Nr. 15. Berlin, Mittwoch, den 3. Februar 1875. 5. Jahrgang. Diese Zeitung erscheint dreitna wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Wends. Aöovncmntts- Zkreis: Für Berlin incl. Bringerlvhn dieNeljährlich xrse- Qilmsr-uiüo 1 Rm. 95 Pf., monatlich 65 Pf., ein« zelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 60 Pf, frei in'S Haus 2 Mark. Srenzband-AbonnementS pro Quartal u. Eremplar: Kür Deutschland und Oesterreich 3 Rm.— Pf. -'Niederlande und Belgien. 3- 60- - England und Frankreich. 4« 50« - Amerika(Berein. Staaten) 5- 50- Bestellungen auf Kreuzbaud-Zlbonnementz find nur bei der Expedition aufzugeben und müssen xras numerando gezahlt werden. R e n e v iiedadliou uvi> Srpedltion: Aerki«, Oranienstraße Nr. 8, SO. BesteAnngen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spedr teur entgegengenommen. Eigenthum der Laffalleauer. 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Trotz deS Proletariers.(Gedicht.) Vermischtes. Feuilleton: Thomas Münzer.(Fortsetzung.) Entweder— oder! DaS neue deutsche Reich kann man mit Fug und Recht daS Land der kleinen und kleinlichen Verfolgungen rtcnncn. Die verschiedenen Verwaltungen und Gesetzgebungen wett- eifern miteinander, durch kleine Mittel große Ideen zu bcwalti- gen; daraus entstehen allerlei Verfolgungen, welche nur ein Lächeln oder ein Achselzucken hervorrufen können. Die katholische Kirche, welche immerhin eine große Idee repräsentirt, wenn diese Idee auch veraltet und verrottet i�st, wenn diese Idee auch von ihren eigenen Trägern manchmal in ihr gerades Gezentheil umgekehrt worden ist und umgekehrt wird, kann man nicht mit GenSdarmen bekämpfen und be- siegen. Wohl lautet eS immer in den Reihen der Liberalen, daß der jetzige„Kulturkampf" uicht der katholischen Kirche gelte; doch diese Ausflucht ist einfach lächerlich. Bekämpft man die Träger der Kirche, so verfolgt man die Kirche selbst. Mag sein, daß man die katholische Religion nicht treffen will; aber auch sie trifft man in Wirklichkeit mit, wenn man die Kirche verfolgt, die ja so zu sagen die Wohnung der religiösen Idee ist. Wir schwärmen weder für die katholische Religion, noch für die katholische Kirche, und noch viel weniger für die cinzel- nen Säulen derselben, für das Papstthum unv das Pfaffcnthum; unsere religiösen Ideen beruhen auf ganz anderen Grundlagen, als auf denen der Autorität. Aber wir stehen auf Seite der Verfolgten, auf Seite der Schwächeren ans Gründen, welche in der heutigen„politi- schen Ueberficht" noch näher angegeben sind. Mit Gensdarmen kann mau, wie wir oben schon sagten, keine große Idee, kann man keine Macht, welche in zwei Jahr- taufenden ihre Wurzeln hat, besiegen: man. kann auch ihre Träger dadurch nicht im Geringsten unschädlich macheu. Eö gicbt nur zwei wirksam: ÜampfeSmittel— entweder die Guillotine oder die volle Volksfreiheit, in politischer und gesellschaftlicher Beziehung. Entweder— oderl Daß wir die Guillotine nicht an» preisen, ist wohl selbstverständlich— wir halten sie nur für Thomas Miiazer. (Fortsetzung.) Au den Andern allen mußte er wohl schmerzlich sehe», wie weaig von Innen heraus für die Freiheit befestigt, wie wenig, daö Amßerste für fie zu wageu, fic vorbereitet waren, und welch ein Waguiß eS war, die Sache der Freiheit auf das Schwert von Leuten zn setzen, Welche die innere Freiheit noch nicht hatten. Td galt jetzt den Versuch, ob eS gelange, diese Masse zu exaltiren, sir außer sich zu setzen, sie hiuzureißeu; ob eS ihm geläuge, ihneu den Much, der ihnen fehlte, eiuzuredru, oder wenigstens Math statt Math; ob eS ihm gelänge, wenigstens für eine Stunde fie aus knechten in Freie rmzuwaodeln, uuS Feigen in Tapfere; uiuthig und tapfer wenigstens auS religiösem Glauben. Er sprach zu ihnen von seiner göttlichen Sendung; fie wisse» ja Alle, daß � die Sache auf GottrS Befehl angefangen; er schalt auf dl- Fürsten, als Tyrann!», als Gottlose, die in lasterhafter Pracht der Innen Schweiß und Blnt verzehren; nrd Gott selbst ver- heiße, er wolle den Armen und den Frommen helfen, und die Tottlose» ausrotten. Weil die Fürsten zu farchtfam feien zum Angriff, suchen fie jetzt Zwietracht unter fie zu säen und fie durch betrügliche Unterhandlungen zu entwaffnen. Gideon, Jonathan und David haben mit wenig AuSerwählteu viele Tanseude ge- schlagen. Zuletzt soll er geschlossen habeu: Lasset Euch nicht er- schrecken dag schwache Fleisch, und greift die Feinde kühulich an. Ihr dürft das Geschütz nicht fürchten, denn ihr sollt sehen, daß alle Büchseufttine, die fit gegen uuS schießen, mit meinem «ermrl auffangen will. Während dem zeigte fich ein schöner Krgenboge» am Himmel, ringS um die Sonne, bei heiterem Blau. Mittagszeit. Sogleich nach Müozer diese Nawrerschei- ein großes Mittel einer großen Macht gegenüber, dessen Wirk- samkcit den Trägern der großen Macht gegenüber wohl außer Frage gestellt ist.— Ob das Mittel übrigens auch gegen die große Idee, welche durch die katholische Kirch: repräseutirt wird, sich als wirksam zeigen würde, ist zweifelhaft.— Doch ist die Möglichkeit nicht ausgenommen, da, wie wir schon sagten, die katholische ReligionSidee alt und verrottet ist, so daß sie nur durch äußere Mittel in dem Volke aufrecht erhalten wird. Zer- stört man daher die Macht, welche diese Äußeren Mittel an- wendet, so könnte doch wohl die alte Idee in sich zusammen- fallen. Hingegen ist der Sieg unzweifelhaft, wenn man der Macht d-r katholischen Kirche, welche die Unfreiheit repräsentirt, daS Volkswohl und die BolkSfreiheit entgegensetzt.— Entfessele man die große, gewaltige Kraft, welche noch gebannt im Volke ruht, und Kirche und Papfithum find im' Nu zerschmettert. Auch gegen die neue Idee deS SocialiSmuS und die Macht, welche derselbe zu eutfakteu anfängt, will mau mit GmSd'arwen ankämpft«; mit so äußerst kleinen Mitteln, wie fie beispielsweise Herr Tesseudorf anwendet, will man die größte, bi, revolutionätste Idee dlr Gegenwart besiegen?!— Mit allerlei Geföngnißfirafen, mit allerlei Polizeiuuannehmlichkeiten, mit aller- lei Scheerereien sollen die Träger dieser Idee mürbe gewacht wer- den.— So will man den Abg. Most beispielsweise durch ihm lästige Buchbinderarbeiten im Gefäogniß zu Plötzensee von feinen socialistischen Ideen„heilen". Lächeln, Achselzucken kann nur unsere Antwort sein! Große, gewaltigt Ideen kann mau nur mit großen Mitteln bekämpfen, wenn man kein Achselzucken oder Lächeln erregen will. Entweder die Guillotine oder— die Verwirklichung der berechtigten neuen Idee— daS sind die einzigen Mittel, ' sm der Erregung in etw-S Herr zu werden, welch» diese Idee schafft. Die Guillotine oder ein allgemeines— Satory würde aber immer nur für kurze Zeit Abhülfe schaffen, denn hier haben wir eS nicht mit eioer verrotteten, sondern mit einer lebendigen, ge- wältigen Idee zu thun, die niemals stirbt mi� dem gewaltsamen Tode ihrer Tröger. Sie wird nicht dnrch äußere Mittel erhal- teu, fie verbreitet fich selbst durch ihre Wahrheit und durch die Nothwendigkeit ihrer Verwirklichung unanfhaltsam von Ort zu Ott, von Land zu Land. Mittel, die möglicherweise die Kirche, daS Papstlhum stürzen können, sie verfangen gegen den SocialiSmuS uicht, und so bleibt denn wohl nichts anders übrig, als durch feine Ver- wirklichung die Erschütterungen, welche jtde neue Idee bringt, zu verhüten oder doch abzuschwächen. Doch an welche Adresse wenden wir unS eigentlich?! Die katholische Kirche wird auS diesem Kampfe als Sie- geria hervorgehen; GeuSd'armen erobern niemals die dreifache Krone; der SocialiSmuS aber wird die Kirche mit der heutigen Gesellschaft besiegen. Die heutige Gesellschaft ist zu feige, um große Kampfes- mittel anzuwendeo, und zu egoistisch, um freiwillig vom Schau- Platz zvrLckzntreten, der für fie keine Ehre, sondern nur Achsel- zucken und Lächeln dringt. DaS Volk selbst muß für das VolkSthnm kämpfen; die Arbeitermassen müssen daS Arbeitrrelcnd aus der Welt schaffen; die wahre Volksbildung und die BolkSfreiheit werden die beideu großen Erdeozötzen, das Papsttham und daS goldene Kalb, stürzen. uung als ein besonderes Gnadenzeichrn, als ein Wunder zu Hülfe; eS lag um so näher, eS für fich zu deuten, da er einen Regen- bogen in seiner Fahne führte. Ihr sehet, sprach er, daß Gott auf unserer Seite ist; denn er giebt unS ein Zeichen am Himmel. Sehet den Rcgeubozen da droben; er bedeutet, daß Gott uuS, die wir de» Regenbogekl da droben im Banner führen, helfe» will, und droht den mörderische» Fürsten Gericht und Strafe. Er will nicht, daß ihr Frieden mit den Gottlosen machen sollt. Fechtet uoerschrocken und tröstet Euch göttlicher Hülfe. DaS wirkte auf die Entzündbaren; die, welche verzagt blic- bell und gerne weit weg gewesen wären, durften sich nichts mer- ken lassen; Münzer'S Anhang war jetzt der mächtigere. In wilder Begeisterung erklärten fie seine Meinung für die rechte, sie auszuführen