitung" vom 13. Februar 191? vor uns. Diese? Matt, das wohl nicht als Bolschewikiorgan angeschen werden kann, weist auf die überaus energische Erhöhung der Einkommensteuer in Enaland, die bei ganz gr»ßen Einkommen bis 41,5 Prozent steigt, hin, und sagt: „Das sind Ziffern, denen wir nichts Entsprechendes an die Seite zu stellen haben." Dagegen hebt die „Frankfurter Zeitung" den„großen Mangel unserer bisherigen finegsbestcuerung" hervor, nämlich:„daß sie die hohen Einkommen nur in einer sehr uneinhcit- lichen Weise durch die Einzelstaaten getroffen bat, daß die Kriegsgewinnsteuer das verschwendete Ein- kommen freiläßt und daß eine allgemeine, der Schwere des Augenblicks entsprechende Krieasbestcuerung des Bermögensstammes bis heute Überhaupt unter- blieben ist." Hören wir aber Meinecke weiter:„Wir verlangen von unserer auswärtigen Politik Stetigkeit und maß- volle Festigkeit und Freiheit von nationälistischen Leidenschaften. Wir vermissen diese Eigenschaften ganz und gar bei den parlamentarischen Regierungen unserer westlichen und südlichen Gegner.. Was nicht gerade Deutschland die Segnungen des„Zickzack- kurses", dessen Zusammenhang mit der Entstehung des Weltkrieges schon noch einmal zu beleuchten sein wird? Und ein Gegenstück zum Alldeutschium hat es nie und nirgends gegeben? an seiner Bestialität gemessen erscheint der Chauvinismus aller Völker zwerghast. Es paßt auch wunderbar zu der Freiheit von ilationalistischen Leidenschaften, wenn der berühmte Theologe Tröltsch die Friedensidc« ganz besonders cmss Korn nimmt. So eifert er gegen die„Welt- sriedensidee, in der die bisher Besitzenden sich ihren B e st a n d gegen den neuen Eindringling gegen- seilig garantieren wollen"(Seite 85) gegen die„pa- zifislische Verlrüppelung und Beraubung(!)(S. 89), er sieht im„ganzen welterlösenden Pazifismus" nur eine„Kontrolle und Schutzhcrrschajt der beiden angel- sächsischen Mächte über die Wett"(Seite 93). Wenn aber dieser Gottesgelehrte den„demokransch-pazi- sistischcn Jargon"(Seite 95) verhöhnt, so richtet sich sein Spctt auch gegen jenen, der die Sanftmütigen und die Friedfertigen selig gepriesen hat als Gottes- linder. Derselbe Tröltsch findet, daß Deutschland insbesondere auf religiösem Gebiete freier sei als Eng- land. Auch diese Freiheit dürfte aber eine„deutsche" Freiheil sein. Weder England noch Frankreich ken- nen die deutschen Zustände auf kirchlichem Gebiet. Nur in Deutschland-gibt es noch eine konfessionelle Staatsschule, die Erschwerung des Ncligionswechsels, ein kirchliches Rech: der Zwangsbefteuerung, Aus- fchluß von Dissidenten und Inden bei Beseyung von Äemtern und Ofsizierstellen, ja selbst die Voraus» etzung bestimmter Konsesston vor Zulassung zur Do- zentur und Professur. Jeder kirchliche Zwang ist aber ein Gradmesser religiöser Unfreiheit. Daß die deutsche Freiheit durch Polizei und Bürokratie einigermaßen eingeschränkt ist, wagen selbst die Herren Prosessoren nicht zu leugnen. Dafür bildet aber eines ihrer beliebtesten Schaustücke die angeb- liche Freiheit vom Zwang der Sitte, die den Eng- länder kneble. Auch Tröltsch spricht(Seite 99) von der„widerwärtigen puritanischen Prüderie und Kon- vention", von der„Tyrannei und Nnisormiiät der öffentlichen Meinung"— wenige Seiten später cnt- deckt er überraschenderweise:„Die vielgerühmte eng- tische Freiheit liegt vielmehr auf dem Gebiole des lersönlichcn Lebensstils."(Seite 99.) Und wenn Sertna den westlichen Demokratien Unterdrückung der Einzetpersönlichkeit vorwirft, so billigt Tröltfllj tzran- zosen und Engländern die„innere Sicherhett aller Formen, selbstbewußter Völler, fester gesellschaftlicher Sitte, uralter ethischer oder ästtuKscher Erziehung" (Seite 87) zu. Ja er gesteht selbst:„Auch ist das Erziehungsideal, mit dem die oberen Klaffen des heutigen Deutschland einen gewissen SM allerdings als vorläufigen Ersatz gewonnen haben, die Erzie- hung zur Forschheit und Schneidigkeit, zwar in einer 'olchen Lage der Emporkämpfung begründet, aber edcs tieferen Reizes und der gefestigten Würde bar. Es ist eine gewallsame und affektierte, äußerliche und übertriebene Form der Formlosigkeit, in der sich innere Unsreiheit und Mangel an Tradition verbirgt." (Seite 88.) Dies hindert aber garnicht, daß immer wieder anmaßend herausgestrichen wird, wie keines der großen Volker„dem deutschen an gelsttger Bildung und individueller Freiheit des Gelvisseus gleütz- kommt."