L des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Amgegend. In beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post.— Redaktion u. Verlag: 0.27, Schicklerstr. 5. Fernraf: Alexander» 3007. Nr. 20. Berlin, den 18. August 1918. 13. Jahrgang. ' Die Sphwr des Ostens! Genosse Ströbel hat in der Sozialistischen Aus- landspolitik einen Artikel geschrieben, der an der inneren und äusseren Politik der Bolscheroiki schärfste Kritik übt. Ströbels Ausführungen find in der Sache höchst anfechtbar, sein Artikel ist aber unserer Ueberzeugung nach höchst unzeitgemäß. Die Volschewikiregierung ist zurzeit von allen Seiten bedroht, gerade jetzt ist die Entwicklung in den Ostfragen in eine undurchdringliche Nebel- wölke gehüllt, und wir wissen nicht, was die näch- sten Tage uns bringen können. Das planmäfsige Zusammenarbeiten der Entente mit dem grossen Aufgebot der Tschecho-Slowaken und Eegenrevo- lutionäre aus allen Lagern, die Schwierigkeiten auf den vielen Kriegsschauplätzen des Bürger- krieges im Innern, die erbitterte Feindschaft zwi- schen linken Sozialrevolutionären und Bolschewiki haben allmählich zu einer Zuspitzung der Lage ge- führt, die äusjerlich in der Uebersiedlung des Herrn Helfferich von Moskau nach Pstow zum Ausdruck kommt. Die gegenwärtige vollständig ungeklärte Situation läßt eine Unmenge Deutungsmöglichkei- ten zu. Auf jeden Fall steht sich die rustische Revo- lution in allen Teilen des ehemaligen Zaren- reiches, mag die Lösung ausfallen wie sie will, zwischen dem Mühlstein des Entente-Zmperialis- MUS wie dem Imperialismus der Mittelmächte. In einer solchen Situation einer sozialistischen Ne- gierung noch aus den Reihen des internationalen Sozialismus Schwierigkeiten zu machen, halten wir zum mindesten für höchst unzeitaemäs. Denn, mag man zu den Bolschewiki stehen wie man will, mag man ihre innere und äustere Politik für falsch und verderblich halten, das eine steht fest, die Kräfte, die gegen sie von Norden, von Osten und vom Westen im Anmarsch find, wollen nicht Klotz eine zufällige Negierung treffen, sondern ihr An- stürm richtet sich letzten Endes gegen alles, was nur internationaler Sozialismus heißt. Es läßt sich heute nicht erkennen, welche Pläne den Manövern des Herrn Helfferich zugrunde liegen, und was in den Berhandlunge» des Eroten Hauptquartiers in tejug auf die Lösung des oft- lichen Wirrwarrs beschlossen wird. Immerhin läßt das Schicksal der Ukraine in den letzten Mo- naten mancherlei Schlüsse auf das kommende Schick- sal Grotz-Rutzlands zu. Man wird nicht erwarten können, daß der deutsche Imperialismus seine Wesensart über Nacht ändern wird Da ergeben eine Anzahl Aeutzerungen unserer eingefleischten Imperialisten einen Anhalt über das, was unter Umständen der sozialistischen Re- publik Rußland bevorstehen kann. So schreibt Herr Bacmeister in der Zeitschrift„Das größere Deutsch- Icnb": „Soll die deutsche Regierung den zielbewuhten Bc- mühungen dieser(englischeni Politik mit verschränkten Armen zusehen, soll sie ruhig warten, bis eine neue Ostfront gebildet ist? Es kann keinem Zweifel unter- liegen, daß d i e Regierungen auf die Dauer die Oberhand haben werden, die sich der m i l i t ä r i s ch c n Unterstützung Dentschlands erfreuen." Und weiter sagt er, „daß es sich bei der Behandlung der Ostfragen um ein Problem handelt, das, solange der Krieg andauert, eng zusammenhängt mit den Aufgaben, für deren Lösung die Oberste Heeresleitung verantwortlich ist." Es geht nicht an, solche Aeutzerungen mit einer verächtlichen Handbewegung abzutun. Nach dem Sturz Kühlmanns haben die Alldeutschen wieder Oberwasser und sind sicherlich sehr gut über die Stimmungen in den matzgebenden Kreisen unter- richtet. Es ist nicht möglich, ausführlich zu erörtern, welche Möglichkeiten die eben erwähnten Sätze aus alldeutscher Feder eröffnen. Aehnliche Gedanken- gütige liezen sich noch aus zahlreichen anderen Or- g«nen der deutschen Machtpolitiker anführen. Das eine aber steht für uns internationale Sozialisten fest, daß der deutsche Imperialismus ein Todfeind der russischen Revolution und des sozialistischen Staatsgebäudcs ist, das drüben die Bolschewiri mit heißem Bemühen aufzurichten bestrebt sind. Es ist daher zu befürchten, daß, wenn tatsächlich eine neue deutsche Ostfront zustande käme, auch die Sowjet-Republik auf das schwerste gefährdet würde, selbst wenn die ersten Aktionen sich nicht direkt gegen die bolschewistische Regierung richten würden. Das Schicksal der ersten ukrainischen Rada-Regierung wirkt in diesem Zusammenhange wie ein drohendes Warnungszeichen. An anderer Stelle dieser Nummer bringen wir den Appell der Bolschewiki-Negierung an das Proletariat der Ententeländer. Wir halten sie für klug genug, um zu erkennen, daß ihr Gefahren nicht nur von dieser Seite drohen. Wir wissen nicht, welche Entscheidung sie treffen wird. Aber mag die Lage noch so verworren sein, für das deutsche Proletariat mutz unter allen Umständen feststehen, daß es sich durch keine oerwirrenden Ereigniste irre zu machen hat im Kampfe gegen den Jmperialis- mus ini eigenen Lande. In der.„Nationalliberalen Korrespondenz" wird gesagt: „Wie die Dinge heute in Nußland liegen, muh man mit einem Ende der bolschewistischen Herrschaft in absehbarer Zeit rechnen." Daß die deutsche Regierung dieser Anschauung ist, läßt sich aus Dutzenden von ganz- und halboffi- zielleil Auslassungen schliefen. Das kann aber kein Grund für uns Sozialisten sein, nun auch Scheite mit herbeizutragen, um den Scheiterhausen aufzurichten gegen eine Bewegung, die, mag sie noch soviel Unzulänglichkeiten aufzuweisen haben, doch von dem leidenschaftlichen Bemühen getragen war, die sozialistische Revolution zum Siege zu bringen und die sozialistischen Ziele in die Praxjs umzusetzen. Solange diese Sozialisten um Sein oder Nichtsein kämpfen, hat die Kritik zurückzu- halten. Die Zeit wird kommen, wo die Fehler und Mißerfolge unter die kritische Lupe genommen werden können, um daraus zu lernen für die Kämpfe, die dem internationalen Proletariat noch bevorstehen. *** Splitter und Dnlhen» Die„I. K." stellt den Obenerwähnten Artikel Ströbels einem in der Frauenbeilage der„L. V." enthaltenen Artikel gegenüber, in dem die Matz- nahmen der Bolschewiki-Negierung gerechtfertigt werden. Die I. K. leistet sich dabei den zurzeit bei ihr und ihresgleichen stark beliebten Sport, auf den „ganzen inneren Zwiespalt im unabhängigen La- ger" hinzuweisen. Gewiß gehen die Meinungen in bezug auf die Bolschewiki in unseren Nethen stark auseinander. Liegt es doch im Wesen dieser auf- geregten Zeit, daß fast bei allen Problemen leiden- schaftliche Zustimmung auf der einen und leiden- schastliche Ablehnung auf der andereil Seite her- vorgerufen wird. Aber in dem regierungssozia- listischen Lager sollte man sich doch gerade jetzt sehr hüten, nach den Splittern in den Augen der Un- abhängigen zu suchen, sintemalen sie im eigenen Auge der Balken genug finden könnten. An allen Ecken und Enden ist bei ihnen jetzt„innerer Zwie- B e r t t n, den 13. August 1918. spalt" zu entdecken. So herrscht bei ihnen ein auf- geregter Meinungsstreit über die Haltung der ab- hängigen Fraktion während der letzteil Reichstags- Periode. Die Frage der Kreditbewilligung findet in ihren Reiheil ebenso leidenschaftliche Zustim- mung wie leidenschaftliche Absage. Die Redakteure uild Abgeordneten der regierungssozialistischen Partei bemühen sich krampfhaft, die Haltung der Fraktion zu rechtfertigen, aber immer und immer wieder kommen Berichte, aus denen hervorgeht, daß weite Kreise der Anhänger des ReMerungs- fozialisinus Geduld und Bertrauen verloren haben. Auf Einzelheiten dieser Ausewander- fetzungen einzugehen, ist hier nicht der Raum. Aber ist es, um nur ein Beispiel anzuführen, kein„inne- rer Zwiespalt", wenn in der Frankfurter Volksstimme als Antwort auf zahlreiche die Fraktions- Politik rechtfertigende Artikel gesagt ist: „Und dieses Kleben an einem starren Bvgriff von Vaterrandsverteidigung, diese Fesselung deS eigenen Willens, diese politische Abdankung, Sie ausschließlich vom Verhalten der feindlichen Negiernitgen die Haupt- abstimmung leiten läßt und dadurch des wesentlichen Einflusses auf die Politik der eigenen Regierung sich begibt: s i e soll die Kraft sein, die die Volksmassen er- weckt und mitreißt, damit unwiderstehlich Parteien und herrschende Gewalten in eine bestinmite Richtung gepreßt werden. Brave Untertanen, Männer der Orb- nung, die in Heer und Beruf ihre„Staatsbürger- Pflicht" erfüllen, erzieht man so? Männer, die aus festem Entschluß ihre und des Staates Zukunft ge- stalten, nie!" Ist es kein innerer Zwiespalt, wenn regierungs- sozialistische Redner harmlosen Versammlungs- bcfuchern von den großen Erfolgen des Regierungs- fozialismus erzählen, vor allem auf fozialpoliti- fchem Gebiet? Während in Wirklichreit selbst von den Herren Wisiell und Winnig usw. in der „Glocke" und im„Vorwärts" erklärt werden mutz, daß in bezug auf Sozialpolitik der Reichstag voll- ständig versagt hat. Und sollen wir noch von dem Kampf reden, der zwischen Lensch und Stampfer tobt, in dem Ausspielen der„Glocke" gegen den „Vorwärts" usw.? Ist es kein innerer Zwiespalt, wenn in der letzten Nummer der„SozialiWchen Monatshefte" Herr Eohen-Reutz über feine Fraktion ein Verdammungsurteil fällt, indem er sagt: ,�Vie der Reichstag schuld ist an der Verfahrenheit unserer Außenpolitik, so müssenl wir innerhalb des Reichstages wieder die Hauptschuld in unserer eigenen Fraktion suchen. Sie hat statt politischer Ziele nur leere Formen gehabt.". Herr Cohen schreibt das nicht, weil ihm feine Fraktion zu sehr proletarische Politik gemacht habe, sondern weil sie nicht genug englandfresserisch ge- wesen ist. Diese paar Beispiele mögen genügen, um dar- zutun, daß man im Lager des Regierungssozialis- mus wahrlich keine Ursache hat, über den inneren Zwiespalt der anderen zu spötteln. Ans der Interttgtionale. Znr Lage in der Schweiz. Aus Bern wurde hatbamilich gemeldet: Von einem neuen in Basel abgehaltenen allzomcinen Lew- deskongreß der schweizerischen organisierten Arbeiterschaft, des Verbandes des Personals der etdgenSs- fischen Eisenbahnen usw. war dem Bundesrat eine Eingabe zugegangen, worin nntcr Androhung des Generalstreiks im Falle der Nichterfüllung der ge- äußerten Wünsche eine Reibe vcn gullung c polittahe war.«al ;cn irnd wirtschaftlichen Forderungen acstelkt war. fc«t>er die meisten Forderungen wurde ftemli�l, leicht eine Kini- ßirng erzielt, da die Regierung ven sich aus bereits eine Reihe der verlangten Maßnahmen in Aussicht genommen hatte und teilweise bereits durch Kom- tnrfHwmt prtfm ließ; s» die Schaff«»« eine«!«tdß«. nössifchen Ernährungsamtes, eine behere Verteilung der vorhandenen LeocnZmittelvorräte, Konzesstonierung des privaten Großhandels, Revision des Arbeitszeit- geseches an den schweizerischen Eisenbahnen zum Zwecke zeitgemäßer Herabsetzung der Arbeitszeit usw. Di» letzten Schtvierigkeiten der allgemeinen Verstandi- gütig wurden beseitigt durch das Entgegenkommen des Bundesrats i* der« Frage der Ausrichtung der zwei- tcn Teuerungszulage für 1S18 an das Staatspersonal. Samtlich«?lrbeiter und Angestellte der Staatsbetrieb» erhalten in Berücksichtigung der außerordentlich zu- nehmenden Teuerung zu den bisherigen Zulagen eine neue Zulage von 500 Frank und 50 Frank für jedes Kind, wodurch dem Staat insgesamt für Teue- rungSzulagen 1918 eine Ausgab« von 100 Millionen erwächst. Arbeiter- und Personalvertreter erklarten sich von dem Entgegenkommen des Bundesrats be- friedigt. Das mit der Organisierung der General- streitbewegung betraute Komitee teilte heute mit, daß der Konflikt beseitigt sei und kein Grund zur Er- klärung des Generalstreiks vorhanden sei. *** A«S der französischen Partei. Ueber die in der vorigen Nummer mitgeteUten Beschlüsse des französischen Nationalvertreters der so- zialistischcn Partei wird endgültig aus dem Partei- tage entschieden werden, der vom 6.— 10. Oktober in Paris zusammentreten wird. Die Tagesordnung des Parteitages ist folgende: 1. Bericht der Z e n t r a l o r g a n t s a- t i o n« n: des ständigen Vcrwaltungsausjchusies (Parteivorstandes), der Fraktion und der Kontroll- kommission...,. � 2. Allgemeine P a r t e i p o l i t t t. Na- tionale Altton: LandesverchiWgung: innere Politik; der Frieden; Kontrollfälle(Tadelsvotum). Jnter- nationale Attion: Stellungnahme dev alttierten So- zialisten. Internationale Konferenz. 3. Soziali st ische Presse: Aendermiaen in den Satzungen über die Verwaltung der Presse; die Frage der„Hmnanitü"; Bericht des Verwaltungsrats und der Direktoren; die sozialistische Presse und Mitarbeit an der bürgerlichen Presse. 4. Politische und wirtschaftliche Neugestaltung Frankreichs: politische Reformen? wirtschaftlicher Wiederaufbau; Staats« finanzen und Staatsschulden.. �. 