Nr. 19. Berlin, Freitsg, den 12. Februar 1875. 5. Jahrgang. Dies: Zeitung erscheint dreima wöchentlich, und zwar: Dienstag?, Donnerstags und Vennabends Abend». ASs«»tme«ts-?rei»: Fih stkdin ißcl. Bringerlohn vierteljährlich xrso- nuwernnäo 1 Rm. SS Pf., WSnarlich 65 Pf., ein« zelne Nmmnern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 60 Pf., frei in'» Hau» 2 Mark. Kreuzband>NbvuuementS pro Quartal u. Eremplar: Fstr Deutschland und Oesterreich 3 Rm.— Pf. « Niederlande und Belgien. 3« 60> • England und Frankreich. 4» SO- « Amerika(Berein. Staaten) 5« 50« Bestellungen auf Kreuzband-AbonnementS sind nur bei der Expedition aufzugehen und müssen xrnv- numoranSo gezahlt werden. Neuer Netalilio» und«rpcditl«»: Hkertt». Oranienstraße Nr. 8, SO. Eigcnthum der Lafsalleaner. Bestellungen werden bei allen Postämtern, in. Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spedi? tenr entgegengenommen. Inserate (nur in der Expedition aufzugeben) werden pro sü iisgespaltene Petitzeil« mit 50 Pf. berechnet. Bersammlungsannoncen die S-gespaltene Petitzcile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reklame-Anzeigev werden nicht ausgenommen. Inhalt. Di» Assoziation. Polittset»? Uederstchtt Zum Eloilehegks.-y.— Die Brüsseler «onferenz.— Au« England.— Garibaldi.— Die Bolkewehr in Sch«-. den und Norwegen.— Unteruehmergewinu und ArdiltSlohn. Erklärung des Herrn Hosenclever. Korrespondenzen: Dortmaud.— Barmen.— Delmenhorst.— Lübeck.— Berlin.— Hamburg. Quittung. Äoltaire. Wir haben heidenmäßig viel Geld. Vermischtes.' Feuilleton: Die Assoziation der Pariser Schneider im Jahre 1848. (Schluß.) Die Afsoziatiou. Auf Wunsch vieler Parleigenvssen werden wir demnächß den Artikeln, in welchen wir daS„heiligt" Tigenlhum der BourzeoiSgisellschaft vom Standpuukle deS natürlichen Rech- teS aus der Kritik uuterwarfen und als Gegensatz den Begriff des ArbeitSe zenthnmS der focialistifchen Gesellschaft festfiellten, eine wcilere Reihenfolge vou Artikeln hinzufügen, in welchen wir den Kampf dieser zwei EigenthumS- und RechtSformeu uachweifea und die Frage beantworten wollen, welche Vorbedingungen und welche Maß nahm eu uothweadig sind, um die Umwandlung der Gesellschaft— insbesondere der Produktionsweise und deS TigenthumSverhältuisseS— in focialtstifchem Sinne z,' bewirken. Selbstverständlich wird es sich dab'ei in htrvorrazendem Maße um die Frage haudelu, wie die Assszintton deS arbiiteudeu Volkes auS deu alten kapita- listifchen ProduktionSv-rhältuissea uud im Kampfe mit deuselbiu siegreich Hervorzehen kann, und wie die Orzanisatioa deS Staats- weseuS demgemäß hierbei in Mitleidenschast gezogen wird. Da diese Untersuchungen zum Theil sehr kou.�izirt find, so ist eS jedenfalls vou Wichtigkeit— iusoweit die« möglich isi— die van der Geschichte der neuesten Ziit gegebenen Lehren in erster Linie zu beachten, da die nackten Thatsacheu dirselben wenigstens uns unzweideutig erscheinen lassen, wie die zwei Klassm der heutigen Gesellschaft, die Bonigeoisie und daS Proletariat, im evtscheidludeu Augenblicke drn AssoziationSbestrebuuge» gegenüber fich verhalten werden. CS wird— wir sch'ckeu dies hier voraus— die Bourgeoisie unter allen UmstZvb-n»nie Aufbietung aller lhrer politischen und socialen Macht dl: Assoziativ: Sbtweguug niederzuhalten bestrebt sein; eS wird aber auch das Proletariat mit der ganzen Opferwill'gkeit und Begeisterung, welche der BefrciungSdrang erzeugt, der Assoziation des arbeitenden VolkcS die sociale Herrschaft und der socialen Demokrutie, daS heißt, der Mehrheit der Staatsbürger die Po- litische Macht zu erringen und zu erhalte» suchen. Mit einem Worte, jede der beiden Klassen wird ihre» eigenen Weg gehen, der schnurstracks dem der anderen entgegengesetzt ist; denu für die Bourgeoiste wird eS sich um die Aufrechterhaltuug der Klas- senunterschiede uud um die Klassenherrschaft, für das Prolc- tariat um die Abschaffung der Klassenunterschiede uud um die Gleichheit handeln. Den hlstonschrn Beweis für die vorstehenden Behauptungen liefert uns vorzüglich die sociale Bewegung zu Paris in dem Jahre 1846, da uach der Febraarrevolution zum ersten Male unter deu Fittichen der demokratischen Republik daS Proletariat ? Die Affoziatlo« der Pariser Schneider im i848. (Schli'ß-) Auf ähnliche Weis« g-ht die Kritik dcS Polizeikommiffar« fort uud ein Theil des Berichtes kritisirt sogar die Regierung selbst, welche ihre Zustimmung zur Errichtung dies« Assoziation gegeben, mit ihr riuen LicserungSvertrag abgeschlossen, und welche die Polizei bloS beauftragt hatte, zu untersuchen, ob die Schnei- der an dem Kampfe Theil genommen hätten. Der Polizeikom- m'ssar führt nämlich in seinem Berichte als einen Gründe der Aufhebung der Assoziation au: „daß dieselbe eS für eine Pflicht der Regierung halte, „ihr Lokale zu liefern, Borschüsse zu macheu und Unter- „stützuogm zu leisten, welche natürlich durch Steuern „gedeckt werden müßten, die die Meister zu bezahle» „hätten, uud daß diese ohnehin schon durch die ihnen „entzogene und der Assoziation als Privilegium znge« „staudene Arbeit hinlänglich gedrückt worden seien." Der Bericht beschuldigt die Arbeiter feruer, daß sie jeden Morgen die Pariser Zeitungen lasen, er wirst ihnen vor, daß unter ihuen viele Deutsche, Italiener, Belgier und Leute auS der Provinz feien. Tin dritter Polizeikommissar, Namens Bruzelin, untersuchte die Bücher und trachtet« vergeben?, in den Rechnun- gen irgend eine Betrügerei heraoSzufiadeu. Dies« drei Polizeikommissar« beantragten zusammen die Auf- lösuog der Assoziation durch die Regierung, obschon gar kein ge- setzlicheS Motiv dafür vorlag. Man horchte auf ihre Zuflüste- ruozeu, daß eS nothweudig fei, diese Gesellschaft aufzulöseu und Verträge, die uach alten Regeln abgeschlossen waren, zu breche», bloS, weil mau damit de« Tiusiaß LouiS Blauc'S brechen wollte. Der Polizeikommissär Loyeux beautragt« ferner, daß mau der Assoziation so rasch als möglich daS Lokal entziehe, uud diejeaige» Arbeiter, welche nicht ia Paris geboren seien, ausweise. Die Regierung löste die Assoziation der Schneider in Folge der Deunnziativvea ans, als dieselbe bereits vier Monate bestand, sich an'S Wer! machte, die svcialistifche Assoziation der Arbeit an Stelle der heutigen Produktionsweise zn setzen. Dke Vertrauens- stligkeit der Arbeiter zu d.n sie anführenden liberalen und radi- ka.en Bourgeois bewirkte natürlich gar rasch, daß Elftere hinter'S Licht geführt und ihre Bewegung erstickt wurde. Zunächst verdräazte die Boargeoifie daS Proletariat von der Staatslcitllllg; dasselbe hatte durch die Februarerhebung an dieser Autheil erhalten, indem drei Socialisten, LouiS B aue, Fsocsn uud Albert, Letzterer ein Arbeiter, in die provisorische Regierung eingetreten und die Arbeiter vou Paris zn einer be- wassacten Macht geworden waren; allein das tückische Manöver der Bourgeois, die berüchtigten Natioualwerkstätiea zu errichten, eatzog dem TocialiSmuS die Finauzkraft des Staates, die Janischlacht entwaffnete die Arbeiter vou Pari?, und die Vir. Haftung und Verbannung der an der Regierung thsilnehmeudeu Socialistm raubte dem Proletariat seine anfrichtigeu Führer; uach diesen drei.Ereig.iss:« war dasselbe zu politischer Ohnmacht verdammt. Die Bourgeoisie ließ aldann ia aller Rahe die sociale Allgewalt deS Kapitals spielen und erdrückte so mit leichter Mähe die Konkurrenz deS Großkapitals uud die Eatz'ehung jedweder StaatShülfe auf socialem Gebiete die AssoziationSbestrebuo- gen der Pariser Arbeiter. Wollen hi-r»ufere Leser eine« deut ichea gifchichtlicheo Beleg haben, so verweisen wir sie auf daS Feuilleton der vorige» uud der heutigen Nammer, welches die lehrreiche Geschichte der Ässo- ziationSbestrebungen der Schueider von Paris ia ausführlicher Weise vorführt, und zwar sind die mitunter irrigen Bemerkungen der Einleitoug seitens deS französischen Schriftstellers, Sigmund Tazläuder, welcher«in Gegner der politischen Arbeiterbewegung und der StaatShülfe ist, nur dazu geeignet, ihn selbst zu wider- legen, da sich zweierlei als unbestreitbare Thats'che auS jener Erzählung erglebt: Erstens ist eS absolut unmöglich, daß innerhalb der Heu- tigcn Produktioneweise das Proletariat auf dem Wege der Asso- ziation sich erlösen kann. Bon den Schulze-Delitzsch'schen Trugbildern dcö Sparens und der Selbsthülfe können wir natürlich ganz schweigen; aber selbst die auö dm edelsten Motiven hervor- gehenden und mit dem größten Opfermuth ins Werk gesetzten Bellrebuugen jener Pariser Arbeiter scheiterten. Die Pariser Schneider, als sie aas die eigenen racge» imu.u �(,-.