(Seite?3.). � Ter gnindlegende Gegensatz zwischen der dcut- che« Freiheit und der Freiheit schlechtweg offenbart ich aber, wenn Tröltsch(Seite 94 und 95) die De- nokratie nicht vorwiegend als ein moralisches ondern technisches Problem auffaßt! Nicht weil lie Menschenwürde es fordert, sondern weil„der Staat den einzelnen guten Willen in Wehrpflicht, Selbstbildung und Wittschaft braucht." Der m o r a- tischen Forderung würde nach Tröltsch auch nicht deinokraiische Verfassung genügen, ja selbst für den modernen Großstaat räumt er die„Möglichkeit" eines tradiiionellen Absolutismus" ein. Rur weil sich die Menschen eben nicht ohne weiteres vom Staate „brauchen" lassen, muß man ihnen so etwas geben wie Demokratie. Einer solchen Auffassung muß na- türlich auch„Temokratie-Ersatz" genügen und hierin liegt auch das Geheimnis der„deutschen" Freiheit. Es fehlt bicv an Platz, die zahlreichen Unrichtig- ketten, Entstellungen und Fehlurteile zu beleuchten, die diese fünf Gelehrten auz ein paar Seiten anzu- Hause» imstande waren. Einige Blüten pflücken wir noch im Vorbeigehen aus dem Beitrag Professor Hintzes: Deutschland „kämpft für die Freiheit der Welt"(Seite 114). Deutschland wolle gar nicht als politischcv Macht- aktor in Betracht kommen— das große Kolonial- reich Deutschland müsse grundsätzlich gegen den Im- zerialtsmus. ja der Miticlpunk: aller Widerstände gegen den Imperialismus sein(Seite 133, 140, 151), n-emand in Teutschland denke an eiP eigentliche Einverleibung Belgiens, auch die sogenannten Annerio- nisten nicht(Seite 157), Rußland— das damals noch nicht zuiammengebrochen war— wird eine Aus- einandc netzung mit Oesterreich-Ungarn wegen der ukrainischen Frage angeboten, falls es sich den Mitt telmächim nähern wolle(Seile 159), wohl nach dein Muster Bütows,, der Italien durch Angebot österreichischer Gebiete zu ködern hoffte. Aber, wenn es für Deutschland keine clsäßisch-lothringijche Frage gibt, warum soll es sür uns Oesterreicher eine ulrar- nische Frage geben? Mit Bedauern kon.statiett seiner Hintze, daß der Stoß ins Genick, der gegen das britische Reich in diesem Krieg in Egypten hätte geführt werden können, mißlungen sec(Seite 166), doch tröstet er sich mit der Hoffnung aus die„Kon- junttur" eines neuen Weltkrieges, der zwischen Amerika und Japan ausbrechen wird. Wirklich„Konjunktur nennt dieser biedere Antiimpenalist die erfreuliche Aussicht!(Siehe Seite 166.) Die Schrift der fünf Gelehrten ist nun keines- wegs eine vereinzelte Erscheinung, sie ist vollkommen tvpisch für zahllofe Veröffentlichungen der deutschen Professoren, die den unbestritten herrschenden Geist widerspiegeln. Der Traum Klopstocks von einer deutschen Gelehrtenrepublik ist verflogen, das Andenken der Göttingcr Sieben ist verblaßt, aber das Wott bleibt, das schon vor Jahrzehnten auf die, deutschen Gelehrten gevrügt wurde: sie seien das wissenschast- liche Leibrc- ment der Hohenzollern. Dan der Aungersnot in Rußland. (Ein Brief Lenins an die Petrograder Arbeiter. Ende Mai.) (Schlug.) Die Lage des Landes ist ungeheuer krittsch, sie könnte nicht kritischer sein. Es gibt keinen Mtitelweg. Entweder gelingt es den Arbeitern, die ärmere Bevöllerung um sich sam- melnd, eine eiserne Disziplin, eine unerbittlich strenge Macht einzuführen, eine echte DUtatur des Prolcta- riats, der sich die Wucherer unterwerfen werden, wo- durch das Brot regelmäßig verteilt wird. Oder aber die Bourgeoisie wird mit den Spekrflanten vom Lande, von den charakterlosen Patteien, linken S. R. und Anarchisten unttrstützt, die Sowjetmacht stürzen, mit Hilfe eines russisch-deutschen oder russtsch-japa- nischen Korniloff, der den 16stündtgcn Arbeitstag einsührn wird, ein Achtel Pfund Brot wöchentlich geben und das Massensüsilieren wie in der Ukraine, in Finnland wird..... Wer sich in das politische Leben hineindenkt, kann nicht umhin einzusehen, daß die Menschewils und rechte S. Lt. darüber beraten, ob ein deutsch- russischer oder russisch-japanischer, ob ein gekrönter oder republikanischer Kornuojf die Revolution besser unterdrücken wird. Es ist Zeit, das» die Avantgarde der Arbeiter- klaffe sich zusammenrafft und einsiebt, daß eine jede versämme Minute das Land und die Revolution bedrohen. Mit halben Maßregeln kann nicht geholfen wer- den. Klagen werden zu nichts führen. Durch die Erhaschung von Brot und Heizmaterial für die ein« zclnc Fabrik, für den in Bettackst kommenden Be- trieb, wird den Wucherern nur ihr schmutziges Ge- schüft erleichtert, die Desorganisation nur vergrößert. Und gerade deshalb erlaube ich mir, mich an Euch, Arbeiter Petersburgs, zu wenden. Petersburg ist nicht ganz Rußland, die Petersburger Arbeiter sind nicht die Arbeiter ganz Rußlands, aber sie ge- hören zu den oesten, intelligentesten, klassenbewuß- testen, revoliititnärstcn, überzeugtesten, am wenigsten den leeren Phicascn oder den Einschüchterungen der Bourgeoisie zugänglich. Es ist schon manchesmal vorgekommen, daß in einein sür ein Volk kriüschcn Momente die Avantgarde einer vorwärtsschreitenden Klaffe die anderen mit sich gezgen, in den Massen die revolutionäre Begeisterung hervorrufend, die größten historischen Heldentaten begehend. Diese Avantgarde muß die Führung des„Kreuz- zuges" gegen die Gctrcidespekulanten übernehmen, sie mutz verstehen, daß in ihren Händen sich die Rettung d'eö Landes befindet, daß man von ihr ein nickt »linderes Heldentum verlangt, als im Januar und Oktober 1904 und im Februar 1917. Dusy große