5. Wahl der Zentralkörperschaf. t e n: Parteivorstand; Vertretung im Internationalen Sozialistischen Buveau; Verwaliungsrat und Direk- toren dev„Huitranite"; Kontrolltommission. Die Sswfet-Regi-ru«g «« da» Uroletariat der EntentelSnder. Die �swestija" vom 1. August, das offizielle Organ der Allrussischen Zenttal-Exekutivkomitees der Räteregierung, veröffentlicht den folgeudcn Ausruf an die Arbeiter Frankreichs, Englands, Amerikas, Jta- liens und Japans(Wir zitieren nach der I. K.): A r b e i t e r I Wie ein wütender Hund, der sich von der Kette losgerissen hat, heutt die gesamte kapitalistische Presse Eurer Länder von einer.Einmischung" Eurer Reg e- rungcn in russische Angelegenheiten, schreit mit heiserer Stimme:.Jetzt oder mef Aber selbst in diescni Augenblick, wo diese gedungenen Kreaturen Eurer Ausbeuter alle Masten abgenommen haben und offen noch einem Feldzug gegen die Bauern und Arbeiter Rußlands rufen— selbst in einem solchen Augenblick tilgen sie gewiffenlos und betrügen Euch schamlos. Denn in dem Moment, wo sie mit der Einmischung in russische Angelegenheiten drohen, vollsüh- r e n s i e bereits kriegerischeOveratio- neu gegen das Rußland der Arbeiter und Bauern. Englisch-ftanzösische Banditen erschießen bereits Rätevertreter aus der von ihnen besetzten Murman- bahn. Am Ural vernichten sie die Arbeiterräte, lassen deren Vertreter durch tschecho-sloivakische Truppen, die mit französischem Gelde unterhalten und von sran- zöüschen Offizieren geleitet werden, erschießen. Aus Btsshl Eurer Regierungen schneiden sie dem russischen Volk die Brmznfuhr ab, um die Arbeiter und Bauern zu zwingen, sich erneut die Schlinge der Pariser und Londoner Börse um den Hals zu legen. Ter jetzige offene Uebersall des sranzösisch-englifchen Kapitals ans die Arbeiter Rußlands vollenoet nur den seit acht Monaten geführten unterirdischen Kampf gegen das Rußland der R ä t e r e g i e r u» g. Vom ersten Tage der Oktoberumwälzimg, von dem Augenblick an, wo die Arbeiter und Bauern Rußlands erklärten, daß sie nickt mehr Willens sind, eigenes und fremdes Blut siir die Interessen des eigenen und des fremden Ka- pitals zu vergießen, von dem ersten Tage an, wo sie ihre Ausbeuter zu Boden warfen und Euch aui- forderten, das gleiche zu tun, der Völkerschrächterei und der Ausbeuterei ein Ende zu machen— vo» dem Augenblick an schworen Eure Ausbeuter, daß sie dieses Land, dessen Arbeiterklasse zum ersten Mai in der Gesclichtc der Menschheit versucht hatte, das Joch des Kapitalismus abzustreifen und sich aus der Schlinge des Krieges zu befreien, vernichten würden. Eure Regierungen unterstützten gegen das Rußland der Arbeiter und Bauern dieselbe ukrainische R a d a, die sich dem deutschen Jmpcralismus ver- kauft hat und die deutsche Bajonette gegen ukrainische Bauern und Arbeiter zu Hilfe rief. Sie unterstützten die rumänische Oligarchie, dieselbe Olig- archie. die durch Angrisse gegen unsere Südwestfront die Verteidigungsfäblgkcit Rußlands zu vernichten half. Ihre Agenten kauften gegen bar denselben General Kraßnow, der gcgenwärug Hand in Hand m;i dem dcnischen- Militär versucht, Rußland von der Donctzer Kohle und vom Kubanschen Brot abzn- schneiden, um Rußland zu einem wehrlosen Opfer des derkschen und russischen Sapitak» zu machen. Sie haben materiell und moralisch die Partei der rechten Sozialiste»revolutionäre un- terstützt, diese Partei von Verrätern an der Revo- lution, di« mit Waffen in den Händen sich gegen die Arbeiter- und Bauernregierung erheben. Als jedoch alle ihre Anstrengungen zu nichts führten, als offenbar wuvde, daß gedungene Bau- diten ein» ungenügende Kraft darstellen, beschlossen sie, auch Euer Blut zu opfern. Sie gehen offen gegen Rußland vor und führen die Kräfte der Arbeiter und Bauern Frankreichs und Englands ins Treffen. Ihr, die Ihr für die Interessen des Kapitals an der Manie und Aisne, auf dem Balkan, in Syrien und Mesopotamien Euer Blut vergießt, müßt auch noch in den Schneefeldern von Rordsinn- land und in den Bergen des Ural sterben. Im Interesse des Kapitals sollt hr zu Henkern>d er russischen Ar- «iterrevolution werden. Um diesen Kreuzzug gegen die russische Arbeiter- revolution zu verdecken,«ruären Euch die Kapitalisten. daß dieser Felozug nicht gegen die russische Revolution unternommen werde, daß dies ein Kampf gegen den deutschen Imperialismus sei, dem wir uns angeblich verkauft hätten. Die Verlogenheit und Heuchelei, die in dieser Behauptung liegt, wird je- dem von Euch klar, wenn Ihr die folgenden Tat- fachen gegenüberstellt: 1. Wir waren gezwungen, den Brester Frieden, der Rußland in Stücke reißt, nur deshalb zu unterzeichnen, weil Eure Regierungen, die genau wußten, daß Rußland weiterzukänipfen nicht imstande war, internmionale Friedensverhand- lungen ablehnten, bei denen die Macht Eurer Regte- rungen Rußland gerettet und Euch einen anneym- baren Frieden beschert hätte. Nicht Rußland, das seit dreiundeinhalb Jahren ver- blutete, hat Euere Sache verraten, Wohl aber haben Euere Regierungen Rußland dem deutschen Jmperialis- mus ausgeliefert. 2. Als wir genötigt waren, den Brester Frieden zu schließen, weil unsere Volts- Massen nicht imstande waren, iveitcrzukämpscn, und als die Agenten Euerer Regierungen sich ständig be- mühten, uns erneut in den Krieg hineinzuzerren, und uns zu überzeugen suchten, daß Deutschland uns nicht gestatten würde, in Frieden mit ihm zu leben, da entgegnete ihnen unsere Presse: Wenn Deutsch- land drn Frieden, den wir mit so großen Opfern erkauft haben, verletzen und die Hand gegen die russische Revolution erheben sollte, werden wir uns zur Wehr setzen. Wenn die Verbündeten uns in un- I«rem heiligen Werk der Verteidigung unterstützen wollen, so mögen sie uns helfen, unsere Bahnen in- stand zu setzen, unser Wirtschaftsleben zu ordnen. denn ein wirtschaftlich schwache-.' Rußland ist nicht imstande, sich ernstlich zu verteidigen. Die Verbün- beten ließen diese unsere Bitten jedoch u n b e a n t- w o r t e t. Sie dachien nur daran, wie sie aus uns die Zinsen für die alten Anleihen herauspressen könnten, die das französische Kapital dem Zarismus gewährt hatte, um ihn in den Krieg hineinzuziehci� Zinsen, die das russische Volk schon längst durch ein Meer von Blut und durch Berge von Leichen abge- tragen hat. 3. Die Verbündeten haben uns nicht nur in keiner Weise bei der Neuanschaffung unserer Wehrkraft unterstützt, sie waren, wie wir oben ge- zeigt haben, mit allen Kräften bemüht, unsere Wehr- fählgkeit zu untergraben durch Förderung des inneren Zerfalls und durch Abschneidung der letzten Getreide- oorräte. 4. Die Verbündeten haben uns vor der Einnahme der sibirischen und der Murmanbahn durch die Deutschen gewarnt. Diese beiden letzten Eisen- bahnstrecken, die uns unmittelbar mit der Außenwelt verbinden, liegen nicht im Bereich der deutschen Kon- trolle. Im Resultat haben diese Bah- neu jedoch nicht die Deutschen besetzt, die dies wegen der großen E n t f e r nung nicht haben tun können, sondern die tapferen Verbündeten. Im Mur- m a n g e b i e t und i n Sibirien kämpfen sie nicht gegen die Deutschen, die es o o r t nicht gibt, sondern gegen die russischen Arbeiter, wobei sie die Arbeitevräte überall vernichten. Alles, was die Presse Eurer Kapitalisten und deren Agenten Euch vorerzählen zur Rechtfertigung des barbarischen Ueberfalls auf Rußland, ist eine einzige große Heuchelei, die dazu dienen soll, den Kern der Frage zu verdunkeln. Andere Zwecke ver- folgen sie bei ihren» Feldzug gegen Rußland. Drei Ziele haben sie sich gesetzt. Ihr erstes Ziel ist, möglich st große Gebiete Rußlands an sich zu reißen, um durch die dort vefindlichen Reichtüiner und Eisen- bahnen, die Zinsen für die Anleihen des französischen und englischen 5kapitals sicherzu- stellen. Ihr zwci.es Ziel ist, die Arbeiter- revolution zu zertreten, damit Ihr Euch nicht an ihr begeistert, damit Ihr aus der Revolu- tton nicht lernt, wie man sich vom Joche des Kapi- talismus befreien kann. Ihr dri tes Ziel ist die Schaffung ein Kr neuen Ostfront, um die Deutschen von der Westfront aus russisches Gebiet hinüberzuziehen. Die Agenten Eurer Kapitalisten erzählen Euch, daß hierdurch der auf Euch lastende Druck der deutschen Truppen vermindert werde und der Sieg über den deutschen Jmperalismus beschleunigt werden würde. Sie lügen: Sie konnten Deutschland nicht besiegen, als die große russische Armee focht, die den P�iMudeten die numerische Ueberlegenhcit sicherte. Um so we..'.g" werden sie jetzt auf dem Schlachtselde zu siegen imstande sein, wo daS russische Heer erst im Entstehen begriffen ist. Der deutsche x— r i a l i s m u s kann nur besiegt werden, ivenn der Imperialismus aller Staaten durch gemeinlalnes Vor- gehen des Proletariats der ganzen Welt besiegt werden wird. Der� Weg- der dahin führt, ist nicht- die Forlsetzung, sondern die Beendigung des Krieges. Erst dann werdet �>hr und die deutschen Arbeiter di« Furcht vor der srem- den Bourgeoisie und ihren Annerionsgelüstcn ber- lieren. Beendigung des Krieges unter den Völkern, damit durch den internationalen Bürgerkrieg, den Krieg der Ausgebeuteten gegen die Ausbeuter, der großen sozialen und nationalen Ungerechttgkei» cur Ende bereitet werden kann. Die Bemühungen, Rußland in den Keieg zu verwtemn, werden Euch nicht vor Blutvergießen schützen. Sie können nur bewirken, daß die russischen Arbeiter, die russische Arbeiter- und Bauernrevouckion vom Schwerte getroffen werden, was UFinaad. sehnlicher herbeiwünscht, als die Führer der deotschen Mjlitärparlei, die als nahe Nachbarn dev russischen Revolutton deren zündende Funken fürchten. Indem Ihr bei der verbrecherischen Verschwörung gegen Rußland das willige Werkzeug Eurer Regierun- cn bildet, werdet Ihr, Arbeiter rankreichs, Englands, Amerikas und Italiens, zu Henkern der ruf- fischen Revolution. Die Nachkommen der Konimunards als Helfershelfer eines Galliset— das ist die Rolle, die Euch, Arbeitern Frankreichs, Eure Herren zugedacht haben. Die Söhne der englischen Arbeiter, die sich einmütig erhoben halten, als die englischen Teiul- barone den ameristnNschcn Sklavenhaliern zu Huse eilen wollten, sollen Henker der russischen Revolution werden! Diese Schmach»vollen Euch Eure regieren« den Männer bereiten. Ihr, die Ihr stets den Despotismus des Zaris- mus gehaßt habt, Ihr sollt aus Besehl ver Trust- Magnaten helfen, in Rußland einen neuen Zarismus zu schaffen— das ists, worum es sich hanvell, Ar- veiter Amerikas! Euch, die Ihr mit Enthusiasmus jede Acußerung des proletariswen Besreiungstrieges verfolgt habt, Euch, Arbeiter Italiens, will man zu Teilnehmern an dem gegenrevolutionären Feldzug gegen das Rußland der Arbeiter machen! Das arbeitende Rußland streckt Euch, Proletarier der verbündeten Länder, die Hand entgegen! Diese Leute, deren Hände von dem Blut der Arbeiter in Kem, Ssamara, Tomsk besudelt sind, dem Blute jener Arbeiter, die auf Befehl der Leiter der an der Murnianküste gelandeten Truppen, der Leiter des tschccho-slowakischen Aufstandes erschossen worvcn sind— diese selben Leute schreien, wir hätten auf Besehl Deutschlands das Band, das uns mi* den Völkern Frankreichs Englands, Italiens, Amerikas und Belgiens verbindet, gelöst. Wir haben, allzulange in Ruhe die Verhöhnung des'Rußlands der Räteeegicrung durch die Vertreter des verbündeten Imperialismus ertragen. Wir ge- statteten jenen, die einst v i e Stielet des Z a- rismus geleckt haben, in Rußland zu bleiven, obgleich sie die Arbciterrcgtcrung nicht anerkamuen. Wir ergriffen keine Repressivmaßregelir gegen sie, ob. gleich bei jeder gegen uns gerichteten reoomtionüren Verschwörung die Hand ihrer Militärmissionen zu merken war. Und auch jetzt noch, wo französische Offiziere sich an der Spitze der Tschecho-Slowaken entpuppten, wo der Unfug ini Murmangebiet begann, auch jetzt noch haben wir nicht mit einem Wort gegen die Anwesenheit Eurer Diplomaten auf dem Territorium des von ihnen nicht anertanntcn Ruß- lands der Räteregierung protestiert. Wir sordev.cn nur ihre Uebersiedelung von Wologda nach Moskau, um sie gegen Anschläge von Leuten zu schützen, die durch ihre Verbrechern chcn Machenschasten aus das äußerste erregt sind. Wir taten dies alles nur, um ihnen nicht die Möglich.rit zu geben, Euch zu er- zählen, daß wir mit Euch brechen. Auch ,etzt nach der Abreise der Gesandten der Nerbandsmächte wird den friedlich bei uns lebenden Bürgern Eurer Län- der, die die Gesetze der Arbeiter- und Bauernrepublik befolgen, kein Haar gekrümmt werden. Wir sind überzeugt, daß, wenn wir jeden Schlag seitens der „verbündeten" Eroberer mit zwei Schlägen beant- Worten würden, Ihr hierin nicht nur eine Handlung gerechtfertigter Zurwehrsctzung, sondern auch eine Per- teidtgung Eurer eigenen Interessen erblicken würdet, denn die Rettung der russischen Revolution liegt in» gemeinsamen Interesse der Proletarier aller Länder. Wir sind überzeugt, daß jede Maßnahme gegen solche. die auf russischem Boden Pläne gegen die russische Revolution schmieden, von Euch mit der größten Sympathie begrüßt würde, denn diese Anschläge sind ebenso gegen Euch wie gegen uns gerichtet. Gezwungen gegen das Verbündete ftapiial zu kämpfen, daß neben den Ketten des deutschen Imperialismus noch neue Ketten auserlegen will, appellieren an Euch: Es lebe die Solidarität der Arbeiter Länder! Es lebe die Solidarität des französischen, eng- lischen, amerikanischen und italienischen Proletariats mit dem russischen! Nieder mit den Räubern des internationalen Imperialismus! Es lebe die internationale Revo- lution! Es lebe der Völkerfriede! Im Namen des Rates der Volkskommissare: Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare: gez.: W. Uljanow(Lenin). Der Volkskommissar für äußere Angelegenheiten: gez.: G. Tschitscherin. Der Volkskommissar für das Kriegswesen: gez.: L. Trotzki. Auf dem zweiten Kongreß der Sowjets des Nordaebietes in Petersburg, der vom AZorsttzenden des Sowlets, dem Volkskommissar des Nordgebietes, uns wi, aller Sinowjew, eröffnet wuvde, hielt T r» tz k t, der mit großer Bcgeisienmg empfangen wurde, eine � Rede, in der er den augenblicklichen Zustand der Sowjet- Republik schüverte:„Wir müssen uns klar werden, daß der Ausstand der Tschecho-Slowaken keine Em» pörung einiger Tschecho-Slowaken ist, sondern ein Fcldzug der französischen und englischen Imperialisten gegen die Sowjct-Mpublik. Trotzki wies auf den zweifellosen Zusammenhang des Ausstandes der Tschecho-Slowaken mit der Landung der Engländer am Murman hin.„Unsere roien' Garpisten ahnen nicht die große Gefahr des tschecho-s�Mpuschen Aus. standes, der von den alliiertm ImpcrwliMr geleitet wird.' Deshalb haben wir HefchlSsfen, mm) dem Ural Misere besten Genossen zu sämlus. die mit- bcn»Sien Gardisten das Elend des KWWebetls Mlcn mnd sie leiten sollen. Wir hegen große Hoffnungen aus das rote Petersburg des Nordgebietes. Es soll der Front die Arbeiter geben, die dort fehlen." Am Schlüsse sagt Trotzki:„Ich zweifle gar nicht daran. daß wir siegen werden, aber wir haben nicht das Recht dazu, den Sieg zu verschieben und unsere Frauen, Mutter und Schwestern hungern zu lassen, da das Brot, das im Ural vorhanden ist, wegen des tschecho-slowalischcn AufstandeS nicht trausporturt werden kann. Ich bin nicht des feierlichen Kongresses wegen Hierhergekommen, sondern um Alarm zu schlagen und zu sagen:„Alle nach dem Osten, das Paterland ist in Gefahr. Wir schwören, es bis zum letzten Vlntslropfen zu schützen."