des Verbandes der foziafdemokradfdien Wahlnsrelne Berlins und Umgegend. Ebert— Haaje— em Kündnw? Als nach den Nevolutionstagen eine Regierung Ebert-Haase gebildet wurde, war man in unfern Kreisen sehr verwundert. Vielen von uns wollte diese Tatsache nicht in den Kopf. Wir konnten es nicht verstehen, wie Vertreter unsrer Partei mit den Scheidemännern eine gemeinsame Regierung bilden konnten. Man hat uns die verschiedensten Gründe genannt, wonach nach Lage der Dinge eine andre Möglichkeit, die Revolution zu sichern. nicht gegeben gewesen sei. Die Gründe hatten viel für sich. Und doch: Je länger je mehr zeigt sich, dast eine Zusammenarbeit mit den Ebert und Scheidemann unmöglich ist, oder dazu führt, dast unsre Partei, daß die Sache des Proletariats, die Revolution dabei unter die Räder kommt. Es hat Parteigenossen gegeben und gibt es noch, die nun gar aus diesem zeitweiligen Zusammen- sitzen oder-arbeiten, besser Auscinanderarbeiten. die Schlußfolgerung gezogen haben, als stände nunmehr auch einer Vereinigung mit den Regie- rungssozialisten nichts mehr im Wege. Diesen Traum träumen vor allem viele Mehrheitssozia- listen' sie würden gerne ihr Gewissen beruhigen, wenn ihre Sünden damit in Vergessenheit geraten würden. Wir antworten: Das gibt es nicht, kann es nicht geben. Eine geradezu prächtige Begrün- dung hierfür finden wir in einem Artikel der „Freiheit" gegen den„Vorwärts". Der„Vor- wärts" hatte es gewagt, in seiner Nummer vom 3. Dezember noch einmal auf die Kriegskredite zu- rückzukommen. Er, dessen Politik durch das Kriegsende so schmählich zusammengebrochen ist, mühte sich ab, die Bewilligung der Kredite als richtig zu erweisen. �Darauf antwortete ihm die „Freiheit": Keine Geschicht«fa!fch«ng! Der»Vorwärts" wird übermütig. Er läßt sich beifcillen. an die Haltung der Mchrhcitssozialisien während des Kri.'ges zu erinnern und sie zu vertei- digen. Er denkt offenbar,- auch heute noch die Urteil?- losen mit Un— erschrockenheit bluffen zu können. Und stolz schreibt er: Ja, wir haben die lkriegskredite be- willigt. Da müssen denn doch di» Tatsachen sestge- stellt werden. Die Bewilligung der Kriegstre- d i t e am l. August war ein Verrat an den sozia- listischen Grundsätzen, die die schärfste Opposition ge- gen den imperialistischen Eroberungskrieg forderten. Niemand, der das alte System kannte, konnte nur einen Moment lang im Zweifel sein, daß der sieg- reiche deutsche Militarismus die Welt als will'om- mene Beute behandeln, das; er im Innern eine neue Zwingherrschaft �errichten werde. Sein Sieg hätte Deulschland in eine Hochburg der Reaktion verwan- delt und alle übrigen Staaten zu einem Rachebund vereinigen müssen. Es lag nicht an den Rechtssozia- listen, daß es anders gekommen ist. Die Kreditbewilligung war das Signal für die völlige Demoralisierung der Partei. Der Nationalismus vergiftete die Gehirne. Die ärgste Hetze gegen die anderen Nationen, gegen die Sozia- listen anderer Länder wurde unter der Führung der »Chemnitzer Volksstimme" und des»Hamburger Echo" systematisch getrieben. Ein Teil der MeHrHeitssagia- listen schmiedete die wildesten Aufteilungspläne, iden- tifizierte sich bald mit d Anhalten und Ausladen von Verpflegungszügen, die für das Feldheer bestimmt waren. Wo das Feldheer hungert, hat es dies nur diesen Ueber- griffen der heimischen Räte zu verdanken. d) Lazaletizüge sind angehalten, das Personal ent- lassen und die Verwundeten allem, ohne Hilfe, gelassen worden. c) Viele Lokomotiven und Eisenbahnwagen sind, an- gehalten, mit denen Teile des FcldHecces in die Heimat bcfördoct werden sollten. Mit ihnen reisen heimische Arbeiter- und Soldatenräte in der Heimat bcrinn oder verwenden sie für an- dere Zwecke. Das Feldheer muß zu Fuß laufen. a) Viele Lastkraftwagen des Feldheeres sind in der Heimat festgehalten und fallen für Trans- Port- und Versorgungszwecke aus. e) Kraftwagen, die Befehle überbringen solÄen, sind festgehalten. Die Befehle kamen zu spät. Hin- und Hemärsche sind die Folgen. k) Verkehr, Verpflegung und Kohlcnvcrsorguug stocken in der Heimat, weil örtliche Arbcilgr- und Soldatcnräte mit unkundiger Hand ein- greifen. Gewiß oft in guter Absicht, die Folgen sind aber Unordnung, Hrmgersgcfahr, Arbeits- losigkeit, Mißmut. 1 g) Heimische Arbeiter- und Soldatcnräte, die viel, sack) Matrosen, die' im Kriege nichts geleistet haben, oder unreife Burschen an ihrer Spitze haben, kKiben es gewagt, de'ttschc Truppenteile des Felzheeres zu entwaffnen. Der Stolz bei Feldheeres, die bescheiden« Dankbarkeit der Hei- mat, müßten derartiges verbieten. b) Manch friedlicher Mensch hat in der Heimat sein Leben lassen müssen, weil gewissenlose und ter- roristische Elemente versucht haben, eine Gewalt- Herrschaft aufzurichten. 5. Wenn die radialen Elemente, die schon so- viel Unheil angerichtet haben, völlig zur Horrschast kämen— und paS würden sie, wenn Ebcrt stürzte—. so würde Deutschland zu russischen Zustünden gelan- gen. Dort ist alles der sinnlosen Gewaltherrschaft einer kleinen Gruppe unterworfen. Die Folgen sind: Unordnung statt Ordnung, Terror statt politische Gleichheit und Hunger und Armut statt Wohlstand, Bruderkrieg statt Brüderlichkeit, Unmoral statt Gesittung, Arbeitslosigkeit statt Arbeit. Stillstand statt Freiheit, Verzweiflung snm Lebensfreude. Das Fammengnick ist zerstört; jeder bangt sich um Frau und Kind, Eltern und Geschwister. Alle diese Folgen würden ncch schwerer auf Deutschland lasten, weil das Wirtschaftsleben bei uns unendlich komplizierter als in Rußland ist und jede Störung sich viel schwerer fühlbar machen würde. 