�1.;... sahen, sparten nicht, nein sie hungerten und darbten sich das Nöthigste ab; viele andere Arbeiter brachten freiwillig ihnen ihre Blutpsennige dar; mit einem Worte, keine selbsthülslerisch-egoistische Berechnung, sondern die Opferfrendigkeit deS Eathusiasmus vermochte die Arbeiter von Paris zu den äußersten Anstrengungen. Und doch scheiterte alles dies gegenüber der Konkurrenz des all- gewaltigen Großkapitals, und als der Polizeiknüppel LouiS Na- poleon'S den Assoziationen den Gnadenstoß gab, da vollführte der Tyrann nur das, was jeder Pariser Bourgeois schon längst ge- plant hatte. Wenn wir also sehen, daß StaatShülfe allein Assoziationen mächtig genug machen kann, um dem Kapital erfolgreich die Spitze zu bieten, dann stellt es sich zweitens als absolute Roth- wendigkeit heraus, daß es das Proletariat selbst sei, wrlcheS das Eingreifen des Staates selbst leitet. Bon reaktionär-feuda- len StaatSregierungm ganz zu schweigen, sehen wir nämlich hier und mehr als 1690 Arbeiter in dem Lokale der Geslllschast beschäftigte und außerdem mehr als 2000 Familien außerhalb deS Gefängnisses Arbeit zuwies. Hätte die Regierung einen Liefe- ruugSkontrakt mit einem Bourgeois so plötzlich gebrochen, so würde derselbe vou deu Gerichten mindestens eine Entschädigung von 100,000 FcankS zugesprochen erhalten haben, da kaum ein Drittel der Lieferung stattgesauden hatte und noch Arbeiten für eine Million Franc? zu vollzieh!« waren. Die Werkstätten wur- dm durch die Behörden Ende Juli 1648 geschlossen uud eine strenge Liquidation der Geschäft« der Assoziation fand dann statt. ES war urfprüaglich festgesetzt worden, daß die Behörden drei Zehntheile deS Preises, über den man sich vereinbart hatte, zu- i'ilckhalt-n sollten, welche die Assoziation erst nach Beendigung der ganzen Lieferung ausgezahlt bekäme. Da die Arbeiter oft Geld brauchte», fo verfiel da» Com!t6 der Assoziation auf die Idee, ein« Art Papiergeld in Umlauf zu bringen, welches die Summe «präsentireu sollte, die von der Regierung als Garantie zurück- gehalten wurde. ES waren die» BilletS von einem bis zu drei Francs, zahlbar auf Sicht und an den Inhaber. Alle Geschäfts- lmte, mit denen die Assoziation zu thu» hatte, nahmen dieselben nicht bloS von der Assoziation, sondern auch unter sich als Geld an. Nach drei Monaten waren bereits Noten zum Betrage von mehr als 30,000 Franc» im Umlauf, ohne daß irgend eine Fäl- schung vorgefallen wäre. Die Liquidation der Assoziation war durch diese in Umlauf bifiadlichen BilletS, sowie durch andere Umstände natürlich erschwert. Anfangs acceptirte die Verwaltung uach einer genauen Aufgabe 27,307 Uniformen uud 27,948 Beinkleider. Nach sechs Monaten war die Reaktion noch größer, die Behörden ordneten eine neue Revision an, in Folge dann abermals 711 Uniformen unter irgend einem Borwande für nicht annehmbar erklärt wurden. Di« Assoziation vou Clichy erhielt demnach von der Stadt Paris 370,818 Francs, in welcher Summe die 30,000 Francs welche als Entschädigung für dm gebrochenen Vertrag bezahlt wurde», inbegriffen sind. Die Lieferung für die Mobilgarde war vom Ministerium de» Janern mit 142,000 Fr. selbst die radikal-dcmokratische Republik in infamster Weise das Proletariat hintergehen. Oder ist es nicht etwa ein angenschcin- licher Betrug, wenn der Assoziation der Pariser Schneider zu- nächst StaatSgelder und StaatSlieferungeu zugewiesen werden, und dann, um diese Assoziation zu ruiniren, widerrechtlich ihre Arbeiten gestört nnd die Kontrakte gebrochen werden?— Wahrlich, wenn irgend etwas die Arbeiter vor ihrer Vertrauensseligkeit warnen könnnte, dann find es diese Thatsacheu. Wie in dem einzelnen Falle, den wir hier vorführen, ist eS nun aber den Arbeitcr-Bssoziationen, so weit sie von der Herr- scheuden Klasse Unterstützung oder auch nur Duldung erwarteten, stets ergangen. Bald ist die sociale Macht der Konkurrenz deS Großkapitals ihr Vertilger, bald die reaktionäre politische Gewalt. Nur auf die socialistisch aufgeklärte Arbeiterklasse, sobald diese die StaatShülfe selbst sich bewilligt und leitet, gestützt nur in großartigem Maßstabe kann die Assoziation deS arbeitenden Vol- k:S aufblühen und zur socialen Erlösung führen, nur dann sind die Jntrizuen der Feinde der Assoziation ohnmächtig. DaS ist cS, waS uns die Geschichte der Pariser Arbeiter-Assoziativ- neu lehrt. Politische Aeberjicht. Berlin, 11. Februar. Vou Berlin bringt uns daS neue Ttvilehegesttz folgendes interessante Ergebaiß. Bon je 100 Pärchm, sie sich tränt» liißm, haben eS nur 19 für gut iefuuden, die Cioiltravung durch den Priester sauktioniren zu lasse»; vou je 100 Kindern, welche in Berlin in daS EivilflandSregister eiogetragen sind, haben eS die Eltern von nur 25 Kindern für vöthig gefnade», die sogenannte heilige Taufe rintretm zu lassen.— Durch die Civil- ehe ist man allerdings dem gesammteu„Christeothum" auf den Leib gerückt, und nicht bloS deu Uliramontanea, wie die Kul- turkämpfer eS zuerst glaubte«.— Jo Berlin habe» jedenfalls die protestantischen G-ifilichen den empfindlichsten„Klatsch" er- halte».— Zr solchen Wirkungen deö C'vilehegesetzcS dcS neuen deutschen Reiche», lesen wir eine christlich-germauische Ansprach« deS deutsche» Kaisert, welche>r an die Brandet bn�er P trtwtil.„Ich Hab« die Prorw« zialsynode» berufen in der Hoffnung, daß dadurch daS wahre Wohl der Kirche wird gefördert werden. Es sind hierbei viele Schwierigkeiten zn überwinden gewesen, theilS inuere Schwierig- kiiten, die in der Natur der Sache liegen, theilS peknaiare Schmie- rigkeiten. Nun hat die Berufung der Synoden stattfinden kön« neu, uud ich hoffe, daß das Werk, bei dem auch die Laim für das Wohl der Küche mitarbeiten sollen, wohl gelingen werde, trotz der mancherlei Gefahrea, welche die Zeit in fich birgt. DaS wirS aber wesentlich davon abhängen, daß Sie in Friede» Ihre Arbeit tho«. DaS ist also auch die Parole, die Ich ausgeben muß: D-r Friede. ES wird in dm Verhandlungen wohl man- ch'.S Wort falle«,«elch-S nicht gerade den Friede« v-.rlüadet und darstellt— wenn dann nir schließlich die Thatcn friedlich anS- fallen. Im Frieden für die Kirche zu arbeiten, wird Ihnen ja nicht schwer fallen, wenn Sie sich auf dem Gruude de» christlichen Glauben?, des GlaubmS au Gott uud die Gottheit Christi, hal« bezahlt worden. Um die Assoziation, die als cin Rest von An- Hänger» vou LouiS Blauc betrachtet wurde, noch sicherer zn unter. drücken, wurde bestimmt, daß die EntschSdlgnugSsomme, sowie die drei Zehntel, welche von allen Zahlungen als Garantie zurückbe- halten worden waren, erst nach der vollständigen Liquidation, die eine geraume Zeit ia Aaspruch nehmen mußte, bezahlt werde» sollten. Gleichzeitig wurde allen Mitgliedern der Assoziation, denen auf diese Art plötzlich daS Brod abgeschnitten und sogar ein Theil deS Geld-S, daS ihnen noch gebührte, vormlhalte» wurde, augezeigt, daß sie sofort daS Lokal in der Rue de Clichy zu räumen hätten. Man ging noch weiter uud wagte sogar, diejenigen Arbeiter, welche uicht auS Paris gebürtig waren oder uichi daselbst Erw?rbfq>«llen besaßen; auszuweisen. Man denke fich die Berzweifling dieser armen Leute, welche eS für unmöglich gehalten hatten, daß sie von der Republik noch härter behandelt werden würden, als von der Monarchie, dt« voa der Ema:!z'pa. tion de» ArbeiterstandeS geträumt hatten uud nun auf einmal ein« solche kalt«, höhnische Wirklichkeit vor fich sahen! Ungefähr 300 Arbeiter, die ohne Heimath und ohne alle Zufluchtsstätte warm, erklärten in ihrer Verzweiflaug, daß sie nicht gehm wollten, und mau sie eher tödtm müßte! Diese 300 Schneider und die ehe- maligeu Chefs der Seklionm der Assoziationen, w-lche jetzt mit der Liquidation derselben beauftragt stud, bleiben daher in dem ehemaligen Schuldengefängniß zurück. Als noch die Arbeiten für die Stadt Paris und die Regierung im Gange warm, hatten die Schneider die Mittel, ihre Miethe zu bezahlen, und die Arbeiter schliefen uicht in deu Zellen und Säle» deS Hauses. J-tzt machte man auS denselben auch Schlafstättea für jene Schneider, die keine andere Wohnung hatte» und dieselben finden dort auf Tuch» abschnitten ein kümmerliches Lageri Man trachtete, Bestellungen vou Privatleuten zn erhalten. Diejenigen, die Arbeit fanden, er- nährten die Anderen, uud mau lebte auf kümmerliche Weife man- ch:n Tag bloS von Brot und Wasser. Die Wenigsten konnten diese Entbehrnugm lange aushalten und Einer uach dem Andern fiel ab, sobald bei den früheren Meistern wieder Arbelt gefunden ward«. Endlich, nach sechs Wochen, waren noch 54 Schneider tm.®taa freilich,»tan wir daran nicht festhalte«, dann find wir ja zar keine Christen mehr— es find besonders in der Hauptstadt Bestrebnagen und mehr al« Bestrebungen hervorgetreten, die auf LSugvnnz der Gottheit Christi hinauslaufen. Wohin das fährt, das haben wir erlebt, wenn man Gott den Herrn und damit auch den Sohn GotteS durch Dekret abschafft«nd nachher wieder einsetzt. Darum thut eZ »oth, daß da« kirchliche Leben im bestehenden Glauben gep egt werde im Lande, wie dieS auch Meine Borfahren jederzeit, wie Sie anch hervorgehoben Hab«, gethan haben. Durch die neuen Gesetze find bei uuS allerhand Irrungen entstanden, zum Theil durch Mißverstand, sie find aber anch abfichtlich geschürt worden feiten» einer Partei. Da ist sogar die Meinung anfgekommea, e» solle gar keine Taufe und Trauung mehr stattfinden. Dag sind Irrungen, denen entgegen getreten werden muß. Darum habe Ich bestimmt, daß§ 79 w das ReichScUilehezcsetz auf« gevomme« werde« soll. Mögen nun die B:rhandlavgen und Arbeiten der Pcoviozialshnoden, denen Ich Mein: lebhafte Theil« «ahme widme, mit GotteS Hälse segensreich verlaufen."