Nr. 9. Berlin, Mittwoch, den 20. Januar 1875. 5. Jahrgang. Diese Zeitung erscheint dreima wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Äöo»»ements-?reis: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich prae- nnmerando 1 Rm. 95 Ps., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 15 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 65 Pf., frei in's Hans 1 Rm. 85 Pf. Kreuzband-Wonnement« pro Quartal u. Eremplar: Für Deutschland und Oesterreich 3 Rm.— Pf. » Niederlande und Belgien..3» 65- - England und Frankreich. 4- 55- - Amerika(Berein. Staaten) 5- 55- Bestellungen auf Kreuzband-Abonuements find nur bei der Expedition aufzugeben und müssen prae- numerando gezahlt werden. Rener «kdallliou und Srpeditiou: Merlin, Oranienstraße Nr. 8, 80. Socinl-Bemkr Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spedi teur entgegengenommen. Eigenthum der Laffalleaner. Inserate (nur in der Expedition aufzugeben) werden pro fiinsgespaltene Petitzeile mit 55 Pf. berechnet. Bersaminlungsanno.ncen die 5rmin am 23. März vom hiestgen Kreisgericht freigesprochen, nur Habenicht uud Heerhold wurde» zu 3 Mo« nnteu, Stege» zu 6 Woche», Kudzscher, Kerstin« und HenningSmeyer je zu 14 Tagen Oefingniß»ermtheilt Gegen diese Erkenntnisse wurde von Allen Bernfung eingelegt uud hatten wir ln Kiel beim Appellatlousgericht am 13. Oktober Termin; vorher war von Siel an» eine kommissarische Verhandlung(Zeugmverhör) nochmal» angeordnet, unter welchen Zeugen einige»esonder« hervorzuheben fin», da fic gut für un« entlastet haben würden, wenn sie später vom AppellotlonSgcrlcht angenommen worden wärm; nämlich der Polizeilnsvektor Brumm bekundete aus das Bestimmteste, baß Angeklagter Heerhold zur Herstellung der Ruhe nicht allein aufgesor- bert, sondern ihm auch dabei behlllflich gewesen sei; ferner der Stadtfekretlr Weudorss sagte an«, daß er da« Lokal gemlethet,«>e Bordereirungen gc« trossen und die Zeit, welche in der Annonce und auf- den Karten gestanden, nämlich 5 Uhr, sei die Zeit gewesen, zu welcher dem Berechtigten, Stadt« *«th Jürgen«, da« Lokal zur Beifügung stände. Der Wirth Luderer sagte ebenfalls an», daß ihm da« Lokal erst von 5 Uhr ab adgemielhet fei. Alle Aussagen wurden beeidet. Dagegen sagte der Belastungszeuge Sürgen«, »«b er da« Lokal von 3i Uhr. der Zeuge Saack». von 4 Uhr au zur B«r- fLguna erhalten Hab«. 3n dem Termin seiest kam e« zur Verhandlung >wd Vertheidlgnng. Es wurde vom Appellatlousgericht nach zweistündiger Debatte brfchloffm, noch ciaeu ueueu Termin und neue Beweisaufnahme dsr dem ganzen Rlchtcrkoklcginm vorzunehmen. Dieser letzte Termin wurde «beraumt zum 12. November uud hierzu die sech« Angeklaalen, sowie 15 Zeugen vorgeladen; da dieser Termin nun eine neue Beweisaufnahme in stch trug, uud dies« Zeugen Brumme«üb Weudorss, wie oben augegedcu, »icht mttgeladeu waren, so kamen»essen gut entlasteabe Aussagin nicht zu« Verlesung, resp. zur Verhandlung. Außerdem wurden die beiden Haupt- Bgeu. der Wirth Luderer und Tischler Kühl, bei»er Beeidigung de«». Idet. Obgleich der Oberstaatsanwalt keiueu Grund fand, die Saide als Hausfriedensbruch, refp Auftelzuug zu Aewaltthitigkesteu zu bezeichnen, IMldern e« unter der Rubrik al» groben Unfug rechnete und daher einen wlldernben Strafantrag in feinem Plaidoyer stellte, nämlich für Habenicht »nd Heerhol» 4 bi» 6 Wochen, für Stegen 2 Wochen, Kudzscher. Kerstivg «n» HenningSmeyer je 14 Tage Hast; dagegen würde vom Gerichtshof de« schlössen, Indem er annahm,»aß Sürgeu« schon vor 5 Uhr berechtigt