6. Es ist auch nicht daran ,u denken, daß die Enteive mit uns Fnebeu schließt, wenn die Unab- hängigen,„Spartakus-" und Liebkncchtleute die Herr- schast bekommen. Die Vereinigten Staaten haben klar ausgesprochen, daß sie nur mit einer Regierung, die - sich auf die Mehrheit des Volkes stützt, nicht aber mit einer Kaste oder Klasse Frieden schließen wollen. Neuro Kriegselend würde über uns hereinbrechen, ivenn Ebert gestürzt würde. 7. Wenn die Radikalen ans Nuder kämen, wür- den große Teile Deutschlands sich loslösen, da sie den Unsinn nicht mitmachen wollten, große östliche Gebiete abfallen, das linke Rbeinufer nicht wieder an Deutschland zurückkommen. Zerstückelung, Klein- staaterei wären dann die Folgen. Anzeichen sind schon zctzt vorhanden. 8. Daher muß das Feldheer tzie jetzige Regie- rung stützen. Sollte sie gestürzt werden, so muß es die bürgerlichen Elemente wieder zur Herrschaft drin- gen, es muß Ordnung und Freiheit wieder in der Heimat aufrichten. eS mutz die radikalen Elemente beseitigen, damit wir Frieden bekommen und es muß bolschewistisches Unheil und Elend von der Heimat abwenden. Es muß jeden, der in die Reiben des Feldheeres Zwietracht säen will— Agenten sind unterwegs— i inauswersen, es muß sein Mitbestimmungsrecht und tue baldige Einberusung der Ratioinalversaunnlung fordern. Das sei der letzte Dienst, den daS Feldheer für die Heimat leistet. Kinder und Enkel werden es ihnen uiiendlich danken. gez. von Hindenburg." Dieses Flugblatt ist bezeichnend für die Konter- revolutionären Umtriebe im Heere. Es soll von der Armeeleitung B- stammen und d:r Name Hindenburg soll gesälfcht sein. An der Sache ändert daS nicht». Die RegierimgSsozialisten werden dadurch außerordentlich kompromittiert. *- Die AugS des„Vorwärts"»or der Revolution. Vielen der Berliner Arbeiter ist die Angst der Regierungssozialisten vor der Revolution durch Flug- '•lätter der Ebertpartei bekannt geworden. In diesen " läitern wurden die Arbeiter geradezu händeringend gebeten, doch ja nichts zu unternebmen, es gehe doch alles ganz ruhig und zufrieden seinen Weg. Der „Vorwärts" tat das Scinjge. Am Montag, den 4. November, veröffentlichte der„Vorwärts" einen Auf- ruf des Vorstandes der sozialdemokratischen Panci Deutschlands, an Aroeiter, Parteigenossen, in dem es u. a. hieß: „Wie Ihr alle aus den Zeitungen wißt, hat Genosse Scheideniann im Einvernehmen mit der Partei dem Reichskanzler empfohlen, er möge dem Kaiser raten, zurückzutreten. Ueber diese Frage schweben in die>nn Augen- blick noch wichtige Verhandlungen. Ardeiter. Parieigenassen!» Wir fordern Euch auf, diese Vorhandlungcn nicht durch unbesonnenes Dazwischentreten zu durch- kreuzen. Wir stehen vor den schwersten Emscheidun- gen, jeden Tag können wir in die Lage kommen, Euch auffordern zu. müssen, daß Ihr Euer Wort in die Wagschale der Entscheidung werfen mögt. Jetzt gilt»S aber, ruhig Blut und Disziplin zu Nmbren und sich von keinerlei Verwlrrungs Parolen einfangen zu lassen. Je geschlossener Ihr unsere Aktion unterstützt, desto früher werden alle militärischen Einziehungen und sonstigen Maßnahmen, die Euch beunruhigen, wieder rückgängig gemacht wesden, desto sicherer werden wir rasch zu einem dauernden F�den gelangen, desto ohnmächiiger werden alle Vebuche der Reaktion bleiben, sich wieder in den Sattel zu setzen., Aus unbesonnenen Streichen kann einzelnen von Euch und der Gesamtheit nur namenloses Unglück erwachsen. Aktionen, die Msolg versprechen. müssen von der Gesamtheit der Ar- deiterschast getragen sein. Für solche aber ist jetzt der Augenblick nicht da. Folgt darum k e i» n e r Parole, die von einer unverant- wortlichen Minderheit ausgegeben w ird I' In einem zweiten Ausruf, den der„Vorwärts" am ö. Rovemb'er eräffentlicht, heißt es: Arbeiter, Arbeiterinnen! „Das furchtbare Völtznmorden geht zu Ende, es kcmtn kein Gedanke daran sein, es noch weiter fort- zusetzen. Der Frieden kommt. Er stellt die Arbeiterklasse vor die schwersten politischen und wirtschaftlichen Auf- gaben. Politisch wird es sich darum handeln, die er- nmgcnen demokratischen Freiheiten zu sichern und auszubauen. Diejenigen, die durch ihre unheilvolle Politik das Unglück unseres Volkes verschuldet haben. müssen von ihren Plätzen verschwinden. Die dazu nötigen Schritte sind eingeleitet, sie sollen vor keiner Person haltmachen, so hoch sie auch gestellt sein mag. Wirtschaftlich handelt es sich darum, die Polls- ernährung sicher zu stellen und den Uebergang zur Friedenswirtschaft so zu vollziehen, daß niemand der- hungern muß. Dazu ist die sorgfältigste Organisation der Arbeitsvermittlung und eine ausreichende Unter- stützung der Arbeitslosen notwendig. Diese Ausgaben können ader unmöglich geleistet werden, wenn alles drunter und drüber geht. Entstehen Unruhen, so wird die jetzt schon unzu- reichende Vollsernährung ganz ins Stocken geraten, die arbeitende Bevötzkerung wird dem Hnngertode ausgeliefert sein, wäbrend die Besitzenden sich immer noch zu helfen wisseu werden. Das ist auch in Ruß« land io gekommen, und selbst die Geivaltmetboden des Bolschewismus haben daran nichts zu ändern vermocht. Entstehen Unruhen, so werden weiter zahlreiche Betriebe schließen müssen, und es wird nicht möglich sein, das ungeheure Heer der Arbe tslosen zu«näh- ren. Für die heimsttämenden Kameraden aus dem Felde wird keine Arbrit zu finden sein, und sie wer- den sich auf eigene Faust zu Helsen versuchen,'wie sie können. Das wird zu neuen inneren Kämpfen Anlaß geben, die weiteres unabsehbares Elend im Gefolge haben werden. Kann und soll deswegen die ArHeiterllaise auf irgendwelche Fordcningen verzichten, die sie im In- teresse ihrer künftigen politischen und wirtschaftlichen Freiheit stellen-muß? Wir sagen Nein! Lieber