9lr. 2. Diese Zeimnz erscheiitt dreimal wöchentlich, mi» zwar: Dienstags, Donnerstag» und Sormabends Abends. Avonneiucnts-Z'rds: Für Berlin incl. Vringerlohn vierteljährlich pras- iritm«r»ii6o 1 Rm. 95 PH, monatlich 65 Pf., ein- zelue Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Sim. 60.Pf., frei in'« Hau» 1 Rm. 85 Pf. Kreuzband-Nbonnement» pro Quartal u. Erewplar: Für Deutschland und Oesterreich 3 Rm.— Pf. - Niederlande und Belgien. 3- 60- - England und Framreich.4- 50- - Amerika(Bercin. Staaten) 5- 50« Bestellungen auf Kreuzband-Abonnements sind nur bei der Expedition aufzugeben und musseu xras- aumeraudo gezahlt werden. Berlin, Sonntag, den 3. Januar 1875. Mener 5. JahAang. Redaktion und Erpcdllion: Säerli«, Oranienstraße Nr. 8, SO. Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spedi- teur entgegcnzenommen. EigeuthuU der LaffalleaRer. Inserate* (nur in der Expedition aufzugeben) werden pro fiiufgespaltene Petitzeile mit 50 Pf. berechnet. Versammlungsannoncen die 5. gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reklame-Auzeigcn werden nicht aufgenommen. I R b a l t. Das„beiligc" Eigrnthum. Politische Ilriiersicht: Ein Erkenntnlß deü Brrliner Obertribu- nal«.— Zum Prozest Ofenheim in Wien.— Belgische Arbeit-rzustäude.— Nothstand In Kleinasten.— Zum enropäischrn Frieden.— National-wise« rables. Robespierre's Jugend.(Schlnsi.) BiSmarcr's Eivculardepeschc über die Papstmacht. Die zroölf Artikel deS Bauernkrieges,(«-qluß.) Das Kind der Wittwe.(Sedichi.) Vermischtes. Feuilleton: Koperniln». Das„heilige" EigsathuM. „Gifährdet ist d:S Palladiuip des sitllichen StnatkS, das Eigeuthum"— so laßt Heinrich Heine, seine Bourgeois jammern, und er hat Recht, denn das vielstimmige Canccrt der Feinde des SocialiSmuS schlägt imm-r und immer wieder diesen Ton au; und die bösen communisiischen„Theiler", welche sich am„heiliger" Eizenthum vergreifen wallen, fi/,d sprüch- wörtlich geworden. Ndr schade, daß gerade die lautesten Schreier am wenigsten ein: Ädtl! des heutigen Privaieizeuthums vertragen ilönven, und sich wie verrückt gcberdev, sobald nur die Frage auf. geworftu wird, ob dies Eigenlhum der Gegenwart dasselbe bedeutet, wie daS natürliche Äesttzrecht, nämlich der aus per- fönlichir nutzbringender Thätizkeit hervorgehend! Anspruch auf Eizenthum an eiuer Sache. Wir wollen daher einmal gründlich die Frage eroetern, ob wir als Social- Demokraten, oder Communisten, oder wie mau uns sonst nennen mag, denn der Rame thut nichts zur Sache, «irklich„Feinde d:S EigenthumS" sind, oder vielleicht nur Feinde «iticS nnberechtigteu Eigenthums und Vcrt. eitiger deS wahren. Bevor wir nun zur Kritik der heutigen Berhältuisse über» gehen, wollen wir zur Bermeidung aller JrrthLmer die Begriffe, um welche eS sich haudllt, geuau feststellen: Eine„Sache" ist— so defiuiren die Juristen— jeder Gegenstand, auf welcheu der Mensch eine Einwickung-iWlzuübcn vermag, und das Eigen- thumSrecht an einer Sache besttzin Menschen dann, wenn die- selben daS ausschließliche Recht befitzeu, nach ihrem freien Wille» eine Eiawirkung auf dieselben auszuüben— also die- solche zu ihrem Nutzen zu verbrauchen, über dieselbe nach Belieben zu verfügen, oder Andere von dem Reste der Einwirkung resp-k- live Benutzung auszuschließen. Die Nothwendigkeit, daß ein solches EigenthnmSrecht besteht, fällt, wie leicht ersichtlich ist, mit dem Bestehen einer geordneten . menschlichen Gesellschaft zusammen, denn von den Gütern, welcher jeder Mensch zur Fristtmg seWiS Lebens bedarf, siad nur sehr Wenige GebrauchSwerthe— wie die Luft beispielsweise— ohne menschliche Arbeit für jedweden zu erlangen, in allru übrigen Gütern Ist entweder menschliche Arbeit verkörpert, oder sie sind— wie der Erdboden— nur in beschränktem Maße vor- KöPeruikuS. (geb. 19. Februar 1473. f 24 Mai 1513.) Unter den Männern des XVI. Jahrhunderts leuchtet der berühmte Augustiner-Mönch von Erfurt in einem mehr als natürlichen Lichte, denn die äußerlich schnellen Erfolge und die einseitige Verehrung seiner Reform oerliehen Luther zu seinem verdienten Ruhme auch einen unverdienten Glanz.- Wer aber im Volke kennt neben ihm, dem Allgekannten— jenen Domherrn von Fraucnbnrg, seinen größern Zeitgenossen, dessen That zur That LutherS sich verhält, irie eine große, gelungene Revolution zu einer kleinen Emeute, dessen Namen und Verdienst dem Volke nur darum unbekannt ist, weil Jahrhunderte dazu gehören, um die Folgen seiner That zu entwickeln, und eine weit höhere Bildung, als die lutherische Dozmatik gewährt, um sie zu verstehen, zu würdigen, zu benutzen? Dem Gcdächtniß eines solchen Mannes Eingang zu verschassen, sind wir nicht ihm, dessen Ruhm der cnt- hüllte Himmel verkündet, wir sind cS unS selbst schuldig. Darum seien ihm auch unter uns einige Worte der dankbaren Erinnerung gewidmet. Niklas Köpernick, oder, wie als Gelehrter der Sitte seiner Zeit folgend, mit lateinischer Formung sich selbst nannte, Nikolaus KopernikuS, ist am 19. Februar 1473 zu Thorn in Preußen ge- boren. Seine Familie war eine angesehene, denn sein Vater, auS Krakau eingewandert, mit der Schwester des Bischofs von Ermelaad vermählt, war, so viel sich ermitteln läßt, nicht ohne Einfluß. Aber erst der junge Niklas machte den Namen KopernikuS un- sterblich. Bon der Schule, zu Thorn ging er auf die Universität nach Krakau, studirte Medizin, Theologie, Philosophie, alte Sprachen und Mathematik, ward Doctor der Medizin,. Geistlicher und Mathematiker und das Alles in sehr frühen Jahren. Zeigt sich in dieser Vielseitigkeit schon seine leichte Fassungskraft, so wird er groß doch nur durch Concentrirung seiner Kräfte auf ein bc- stimmte« Gebiet. Der Arzt, der Canonicus, tritt daher, je später, je mehr zurück vor dem Mathematiker, der allein in ihm groß ward. War doch jenes Zeitalter der Epoche, wo die Wissen- schaneu auS ihrem langen christlichen Schlaf, wiedererwachten, namentlich durch die Wecker, welche das Morgenland ihm sandte. Vorzüglich war dies damals in Jtaticn der Fall, wo, mit Lichten- verg zu reden, jede Stadt ein kleines Athen war. Auch die Mathematik und insbesondere die Astronomie waren damals durch Parbach und Regiomontau, zwei deutschen Gelehrten, wieder zu »hren gebracht, und diese beiden Männer eben begeisterten Ks- Händen, und die Gesellschaft der Menschen ist also naturgemäß darauf angewiesen, die Herstellung, sowie Gebrauch und Verbrauch solcher Güter»ach allgemeiuen Grundsätze» zu regeln. Dagegen stoßen wir aber von vorn herein auf einen, von deu Gegner» bcS SocialiSmuS aaS guteu Gründen st-ls außer Augen gelassenen Uaterschied verschiedener Arten deS EizenthumS, welcher aber von höchster Wichtigkeit ist. Es kann nämlich daS Recht der Einwirkung auf eioe Sache sowohl sich au einen ein- zelneu Menschen, als an die Gesammtheit derselben knüpfen, und wir haben demnach Privateigeuthum und Gemein- eizenthum streng von einander zu sondern. Unter Privat- eizenthum ist zu verstehen/ daß lediglich der Wille einer ein- zelnen Person für die Benutzung irgend eiuer Sache maßgebend ist; nuter Gemeineigcnthum ist dagegen zu begreifen, daß die Einwirkunz auf die Sache nur in Gemäßheit der Ueberiiukuuft aller Berechligteu-— also beim Gemeingut eines Staatswesens nach dem von allen Staatsangehörigen geschaffenen Gr- setze— erfolgen oarf. Leicht begreiflich ist daher, daß jene Parteien, welche ein Interesse daran haben, im Gegensätze zu den Socialisten, den Privatbesitz allein üx den Vordergrund zu stellen, alle möglichen unwissenschaftlichen Trugschlüsse machen, und daS Gemeineigenthum als etwas Unmögliches und Widersinniges erfcheiueu zu lassen, so stcll-n sie si\ als bedeute Gennimizenthum au einer Sache nicht, daß die Gesammtheit auf Grund ihrer Gesetze darüber verfüge, sonder» a:S könne jede beliebige Person der Gesummihüt das EigenthumSrecht ausüben— in letzterem Fall ist eine Sache aber herrenloses Gut, also etwaS ganz anderes als Gemeingut. Solche Trugschlüsse, die aus deu ersten Blick in ei» Nichts zerfallen, dienen gleichwohl dazu, deu EigenthumSbe- griff zu verwirren, und fast all? Bourgeoisökonomen folgern dar- aus ohne stichhaltigen Beweis, daß das Privateizenthum an allen Gütern Regel, SaS StaatSeizeuthnm aber seltene Ausnahme sein müsse. Natürlich liegt eS u«S fern, solchen seichte» Phrasen zu folgen, und wir wolle», daher unbefangen prüfen, wo den natür- licheu Gesetzen deS menschlichen GruieiuledenS zufolge Gemein- eigenthum oder Prisateizenlhum stattzusiuden haben. Wie wir weiter oben gesehen haben, schafft theilS die Natur, theilS die menschliche Arbeit die Güter, an welchen Eigen- thumSrechte zu erwerben sind. Wollen wir dabcr einen Maßstab zur Beurtheilnvg haben, ob der Einzelne oder die Gesammtheit diese Rechte auszuüben haben, so müssen wir hier eine Scheidung treffen, und da eS der menschlichen Gleichberechtigung widerspricht, daß die Natur nur dea Einen beschenken, den Anderen aber enterben sollte, feststellen, daß alle Güter, welche von der Natur ohne Zuthun menschlicher Arbeit herrühren.und daher— wie die Erde und wag darin mn ist— für immerbar gleichmäßig fortbestehen, nur Eizenthum dir Gesammtheit sein können. Jene Güter, welche durch menschliche Arbeit erzeuzt werden, peruikus für diese präcisesten und darum lohnendsten Formen der Wissenschaft. Mehr als für Luther war für ihn eine italienische Resse entscheidend. Drei und zwanzig Jahre alt, wohlgerüstet, sogar als Zeichner und Maler gebildet, zog er hin nach dem schönen