Nr. 22. Berlin, Freitag,)cn 19. Februar 1875. 5. Jahrgang. Diese Zeitung erscheint dreima wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Kvoauements-?reis: ftiir Berlin incl. Bringerlohu vierteljährlich prae- nnmerando 1 Rlll. 95 Pf., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern Ist Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rin. 60 Pf., frei in'S Hau» 2 Mark. Kreuzband-AbonnementS pro Quartal u. Eremplar: Für Deutschland und Oesterreich 3 Rm.— Pf. - Niederlande und Belgien. 3- 60- - England und Frankreich. 4« 50« - Amerika(Berein. Staaten) 5- 50« Bestellungen aus Kreuzband-AbonnementS find nur bei der Expedition aufzugeben und muffen prae- numerando gezahlt werden. Ren er t.cdaktilm uua«rn cd Moll: Werktn, Orauienstraße Nr. 3, L0. Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spedi- teur entgegengenommen. Agenthnm der Laffalleaner. 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In derselben wurde der Programm- und Organi- sationsentwurf ausgearbeitet, welcher dem für die Woche nach Pfingsten in Aussicht genommenen Kongreß behufs Bereinigung aller Social-Demokraten Deutschlands vorgelegt werden soll. Die Berhand- lungen Verliesen zu vollständiger Zufriedenheit aller Theil- nehmer. Fabrikantentriumphe. So wüthend die den Fabrikautc» schmeichelnden Preßpirateu schimpfen, ivenu die Arbeiter ihre Lag« r�enueu und ernstlich daran gehtn, für ihr wahuS Juleresse zu wnkeo, so laut trium- Phirea fie, wenn eS irgend wilchcn BotkSverdummern gelingt, die Arbeiter gegen ihr eigenes Wohl handeln zu rnacheu. Wir habeu davon ein bezeichnendes Beispiel iu der letzten Nummer des berüchtigten FabrikauteublatteS ,Coucordia" vor Augen. Die Arbeiterbewegung ist glücklicher Weife weit genug ge- diehcs, um daS Volk aus dem Schlafe, iu welchem es so lange bcfanPea war, zu erwecken, und zwar, waS die Hauptsache ist, zu einmüthigem Handeln. ES verschwindet immer mehr und mehr daS größeste Laster, welches den Geist des arbesteudc» Volkes früher vergiftet und zur Sciaoeusccle entmannt hat, nein- lich das egoistische Streben, daß der Einzelne auf Kosten seiuer Mitartüter, sei eö durch billigeres Arbeiten, sei eS durch kriechen- des Schmeicheln, sich Vorthcile und Vergünstigunzeu bei dem Fabrikanten zu erschleichen versucht Und eS tritt an dessen Stelle der Gemeiustnu, das Bewußtscia und der feste Wille, daß alle Arbeiter gleiche Brüder find und daher gleiche Kappen tragen müssen, daß ihr Interesse ein und dasselbe ist, aber nooersöhalich mit dem diS Kapitals. Und während so brüderlicher Geest im arbeitenden Volke erw. cht, weiß so mancher Arbeiter, selbst wenn er von den Endzielen deS SecialiSmuS noch uichtS gehört hat, daß wenn er auch nur vorlävfig mehr Lohn und weniger Arbeitszeit durchsetzen will, der einzige Weg dazu, die Einig- keit mit feinen Kameraden ist. ES weht ein anderer Wind in Deutschlau» als vor zehu Jahren; der männliche Sinn triumphirt über die fclavische Feigheit. Dieser frisch., freie Zog ist eS, w-lcher das Wachsthum der sccialistlschzn Idee so sehr befruchtet und für ihre Feinde ein solcher Gräuel ist. Und wenn es auch unter dem Druck der jetzigen HaudelSkeife den Fabrikaactn hier und da gelingen mag, dem Winke deS preußischen FiuanzmioisterS folgend, die Löhne herabzusetzen nnd mehr Arbeit zu verlangen, die Revanche wird ! nicht ausbleiben, daS heißt, so bald die KrifiS beendet ist, wird zweit und breit die Lesung erschallen: neunstündiger Nor- malarbeitStaz, wie iu England, mit entsprechender Lohn- erhöhung. Die Kapitalmacht weiß, daß eS so kommen wird— daher ihre riefigen Bestrebungen, um durch ein Kontraktbruchgesetz der Koalitionsfreiheit einen Damm entgegenzusetzen. ES rollen die Wagen dem Sturme bereits voraus, nvd gleich ihren Gön- xuit erwartet auch die„Coucordia" kein gutes Wetter. Aber das Spaßhafte bei der Sache ist, daß fie das Alles, was aus jeder ihrer Zeilen hervorleuchtet, abstreiten möchte, und rm ihre Leser zu trösten, eine Schilderung, der„lieben, braven, steißigen Arbeiter giebt, welche vom NormalarbeitStaz nichts wissen wollen und den„bösen social-demokratischeu Verführen" die Thür weisen. ES ist zum Lachen nnd doch wahr— daS Fabrikantenblalt schlägt den gewaltigsten L'rm, weil iu einem Winkel der Schweiz, deS SchwabenlandcS ein Häuflein Arbeiter von den Fabrikanten am Narrenfeile geführt worden ist' und fich selbst in'S Gcficht geschlagen hat— als wenn die Millionen von Arbeitern, welche ihr Klassenintiresse erkannt haben, gar nicht in der Welt wären. Doch hören wir den faxnoseu Bericht jenes BlatteS, welches die Einheit von Kapital und Arbeit predigt und daS„sociale Konkordat" aus'S Panier geschcieben hat. Er lautet: „AnS der Schweiz geht uns eine Nummer des„Schweizeri- scheu BolkSblattS vom Bachel" zu, worin über eine am 24. v. M. in dem Dorfe Wald abgehaltene Arbeiter, oder Volksversammlung berichtet wiro; auch stvd von dem Eiufendir, einem altbewährten Freunde dieses BlatteS, brieflich« Notizen und Erläaterangen bei- gefüzt. Der Vorgang ist von Interesse, vor Allem im Hinblick auf den bekannten Entwurf eines eidgenösstscheu Fabrikpolizeige» s tzeS, dann aber auch wegen seines Kontrastes mit dem, was wir in Deutschland auf diesem Gebiete gewohnt stud. neue Fabrikgesetz Progagaoda auf dem Lande unter der Fabrik- bevölkeruug zu machen. „Dieser Versuch fiel nun allerdings unglücklich genug anS. Der Veranstalter desselben war ein Herr Morf, früher Fabrik« schlosscr, j tzt silbstständiger Schlosser in Zürich, KautouSrath,'auch Fabrikinfpektor für den Kanton Zürich und Mitglied der eidgc« nZssischen Fabrikkommiffioo, zugleich daS Haupt der Züricher Jaternationalen. Er erschien in Begleitung