A Mitteilung;-» des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. In beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post.— Redaktion u. Verlag: 0.27. Schicklerstr. 5. Fernruf: Alexander, 3007. Nr. 21. Berlin, den 25. August 1918. 13. Jahrgang. Soziallmperialiftirdie Purzelbäume. Uaulchens Sorgen. Vor ungefähr 10 oder 15 Jahren konnte man folgendes Eefchichtchen aus der russischen revo- lutionären Bewegung lesen: Ein fanatisch tätiger revolutionärer Agitator verschwand eines Tages aus den Reihen seiner Kampfgenossen. Nach länge- rer Zeit stieg ein Bekannter zufällig aus ihn und sah, dag der Wiedergefundene die Uniform eines — zaristischen Gendarmen trug. Zur Rede gestellt über den sonderbaren Berufs- und Kostümwechsel, sagte der Mann:„Ich bin noch genau der über- zeugte Revolutionär wie früher. Aber da das Volk noch viel zu schlaff und stumpf ist, um Revo- lution zu machen, mug es erst aufgereizt und noch weit mehr gebüttelt und drangsaliert werden. Da- zu kann ich als Gendarm am besten beitragen. Je mehr ich die Muschiks peinige, desto eher kommt für mich die Möglichkeit, mich wieder als Revo- lutionär zu betätigen." An diese Geschichte wird man erinnert, wenn man das Treiben des extrem sozialimperialistischen Flügels unserer Regierungssozialisten betrachtet, wie es vor allem in der„Glocke" seinen litera- Tischen Niederschlag findet. In erster Linie ist es da Herr Dr. Paul L e n s ch, der Tag und Nacht nur von der einen großen Sorge geplagt wird: wie können die— englischen Arbeiter revolutioniert werden? Um dieses Ziel zu erreichen, zieht er zwar keine Gendarmen- oder gar feldgraue Uniform an, dafür unterstützt er aber in Wort und Schrift die militärische Aktion, die das„weltbe- herrschende, perfide England" zertrümmern und die englischen Arbeiter, nach Lensch's Meinung, reif machen soll für den internationalen Sozia- lismus. Lensch verficht bekanntlich seit den November- tagen 1914, wo er aus einem kriegsgegnerischen Saulus ein kriegsbejahender Paulus wurde, die These: Der Weltkrieg ist die Weltrevolution an sich. England repräsentiert die Weltreaktion, Deutsch- land verficht das revolutionäre Prinzip. Veth- Mann-Hollweg, Michaelis, Graf Hertling, Hinden- bürg, Ludendorff, der preußische und der bayrische Kronprinz, die Generäle von Eichhorn und Kirch- dach in der Ukraine, der General von der Goltz in Finnland, General von Falkenhayn in Belgien usw., sie alle sind oder waren nach des genialen Pauls Meinung Heroen'der Weltreoolution. Und es war ein Glück für Paulchen, daß er eine Stätte fand, wo er mit seinesgleichen allwöchentlich den „sozialistischen" Segen über das Walten und Wir- ken des deutschen Imperialismus sprechen kann. Der Oberrenegat und„sozialistische" Kriegs- gewinnler P a r v u s gibt nicht umsonst das Geld für die„Glocke" her. Er weiß, daß es genug Vögel gibt, die auf die vergol- dete Leimrute gehen und dann das Lied pfeifen, das seinen Wünschen entspricht. Aber es ist viel- leicht nur ein ganz zufälliger Zufall, daß so man- cher Umlerner seine neue Ueberzeugung auf dem Wege fand, der zu den Leuten führt, die über den größeren Geldbeutel verfügen. Aber es genügte Herrn Lensch nicht, mjöerem mit dem wissenschaftlichen Condottiere der Schwer- industrie und des Großkapitals, dem Herrn Pro- fesior Plenge. am Strange der sozialimperialisti- schen„Glocke" zu ziehen; er setzte sich auch hin und schrieb zwei Bücher, in denen er seine funkelnagel- neue Revolutionstheorie wissenschaftlich und als einzig erleuchteter Marx-Jnterpret begründete. Dem Buche mit dem Sensationstitel:„Die Sozial- demokratie, ihr Ende und ihr Glück" folgte das Werk:„Drei Jahre Weltreoolution". Der büraer- liche Verlag, der diese beiden Prachterzeugnisse „sozialistischer" Kriegsliteratur mit sensationellem Reklametamtam auf den Büchermarkt warf, hat damit sicher ein gutes Geschäft gemacht und Herr Paul Lensch auch. Ueber sein zuletzt.genanntes Buch wird im„Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik" folgendermaßen geurteilt: „Lensch erniedrigt die Idee, welcher er einst dienen wollte, welche er lauter im Munde führte als irgend jemand. Er hat nicht den Mut sich zu einer anderen Anschauung zu bekennen, daß er heute für des Deut- schen Reiches Macht und Herrlichkeit! streitet und das Prinzip des Wcltbaues, wie es dem Sozialismus vor- schwebt, für irreale Phantasie hält— und er geht hin und putzt sein machtpolitisches Ideal mit den Emble- men des sozialistischen Gedankens. Wem es irgendwie ernst ist mit der Realität von Ideen, wem sie Reali- täten sind, ebenso real und stark als die handfesten Dinge der Wirklichkeit(welche ja gar keine Wirkung üben können, ohne in eine Idee einzugehen), der wird ein solches Buch nur mit dem Gefühl einer u n tt b e r- windlichen Abneigung und des Wider- willens aus der Hand legen— wie immer er zu der Idee stehen mag, aus welcher ein ehemaliger Jünger das Aushängeschild für seine intellektuelle Schaubude gemacht hat." Doch die Ignoranten, die so etwas schreiben, kapieren natürlich nicht, daß Herr Paul Lensch bei der Abfassung seiner Meisterwerke nur von der einen Sorge getrieben wurde, unter allen Um- ständen dazu beizutragen, daß die englischen Ar- beiter durch Zerschmetterung des kapitalistischen Englands revolutioniert werden. Leider hat er aber damit nicht viel Glück gehabt. Die Regie- rung Lloyd Georges hat vielmehr die Niederträch- tigkeit besessen, die„Drei Jahre Weltrevolution" schleunigst ins Englische übersetzen und in großer Auflage unter der Arbeiterschaft verteilen zu lassen. Die englischen Kriegstreiber können sich gar kein besseres Material wünschen, um den Nachweis zu erbringen, daß die deutsche Sozialdemokratie im- perialistisch bis auf die Knochen fei. Seht, sagen sie zu ihren Arbeitern, so schreibt ein„radikaler" deutscher Sozialdemokrat; müßt ihr euch da nicht erst recht hinter eure Regierung stellen und die Anschläge des deutschen Imperialismus abwehren helfen? Ob Herr Paul Lensch mit diesem praMschen Erfolge seiner Revolutionstheorie zufrieden ist, mag er mit sich selbst ausmachen. Vielleicht erfüllt es ihn mit Stolz, daß sein Opus der gleichen Ehre teilhaftig geworden ist, wie weiland das des Gene- rals von Bernhardy, das ja auch in einer Millio- nenauflage von den englischen Imperialisten unter das Volk geworfen wurde. Und wenn der General von Bernhardy während des Krieges den Orden pour le merite erhalten hat, so ist nicht einzusehen, warum nicht auch dem großen sozialimperialisti- schen Strategen an der Heimatfront eine ähnliche Auszeichnung zuteil wird.. Denn ein Bursch wie Paul Lensch läßt� nicht locker. In der neuesten Nummer der„Glocke" ver- öffentlicht er wieder einen Artikel über„die soziale Revolutionierung Englands". Der geplante Ueber- gang des kapitalistischen Englands zum Schutzzoll- system begeistert ihn zu dem Satz:„Damit bricht das alte Gesellschaftssystem Englands zusammen. Und weiter jubiliert er:„Mit dem Uebergang zum Schutzzoll gibt England das Eingeständnis ab, daß es den Krieg, wie es ihn von Anfang an aufgefaßt und geführt hat, nämlich als Handelskrieg, ver- loren hat." Mit anderen Worten also: Deutsch- land hat beute schon besagten Handelskrieg ge- Berlin, den 20. August 1918. wonnen! Das scheint uns ein etwas ver- frllhter Jubel. Denn was für ökonomische Er- rungenschaften Deutschland aus dem jahrelangen Ringen davongetragen und inwieweit England der wirtschaftlich Unterlegene sein wird, das liegt vor- läufig noch sehr im Dunkel. Aber Herr Paul Lensch betrachtet die Dinge aus einer hohen, weltumspannenden Perspektive. Für ihn stürzt mit Preisgabe des Freihandels in England„'das letzte Bollwerk liberaler Weltan- schauung in Trümmer. In Zukunft wird es nur noch Imperialisten oder Sozialisten geben". Der Uebergang zum Schutzzoll wird die englischen Ar- beiter zum internationalen Sozialismus bekehren, und wenn dann der n ä ch st e Krieg kommt, dann, ja dann wird„die Aussicht auf eine Ueber- windung der gegenwärtigen widerspruchsvollen Gesellschaftsordnung sein. Und um zur Erreichung dieses hohen Zieles im n ä ch st e n Kriege beizutragen, spielt Paulchen im gegenwärtigen Kriege die Rolle des ein- gangs erwähnten Revolutionärs im Gendarmen- kittel. Arvetterklasse«nd Sozialimperialismus. Das vorstehende ist geschrieben worden nicht aus Lust an der Katzbalgerei mit einem Paul Lensch, sondern weil in der sozialimperialistischen Theorie und Praxis eine große Gefahr für die deutsche Arbeiterklasse und den internationalen Sozialismus überhaupt liegt. In der Theorie von der Weltrevolution st la Lensch kommt die Arbeiter- klasse als selbständig handelnder politischer Faktor überhaupt nicht in Betracht oder höchstens als Material, mit dem seine Heroen der Weltrevo- lution schalten und walten können. Und die Aus- schaltung der Arbeiterklasse als bewußt handeln- des Subjekt ist auch der Grundgedanke in den zahl- losen Artikeln der Gesinnungsgenossen Paul Lensch's, der Winnig, Jansson, Heilmann und der Männer der„Sozialistischen Monatshefte"; dieser Gedanke beherrscht Theorie und Praxis der Herren von der Eeneralkommission der Gewerkschaften. Und er kehrt immer wieder in den Spalten der regierungssozialistischen und gewerkschaftlichen Presse. Die Arbeiterklasse soll das bemutterte Ob- jekt der Parlamentarier, Gewerkschaftsführer, Or- ganifationsleiter usw. sein. Während des Krieges soll die Arbeiterklasse auf die regierunFssozia- listische These von der Landesverteidigung fest- gelegt bleiben, nach dem Kriege schwebt den Heil- mann, Winnig, Plenge usw. das Ideal eines Staatskapitalismus, gemildert durch etwas deko- rative Scheindemokratie, vor, bei dem die Führer im Parlamente Pfennigerfolge erlisten und die Ge- werkschaftsführer dem großindustriellen und fis- kalischen Kapitalismus kärgliche Zugeständnisse abschachern können, während die Arbeiterklasse ge- duldig die Kriegsfolgen und die Entbehrungen eines Notfriedens auf sich nehmen muß, bis sie— nach Lensch— beim nächsten Kriege von ihren Führern an ihre vaterländische Pflicht gemahnt wird. Die sozialimperialistischen Apostel zwingen der regierungssozialistischen Partei ihren Willen auf. Sie stützen sich auf den Einfluß der Ernernßom- Mission und den des sich im Hintergrunde halten- den Parvus. Sie haben immerhin ein festes Ziel und einen festen Willen. So geniert sich Herr Lensch nickt, in diesen Tagen der Kolonialkriege r- spende Agitationsreden für die kapitalistische Kalo- nialpolitik zu halten. Spricht er doch am 22. August tm Hamburger Eewerkschaftshaus über„Kolonial- Politik und Sozialpolitik". Untersticht wird er hierbei von dem schreibgewandten und wandlungs- fähigen Herrn Dr. Adolf Köster, dem Kriegsbericht- erstatter der regierungssozialistischen Presse. Der andere Flügel der regierungssozialistischen Parrei, der gern noch die alte Klassenkamvfpartei mimen möchte, kann mit den sozialimperialistischen Drauf- gängern nicht mit und ist zu lauter Halbheiten ver- urteilt. Daher auch die fortwährenden Rempeleien zwischen Heilmann und Lensch auf der einen und Stampfer aus der anderen Seite: daher auch die geistigen Verrenkungen des„Vorwärts". In den Fragen der parlamentarischen und sonstigen poli- tischen Praxis siegen aber stets die Sozialimperia- listen, was bei der letzten Kriegskreditbewilligung besonders deutlich in Erscheinung trat. Die Uermehvitttg der FriMenarbett im Kriege« Die Frauenarbeit hat während des Krieges eine ganz gewaltige Ausdehnung erfahren. In allen Be- rufen sind die Frauen an die Stelle der Männer ge- treten, die durch den Krieg von ihren Arbeitsplätzen sortgerissen worden sind. Selbst in Industriezweigen, in denen vor dem Kriege die Frauenarbeit wegen der Schwere der geforderten Arbeitsleistungen oder der gesundheitsschädigenden Wirkungen nur in geringem Maße Eingang gesunden hatte, sind heute Frauen fast in demselben Maße wie die Männer beschäftigt und verrichten Arbeitsleistungen, von denen man vor dem Kriege ohne weiteres angenommen hätte, daß sie ihre Kräfte übersteigen. Der Bericht der sächsischen E>e- werbeaufsichtsbeamten für die Jahre ISIS, lSlö und 1917. der unlängst erschienen ist, zeigt diese Entwick- lung der Frauenarbeit für Sachsen mit zahlen� mäßiger Schürfe. Aach diesem Bericht ist die Gesamtzahl der weib- lichen Arbeiter in Sachsen vom Jahre isi-l bis 1917 gestiegen von 235 999 anf 289 999, also um 23 099. Diese Gesamtzahl gibt jedoch noch kein richtiges Bild von der Entivüklung der Frauenarbeit während des Krieges. Werden doch in Sachsen heute in der Textilindustrie 39 999 Frauen weniger beschäftigt als vor dem Kriege, von denen ein großer Teil in anderen Industrien un- gleich schwerere Arbeit verrichtet. Ein ganz anderes Bild erhält man, wenn man die Industrien einzeln ins Auge faßt, in denen entweder große körperliche Anstrengungen bei der Vernichtung der Arbeitsleistung erforderlich sind oder in denen eine Gefährdimg der Gesundheit durch den Arbeitsprozeß in der Regel zu erfolgen pflegt. So beschäftigte die Industrie der 'Steine und Erden im Jähre Tblä'ruüd 13 299 männliche Arbeiter gegen nur 2899 weibliche Arbeiter. Heute hat sich das Verhältnis gervaltig verschoben. Die Zahl der männlichen Arbeiter ist auf 3799 gesunken, die Zahl der weiblichen jedoch auf 3399 gestiegen. Aehn- lich haben sich die Verhältnisse in den Ziegeleien entwiclelt, wo die Arbeit bekanntlich überaus an- strengend und unangenehm ist: vor dem Kriege 19 282 männliche und 1787 weibliche Arbeiter; 1917 dagegen 1907 männliche und 1037 weibliche Arbeiter. Also auch hier eine gewaltige Verschiebung des Verhältnisses zwischen männlichen und weiblichen Arbeitern. Selbst in Glashütten u n d G l a ö s ch l e i f c r c i e n, wo Berufskrankheiten überaus häufig die Folge längerer Beschäftigung sind, zeigt sich die gleiche Tendenz. Hier weist der Bericht für 1914 8179 männliche und 1339 weibliche Arbeiter aus, für 1917 dagegen 3989 mann- Nche und 1437 weibliche Arbeiter. Diese Industrie- zweige sind zurückgegangen, die Zahl der in ihnxn beschäftigten Frauen ist dagegen im Verhältnis gc- wachsen. Am dentltchsten aber tritt die Entwicklung zutage in der Industrie für M e t a l l v e r a r b e i tu ng u n d der M a s ch i n e n i n d u st r t e. Hier tritt die Steige- runq der Frauenarbeit nicht nur relativ, sondern auch absolut ganz gewaltig in die Erscheinung. Vor bei» Kriege hielt sich hier die Frauenarbeit tm Vergleich zu anderen Industrien, wie etwa der Textilindustrie, die schon vor dem Kriege mehr Frauen wie Männer beschäftigte, in mäßigen Grenzen. Im Jahre 1914 standen. 