Lande seiner Sehnsucht. Der eigentliche Magent aber war bei ihm die Astronomie und was ihr diente, daher er in Italien die berühmtesten Männer dieses Faches, Dominic Maria in Bologna, Cardinal Bessarion in Rom, u. a., aufsuchte, und selbst bald von Allen der berühmteste war. Um 1500 hält er Vorlcsunzen in Rom unter, großem Beifall. Als er die damalige„Welt" kennen gelernt, ohne daß sein rastloser Geist in ihr Befriedigung gefunden, sehnte er sich, um- gekehrt wie früher, nach stiller Rahe, um dem göttlichen Genius in ihm selbst zu folgen, und in stiller Forschung seiner Liebe zu leben. Sein Oheim, der erwähnte Bischof von Ermeland, gab ' ihm dazu Gelegenheit, indem er ihn zum CanonicuS am Dom zu Frauenburg in Preußen berief. Drei Regeln soll er sich hier zur Richtschnur genommen haben: streng den gottesdienstlichen Geschäften obzuliegen, keinem Armen ärztliche Hülfe zu versagen, und— alle übrige Zeit dem Studiren zu widmen. Sein stiller, freundlicher Ernst, seine unbeugsame Rechtlichkeit und seine aus- gebreiteten Kenntnisse erwarben ihm immer mehr- Achtang. Ja den langen Jahren, die er in Frauenburg lebte, hatte er daher vielfache Wirksamkeit: er legte die dortige Wasserleitung an, schrieb über die Münzreductionen, wurde General Vicar und Administrator des BiSthnmS, Abgeordneter zu den damaligen Landtagen und dergleichen. Sein Leben war allerdiags auch viel von Wider- wärtigkciten uud Anfeindungen durchzogen, doch blieb er, theilS durch die Tadellosstgkeit seines Charakters, theilS durch die Ge- rechtigkcit und Besonnenheit in Wort und That, wie sie wirklich überlegenen Geistern eigen ist, meistens über dieselben sieghaft. Die geistige Revolution, deren Schöpfer er ist, und selbst die Mittel dazu, lagen außer dem Gesichtskreis des Pöbels, ich meine, wie ich später noch zeigen will, des gelehrten, vornehmen, fanatischen PöbelS; sie lag iu der wissenschaftlichen Erkenntniß unseres Planetensystems, durch welche eine feit Anbeginn geheiligte, seit Ptolemäus gelehrte, ausgebildete und vom Christenthum sanc- tionirte Anschauung des Weltalls für immer über den Haufen geworfen wurde. Nachdem nämlich die überlieferteu Phantasicen der Menschen über die Gestirne, nach welchen man sie für persönliche Götter zu nehmen pflegte, mit den alten Religionen einigermaßen einer nüchternen Anschauung gewichen waren, hatte map folgende Vor- müsse» ferner, insoweit dieselben nicht zum Verbrauch Einzelner dienen, also wie z. B. Arbeitsinstrumente, Verbesserungen de» Bodens und der Verkehrswege denselben Zweck erfüllen, wie die natürliche Erde, auch Gemssagut sein. DaS Privateigenthum maß aber dort eintreten, wo gewisse Güter dazu bestimmt sind, die Bedürfnisse der einzelne» Menschen als Eons ummittel z« befriedigen, und diur in diesem Maße ist Privateizenthum noth» wendig. Könnte jeder Mensch ohne Zathun der übrigen arbeiten und von seiner Arbeit leben, eS wäre leicht genug, ihm die Sphäre feine» PrivateigenthumS anzuweisen, nämlich daS Erzen zniß seiner Arbeit. Es ist aber absolut nnmöglich, daß der einzelne M-nsch, ohne Benutzung der von der Nalar geschenkten Güter, ohne Mitwirkung der Mitmenschen und ohne Hülfe des wissen- schaftlichen Gemeingutes der Menschheit Nutzbringend, thätig sei. Daher ist eS absolut nsthweudiz, das Gefammlprodukt der menschlichen Arbcit als eiu Gemeingut nufzufassen: dieses Ge- meinzut maß erst in zweiter Linie iu Privatgüter getrennt wer« den, nm zum Konsum zu dienen. Und zwar wird diese Verthei« lung sich derart bemessen, daß gleiche ArbeitSthStigkeit, gleiches PrivatiigeuthumSrecht am ArbcitSerzeagniß entspricht. Wir haben hier GeNeineigenthnm.uud Privateigeuthum, wie sie dem natürlichen Recht gemäß sich scheiden. Wir werden iu der Folg: sehen, wie dies zu den heutigen GesellschaftSzustän- deu sich verhält. Politische Ueberjicht. Berlin, 2. Januar. DaS Obertribunal in. Berlin hat folgende wichtige Eat- scheidung, die die Bildung politischer Vereine betrifft, gefällt. Der PassuS lautet:„Der Agent eines größeren politischen V-reinS, welcher in einem ihm zugewiesenen Bezirke Anmeldungen zum Beitritt zu dun Bereine entgegennimmt, ohne daß die durch die Anmeldungen bei ihm beigetretenen Personen thatsächlich mit ihm einen abgeschlossenen unter sich bestehenden Verein bilden, � ist weder verpflichtet, die Statuten seines Vereins, noch ein Verzeich- niß der von ihm angeworbenen Mitglieder der Ortspolizeibehörde zur Kenntnißnahwe einzureichen." Was sagt dazu Herr Tessen- darf in Berlin, waS die übrigen verfolgungseifrigen Staatsan- walte und Polizeibeamte? Zu der schmutzigen Affaire Ofenheim iu Oesterreich, der wir sqon in letzter Nummer erwähnten, theilen wir unfern Lesern in Nachstehendem die Hauptpunkte der riesigen Anklage mit. Die Anklage ist auf 34 Bozen lithogravhirt und zerfällt iu zehn An- klagepnnkte und iu die Begründung derselben. Xd 1. Ritter v. Ofenheim schloß im Jahre 1874 im stellung von der Sternenwelt sich gebildet. Der Mittelpunkt de» Ganzen, meinte man, sei unsere Erde, in stiller Rahe, wie der Augenschein lehre, fest beharrend. Zwar hatten einzelne Männer des Alterthums, die B-rmuthung gewagt, daß die Erde in krei- fender Bewegung fei, allein sie hatten einen Beweis für ihre Meinung nicht geführt, und so verklangen ihre Meinungen un- gehört von den Völkern. Es schien ja so natürlich, daß die Erde, wenn sie sich wirklich drehe, ihre Elemente, wenigstens was auf ihrer Oberfläche ist, von sich abschleudern müsse, wie schon jede» Wagenrad, wenn es in Bewegung kommt, die ihm lose anhängende Erde von sich abwirft. Und wer die Allgewalt kennt, mit welcher die Lehrmeinungen deS griechischen Philosophen Aristoteles da» Mittelalter und die ganze gebildete Welt dieser Zeiten beherrschte und erwägt, daß auch er der Anficht vom Stillstehen der Erde huldigte, der wird wissen, daß sein Wort wie ein Bann auf ent- gegenzesctzten Vermuthungen ruhete. Es galt noch zu Kopernikas Zeiten für lächerlich, diese Ansicht nicht zu haben. Um die ruhende Erde nun, so stillte man es sich weiter vor, bewege sich das Himmelsgebäude mit seiucu Gestirnen und zwar ihr zunächst die sieben Planeten, zu denen man die Sonne und den Mond rechnete, und über dem fernsten Planeten der Fixsternhimmel. Die siibea Planeten, von denen in uralter Zeit die sieben Wochentage ihren Namen empfangen hatten, meinte man weiter, bewegten sich von Osten nach Westen, daher wir noch heute sagen, Sonne, Mond und Sterne„gehen auf" und„gehen unter". Die Linien, welche die Himmelskörper in ihrem Laufe beschrieben, hielt man für Kreislinien, denn den Kreis hielt man überhaupt für die vollendete Figur und die Philosophen, die Alles beweisen, be- weisen auch dies, wie in uuscrn Zeiten sie bewiesen habe», daß die Ellipse die vollkommene Figur sei! Um nutl die Verschiedenheit der Stellungen der Himmelskörper und die davon abhängenden Erscheinungen, wie Wechsel der Jahreszeiten u. s. w., erklären zu können, fand man allmäliz eine Unzahl von Voraussetzungen und angeblicher Regeln der sonstigen Bewegungen der Weltkörper, daß daraus zuletzt ein geschlosseues, ebenso spitzfindiges, als phantastisches Lehrgebäude aufgeführt und mit einem großen Apparat gelehrter Kenutnisse, soweit sie damals reichten, ausge- schmückt wurde. DieS ist das sogenannte Ptolemäische Weltsystem so genannt von dem gelehrten griechischen Astronom PtolemänS, der' im Anfang des zweiten christlichen Jahrhunderts lebte und dies ganze Lehrgebäude in einem großen, noch erhalte-- neu, von den Arabern seiner Zeit übersetzten und verbreiteten Werke( der Almagest) zusammenfaßte und niederlegte Die». Rn«m d-r Lembttg-EMsowitzer Zismbahsgeftllschaft mit der LowpaQ/ I�witeä und dem Herr» ThomcS Brasscy in London einin Äanvertrag. Braffey sollte für Ofenheim'S Gesellschaft de« Bau ansführe» nnd. die Grundeinlösungen be- sorgen, ferner Baumicterllil un) all's zum Betrieb-! cothwendige ÄÄeris! später tiefer». In dem Bauverträge stlpulirte Dfeu- heim mit Brasseh, daß Letzterer von der Lemberg-Czer&owitzer Gesellschaft eine» Vorschuß von 1, 900,00» Gulden zu Inangriffnahme deS Baues Erhalte» solle. Ofenheim beantragte und setzte auch durch, daß der von ihm aSgeschlosscac Vertrag sowohl von dem VerwaliusgKra'che, als auch von der Generalversammlung ge» nehmigt wurde. Braffey erhielt sonach 1,900 X)00 Gulden von der Lemburg-Czernowitzer Eisenbahn ausbezahlt; der Betrag wurde ab« uicht zum Baue verwendet, sondern einfach unter die „Gründer" Verth eilt. Dieser Punkt bedarf Wohl kein« näheren Erklärung. Ad 2. Ofeuheim traf da Privatübercinkommeu mit dem Engläud« Bress-Y, nach welchem er diesem die Last der Grund- eialösunzeu abnahm. Freilich wurde Ofenheim dadurch der Ber- tr« beider ioutrahirtuden Partdeo, aber desto besser konnte er für sich selbst«anipuliren. Trotzdem muß diese? Geschäft nicht sehr glänzend gewesen sein, den» der Herr General- direktor„erübrigte" dabei für sich nicht mehr als lumpige 150,000 Gulden. Wenn diese beiden Punkte bisher nur im Großen angelegte Betrügereien find, so gestalten sich die folgenden za wahren Töd- tungen ouS Fahrlässigkeit. Ofentcim übernahm ebenfalls die nach dem Vertrage dem Brassey zufallende Schwellenli-ferong. Zn . diesem Bchufe schloß er mit Scher«, Wolfeld, MiseS und Chavo- «itz vertrage. Bei diesem Geschäfte, welches im Ganzen einen Extraprofit von ca. 69,000 Gnlden für dm Ritter von Ofen- heim abwarf, achtete er nicht im G«in?stin auf die Qualität des gelieferten Materials, sondern