Kreuzzug muß unternommen werden gegen alle Wucherer, Spekulanten, gegen alle diejenigen, die die iSrganisation sprengen und die strengste Ordnung, die vom Staate durchgefühtt werden muß zwecks Versorgung der Bevölkerung mit Brot, Versorgung der nächsten Ernte, Verteilung des Heizmaterials, stören. Rur eine Massenbeteiligung der Avantgarde der Arbeiterklasse an diesen Krcuzzügen kann die Srina- tion reiten. Es handelt sich darum, daß 10 000 der klassenbewußten, energischen, kampsesfähigen Genossen den Millionen der nicht aufgeklärten armen Bevölle- rung die Lage klarmachen und, sich an die Spitze dieser Millionen stellend, unerbittlich gegen alle die- jenigen vorgehen, die von der Spckulationsmöglich- Icit verleitet, aus Kämpfern für die Sache des Vol- kes zu Räubern werden? solche Subjekte sollen fü- siliert werden. Dieser Krcuzzug muß in allen Tei- len des Landes von Arbeitern durchgefühtt werden, die der Revolution so ergeben sind, daß sie alle Schwierigkeiten desselben zu ettragen imstande sind, um überall die nötige Ordnung einzuführen, die lokalen Sowjets überall zu befestigen, in einem jeden One ein jedes Pud Brot oder Heizmaterial zu kontrollieren. Alles das auszuführen ist schwcrD als während einiger Tage Heldentum zu bekunden in der Erbe- bung gegen-einen Idioten und Tyrannen wie Ro- manow oder einen eitlen Geck wie Kcrcnski. Das Heldentum, das notwendig ist, um die Organisa- tionsarbeit in naiioiiWcm Maßstabs durchzuführen, Ist viel schwerer aste? auch viel größer als das Hel- dentum einer einmaligen Erhebung. Aber die Kraft der Arbei.erllasse bestand seit je in der Fähig.'eit und dem Bedürsniffc, der Wahrheit gerade ins Auge zu schauen und sie auszusprechen, in der nüchternen Erwägung der Kräfte im eigenen und fremden Lager. Die Revolution schreitet weiter vor sich, sie ent- wickelt sich, zur gleichen Zeit entwickeln sich die ihr gestellten Aufgaben, der Kampf gewinnt an Aus- dehnung und Tiefe. Die regelmäßige Verteilung von Wrot und Heizmaterial, die Jntenstsizierung der Er- zcugung desselben, eine strenge Kontrolle, alles das in nationalem Maßstabe, das ist der echte und wich- tigste Uebcrgang zum Sozialismus. Dabei handelt es sich nicht niehr um eine allgemein revolutionäre, sondern um eine kommunistische Aufgabe, bei der die ar- deitenden und notleidenden Klassen mit dem Kapita- lismus den endgültigen Kamps auszukämpfen haben. Für diesen Kampf ist es der Mühe wert, alle Kräfte anzustrengen, groß sind die Schwierigkeiten, die wir zu überwinden haben, aber groß sind auch die Aufgaben,— die Befreiung von Unterdrückung und Ausbeutung,— die wir zu lösen haben. Zu einer Zeit, in der das Volk hungert und die Arbeits- losigkcii immer grausamer wütet, wird ein jeder, der das kleinste Quantum Brot oder Heizmaterial ver- hehlt, zu einem der größten Verbrecher. Zu so einer Zeit— und in einer wirklich kom- munistischen Gesellschaft immer— ist ein jedes Pud Brot oder Heizmaterial ein wahres Heiligtum, ein unermeßlich höheres Heiligtum als alle die, durch welche die Psafsen den Dummköpfen den Kopf ver- drehen, indem sie ihnen das Himmelreich für die irdischen Leiden versprechen. Um aber dieses echte Heiligtum von alledem zu befreien, womit die Pfaf- sen es umgeben, mutz man praktisch sich dessen be- mächtigen, man mutz das ganze Land befreien von jeglichem Versuch, zu wuchern, zu spekulieren, zu hamstern. Das alles muß durch die Macht der Ar- heiter und ihre Kontrolle durchgeführt werden. Neu ist die Aufgabe nicht. Eigentlich stellt die Geschichte kaum-neue Aufgaben, es handelt sich um die Ver- tiefung. Komplizicrung der bereits aufgetauchten aber im selben Matze, in dem die Revolution an Schwung° gewinnt, tvachfen auch die Schwierigkeiten, die sie zu überwinden hat, ebenso wie die Größe ihrer welthistorischen Aufgabe wächst. Eines der größten unauslöschlichen Verdienste der Oktoberrevolution besteht darin, daß der vorgeschrit- tcnc Arbeiter als Führer und Letter der ärmeren Dorfbevölkerung unter dieselbe gegangen ist, um den Arbcitsstaat zu gründen. Petersburg und die an- deren Arbeiterstädte haben schon viele ihrer besten Leute d-r Landesbevölkerung geschenkt, die Kämpfe solcher Brigade mit Kaledin und Dutoff, die Lebens- miltelbrigaden sind nichts Neues, wht aber muß wegen der Nähe der Katastrophe, wegen der kritischen Lage zehnmal mehr getan werden. Der Arbeiter ist zur führenden Avantgarde der armen. Bevölkerung geworden, aber heilig ist er nicht geworden, er hat sich mitunter anstecken lassen von den Nebeln, die dem kleinbürgerlichen Zerfall eigen sind. He weniger Brigaden aus den besten und bcstorganisierten zielbewußten Arbcilcrn eS gab, um so öfter kam es vor, daß diele Brigaden ihren Zweck nicht erreichten, weil in ibrcn Reihen der kleinbürgerliche Instinkt des Eigentümers die Oberhand nahm über das proletarisch-kommnnistische Bewußtsein der Zutunst. Es ist der Arbeiterklasse umnöglich, sich mit einem Schlage