von etwa 40— 50 Genossen anS verschiedenen KantonSth eilen; bei feinem Eintritt in daS Dorf wurde ihm von einer Schaar Einheimischer ein« Fahne entgezengetrageo, mit der Inschrift: „Zur Arbeit, nicht zum Müßiggang, Sind wir, Herr Morf, auf Erden;" durch welchen uuheilveiküadeadeu Empfang er fich jedoch uicht ab- schrecken ließ. Die Versammlung bestand anS ungefähr 500 Köpfen, theils anS Wald selbst, theilS auS den Nachbarorten; auch die Arbeitgeber waren ausdrücklich eingeladen gewesen. „AlS dm Zweck seines Kommens bezeichnete er den, in fei- uer Stellung als Mitglied der eidgenoffischm FabriUommisston natürlichen.Wnusch, den Sinn der dortigen Fabrikbevölktruug kennen zu lernea. Hierauf ging er zur Bertheidigung deS Tut- Wurfs, speziell deS Normalarbeitstages über. Näh-reS über die za Gunsten deffilben von ihm vorgebrachten Gründe ist anS dem Bericht nicht zu ersehen; eS heißt nur, daß ihm„Menmaterial in Haufen" zu Gebote gestanden habe; auch scheint er fich, außer auf dm Vorgang schweizerischer Fabrikanten selber, dir bereits dm Zehustundeutag eingeführt habm, wie z. B. Brumur in Niederlcuz, Jmuy in MolliS u. Ä-, hauptsächlich auf die eng» lischm Erfahrungen berufen zu haben. Es wird in dem Bericht anerkannt, daß er ein Manu von eiuaehmea-nm Aeußern, festem und entschlossenem Auftreten nnd seine Sprache eine ruhige und würdige war. Einer seiner Gegner rückte ihm vor, daß er in demselben Athem behauptet habe, durch kürzere Arbeitszeit erhielte man intelligentere Arbeiter, welche iu 10 oder 11 Stunden eben so viel ausrichteten, als früher in 12 oder 13 Stuudeu, und � rr. z an. n enn nnn«•_ t• I dann wieder: durch verkürzte Arbeitszeit werde der Ueberpro- „D O Dorf Wald, mit ca. 600,000 E-nwobnern, liegt em\ buftiBn radikal abgeholfen. südlichen Theile des KautoaS Zürich, co 600 Faß hoch über dem! Fgx Herrn Morf traten nur zwei,(wie eS scheint, mit Zürichsee. rrvgS vw ziemlich hohe. Bergen � eingeschlossen. ES j gdoB,ment.r gC8ea, 0ber wenigstens nicht für ihn, fünf Red, ist der Sitz der schweizerischen mechanischen Feinweberei ,n Baum-- darunter drei Arbeiter, auf. Ihre Argumente waren, soweit Wollstoffen, welche von 12 Fabrlkm Mit ca. 2500 Webstühlen z str aus dem Berichte ersichtlich sind: 1) die Abkürzung der Ar- ' beschäftigt. Spinnereien find drei dort mit ca. 15,000 Spin-...--..... Barbös«vd Blanqui und der Aufstand von 1839. (Fortsetzung.)� Zu den öffentlichen Demoostrationen kam eine Menge von Peivatdemonstrationen. AiS Dupout und Emauuel Arago er- fuhren, daß von allen Ministeru der Marschall Soult am mei- sten auf Strenge bestehe, thaten fie bei ihm einen Schritt, wel- ch t bezweckte, ihn entweder zu erschüttern oder seine Verantwort- lichkeit offen hervorzukehren. Der Marschall wich einer Autwort aus, indem er fich stellte, als begriffe er nicht, was man von ihm wolle, und antwortet- bloS, er habe nicht unter dm Richtern Eitz gehabt. Wie viel: Wünsche traten hervor? Wie viele Pläne wurden e-.tworf-n! Tin Engländer, welcher den Virhandlungen mit bei- gewohnt hatte, bot 100,000 Francs für die geheime Befreiang BarbsS. Drohende anonyme Briefe Warden geschrieben. In der Hoffnung, die mütterliche Zärtlichkeit für den Gefargerim zu gc- winnm, lhß man fie schreckliche Rache fürchten und drohte mit einer blutigen G-gens-itigk-it zwischen dem Leben ihrer Kinder und dem BarböS', wenn diss-.r auf dem Schaffst sterben sollte. Die Königin gerieth in der That in furchtbaren Schrecken. Dir Herzöge von Anmale und von Montp-nfier waren im College Heinrich'S IV. unter dem Schutze einer bevorrechteten Stillung aufzewachseu, fie hatten den Lehrfluuden beigewohnt, hatten ader ein besonderes Zimm:r für ihre Stadien und einen Garten zu ihrer Erholung; diese Vorrechte verschwanden während der ersten Tage, welche ans die Verurtheilung BarbsS' folgten. Man sah d■ jungen Prinzen mit den andern Schülern in die Messe und � in's Bad gehen, gleichsam, als ob die jetzt enger mit der ihrigen l vcrbrmdme Existenz ihrer Kameraden fie schützen solle. Und die 1 Furcht ideS HofeS war so mißtrauisch, daß, als in einer Feuer-! dein. Die Arbeiterzahl mag ca. 1500 Köpfe betragen. Die älteren Fabrikanten stud in den dreißiger Jahren Handweber oder Bauern gewesen, welche bei dem Aussterben der Handwederei Geld und Kredit bei guten Frevnden gefunden und fich von sehr bescheidenen Anfängen durch eisernen Fleiß(?) und unendliche Genügsamkeit(?) zu sehr wohlhabenden Fabrikanten aufgeschwun- gen haben.„Noch heute lebt der Fabrikant dort in seiner Ein« fachheit, wclche einem englischen Arbeiter als ganz menschen- unwürdig erscheinen würde;*) noch iu den 60er Iahren, erzählt unser Korrespondent, hatte ich zuweilen Gelegenheit, mit den Herren zu frühstücken; daS Frühstück bestand anS Milch und Kar- toffela, die Milch war in einer großen Schüssel, aus welcher Jeder mit dem Löffel herauSschöpfte." Die Arbeiter in Wald find große Demokraten, weShalb die Züricher Demagogen(!) dort de« ersten Versuch im Kanton Zürich unternahmen, für daS #) und sich, wenn eS wahr ist, jldcufall« am besten für Zulukaffer» paßt.