— Ein ganz anderes Bild liefert un» aber die Enthüllung der englischen Regierung über die im vorigen Jahre stattgehabte, von Seiten der russischen Regierung einberufene Briijselcr Konferenz. Ans derselben sollten die Reziernngcn angeblich dar« über berathen, wie eS möglich sei, die Kriegführung humaner zu gestalten; die englische Regierung zeigt nun aber, daß man nur da« Bölkerrecht zu Gunsten d;S Angriffskrieges m't großen stehenden Heeren und zu Ungunsten de? Verth-idig ungSlriegeS eine» angezriffeuen Volkes h.be umgestalten«ollen. D eS dem Parlamente vorgelegte sogenannte Blau uch der Regierung ver« öffentlicht nämlich unter den auf die Brüsseler Konferenz bezüg- liehen Aktenstüeken die vom 2V. Januar d. I. datirte Depesche deS Grafen Derby an den britischen Botschafter in St.. P ters- bürg, Lord Augnstu» LostuZ. Es heißt darin unter Anderem: „Als die wichtigeren Artikel des Projekts zur Prüfung ge- langten, stellte eS fich indeß bald heraus, daß die Borficht de? britischen Delegirtm völlig gerechtfertigt war. Es zeigte fich, daß die Artikel deS Projekts statt bloßer Regeln für die Richt- schnür militärischer Befehlshaber, bafirt auf Gebräuchen, über welche eine allgemeine Verständigung als wünschtnSwerih im Interesse der Humanität gehalten werden könnte, zahlreiche Neue« ruugen enthielte» oder einschlössen, für welch- rrwieseuermaßen keine praktische Nothwendigkeit vorhanden war, und deren Resnl» tat, wenn sie angenommen worden wären, in hohem Grade zum Borcheil der Mächte, die große, beständig kriegsbereite Armeen und Systeme allgemeinen, zwangsweisen Mi- litärdiensteS besttzeo, gewesen sein würde."'' L-»rd Derby geht da an dazn über, etnize der brmerkeuSwerth ren MelnnngSoerschic- denheiten, denen die DiSkasstonen AnSdrack gaben, zu beleuchten, vnd schließt, wie folgt:„Eine sorgfältige Erwägung der ganzem Sache hat zur Ueberzeggunz geführt, daß e« Pflicht ist, im Na- meu Großbritanniens und feiner Alliirteu in irgend einem küaf« tizen Kriege jedes Projekt für die Aeuderung der Prinzipien d s Völkerrechts, nach denen dieses Land bisher handelte, entschlossen zn verwerfen, und vor Allem fich z» weigern, eine Partei irgend einer Uebereinkanft zn sein, deren Wirkung sein würde, An- griffSkriege zu erleichtern und den patriotischen Wi- derstand eines vom Feinde überzogenen Landes lahm zu Uzeu!"— Wir sehen, die englisch« Regierung spricht deutlich. In England best hm einig; veraltete Befiimar°ng«u, welch« in ähnlicher Weise nnurdivgZ avg-wandt worden find, wie eS n-«t>-arttr-»chA«s»tz,»»tt Welchem man die deutschen Arbeiter beglücken wtS, geschehen wurde.»Us y«! ury einen heftigen Stnrm unter der gesummten Arbeiterbevöckernng erregt, und die englische Reziernng fiadet sich in Folge dessen veranlaßt, Schritte zn thun, um diese ZwangSgesetze abzuschasseo. Hierauf ist bei Eröffnung deS Parlaments hingewiesen worden. Di«„Nationalzeitnug" schreibt darüber:„In Aussicht genommen ist ferner eine Revifion der Gesetzgebung über die ArbeitSver- haltnisse, insbesondere bezüglich der Bestimmungin über Kontrakt- broch und Konspiration; dieser Gegenstand kann jedoch erst in Angriff genommen Werden, wenn der Bericht der Evqnetekommis- siou crschienm sein wird, die im vorigen Jahr« in Verfolg eimr schon 1873 nach dem Prozeß der GaSarbeiter und verwaudteu Vorkommnissen von Vcrno» Harconrt gegebenen Anregung eivge- fetzt wurde..... Was die Gesetzgebang über die Arbeiter- verhältniss: betrifft, so ist zu bemerke», daß diesilbe in England fich noch in der umgekehrten Strömung bewegt, als bei snS; die noch bestehenden KonttakibruchS-, EinschSchttrungS-«nd SonspirationSstrafe» sollen, wenn nicht ganz beseitigt, so doch er- heblich gemild:rt werden."— Ist es nicht rührend, daß die „Nationalzeitanz" hier ganz verblüfft berichtet, daß die englische Arbeitergesetzzebnuz, mit welcher die Herren Liberalen stets so großrs Hall» machen, die Koutraktbruchzesetze abschafft, also den deutschen Liberalen di« schönste Widerlegung augedeihen läßt. Bei W-item komischer aber ist daS Wörtleia„noch"— indem daS liberale Blatt dadurch andeute« will, als werd: England, welches jetzt noch die ZwangSgesetze gegen Arbeiter abschafft, bald Büße thun und dieselben„dentsch liberal" wieder einführe».— Solche Hanswursterei!-— So wenig wir auf die englische Bourgeois- ökouomie geben, so müssen wir doch zugeben, daß die Staats- männer Englands, welche mit viel großartiger«utwikelteu kapita- listischen Verhältnissen rechnen, mehr politischen Takt im kleinen Finger befitzen, a!S ihre demschen Nachbeter simmt und sonder« in ihren Schlauköpfen. Die englischen Staatsmänner wissen, daß solche weraltete Zwangs maßregeln uuhalibar find und lassen fit deshalb fallen; ihre deutschen Nachtr.ter aber spielen mit dem Fener, gießen Oel hinein und Wundern sich dann, wenn die Flamme auflodert.— Nun, nn« Socialiste» kann'S recht sein. Alte ehrliche Hstden, wie Garibaldt, lasse« fich leider leicht täuschen; so hat derselbe durch allerici Versprechungen von Volks- feeiheiten fich von Bielen seiner Freunde bewegen lassen, dem Könige von Jialieu einen Besuch abzustatten. Darüber berichtet man ans Rom folgendermaßen: Der Telegraph hat bereits die Nachricht gebracht, daß Garibaldi, begleitet von seinem Sohn Menotti, fich von dem General Medici in den Q iiriaal zu B�c- tor Emaauel führen ließ. Die Konsorten jubeln, die ganze Rechte hat Garibaldi ihre Vifiteukarten geschickt, ditselbe Rechte, die nicht aufstand, ihn zn begrüßen, als er in der Kammer erschien, und als fie ihn noch wie ein rotheS Gespennst fürchtete. Mehrere Freunde de? tapferen Generals bedauern dm Wberfprnch, in de» er mit sich selbst geratheu ist. Wie er über den König und über die ganze jetzige Regierung denkt, hat er hundertmal mündlich und schriftlich ausgesprochen.„Borgiauische Zeiten" war sein treffender Ausdruck. Noch kürzlich, den 13. Januar, schrieb er an Ludmilla Asstug bei Anlaß der Verhaftung des Advokaten Salvatore Battaglia in Florenz:„Unser Battaglia ist im G:- fäagniß, weil er redlich ist, und w-nn fie können, werden fie eS mit Allen so machen." Garibaldi kann fich nicht täuschen über die Korruption und Willkür des gegenwärtigen Systems, er, der in London Mazzwi für feinen Meister erklärte, der in den letzte» Jahren fo oft sein republikanisches GlaubenSbckenntniß abgelegt hat, er kann keine Hoffnung in die italienische Monarchie fttzen. — Weiter wird über daS Aaftr.ten Garibaldi'S in Rom ge« schrieben: Garibaldi empfängt unzählige Besuche und erhält täz- lich ungejähr 400 Briefe. Den Vertretern der Freimaurerlogen sagte Garibaldi:„Die Freimaurerei, diese alte und ehrwürdige Assoziation, die fich so sehr um die Menschheit verdient gemacht, hat eine neue Aufgabe der Thätigkeit für die Z ikanst. Sie maß fich an die Spitze der Demokratie stellen, die in so viele kleine Gruppen gespalten ist. Und eS ist die einzige Affo- ziation, welche diesen Zweck erreichen kann und in Julien mächtig zu werden vermag und das ganze humanistifch-fortschreiteude d mo- kratische Element in fich vereinigen kann." Hierbei erwähne» wir, daß die italienischen Feeimanrerlszen nicht, wie in Preußen, sich in den Händen der Bureaukratie befinden, sondern immer eine sehr fteiflumg? Richtung bekundet haben. Dag Volkswehrsystem", welches bereits in der Schweiz keit langer Z'.it große E folge krzielt hat, wird i dt -vv-r»'iiugeiu�ri werden, welches keiner Kriegspolitik, sondern der Friedenspolitik huldigt. Es handelt stch»m Schweden und Norwegen. Man schreibt diesbezüglich ans Stockholm, daß nach den am 5. Februar dem Reichstag- zuge. stellten RegierungSauträzm, betreffend die Reorganisation deS WehrwesenS, die Wehrpflicht vom vollendeten 18. biS zum voll- endete« 40. Lebensjahre dauern soll. Die Aushebung zum akti- den Dienst erfolgt mit dem 21. Lebensjahre und gehölt der AaS- gehobene sechs Jahre dcr Linie und sechs Jahre der Landwehr an; die Lbrizen Jahrgänge gehören zum Landsturm. Die Prä- senz ist aber nur auf 10>/z Monate festgestellt.— Dies ist, wie gesagt, der Entwurf der Regierung; doch wird wahrscheinlich die Volksvertretung denselben noch fteistnuiger gestalte», da fich sechs Monate' aktiver Dienstzeit btt der Fahne als vollständig genügend tzeranSgefiellt haben. in dem Hause der Rue de Cichy vorhanden.