hauptsächlich auf dessen Billigkdt. So z. B. bezog er Schwellen ä 85 Kreuzer österr. Währung, ohne Rückficht darauf, daß die Billigkeit dieser Schwellen mit Menschenleben bezahlt werden müssen. Ueberhanpt war„billiges Bauen" sein Motto, dessen Folgen den» auch uicht anSbliebeu Zwei Jahre nach der Eröffnung der Bahn stürzte die Prnthbrücke bei Czernowitz ein und ließ dm eben vsrüÄerfahrer.dm Personen- zug in den Wellen der Pruth begraben. Die Anklage sagt uicht, wie viel« Meuschm damals zu Grunde gingen, aber mau wird fich noch der Katastrophe erinnern, über deren Gräßlichkeit alle Blätter berichteten. Die Anklage weist dafür jedoch nach, auf »esse» Schult«» die ungeheure Berantwortnug für diese« wie für die vielen auderen Unglücksfälle lastet. D« Erbauer der Brücke, Rudolf Schiffkorn, sagt ans, daß aus Sparsamkeitsgründen gegen seinen Willen die Bcstandtheile der Brücke schwächer hergesteLt worden feiev, als gewöhnlich. Ofenheim hatte elnm Mtidmsl- preis festgestellt, welch« für jedes Brückenfeld mit 7000 Golden niederer war, als sonst der Preis zu sein pflegt. Ingenieure und BetriebSfekretäre sogen ouS, daß der Obttbau durch chAzerne Ber- spreiznugen vor dem Znsammenbruch? bewahrt werden mußte. „Unglücksfälle, Entgleisung«!, Zerstörung der Brückmkonstrskti-ncn warm ganz alltägliche Bezebenheiten." Der Oberiügenieur'Karl Herz fragte i» einem Schreibe» beim Generaldirektor Ofenheim au, oh er als BankantrolSorga» in seinem Berichte an den Ber- waltsngSrath diesem„reinen Wein einfchäukm", od« ob er blas eiuea„ulchlSsagendm Bericht" erstattm solle. Nach späteren Briefe» wurde Herz für die letztere Alternative gewonnen. Der Betriebsdirektor Ziffer berichtete au Ofencheim, daß durch die Sacht, nur möglichst billigst zu bauen,„für ewige Zeit uicht wehr gut za machende Uebelstände geschaffen worden seien," und«klärt: energisch, daß diesrlhm beseitigt werden müßten,„so weit dieS möglich sei." Vergebens, Ofenheim maßte billig bauen! Der Auftage liegen eine ganze Unzahl Telegramme an dm General- direktor bei, die fawmt u»d soudnS von den vnschied-nsten Ua- glücköfällm sprechen. Alles umsonst, Ofenheim mußte billig banm! Der Generalinspektor, Herr Girtl, schilderte in einem Berichte den Bauzuftend der Bah» für„entsetzlich". Aas ein- mal hatte er neunzehn Beschädizunge« des Bahnkörpers zn mel- de». An der eine» Stllle„Hinz das Geleise buchstäblich in der Werl und seine Ansicht war bis auf Koperaikus, also vierzehn Jahrhunderte, die Grundlage aller Astronomie gewesen, und waS in divscr gauzen Zeit NeveS etwa geschehen, hatte nur zum Ausbaue dieses Phantasiestücks gedient. Es im Einzelnen kenne» zu lernen, kann hier nicht Zweck sein. Die Grundsteine, aber eben auch die Grnndirrthümer des Gaazen, waren die Lehren, daß die Erde still stehe, der Himmel mit den Gestirnen um sie kreise, und der Kreis die vollkommenste Figur sei. KoperuikuS rechnete nun und maß;— die rmvollkommensten Instrumente nur, die er zum Theil sich selbst aus Holz, die Sclave» mit Tmt-»str!chcn angegebeu, herstellte, dienten ihm da- bei. Das Genie hat Alles. Er fand, daß die bish«igen Vor- auSsetznngen nicht hinreichten, die wirklichen Erscheinungen zu er- klären; er fand, daß das ganze Ptolemäische System wie ein Irrgarten sei, den die Willkür geschaffen, aus dem kein Heraus- finde» möglich. Es war ihm zu Muth, als solle« den ganzen ' Plunder dies« Astronomie wegwerfen, wie der Denkende unserer Zeit dm Plunder der Theologie wegwirft. Er Hub an zn for- sche», ob nicht andere Meinung gehegt worden, die der Wahr-. heit näh« kämen. Er stndirte die alten griechischen und römi- sche» und fand, daß allerdings ei» NicetaS von Syrakus, Hera- elideS in Pontuö, PhzlolavS der Pythazorä« und andere die Bermuthung anSglsprochen, daß Sonne, Mond und Sterne still ständen und die Erde sich bewegte, aber nirgends fand er Gründe und konnte fie Nicht finden. So wurde« auf das Sclbstforschcn über diese» Gedanken gewiesen. Das Fernglas war noch nicht entdeckt; die Wissenschaft der Mechanik war s» gut als noch nie vorhanden. Kopernikus fing mit der Erde an, und fand aus den beobachteten Gesetzen der Bewegung, und indem« ihre Rundung bewies, eine Thatsache nach der andern, bis allmälig eine»mzekrhrte Welt vor sein« Seele stand. Jetzt ist die Sonn-, das Centrum, umkreist von sechs Planeten, denn der Mond folgt als Vegleit« der Erde; jetzt ist dies bisherig: vermeintliche Eentrum der Welt, die Erde, ein Atom im Weltall,— denn das ganze Sonnensystem ist umfangen vom unendlichen Univer- 'um. Un« wird die Sache vorkommen, wie das Ei deS Kolumbus. Ab« eben die einfachsten Wahrheiten werden oft zu- letzt und am schwersten gefunden: die Menschen unser« Zeit haben meist nicht eiin-al dün Muth, Wahrheileo, die seit Jahr- Hunderten ausgemacht find, zu«kennen und zu bekennen, wie wir Socialisten täglich sehen; denn die gutmüthizstcn meinen, man dürfe noch nicht seinen Glanbtn verlassen od« Alle« ver- nciven, ehe tnan das Neue hat, und wie viel Math, wie viel Lust schw.'bend"»nr an e'nzdnnt Parkten noch fest, anderwärts waren D-uimdmchbräche bis 86 Kläst« Lanze, noch audermärtS Abratschupge» bis 200 Klafter Lanze und fünfzehn Klafter Höhe! Auf das AllcS that der Generaldirektor nichts, als die Beschwerde- fähr« beschwichtizeu; an die staatlichen Behörden meldete er aber, theilS, daß sie Leute übertreibe», cheilS aber, wo mehr kein Läng- neu half, waren„El mentarerciguiffe" eingetreten. Die angren- z enden Bahmn schloffen die Wagen der Lemberg-Czernoivitzer Bahn ganz und gar aaS, so war das Letriebsmaterial b:schaffen. I« einer Eingabe an daS Handelsministerium erklärten die srem- den Bahnm dies« Maßregel damit, dag„mit den Wagen der Lembcrg-Czernowitz« Bahn die Gefahr ein« Entgleisanz c.anj« Züge eine eminente sei." DaS HandclSminist-rium ließ di-.fe Beschwerde untersuchen,«nd die hierzu beorderte Kommission mußte alle angegebenen Mängel konstatireu. Räch diesen ans'S Gerathewohl herausgegriffenen Beispielen ist der in einem anderen Anklagepnllkte detaillirte Co»P deS Herrn von Ofenheim beinahe harmlos zu neuuen, nnr wirft er auf andere Persönlichkeiten ein seltsames Licht. Ofenhei« wüßt: der Ger.nalvelsammlung die Br theike zlünzend auszumalen, welche für die Gesellschaft ent« stünden, wenn die Bahn weiter fort bis nach Rumänien geführt Würde. I» Folge deffa,«thrilte mau ihm die Ermächtigung, die Konzeffionen zu diesen Linien zu«werben. Er ihat eS, aber nicht für seine Gesellschaft, fondern für ein Privaikonsortium, a» deffen Spitze er natürlich selbst stand. Ja einer sputcren Gene- ralversammlung f.-tzte er auSeinand«, daß die Erwerbung der Kon- Zession für die Lemberg-Czernowitzer Eisenbahn„nnthnnlich" ge« wes-n sei, und daß er deshalb dieselben für ein Konsortium er- langt habe. Zugleich wußte er es durchzusetzru, daß die Gesell- schaft die erworbenen Ko«zessto»rn mm vom Konsortium über- nahm«nd dafür ein erkleckliches Sümmchen bezahlte. So«hielt er febst 100,000 Gulden; d« damalige österreichisch: Minist« deS Inn«», Dr. Giskra,(nebenbei als Minister auch Konzessionär) 100,000 Gulden; Fürst Sapieha 100,000 Guloen; Fürst Jabla- nowSky 100,000 Galben; Graf Barkowsky 100,000 Gulden; Garon Petrins 100,000 Gnlden; Ritter von PicwSky 100,000' Gulden und Tfcharnicki 100,000 Gnlden. Außerdem erhielten noch ganz und gar unbetheiligte LerwaltnsgSräthe je 1000 Gal- den. Daß Ofenheim sich Beiträge ar,f fremde Namen anweisen und auSzahlea ließ; dar er daß Finanzärär dur� V-rschweizuvg dcS Kontraktes um 153,000 Gulden betrog; daß« im V crcine mit dem euzlischin Baunutcrn'hm« die Generalversammlungen irre fährte, nuferlige Strecken übernahm, daS Geld dafür aus- zahlen ließ, die AuSftrtiguug selbst ab« vom Gesellschaftskapital dann bestritt; daß' er endlich mit Jnlins Nicht« in Berlin ein Aulehen von 5,400,000 Guldea abschloß, und auch hierbei Aerar und Aktionäre betrog;— das MeS wird nach- dem Gesagten kaum mehr Wander nehmen. Im Ganzen wisse die Anklage bis jetzte von sieben Millionen Gulden, um welche der Generaldirek- tor Ritt« Ofenheim von Psnteaxin fdue Gesellschaft vcriürzt hat. Jnterefiant düifte sein, zu wissen, daß dieser kostbar: Ge- veraldirektor eine« Gehalt von vicrunddreißigtanfead Gulden be- zog, und daß« fich außerdem alle erdenkliche» und nicht«dcok- lichen„Ausgaben" noch besonders bezahlen ließ. Die V«hand- lang wird jedenfalls lehrreich sein; man wird jetzt scheu, wie mit dem Gelde t« Aktionäre in der„GrülldnagSepoche" gewirthschas- tct Wurde. Daß die„Gründer" ab« aach nach der �«Handlung in glänzenden Karossen fahre» werden, während die geprellten Bettler st- im Schnee der Straße anstaunen dürfen— das ist eben Weltlauf! Der König der Belgier hat am 24. eine Deputation der Kohlengrubenarbeiter von Charleroi empfangen, wo, wie wir berichtet haben, feit einigen Tagen von der Mehrzahl der Arbeiter die Arbeit eingestellt worden ist. Die Deputation sprach den Wunsch aus, daß die Arbeit«, welche in einem Kohlenberg- werke die Arbeit ni-derzelegt hätten, in anderen Gruben, wo gerade Mangel an Arbeitskräften fei, beschäftigt werden möchten. Namentlich führten sie über daS Verfahren der Grundbesitzer Beschwerde; diesclbcn hätten eine Vereinbarung getroffen, solche Arbeit«, die irgendwo an einem Strik: betheiligt seien, über- H'nzednng an die Wahrheit, wie viel Geistesstärke gehörte damals nicht dam, jenes ganze geheiligte Bild deS Himmels,»n welches alle W-lt glaubte, wegzuwerfen, und eine sclbsterforschte, höhere