(Anm. deS GetzerS.) Werkfabrik des Quartier Latin Feuer ausgebrochen war,«af der Terraffc des College Truppen aufgestellt wurden. Dazu kam noch ein anderer Grund deS Schreckens. Die Wirthschaften waren leer, die Barrieren vereinsamt, an den Orten, wo sonst der Lärm der BolkSfreudc erschallte, herrschte daS Schweigen der Trauer; was bedeutete diese Betrübniß deS Volkes? Trotz der Meiaung des Ministeriums, welches der Ruhm deS Widerstandes gegen die öffentliche Meinung gereizt hatte, beschloß der König, die Todesstrafe in ewige Zwangsarbeit zu verwandeln. Für einen Mann von BarbvS' Charakter war dies eine Erschwerung; daS sah man endlich ein und verwandelte die Zwangsarbeit in Depot- tation. Inzwischen hatte sich der giflüchtete Blanqni nach Frankreich zurückbegeben, um zu versuchen, seine Freunde zu befreien, war aber selbst verrathen und verHaftel worden. Erst sechs Monate später erschien er mit der zweiten Kategorie der Angeklagten vom 12. Mai vor dem PairShofe. Da Blavqai fich weigerte, zu antworten, und da fein Vertheidiger Dupovt nicht daS Wort hatte nehmen wollen, so bot dieser zweite Prozeß keine bemerkeuS- werthen Umstände dar. DaS Urtheil sprach Mouline? und Hnord frei und ver- urtheilte Blanqni zum Tode, auch seine Strafe wurde gleich der von BarbeS umgewandelt— Guignot, Elie zu fünfzehnjähriger Einsperrung, Bonnefond den jünzern, Hendrick, Herbulet, Vallisre, Godard, Dubourdieu zu zehnjähriger Einsperrung, Espinousse, DugroSpr6 zu siebenjähriger Einsperrung, Charles, Plefort, Fo- cillon, Lombard, Simon, Hubert, Petermanv, Eoauuo, Dvpovy, Drvy, Gerard, Bouvrand, Dubnisson zu fünfjähriger Einsperrung, Bs ff-, Bordon, Lshsricy zu fünfjährigem Gefär-gniß und Quarts, Patisster zu dreijährigem Gefäogniß. Wir gehen nun über zu dem, was über die Ereignisse von 1839 im Jahre 1848 bikannt wurde. Die Februar- Revolution beitsz-.it möge anderwärts ganz gut sein, aber für die dortigen Verhältnisse passe sie nicht; 2) der NormalarbeitStag fei ein Ein- griff iu die persönliche Freiheit der Erwachsenen. Ein Redner konstatirte, daß ein großer Theil der Fabrikarbeiter alle 14 Tage 35—40 Fr. Lohn erhalte(— �i/3—bl/3 Thaler die Woche; waS nach uufer-m deutschen Maßstabe gar nicht einmal sonderlich viel ist); diese Angabe fand jedoch„vielfache Berneimmg". Em Arbeiter meinte, an der jetzigen, meist 12stüadigen Arbeitszeit wolle er nicht marktm; dagegen versiem die WohnuagSfrage, den Fabrikanten warm an's Herz gelegt zu werden. Allgemeiner Bei« fall; auch die vom Berichterstatter beigefügte Bemerkung läßt schließen, daß eS nach dieser Seite hin in Wald nicht zum Besten bestellt sein dürfte.— „Schließlich wurde mit 263 gegen 3 Stimmen(die Arbeit- geber und Auswärtigen stimmten nicht mit) folgender Antrag angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit den gegen- wärtizen Verhältnissen, wie st- zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern bei uns bestehen, völlig zufrieden. Sie wünscht, die Gesetzgebnng soll keinerlei Bestimmungen über die Arbeitszeit befreite Blanqni und BarbeS nach neunjähriger Haft aus dem Kerker. Sie wurden iu Paris mit EmhnstagmuS empfangen. Da die provisorische Regierung schon begründet war, Blanqni aber angeascheinliS der einzige wirklich thatkräftige Socialist von Einfluß war, so konnte eS uicht fehlen, daß die Arbeiter von Paris bei einer großen Demonstration feinen Eintritt tu die provisorische Regierung forderten. Die schmachvolle Eifersucht Louis Blauc'S und ein Schurkenstreich der BourgeoiSpr-sse hinter- trieb dies aber, indem Blanqni verdächtigt und mit BarbeS eut- zweit wurde. Die„Revue retrospektive" brachte nämlich im entscheidenden Lugenblick, am 12. Mai 1848, ein verleumderisches, gefälschtes Dokument, welches augeblich ein Verräther über den Aufstand von 1839 der damaligen Regierung zugestellt hätte, und man ließ durchblicken, Blanqni fei dieser Verräther. Blauqai hat die Verleumdung und Fälschung trefflich nach- gewiesen; und da diese seine Antwort treffliche Aufklärungen über die Gcheimbünde und den Aufstand von 1839 giebt, außerdem die ganze Angelegenheit von historischer Tragweite jst, so wollen wir fie unseru Lesern mittheile». DeS Verständnisses halber schicken wir aber den erwähnten BerleumdungSartikel zunächst voraus. Derselbe lautet: Aufstand vom 12. Mai 1839. Das nachstehende Dokument führt den Titel: Erktäcungcn, welche*** vor dem Minister deS Innern abgegeben hat. Da dieses Dokument nicht unterzeichnet ist, so halten wir unS nicht für hinlänglich autorifirt, einen Namen hier zu ergänzen, welcher in dem uns vorliegenden Aktenstücke nicht in Blanco gelassen ist. Die Männer, welche in dieser Angelegenheit eine Rolle ge- spielt haben, und welche allein im Besitz deS hier veröffentlichten Geheimnisses fein könnten, werden sehe», ob sie die nölhigen Nachforschungen nnd Untersuchungen anzustellen haben, um zu ersah- der Erwachsenen treffen, weil ste einen solchen Eingriff alS der persönlichen Freiheit zuwiderlaufend erachtet.� Wie rührend cilhS daS klingt! Nicht wahr, da muß allen „Concordia-Fabrikauten" daS Herz im Leibe lachen!—„3«, Ihr deutschen Arbeiter"— so werden sie sprechen—„nehmt Euch e n Beispiel an jenen genügsamen, fleißigen Schweizern; seid euch treue Knechte Eures Herrn!"— Nun, was das anbe- laugt, so hätten wir einen VermittclnngSvvrschlag, nämlich den, daß unsere deutschen Fabrikanten hier wenigstens mit eigenem Beispiel vorangehen und drei Monat lang, wie jene Schweizer Tugendspiegel, Milch und Kartoffeln, statt Sect und Austern frühstücken möchten, vielleicht kämen sie dann auf andere Gedanken. Doch waS die mit so großem Lärm veröffentlichte SiegeS- depefche über de» Normalarbeitstag betrifft, so ist sie ein lc'cher« licher Schwindel- Jeder muß erkennen, daß von der Gaukelei mit der„Fahne" ab, bis zur„Abstimmung" All-s auf eine Einschüchterung der Arbeiter durch die Fabrikanten hin» ausläuft. Und Ihr, Concordia-Helden, meint Ihr wirklich, daß I:- mand Euch glauben soll, daS fei ein Sieg des Geldsacks. Ach, Ihr seid klägliche Hanswurste! Politische Aebersicht. Berlin, 1?. Februar. * Wir brachten in unserer letzten Nammer«inen AaSzug anS einer Rede, welche der bekannte„Geschichtsschreiber" oder besser„Geschichtenschreiber" und Abgeordnete, Professor