(Allgemeiner Beifall.) Nach der Rede Trotzkis machte Sorin den Vorschlag, die Resolution, die vom 5. Sowjet-Kon- grcß in Moskau beschlossen worden ist, debattelos anzunehmen. Darauf gab Crekow, Mitglied der linken sozialrevolutionären Partei, bekannt, daß die linken Sozicklrevvlrttionär« sich der Revolution der Kommunisten anschließen. Au» demKug-rderKegi-ruugssozialist-u. Die Haltung des„Vorwärts" liegt selbst seinen Anhängern im Magen. Das kann auch gar nicht anders sein. Wer seine Politik nicht aus Grundsätze, sondern ans den Augenblick einstellt, muß hin- und hcrschwanken, wie das Rohr im Winde. Das vevsteht allerdings Herr Stampfer im„Vor- wärts" meisterhast. Er versteht es, heute so und morgen anders zu schreiben, wie es gerade in den Kram paßt. Und weil der„Vorwärts" immer noch versucht, so zu tun, als wolle er seine politische Haltung noch etwas mit sozialistischen Gesichtspunkten in EinNang bringen, wird ev von denjenigen, die ganz offen für eine annextonistische Politik eintreten, öfter angeeckt.. In der Nummer 16 der„Glock«5 Dom 20. Juli beschäftigt sich Herr Lcnsch, ehemaliger Redakteur der „Leipziger Volkszcitung", in einem Artikel„Kühlmanns Ende' mit dem„Vorwärts". Lensch, der Nachbeter und Nachschreiber des Imperialisten und Englandsresscrs Paul Nohrbach, stellt sich hinter die Erklärung des Reichskanzlers Forsting und sagt über Belgien: „Belgien darf nach diesem Kriege weder tu Wirt- schastlicher noch in militärischer Hinsicht ein Aus- marschgebiet unserer Feinde werden. In dieser Hin- sicht deckt sich die Erklärung Hertlings vollkommen mit den Wünschen der deutschen Sozialdemokratie, wie sie in der bekannten Stockholmer Denkschrift nie- dergelcgt sind." Wer die Dinge verfolgt hat, weiß, daß der Reichskanzler bald nach seinev Erklärung im Reichstage anläßlich seines Besuches in Belgien sich inbezug auf die Stellung der Vlamen und Wallonen in einer Weise geäußert hat, die durchaus nicht mit einer vollständigen Aufgabe Belgiens rmd der Selbstbestimmung des belgischen Volkes in Einklang ,u bringen ist. Und weil Stampfer mit Dem„Vorwärts" dem annexionistischen Flügel sptner Parteifreunde noch im Wege ist,»vettevt Lensch gegen die journalistische Behandlung, die die Kühlmannkrise im„Vorwärts" erfahren hat. Der„Vorwärts" habe die Frage völlig vom Standpunkt»er Massenagitation behandelt, er Hab? davon gesprochen, daß im Ausland der Krtcgsfanatismus lediglich Fassade, daß man in Wahrheit dort friedliebend sei und er habe die St- tuation so dargestellt, als ob für die Sozialdemokratie die Ablehnung der KriegSkredito die selbstverständlichste Sache von der Welt wäre. Und weil die Fraktion den Krediten zugestimmt habe, müsse natürlich bei einer derartigen Behandlung der Dinge den Massen der Partei diese Zustimmung unbegreiflich sein. Und dann fährt Lcnsch sort: „Der„Vorwärts" ist, was die politische Auf- fassung der wichtigsten Situationen angeht, zum größten Teil lediglich das Privatorgan Stampfers, der Vorstand habe sich leider nicht den politischen Einfluß auf das maßgebende Parteiorgan gesichert, der absolut notwendig ist, soll die Pavlei nicht schweren Schaden leiden. Das kam tn der letzten Sitzung der Ncichstagöfraktion zu« ele«eutarste> Ausbruch, und ersreulichcrweise war«S der Vorstand selber, der unter lebhafter Zustimmung der gesamten Fraktion die Haltnng des„Vorwärts" als „verhängnisvoll" nnd„gefährlich" für die Partei be- zeichnete und Besserung in Aussicht stellte." Lensch begrKßt daS aus»ollem Herzen. Bezeichnend ist es, daß die Fraktion und der Vorstand selber die Haltung des„Vorwärts" als verhängnisvoll und gefährlich bezeichnet haben. Das weist auf eine EntWickelung der Regierungssozialiflen noch weiter nach rechts hin, einer EntWickelung, die naturgemäß eintreten mutz. Die imperialistische Politik der Lensch, David und der Leute um die Generalkom- misston triumphierte. Den Regierungssozialisten ist jetzt überhaupt nicht recht wohl. Es kriselt bei ihnen überall. Und was die Hauptsache ist: die Arbeiter, die ihnen noch an- hängen, sagen Valet. Sie erkennen die Täuschungs- Manöver der Scheidemänner immer klarer, sie sehen, daß diese Politik nich: im Interesse der Arbeüer liegt und sie kehren ihnen den Rücken. Groß-Kerliner Chronik. Wir haben es herrlich weit gebracht. Das hat wieder einmal die in Verlin veranstaltete Moöeivochc�klar erwiesen. Da zerbricht sich der ge- wohnliche Sterbliche den Kopf, wie er zu einem Be- zugsschein kommt, wenn er sich ein lumpiges Bcklei- dungsstück besorgen will, und wenn er einen Schein hat, sieht er einige Male in sein Portemonnaie, nm festzustellen, ob der Betrag auch zum Ankauf reicht. Wer viel Geld hat, braucht sich diese Sorgen nicht zu machen. Man lese nur, was über die Modewoche ge- schrieben wird. „Das, was im vornehmen Westen In der Vudapester-, Vellevuc- und Lennöstraße geschaffen und im Hausvogtei-Platz-Viertcl ersonnen wurde, wird die Wintcrmode in Mittel- und Nordeuropa sicher entscheidend beeinflussen. Maro rechnet beson- ders ans viele Gaste aus Neutralien, da die Paß- schwierigkeiten erleichtert wurden. DaS Kennzeichen der Wintermoffe 1918/19 ist die schlanke lange Form. Schick und Eleganz liegen im Schnitt, nicht in der reichen Garnierung. Tie Grund-- form Tst meist einfach, die Nocke eng, 1,80 bis 2 Meter weit, und ziemlich lang. An den Jackenkleidern sind die Jacken etwas länger, oft vertritt ihre Stelle ein langer Paletot. Es werden dazu alle Wollstoffe ver- arbeitet, die vorhanden sind, vom feinsten Wollsoper bis zum rauhen Homespun und schweren Herrentuch. Ileberhaupt ist es charakteristisch für die heutige Mode, daß sie, aus der Not eine Tugend machend, alle vorhandenen Stoffe verarbeitet und so die schlichte Form durch die Verschiedenheit deS Materials unendlich abwechselungsreich gestaltet. Sehr orkginell wirkt z. V. ein Straßenkleid aus gepreßtem und gefärbtem Plüsch, in Farbe und Zeichnung täuschend dem Leopardenfell nachgebildet. Der lange Paletot hatte als Umrandung, als Kragen nnd Man- schelten Zobelfell, aus gleichem Pelz war der kleine Hut, mit breitem Aufschlag aus roher Leinwand und Reiherfchmuck. An den Nachmittags- und Abend- kleidern, die ans Taffet, Seidengabardine, Seiden- trikot gefertigt werden, ist das häustg getragene Uebcrklcid meist aus Chiffon oder Crepe de chinc und mit Handstickerei verziert Farbige Stickerei belebt auch die ganz schlichten Kleider. So wirkte ein dunkelblaues Seidenkleid sehr hübsch, dessen lieber- kleid ans schwarzer Seidengaze in leichten Stichen mit blauen Arabesken bestickt war. Für Abendkleider wird vielfach gefalteter duftiger Stoff verwandt Sehr elegant sind plissierte Kleider aus schwarzem Tüll mit reicher Perlstickeret. €Auch für prunkvolle F e st g e w ä n d e r hat man sich gerüstet, wenn sie auch wohl meist in Neu- tralien getragen werden. Hier behauptet sich die lange spitze Schleppe. An einem Kleid mit eng am unteren Rande gerafften Nock aus rosa und schwarz breit gestreiftem Satin Dnchesse, war sie aus schwar- zem Samt und die r> enen schwarzen Tüllärncel schleppten ebenfalls. Ein sehr wirkungs- volles Festgewand aus Goldgaze mit durchschimmerndem orangefarbenen Unterkleid, an dessen Halsausschnitt schwarze Perlenschnüre herabrieselten, hatte ebenfalls die lose hängende, spitze Schleppe. Für Mäntel wird wieder sehr viel Pelz getra- gen, und zwar Maukivnrf, Bisam nnd Kanin, die ietzt so tcncr sind wie früher kostbares Pelzwerk. Höchster Schick ist ein Breitschwanzmantel, der die K l e i n i g. keit von 18000 Mark kostet. Bevorzugt für Pelzmäntel ist eine glatte, enge Form. Ganz neu sind kapeartige Pelerinen anS Pelz. Auch Plüschmäntel werden viel getragen werden. Die Mäntel haben als Besatz sehr breite Pelzkragen nnd breite Manschetten. In der Taille werden die Mäntel oft mit einer Schärpe geschlossen. Ein sehr eleganter Abendmantek aus gelben Spitzen auf schwarzem Grund war mit zwei breiten Hermelinstrcifen besetzt. Die Hüte erscheinen teils in kleiner Togue» und Barettform mit Kopf ans Pelz, teils sind sie groß mit breitem Rand, der hinten, ganz schmal abbricht. Als Ausputz werden viel Reiher getragen, aber auch die alte, pompöse Straußfeder kommt wieder zu Ehren." Ist daS nicht großartig, was da von unseren deutschen Modcmachcrn erdacht worden ist, erdacht worden für Frauen und Töchter der Leute, denen es aufs Geld nicht ankommt-' Wer also aufs Geld nicht zu sehen braucht, kann im Kriege nicht bloß gut leben, sonder» sich auch schick kleiden— trotz Bezugsschein. Uns fehlt eS an„Nichts", auch auf dem Gebiete der Mode wird Neues, Elegantes erdacht. Nur Geld muß man haben, Kriegsarwinnler muß man sein! Dann kann man auch mit der Bekleidung durchhalten. Da kommt die Reichs- belleidungSstclke mit ihren Verordnungen nicht heran« Di« stark« Erhöhung d«s Nrotprei- s e s auf 97 Pfennige für die kommende W«chen»r»t- rati»il von 1850 Gramm ist so hoch, daß sie allent- halbe» nicht verstanden wiro. Der hohe Preis wird damit begründet, daß alle an der Herstellung des Brotes mid an dem Transport des Mehles Betei- ligten die Gelegenheit benutzen, um kür sich bejou- dere Vorteile herauszuschlagen. Ob oie Kommunal- bchörden hierbei nicht auch noch ein besonderes Ge- schästchen zu machen suchen, ist nicht bekannt, Wied aber stark angeuourmen. Au» den Grganifutwnen. Kreis Nieder- Barnim. Wir verweisen nochmals auf den Beschluß der Kreis-Eeneral- Versammlung, wonach vom 1. April cr. ab jedes Mitglied pro Monat 10 Pf. Extrabeitrag zum Wahlfonds zu zahlen hat; der Beitrag beträgt mithin ab 1. 4. für männliche 60 Pf. und für weibliche Mitglieder 40 Pf. pro Monat. Mit Parteigruß Der Kreisvorstand. S. Wahlkreis. Sonntag, den 13. August veranftal- ten die Genossinnen des Kreises einen Famtlien-AuS- llug. nach dem„Alten Freund" in Pichelswerder. Treffpunkt 1 Uhr mittags an der Berolina auf dem Mexcmderplatz. Abfahrt Bahnhof Alexanderplatz 1.30 In Charlottenbnrg umsteigen, von da ab 2L» nach Pichelsberg, Rege Beteiligung wird erwartet. Adlershof. Am Sonntag, den 13. August findoHn „Wöllsteins Lustgarten" ein Gewerkschaftsfest, be- swhcud ans Konzert, Gesang, turn. Ausführungen so- wie Auftr. des Bert. Ulk-Trios statt. Es ist das erste »est während des Krieges, welches die organisierten Arbeiter von Adlershof veranstalten. Da wir für reichste Unterhaltung gesorgt haben, bitten mir um zahlreichen Besuch. Die Arbetterschafk von Alt-Glie- nicke, Grünau, Bohnsdorf, Niedcrschönewetde, Jo- hannisthal, Baumschnlenweg ist hiermit freundlichst eingeladen. Das Gewerlschaftskartell von Adlershof. Schöneverg. Am Sonntag, den 18. August findet ein Familien-Ausflug nach Grunewald-Schlnchtensee statt. Treffpunkt nachmittags 1'/- Uhr Bahnhof Groß- gvrschenstraße. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. . Lichtenberg. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis� daß wir einen StcnographiekurfuS für Jugendlich« eingerichtet haben. Jedoch können auch Erwachsene daran teilnehmen. Der Unterricht beginnt am S. Scp- tember, abends Z Uhr, und findet jeden Donners- tag statt. Der Unterricht ist unentgeltlich und findet im Jugendheim, Dossestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Vereius-Veraustalwuge«. Freireligiöse Gemeinde Berlin. Sonntag, den 18. August, vormittags 9 Uhr. Pappel-Slllee 15=17; Neukölln, Jdeallasino, Weichselstraße 8; Oberschöncweide, Äilhelminenhost'tr. 4S bei O. Pamp: Freireligiöse Vorlesung. 10% Uhr: Kleine Frankfurlerstt. 6, Vortrag von Herrn Ernst Däurnig, Wanderungen durch die Kirchengeschichte. 20. Unsere Waffen gegen Glaubenszwang und Kirchemnacht. Gäste willkommen. Spandau! Familieu-Ansslng. Am Sonntag, den 18. August veranstaltet der Sozialdemokratische Orts»» wahlverein der U. S. P. D. einen FnmtltenanSflng nach' dem Lokal von Freund, Pichelswerder. Dort gemütliches Beisammensein mit den Genossen ans de« drittecr Berliner Wahlkreis. Für gute Unterhaltung ist bestens gesorgt. Trefspunkt um 2 Uhr nachurtttgsS im Lokal von Windt, Pichelsdorferstrahe 5. Um reg« Beteiligung der Genossen und Genossinnen sowt« Freunde deS WahloeretnS ersucht Der Vorstand. Quittung. Für die Unabhängige sozialdemokratische Partei Deutschland» gingen in der Zeit vom S. Juli bis 2. August bei dem unterzeichneten ein: D., Chemnitz 82,82 Mk., W., Liegnitz 5 Ml., P. D., München 12 Mk.. M. B., Wittinund 200 Mk.. T.. Breslau 31.20 Mk. Jena Ll Mk., L„ Falkcnberg 6,40 Mk, A. L. im Felde 2 Mk. K., Passau 0 Mk,£>., Chemnitz 86,86 Mk, ©eh., Arnstadt 85.85 Mk, Fl., Lemgo 18.05 Mk, W., München 27 Mk. E. Aschasienburg 29,83 Mk. T., Magdeburg 176.82 Mk, K.. Nürnberg l?3.22 Mk.. Do., Werder 1,49 Mk, Heinze, Berlin ö,— Mk, R.. Heidingsfelde 28,05 Mk, W-. Hannover 11,04 Mk, K., Böckingeu 20 Mk, L. Z., Schönebeck 9 Mk, G., Koltern 14,42 Mk, F., Danzig 135 Mk, N., Jena 42 Mk, G. Bernstein 500 Mk, Ch- Forckheim 5 Mk, F., Danzig, für Elbing 46.20 Mk.. statt Ludendorff- Spende: Motto: Kriegsopfer versorgen ist gut: Kriege ver- hindern ist besser, 200 Mk, L., München 68,25 Mk In der letzten Quittung muß eS statt&, Königsberg 55,60 Mk heißen: ,65,50 Mk von Tilsiter Genossen ge- sammelt." � Für Unterstützungszwecke gingen bei dem Urtttr» zeichneten ein: Von W. P-, Luckenwalde 104,50 Mk, T.» Breslau 63,30 Mk., I.. Potsdam 10 Mk., Schwarze Brocken E. B. 29 Mk, durch W., Aachen 76 Mk. Ernst Dciumig, Berlin NW. 6, Sehissbauerdamni 21, 2. Hof£ Tr. (Postschecktonto Nr. 82287.) Achtung! Former u. Berufsgenossen! ?!m Donnevstag, den 22. August 1918, abends 71/2 Uhr, im„KSsliner Hof", Köslmer Str»ke 3- Versammlung Tagesordnung: 1. Unsere Lohn- und Arbeitsverhält- nisko in den einzelnen Eisengießereien. 2. Diskussiom 3. Verschiedenes. Die BranchenKommisfion der Former und Berufsgenossen Miter-StmMeii-BerbliildSW-SM Neuer Anfänger-Kurfus. Beginn am 21. August, abends 8V2 Uhr, im Graphischen Bereinshaus. Alerandrinenstr. 