von� alledem z» besrcicn, was sie von einer Gesellschaft der Großnrundbcsiher und Kapiia- listen, vcn einer Gesellschaft von Anöstevttcrn und Wcltrciuvcrn geerbt, von einer Eesellichast. die auf den Gewinn und schmutzige Brositchcr der ein- zclnen und dem Elend der Mehrheit sich gestützt hat. Aber die Arbeitertlasic kann siegen und wird schließ- lich ohne Zwcikel die alle Welt besiegen mit all ihren Schwächen und Lastern, wenn gegen den Feind immer neue und immer zahlreichere, immer mehr im Kampfe trainierte Arbelierbrigaven geschickt werden können. So und nicht anders verhält es sich nun in Rußland. Mit einzelnen Kräften ist es unmöglich, den Hunger und die Arbeitslosigkeit zu überwinden. Es bedarf der massenhaften Krcuzzüge der Avant- gardc der Arbeiterklasse in dem ganzen großen Riesen- land. Wir brauchen zehnmal mehr eiserne Batail- lone der klassenbewußten und der Revolution er- gebenen Arbeiter. Dann werden wir H>unqersnot und Arbeitslosigkeit besiegen. Tann werden wir die Rc- volution zur tatsächlichen Vorstufe deS Sozialist, us xrhebcn. Dann werden wir auch imstande sein, den Verteidigungskrieg gegen die imperialistischen Räuber zu führen. N. Lenin. An die Wiiglisder der Aielev Ortsgruppe der U. S. U. Tie Haltung der Mehrheit unserer.Führer" zu Beginn und im Verlaufe des Krieges zwang uns, die wir nicht umzulernen vermochten, uns neu zu organisieren. Wir mußten gänzlich von neuem anfangen. Skruppellos, sogar Belagerungszustand und' Zensur ausnützend, im Besitze des größten Teiles der Machtmittel der Partei von vornherein, gelang es den Scheidemännern, sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in den Besitz der gesamten Parteiprcsse zu setzen. Ter Presse und damit der wichtigsten Agitations- Möglichkeit beraubt, mußte eine unserer drtnaends.m Ausgoben sein, hier Wandel zu schaffen. Wir gründeten einen Pressesonds und versuchten die Schaffung eines Blattes. Durch die Verhältnisse des Krieges ist uns dies nicht gelungen. Aber damit ist unsere Pflicht nicht erschöpft. Wir müssen für die Zukunft sorgen. Dazu ist vor allem die Schassung eines sichern.finanziellen Grundstockes nötig. Der Pressefonds in seiner derzeitigen Form ist dazu nicht geeignet, da die Gelder jederzeit zurück- gefordert werden können. Etwas derartiges ist aber ohne das Vorhandensein eines Grundstockes unmög- lich und wir halten es für verkehrt, etwas zu ver- sprechen, was nicht mit Sicherheit gehalten werden kann. Von diesen Erwägungen ausgehend, hat unsere Mitgliederversammlung im Juli beschlossen, den Pressefoiws in folgender Form umzugestalten: Die eingezahlten Betrüge werden nicht zurückgezahlt, sondern bleiben als.Pressesonds" Eigentum des Vereins. Mitglieder, die hiermit nicht einver- standen sind, können ihr Geld bis zum 31. 12. 13 zurüclvserlangen. Wir. hoffen aber, daß in Anbc- tracht der Wichtigkeit des Zweckes alle Mitglieder, die es wirtschaftlich ermöglichen können, daraus ver- zichten. Wir erwarten im Gegenteil, daß jedes Mit- glied durch den Eriverb von Pressefondsmarlen recht viel zur Stärkung dieses zur Schaffung unseres wich- tigsten KampjmiKels unentbehrlichen Grundstockes betträgt. Für die Verwirklichung unserer Ziele darf uns kein Opfer zu groß sei». Mit Parteigrub. Der Vorstand. Aus der Bemeguug. Karlsruhe. Der sozialdemokratische Verein(U. S. P.) nahm den Bericht über die Bezirks- k o u f e r c n z entgegen, welchen Genosse Ad. Geck erstcftiete. In der daran angeschlossenen Aussprache wurde die Arbeit des ersten Vereinsjahres und das erzielte Resultat mit Befrtemaung festgestellt, den» Sekretär D i ß M a n n die dankbare Anerkennung für seine unermüdliche Tätigkeit gczoUt. Tie Beitrags- crhöhung ist gemäß dem Vorschlag der Konferenz beschlossen worden; eS soll bis zu der für Ende des Jahres in Aussicht genommenen Weiteren Ausgestaltung des Finanzwesens den hiesigen Genossen zu Extralgistunge» nackj Belieben die Möglichkeit ge- währt werden. Mögen doch die Karlsruher Arbeia-r und Vereinsmitglieder den politischen Eiser der Mannheimer Unabhängigen Sozialdemokraten sich zum Muster oiencn lassen l Sorgt für Verbrei- >ung unserer Presse und Literatur, besucht eifrig die Aercinsveransialtungenl Aus der Unabhängigen Bewegung. LluS Hamburg. Das Hamburger Gewcrkschafts- kartclt hat sich in mehreren Versammlungen mit der Ernährungsfragc beschäftigt. Ein Vertreter des KriegsernäyrnngSamtes sowie deS Hamburger Kriegsversorgung�amtes waren bemüht, den Arbeitern klar zu machen, daß die Betzörden e'frig bestrebt sind, dm Wünschen der Arbeiter m der Ernährungs- ftagc Reqnuua zn tragen. Die.r Herren betonten, daß die Arbeliinverlrtter bestrebt sein»nützten, aus die Atbei.'er«inznnirkcu»nd ihnen tln? zu mache», daß et ihre Psü.ul sei, mit den gebotenen Nah- rnna-miltein iujriedei» zu sei» und die. Kriegswirl- schuft zu unieisultzen, damit:vir«cht bald einen ehren- volle» Frieden bctomnien. Von den Arbeitern wurde in derben Worten