- DaS Band der Brüderlichkeit knüpfte die Liquidatoren der Assoziation mit de» treu gebliebenen Mitgliedern zusammen, nur Einer derselbev machte, an der Welt verzweifelnd, seinem Leben ein Ende. S» gelang diesen Arbeitern endlich, alle Rechnungen mit den Behörden zu schließen, und die Summ-, welche von dem Peä- flkten der Seine zurückgehalten wurde, sowie die EatschädiguugS- 'summe wurden eingetrieben. Die Llqaidatoren begannen damit, die von dm Schneidermeistern vorgeschossene Summe von 11,600 Francs mit Interessen zurückzuzahlen, und alle noch in Cirku- lation b> fUdlichm Bons gegen Bezahlung von 10,000 Francs einzulösen, und der Rest ward unter alle früh-reu Mitglieder der Assoziation von C'ichy als deren Autheil an dem Gewinn bezahlt und jedem Einzelnen die Einsicht in di« Bücher ange« boten. Während dieser Ligridation hatten di» S4 treu gebssebe- um Mitglieder ihren Antheil en dem Gewisu dazu benutzt,«in Lokal in dem Faubourg St. Denis zn mietheu und fich daselbst, nachdem man daS HaaS in der Rae de Clichy in dm erfien Tagen des Januars 1849 verlassen hatte, zu installire». Am 1. September 1849 schloffen die Mitglieder, welch« ein volle« Jahr auf diese Weise in einer UebergangSperiode zugebracht hat- tm, einen nenen Vertrag ab. BiS dahin hatte iloS eine provi- forifche Uebereinknuft, welche fie am 10. August 1848, um dem Gesetze zu genügen, vor dem Notar DumaS uvterzeichnet hatten, sie als eine Handelsgesellschaft, deren Mitglieder dritten gegen- über gemeinschaftlich verantwortlich seien, dezeichuet. Während dieses Jahres hatten die Mitglieder Geschäfte zu dem Betrage von 94,000 FrancS gemacht. Dieselben hatten deSuogeachtet ans daS Kümmerlichst« gelebt. Obscho» biese neue Aff-ziaUo» auf ganz andireo Grnnd- sätzen beruht, als die Assoziation von Clichy, ward sie von dm ausgeschiedenen Theilnehmern der Letzteren stets unterstützt; d-eS beweist, daß diese Bestrebungen nichts mit dm Schulzc-Delitz'sche» egoistischen Selbsthülfebestrebungen gemein hatte. Letzteres be- weisen anch die Vorwürfe ProndhonS, welcher in der„Vo!x da Peuple" von seinem Standpunkt aus fich darüber lustig machte, daß die Arbeiter- Assoziation so viel von Brüderlichkeit spräche. Prvndhon klagte namentlich die Assoziation von Clichy an, ihre Brüderlichkeit dadurch an den Tag gelegt zu haben, daß fie da- mit anfing, jene Arbeiter außerhalb der Assoziation zu beschäftigen, welche am billigste» arbeiten wollten. Darauf brachten aber die Schneid«: Beweise dafür, daß sie den Stickerinnen, welche außer Arbeit waren, die Stick-reim, welche für di« Uniformen erforderlich waren, zu dem von ihnen verlangten Preise übergaben, und als einige Tage hierauf die Sticker daS Anerbieten machten, diese Arbeit?» zwei Drittel billi- ger zu liefern, als die Slickennom, fie doch nicht von diesem Anerbieten Gebrauch machten. Außerdem bewiest» fie, dag eine große Anzahl von Wcißnäherivum sich erboten hatte, bei der An- fertignug von Beinkleidern beschäftigt zu werden, ohne daß fie mindeste Kmntuiß dieser Arbeit hatten, und daß dieselben den? «och dmsetbm Arbeitslohn erhielten, als die Mitglieder der Affo- ziation, obscho« deren Arbeit von Neuem begonum werden mußte, weil man jene nicht in der Roth habe umkomme« lassm wollen. Dl Schneider bewiesen ferner, daß fie, als fie fich iu dem Fan- bourg St. Denis etablirte», alle nöthigen Arbeiten durch die Assoziation der Tischler, Anstreicher, Tapezirer, Oseuarbeiter, Schlosser, Lampenarbeiter, Pappmmacher, Sesseltischler, Uhrmach«r u. s. w. besorgen ließen, ohne au deren Preisen im Mindesten zu feiffcheu. Endlich wiesen fit nach, daß ste seit dem ersten Be- stehen ihrer Assoziation allen übrizeu Assoziationen Credit gegeben und deren Produkte, soweit es ihnen möglich war, dieselbe zn gebrauchen, au ZahlnngS Statt angenommen hatten. Wir müssen nun die neue Assoziation deS Faubourg St. Denis noch kurz in'« Auge sassm. Es muß erwähnt werden, daß, als die Liquidation der ersten Assoziation stattfand, auf jedes Mitglied ei» Reingewinn von 7S CmtimeS für jedes Arbeitstag währmd der Dauer der Assoziation der Rae de Clichy fiel. Als nun die erwähnten S4 Mitglieder fich zur Begründung einer neuen Ajjoziation vereinigten, betrachteten die meisten der früheren Assvzierten deren Versuch als einen Kampf zum Besten des ge. sammti» ArbeiterstandeS, verzichteten freiwillig ans ihren Antheil — ein schlagender Beweis für den Unterschied vom jetzigen Selbst. hülfeschwindel— und machten denselben der nenen Assoziation * Seitens der preußischen Regierung ist dem Landtage über die StaatSbergwerk«, Hütten und Salines eine iater- essaute statistische Zasammenstcllaog zazegaugeu, welche einen tie- en Einblick in die Frage deS Verhältnisse» von UlltcruehMN- stwms Ulld Ardeitsloha thun läßt. Nach dieser, dem Landtage zugegangenen Uebersicht, erreichte der Gesammtwerth der im Jahre 1873 auf diesen Werken erzielte» Produkte, einschließlich d-r Steingewinnangea, di« Höhe voa 45,999,971 Thaler, also in runder Summe 46 Millionen Thaler. Im Einzelnen beträgt der Werth der Produkte b:i de» fiskalischen Bergwerken 36,717,507 Thaler, bei den fiskalischen Salzwerken 1,527,271 Thaler und bei den Hüttenwerken 7,755,193 Thaler. Die Ge- ammtzahl der vom Staate betriebenen Werke betrug im Jahre 1873 83, und zwar 60 Bergwerke, 9 Salzwerk: und 14 Hütten- werke. Außerdem waren noch 2 Bergwerke und 3 Hüttenwerke mit anderen Staaten in gemeinschaftlichem Befltze. Beschäftigt waren bei dem fiskalischen Belriebt im Ganzen 42,523 Arbeiter oder 11,6 Prozent der Gesammtzah! der Bergsalioen- und Hüt« tenarbeiter Preußens, und zwar: beim Bergbau 38,238 Arbeiter, beim Salzwerksbetriebe 1655 und beim Hüttenwesen 2630. Der ssf sämmtlichen StaatSwerken erzielte Ueberschnß, einschließlich der am Jahresschluß verbliebenen R ste, hat im Jahre 1873 betra- gen: 17,445,596 Thaler, also in runder Summe 17 und cm» halbe Million Thaler Im Einzelnen beträgt der U-berschuß bei den Bergwerken 16,812,458 Thaler, bei den Hütt er. werken auf 183,126 Thaler und bei den Salzwerken ans 450,012 Thaler. Ziehen wir hieraus eine Schlußfolgerung, s? ergiebt stch, daß ein jeder d-r 42,500 Arbeiter diesir StaatSanstalten— Steiger und Bollhäuer und Jungen fämmtlich mitgerechnet— durchschnittlich für circa 1030 Thaler Werthe im Jahre 1873 priduzirt hat, von welchen circa 410 Thaler iu de» Säckel deS Staates geflossen find; die Löhne, Beamteugehälter und Tantieme», sowie Produktionskosten fallen also iu d-.r Höhe von 670 Thaler' auf den Kopf jedes Bergmannes. Leider fehlt uns die Angabe über den Durchschnittslohn, so daß wir nicht berechnen koanen, wie viel vo» jinen 670 Thlra. jährlich darauf entfällt; viel wird eS aber nicht sein, da, wie gesagt, nicht nur die erwachsenen Arbeiter, sondern anch die jungen niedrig gelohnten Anfänger mltgerichnet sind. Bei den Privatbergwerkea u. s.«., welche, wie wir sehen, noch 8mal so viel Arbeiter haben, werden fich 1873 Wohl eher größere als geringere Gewinaste herausgestellt haben, da fie viel lebhafter als der Staat di: Bergwerke anSdenun. Wmn es aber auch nicht mehr wäre, so kann sich doch ein jeder Bergmann sagen: Ich und meine Kameraden, von ältesten Halbinvalidm bis zum jüngsten Burschen, ber-ichere durch meine Arbeit min- dcfieoS um durchschnittlich 410 Tqaler die UnUraehmer und iu einem socialistischeu Gemeinwesen hätten wir Alle täglich 1 Thlr. 10 Sgr. mehr zn verzehren, als jetzt.— Ja, die sociale Frage ist eine Mazenfraz«!— Etklarunz. Durch die öffentlichen Blätter geht, theuweife mit gehässigen Bemerkungen/ theilweise al» einfache Angabe, die durch die Au- Hänger deS H'.rrn Bräucr in Hamburg verbr-itete Nachricht, daß ich außer meinem Gehalte in dem G-fchästSjahr des Allg. deutsch. Arb.-Vereins vom 1. April 1873 bis 1. April 1874 150-250 Thaler monatlich AzitationSgelser für mich bezogen Härte; ein Theil deS Geschäftsberichts d-S Allg. deutsch. Arb.-VcreinS wird dieser Behauptung von einigeu Zeitnnzen zu Grunde gelegt. Ts werden allerdings, und besonders bei lebhafter Agitation, an welcher stch der P Lst»e»t des Allg. deutsch. Arb.-Bec- eiaS selbst betheiligt, an diesen auf sein« Anweisung von der VereiuSkrss« oftmals größere Summe» gezahlt, von welchen er ehuStheilS andere Agitatoren für die Zeit ihrer Thätigkeit besoldet, anderntheilS feine eigen-» AaSzabcu bestreitet. In dem oben angeführten Zeiträume hatte ich allerdings gegen 1700 Thlr. aus der B-reinSkasse bezogen, von welchen ich aber, laut der der General-Virfammlnng zu Hannover vorgelegten und geprüften Qnittangeu»od Post« scheine, selbst rur gegen 500 Thlr. zur Agitation für 136 Tage nebst Fahrgeld zur Reise fast durch ganz Deutschland verbraucht hatte. Die übrigen 1200 Thaler vertheiltea stch auf verschieden« Agitatoren. Ich ersuche zunächst dir Blätter focial-demokratischer Richtung, diese fachliche Erklärnag anfuehmeo zu wollen; dann zum Geschenk, oder nahmen dafür Antzeikscheine und schloffen fich auf diese Weise an, fo daß die neue Afforiatio» außer dq; 54 thcttgen Mitgliedern noch 300»ftjduäre zählt-, welche fich' verpflichteten, durch kleine moaallich- Beitrag: den Betrag zu ver- vollständige». So bekam die Baaroorcath von 37,000 Francs, als fie ihre Operationen begann. Die Affo- ziation rechuett ferner auf dka Gimfingeist der Arbeiter so weit, daß sie bestimmt«, die»ktie� sollten keine Zinsen abwerfen, damit der volle Gewinn zur Tatwickelaug der Assoziation verwendet werden könne. Der Gscunt wurde auf ein Jahr gewählt, aber B6rand, der«*fl« Töraut, wurde jedes Jahr von Neuem ernannt. Eine AnsstchtSkommisfion von fünf Mitgliedern, ein Kasfirer und Buchhalter standen ihm zur Seite. Streitigkeiten wurden durch ein« von den Arbeitern gewählte Jmy geschlichtet, und zweimal des Jahres fanden Generalversammlungen statt. Während der stillen JahreSz-it, wenn die Bestellnugeu nicht für alle Mitglieder ausreichten, wurden