für nothwendig, und ganz ohne alle Berührung ließ die Andern das, was sie für ein Wonderzeichen hielten, doch auch nicht; sahen fie doch den Regeobogeu vor Augen. So stimmten fie bei, den Fürsten sich uicht zu ergeben. Als Münzer fragte, weS fie nun thun wollten, ob fie fich bedacht haben, ihn den Fürsten zu überautworteu oder nicht, schrieen fie Alle: Nein, nein; todt oder lebendig wollen wir hie bei einander bleiben. Die Müazerischeu riefen laut: Frisch dran und nur drein ge- schlagen und gestochen, und der Bluthnode nicht geschont! Der gemeine Hanfe stimmte die feierliche Melodie an: Komm, heiliger Geist, Herre Gott. Sie wollten fich zur Schlacht weihen; noch war der vierte Theil der Bedenkfrist uicht vorüber; da plötzlich, während fie fich„in gutem Stillstand und Frieden" wähnten, während deS Gesanges, schmetterten alle Geschütze der Fürsten w fie, und ihre zerrissenen Glieder flogen umher:„Die Fürsten hielten nicht Glanbeu." Während der Unterhandlung hatten die Fürsten de» Berg Das„heilige" Eigeuthum. VII. Wir ha.'tcn den vorigen Arsikel damit geschl-ffto, daß wir für den inneren Verkehr eines focialistisch organifirten Gemeinwesens ei» auf Arbeit beglündeteS Papiergeld, statt deS Me- tallgeldeS, als jtteflWenKch aufführten. Wir wollen diese Wir- kaug hier uoch etwaS näher beleuchten. Dieselbe erstreckt sich uämlich ans alle Berhä�oisse der Gesellschaft, auf die Privat- ausgaben deS Einzelnen sowohl wie auf die Aufrechterhaltung deS Staatswesens durch Steuerzahlung. Fragen wir uns, wie tu eioer socialistischen Gesellschaft pro- duzirt werden muß, so ist die Antwort, daß dieS nur plan- mäßig, nicht aber ans Spekulationen hin, wie hent zu Tage, geschehen darf, daß also die Oberleitung der Produktion durch eine vom Volke gewählte Gewerbebehörde erfolgen mpß, welche Letztere selbstverständlich auS Sachverständigen zn bestehen hat. Diese höchste Behörde hat zuerst festzustellen, was produzirt werden muß und in welcher Ausdehnung die Produktiousinstrn- mente und Arbeitskräfte für die verschiedenen nothwendigen Aroci- ten zur Verfügung stehen müsse». Eine solche Berechnung scheint auf den ersten Blick geradezu uumöglich, ist aber gleichwohl mchtS audereS, als eine nur etwas ausgedehntere Thätigkeit als die der heutigeu statistischen Ämter. Die Zusammeustellnuz der zum Ledeu der Nation erforderlichen Gütermengen— vor Allem Brod, Fleisch, Wohnungen u. s. w.— ergiebt uämlich immer ziemlich konstante DurchschnittSmcngen, so daß leicht von früheren Jahren auf die folgenöeu zu schließen ist. Außerdem ist cS aber in eiaem socialistischen Gemeinwesen viel leichter möglich, als bei dem heutigen Berkehr, durch großartige VorauSbestelluug seitens der ja schon zu ProduktionSzweckeu vereinten Bevölkerung, der er- wähnten Gewerbebehörde Mittel au die Hand zugeben, denBcr- brauch von Gütern im Voraus zu berechnen. Noch einfache? aber ist eS, die Frage zu beantworten, ob— und ökonomisch zu reden—„Produktionsinstrumente" um zu schaffen find— mit ander» Motten, ob und welch: Eisenbahnen und Fabrikan- lagen gebaut, Kanäle gegraben, Wald- und Feldkaltur betrieben, oder Bergwerke angelegt werden sollen; diese Art Fragen, welche ja stets nur im großen Ganzen erledigt werben können, wirden selbst in den heutigen Staaten nicht selten durch die gesetzzebeu- den Kö.perschafteu, also nicht eiuwal von Fachkundigen entschieden. Somit ist die Frage, wie viel Arbeitsleistung für Ackerbau und Gewerbe für eine bestimmte Zeit— für ein Jahr, oder auch für einen Monat— erforderlich ist, sehr wohl von einer fachkundigen Behörde im VoranS zu bestimmen. Die zweite Frage, welche an die Gewerbebehörde herantritt, ist alsdann: diese Arbeit auf die einzelnen Produktivassozia- tionen zu vertheilen, und es maß hierbei selbstverständlich daS allgemeine Wahlrecht, aaS welchem die Behörde hervor- zugchen hat, die Bürgschaft für die Gerechtigkeit ihrer Be- schlüsse sein. Diese Berthriluug hat in der Weise stattzufinden, daß jeder einzelaen Produktivassoziation eine ArbeitSmenge zsge- wiesen wird, welche in der vorgeschriebenen Zeit, nuter Einhal- tung deS gesetzlich festgesetzten NormalarbeitStageS, leisten kann; als Gegenleistung für diese Arbeit, erhält bei Ablieferung des fertigen Produkts die betreffende Produktivassoziation ihren Arbeitsertrag tu jenem ArbeitSP apiergelde aaSgezahlt, dessen einzelne Scheine den Wetth eines NormalarbeitStageS dar» stellen. Ein Bnfpiel möge dieS lehren: Ja einer Gebirgsgegend leben z. B. 8000 Bergleute, 20(K) Waldarbeiter, 4000 Hüttenarbeiter, 500 Handwerker, welche die direkten LebeoSbebürfuisse der Bevölkerung besorgen, 100 Beamte und 400 mit dem TranS- Port beschäftigte Arbeiter, im Ganzen also 15,000 selbstständige ganz umzogen; Landgraf Philipp ritt vor seinem Volk herum und ermahnte cS zur Tapferkeit, sobald er sah, daß„der Graf Stol- berg und die anderen Edeln außer der Gewalt der Bauern waren." Sie rüsten sich zur Schlacht, sprach er, sie zwingen uns zur Nothwehr; greift fie ritterlich an, der Teufel hat fie geblendet. Sie klagen wider die Obrigkeit, aber fie verschweigen unsere Sorge und Mühe, gegen welche ihre Abgaben und Lasten gering find. Für ihre Abgaben erhalten sie Sdutz, ihnen ist der meiste Natzeu. Darum, da fie keine billige Ursache haben, Gott und ihre Obrigkeit lästern, sollt ihr fie getrost angreisen. Daran thut ihr GotteS Willen. Hinein in GotleS Namen! Und ohne fich mn den Stillstand zu kümmern, rückce die ganze Schlachtordnung plötzlich an die Wagenburg, und das Ge- schütz ging mit solchem Donnern unter die Bauern loS, daß viele davon niederstürzten, die anderen vor Beflürzurig nicht wußten, ob sie fechten oder laufen sollten. Viele sahen hinauf, ob Gott ihnen eine übernatürliche Hülfe vom Himmel zuschicke» werde. Aber ehe die Engellegioven nie» erstiegen, war die Wagenburg durchbrach«!„und fie wurden erschossen, erstochsn, ganz jämmer- lich ermordet." Münzer, der unter seinem Prophetenmantel ein Koller vom dichtesten Büffelleder trug, aber kein ZiSka war, ver- mochte die jetzt allgemein werdende Flucht der Seinen nicht zu hemmen; sein« acht Geschütze wurden genommen, ein Theil des Haufens entrann aus feinem Vortheil vor den fürstlichen Reifigev nach Frankenhanfen, die anderen eilten auf der jeuseitizen Seite den Bneg hinab und nach den nahen. WaldeShöhen. Nor ein kleiner Haufe setzte fich in eine? SteinNnft auf einem Hügel im Thal, und wehrte fich wild und tapfer gegen die ansprengend�v Reisigen, brachte Wunden, und Tod unter sie, biß»» � Ueb erzähl überwältigt wprde. Uvt-rwegS Eitzte sich auch der Arieitn, waS«ivir Bevölkerung vou circa 50,000 Seelen ent» . spricht. Die Arbeitsprodukte dieser Gegend wöge» iu Eisen und Stahl bestehen, deren Erze von den Bergleuten gefördert und von den Hüttenarbeitern mittelst gleichfalls dort geforderter Kohlen ver« ] hllttet werden, und in Holz, welches die Holzarbeiter fällen. Die Behörde des focialistischeu Gemeinwesens wird dann au Arbeit für einen Monat, in dem z. B. 25 ArbeieStage und 5 Feier- ' tage find, eine ArbeitSleistang verlangen, welche inSgesamwt 375,000 Arbeitstagen gleichkommt. Dabei habeu z. B. die Berg- � lente einen 8stündigcn, die Hüttenarbeiter einen 9stündigen, die Waldarbeiter und Handwerker einen Ivstündigen NormalarbeitS- tag und die Beamten gleich den mit dem Transport beschäftigten Fuhrleuten eiue ungeregelte Arbeitszeit, fo kommt dies nicht { weiter in Betracht, weil die Gesetzgebung in diesemFall eben annimmt, : daß die Arbeit im Bergwerke iu 8 Standen ebenso anstrengt, wie . HandwerkSarbeit iu 10 Stauden v. f. w. Die gesammte Berg- mannSassoziation erhielte demzufolge monatlich für 200,000 Ar- deitStage Papiergeld, die Hüttenarbeiter für 100.000, die Wald- arbeit« für 50,000 Arbeitstage n. f. w. Sodann würde die Gewerbebehörde— vorausgesetzt, daß Bergleute und Hütteu- arbeit« ihr Werk selbst iu Stand halten— dann das gefertigte Eisen für einen Werth vou 300,000 ArbeitStagStagen und das geschlagene Holz für einen Werth vou 50,000 Arbeitstagen über- nehmen; ähnlich würde diesrlh« die Arbeit der Beamte» und trcnSporlirenden Fuhrleute, denselben honoriren und zu dem Pro- doktionSwerth schlagen. Die Arbeitsleistung der 500 Handwerker, gleich 12,500 ArbeitSt.:gio, welche der Bevölkerung— also den Koosamentcu— direkt geleistet wird, aber würde vou den Letzte- ren auch direkt mr die Assoziation der Handwerker mittelst jeneS PaplrrgeldtS bezahlt werden, oder eS würde jene Assoziation ein für alle mal für ein Pauschqaautam, gleich 12,500 Arbeitstagen Papiergeld, die Ausführung aller in ihr Fach schlagenden Arbei- ten iu der ganzen Gegend unter der Kovtrsle d« Gemeinden übernehmen. Die Produktivassoziationen der einzel»« GewerbSzweige habeu iu ähnlicher Weife Arbeit und Verdienst, also daS empfaugene Papiergeld, unter ihre engeren Mitglieder zu vertheilen, wuS, leicht