44. Arbeiter und Arbeiterinnen! Erlernt die Stenographie! Die Stenogrephie ist keine Spielerei, keine Ge- h emtsitz rift und keine Kunst, sie ist ein Werkzeug der Kultur, jeder Vorwärtsstrebende kenn sie nicht entbehren. Daruin Arbeiter, Arbeiterinnen, erlernt die Stenographie, mehrt Euer Wissen, macht Euch kampfbereiter für Eure Interessen. Das Kursusgeld beträgt einschließlich der Lehrmittel für Teilnehmer unter lö Jahren 4,50 Mark, über 18 Jahre 6 Mark. Die Anmeldung erfelgt am ersten Abend im Unter- richtslokal. Nur in Ausnahmefällen werden auch am 2. Abend nach Anmeldungen angenommen.. Federhalter mit Feder ist mitzubringen. Der Bildungs-Ausschutz. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die zah�chen Kranzspenden bei der Bestattung unseres lieben Sohaes und Bruders Paul sagen wir allen unseren Freunden herzlichen Dank. Familie Garbe. Männer-U. Frauenchor„Ost" lM.d.D.A.-S.-B.) Verewigung z. Pflege des volkstüml. Chorgcfanges für Frauen und Männer der Arbeiterklasse. Uebungsabende: Für Frauen: Für Männer: am DienStag 9. 9—11 Uhr. am Freitag v. 9—11 Uhr. Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11—13. Stünmbesabte Damen und Herren werden freundlichst um Beitritt erpSht. Am lö. Juli 1918 fiel als ein Opfer des Böller- ringens durch einen Granatschuß mein lieber Freund Richard Wehdock im Aster von 28V, Jahre». Lucie Gottschar. mmmmmmmm Am 4. August 1918 verschied nach langer, schwerer Krankheit im Kriegslazarett mein inniggcliebter, herzensguter Mann, unser lieber Sohn, Schwieger- stchn, Bttttzer und Schwager Hans Zimmerlich im 2S. Lebensjahr. Er folgte seinem Bruder Erich nach 3 Jahren in den Tod. Dies zeigen tiefbetrübt an Gertrud Ztmmerlich geb. Fischbach, als Frau. Gustav Zimmerlich nebst Frau, als Eltern. Paul Fischbach nebst Frau, als Schwiegereltern. Willi Zimmerlich, als Bruder. Erich und Willi Fischbach, als Schwager. Berlin, den 12. August 1918. Lychenerstr. 2g, II. Die Beerdigung fand am 7. August, vormittags ll Uhr,, auf dem Deutschen Militärsriedhof zu � Grodno statt. Allen Kollegen und Kolleginnen die traurige Nach- richt, daß dem Unglück in unserer Zentrale die Kollegin Franziska Uadoll und der Kollege Otto Erdmann zum Opfer gefallen sind. Mr werden ihr Andenken in Ehren halten. Das Gesamtpersonal der Konsumgenossenschaft Berlins und Amg. £.7 Freie Jugend Schön ederg. Iii: jugendlich n Alter von 19 Jahren ist unser Mitglied, der Schüge Nau! Krone dem Kriege zum Opfer aefallen. Unserer Bewegung ist ein tüchtiger Helfer und guter Freund genommen. Wir werden ihn nicht vergessen! Nach vierjährigem Rinnen als Ovfer des' Welt- krieges verstarb im Feldlazarett im Osten am 3. August mein lieber, t'reusorgender Gatte Wilhelm Carls. Wie sehnsuchtsvoll klangen noch Deine letzten Zeilen, Du schriebst so oft:»Auf ein gesundes Wieder- sehen!', so kurz vor'm Urlaub noch. Nun kann es nimmermehr geschehen. Lieber Wilhelm! Schlaf in Ruh, meine Liebe deckt Dich zu. Deine tieftraurige Gattin Marie. Schivelbeinerstr. 2. VerbllÄ kt Schneider, Schneiderillneu und Wäsche- A'döiier DeWtotös. = Filiale Berlin. Sebasiianstr. 37—33.= Dem Andenken unserer auf dem Kriegs- fchauplatz gefallenen Kollegen! Am ö. Juni 1918 fiel der Wäschczuschncider, Kollege Gtto Meier. Am 19. Juli 1918 fiel der Herrenmaßschneider, Kollege Paul Hönisch< geb. 11. 12. 95. Am 21. März 1918 fiel der Herrenmaßschneider, Kollege August Wendorf geb. 17. 10. 92. Am 5. Juli 1918 starb im Lazarett der Damen- konfektionsschneider, Kollege August Töpfer geb. 18. 11. 73. Am 25. Mai 1918 starb im Lazarett der Herren- Maßschneider, Kollege Sermann Heuseler geb. 25. 12. 76. Die Ortsverwaltung. � s&a Mahlverein Mariendorf. Am 4. August 1918 verschied nach mehrwöchigem Leiden unser Genosse Rudolf Hinhe. Sein gerades, aufrichtiges Wesen und sein un- erschülterllcher Glaube an den Sozialismus dienten allen Genossen zum Ansporn. Treu fußend auf den Grundsätzen der Partei, opferte er seine Kraft lange Jahre selbstlos der Arbeiterbewegung. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Nachruf! Als Ovfer des Weltkrieges fiel bei den letzten. Kämpfen unser Mitglied, der Schlosser Crnst Schmidi. Der uns Entrissene war einer der Begründer unserer Partcibewegung. Sein Andenken wird nicht vergessen werden. Unabhängiger sszialdemokratischcr Verein für Danzig Stadt und Land. Bezirk Ohra. KollsM-Genossekschkst Berlin und Mg. e. G. m. b. H. Berlin-Lichtcnberg, Rittcrgutstr. 16— 26. Nachruf! Bei der am 5. d. M. in uiiserein Verwaltungs- gebäude stattgefundcnen Explosion ist die ain 31. Juli 1885 geborene, seit dem 11. Oktober 1915 bei uns beschäftigte Frau Franziska Uadoll wohnhaft Pettenkofcrstraße 25, tödlich verunglückt. Ihr vor dein Kriege vei uns beschäftigter Gatte verstarb am 4. März 1916 in einem Lazarett zu Königsberg. Nun hat sie ihr Leben in dieser tra- Mischen Weise abschließen müssen. Wir verlieren in ihr eine eifrige und gewissenhafte Mitarbeiterin. Gleichfalls tödlich venrnglückt ist der seit dem 6. Dezember 1917 beschäftigte, am 11, März 1855 geborene Schlosser Otto Crdmann wohnhaft Neue Schönhauser Straße l. Während Frau Nadoll ihren Verletzungen erst 4 Stunden nach der stattgefundenen Explosion er- legen ist, erlitt Herr Erdmann einen sofortigen Tod. Beide wurden bei Verrichtung ihrer Tätigkeit vom Tode überrascht. Air iverden ihnen ein ehrendes Andenken erhalten. Der Vorstand und Aufsichtsrat. Dem«Mo oojmr ims dm KW- � UosM Wieoe« Genosse»! ß 3. Wahlkreis. Am 15. Juli fiel im Alter von 19 Jahren unser Genosse Rudolf Ueth r 3. Abteilung. Am 2. Juni fiel unser Genosse, der Sattler Wilhelm Uerch Prinzcnstr. 66, 8. Abt., 236. Bezirk. 4. Wahlkreis. Am 26. Juli siel unser Genosse, der Restaurateur Heinrich Hecker Samariterstr. 12, Bezirk 363. Am 25. Juni verstarb an den Folgen einer Ver- wundung im Alter von 40 Jahren unser Genosse Franz Jauotte Euvrystr. 30, Bezirk 186. Am 5. August verstarb an den Folgen einer Verwundung im Alter von 31 Jahren unser Genosse, der Photograph Raul Wegner Bezirk 296, Abteilung 21. Im Juli verstarb an den Folgen des Krieges im Alter von 25 Jahren unser Genosse Haus Zimrnviich Elbinger Straße 14, Bezirk 409 II. Ein Opfer des Krieges wurde unser Genosse Mar Kranz Bezirk 331. «. Mahlkreis. Im Felde fiel durch Granatschuß unser Genosse, der 35 jährige Dreher Adolf v. d. Heide Sprenzelstr. 21, 16. Abt., Bez. 756, Am 21. Juli siel durch Kopfschuß unser Genosse, der 32 jährige Dreher Arthur P ratsch Prinzen-Allee 29, 18. Abt., Bcz?821. Am 3. August verstarb im Feldlazarett unser Genosse, der 44 jährige Dachdecker Wilhelm Carls Schivelbeinerstr. 2, 6. Abt., Bez. 560. Am 26. März siel unser Genosse, der 39 jährige Heizer Hugo Merkel Schulstr. 7. 21. Abt., Bez. 767. Bon einer Granate zerrissen ivurde unser treues Mitglied, der Maler Richard Rehbock Thurneysserstr. 7, Bezirk 805, 13. Abteilung, im Alter von 25 Jahren. Sozialkem. Wahlverew Aieder-Darninn Arn 8. August 1918 ist unser Mitglied, der Pionier Ernst Iaeobsohu im Alter von 23 Jahren in Erfurt im Lazarett ver- starben. Wahlverein Charlvttenknrg. Unser Mitglied, Genossen Willi Peters Wilmersdorfcr Straße 104, 7. Gruppe, haben wir als Opfer des Krieges zu beklagen. Ehre ihrem Andenken! Nachruf. Wahlverein Neukölln. Unsere Genossin Martha Hasper Schillerpromenade 39, 22. Bezirk ist an Lungenentzündung gestorben. Unser Mitglied Hans Schnalke Erkstr. 10. 7. Bezirk, ist einer Lungenentzündung erlegen. Ehre ihrem Andenken! ReHaktiOnsschluß: Jeden Dienstag Abend. Verantw. Redakteur: C. Leid; Verleger: A. Hoffmann; beide Berlin O. 27, Schicklerstraße 5* Druck: Maurer& Dimmick, Berlin, KöpenickerStr. 36-38. Beilage fit Ztr. 20 des„Mitteilungsblattes". Berlin und Kayern. Die Katzbalgerei um einige Gramm Knochen hat ZU einer Auseinandersetzung über die Ernäyrungsvcr- halinisse in Nord- und Süddcutschland geführt. Weil die bayerische Ziegierung sich dagegen wandte, den Einwohnern Groß-Berlins die bisherige Fleisch- und Knoehenpoition weher zuzuwenden, legten Berliner Blaitcr los und schilderten die Ernährungsverhältnisse in Bayern in so rosigem Lichte und verallgemeinerten dabei so� sehr, daß man direkt angereizt wurde, seme sieben Sachen zu packen und sich in Bayern einen Ort der Niederlassung zu suchen, um aller Schwie- rigkeiten Herr zu werden, wenn— das Hilfsdienst- gcsetz den Arbeiter nicht festhielte. Süddeutsche Blätter sind über diese rosigen Schilderungen wenig erbaut, zumal� sie darlegen, daß die Verallgemeinerungen den Tatsachen vollkommen widersprechen und sie nehmen Stellung gegen die einzelnen übertreibenden Dar- stellungen. Von Interesse ist, wie die„Fränkische Tagespost" gegen den„Vorwärts" Front macht. Einem Leit- artikcl des Nürnberger Blattes untev der Ucberschrijt: „Märchen inr Vorwärts" entnehmen wir: „Im„Vorwärts" beschreibt ein gewisser Ger- Hardt Lehn, Berlin, die angeblichen Erlebnisse einer Bayernrcise. Obwohl heute Essen und Trinken poli- thche Angelegenheiten erster Klasse sind, bringt der „Vorwärts" den Aufsatz in seinem Unterhaltungs- blatt, was aber nicht verhindert, daß die Erzäh- lungen des Herrn Leyn im höchsten Grade ver- hetzend und Tatsachen fälsckend wirken. „Man lebt im schönen Bayernlande heute noch so urgemütlich, gut und billig wie schwerlich an- derswo im großen deutschen Vatcrlande." So hebt dcv Gewährsmann unseres Berliner Zentralorgans an und bringt nun zum Beweis seiner kühnen Behauptung eine Menge Einzelheiten Nor, lauter gute Sachen, die er in Bayern gegessen hat.„Zum Frühstück" aß der Herr Leyn 3—4 Stück Eier und nank Much dazu. Das Ei bezahlte man nieist nnt 20 bis 30 Pfennig.„Zum Mittag" vcrleivte er sich Schinken, 3 Rühreier, einen Liter voll. ehe Milch und ein riesiges Stück prächtiges Bauernbrot ein uno gab dafür 1,80 Mark aus.„Zum Abendessen" gao es ein handgroßes, fingerdickes Stack geräu- öbcne: Schweinefleisch mit einer Liesensehüssel Saner-raut und Kartoffeln. Pnei 1,40 Marli Sonst hat Herr Lehn noch erwischt: Riefen, ierkuchen, Butter. Eier, Kuchen, Blutwurst, Schwaricilmagen, alles markensrei und zu Preisen, die an keinen Krieg crimiern. In Bgrl'.n und den umliegenden Dörsern liest der prcnßfche Arbeiter diese aufreizenden Schilde- rungen, Wicht davon in Bekannten- und Kollegen- kreiscu und fchimplt aus die bayerischen Phäaken. Er stellt sfch eine Frühstückspause in einer Nürn- bcrger Mchtilionssabrik vor, riecht die Vsannkuchcn und SchtrtKnbr.her, die neben der WrÄank hu fetten Pasier liegen und verwünscht das Systein de.' Ab'e.Scheins, das ihn in den hungrigen Per- lincr O'e ileen hält. Fn Fnga.siadt. mitten im gesegneten Land des Ueberflusses, liest man die SchUdcrungen auch. Die Arbeiter, der Pulverfabrik tv.tllen ihren Augen nicht und wickeln noch einmal rasch ihr Frühstüctspapicr ans, tvenn sie eines haben. Da liegt aber l; n „ansehnliches Stück kuchenähnlicheS, aus schnee- weißen Mehl gebackeues Weißbrot", sondern eine durchsichtige Scheibe graues, aus vicrundneunztg- prozentiaern Mehl gebackeues Kriegsbrot. Schließlich ärgert man sich in Berlin und iiz Ingolstadt, dort, weil es den auderi! so schamlotz gut sieht, hier, weil man von diesem so hinreißmd geschilderten Schlaraffia gar nichts bemerkt. Frgn- zösischö Flieger werfen über den deutschen Lwietl Flugblätter ab, worin sie Bayern und Preußctt aliseliiander Hetzen. Die Stimmung zivischen diesen beiden Landsmannschaften ist ohnehin genügend geladen, das weiß der„Vorwärts" lficher. Wie sein Artikel zum Gedächtnis des 4. August 4914 bc- weist, hält er es für sehr wichtig, das Einigkeiks- gcsühl des deutschen Volkes zu stärken. Ayek Hlaubt man denn in der Redaktion de? MbVwäAs", daß sich die Schilderungen des Hernr Leyn mit dieser löblichen Ansicht vereinbaren Wen? In aller Freundschaft Nmiieil wir, die wir in Bayern loben und die Veryälmisse doch kennen, unserem Berliner Kollegen sagen, daß er einem Phantasten aufgesessen ist, wenn der Herr Leun nicht gar andere Zwecke mit seinem Sckla- raffcnmärchen verfolgt. In allen wffentlichcn Kör- periichasten Bayerns steht die Oebensmittelversor- gung seit Jahr und Tag im Mittelpunkt der Aus- sprachen. Was besonders die Stadtverwaltungen wegen dieser Sorgen ausstehen müssen, ist ein zu- verlässiger Gradmesser für den Zustand der baye- rischen Ernährungspoliiik. Darüber steht Tag für Tag im kommunalpolitifchen Teil der bayerischen Presse zu lesen und alles widerspricht den Phan- tasten des zufällig in eine Freßoase verschlagenen Herrn Leyn. Wir bestreiten nicht, daß es irgendwo in Bayern noch ein Dorf gibt, wo man ganz unzeit- gemäß ißt und trinkt. Deshalb aber nun herzu- gehen und Hunderttausend preußischen Arbeitern zu erzählen, man lebe nirgends so„urgemütlich, gut und billig wie im schönen Baycrnland", ist eme Gehässtgkett, die selbst durch die mangelnde Kent- nis de? Verhältnisse nicht erklärt wird.. Auch nördlich der Mainlinie, in Pommern, Mecklenburg, Schleswig usw. gibt es einzelne Ort- schasten, wo man nicht weniger fett lebt. Wenn nun aus einem ostelbischen Rittergut ein Kind ein Stück Brot mit fingerdickem Bntteraufstrich be- kommt, darf man daraus schließen, daß in Preußen fingerdick gestrichene Buhevstullen gegessen werden? Wäre Bayern wirklich das Schlaraffenland, in dem die gebratenen Kalbsharen aus der Straße liegen, wie wäre man dann gerade in Bayern zu- erst daraus gekommen, daß das Fleisch rationiert werden muß? Tie Fleischmarkc ist von Bayern gegen den Widerstand de? übrigen Bundesstaaten durchgesetzt worden, sonst könnten wir uns längst auf sleifchlose Vierteljahre einrichten. Ein Wort verdienen auch die Preisangaben des Herrn Lehn. Er rühmt mit vollen Backen die zivilen Preise. Wir müssen uns auch wundern, daß die Gastgeber dem Gcivährsmann nicht mehr verrechneten, obwohl es eine alte Ersahrung ist: Die Preise gehen in die Höhe, wenn nur eiu Wer- liner seinen Fuß in eine bayerische Ortschaft gesetzt hat! Man muß nur wissen, wie ein richtiggehcn- der Schleichhändler aus Norddeutschland sein Ge- schüft macht. Einen Tausender wirft er dem Bauern auf den Tisch für das schwarzgeschlachtete Kalb, das zu Apothekerpreisen dann in Berlin gekauft und gegessen wird. Es ist nicht nackter Futterncid, was die Rei- senden aus Norddeutschland bei uns so außer- ordentlich unbeliebt macht. Niemand hätte sehr viel gegen das Pfund Butter einzuwenden, das dann und wann über die Grenze getragen wird. Aber die unglaubliche Fertigreit dieser Hamsterer aus dem Norden, im Nu alle