gesagt, oatz nicht gerecht verteilt würde, das; die Arbeiter die Dummen bei der Er- niilirungsjragc seien. Die Stimmung in der Masse sei eine andere als die Herren denke». Der Gcncrarkomnnssivn sowie der Parier wurden eben- fall/ schwere Vorwürfe gemacht. Ein Redner warnte, wenn hier von diesen beiden nicht mehr c.lZ bis! er geschehe, dann wurden die Arbeiter mehr zur U. S. P. D. halren. Es wurde verlangt, dt: Arbeiter- Vertreter sollten ihre Äemter in den»erschiedeucn Kommisstonen niederlegen und den Bürgerlichen selbst die Verantivortuna überlassen, denn die Aröeiterver- creter würden dcch nur al- Beschwichrigungsröre be- trachtet. An die Adresse des Herrn Tr. August Müller wurden derbe Worte gerichtet. Auch einige .Führer" hielten es siir sehr angebracht, recht kräftue Worte zu gebrauchen. Warum, wissen die Herren sehr wohl! Die Stimmung der Arbeiter hier is. eine sehr ernste und die klugen Führer sehen wohl ein, daß die Politik der Instanzen an diesem Uebcl nicht ganz unschuldig ist. Es wurde ja auch in der letzten»iartellversammlung vcn eluigeu Fütftern, die sich das noch erlauben können, vc ucht. Oel auf die Wogen zu gießen. So wurde erklärt, die U. S. P. oder.die Poitti? dürfe u.it der Ernährung eftrue nicht in einen Topf geioorse« werden, das sei »rennen. Auch könnten und aürsien-dl: Arbeiter in den verschiedenen Ernährupasömlern usw. ihrePosten nicht verlassen« sondern mußten n'.ftarbeitenMMentt Beschwerden da scie», so sollten die Genossen" ruhig ihren Verircicrn mitteilen, dt? dann sclynr oafür sorgen würden, daß Abhilfe geschaffen werde. Daß die Herren von den Behörden in dasselbe Horn bliesen, versteht sich. Der Llergcr über die Scheidr.nanir-'Vrrsainm» lung kommt noch immer in etn.r A.rzatz! gehe Inger Zeitungsnot.zen der abhängiger: Presse zum Ausdruck. ;c wurden eciogenc Zachen über den Stand unseres Solinger Pameivlatteh vervre.tet. Unser Solhcger Blatt's» durchaus nicht.-.urückgSgcmgcn, hatte sogar einen sehr starken Zuwachs, nachdem unser Dussel- dorser Parteiorgan den Raubgeltisten des abhanMen Partcivorstaudes zum Oj'fer gesaltcn war. Die ttn- Möglichkeit, siir fc.e 10 000 Abonnenten in Düsseldors das»ölige Papier zu erhalieu, zwang unsere Solinger Genossen, die Verbreitung unter der Düsses« dorser Arbcitcrlchasl cinziisiellcn. Die.Schwierigkeiten, die unserem Blatte in der Papiersrage entstanden, sind nicht allein ans die Ablehnung der Behörden, sondern aus Machenschaften der Regierungssozialistcn zurückzuführen.""Charakteristisch ist. daß gerade für die Elberfelder Freie Presse im Solinger Bezirk Pro- paganda gemacht Wird; denn dieses Blatt hat infolge des Raubes durch den Parteivorstaud einen reichlichen" Abonnenlenschwuud zu verzeichnen gehabt. Die Auflage von 25 000 vor dem Kriege ist auf 7 400 hcruntergesunke». Jetzt will man in Solin- gen aus den Abonnentenfang ausgehen und der IGeschäftsführcr des Solinger Blattes Hilst dabei cisrig mit. Im 9. s ä ch s. Wahlkreise(F r e i b e r g), dessen Parteiorganisation bekauntlich vor kurzem den llcbertritt zur Unabhängigen Sozialdemokratie beschlossen halt, verlangen jetzt die Abhängigen die Herausgabe der Parteigcldcr und Parteimäterialien. Sie haben den Klageweg beschritten. Ein Geschäftsführer, der sein eigenes Blatt boykottiert. Als seinerzeit die Berliner Arbeiter- schäft den Vorivärtsraub damit beantwortete, daß sie die Arbeiter aufforderte, den Vorwärts solange nicht zu halten, bis der Berliner Parteiorganisation Wieder ihr Recht geworden sei, ging ein Eumistmigs- stürm durch die ganze reglerungssozialistische Presse. Reben dem Disziplinbruch wurde der Boykott als das sluchwürdigste Verbrechen gegen den Sozialismus hingestellt. Mit dem Mamel verzeihender' Liebe deckte man die Tatsache zu, daß vorher die Herren Legten und hunderte von Gewcrkschastssührern den Vorwärts boykottiert hatten, weil ihnen die von der danialigcn Redaktion vertretene Anschauung nicht paßte. Daß aber ein Geschäftsführer einxs sozial- demokratischen Wattes fein eigenes Blatt boykottiert, ist bisher noch nicht dagewesen. ES handelt sich in diesem Fall um den Geschäftsführer Schaal in Solingen, einem intime» Freund Schiidemanns. In Solingen hat unsere Partei in der Leitung upd auch in den Instanzen, denen die Uebcrwachung und ge- schäftlichc Verantwortung für die Bemische Arbsiter- stimme obliegt, die überwältigende Mehrheit. Die letzten Vorgänge in Solingen, vor allem die deut- liche Abfuhr, die Scheidemann dort in seiner letzten Versaiumktutg erfahren hat, Habel» die Gegensätze zwischen Regierungssozialisten und Unabhängigen ganz besonders verschärft. Herr Schaal kann seinen Groll gegen die böse U. S. P. mcht anders darlege«, als daß er daS Blatt, für dessen geschäftlicl tu Bestand er verantwortlich ist, boykottiert»md mit allen Kräften dafür eintritt, daß die rcaierungSso« zialtstische Freie Presse im Vcrbreitungsbezicle seines Solinger Blattes Eingang findet. Unsere Solinger