163 999 männliche Arbeiicr 18 300 weiblichen gegenüber, das Verhältnis zwischen männlichen und lvenüchcn A rbettern war also 199: 11, im Jahre 1917 dage war die Zahl der männlichen Arbeite? ge- funken auf 132 099, die der weiblichen. Arbeiter dagegen gestiegen auf 78 699. Mehr als 69 999 Frauen sind also heute in der Metallindustrie mehr beschäftigt, als in der Zeit vor dem Kriege: Die Metallindustrie hat während des Krieges größeren Umfang angenommen als vor dem Kriege. Sie beschäftigte 1917 rund 27 909 Arbeiter mehr, als im Jahre 1914. Diese Ankdeh' nung der Metallindustrie ist nur möglich gewesen durch die gewaltige Zunahme der Frauenarbeit. Heute ist in diesen Industrien das Verhältnis zwischen männ- lichen und weiblichen Arbeitern nicht mehr 199: 11, sondern 199: 69! Aehnlich wie die Metallindustrie hat sich die chemische Industrie entwickelt. Hier tritt die Vermehrung der Frauenarbeit noch schärfer hervor, wenn es sich auch um kleinere absolute Zahlen handelt. Vor dem Kriege beschäftigte die chemische Industrie etwa 9099 Arbeiter, davon 6099 männliche und 3999 weibliche; heute dagegen beschäftigt sie etwa 16999 Ar- beiter, davon 6009 männliche und etwa 10 000 weibliche. Und dabei handelt es sich hier um eine Industrie, bei der gesundheitsschädliche Wirkungen der Arbelt be- sonders häufig sind. Allein die Zahl der Arbeiterinnen, die heute in Sachsen mehr beschäftigt werden, gegenüber der Zeit vor dem Kriege, gibt noch ebensowenig ein Bild von der Entwicklung der Frauenarbeit, wie sie ein Bild von- der Entwicklung der Industrie gibt. Es muß noch berücksichtigt werden, in welchem Maße sich das Ar- beitstempv' geändert hat und die Arbeitsmethoden ver- ändert worden sind. Darüber gibt die Statistik der sächsischen GewerbcaufsichtSbeamien keine Auskunft. Wohl aber läßt sie wenigstens annähernd erkennen, wie die Arbeitszeit der weiblichen Arbeiter während des Krieges zugenommen hat. Stach dieser Zusammen- stcUung wurden in den Jahren 1913 bis 1917 in Sachsen von iveiblichen Arbeitern über 16 Jahre 6 730 090 Ucberstundcn über dte.durch die Gewerbeord- nung sestgelegte Höchstarbeitszeit hinaus geleistet. Fast 7 Millionen Ueberftunden: das heißt 7 Millionen Stunden vermehrter Ausbeutung der Frauenarbeit, 7 Millionen Stunden mehr, in denen die Frauen Mehrwert für die Unternehmer geschaffen haben. Dieser vermehrten Tienstbarmachnng der Frauen für das Unternehmertum entspricht jedoch keineswegs die finanzielle Würdigung der Frauenarbeit durch die Unternehmer. Ueberall werden die Frauen erheblich niedriger bezahlt als die Männer, die die gleiche Ar- beit verrichten und das gleiche ÄrbeitSqmmtmn erledigen. Für die Unternehmer bedeutet also die Ver- mehrnng der Frauenarbeit während des Krieges nicht mir die Möglichkeit, ihre Betriebe aufrechterhalten zu können, sondern zugleich eine Erhöhung ihres Profits. Für die Arbeiterschaft liegt aber gerade in der ichlech- ten Entlohnung der Frauenarbeit eine große Gefahr: Tie Gefahr, daß nach dem Kriege ein Konkurrenz- kämpf eintritt zwischen dem Mann und der billiger arbeitenden Frau, der der Arbeiterschaft schwere Wun- den schlagen muß. Es ist daher Pflicht, unter die Hunderttausende von Frauen, die heute im Reiche mehr als vor den? Kriege in der Industrie beschäftigt sind, Aufklärung zu tragen, daß sie auf Gleichstellung ihrer Löhne mit den Löhnen der männlichen Arbeiter drin- gen. Wird dies während des Krieges gebildete Ar- bciterinnenhecr in dieser Hinsicht nicht aufgeklärt, so kann die Vermehrung der Frauenarbeit während des Krieges zu einer direkten Bedrohung der Lebenshal- tung der Arbeiterklasse werden. Gin Keitrng zur Wohnungsfrage. Uns wird geschrieben: .War vor dem Kriege schon eine sogenannte Klein- Wohnungsnot zu verzeichnen, so wird dieselbe nach dem Kriege ganz ungeheuerliche Dimensionen annehmen. Es werden uns nach dem Kriege, nach dem Urteil sachver. ständiger Männer, ungefähr 730 009 Kleinwohnungen fehlen Das Rcichsarbeitsblatt schreibt in seinem Juni best:„Jedenfalls ist mit der Tatsache zu rechnen, daß inmdestcns in einer ganzen Reihe von Städten die zu- nächst leergewordenen Kleinwohnungen bis zu einen« gewissen Erade während des Krieges wieder besetzt wor- den und, daß ein erheblicher Teil der gegenwärtig auf- gelösren Haushaltungen nach dem Kriege wieder herge- stellt werden, außerdem ein großer Teil der vielen Kriegsgctrauten erst dann an die Gründung heran- treten werden, und daß erfahrungsgemäß die Zahl der Eheschließungen nach einem Kriege stark anschwillt. Es wird also mit einer stark erhöhten Nachfrage nach Woh- nungen nach dem Kriege zu rechnen sein, der der Ausfall 3 r Neuwohnungen durch das Darniederliegen der Bau- tätigkcit gegenübersteht." Wurden vor dem Kriege ungefähr jährlich zirka 290 000 Kleinwohnungen gebaut, so hat diese Vautätia- k'it seit Kriegsausbruch ganz aufgehört Schon feist während des Krieges ist die Nachfrage in stetigem Mach- sen begriffen, nach Kriegsschluß wird diese Nachfrage, der keine entsprechenden Angebote gegenüberstehen, einen bedenklichen Umfana annehmen. In den Großstädten war vor dem Kriege die Bevöl- kerung aufs engste zusammengepfercht, so zum Beispiel in Berlin, dort waren 1910 von 380 000 Wohnungen 410 200, also zirka 71 Proz., in Häusern, die mehr als 20 Woh- nungen enthielten, 1011 betrug diese Zahl bereits schon 86 Prozent. Der Anteil der Bevölkerung in überfüllten Woh- nungen betrug nach Dr. Kuczinski(mehr als zwei Per- fönen auf einen Wohnraum), 1910 in Posen 33. Dort- rniind 29, Essen-Düsseldorf 25, Aachen 24, Berlin-Lichtenberg 21, Breslau 20, Neukölln 18, Berlin 16, Charlottenburg 11, Kiel 9, Dresden 7, Hamburg 6, Leipzig 4 und Hannover 2 Prozent. Die Zahl der in solch Übervölker- ten Wohnungen Groß-Berlins mit Cbarlottenburg, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg und Wilmersdorf leben- den Menschen betrug 436 900, d. h. 15 Proz. der Be� völkerung. Was für gcsundbeitliche und sittliche Schäden, beson- ders wenn noch Astermieter hinzukommen, entstehen. lehrt uns ja die Tagcschronik der Presse am besten. Mit Recht sagt Professor C. Pftilgge in seinem Werk:..Die Vesiedlunggdichte und dag Wohnen in hohen Stockwerks- Häusern, das den Großstädtern reichlichen Aufenthalt und Bewegung im Freien unmöglich macht, ist als hauptsäck- ltchste Ursache für die Verschlechterung ihrer Körver- beschaffenheit anzusehen." Treffend paßt hierzu der Au-,- sormh unserer Sozialvolittker:„Man kann einen Men- schen mit einer schlechten Wohnung genau so gut töten wie mit einer Art." Ungezählte kriegsgetraute Frauen wohnen jetzt noch bei den Eltern oder in Schlafstelle. Naturgemäß kann- te? sie sich zurzeit keinen eigenen Hausstand gründen und zahlreiche Mütter suchten auf dem Lande wie auch in der Stadt Unterschlupf bei Verwandten. Familten. deren Ernäbrer oder auch Söhne gefallen, werden den Haushalt einschränken resp. haben es schon getan. Sie alle streben nach Kriegsschluß bei Heimkehr der Männer mit elementarer Gewalt auseinander und hinein in die enoe Kleinwohnung. Vermehrt wird diese Masse noch durch den Zuzug der Kriegsbeschädigten nach der Groß- stadt. Bisher hielt man die Lösung der Wohnungsfrage für eine Grundaufaabe der Gemeinden, ist es diesen nun aber aus ftuanziellen Gründen nicht möglich, diese Auf- gäbe zu erfüllen, so fällt die Notwendigkeit, für Woh- nungen zu sorgest, auf den Staat zurück, bildet sie doch einen Teil des Bevölkerungsproblems Um für die Uebergangszeit Wohngelegenheiten zck schaffen, ist angeregt worden, einige Tausend von aus- rangierten Eisenbahnwagen, ja sogar Schulen, als Woh- nungen einzurichten, selbst die Freizügigkeit möchte nicyr einschränken. Diese Gedanken müssen von vornherein als ganz frivole Pläne verworfen und bekämpft werden. Ebenso verwerflich und einen großen Schritt nach rück- wärts bedeutet die in Aussicht genommene Freigabe der Keller- und Dachwohnungen. Eine Schädigung der Ge- jundheit der minderbemittelten Klassen auf der einen Seite, auf der anderen ein Millionengejchenr den Haus- besitzern gegenüber. Dr. Naumann sagte einst:„Kellerwohnungen sind staatsgefährlich." Leider trifft dieser Ausspruch nur zu sehr das richtige. Jahrzehntelang ist dagegen gekämpft worden, Keller- und Dachwohnungen zu benutzen, uud nun soll ein Federstrich genügen, um die Benutzung wiederherzustellen. Ebenso ist der Gedanke zu verwerfen, Familienwohnbaracken(ein schauderhaftes Wort) zu er- richten. Es handelt sich jetzt darum, daß nach dem Kriege genügend Wohnstätten vorhanden sind, keine provifori- scheu, sondern gesundheitlich einwandfreie Dauerklein- Wohnungen. Um diese doch den Interessen der Gesamtheit die- nende Aufgabe zweckmäßig zu lösen, müssen Reich und Kommune gemeinsam helfend eingreifen. Es muß mit Hochdruck und unter Anwendung aller behördlichen Machtmittel gebaut, gebaut und abermals gebaut wer- den. Es muß unter allen Umständen für genügend menschenwürdige Wohnungen gesorgt werden. Schon jetzt, wo die Bauten'so teuer sind, daß mit Privatbauten gar nicht zu rechnen ist, selbst wenn auch genügend Baumaterialien freigegeben würden, wäre es Pflicht der Behörden, diese Bauten aufzuführen. Dadurch wäre für später die private Bauspekulation ausgeschaltet und einer Ueberteuerung der Wohnungen vorgebeugt. Um diese Aufgabe zu lösen, ist notwendig, Bereit- stellung von Baugelände, Baugeldern und Hypotheken. Beteiligung an bestehenden Baugenossenschaften, Ueber- nähme des Verlustes für die jetzt in der teueren Zeit gebauten Häuser, sie später, wenn wieder normale Ver- hältnissc auf dem Baumarkt eingetreten sind, wahrschein- lich an Wert verlieren werden. Alles dieses sind Auf-. gaben, die zu lösen eine der ersten Aufgaben der Ge--. ineinden und des Reichs sein müßten. Ebenso ist es Pflicht der verantwortlichen Behörden, für sofortige billige Bereitstellung aller notwendigen Vaumaterialien Sorge zu tragen, wie auch Freigabe der so dringend benötigten Arbeitskräfte für die sich püt der Herstellung von Baumaterialien befassenden'Betriebe seitens der Heeresverwaltung. Eine gleichfalls große Rolle spielt die Verkehrsfrage, Hcranschaften von Roh- Materials, Fortschaffen des Fertigmaterials. Sollen die Pieife für Baustosfe nicht ins Unermeßliche steigen, so müssen dieselben in genügender Anzahl vorhanden sein, die Privatspekulation ausgeschaltet und eine Preislon- trolle des Staates eingerichtet werden. Wenn oben erwähnt wurde, daß die Vaugenosseii- stfiaften zu bevorzugen sind, so findet dieses seine Be- gründung darin, daß die Genossenschaften in vezug auf Herstellung von Kleinwohnungen eine überaus segens- reiche Tätigkeit entfaltet haben. Wenn auch die Bau- genossensthaften in dankenswerter Weife von Reich und Versicherungsanstalten unterstützt wurden, fo böte sich auch den Krankenkassen hier ein dankbares Feld der Be- tätigung, werden doch durch Hergäbe, van Hypotheken- geldern ihre Mitglieder indirekt unterstützt. In hygie? nifch einwandfreien Wohnungen treten doch seltener Krankheiten auf als in übervölkerten, mit Schlaf- und Kostgängern geteilten Wohnräumen. Landrat Verthold erklärte einst:„Die beste Anerkennung für das Wirken der Baugenossenschaften ist die, wenn wir sehen, daß die Kinder der Mitglieder in den gesunden Genossen- schaftswohnungsn gesunde rote Backen bekommen und als ein gesundes, kräftiges, junges Geschlecht heranwachsen." Der Jugend gehört die Zukunft, das sollen wir uns stets bewußt sein, ihr Lebensbedingungen zu schaffen, die besser sind als die. in denen wir aufgewachsen, soll und muß unsere heiligste Aufgabe sein. Kinderreiche Familien, welche von den Hauswirten! so gerne abgewiesen werden, ihnen bieten die Genossen- schaften Unterkunft, haben ja die Mehrzahl von ihnen für die Eenossenschaftskindcr eigene Wohlfahrtseinrich- tungen(Spielplätze, Kinderhorte usw.) geschaffen. Somit stellen die Baugenossenschaften das Ideal der Zukunft dar, wer einer Vaug?nossenschaft beitritt, ist der Willkür des Hauswirt» entzogen, er ist ja doch fein eigener Hauswirt. Auch hier gilt die Devise: Einer fü« alle, alle für einen. Der Krieg hat ia zur Genüge tewiesen, wie der private Hausbesitz zu bewerten ist. Tausende Frauen und Kinder von Gefallenen und zurzeit im Felde Stehenden sind obdachlos gemacht worden. Heute beherrschen die Großbanken die Millionenbevölkerung, während der Hausbesitzer nur der Kassenbote des Kapitals, ihr Hypo- thekenberwalter ist. Alles das, was die Baugenossenschaften bisher segensreiches in der Wohnungsfrage geleistet haben, hier aufzuführen, würde zu weit führen. Die Genossenschaften können und wollen auch noch mehr leisten, es muß ihnen aber auch von den dazu berufenen Stellen wie auch aus den Kreisen der Bevölkerung weitestgehende Unterstützung zuteil werden. Schon sehe ich, wie die Feinde de: Eenossenschafts- bewegung hohnlächelnd die Achseln zucken. Doch ach, wie vielen ist es schon so gegangen, alles Schwarzmalen und Prophezeien hat nichts genutzt, der Gedanke der Genossenschaftsbewegung hat in den Kreisen des Bürger- tums und der Arbeiterschaft schon zu tief- Wurzel ge-i schlagen, als daß ihm einige Heißsporne noch den Garaus machen tonnen. Worauf soll der Bürger, der Arbeiter nungslage verbessern Mögen diese kurzen Zeilen dazu beikragen, dem Ge- nossenschaftsgedanken neue Freunde zuzuführen. Und nun zum Schlug noch ein, bei genügender Unter- stlltzung der in Betracht kommenden Stelken, leicht aus- zuführendes Ideal: Im Zentrum der Stadt groger Ge- fchäftsverkehr, hier sind die großen Geschäfte, die großen Betriebe, in denen die Arbeiter ihr Brot verdienen. Nach der Arbeit strömt das Arbeiterhecr, die Masse, hinaus, dort an der Peripherie erheben sich, umsäumt von einem grünen Kranz kleiner Gärten, luftige ge- mächliche Häuser. Dorthin slüchten sich die Arbeiter, ruhen aus, von niemand gestört....' Aus unserer Sammelmappe! Der verhinderte Hauptausschutz. — Zensur der Reichstags-Steno- gram mc.