war, ha« Lokal In Beschlag zu uehmev, gegen Habenicht wegen HanSfriedenSbrnch llub Anfrelznua 3 Monat, gegen Heerhold wegen Hausfriedensbruch Frei« spruch, wegen Auftelzuug 4 Äoaun, gegen Stegen wegen Hausfrieden«- druch 4 Wochen Sefängniß, von»er Aufreizung erfolgte Freisprechung; Kudzscher wegen Hausfriedensbruch nud Kersting und HenningSmeyer wegen Widerstand« gegen die Staatsgewalt wurden zu je 14 Tage» Ge- fiugniß verurthellt. Al« Bertheidlger fuugftte Rechtsanwalt M. Schmidt, welcher sehr gut vertheidigt hat. Ztfta«, 14. Sa«.(Arbeiterversammluog.) Sonntag, den 10., hielten»lr eine Arbesterverfammlung im Kolosscmn ab, welche sehr stark besucht war. Freund Kaden reserirte über die Agitation de« Allg. deutsch. Arb.-Berelu« zu Aller Zufriedenheit» und obgleich ich zur Interpellation auf- forderte, indem mehrere Geguer anwesend wareu, wurde dem doch nicht entsprochen. Nach diesem erfolgte eine Krltlk nusere« Partelgeuoffeu Wenzel Ader den Leitartikel: Zum IahuSwechsel, in den„Zittauer Nachrichten" in Br. 2 nud 3. Reichlicher Beifall lohnte den Sprecher. Mit soeial-demo- Vatis ckiem Gruß Nenkc. Celle, 12. Ja».(BolUverfamwlnng.) Am 10. Januar hielten Vir eine gut besuchte Arbeiterversammlung ab, mit der TageSaroaung: Besprechung über die Bereinigung beider Fraklioneu der Social-Demokraten. allseitig wurde der Wunsch geäußert uud mit Freuden begrüßt, daß die Vereinigung baldmöglichst zu Staude kommen möge. Mit social- dcmoira- Uschem Gruß F. Warnke, Schriftfahrer. FillstNwald� 19. Dez.(Volksversammlung.) Am 1. ds». fand im Saale de» SchLyenhause» eiue Volksversammlung statt, in welcher Herr Klein cnS J9r:'i(in über„Militarismus und der Landsturmgefetzeut- Wurf" zur Zuftiedenhdi de: Anwesenden reserirte. Eine Resolution, die sich süe Bolkdwehr auSsprat. wurde einstimmig angenoiu.ner.. Noch lasse ich die Namen derjenigen Wirthe folgen, dei denen unser Partelorgau ans« liegt: Schreiber, Badergasse 2; Wittwe Krüger, Naundorfrrstraßc. Ich ersuche die Parteigenossen, nur>»rt zu verkehren, w» unser Organ auSliegt. Mit socml-demoftatischem Gruß Carl Hoffmaun. Zeitz, 14. San.(Bericht.) Bekanntlich gehört Zeitz mit zu dm- jeuigen Siädten. wo vom 1. Januar 1875 ad die Mahl- und Schlacht- stcuer abgeschafft worden und dafür die Klassenstener eingeführt ist. Aber gleichzeitig wurde auch die Eommnnalst-uer erhöht und da« in einer Zeit, wo Arbeitslosigkeit überall zu erwarten steht. Daß dadurch große Ans- regunq herrscht, läßt stch denken. Wir beschlossen daher, um ua- entlich Auf'lirung zu schaffen, und gleichzeitig Schritte zu thun, um Abhülfe der hohen Steuern zu erlangen, eine Bolksvcrfammluug, mit der Tagesordnung: Die Stiuerfrage, einzuberufen, welche auf MoMag, treu 11. Jan., Abend» 3 Uhr, im Gastha»se zu St. Stephan, stattfand. Schon vor 7 Uhr Abend» strömten die Arbelter in'« Verfammlungslokal, so daß um 8 Uhr der Saal überfüllt war; über 1500 Personen mochten anwesend sein. Slne solche Bersammlnug hatte Zeitz seit dem Jahre 1848«icht wieder gifehen. Freund Zwleo'er an« Alt-ndurg sprach zuerst im Allgemeinen Über die dftckten und indirekteil Stenern und krilistrte sodann das hiestge Steuersystem- Seine Rede wurde mit lautem Beifall aufgenommen. Bei der nun dar- auf solgeudc» Debatte, an»elcher stch die Herren Slasser, Brösscl, Kläffer, Zwieblcr, Zlltfchaffel, Hcunekc und der Borsitzende R. Sicdert betheiligten, wurde eiue Resolution, dabin lautend angenommen, daß, da die arbeitende Klasse darch die neue Abschätzung zu hoch beßenert sei, eine Ermäßigung