würde sie auch die härlesten Folgen für sich selber aus sich nebmcn! Die ungeheuren Opfer, die das arbeitende Volk in dirs:m Kriege gebracht hat, berechtigen es zu weitgehenden Forderungen. Tie Demokratie ist aus dem Marsche und nicht mehr aufzuhalten. Ihr Sieg schafft die Vorbedingungen zur Verwirklichung des Soziali.Zmns. Aber dieser gewaltige Umbau der Ge- fellschaft kann nicht in Tagen und Wochen vollendet werben, dazu wird noch viel Kampf und Arbeit notwendig sein. Unsere Ziele verlieren wir nicht aus dem Auge, von unseren Forderungen geben wir nickst? preis! Aber die Mittcl wellen wir, solange das nur irgend möglich ist, so wählen, daß sich die Arbeiterklasse da- bei nicht inS eigene Fleisch schneidet. Wir sind eine Macht, wenn wir einig sind, machen wir von dieser Macht Gebrauch! Aber hüten wir uns, leichtfertig und ohne Not ein Chaos her- vorzurufen, in dem wohl auch unsere Gegner, aber auch wir aus? schwerste lüden müssen! Darum richten wir an Euch den Ruf: Tretet in Massen ein in die polllische Organisation der Sozialdemokratie, in die modernen freien Gcwerk- fchaften! In diesen Organisationen könnt Ihr das vorwärtstreibende Elema t sein. Aver hütet Euch vor -Zersplitterung, vor Arbeiter-Bruderkrieg und vor den Ratschlägen unverantwortlicher Ele- mente,' die Euch zu unbesonnenem Los- Ichlagen gegen Euer eigenes Interesse der- leiten wollen. Folgt nicht den Parolen kleiner Grup- Pen und unbekannter Drahtzieher. Wenn die Arbeiter dahin und dorttin lauten oder gar sich gegenseitig zerfleischen, so kann daraus kein Glück, sondern nur namenloses Unglück entstehen. Es geht um Euch und Eure Kinder! Darum noch einmal: Wahrt die Einigkeit, die Beso.nnen- h e t<, die Disziplin der Organisation. Keine russischen Zustände, sondern das Ganze ge- schlössen vorwärts zu den Zielen der Demokratie und des Sozialismus! Der Vorstand der sozialdemokraiischen Partei Deutschlands. E ue furchtbare Angst, daß die Arbeiter selber handelnd tu Erscheinung treten, sprach aus diesen Ausrufen. Der sozialdemokratisch« Parteivorstand vom „Vorwärts" svarifte vor dm unverantwortlichen Ele- mentktt, vor„unbesonnenem Losschlagen". Die Ar- beiter sotten keiner Parole folgen, die von einer„un. verantwortlichen MindcrWt" ausgegeben wird. Die Angst vor der Revrlu tcn, wie sie auch in der Wir» gerlichen Presse zum Ausdruck kam. Aber die Ar- beiter folgten diesen Herrschasten nicht, sie folgten der Parole der„unverantwortlichen Minderheit" und gingen fest mid entschlossen dem skandalösen Schreckens- regiment zu Leibe mit denr Erfolg, den unsere Ge» Nossen kennen. Und dann kamen die Scheidemänner, rühmten sich der Revolution und suchten die Erfolge für sich zu buchen. Heuchlergesellschastl DasWahlrechtzurRatisnalversammln«?. Tie zi» Nationalversammlung ist auf sonn- tag. den lv. Februar, feitgesexi worden. Ueber das Wahlrecht und über die Wahlordnung ist folgendes bestimmt: Das Wahlrecht zur Nationalveriamnstung darf nur in dem S t i in m b e? i r k ausgeübt werden, in dem derWahlberechligte in dieWähl e n l i ste eingetragen ist. Beim Wadlkoinni'ffar und spätestens am 21. Tage vor dem Wahltag Wahlvorschläge einzureichen. Die Wadioorschläge müssen von mindeuens hundert im Wahlkreis zur Ausübung der Wahl berechtigten Personen unterzeichnet fein. Von jedem vorgeschlagenen B e- werbet ist eine Erklärung über seine Zustimmung zur Aufnahme in den Wahlvorschlag anzuschliegen. Der 25. Paragraph der Wahlordnung regelt das Ver- hültniS zu Deutschösterreich: .Beschliegt die Deuriche Nationalversammlung, dag Deutsch-Oesterreich seineni Wunsche entsprechend in das Deutsche Reich aufgenommen wird, so treten die deutsch-ö st erreicht schen Abgeordneten ihr als gleichberechtigte Mitglieder bei. Voraussegung für den Bestritt ist, dag die Abgeordneten auf Grund allgemeiner, gleicher, unmiltelbarer und ge- heimer Wahlen unrer Beteiligung auch der Frauen nach den Ärundsägen der Verhältniswahl geregelt werden. Die Zahl der Abgeordneten wird auf der Grundlage destimnit, dag durchschriltlich auf 150 000 Seelen ein Abgeordneter entfällt. Der Wahltag braucht mit dem deuischen Wahltag nicht zusammenzufallen.' Je einen Wahlkreis bilden: SWit(iin- Zu wählen sind ioolniern: sftbflcorttnete: 1. Die Provinz Ostpreußen... 2 0tui75 14 2. Die Provinz Westprcugen.. 1 703 474 II 3. Die Stadt Berlin..... 2071257 14 4. Die ReichstagSwahlkreise Pots- dam I—ü, soweit sie zum Re- gierungsbezirlPotsdani gehören 1544 851 10 6. Der ReichSiagSwahlkreis Potsdam 10, soiveii er zum Regie- rungsbezirk PotSdain gehört. 1314 578 S 8. Der Regierungsbezirk Frankfurt a. 0......... 1 233 189 8 7. Die Provinz Pommern... 1 718921 11 8. Tie Provinz Posen.... 2099831 14 9. Der Regierungsdez. Breslau. 1 841 398 10.., Oppeln.. 22o7 981 16 11.,. Liegnig.. 117S6sZ 8 12.,» Plagdedurg u.Anhalt 1530113 11 18.„, Merseburg. 1809 510 9 >4. Tie Provinz SchieSwig-Hoiste», und daS zuOldenburg gehörende Fürstentum Lübeck..... 1662 304 11 IS. Die Regierungsbezirke Aurich und Osnabrück sowie Oldenburg ohne die Fürstentümer Birken- 1 041 810 2856 856 13 13 16 15 13 10 12 fetd und Lübeck. Ig. Die RegierungSbez. Hannover. Hildeeheim, Lüneburg u. Braun- schweig......... 17. Die Regierungsbezirke Münster und Minden, der zur Provinz Hessen- Nassau gehörige KreiS Schuumbstrg sowie die beiden Lippe.......... 1 971486 18. D.r Regierungsbezirk Arnsberg 2 399 849 19. Die Provinz Hessen-Viassau ohne die Kreise Schaumburg und Schmalkaden ferner der KreiS Wefilar, von Regierungsbezirken Koblenz sowie Waldeck... 2 251629 20. Die Regiermigsbezirte Köln und Aachen......... 1940 317 21. Tie Regierungsbezirke Koblenz midTricr ohne den KrcisWetzlar, ferner das zu Oldenburg ge- hörige Fürstentum Birtenfeld. 