Preise in Grund und Boden zu verderben, schafft wachsende Erbitte- rung und führt zu den schärfsten Maßnahmen, die durchaus notwendig sind, wenn nicht in kurzer Zeit eine wahnsinnige Preisanarchie bei uns ein- reißen soll. Im Bezirksamt Ebermannstadt war der Bulterpreis vor den norddeurschen Ferien vier Mark für das Pfund. In dreieinhalb Ferienwochen dieses Jahres haben die Berliner und iy? Anhang, die in diesem Gebiete hamstern, das Pfund Butter von 4 Mark auf 10 Mark getrieben, weil dieser Preis tagtäglich förmlich ausgedrängt wurde. Zu Schtcichhandelspreisen läßt es sich auch in Berlin gut leben. Es gibt in Berlin Leute, die nie nach Bayern verlangen und doch nicht weniger gut leben, als man in Bayern nach den Märchen des Herrn Leyn lebt. Sie erhalten so viel Bnuer ins Hans getragen, daß sie nicht mehr wissen, wohin. Allerdings zal lcn sie für das Psund 32 Mk. Das möchten wir gerne verhüten, denn die Einkommen in Bayern halten keinen Vergleich aus mit den Einkommen nördlich des Mains. Daß nuin in Berlin haufenweise Geld verdient, ficht uns weiter nicht an. Aber dagegen wehren wer uns, daß man mit diesem Geld nach Bayern konimt und uns die Preise versaut. Berliner Arbeiter stellen sicher den geringsten Teil dieser unsympa- tischen Hamsterer und Preisverderber. Dazu fehlt ihnen bor allem die Zeit. Sie rekrutieren sich aus den Schichten der Märchenerzähler, deren Werke besser nicht gedruckt werden sollten." Ter„Vorwärls versucht, seine allgemeinen Dar- legungen einzurenken durch ein Hin- Jüch Hergerede. Wie bei allen scincil sonstigen Ai�sitfwgen redet er immer vom Volk, als ob er nicht wüßte, daß „das Volk" aus verschiedenen Klassen zusammengesetzt ist, die durchaus nicht gleiche Interessen verbinden. Die Arbeiterilasse leidet in Nord uns Süd gleichermaßen uüter den Kriegswirkungen und nicht nur in Deutschland allein. Die Leute dagegen, die Millio- neu aus der Kriegskonjunktur herausziehen, können überall gut leben, weil sie nach dem Gcldr nicht zu fragen brauchen. Bei Beurteilung der Ernährungs- Verhältnisse steht hier uns das Interesse der Arbeiter obenan. Und da führt es in der Tat zu Trug- schlüsselt, wenn man so verallgemeinert, wie das der „Vorwärts" tut. Im übrigen kann sich die bayerische Regierung vollkommen beruhigen. Auch Berlin hat im August seine fleischlose Woche. Auf Anordnung des Kriegs- ernährungsamtes wird in der Woche vom 19. bis 25. August auf die Fleischkarten nicht Fleisch sondern 3 Psund Kartoffeln verabfolgt. Lieb Vaterland kannst ruhig sein! Die tschechische« Krigade«. Wir entnehmen der Wiener Arbeiterzeitung den folgenden Aufsatz: Ein tschechisches Heer steht, Tausende Kilometer von der Heimat, zwischen der Wolga und dem Ural im Kampfe gegen die„Roten Garden". Amerikaner sah- ren über den großen Ozean, um in Wladiwostok zu landen, sich dort mit japanischen und chinesischen Truppen zu vereinigen und über das ganze riesige Sibirien herüber den Tschechen Hilfe zu bringen. Ter Aufruhr der Tschechen verwickelt Rußland mit einem schweren, bedvohlichen Konflikt mit der Entente. Er ist, wenn nicht der Grund, so doch der Vorwand einer völligen Wendung im Verhältnis Rußlands zu seinen Verbündeten von gestern: wenn nicbt die Ursache, so doch der Anlaß der schweren Erschütterung der prole- tarischen Diktatur in der jungen russischen Republik. Ein paar bewaffnete Haufen östcrreichsscher Kriegsge- fangener führen eine Wendung herbei, die wcltge- schichtliche Bedeutung erlangen kann. Welches Aben- teuer konnte in den Wirren und Schrecken dieses Krieges noch unmöglich erscheinen? Im ersten K?iegsjahr schon taten sich ein paar Tschechen in Kiew zu einem„Nationalkomitee" zu- sammen. das als fein Ziel die Aufrichtung eines böhmischen Königreichs unter dem Szepter des Zaren oder eines russiseOen Großfürsten verkündete. Sie unternahmen es, tschechische Brigaden zu bilden, die gegen Oesterreich zu Felde ziehen sollten. Zu diesem Zwecke warben sie unter den Tschechen in den Ge- fangenenlagern. Doch war der Erfolg zunächst sehr dürstig. Die Werbearbeit wurde mit verstärkter Kraft aufgenommen und die enthusiastische Stimmung, die in den ersten Wochen nacl, der Märzrevolution in Rußland herrschte, mochte sich auch den Gefangenen, die in Fabriken, Bergwerken und in den Dörsern mitten unter russischer Bevölkerung arbeiteten, mit- teilen und die Arbeit der Werber erleichtern. Aber schon im Mai wurde die erste provisorische Regierung von den Petersburger Arbeitern gestürzt; das Proletariat erzwang den Verzicht auf alle imperialistischen Kriegsziele. Von der Zerstörung Oester- rcichs, von der Aufrichtung des böhmischen König- reichs unicr Rußlands Schutz war keine Rede ui«hr. Was sollten jetzt noch die tschechischen Brigaden? Vesondenrs Kerenski, der an Gutschkows Stelle Kriegs- minister wurde, war ihnen nicht gewogen. Das Ge- füge der russischen Armee wurde damals dadurch ge- fährdet, daß Ukraine? und Polen, Esten und Letten aus den russischen Truppenkörpern ausscheiden und eigene nationale Regimenter bilden Wolken; Kerensü wurde auf einer Inspektionsreise im Süden der Wir- ren, die dadurch hervorgerufen wurden, gewahr und er vevbot kurzerhand die Bildung nationaler Truppen- körper, darunter auch die der tschechischen Brigaden. Dagegen prockchierten freilich die Kadetten. Und als nach dem verunglückten Putsch der Bolschewili im Juli die Macht der Kadcttenpartei wieder wuchs, mußte Kerenski das Verbot widerrufen. Die Werbe- arbeit ging weiter. Und viele Umstände waren ihr jetzt günstig. Es schien manckem tschechischen Gefan- gcnen verlockender, als freier Mann in neuer Uniform mit dem Sold in der Tasche in Kiew spazieren zu gehen, als ohne eine Kopeke dürstig genährt und schlecht behandelt, im Gefangenenlager zu sitzen oder um kargen Lobn in Fabrik oder Bevgwerk zu ar- beiteil. Und als vollends im November die Erhe- bung der Bolschewili ganz Rußland in den furcht- barsten Bürgerkrieg stürzte, als sich in vielen Orten niemand mehr um die Gefangenen kümmerte und die Stillegung der Fabriken viele Gefangene ihrer Arbeits- stellen beraubte, trieb manchen Tschechen bittere Not den Brigaden zu. Aber schon während der Novemberrevolution gab es Zusammenstöße zwischen den Bolschewili und den Brigaden. Schon damals wurden die Brigaden von den Bolschewili beschuldigt, daß sie in den Bürger- krieg gegen die Arbeiter eingegriffen, mit der ladet- tischen Bourgeoisie gemeinsame Sache gemacht hätten. Die Beschuldigung klingt nicht unwahrscheinlich. Zwischen den Kadetten und den Führern der Bri- gaben bestand die alte Freimdschaft; und die No- vemberrevolution, deren Ziel der Friede war, konnte den Leuten nicht sympathisch sein, die durch die BÄt- längerung des Krieges ihr Ziel, das böhmisebe Königreich, erreichen zu können, bossten. Die Bolsche- wiki bemühten sich nun, der Werbearbeit der Bri- gaden eine Schranke zu setzen. Unter ihrem Schutze entstand unter den tschechischen Gefangenen eine Par- tei, die sich Tschecho-slowakische kommunistische Partei nennt, in Moskau eine tschechische Zeitung heraus- gibt und den heftigsten Kamps gegen die Brigaden führt. Sie hat vor kurzem die Dokumente veröffent- licht, aus denen hervorgeht, daß die Brigaden von der französischen und der englischen Regierung b«- soldet werden. Nach dem Frieden von Brest-Litowsk hatten die Brigaden jeden Sinn, jede Bestimmung verloren. Sie waren zum Kampf gegen Oesterreich bestimmt; was sollten sie noch, da Rußland nnt Oesterreich Frieden geschlossen hatte? Sie wollten setzt über Sibirien nach Wladiwostok, um sich nach Frankreich einzuschiffen. Aber sie ans der sibirischen Eisenbahn nach Wladt- Wostok zu bringen, war der russischen Regierung un- möglich: gewiß technisch unmöglich bei der Zerrüttung des Eisenbahndienstes und angesichts der politischen Wirren in Sibirien: vielleicht auch politisch unmöglich, weil dies Rußland wohl in Konflikt mit den Mittelmächten gebracht hätte. An einen Marsch nach Wladiwostok war aber nicht zu denken; die Entfcr- nung ist so groß» daß der Weg wohl in einem Jahre nicht zurückzulegen wäre. Die Brigaden, die sich, als die Mittelmächte in die Ukraine einmarschierten, an die Wolga zurückgezogen hohen, mußten also dort bleiben, unzufrieden, untätig, mit der Moskauer Re- gierung zerfallen. Und Hier stießen zu ihnen ganz neue Elemente: vusstsche Offiziere, die nach der Auf- lösnng der russischen Armee Stelle und Sold suchten, russisch� Konterrevolutionäre, die in den bewaffneten Scharen Bundesgenossen für Kaledin, Kornilow, Du- tow zu werben hofften. Das Spiel gelang. Die Bri- gaden gerieten in Kampf gegen die Sowjets. Und ie hitziger der Kampf wurde, desto mehr Kämpfer strömten ihnen aus den Reihen der russischen Reak- tionäre zu. So sind die Tschecho-Slowakcn zum Werkzeug der russischen Gegenrevolution geworden. Es ist der Mühe wert, daß man die Geschichte der tschechischen Brigaden erzählt. Denn wir alle in Oesterreich haben aus der Geschichte zu lernen. Den Tschechen vor allen, muß sie eine Lehre sein; daß der tschechische Nationalismus in Rußland zum Instrument der sozialen Reaktion geworden ist, sobald er aus den Sieg des fremden Imperialismus seine Hoffnung setzte, müßte der tschechischen'Demokratie eine Lehre sein.... Darum bleibt es doch ein Symptom der schweren Krankheit unseres Staates, daß vergleichen überhaupt möglich ist. Nach all den Erfahrungen an der Front, im Ernährungsdienst, und jetzt in Rußland»st kein Zweifel mehr möglich, daß das Verhält- nis der Tschechen zum Staat die Kraft der Mittel- mächte ernsthast schwächt; in solchem Verhältnis kann der Staat zu der an Zahl und Kultur ztveiten unter seinen acht Nationen nicht bleiben. Was also um? GeWatt b«itt bisse Kranwett nichi?#«? beweist Englands ErfaNnliig in Irland. Nur die Freiheit ge- wiurat ein Volk dem Reiche wieder; das beweist Eng- lands Erfahrung in Südafrik«. Unsere Mter haben das versiaiiden. Als sie Unjarn beherrschen wollten, organisierte Klnpka 18L6 eine magyarisch« Legion gegen Oesterreich; Misere Väter haben dar«us die Lehre gezogen, den hoffnungslosen Versuch der Ver- gewaltigmig Ungarns aufzugeben, sie haben das Recht Ungarns auf eigene Staatlichkeit anerkannt, und heute gibt es keine ungarischen Legionen mehr. Wären unsere Teutschbürgerlichen zu lernen fähig, dann mußten sie endlieg sehen, dasj eine demokratische Lösung des tschechischen Problems zwar vielleicht das Deutschtum in Prag oder Pilsen schwächen, aber sicher das Deutschtum in Europa stärken würde. Wä- ren die Beherrscher dieies Staates zu lernen fähig, dann müfite sie die Geschichte der tschechischen Briga- den lehren, daß dieser Staat nuv leben kann als ein Bund freier Völker. Zur Stellung der U. S. U»?« lleu Gewerkschaften. Von Wilh. R e i m a n n. Die notwendige Folge der Politik des 4. August, bei deren Bestimmung die Gencralkommission der Gewerkschaften Deutschlands den Ausschlag gibt, ist, daß viele Genoffen, die vordem auch in den Gewerk- fchaften tätig waren, diese Tätigkeit cinsteilten, ja den Gewerkschaften ganz den liiüclen kehrten. Tie Antipathie einzelner Genoffen geht so gar so weit, daß sie den offenen Kampf gegen die Gewerkschaften prodigen und zum Austritt auffordern. Diese Ge- »offen verkennen, daß dieser Kampf nicht der Jnstft tution an sich als vielmehr dem Geist der Instanzen gelte» muß. Zum Glück hat ja diese Parole wenig Anhänger gefunden und ist fast überall aus heftigen Widersland gestoßen. Welche Gründe werden nun angeführt, um die Einstellung der Tätigkeit zu rechtfertigen? Der hauptsächlichste Grund ist, daß die Mitglie- der leinen Einfluß auf die Geschäfte, Beschlüsje usw der Gewerkschaftsüilftanzen ausüben können. Wenn heute diese Instanzen vielfach von einem Geiste beseelt werden, der dem Willen der Mitglie. der nicht entspricht, dann dank der Interesselosigkeit der Mitglieder an den äußerst wichtigen Peranstal- tungen, Generalversammlungen, Wahlen, Urabstim- mungen usw. Wie liegen denn die Dinge tatstichlich? AllMrlich finden die Neuivnhlen zu den-Orts- Verwaltungen statt. Hier ist Gelegenheit gegeben, die Personen, die die Geschäfte nicht im Sinne der Mit- glieder führen oder mit denen man sonst nicht über- einstimmt, nicht wiederzuwählen, sie zu beseitigen und durcb andere zu ersetzen. Es dars nichi außer Acht gelassen werden, daß die örtlichen Verwaltungen aus die Besetzung von Funktionen in der Arbeiter- bewegung und darüber hinaus in den sozwlpoli tischen Znstituttonen ausschlaggebenden Einstuß aus- üben. Es sei nur daraus hingewiesen, daß z. B. in Berlin die Verwaltungen das Vorrecht haben, aus ihrer Mute die Vertreter zur Gewerkschastskom nttssion vorzuschlagen» die Wahl findet bekanntlich in der Generalversammlung statt.' Die Delegierten wiederum wählen den Ausschuß der Berliner Gewerkschastskommission; in welchem Sinne der seine Tätigkit ausüben kann, dürste be- lannt sein. Aehnlich liegen Wohl die Verhältnisse in allen Orten mtt Gewerkschastskartellen. Genau so verhält es sich mit den Wahlen zu den Verbandstagen und Gewerkschaftskongressen. Die iGeneralversammlungen nehmen die Ausstellung der Kandidaten vor, gewählt wird meist in Urabstimmung. Die geeignete Kandidatenauswahl vorzunch- inen, liegt in der Hand der Mitglieder. Wir sehen also, wenn der Wille da ist, ist es sehr wohl möglich, auf die Führung der Zahlstellen- geschäste und darüber hinaus auf die der Gewerk- schaftskartelle und Generalkommission Einfluß auszuüben. Erwähnt soll noch werden, daß ja auch die Generallommission in ihrer Gesamtheit von den De- legierten zum Gewerkschaftskongreß gewählt wird. Gegen den Willen der Gcwerkschastsmftglicder können die Legten, Bauer usw. nicht an der Spitze der Gewerkschaften stehen, zum mindesten muh ihre Politik dem Willen der Mitglieder angepaßt sein. Vielfach hört man den Ausspruch: Ja, wer ist auf diesen Kongresse»? Sind es nicht meist Am gestellte? Wenn dem so ist, dann nur durch die Schuld der Mitglieder. Es soll hier durchaus nickt der Aus- schaltmig der Angestellten von Verbandstagcn und Kongressen das Wort geredet werden. Ihr Rat und ihre Erfahrungen auf dem Gebiete des Organisa- tionslebens läßt sich nicht entbehren, aber