der Steuer eintreten müsse, einstimmig angenommen. Allen Rednern wurde Brisall gezollt. So verlief diese Beriammlung in aller Ruhe und Würde. Lassalleauer oor. Zeitz, ich erwarte nun aber auch, daß Ihr nicht müßig die Hände in den Schooß legt, sondern mehr denn je für die Ausbreitung des SoclaliSmn« In die Schranken tretet; das wird die beste Antwort fein auf die Berläumdungeu der hiesigen Presse, welche dieselbe jeder Zelt gegen un» gefchleudert hat. An dieser Bersammlung ltunt Ihr, Parteigrnossm, sehen, wie die hiesige Presse handelt, während sie sonst, wenn kleine Bersammlnu- gen statifailden, Berichte drachte und womöglich die Versammlungen suchte l ächerlich zu machen, sucht sie jetzt diese Massenversammlung todtzuschwei- gen. Darum ans, Parteigenossen, sorgt für die weiteste Verbreitung de» � Neuen Social-Demokrat", da« wird die beste Antwort sein auf alle Ver- iäumduugen und BerhöinimglN der hiestgen Presse. Mit social-demokrati- schem Gruß H. Graul. Verötit, 10. Jan.(Bersammluug.) In der am 5.»s». hlerselbst gemeinschaftlich tagenden Versammlung der Lassalleaner und der Mitglieder der social- demokvatifchen Arbeiterpartei(Eisenacher Programm) Hüft Her« Kühn einen längeren Bortrag über die BoltSbcwegung vou 1848 und wie« nach, wie durch die politische Unreife de« deutschen Volke« die t rächte dieser Bewegung nur die Bourgeoiste geirntet habe. Mit dem ahre 1863, dem Jahre der Gründung dl» Allgem. deutsch. Arb.-Berew» durch Laffalle, sei die socialistische Idee erst eigentlich in da« deutsche Volk gedrungen.* erner spricht Redner über die internationalen Ardeitcrassozia- tioneu in eingehender Weise, und had hervor, daß e» endlich und zu Red- ner« blsontercr Freude dahin gekommeil sei, daß In Folge der maßlosen polizeilichen Berfolzmigen die deutschen Arbeiter in den beiden sociallsttscheu Fraitlonen mehr denn je, nach Bereinigung drängten. Hierauf erhielt da» Wort Herr C. Wode,«elcher sich mit dem Vortrage von Herrn Kühn in längerer Rede eivverstandm erklärte. Eine von Herrn Kühn vorgeschlagene und von T. Wode empfohlene Resolution, welche lautet:„In Erwägung, daß nur innige» Zusammenwirken aller Arbeiter die hohen Ziele der Social- Demokratie zum Siegen sübren kann, beschließt die heutige Versammlung beider Fraktionen für die Bereinigung beider Fraktionen mit aller Kraft einzutreten und sardert die deutschen Arbeiter auf, die Sache ungesäumt und energisch in die Hand zu nehmen," wurde einstimmig angenommen uud allen Socialiste» Deutschlands zur Nachachtung empfohlen. Mit social- demofta- tischcm Gruß 3 A.: AloyS Mechler. Rauotzkim, 10. Jan.(Volksversammlung.) Sonntag, den 3. d. Mts, fand hterselbst eine außergewöhnlich stark besuchte BolkSversammluug mit der Tagesvrdnnng:„Da» Landsturmgcsitz", ab. Al» Referent war Herr Klein anwesend. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„Die de- rechtigteu Forderungen des BolkeS", war Referent Her« DreeSbach. 3n das Bureau wurden gewähl: Herr Höhl al« Borsitzenbe«, Unterzeichnete» als Schristführrr. Beide Punkte der Tagesordnung wurden von den Refe- reuten zur größten Zuftiedendelt erledigt. Schwab, Schriftführer. Maurheim, 11. Jan.(Parteivcrfammlung.) In der am 4. df«. Im SambrinuSteller stattgehabten öffentlichen Partelverfammlung wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„In Erwägung, daß die deutsche» Ardeiter nur in geschlossener Phalanx zu Ihrem Ziel gelangen kön- neu, befürwortet dir hcuti e össentliche Parteiversommlung der Laflallcoucr die Bereinigung der beiden social- demokratischen Fraktionen und wünscht, daß dieselbe sa bald, als möglich, vor stch gehe." 3. A: H. Schwab. AschersltblN, 14 Januar.