1760819 22. TieReichslagsivahlkreiseDüisel- dorf 1—6, soiveil sie zum Re- giernngSbez. Düsseldorf gehören 1 320 598 2g. DieRelchslagowahlkreise Dössel- dorf 6—12 des RegierungSbez. Düsseldorf.......• 1597 790 11 24. Die Regicrnngsbez. Oberbaycrn und Schwaben...... 2321918 15 ■>5, Die Regierungsbezirke Nieder» dayern und Oberpfalz... 1 324 615 g 26. Die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- lind Unterfranken.. 2 303 673 15 27. Ter Regierungsdezirt Pfalz. 937 08S 3 ->8. Die sächsischen Reichstagswahl- kreise 1'— 9......., l 771 117 12 og. Die sächsischen RcichstagSwahl- kreise I0-!4....... 1 165 330 S 30. Die sächsischen RcichstagSwahl- kreis- 15-23.......1 870 214 12 31. Der Neckarkreis und der Jagst» kreiS.......... 1 297 638 9 82. Der Schwarzwaldkrcis und der Donaukreis sowie der Regierungsbezirk Sigmaringen.. 1211047 8 gg. Baden......... 2142833 14 34. Hessen......... 1282051 9 35. Meckleiiburg-Sch!verii,.Meckliii- burg-Strelig und Lübeck.. 862999 6 gg. Die thüring. Staaten Sachsen- Weimar. Sachsen- Meiningcn, Sachsen- Altenburg, Sachsen- Kobura und Gotha, die beiden Schwarzburg und die beiden Neuss sowie der Regierungs- bezirk Erfurt und der zur Pro- vinz Hessen- Nassau gehörige Krei» Schmalkalden.... 2 160 692 14 37. Hamburg, Bremen und der Re- gierungSdezirk Stade.... 1743546 12 38. Elfass-Lothringen..... 1874014 12 Insgesamt sind demnach 433 Abgeordnete zu wählen. Nach der W a h l 0 r d n n n g müssen die W a h l- k 0 m m i s s a r e unverzüglich ernannt werden, die Ernciinimg ist öffentlich bekanntzumachen. Der W a h l- k 0 m m i s s a r hat spätestens v i e r W 0 ch e n vordem Wahltag zur Einreichung von Wahlvorshlägen durch eine Bekanntmachung aufzufordern. Die Wahl Hand- l il n g beginnt n m 9 Uhr vormittags. Der Wahlkommissar hat die Gewählten von der auf sie ge- fallenen Wahl zu benachrichrigen und sie auf ufordern, sich binnen einer Woche nach Zustellung der Nachricht über die Annahme der Wahl zu erklären. Schwei, cn ober An- nähme unter Vorbehalt oder Verwahrung gilt als Ab- lehnung. Nach der russischen Revolution. In diesen Tagen wird auch in Parke TreUcn vielfach aus Rußland hingewiesen. Nun ist es sicherlich ja.sch, schema.isch von einem Lande aus ein anderes zu erempltjizieren, wenn man die Verhälinisie unbe- rücksichtigt läßt. Immert in aber darf doch daran erinnert werden, daß auch in R'ußland eine Soziali- sieruag nur allmählich vor sich gehen konme und beute noch nicht beendet ist. Es ist auch heute noch von gewissem Interesse, was Lenin in seiner großen Rede am 23. April, also 6 Monate nach der letzten Revolution, über das Wrrtschastsprogramm darlegte. Wir entnehmen daraus folgende Stellen: „In den bürgerlichen Nevclutionen bestand die Oauplaufgabe der arbeitenden Massen in der zerstörenden, ve-nuchlenden Tätigkeit, dem Van- dalismus, der Monarchie, den militärischen �fnstilu- tionen gegenüber, wobei es der bürgerlichen Minder- heit veräältnismäßig leicht war, die positive oder or- ganisatorische Arbeit zu verrichten. Die H iuptausgabe des Proletariats und des von ihm geiüvr.en ärmeren Bauerntums hingegen bestel t wahrend einer jeder sozialistischen R e- v 0 l u t i 0 n— und somit auch in der in Rußland am 25. Oktober 1917 bego-nnenen— in der positiven Arbeit, in der äußerst komplizierten Schaf- fung depjeiligcn organisatorischen Verhältnisse der planmäßigen Erzeugung und Verteilung der Produkte. Tie e r st e n zwei Aufgaben der Partei, die die für die Enstenz von Millionen und Abermillionen von menschlichen Wesen notwendig sind. So eine Revolution kami aber nur oarni erfolgreich sein,— ivenn die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung ihr tackriiitlg besstcbl. wenn die Arbeiter>md Bauern zielbewußt, selbstlos inst entsprechender Ueberzeurung und Ausdauer für den Erfolg der Revolution arbeiicn. Durch die Schassung des neuen Staatsacbildes, das den arbeitenden Massen die Möglichkeit gibt, sich selbständig an den Ausgaben der neuen GcselBfhast zu beteiligen, ist nier ein Teil der schweren Aui- gäbe oechst worden und nicht der schwerste. Die H a>!> p e s ch w i e r: g k e i t liegt aus 5 k 0 n 0- ni i s ch e m Gebiete, in der Notwendigkeit, die Vro- duk i:n der Arbeit zu erhöhen, die strengste Kontrolle der Giib.-rerzcugung und Verteilung überall durch- zuführen bezw. in der tatsächlichen Vergcscllschastung der Produk.lon. Volks mehrbett fflr i h r Vrogramnt und ihre Taktik zu gewinnen und die polilisosse Macht zu erobern und den Widerstand der Ausbeuter zu brechen, sind von ibr, wenn nicht gänzlich, was unmöglich wäre,— die Versuche der Konterrevolutionäre, die Sowjetmacht zu stürzen, sollen nicht unterschätzt werden— so doch in der Hauptsache erfüllt worden. Dte Boljchewiki haben die Volksmassen Ruß- lands überzeugt, haben Nußland für die Armen von den Reichen cr'ämpjt. Jetzt stebt die s ch>v e r st e Aufgabe, die der Verwaltung, vor uns, und nur wenn die Bolschcwiti sie gelöst haben werden und die E'gcnart dieser U ebergang s- Periode verstanden haben werden, wer- den sie sagen dürfen, daß Rußland sozialisi sh ac- worden ist. Dringend notwendig ist, die Wunden, die der Krieg und die Niederlage zugefügt, zu heilen, die Unordnung, die die Bourgeoisie geschaffen und schafft, zu überwinden, ebenso wie alles, was durch die Müdigkeit und den Hunger wr Massen hervorgegangen; vor allem handelt es sich um die Sich e. rung der elementaren Ordnung. W'e paradox es auch sbeincn mag, gerade die Durchführung der elementarsten Pflichten, deren Aul. 7«ell!ina bei Revolutionären nur Hokm hervorzurufen imstande sind, ivenn eS sich um Pflichten