sie sollen und dürfen nicht das ausschlaggebende Element bilden. Bei dieser Gelegenheit einige Worte über die Angestellielisrage. Als feststehend muß angenommen werden, daß bei der Größe der Gewerkschaften ohne Angestellte oie vielseitigen Geschäfte nicht geführt werden lönnen, wie es ja auch in der politischen Organisation nicht der Fall ist. Es muß zugleich anerkannt werden, daß viel Umsicht und Energie zu der nicht leichten, ausreichenden Tätigkeit namentlich der Agitationsbcamien gehört. Tie Generalversammlungen, die die Wahl der Angestellten vornehmen, werden immer bekannte, be- sähigte und erprobte Kollegen in diese Stellungen wählen, vielfach solche, die in Opposition zu den Verwaltungen und Instanzen stehen. Wie kommt es nun, daß wir meist diese Ängestellieu später im Lager der Revistonisten und jetzt im Lager der Ab« häagigen finden? In der Ar. 18 des Mitteilungsblattes ist daraus hingewiesen worden, daß dtr Ab- hängigen in den Ängeftellicn eine gut» AgitationS- Amppe besitzen, wir aber müssen darauf bedacht few. di« unbestritten befähigten Kollege«, wenn st« frther zu uns gehörten, auch bei unserer Partei zu erhalten. In früheren Jahren konnte jeder Redner mit Sicherheit darauf rechnen, wenn er auf die„Gewerk- schastsbonzen" herumpautte, starken Beifall zu sin- den. Nicht ohne Ironie des Echlcksals ist es, daß auf diesem Gebiete gerade von den Leuten, die h«ue mit der Generalkommission durch dick und dünn ge- hen, ganz hervorragendes geleistet wurde. Das ge- schah immer ohne Würdigung der immerhin Wicfstigen Arbeit, die von den Leuten geieistet wurde. Es ist verständlich, daß sich zu der Seite die Shnivathie der Angestellten neigte, wo ihre Arbeit gerechter gewürdigt wurde und das geschah unbedingt von den Leuten, die sich um die„Sozialistischen Monatshefte" gruppierten. Diesen war es verhält- nismäßig leicht, die Angestellten durch Ueberschäyung der Gewerkschaftsbewegung für die Gedankengänge des Revisionismus zu geioinnen. Daß die Gewerkschaftsangestellten sich bei ihren Kollegen nicht immer großer B«lieb!hcft> crsreuen, ist nur natürlich. Vielfach können die Angestellten bei Streitigkeiten in den Betrieben, bei Lohnbewegungen usw. den Forderungen der Arbeiter, die in der Re- gel auf die radikalste, die sofortige Arbeitseinstellung hinauslaufen, nicht Rechnung tragen. Die Müglicder vergessen oft, daß hier dem Betreffenden die Grenzen gezogen sino: 1. durch das Statut, 2. durch die ort- itche Verwaltung und den Hauptvorsiand. Wer in der Verwaltung milarbettet, weiß, welchen Kamps oft oer einzelne Angestellte zu führen hat, um die Sanl- iion zu einer Arbeitseinstellung zu erhalten. Vielfach muß die Konjunktur im Gewerbe berüekfichtigt werden, soll die Bewegung nicht von Ansang an ein Fehl- schlag sein. Diese aber muß der Angestellte besser übersehen können, als die Mitglieder in den Be- trieben, tzlickt etwa, weil er klüger ist wie seine Kollegen, sondern lediglich infolge seiner ständigen Beschäftigung auf diesem Gebiete. Wie gesagt, das alles kounte, geschickt ausgenützt, jedem Redner Beifall bei Angriffen gegen die Ange- stellten sichern. Wir werden mizweisechaft in der kommenden Zeit damit zu rechnen haben, daß wir unsere Parteigenossen in führende Stellungen in den Gewerkschaften bringen werden. Sic uns unter ge- rechter Würdigung ihrer Tätigkeit in unseren An- schauungcn zu erhalten, ist unsere Pflicht. Der e i n- h e i t l i ch e n Gewerkschaftsbewegung können wir im Gegenwarisstaat bei unseren wiAschaftlichcn Forderungen und den uns bevorstehenden Kämpfen mit dem durch den Weltkrieg riesig gestärkten konzentrierten Kapital nicht entbehren. Wir müssen uns allerdings vor jeder Ueberschätzung ihrer Winsamkeit genau so hüten wie vor Unterschätzung. Wir müssen uns klar sein, daß die Gcwerkschafisbewegnng niemals Selbst- zweck, sondern nur Mittel zum Zweck sein kann. Die Gewerkschaften als Glied in ocin schweren Emanzipationskamps der Arbeiter zu betrachten und zu fördern, das ist auch die Austzade aller unab- hängigen Sozialdemokrciten. Darum muß unsere Parole sein: Hinein in die Gewerkschaften, sich be- tätigen, Einfluß gewinnen und zn dent Mittel machen, ivie wir e s im Kamps gegen den kapitalistischen Staat brauch,». GeiverkschastUche AßitAtions-««d Grzieh»ngsmet�«de«. Betrachtet man die Poltiik, welche die Gewerkschaftsvorstände und ihr Vollzugsorgan die General- kommisston während des Krieges betrieben haben und Weiler treiben werden, so muß man sich wundern, daß die organisierte Arbeiterschaft sich eine solche Po- litis und Taktik gefallen läßt. Gewiß, die GeWerk- fchastsinstanzen sind gewöhnt zu herrschen und die meisten Wtionen sind seibstherrlicher Ratur, aber me erweiterten Organe als übergeordnete Instanzen, tiaben, soweit sie zusamuicngctreten sind, meist ihren Segen zu dieser Tätigkeit gegeben. Wir sotten uns auch keinen Illusionen hinge- öcn, daß nach dem.Kriege hier ein Wandel eintritt, sicher wird die Opposition in den Gewerkschaften er- starken, ob sie aber die Männer des Burgsriedens und des Hilfsdienstgesetzes aus dem Sattel heben wird, ist vorderhand noch zu bezweifeln. Der Geist, welcher seit langem in den Gewerk- schaften herrscht, ist die Ursache dieser Duldsamkeit, es gibt ja Ausnahmen, wie die Kongresse der Kürschner und Schuhmacher bewiesen haben, doch dies ändert nichts an der Tatsache, daß das Gros der Gewerkschaften eine P»litik und Taktik duldet, die absolut nichts mit sozialistisckxn Grundsätzen ge- mein hat und noch viel weniger den Interessen des internationalen klassenbewußten Proletariats entspricht. Wie ist eine solche Haltung oder besser gesagt, eine solche geistige Versumpfung möglich geworden? Wir müssen die Ursachen kennen lernen. Die Agitations- und Erziehungsarbeit in den Gewerkschaften erstreckt sich hauptsäctzlich aus 3 Gebiete: Lohnpolitik, UnierstützungSwcscn und Sozial- Politik. Wie werden diese Gebiete bearbeitet? In einer Versammlung, in der bie Arbeiter für die Gewerkschaft gewonnen werden sollen, werden die Mißstände un Berufe erörtert und kritisiert, die Ar« beitszeit eventl. wird als zu lange hingestellt, der Lohn als zu niedrig bezeichnet, vielleicht auch auf hygienische Mißstände und schleckte Behandlung hin- gewiesen. Durch ein Mitbestimmungsrecht der Orga« uisation soll hier Besserung geschassen werden. Ob man da einen chrtsilichen oder einen freige- werkschastlichcn Agitator hört, groß ist der Unter- schied nicht, nainentlich in der Reuzeit und i» der Zukunft wird der Unterschied ganz verschwinde«, denn die Harmonie zwischen Kapttal und Arbeit und die gemeinsamen Interessen der Un- ter nehmer und Arbeiter gehören ja nun- mehr auch zu dem Geistesarsenal der freien Gewerk- schaften. Dann kommt das Unterstützungikwesen, das z« sehr Selbstzweck geworden ist, als Mittel zum Zweck, das es nur sein sokl. Ein Blick in die Agllationsschristen beweist, wte heute hiermit»periert wird. In den Werbever- sammlungen gilt für den Angestellten, wenn er Gnade vor den Augen seiner Vargesetztm haben satt, die Parole:„Mitglieder um jeden Preis!" Von die« fem Gesichtspunkt aus ist soiwe Schilderung des Unterstützungswescns in keiner Weise von der Tätig- keit eines Versicherungsbeamt«: zu unterscheiden. Den Eindruck, den der Rrbeiicr von den Gewert- schaften empfangt, ist, daß er sie für eine Euuich- tung hält, die ihm ein höheres Einkommen und zu« gleich als Uuterstützunzsos'veinigung Voruile bieteL. Seine soziale Lage sott gehoben werden und er erhält Unterstützung bei Kranlheit, Arbettswstgktit, Streik usw. Er wird Mitglied. Diese Erziehungsarbeit geht in den gleichen Bahnen Weiler, höchstens etwas de- tailliert und mit sozialpolitischen Problemen ver- guickt. So wird der Nurgewerkschastler herangebildet und die Masse dieser Arveiter bildet das organisa- torische Rückgrat der Instanzen. Diese Agitationsuiethode ist nicht nur falsch, nein, sie ist auch schädlich. Man soll bei der Werbe- und Erziehungsarbeit gründlicher und sozialistischer zu Werke geben, den Arbeitern schildern, ioic der Kapitalismus entstanden ist, die h roduktiiilsnicihode zergliedern, sie lehren, ivie die A-. i-kraft zur Ware geworden ist, die lech- niscle Enftvi l ng sozialistisch beleuchten, das Wesen der Arbc: tcl ung, die Steigerung der Intensität der Arbeit u w. erklären. Allcrd.ngs da? riecht nach Tbeorie und setzt voraus, daß die Gewerkschaften über ein geschultes sozialistisch durchgebildetes Personal versügen. Diese Voraussetzung fehlt aber. Wer aber die Matcrie beherrscht und Ausnahmen gibt es ja, und wer es versteht, sie in populärster Form anzuwenden, der wird die gleichen, wenn nicht größere Erjolge erzielen und sie werden weit nach- yaliigcr wirken, denn er hat das in jedem Arbeucr schlummernde Klaffenbewußtscin erweckt und Ideale Wachgerufen, die, wenn sie weiter gepflegt werden, den tlasscnbewuiftcii Arvciter heranreifen lassen. Selbst das Untersiützungsivcien kann auf diese Weise als Werbemittel angewandt werden, die Krank- hciien als das, was sie meist sind, eine Folge der ffapitallstijchen Ausbeutungsmethode. Die Arbeitslosigkeit muß nach sozialistischen, öko- nomischen Grundsätzen erklärt werden, also als eine Folge der planloicn Produttion, die nur den Be- dürfmssen des Privateigentums Rechnung trägt und wenn sie in großem Umfang eintritt, eine Folge de» Wirlschaststrise ist. Wie erzieherisch kann eine klare Darstellung über Ursache und WirKmg der Krise sein, wie leicht läßt sich nachweisen, daß nur für den Markt und nicht für die Gesellschaft produgiett wird. An täglich sichtbaren Beispielen kann das ganze Problem der Gütererzengung und der Gütcrvertei- lunq den Arbeitern beigebracht werden, sie werden ganz von selbst überzcugungstreue Sozialisten. Man muß ihnen als Ziel die Beseitigung der Lohnarbeit, die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, den Weg vom Kapi- talismus zum Sozialismus zeigen. Tie Aufzeichnung der Klassengegensätze, ihre Entwicklung läßt sich bei der Kennzeichnung der Ar- beiigebcrverbändc� die ja letzten Endes eine Perteidi- gnng ihrer Herrichast über die Produktionsmittel be- beutet, leicht verständlich erläutern. Allcrdutgs muß man selbst die Materie behcrr- schon, selbst in das Wesen des Sozialismus eindrin- gen, statt auf die Theorie zu schimpfen, um seine eigene Tutuinheil zu verbergen. Man muß den Gewerkschastskampf als Klassen- kämpf gelten lassen, der nur ein Glied, ein Teil des internationalen kämpfenden Proletariats ist, welches überall die gleichen Ziele erstrebt. Partei und Gewerkschaft sollen einem Ziele zu» streben, die Partei Hai den Kampf vornehmlich auf politischem Gebiete und die Gewerkschaft hauptsächlich auf wirtschaftlichem Gebiete zu führen, ihr Kamps- ziel soll dasselbe sein, die Zweiteilmig in Pattei und Gewerkschaft ist nur eine Arbeitsteilung um den Kampk intensiver und erfolgreicher zu führen. So sollte es sein, ist es aber leider nickt. Beide sollen sich ergänzen und wenn die Verhältniff« es bedingen, gemeinsam bereit sein, zu kämpfen. Die hier kurz sftzzicrt« Agitations» und Er- ziebungsmethode kennt man heute in den Gewerk. schaften nicht. Wenn Einzelne so Versahren, so ist ihr Einfluß doch unmerklich und auch sie müssen, ob sie wollen oder nicht, sich der herrschenden Richtung anpassen, denn in der herrschenden Methode liegt System. Die Theorie ist verpönt, man rühmt sich der Realpolitik, sie ist in der Form, wie sie ausgeübt wird, aber nur bürgerlicke Politik. Eine sozialistische Schulung gibt es nicht, im Gegenteil, sie wird, wo sie sich bemerkbar macht, rücksichtslos unterdrückt und ihre Verfechter diskredi- i tiert. Die Entwicklung der Gewerkschaften geht uw- aufhaltsam nach rechts, sie ist schon heute eine rein bürgerliche Bewegung. Der Geist, der heute in den Gewerkschaften herrscht, und dies ailt nattrllch nicht nur für die deutschen Gewerkschaften, muß im Interesse des Pro- letariats aus das mrgtsAfi« belkmpst werden. Wir sottett ttns da trincit Jlmstonen hingeben, daß dies leicht ist, das Hebel sitz! tief, die jähr- zehntclangr bitraerlich-proletartsche Erziehung ist nef ciitoewurzelt, fie schützt auch noeb in Zukunft die Position der Instanzen, die die Maschine in ihrer Hand habe«. Wir mtlffm die eigentlich den Gewerkschaften ob» liegende Erztebungsarbeit in uns«- Hand nehmen, in unserer pcmtischcn Organisation müssen die Kräfte gebildet werden, die dann in. den Äetperkschaftett. eine wahrhaft sozialistische Propaganda betreiben. Grundfalsch ist bta Lehre von der ReutralitSi, denn sie bedeutete, wenn«uch keine Verewigung deii jetzigen Zustande«, so doch eine Verlangenmg der geifluzcn Umwälzung. Die Neutralitätstheorie lähmt unsere Kräfte und'wirkt hemmend. Erkennen»vir, was ist. Tie Haltung der alten Partei hat die Trennung notwendig gemacht, denn sie stellte sich in den Dienst der bürgerlichen Gesell- schaft, die veweefschaften tun es noch mehr. Die Stunde der Entscheidung kommt auch hier, holen wir deshalb, solange uns noch Zeit dazu bleibt, nach, waZ versäumt ist. Formieren Wir un- sere Kräfte, geben wir ihnen das geistige Rüstzeug, um der bürgerlichen Agitations- uno Erziehungs- Methode wirksam begegnen zu können Ans der Kemegnug. Fünf Zahre waren am Dienstag, Ben 13. August verflossen, als der Telegraph die Nach- richt vom plötzlichen Tode des Genossen Bebel verbreitete. Mit August Bebel schied ein Mann aus der Welt, der an der Wiege der deutschen So- zialdemokratie gestanden und furchtlos und uner- schrocken allen Gewalten zum Trotz das Prole- tariat aufwärts uyd vorwärts führte. Selten hat ein Mann solch unbegrenztes Vertrauen des Pro- letariats gehabt wie August Bebel, selten ist aber auch ein Mann von solch kleinen Epigonen abgelöst worden, wie die Scheidemann und Ebert solche sind. Man hat Bebel in diesen Kriegsjahren oft zitiert nach dieser und jener Richtung hin. Wie er sich bei Kriegsausbruch in dieser oder jener Frage entschieden Hütte, wisien wir nicht. Das aber wissen wir, dag er, der alte Kämpfer für die Interessen des Proletariats, der auf dem Dresde- ner Parteitage erklärte, er bleibe bis zum letzten Atemzug Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft, der