verständlich, u'cht schwieriger ist, als die heutigen B'rechallngen der Arbeitslöhne. ES kommt schließlich die dritte Funktion der obersten Ge- werbehöcden in Betracht, nämlich die Regelung deS Verkehrs. Sie übernimmt also von den gro'en Produktivassoziationen die Produkte gegen Auszahlung des Arbeitsgeldes; sind es Rohpro- dukte, so werden dieselben zur Weiterverarbeitung anderen Assoziationen zugewiesen, daS au letztere gezahlte ArbeitSpapicrgeld, sowie die Transpoctknsten, w rden darauf zum Rohproduktenwerth zugeschlagen, und sofort, bis endlich das fertige Gut in's Ma- gazi» des Staates abgeliefert wird, uachd em alle auf dasselbe verwendete Arbeit durch ArbntSpapiergeld bezahlt ist. Hierauf wird durch die Gewcrkchörde noch der in Folge von Unfällen verloren gegangene Werth zerstörter Güter und vergeblicher Arbeit, sowie der zur Neuschaffung von Fabri- kationSanlägen u. f. w. erforderliche Werth als Prozentsätze auf die gesammte Gütermenge, welche das Volk hergestellt hat, aufgeschlagen, und eS bekommt diese hierdurch genau den Werth, welcher an Arbcitspapiergeld an daS gesammte arbeitende Volk ausgezahlt worden ist. x ES könnte scheinen, als seien die Beamten, Acrzte, Lehrer, Künstler und sonstigen Personen, welche, ohne Güter zu produziren, arbeiten, nicht berücksichtigt, um so mehr, da in e nem sozialisti- schen Gemeinwesen Rechtspflege, Heilanstalt, ErzichungSwefen, Kunst und Wissenschaft dem Volke unentgeltlich sein müssen— doch est dicS gleichwohl geschehen, denn hierzu reicht eine Ein- kommensteuer der gesammten Bevölkerung aus, so daß jene für Zwecke deS Gemeinwohls Arbeitenden vom Staate direkt auö dem Steuersäckel bezahlt werden. Es ist somit die gesammte Gütermenge, welche nach den obigen Ausführungen in den StaatSmagazin-n lagert, für das im Volke koursirende ArbeitSpapicrgeld käuflich. Beide Werthe sind gleich groß. Es kann also ein Jeder nach Bedürfniß und AuSwabl, sowie auf eigene Bestellung, auS Liesen Maga- zinen Konsumartikcl entnehmen, und die Persönliche Freiheit ist nach jeder Beziehung sicher gestellt, während ein Jeder genau so viel Werth- verbrauchen kann, als seiner eigen, n Ar- bcitsleistung entspricht. Hierin liegt die absolute sociale Gerechtigkeit. Ein socialistisches Privatcigenthum, wie wir eS hier finden, direkt aus der Arbeit hervorgehend, und zum Ersatz der körper- liche» und geistigen Kräfte gebraucht, ist wirklich heilig. Denn ■ es repräseutirt die eigene Arbeit, das heißt, einen unzertrennlichen Theil des Menschen selbst. Um Mißverständnisse zu vermeiden, wollen wir übrigens noch kurz darauf hinweisen, daß, wenn somit auch der Arbeits- Haupthaufe der Flüchtigen dann und wann zur Wehre; ab« der von dem Laudzrafeu voranSgefandte verlorene Haufen kam mit den Bauern iu die Stadt Frankenhanfen hinein, und noch fürch. terlich« war das Gemetz-l in der Stadt; Alles, waS den Rei. figen aufstieß, wurde niedergehauen; in und um Frankcnhausen ! war nichts als Jammer und Blutoergießen; selbst in den Kirchen i und Klöstern und in den Häusern wurde gewürgt und geplündert; der durch die Stadt fließende Bach wälzte sich als Blutbcch fort. Fünftansend Bauern waren auf dem Felde nnd iu der Stadt erschlagen, und die Fürsten, deS Bluteg noch nicht satt, ließen . noch 300 Gefangene, ohne Untersuchung der Schuld oder Un- schuld, unter da» RathhauS führen, um sie zu enthaupten. Dar- unter war ein alt« Priester mit seinem Kaplau. Als die Frau- kenhäaserinven herzuliefen, um ihre gefaugmen Mauuer laSzubit- j ten, sagte ihnen ein Relstger Begnadigung zu, wenn fie diese Pfaffen erschlügen. Und fie schlugen sie mit Knütteln todt. Als der Reifige von den Fürsten zur Strafe gezogen werden sollte, , verrieth ihn Niemand. Die 300 Gefangenen wurden hiuge- richtet, so weit sie nicht durch ihre Frauen«beten wurden. DeS ? andern TogeS worden auch Etliche, dir in Aemteru gestanden - hatten, hingerichtet, und die in der Stadt Erschlagenen ans Wa- gen hinausgeführt und mit den im Felde Gefallenen begraben. Viele Flüchtige rettet-n fich iu daS Gebirge, einzelne nach Gotha, Eisenach und iu die erfurtischen Dörfer. Auf Münz«'S Kopf setzten die Fürsten einen Preis. Auch Müuz« hatte nuter den Fliehenden Frankenhanseu er- reicht, und da die feindlichen Reiter hart au ihm Ware», fich in , eineS der nächsten Hans« am Nordhäus« Thore geworfen, war r auf den obere» Boden gegaugev, hatte fich entkleidet und mit <| verbundenem Haupt in ein Bett gelegt, um seine» Feinde» uu- kenntlich zu sein. Iu dasselbe HaaS quartiert, fich nach der ertrag das Privateigeuthum des Einzelnen geworden ist, dar. aus durchaus noch nicht h«vorgeht, daß derselbe nun als Ein- zelner zn konsumiren und zu wirthschaften hat. Vielmehr wird hier die freie Assoziation und die mgere Gemeindeassoziation ge- rade den Genuß weit angenehmer und größer machen. Bei- spielSweise muß eS das häusliche Leben im höchsten Grade genuß- reicher machen, wenn die engere Gemeinde eine Assoziation darstellt und das Wohnungswesen, die Lustbarkeiten, die Verschönerungen auf gemeinsame Kosten in'S Werk setzt, desgleichen, wenn das Familienleben fich durch FrenndschaftSbund in solcher Weise ausgedehnt, daß die Kindererziehung und Pflege, daS ganze häusliche Leben in größerem Umfange, gleichsam in ein« großen Familie, sich vollziehen. ES ist dics eine im Bortheil aller Betheiligten liegende Frage, die also ihre Lösung von selbst in dem Augenblicke finden muß, wo Neid und Egoismus, die tückischen Kind« der heutigen Gesellschaft, ver- schwinden. Ja, Ihr Bourgeois, Ihr mögt sagen, was Ihr wollt. So unlauter Eure jetzigen Eigenthumsverhältnisse sind, so heilig ist daS ArbeitSeigcnthum der Communisten. Politische Uebcrftcht. Berlin, 1. Februar. * Der Empfang Garibaldi'S in der römische» De- putirtenkammer am 26. Januar hat den lebhaften Charakter an fich getragen, der jenseits der Alpen zu Hause ist. Als der General iu das HauS eingetreten war, erhob fich die gesammte Linke und begrüßte ihn während einig« Miauten mit Bravo- rufen. NlS die Ruhe wieder hergestellt war, forderte ihn der Präsident auf, den üblichen Eid zn leisten. Garibaldi stand auf uvd sprach de Eidesformel ohne Zögern und mit klarer Stimme. Uumittelbar darauf begrüßte das ganze HauS, Rechte und Linke, diese Handlung mit einer dreifachen VeifallSsalve. Die Sitzung dauerte dann ohne anderen Zwischenfall fort. Als der General das HauS verließ, versammelten stch die Deputirteu der Liukeu außerhalb deS HauseS und bewillkommueten denselben nochmals. Es wird behauptet, so telegraphirt man der„Times", der Ge- neral beabfichtigc, einige Zeit iu Rom zn bleiben; die italienische Regierung sehe mit einiger Bcsorgniß dieser Eoentualität cnt- gegen. Weiter wird behauptet, der General habe Caprera ver- lassen, weil er sich dort zu einsam fühlte uvd dauu, weil er iu Rom sein wollte in dem Augrublicke, wo d« Papst sterbe, um die italienische Regierung zu hiuderu, dem Nachfolger Pia Nono'S irgend eiue uachtheilige Konzession zu machen. ES ist allerdings nicht undenkbar, daß gerade die Hal- taug der italievischeu Regierung iu kirchlichen Augelegenhette» Garibaldi zu seioem auffälligen Erscheinen in Rom veranlaßt hat. Die„Germania" ärgert stch natürlich, wie alle Klerikalen und Ultramontaaen, über den ausgezeichneten Empfang, den Garibaldi erhallen hat. Sie läßt sich deshalb auch einen lügenhaften Bericht caS Rom schreiben, d« außerdem vou Schmähungen all« Art wimmelt.— 1 So lange der„Kulturkampf" in Deutschland währt, haben nvir jeden Angriff auf die Klerikeleu vermieden, die uns doch iu jeder Beziehung eutgezenstehe». Wir thateu es nicht, weil wir einen solchen Kulturkampf, wie ihn Devtschland gegen Rom jetzt führt, verdammen, und auch deshalb, weil wir, wenn zwei uuserer Gegner sich bekämpfen, lieber den Schwächereu unter- stützen, als den Stärkeren: wir habeu ein Interesse an sol» chen gegenseitigen Zerfleischungen unserer Feinde. Je länger der Kampf dau«t, desto bisser für uns.