die Arbeitsstunden eineS jeden Mitgliedes verhältnißmäßig verringert. Die Assoziation hatte nicht blas die Mitglieder aller Assoziationen zn Knude», sondern daS gefammte übrige demokcatifche Publikum machte daselbst seine Einkänf«. Um dieS zn erleichtern, eröffnete die Assoziation Zweig- Etablissements in Presteavx und einigen Vorstästen von Paris. Di« Schuelder- assoziatiou konnte trotzdem aber nur mühsam die Konkurrenz der großen Geschäft« aushalten und ward endlich durch den Staats- streich Louis Napoleon'S gewaltsam unterdrückt. So liefert diese wichtigste der Assoziationen der fravzöfischen Arbeiter einerseits da» schönste Z-uguiß für den Opfermuth und dm brüderlichen Geist der Arbeiter, andererseits zeigt fie deutlich, daß weder die wachsamsten selbsthülflerischen Anstrengungen noch die heuchlerische StaatSunterstützunz eines BourgeoiSstaateS Pro- duktivassoziationen zum Sieg über das Großkapital verhelfe» wird, sondern daß nur der freie und von der Aebeiterklasse selbst ge- lenkte Staat zur Lösung der sozialen Frage fähig«nd bereit sein wird. vier halt« ich eS auch für Thrcofache all« an�etea B'ätttr, welche über diese Augelegerih'.it irgend etwas gebracht haben, gleichfalls obige Erklärang abzudrucken. In naferer hkutige» Zeit ist eS allerdings leicht, einem Manne in der Oeffentlichkrit die Ehre abzuschneiden; daß mau dies aber in so frivoler, leichtfianizer Weise za thun versucht, ist ebenfalls ein Zeichru der FänKiß unserer socialen Berhältnisse. Hasenclever. Dortmund, 9. Febr.(Prozesse.) Am 4. tf«. stand Uaterzeichmter »or dm Schranke» de« App-llationSgerlchte zn Hamm, angeklagt, alZ Ord- Ner oder Leiter eines selbstständigea Lerciu»(Filiale des Allgem. deotschen Arb..Vertins) fungirt zu haben, und wurde auf Z 2 und 8b. des Gesetzes ZU 20 Thlr. Geldbuße, event. 10 Tagen GefZuguiß vcruriheilt, resp. da« Urtheil erster Instanz bestätigt. Auf Schll-ßanz wnrde erkaunt, weil da» Treiben d« Socialistm gefähelich fei. Auch hob der Herr OberstaatSan« Walt nach meiner Bertheidiguug h.rvor, daß der ObertridunalSbeschluß, bezüglich de» Mainzer Kathslikeuderein«, auf mich keine Anwendung fände. Am 4. März findet am ApPellatisnSgericht ebenfalls Termin wegen fort- gesetzter Thä igkclt deS geschlossenen Allg. deutschen Arb.-Bireln» statt. In erster Instanz wurden wir in dieser Sache freigesprochm, a er die Staat«- anwalischat hat Aopellatloa erhoben. T. H. Kalbfleisch. . Barme», 7. Februar.(Bericht.) Seit längerer Zelt befinden wir «HS hier jetzt wieder in der altgewohnten W-ise iu rüstiger agitatorischer ThStigfeit. DaS Anfldsungssystcm d-r Polizei wird nn» gegenüber schon seit längerer Zeit nicht mehr angewandt. Ob die Polizei nnu einsteht, daß ste uns Unrecht geihan, oder ob sie fich überzeugt hat, daß die Veesamm- lusgeu doch keine Forls'tzung des Allgem. deutsch. Arb-Verein» fiud uud waren, oder ob man gesehen, daß die Social-Demokraten soviel Lamme?- sauftmuth blfitzen, daß der moderne Staat nicht durch dieselb-n gefährdet wird, da« lasse ich dahingestellt? So hielten wir am Dienstag, den 27. Januar, eine recht gut besuchte Verfammlung im Lokale de« Herrn Berger «b, in welcher Herr Fr-ck aus Bremen einen sehr iniercssanten Vortrag über die franzöfische Revolmion von 1789 bi« 1793 h'elk. Am Donnerstag, den 29. Januar, erhielten wir von unserem Abgeordueten Herrn Hassel- Mann eine Depeiche, in welcher uns m'tgetheilr wnede, daß er am Samstag, den 31. Jan., Sonntag, den 1., und Montag, den 2. Februar, im Wup- perthale anwesend sein würde. Schnell wurde sich nun mit den Elberfelder Parteigenossen verständigt, und aus Sonntag, den 1 Fcbr, iu Elberfeld und auf Msntag, den 2. F b.-, Iu Barmen Bolksversammlungen anberaumt. Außerdem traf zu unserer größten Freude Msntag, den 2, Abend«, als die «ersammlnrg in Barmen bereit» am Tagen war, der RcichZtagSadgeord- uete I. Mattel« ein. Die Versammlung, welche In den Räumen der �Schützenhalle" tagte, war so stark besucht, wie selten eine in den stürmi- Ichcn Tagen der Wahlperiode. Uns« RcichStazSabgeordueter ward M>t stürmische» Hoch« begrüßt und erstattete dann zur völligen Zllfrieden- heit sein« Wähler Bericht über seiue Re chStagSthätigkeit. Hierauf ge- »achte Herr Motteler, der ebenfalls mit freusigeu Zurafeu empfaugeu wurde, mit kurz-» Worte» der sich zwischen beiden Parteien vallzogeuen Einigung, welcher die ganze Bersammlnug freudig zustimmte. Im Wnp- prtlhale ist übrigen« die Bereinignug fcho-e zur verendeten Thatsache ge- worden, indem fich die Anhänger beider Richtungen gemeinschaftlich in die m Elberfeld uud Barmen gegründeten lokalen Vereine haben einzeichnen lassen. Auch sind die Vorstände der Vereine a»S beiden Richtungen zu- lammen geletzt. Dienstag, den 3. F-brnar, reisten Herr Motteler und Ich nach Hazen, wo ebeufalls eiue zahlreich besuchte BolkSversammlang statt- fand. Herr Motte!«, welch« daS Wo t über die Thätlgkeit deS N.ichd- lagcS zuerst ergriss, zeichnet« in scharfe» und klaren Zügen daS BerhaUcn d« einzelnen Parteien und wieg namentlich In schlagender Wtlse die Be« rechtigMg und Durchführbarkeit der von den ssciolifilsch-n Arbeitern arge- stt btcn Berändcrnngin der gesellschaftilchen Verhältnisse nach. Hoffentlich tmrden wir recht bald die Freude haben, unsere ueucn und prinzipiell doch ichou alten Parteigenossen hier kennen zu scrnen, um so gemeinschaftlich, Schulter an Schult«, auf die Festung der Lüge und den Unverstand der »kassen Sturm zn laufen. Mit focial-dtmokrmischim Gruß � E. I Kühl. TetMM'brst, 8. Februc-r.(Versammlung.) Am!18 Jan. d. I. halten wir hier eine V'olksv»sammlnnz, in welcher Her! F. Friedrichs 's" Borfitz und Unterzeichnet« das Proto'o? führte Das Referat über die Tagesordnung:„Welche« find die Ursachen der heutigen GeschäftSstockung", hatte Herr Th. Rothermuudt übernommen. Die Lersammiung, an« allen Schichten der Bevöikcrnng unseres Ort.s zusammengesitzt, war von «•100 Personen, u feren lokalen Verhältnisses nach, gut besucht. D« Refetint bemerkte, daß diese Tagesordnung aufgestellt sei, weil daS hi stge K eisblatt einen Artikel gebracht, wänach die schlechte Handelsbilanz vom Jahre 1873 und demnach auch wahrscheinlich deS Jahres 1874 ihren Grnud hanztsächltch iu ein« schlechten Ernte und den ungehinderten agitatorischen Umtrieben einer Partei, das heißt der social- demokratischen, habe. In klarst« Weise bewies Red»« daan, daß da« Unglück einer jeden großen Pandellkrise uicht der Arbeiterklasse, einer Handelskalamität od« dem Regen oder Sonucsschiui zuzuschieben sei, sondern daß das Kapital durch die plan- tose Großproduk.ion eine Ueberprodrktlon schafft und so für daS Volk das unverschuldete, ab« schreckliche Elend einer Handelskrise«zeug«. Vrweise brachte d» Referent f«u« basür bei. daß die Großv'odul'.io» die Hand- w«ker durch die Konkurrenz so niederdrücke, daß er zuletzt nicht« mehr habe, um sein jammervolles Dasein zu fristen. Hicranf nahm die Versammlung folgende Resolution einstimmig an: �,Di- Volksversammlung«kennt die AuSführvng-» de« Referenten Iu vollem Maße au, namentlich entgegen dem reiiartikel de»„Berk Börs.-Tour." und de«„Delmenhorster KrelsblatteS". «-i««kennt namentlich an, daß die TeschästSkalamItäten, dl? schon seit lan- lli! Zeit periodeuwtsse wiederkehren, in der planlosen Produktionsweise d« Großindustrie ihre wahreu Ursachen finden; nud erklärt, daß diese Talawi- taten, überhaupt alle GeschästSkrisen, welche an« der uuberullustlgeu Uebcr- Produktion hervorgehen, nur durch die Einführung de« Soc'aliSmuS, der ProdaklioassoziationlU, wie LassaSe es lehrte, für immer auS der Welt ge« schafft werden könne»."— El nahmen hierauf noch Herr B. Rüdiger und Herr E Spreche zu ähnlichen AnSführungen da« Wort. Beide Redner Lrißeltcu hauptsächlich unsere hiestze FabrikatlonSweise. Erst«« im Allge- weinen und Letzterer hauptsächlich dl- oberfaulen Arbeitsverhältnisse der hiesigen Spinnerei und Weberei. Auch diese Vorträge wurden von der Versammlung zustimmend aufgcnommcu. Aus das Schlußwort de» Refe« reuten, wegen unser« Parteiblält«, HIu, erfolgten noch zahlreiche Abonne« werits. Dann schloß die Versammlung mit dem Llede unseres Andorf: «Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtetl ic." A. Henning. S Lübeck, 5. Februar(Bersammlungsbericht.) Heute hielten"wir >er eine GewerlschaftSversammlung der Zimmerer ab,!» welcher Herr awlgi-ni! auS Altona üb« die Tagesordnung:»Di« gewerkschaftliche Be- Nrcbuug der Arbeiter und deren Cmtralisation, in vortrefflicher Weise refe« rlrte. H. Süße. . Berlin, 9. Febr.(Strike.) Am Sounabend, deu 30. Januar, fand «>ue Arbeitseinstellung statt, und zwar in der Fabrik de« Herr» Lrnheim, . G Lemke 30,22.— Ueb« den Erlös durch Verkauf der Z)or!'jch«i R-de,»die indastcielle Arbeiterfrage", erfolgt spät« besoad-re QuUtang.