— Alldeutscher Jubel.— Re- g i e r u n g s s o z i a l i s m u s und bürger- liche Gesellschaft.— Sozialdewo- k r a t i s ch e Annexionisten! Wie eine Variation der bekannten Regel von dem Brunnen, der einen Deckel bekommen müsse, weil das Kind hineingefallen, wirkt das augenblickliche poli- tische Gehabe und Getreibe des regierungssozialistisch- bürgerlichen Pressemischmasches in Punkto Ostsragen. Im Großen Hauptquartier war nämlich wegen dieser Dinge ein geheimnisvolles Kommen und Gehen von Diplomalenfräcken und Fürstenhelmen. Das heißt: Ntchis genaues weiß man nicht, man vermutet nur! Dem sei, wie ihm wolle: besagte Zeitungspapier- verderber stimmten ein mächtiges Halloh an um den schlasenden Hauptausschuß(beileibe nicht etwa Reichs- iag!). Alle Zornesadern schwollen ob der offiziösen Geheimniskrämerei, bis endlich der Ruf nach Einbe- rusung des Ausschusses herausgestanimelt. Hilf, Samicl, hilf! Aber Samiel— Verzeihung, Herr Ebcrt näm- lich, der Vorsitzende und nächste zum Einberufen der verlangten Körperschaft— macht eine Ferientour und darf in seiner Ruhe wegen neu zu gründender Polen- tatentümer nicht gestört werden. Von ihm selbst aus kann passieren, was da wolle: wenn nur der Herr Arbeitervertrelcr seine Erholung von den anstrengen- den- Feldzügen gegen die verfluchten U. S. finden. Zum üblichen Ja- und Amensagen kommt er immer noch früh genug. Ebenso, um einige schüchterne Pro- teste über die Außerachtlassung der berühmten Formel vom Selbstbestimnmngsrecht der Völker zu murmeln. Es fällt uns uatürlich nicht im Traume ein, den Theaterseufzer nach dem Hauptausschutz nachzuahmen. Ob er einige Wochen früher oder später von voll- zogenen Tatsachen informiert wir, ist für den Gang der Ereignisse herzlich gleichgültig. Ganz abgesehen davon, daß wir es grundsatzlich ablehnen müssen, Tinge in dem Halbdunkel des Hauptausschusses be- handeln zu lassen, die vor das Forum des Reichs« mges gehören und damit die uneingeschränkte und nicht offiziös rationierte OessentlichkeitI Auf diese prinzipielle Seite der Angelegenheit hin- Mw.eisen, hütet man sich ich anderen Lager natürlich wohlweislich. Vergißt auch mitzuteilen, daß der Hauptausschuß ja eigentlich nichts anderes darstellt, als ein bereitwilligst von der Volksvertretung zur Verfügung gestelltes Schlummerkissen für das poli- tische Gewissen der Regierung. Der Reichstag kennt keine Geheimsitzungen. Also wird aller Verhandlungs- stoff, der für den Verstand der Normal-lUntertanen zu hoch ist. dem Hauptausschuß zugeschoben. Als so- zusagen erweiterte Kommissiön kan er hinter schall- sicher abgedichieten Filzwänden tagen. Daß es vielleicht erforderlich wäre, den Reichs- tag vor dem Beginne von Verhandlungen wie den jetzt im Hauptquartier gepflogenen einzubemfen— auf diese verruchte Idee kann uatürlich ein patriotisch angehauchtes Gemüt nicht kommen. Freilich: Herr Stampfer erinnert sich leise der Möglichkeit eines solchen Tuns; begnügt sich allerdings als gut gezo- gener Durchhalter damit, auf die traurige Rolle des Reichstages bei bisher allen wichtigen Anlässen hin- zuweisen. Was ihm obendrein noch ersichtliche Mühe kostet: einesteils, weil man um Gotteswillen keinen Anstoß erregen darf(Herrn Stampfers Konto ist so wieso schon reichlich belastet) andernteils, weil man auch die Vorwärts-Leser nicht stutzig machen möchte, denen man bisher immer von dem ungeheuren Ein- fluß der Scheidemann-Fraktion erzählte!... « In seiner glänzenden Analvse der 1848« Bewegung charakterisiert Karl Mar4-cw Wesen der Frankfurter Nationalversammlung mit folgenden Worten: .... So zeigt sich uns das Bild einer Versammlung. die den Anspruch erhob, die einzige gesetzliche Vcr. tretung einer rvoßen und souveränen Nation zu sein, und die doch niemals den Willen und die Macht be- saß, ihren Ansprüchen Geltung zu verschassen. Die Verhandlungen dieser Körperschaft, die ohne jegliches praktische Ergebnis blieben, waren nicht einmal von theoretischem Wert, da sie bloß die abgebrauchtesten Gemeinplätze veralteter philosophischer und juristischer Schulen tviederkäueten..." Ob die zukünftigen Ge- schichtsschreiber des Weltkrieges wohl bessere Worte finden werden, um das Wirken des Deutschen Reichs- tages in dieser Zeit zu umschreiben? Nicht nur. daß er das Zuspätkommen bis zur unubertresfllchen Vir- tuosität entwickelt, das nachträgliche Jasagcn zu allen Dingen, die man ohne ihn gestaltete, in vollendeter Weise beherrscht, gegen alle Kritik eine Rhinozetos- haut besitzt: meistens tagt er nur noch, um einen Grund zu finden, sich— weiter vertragen zu können Kurz: von absolutistischer Warte aus gesehen, stellt er unzweifelhaft das Ideal aller Parlamente vor! Es gibt aber nun einmal Leute, denen nichts gut genug gemacht werden kann, aie immer und & 9("dtan 1*». d--i« flben wollen. Zu diesen gehören u. a. me irreue, Wche sich um die-Kreuzzeitung' und verwandte Or- gerne grwrden. Fußend auf der Tatsache, daß«m Reichstage inuner liel zu v.el aeredet wird, mocmen sie das Hohe Haus zwar nicht in Permanenz in Ferien schicken(was eventuell einen üblen Eindruck machen könnte!) aber immerhin doch der Oeffentlich- keit verbergen, daß sich auch in seiner erlauchten Ge- meinschast einige Vorlaute befinden, welche von den: Wahne wirklichen Volksvertretergcfühles und Handelns nicht zu kurieren sind. Man lvill also die Steno- graimne der Reden erst eine Zensur passieren lassen, ehe sie dem Volke vorgelegt werden dürfen. Das vor- stößt zwar gegen die Veriassung, aber was tut das: Verkassung.,!>in, Verfassung her, auf Einbildungen braucht wirklich keine Rücksicht genommen werden! Die„Kreuzzeitung" ist tatsächlich etwas unbe- scheiden. Haben es doch bisher schon die übereifftgen Tintenkulis der Reichstagskorrespoudeuzeu zur Genüge verstanden, die Reden unbequemer Opposttionsabgcord- neter entweder totzuschweigen oder his zur Entfiel- lung unizufrisieren. Und nun kommt sie, und ver- langt obendrein eine Zensurierung von amtswegen! Fügt zum Spott noch den Hohn! Armer Reichstag!... » Nach Herrn von Hintzes Ernennung zum Nach- folger Kühlmanns hatte Professor Delbrück in den „Preußischen Jahrbüchern" als unentbehrliche Eigen- schaft des neuen Staatssekretärs verlangt,„daß er einen täglichen Kamps aus Leben und Tod gegen die „Alldeutschen" führe. Solange er das nicht tue,„sei von deutscher Seite nicht alles geschehen, was mög- lich war, um das Tor zu den Friedensverhandlungen zu öffnen."— Das„Berliner Tageblatt" gab diese Ausführungen zustimmend wieder, woraus ihm nun die„Alldeutschen Blätter" in ihrer Nummer vom 17. August ins Stammbuch schreiben:„Na also! Jetzt weiß doch Herr von Hintze, was von ihm erwartet wird: eine srisch-fröhliche Absage an die bösen All- deutschen, die den Frieden angeblich verhindern! O heilige Einfalt! Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie!..." Das jubelnde Hohngelächter der„Alldeutschen Blätter" über die De'.brüctsche Forderung, die übrigens auch von den Scheidemännern unterschrieben wurde, ist nur zu berechtigt. Man muß schon am politichen Pips leiden, um annehmen zu können, ein Mann, der vor einem halben Jahre von den Alldeutschen als Helff'erichs"Nachfolger präsentiert wurde, sei als Kühlmann-Ersatz plötzlich Gegner seiner einstigen Schildträger geworden. Weh Geistes Kind er in Wahrheit, zeigte ja schon seine erste Amtshandlung, die Jrcnproklamation, nicht minder neuerdings seine Polemik gegen Lloyd Georde. Immerhin: einen Trost haben sich die Gläubigen borbehalten: ini November wird gründlichst abge- rechnet! Wir wetten tausend gegen eins: es gibt ein Homberger Schießen! » Herr Dr. Paul Lensch hat kürzlich wieder einmal aus der Schule geplaudert. Indem er gegen das unterstellte Friedensangebot in Kühlmqnns Schwanen- gesang wetterte, verteidigte er zugleich die abermalige Bewilligung der Kriegskredite durch die Abhängigen und verstieg sich dabei zu folgender glänzenden Charakteristik ihrer Politik: „.... Früher lehnte die Partei den Etat ab, um dadurch ihre Feindschaft gegen die gesamte bürger- liche Gesellschaft zum parlamentarischen Ausdruck zu bringen. Heute, wo diese Gesellschaft um ihr Leben ringt, kommt die Frage, ivic man zu ihr steht, in der Stellung zu den Kriegskrcditen zum Ausdruck. V." (Die Glocke. Nr. IS.) Es erübrigt sich eigentlich, diesem Ausspmch noch einen Kommentar anzuhängen. Nur soviel: der So- zialismus kann jetzt einpacken, mutz einpacken, wenigstens der der Herren um Scheidemann. Bisher hatten sie doch immerhin die Fiktion aufrechterhalten, als sei es die Ausgabe des Sozialismus— wie sie ihn auffassen— die bürgerliche Gesellschaft durch eine sozialistische zu ersetzen. Nun aber hat Herr Lensch ihnen klipp und klar das Irrige ihrer Auffassung nachgewiesen. Widerspruch ward nicht verommen: also muß er ihnen aus der Seele aeredet haben! Nichtsdestotrotz: die abhängige Politik ist die kon- sequente Fortführung der sozialistischen Praxis vor dem Kriege! Wers nicht glaubt, zahlt'neu Taler!— » Eines der gefährlichsten Annexiouisten-Organe ist die„Glocke". Gefährlicher etwa als die„Deutsche Tageszeitung", die wenigstens eine offen erkennbare Flagge führt, während die edle Wochenschrift der Herren Parvus, Hänisch, Lensch und Konsorten sich immer noch„sozialistisch" nennt. Aus jeder Nummer sozusagen lassen sich Beispiele für ihre Prostitution des ehrlichen Verständigungsfriedens anführen. So finden wir in der Nr. 18 in einem Artikel von A. Runds über Kölonialpolittk diesen prächtigen Erguß; „Eines Tages werden sich die jetzt noch seind- lichen Staatsmänner zusammenfinden, um die Welt neu zu verteilen. Trotz der Formel„Keine Annexio- nen" wird sich auf kolonialem Gebiete eine groß« Grcnzsteinverschiebung vollziehen. Es wird darüber entschieden werden, ob das kleine Belgien durch groben Kolonialbesitz, dem es„nach Herkunft. Gestn- nung und Machtmitteln nicht gewachsen>var, eine Bedrohung des Weltfriedens bleiben, ob ein degene. rierter Marionettenstaat von Englands Gnaden wie Portugal, ein Hindernis für wirlliche Kolonialkultur, ob ein Herrenstaat wie England, weiter neben dem eine stagnierende Weltmeere die Hälfte der Erdkugel beherrschen oder eine stagnierende Gesellschaft wie die Eranzosen auch fernerhin ein über das natürliche Matz hinausgehendes Kolonialreich besitzen soll aus Kosten vorwärtsstrebender Mächte.—— Mag dann Deutsch- land seine zerstreuten kseinen Kolontalbesitze zugunsten eines groben mittelafrikanischen Kolonialreiches auf- geben... Deutschland muß bei der Neuordnung der Welt dabei sein als vollberechtigter Faktor, weck der Deutsche, der deutschsozialistische Geist, der Menschheit nock, etwas zu leisten vermag." Bravo! Herr RinAö beherrscht die alldeutsche Terminologie miudesieus ebensogut wie d« Gttis Reventlow und gibt ihm in der VrckiMlfchen 15m- schreibung seines Eroberungswillens nichts nach. Frei- lich, sympathischer ist uns schon der streitbare Graft' der auf die Zitierung des fanloseni„deutschsozia!istischcn Geistes hustet und Geibel lieber original aufführt!' Was auch entschieden reinlicher ist. D. Groß-Serlwer Chronik. Proletariat und Pferderennen. Ein Genosse schreibt uns:„panem et circenses!"(Brot und Zirkusspiele) war der Wahlspruch des römischen Pro- letariats, als dieses sein Klassenbewußtsein verloren hatte und ein Spielball in der Hand gewisser Macht- Haber geworden war, die es ihren Zwecken dienstbar zu machen wußten, soll es auch mit unserem Proke- tariat so weit kommen? Diese Frage mutz sich jedem aufdrängen, der das Treiben aus den Rennplätzen steht. Schon jetzt bringt so mancher Proletarier Zeit und Geld dem Pferde- und Wettsport zum Opfer, an- statt seinen Klassengenvssen in ihrem wirtschaftlichen und politischen Kampfe zur Seite zu stehen. Von die- fem Unfug mutz sich jeder konsequente Sozialist fern- halten. Er darf seine paar Groschen und seine freien Stunden, noch viel weniger aber seine geistigen Kräfte nicht der Wettmaschtne opfern. Zweifellos führt dauernde Beschäftigung mit diesem„Sport" schltetzlich zur Verblödung seiner Anhänger. Gewih, es mag etil prickelndes Gefühl sein, die Ercigntfle im Rennsport zu verfolgen; aber es ist doch letzten Endes nur die Klasse der Unternehmer, die aus dem Renn-- und Wett- betrieb Nutzen zieht. Von diesen Leuten, die an der Aufrechterhaltung des Rennbetriebes interessiert sind, wird immer wieder die Behauptung aufgestellt, die Hafcrzulagen für die Rennpferde sowie der Aufwand an Waggons und Kohlen für die Beförderung der Pferde und des Publikums seien so geringfügig, daß' sie sich der Gesamtheit gegenüber gar nicht bemerkbar machen könnten. Bei der Ausrechterhaltnng des Renn- betriebes— so sagt man— ständen„derartige wichtige Interessen wirtschaftlicher und sonstiger Art" auf dem Spiel, daß man den kleinen Mehraufwand nicht scheuen dürfe. Daß dem nicht so ist, hat schon am Ende des Vorjahres sogar die Eisenbahnverwaltung eingesehen, die allen Ernstes beabsichtigte, die für die Beförderung nötigen Waggons zu verweigern und so dem Rennbetricb ein jähes Ende zu bereiten. Erst durch angestrengte Bemühungen gelang es den tnter- essierten Kreise», die Eifenbahnverwaltung davon zu überzeugen, daß es wichtiger setz ihre Pferde zu be- fördern, als für die Bevölkerung Kohlen und Nah- rnugsmtttel hcranzuschaffen. Und die Fachzeitnngen konnten damals freudestrahlend mitteilen, daß„die planmätzigc Durchführung des laufenden Rennjahres als gesichert gelten" kann. Dem Proletariat! aber sei zugerufen: Haltet euch fern von diesem Unfug, der euch tn jeder Beziehung schädigt, und stärkt eure kör- perlichen und geisttgen Kräfte zur erfolgreichen Durch- führung eures Lebenskampfes, anstatt dem Wetteufel Geld und' Zeit zu opfern! Recht eigenartig klingt folgende Bekannt- machung:„Der Staatskommissar für Volksernährung hat für Preußen neue Höchstpreise ftir WM festgefetzt. Sowohl die Preise, die die Jagdberechtigten als auch die, die Großhändler und Kleinhändler verlangen dürfe», sind unwesentlich erhöht worden. Für Grotz-Berlin betragen die Kleinhandelspretse: Für Rot-, Damm-, Reh- und Schwarzwild für Rücken und Keule das Pfund g Mk.