(B»lk«versammlung.) Am 11. ds». hielten wir eine Bersammlnug ab. Die Tagesordnung lautete:„Die Vereinigung der beiden social-demoftatischeu Parteien." Herr Kamigauu war als Referent erschienen. Trotzdem wir selten Hierselbst Bersammluugen haben abhalten können, war doch die Bersammluug gut besucht. Mitfocial« demokratischem Gruß Wilhelm Algemesfcu. Barmstedt, 14. Januar.(Volksversammlung.) Am 10 d. M«. hielten»lr eine gut besucht« Bvlksversammlung ab mit der TageSordumig: „Das offene Antwortschreiben von Ferdinand Laffalle". Nach der Bureau- wähl reserirte Herr Stoib erg aus Altona iu gediegener Weise. Die Versammlung trennte stch unter dem Gesänge der Marseillaise. T. Schröder. Berlin, 16. Jan.(Berein der deutschen Steinmetzen.) Den Bevollmächtigten hiermit zur Kenntniß, daß ich am 13. ds«. meine Hast beendet, und somit nunmehr alle Korrespondenzen, die Leitung de« Berein» betreffend, wiederum an weine Adressr zu senden find. Auch sage ich allen Kollegen sür die«einer Famille übeireichte Unterstützung meinen wärmste» Dank. Mit Brvdergruß A. Zabel, Borsttzender, WeindergSweg 4, N. NB. Da die Kolli gen in Halle a. S., betreff« Regnlirung Ihrer Akkord-.und Lohnscala iu Unterhandlung stehen, auch 30 Manu Feierabend bekommen haben, im Allgemeinen die Arbeit schwach geht, ist der Zuzug fern zu halten. Der Obige. Berlin, 16. Ja».(ArbeiUauSschluß.) Da» gesammte Dreher- personal dir Berliner Pozellanmauusattur-Akticngesellschast, früher Schumann, 38 Mann stark, Ist am vergangene« Donnerstag ausgesperrt wor- den,»eil e« ans einen neuerdings vorgelegte» verkürzten Lohntarif nicht ein- gehen zu können glaubte. Unter den Ausgesperrten befinden stch Minner, welche seit länger al« 30 Jahren in der Fabrik arbeite«. Eine von dem Personal au den Direktor abgesandte Deputation vermochte keine Einigung zu erzielen; um indessen keiueu Schritt zur Beilegung der DIffe- renz unversucht zu lassen, soll eine Depvtation auch mit dem Borfitzeudeu de» AuffichtSraths In Unterhandlung treten.— Die Harmonie zwischen Kapital und Arbeft ist— Dank der Herren Schulze, Dmicker und Hirsch — auch in Berlin in fortwährendem Stelgen begriffen. KoptNhageu, 15 Saun r.(An die Maurergesellen Deutsch- Und»!) Da die hiesigen Maurermeister einen Lohnabzug für die Gesellen beabfichtigkn und deshalb schon nach Deutschland stch hingewandt haben, um dort Leute zu eugagiren, bittet man die geehrten deulscheu Kollegen, derartige Anträge abzuweisen, und den Zuzug nach hier streng fern zu hallen, bi» unsett Forderungen erfüllt sind. Mit iocial-demokrallschem Gruß Die Maurergesellen In Kopenhagen. Au die Parteisieliossen und social-demokratischeu Wähler im 9. Schleswig-Holsteinschen Wühlkreise! Da ich nach Becnvigllug der diesmaligen ReichStagSsesfiou (Lude diese» MonotS) für längere Zeit meinen Aufeuthalt im östlicheu Holstein nehmen werde, zunächst jedoch überall, so viel mir möglich, einen Bericht über die Thätigkeit deS Reichstags zn geben gedenke, fo ersuche ich all; Freunde und Parteizeuossen, denen eS möglich ist, in ihrem Ort oder iu der Nähe desselden ein BersammlangSlokal zu bekommen, unverzüglich Herrn L. Dro- gaud in Hamburg, St. Pauli, Spielbudenplry 12, Anzeige davon zn machen, da- ersclbe das»öthige Arrangement treffen wird, damit die Agitation der Reihenfolge nach ohne un- nöthige Zeit« und Geldverluste erfolgen tan». Mir social-demo- kratifchem Gruß