Genossen werden sich natürlich einen solchen Kamps gegen ihre Zeitung' nicht lattge bieten lasseil können. Die I. K. m»d daS Anstandsgefühl. Das kleine rcglcrungsschziallisltscho Wocticnblatt, die Thüringer Freie Presse, hat ihr Erscheinen eingestellt,' angeblich um den Bruderkrieg nicht zu führen, in Wirklichkeit aber auS Mangel an Geld. Die I. K. nimmt sich jetzt dieses eingegangenen Blättchens an itild behauptet, das Blatt sei deshalb von der Bild« stäche abgetreten, weil von den Militärbehörden von ihm verlangt wurde, lediglich de» Kampf gegen die Unabhängigen zu betreiben und von emer jeldstän- digcn Stellung zu deu politischen Tagesereignissen Abstand zu nehmen. Auf diese Bedingungen seien die Thüringer Zeitungsmänner nicht eingegangen, sondern hätten es vorgezogen, das Ericheinen ihres Blattes lieber einzustellen. DaS klingt sehr ck. acuter- fest, entspricht aber nicht der Wahrheit. Man nehme f-ch nur den ersten und einzigen JahreSband dieses Pressecr-,l'»anisstS vor und»ran wird finden, daß es angesüllt ist von Ansang bis zu Ende mit Angriffen und Schmähungen auf die Unabhängige». Wenn man jetzt das Unternehmen begraben Hai, so sicher nicht ans Anstandsgefühl, fondern weil ebcn das nötige tie-d dafür fchit. Daß ausgerechnet die I. K. bei dieser Gelegenheit an das Anstandsgefühl er Zritu'aen appelliert, die diese Meldung gebracht harten, gibt diesem l. trüblichen Todesfälle immerhtti eine heitere Rote. Die eiste Unabhängig? Mitgliederversamm- lung in Gi.iug sand am 29. Juni im dortigen Voltsbause statt. Ein Publikattonsortiau steht den wcstprcuschchen Genossen nicht zur Verfügung. Durch keine Einlamingszettel war die Bersammtung bekannt gemacht,:utd ooch war der Besuch ein aver alles ! rirrnuen glänzender. Zweihundert fünfzig Mitglieder erschienen prompt»ach Arbeitsschlutz zu dieser ersten Versammlung der Unabhängigen Organisation und hörte» mit sichtlichem Interesse den Ijj stündigen Vortrag des Genossen Linde aus Köingsvcrg an. Nach kurzer Debatte wurde einstimmig das neue BezlrWckraantsatitmSstatut gutgeheißen. Von der Wahl eiites sclbständigeu WahlkreiSvorstandes wurde vor d> r Hat-o noch Abstand genommen. Tie Genossen gehören als Enuelmitglieder der Bezirksorganisation in Dmrzig an. Als Vertraueilsmann zur Führung der E eschäste wurde einstimmig der Genosse P e r s ch o n gewählt. Festgestellt ivurae, daß 220 Abonnenten des Berliner Mitteilungsblatt und eine NHnzahl Abonnenten der Leipziger BolkSzcitung in EWiug vorhanden sind. Nach Erledigung von sonstigen geschäftlichen An- gelegenheite» und nachdern Genosse Linde seilte Anerkennung und Genugtuung darüber ansgcsprochctr halte, daß es den Eloinaer Genossen gelangen ist, in kurzer Zeit den Mitgliederstand der Regicrungs- ioz' allsten bei weitem zu überflügeln, schloß der Vorsitzende Gctrosse Perschon die tniposaiuc Ver- sami»lu!lg! mit einem brausenden Hoch aus die Un- abhangige Sozialdemokratische Partei Deutschlands. >5» MSrntz faM«nsere-MMegAng ebcnfaW Fuß. Ammcr zrögere Kreise der Arbsiter erkennen die r'.'!?k i.-rit der regienmgSj-zinUsllschcn Schign freien Am'lenner-Ztag, den 1. Augiis: jaiib eine Voliövcr '.«rnmlunß statt, in der Herr Landsberg sprach Äl« ü.ieri«»utilung war slark besncht, besonders stark r>t!N Zlngeyoriaen deZ AurzerinBlS. liniere Genossen paden daj Viineilnngsbial! aus, das von den-U- ötwetn gern«tununen wurde, jum Äeraer der llie- et«rrmg»so»i>alrften. LandSderg zig aRe T�ne seines a«:i«nalisttsche» Registers. In der Dislitsfion trat i!nn Genossin Arichen-Berlin entgegen, tvaS ihn der- anleßte, in seinem Schluxivort in rabulistischer Wdse die Ausführungen unserer Genossin zu verdrehen und ins Lächerliche zu ziehen. Aus die Tauer verjüngt emc solche Kampsesweise bei den Arbeitern nicht. Das iverdcn die Herrschaften bald merken, auch �in Görlitz, trotz der Görlitzcr Nolkszeitung, die mit ih- rem Geschreibsel schon viel Unheil angerichtet hat. Aber auch hie» taat es. Grotz»Ker!wer Chrontk. Ein Kamps um einige Knochen hat- in Bayern eingesetzt. Bekanntlich soll in den Mo- naten.August, September, Oltober eine fleischlose Woche eingeführt werden, außerdem soll die!lops- Portion von 2ö0 Gramm aus 200 Gramm hcrabge- sout werden. Aus München wird nun berichtet: Das Slaatsministerium des Jimern Hai dagegen cntjchie- denen Miderspruch erhoben, daß im kommenden Ber- sorgimgszeirraum der Stadt Berlin eine Aus- nahniesicllung dachMgcheno eingeräumt wird, daß dort sta»t 20» Gramm Fleisch 250 Gramm pro Kopf verteilt werden sollen. Das StaatSnliiiislerhlm des Innern behält sich vor, dieses AusnabiucverfaHrcn in größeren bayerischen Städten in gleicher Weise einzuführen. Manche Leut« wollen sogar öemcrki haben, daß in Bayern die gesamte Presse sich dem Protest des Staatsminisieriums angeschlossen habe. Das ist Schwindel. Tatsächlich k«mn man in Bayern dank der strengen AussuhrverK-üc immer noch erheblich besser leben als in den Moßstädtcn, vor allem in Berlin. Es ist allgemein bekannt, daß, von ciniaen andern westlichen Industriestädten abgesehen, die Lebens- u'ittelversorgung kaum irgendwo so schlecht ist als in Berlin. Aus diesem Grunde ist es durchaus gerecht- fertigt, wenn hierauf Rücksicht genommen wird bei ;r iertcilung der Fleischration. Alan wird auch t:oon nicht fett werden, wenn in Berlin die 250 <..au an Fleisch mit Knochen, und die Knochbnportion ...