Wahrheit an seine Stelle zu setzen??! Das that Kop«- irikuS, er that es durchdrungen von der heiligen Ahnung einer besseren, ein« ewigen Wcltordnung gegenüber jenem Labyrinth menschlichdr Jrrthümer; er that eS voll Hingebung an die ewige Natur und voll bescheidenen SinneS, so daß immer«st durch seine Freunde bekannt ward, was er entdeckt, und so, daß er in seinen Schriften f«n ist von jenem Selbstrahm, mit welchem heutzutage so oft kleine Find« großer Gedanken eifersüchtig sich die Priorität zuschreiben. Kopernikus hat seine Schöpfung in einem lateinisch geschrie- benen Buche„über die Bewegung der Himmelskörper" niederge- legt. Seltsames Zusammentreffen! Im Jahre 1517, wo Luther seine Thesen anschlug, schrieb er die ersten Gedanken über die neue Weltlehre nieder, und im Jahre 1530, wo die Augsburgische Confcssion übergeben wurde, hatte er das W«k ausgearbeitet. Noch seltsamer: Luth«'lsche Dogmatil bewegt die Völker und setzt Deutschland in Flammen— und ist heute— verklungen; die ewige Wahrheit, die Kopernikus gleichzeitig findet,— fie berührt damals die Welt und ihre Volk« nicht, ab« heute ist fie in jeder Elementarschule gelehrt, und bildet die Grundlage ein« neuen Weltanschauung und Weltbewegung! Kopernikus selbst zö. gerte lange mit d« Herausgabe dieses Werkes, wie L-ttrow an- giebt, um dem Spott d« Unwissenden sich nicht unnöthiger Weife auszusetzen. Endlich l'eß er eS durch seine Freunde in Nürnberg drucken. Eö ist, als ob auch hier dir Ahnung ihm die Wahr- heit gesagt hatte. Der übrigens kräftige GreiS erkrankte; ein Schlagflnß lähmte seine rechte Seite.„Dadurch«matteten auch seine Geisteskräfte". Er starb am 24. Mai 1543. Wenige Stunden vor seinem Tode wurde ihm noch daS erste fertige Exemplar seines Werkes überreicht. Es war sein Testament. Die Nachwelt hat eS dankbar geöffnet und die Erbschaft seines reichen Geistes angetreten. Sein Leichnam ruht im Dom zu Fraucnburg. Ein Denkmal ist ihm in Thorn errichtet ab« wir wissen, daß er danach nicht verlangte, und daß der es nicht bedarf, dessen Verdienst fortwirkt, so lange eS eine Gc- .schichte der Menschheit giebt. Wir würden sehr irren, meine Freunde, wenn wir glaubten, daß die neue Weltlehre deS KoperuikuS einen raschen Beifall Aller gefnnbe». Neue Wahrheiten brechen stch immer nur lang- sam, aber fich«, Bahn. Zwar fanden fich bald begeisterte Jün- Haupt nicht mehr in Arbeit zn nehmen. Der König antwortete ihnen mit N-cht, daß« sich verfassungsgemäß außer S:an&e sehe, eiuen Einfluß auf die Grubenbesitzer auszuüben, und wies sie auf d-S Schiedsgericht als daö einzige Schutzmiitcl hin. Es ist zu bedauern, daß die Kohlengrube uaröeiter von Charleroi«st eiuen Weg cinzeschluzen haben, der voraussichtlich einen Erfolg gar nicht haben konnte. Die„Gnade" eines Kö- nigS vermag keine Abhilft gegen die auS unseren Produkckons- und Lohugesctzen hervorgehenden Folgen zu brinzen. Die Nachrichten auS den kleiüasiatischeu Provinzen Aagora und Konia werden immer schrecklich«. ES sind dort uicht weniger alS 20,300,000 Haupt Vieh nad Pferde, außerdem auch 523,000 Ziegen von jener Race gefallen, deren Haare als ein bedeutend« Handelsartikel bekannt sind. Die Ursache ist aus- schließlich Futtermangel, nicht Epidemie. In der Umgegend von Angora irren gegen 20,000 Menschen umher, welche die Nerge ihr« Heimaih verlassen haben, um Nahrung zu suchen. Sic leben weistentheilS von Wurzeln und überwintern in Schilfhütten. Der neue Provinzial-Gouvernenr soll sich zwar in der Bekam- pfnng des Elends sehr energisch erweisen, allein von Constanti- nopcl her nicht recht unterstützt werden. Die von der Regierung eingesetzte UutersuchllngS-Commiffisa hatte berichtet, es" wäre« mindestens 2,400,000 Kilogramm Staatgctreide und 10,000 Paar Stiere uöthiz, um der Landwirthschaft Wied« aufzuhelfen. Der Gouverneur fügte hinzu, diese Hilfe müsse aber spätestens in 20 bis 30 Tagen eingetroffen sein, es sei sonst zu spät für die Bo- stellung der Felder. Trotz alledem ist bisher von Seiten d« Regierung noch keine Nnterfiütznng geworden: nnr die Sultaniu- Mutter läßt in den europäische» Provinzen große Heerde» von Rindern aufkaufen, um sie den Norhlcidenden zu seudev. Z-oar liegen 40,000 Killogramme Getreide im Hafen von Constanti- nopel bereits verladen, allein nicht auf Dampf-, soudern Segel- schiffen, und diese vermögen wegen Mangels günstiger Winde nicht auszulaufen.— Trotz alledem bleibt der Sultan bei seinen kost- spieligeu Spielereien. So hat das Ministerium de? kaiserlichen HauseS thaisöchlich für din nächsten Monat die Ausgabe der ersten 2 Millionen Francs zum Bau der großen 5 Million«!- Moschee, welche der Sultan in Constantinopel aufführen läßt, angekündigt.___ * Mit wahrer Wollust wälzen stch nnscre libtra!ell Repti- lieablätter in Maus-rg-wchrrn, Krupp'i'cheu Felsgcsch.ltze», Ge. wehren ä la GraS u. f. w. herum. So bringt beispielsweise daS große Repiil an der Elbe, die edle„Magdeburgerin", fol- gende nette Illustration zum allgemeinen europäischen Friede». Die„Magdeburg««" schreibt: „Die E-uführnng deS neuen Mausergew ihres bei den d-utscheu Fußtrupp eu und d« neuen Krnpp'schen Feldgeschütze bei der deutschen Feldartillerie iü franzostfcherseitS die difimtlve Ent- fcheiduvg für daö Gewehrfystem GraS und die für eine Proviso« rische Ausrüstung der französischen Feldartillerie mit dem Reffye HiaterladrmgSgeschützi auf dem Fuße gefolgt. Die Fabrikatton der neuen Gewehre wie Geschütze soll in d:m Maße beschleunigt werden, daß mit Abschluß deS JahreS 1875 zwei Millionen Ge- wehre, davon 200,000 nach dem vorbezeichmtm System neu au. gefertigt und 1,800,000 ans den vorhandenen ChvssepotbefiSnde« dazu umgeändert und 494 Feldbatterien zu je sechs Geschütze» und durchgehendS mit eiferntn Laffetten vorräihig sind. Di? neue Ausrüstung der ftanzösifchen Jnfanterir wie der Artillerie besitzt indeß nicht die Bedeutunz ein« eigentlichen Nenbewaffunng. DaS GraS-Gewehr ist thatsächlich nichts Anderes, als ein optir- t.S, zur Aufnahme von Metallpakrouen umgearbeitetes Chass-pot- gewehr. Dasselbe gewährt eine ÄnfanzSgeschwindigkdt von 420 m. und eine Fetnrgeschwindizkdt von 12 gezielten Schüssen in d« Minute. Die Tragweite beträgt über 2000, die Viflreinrichtung reicht bis auf 1200 m. Das Kaliber ist 11mm., daS Gewicht deS Gewehrs wird mit aufgestecktem Aatazan zu 4,68 K. angegeben. Alle Nachrichten stimmen übrigens dahin üoereiu, daß dieses Gewehr«nc überaus tüchtige KriegSwaffe sei. AnderS er- scheint der Sachverbalr wohl mit dem Reffye-GeschÜtz. Dasselbe vermai, obgleich der Krieg Sminifi er jünzst noch erst ausdrücklich g«, welche die Botschaft weitertrugen: Rhcticus, Professor in Wittenberg, der sdne Stelle niederlegte, zu Kopernikus reiste, bei ihm lernte, und schon 1539 ein Schrift drucken ließ, in welcher er mit großer Begeisterung für KopermtuZ die neue W-ltanschau- nnz der Welt verkündet. Ferner der unglückliche, ab« geistvolle Giordano Bruno lehrt? in Frankreich, England, Deutschland und' Italien diese„neue Lehre", bis die Geistlichen ihn, da er nicht widerrufen wollte, deshalb ans dem Scheiterhaufen dem Tod? Übergaben. Viele andere Männer der Wissenschaft, besonders in England, nahmen die Sache auf und förderten sie. Ab« ehe sie Eigenthum der Welt wurde, des Volkes,— das dauerte lang. Theils mußte das System selbst dazu erst weit« fortgebildet werden,"durch einen Galilei uv' Kepplcr, auf deren Leben wir' cinsa andern Abend unfern Blick leiten wollen, theils stand ja eben der Aberglaube der Welt zu furchtbar der Sache gegenüber. Wenn dieses solchen Männern widerfuhr, dürfen wir nnS wundern, wenn die unwissende Geistlichkest mit gewohntem Fanatismus über den„Neuerer", den„HimmelSstÜrmer", den„Uuglän- bigen" herfällt? Littrow sagt:„Seine Gegner, die ihn für einen ruhmsüchtigen Neuerer verschrieen, hatteu einen Komödienschreiber beredet, daß er, wie AristophancS den SokrateS, so ihn, den Astronomen, ans die Bühne bringe und vor dem Volke lächerlich mache." Diese Leute ahneten wohl so wenig als der Jesuit Reccioli, wie lacherlich sie sich in dem ungleichen Kampfe selbst machten; Letzter«, indem er dm KoperuikuS gar d-r„Frechheit" anklagt.— AlS nämlich Kopernikus in seinem Werke die Gründe für sdne Anficht auseinander gesetzt, so hebt er den Schlußsatz — wie Lichtenberg erzählt— an:„pörmäe ncm pudet hos fateri, daher scheuen wir uns nicht zu bekennen", daß nämlich die Sonne im Mittelpunkt feststeht und die Erde mit ihrem Tra- bauten zwischen den und den Planeten sie umkreist. Da sagt nun R-ccioli: hier lege Kopernikus nun alle„Scham" ab, indem er soweit ginge, selbst zugestehen, non pudet nos ic. So wurde die„neue Lehre" durch Feuertod und Hohn verfolgt,— waS Wunder, da Aristarch von SamoS schon im dritten Jahrhundert vor Christus, weil er eine Bewegung der Erde lehrte, von Cle- antheS der Irreligiosität und Tempelschändung angeklagt wurde?! Doch genug! Ehre dem Manne, dem so Großes gelungen, wie der berühmte Keppler von ihm sagt, weil er ein Mann von „freiem Geiste" war. .m Oberstes Reffyi seiaea Dank st''-e jetzt«lli»?! zeuügendi Lelst-lvgcfa�igknt d!is?S» l dem genLurte» Offi»i t konstroirteu Geschützes allSzefprschen at, jdoch Wohl ks!'iu fLc� «twaS AudcreS, als für eis?« zeeißvete» Nothbchelf zelte». L'ech ist bereits bestkswt worden, d'.