O. Reimer, ReichStagSabgeordneter. » Wiederum ist die Arbetttk-RalseiUaist, nachdem dieselbe von den Richtern nicht verurtheilt worden, in dcu Bann zethan. Dem Restaurateur Mb Schänkwirth Ostbreren iu Berlin ist unter Straf, der KonzesfionSent. Ziehung verboten worden, den G'saug derselben iu seinem Lokal zu dulden Thomas Muuzer. (Fortsetzung.) Müozer war sehr beredt. Aber oft erst mitte» im Schmie» den der glühend gewordeneu Revolution wurde Münzer klar im Ausdruck; jedes Wort ein Hammerfchlaz. St hatte stch nicht bloS in die alten Propheten hineingelefen, sondern eS war selbst in ihm etwas von ihrem Geist und ihrem Wesen. Neben diesem Feuer deS Vortrags hatte er jedoch einen Boriheil der Darstellung mit Luther gemein, ja er war noch stärker darin. Ganz zu HaoS nämlich iu den heiligen Schriften, verstand er es, auS denselben Waffen für seinen Zweck zn schmieden, Donoerkeile gyjen da« Bestehende, gegen Kirche und Staat, und wenn er so mit feurigen Bibelsprücheu uud Bildern vom-Rednerstuhl gewitterte, da stand und hing das Volk am Munde, am Blick, an jeder Bewegung des demokratischen Predig'rS als eines Propheten. So predigte er eines TageS gegen die„Abgötterei des Bil» derdienfleS". Die Kapelle zu Mellerbach, nicht weit vou Altstedt, war ein besuchler Wallfahrtsort. DaS von Münzer'S Predigte» erhitzte Volk machte drohende Kundgaben gegen dieselbe. Müozer warnte den Klausner, der des Gottesdienstes daselbst«artete, hin« wegzuziehen, ehe er unter der Wuth deS Volke« litte. Dieser folgte der Waruvng noch zu rechter Zeit; denn gleich darauf zog ein Haufe Altstedter hinaus, zerschlug die Bild-r nud brannte die Kapelle au». Herzog Johann zu Weimar wollte dieses Tumulte» halber in Städtleiu und Flecken fallen; Tag und Nacht saßen die Einwohner in Aengsteu, und Münzer bat den Fürsten, sein eigen Volk nicht scheu machen zu wollen wegen eines Marienbild- uiffe». Die zar Rechenschaft Vorgefordertev, der GtleitSman«, der Rottmeister und mehrere Bürger, stellten sich nicht am Hofe zu Weimar, sondern vertheidigt«» durch Müazn'S Ftdcr,„waS wider den Teufel zu Mellerbach geschehen sei", erboten stch, an Leib und Gut zu leiden, waS man ihnen auflege; doch„deu Teuf-l zu Mellerbach wollen fie nicht anbeten, noch die, welche ihn zerstört, überantworten." Die beiden fächfischen Fürsten, Friedrich und Johann, kamen selbst nach Altstedt, und Münzer mußte vor ihnen ans dem Schloff; predigen. Er sprach v?r den Fürsten so kühn als je. Er for- derte fie nochmals auf, die Abgötterei auszurotten. Er berief stch auf Christi Ausspruch, selbst auf Luc. 19, Matth. 18, anf den Apostel PanluS, 1. Cor. 5, für sein» Forderung, daß man die gottlosen Rezente», sonderlich Pfaffen und Mönche tödten solle, welche daS heilig; Evangelium Ketzerei schelten. Di« Gott- losen haben kein Recht, zu leben, außer wcs ihnen die AuSer« wählten gönnen wollen(2. Mos., 23.); wo die Fürsten die Gott- losen nicht vertilgen, so werde ihnen Gott ihr Schwert nehme». Die ganze Gemeine habe die Gewalt des Schwerte», und der wolle das Regiment selber haben, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben sei. Alle Winkel seien voll eitel Hench- ler, uud keiner so kühn, daß er die rechte Wahrhtit sagen möchte. Die Gruodsuppe des Wuchers, der Dieberei und Räuberei seien die Fürsten und Herren, fie nehme» alle Kreaturen zum Eigen- thum, dir Fische im Wasser, die Böget in der Luft, daS Gewächs auf Erden, Alle« müsse ihr sein. Darüber lassen sie denn GotteS Gebot ausgehen unter die Armen und sprechen: Gott hat geboten, du sollst nicht stehlen! Für stch selbst aber halten fie diest« Gebot nicht dienlich; darum schinden und schaben fie den armm AckerSmaun, den HaudwerkSmann und Alle«, WaS da lebet. Wenn er stch dann vergreift au dem Allergeringsten, so müsse er hängen. Dazu sage dann der Doktor Lügner Amen.