(L.S0 bis 2,80 ME. im Vorjahr). Für Blatt oder Bug das Pfund 2 Mk.(ftlö bis 2,10 Mk.), für Ragout- oder Kochfleisch daS Pfund 1 ME.(80 bis 1,10). Bei Hasen beträgt der Höchstpreis das Stück 10 Mk.(i. V. SM mit Balg. 9,7S Mk.(ö,5ö) ohne Balg, bei wilden Kaninchen für das Stück mit Balg 3,00 Mk.(2,15), ohne Balg 3,Sö Btk.(2,10). bei Fasanen- Hähnen das Stück 8 ME.(6), Fasanenhennen 7 Mk. (4,7K)." Jeder Leser wird neugterig fragen: Wo gtbts denn eigentlich Wildfleifch zu kaufen?, Und wer be- kommt das Wild? EinenschwerenSchaden erleiden zahlreiche Einwohner in Moabit durch Einbrecher, die vorige Woche bereits zum zweiten Male in die Grotzschuh- macherei des SchnhmachermeisterS H. Bratke, Wil-• helinshavener Str. 23 einbrachen und fertige rnid unsertlge Damcit», Herren- und Kinderstiefel, Sohlen, Leder, Zwirn und Werkzeug! entwendeten. Da die Kunden keinen Ersatz des Ersatzes erhalten, ist der Schaden doppelt schlimm, zmnal durchgängig nur kleine Leute in Frage kommen. Tabakraucher sollen mit einem neuen Tabak erfreut werden. Es soll gestattet sein, irr Zukunft Birnen-, Aepfel-, Wciunutz-, Haselnuß- und Topinam- bnrblätter als Ersätzstosse bei der Herstellung von Tabakcrzengnissen zu verwenden. Immer weiter so, die Ersatzindustrte soll leben. ZwetRaubmorde machen von sich reden. I» der Linienstratze ist eine Schankwirtin, in der Carl- stratze ein Schankivtrt ermordet und beraubt worden. Die Kriminalpolizei sucht eifrig nach den Tätern, bis zu diesem Augenblicke ohne Erfolg. In Mariendorf macht das Verhalten des Bürgermeisters viel von sich reden. Ein Kontrolleur der Fettstelle von Grotz-Berlin hatte in Erfahrung gebracht, daß die Milch der von der Gemeinde gehal- tcnen Kühe ohne Marken abgegeben und daß als Be- ziehertn dieser markenfreien Milch die Frau deS Herrn Bürgermeisters in Frage kam. Der Kontrolleur stellte die Frau Bürgermeister fest, dabei fiel ihm aber das Oberhaupt der Gemeinde, der Herr Bürger- meister, in den Arm und nahm den pflichtstrengen Kontrolleur nach dem Amte, wo en ihn dann laufen lassen mutzte. Nach Mitteilungen, die in der Presse gemacht wurden, handelt es sich nicht nur nur Eni- »ahme von Milch, sondern auch um andere schöne Sachen, die marlenfrei ontnommcn wurden. Die vorgesetzte Behörde des Herrn Bürgermeisters ist von dem SqchherhM jn Kenntnis gesetzt worden. Aus der Zeit. Die Seife des Herr» Handelsministerö. Ganz Budapest lacht über das Mistgeschick, das dem un- garischen Handelsministcr Varon Josef Szte renyi zugestvsten ist. Am 27. Juli rief ein Organ des Handelsministeriums, der Gewcrbeschulprvfcssor Dr. Gorgey, den Direktor der Budapester Seifen- fabrik Klein L- Sohn telephonisch an und bestellte für den persönlichen Gebrauch des Handelsministers' dessen Licblingstoilctte seife, Marke Vera B i o l e t t a. Vergebens wandte der Direktor ein, dast die Herstellung dieser Seife laut Ministerialerlaß des Handelsministeriums bei Strafe verboten sei (es handelt sich um F r i e ö e n s- Toiletteseife). Der Besteller vom Handelsministerium wehrte alle Beden- kcn ab mit Berufung auf die Notwendigkeit und Dringlichkeit, da der Herr Handelsminister eine an- öere Toiletteseife als die Marke Vera Vivlctta nicht benutzen wolle. Schließlich ließ sich der Direktor breit schlagen und sagte die Anfertigung von 3 Dutzend Vera Vivletta-Seife zu. Dieses Gespräch wurde jedoch zufällig von dem Journalisten Göndör belauscht, der durch ein Versehen der Telephonzentrale in die Verbindung hineinge- kommen war. Er beschloß, die Sache zu verfolgen und verband sich zu dieseui Zweck mit einem anderen Jour- nalisten Namens Hainal, der zum telephonisch abge- lauschten Lieferungstermin, am Donnerstag, den l. August, sich in die genannte Seifenfabrik begab und dort„im Auftrage des Handelsministeriums" die drei Dutzend Vera Violetta-Seifc übernahm und den dafür berechneten Betrag von Kronen gegen eine auf den Namen Sr. Exzellenz Baron Josef Szterenyi lautende Rechnung erlegte. Am nächsten Tage prangte das Faksimile dieser Rechnung mit einem ausführlichen erklärenden Text in Gvndvrs Blatt, der„Nepszava". Und Freitag lag unter dem Akteneinlauf der Äudapcstcr Staatspolizei eine Anzeige gegen den Handelsminister Josef Sztc- renyi wegen Anstiftung zur Umgehung des Kriegs- seifenerlasses und gegen die Kleinsche Seifenfabrik wegen Verletzung des Fabrikationsverbots. Der An- zeige lagen als corpus delicti bei: 3l> Stück der feinen Szterenyischcn Lieblingsseife Vera Violetta. Alles in allem aber wird man sagen können, daß der Herr Minister, der sich nur mit Friedensscifc Vera Violetta waschen kann, der Bevölkerung nicht gerade ein rühmliches Beispiel im Ertragen der Kriegslasten gegeben hat. Wege» Stcuerhiuterziehung verurteilte das Land- geeicht in Elberfeld den Generaldirektor Adels der Mannesmann- und Munitionswerke in Remscheid zu u Monaten Gefängnis und 1 552 000 Mark Geldstrafe. Adels wurde in Haft behalten, weil er flucht- verdächtig ist, da er sehr viel Geld im Auslände auge- legt hat. Adels erhielt als Generaldirektor 1l 000 Mk., die er auf Heller und Pfennig versteuerte. Im Jahre 1010 bezog er Tantieme von 175 000 Mk. Dazu kamen noch Schenkungen seiner beiden Direktoren. Einer schenkte 730 000 Mk., der andere 110000 Mark. Dieses Einkommen blieb unversteuert. Was die Herren sonst noch getrieben haben, geht aus einem hinterlassenen Briefe des Direktors Aller, der sich erschoß, hervor, in dem es heißt:„Wenn alles herauskommt, was wir beide, Adels und ich, gemacht haben, kommen wir aus dem Zuchthansc nicht heraus." Herr Adels, der sich so verdient um das Vaterland gemacht hat, indem er den Staat um die Steuern betrog, war mit??m Ver- dienstkreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet worden. Seine Verdienste waren wirklich lohnende. Jugendweihe Herbst 1918. Die Arbeitereltern, deren Kinder im kommen- den Herbst die Schule verlassen und die ihren Sohn' oder ihre Tochter an der Jugendweihe unserer Arbeiterjugend teilnehmen lassen wollen, werden ersucht, schon jetzt die An- Meldungen im Jugendsekretariat, Schickler st ratze 5, Hof 2 Treppen, vorzunehmen. Die Jugendweihe findet am 22. und 2 9. September 1918 im Fest- saale des Stadthauses, Klosterstratze, gemeinsam mit' der Jugendweihe der freireligiösen Ee- meinde statt. Es sei daran erinnert, datz irgendein gesetzlicher Zwang zur Teilnahme am Konfirmandenunter- richt und an der Konfirmation nicht besteht. Arbeitereltern, die kein inneres Band mehr mit der Kirche verbindet und die vielleicht auch schon das äutzere Band mit der Kirche gelöst haben, werden den Wunsch haben, ihren Kindern beim Eintritt ins Leben eine Feier zugänglich zu machen, die ihrer Heßerzeugung und ihrer Weltanschauung entspricht. Eine solche Feier ist unsere. Jugend- weihe. Es ist selbstverständlich, datz die Teilnahme an unserer Jugendweihe die Teilnahme an einer kirchlichen Konfirmation ausschließt. Die Anmel- düngen sollen schon jetzt vorgenommen werdeil, weil den Kindern vor der eigentlichen Jugend- weihe Gelegenheit gegeben werden soll, die Grund- gedanken unserer freien Weltanschauung, soweit das ihrem jugendlichen Verständnis angepatzt ist, kennen zu lernen. Alles Nähere wird' bei der Anmeldung be- kannt gegeben, die wir recht bald vorzu- nehmen bitten, ! Literarisches. Sozialistische Auslandspolitik.(Herausgegeben von Dr. Nud. Vreitscheid, unter ständiger Mitwirkung von E. Bernstein, H. Block, H. Haase, K. Kautsky, H. Ströbel. u. a. Erscheint wöchentlich einmal.) Die soeben erschienene Nr. 31 enthält u. a.: Politische Offensive von Rud. Breitscheid: Demokratie oder Diktatur von K. Kautsky: A u r tschechischen Frage von einem» Tschechen: Memorandum der Sozialisten der Ententeländer über die K r i e g s z i e l e (Schluß): Sozialpatrioten. Die Sozialistische Auslandspolitik kann direkt vom Verlag(Verlin W. 15, Fasanenstr. 58) wie auch durch die Parteibuchhandlungen, die Organisationen und durch die Post bezogen werden.(Postzeitungsliste Nach- trag Nr. 8.) Preis für Deutschland und Oesterreich- Ungarn vierteljährlich vier Mark, für das übrige Aus- land fünf Mark. Quittung. Der Kasse des 4. Kreises wurden zugeführt: H. Freudenreich 2,—, Emil Neumann 1,30, Ouofyk 0,85, aus der Sechserkasse, Abt. 26, Bez. 333 15,—, Herpt 1,30, Wulf 1,30, Stephan 1,30, Meißner 1,30, Betzur 1,30, Bielski 1,30, Mastroph 1,30, Moewes 2,—, Silberltein 2,—, Dörbrandt 1,35, Pape 1,35, Treffhahn 2,60, Loose 2,—, Kauert 2,—, Borcherdt 2,60, Baumgarten 2,—, Thiem 1,30, Bezirk 197 II 15,—, F. Simon 3,—, Trittwitz 1,30, Wandt 0.80, W. 1,30, Hübner 1,30, Guhl 1.30, Abteil. 12 2,55, Abteil. 31 6,40, MM« 1,30, Kunst 1,30, Garstccki 1,30, Metschke 1,30, durch Zern 167-, P. Krause 10,—, G. Prate 9>.—, Torge 5,- Mk. H. Barenthin, Stralauer Platz 10/11. Ans den Organisationen. Die Anmeldung zur Neuköllner Jugend- weihe am Sonntag, den 22. September, bitten wir zu bewirken. Die Teilnahme veranlaßt keinerlei Kosten. Das Sekretariat ist nur wochentags von 5Va bis 8� Hhr offen. Die Bibliothek nur Mittwoch und Sonn- abends. Mittwoch von 4 bis 9 Uhr. Eonnabend von 7 bis 9 Uhr. Der Vorstand. Lichtenberg. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß wir einen Stenographietursus für Jugendliche eingerichtet haben. Jedoch können auch Erwachsene daran teilnehmen. Der Unterricht beginnt am 5. Sep- tember, abends 7 Uhr, und findet jeden Donners- tag statt. Der Unterricht ist unentgeltlich und findet im Jugendheim, Dossestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Nereias-Veranstaltungen. Freireligiöse Gemeinde Berlin. Sonntag, den 25. Aug., vorm. 9 Uhr. Pappel-Allee 15/17; Neukölln,„Jdealkasino", Weichselstr. 8; Oberschöneweide, Wilhelminenhofstr. 43 bei O. Pamp:„Freireligiöse Bor- lesung".— Vorm. 10>/, Uhr, Kl. Frankfurterstr. 6: Vortrag von Herrn Ernst Däumig.— Gäste willkommen. Bezirk Neinickendorf-Ost. Sonntag, den 25. August, 2 Uhr, im Jugendheim, Amendestraße 79, Borlesung für die reifere Schuljugend. Zum Bortrag gelangen Erzählungen und Begebenheiten, die zu Vorurteils- freiem Denken erziehen. Der Vildungsausschuß. Wehmütige Erinnerung! Am 25. August 1917 starb in einem Lazarett in Uerdingen a. Rh. an der Ruhr im vollendeten 44. Lebensjahre mein geliebter Mann, unser guter, treusorgender Vater, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, der Landsturmmann Karl Christannier. Dies zeigt tiefbetrübt im Namen der trauernden Hinterbliebenen an Frau Emilie Christannier, geb. Rohrbeck, Luise, Emilie und Jrmchen, als Kinder. Mein lieber Karh gar zu schnell ist's eingetroffen, was Du immer hast gesagt, daß Du der letzte bist von Deinen Brüdern, der hinauszieht und der erste, der nicht wiederkehrt. Wie eilten wir, als die Depesche kam, um noch- mal mit Dir zu sprechen. Doch leider mußten eine Stunde zuvor, Deine lieben Augen brechen. So schlaf denn wohl, geliebter Mann und Vater, der Schmerz ist groß, wir können'S noch nicht fassen, daß wir Dich nicht mehr wiedersehen. Verlaffen sind jetzt die Deinen, die so bitt're Tränen um Dich weinen, Du kehrst nie mehr zu uns zurück. Du wünschtest Dir nur Frieden, nun ist er Dir beschieden. Nur wer Dich gekannt, kann unfern Schmerz er- messen, Du bleibst uns ewig unvergessen. Die herzlichsten Glückwünsche zu ihrem am 26. o. stattfindenden 25 jährigen Ehejubiläum unserem lang- jährigen Parteigenossen und Genossin Gustav Kuschminder Die Bezirksleitung des Soziald. Kreiswahlvereins Niederbarnim. Bez. Reinickendorf-West. sendet Sechster Wahlkreis. Die Dame, die am Sonntag, den 4. August, b rn Sommerfest des Kreises im Moäbiter Schützenhau? den Damen-Regenschirm am Karussel mitgenommen hat, wird ersucht, denselben bei Steinhaufen, Turiner Str. 3, vorn 2 Trp.» abzugeben. MiOm Jahrgänge des«MngMies für das Jahr 1917/18 können im Verbandsbüro, Schicklerstr. 5, zum Preise von 12 Mark pro Band abgegeben werden. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben, guten Mannes, des Gastwirts Gustav Hrmp sage ich hierdurch allen meinen herzlichsten Dank. Witwe Berta Hemp SW., Hallesches Ufer 10. geb. Wille.* Nachruf! Nach längerem Krankenlager verstarbcn zwei unserer besten Kollegen. Am 4. August 1918 der Schlosser Erich Müller an Herzleiden. Am 20. August 1913 der Schlosser Willi Meisau Lungenschwindsucht. Ein ehrendes Andenken bewahrt Die Arbeiterschaft Argus-Motoren Berlin-Neinickendorf-Ost Abteilung Flohr. CS Ortsverein Neukölln der U. S. P. D. Nachruf! Als ein Opfer del Krieges beklagt die Neuköllner Mitgliedschaft den Verlust eines ihrer besten Kämpfer. Der frühere Vorsitzende des Ortsvereins und langjähriges Mitglied der Preßkommission Gustav Heinrichs verstarb an den Folgen eines Nervenleidens im Alter von 72 Jahren. Sein unerschütterlicher Glaube an den Sozialis- mus, die große Liebe zu seinen Klassengenossen, ließ ihn alle Rücksicht auf die eigene Person zurück- stellen. Der Dienst in der Arbeiterbewegung war ihm das größte und wichtigste allen Handelns. Er hat der Arbeiterbewegung unendlich viel gegeben. Dafür danken wir ihm an dieser Stelle. Wir gönnen ihm die verdiente Ruhe. Den überlebenden Jungen aber rufen wir zu: Kämpft gleich ihm rastlos für den Sozialismus. Trotzdem und alledem! Der Vorstand. Die Mitglieder des 11. Bezirks. Mahiverein Schöneberg. Nachruf! Nach längerem schweren Leiden verstarb am 18. August 1918 unser Genosse, der Friseur Gustav Frohneit. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Der Borstand. Sem«Meli lliism ms dem Kriegs- WM gesMc« Gmssell! 4. Mahlkreis. Arn 39. Juli verstarb an den Folgen des Krieges im Alter von 28 Jahren unser Genosse, der Haus- dieaer Mae Tede Marsiliusstr. 12, Bezirk 255. Ehre seinem Andenken! Redaktionsschlutz: Jeden Dienstag Abend. Verantw. Redakteur: C. Leid: Verleger A. Hoffmanu» beide Verlin O. 27. Schicklerstraße 5.. Druck: Maurer L-Dimmick,Verlin,KvpenickerStr.36-33, Deilage zn Ar. 21 des„MMeiwngsblMes" Demokratie«ad Sozialpolitik in England. i. Die überraschende Weisheit, die uns deutsche Profeiioren und gewisse sozialdemokratische Umlerner') jeht tagtäglich vorsetzen, ist die Entdeckung, daß die Demokratie ein Hindernis energischer Sozialpolitik sei und nur die„soziale Monarchie" oder der bürokra- tiichc Staat, dessen Stützen ja geistige Arbeiter seien, oder die mystische„deutsche Freiyeitsidee" dem so- zialen Gedanken freie Bahn öffnen. So verkündet uns Paul Lensch(„Drei Jahre Weltrevolution", 1917):„Die rückständige individualistische Staatsver- fassung der demokratischen Westmächte kann unmög- lich das Ideal fein, dem Deutschland nachzustreben hat.