ß eis Eejetz rad NaStaafch d-r Reffye. Geschütze eintreten soll, wen« die Fabrtkaliou der neuen Stahlgefchütze so weit vorgeschritt-n sei« wird, um bei je'em d-r 18 sranzösischea Ar-neecorpS je acht Batterie« mit denselben aus rüsten zu köumn. DaZ Refsye-Gischütz ist d» Brovz �«schütz, mit welchem die AufangSversuche b Z 1867 zllrZckeeickkn. cinch hat dasselbe im Feldznze'acn 1870—71 d-rertS vielfache B r» Wendung gefunden, und Mitte vorigen Jahr-S»»rdeu schon 2100 derartige Geschütz«, darnnter 400 St blzeschütze, in deu Depots vorhanden angegeben. Das Kaliber dieser älteren Ressye-Ges�iitze war S,b ein. Dasselbe besaß 14 KcilzüZe und wer im Ber- schlaßtheil und dem hintern LaduagSraum mit Stahl gefüttert. Die AafangSgeschwisdiKkeil lelriiz 27? � die totale Schußweite S500in Die Liistnugi-- und Wirlangsfähigkeit dieses erwiesen sich jedoch als so gering, daß bis auf die neneste Z-.it selbst fraszöstscherstltS vielfach dessen ausreichend Kliegstüchtig» leit noch bezweifelt wurde. Alle f'fih. vca Mängel solle« sich jedoch imrch die von �'ssV»»inDisührten Verbessernngeu iu daS direkt: 'segeuthiil umgewandelt haben, und es wird von demseib»» gegenwärtig fstr daS verbesserte Geschütz die voll? Ebenbürtig- leit mit dem neuen deutschen Krupp'fch-u Geßstahlgeschütz in Anspruch genommen. In wie weit ei» Bcovzrzeschütz mit seiaer wegen dieses seine? RohrmaterialS bischräukl-n LeisinngSfählz- Zeit einem Gußstahl- RmogeschZtz gleichgestellt werden knv, entzieht sich freilich der Beurthiilovg und könnte nur durch ein Bergleichsch'lleßtn zwischen den beiden Geschützen arSzewiesen werden, das trotz alles Rühmens für daS Rcssye-Sefchütz ein ähnliches Resultat wie das jüngst von dem ostnrdchischeu Bronzefeldgeschüy bei dem Berzlrichschicßea auf dem Steinseld: herausstellen dürfte. Auch ist ja, wie zuvor erwähnt, bereits du späterer Ersatz der Reffyezeschütze durch die ueneu Stah�cschütze iu Aussicht genommen, was doch nicht nötlig fein wfcd?, wenn die er,'; treu so hohe Verzüge besäßen. Aach für di: Erzeuzucg von Stahlxe'chützen reichen die Versuche in Frankreich bis 1867 «der eigentlich bis 1857 zurück, doch lleferten bis auf die neueste Zeit di: fertiggestellten und in Probe gensnemineu französtschen Stahle schütze nur durchaus nngüristig,� Ergebnisse. Ob"nnch so übten Erfahrungen deu Franzosen jetzt di: Bewältigueez dieser so lange uud so eifrig erstrebten Aufgabe wirklich gelungen sein sollte, muß abgewartet werden." Na», wer-ll man in dieses Heer von Zahlen hmcinschaut, da Zaun man sich allerdings zum neuen Jahre gratulireu. * Unsere Herren NütionalNiscrabeleu liege« sich wieder>in- mal in den Haaren, uud zwar schiint dliSmal die Sache gar nicht so„ohne" zu fem. Di-„BarmexZtz." schreibt dazu uu- trr der Ucberschrift:„Der Riß der uational-liberalen Partei" FolgeudeS: „Die national liberalen Blätter wögen noch so laat und noch so eifrig daS Gegenthell behaupten, es blnbt dennoch eine nicht wegzuleugnend: Thstfache, daß der Riß in der uatioual. liberalen Partei tiefer geht, als mau eben öffentlich ciüzngesteheu für gut bisiadd; ja er droht sogar geradezu uaheilear zu wer- den. Schon die nächsten Sitzuuz'n im Parlasestr werden eö kundthm?, daß LaSker thatsächltch dicht mehr die Führctschaft in der Partei besitzt. Zwischen d:-" mehr staätSmäurisch angelegten Beuvigsia und dem rein vom Standpunkte des Aegeordneteu cuS v-rzeh-j den L-Sker(!) ist cS eben in Frlze der"„letzten Rcti. »de" zu einem ga«z korrekteu Bruch gerommen. Nach dieser Richtung hin darf»ohl als Zeichen der eingetretenen KcisiS der Amstand gelten, daß die„Nat.-Ztp." den(vermuthlich von LaS- Zer selbst verfaßten) Artikel der„N..L..C." b-züzlich seines Ber. Haltens in der Majunke-Angelezenheit nicht'zum Abdruck brachte. Aebcrbaupt bläst zur Zeit in'der Französisch eu Straße(Redak- «on d-r„Natioual�Ztg.) der Wind auS mehr als einem Loche, und Hinz und Kunz wechfelu so rasch einander am Steuerruder ob, dost cö unmöglich ist, streng im Fahrwasser zv bleiben. Trotz der allseitig ruchsnodeoen Nothwendigkeit, ein neueS Unke« Cmtrmn �zu bilden und so di- rzicle» wild'in alle Richtungen hin zerstren'en Elemente, von BeSuin-Dolsss an bis zu Lqse, Ber. L»»ad LaSker, zn einem orgamstrtcu Parlaweatarifchen Körper zu eiuigrv, jst es d-u-och zw-if-lloS, daß vor der Hand weuig AuSstcht auf Bcrivirklichung dieser Idee sich zeigt. Unsere poli- tisch«, Btthültaisse im Allgemeinen erweisen sich einer etwk-igcn Neubildung oder auch unr einer Rekonstruktion der Parteien ent. schieden ungünstig." So weit dir.Barmer Ztg." und ein Theil der fortschritt- lichcn Presse. Die„Elberfelicr Zeitung" bemerkt zu diesem .Riß", »Die politische Windstille, welche diesmal die Feiertage charakteeisirte, hat einem Berliner Blatt Veranlassung gegeben, als eine„Thatsache" zu melde», daß sich nach dem Wicderzusam- «entritt des R-ichSt-g-S LaSker mit etwa vierzig feiner Gefln- nungSgenosse» von den Nationalliberalen trennen und als befon- dere Partei kcustituiren würde. W-un auch die Art und Weif?, wie einzelne überaus t'vhsle Blätter LaSker in den l yken Tegen «nzrgriffen haben, leicht auf die V-rmuthnng-bnngen könnte, daß da? Tischtuch zwischen LaSJer und dem rechten Flügel der NatiiT- nalliberalen zerschnitten sei, so ist doch weder unter den Führern der nationalliberal-n Partei, noch bei den«ächst-n Freund«, La?. ker'S etwas über d-n Eatfcklnß einer Trennung bekannt. Bis jetzt stnd sowohl die Ziele, welche LaSkcr uud seine j-tzigen Per- tcigenoss::: verfolzen, alS auch die eon ihnen als zweckmäßig er- achteten Weg- zn diesen Zielen noch die gleich?«, so daß an eine Trennung noch uiibt gedacht wird.(?)" Wer von emseren Lesern km«t nicht jmkö alte Sprüchwort: „Pack schläzt sieb, Pack verträgt sich." Ob«»a nns-r-„--n-ße MauneSfeelc" LaSker zwischen seinen Freunden und sich da? Ti" ,. tnch entzwei schnei-"« wird, wird wohl sehr zn bezweifele, sein. «ebri�enS würi� dieS auch einem Waschlappen a in LaSker ziem- stch gleich gültig Uht w-nn nur dadurch seiner Schwatzhastizkeil lein Damm gefetzt wertes sollte. Asbespierrt's Angend.. i«»S: Meowlr-u von Maximilian Kobcepierre.) (Schwß-P Unter d-r Hülle drS PoduterS wußten die Franzosen, trotz ihre« sorglosen Leichtfinst«, deu weisen, den uncizennützizeu Freuu» der Meuschhtlt h-rauSzufinoes. Franklin.hatte uns für unsere «rvßmülhige Gastfreundschaft gelohnt, indem er die Erde unter nltsec» FreiheitSvaume auflockerle; indem er'de Keime ausstreute, in fpmer gereift sin; er lohnte uns noch, indem er Franlreich c'ne bewnnsernvgSwürdize Eatdeckanz, die Frucht seines besbach- Unden Genius, vermalt-. Durch die Erscheinungen der Elek- tdc.eät war cr a?s c? r' ea so-t'nfcche«, alS fiusreicheS Berfsh- ren geleitet worden, Gebäude und Schisse vor. dem Blitze zu be- wahre». Di- amerikanischen Freist', aten nahm:» die Anwmdnn- gm eicser elektrischem Eisenstenae» mit EnthufiaSmnS ans. Frank- l!» sprach davon mit den Parisern, bezeigte seiu Erstaunen, daß ihnen diese heilsame Erfiadnnz v«ch fremd geblieben sei. Seine Ermahnungen blieben nicht fruchtlos; bald ward: der Eifer all- gemein, die Dächer der Hänfer, der Paläste wurden mit diesen leichte» Blitzableileru versehen. Die Provinz A-eais nahm di-se Entdeckung nicht zuletzt- auf; aber hier, wie überall, fetzte i,.: Geist de« Aberglauben? nud der Unwisseuheit AllcS iu Bewegung, die L.siribnugen der Freunde der Meufchheit scheitern za lassen. Man stellte l:v. tdchtftlauii- oen Gemülhern der Landbewohner vor, daß eiae solche Eesiadunz das W.'.ck d°a Teuft!-' und daß eS'line Beleidigung für die Gi- rechtizkeit deS höchsten W-senS sei, BorstchtSmaßregllu zur Ab- wenduaz des BlitziS zu ergreifeu, der die erhabenste Offenbarung seiner Macht sei. Diesem religiösen Schrecken fügte man noch die Sprache des immer gern gehörten PeivatinteresseS hinzu; ::i«n behauptete mit einer seltenen Frechheit, daß der Blitz häufiger in die Hänser schlüge, die mit dem clekirischea Drahte versehen, alS i» sie, welche ohne orrgleicheu wären,>?nV daß, wenn er auch jene H'ivser selbst nicht träfe, er dafür die in der Nähe gelegenen verheere.— Dicse boShafle» UttzciU Warden vo, einigen uu- unterrichteten Leuten aufgifan�cn, die bald ihre Widersetzlichkeit dentlich zeigte». Bei folzender Gelegenheit nämlich: Herr von Bissery ven BoiS?all6, ein reicher Eigcnthämer von St. Omer, der enS Liebt zn den Natarwessenschafte» einige Versuche ange- stellt hatte, um sich o»n dem N-etzen der Gewitierableiter zn über- zeugen, beeilte sich nach den glückiichm Erzebuissen, eisen solchen if seinem Eigenthum abzulegen, Die Nachbarn erschrqke», be- klagten sich; zuletzt kamea sie bei dem Schöffen von St. Omer ,0» Abschaffung dieses Blitzableiters ein. Große Berathschlägnng unter diesen ehrlichen Amtspersonen, die kein Wort von der Sache verstanden und sie schlichteten,«i- eS Richter deS 15. Jahrhun- dertS geihan hätten, und Herrn von Biffery vernrtheiiten, die unglückliche Stsnze herunterzureißen. Herr Von Visscry dielt fich nicht für gefchlazen; er fragte mich um Rath, nsd i« fordert« ihn auf, zu appelliren, rm dieses lächerliche Urtheil nreifioß'.n z« lassen. Ich wurde beanftrazt, ihn vor dem ObergerichtSdofe zn vcrthridizen. Da eS sich von einem Gegenstände bandelte, der damals alle Geenüther r-unahm, so wollte ich die öffentliche Mei- nunz für meine Sache in Ansprach«ehmc», weil ich Überzeugt war, daß meine Richt-r, welche Lust sie auch hatten, im alten Geleise zu bleib-«, doch anstehen würden, gegen di: Meinung zn verstoßen, die bkrcits zu einer Macht aazewachseil war. Ich gab eise Denkschrift heraus, welche ich in ArraS und Paris reichlich verbreiten ließ. Ich