— Aber, wenn die„G«mania" einen der Unsrigen, und zwar einen der edelstiu Wännn d-S Jahrhunderts, schamlos angreift, wenn fie eine der großartigsten VolkSbeweguugeo, wie die gegenwärtige in Rom, verhöhnt, dann hat fie wahrlich keinen Anspruch mehr ans Schonung, dann sagen wir offen: Wir hassen die ultra- montanen Heuchler, die im eigenen Laude anS egoistischer Opposition Freiheit fordern, in den anderen Ländern aber die Knechtschaft verlangen! Die Haltaug der„Germania" in Bezug auf Frankreich und Spanien ist ja bekanntlich ultra-reaktiouär, da sie für den Grafen Chambord und für Don Carlos Partei nimmt; ebenso zeigt sich ihre niedere Gefinnang dem Volke und der Freiheit gegenüber durch die oben erwähnte Korrespondenz, die wir nunmehr hier folgen lassen: „Rom, 24. Januar. Ja dem Augenblick-, iu welchem ich Ihnen schreibe, durchziehen lärmende Haufen(I) alle Straßen der Stadt und üngeu die Gartbaldihyum-, der sie zur Ab« wechseluug TodeSdrohuugen gegen den Papst, die Geistlichkeit und die Klerikalen hinzufügen. Der„H-ld der beiden Welten" ist nämlich gegen 3 Uhr Nachmittags hier Plünderung der Stadt ei» Lüneburger Edelmann, Otto von Ebbe, ein, und des Ritt«S Knecht besichtigte fich die neue Hnberge nud kam auch auf den Bode«. Auf dessen Frage, wer er fei? stellte sich Münzer sehr schwach und sagte: er sei ein kranker Mann und liege seit lange da am Fieber. Der Reisige, der ihn nicht kannte und nach einem Beutestück umh«spähte, entdeckte Müazer'S Tasche, durchsuchte sie und fand darin die Briefe, die der Graf Albrech: von MauSfeld an die Bauern geschrieben hatte. Da- durch war er verrathea. Otto von Ebbe führte iha zu den Für- steu. Diese empfivgeu ihn mit der Frage, warum er daS arme Bolk verführt und in ein solches Blutbad gestürzt habe? Er aber hatte sich bereits wieder gefaßt, und der Geist, der ihn feit frühest« Jugend emporgetrageo hatte, der eS ihn wagen hieß, Menschen zn opfern, um die Menschheit zu retten, fie zn opfern einem nach st in« Anficht edelsten Zwecke, während« die Fürsten fie ihrem Eigennutz, Launeu und Lüsten opfern sah— dies« Geist kam jetzt üb« ihn und hielt ihn aufrecht. Er sprach, er habe recht getha», daß« die Fürsten zu strafen, ein Solches angefaugeu habe, wieil fie d« Freiheit so heftig znwid« seien und wider die christliche Freiheit so nubarm- herzig Handel»; man müsse den Fürsten Zaum und Gebiß an- legen. Wären darüber die Bauern geschlagea, dafür könne er nicht. Der einuudzwanzigjährige Landgraf wollte dem Reforma- tor, disseo Stimme Hunderttausende gelauscht hatten, iu luth«i- scher Weise die Bibel üb« Aufruhr und Obrigkeit auslegen. DaS schien dem ThomaS Münz« wirklich zu viel and gar zu unpaffeud, er würdigte ihn keiner Antwort mehr. Dn junge Landgraf ab« schmeichelte fich, den Reformator niederdiSputirt zu haben; so sehr mlßkauute« dieses Schweigen stolzen Selbstbe- wußtseiuS. Die Fürsten ließen ihn auf die Folter spannen und weideten fich«m seinen Qualen, die ihm eiue» SchmnzinSrof < eingetroffen und am Bahnhofe von dem eben erst geai-unteu Bür- germeist«, den rothen ParlamentSabgeordneteu, de» Itu- deuten der Umversttät und dm demokratischen Arbeiter- und Hand- werkcrvereinen mit fliegenden Fahnen und klingeudem Spiel empfangen worden. Di- Landung iu Civitavccchia, durch stürmt- scheS Wetter verspätet, ist erst um 1 Uhr nach Mitternacht«- folgt. Die ganze Stadt war schon den Tag über festlich beflaggt und nach eingebrochm« Dunkelheit auch noch illuminirt worden, und die am Landungsplatz versammelte Menge hatte fich mit Pechfackcln versehen. Um Garibaldi das Aussteigen zu«leichtern, war mittels eines zum schwimmenden Salon hergerichteten und reich dekorirtea FlosseS die Verbindung zwischen dem Dampfboot nud der LandungSbrücke hergestellt worden. DaS städtische Mnstk- korpS spielte die Garibaldihymae und die Feuerwehr bildete Spalier nud stellte die Ehrenwache an dem Hanse, wo der Ge« feierte sein Nachtquartier nahm. Am hiestgen Bahnhof bestieg Garibaldi den für ihn b-reit stehendm Galawagm des Muaici« piamS; aber ehe der Kutscher die Pferde in Bewegung setzen konnte, hatte die fanatische Menge die Thi«e schon ausge- spannt und zog nun selbst unter dem beläubendsteu Rasen und Schreien daS Fuhrwerk weit«. Auf dem ziemlich langeu Wege nach der Wohnung Menotti'S wuchs das Gedränge imm« mehr an, so daß der Wagen zuletzt gar nicht mehr voran konnte uud Garibaldi sich geuöthigt sah, im Hotel Coustauzi eine Zuflucht vor der übergroßen Zärtlichkeit seiner Bewunderer zu suchen. Uatndessen war der römische Magistrat in corporo nach der Wohnung Menotti'S gefahren, um ebenfalls seine Hul- dignnz darzubringen, aber erst nach langem vergeblichen Harren kam endlich ein Bote mit der Meldung, der General sei im Gast- hose abgestiegen. Die H«rm Stadtväter eilten nun oorthin, um ihre Rolle zu spielen. Soeben sagt man mir, Garibaldi sei bei dn Dämmerung in einem geschlossenen Wagen nach der Bchausnng seines SohneS gefahriu, nachdem er im � Laufe deS Nachmittags zwei, oder dreimal vom Balkon deS Gasthofes zum Volke gesprochen. Weder in Ctvitavccchia, wohin ein Bataillon zur Verstärkung der Garnison von Livorno anS gesandt worden war, noch hier hat daS Militär sich sehen lassen; sämmtliche Truppen waren in ihren Quartieren kovstguirt. Garibaldi steht hinfällig und leidend anS und schleppt fich mühsam an seiner Krücke fort, so daß er und Jeder, der ihn steht, jeden Augenblick daran erinurrt wird, daß die Kugel eineS piemontestschen B«- sagliere dem Borkämpfer der Einheit Italiens den Fuß zrrschmet- tert hat. Seine abenteuerliche Tracht gicbt ihm daß Ansehen eineS Marktschreier?: ein rothes Flanellhemd, ein weißer Ueberwurf, ein rothsetdeneS Halstuch uud eine goldgestickte hell- blaue HauSmütze bilden daS Kostüm des Abgotts d« Republikauer. — Nachträglich noch ein klein« Zwischenfall, der fich hier am Bahnhof zugetragen hat. Beim Aussteigen Garibaldi'S näh«te fich ihm ein Franzose uud sprach mit emphatischen Worten seinen Dank auS für den Beistand, den der General Frankreich in dem Kriege gegen Deutschland geleistet habe. Diese Scene veranlaßte ein virfiärkteS BeifallSzeschrei von Seiten der Umstehenden." Berlin, 2. Februar. Im Lande der Soldateu uud Kasernen, in Preußen, ist eS nicht gut um daS Schulwesen bestellt. So schreibt man auS dem Regierungsbezirk Arnsberg:„An vaeactui Lehrerstellen herrscht in den letzten Wochen auch tu nuserm Bezirke kein Mangel; au� find eS meistens solche, die baldigst besetzt»«den sollen. So z. B. an evangelischen Schulen: zn Oespel die 2. und 3. Leh- rerstelle mit 1350, resp. 1200 M. Gehalt bei freier Wohnung; zn Hörde eine Rektorstelle mit 2250 M. l>iS 3150 M. und 2 Lehrerstellen, vou 1050 und 1200 bis 2100 M. steigend; zu Liodenberg 1 St. mit 1050 M., Familienwohnung, Garten uud Eutschädtgung für Heizung; zu Attendorn und Bremke je eine Stelle mit 900 M. und frei« Wohnung nebst Aussicht auf Erhöhung, zu Oelde eine zweite Lrhrerstelle mit 1100 M. nebst Brandentschädigung»c. Eine Lehrerstelle ist an der evangel. Schule zu H«decke zn besetzen. Gehalt 900 M. big 1200 M. stelzend; in Calle und Lippstadt je eine solche mit 645, resp. 750 M. uud frei« Wohnnuz. An der kalhol. Volksschule zu HaSpe find zwei Lehrerstellen vacaut, Gehalt 1350 M. nebst Eut- schädizung für Brand in Dorlar eine Stell» mit 800 M. und freier Wohnung. Ferner ist an der kath. Schule zu Eicke- loh eine Stelle zu besetzen mit 900 M. nebst Wohnung uud Brenvbedarf, so wie zu Welp« bei Hattingen eiue solche mir 1200 M. Gehalt urd höh« bis 1950, je nach Dleustalter, und frei« Wohnung oder MiethSentschädigung.— Au d« zweiklasst- gen evang. Volksschule zu Langeloh bei Dortmund wurde eine neue Stelle gegründet, Gehalt 1350—1800 M. nebst freier Woh. uuog oder 150 M. MiethSentschädiquvg. Wir haben der bayerischen Regierung in Bezug auf den zu achtmonatlich« Strafe verurtheilreo Landtags- Abgeordneten entrissen. Ja, Thomas, sagte Herzog Georg, thut dir diese» wehe, so bedenk auch, daß eS den armen Leoteu nicht wohl gethan hat, die heute deinetwegen niedergemacht worden find. Da man ihn inzwischen fort folterte, nahm unter den Schmerzen, wie so oft, des Gefolterten Geficht und Ton das Aussehen des Lachens an. Ho, stieß« heran?, fie haben e? nicht ander? habeu wollen. Kein Bekenutuiß von Werth vermochten fie ihm durch diese Fol- t« zu entreißen. Die Hinrichtung des EdelstiairnS, sagte«, sei geschehen nach Kriegsrecht und Urtheil der ganzen Gemeinde. Die Fürsten ließen ihn auf einen Wagen schmieden und schickten ihn dem grausamen Grafen Erast vou ManSfelo zu einem Beut- pfeuuig, a» den er kurz zuvor geschrieben: Ich fahre daher. War er zuvor„übel gemartert worden", so wurde jetzt im Thurm zu Heldrungeu nach einigen Tagen„gräulich mit ihm umgegangen", so daß er in der Wusdfieberhitze nach den Martern der Folter zwölf Kannen Wasser getrunken habeu soll. Herzog Georg und einige Graft» sahen fem« Marter zn; fie entrissen ihm Bekennt- uisse, doch nur karge, kaum einen abgerissenen Theil seines Wer- keS und seiner Verbindungen; er nannte Namen seiner BuudeS- genossen zu Altstedt, MauSfeld, Mühlbansen, AscherSleben, Wim- melbnrg, Wolferode und an anderen Orten; wie e« scheint, Ge- fallen«: denn keiner dies« Namen erscheint unter den Enthanp- tetm. Im Thurm zu Heldrungeu, tief not« der Erde, schrieb er an die iu Mühlhausen und ermahnte fie, der Fürsten Gnade für ihre Stadt nachzusuchen. DaS Unglück, daS ihre Sache- getroffen habe, sei Folge der Eigennützigkeit, welche Viele darin bewirseu haben. Nachdem tS nun Gott also gefallen, daß er von hinnen scheiden müsse, gleichsam als Opfer für die Thorheiteu uud Süu- den Ander«, sei er eS herzlich zufrieden, daß Gott eS also verfügt habe: GotteS Werke müssen nicht»ach dem änßnlichen An- Mahr sehr Unrecht gethan mit aaftrm Lobe. Die bayerische Regierunz ist demnach um nichts besser, als die sächsische und Preußische— sie wacht sich euch nicht zu viel Sorgen um die Herren.BoltSvertreter" und deren Ausefeuheit in den be- tressiuden Körperschaften. Der Abg. Mahr schreibt nämlich au den„NÜrnb. CorreSP." Folgendes:„Mit Bezugnahme auf ihre Mittheilungen bemerke ich, daß mein Gesuch, die mir vom Schwur- zerichtShof zu München zuerkannt; achtmonatliche Gefäasuißstrafe wegen Beleidigung der Herren Dr. Pachmayr und Deauerlein im BezirkSgerichtSgefänguisse au der Badstcaße zu München er- stehen zu dürfen, vom königl. Jastizmillisterium abschlägig begat« achtet, deshalb verworfen und mir heute durch den hiesigen Ge- richtSvollzieher der Befehl deS k. Bezirksgerichts München l. d. I. zugekommen ist, mich binnen acht Tagen bei Vermeidung zwangsweiser Lieferung im Zellenzcfänguiß zu N2:n- berg zu stellen. Ebermannstadt, 26. Jan. F. I. Mahr.