— Weit«? Beiträge nimmt enigeger August Geib, RödlngSmarkt 12. Hamburg, 9. Februar 1875. Voltaire. DU Reformatio» hatte das Prinzip d-S Individualismus iu die Welr eingeführt, aber Luthrru wie Calvin fehlte kS an logischer Konfcqnenz und au Kühnheit. Sie hatten fich auf die SouveränetZt der Vernunft Rom, aber nicht der heiligen Schrift gegenüber berufen. Ste wären vor Schrecken erbleicht bei der bloßen, Idee auf eine rein vernunftgemäße Weise über Gott, das Dasein der Seel», dir Unendlichkeit, die E.vigkeit zu sprechen� Die Frage», welche sie für gelöst hielten in de» durch die Cr« leuchtung deS GlanbeuS anSgelegten heilige» Büchern, hatte ihrer Meinung zufolge, Niemand daS Recht, zu ergründen. Sie hatten dem Individuum, als fle es frei erklärten, einen Thril seiner Ketten gelassen, und auf einer gewissen Höhr in seinem Fluge angetaugt, sollte der Geist sogleich seiue Schwingen wieder ein- ziehen» Die Nachfolger, welche daS 18, Jahrhundert Luthern gab, führten das begonnene Werk fort bi» zur äußersten Grenze./ Nachdem sie den Berheerunzen der freien Prüfung das ganze Gebiet der Religion überliefert hatten, überließen ste ihr auch das der Metaphysik.-'WaS Lather gegen die Kirchenväter gewagt hatte, wagten sie gegen den vor dem Evangelium kaieendcn Lather. Sie forderten für den Schwung des G isteS die UnrndÜch- keit selbst. Diese maßlose Achtung für die Freiheit des Geistes gebot ihnen Toleranz. Auch hatten st; nichts von dem despoti- fchm Cyarakttr und der inkonsequenten Grausamkeit, durch die wir die Herrschaft CalvinS so häßlich befl-cki gesehen haben. Sie waren menschlich und in ihrem Apofielamte der Toleranz mm- müdlich. Darin besteht ihr Rahm. WuS ihre Verehrung der Vernunft beiriff,, so konnten sie, da die Vernunft trennt, wäh- reud der Glaube einigt, den M-uschen nar auf einen Trümmer- haufm stellen, auf dessen Gipfel wir ihn noch deute aufrecht und Herr über steh, aber unruhig und allein stehen sehen. Mag man sich nun zu ihr Glück wünschen oder mag man sie beklagen, eine solche moralisch.! Revolution hatte ein« Bedeu- tung sonder Gleichen. ES mußten daher, dünkt mich, au der Spitze der Bewegung, durch die sie hervorgerufen wurde, Denker von einer seltenen Geschmeidigkeit des Geistes stehen, damit die Verlockung eine allgemein« werde; glühende Lertheidiger der Menschheit, damit j-de edle Seele ihren Sieg im Voraus mit Jabel begrüße; Schriftsteller von eiuem verfchweuderlfchin Reich- thume, damit ihre Wohlthaten ihnen eiuen Anhang verschaffen; nnermübliche Spötter, damit mau vor ihnen zittere; hartnäckige und zugleich klug- Parteihäupter, damit man beim Angriffe weder stillstehe, noch«ine falsche Windunz mache; fle bedurfte Geschicht- schrciber, Dicht«, MetaPhysiker, Erzähler, Dramatiker, Roman- schreib«, Publizisten, und endlich mußte sie vielleicht, damit die so lange unterdrückten Volker den Trost hatte», an ihren Tyran- neu durch ihre Tyrannen selbst gerächt zu werden, Philosophen haben, die deu AuituS und den Schierling fürchtend bis zum Uebermaß verschmitzt, einschmeichlcrisch, ebenso geschickt die Berfol- ganz tinznschläfero, als bereit, ste zu verschreie», der Heuchelei fähig und erfahren darin waren, den Adel zn verlocken und den Fürsten zu schmeicheln.... Im 18. Jahrhundert waren all» diese Männer nur einer und ihr Name war Voltaire! Voltaire! Ist eS gestattet, Hand an diesen große» Abgott zu legen? Kanu tS ein Erbe biß 18. JahyhundcrtS wagen, ohne virmesstn zu sein? Denn den Weg, auf dim das gegenwärtige Geschlecht dahmschreitet, sei er gut oder böse, hat Voltaire vor- gezeichnet, uud er war ein Mann, für dessen Ruhm die ganze Welt sich gezwungen fühlte, ein Juteresse zu nehmen, sei eS in Liebe oder iu Haß. Welche Bistimmusg! sechszig Jahre lang aller G-ist von Europa, die Geschichte eine« Jahrhunderts za fein; zu schreiben uud dadurch zu herrschen; die Fürsten entweder stolz darauf zu machen, denken gelernt zu haben, oder beschämt, nichts weiter zu sein, alS mächtig; von einem den Studien ge- weihten und entzückenden Landfitze die Völker iu Athem zu erhal- ten, ihre Herrscher in Unruhe zu setzen«nd eiue Schaar berühm« ter Männer nach dem im Boraus bestimmten Ziele fortzutreiben; die Verfolgung der Schande zu weihen, ihr Furcht einzuflößen; die Toleranz zu proklamireu; für die Humanität zu kämpfen und zu fiegtv; in eimr Verschwörung ohne Gleiche» fich alle Priester zu Feinden, alle Könige zu Genossen zu machen; daS, waS Luther nur durch die furchtbarstcu Zornausbrüche erschüttern konnte, tächelnd niederzustürzen, und glücklich zu leben! Und doch! Zu verschweigen, waS den Glanz der Namen, di; man verehrt, fchwä, che» oder beflecke» kann, halte ich für Schwäche und Feigheit. Wenn ein Mann auf eiue solche Höhe iu der Geschichte gestiegen ist, so ist eS au ihm, seinen Charukcer ans gleiche Stufe mit sei- uem Geschicke zu heben. � Tie wahrhaft große» Männer beschimpft man durch jene Achtung, die fich im Verschweige» kundgiebt. Wen« man ste so zeigt, wie die Natur sie schuf, so verliert dar- unter ihr Wirken für die Menschheit nichts, wenn eS deu Charak» ter deS Dauerudin an fich trug. W-Shalb sollten wir nicht von Voltaire sagen, daß er mit mächtiger Hand den Fortschritt för« derte, indem er die alte Form der Unterdrück uug zerstörte und so die Stunde der allgemeinen Erlösung näher rück«, aber auch, daß er durch feine Ansichten, seine Neigungen, seinen nächsten Zweck der Man» der Bourgeoisie war und nur der Bourgeoisie. Wenn man recht daran thut, ihn zu preisen, weil er so gläazend die Tyrannei gestürzt, welche ans dem Wege der Autori- tät geübt wurde, so thut man auch recht daran, wenn mau ihn tadelt, dazu beigetragen za haben, die Tyrannei rinzuführe», - welche auf dem Wege deS Individualismus geübt wird. UebrI- gi»S berührt nnS auch die Sorge um sein Gedächtniß weniger, als daS Schicksal deS Volkes, dem er besser hätte dienen können. DaS Genie verdient, daß mau es mit Jubel begrüß«, aber eS maß auch dulde», daß mau eS richte. Es giebt nichts Nu« verletzliches auf der Welt, als die Gerechtigkeit und die Wahrheit. Nein, Voltaire liebte nicht genug daS Volk. Wenn mau so vielen nnglücklichm Arbeitern die Last ihre? Elendes erleichtert hätte, so würde Voltaire ohne Zweifel auS Hamaui ät Beifall zugerufen haben, aber sei» Mitleiden hatte niemals«twaS Werk- thäligeS und entsprang uicht aaS einem demokratischen Bewußt- sein, eS war das mit Hochmuth und Verachtung gemischte Mit« leiden deS vornehmen Herrn. Mau schlag« seine Korrespondenz ans, sein aristokratischer Widerwille tritt auf jeder Seite hervor. Aas der andern Seite ist e» bekannt, wie wnt er fich, de» Großen gegenüber, durch die demüthigsteu Huldigungen erniedrigte uud iu welcher kindischen Freude die Gunst der Höfe seine Eitel- kcit befavgeu hielt, wie oft uud gern er sich mit dem Titel eines Kammerherru b rüstete; tS ist bekamt, daß er auf Ludwig XV. einen Panegycikus schrieb, iu dem daS Uebermaß der Schmeichelei an den Scandal streifte, daß, als er fich eines Tages an diese» König, den letzten der Könige wendete, er eS wagte, ihn Trajaa zu nennen; daß dir Herzog von Richelieu, derHerroS aller hoch- müth!g-n RousS uud Wüstlinge des TageS, au ihm einen Höf» ling, ja einen Vertrauten hatte; daß er ausrief, indem er von Katharina, Kaiserin von Rußland, sprach:„Ich lebe und st-rde für Katharina!" daß er vor de« Favoritinnen auf den Aaieeu lag, selbst vor jeuer, die ein Haus der Ausschweifung für die Vergnügungen ihres Herrn bauen ließ und die, selbst zum König- thume geworden, seine» Todeskampf entehrte; daß er endlich an Friedrich den Großen schrieb:„Sie find dazu geschaffen, mein König zu sein.... Zierde des Meuschengesch'echtS" k. ic. Berechuet oder aufrichtig, solche Schmeicheleien waren»»- würdis; und Voltaire würde fich nie so weit erniedrigt haben, wenn-r jenen hochherzigen Stolz besess-n hätte, deu man auS dem Bewußtsein der Gleichheit schöpft. Aber von Geburt übri- geuS schon von geschmeidigem Wesen, wurde er bei seinem Ein« teilte in daS öffentliche Leben unter die Vendome, Richelieu, Conti, La Fare, Chaulie» verschlagen und in diesem Kceise, i» dem die Kunst deS Höflings in der Schule des guten Geschmacks gelernt wurde, verlor er Alles, was stolze Charaktere und manu- liche Seelen ausmacht. Auch sah er die Republiken durch die ganze Geschichte hindurch nur von ihrer blutigen Seite. Die Gleichheit sah er dadurch hergestellt, daß Gott dem Monarchen wie dem Bettler de» Schmerz neben der Freude gegeben hat. WaS die Vorrechte d r Geburt betriff:, so greift er sie, zugleich ihr Ankläger uud ihr Sclave, von der Schaubühne heraö mit weltbeka.iut u Versen au; aber f-.ru von der Menge, fern vom Parterre, uud wen» er sich nicht za ihrem Echo machen kann, erinnerte sich der Sohn d:S Notars Arourt mit Wohlgefallen, daß er durch feine Mutter, Margnerite d'Aumart, von adliger Abkunft sei, uud schrieb:„Wenn man drucken läßt, daß ich deu Titel eines ordentli�en Kammerherru des Königs von Frankreich mit Unrecht führe, bin ich da nicht gezwungen, zu sagen, daß ich, ohne mich jiwalS mit irgend einem Titcl zu brüstem-dennoch die Ehre habe, die Stelle einzunehmen, welche Se. Majestät der König, mein Herr, mir bewahrt hat? Wen» man mich wegen meiner Geburt angreift, bin ich eS da nicht meiner Familie schuldig, zu antworten, daß ich denen ebenbürtig bin, welche die« selbe Stell? beküide», als ich, und daß.'wenn ich über diesen Paukt mit der