beeandeltt darin die gesetzliche AufZabe, be- schästigte wich aber acch, was eine Neuerung in unferetn Pro- »mziairechte war, zu gleicher Zeit mit dir physischen, die ich von allen Seiten untersuchte. Meine Denkschrift fand Beifall und brachte mit schmeichelhafte Briefe von ausgezeichneten Gelehrten ein. Bau da an war meine Sacht xe«onn:n, uud der glückliche Erfolg Ler Gericht erleichtert. Der Hof stieß durch feia�Erkennt- niß vom 51. Mai 1783 daS Nrtheil der Schöffen von St. Omer um,«ad erlaubte Herru von Bissery, feine» Blitzableiter wieder aufzurichten. Dlesee Handel gründete vollends meinen Ruf und verireitete ihn selbst über den Bezirk meiner GedurtLstadt auS; der Kardinal Roha«, dir übrigen« ein eiftig-.r Anhänger alleS Nene« war, ließ fich schriftlich bei mir für die Zusendung meiner Denkschrift bedanken; er war für die Entdeckung Franklins eben so voller Enthusiasmus, wie er eS für M-Smer'S wunderbaren magnetischen Kaste»«nd für die Zaubereien Cagliopro'S gewesen �«ar. Bei einer GeistcSrichtvnz, wie di: feivig«, findet man spät oeer früh nothwendizer Weise einen Beiräg'r, von dem man geprellt wird. Mein GeschästSzimmrr bekam Zulauf, die Arbeiten«ahmen überhand, ich hatte wich emeS glückiichm Lebens zu freuen; meine Schwester wohnte bei mir und erwies mir, wie sie cS nie a�-fze- hört hat, die zärtlichste Znn-ignng. Ihr sanfter, hochherziger Sinn, ihr« duldsame, aufzekiärte Frömmigkeit, die Reinheit ihrer Sitten batien ihr Ansehen nud Nchtnng bei allen ihre» Bekaun« ten verschafft und machten sie mir von Tag zu Tag werther. Einige Frcvnde nach meinem' Herzen theilteu unser Vertrauen; die Sicherheit in ihrem Umgänge erlaubte mir, alle Ideen, die in meinem Kopfe xährten, in ihren Busen auszuschütten; und bald bildete sich, sei ef, daß ich ihrer Ueberzengung folgte, sei rö, baß dieselben Betrachtungen zu ähnlicheu Schlüssen führten, �eine völlige Gleichheit der Ansichten über politische Gegenstände unter uns. Aus der Zahl derer, welche meine gewöhnliche Gesellschaft bildeten und am meisten mit mir übereinstimmten, muß ich die beiden Gebrüder Cornot hervorheben, welche, vermöge der Bell- macht, die si: von den Wählern deS Kanal« erhalten hatten, jetzt an der gesetzzebeuden Rrrsammleivz Butheil»chmen. Beide zeich- ueten sich damals. elS tmfft'iche Tln'egfstziere durch eise Bater- landsliebe auS, die sich niemals vcrlänznet hat. Der Aeltesie, ein Mann von hervorrazeriden Verdienste», hat über die B-festi- ßMgSknnd« eine bemerkenSwerthe Schrift herausgegeben. Seine gegenwärtige« Arbeiten bewnfeu, daß er iu alle» Zweige» der Kriegs unft gründlich erfahren ist, und daß man nicht braucht G-aeral gewesen z« seiu,«m die Bewegungen einer Armee an« z-.bea zu können.*) Aber das Publikum Hab nicht nud wird viellei eit nicht erfahren, daß Earnot, der bei der Bcrwaltunz der öffentlichen Angelegenheiten eine» ernsten Charakter anaehmen mußte, recht hübsche Verse, selbst Li-beSgedichtt und Trink- lietcr mackt. Mein ehemaliger Professor der Rhetorik, Fosseup, befand fich zu dieser Zeit in TrraS; im Kollegium hatte er stch für der- xflichtkt gihalteu, seine patriotischen Meinungen, die dort nicht gang und gäbe waren, zu verbergen; als er aber wieder frei war, benn'.te er anch fein Recht, wieder zu denken, und in dem streife un-g'r Freunde seine nicht» weniger als monarchischen Ideen auszuschütten. Er hatte ein bcd'Utendes Talent als Schrift- kell r ui-o arb'itete mit gleichem Talente in Prosa, wie in Ver- ien, so daß die Akademie vo» ArraS, zu der er gehörte, kein ausgezeichneteres Mitglied besaß, al« ihn. •/ war»»« der Zeit der zeseegebeuden Be'-samwlung ab, eine« der ellifiußrclchstm Mitglieder d-S miiiiärsschen Eomitd'S. Vis nalS's Cirestrardchtsche ülizr die küuftige Papfiwzhl. Der„Reichs- und SkaatS-Nnz." vom 29. d. M. v-rössmt. licht mit nachstchmdkr Einleitung die auf die künftige Papft-oahl bezügliche Circulordepesche B.'oma:ck'S- vom 14. Mai 1872: Die ungewöhnlichen Umstände, durch welche die genchtliche Verfolgung deS Wirklichen Geheimen RathcS Grafen v. Arnim h-rbcizefährt wurde, haben diplomatische Aktinstücke an di« Oes- finUichksit gebracht, welche zu strenger Geheimhaltunz bestimmt waren. Für dir Zalassauz der öffentlichen Vcrhandluuz über dieselbe» war unter anderem die Erwägung maßgebend, daß die Hand, welche st« dem Archiv entzogen, vorauSstchtlich stück» weise und willkürlich daranS mittheileu und bekannt machen würde, wogegen die volle und ganze Iknudwerdnug allerdings zu andern, aber zu minder schwer wiegenden Bedenken Aulaß bot. Di« Richtigkeit dieser Aaslassang findet schon jetzt bezüglich der sÜl."tirteu Alten ihre Bestätigung. DaS Stadtgericht zu Berlin hat bekanntlich eine Reihe von Dokameuten auSzeschirdeu und der Oeffmtlichkeit voreuthalteo, weil nach Ansicht des Ge» richtshofs von dem Bekanntwerden derselben eine Gefährdung d:S Friedens z« besorge» sei. Diese Sekretirung und deren Be» wczgrund dient nun schon einer mehr uud mehr um sich greife«- den Verdächtigung als Auhalt. Mit Recht hat dag Stadtgericht jene Aktenstück: kircheopo» litischen Inhalts ftkeetirt. Denn mit wenig Ausnahmen handelt es sich dabei nicht um unser, sondern um fremdes AmtSgihnm» niß. Dem Iahalt- nach hat nichts davon daS Licht deS Tag,S zu scheuen. Wenn aber fast alle auSwärtizea Regierungen in Folge diesseitiger Anregaug und iu dem bisher nie getäuschtm Vertraue» auf deutsche Diskretion sich in Betreff eines bedm» tunzSvollen Gegenstandes geäußert haben, wenn hervorragende ScaatSmäuuer d-S Auslandes auS ihrer berechtigten Zurückhal- tuug ebenso vertrauensvoll herausgetreten sind, dann wird die Rücksicht diplomatischer Verschwiegenheit unumgänglich. Ohnedies muß der Kredit der Regierung, da eine jede für da« Verhalten ihrer Organe verantwortlich ist, darunter leiden, daß piaer ihrer vornehmsten Funktionär- vertrauliche Aeußeruuge» fremder Kabinette und Diplomaten, die ihm durch feine Regierung zu seiner amtlichen Äaformation zugänglich gemacht worden, im Rcilekoffer mit sich im Lande nmhnführea, allen GasthofSchancen aupsetzett, oder solche Aktenstücke gelegentlich einem Advokaten zur Bestellung an einen Untersuchungsrichter mit auf des Weg gebe» kannte! Den fremden Kabinette» gegenüber haftet die deutsche RigUriinz auch für deu Mißbrauch, der, nach bisherige» Ersah- runzen zu urtheilen, mit zurückbehaltenen Abschriften der konfiden. tielle» Mitthciluugen derselbeu getrieben werden kann. Die Regierung selbst kann sich kemenfallS ermächtigt halte», virtrallliche oder geheime Mitlheilnuzeu anderer Regierungen der Ö ffentlichkeit zu übergebe», wenn sie auch die Verantwortung dafür zu tragen hat, daß sie einen kaiserlichen Botschafter i» solche geheime Mittheilungen im Interesse de« Dienstes glaubte einweihen zu können. Soweit cS stch um daS Iatimste, daS nur Deutschland angeht, handelt, kann Alles an da» Licht gezogen werden, ohne unsere auswärtigen Beziehungen zu fchSdigen, ge- schweige. denn den Frieden zu gefährden. Die Bast« zu dem ganzen, der Oeffentllchkeit vorenthaltenen FaScikel bildet eise Vrculardcpische de« Reichskanzlers vom 14. Mai 1873, die küaftige Papstwahl betreffend; an sie schlössen sich die Rückäuße» rnngcu fast sämmtlich'r anderer Reg-eruagen, die dem Botschafter in Paris vermöge seiner amtliche» Stellung mitgetheilt worden. Die letzteren bleiben, soweit die Macht der Regierung reicht, ge» heim geholten; da« deutsche Ctrcular, worauf dieselben fich be» ziehen, lautet folgenqcrmaZeu: � „Vertraulich.' Berlin, dm 14. Mai 1872. Die Gesuudheit deS Papste« PiaS IX. ist nach allen uu« zulommendm Berichten eine durchaus befriedigende und keine Syaiptome einer baldigen Aenderung darbietende, lieber kurz oder lang aber muß eine nene Papstnrnhl immer eintrete»;«nd der Zeitpunkt entzieht fich der menschliche» Berechnung vnd Vor» ansstcht. Die Stellung deS Oberhauptes der kaiholischen Kirche ist für alle Regiermize», innerhalb dem, Länder diese Kirche ein« anerkannte Stellung hat, von solcher Beieutuni?, laß eS geboten scheint, sich die Folge» eines WecbselS in der Person de« Papste« rechtzeitig zu vergegenwärtigen. ES ist schon früher auerkaunt worden, daß die Regiernnzen, welche katholische Uuterthaum haben, dadurch auch ein großes und unmittelbares Interesse a» einer Pcpstwahl haben, sowohl au der zn wählende» Persönlich» keit selbst, wie besonders auch daran, daß die Wahl von all' dm Garantiem in formaler und materieller Beziehung umgebe« fei, welche eS den Regierungm möglich machen, sie als eine giltige und allen Zweifel auSschließerede auch sür sich und deu Theil der katholischm Kirche ia ihren Ländern anzuerkcnnm. Den» daß die Rrgierlwge», ehe sie dem durch Wahl lonstituirtea Souveraia, dm berufen ist, so weitgreifende, in vielen Stücken nahe an die Souverainetät grmzmdr Recht« in ihren Ländern aaSznübm, diese Rechte fakiisch zugestehen, verpflichtet sind, gewissenhaft za erwägen, ob sie die Wahl anerkennen können, darüber scheint mir kein Zweifel sein zu können. Ein Papst, welchem die Gefammt- heit oder die Mehrzahl der europäischen S-uvcraiuS auS for- malm oder materiellen Gründen glaubte die Anerkennung ver» sagen zu müsse», würde so wenig denkbar sei», wie cS denkbar ist" daß ein Landesbischof in irgend einem Land- Rechte ausübte, ohne von der StaatSregieruug anerkannt zn fein. Dies galt schon unter der früheren Ordnung der Dinge, wo di- Stellung der Bischöfe roch eine selbfistäudtgere war, nad di- Resierunge» nur in selteum