Herr Heinrich von Sybel, im preußischen Abgeordoetenhause gehal. teu hat. Herr von Sybel gilt neben dem Herrn von Treitschke als daS„ftson plus ultra" von Gelehrsamkeit und GeschichtSkunde bei den herrschenden Klassen; auf die Wahrheit der Angaben in seinen geschichtlichen Werken wrrdeo Eide geschworen; kar; und gut, seine geschriebenen historischen Darstellungen»erden wahr- scheiolich später auf die Jageud überhaupt dieselbe Einwirkung haben, wie jetzt die Borlesungeo auf die akademische Jagend. Der Styl deS Herrn Professor ist vielfach höchst aaziehend, desto schlimmer ist eS, wenn feine Werke von Berdrehungea, Verwichse- lunzen und Unwahrheiten wimmeln. Ein Geschichtsschreiber soll vor allen Dingen wahr sein; diese Tugend befitzt er nicht, daS beweiset er auch in seiner von uuS angeführten Rede. Hasselmann und Hasenclever haben nie zur interuationaleu Arbeiterassoziation gehört, sie haben nie- ma!S ein im Auslände wohnendes„BnndeShauPt" weder aner- kannt, noch überhaupt gekannt, da die internationale Arbeiter« assoziateoo auch niemals eia solches mit den von Herrn Sybel ihm angedichteten Machtbefugnissen besessen hat. Demnach hat Herr von Sybel geradezu d-vunziatorische Unwahrheiten von der Tribüne des Abgeordnetenhauses cege» uns gtschleudert, er maß dies wissentlich g-than haben, da er doch keineofallS bei Dingen von späterer historischer Wichtigkeit Unkeonluiß vorschützen kann. Wer aber wissentlich Unwahr. Heilea sagt, ist ein—. Berlin, 18. Februar. AuS dem Königreich Sachsen werden zwei große Arbeiter- Unglücksfälle gemeldet. Bei Chemnitz hat am 8. dss. in einem Schachte des StrinkohleuwerkeS„Concoroia" in Nieder- ölSnitz«ine Explosion stat'gefaaden, während darin 4 Bergleute mit Abteufen beschäftigt gewesen find. Drei von ihnen sind lebloS zu Tage gefördert worden. Den fol�endi» Tag hat sich lu Meißen ciu schweres Unglück zugetragen. In der SicherheitSzüsderfabrik von EaleS son.(im Goldgründe) fand eise Explvfion statt, in Folge deren die Fabrik ein Raub der Flammen wurde, aber auch eine größere Anzahl von Arbeiterin- neu meist schwere Verletzungen davor trug. Dreißig sind im Stadtkraukeuhause uutergebraüit, von denen bis jetzt schon S Personen ihren Tod gefunden haben. Auch ein Feuerwehrmann wurde während deS LoschenS in Folge einer zweiten Palverexplosion verletzt. Die Eisenbahnseamteu EllgllMdü haben kräftige Schritte gegen die SonntagSarbeit und für den NormalarbeitS- tag vor. Eine große Versammlung Eisenbahubedieosteter ver« schiedeuen RangtS beschloß zu Manchester, in einer Denkschrift die verschiedenen Eisenbahngesellschaftm um Bezahlung für Sonn» tagSarbeit anzugchen. Die Versammlung protcstirte gleichfalls ren, auf wen die Verantwortung für diese Beröff«ntlichaugeu fallen soll. DicS ist nicht unsere Sache. ES ist für uns und eS wird für unsere L'ser eine merk- würdige Seite in der Geschichte unserer Zeit sein, welches auch der Name sein möge, mit dem sie»nterzeichnet werden müßte. Den 22. Oktober 1839. Der Ursprung der Gesellschaft der Familien geht bis zum Juni 1835 zurück; sie entstand während des Prozesses der Per« theidiger der Aprilaugeklagteu. Der Schöpfer derselben bin ich gewesen. Sie entwickelte sich rasch in den letzten Monaten des JahreS 1836. Die durchschnittliche Zahl der zo Mitgliedern Aufgenommenen war monatlich ungefähr Zweihundert. Im Fe- bruar 1836 nahm der Zudraug der Aufnahme Suchenden ab; der erste Eifer war gedämpft. Pepin war zwar Mitglied dieser Gesellschaft, hatte aber keine thätige Rolle darin gespielt und nnr eine einzige Person eingeführt. Ich stand wenig mit ihm in Berbtndnng, erinnere mich jedoch eiueS bemerkeuSwrrtheu Vorfalls.' Am 28. Juli, dem Tage von FieScki'S Attentat, kam Pepin um elf und ein halb Uhr auf dem Platze der Estrapade auf mich zu, schlug mich auf die Schulter uud sagte zu mir:„Es wird ein großer Schlag ausgeführt werden, man wird auf den König schießen; vermittelst einer Maschine sollen eine Menge Geschosse zugleich geschlendert werden." Ich antwortete ihm, mau solle auf der Hut sein; mau könne leicht Unschuldige tödteu, Leute, die uicht zur Revue gehören, nnd dieS könne einen schlimmen Eindruck machen. Er gab mir keine weiteren Details; ich nahm seine Worte uicht für Ernst, ich war von nichts Aeholichem unterrichtet. Pepin verlangte von mir, die Gesellschaft zu den Waffe» zu rufen. Ich antwortete ihm, eS fehle an Zeit dazu, kam könne nicht so in einem Augenblick eine Waffeuergreifang organifireo. Nachdem ich Pepin verlassen hatte, ging ich zu BarbeS, welcher nichts wußte. Die UutrrsuchungSkommisstou der PairSkammer hat fich in diesem Punkte geirrt. Ein Beweis, daß ich von nichts gegen eine mehr als zehnstündige Arbeitszeit pro Tag. ES wurde eine Denkschrift adoptirt, ia welcher Erßauncu k>nd-'geben wird über die außerordentlich vielen Standen, welche Eiscndahnbrdiea- stete zu arbeiten angehalten fi-.d, und der Wmfch ausgedrückt wird, zehn Arbeitsstunden uur im Tage zu haben, während die Signalwächier im Jatmffe der öffentlichen Sicherheit nur acht Slimdeo pro Tag arbeiten sollen; SonntagSarbeit soll in allen Fallen möelichst redozirt und jedenfalls besonders bezahlt»rtden. Ans Nordamerika kommen Nachrichten, die auf die Moz- lichkeit eineS baldigen Krieges schließen lassen. Der„Voss. Ztg.' wird nämlich gefchriebea:„Die vom 20. d. M. datirte Botschaft deS P.'