der b ii:. g e r l i ch e n Gese'lschgst gegenüber handelt—„sei sorgfältig in der Verwaltung von Geldern, verschwende keine Zelt. stehle nicht, sei diszipliniert in der Arbeit,"— das alles ist nach der Niederwerfung der Bourgeoisie der Sowjctsmacht gegenüber eine heilige Pflicht, vrn deren Erküla-ng das Hci der Nevolivlion abhängt und der endgültige Sieg des Sozialismus. Zum erstenmal in der Westgekchichte ist es einer sozialistischeu Partei gelungen, in der Hauptsache die Eroberung der Macht und die Unterdrückung der Aus- beutcr zustandc zu briiigen und an die Verwaltung zu treten, d. h. die äußerst schwere Frage der Neu- organäaticn ans ganz neuer, der tiesgeueudsten öto- nomischen Grundlage der Eristenz von Millionen und Abermillionen von menschlichen Wesen. Wir müssen uns dieser Aufgabe gewachsen zeigen. D'cse Aufgabe ist aber zur gleichen Zeit auch die dankbarste, denn nur noch ihrer Lösung(in den Grundzügen) wird man sagen können, daß Rußland nicht nur eine SowjetMpublik, sondern eine sozialistische Re« publik ist. In cjnem bäuerstchen Lande, das erst vor einem Jahre den Zarismus gestürzt bat, und vor weniger als einem kalben Jahre sich von den KerensliS be- freit hat, bleibt nicht wenig Anarchismus, der durch die Verwilderung, die ein jeder reaktionäre Krieg mit sich führt, verstärkt wird, so daß es einer zähen, dauernden Ärbeit der besten k l a s s e n- bewußten Arbeiterschaft und des Bauern- tiims bedarf» um einen vollständigen Umschwung in der Stimmung der Massen hervorzu- rufen. Nur so ein Uebergang, von den Proletariern und Halbproletariern vollstreckt, ist imstande, den Sieg ii er die Bourgeoisie und vor allem über ihren zallrcichsten und hartnäckigsten Teil, die Bauern- vourgcri ic, zu sichern. 9 Lenin be ont, der Kampf gegen die Bourgeoisie sei in Rusland in eine neue Phase euigetrelen von der einochsten Stufe der Erpropnatiou der Kapitalisten gilt es nun zu der schwersten überzugehen, d. h. zu der Schaffung solcher Vertm in ffc, unter denen die Bourgeoisie weder weiter eristieren noch wieder entstehen kann, Im'Vergleich mit der revolutionären Entwicklung Westeuropas ist Rußland jetzt etwa auf die Stufe von 1873 und 1871 angelannt, wobo, was mit Stolz gesagt werden dari, Rußland einen Schritt lvciter gegangen ist durch das Dekretieren und Ein- »üiiren eines neuen Stacuszevildeö, der Sowjets. De- gnügen darf man sich aber mit dem Erziel.cn keineswegs, den» der U ebergang zum Sozialis- rnus hrt Zwar begonnen, aber das Eni- scheidende auf diesem Gebiete ist noch nicht geschehen. Das Entscheidende besteht in der Einsühruna der strengsten Kontrolle über Produltion und Verte.lung; in den Betrieben, die wir der Bourgeoisie abgenoni- men Halen, ist es uns noch nicht gelungen, die Kon- trolle, ohne die die Vermehrung der Arbeitsprodulti- vität, in nationalem Matzstabe unmög.ich ist, elnzu- führen. Dement'prechcnd erschöpft sich die Aufgabe des gegenwärtigen Momewes nickt ohne weiteres:n der einfachen Foroicl:„Tie Offensive gegen das Kapital sock fortgejührt weroen". Zieht man die besonderen Bedingirngm des gegenwärtigen Augenblicks in Be- tracht, so ist es klar, daß, wie im Kriege nah ver siexesvollen Eroberung der Hälfte oder drei Vierteln eines Tervckoriums das siegende Heer eine Pause ein- treten läßt, um sich für die weitere Onensive zu rüsten, so ist es auf der gegenwärtigen Stufe der politischen Entwicklung Rußlands notivenoig, dasselbe dem Kapttclisnms gegenüber zu tun. Gewiß bedeutet eine Ruhepause im Kampfe gegen den Kapitalismus nicht das, was sie im L liege bedeutet; im Kriege ist es möglich, die Operalionen zmn Sieben zu brl'n» gen. bei uns heißt es aber keineSivcgs, die weiteren Operationen auszugeben, sondern cinfach und allein der Schwerpunkt unseres politischen u-ird öto- nomischen Kampfes muß verschoben werden. Stand früher die Expropriation der Kapitalisten im Vordergründe, so muß jetzt die Kontrolle der Verwaltung der bereits expropriierten Betriebe in den Vor- dergrund treten. Würden wir im früheren Tempo die Erpropriation des Kapitals weitersühren, so wüxden wir gewiß eine Niederlage crlciven. weil die Orga- nisation und die Kontrolle der Produktion sich nicht im gleichen Schritt entwickeln könnte, der Abstand zwischen dem einen und anderen Kampfmitiel muß eingeholt werden. Töricht wäre es, z» behaupten, daß durch die Alterkemiung dieser Notwendigkeit das Ein- gcständnis gemacht wird, daß die erste Methode un- richtig gewesen sei. Mit nichtenl Wie im Kriege die Kavallerie zuweilen durch die schwere Artillerie er- gänzt wind, so müssen auch wir zu diesem Mittel greijcn. Es ist der Sowjetsregierung vorgeworfen, worden, durch die rote Garde den Kapitalismus an- gegriffen zu haben. Zu einem gewissen Zeitpunkte war so eine„Tlttacke* notwendig und die rote Garde hat eine historische, ruhmreiche Le fdmg vollbracht, indem sie zur Befreiung der Ausgebeuteten von den Ausbeutern beitrug. Die Methode war dadurch zur Notwendigkeit gemacht,. als auch der Widerstand der Gegner mil tärischer Natur war. Nun hat die Er- fahrung auf die Notwendigkeit des Aufbaues der Verwalbwng hingewiesen und auf die entsprechenden Mittel. Ebenso töricht aber Ware es, zu knchaupten, daß die ,N otgard istena ttacken" überall und als ein- ziges Mittel anzuwenden seien. Die Methoden des Kampfes gegen den Gegner müssen den veränderien Umständen angepaßt werden. Jetzt, wo der militätische Widerstand der Bourgeoisie und die Sabotage besiegt worden, gilt es für die Sowjets, die bürgerlichen Fachleute zwecks so einer Umgestaltung des sozialen Gebildes auszunützen, dte dckS Auftauchen der Bourgeoisie unmöglich»lacht. Zu diesem Zwecke sind