Fälle» in kirchlichen Dingen mit dem Papste ia Berührung, kamen. Schon die im Anfang dieses Jahrhunderts geschlossene» Kon» kordate laben direktere und gewissermaßen intimere Beziehnugeu zwischen dem Papst vnd d-n Regierungen hervorgerufen; vor Allem aber hat daS vatikanische Konzil und seine beiden wichtig» st'N Bestimmunzen, Über die Unfehlbarkeit und über die Iuris» d'eUion deS PspsteS, di- Stellung deS Letzteren auch dm Regie» runzm gegenüber ganzlich verändert und da« Interesse der letzte» rm an der Papftwahl vuf'S Höchste gesteigert, damit ober ihrem Rechte, fich darum zu kümmern, auch eine um so festere Bast» gegeben. Denn durch diese Beschlösse ist der Papst in die Lage gekommen, iu jeder einzelnen Diözese die bifchvflicheu Rechte in die Hand zu»ehm-u und die päpstlich- Gewalt der landeSbischös. lichen zu substitnirm. Die bischöfliche Jurisdiktion ist in der päpstlichen aofgegavam; der Papst übt nicht mehr, wie bisher, einze'üe bestimmt- R-servatrechte an«, sondern die ganze Fülle der bischöflichen Rechte ruht in seiner Hand; er ist im Prinzip an ne Stelle jedes einzelne« Bischofs getreten, und es hangt nur »on ihm ab, sich auch in der Praxis in jedem einzelnen Laxen. blick au die Stelle gegenüber den Negierungeu z« setzen. Die Bischöfe sind nur noch seine Werkzeuge, seine Beamten ohne eigene Verantwortlichkeit; sie sind den Regierungen gegenüber Beamte eines fremden SouverainS geworden, und zwar eines SouveraiuS, der vermöge seiner Unfehlbarkeit ein vollkommen absoluter ist— mehr als irgend ein absoluter Monarch in der Welt. Ehe die Regierungen irgend einem neuen Papste eine solche Stellung ei«. räumen und ihm die Ausübung solcher Rechte gestatten, müssen fie sich fragen, ob die Wahl und die Person desselben die Garan- tieeu darbieten, welche sie gegen den Mißbrauch solcher Gewalt zn fordern berechtigt find. Dazu kommt noch, daß gerade unter de» jetzigen Verhältnissen nicht mit Sicherheit zu erwarten steht, daß euch nnr die Garantieen, mit welchen in früheren Zeiten ein? Cooclave umgeben war, und welche eS selbst in seinen Formen und seiner Zusammensetzung darbot, zur Anwendaug kommen werden. Die vom römischen Kaiser, von Spanien und Frank. reich geübte Exclustoe hat sich oft genug als illusorisch erwiesen. Der Einfluß, welchen dir verschiedenen Nationen durch Kardinäle ihrer Nationalität im Conclave ausüben konnten, hangt von zu- fälligen Umständen ab. Unter welchen Umständen die nächste Papstwahl stattfinden, ob dieselbe nicht vielleicht in übereilter Weise versucht wird, so daß die frühereu Garantieen, auch der Form«ach, nicht gesichert wären— wer wollte des voraus- sehen? AnS diesen Erwägungen scheint eS mir wünscheuSwerth, daß diejenigen europäischen Regierungen, welche durch bie kirchliche» Jateressen ihrer katholischen Unterthauen und durch die Stellung der katholischen Kirche in ihrem Lande bei der Papstwahl inter» essirt find, sich rechlzeitig mit den dieselbe betreffenden Fragen be. schäftigen und wo möglich sich nnter einander über die Lrt und Weise verständigen, wie fie sich derselben gegenüber verhalten wollen, und über die Bedingungen, von welchen fie eveut. die Allirkenaung einer Wahl abhängig machen würden. Eine Einigung der europäischen N-gimtngen in diesem Sinne würde von unermeßlichem Gewicht und vielleicht im Stande sein, im Boraus schwere und bedenkliche Komplikationen zu verhindern. Ew. ec. ersuche ich daher ergebenst, die Regierung, bei wel- cher Sie beglaubigt zu sein die Ehre haben, zunächst vertraulich zu frage», ob sie geneigt sein möchte, zn einem JdeenanStausch and einer eventuellen Verständigung mit nnS über diese Frage die Hand zu bieten. Die Form, in welcher di?S geschehen konnte, würde dann leicht gefnndeu werde», wen» wir vorerst der Bereit« Willigkeit sicher find. Ich ermächtige Ew. diesen Erlaß vorzulesen, bitte Sie aber einstweilen, denselben noch nicht aus der Hand zu gebeu vud die Sache überhaupt mit DiScretion zu behandeln. (gez.) v. Bismarck." Die zwölf Artikel des Basernkrieges. (Schluß.) Dritter Artikel. .Zum Dritte« ist der Brauch bisher gewesen, daß man nnS für Eigenlente gehalten hat, welches zum Erbarmen ist, angesehen, daß uns Christus Alle mit seinem kostbaren, vergossenen Blut er- löst und erkaust hat(Jes. 53. 1. Pet. 1. 1. Cor. 7. Rom. 13) den nieder« Hirten sowohl als den Aller-Höchstev, keinen anSge- »ommeu. Darum erfindet sich in der Schrift, daß vir frei find, und wir wollen frei sein(WeiSh. 6. 1. Pet. 2). Nicht, daß «ir gar frei sein, keine Obrigkeit haben wollen; das lehrt nnS Gott nicht. Wir sollen in Tebot-u leben, nicht in freiem fleisch- lichem Math willen(5. Mos. 6. Matth. 4), sondern Gott lieben, als unfern Herrn, in an er» Nächsten ihn erkennen, und Alles das ihnen thuv, was wir auch gern hätten, wie uns Gott am Nachtmahl geboten hat zu einer Letze(Lucä 4. 6. Matth, b. Joh. 13). Darnm sollen wir nach seinem Gebot leben. Dies Gebot zeigt und weist unS nicht an, daß wir der Obrigkeit nicht gehorsam seien. Nicht allein vor der Obrigkeit, sondern vor Jedermann sollen wir nnS demüthige»(Rom. 13). Wie wir auch gerne unserer erwählte« und gesetzten Obrigkeit, so unS von Gott geletzt ist(Apostelgefch. 5), in allen ziemlichen und christ- licheu Sachen gehorsam sind; wir find auch außer Zweifel, ihr werdet unS der Leibeigenschaft als wahre und rechte Christen gern entlassen, oder uns aus dem Evangelium dessen berichten, daß wir leibeigen find. Vierter Artikel. „Zum Vierten ist bisher im Brauch gewesen, das kein armer Manu Gewalt gehabt hat, das Wildpret, Geflügel oder Fische im fließenden Wasser zu fangen, waS nnS ganz unziemlich und un- brüderlich dünkt, eigennützig und dem Worte Gottes nicht gemäß. Aach hegt in etlichen Orten die Obrigkeit das Gewlld unS zu Trutz und mächtigem Schaden, weil wir leiden müssen, daß nnS daS Unsere, was Gott dem Menschen zu Nutz hat wachsen lassen, die unvernünftigen Thiere zu Unnutz mnthwillig verfressen, und wir fallen dazu stillschweigen, waS wider Gott und den Nächsten ist. Denn als Gatt der Herr den Mensche» erschuf, hat er ihm Gewalt gcgedca über alle Thiere, über de» Vogel in der Luft und über die Fiste im Wasser(1. Mos. 1. ÄPastelgesch. 19. 1. Tim. 4. 1. Cor. 10. Coloss. 2). Darum ist unser Be- zehren: wenn einer ein Wasser hätte, daß er eS mit genügsamer Schrift, als unwissentlich erkauft, nachweisen mag; solches begeh- reu wir nicht mit Gewalt zn nehmen, sondern man müßte ein christliches Einsehen darein haben, von wegen brüderlicher Liebe. Aber wer nicht genügsame B.weise dafür anbringen kann, soll es ziemlicher Weise an die Gemeinde zurückgeben. Fünfter Artikel. „Zum Fünften find wir auch beschwert der Beholzuag halb, denn unsere Herrschaften haben sich die Hölzer alle allein zuge- eignet, und wenn der arme Mann etwas bedarf, muß erS um« doppelte Geld kaufen. Unsere Meiuu»g ist, was für Hölzer Geist- liche oder Weltliche, die fie immer haben, nicht erkauft haben, die sollen eiaec ganzen Gemeinde wieder anheim fallen, und einem Jeglichen ans der Gemeinde soll ziemlicher Weise frei sein, dar- aus seine Nothdurft in'S Haus umsonst zn nehmen, auch zum Zimmern, wenn eS von Nötheu sein würde, soll er eS umsonst nehmen dürfen, doch mit Wissen derer, die von der Gemeinde dazu erwZhlt werden, wsdurch die Ansreutuug des Holzes ver- hütet werden wird. Wo aber kein Holz vorhanden wäre, als solches, das' redlich erkauft worden ist, so soll man sich mit den Käufern brüderlich und christlich vergleichen. Wenn aber Einer daS Gut anfangs sich selbst zngecignrt and eS nachmals verkautt hätte, so soll man sich mit den Käufern vergleichen nach Gestalt der Sache und Erkeuntniß brüderlicher Liebe und heiliger Schrift. Sechster Artikel. „Zum Sechsten� ist unsere harte Beschwerung der Dienste halb, welche von Tag zn Taz gemehrt werden und täglich zu- nehmen. Wir begehren, daß man darin ein ziemlich Einsehen thne, und uns dermaßen nicht so hart beschwere, sondern uns gnädig hierin ansehe, wie unsere Eltern gedient haben, allna nach Laut des Wortes Gottes.(Rom. 10.) . Siebenter Artikel. „Zum Siebenten wollen wir hierfür unS von einer Herr- fchaft nicht weiter beschweren lassen, sondern wie cS eine Herr- fchaft ziemlicher Weise einem verleiht, also soll er cS besitzen, laut der Bereinigung des Herrn und des Bauern. Der Herr soll ihn nicht weiter zwingen und dringen, nicht mehr Dienste noch Anderes von ihm umsonst begehren(Luc. 3. Thess. 6), damit der Bauer solch Gut unbeschwert, also geruhlich brauchen und genießen möge; wenn aber des Herrn Dienst von Nöthen wäre, soll ihm der Bauer willig und gehorsam vor andern sein, doch zu Stund und Zeit, da es dem Bauern nicht zum Nachtheil diene, und soll ihm um einen ziemlichen Pfennig den Dienst thun. Achter Artikel. „Zum Achten sind wir beschwert, und derer sind viele, so Gütee inne haben, indem diese Güter die Gült nicht ertragen können, und die Bauern daS Ihrige darauf einbüßen und ver- derben. Wir begehren, daß die Herrschaft diese Güter ehrbare Leute besichtigen lasse, und nach der Billigkeit eine Gült erschöpfe, damit der Bauer seine Arbeit nicht umsonst thuc; denn ein jeg- licher Tagwerker ist seines Lohne« würdig(Math. 10). Neunter Artikel. „Zum Neunten sind wir beschwert der großen Frevel halb, indem man stets neue Ansätze macht, nicht daß man nnS straft nach Gestalt der Sache, sondern zu Zeiten aus großem Neid, und zu Zeiten aus großer parteilicher Begünstigung Anderer. Uusere Meinung ist, unS nach alter geschriebener Straf zu strafen, je nachdem die Sache gehandelt ist, und nicht parteiisch(Jesaj. 