� U-ber die„berühmte" Rede d-S preußischell Finanzministtls schreibt die„KönigSberger Harwng'schr Zeitung" recht treffend: „Einen bedeutungsvollen Beitrag zu deu socialen Berhältaissen iiefert die Erklärung des Fiuanzmiuisters ia dem Hasse der Ab- geordneten vom 19. Januar, daß 6,034,263 Personen von der Klaffensteuer befreit werden mußten, weil ihr JahreSeinkommeu den Betrag von 140 Thalern nicht erreicht, und 223,243 Per- sonen ebenfalls die Klaffensteuer erlassen werden mußte, weil sie zwar ein Einkommen von 240 Thlr. beziehen, aber nicht lcistuugs- fähig find. Diese Mithhitlaug rief andauernde und große Be- wegung hervor, welches' aber nur beweist, wie die Kenntniß der socialen Verhältnisse nur wenig verbreitet, selbst unter den Ab- geordneten, ist. Diese mitgetheilten Zahlen wiegen um so schwe- rer, wenn mau weiß, daß in Preußen in runder Snmme nur .8,900,000 Personell für ihr Einkommen selbstständig sorgen, also zur Steuer b erangezogen werden könnten. Unser Mitbürger Adolph Samter hielt in der phystkalisch-ökonomischeu Gesellschaft te Jahre 1873 einen Vortrag über das Einkommen der Be- völkerung in Preußen, in welchem er zu dem Resultat kam, daß von dm damals steuerpflichtigen Personen 7,251,927(81,48 pCt.) in� dürftigen Verhältnissen leben. Dieses Resultat mag damals «vglicherweise angezweifelt fein; jetzt findet eS seine volle Be- stätignug, denn daß, nachdem bei 6,200,000 Personen von jeder Steuer hat abgesehen«erden müssen, unter den jetzigen Steuer- zahlern noch 1,000,000 übrig bleiben, die in nur dürftigen Ber- hältnissen leben, wird wohl Niemand in Zweifel sein."— Nao wird doch daS Geschrei der liberalen Schwätzer von der Gefin- nunz der Herren Schulze, Danckcr, Hirsch, verstammm, daß die »Rotbrn" nach Lassalle daS Elend gar zn übertrieben darstellten. Wir habe» immer gesagt, daß ca. 90 pCt. der Bevölkerung in bürftigen Berhältrnssm lebe—(allgemeines Wnthgegrnnze der Liberalen) und nun wird hier bewiesen, daß 81l/z pCt. der Btvolkernng wirklich in allerdürftigstcr Lage sind.— Weshalb schimpfm die Liberalen jetzt nicht auf Herrn Camphansen, der die Laffalle'schen Angaben bestätigt? Die Reblaus wendet sich jetzt schon mit ihren Krallen ge« gen das deutsche Reich. Durch die Zeitungen läuft folgende Notiz:„Der Beruer BundeSrath hat die Eiufuh'r vou Wurzel- rebeu und R-bholz auS Nheiupreußen nach der Schweiz ver- boten. Diese Vorsicht ist denn doch wohl etwas übertrieben. Bekanntlich ist die RiblanS nur an amerikanischen Reben in der Annilbkrger Baumschule bei Bonn entdeckt wordm; in den rhei- uischm Weinberg:n ist sie bisher noch nirgendwo konstatirt.— BaS ReichStvgSgerede hat also schon Früchte getragen. Ueber die Roth in Wie» schreibt ein dortiger Korrespondent der„Berliner Presse" unter dem 26. Januar:„Die Trauer für den stlig abgegangenen hesfischeu Karsürstm Dietrich ist zu �nde. Der Hof tanzt wieder! Zu dem nächsten Hofballe find Zahlreiche Einl-dimxm erfolgt; er wird außergewöhnlich glänzend werden; sogar die Hcmdärmeldemokratm der äußersten Linken deS NeichsratheS werden im Frack und in weißer Binde vertreten fein. 3* armseliger der Fasching sonst ausfällt, desto pompöser wird er bei Hofe gefeiert. Die Caruevallokale, die ia anderes Jahren überfüllt warm, stehen leer; die Clitebälle werden nicht einmal von den unvermeidlichen Excellenzen und Mmistern besucht; mit wenigen Worten: Wien hungert! Die kleinere» Gewcrbetrei- bmdtn wendm sich an den Statthalter und beweisen ans Grund ber in den letzten Monaten vorgekommmm Selbstmordfälle, daß ihnen kein anderer Weg übrig bleibt, als der— zur Donau. Hof aber tarzt und der Reichsrath wie die Regierung rufen dem Volke, dem sie dir Ersparnisse früherer Jahre abgenommen, aber abnehmen ließen, vornehm zn: Spare und arbeite! Wenn uur Arbeit wäre! Zahllos sind die Rückgaben der Geschäfte, wlil Alles stockt and die Stweru nicht mehr zu erschwingen find; z-hlloS find die Stenerrückstäude und die mit gransamer Harte >n Scene gesetzten Exekutionen, die Banernhöfe wegen 7 st. nuter b�Hammer bringen. Ja! daS Ministerium hat zu beweisen, fthtti, sondern in Wahrheit geurtheilt werden; darum sollen sie sich auch seines TodeS nicht ärgern, da derselbe zur Besserung »er Unverständigen diene. Er Hab» etliche Mißbrauche zum Besten bcS Bo'keS abschassen wollen, aber Unverstand und Eigemnitz, die znm Untergang göttlicher Wahrheit führen, haben sein Werk ver- rorben.„DaS will ich jetzt," schloß er,„in meinem Abschied, womit ich die Bürde und Last von meiner Seele abwinde, euch ötsagt haben, keiner Empörung weiter Statt zn geben, damit das unschuldige Blut nicht welter vergossen werde." Wiederholt ein- li flochten war die dringende Bitte, seinem Weibe beizusteheu, sie uichtS entgelten und ihr daS kleine Gut, das fit habe, folgen zu »vssen. Dieser Brief zeigt deS Propheten der VolkSfache, dieses sonst s° heftigen, unruhigen Geistes, völlige Ergebung in fein Schick- fol, eine Resignation für die Gegenwart, eine Resignation, schmerzlich, weil sie das Scheitern großer Entwürfe durch die Blmdheit der Selbstsucht einzig verschuldet sah, aufgehellt durch °ie Hoffnung der Besserung deS Volkes in künftigen Tage»; er ohne ihn auszusprechen, den ungebrochcum Glauben an de« tlustigni Sieg feiner Sache durchleuchten; er spricht unverhohlen aus das„Göttliche dieser Sache" und ihre„Wahrheit". Den- vvch logen sie in alle Welt hinan», Münzer habe seine Jrrthümer widerrufen und sich als armer Sünder selbst zum Glauben der römischen Kirche zurückgewandt. . Wie sehr Münzer Recht hatte, den Eigennutz der Bancr- lchaftev anzuklagen, steht man überall. Statt sich zusammen zu Ichließen und Ewer für Alle zu stehen, ließen stch die vielen pausende, die riugS umher durch das Thüringer Land iu Lagern standen, hinhalten und stillen„durch ihres gnädigen Herrn, deS Miurthsten gnädige, theilS auch dräuliche Schreibe»"; die Scharz» ltlder und die Kletteuberger kamen erst in die Näh», als die daß eS dem Volke wohl geht, damit der'Hof und der R eichSrath tanzen können. Während das„Amtsblatt" ganze Seiten mit der Ankündigung össeutlicher F-ilbietonzen füllt, paradirt der Finanz- minister mit eioigeu Millionen, die gegen seine Erwartungen ein- gegangen find. Wohl sucht selbst in der korrnmplrteu Banken- presse stch hier und da eine Stimme der Wahrheit Geltung zn oerschassea; allein die subjektive Unfehlbarkeit des Staatsanwalts konfiSzirt ganz einfach objektiv mit einer Energie, die Alles dem Untergänge überliefert, was die Politik des gegenwärtigen Regimes nicht über den grünen Klee lobt. Namentlich find eS der Hau- delSminister BanhanS und der Fluanzminister D-pntiS, die der Staatsanwalt unter seine allmächtiger. Fittiche genommen.. Die beiden Exallinzen halten stch nur mehr durch KoufiZkationeu; st» find Minister von des Staatsanwalts Gnaden. Wcß Geistes Kinder die Beiden find, davon zengea folgende Aussprüche: Van- HanS hat seine ackerbauliche Weisheit einst in dem fnlminanteu Satze ausgegeben:„Ich werde eS für meine höchste Aufgabe hal- teu, dem„Staate Gratisheugste zu lieferu," und DePretiS, der genial süffisant der Grästa Aodraffy ans die Frage, wie eS doch gekommen sei, daß er Finanzmioister geworden, die Antwort er- theilt:„Weil ich«ichtS davon verstehe!" Die Geschichten find buchstäblich wahr, und wer daS Wirken der beiden Excelleuzeo kennt, der weiß auch, daß der Eine heute»och keium Gratis- Hengst erzeugt hat, wie der Andere von den Finanzen, die er ver- waltet, gerade so viel versteht, als der Miaisterpräsident, der ein guter Major ist, heute von der Politik und Geschichte versteht. Der Mann figurirt überhaupt nur alö Aushängeschild; er giebt den Namen her für ein Ministerium, daS sonst nichts weniger als hoffähige Elemente enthält. Der Preßkorramper Dr. Unger ist ans einem überzeugungStreukn Israeliten ein eben so über- zengnugStreuer Katholik Zcworden; dasselbe ist mit dem Justiz» minister Dr. Glaser der Fall.