äfideuteu rechtfertigt allerdings die Vermutbnug, daß eine kriegerische Verwickelung mit Spanien in Aussicht ge- uommen ist. Präsident Graut sagt dem Senat uud dem Re- präseorauteuhanse, daß er bereits vor 13 Monaten die Wichtig- keit einer Kriegsbereitschaft in Bezug auf die Ausrüstung der Küstenvertheidiguug betont habe. Er lenke jetzt wiederum die Aufmerksamkeit diS Kongresses auf die Notbwend'gkeit einer so- fartigen Aaschaffang schwerer Geschützt. Es seien alljährliche Bewilligungen erforderlich, um diese kostspieligen Geschütze für alle Küstenbefestigungen herstellen zn könaeu. In KrirgSzeiteu lassen fich derartige Barbereitargen nicht treffen, Kanonen seien nicht im offenen Markte zu haben und auf Bestellungen mit kur- zer Frist nicht zu erlangen. Die beigegebenen Berichte deS Ar- tilleriedepartcmeatS lassen ersehen, in welcher Weise die nutzlose» glatten Geschütze in gezogen« umzewandelt werden könnten. Boa den Ivzölligen Radman-Kanoaen sollen 1294 Stück umgeändert nnd hierzu,<üs erste Rate, 250,000 Dollars bewilligt werden. Auch die Beschaffung von Geschützen größeren Kalibers sei nicht länger aufzuschieben. Die Eefahrund anderer Nationen bastre auf neue BertheidigungSarten, auf Panzerflotten, gcgm welche Geschosse von 700 Pfand geschleudert werde» müßten. ES müß- teu fernere Bewilligungen von Mitteln staiifivden, um für die Schießübungen passende Terrains und Einrichtaugen zu beschaffen und— so schließt die Botschaft— diese wiederholten Anregungen sollten nicht länger unbeachtet bleiben, falls der Kongreß in FriedeaSzeiteu einen Maugel abstellen wolle, der ia der Zukaust unvermeidlich zum großen Nachtheile gereichen würde.— Es könnte, fo behauptet die Opposition, nur noch ein auswärtiger Krieg die frühere Popularität der Administration wieder herstellen. Die Geschäftswelt verspricht fich in diesem Falle glänzende Zeiten und das Geld wird dann mit L-ichtigkcit verdient werden. Der Prä'dent hätte eS von jeher auf Mexiko nnd Cvba abgesehen. Der Ruhmesglanz einer Einverleibung dieser Stnaten oder eines derselben würde Grant ein Aarecht aus einen dritten Amtstermia geben. Zöge sich aber der Krieg in die Lauge, so würde das Volk eS vielleicht für nicht gerathen halten, während der Daner desselben einen AdmivistrationSwechsel vorzunehmen, und den an der Spitze der Regierung stehenden Feldherrn zu verdrängen. Auch die den Präsidenten umgebende uud sein Vertrauen aenic- ßeude militärische Clique sei einem Konflikt mit Spanien nnd Mexiko geneigt. Wenn nicht der Staatssekretär Fish mit großer Klugheit und Mäßigung den Präfii-enten zurückgehalten hätte, wären kriegerische Verwickelungen bereits eingetreten. Der Ein» fluß des Mr. Fiih habe aber aufgehört, unv der Präsident habe jetzt Oberwasser, da selbst ei» Theil der Oppvfitiouspresse(demo- kratifche Partei) mit Ungestüm die Anerkennung der eud emischeu Insurgenten alS Kriegführende verlang».— Ein von den Rezie« rougSorganen zu Gunsten eines auswärtigen Krieges geltend ge- machteS Argument ist die wahrscheinliche Versöhnung nnd Ver- schmilzung der einander gegenüberstehenden Parteien in den Süd- staateu. Die Gegner der Regierung behaupten, daß«S sich nur darum haadelu würde, bedeutende Trappcakörper im Süden zu konzeutrireo, die bei Regnlirung der nächsten Präsidentenwahl vortrefflich zu verwenden wären.— Sei dem, wie eS wolle, daS amerikanische Volk ist politisch zu gut geschult, als daß eS auf dergleichen Stichworte und Schcinmanövrr ernstlichen Werth l'ge. Die jüagsteu Wahlergebnisse haben dies deutlich dargethnn. So- gar die nur noch kurzlebige regierungsfreundliche Majorität im Senat zu Wafhiogton ist keiueSwegS so unterwürfig, als sie fich dazu hergeben würde, ohne dringende Veranlassung in eine kriege- rische Aktion gegen Spanien oder Mex.ko zu willigen."— Also auch im„freien" Amerika der Trieb, den Massenmord zu kul- tivireu. * Die„VolkSzeitong" in Berlin macht bei Besprechung deS Prozesses Ofenheim in Wien folgende Betrachtungen:„Wohin eS übrigens schließlich führen kann, wenn Börsen- und Gründer- ioteresseu im öffentlichen Leben überwuchere daS sieht mau in Oesterreichs_ Der Ofeuheim'sche Prozeß bietet in dieser Bezie- wußte, ist, daß ich au diesem Tage mein Kind mit seiuer War- terin nach dem Boulevard schickte, damit ste die Revue sehen sollten. Der erste Vorfall, welcher später in der Gesellschaft der Familien hervortritt, ist der Prozeß der Straß« de l'Urfine. Za dieser Zeit waren ungefähr zwölfhundert Personen in die Gesell- schaft getreten, aber der eigentliche Bestand war nur ungefähr siebeohoudertfoofzig. ES hat nie eine Liste der GesellschaftSmit- glieder existirt; die Jnstiz hat sich geirrt, indem ste bei mir die Listen derselben in Beschlag genommen zu habe» glaubte: eS waren nur die Listen der vorgeschlagenen Personen, deren Zulas- suug zu regoliren ich beschäftigt war. Sie kennen die Organisa- tion der Familien; ste waren nach Gruppen von fünf Personen gebildet. Am 4. September 1838 sollte ein Handstreich auSge- führt«erden, die Befehle waren gegeben, aber der Versuch schei- terte. Es erschien Niemand auf dem Sammelplätze. Die An« führer konnten nur ein« sehr kleine Anzahl von Kämpfern zn- sawmeu bringen. Zu dieser Zeit fiel die Gesellschaft, welche ihrer Anführer berandt war, die sich in den Gefäoguiffeu befanden, in unterge- ordnete Hände and hatte fast keinen Zusammenhalt mehr. Die Amnestie gab den Häuptern ihre Freiheit zurück. Sie beschlossen, sogleich wieder anzufangen, und gingen, ohne einen Augenblick zu verlieren, an'S Werk. Es waren Raisant, LamieussenS, Marti» Bcroard und ich. Raisant hatte rineu gewissen Einfluß in Folge seines Vermögens: er befaß sieben- bis achttausend Frmleu Ren- teu. Die Kämpfe begannen sogleich mit den untergeordneten Anführern, die fich der Gesellschaft der Familien bemächtigt hat« trn: Bandio, Villecocq, Seigneurzeut, Voitnrier, Carmon, Fon- berteau, Bostel tc. Diese Leute standen unter dem Schutze von DeSchapelleS, dessen DinerS ste verzehren halfen. Wir standen mit den Leuten deS National in heimlicher Feindschaft. Di« Organisation ist bekannt. Die Gesellschaft»nt- hunz grelle Schlaglichter. In Oesterreich haben die Kamzraderien der G'ünder in der That Ministerium, Parlament und Presse zn Handlagrra. Di« schlinmllen Erscheinungen m dem erwähnten SensationSprozeff- fiid die Minister mit banditenhafteu Gründergesianuigen un?