10. Ephes. 6. Luc. 3. Jer. 16). Zehnter Artikel. » Zum � Zehuten sind wir beschwert, daß etliche sich haben zugeeignet Wiesen und Aecker, die doch einer Gemeinde zugehören. Selbige werden wir wieder zu unserer Gemeinden Händen nehmen, es sei denn die Sache, daß man es redlich erlauft hätte; wenn man eS aber unbilliger Weis' erkauft hätte, soll man sich gütlich und brüderlich miteinander vergleichen nach Gestalt der Sache- Elfter Artikel. „Zum Elften wollen wir den Brauch, genannt der Todfall, ganz und gar abgethan haben, nimmer leiden noch gestatten, daß man Wittwen und Waisen das Ährige wider Gott und Ehren also schändlich nehmen und fie berauben soll, wie es an vielen Orten in mancherlei Gestalt geschehen ist. Boa dem, was sie beschützen und beschirmen sollten, haben sie unS geschunden und geschoben, und wann sie ein wenig Fug hätten gehabt, hätten ' sie dieS gar genommen. DaS will Gott nicht mehr leiden, son- dein das soll ganz ab sein, kein Mensch soll hinfür beim Tod- fall schuldig sein etwas zu geben, weder wenig noch viel(5. Mos. 13. Matth. 3. 23. Jes. 10). Beschluß. „Zum Zwölften ist unser Beschluß und endliche Meinung: Wenn einer oder mehrere der hier gestellten Artikel dem Worte GvttcS nicht gemäß wären, so wollen wir, wo uvs selbige Ar- tikel mit dem Worte GotteS als unziemlich nachgewiesen werden, davon abstehen, sobald man uns eS mit Grnnd der Schrift er- klärt. Und ob man uns gleich etliche Artikel jetzt schon zuließe, und es brfände sich hernach, daß sie unrecht wären, so sollen sie von Stund au todt und ab sein, nichts mehr gelten. Desgleichen wenn sich in der Schrift mit der Wahrheit mehr Artikel fänden, die wider Gott, und dem Nächsten zur Bcschwerniß wären, wollen wir uns diese auch vorzubehalten beschlossen haben, und uns in aller christlichen Lehre üben und brauchen, darnm wir Gott den Herrn bitten wollen, der uns dassetbige geben kann, und sonst Niemand. Der Friede Christi sei mit uns Allen." Man fühlt eS diesem merkwürdigen Manifeste an, daß cS nicht an einem Gusse, sondern aus verschiedenen Bestandtheilen zusammengesetzt ist. Sichtbarlich ist die Einleitung und der Schluß später hinzugefügt, und von einem andern Verfasser, al» die dazwischen liegenden Artikel dem größten Theile nach. Die Artikel selbst zerfallen in Forderungen von dreifacher Art: solche, welche seit Jahrhunderten immer wiederholt gestellt wurden, wie die Freiheit der Jagd, des Fischens, der Holzunz und die Be- seitignng des Wildschadens; solche, welche die Abstellung neuer Beschwerungen, der vervielfachten ungerechten Frohneu und Steuern, der parteiischen Rechtspflege, überhaupt der Uebergriffe der Herr- schaften fordern; und endlich solche, in welchen die neue Lehre von der evangelischen Freiheit sich geltend macht, und welche Leibeigenschaft, kleinen Zehenten, Todfall als unbiblisch und unchristlich beseitigen, freie Religionsübung und Wahl der Prediger durch die Gemeinde als ein evangelisches Recht ansprechen. Die Artikel der ersten Art sind ganz alt, und nur wieder neu auf- genommen; die der zweiten Art traten schon im Sommer 1S24 hervor. Die der letzte» Art fallen offenbar.erst mit dem Ein- fluß zusammen, welchen die Prediger der die geistliche und welt« liche Freiheit verschmelzenden Richtung in der letzten Zeit auf die Bewegung des Volkes gewonnen hatten. Die Gegend, von welcher die zwölf Artikel ausgingen, ist Oberschwaben. Die Sprachweise stimmt ganz mit vielen gleich- zeitigen Urkunden aus jener Gegend überein; es ist die gerade sich bildende allgemeine Schriftsprache. DaS Killd der Wittwc. Ha, wie die Nacht zrahlitaUch ist und kall!— Musik und Tau» im hcllgrschmllcktca Saale! Champagner zchäumt nud perlt im goibarn<3!at. Mein Kamera?, warum so still und blaß! Komm, trink, daß Lixl uad Lieb' im Aug' sich maiel Ein Wort: Du kcuast da diliben doch da« Kind? Oft war fi: willig meinen LiediSschwUrru; Mich sollte» heule ihr- ThrSaeu rühren. Verstanden?— Ha, fort Metze Du, geschwind Ha, wie die Nacht unheimlich ist und kalt!— Dachstube eng— die Wittwe sitzt alleine Am Spnlrad, das sie emstz bewegt und dreht. Hui, wie der. Wind kalt durch die Sparren wehtl Wie ist di- Nacht so largl— Wo bleibt mein Kind? Hit stch's verirrt vielleicht am Waldttpfade? O Gott! wem Kind laß mir, die eioz'ge Gnade, O Gotti mein Kind, wo bleibt mein einzig Kind. Ha, wie die Nacht unheimlich ist und taltl— Der Strom Ist tief— gespenstig schau'n die Weiden; Am Uferhangc geht ein blasses Äird. Ein kurz Gebet— dann in den Strom geschwind I Ein Angstschrei— und vorbei dann alle Leiden! Und ob dem Strome fährt ein eisiger Wind. Der Buhle sitzt im Saal und lacht und schwärmet, Da« arme Weib am Spnlrad starr sich härmet, Im Wellengrabe ruht ihr einzig Kind. „Pionier". Organ der socivlistischen Gewerkschaften. Erscheint jeden ersten und dritten Sonnabend im Monat. AbonnemcntSpreiS: Vierteljährlich 1 Mark 20 Pf., monatlich 40 Pf.|_____ Bestellungen nehmen alle Postaustalten des deutsche« Reiche» und die Expedition, XBerli» 30., Waldemarstr. 56, III., entgegen. In den Orten) wo sich 10 Abonnenten und darüber bestn- den, beziehen diese ita„Pionier" am billigsten durch gemeinsame Bestellung bei der Expedition, per Adr. Kapell. Bei solchen Be- stellungeu tritt eine/ Preisermäßigung von 40 Pf. auf 25 Pf. pro Monat, event. von 1 Mark 20 Pf. auf 75 Pf. pro Quar« tal, ein. I | Berichtigung. In dem in Nr. 151 unseres BlatteS vorigen Jahres ver- öffeotlichteu Berichte anS Hamborg(Silg. deutscher Töpfervereis) muß eS statt§ 18:§ 13 heißen. Anno« e e«. Sonntag» den 3. Januar, Venill. Vormittags 104 Uhr, im Saale Sophienstr. 15, Große Volksversammlung. T-O.: Was willen wir im neuen Jahr. Ref.: August Kapell. Jedermann hat freien Zutritt. Das C-mIts.[2,20] ÜlovSin Mittwoch, dm 6. Jan., soerulu Abends 8 Uhr, bei Bogel, Alexanderstraße 31. Geschlossen« Mitglicder-Generalversammlung des Puyer-Clubs. Tagesordn.: Kassenbericht für Monat No« pember und Dezember und Jahresabschluß. Sehr wichtige BereinSaRgelegeiiheiten. Alle Müssen am Platze fein. F. Blunck.[2,00] Dienstag, dm 5. Januar, �amourg. äUieni« 8iUht, in Tütge'S Salon, Balentlnskarnp 41, Große Volksversammlung. Deb Stand der BolkSwirthschaftSlehre der Vergangenheit und in der Gegenwert. Referent: Der RcichStagSabgeordntte Herr Selb. Z. KSfter.[2,00] Hamburg. n'S 5, ür'1 bei Herrn Ohl, Spitalerstraße 18, Mitgltederversammlnug des Allg. Bau- and Erdarbeiter- Lereins. TageSordn.: Monatliche Abrechnung und BereinSaußelegeuhilten. F. Heins.[1,80] Ich ersuche die Mitglieder, zu er'cheweu Hamburg. ftShU-- im Salon zum Roland, 1. Jakobste. 19, Mitgliederversammlung des Allgem. deutsche» Gypser-Vereins. TageSordn.: Sehr wichtige Angelegenheiten. Erscheinen Aller ist Ehrensache. __ H. GStz.[1,60] Hannover."ÄVS,"' Geschlossene Versammlung und Montag. 11. Jan., Abend« 8 Uhr, Oeffeutliche Versammlung des social-demvkr. Wahlverrins bei Matthes, Neuestr. 45. Tagesordnung: Bernnnft und Religion. Referent: Herr Glcbe. _ H. Rudolph.[2,00] Unterricht Im Bauzeichnen, Rechnen, Baw konstruktion:c. eriheilt»er Architekt Schmidt, Bellealliancestr. 21, 4 Tr., recht«.[1,50] Ärtnthitrrt Montag, dm 4. Jan.. tzMMvUrg. Abends 8 Uhr.[1,40] bei Herrn Petersen. Gr. Neumarkt 41, Geschlossene Mitgliederversammlung der Hamburg'Altoi-aer Bautischler (Avschläger). Monatliche Abrechnung. Arbeitsbesprechung. .H«mb.-Altona-WandSbeck. Tischler-Versa«Wla«s. Alle Tischler werden«ufzefordert, van jeder Werkstellt, Bau oder Fabrik De U:» der am Ticssiag, den 5. Jan., Abends 8 Uhr, In der Herberge, Gr. Roscnstr. 37, stattfindenden Delegirtenversammlung zu entsenden., T.-O.: Die Maßregelung der Meister und Abrechnung der UnterstütznngSgelder. Alle Semaßregeltea werden anfgefordert, in dieser Delczittenversammlung zn erscheinen. Doose. 13.40] Ctm-hittvr Mittwoch. C. Januar, �mrourg. Abends 8 Uhr, im sokale de« Herrn Geisler, Gesellig. Beisammensein der Lassalleauer. Sonntag, 10» Jan., Harourg. Mchm. 4Wr. aus der Herberge, St. Pauli, FIschcrstr. 35, bei Herrn Heilig, Generalversammlung des Reepschlägervereins für Haue- bürg und Umgegend. T.-O.: Adrcchnnng und Wahl eine» neuen KasfirerS. Unterzeichneter bittet, recht zahlreich zu er- scheinen. Statuten müsse» vocgezelgt werden. C. Herwig, Vors.[2,60] Mona. bei Petersen. Ehristianstr. 8, Eiste ordentliche Mttg1ieder-V«rs«»»ta«g de« Altonaer«>chnhmacher»ereins. Um pünltlicheS und zahlreiches Eeschelneu wird ersucht. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Borstand.[2,00] Barmbeck. im Lokale de« Hrn. Schultz am Marktplatz, Oeffentl. Versammlung Her Straßenbauarbeiter. H. Schwemm.[1,40] WsHrmnr Mittwoch, �UUUIU den 6. Januar 1875, in Wittm« ack'« Salon, Erste diesjährige[1,20] große Maskerade. Katharineupsorte 12, MlllllsUII j«.»zchü d.r Zeil. Loais Klcmüiansz Lager Prima Hamburger und Bremer Ti- qarren,«a gros& en detail, empstehtt sich seinen Freunden und Parteigenosse u.[351 Englischleder- Anzüge, anerkannt befte Qualität, versenden gegen Nachnahme(zollfrei): 1 Jaquet 5 Thlr.20 Ggr,, weiß 5Thlr.10Sgr: 1 Hose 3» 6» do. 3» 5» 1 West- 1. 10. Beste Sorte Manchesterhosen 3 Thlr. 15 Sgr. Echte Isländer Unterjacken. l. Größe 1 Thlr. 27 Sgr. II., 1- 13-[70] Hcury Jsaars& Co., Kl. Elbstr. 22, Mona, im alten eugl. Lade«.' Druck und Verlag»oa C. Jhring Nfg» «A. Bered) i» Berkin. Verautworck»- iL? die R-diktiom «. Süße, i» Bali«.