gezUmmd.n Bescheidenheit gesprochen habe, dies seinen Grund darin hat, daß dieselbe einst durch die Montmereuch und durch die Chatillon besitzt gewesm ist." ES war unmöglich, dag ein Mann, der fähig war, eine solche Sprache zn führe», sich nicht als Verehrer des KZnigthnmS bekannt habe. Nur zeigte Voltaire dabei c'ne UebertreiSuug, die fast uubegreiflich ist. Er schrieb au Friedrich den Großen:„Ich wollte, daß man alle GeschichtSbflch?r auf dm Grund deS MeereS versinkt hätte, die»nS nur die Laster und rasenden Leidenschaften der Könige schildern." Und eS ist bemerkenSwerth, daß eS ein König war, dir in diesem Punkte Voltaire zurechtwies. Aber Voltaire ließ fich uicht Lberzenzen. Er gab zu gleicher Zeit ein BeifpUl zu feiner Lehre. Er vergaß feine seltsamen Grundsatz: in Bezug ans die Pflichten deS G-fchichtSfchreiberS weder in dim„Siöclö de Louis XIV.", noch in dem„Liäele de Louis XV.", noch in der Geschichte Karl's XII., noch i« der Peter'S dcS Großen. Er vergaß sie bloS, als er sich in feinen Memoiren au Friedrich dem Großen zu rächen hatte: eiue Inkonsequenz der Leidenschaft. Man sieht daraus, daß Voltaire nicht dazu gemacht war, iu einer politischen und socialen Revokation daß Heil drS Volkes zu suchen. Die materiellen Virhältaisse dcS Staates und der Gesellschaft kühn uud von Grund auS za ändern, daran dachte er nicht einmal und fing erst am Ende feiner Laufbahn an, dar- über unruhig zu werden durch daS Geschrei, daS Diderot, Hol» bach und Raynal erhoben. Ja seiner auS 6950 Briefen be» stehenden Korrespondenz, in dem größten Theile setner Werke er» staunt man über dieses gänzliche Sichfernhalten von der Politik. Kaum daß er an die Möglichkeit einer großartigen Umgestaltung der Welt glaubt. Man kann dies aus einem Briefe an Bastidr vom Jahre 1760, also weniger alS dreißig Jahre vor der Re» Solution, sehe». Nachdem er in eiuem ergreifeudeu Gemälde die geschildert hat, welche unter der Oral deS HasgerS arbeiten, die, welche im Ueberflasse unthätig find, zitternde Vasallen, die ihre Ernten nicht von dem wilden Eber zu befreien wagen, der fie aufzehrt, große Grundeigenthümer, die fich AlleS aneignen bis auf den Vogel iu der Luft und den Fisch im Wasser, ruft er auS:„Diesen Lauf der Welt, der zu alle» Zeiten und an allen Orten derselbe war, wollt ihr ändern! DaS ist eben eure Thor- heit, ihr Moralisten... Die Welt wird immer so gehen, wie fie geht." War dieS nur ein AsSbrnch mißgestimmter Philantropir? Ntin; und man mnß hinzufügen, daß«S daS allgemeine Streben der Geister während eines bedeutenden TheileS des 18. Jahrhun» dertS war, über die abstraktesten Probleme der Metaphysik dU, politischen uud socialen Fragen zu vernachlässigen. Wir werden die Stunde bezeichnen, zu der dieS aufhört. Aber diese feier- liche Stunde überraschte Voltaire uud machte ihn zittern. Wie Luth«, brauchte er lange Zeit, die Neigung zn entdecken, die von den religiöse» Mißbräuchen zu deu politische», von der spe- kulmivcn Philosophie zu der materiellen Umgestaltung der Gesell- schast, von der Bewegung der Meinungen zn der GZHrung der Interessen führt. Wir haben ihn also nnr noch zu verfolgen zu- erst in seinem Kampfe gegen die Macht der Priester, und dann in seine» Bemühungen, den Menschen hoch zu stellen, indem er ihn vereinzelt.(Fortsetzung folgt.) „Wir habe» htidetmabt- tziel Geld!"— so lauttt die Antwort, wenn irgend wie im Volt die Frage lallt wird, ob eS auf die Dauer möglich sein werde, die vielen Hon« derte von Millionen für da» stehende Heer, für Panzerschiffe, Festungen und Kasernen aufzubringen. Fragen wir aber, wo fleckt da» heidenmäßig viele Geld, wo ist der Milliardenregen geblieben, so fiaden wir wohl nur die Taschen unserer Großindustrielle« und BarqaierS gefüllt, da die» selben den Gründerschivindel mehr oder weniger glücklich hozard- mäßig betreiben konnten. Auch der JnliuSthurm in Spandau wird«u» ein Neberbleibsel von 75 Millionen zur„Sicherung der neuen LandeSgreazen* uad Erwerbung der Liebe der„wieder- gefundenen LandeSkluder" aufweisen. Aber wie fleht e» mit der Gesammtwohlfahrt und dem Erwerbt de» arbeiteuden Volke»? Der preußische Finanzminister hat im Abgeordueteuhanse Zeoguiß davon abgelegt:„»,447,631 Personen mußten im KS- nigreich Preußen von der Heranziehung zur Klassensteuer auSge. schloffen«erden, weil sie«in Jahreseinkommen von 140 Thlrn. nicht erreicht haben"— so waren seine Worte.— Große Sensation erregte diese Mittheiluug in jenem Hause, gerade so, wie zu der Zeit, al« den Abgeordneten gesagt wurde, daß der über- aus größeste Theil des Staats« iakommeuS aus den von der ärmeren Klasse am meisten getragenen iadirekten Steuern fließt. Ergiebt sich aus diesem Staullen aber nicht klar und deut- lich, wie wenig die Volksvertreter mit der Lage des Arbeiters vertraut sind? Und doch, waS sagen die liberale» Preßpiraten hiezul— Statt stillzuschweigen und fich zu schämen, weil daS Trugbild, welche» fie vom Natioualwohlstand dem Volke vorgegaukelt habe», durch diese klare, amtlich au höherer Stelle beglanbigte Thatsache vernichtet ist, haben sie die Frechheit, uuS zuzurufen:„Nun seht, Ihr Social-Demvkrate», wie wenig daS arbeitende Volk zum StaatSnaterhalt beiträgt." Mögen die Heuchler und Falschmünzer der öffentlichen Mei» uovg nur so schreien; daS arbeitende Volk fühlt allzn gut, daß daS Kapital«S ist, welches so viel Unteruehmergewinn und ZiaS an sich zieht, daß dem Arbeiter großentheilS kein hiureichender Erwerb bleibt, um auch nur für dir Klaffensteuer fähig za werden. Der Natioualreichthum freilich ist trotz des VernichtungS- kämpfe», welchen die heutige planlost Pcoduitionsweise, nament- lich im l-yteu Jahre, so heftig heraufbeschworen hat, masseahaft vorhanden. Aber wo finden wir ihn aufgespeichert? Gewiß nvr in den Händen jener Wenigen, für welche und von welchen durch die Lohnarbeit abhängig, dir Messe deS Volks arbeitet. Und e« ist deshalb geradezu lächerlich, daß gerade jene sich, weil ihnen ohne Mühe alle Güter des Lebens im Übermaß zu Theil werden, auch noch berufen fühlen, als Erhalter des Staates sich hinzu- stellen. Wie groß diese allgemeine Verblendung ist, konnten wir be- werken, als der Abgeordnete Liebknecht bei Gelegenheit seiner Red« über daS Landstarmgesetz die vorerwähnte Thatsache der Armuth der preußischen Arbeiter konstatirte. Bon mehreren Bänken der Herren Nationalliberalen nvd Fortschrittler erscholl da ein höhnisches Gelächter.- Wahrlich, daS Volk, welches unter dem Nothstaud einer un- erhörten Handelsstockung duldet, würde stch ganz anders äußern. Trüben Blicks schant wohl auch der Soldat am Fuß deS JulillslhurmS, und der Wächter an dem Bankgebäude, die Be» Häufung deS Alles beherrschenden Mammons an und zieht seuf- zend seinen Leibgurt um einige Zoll fester; ermüdet sacht der Invalide mit seiner verstimmten Orgel, daS eiserne Kreuz auf der Brust, seine Behausung ans, um seinen Lieben daheim, da- mit fie Brod kaufen können, die wevizcn Kupfermünze» zu über- liefern; den Dank deS Vaterlandes stellt ja nur die wohlbekauute Pension dar. Gesundheit und Lust zur Arbeit ist d«S Himmels beste Gabe, sagt ein Sprüchwort— welche Ironie heutzutage l— Wahrlich, das schützt vor Roth und Elend nicht! So fleißig und rüstig der Arbeiter in Rauch und Dampf, im Getöse der Maschine, hinter hohen Maaern seines Herrn Reichthum vermehrt, des Le- btn» Noihdurst für sich und die Seineu kann er selbst kaum er- schwingen. Wenn das Christfest gefeiert wird und in den Ge- mächera seines Herrn stch Lust und Freude verbreitet, wenn die frommen, wohlgenährten, tugendhaften Christen ans dem Munde eines gleichfalls wohlbeleibten GottesdieuerS die frohe Botschaft der Erlösung der Welt vernehmen, wird ihm, dem Arbeiter, viel- leicht die Botschaft, daß der Fabrikant zu wenig des EvtbchranzS- lohuS einheimsen könne und der Arbeiter daher fortan mit der Halste sein«» Lohnes vorlieb nehmen soll«. Und was that dann der Arbeiter?-- Ron, er hat nicht heidenmäßig viel Geld, er muß weiter arbeiten und mehr darben. Und ebeeiso sieht auch mit Betrübniß und Angst der kleine Handwerker und kleine Bauer dem Tag entgegen, wo der reiche Wacherer seine Rechnung bringt, die Konkurrenz, verbanden mit der Zahlungsunfähigkeit mancher seiner Kandw, welche durch die Handelskrise ohne Arbeit Ware», hat gar manchm Handwerker so weit gebracht, daß der Exekutor da» letzte Stück Möbel ihm nimmt. Selbst die überall reiche Ernte al-r hat dem kleinen Bauer nur zu oft nicht einmal seine Arbeit so bezahlt gemacht, daß er de» Pachtzins und die Steuer» erschwingen konnte. Wahrhaftig, wir scheu überall, trotz Nationalreichtho« und trotz guter Ernte. Elend und Roth das Volk drücke«. Ihr, nur Ihr fühlt eS nicht, die Ihr de» Volkes Leiden mißachtet«ad mit Eurer korrnmpirten Presse der Ausbeutung das Wort redet, um daS Volk, zu verdummen, wollt eS nicht wissen! Jene Männer aber, welche inmitten deS Volkes stehen, welche die Roth und daS Elend täglich mitfühle«, werden nicht unterlassen, die Massen aus dem Schlaf aofzurütteln, damit eine focialistifche Gesetzzebong bewirk», daß der fleißige und tüchtige Arbeiter nicht, wie heute, von Weitem den Schutz der Nation be- wundern und dabei den langsamen Hungertod sterben muß. Aufforderung. Diejenigen Parteigenossen, welche mir Nachricht über den jetzigen Aufenthalt deS CigarrenarbeiterS L. Windhageu geben koane», werde« ersucht, dies innerhalb 10 Tagen zu thun. Der- selbe arbcitete früher in Vlotho a. d. W-ser und soll jetzt angeb- lich in Bochum sein, ist aber trotz allen NachforschenS nicht auf- zustnden. Meine Freunde in Vlotho so wohl, wie in Bochum, ersuche ich namentlich, Nachforschungen anzustellen. Wiudhaxen befitzt ei» Protokoll einer Versammlung, welches in einer Unter- suchungSsache wider mich, vorm AppellationSgericht zu Paderborn, verlangt wird und für mich als EntlastangSgrend dienlich ist. Osnabrück. F. H. Klute, Adolfstraße 1. Vermischtes. *(Eine treffende Antwort.) Zill Arbeitgeber hatte den Ge- brauch, wenn er einen Gesellen einstellte, ihn zu fragen, ob er Lassalleaner sei. Eirez TageS kam abermals ein Geselle und der Meister stellte wie gewöhnlich diS�Atag«:„Sind sie Laisalleaner?"