Fachmänner, dl» über techniiche Kennt ckssc und Erfahrung versüßen, not- trendig. Der Sozialismus verlangt eine zielbewußte Jmensiviziernng der Produktion auf der vom Kapi- lalismus geschaffenen technischen BasiS, eine Weiter- entwicklmig über diese hinaus. Der Sozialismus muß das mit eigenen Mitteln tun oder, konkret gesprochen, er muß die Weiterentwicklung mit den Sowjeisrnetho- den verwirklichen. Wäre es dein russischen Proletairiate nach der Eroberuna der Macht gelungen, auch die Organisation, Regelung und Kontrolle der Prodnk- tion auf nationaler Basis eiiizusühren, so hätle es auch die Fack.lei.te sich unterworfen. Da das aber, infolge des Krieges und der Rückständigkeit Rußlands nicht möglich war, sind wir darauf angewiesen, dte tüchtigsten büraerlichen Spezialisten für hohen Lohn zur Arbeit heranzuziehen. Genosse Lenin geht anssükstlich darauf ein, daß die hohe Entlohnung der Spezialisten einen Kompromiß darsteile den Prinzipien einer jeden proletarischen Macht gegenüber, die die Gleichstellung a ler Lohne aus dem Niveau des Lohnes eines Turchschnütsarbeiters, verlangt und den Kampf gegen jedes Ctrevertmn; auch verdehlt sich Lenin nicht, daß die hohe Entlohnung demoralisierend wirken könnte aus alle dieiinigen. die sich um die jetzgen Macht» habar scharen und ihre eigenen Geschäfte marben wollen. Es gibt aber keinen Heersührer, der keinen Fehler beaangen, der zu keinem Rücktritt gezwungen sei; der Feldzug gegen den Kapitalismus ist alier unvergleichlich schwerer und koinpliz erter als jede militärische Operation. Die klasscnbewußlen Arve t r und Bauern werden aber die No'.wenoigteit dicse. Maßnahme einsehen und die Ausgabe Von 25, SU oder 100 Millionen jahrlich sür die Heranziehung von Fachleuten aus Rußland und aus dem Auslände als notwcnd g betrachten, da sie aus der Erfahrung wls- sen, daß der Rückstand* in technischer und organisa- torischer Beziehung uns Milliardenschaden zufügt. Je eher die Arbeiter und Bauern die notwcndioe Ar- beitsdiiziplin und technische Tüchtigkeit erlangen wer- den, um so eher werden sie sich von der Ao.wcndig- keit, den Cpc trlislcn c ne solche Enilöhnung zu ge- währen, besrcien. Die Wahrheit muß aber unverhoh- len ge agt werden, um die Arbeiterschast zu erziehen und nicht die Vettuschungspolitit der Bürgerlichen zu treiben. Nach der Betonung der Notwendigkeit die Maß- nahmen zu verwtrlüchen. die bereits de.rctiert wur- den, bci deren Ausführung man aber aus den größ- ten Widerstand stößt Getreidcmoncpol, Nationali- sation des Bankwesens, Emchhrung e.ner planmäßigen Vermögens- und Elnkommensst.-uer, der Zirildienst- Pflicht, das strengste Vorgehen gegen die Bestechung und die Brt üger—, nach der Betonung; daß die Möglichkeit eines sozialisti.hen Ausbaues Rußlands davon abhängt, ob es gelingen lvird, durch Ausbc- zahlung während der Uwergangspeiiode von einem gewissen„Tribute" ans Ausland, die inner öionomische Seloständigleit der russischen Republik zu sichern, geht Lenin aus die politische, erzieherische Be- deutung der Arbeiterdisziplin und Kontrolle ein. Der Staat ist Jahrhunderte hindurch ein Jnstru- ment der Unterorücluug und Plünderung des Volkes gewesen, er hat in den Votksmasjen das größte Mißtrauen und eine Feindseligkeit gegen astes Staatliche hervorgerusen; es gilt nun, dagegen einen schweren langen Kamps zu sührcn. Eeraoe in der Stellung zur Regelung und Kontrolle der Produktion und Ver- waltung der Produltion, macht sich das obenerlvähnie Erbe besonders fühlbar. Es w.ro einer langen Beu bedürfen, bis die Massen, die sich nach dem Sturz der Äroßarundbesther und der Bourgeoisie zum erfreu- mal frei fühlen, aus eigener Erfahrung eingehen und fühlen werden, daß ohne die Regelung und Kon- tro le der Produktion die Macht vom Prolctrriate mch- beibehalten werden kann, und die Wieverherstel- tung des kapitalistischen Joches unvermci.l.ch ist. Ahe die bürgerlichen und besonders die llanbürgerlichen Traditionen richten sich gegen die Staatslonlrolle, ge- gen das Eingreiscu in das heilige Prioateiaentum. Gerade setzt kommt besonders llar zum Vorschein, wie sehr Marx recht hatte, als er behauptete, daß der Anarchismus und Anarchoso-Ulismus k.einbürgerlichc Strönrlmgcn darstellen, die in unüberbrückbarem Ge- gcnsatz zum Sozialismus, zur proletarischen Diktatur, zum Kommunisnms stehen. Ter Kamps des sozia- listischeu Bewußtseins gegen die bürgerlich-anarä.isti- schen Strömungen, stegen die verdammte Art und Weise, die Ergatterung von Brot und Kleid für eine peissnliche Altgelegenheit zu betrachten, die>er Kamp, des sozialistischen Bewußtseins gegen die Ueöerbleibsel der verhängnisvollen Vergangenheit ist eiu Kamps von der atlergrößtcn kulturhistorischen Bedeutung. Ter sozialistische Staat kann nur als ein Netz von Produktions- und.Konsumations-Kommunen cnt stehen, die gewissenha-ft die Produitron und den Ver- brauch regeln und kontrollieren, die die menschiiche Arbeit sparen, um zum sechs- und fünsstündigen Ar- beitstag zu gelangen. Die Jntensivizicaung der Pro- duktion vorlangt die Sicherung der für die Entwich lung dir Großindustrie notweiidigen Basis. Auch nach dem Brester Frieden verfügt Rußland über riefen- haste Vorräte an Erz sUral), Kohle(West-Sibirien) und Petrol(Kaukasus), im Centrum an Tors. Die Bearbeitung dieser Raturschätzz un.er Anwendung der neuesten Ergebnisse der Technik wird einen ganz außer gewöhnlichen Fortschritt der Produkt.! onAnitilel dar stellen Eine zweite Bedingung der Erhöhung der Produklion besteht in der Erhöhung des Kultur Niveaus der Massen, die mit riesenhaften Schrittest vor sich geht. Rur mit Blindheit geschlagenen kann entgehen, wietviel Wissensbedürfnis