-in hinter den Konliss-n v-sinclich-S Jouro aliitet-gejüchl, da» mit drm Mastschwein um die Welte sei- neu Sp'ck angrsetzt hat emd gleich Dirnen seine Dienste sich abmieten läßt. Wir wallen keine Vergleiche mit uvser-n heimi- shcu Zustanden anstellen, aber jedenfalls konstatires, daß die Sündcu unseres Grüud-rthums nicht geringer sind, als die an der Donaa, und daher die Sühne weder fü? die Wiener noch für die Berliner Börse abgrthau erscheint."— Solche Zugeständnisse von solchen Zeittmzen find allerdings hö äst erfreulich!— Und gegen solche Krebsschäden der heutigen Gesellschaft helfen doch wahrlich keiae Schnlze'schen Palli-tiv« mittel— das einzige Radikalmittel ist: Umänderung der heuti« gen ProdvktioaSweise— dadurch wird der kapital stische Schwin» del und die Herrschaft deS gizldenen KalbcS zugleich vernichtet. * In Thtiringeu ist die Polizei bekanntlich viel humaner, als iu Preußen; auch ist die Vereins- uud VersammlungS- frciheit dort in größerem Umfange vorhanden. DaS ärgert die Reptiiienpreffe; die„Mazdeb. Ztg.", Reptil erster Klaffe, bringt eine Nachricht, daß den 6. und 9. dsS. in Eisenach mehrere Volksversammlungen stattzefundeu, nnd daß die Social-Demo- kraten, wie eS scheine, ihr Hauptaugeumerr auf Thüringen ge» richtet hätten. Daran schließt sie folgenden Satz, der daS Reptil erster Klasse so recht in seinem schmutzizsten Wesen erscheinen läßt:„Die Meinung, d-ß in den thüringischen Staaten eine be» qaeme Stätte für die social- demokratische Agirstion gefunden werden könne, dürfte sich sehr bald als Tänschung er» weisen, da bei uns kein Raum für eine internationale Be- wegnnz ist. Zn d-n BundeStagSzeiteu hat daS nationale Strc» ben hier ein Asyl gefunden, für eine gege. thcitige Richtung hat aber weder die Regierung, noch die Bevölkerung eine Sympathie." — Man steht aber aus diesen Zeil-u, daß den preußischen„Li« beralen" viele deutsche Regierungen noch zu liberal find. * Die Regierung des deutschen Reiches hat eine» den Zeitungsberichten nach gewaltigen Anlauf zu einer social» konservativen, oder besser feudalen Geschgebvng über Arbeiter- Verhältnisse genommen. Ts handelt sich um die des Langen und Breiten bereits angekündigte sogenannte„ Gewerbeor»nnugS- Euquöte", eine Untersuchung, respective Beantwortung von Fragen über die Wirksamkeit gewisser Punkte der bisherige» Gewerbeordnung. Dieselbe wird für die Arbeiter wohl recht er» qaicklich werden, denn dieselbe erfolgt augenscheinlich unter Wa- geuer'scher Aegide, und die Frage eiueS Kontraktbruchge- fetz eS steht in erster Linie. DaS Programm, welches dem Bun- deSrathe für die Eaqaöte vorgelegt ist, lautet: Borbemerkuagm. 1) Es handelt sich in der Uatersachunx nur um Aaschauungen um Wünsche, die in praktischer Erfahrung gewonnen find; deShelb Ist darauf hinmwlrkcu, daß alle Antworten an die kmkreten Lebens- Verhältnisse, in welchen die Befragten stehen, sich möglichst anschließe». 2) Auf Abändeiu�„ deS bestehenden RechieS gerichtcre Wünsche sind, um unklare und nndurchsührbarc Vorschläge fern zu halten, eiugehend zu erör- teru und nach allen Seiten In ihre prailischc» Konf-qneszeil zu versolgea. 3) So weit die Antworien fich nur auf einzelne Gewcrbzwclge bezichen, sind diese ausdrücklich hervorzuheben. A. LehrlingSveihältnIsse. I. 1) Ist es üblich, den Lehrvertrag schrift- lich zu schließen oder erfolgt der Regel nach mrr eine mündliche Bereinba- rung im Anhalt an gewohnheitsmäßige iZrundsätze und find mit letzterer Uebuog besondere Nachthcile»erknüpst? II. 2) Welche Dauer ist für die Külldignngisrist im Lchrverhältnisse üblich? 3) Empfehlen sich Bestimmun- gen, um dem unüberlegten Eingehen und Auflösen von Lehrliiigsverträgeu entgegenzuwirken? Insbesondere durch Einführnug einer kurzen Probezeit, von deren Ablauf die bindende Kraft deS LehrverlragS bedingt Ist? durch Einführung bestimmter Kündigungssristen, von kürzerer Dauer in den erst n, von längerer Dauer in den späteren Jahren der Lehizeit? III. 4) Empfiehlt tS sich, die Lösung der Lehrverhältuisse zum Zwicke des Ueberganges in einen anderen Berns(Gewerbeordnung§ 122) zu erschweren, insbesondere du ch die Berpflichlllllg zur Zahlung eiueS RenaeldcS? durch die Berpflich- tung zur Einhaltung von Kündigungsfristen? IV. 5) Psigt Beginn, Un- terbrechung und Ende der täglichen Arbeitszeit durch das Ermessen deS Ar- beitgeberS bestimmt»der aber durch den LeÜrvrtrag oder gcwohiiheiiSmäßig gcordnet zu sein, und knüpfen fich hieran für die Lehrlinge oesondrre Ge- fahren einer Ueberlastung mit Arbeit oder einer gesundheitswidrigen Be- schäfligungSweise? 6) In welcher Weise pflegt die Verwendung der Abende und der Sonntage geregelt zu sein? insbesondere: Findet der Besuch der Fortbildungsschulen an den Abenden uud Sonntagen auf Seiten der Arbeitgeber Erschwerungen? Eventuell, genügen zur Beseitigung dieser Er« schwernngen die bestehenden Borschriften? 