den Klassenkampf als das A und O unserer Bewe- gung ansah, daß er sich niemals hätte dazu ge- brauchen lassen, als Schleppenträger der Regio- rung zu fungieren und eine Versöhnungspolitik zu treiben. Dessen sind wir sicher, und in diesem Sinne empfinden wir im Interesse der kämpfenden Arbeiterklasse da.. Fehlen ein-»-- Auzust Bebel heute doppelt. Die Berliner Abhäname« kommen nfchk recht vor» wärts, obwohl sie nach den verschiedensten Richtungen im Vorteil gegeii uns sind. Einmal haben sie ein tÄg>- liches Vlatt, das sie uns geraubt haben, zur Ber-- suguiig, dann aber stehen ihnen die vielen Gewerk- schasts-, Krankenkassen-- und andere Angestellten, weil vielfach reklamiert, als Mitalieiuw und Mithelfer zur Seite. Dieser Trost erhöhst bor nhsxeM die Zahl der Mitglieder, während, tfr�eri: MitaKver: zu Tair- sendcn im Felde stehx� rW», Wke stw Todesanzeigen in unserem Mitteüumwdhrtt'Wdkhe für Woche de- rreäSHflC fer« shrc Opfer darbringen "ache-ist es natürlich ttzjchh eine Durch- r«w durchführen ch die Alchaugigen eine in- der über Ver- ' f. Ibertchtet änvierlg- n zum rechts- er hat en und I zu sorgen. cp, mit dem p ficnommen. Hert- rsuhcrt, dah er mit ' Ja. Das sei auch erst.alle vcrfassungs weisen, dem Kr müssen. Angesichts i eneir, die im sicheren' haltepolitik zu predigzw»» müssen. Am 18. Ii Funktionarkonferow Handlungen mit d« wurde. ES wurden Ktä leiten vorgetragen-, u Heeresdienst, über die Vers, vorläge und über die Ostpol- die Ausführungen stenogm versprochen, nach Mö glicht Wegen der Wahlrechtsfrage Jj Reichskanzler nochmals Rn" ling habe auf das bestimmtest. dem gleichen Wahlrecht stehe seine Meinung. Es mühten a.. mäßigen Verständigungsversuche mit Sem Landtag und dem Herrenhans erschöpft werden. In der FriedcnSsrage geschehe von der Regierung alles, was möglich sei. Um daS zu erfahren, hätten die Herren NegierungSsoziallsten sich den Wey wirk- llch sparen können. DaS war alle» längst vorher schon gesagt worden. Um für AgwaUonszweSe GelSer zu sammeln, sollen Bons im Werte von Ig Pf. ausgegeben werden, wovon die KretSkasie S Pf. und die Bezirkskasse 6 Pf. erhalten sollen.— Auch einen Bilduiigsausschub wollen die Abhängigen schaffen, zu dem«ich die Ber- liner Gewerkschaftskommisston drei Mitglieder stellen foll. Ob die Berliner Gewerkschaften eine solche einseitige Vertretung zulassen werden, wird sich bald zeigen. Bemerkenswert ist, daß die Gewerkschafks- kommiffion während dcS Krieges, als noch keine Treu- nnng vollzogen war, mit ihren geldlichen Verpflich- tungen gegenüber dem BildungSausschuß im Rück- stände blieb und dann ihre Vertreter zurückzog, ohne die restierenden Schulden zu begleichen. J-ur»Vorwärts" verbreitet sich Herr Eugen Ernst stver die kommenden Proportionalwahlen in Grvß-BeMn. Herr Ernst stellt ein Rechcnerempel auf, das fttr die Zukunft vollkommen bedeutungslos ist. Daß er dabei unsere Partei mit einer verächtkkchen Handdeweguus abtut, als ob wir nicht kn Betracht käme», ist sein» Art, er kann nicht dafür.—«.» Die von uns im Mitteilungsblatt abgedruckte LandtagSrede Adolf Hoffmanns wird tn den Mittet- lungen der Abhängteen als„«ine Kaschemmenrede" bezeichnet. Unsere Leser haben diese Rede ge- lesen und können fich selber«n Urteil vilden. Gewiß, so gestriegelt und gtbäaelt wie die Reden von Scheibe- mann, Lands berg oder David ist Stete Rede nicht, si« enthält keine Verbeugungen nach oben, foudern sie geht der heutigen PoittLE derb und Ertffrta d» Leibe. wie die Arbeiter Bas verlangen. Und deshalb:„Ker- schcmmenrede". Die Arbeiter werden wissen, was sie von solchen Leuten zu halten haben, die eine wirksam« Ver- tretung ihrer Interessen alS kascheurmenhaft ansehen. B»n der Presse der Abhängige». Der bisherige Redakteur der regierungssozialistischen Halleschen Voiksstimme, Wcndemuth, ist seit dem 1. August in der Märtischen Voiksstimme in Kottbus tätig. Au Wende- muthS Stelle hat der frühere Bezirkssekretär des Be- zirkes Halle, Drescher, die Redaktion übernommen. Dieser hat sich gerühmt, daß unter seiner Redaktion die Hallesche Ärbelterschaft, die durchweg unserer Par- tei angehört, zu einer anderen Ueberzeugung erzogen werde. Herr Drescher wird sicher eine schwere Eni- täuschung erleben. Die Märkische Volksstimme ist die- ser Tage vollständig unter die Votmäßigkeit der In- stanzen gebracht worden. Die bisherige Form der offenen Handelsgesellschaft wurde durch eine G.m.b.H. ersetzt und als Teilhaber der Firma wurden die von den K-reisorganisationen vorgeschlagenen vier Vev- tretcr und ein Mitglied des Parteivorstandes, und zwar Herr Otto Braun, ernannt. Da, wo die Ab- hängigen keine Zeitung haben, sind sie eifrig am Werke, den unabhängigen Zeitungen Konkurrenz- Unternehmungen entgcgenzusteUen. So ist jetzt für Solingen ein Pressefonds geschaffen worden, der dazu bestimmt ist. die Herausgabe eines Solinger Kopfblattes der Elberfelder„Freien Presie" zu crmög- lichen. Es ist erwünscht, daß die unabhängigen Organi- sationen sich diese Rührigkeit zum Muster nehmen und auch ihrerseits durch Sammlungen von Presse- fonds usw. schon jetzt für die Schaffung einer zahl- reichen Parteipresse sorgen. Ans Baden. Die Berichterstattung über den so- genannten badischen P a r t e i t a g, das regierungs- sozialistische Ketzergericht zu Offenburg, zeigt die nämlichen Erschein, ingen wie die kläglichen Veranstallun- gen der Delegiertenwahlen. Gar kein Interesse der Arbeiterschaft an diesem Gankelspiel der Mannheimer Regicrungsräte und ihrer Stabhalter im badischen Ländle. lind manchmal, wenn sich ein Teil der sozial- demokratisch veranlagten Arbeiter zu den Bera«stal- tungen der Reformatoren einfindet, bekommt das Ministerium Geiß e-dre ganz unerwartete Abferttgmrs. In Konstanz z. B. zog es der berichterstattende Delegierte Auer vor, beim Beginn der Aussprache »ber seinen langweiligen Vortrag sich zu»«ziehen. Die aus einem starken Dutzend bestehende Bersamnr- luug ist ohne die übliche Schließung auseinandergegangen. Die Regiernngösozialistcn können nun auch am Bodcnfee einpacken trotz der großhanstgcn Redensarten, welche die„V o l k s w a ch t" über den blühenden Reformweizen verzapfte. Die Swveiter lassen sich nicht mehr länger täuschen. Zu Fr ei bürg i. B. sollte sogleich nach dem Offenburger Ketzerkag ein abschreckendes Beispiel geliefert werden. Bon dort waren nur oppositionelle Delegierte nach Offenburg gewühlt worden med nur die amtlichen Bonzen privilegierten TeiluchmerrechtS fuhren nach Ofsenburg, wo dann der Redakteur und neueste M. d. L., Herr Anton Weiß mann, als Ketzernchter gegen die Andersgläubigen austrat. Ein gewisser Meliert auS Rastatt, der sich auch als Mili- t ä r v e r e in sv or stand eignen würde, wölkte jedem Sozialdemokraten, der nicht mit Hurra 5cnegSkrcdite bewilligt, die Parteizugehörigkeit aberkennen. Das Konzilium lud nun die Freiburger Ketzer vor ein Ge- richt, zu welchem der lange Antmr aus Mannheim als Oberrichter oder Ankläger erschien, um ein unnach- sichtliches Vorgehen gegen die Freiburger„Unabhängi- gen" zu fordern. Das Resultat war eine r e s u l t a t- los verlaufene Versammlung im Zeichen eines für die Landesregierung zu Mannheim schmerzhaften Kompromisses. Hei lebet noch, der Ikrbcitersckretär. Und min soll eine K r e i s Versammlung als Ketzer- gericht berufen werden. Das kann lustig werden! Aus den: Kreise Frankfurt-Lcbus wird uns be- richtet, daß kürzlich mit dem früheren Abgeordneten des Kreises eine Aussprache über die Situation stattgefunden hat. in der dieser seine Auffasstmg der Dinge vom Standpunkt der Reglerungsiozialisten darlegte. Sämtliche Genossen des Odcrbruchs wider- sprachen der Auffassung des Ncfcrenien, sie würdigten die Negierungssozialistm in ihrer Haltung während des Krieges. Sie waren der Meinung, daß für die Arbeiter nur solche Vertreter in Fräße kommen konnten, die auch in schwerer Zeit sozialistisch ge- handelt und die Jnternationalität auf ihre Fahne aefchrteden baben, die allein den Frieden bringen Wim. F« verschiedenen Orten des Kreises bildeten sich Gruppen der Unabhängige« Partei, die fich erfreu- licherweise ständia heben. Bon der Uuterweser. Bremerhaven, Lehe. Geestemünde, Wulsdorf waren vor Lriegsbeginn Orte mit reger Parteibewegung. Die große Mehr- heit der Parteigenossenschaft stand aus dem Boden des linken Flügels der Partei. Zu Anfang des Kruses trat das in Bremerhaven erscheinende Partei- blatt„Die Norddeutsche V o l k s st i m m e" in die Opposition zur Politik des 4. August, nach- dem diese Opposition sich zu regen begann. Sie suchte darin Schritt zu halten mit der„Bremer Bürger- Zeitung". Immer größeren Umfang gewann die Zahl der organisierten Arbeiter, die mit der Taktik der Regierungssozialiston nicht einverstanden waren. Auch der frühere Relchstagsal'geordncie für Bremen. F H Schmalfeldt mißbilligte diese Taktik aufs schärfste. Da§ verdroß die. Gewerkschasts- und Parteiaugestellten, die wie überall in ibrer Mehrheit sich hinter Parteivorstand, Parteiausschuß und Frak. tionsmehrheit stellten, natürlich nicht wenig. Sie atmeten aus, als Genosse Bortz, der Redakteur der .Voasstimme'. don die„Bonzen" unausgesetzt, aber mit.zunehmender Erfolglosigkeit bis zur Uustätigkeit gehässig bekämpft hatten, zum Heeresdienst einge- zogen wnrde. Sein Nachfolger in der Redaktion roar ein Regterunassozialist, ein willfähriges Werkzeug in den Hätwen insbesondere emes gewissen Brandes, der aus Reklamation bon der so «nphattsch verteidigten Pflicht der Vaterlandsverteidi- gung befreit wurde und es nun unternahm, für den 'Regierungssozialismus zu retten, was noch zu ret- tcn war. Zwar erklärten die Arbeiter, als ihnen mit langen Artikeln zugunsten der Politik des 4. August zugesetzt wurde, wenn das weiterhin ge- schehe, würden sie die Zeitung abbestellen. Doch, was halfs? Die Bürokratie der Partei, Gewerkschaften und des Konsumvereins hatte Oberwasser bekommen und setzte— wenn auch nicht mehr so plump und aufdringlich, wie zu Anfang in der Zeitung— das Bekehrungswerk fori.. Durch Denuuzianoneu suchten sie sich— wie anderswo auch— chre Widersacher mattzusetzen, womit sie denn auch mehr Erfolg hat- tcn, als mit den Versuchen, die Masse der noch vor- handenen Arbeiter der Unterweserorie auf ihre Seite zu bringen. Die„Norddeutsche Volkssiimme", Eigen- tum des Sozialdemokratischen Vereins Bremerhaven wurde mit Hilfe des Parteivorstandes zum Kreis- eigentum geinacht. Indem man sich nun aus die ländlichen Orte stützen kann, hofft man den Raub für alle Zeit in Sicherheit gebracht zu haben. Wo aber, wie in Vosbeck(im 19. Hannoverschen Reichstagswahllreis), wo mit Unterstützung von Ham- bürg her ein eigenes Versammlungslokal unterhalten wurde und ein Agitationsleiter eingesetzt war, durch eben diesen letzteren in Treue zu den Grundsätzen Widerstand geleistet wurde, sucht man sich zu Helsen, indem nun auch jenes Versammlungslokal zum Eigentum des Kreises und damit zum Verwaltungsappa- rat des Kretsvorstandes gemacht wird. Leider ha- ben die Genossen, die tatsächlich längst auf dem Bo- den der Unabhängigen Sozialdemokratie stehen, sich von dem Phantom der Erhaltung der Parteieinheit narren lassen. Nur in Wulsdorf haben ein Anzahl von ihnen den Schritt getan, der auch tn Bremer- Häven, Geestemünde und Lehe getan werden muß: sie haben sich von den Regierungssoziaftsten getrennt und sind unserer Partei beigetreten. Bier ist an der U itterweser versäumt worden und manches Mte für die Unabhängige Sozialdeuwkratie gerettet»Verden können, wenn man nicht immer wieder lax gehofft und geharrt sondern energisch und zielbewußt ae- handelt hätte. Doch nun sind die Dinge auch dabei wweft gediehen, daß ferneres Hoffen und Harre» von vielen als Schmach empfunden wird. Allen Schwierigkeiten zum Trotz wird sich auch ein Weg finden, auf dem es gelingt, alle jene ins Lager des grundsatztreuen Sozialismus zu führen, die nur mit Zorn und Widerwille« noch mit den Regterungsso- zialiste» im Rahineu der«ton Organisation verbleiben, obwohl sie längst zu uns gehören, oder die gar völlig jeder Organisation«rtsagi und sich„ab- wartend" tu den Schmollwinkel zurückgezogen haben. Es ist die höchst« Zeit, daß«»dllch gehandelt ivird; schmollen, abwmtte« oder sich nicht klar und ohne' jede Rücksicht, als die auf die Hochhaltung unserer Grundsätze, entscheiden, heißt wie den Regierungs- soziatismus, so dia» schimmsteu Feinde der klaffen- t bewußten Arbefterschaft unterstützen. Frisch und un-' gesäumt ans Werk also, Genossen und GenossstürM von der Unterweser! Seht nur. wie die Rcgierungssoziallftm rnM. sind. Anfang Juni hielten sie eine Kretsgeneralvev- sammlung ab. Sie tvaren dabei ganz unter sich, da ihre Gegner es abgelehnt hatten, sich an dieser Kv- mödie zu beteiligen. Unter diesen Umständen sand der zum Schein gestellte Antrag,„Das Eigentums- recht an der„Norddeutschen Volks stimme", das bis- her den Ortsgruppen der Untcrwescrorte(d. h. eioer zahlreichen Jndustriearbeiterschaft) gehörte... dem Kreiswahlveretn zu übertragen" Annahm«. Auch ein neuer Rcichstagskandidat für den 19. hannoverschen Wahlkreis wurde anstelle des verstorbenen Häver- kamp aufgestellt: der Vorsitzende des Böttcherverbau- des K. W» n k e l m a n n, ein Phraseur ersten Ranges. Seine Programmrede machte nach der Dar- stellung, die vor einigen Tagen in einer Mitglieder» Versammlung in Lehe davon gegeben wurde,„tiefe« Eindruck". Man denke, aus die völlig„rtiu"gestebte Kreisgeneralversammlung! Wichtiger noch ist, daß die Regierungssozialisten die Beiträge erhöht haben, daß sie in Wulsdorf eine Ortsgruppe gründen, kurz, sich tüchtig rühren wollen. Da gilt es sür alle, die nicht mit ihnen überein- stimmen können, ja, die sie, wie wir wissen, aus guten Gründen verachten, gleichfalls energisch und schleunigst zu handeln. Noch ist es nicht zu spät! Aber nochmals: es ist die höchste Zettl— Aus sem Gewerkschaftsledeu. viue Generalversammlung des SchneidcrverbaudeS (•Filiale Berlin) nahm am 7. August Stellung zum Perbandstag in Gotha und zur Wahl der Ortsver- waltung. Zum ersten Bevollmächtigten wurde Kunze mit 193 Stimmen gewählt, zum drillen Bevollmäch» ligten Wolff, Herrenmaßschneider, mit 179 Stimmen. Zu einer lebhaften Aussprache führte die bevor» stehende Goihaev Tagung. Bon allgemeinem Jnter- esse ist, daß auch hier die Politik der Generalkom« Mission heftig angegriffen wurde. Eine Reihe Redner wendete sich mit aller Entschiedenheit gegen die von der Generalkommission und den Zenlralvorstäudcu be- triebcne Politik des 4. Auguft, die eine Atzkehr der Arbciterovgcmtsaitionen von ihrem bisher betretenen Wege bedeutet. Das A und O einer moderne« Ar» beitcrorganisation müsse sein, den Mitgliedern Klar« heit über unsere kaptialistische Produktionsweise zu schaffen und ihnen zu zeigen, daß in einer Klassengesellschaft der Klaffenkampf geführt werden müsse, den führe man aber nicht durch„VolkzSstndv für Freiheit und Vaterland" und durch die Aechöhmmgs- Politik der Gencralkommission. Bei der Abstimmung wurde eine Entschließung gegen die Politik dev Ge» neralkonmüssion und der Zentralvorstände gegen we- nige Stimmen angenommen. Angenomnuu wurde feruer ein Antrug den Bei- rat alle zwei Jahre durch vrabstimmung der Mit- glieder neu zu wählen und der ferner sen ÄüSttift aus dem„Vollsbund für Freiheit und Vaterland� sordert. Rm wenig« Stimmen erhl�—. fich daaegea, Tür unsere lugend. Jugend und Volttik. ii. Es wird uns entgegengehalten, daß der Krieg, der alle die hier herangezogenen Tatsachen— die Aufhebung der Jugendschutzgesetze, die größere Ausbeutung der Jugend, den Sparzwang, die Mi- liturisierung der Jugend, die Einschränkung der Freizügigkeit usw.