„Sie haben sich, wie dieS in Wien genannt wird,„getauft", natürlich ohne jede Nebeurückficht. — BauhanS, der ehemalige GutSoerwalter deS Grafen Wald- stein, ist ein„ehrenwerther Manu" und Essenbahnp olitiker. Frü« her war er mehrfacher BerwaltungSrath, selbst bei Instituten der verfänglichsten Sorte. DePretiS ist ein Kind der gewöhnlichsten Kliqueniutrigne. unfähig und unbedeutend, aber ein Finanzmini- ster, wie ihn Lasser, die eigentliche Seele deS KabiaetS, brauchen konnte, und das Kabinet Lasser rechnete stark mit dem Finanz- ministkr, als«S galt, iu Böhmen durch GutSkäufe einige Stim- men für daS Abgeordnetenhaus zu erschachern. Die„verfassaugS- treuen" Bankiers haben sich bei dieser Gelegenheit ungemein pa- triotisch gezeigt. Sie habe» stch durch erkleckliche Beiträge zu diesem Stimmenkauf die verfchiedeneo Ritterschaften und Barouieu geholt. Man steht: Oesterreich steht auf aaßerordeutlich gesunden Grrmdlazeo!! Durch die Zeitungen läuft folgende Notiz:„DaS nahe Be« vorstehen der deutschen Kaiserfahrt nach Jtalie» wird durch die Abreife eine? kaiserlichen Schloßbeamten nach Rom ueuerdingS bekräftigt. Nach offiziösen Qaellen soll der Kaiser vou Oester- reich gleichzeitig mit Kaiser Wilhelm den König von Italien iu Florenz besuchen, und zwar im Frühjahr schon."— Interessant ist nur, daß der italienische König seine Gäste nicht nach Rom, nach der Hauptstadt, führen will. Der Berliner würde sagen:„Garibaldi hat ihm graulich gemacht." Der Kulturkamps" wird immer interessanter; kürzlich ist in Parchim(Meckleubarg) auch ein evangelischer Geistlicher, NameuS Schilbe, wegen Majestätsbeleidigung, die er ge�eo den deutschen Kaiser ausgestoßen habe» soll, vernrtheilt.— Die betreffenden Aeußerungen hat Schilbe in einer Gesellschaft von Bekannten gethan;»in evangelischer Pfaffe und einige N'-serveoffiziere sollen die Denunzianten gewesen sein. * Die„Berliner Tribüne", ein freisinnig sein wollendes Blatt, welches stch immer auf Verfassung und konstitutionelles Staatswesen stützt, leistet folgende Notiz:„Bayerisch» Reichs- tagSabgeordnete, deren Informationen auf ihr: BundeSräthe zu- rückgeführt werden, theilen nicht die Meinung, daß daS Civilehe- gefetz noch vor Ende dieses JahreS in Bayern eingeführt wird. Unceläßliche Borarbeiten nehmen so viel Zeit in Anspruch, daß eine Ueberstürzong nicht räthlich erscheint. Außerdem hält man stch im liberalen Lager überzeugt, daß die Wahlen unter keine» Umständen so«ltramoutan auSfallea können, nm auS den klcri- kalen Notabilitäteu sofort ein neues Ministerium zufammenzu- stellen. Da hat der König auch noch mitzusprechen."— Also— da hat der König auch mitzusprechen! Ist daS konsti- tntionelleS Wesen? Wenn die Mehrheit deS Volkes durch feine Vertreter seinen Willen äußert, dann darf der König dem eutge» gentreteu? Eö ist wirklich interessant, daß wir oftmals in die Lage kommen, den Liberalismus gegenüber den Liberalen zu ver- theidigen. Schlacht von Frankenhanftu verloren war; fie hatten stch bei dem Vorwerk FlarichSmühlr am Abend deS 14. Mist lieber«och ein- mal erlufiigt, als daß fie ihren Brüdern zu Hülfe geeilt wären; in Heering«« angelangt, vernahmen fie die traurige, niederschla- gende Botschaft; in Unordnung zerstreaten sie sich heimlich in ihre Dörfer. Die in Mühlhauseu schrieben am 19. Mai an die Ober« franken, wie die Fürsten bei Frankenhauseu„im Stillstand und guten Frieden" deu christlichen Haufen überfallen und gewüthet haben, wie fie jetzt Mühlhauseu selbst heimzusuchen gedenke», und wie nach ihrem Fall das Gleiche auch deu Frauken bevorsteht. Darum bitten fie durch Gott, der Liebe und Gerechtigkeit halber, ihnen bald auf's Allerförderlichste Beistand zn thnu. Als der Landgraf zuerst bei Eiseuach in den Gebirgen war, hätten die Oberfrauken, wären ste verständiger Weife ihm gefolgt, mit ihren Schützen ihn vernichten können. Noch jetzt, wen» sie auf den Ruf der Mühlhänser hörten, und schnell alle zerstreuten kleinen Hansen zwischen der hohen Rhön und den Thüringer Berge» an sich zogen, und die Pässe oberhalb Eiseuach besetzten, mußte MeS eine andere Wendung nehmen; denn der Bauern Tod, die Reitktei, war so wenig als daS schwer» Geschütz deS Fürsten in diesen Gebirgen zu brauchen. Aber wie die Brüder auf der Fulda, wie die Brüder zu Frankeuhansen, so wurden von den Oberfranke» auch die Mühlhänser im Stich gelassen. Wieder war eS der Eigennutz, die Selbstsucht, daran die BolkSsache schei- terte. I» deu liebliche» Gründen deS Main kleine Schlöffer zu plündern, und des Weins in Fülle z« haben, dünkte ihnen be- haglicher, als stch zusammen zu schließen, durch'S Thüringer Gebirg sich zu winden und dem Fürstenheer die Spitze, deu bedräng- ten Brüdern die Hand zn bieten. Statt Thüringen, bewegte» fie stch dem Bambergischeu zu, schri-ben einen allgemeinen fränkischen Stolp, 31. Jan,(Berurthelluug.) Den Partilgeliosseu hiermit ,« Nachricht, daß Ulit-rzeichneter zu 10 Thalern und die Moiirerg-s-Sen freute, Gülzahu med HSnfchke ,« je 5 Tbaler Keldbnße und Tragung der Kosleu urch Erkemttulß de« hiefizen königlichen KreiSgericht« vom 29. dss. verurtheilt siud. Die Anklage gründete stch auf ZZ 8b und 16 de« Ber- einsgesetzes.%. Fxomke. Osnabrück, 31. Jas.(Bericht.) Am 24. Januar fand hier eine von circa 1500 Personen besuchte B»lk»v-rsammlung, mit der TageSord- vuug: Die Estlaffung der Slatzlwerksarbetter und der 26. Januar 1874, statt. Herr F. Klutc wieg in einem vortrefflichen Vortrage nach, wie durch die heutige planlose Produktionsweise die SeschäftSlrisen cntftandcu wären, und wie dadurch die Worte d-« Herrn Stahlwcrksdircktors Harmann als falsch bewiesen worden seien, die genannter Herr bei d-r engere» Reich». tagswahl am 26. Januar v. I seinen Arbeitern gegenüber gemacht hatte um dieselben sür die Wahl de« liberalen Kandidaten zu gewinnen. Die Worte de« Direktors find, um diesAdea zur öffentlichen K-nntuiß zu beiu- gen, ungefähr folgende:„Wählt Ihr Arbeiter den liberalen Herrn Kandidaten dann habt ihr blühende Industrie und in Folge dessen Arbeit und Brotl" Doch kaum ist ein Jahr seitdem vergangen, sa wirst derselbe Herr dit Arbeite', trotzdem der liberale Herr Sirockmann im deutschen Reichs» tage Sitz und Stimme erhalten hat, aus'» Sttaßenpflaster. Die Arbeiter de? Stahlwerks, welche durch die Krisi» besonder« schwer zu l-Ideu haben lernen sicher dadurch crkcnuen, daß die besitzende Klasse nicht ihr Hell, son- dcrn bei etwaigen Wahlen die Ardetter nur ködern und leithammeln will zu eigenem Nutzen und Frommen. Nachdem noch Herr Himmermauu sehr treffend zur Tagesordnung gesprochen und eine im Sinne der Tagesordnung abgefaßt- Resolution einstimmig angenommen war, wurde die Bersamm- lung geschlossen. Mever. Stnltgart, 28. Jan.(Bersammluug.) Gestern Abend tagte im Lokale de« Hrn. Grubcr(Müller'sche Brauerei) eive»ahlreich besuchte Ber« sammln ng der hi.stgcu Social-Demokraten. Di» T-gesorduuag lautete- „Die Bereinigung der beide» Fraktionen". Sämmiliche Redner sprachen sich dahin ans, daß gegenüber der immer deutlicher zu Tage tretenden Koalition der Gegner(Säbel, Krummstad und Geldsack) ,md der maßlosen «ersolguog, welcher die Soclal-Demokratie überall ausgesetzt ist, es die Pflicht aller Arbeiter sei, genieillschastlich und mit aller Energie für ihre Rech,- ciiizu'rcten. Sie begrüßten die an allen Orten sich kundgebenden Eilligkestsbrsttcbnngen, und dnickten den �Wunsch au«, daß der iu Aussicht stehende Kongreß in Bälde stattfinde, damit um so eher jeuer uuselioe Fwie- palt, welcher schon mehrere Jahre die deutsch« S»cial'Demokratie"in zwei Lager geschieden, sein End- erreiche. Wenn vereint die Kämpfer für Wahr- heit und Recht sich um da« Banner der Arbeit geschnatt, dann werden auch die, welche bis jetzt sich noch indifferent und theilnahmlos verhalten haben, die Gemeinsamkeit der Jmeressen einsehend, die Relden der Arbeiterbataillone verm-hrcu, dann werden wir aber auch um so besser im Stande seiu, allen Anstrengungeu unserer Gegner die Spitze bieten zu können, mögen dieselben nun in reakiiouären Gewaltmaßregeln-der in heuchlerisch stommeu Phra- sen und Drohungeu bestehe». Folgende Resolution wurde einstimmig au- geiommen:„Die heute in dem Lokale der MÜller'schen Brauerei gemein- schastlich eiuberusene Versammlung begrüßt mit Freuden die in den beiden Fraktion-!! gepflogenen EinigitugSbestrebungen, und hofft, daß dieselben mit dem spätestens bis Psiugstm zusammentrttendcu Kongreß Ihren endgültigen Abschluß finden. Bon der Ueberzeugnng ausgehend, daß»nr durch ein ge- meinschaftlich geschlossenes«orgehen simmtlicher Arbeiter die Arbeitersache zum Siege gelangen kau», spricht die V-rsammluag deu Wunsch au«, daß c» dem Kongreß gelingen möge, unter Wahrung des demokratischen Priu- zip?