7) Ist die Heranziehung der Lehrlinge zn häuslichen Dienflverrichtungen üblich? insbesondere der Art, daß die gewerbliche Ausbildung dir Lehrlinge gefährdet wird? und zur Fernhaltunz dieser Gefahr die bestehenden Borschriflcn nicht ausreichen? V. 8) Ist die Entrichtung eine» Lehrgeldes— für die ganze Dauer oder für einen Theil der Lehrzeit— üblich oder Pflegt Lehrlingen— sei eS vom wickelt sich rasch; die Mitglieoer der Familica traten in die Iah» reSzeiten ein. Die Organisation begann im Juni 1837. Zu Anfang 1838 zählte man sechs- bis fiebenhunderl Mann. D:r erste Gegenstand, mit dem man sich beschäftigte, war die Anferti- gnog von Patronen. Sie eriavern fich der Beschlagnahme von achtzehn Pfund Pulver bei dem Buchdrucker Danguy; Raisaat hatte da? Geld zur Anschaffung diese« Pulvers gegeben. Tin Mitglied der Gesellschaft übergab eS LamlenffenS aus der Straße; dieser trug eS zu Teissier, seinem Landsmann uud Freunde, wel- cher in den Bareaux der Polizeipräfektur angestellt war. Danguy wurde beauftragt, eS von Teiffier zn holen; dieser hätte uns verrathen. Seit 1835 ist in den Gesellschaften kein Komplot gegen daS Leben des Königs gemacht worden: ich habe ste alle unter- drückt. Ich that eS nicht um des Königs willen: ich führte Krieg mit ihm uud eS würde mir uicht unlieb gewesen sein. wen» er von eioem Schusse getroffen worden wäre; aber ich be- trachtete die A»Sführuug als unmöglich. Ich begreife selbst nicht, wie der Anschlag FieSchi'S, der von Leuten unternommen wurde, denen eS so sehr au Eiuficht fehlte, hat zur Ausführung gebracht werden können. Der Anschlag deS Fräulein Grouvelle hat mir immer eine Thorhcit geschienen; ich kannt: ihn seit einem halben Jahre und er konnte der Polizei nicht fremd sein. Ich habe immer Vorschläge dieser Art, die an uns gerichtet wurden, zurück- weisen lassen, denn ich betrachtet« sie nur als Uafinn. Bon Aliband'S Plänen haben wir keine Kenutuiß gehabt; dieS war eine völlig isolirte Sache. Der Meuchelmord kann uicht Gegen- stand eineS KomplotS fein; dergleichen Anschläge können nur auf Gelingen hoffen, wenn sie von eiaem einzigen Fanatiker ohne Theilnehmer unternommen«erden. Den Uebnagen im Zielschießen, welche iu meiuer Wohnung stattgefandru haben, lagen keine schlimmen Absichten gegen die Person deS Königs zum Grunde; wir wollten Jagdflinten ver- 9Tittr',f. der Lehre, fei e? dos daun späteren Zeltpunkie ab— ein Lohn gezahlt>n werde«? VI. 9) Pflegt die Dauer der Lehrzeit in jedem einz-l- neu Falle oerabicdct zu werde« oder ist fie gewohnheitsmäßig bestimmt? 10) I> welcher Weise pflegt da? End- der Lehezrit urd der Uebergang in de« Ä-sellenstand bekundet zu werden? inkbesonderc a wird dem Lehrling »ach Schluß der Lehrzeit üblicher Weise ein Zeuzniß crlh.ilt? b. �Ard« eine B-stiminnnq, welche den Abschluß der Lcdre'it o-«in solche? Zengniß bindet, dll'chführbar und nützlich sein? Vll.-!).�!rd der eigenmächtige Audtriil der Lehrlinge ans ihrem Ledroci. älüi fi- vorzugsweise im Anfange cd r in dem späteren Th-ile der Le�rzeu.u urgeoommen?. Ist) W-lpe Mittel empfehlen sich, um dem entgegenzulr-ten? insdesondere: a. Ist eZ möglich und rät stich den Wiedereintritt in das ansgegedenc Lchrverhältniß zu erzmingen? b. Empfiehlt es sich, dem Arbeilgeber Allspruch«u?-ine Entschädigung zu gewähreu? und zwar demj-n!gen gegenüber, w-lchcr Na> mens des L-Hrliugs den L-hro-rtraz abgefchlossl» hat? d-mjenig-u gegm- über, welcher, von dem Verhalten des Lehrlings unterrichtet, ihn iu Arbeit Nimmt oder darin behält? o Läßt sich eine solche Entschädigung unter Be» rückfichtignng der Zeit, für welche der Lehrling noch gehnnden war, auf be� stimmt- Sätze feststellen? VIli. 13) Wird überhaupt zwischen L-Hrllu /n und Gesellen eine feste Grenze noch gezogen,»der bestimmen sich Stellung, Bischäfti'ung und Löhnung dieser Arbeltn hmer wesentlich nach der that- sächltchrn Leistungsfähigkeit der Einzelnen? 14) Bedürfen Im letzteren Falle die jüngeren Altersilaffcn einer Borsorge nach den vorher angedeuteten Rich- tnng-u und find auch im ersteren Falle einzelne oder alle der etwa für uö< thig crachletcn Anordrung-n auf gewisse AlterSklasseu der Lehrlinge zu de- schränken? L. Gesellenberhältulsse. I. 15) Pflegt bei der Anaahme eines Ge- sellen eine jtüodiguugssrist ausdrücklich vrrabredit zu wrrdcu oder erfolgt die Annahme im Schalt an gewohnheitsmäßige KüllhigungSfristen? 16) Ist die Wahrnehmung häufig, daß dl- Gesellen an eine längere LündigunzS- srist gebunden find, al« Ihr- Arbeitgeber? 17) Ist die gesetzliche Äünoi« gungafrist(Ge».-Ordn.§ IIO) überwiegend mit Borthcilcn»der Nachthei- len verknüpft? II 18) Findet sich die Einrichluvg häufig, daß der Arbeit- geber einen Tbell ocS fälligen Lohnes bis zum Sude d-S»rbeilSvertrage» zurückhält, und w-lche Nachtheile oder Bortbeile sind mit einer derartigen Elnrichtung verknüpft? III. 19) Ist cS üblich, den abg-hendeu Gesellen »der die Dauer oder üörr den Werth ihrer Arbeit Zeugnisse zu erth'.Ilrn, und wird durch dieselben das Fortkommen der Gesellen erl-icht-rt. IV. 20) Glebt cS Innungen, welchen beizutreten auch Gesellen daS Recht haben, und erscheinen derartige Emrichrungcn erfahrungsgemäß geeignet, die Bezie- Hungen zwischen den Gesellen und ihren Arbeitgedern zu fördern? 21) Ist es ougäagllch, den Ardritgeberu und ihren Gesellen i« derartigen Serbin- •t'. völlig gleiche Rechte zu gewähren? V. 22) Welche Mittel empfehlen sich, um dem elginmächtlgen Austritt aus der Arbeit bei Gesellen cnt. gegen zu wirken? inSbesonderc: a. Empfiehlt e« sich, dem Arbeitgeber An- spiuch auf eise Entschädigung Demjenigen gegenüber zu gewähren, welcher eiueu Gesellen, von dessen eigenmächtigem AnStritt aus dem früheren Ar- b.ItSverhZltn sse er unterrichtet ist, in Arbeit nimmt»der darin behält? !?' Ü.. �* Entschädigung, unter Berückstchtlglluz der Zeit, für welche der Geselle noch gebunden war, ans bestimmte Sätze feststellen? v. Fabrikarbeiterverhä tuisse. I. 23) Pflegt bei Annahme vou Fa- br..arb-itern eine Kllodizungssrist,»der aber beiderseitig da» Recht zur so- fortigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses ausbcdongen zu«erden? 