— Diese indirekte Sozialisier ung der Staatsgewalt, diese Durchträn- fung der staatlichen Atmosphäre mit Lebensgeistern des Sozialismus, sie ist es, die den„demokratischen" Weltmächten stets fremd geblieben ist. Weder der englischen' noch der sranzösischcn Arbeiterklasse ist es gelungen, das all- gemeine Wahlrecht— soweit man übrigens in Eng- land davon reden kann— aus einem Werkzeug der Prellerei in ein Instrument des sozialen Ausstiegs zu verwandeln".— Wahre Freiheit und wahren Sozialismus gibt es eben nur in Deutschland, das ist der Sinn aller dieser Redereien.„Niemals war sie(die Staatsgewalt in Deutschland) so sehr das willenlose Organ der LUassenherrschaft, wie in England." Ganz besonders scharf hat es aber Lensch auf Lloyd George:„Schon seit langem schämte sich die gute englische Gesellschaft der„Pöbelpartei", die das Land regierte, und die in der Tat höchst gceig- net war, durch Politiker, wie Asquith und Lloyd George, denen ein. Mann wie Ferdinand Toennies die Berechtigung abspricht, als gebildete Leute zu gelten, den guten Ruf Englands gründlich zu löm- promittieren." Lensch stimmt also mit der„guten" englischen Gesellschaft völlig überein. Vielleicht ist es nicht ganz ohne Interesse, einmal einen Blick auf das Wirken jener„Pöbelpartei" und ihrer„ungebil- detcn" Führer zu werfen. Da sehen wir nun, daß der ungeheure Wirt- schaftliche Ausschwung Englands im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege nicht aus die Unternehmer beschränkt blieb, sondern von einer sozialpolitischen Gesetzgebung begleitet war, die in unserer jetzigen Epoche blinden Englandhasses meist ganz totgeschwiegen oder gerade zu in ihr Gegenteil umgelogen wird. Es schien, als ob sich nach einer Periode der Erschlaffunq ein gewal- tiges Wiederaufleben seiner materiellen und mora- lischcn Kräfte kundgeben wollte. Eine gute Darstel- lung dieser neueren Sozialpolitik hat H. A. Walter in einem Buche gegeben, das kurz vor Kriegsausbruch erschien und bisher fast unbeachtet blieb 2). Lloyd George hat den» Buch ein Geleitwort vorausgeschickt, .n dem er Teutschland für sein Vorangehen auf dem Felde der Sozialversicherung warmen Dank sagt. Nachdrücklich bebt er ferner den grundlegenden Unter- schied zwischen der alten und neuen Sozialpolitik hervor, von denen cyterc nur die Symptome lindere, letzten: aber die Ursachen des Elends zu beseitigen trachte. Walter würdigt das ungeheure Verdienst Lloyd Georges, der diesen Umschwung bewirkt und genicinsam mit Asquilh und Winston Churchill Bei- spielloses geleistet habe. Lange Zeit beschränkte sich die Staatstätigkeit in England aus den Arfieiterschutz. während alles übrige, insbesondere die soziale Versicherung, den mächtig entwickelten Selbsthilfeorganisationen. Gewerkschaften, Uniorstützungskasicn usw. überlassen blieb. So groß die Leistungen dieser Verbände auch waren, so blic- ben doch Millionen unqualifizierter Arbeiter ausae- schlössen, denen die Krast zur Organisation sehltc. Da mußte die Armenpflege ergänzend eingreifen, die in England seit Jahrhunderten umfassender organisiert war als irgendwo, aber trotz aller Rcsormversuche unserem sozialen Bewußtsein keineswegs genügen konnte. Gerade der Umstand, daß England dem so- zialen Gedanken zuerst Bah» gebrochen hatte, hemmte später lange weitere Fortschritte, ja selbst die Arbeiter hingen zähe o» den hergebrachten Formen und widerstrebten dem staatlichen Zwang Länder, die ihre In- dustrie und Sozialpolitik später entwickelten.haben in beide» Beziehungen von England gelernt und ihr Vorbild teilweise sogar überflügelt. Jetzt aber begann auch England ivieder, die Ersahrungen seiner Schüler zu bcilüye» und mit kühnen Schritte» neuerlich die Führers chas» z» übernehmen Auch ist für England charakteristisch, daß in den sozialpolitischen Fragen alle Parteien ziemlich zusamincnarbcilen. Die Konserva- live» habe» sogar viel früher soziale Gesetze geschaffen als die Liberalen, die lange jeder Staatseinmischung hestig widerstrebten In neuester Zeit aber hat der radikale Liberalismus, der einen stark sozialistischen Einschlaa hat. eine Reihe energischer Sozialresormea eingeleitet,»nd die Konservoliven haben dies« Gesetz- entwürse last immer nnterstützt. Die englischen Arbeiter beziehunflsu»;.', ihre Gewerkvereine streben weniger Verbesserungen des geletz- ') Siebe auch die berühmte Broschüre Tatsachen". hie bekanntlich unter äußerst aktiver Unterstützung der Regierungssozialisten und Gewerlschaitsbürokraten ,ur Welt gekommen ist. 'j„Die neuere englische Sozialpolitik" von H A. Waltev, in der Sammlung„Die Kultur des moder- neu England", herausgegeben von Dr. E. Sicper. 1914.»— Jedoch überschätzt Walter die Lage der deutscRn Arbeiterschaft im Vergleich mit englischen Zuständen, da ihm jene wohl nicht genügend bekannt ist. lichen Avbeiterschutzes an, der vielmehr hauptsächlich durch die Tätigkeit der Gewerkvereine selbst ausge- staltet wird, sondern sie konzentrieren sich vorwiegend auf zwei Forderungen: erstens, das Recht aus Arbeit, also größere Stetigkeit der Beschäftigung, und zwei- tens Festsetzung eines Mindestlohnes oder Gewähr- lcisiung eines Existenzminimums. Die Gewerkvereine gewinnen durch fortschreitende Fusion in große Ver- bände immer mehr Macht. Um der Wiederholung von Generalstreiks vorzubeugen, hat die Regierung 1911 einen paritätischen Jndustrierat geschaffen, der vermittelnd eingreifen soll und der sich auf Antrag der Regierung mit der Frage der Kollektivverträge beschäftigte, wobei er zu untersuchen hatte, ob solchen Kollektivverträgen bindende Krast für ganze Jndu- strien, auch gegenüber widerstrebenden Unternehmern, beigelegt werden könne. Ter Jndustrierat lehnte zwar den Schiedszwang bei Streiks ab, empfahl aber obli- gatorische Kollektivverträge für ganze Industrien. Der Gegensatz zwischen diesen Forderungen zeigt die Schwierigkeit der Frage. Die Gewerkschaften und Genossenschaften haben in neuerer Zeit auch eine parlamentarische Vertretung durchgesetzt und eigene Kadidaten ausgestellt. Hierbei führte die Frage, ob die Gelder der Gewerkschaften für solche Zwecke verwendet werden dürfen, zu lang- wierigen Rechtsstreiten, da sich ein großer Teil der Arbeiterschaft dagegen aussprach. Die Regierung räumte eine Hauplschwierigkeit aus dem Wege, in- dem sie der Gewährung von Diäten an' die Abgeord- neten aus Staatsmitteln zustimmte und den Gewerk- vereinen auch die Verwendung der Gelder für Wahl- zwecke gesetzlich ermöglichte, doch können widerstrebende Mitglieder auf ihren Antrag von dev Beitragslcistung befreit werden. Die Politik der alten Gewerkschaften, die aus zunftmäßige Abschließung der einzelnen Gewerbe hinauslies, hat dazu beigetragen, die Ausbildung qualifizierter Arbeiter einzuschränken ,so daß oft Man- gel an solchen herrscht. Hierdurch wurde aber die Lage der ungelernten Arbeiter verschlechtert, da ein Ucberangebot au solchen entstand. Anderseits strebten viele Unternehmer danach, statt ständiger Arbeiter bloß Gelegenheitsarbeiter zu beschäftigen, die nach vollendetem Werl wieder entlassen wurden. In ver Unstetigkcit der Beschäftigung, also häusiger Arbeits- losigkeit, bestund somit die sogenannte„ikeue Arbeiter- frage". Auch andere Umstände haben zu dem Ueber- angebot an unqualifizierten Arbeitern beigetragen, so die riesige Entwicklung der Handels-, Verkehrs- und Transportgewcrbe, die besonders viel uuqualisizierle Arbeiter beschäftigen, ferner die technische Rückständig- keit mancher englischen Industrien. Ueberhaupt ist fer- ner die englische Volkswirtschaft Schwankungen der Weltkonjunttur viel mehr ausgesetzt, als jene der lontliientalen Länder. Schließlich wird die Reserve- armee ungelernter Arbeiter durch ungenügende fach- liche Ausbildung der Jugend vergrößert, die allzu- sehr den demoralisierenden Beschäftigungen des Stra- ßcnhandels(Zeitungsvertauf u. dcrgl.) zuströmt.Alle diese Umstände haben bewirkt, daß England eine ziemlich große Zahl ungelernter Arbeiter hat, deren Beschäftigung nicht stetig ist, sondern durch Arbeits- losigkeit unterbrochen wird. Walter irrt jedoch, wenn er die sozialen Verhältnisse Deutschlands sür günstiger hält, woraus wir noch zurückkommen Der gestellte Hirsch. In E l b i n g hatten am Donnerstag, den lö. August, die Regierungssozialisten einen Fischzug gcpiant, und zu diesem Zwecke sich zu einer öffentlichen Bollsversammlung den Landtagsabgeordneten Paul Hirsch aus Charlottcnburg verschrieben. Aber schon auf dem Wege dahin stutzte der Hirsch, da er im D-Zug Bcrlin-Kvnigsvevg den Jäger witterte, der seinen Spuren folgte, um ihn zu stellen. Beide trafen in El- Ving gerade zn der Zeit ein, als die Fabriktore die Scharen der rußgeschwärzten Arbeiter ausspiecn. DaS vergnügte Schmunzeln der Arbeiter und das freudige Grüßen derjenigen� die Adolph Hossmann von früher in gutem Andenken hatten, ließ schon eine lebhafte Treibjagd erwarten. Und richtig: um'/-8 Uhr war bereits der Saal des Volkshauses mit allen seinen Nebenräumen bis aus den letzten Platz besetzt. Kopf an Kopf drängte sich die Menge, sogar die Außendächer der Nebengebäude waren dicht besetzt, und die Glück- lichen, welche diese„hervorragenden" Plätze besetzt hatten, lugten neugierig durch's Fenster. Lange zau- derte der Abhängige Finsel, che er mit dem Regie- rilckgssozialisten Hirsch auf der Bühne erschien. In- zwischen war der Leitung der Unabhängigen, dem Genossen Perschon, bereits zur Kenntnis gekommen, daß der dumm-schlaue Plan entstand, Hirsch solle bis g! u s s i o n zugestanden". Ein Teil der gut- und leichtgläubigen war schon geneigt, auf diesen Vorschlag einzugehen. Hossinann warnte, da dahinter. wie er Hirsch kenne, etwas lauere, das nur ein tätisch zusammeugefetztes Büro verhindern könne und verlangte nochmals Abstimmung über ein solches Büro und über die einstimmige Redezeit für Hirsch und Hoffmann. Als die Versammlung nun auf dieser Forderung bestand, nahmen die Herren Regierungs- sozialisten ihre Maske ab und erklärten, das Ober- roinMtnöo habe.öte erst geneffmlgke ZKs- kussion zurückgezogen". Diese Mitteilung löste einen Sturm der Empörung und ein Hagelwetter von Pfuirufen über die Hinterhältigkeit der Regie- rungssozialisten aus. Sie wollten also gelinde ge- sagt, die Versammlung bemogeln. Sie sollte erst den Regierungs- und Umlerncsozialisten vom Obeu'om- mando Gnaden ruhig anhören, unter dem ausdrück- lichen Versprechen, daß dann auch der Genosse Hoff- mann zu Worte käme. Um dann aber in dieser Annahme betrogen zu werden durch die zurückgehaltene Mitteilung, daß das Oberkommando diese Diskussion nachträglich verboten habe. Eine Unehrlichkeit, die alles Dagewesene übersteigt. Und als nun gar Herr Rahn noch verkündete, Herr Hirsch habe zweimal das Konzept seiner Rede einreichen müssen, war die Ge- duld der Zuhörer zu Ende. Was sollte ihnen wohl eine Rede von dem lendenlahmen Hirsch, die das Oberkommando zweimal gesichtet hatte. Auf solche Rede wollten sie gern verzichten. Genossin Käte Leu er- klärte, darf Genosse Hoffmann nicht reden, wollen wir Hirsch auch nicht hören. Die erste Pflicht der Sozial- demokratie sei Solidarität. Noch einmal versuchte Rahn, Hirsch das Wort zu erteilen. Der Versuch wurde von der Masse beantwortet mit Rufen wie: „Nieder mit den Verrätem der Arbeitersachel"„Halte die Rede doch dem Oberkommando I" und ähnliche Zwischenrufe ertönten. Und als gar der abhängige Sekretär Gehl noch in feiner provokatorischen Art das Wort zur Geschäftsordnung nahm, um sich von Käte Leus Behauptung:.er selbst fei schon ein Herz und eine Seele mit der Vaterlandspartei" rein zu waschen, obwohl dem Herrn in einem offenen Brief in einer Danziger bürgerlichen Zeitung seitens eines Redners der Vaterlandspartei dieses bestätigt worden ist, war die letzte Geduld der Versammelten dahin und Herr Rahn schloß die Versammlung. DcrHirsch war abermals gestellt, aber hatte sich abermals vor dem Schuß in Sicher- heit gebracht. Schließlich verließen nach Absingen so- zialistischer Lieder, wie„Wer schafft das Gold zu Tage" und„Sozialistenmarsch" die Anwesenden den Saal. Rufe � wie„Nieder mit den Verrätem!" und Hochrufe auf die intemationale Sozialdemokratie er- tönten immer wieder aus der Masse heraus. Eine Reihe Anwesender zerriß ihre abhängigen Mit- gliedsbücher und ließ sich in die U. S. P. auf- nehmen. Nun möge der„Vorwärts" ruhig weiter Rätsel raten, wer den Vorteil von dieser„ehrlichen Tattik" der Regierungssozialtsten haben wird. Die unabhängige Partei kann mit solchem Sich-selbst-an- den-Pranger-stellen dieser mutigen Herren sehr zu- frieden fein. Aus»er Demeguus»er Abhängigen. Lefefrüchte. Herr Ernst Heilmann, öer Leiter So? I. K., hat wieder eine Reise nach Litauen gemacht und in seinem Organ seine Rerseeindrücke geschildert. Zur Charakteristik der Anschauungen dieser Gattung So- zialdemokraten mögen zwei Stellen aus seiner Be- schreibung dienen: „Die Litauer stellen sich natürlich vor, daß nach der Königswahl der Druck der deutschen Militto- Verwaltung leichter werden würde. Und dieser ist in der Tat hart. Lttauen kann uns nicht viel lie- fern, zumal die Russen bei ihrem Abzug 40 Prozent des Viehes und vieles andere haben mitgehen heißen. Aber trotzdem trägt jedes litauische Dorf bedeutende Zwangsleistungen— allein 53 Millionen Eier sind im letzten Jahre aus Lttauen heraus- geschafft worden, ohne das, was die Deutschen dort verzehren und paketweise verschleppen: Die deutsche Politik in Litauen, welche die Litauer gewinnen müßte, schettert einfach daran, daß man den Bauern vielfach die letzte Knh nimmt, nehmen muß— aber begreiflicherweise liebt dieser Bauer Deutschland nicht...... Reiche Anerkennung wäre auch zu spenden den gegenwärtigen Leitern der politischen Abteilungen(Ministerien des Innern) in Kowno und Wtlna, Hauptmann v. G. und Hauptmann K." Ileber