-Ine möglichst centralistlsche Organisation zu gründen." Diese Resolution soll zur BrrZffentlichimg an den„Neuen Social-Demokrat",„BolkS- staal" und an die„Slld denn che BolkSzeiwug" geschickt werden. Stuttgart, 25. Jan. 1875. Aug. Drcesbach. Ein Antrag zur Unterstützung der Gemaßregeltru wurde ebenfalls an- genommen, und ergab die zu dem Zwecke veranstaltete Sammlung die Summe von 3 st. 21.— Unter dem Wahrspruch: Wir wollen s-lu ein einig Boll von Brüdern, Ja keiner Noch uns trennen und Gefahr I wurde kurz nach 11 Uhr die Versammlung geschlossen. Löthcll, 26. Jan.(Allgemeiner Bericht.) Obgleich Anhalt jetzt keinen cigenm ständigen Agitator besitzt, so haben wir doch seit kurzer Zeit fast jede Woche eine«olksversammlnng abgehalten, welche uns stet» neue Anhänger verschafft hat. E» iprach am 21. Dezember der ReichSiagSabge- ordnete: O. Reimer über die Thätigkeit deS Reichstages; den 8. Januar sprachen die Herren O. Kapell und Kamigaun üb» die polltisch-gewerk- sch östliche Bewegung; den S. dsS. sprach Herr Kamigaun in Edderitz und zugleich Herr Dohne in Eüthen. Am 17. dsS. referirte Freund Arnold ans Leipzig über Spekulation auf den hungrigen Magen des Kolke». Au letz- ter Debatte bethrillgten stch die Parteigenossen Schiedcwitz und Klotz. Sämmtllchc B-rfammlungen erzielten einen sehr guten Eindruck auf daS anwesende Publikum und wurde auch kein« der Bersammlungen aufgelöst, obgleied man uns vergangenen Spätsommer öfter mit einer Auflösung beglückt hatte. Wie es scheint, läßt mau UNS j-tzt„In Frieden ziehen"; man wird wohl gelrvt haben, daß m l solchen Mitteln nicht« zu erzuleu ist. — Bei folgenden Wirthcn liegt der„Neue Social-Demokrat" auf, und bitte ich, blos daselbst zu verkehren: Fleischer, Schloßstr.; Ostwald, Rnicherhof; Göthc, Neustadt; Nagel, Moxdorfnstr. F. Klotz. Hannover, 27. Jan.(Bericht.) Msntaz, d-n 11. dss., fand Hierselbst in der Marienhalle eine BolkSversawmluug statt mit der TageSord- nuuz: Die Bereinigung der Social-Demokraten in Deutschlaad. Herr Frltzsche au« Berlin gab zuerst einen Rückblick auf die Entstehung der beut- scheu Social-Demokratie. Herr Petsch, als zweiter Redner, spricht, wie es schon Referent gethan, für dl« Bereinigung. Nachdem noch die Herren Becker, Glebe, Meister, Klaustng in gleichem Sinne gesprochen, wurde schließlich folgende von Herrn Petsch eingcblachte Resolution einstimmig an- arnommen: Die heute in der Marienhalle zu Hannover tagende Bolksver- sammlung erklärt, daß die helligste Pflicht aller deutschen Social-Demokra« ten sei, die angebahnte Einigung der social-demokratlschen Partei zu einer einzigen ungethcUten Partei zu machen, weil nur dadurch der Kampf gegen Kapital nnb Reaktion mit Erfolg gcsührt werden kann. Hamborg, 80. Jan.(Allgemeiner deutscher Schiffszimme- rer-Berein.) Die beidm verunglückten GchlffSzimmerlentc. Durch die arbeitslose Zeit und in Folge des Angebots von Arbeitskräften flu» die Arbeitgeber(oder deren blinde Werkzeuge Meistersknecht, wie wir unsere l ar.-a..■»»-i7n--r-i-.il.iin-■................... i, n Landtag nach Schwewfart aus, als wäre eS Zeit zrnn Tagen, nachdem dir Fürsten eisen Haufen nm den andern geschlagen. Am 23. Mai schrieben die von Mühlhauseu zum zweiten Male: „Wenn wir uicderliegen, wird dasselbe euch widerfahren. Helft unS, seid getrost und männlich, und Gott wird mit unZ seiu." Aber wie die Oberfranken von dem Beschluß, denen vor Würzburz zuzuziehen, nur zur Senduug vou einigen Fähnlein kamen, so kamen sie Mühlhausen'S wegen nicht einmal z«»wem Beschluß; fie stritten sich in ihren Lagern über ihre verschiedenen Feldprediger; eS gab Parteinngen und Zwiespalt; d«S Haufen« Schultheiß, Heinrich Krnmpfnß, der wackere G ldschmird a«S Römhlld, sagte, er sei zn krank, um länger Schultheiß zu sein, und für ihn trat HauS Martell, Stadtschreiber von Königshofen, ein; auf ein Altweibergeschwätz hin kam selbst der oberste Haupt- mann Schnabel ia Verdacht, mit dem Grafen von Henneberg iu geheimer Verhandlung zu steheo; und während fie so die Zeit vergeudeten, ging der- feste Hort der Volkssache, das stark» Mühl- hausen, verloren. Bon Frankenhausea zog daS Fürstenheer über Stebach, wo der vertriebene Haus von Berlepsch wieder eingesetzt wurde und auch 20 Bauern zum Geschenk erhielt, stch an ihnen für seinen Schaden zu erkühleo; man lagerte zu Schlotheim. Noch einmal wagte hier ein kühner Baoernhauptmanu,»in Büchsenschmied, daS Volk in Bewegung zu bringen; er machte deu Anschlag, da« Ge- schütz deS LaLdgrafe» in der Nacht zn überfallen und yegzuurh- men. Aber daS Volk hatte Kopf und Muth verloren; eS gelaug ihm nicht, so viele aufzubringen, als z« der That uöthig waren. (Fortsetzung folgt.) Vorgesetzten auf btt Werkt tiennta) in den Stand gesetzt, diejenigen S beiter, welche in Arbeit stehen, zu jeder ihrer uutlugen HaudlungZweikc»der Anordnungen der Arbeiten zu zwingen, selbst wenn die„größte S-fahr" damit verbunden ist, indem ja jeder in Arbeit stehende Arbeiter weiß, fall? er sich de» Anordnungen seine« Vorgesetzten nicht fügt, ihm seine Entlassung zu ThcL werden würde und er doch, um die Existenz seiner Famiiie zu sichern, mit schwerem Herzen den Anordnungen seines Vorzesehtes sich fügen muß. Doch nun zu dem Unglücksfall selbst:„Am 14. Januar, Morgen« 8 Uhr, wurden auf Gebrüder Weucke'S Platz von Seiten de« Werk- führerS die SchisfSzimmerleute, 30 an der Zahl, bei der amerikanischen Bark, Namens Eooper, welche in der Dry Docke fitzt, kommandirt, ei» Stück Holz, welches die Sohle des Kielschwein» bildet, und wohl circa 50 Fuß lang, 14 Zoll breit und 11 Zoll hoch war, von hinten de« Schiffes in den Raum zu trouSportiren; das Holz mußt- über die Mauer der Docks« thüren, nm e» von hinten in die Pforte de» Schiffes hinein zu leiten. Da« Holz wurde mit einer Talje in de» Raum gezogen. Sobald nun da» eine Ende sich im Janer» de» Raumes befand, nahm das Holz natürlich eine „steile" Richtung an, und zwar so, daß da« Außenende nach oben hing, und nun das Holz bei einem leichte» Rock von selbst in den Raum h'nein schliphen konnte. Jedoch wollte e« nicht gleich f» hineinschlippen, indem vielleicht ein nnbedeuteoder Gegenstand das Holz am Schlippen hinderte. Hierauf kommandirte der Borgesetzte, Herr Weffilhoest, die Talje zn Per- schlagen. E» mußte nun, wenn die Talje los sollt-, das Außenende des Holze« einen festen Gegenstand haben, worauf dasselbe ruhe» konnte. Ron wurde von einigen Leuten der Borschlag gemacht, starke Schrägen unter zu setzen, damit kein Malheur fich zutrage. Hierauf aber erwiderte der Bor- gesetzte, Herr Wesselhoest: Setzt nur da« leere Petroleumfaß unter und dann ein paar Blöcke darauf, da« ist genug. Dies geschah; die Talje wurde dann verschlagen, und zwar ungefähr 3 Fuß, so daß beim Anziehen der Talje das Holz, wenn sonst keine Hindernisse la den Weg traten, mit einer ungeheuren Wacht in den Raum hinunterschllppea mußte. Die« fiel besonder« den drei Leuten, welche außerhalb auf der Stellage staudeu, A-ckermann, Gorber» und v. Hacht, welche alle drei dicht»eben einander standen, aus. GarberS machte den Borgefetzten Wessclhoeft auf das Gefähr- liche aufmerksam und rieth, einen Stopper ans da« Holz zu setzen, d-r das Holz vor dem star'eu Anlauf im Innern des Raumes schützen soll», Mnd fügte noch besonders hinzu, er habe schon einen solchen ähnlichen Fall aus Stülke»'« Werft erlebt, wobei auch Leute verletzt worden wäre». Hierauf antwortete der Vorgesetzte Wesselhoest: es soll kein Stopper aufgesetzt wer« den, zieht nur an der Talje, daß Alle» hineinkommt.— Die Talje wurde angezogen, und stehe da, das Holz fchllppte hiueiu, ungefähr 5 bis 8 Fuß auf einmal, da« leere Pctrolenmsaß ging kopfüber mit den beiden Blöcken und fiel auf die drei Leute, Aeckermanu, Garbers und v. Hacht, welche draußen auf der Stellage standen, zu. Aeckermanu und Garbers stürzte» in den Abgrund der Docke, v. Hacht rettete fich mit einem glücklichen Griff, indem er mit der linken Hand eine Stanze an der Mauer erfaßte. Der unglückliche Aeckermanu war nach eiuigen Minuten tobt. GarberS starb nach 15 Tagen schweren Leiden«. Seine letzten Worte waren gerichtet gegen den Borgefetzten, dem er seine Leiden zu verdanken hotte, indem er seinen Rath, wodurch da« Malheur verhindert gewesen wäre, verachtet hätte. Aeckermanu hinterläßt 6 und GarberS 5. unmündige Kinder. ES find dies« beiden Arbeiter auch wieder Opfer der heutigen Produktionsweise. Bon Tag zu Tag tritt jetzt das Massenelend immer deutlicher zum Vorschein; aber gerade in solchen arbeitslosen Zeiten müssen die Arbeiter fich klar wer« den und zum Nachdenken kommen, daß, so lange die hnttize Ausbeutung des Menschen durch den Menschen stattfindet, die Lage der Arbeiter niemals eine erheblich bessere werden kann. Darum, Arbeiter, wollt Ihr Eare Lage ernstlich verbessern,«ollt Ihr nicht, daß Eure Kinder gleich Euch ihre Ar« britSkraft auf den Markt tragen sollen und für die Arbeit nur so viel er« halten, um den hungrigen Magen zu stillen, damit dieser sich nur die noth- dürftigen Säfte sammelt, um am andern Tage frisch für seinen Arbeitgeber wirken zu können; wollt Ihr, daß Cure Kinder dereinst als Menschen leben können, dann benutzt jede Stunde znm Nachdenken,«denkt daran, daß wir Arbeiter die große Masse des BolkeS bilden und daher auch die Macht im gesetzgebenden Körper bilden können, sobald wir unser Zlasseninteresie er« kennen und Männer in den gesetzgebenden Körper wählen, die G-setzc schaffen, wodurch die Ausdeutung de» Menschen durch den Menschen beseitigt wird. Dann erst, wenn wir so weit gekommen find, kann der Arbeiter die Arbeit mit Freuden begrüßen, indem er den Ertrag seiner Arbeit erhalten wird. Dann auch werden solche hier angeführte Fälle nicht so häufig mehr vor« kommen, indem man der Vernunft in jeder Weise den Borzug geben wird. Deshalb ist es Pfl cht, Arbeiter aller Brauchen, gemeinschaftlich Hand in Hand zu gehen, damit solche hier augesührte Mißstände aus der Welt ge« schafft werden. Heinrich Groß. Lüneburg, 30. Ja».