und 'Initiative unter den Massen jetzt zum Vorschein krsmint. Nicht minder wichtig ist aber die E r z i c- bu n g zur Arbeit, zur Disziplin. In dieser Beziehung soll es in Rußland nach der Aus- sage derjenigen, die sich von der Bourgeoisie Haben einschüchtern lassen, oder sich in deren Dienst gestellt haben, ganz trostlos sein. Dicse Leute verstehen nicht, daß es keine Revolution geben kann,.ohne daß die Anhänger des al-en Regimes von Zusammenbruch von Anarchie beulen. Es ist selbstverständlich, daß in den Massen, di.: sich unlängst von einem uuerhörietl Druck besreit haben, eine Gärung vor sich geht und daß de-r Ausbau einer neuen Arbeitsdisziplin auf neuer Grundlage viel Zeit erfordert und daß die- ser Ausbau vor dem völligen Sieg über die Groß- grundbesitzcr und die Bourgeoisie sogar nicht bcgin- iren konnte. Olme aber dieser künstlichen Verzweiflung zu ver- fallen, welche von den Biirgeilichcn und ihren Helfers hel-ern vcrbrci'et lvird, die an der Möglichkeit ihre Vorrechte beizubehalten, verzweifeln, muß das Uebel keinesfalls verheh.'t werden, im Gegenteil, es soll darauf hingewiesen werden und dagegen ee- kämpft werden, denn der Sieg des Sozialismus ist undenkbar ohne den Sieg über die anarchistisch bürger- lichen Strömungen, die eine Gewähr sür einen cven- tucllcn konterrevolutionären Sieg der Kornilow oder Kalcdin darstellt. Die llassenbewußlen proletarischen Elemente des russischen Proletariats haben sich bereits die Aufgabe gestellt, die Produktivität der Arbeit zu erhöhen. Das Zentralkomitee der Metallarbeiter und der GeWerk- schaften haben sich an die Ausarbeitung entsprechen- der Maßregeln und De.rcte gemacht. Mit allen Kräften s l en dicse Versuche weiterentwickelt werden; d e Errrungenschaften der Wissenschaft sckien dazu erwcr.et werden. Ter Russe ist ein schlechter Arbeiter im Vergleich r.i. den Le.slungen der Arvetter der vorge.chrmene» v. ndcr, was auch nicht anders sein konn.c, dank dem zaristischen Regime uud der Zahigieit der Uever- v.eicjcl der Leiveigen.chast. Tie wissen, chafthchen(£■:• cungenschaftcn des Kapitalismus sollen in den Dienst o.r s.zi.itisiischen Produltion gestellt werden, die pro- teiarischc Diltatur soll nicht durch die praktische Un- sahigte t, sie auszunützen, vceintcachligt werden. Zu dem Blödsinn, den die Bourgeoisie über den Sozia- iismus veibieiiel, gehört auch die Behauptung, er jcneji.ic die Bedeutung des Wettveweroes; da* Ge- genleft ist Ivahr, denn nur der Sozialismus macht durch die Achchasiuirg der Klassen den Weubewerv .n grogem Machstave möglich. Auch muß die Organi- >a ion der Sowjets von der formellen Demo- r a l i e zur tatsächlichen üve:gehend, zur tat- sm l ch en An.cilnahme der Massen au der Verwal- .uug, zum erstenmal den Wetwewerb auf breite Basis stechen. Es ist.edoch leichter, es auf poli- t..chem als aus ökonomischem Gebiete zu vo.lziehcu, obwohl das ötonoml.che Ge.üt viel wichtiger ig. So hat aus dem Gebix.c der Presse die Sowietmacht bereits die neue Methode eingeweiht, im Gegensatz zu der bürgerlichen Presse, welche dbe Masten mit -Sensation e manchen abzu.pcftcn sucht, alles aber, was in Wcrksialicn und Fabriten vorgebt, vor den Arbeitern verHein l ck::; sie hat das Handelsgeheimnis, das das e.lige Elgentuni verteidigt, abgeichafft; aber es ist ihr noch nicht gelungen, die Presse aus ökonomischem rncbicte auszunützen. Es ist unumgänglich nmwenou., systematisch gegen die Verleumdungs- und Berdum- mungs Methoden der bürgerlichen Presse zu iämp en, zur gleichen Zeit muß aber die Aujtlärung der Ar- vcitcr über die al täglichen Vorgänge des ölono- milchen Lebens orgaiiistcrt werden. Jeoe Fabrik,)e res Dors ist eine Produktions- und Konsumtions- Gemeinschaft, die d>e allgemeinen Gesetzesbestimmun- gen des Sowjets anzuwenden hat Unccr dem Ka- pitalismus waren die Fragen oer Prosuktion und des Verbrauchs persönliche Angelegenbd en des Großgrundbesitzers, des Ausbeu.crss jetzt unter der Sowjet macht wird die Frage zu einer Slaaisangelegenye.t und zwar zu einer der wichtigsten. Eine lveiiere, schwere, aber dankbare Arbeit besteht in dem Weit- belverb unter den einzelnen Gemeinden; er soll e>u geführt werden in der Produkt- on von Getreide, von Kleidern, ebenso sollen alle Gcschi.stsdcrichtc verösseni- licht werden. Die leblosen, bürokratischen Zahlen sol- teil zu leoeudigeii, belee enden Tauacheu werden. i erzieherische Wirkung des Beispiels, die unter der Herrschaft des Kapitalismus ktzzinbürgerlich-ttePistisch war, kann erst umer dein Regime der Sowjets in großem Maßstabe entsaftet werden. Die vorbildlichen Kommunen- werden als Er- zieher und Lehrer wirken, die Presse soll zum Miitel der sozialistischen Organisafton dienen; unter dem Kapitali-mus war die Stat sftk nur zu offiziellen lmrolrattchen Zwecken verwendet; jetzt so.l sie dazu dienen, den arbeitenden Massen vchzubringen, wie und wieriel sie arbci en müssen, wieviel sie ruhen k.