-lein, weiter verabfolgt werden. Jedes Kind weiß zudem, daß es ganz andere Gründe sind, welche für eine bestimmte Ausnahmestellung mancher 1 roststädte maßgebend sind. Von Ausnahmeverfahren könn e doch nur dann gesprochen werden, wenn alle '..Nahrungsmittel restlos erfaßt und zur Verteilung ge- langen. Wir wollen uns nicht allzusehr an dieser Katzbalgerei beteiligen, weil sie in der Tat nur um einige Gramm Knochen geht; man vergißt sonst allzusehr die miserablen, aus dem Kriege resultieren- -eu allgemeinen Ernährungsverhältnisse. Wir vertreten den Standpunkt, daß nur dann ■oon einer gerechten Verteilung der Lebensmittel ge- sprachen werden kann, wenn die Speisen im fertigen Zustande an die Bevölkerung abgegeben würden und niemand mehr in der Lage ist, auf Grund seines großen Portemonnaies besser als der arme Teufel leben zu können, wenn alle aus einem Topfe essen müßten und nur ein Unterschied darin bestände, daß der Bemittelte einen höheren Preis für das Essen bezahlen müßte und dem Unbemittelten sür einen Minimalen Preis oder gar unentgeltlich die Speisen abgegeben würden. Wenn so alle Teile der Bevöl- lerung auch in der Ernahrungssrage gleicherweise be- handelt würden, erst dann wird man denjenigen, die das Durchhalten andern predigen, eher glauben kön- uen, daß es ihnen damit ernst»st. Denn es ist doch lein Kunststüc!. andere zum Durchhalten aufzufordern. ivenn man satt ist. Wie das bayerische Ministerium des Innern sich über die paar Gramm Knochen ausregt, die in Ber- l.u mehr gegeben werden sollen, so hat das städtische Lebensmittelamt in Dresden darauf hingewiesen, daß W. Berlin seit einer Woche 7 Pfund Kartoffeln, in T resden nur 2 Pfund pro Woche gegeben werden. - hat beim Ministerium des Innern sofort hierüber - ichwerde erhoben und verlang», die Regierung i.üge an der maßgebenden Stelle in Berlin aus gleichmäßige Berückstchtigung aller Teite des Landes, insbesondere Sachsens, hinwirken. Das Anit Hai insofern ganz recht: 2 Psund Kartoffeln ist ein Quantum, das vollkommen unzuläng.ich ist, genau so trne 7 Pfund nicht ausreichen. Eine M o d e w o ch e hat in Beilin stattgefun- den. Eine Modewoche in der Modekriegszeit ist sicher etwas Originelles. In einer Zeit, Ivo die große Masse der"Bevölkerung ihre Blöße nicht mehr decken kamt, wo alle allen Ladenhüter hervorgeholt werden, und wenn sie noch so unmodern sind, über neue Moden sich den Kops zu zerbrechen, das der- dient, festgehalten zu werden. Ein schweres E r p l o s i o n s u n g l ü ck, bei dem eine Person getötet wurde, hat sich am Montag bei der Konsilmgenossenschaet in der Ritter» gutstrape in Liwienberg ereignet. Ter Schlosser Otto Erdmann aus der Reuen Schönhauser Straße 13 war im Kesjplraum des Verwaltungsgebäudes mit Repa- ratu-rapoeiicn beschäftigt, Plötzlich ertönte ein ge- waltiger Knall, der durch das Platzen eines Kessels verursach« wurde. Erdmann rvnrde ourch d?n Luft drucl?segen eine Wand geschleudert und aus der Stelle gelötet.' Die Arbeiterin Franziska Nadoll aus der Peneirkosersiraße 25, die sich bei der Er- plosion in der Nähe des Kessels befano, wurde durch ausströmende Dämpfe an Gesicht und Händen schwer verletzt. Zwei weitere Personen kamen mit reich- leren Verletzungen davon.. Aus de:t GrgattisKtionen. Die Mitglieder unserer Wahlvereine finden sich gewöhnlich anr 2. Mittwoch im Monat in ihren Zahlabendlokalen zum Entrichten ihrer Monatsbeiträge zusammen. Bei dieser Gelegenheit werden Mitteilungen aus dem Parteileben gemacht und auch einzelne die Partei berührende Fragen erörtert. Wenn auch unsere Reihen durch die Einziehungen erheblich gelichtet sind, so ist gerade in heutiger Zeit Zusammen- chalt der Genossen doppelt nötig. Wer nicht gerade dringend abgehalten ist, sollte den Zahl- abend besuchen. Der nächste Zahlabend fällt auf Mittwoch, den 14. August, wo nichts anderes vereinbart ist. Das Sür» der U. S. P. D., Ortsverei» NeukSll» ist geöffnet nur Wochentags in der Zeit von 5'/j— SV- Uhr. Die Bibliothek ist nach der Inventur ab 7. Juli geöffnet nur am Mittwoch und Sonnabend, abends von 7— 9 Uhr. Wir ersuchen, die geliehenen Bücher noch 1 Monat Lese, zeit pünktlich und im erhaltenen Zbstand wieder zurückzuliefern.. Der Vorstand. Stralau-. Der g e m efi n s a m e Zahlabcnd findet am Mi t t w o ch, den 14. August 1913, abends 3� Uhr, bei Franz Schultz, Markgrasen- dämm 6, statt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Bezirksleitung. Treptow-Baumschulenioeg. Am Mittwoch, den 14. August, findet der Zahlabeud in jedem Ortsteil gemeinsam statt. In Treptow im Rest. Scholz, Grätzstr. 