die Kriegspolitik schreibt die I. K. in ihrer Nummer vom 9. August in einem Artikel:„Kommt der Friede näher?" folgende Schlußbetrachtung: „Wir haben keinen Grund, den Kopf hcttrgen zu lassen!. Wir haben kritischere und viel schwerere Zeiten durchgemacht, etwa als die Russen vor Lcm- berg und die Engländer vor Konstantinopel stan- den. Hindenbnrg und Ludendorff haben dutzendmal bewiesen, daß sie Feldherren von vielen Ressourcen sind, die immer noch die Lage zum Erfolg zu wen- den wissen. Aber über eines müssen wir uns klar sein: der Weg zum Frieden geht heute wie vor vier Jahren nur über dcntschc Siege. Jede deutsche Schlappe ist ein Triumph der fanatischen Kriegs- trciber, die seit Kriegsbegiun in den Ententcstaaten die Regierung innehaben. Es gibt keine falschere Anschauung als die, daß nur das viele deutsche Sitz- gen die stolzen Feinde davon abhalte ,iu einen ehrenvollen Vergleichsfrieden zu willigen. Ei» Narr, welcher glaubt, daß wir durch Ententesiege jemals dem Verständigungsfrieden näher kommen." In der„Glocke" vom 17. August stellt Herr Saenger-Miinchen in einenr„Videant consules" übcr- schriebenen Artikel sich und den„Glocke"-Leuten fol- gendcs Zeugnis auS: „In den Veröffentlichungen dieser sozialdemo-- kratischen Wochenschrift ist wahrlich dem Reiche ge- geben worden, was dem Reiche gehört, nicht aus irgendeinem gescheiten Zweckgedanken, einer klugen Berechnung heraus, sondern ans einem reinen, selbstlosen Gefühl hingebender Liebe zum deutschen Vaterlande. Wir haben uns bekannt, und bekennen uns zu ihm, weil deursche Erde unsere Mutter ward und deutsche Eichen die Eichen unserer Heimat sind, weil deutsche Kultur, Gesitittng und Gesinnung, uns als ein heiliges Völkergut dünken�, das wir ver-- Der Marrismus in Dußtan». Bon A. Martynow. I. Der russische Marxismus ist in seiner Genesis verbunden mit der alten Strömung des russischen Ge- sellschaftslebens— der Bewegung der„Westler", evenso wie die Bewegung der revolutionären„Na- rodniki"(Volkstümler) verbunden ist mit dem alten Slawophilentum, und heutige Kamps innerhalb des russischen Marxismus selbst» der Kampf zwischen Menschewiki und Bolschewiki— ist auch nur eine neue Variation dieses alten Streites. Es ist der Kamps zwischen dem westeuropäischen Marxismus, z den russischen Bedingungen angepaßt, und seiner originellen, echt russischen Verzerrrung. Der eine Weg führte über herzen, der nach der Niederlage der Revolution von 1348 in dem „faulen Westen" enttäuscht war und sich infolgedessen einige wesentliche Züge des Slawopyilentunls ange- eignet hatte; über den Apostel der Anarchie" B a- k u n i n, der an die revolutionäre Weltmisston des Slawentums glaubte? über dl» revolutionären.Na- *) Unsere Lese» wissen, daß wir seit den No- vembettagen 1917 den Standpunkt vertreten haben, daß es Pflicht aller internationalen Sozialisten sei, die Partei der russischen Bolschewiki in ihrem Kampf für Frieden und Sozialismus zu unterstützen. Heute haften wir diese Unterstützung für nötiger denn je, und wir tun alles, was in unseren Kräften steht, dieser Pflicht nachzukommen. Den deutschen Arbeitern fällt es aber sehr schwer, sich in dem vielstimmigen und leidenschaftftchen Meinungsstreite der sozialistischen Parteien Rußlands zurechtzufinden. Um ihnen einiger- maßen ein Urteil zu ermöglichen, geben wir in der vorliegenden Artikelserie einem Theoretiker der Men- schewiki das Wort, der die historische EntWickelung des Marrismuö und der grundsätzlichen Auffassung der beiden feindlichen Bruderparteien in Rußland vorn Standpunkt seiner Partei aus beleuchtet. Wir erklären ausdrucklich, daß die in seinem letzten Attikel ver- tretene Auffassung nicht die unsere ist. Genosse A. Martynow steht seit Jahrzehnten in der russischen revolutionären Bewegung. Im letz- ten Jahrzehnt gehört er neben P. Arelrod und L. Martow zu den Führern der Menschewiki- Pattei und zwar steht er gleich Martow auf deren linken Flügel. Die vorliegenden Attikel sind der Nr. 3-4 des„Rabotschij International", der wissen- ii Zeitschrist der menschewisttschen Pattei schaftlichen entnommen. ■ rodniki".�Narodowolzh"**) und legalen„Volkstümler" r der siebziger und achtziger Jahre zu den heutigen „Sozialrevoluiionären" und, auf Umwegen, zu den Bolschewiki. Der andere Weg ging vom glühenden „Westler" B j e l i n s k i, über die„Beherrsche? der Geister" der sechziger Jahre Tschernhschewski und Dobroljubow zu Plcchanow(der alten Marke), A x e l r o d und die Menschewiki. Der erste Vorläufer des russischen Marxismus war der hervorragendste geistige Führer der revolu- tionären Demokraten der sechziger Jahre— Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski, der Marx-Schttsten nicht einmal gelesen hatte, den aber Mavx. der ncit Lobsprüchen nicht gerade freigebig war, den„großen russischen Gelebtten" nannte. Tschernyschewski war nach den Worten P. Niko- lajews(eines Anhängers von Karakosow) jener große historische Grenzpfahl, der das neue Rußland von dem allen hörigen Rußland trennte,— und es war kein Zufall, daß dieser Grenzpfahl auch als Wegwesser diente zum proletarischen wissenschaftlichen Sozialismus Marxens. Die Aushebung der Leibeigenschaft, die den russischen Sumpf bis in seine Tiesen auf- rühtte, bewirkte einerseits ein Aufblühen des Libcra- lismus und führte andererseits zur Erweckung des Bewußtseins und der revolutionären Begeisterung bei einer neuen sozialen Schicht, der halbproletarischen demokratischen Intelligenz. Zwischen diesen beiden miteinander konkurtterenden Lagern der Intelligenz entbrannte ein geistiger Kampf, und dank der verschie- denen sozialen Natur dieser beiden Lager verwandelte sich ihr Kamps gleichsam in einen Vorläufer der heraus- ziehenden Kämpfe zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Der Demokrat Tschernyschewski, der einen rein proletarischen Wissensdurst besaß, hegte eine unge- hcure Hochachtung vor der westeuropäischen Wissen- schaft und der höheren Kultur der westeuropäischen Wirtschaftsvcrfassung und er stellte sich die zukiinslige Gesellschaft nicht anders vor, als aufgebaut auf dem Boden dieser hoben Kultur. Schon aus diesem Grunde war er ein„Westler" und verhielt sich geringschätzig zu dem Slawophilentum, von dessen Standpunkt, wie er sich ausdrückte,„jeder Dreck, der von uns kommt, außerordentlich wettvoll sei für die Belebung des sterbenden Europas". Als Demokrat, als Abkömmling der untersten Schichte»», saugte Tschernyschewski gierig den materialistischen Geist ver Feuerbachschen Philo- sophie ein, die ihm ebenso wie Marx als L�hrmeisterin diente, und ausgerüstet mft den Waffen dieser Philo- sophie enthüllte er als erster in Rußland die materia- listische Grundlage der Aesthetik, stellte er als erster die große historische Bedeutung des Realismus der Die Redaktion des tei *) Mitglieder der revolutionär-terroristischen Par- .Narodnala Wolja"(Vollswille). „Gogolschen Periode" der russischen Ltteratur fest, deckte er die materialistische Grundlage der schon- geistigen Anschauungen des russischen Liberalismus auf, zerstörte er die sentimentalen Vorstellungen vom Volke, wies er das Bestehen eines tiefen Klassengegen- satzes in der heutigen Gesellschaft—„eines Gegensatzes der Interessen von Prosit, Rente und Arbeits- lobn"— aus usw. Ausgewachsen in dem Milieu der halbproletarischen Jncelligenz, war Tschcrnv- schcws.'i tief durchdrungen von den Idealen Fouriers und Owens, deren Schriften er kennen lernte. In seinem berühmten Roman„Was tun?" schildctte er bei der Wiedergabe des.Traumes der Wera Paw- lowna" mit stammender Begeisterung das Bild der künstigen sozialistischen Ordnung und in seinem„Kri» tischen Anmerkungen zur politischen Ockonomie John Stuart Mills" wies er die wittschastlichen Por.cile einer solchen Ordnung nach. Auch mit der Lösung der Franenfrage vom Standpunkt des Sozialismus, vom Standpunkt der Beseittgung der jahrhundertc- alten sozialen Leiden der Frau quälte er sich sein lebelang ab. Aber Tschernyschewski war nicht bloß Sozialfft, er war. revolutionärer Sozialist. Er crflärte, daß jene Perioden, in denen„Routine" und halbe Reformen trimnphieren. fttiher oder später unverineid- lich abgelöst werden von Revolutionen, in denen die Massen des„einfachen Volles" plötzlich aus ihrem politischen Nichtsein erwachen und sich den Program- men der„extremen Parteien" gegenüber empfänglich erweisen. Soweit kam Tschernyschewski den: Marxismus nahe. Er blieb aber in seiner Entwickelung zum Marxismus auf halbem Wege stehen. Sein MateriaUs- mus, wie überhaupt der vormarxistische MateriaUs- mus, litt an Vernünftelei; die Erkenntnis, daß die Handlungen der Menschen von ihren Interessen ve- dingt werden, faßte er in dem Sinne auf, daß jeder menschlichen Handlung eine egoistische Berechnung zu- gründe liege, und nicht in dem Sinne, daß diese Handlungen diktiett werden von einem unbewußten Klassen- oder überhaupt sozialen Egoismus, der durch- aus vereinbarlich ist mit dem gewaltigsten Aufschwung einer hemmungslosen uneigennützigen Selbstaufopfe- rung. In seinen historischen Schriften fiel Tscherny- schewsli auf Schritt und Tritt aus den idealistischen Standpunkt zurück, indem er behauptete, daß die Haupttriebkraft der Geschichte in der Entwicklung der Wissenschaft und in dem Wirken der„vorgeschnitenen Männer" liege. In seinen sozialistischen Anschauungen blieb er Mopist; indem er die bürgerlich-kapita» listische Ordnung kritisierte, versuchte er nicht, ihr« Gegensätze auszudecken, die nach ihrer inneren Logik die gcgenwättige Gesellschaft zum Sozialismus treUc ben, sondern er stellte ihr lediglich eine, ideale so- zialistische Gesellschaft gegenüber, ausgebaut aus de« * keMg'ew mit Jem ünserkZ Verzen's äege« Sä? � Wort öer BerSächtigung, wie gegen öen Wasfenan- griff. UnS wir haben diese heiße Liebe zur Heimat laut vor aller Welt bekundet uqd tuen es heute wie in den Augusttageu des unglückseligen Jahres, da- mit die Welt erfährt, daß wir im Kampfe um des Vaterlandes Unversehrtheit ein einig Volk von Brü-- dern sind, und damit so das gleich bestehen kann. Dank diesem unseren Bekenn wis haben wir gegen die rasende Koalition der Welt uns gehalten, haben gesiegt, ging der feindliche Vernichtungsplan in Stücke. Die Massen haben das Vaterland gerettet — bis heute. Aber morgen bricht wieder ein Tag an, stürmischer vielleicht schlagen die Wogen des Verderbens wider die Mauern der Verteidigung, noch schwerere Opfer werden verlangt, noch größer muß die Hingabe an die Nation sein, noch gewalti- ger türmt sich die Schlacht, noch mehr gilt es, alles, das Letzte, das Allerletzte, für das heutige Leben und die deutsche Zukunft herzugeben. Wer weiß alles, was uns bevorsteht? Es ruht noch gar viel im Dunkel einer kommenden Zeit. Und abermals werden wir dann das Bekenntnis zum Vaterlande ablegen, daß die draußen in den Gräben die Kraft , des Lebens und der Todesstunde aus der Einigkeit des Volkes empfangen. Wir waren und wir sind uns der Verantwortung bewußt, die daraus ent- springt, daß an der Front und in der Heimat unsere Hingabe an das deutsche Vaterland die Voraus- setzung des endlichen Erfolges ist. In diesem Nim gen der Wcltvvlker wird der Endsieg nicht„be- sohlen�,' es hält sich bis zuletzt, wer mit reiner Ueberzengnng hinausgezogen ist und sie behält." Sozialdemokratische KriegSliteratnr. In den -„Düsseldorfer Nachrichtens" veröffentlicht Dr. Has- Hägen, ein alldeutscher Professor an der Universitär Bonn, einen Aufsatz über sozialdemokratische Kriegs- literatur. Er glaubt die„oft recht schwerfälligen bür- gerlichen Kreise" schon aus dem Grunde auf diese Literatur hinweisen zu müsien, weil sie„in die heute voneinander bereits außerordentlich weit abweichenden Richtungen der einstmals geschlossenen Partei einen trefflichen Eindruck gewährt." Es versteht sich, daß der alldeutsche Katheöcrmann von den publizistischen Leistungen auf unabhängiger Seite nicht viel hält. Sie machen ihm einen zu„nn- erfreulichen sr i e den S maß igen Eindruck". Das gilt so- wohl von dem„alten Kautsku", wie von dem noch „älteren Eduard Bernstein". An der Schrift Kants- kns über Belgien und Serbien hat er besonders zu tadeln, daß sie„von den Wolken des Pazifisnms beschattet"" ist., Besser gefallen ihm schon die Leistirngcn von y eine und David. Als die„bemerkenswertesten Gruppen" erschienen ihm Lensch, Hänisch und Schippel. Er sieht in ihnen Sozialdemokraten mit tieferem Ver- stand nis nicht nur für äußere Politik, sondern auch sür Machtpolittk und Imperialismus"". Und er findet es besonders interessant,„daß das Verständnis für machtpolitische Notwendigkeiten bei diesen imperia- listisch angehauchten Sozialisten so weit geht, daß es den bürgerlichen Demokraten bereits auf die Nerven fällt." Boden einer„gesunden Theorie". Dementsprechend war er nie imstande, seinen Sozialismus mit dem poli- tischen Kampf in Einklang zu bringen, vielmehr ver- hielt er sich zu dem letzteren mit großer Gering- schätzung. Tschernyschewski, der dieselben stanz ösischen Historiker, dieselben deutschen Philosophen, dieselben eng- tischen Nationalökonomen studiert hatte wie der junge Marr, war nicht zufällig, nicht infolge seiner geistigen Unfähigkeit auz dein halben Wege zum Marxismus stehen geblieben. In dieser Tatsache kam lediglich die äußerste Rückständigkeit des damaligen Rußland zum Ausdruck, das in den sechziger Jahren fast durchweg ein Bauernland war, das die Periode der Ursprung- lichen kapitalistischen Akkumulation und der allmäh- licheir Verdrängung der Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschast durchmachte und das noch dreißig Jahre brauchte, um die russische Intelligenz von der Unver- meidlichkeir der kapitalistischen Entwicklung Rußlands »u überzeugen. Das System der Hörigkeit siel in Rußland dank seiner inneru Fäulnis, die beim Zusammenstoß Ruß- lands mit dem Westen im Krimkriege zutage getreten war? aber gesellschaftliche Kräfte sür eine Revolution waren zur Zeit Tschernyschewskis im Lande nicht vorhanden, denn die revolutionären Demokraten der sechziger Jahre, dieses„denkende Proletariat-, wie man sie damals.nannte, hatten noch keinen Stützpunkt in einem wirklichen industriellen Proletariat. Darum