- nen, wobei die vorbildlichsten Komniuneu der em prechcndeu Belohnung unmittelbar teilhaftig werden ollcu: Kürzung der Arbeitszeit, Erhöhung des Ar- beiislohwes, Teilnahme an einem großen Teil der kulture len u-ud ästhetischen Genüsse. Keine Klasse laiin zum Führer der Gesellschaft werden, ohne die stärksten Kän-pse und Erschütiert/ugen und ohne Versuche, oonc unsichere Schritte. Auch wird ihren Führern, wie setz. in Rußland miter der proletarischen Revolution, so anch einst in vergangenen Revolusionen in Westeu-opa die Unfähigkeit und In ompetc-.iz vorgeworfen. Gewiß nicht Wochen, sondern Monate und Jahre bedarf es, eis eine bisher unterdrückte Klasse ihre neue Arbeit anbahnt, Orgcmisatoren aus ihrer eigenen Mitte er- zieht. Es ist nicht zu verwundern, wenn es der rc- volutionäreu proletarischen Macht an gänzlicher Kr jabrung mangelt, um Organisationen, die den Bc dürsnisfell von Millionen und Abermulionen entsprechen c l en, von beute auf morgen zu schassen. Aber un- möglich ist es nicht, wenil man das Bewußtse.n der Notwendigkeit und Entschlossenheit in der Durchführung besitzt, wenn ouan die nötige Ausdauer in der Berfrrtgung des schwer zu erreichenden Zieles besitzt. Leute, die große organisatorische Fähigkeiten besitzen, gibt es im Volke, d. h. in den nicht anSbeutmoen Klassen genug, der bßapitalismus hat sie mafsenhast zermalmt, vernichtet; dem neuen Regime ist es ncch nicht gelungen, sie zur Geltung zu bringen. Dieses Ziel ist zu erreichen, wenn man sich mit der ent- prcchendcn Begeisterung daran machen wird. Ohne revolutionären Enthusiasmus gibt es keine siegreiche Revc-lutioncn, olme ihn ist keine einzige tiefe Volks- bewegung möglich." Bourgcoie-Sozialismus. (Den Scheidemännern gewidmet.) „Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Miß- ständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen wesellschaft zu sichern... Die sozialistischen Bourgeois wollen die Lebensbedin- gungen der modernen' Eelellschast ohne die notwendig daraus hervorgehenden Kämpfe und Gefahren. Sie wollen die bestehende Gesellschaft mit Abzug der sie revo- lutionierenden und auflösenden Elemente. Sie wollen die Bourgeoisie ohne das Proletariat... Eine zweite, weniger systematische, nur mehr prak- tische Form des Sozialismus' suchte der Arbeiterklasse jede revolutionäre Bewegung zu verleiden, durch den Nachweis, wie nicht diese oder jene politische Berände- rung, sondern nur eine Veränderung der mate- riellen Lebensverhältnisse, der ökonomischen Verhältnisse ihr von Nutzen sein könne. Unter Verände- rung der materiellen Lebensverhältnisse versteht dieser Sozialismus aber keineswegs Abschaffung der bürger- lichen Produktionsverhältnisse, die nur auf revolutio- närem Wege möglich ist, sondern administrative Verbesserungen, die auf dem Boden dieser Produk- tionsverhültnisse vor sich geben, also an dem Verhältnis von Kavital und Lohnarbeit nichts ändern, sondern im besten Falle der Bourgeoisie die Kosten ihrer Herrschaft vermindern und ihren Staatshaus- halt vereinfachen. Seinen entsprechenden Ausdruck erreicht der Bour- geoissozialismus erst da. wo er zur bloßen redne- rischen Figur wird." „Das Kommunistische Manifest"(Jan. 1848). „Es ist ein historisches Gesetz: In den aus Klassen- gegensätzen beruhenden Gesellschaftsformationen gehen die großen sozialen Umwälzungen erst vor sich, wenn die herrschende Klasse bereits den höchst möglichen Stand der Konzentration ihrer Macht erreicht hat. Die ökonomische Rkacht der herrschenden Klasse bedeutet stets zugleich Macyt über Menschen. Verfügung Laer menschliche Ar- beitskraft. Damit wird aber der ökonomische Herrscher abhängig von der Macht der Beherrschten. Denn indem er selbst an Macht zunimmt, stärkt er zugleich die Macht derer, die ihm in Klassenfeindschaft gegenüberstehen. Als Beherrschte aber erscheinen sie machtlos. Ihre Macht, die sich erst im Kamps, im Sturze der Macht der herrschenden Klassen beweisen kann, erscheint latent, während die Macht der Herrschenden die allein offen- sichtliche ist. Erst im Zusammenprall der beiden Mächte, also in der revolutionären Periode, erweist sich die Macht der Unterworfenen als real." Rud. Hilferding:„Das Finanzkapital". Aus dem Geistesschah des Sozialismus. „Niemals war es schwieriger wie jetzt. Formen und Tempo der kommenden Entwicklung vorauszu- sagen, wo alle in Betracht kommenden o-aktoren, das Proletariat ausgenommen, so unbestimmt und unbe- rcchenbar sind. Sicher ist nur die allgemein� Unsicherheit. Sicher, daß wir in eine Periode allgemeiner Unruhe, steter Machtverschiebungen eingetreten sind, die, wie immer ihre Formen und ihre Dauer auch sein mögen, nicht eher mehr in einem Zustande länger dauernder Ruhe enden kann, als biö das Proletariat die Kraft erlangt hat, die Kapitalistenklasse poliftsch und ökon'omisch zu expropriieren und damit eine neue Aera der Weltgeschichte zu inaugurieren." K. Kautsky:„Der Weg zur Macht"(Berlin 1010). A. Hoffmann's Verlag Theater-, Buch- und Musikalien-Literatur O. m. b. H. Berlin 0.27, Blrnnenstrnhe 22, L Bestellungen aus alle Erscheinungen des Bücher- und Musikalienmarktes werden prompt und zu Original-Verlegerpreifen ausgeführt. Es empfiehlt sich, Bestellungen auf Festgejchenke recht frühzeitig aufzugeben. Schriften-, Theater- und Musikalienkataloge auf Wunsch gratis und franko. Für Theateraufsührungen, Unterhaltungs- und Bunte ulhende Auswahlsendungen an Vereine bereitwilligst.(Vcreinsstempel ist der Be- stellÄng beizudrückcn und die Nummer des Kataloge? an- zugeben.) Der Verlag übernimmt Herausgabe und Vertrieb aller Buch- und Theaterlitcratur, die dem freien Gvdanken und den Prinzipien der wahren Sozial« demotrarie nicht widersprechen. Der freundlichen Unterstützung aller Gesinnungs» genossen entgegensehend D. O. GMMs ZichiWM des MeilmMMes für das Jahr 1917/18 können im Verbandsbüra, Schicklerstr. S. zum Preise von 12 Mark pro Bond abgegeben werden. Fast erblindeter Genosse empfiehlt sich als Klavier- stimmer. Hastelbach, Neukölln, Niemetzstr. 10. «i AiMe»«ilserer ms item Kriegs- KmM geWe» Gemise«! Sozialdem Plostlverei» Nirdrr-Karnlm. Bezirk Lichtenderg. Bei den letzten schweren Kämpfen im Westen fiel unser Genosse Fritz Meuker Wilhrlmstr. 182, 16. Abt., S. Viertel. Ehre seinem Andenken! Verantw. Redakteur: C. Leid; Verleger A. Hosfman»; beide Berlin O. 27, Schnklerftraße 5. «Tnirf! llllniirer 8i Diinmick.Nerlin.KövenickerStr.ZK-W.