48. in' Baumschulenweg im Rest. Krause, Kiefholzstr. 248. In beiden Zahlabenden findet Vortrag statt. Am Sonntag, den 11. August, Familien-Ausflug nach Mahlsdors-Sud. Nähere Bekanntmachung siehe in der vorigen Nummer des Mitteilungsblattes. Um gute Beteiligung der Genossen und Genossinnen bei- der Veranstaltunaen ersucht Der Vorstand. Martendorf. Mittwoch, den 14. August, bei Benscheck Gemeinsamer Zahlabend. Bericht von der Verbands-Gcn.-Vers. Ter Stand der Jugend- bewegung usw. Da der letzte Frauenleseabend um- ständehalber ausfallen mußte, sind besonders die Ge- nosstnnen zum vollzähligen Besuch geladen. Bezirk Karlshorst. Der Zahlabend findet Mitt- woch, den 14. August, abends 8% Uhr, im Lokal von Perske, Prinz Adalbertstr. 16, statt. D i e Bezirksleitung. Niederschönhaufen. Dienstag, den 13. August, abends 8% Uhr, Mitgliederversammlung b. Rettig, Blankenburgersir. 4. Tagesordnung: 1. Vor- trag, 2. Diskussicn, 3.'Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. Rerews-Veranstaltungen. Arbeiterturnerbund, 1. Kreis. Am Sonntag, den 11. August, findet ein Sport- fest aller Arbeiterturnvercine der Mark Brandenburg auf dem„Fichte-Sportplatz", Köpenick«! Landstraße statt. Vorkämpfe vormittags 10—12 Uhr. Beginn der Endkämpfe nachmittags 3 Uhr. Zum Austrag gelangen alle Sportarten für Männer, Frauen und Jugendliche. Desgleichen Stassettcnläufe. Wir machen hierdurch, die Arbeiterschaft Berlins auf die Veranstaltung aufmerksam und bitten um regen Besuch derselben.'' Zweiter Verl. Reichstagswahlkreis�« (U. S. P. D.) v 's Sonntag, den 11. August, findet in Habels Branerei-Ausfchank, Bcrgmannstr. S/7, unser Zweites Ssmmevfeft statt, bestehend aus Konzert, Gesangsvorträgen der„Kreuzberger Harmonie� sowie Kinderbelnsti- gungen(Kasperletheater und Festzug). Auch sür das Kaffeekochen ist bestens Sorge getragen, doch wird das dazu erforderliche Geschirr nur gegen Pfand'abgegeben. Kasseneröffnung 2 Uhr. Anfang 4 Uhr. Einlaßkarten im Vorverkauf bei den Funktionären und den mir Plakaten belegten Stellen 4t) Pf., an der Kasse 50 Ps. � Um zahlreichen Besuch von Mitgliedern und * Gästen ersucht Das Festkomitee� Danksagung. Für die rege Beteiligung und die schönen Kranz- spenden anläßlich der Beerdigung unserer lieben Tochter und Schwester Luise Kaxubke Dienstag, den 13. August 1818, abends S Ith*: Branchen-Versammlung der Schmiede, Kesselschmiede u.�arosseriearbeiter IN Boekcrs Fcstsäken, Weberstr. 17. Tagesordnung: I. D nt ig des RdchSuv- wgeord. Jäckel über das Arbeitskanimergesetz. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Die Branchenlcitung. Meiler-öteWMe-i-BerdliOEW-ZAii. Die Mitgliedschaft Groß- Berlin eröffnet am 21. August einen neuen Anfängerkursus. Näheres durch Anzeige am 17. August. Schriftliche Anfragen beantwortet A. Urban, Schöneberg, Eisenacherstr. 64. Macht Freund« auf die Anzeige am 17. August auf« merksam. Der Bildungo-Ausschuß. Treues Gedenken zum 22. Geburtstage unseres einzigen Kindes, des«tnä. pkil. Sugo Gttma««, welcher am 30. März 1918 im Westen gcfaAen sein soll. Die tiefbetrübten Eltern. Er war ein Sohn des Volkes, treu, wahr und edel. Berlin, den 10. August 1918. Am 3. August, abends 9 Uhr, entschlief nach kurzem Krankenlager im Alter von 16 Jahren unser lieber Sohn und Bruder Paul Varste. Er wird am Freitag, den 9. August, nachmittags V-4 Uhr, auf dem Friedhof der Freireligiösen Ge- memde Berlin, Pappel- Allee 15—17, beerdigt. Berlin, 6. August. Schreinerstr.4S. Wilhelm Garbe nebst Frau. Wilhelm Garbe. Georg Garbe. Nachruf! Am 21. Juli ist unser Kollege, der Dreher Adol/ v. �er Heide durch einen Granatschuß getötet worden. Wir vor- lieren einen braven skbei'skameraden und werden ihn im guten Andenken behalten. Dreher von Schwartzbopff, Scheringftratze, Torpedobau. Dem tiWcn Asmr aus Hein Aegs- HauM gesalleueu GeuHeu! L. Wahlkreis.* Wiederum ist eines unserer besten Mitglieder Adolf v. d. Heide Sprengelstr. 20, Bez. 756, 16. Abt. .durch Granatschuß auf dem Schlachtfeld getötet worden. Sozialdem. Wahlverein Uieder-Karnim. Bezirk Tegel. Am 13. Juli fiel nns»r Genosse, der Schlosser Adetzlf«ratz aus Tegel. Ehre ihrem Andenken! «52 sagen wir allen Freunden aufrichtigsten Dank. und Bekannten unseren Ferdinand jtzazubke. Soldiner Straße III. Uachruf. 5. Wahlkreis. Am 24. Juli verstarb infolge eines im Felde zu- gezogenen Unfalles unser lieber Genosse Arthur Krause. Da es einer unserer Aufrichtigsten war, werden wir stets sein Andenken in Ehren halten. Unseren Mitgliedern zur besonderen Nachricht, daß unsere Genossin/ Anna Hretzke Ehodowieckistr. 39, Abteilung 1a gestorben ist. Wir verlieren in ihr eine brave Genossin und treue Streiterin. Ehre ihrem Andenken! Siedaktionsjchluh: Jeden Dienstag Abend. Verantw. Redakteur: C. Leids Verleger: A. Hoffmann; beide Berlin O. 27, Schicklerstraße 5» Druck: Maurer& Dimmick. Berlin, Köpenicker Str. 36-38.