machte die sozialistische Bewegung der nachfolgenden Generation der siebziger Jahre, von dem Augenblick an, wo sie über den Kreis der halb- proletarischen Intellektuellen hinausging und ihre Propaganda ins„Volk" trug, mit dem damals nur die Bauernschaft idcntisiziert wurde, in ideeller Hin- gcbt einen groben Schritt zurück im Vergleich mit TschernyschewskL Jener Sozialismus, der entjprccyend oer Psychologie des angeblich sozialistischen Bauerntums oes russischen„Mir"(Dorfgemeinde) umgemodelt worden war. statte schon völlig alle Elemente des Marxismus eingebüßt und die Form eines bäuerlichen, put- schistischen Anarchismus angenommen. Erst nachdem das„Hinausgehen ins Volk" im Namen der bäuer- lichen sozialen Revolution in der Praxis bankrott gemacht und der aus dieser Bewegung spontan her- vorgegangene terroristische Zweikampf der„Naro- dowotzy" mit der zartschen Seldstherrschast gleichfalls zu leinen positiven politischen Ergebnissen geführt hatte, wurde das von Tschernyschewski begonnene Werk von Plechanow zu Ende gejührt. Anfang der achtziger Jahre schuf G. W. Plecha- now endlich die theoretische Grundlage sür den ei g ent- lichen Marrismus in Rnyland, als die einzige sozia- listische Lehre, die sähig war, die russische revolutio- tionare Bewoaung aus der Sackgasse yerauszusühreu. Der Bund für Freiheit und Baterländ zieht in seiner Kv-msponbenz gegen die unabhängige Sozial dcmokratie vorn Leder. In einer Notiz rühmt er die lebhafte Anteilnahme, die die steten Gewerkschaften für diesen Bund an den Tag legen. Es heißt da: „Der Beschluß der Generalkommifston, dem Volksbund beizutreten, ist von einem kleine» Teil der Gewerkschaftsmitglieder, die der Unabhängigen Sozialdemolratie angehören, lebhaft angegriffen worden. Es war ihnen dabei aber weniger um. grundsätzliche Gegnerschaft gegen den Volksbund zu tun, als vielmehr um die willkommene Gelegenheit, den verhaßten Gewerkschastsführern eins auszu- wischen. Es zeigt sich jetzt aber immer mehr, daß die große" Mehrheit de? Gewerkschaftsmitglieder durch- aus Verständnis dafür hat, daß gerade im Interesse der Arbeiterschaft eine möglichst breite Kreise umfassende Knmpfstont für den Frieden der Verstän- digung und für freiheitliche innerpolitische Nefor- men, insbesondere für den Kampf um das gleiche Wahlrecht in Preußen, gebildet werden muß. In einer großen Zahl von Städten haben daher die freien Gewerkschaften bereits beschlossen, sich an öer örtlichen Tätigkeit des Volksbnndes zu beteiligen, resp. den gegründeten Ortsgruppen beizutreten. CS sei hier von größeren Orten aus der letzten Zeit nur genannt: München, Breslau, Danzig, Darm stadt, Posen, Weimar, Götiingen, Oberhauscn (Rheinlanöl, Hervest-Dorsten i. W. So darf man erwarten, daß die wahrhaft volkstümliche Bewegung des Volksbundes für Freiheit und Vaterland ihren Einfluß in unserem Volke immer mehr geltend machen wstöi." Besagter Bund zeigt sich in letzter Zeit sehr rührig. So hat er eine Kundgebung erlassen, aus der wir folgende Stellen wiedergeben: „Stärker als je offenbart sich der Vernichtungs- wille der leitenden Staatsmänner unserer Feinde gegen Deutschland. Sie bestehen nicht nur auf' der völligen Zertrümmerung unserer Waffenmacht, sie beharren auch ans ihren Plänen, dem deutsche« Volke cwen schimpflichen Frieden aufzuzwingen und es durch Abschneiden der Nohstoffe und Fernhaltung vom Weltverkehr in wirtschaftliche Ohnmacht zu drücken...... Die Waffen müssen sprechen, weil die Feinde es wollen." Wie wenig den herrschenden Gewalten diese Art Freihettsbnnd gefährlich erscheint, geht aus der Tat- fache hervor, daß sein Vorsitzender, Professor E. Franke, dieser Tage mit dem„Eisernen Kreuz am weißen Bande" ausgezeichnet worden ist. Bemerkt sei noch, daß als Sekretär des Volksbun des ein Herr Franz Krüger zeichnet. Herr Krüger ist zweiter Vorsitzender der abhängigen Sozialdemo- traten in Grotz-Berlin und Vorfitzender des Verbau- des der Büroangestclltem Daß er als nunmehriger ckretär des Volksbundes die Politik der General- kommission ins hellste Licht zu rücken sucht, ist be- greiflich./_ Aus der Bewegung. „Was wird mit dem Wahlrecht?" So lautete das Thema einer öffentlichen Volksversammlung, die am Montag, den 19. d. Mts., in Luckenwalde statffand. Als Referent war der Landtagsabgeord- nete Adolf H o f s m a n n erschienen. Es war die erste öffentliche Volksversammlung, die von der un- abhängigen Sozialdemokrätie, einberufen wmde, ste nahm einen prächtigen Verlauf. Die über IVO Besucher lauschien den markigen Worten des Referenten mit gespannter Aufmerksamkeit, allseitiger Zustimmung und Beifall. Besonders bei den Stellen, wo er die kraft- und saftlose Haltung der Linien des Abgeord- nctenhauses und der Regierungssvzialisten kennzeich- nete und zeigte, daß die Schuld an der Verlängerung des Krieges und der Verweigerung des elementarsten Rechtes eines Volkes, wie es das Wahlrecht ist. nicht zum kleinen Teil auch die Umlernefähigkeit der Ab- geordneten trifft. In der Diskussion getraute sich zu- erst niemand von den Regierungssozialisten heraus. Man hatte wohl auf den großen Otto(Wels) ge- rechnet, Der weiß aber zu gut, daß weit vom Schuß es alte Soldaten gibt. Schließlich mußte Parteisekretär Sailcr doch das Deko- rum wahren und, um mit unserem unvergeß- lichen Paul Singer zu reden,.ein.paar Worte dazu sagen". Es wurde ihm recht sauer seiner Einerseits- und Andererseits-Politik, seiner Einladung„meine Herren, immer hinein in den großen Sumpf" an den Mann zubringen. Zu einem eigentlichen Angriff, ja ntchr einmal zu einer Verteidigung seiner Brotgeber tonnte er sich aufraffen, sondern schwenkte recht schnell. getreu seinem großen Borbitd Otto Braun, aus das dank- bare Gebiet der Volksernährung ab, denn da kann man sich mit Erlaubnis der treuen bürgerlichen Ver- blindeten herzlich satt schimpfen und radikal gebärden. Und oas muß man ihm lassen� er hat semen Herrn und Meister vom P. V. voltständig intus,„und wie er sich räuspert und wie er spuckt, das bat er sich alücklich abgeguckt". Aber die radikalen Ernahrungs- gebärden machen auf die Masse, die mit jedem Jahr des Krieges mehr haben hungern müssen, deinen Ein- druck mehr, und so stellte Herr Sailer, früher als man an ibm gewöhnt ist. als er merkte, daß er nie- wand warm mit mache, seinen Betrieb ein. Hoffmann führte im Schlußwort die Versammlung wieder zu dem eigentlichen Thema, das Wahlrecht, zurück und zeigte, wie gerade die Haltung der Regierungssozta- listen es dahin gebracht hat, daß weder Regierung noch herrschende Klassen, von den Junkern gar nicht zu reden, sich der Volksrechte wegen in Unkosten stürze, und daß Volksrechte zu schassen und Kata- strophen, wie dieser Weltkrieg, zu verhindern, nur eine internationale arnndsatztreue und klassenbewußte So- zialdemokratte in der Lage ist. Wer da mithelfen will, wer seine Kinder fit der Wiege vor einem ähnlichen grausamen Schicksal, wie wir es jetzt durch- leben, bewahren will, müsse sich der unabhängigen Sozialdemokratie anschließen, um ein wetterfestes und Stürmen Widerstand leistendes Proletariat zu schaffen. Stürmischer Beifall lohnte den Redner mid zeigte, daß die unabhängige Sozialdemokratie Luckenwaldes mit ihrem ersten Schritt in die Oeffentlichkett voll und ganz zufrieden sein kann. Aus Stettin wird uns geschrieben: Zum 9. August hatten die abhängigen Partei- vereine von Stettin und Randoio-Greifenhagen in Gemeinschaft mit dem Gewerkschastskartell von Groß- Stettin eine Mitgliederversammlung einberufen, in der der Scheinsozialist und Landtagsabgeorbnete Hänisch über das Thema„Das neue Preußen der Zu- kirnst" sprach. Wer da glaubte, mit einem großzügi- gen Programm über die Neugestaltung Preugens be- kanntgemachl zu werden, hatte sich getäuscht. Redner ivetterte zunächst gegen den wieder auferstandenen gteichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und gegen den neugegrllndeten Bund der Kaisertreuen; auch die Vaterlandspartei bekam ihr Teil. Die Kapi- talisten blieben ebenfalls nicht ungeschoren und ur- komisch wirkte es, als Hänisch zum Klassenkampf auf- forderte und Seitenhiebe nach den Unabhängigen aus- teilte. Schließlich forderte der Redner zur Einigkeit auf. Sodann kam die preußische Wahlrcform an die Reihe, indem der Referent das Schicksal der Wahl- rechtsvorlage näher schilderte und nur dasselbe sagte, was schon sein Fraktionsgenosse Hirsch vor einigen Monaten vorgebracht hatte. Zum Schluß trat Hänisch nochmals für die heilige Einigkeit ein und bat die Unabhängigen flehentlich, von ihrem bösen Tun ab- zulassen. Im großen und ganzen war der Vortrag nur eine billige Agitationsmache. Die Versammlung war gut besucht. Unsere Ge- nossen waren stark vertreten. Von Zwischenrufen leb- hast unterbrochen, merkte Hänisch bald, daß auch tn Stettin eine starke Opposition ist, die sich nicht durch das Wortgedröhne der Regierungssozialisten blenden läßt. In der Diskusston sprachen unsere Genossen und forderten zum Klassenkampf auf; aber vo» einem „Hänisch"schen Klassenkampf wollten sie nichts wissen. Die Versammlung nahm einen für uns günstigen Ver- lauf und gab die Erbitterung der Arbeiter über die Scheidemannsche Politik kund und so hatten die Abhängigen die Auknahmescheine für den Wahl- verein vergebens verteilt. In einem langen Versammlungsbericht bezichtigt der hiesige„Volksbote" unsere Genossin Gesske, die in der Diskussion gesprochen, der Demagogie, indem er die Ausführungen unserer Rednerin über die Schreib- weise des„Volksb." wörtlich nimmt und sagt: Die Rednerin führte dann aus, im„Vollsb." habe gestan- den, wir wollen die Leute nicht mehr haben, die Opposition machen, wir wollen Harmonie haben. Wenn wir das gleiche Wahlrecht bekommen, so ist der Krieg die Millionen Opfer wert. Dann heißt es weiter: „Genosse Herbert erklärt, daß das, was Frl. Gesske als Inhalt aus dem„Volksb." angeführt habe, in diesem nie gestanden habe. Das seien die Methoden des Reichslügenverbandes." Genossin Gesske sandte dem„Volksb." eine Berichti- gung, in der sie ihre Behauptungen dem Sinne nach aufrecht hält und bezog sich auf einen Arttkel des „Volksb." vom 13. Jim 1917, der die sogenannte Julibotschast behandelte. Das hiesige Abhängigen- organ hat nun nichts eiligeres zu tun, als den Ar- tikel nochmals vollständig abzudrucken, um den Gedankengang des Artikelschreibers richtig erfassen zu können, wie das Blatt sagt. Hier benutzt der Reichs- tagsabgcordnete a. D. Herbert, dem jetzt in Verne- tung des abwesenden politischen Leiters die Redak- tion in die Hand gegeben worden ist, seinen- sehr weit nach rechts gehenden revisionistischen Standpunkt — im Gegensatz zu der bisherigen Redaktion— zu vertreten. Herbert hätte besser getan, den Jubel- artikel, den er„Eine befreiende Tat" betitelt, nickt zum Abdruck zu bringen. Der unverbesserliche Optimist sieht den Himmel voller Geigen hängen und glaubt wahrhaftig schon das gleiche Wahlrecht in der Tasche zu haben. So wird ausgeführt:„Wir sind der Meinung, sie(die konservative Partei) wird sich, ioenn auch widerstrebend, mit der neuen Wendung ab- finden; im preußischen Landtage wird sich jetzt auch eine Mehrheit für das gleiche Wahlrecht finden... Die Stelle, auf die sich Genossin Gesske bezog, wollen wir hier anführen: Ein jubelnder Auffchrei wird die Herzen des Volkes durchglühen, ein versöh- uender Hauch über die Leiden, die der Krieg notwen- digcriveise mit sich bringt, gebreitet werden. Darüber sind sich alle unsere Freunde klar, ohne den Krieg wäre das gleiche Wahlrecht in Preußen noch lange nicht erreicht worden. Ein solcher Sieges- und Frie- denspreis ist der Opfer würdig." Auch hier wieder unverständliche Hossnungsseligkeit. Welchen Erfolg hat doch der alles vernichtende Krieg den preußischen „Untertanen" gebracht? Die Stettiner oppositionelle Arbeiterschaft wird das schäbige Machwerk des uuent- wogten Durchhalters nicht anders bezeichnen können als eine Höchstleistung politischer Unehrlichkeit. Regicrungssozialist Cohen-Reuß abgesägt. Eins Generalversammlung des Sozialdemokratischen Ver°> eins sür Reuß ä. L.