„Die Herren," rief er,„wachen daS selber, daß ihnen der arme Mann feiod wird. Die Ursache deS Aufruhr« wollen fie nicht weg thuv, wie kann eS in die Länge gut werde»? Ach, lieben Herren, wie hübsch wird der Herr unter die alten Töpfe schmeißen mit einer eisern.'» Stange! So ich da» sage,«erde ich aufrührerisch sein. Wohl hin." Münzer fühlt; stch ganz wie ein alttestameutischer Prophet, der im Namen Jehova'S zu sprechen sich berufen glaubte, wo die Auderru schwiegen. Er ließ diese Predigt auch sogleich drucke». Aber dieser Druck hatte die Folge, daß auf Befehl de« Herzogs Johann Münzer'S Drucker das Land verlassen mußte. Münzer empfand da« sehr hoch. Er begehre, schrieb er unterm 13. Juli 1524, daß mau ihn nicht hindern möge, daS- jeoige vor aller Welt frei zn verkündigen, was er auS göttlichem, unfehlbarem Zevguiß erlernt. Die Fürsten seien gehalten, iu Acht zu nehmen, wa« er ihnen auS göttlicher Offenöarnug anzeigt. ES wurde ihm verboten, irgend etwa« von stch drucken zu lassen, da« nicht zuvor durch die Ceusnr der sächstfchm Regieraug zn Weimar gegangen wäre. Unter der Bedräugung und Gefahr wach« Müozeru die Kühnheit. Er ließ in der nahen Reichsstadt Mühlhanfe» eine seiner stärkste» Schriften drucken. Lieben Ge« selleu, sagt er darin, unter Hiuweisnug auf da» 23. Kapitel de« Jeremias, gleich auf dem ersten Blatte,„lieben Geselle», laßt unS das Loch weit machen, auf daß alle Welt sehen und greife» möge, wer unsere großen Hansen find, die Gott also zum ge- malten Männleio gemacht haben." Auf dem Titel nennt er sich Thomas Münzer mit dem Hammer, nach der Stelle des Jeremias (23, S.)„Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, uud wie ein Hammer, der Kelsen zerschmeißt?" und als Motto gedraaedt er mit einer kleinen Variation zwei Verse desselben Pro. pheteu(1, 10 uud 18.);„Nimm wahr, ich habe meine Worte in deinen Mund gesetzt, ich habe dich heute über die Leute und über die Reiche gesetzt, auf daß du auSwurzelst, zerbrechest, zer- streuest uud verwüstest, und bauest und pflanzest. Tin» eiserne Mauer wider die Könige, Fürsten«nd Pfaffen uud wider da» Volk ist dargestellt. Sie mögen streiten, der Sieg ist wunderlich zum Untergang der starke», gottlosen Tyrannen." Am Eude sagt er:„Die ganze Welt muß einen großen Stoß aushalten; e» wird ein solch Spiel angehen, daß die Gottloseu vom Stuhl ge- l, die Niedrige» aber erhöhet werden." Jetzt trat auch Luther offen wider Müuzer herau« mit eine« u den Druck gegebeuen„Brief an die Fürsten zu Sachsen vou dem aufrührerischen Geist". Da die falschen Propheten die Sache nicht im Wort bleiben lassen wollen, sondern gedenken, mit der Faust stch drein zu begeben, und stch mit Gewalt wider die Obrigkeit zu setzen, so bitte er die Fürsten, solchem Unfug zu wehren«nd dem Aufruhr zuvorzukommen." Die Faust still ge- halten oder stracks zum Land hinaus! Da« solle der Fürsten Spruch an die Propheten sei». Der Satan wirke durch die irrigen Geister." Müozer hatte dem Reformator zu Witteuberg offen vorge- worfen, derselbe liefere die dem Papst entrissene Kirche den Für- fUn in die HSnde and wolle selbst der neue Papst seht.