„Nein," autwortete der Geselle,„Ich bin Zannoveranerl" Ob nun ans Dummheit»der Witz, bleibe dahin gestellt. Der Meist« war damit zufrieden gestellt. Durch wiederholte Nichtbeachtung sehen wir un» veranlaßt, nochmals darauf hinzuweisen, daß wir Annoncen ohne Bciseudunz deS Geldes nicht aufnehmen können. Um di« JufertionSkostes berechnen zu können, beachte man Folgendes: Bei gewöhnlicher Petitschrift machen 10 bis 11 Silben eine Zeile. Alles wag fett oder groß gedruckt werden soll, muß je eine Silbe für 2 oder 3 Silben(Petit) gerechnet werden. Der Betrag kann in Briefmarken eingesavdt werden, doch bitten wir, Beträge über 3 Mark nicht in Marken zu senden. EbwfallS bitten wir, uns möglichst außer 10-Pf.-Markea auch 3- und Ä-Pfevnig-Marken zu setideu. Aach nehin-.n wir Depot für Aanouce» entgegen, jedoch müssen mindestens 6 Mark depouirt und immer rechtzeitig er- ueuert werden. Für Hamburg nimmt Herr Köster, Neust. Fuhleu- twitc Plab SO, Haus 1, I. liukS; Für Altona- St. Pauli Herr Drogand, Spielvudenplatz IS, Annoncen entgegen. Die Expedition. Druckfehlerberrchtigung' In Nr. 18 unseres Blattes hat sich in der Notiz„Wie viel Millionäre u. f. w." ein starker Druckfehler bei der Kor- rektur eingeschlichen. Die dritte Zeile der betreffenden Notiz muß heißen:„Berliner Zeitschrift hervor. Dieselbe schreibt:" Berichtigung. In Nr. 18 unseres Blatte» ist in der Notiz der„Politi- scheu Uebcrficht"„der Kiassenkawpf ia England" durch ein Ver- sehen die Schlußbemelkung«uSgelassm worden, welche dahin geht, daß die„Englische Korrespondenz" ein ausgesprochenes Bonr- geoiSorzan ist, welches die strikenden englischen Arbeiter schmäht, „Schuldige" nennt u. s. w., daß wir aber gerade deshalb die« selbe zitiren, weil die Haadlnugsweisc der Grnbenbefitzer am besten dadurch gekennzeichllit wird, daß selbst em solche» BourgeoiSorgau wegen ihrer grausamen Hartherzigkeit dieselben au den Pranger stellt. Demokrat" siad (ReichSwihruieg.) . e Pf. . 13„ . 8„ . 8, . 45„ . 10„ Mark. Durch die Expedition des„Neuen Social folgende Broschüren zu beziehen: Lassall»: Offen«» Antwortschreiben „ Arbeiter-Lcsebuch „ Arbeiter-Programm , RosSdorfer Rede. „ Bastiat-Schulze „ Wissenschaft nnd Arbeiter Lassall»: Feste und Press«.... 10 Pf. „ Kleinere Aufsatz«... 20„ „ Indirekte Stenern.... 23„ „ Arbeiter Berlin».... 5, „ Julian Schmidt.... 65„ Der Prozeß wider Ferdinand Laffalle von der korrekttouellen Appellkammer zu Düffel- darf am 27. Juni 1864... 10„ Fremdwörterbuch deS„Volksstaat": gebunden.... 60„ broschirt.... 45„ Bauernkriege von Fr. Engel».... 45„ A.-B.-C. de» Wissens von Dv. Douay.. 13„ Unsere Ziele von Bebel..... 23„ Grund- und Bodenfrage von W. Liebknecht. 50„ Kalender pro 1875 de»„Renen Social-Demo- krat", pr. Srück..... 40 Marseillaise von I. Andorf, pr. 100 Stück. 1 Bei Abüahme von 50 Exemplaren tritt bei den Kalendern 33'/, pCt. Rabatt ein. Die hier sottrtea Preise fiad nur bei Abnahme von großer« Quantis von jeder Sorte. Bei einzelnen Exemplaren tritt eine verhältaißmäßige Preiserhöhung ein. Bestellunzen auf einzelne Exemplare der hier notirteu Bro- schüren, versenden wir nur gegen Einsendung deS Krenzbandporto'S. Briefkasten. Twcle, Hannover. Die für di« Annonce gesandtin 40 Pfennig reichen nicht, bitten den fehlenden Betrag nachzufmden. Deose, Hamburg. Annoncen trafen für die MttwochSnummer zu spät ein. Uttech, Husum. Sobald ein Nachdruck des Sepiember Monats fer- t!g ist, der gänzlich vergriffen war, erhalten Sie die bestellten„Social- Politischen Blätter".- Die Expedition. Prinz, Frankfurt a. M. Bis jetzt hat hier Niemand 3 Mark für Sie depouirt. Wir ersuchen Herrn Max Schlesinger in Breslau, uns die Adresse feines Bruders in Paris ziizusenden. Die Expedition. Briefe k. in Pattelauzeltginhelten bitte ich von jetzt an an folgende Adresse zu senden. Ott» Reimer, pr. Adr.: E. Schwarz, Norderreihe 22. Altona, 10. Februar 1875. Ter Tischiergeselle Sappert ani KänigSberz wird ersucht, mir seine Adresse zukommen zu lassen. Anton Rückaagel, Hamburg, 1. Elbstr. 22, 4 Tr. Hallap, früher Bevollmächtigter für Züllichau, wirb gebeten, seine Adresse an Ralow abzugeben. Paul Kersteu. Briefe für Husum(Schleswig) find an folgende Adresse zu richten: W. Luth, Tigarrenarbeitcr, pr. Adr: Westphalen, Eigarrenfabrlkant. Cassel: Der Parteigenosse Ignatz Hilbert wird um feine jetzige Adresse gebeten. Gottfried Paß. Ich ersuche H-rrn Fuchs zu Berlin, mir bis zu der am Sonntag, den 14. djs., stattfindenteu Berfammlnug die Hauptabrechnmig über die für die Brannlchweiger Aollegen gesammelten Gelder zukommen. zn lassen. I. Vetters, Kornträzcrgang 55, 2 Tr. Den vielen Aufragen gegenüber, betreffs des Feste» vom 29. Januar zn Gunsten der auSgefchlosseuen Brannschweizer Elzarrenarbelter, diene znr Aufklärung, daß es nicht vom Tigarrenarbeitercomitö, sondern von den vereinigten Klempnern und Mechanikern veranstaltet war. Für da» Tomitve Vetter«. Berlin. OeffeMche Versammlusgeu: Donnerstag, bttt 11. Febr.,«beuds 81 Ubr. im Lokal de» Hrn. Lieber, Elsasserstr. 14/15. Ref.: A. Zapell. Es-savead, de» 13 Febr., Tb. 3t Mr. Im Gratweil'fchcn Lokale, Kommandanten- straße 77—79.(Oberer Saal) Referent: A. Bäthkc. Jedermann hat freien Zutritt. Für zahlreichen Besuch der Bersammlnugen mnß gesorgt werden._[2,601 Berlin. Sämmtl'che Zimmerer und Parteigenossen werden hiermit zu dem Sonnabend, den!3. Februar, im„Hofjäger", Hasenhaide, stattfindenden Gr. Wiener Maskenball freundlichst eingeladen. , Es wird gebeten, dies auf allen Bauten und Plätzen vekaunt zu machen. Der Ueberfchuß ist zu einem wohlthätigen Parteizweck bestimmt. Das Nähere ist in Ramme» 17 bekannt gewacht worden. Gäste können eingeführt werden.[3,40j E. Würtemberg, Teltowerstr. 84. Sonntag, den 14. Febr.,' Nachmittags 4t Uhr in Läse S eefeldt, Grenadierstr. 39, Generalversammlung der Krankenkasse der verheiratheten Cigarreuarbeiter. D. Borst. TazeSnda.: Statulenänderung.[1,40] Eonaabeud, 13. Febr., Hurourg.«deud« 8t Uhr. im lokale deS Herrn Gelsler,[1,00] Oeffentl. Versammlung. A n« s K e e Hamburg.'Ss% K" in Stadli'S, früher Tütge'« Salon, Geschlossene Mitglieder- Berfa«»!. deS Allgem. deutschen Arbeiter-BereinS. T-O.: Die BereiuIgungSiragt. Die Mitglieder de« Secial-demokratlschen Arbeitervereins find eingeladen. Mitgliedskarten find vorzuzeigen. ____________________ I Köster.[2,00] Ärtlttfllirrt Freitag, den 12. Febr., Num�urg. Abends 8t Uhr, in Stadl!'«, früher Tütge's Salon, Gemeinschaftliche Geschlossene Mitgliederversamml. de» Allg. deutschen Ärb.- Vereins und de» Social-demokr. Arb.-Vereins. T.-O.: Die Bereinignngsfrage. Mitgliedskarten müssen vorgezeigt werden. Köster.[2,20] .ftfittlhltra Sonntag, 14. Febr., �UUUlUiy. Nachm. 2i Uhr. im Salon zum Roland, 1. Jakobsstraße 19, -Oeffentliche Eigarreuarbelter- Bersamml»«g. T.-O.- Abrechnung über die gesammelten Gelder für die ausgeschlossenen Vraunschwei- ger kollegtn. Der Normalarbeitstag. Alle Diejenigen, welche Gelder für die Braunschwciger Tigarren- Arbeiter gegeben haben, werden ersucht, zu erscheinen. _ I. BetterS.[260] "onntag. drn(4. Febr. -OllrMvell. Morgen» 11 Uhr, bei Herrn Schultz In Bermbeck am Markt, Volksversammlung. T.-O.: Die Emanzipation des vierten Skande». C. Simon. ll,40] ftrtttllmrit Sonnabend. 13. Febr., �iUUUUlU« i.n. S. d. Convcntgartens, vessentlichr Versammlung d. Social-demokratischtn Arb.-Bcreins. T.-O.: Die Wissenschaft und der Glaube. Res«.: Herr Radcnhansen au« Altona. Der Bortrag Ist für jeden Socialisten inte: essant._ I. H. Peters.[1,60] Hamburg.«'» tz Y« im Englischen Tivoli, Kircheuallee 41, Große Versammlung fämmtlicher Zimmerer. TageSordm: Bortrag de» Herrn Schröder. Um zah reiche Betheilignng ersucht L. Pfeiffer.[2,00] Montag, 25. Febr., Abends 81 Uhr, Salon, BalentinSkamp 41, Hambur in Tütge'S Generalvers ammlung fämmtlicher Tischler. T.-O.: Da» neue Schiedsgericht und die Bestrafung de» Kontraktbruches.— Refer.: Hr. Hörig._ Doofe.[1.30] Annthittvr Sonn-vend, IS. ssrrruar, VaMvUrg. SdcndS 84 Uhr, in der Herberge, Geschlossene Mitgliederversammlung des Allg. Tischler-