— geschaffen hat, einmal ein Ende haben wird. Die außergewöhnlichen Um- stände wären kein Grund, die Jugend auf die poli- tischen Dinge zu stoßen oder in den Kampf des öffentlichen Lebens hineinzuziehen. Das ist aber nur die Sprache derjenigen, die nicht sehen wollen, was ist und was wird. Es ist eine arge Täuschung, daß sich das Rad der Entwicklung zurückdrehen läge. Im Gegenteil, es wird, einmal in Schwung gebracht, noch schneller laufen als bisher. Die Produktivkräfte, die der Krieg zur höchsten Entfaltung gebracht hat, lassen sich in der heutigen Gesellschaft nicht mehr regeln. Dae Unternehmertum ist gezwungen, das in neuen Fabriken, Maschinen und Werkzeugen festgelegte Kapital nutzbringend zu verwerten. Die in den Arbeitsprozeß in größerem Maße hineingezogenen Jugendlichen und Frauen werden dann mehr wie je gebraucht, hauptsächlich auch, weil sie unter an- deren Verhältniffen billigere und willi- gere Arbeitskräfte wie die Männer dar- stellen. Dazu konimt, daß aus den verschiedensten Grün- den nach dem Kriege der kapitalistische Betrieb rationeller arbeiten muß. Das heißt mit anderen Worten, daß nicht nur die Ausbeutung bleibt, sondern daß sie größer werden wird. Schon je# geht die Industrie dazu über, das K o n t r o l l s y st e m für die Arbeiter weiter aus- zubauen. Heute schon müssen Lehrlinge besondere Kontrollzettel ausfüllen, die über jede Viertel- stunde ihrer Tätigkeit dem Arbeitgeber gegenüber Rechenschaft ablegen.# Das und vieles andere steht nicht danach aus, daß die Ausbeutung abgebaut wird. Uns erwartet im Gegenteil eine vermehrte Anfpan- nung und Ausnutzung der Arbeits- kraft. Demgegenüber würden die Jugendschutz- bestimmungen wie ein Hohn wirken. Sie waren ja schon vor dem Kriege nur wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. In Wahrheit hätte also die Jugend trotz Zbrwendung der Schutzbestimmungen gar keinen wirklichen Schutz, sondern sie wäre der Ausbeutung schutzlos preisgegeben. Dieser wichti- gen Frage würde also die Jugend nach dem Kriege genau wie heute gegenüberstehen. Sie müßte einen wirksamen Jugendschutz verlangen und würde damit in das Getriebe des politischen Lebens geraten. Wie steht es aber mit den anderen Fragen, die jetzt im Kriege die Jugend mit der Politik zusam- menbringen? Sie werden, weil die Dinge sich weiter entwickeln und zuspitzen, nicht verschwinden, sondern noch klarer und bestimmter hervortreten. Der Staat wird, durch die Erfahrung des Krieges angeregt, auf alle Fälle die M i l i t a r i s i e- rung der Jugend durchführen. Nicht nur aus militärischen, sondern besonders aus innerpolitischen Gründen. Die bürgerlichen Par- teien sind sich übrigens in der Hauptsache darüber schon einig. Aus denselben Gründen wird die Fortbildungsschule später im Sinne der einseitigsten politischen Beeinflussung weiter aus- gebaut. Wenn aber die Militarisierung und die Fortbildungsschule die Jugend schon vollständig in ihrer Freizeit belegen, will man dann noch von einer Freiheit der Jugend reden? Die Jugend wird nicht einmal die Zeit finden, um nachzu- denken über ihre wirkliche Lage. Sie wird sich also gegen diese Gesetzgebung, die solche Folgen für sie hat, wehren und darum auch die politischen Dinge anfassen müssen. Schon diese wenigen Punkte genügen, um zu zeigen, daß später die Jugend genau wie heute der Gesetzgebung und allen politischen Dingen gegenüber steht. Aber die Jugend wird ja nicht nur von den Gesetzen und Dingen berührt, die besonders für sie bestimmt sind. Wir denken da nur an die ge- waltigen direkten und besonders i n d i r e k- ten Steuern, die aufgebracht werden müssen für die Verzinsung der Kriegsanleihen. Die Ju- gend wird davon ebenfalls betroffen. Wird die Jugend nicht ebenso wie die Alten von der Teuerung erfaßt, die noch lange, sehr lange nach dem Kriegsende anhalten wird? So sehen wir auch hier, daß die Jugendein Interesse an der Gestaltung der Ge- setzgebung haben wird. Und wenn die Ju- gend in allen den Fragen, die sie besonders berühren, nicht tatenlos zusehen wird, dann ist es doch selbstverständlich, daß sie auch bei den gemeinsamen Interessen, die sie mit den Alten hat, ihren Mann stehen wird. Alles in allem: Die Zukunft wird zeigen, daß sich die Klassengegensätze, die Ausbeutung der Arbeiter und besonders der Jugend noch verschärfen werden. Deshalb wird auch die Jugend noch mehr wie heute in den Stru- del des politischen Lebens hineingezogen werden. Sie muß und wird darum zu den politischen Din- gen Stellung nehmen und wenn sie etwas er- reichen will, auch selbst handeln. pscb. Die IugenddeWegnng im Reiche. Die Agitation unter der Jugend im Reiche trägt ihre Früchte. Aus allen Ecken unseres Landes mel- den sich die Jugcnddereine und einzelne Jugend- genossen, die, durch das Beispiel der Berliucr Juaend angeregt, praktische Jugendarbeit leisten wollen. Selbst Orte, in denen der Klärungsprozeß noch nicht so weit vorgeschritten ist, in denen noch die„Arbeiter- Jugend" aus Mangel an einer anderen Jugendzci- mng gelesen wird, suchen unsere Verbindung. Und die Wünsche, die an uns gelangen, sind so reichlich, daß sie im Augenblick nicht alle bcsriedigt werden können. Vor allem tritt das Bedürfnis nach einer Jugend- zeitung hervor. Hier iverden Statuten verlangt, dort will man unsere Grundsätze kennen lernen, um sich zu informieren und Stellung zu nehmen. Dort wieder verlangt man Richtlinien für die praktische Jugend- arbeit. Aber auch einzelne Jugendausschüsse aus der guten alten Zeit nielden sich, die ihre Jugendarbeit noch in althergebrachter Weise nerrichten. Auch tr>eten verschiedene Auffassungen über die Jugendarbeit selbst hervor. Zur Klärung aller dieser Fragen hat schon an verschiedenen Orten eine Diskussion eingesetzt. Auch wir halten es in erster Linie für notwendig, daß überall eine'Aussprache über die grundsätzlichen Fragen unter der Jugend slattsindet, Bcimit Klarheit geschaffen wird. Nichts wäre verkehrter für eine gemeinsame Arbeit, die„unter Verwischung oder Zurückstellung wesentlicher Gegensätze aus Grund einer untkarcn Parole stattfindet."„Keine Samm- lung ohne Einheit der Anschauungen." Das soll nicht heißen, daß über jede Frage untergeordneter Bcdcu- tung eine einheitliche Auffassung erreicht werden muß. Das kann und braucht es nicht zu geben. Aber über die grundlegenden Fragen, wie über die SÄbständigkeit der Jugend, über die Besfeitfcgung der Jugendausschüsse— auch wenn diese der Jugend die größte Selbständigkeit und Betätigung lassen—, über die selbständige Arbeit der Jugend in den Ju- gendhcimen. über die Stellung der Jugend zu den politischen Dingen, über die Beseitigung der Alte?-- grenze in dem Sinne, daß die Jugendbewegung als Glied der Arbeiterbewegung kein Ersatz für die Par- tei, also keine eigene politische Partei ein kann, über alle diese Fragen muß unter den Jugend- genossen eine einheitliche Ansicht bestehen. Nur auf Gvnnd dieser Auffassung kann eine gemeinsame Arbeit, die von Dauer sein soll, stattfinden. Der Sparzwang für Jugendliche. Das Oberkommando in den Marken hat eine Bekanntmachung erlassen, in der es unter anderm heißt: Tie zahlreichen Anträge auf Auszahlung von Sparguthaben veranlassen mich, den sparsreien Wochen- verdienst der Jugendlichem auf 36 Mark zu erhöben. Da die verschiedenen seit dem ersten Erlaß der Ver- ordnung über den Sparzwang sür Jugendliche vom 18. Marz 1916 notwendig getvordenen Abiindeningen diese unübersichtlich zu machen''drohen, so erscheint eine neue Bekanntmachung angebracht. Auf Grund des§ 9 des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 nrird daher für das Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg bestimmt: „An jugendliche Personen beiderlei Geschlechts darf bis zu ihrem vollendeten achtzehnten Lebens- jabre von ihrem baren Arbeitsverdienst, gleich- gültig, ob dieser nach Zeitlohn, Stücklohn oder auf andere Weise berecknet ist, für jede Woche nicht mehr als sechsundokeißig Mark und außerdem ein Drittel des sechsunddxeißig Mark übersteigenden Betrages ausgezahlt werden. Dabei sich ergebende Beträge von weniger als eine Mark sind ebenfalls bar auszuzablrfi. Der nach§ 1 nicht auszuzahlende Teil des baren Arb«itsve»di«nstes ist vom Arbeitgeber binnen 5 Tagen nach jedem Löhnungsabschnitt bei einer öffentlichen Sparkasse auf den Namen des Jugendlichen auf ein Sparkassenbuch mit der Maßgabe einzuzahlen, daß über das Guthaben während der Dauer des Kriegszustandes nur mit Zustimmung des Gemeindevorstandes de- jeweiligen A: f nt- hattsortes des eingetragenen Inhabers ver,ugt werden darf. Das Sparkassenbuch bleibt tn Ver- Wahrung und Verwaltung der Spartasse. Ueber den an die Sparkasse avzusührendcn Betrag hat der Arbeitgeber dem Jugendlichen bei der Löhnung eine Bescheinigung zu erteilen, aus der sich ergibt, au welche Sparkasse der Betrag abgeführt wird. Ter Jugendliche ist fcrncr bercchligt, bei dem Ar- beilgcber-monatlich einmal den Nachweis über die erfolgte Einzahlung an die Sparkasse einzusehen. — Nach vollendetem achtzehnten Lebensjahr ist der Jugendliche berechtigt, von Vcr Sparkasse eine einmalige schristlichc Äusiunft über hie Höhe seines Guthabens zu erfordern. Triit ein Jugendlicher in das Hccr ein, so sind ihm aus seinen Antrag von der Sparkasse ge- gen Vorzeigung des G'estellungsveschls einmalig bis zu fünfzig Mark von scinelil Guthaben auszu- zahlen. Zu weiteren Auszaylungcn nach dcr Em- stellung in daS Heer ist die schr.slliche Zustimmung des Truppenteils erforderlich und genügend, bei Urlaub die des Gemcindevorslandes des Urlaubs- ortes. Richard Uchbock f Wieder bat dieses furchtbare Völkerringen einen unserem tätigsten Genossen aus den Ziethen der presse- tarischeli Jugcndbcwcgl'.ng dahingerafft: R i ch a r d R e h b o ck. Am 15. Juli wurde er durch einen Granat'pliitcr so schwer verwundet, daß cr in der folgenden Nacht seinen Verletzungen erlag. Er hat ein Alter von 23% Japren erreicht. Sc fort nach der Schulentlassung sck oß>ich Rehocck dcr>rcieii Jugend- bewegung an. Teilten Fähigkeiten cnt-p.cchend,.u.irde cr mit verschiedenen Zunaionai vetrcu.. Als der Posten des Jugend-Sekretärs frei ivurde. ernannte ihn die Berliner Jugend ehrenamtlich dazu. Trotz oer großen Arbeit fand er doch noch Gelegenheit, die Lücken der Volksschu�biidung auszufüllen und zeigte häusig, daß er denen weit überlcgcn war, welche an der Bewegung nur pcistia, nicht organisatonsch, mit- arbeiteten. Im Apr.l 1917 Iukuc er zum Atlsstär ciilbcruien. Aber auch dou versolgle cr alle'1.r- gängc in dcr Jugeildbcweguug. Seine größte.r..oe war dcr Zusammenschluß dcr beiden oppositiu netten Jligeudvereine. Wir können unseren toten Freund nur so c wen, wenn wer wie er m.i uuier ganzen Persönl.chkeit sür die Sache der. Jugend eintreten. Rudolf Reist f Ein neues Opfer des Völicrriugcns. Rudolf R e t h ist am 15. Juli in Westen gefallen. 19% Jahre ip er alt geworden. Ende 1911 ttt.t Neil) dcr Arbellcr-Jugend bei, lvurdc bald Spedueur nnl vertrat lange Zeit 3 Bezirke im Süden. Bei der Trennung der Opposition von der„Arbei.ck Jugend" blieb Rudolf auf unserer Seite. Er wurde später zum Hauptjpediteur der„Vereinigung Arbciteriugend" gewählt. Im Felde zeigte er das regste Interesse sür die Vorgänge in dcr Jugendbewegung. Nun hat sein Herz aufgehört zu schlagen. Hans Zimmerlich � Und wieder einer. Der Weltkrieg sordert unsere Besten. Zimmerlich wurdgZm Oktober 1916 zum zweiten Maloemgezogen' Vördens war cr wegen seines Lungen- lind Herzleidens vom Militär entlassen worden. Am 22. Mai erlranktS er an der Ruhr und am 4. August parb er in einem Feldlazarett. Wenige Stunden bor seinem Tode besprach unser Freund noch Zu- kunftspläne mit seiner jungen Lehcn�aefährlin. Er dachte noch nicht ans Sterben. Dm'Pfarrer, den man! ibttz vor seinem Tode schickte, winkte cr mit Entrüstung ab. Ein Kämpfer war er bis zum letzten Augenblick. Unsere Iugendsteime. �"lin. Brunnenstraße 57, H. Part.(Geöffnet: Wochentags 7—10 Uhr abends, Sonntags 6 bis 10 Uhr abends.) Berlin, Königsbergerstr. 7, vom I.(Wochentags 6 bis% 10, Sonntags 7—10 Uhr.) Reinickendorf., Amendestr. 79, vorn Part.(Diens- tags und Donnerstags 7—% 10 Uhr, Sonntags 4—% 10 Uhr.) Lichtenberg. Dossestr. 2. vorn.(Dienstags und Frei- tags abends.) Friedrichshagen. Schamweberstr. 59. Hof geradezu. Mittwochs und Sonnabends 8—10 Sonntags 7—10 Uhr.) Mariendorf, Ringstr.'83. vorn Part.(Mittwochs und Sonnabends 8—10, Sonntags 5—10 Uhr.) Schönederg, Glediischstr. 19, vorn Part.(Mittwochs und Donnerstags 3—10, Sonntags 6—10 Uhr.) Berantw. Redakteur: C. Leid: Verleger A. Hoffman»? beide Berlin O. 27, Schicklerstraße Druck: Maurer L- Dimmick, Berlin. KövenickerStr.LS�ch