(Unglücksfall.) Am letzten Donnerstag»er- «nglückie auf de? Temeutfabrik der Gebrüder Hepa der Maschinenmeister M-inel, wegen Mangels gänzlicher Schntzvorrlchtunz, so daß er nach Ver- lauf von einer Stunde seinen Geist aufgab. Er hinterläßt Frau und sechs unmündige Kinder. Trotz des Proletariers. Heran, mein Unglück, nahe m:r heran! Ob Du gcpauz-rt, ob Du wild und kühn, Doch steh' ich Dir,«— ein»acktcr bloßer Manu Und werde nicht vor Deinem Drohen flieh'u. Wie auch Dein«etterschwarzeS Auge blitzt, Wie auch Dein Rachen Gift und Geifer sprüht; Ein starker Löwe mir im Herzen fitzt, Da» ist der Stolz, das ist mein stet Gemüth. Er ist so muthig, ist so groß und schnell,— Sei Du vor feinen Krallen auf der Hut! Bon braunen Narben strotzt sein lichtes Fell, Sein Blick ist sonuruklar und wshlzemmh. Heran und ziti're, blödes Mißgeschick! Wie bist Du klein, und wie mein Herz so groß! Ich fühle Kampfeslust— flieh' nicht zurück, Heran um!— Ich parirc Stich und Stoß! Ich fürchte Wanden nicht uud Blutverlust, Der Großen Glück ist so erbärmlich nur— EZ strebt gewalt'ger meine keusche Brust, Trägt fie de? Ehrenstreites Narbenspur. Ich hebe stolzer so mein Haupt empor, Da es noch frei und nicht des Golde» Sclav; Ich bin kein Lüstling:— was ich je verlor, Lom Leibe war'«, die Seele Niemand traf.— Wohlan, o Mißgeschick, drum trotz' ich Dir, Und lasse meinen Löwen auf Dich lo«! Ich seh' e» noch, wie Do eutflied'st vor mir Und Dich verkrtechst in Deiner Mutter Schooß. Vermischtes. *(Zum Knltnrkampf) Die„Wupperthaler Blätter" berichten, daß in Langenberg vor Kurzem in der Nacht die Fensterscheiben an der dortigen katholischen Kirche zerschlagen worden find. -(BerulögeuSfchan.) Ju der Bretagne besteht die Sitte, daßuv gewissen Festtagen junge Mädchen beim Tanze in rothen Röckchen crfchci« neu, die mit weiße»»der gelben Streifes aufgeputzt find. Diese Streifen deuten die Aussteuer der Mädchen au. Jeder weiße Streifen bedeutet Sil- der und bezeichnet 100 Francs jährlicher Rente; jeder gelbe Streifen de« deutet Go d und bezeichaet 1000 Francs jährlicher Rente. Wenn also ein Mädchen einem HeirathSlustigcn gefällt, so weiß er sogleich, wie viel sie Aussteuer erhält. Ein lebeosiustizer Kapitän hat den Borschlag gemacht, auch für die Bälle und Spaziergänge der vornehmen Fräuleins diese Ber- mögeuSschau einzuführen. *(Frauen— Advokaten.) Wie man aus P-terSburg schreibt, besteht dort seit einiger Zeit ein Franenverein, der den Zweck verfolgt, fei- neu Mitgliedern auf privatem Wege juridischen Unterricht zukommen zu lassen. Gegenwärtig sollen diese Juristinnea, deren Zahl vorläunz sechszehn betrögt, in der Rechtswissenschaft bereilS so weil fortgeschritten sein, daß st- Probefitzungen über Berhaudlangeu von Gerichtssällen veranstaltete!:, bei denen alle der Reihe nach als Bertheidigerinucu fuugirten. Der Erfolg soll sehr befriedigend gewesen sein, und auf Grund dessen ist dieser jmidische Franenverein bei der Regierung um die Bewilligung für seine Mitglieder eiagekommcu, Bertheidigerdlcnste bei den Gerichten vcrstheu zu dürfen, wozu fie alle iaSgesammt eine Assoziation mit wechselseitiger Haftung bil« den wolle». Zur Beachtung. Auf Wunsch vieler Abonnrnteu bringen wir hierdurch die Portotaxe für Bersenduug von Trackiachen nach dem ueuen Post-Tarif: bis zum Gewicht von 50 Gramm über 50 Gramm bis 250„ „ 250„„ 500„ „ 500„ ,. 1000„ 3 Pf« « 10 « 20„ « 30„ Die Expedition. Durch die Expedition d:S„Neuen Social- Demckrat'- sind folgende Broschüren zu beziehen:(R-ichswZhrunz.) Lassalle: Offenes Antwortschreiben.. 6 Pf. „ Arbeiter-Lesebuch,... 13„ » Arbeiter-Programm... 8„ „ RonSdorfer Rede.... 8 „ Bastiat-Schulze.... 45„ „ Wiffeuschaft und Arbeiter.. 10, Lassall«: Fest« und Presse.... 10 Pf. J„ Kleinere Aufsätze.., 20„ „ Indirekte Stenern.... 23„ „ Arbeiter Berlins.... 5„ „ Julian Schmidt.... 65„ Der Prozeß wider Ferdinand Laffalle von der korrektiouelleu Appellkammer zu Düffel« dorf am 27. Junt 1864... 10„ Fremdwörterbuch d«S„BolkSstaat": gebunden.... 60„ broschirt.... 45„ Bauernkriege von Fr. EagelS....' 45„ A.-B.-E. deS Wissens von Dr. Donay.. 13„ Unsere Ziele von Bebel..... 23„ Grund« und Bodevfrage von W. Liebknecht. 50 Kalender pro 1875 des„Neuen Sscial-Demo- krat", pr. Stück..... 40„ Marseillaise von I. Andorf, pr. 100 Stück. l Mark. Bei Abnahm« von 50 Exemplaren tritt bei den Kalendern 3 3 t/z pCt. Rabatt ein. Dse hier notirten Preise fiad nur bei Abnahme von größere QuantiS von jeder Sötte. Bei einzelnen Exemplaren tritt eine verhöltnißmäßige Preis- erhöhnng ein. Bestellungen auf einzelne Exemplar» der hier uotitten Bro- schüren, versenden wir nur gegen Eillseudllag deS Krenzbandporto'S. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß nach der neuesten Postverordnnng Drucksachen bis zum Kilogramm (2 Pfund) Gewicht unter Kreuzband versandt werden können. Es empfiehlt fich also, bei kleineren Bestellungen unter 2 Pfund 30 Pf. Porto beizufügen für die Fcankiruug unter Kreuzband. Die Poliklinik für Hautkrankheiteo in der Königl. Cbcrits findet Dienstags und Freitags von 1 bis 2 Uhr statt. Unbe- mittelte erhalten freie Arznei. Durch wiederholte Nichtbeachtung sehen wir unS veranlaßt, nochmals darauf hinzuweisen, daß wir Annoncen ohne B-isendunz deS Geldes nicht aufnehmen können. Um die JnstttiouSkoftes berechnen zu kPoeu, beachte man Folgendes: Bei gewöhnlicher Petitschrift machen 10 bis 11 Silben eine Z'ile. Alles was fett' oder groß gedruckt werden soll, muß je eine Silbe für 2 oder 3 Silben(Petit) gerechnet werden. Der Betrag kann in Briefmarken eingesandt werden, doch bitten wir, Beträge über 3 Mark nicht in Marken zu senden. Ebenfalls bitten wir, uns möglichst außer lO.Pf.-Marke» auch A« und 5-Psevuig-Marken zu senden. Aach nehmen wir Depot für Annoncen entgegen, jedoch müssen mindestens 6 Mark deponirt und immer rechtzeitig er- neucrt werden. Für Hamburg nimmt Herr Köster, Neust, Fuhlen- twit« Platz 7«, Saus I, X. linkS; Für Altona- St. Pauli Herr Drogand, Spielbndenplatz I«, Annoncen entgegen. Die Expedttiou. Briefkasten. Meine Adresse ist jetzt: Fcsenfeld 10 bei Herr« Heß. Bremen, den 29. Jaauar 1875. F. W. Frick. SyracaS(Amerika). 2 Dollar erhastln. Die Expedition. DaS Parteimitglied Johann Bartscher wird ersucht, gleich seine Adresse nach hier zu schicken, oder die bewußte Angelegenheit zu regeln. A, Dlnslage, Verden. Berlin. Oeffetttliche Berssu»ml««geu: Dienstag, den 2. Fe-r., Abends 8V Uhr, bei Gittel, Andreasstraßc 23. Ref.: Herr Winnen. Jedermann hat freien Zutritt. Für zahlreiche» Besuch de» Versammlungen muß gesorgt«erden.__[1 ,80] Berlin. Sonnabend, den 13. Febrnar, im„Hofjäger", Hasenhaide, (früaer Streitz), Großer Wiener Maskenbati, arrangirt vom Berliner Zimmererbrnid. Hierzu werden sämmtliche Zimmerer und Parteigenossen eiuaeladen. Der Ueberschuß ist zu einem wohlthätizc» Parteizweck bestimmt. Da wir auf eine zahlreiche Betheiligung Im Maskenkostüm rechnen kämen, machen wir hiermit bekannt, daß durch Bereinbarung MaSkengarderobeu aller Art 10 pTt. billiger zu haben find, und müssen Meldungen vi» fpätestesS M'ttwoch, den 10. Februar, bei A. Kapell, Waldemarstr. 56, und bei dem Nnterzeichneten, gegen Borzeignug de» Ein- tritlSdillet», gemacht werden. Anfang 8; Uhr. Sutröe vorher für Herreu 50, für Damen 25 Pf. An der Kasse für Herren 75 Pf. Die Presse für MaSkcugardcrobc sind von 1 bis 5 Thlr. vom Garderobier Müller, Ncandnstr. 21. BilletS vorher bei A. Kapell; Elsholz, Ackersir. 146; lleckermanu, Pioni-rstr. 110., und beim Unterzeichneten Das Festcomiti- muß Dienstag, den2. df«., bei Carius erscheinen. l7,00l E. Wllrtemberg, Tellowerstr. 34. Hamburg. in der Herberge, Oeffeutliche Versammlung d. Allg. Tischler-(Schreiner.) Beieius. T«O.: Vortrag.[1,60] Sennabend, den 6. Febr., findet„keine" Bersammliwg statt. Doofe. awim Donnerstag, den 4. Febr.,