� Nar stt armen Mönche, Pfaffen und Kaufleute schelte Luther, während Äiemand die gsttkosen Rezenten richten und strafen solle, obwohl ie Christas mit Füßen treten und von ihrer Schinderei und Zinsen nichts abgehen lassen. Früher habe Luther wohl die Für- ten gescholten, und nenersingS noch habe er, um den Bauern -in Genüge zu thun, geschrieben, die Fürsten werden durch daß Port Gottes zu scheitern gehen, aber das wisse der neue Papst -n Wittenberg bei den Fürsten wohl wieder gut zu machen: er chenke ihnen Klöster und Kirchen, da seien sie mit ihm zufrieden. Schon früher hatten Luther und Justus Jonas bei dem Ihnrfürften Von Sachsen und seinem Kanzler Brück mündlich und christlich. ünzer'S Änklazc betrieben. Der mächtigste Kläger rber war Herzog Georg von Sachsen. Dennoch hatte er den Muth, auf Zern Schloß zu Weimar ich zu stellen, er, ganz allein. Er wurde aufrührerischer Um- -riebe angeklazt. Er widerlegte oder erläuterte die Beschuldigungen. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. Johann Hiller. i. Ein braver Mann war's, doch-in armer Mann— Je nun, ihr wißt, da« trifft sich allemalen „Bestimmung ist tf, Fügung"— predigt man— „Der Himmel lohnet einst der Erde. Qualen." Ein armer Mann war's, doch ein braver Manu, Der Johann Hiller aus dem Schwabenlause, Und klug dabei; doch was er auch ersann, ES schlug ihm a«S in Elend und in Schande. Fatal! Nicht seine Schuld war'S, daß er nur Als Kind des Bolk'S,»es Niedern, trat in'S Leben;- §atal! Und daß ihm dennoch die Natur in stolze?, unbeugsames Herz gegebe». Du Gottes-Tnadeu-Bol? begreifst eS nicht, Wie schlimm cS ist, al» Lump die Welt zu grüßen. Mau wird'S nie lo«— als habe das Gericht ES ausgesprochen, bis zum Tod zu büßen; Als war'« vergiftet, das„gemeine" Blut, So selten glückt e« Einem, sich d'c Fetzen, Die in der Wiege schon sein einzig Gut, Vom Hals zu sch iffeu.— O,'s i/z pCt. Rabatt ein. Die hier notirten Preise find nur bei Abnahme von größeren Quantis von jeder Sorre. Bei einzelnen Exemplaren tritt eine verhältnißmäßtge Preis- erhöhung ein. Bestellungen auf einzelne Exemplare der hier notirten Bro- schüren, versenden wir nur gegen Etajeudunz deS Kreuzbanspsrto'S. ZPir machen noch besonders darauf aufmertfam, daß nach der neuesten Postverordnung Drucksachen bis zum Kilogramm (2 Pfand) Gewicht unter Kreuzband versandt werden können. Es empfiehlt sich also, bei kieiueren Bestellunzen unter 2 Pfund 30 Pf. Porto beizufügen für die Fcankirunz unter Kreuzband. Umrechnungstabelle der Thalerwährung in die Reichsmarkwähruug. Rechmexempe! als Beispiel:. 92 Thlr. 12 Sgr. 6 Pf. alter Währ, wie viel Reichsmark? 92 mal 3 276 Rm. 10 Sgr.= 1„ 2V3„=-„ 25 Pf. Summa 277 Rm. 25 Pf. oder 277,25 Rm. folgende Broschüren zu beziehen: Lassalle: Offenes Antwortschreiben „ Arbeiter-Lesebuch „ Arbeiter-Programm «„ RonSdorfer Rede. „ Bastiat-Schulze „ Wissenschaft und Arbeiter (ReichSwährung.) 6 13 8 8 45 10 Pf. 35« t e f f« ff**. Anonyme Einsendungen, Anfragen„. s. w. können nicht be« rückfichtigt werden. Hahn, Frankfurt a. M. Die erwähnte Anuoucr traf hier zu spät ei». Geld für Sie res-rvlrt. In der Quittung über-illgegangene Gelber zum G.'maßregeltcnfoudZ für Msnat November in Nr. 144 heißt eS: Vom Zimmerplatz Klein, I. Rate 15 Sgr.; es muß aber heißen: Bon Herrn Klein 15 Sgr. Simon, Barmbcck. Den Betrag der Annonce vom 18. Dez. haben Sic gut bei uns, weil die Annonce vei der Veröffentlichung nunlly war; dieselbe traf hier zu spät ein. Die Abonnenten de«„Neuen Soclak-Demokrat" im 0. Hannoversche« Wahlkreise(Hameln) werden ersucht, behuf» Agitation Ihre Adresse an Hru. H. Helmke, b-i Fritz Kohnsen in Limmer Nr. 11 bei Hannover, zu senden. Gustav Lampe wird nm seine jetzige Adresse gebeten. G. Gieseke, Backeustr. 