(lt. S. P. D) tagte kürzlich in Greiz. Anwesend waren außer dem Hauptvorstand 22 Delegierte, ferner zwei Vertreter der Presse, der tiieichstagsabgeordnete Bock-Gotha und die Genossen Leven und Vetterlein-Gera. Den Vorstandsbericht er- stattete Genosse Dillner. Danach hatte der Verein 1378 Mitglieder, von denen der größte Teil im Felde. ist. Oeffentliche Versammlungen konnte die Partei.' nicht veranstalten. Die Agitation war fast gänzlich, lahmgelegt. Die Einnahmen betrugen 2133 Mk., die Ausgaben 1954 Mk. Beschlossen wurde, den VereinK-! bettrag auf monatlich 50 Pf. zu erhöhen. Bezüglich der Presse wurde darauf verwiesen,, daß infolge der tariflichen Erhöhung der Teneruug V zulagen und der Papier- und sonstigen Ntaierialpreste. eine weiterp Erhöhung der Drnckpreise um 26 Prozent eintreten müsse, Die FutfetzNUS der MMung den 1 1» A4ttV*rt®»•ttKV X>ojvnttCrt4fi,-eT>rt' iiTUt-tK Vc� kommisiton überwiesen, lieber den Punkt ber Tages- vrönung:..Reichstagskandidatur eventuell Aufstellung eines Kandidaten" referierte Genosse Drechsler-Zeu- lenroda. Einstimmig wurde eine Entschließung ange- uommen, wonach der jetzige Reichstagsabgeordnete Cohen nicht mehr als Vertreter betrachtet wird. Die weitere Behandlung der Kandidatenfrage soll der Hauptvorstand im Einvernehmen mit den Vorsitzenden der Ortsverwaltungcn vornehmen. Der vorgesehene Vortrag über die Landtagsverhandlungen wurde wegen der vorgerückten Zeit vertagt. Die Kaulpfesweisc der Abhängigen wird durch eine Notiz beleuchtet, die wir in der„Märkischen Voltsstimme", in der Nummer vom 23. Juli finden. Ein Tischler war wegen verschiedener Eigentumsver- gehen, angeklagt. Er war beschuldigt, nachts in die Konsumgenossenschaft eingedrungen zu sein und dort in Gemeinschaft mit einem anderen Arbeiter Lebens- Nüttel mitgenommen zu haben. Vorher soll er auch noch an anderen Stellen die gleichen Vergehen be- gangen haben. Das Gericht verhängte schwere Stra- sen. Die„Märkische Volksstimme" hat nun den Ge- schmack, im Anschluß an den Gerichtsbericht zu schrei- bcn» daß der Verurteilte I. zu den Unabhängigen ge- hörte, daß er in den Versammlungeri radikale Reden führte und nichts unversucht gelassen habe, die not- wendige Einigkeit der Arbeiterschaft zu zerstören. Je- dermann weiß, wie durch den Krieg und die große Not das Mein und Dein oft verwechselt wird. Was den I. zu seinem Tun veranlaßt hat, wissen wir nicht, aber die Gründe muß man kennen, um die Tat beurteilen zu können. Die politische Tätigkeit des I. hat sich darauf beschränkt, daß er in einer Versamm- lung dem Abgeordneten des Kreises, Herrn Giebel, entgegengetreten ist und von den annexionistischen Tendenzen des Herrn Hönisch gesprocheil hat. Sonst ist I. in Versammlungen nicht gesehen worden. Was uns aber über verschiedene Größen der Mehrheits- sozialisten in Spremberg berichtet wird, ist derart, daß die Herrschaften alle Ursache hätten, sehr hübsch ruhig zu sein/ da sie im Glashause sitzen. Mit demselben Rechte, wie man unsere Partei für die Taten eines Anhängers verantwortlich machen ivill, könnte man die gewerkschaftliche Organisation heranziehen, denn I. gehörte dem Holzarveiteroerbande an. Aber es lohnt nicht, weiter auf das Geschwätz einzugehen, das nur blinder Haß diktiert ha� In Lahr(Baden) hat der Führer der Regterungs- sozialisten, Stadtrat Richter, das Kriegsver- d i e n st k r c u z erhalten. Die dortige Arbeiterschaft kann sich diese Auszeichnung nur ans dem' besonderen Verdienst erklären, daß Richter in der Bolkswacht die gehässigsten Artikel gegen die Unabhängige Sozial- demvkratie veröffentlicht, und gerühmt hat, daß der Lahrer Verein der Abhängigen Sozialisten heute eine größere Mitgliedschaft zählt als vor dem Kriege. Herr Richter ist nämlich Stadtrat und Beamter des 'städtischen Arbeitsnachweises. Magdeburg. Die Mitglieder des Kreises Wanz- leben kamen am Sonntag, den 11. August, zusam- men, um zur Gründung einer WahlkreisorganisaUbn und zur Schaffung eines Statuts Stellung zu neh- men. Unter dem Namen„Wahlverein der U.S. P.D. des Kreises Wanzleben" tritt auch hier unsere Partei in die Oesfeutlichkeit. Ein von den Gründern einge- brachtes Statut wurde einstimmig angenommen. Der Vorstand setzt sich aus füns Personen zusammen. Den Vorsitz übernimmt vorläufig der Genosse Möbis, Gartenstadt„Reform". Es wurde weiter beschlosien, einen vierteljährlichen Extrabeitrag von 30 Pf. zur Stär- lung der Kreiskasse zu erheben. Der Anregung, im Kreise öffentliche Versammlungen zu veranstalten, soll, wo es möglich ist, entsprochen werden. Die Genossen des Kreises werden sich zur Eintci- lung des Kreises in Bezirke mit dem Genossen Möbis in Verbindung setzen. Ebenfalls wollen sich Einzel- mitg iedcr an die oben angegebene Adresse wenden. Parteigenossen! Nun frisch ans Werk. Die nächste Generalversammlung muß beweisen, daß wir die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung des 5lreises Wanzleben hinter unS haben. Offenburg(Baden). Die Monatsversammlung de- sozialdemokratischen Vereins Offenburg(U. S. P.) c. te den" monatlichen Mitgliedsbeitrag ge- inäß dem Beschlüsse der Frankfurter Bezirkskonferenz aus 50 Psa. siir männliche, 30 Pfg. für»veibltche Mitglieder fest mit Wirkung vom 1. Juli d.'s. an. Mögen die einzelnen angeschlossenen Orte ihre Zgh- lungen danach einrichten. Tie Zahl der Mitglieder der hiesigen Organisation ist aus 104 angewachsen; bei dem Uebergang zur U. S. P. im vorigen August nar es davon ciwa ein Drittel. Einzelne ange- •chlossenc Orte beabsichtigen, demnächst besondere Per- eine der U. S. P. zu gründen. Aus dem GewerKschastsleden. Alldeutsches aus einer„freien" Gewerkschaft. Man ist es bereits gewohnt, daß die Gewerlschasts- bürokratie und ihre Presse die Kriegspolitik unserer unserer Imperialisten unterstützt. Die Durchhaltcparoie der Generalkommlssion zunr Beginn des fünften 'Kriegsjahres legt hiervon ja ein beredtes Zeugnis ab. Es gibt aber noch ein anderes Blatt, welches das Correspondenzblatt tief in den Schatten stellt. Es heißt dort: „Kein zweites Volk hat während dieses skrie- ges so oft und so offen und selbstlos den Feinden die Friedenshand entgegengestreckt als das deutsche und kein Volk ist trotz alledem während des Krie- „es von allen offenen und versteckten so arg in Wort, und Schrift verhöhnt, verlästert, beschimpst und verspottet worden wie das deutsche. Wir können den Frieden nicht haben, nach, dem wir uns als deutsches Voll aus tiefstem Herzen sehnen. «/lr ui.r»«-.arrnet.uiu; � fischen Feinde jenseits des Kanals und Atlantic ihn noch nicht hinnehmen wollen: weil sie in dem Wahne leben, ihr Ziel: die politische Zertrümme- rung und wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands erreichen, d. h. erzwingen zu können. Blinde Toren und verrannte Narren regieren die feindliche Welt und ergötzen sich an den sich in ihrem Schmerz und Weh windenden und krümmenden Völkern. Für das deutsche Volk kann es angesichts die- ser dem Höllenleben ähnlichen Situation nur einen und zwar den kategorischen Imperativ geben: mit geballten Fäusten, zusammengebissenen Zähnen ausharrend, trotzend vorwärtsstürmcnd sich selbst für eine bessere Zukunft erhaltend. In dem Kampfe um Sein oder Nichtsein darf, wird und kann dem deutschen Volle, und mit ihm der deutschen Arbeiterklasse, irotz alledem nicht der Atem ausgehen, schwankende Schwächlinge können und dürftrt nicht über Deutschlands Zukunft entscheiden." Diese Zeilen stehen nicht etwa in der„Kreuzzei- tung"; nein, sie sind zu finden im Organ des Deut- schen Transportarbeiter-Verbandes, dem„Courier". In demselben Artikel werden die Regierungs- sozialisten wie folgt gelobt: „Von diesem Standpunkt aus begrüßen insbe- sondere auch Deutschlands stets kampferprobten Seeleute die Haltung der sozialdemokratischen Reichstagsstaktion, die am 13. Juli in dieser schick- salsschwangcren Stunde dem deutschen Volke die Treue bewahrte und die angeforderten 15 Milliar- den neuen Kriegskredite bewilligte. Mit einer Ve- gründung, die sowohl ihrer Form wie ihrem In- halt nach so unendlich absticht von den phrasenge- schwängerten Deklamationen aller Art, wce sie un- sere Feinde in so überreichlichem Maße produzieren." In der nächsten Nummer desselben Blattes vom 11. August wird dann nach alldeutscher Methode kräftig Annexionspolitik gemacht. Weil englische Schiffahrtsgesellschasten mit deut- schen Gesellschaften nach dem Kriege wegen der Fahrt ab Antwerpen konkurrieren wollen, muß A n t werpen deutsch werden. Das„Arbciterblatt", der„Coimer", schreibt: „Wird man nun endlich unser bereits 1914 bildlich geäußertes starkes scemännisch-wirtschast- liches Interesse Antwerpen gegenüber zu begreifen sich bemühen?" Dieses Interesse gab der„Courier" 1914 in der Forin ab, daß er schrieb: „Heute weht die deutsche Flagge von den Türmen Antwerpens, h o s f e n t l i a) für immer." Wiclange werden sich die Transportarbeiter noch solche Führung gefallen lassen? Das Gewcrkschastskartell Halle nahm in einer össemlicheu Gewerkschaftsversammlung Stellung zu den Rcichstagsverhandlungen über daö Arbeitskammergesetz. Das Referat erstattete Arbeitersekretür Klans. Er legte dar, daß die Forderung des Kölner Gewerkschaftskongresses reine Arbeitertammern vor- sieht, daß diese Forderung im Gesetzentwurf uner- mllt geblieben sei. In der Kommission seien dem Entwurf die schlimmsten Giftzähnc ausgezogen wor- den. Diese Komgiissionsfaffung sei aber das inin- deste, was die Arbeiter verlangen müßten? er empfahl eine in diesem Sinne gehaltene Resolution zur Annahme. Gegen diese Auffassung wendeten sich die Dis- kussionsredner. Der Kölner Beschluß treffe das Richtige, er sei noch in Kraft. Es zeige sich aber, wo- hin die burgfriedlichen Instanzen und die Verbrüde- rungspolilik der Gencralkommission führe: die Ar- beiterforderungcn würden an den Zugeständnissen der christlichen, Hirsch-Tnnkerichen und gelben Gewerk- chaften orientiert. Dementsprechend sei auch die par- lamentarische Vertretung ein andauerndes Zurück- Hufen. Einzig und allein die unabhängigen Sozial- demokraten Brandes und Httttmann hätten in der 34. Reichstag-skommission den freigcwcrtschaftlichen Standpunkt und die Fordermuz nach auogcsprocheneu Arbeiterkammern vertreten. Diese Auffassung wurde von den verschiedensten'Rednern unterstützt und sehr bedauert, daß es dem Genossen Brandes unmöglich gemacht worden sei, in Halle zu sprechen. Es dürfe nichts preisgegeben und nichts abgehandelt werden. Der Resolution K laus wurde folgende Gegcnresolu- tion entgegengestellt: „Das Gewerkschaftskartell Halle a. d. S., dem vor dem Kriege rund 20000 Mitglieder angeschlossen waren, hält es für unerläßlich, baß auch die Ar- beiterschaft lwie die Unternehmer und Angehörigen anderer Stände) eine gesetzlich geregelte und staat- lich anerkannte Vertretung zur Erörterung ihrer wirtschaftlichen Angelegenheiten erhält. Die Gleich- berechtigung erfordert, daß diese Körpersch-rften nur aus Vertretern der Arbeiterschaft zusammengesetzt sind. Der von der Regierung dem Reichstag vvrge- legte Entwurf eines Arbeitskammergesetzes kann als befriedigend nicht angesehen werden, da er not- wendige Forderungen unberücksichtigt läßt, ebenso- wenig diR Beschlüsse der 34. Reichstagskommission. Die Versammelten fordern erneut Jnteressenver- tretungen des Arbeitcrstandes in Arbeiterkammern. Gegen paritätische Arbcitskammern unter Teil- nähme der Arbeitgeber ist die Versammlung auch deshalb, weil die Feindschaft oder Gleichgültigkeit der Unternehmerkreise gegen jede gesetzliche Rege- lung der Arbeitergleichberechtigung bekannt und in- solgedessen eine die Arbeiter befriedigende Tätigkeit der Kammern weder unter Teilnahme der Arbeit- geber noch unter Leitung eines ausschlaggebenden Beamtenvorsitzenden zu erwarten ist. Die Ver- sammlung erwartet von den sozialdemokratischen Vertretern im Reichstage, daß sie bei Neuausnahme der Verhandlungen nachdrücklichst für die Errichtung von Arbeiterkammern auf räumlicher Grundlage eintreten, für die Einbeziehung aller Erwerbsgrup- ✓v'.t.-.i aun Tycivö, uirnj v«.» atvuxtn:, lichen Arbeiter, Eisenbahner, Angestellten, sowie für die Zentralisation der Ärbeiterkammern durch Lau- desarbeitsümter und Neichsarbeitsamt. Klaus wandte sich dagegen und empfahl seine Eni- schließung?„man solle nicht so drauflos fordern, ohne Rücksicht darauf, ob es durchzusetzen sei". Mehr könne man später immer noch fordern. Bei der Abstimmung über die Vorstandsresolution erhob sich außer Klaus nur eine Hand für dieselbe: anwesende Gcwerkschafts- angestellte nahmen merkwürdigerweise an der Abstim- mnng nicht teil. Die Gegenresolution wurde darauf mit an Einstimmigkeit grenzender Mehrheit ange- nommen. So war diese Gewerkschaftsversammlung eine eklatante Niederlage der auch vom Vorstand des Halle- schen Gewerkschaftskartells vertretenen gcwerkschaft- lichen Instanzen- und bnrgfriedlichcn Allerweldsver- brüderungspolitik der Generalkommission und der Scheidemann-Sozialdemokraten. Sie bewies deutlich, daß die Halleschen Gewerkschaftsmitglieder dieser Po- litik. das allergrößte Mißtrauen entgegenbringen und ihre parlamentarische Vertretung da erwarten, wo man auch den alten Grundsätzen der Gewerkschaften treu bleibt und sie konsequent und nachdrücklichst ver- tritt: bei der Unabhängigen Sozialdemokratie. ArbetteL-StidUngsschnle« Trotz aller Schwierigkeiten ist es gelungen, die Arbeiterbildungsschule während der ersten vier Kriegsjahre am Leben zu erhalten. In den Win- lermonaten hat die Tätigkeit ununterbrochen statt- finden können, und der Besuch der Schule ist trotz der Kriegsverhültnisse ein erfreulicher gewesen. Auch im 5. Kriegswinter wird die Schule ihre Auf- gaben erfüllen. Sie wird die wissensdurstigen Berliner Arbeiter bekannt zu machen suchen mit den Problemen des wissenschaftlichen Sozialismus und besonders mit solchen Fragen, die durch die Ereignisse des Weltkrieges von ganz besonderer Bedeutung sind. Die Schule wird ihre Lehrtätigkeit am 6. Oktober beginnen. Borgesehen sind für das erste Wintervierteljahr folgende 1l> Abende um- fassende Kurse: 1. ein Kursus über Kriegssozialis- mus, Staatssozialismus, Ueber- gangswirtschaft, Monopole usw.; 2. ein Kursus über das Thema:„D i e I n- ter nationale während des Weltkrieges"; als Fortsetzung der im vergangenen Win- ter gehaltenen Vorträge über Rußland ein Kursus über das Thema:„Rußland vom Jahre 19l15biszu in Jahre 1918", und ein Kursus, der in erster Linie für I u- g e n d l i ch e bestimmt ist und der eine Einführ ungindieVolkswirt- s ch a s t geben soll. Auch dieSonntagsveranstaltungen werden wieder aufgenommen werden. So ist wie- der einer der beliebten musikalischen Vortrags- zyklen des Genossen Keftenberg vorgesehen. Ferner wird ein Zyklus literaturgeschichtlicher Art über die modernen Romane gehalten werden. Ein dritter Vortragszyklus wird sich auf das geogra- phische oder naturwissenschaftliche Gebiet erstrecken. An großen künstlerischen V e r a n st a l t u n- gen sind für das kommende Halbjahr 3 Abende vorgesehen, und zwar der 1 9. O k t o b e r und 3 0. November 1918 und der 15. Februar 1919. Die Organisationen werden ersucht, mit ihren Veranstaltungen auf die erwähnten Tage Rücksicht zu nehmen. Alles nähere wird noch recht- zeitig im„Mitteilungsblatt" bekanntgegeben. Die Genossen und Genossinnen Verlins werden ersucht, auch im 5. Kriegswinter die Vildungsmög- ichkeiten zu benutzen, die ihnen die Schule bietet und auch sonst deren Tätigkeit nach jeder Richtung hin zu unterstützen. 3. 4. Aus dem Geistes schätz des Sosialtsmua. „Während die Revolution der polilische Schöp- simgsakt der Klassengeschichte ist, ist die Gesetzgebung das politische Fortvcgcticren der Gesellschaft. Die gesetzliche Reformarbeit hat eben in sich keine eigene. von der Revolution unabhängige Triebkraft, sie be» ivegt sich in jeder Geschichtspcriode nur auf der Linie und so lange, als in ihr der ibr durch die letzte Umwälzung gegebene Fußtritt nachwirkt, oder konkret gesprochen, nur im R a h'm e n der durch die letzte Umwälzung in die Welt gesetzten Gesell- 'chaftsform. Das ist eben der Kernpunkt der Frooe." R. Luxemburg: „Sozialröform oder Revolution?" Verantw. Redakteur: C. Leid; Verleger: A. Hoffmann; beide Berlin O. 27, Schicklerstraße 5� Druck: Maurer& Dimmick, Berlin. KovenickerStr-.3S.ZS.