15, Halberstadt. Der Metalldrehcr Wilhelm Herforth in Berlin wird hiermit gebeten, seine Ädressc baldmöglichst dem Unteezeichneten zukommen zu lassen. I. W. Müller- Neust. Fuhlentwietc 56, H. 3, Hamburg. n n o n c e Ii Hamburg."ISSS'g-JT' Im Lokale de» Herrn Thomsen(Orpheum), Neust. Ncustraße 25, Große öffentliche Töpfer-Verfammluug von Hamburg-Altoaa und Umgegend. T.-O.: Wie verhalten wir uns den Schiedsgerichten, sowie Eiuiguugeämteru gegenüber. Jeder Töpfer, Arbeitgeber, sowie Arbeit- uehmer, find hiermit freundlichst elugeladea. Da« Eomite.[2,80j OTfirms» Mittwoch, den 20. Januar, HiUUUU. AbtnM llhr, in Heinson'» Salon, GihlerSplatz, Volksversammlung. T-O: Durchberathuug der von der ge- wählten Kommission ausgearbeiteten Sta- tuten.[1,60] Altona-Ottensen- Hamburg. Freitag, 22. Januar, Abends 8z Uhr, in Heiusau'S Salon, Gählcrsplatz, Generalversammlung der Arb.-Kranken- und Sterbekaffe. Tagesordnung: 1) Abrechnung. 2) Wahl elucs ersten Präses, erste» und zwcttcn Sckre- tär», eines KafstrerS, eine« Revisor« und siebe» Beisitzer. 3> Berichterstattung von der Vor- standSversamwlllllg. Der Borstand.[2,20] 1 Stmmpfw. Verl. Masche, Biumenstr. 51 C. Hrn. E. Langenhahn, Finkenstr. in Altona zum heut. GcburtSt. herzl. Gratulation.[1,00] OHgmfott Donnerstag, den 2i. Jan., ajU�UJCU. AveudS 8* Uhr, in Burmeistcr's Salon in Ottcuse», Große Volksversamml. T.-O.: 1) Unsere Schulen. Referent: Hr. Radenhause».— 2) Da? Budget der Ttadt Ottcuseu.[1,60] Itzehoe.«ÄÄ"' Große Maskerade, arrangirt vom„Arbeiter- Sängerbund". Aufführung großer komischer Pantomimen. Kasscuöffnuug 7j Uhr. Anfang 8 Uhr.— Karten, für Herren 8 Schill., für Damen 6 Schill., find vorher zu haben bei den Herren Müller, in der Bolkshalle, und Hoffman» neben der Bolkshalle, Schramm am Mühlenweg, Dckmaun und HNdcbrant, Ritterfiraße, Frohwien, bei der Gas, Sivert«, Feldschmlede- kawp, Kuhfas, Wonderbcrg.— KafscnpreiS für Heeren 10 Schill., für Damen 8 Schill. diö. Ohne Maske ist der Zutritt nicht ze- staltet. Garderoben find zu haben bei Müller in der Bolkshalle. Um gütigen Zuspruch bittet Da« Tomile.[4,00] I WltlPflltrrt Mittwoch, 20. Januar, i �UUtl'Uiy.gg. g Uhr, bei Ähren«, 1 Gesellig. Beisammensein der Lassalleaner. ______ L. Lützen.[1,20] Limmer. Im Saale„Zum Kronprinzen v. Hannover", Abend-Unterhaltnng und Kränzchen, arrangirt von dm hiestgcu Mitgliedern. Eatröe für Herren 20 Pf., Damen 10 Pf. Tänzer zahlen 40 Pf. ertra.[1,80] Karte» find nur vorher bei Herrn Helmke zu haben._____ Da« Eomite._ ftrtmhltl'rt Ich empfehle meine �aMVUrg. Gastwirthschaft u. Früh. stückslokal allm Freunde» usd Parteigenossen. (5. Küster, Ecke vom Papeudamm und große Baude»- straß«, im Neubau.[3,00] sWfrmrt Donnerstag, den 21. Jannar, vrlpzig. Abends 8k Uhr, bei Jatodi(fr. Zahn), Roscnthelergassc, Geschl. Mitg. ederversammlnna des Mg. deutsch. Arbeiter- Vereins, des Social-demokr. Arb.-Bereins und der Laffalle- Schule.[1,80] T-O.: Zweck und Nutzen der Bereinigung. Organisation. Ramm. Kretzschmcr. Liedisch. Dauksagung. Den geehrten Mitgl. des PntzerclubS, f« wie Allen, die meinem mir unvergeßlichen lieben Manne Tarl Voigt die letzte Ehre erwiefcn haben, sage Ich me> neu innigst gefühlten Dank. Die ticfbetrübre Wwc. V o igt, Kinder n. Verwandte.[3,00] 1 Schläfst, z. venu. Blumenstr. 51 0., 3 Tr. Ich empfehle mein Hut-, Mützen- und Peizwaarengeschäft.[1,50] H. 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