24) Jsst die gesetzliche SündizungSfrist(Sew-Ordn. KZ 110, 127) überwiegend mit Bortheil in oder Nachtheileu verknüpft? II. 25) In»elcheo Zcitab- ichnitleo pflegt die AuSlohuung der Arbeiter zu erfolgen? Fiudet sich die Einrichtung häufig, daß der Arbeltgeber einen Th-il de» fälligen Lohne» bis zum Ende des Arbeitsvertrages zurückhält, und welche Nachtheile oder Borthellc find mit einer derartigen Einrichtung verknüpsl? III. 26) Ist die Ausstellnnz von Fabrikordnungin üblich und pflegt die Abfassung und Bdänderung derselben von dem Arbeitgeber allein oder unicr Mitw�rkang von Arbeitern zu erfolgen? 27) Enthalten die Fadrikordvungcn häufig Bestimmungen, welche für den Arbeltgeber günstigere Arbeitsbedingungen als für den Arbeitnehmer begründen? 23) Empfiehlt eS sich, den Erlaß von Fabrikordnuugen in diesen»der anderen Punkten unter gesetzt che Bc- schränknngen zu stellen? IV. 29) Empfiehlt eS fich, im Falle des eigeu- mächtigen AuStiiltS eines Fabrikarbeiters aus der Arbeit, dem Arbeitgeber «inen Anspruch auf Eatschädlguuz gegenüber Demjenigen zu gewähren, welcher von dem B-rhalten des Arbeiters unterrichirt, ihn In Arbeit nimmt »der darin behält? Man erficht auS dem Volstehendeo leicht, daß die Fragen fich auf ganz untergeordnete Dinge der socialen Verhältnisse be« ziehen und nur eins deutlich hervorleuchtet, nämlich die Frage, od«in Kontraktbruchxesctz gewünscht wird. An die Mitglieder deS Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins. Die Präsidentenwahl ist nunmehr geschlossen. DaS Ge- sammtresnltat ist folgendes: Hasenclever hat erhalten 5433 Stimmen; auf 17 andere Mitglieder verthnlten fich 307 Stim- mm und 35 Stimmzettel find unbeschrieben abzegebm worden. Somit ist Hasenclever mit großer Majorität definitiv wieder gewählt. In 108 Orten ist die Wahl vorgenommen worden; aus vie« lm anderen Orten wurde dem Sekretariat er gezeigt, d«ß die Wahl der polizeilichen Anschauungen halber nicht möglich sei. In Hinblick ans die polizeilichen Lerhindernuge» und Maßnah- mm ist die Zahl der abgegebenen Stimmen immerhin»ins recht grole zu nennen.» Urcmm, dm 16. Februar 1875. Mit foc.-dem. Gruße Derossi, VereinSsekretär. suchen, um zu sehen, wie weit fie in einem Kampfe tragen wür- den. Ich lernte durch die Versuche, daß man hnudertunddreißig Patroneu ans dem Psaade Pulver machen und Kugeln auweodeo müsse, von denen fechSaudzwanzig auf daS Pfund gehe». Der hervorstecheadste Charalter iu allen Gesellschastm ist Raisant. E: ist anscheinend ein Manu von ansprnchSloscm Charakter und weiß sich dadurch beliebt zn machen; aber er be- fitzt einen unbegrenzten Ehrgeiz, er weiß vortrefflich sein Spiel zu verbergen, er ist boshaft und außerovdentlich wild von Natur, und dies sind wir im Allgemeinen nicht, waS mau anch sagen wöge. Raisant versteht nicht zu sprechen, auch hatte er keineu Einfluß als Kapazität, sondern nur durch seinen moralischen Charakter. Man betrachtete ihn als LamieussmS' Tehülfen und dies kränkte ihn tief. Martin Bernard ist ein klager, sanfter, unerschrockener Mens», sehr thätiz und zum Organifiren befähigt. BarbeS ist sehr tapfer r-ud eutschlofftn,�wenn eS gilt, aber er ist nicht gefährlich. Er ist kein Organisator, er kennt die Menschen nicht und versteht eS nicht, eine Herrschaft über fie zu gewinn-n; er ist ein wirksames Instrument, aber kein Anführer. Er ist entschiedener Splritualist, was die Meisten unter vnS nicht find. Er war zum Theil die Ursache unseres Unglücks vom 12. Mai. Er hat nicht gekämpft wie ein Auführer, sondern wie ein Soldat. LamieussenS ist DaScogner, gewandt, mtfchloffm und ehr- geizig, aber der Ehrgeiz geht bei ihm nicht so weit, als bei Rai- fant. Er hat sich an BarbeS wegen deffen güastiger Lage ange- schlossm. Er schloß fich an Alle, welche mehr besaßen und fich in einer besseren Lage befanden, als Andere. UebrigeuS ist er vorzugsweise Organisator. Die Feindseligkeiten begannen bald zwischen Raisant und LamieussenS. Raisant hatte eine Schild- erhcbung gegen LamieussenS veranstaltet. Martin Bernard, der ihn anfangs angegriffen hatte, suchte ihn später zu vertheidigm, Lübeck, 15. Febr.(Ein Wahlsteg.) In dem Darf- Malsllnz bei Lübeck het vor 14 Tagen ein- GemeindevorstaudSioahl stattgefanbcn, in der die drei scc'aliftisckicn Kandi liten gegen die van den Gcozgrunbbe« fitzeen anfgisielllen Ka-i)Idateu vollständig gesiegt haben. AhrenS. Lübeck, 16. Februar.(Bslks c crfa mmlung.) Sonntag, den 14 Februar, hielten-vir eine BolkSocrsommlung ab, die fich einer zahl- reichen Theilnohme erfreute. Die Tagesordnung laulcte:„Die heutige PlodnktiouSweise und das vierteljährige Crcditlrescu."(Letzteres soll jetzt in Lüdeck auf Beranlassnog seile, s der G-w-rbegesellschaft eiugesührt wer- den.) DaS Referat hatte h erüber Herr Hurlemanu aus Berlin über- uommen. Redner schilderte die heutige PcoduklionZwelse in vortrefflicher Weise und wandte sich alkdann zum Kreditwesen, welches er scharf geiße le, und bewies dabei, daß dieses eine Schlinge fei, welche der Kleiumeister sich selder um deu Hai» ziehe. Redner sarderte alsdann die Bcrkammlung auf, thatkräftig bei deu Kleinmeist-ru zu willen, nud diese zu bewegen, sich ihre Lage richtig vor Angeu zu führen und sich den Arbeitern anzuschließen. Nachdem Redner ausgesprochen und zu: etwaigeu Interpellation aufgefordert worden war, dem aber uicht Folge geleistet ward, schlosseu die Herren Haase und Schwartz fich mit einigen Warten noch dem Herrn Hurlemanu an. Von Herrn Schwartz n nide c'ne R-jolutiau eingebracht, welche von der Versommluag giltzcheißen wurde. DIsselbc lautete:„Die heutige Bolls- Versammlung erklärt, daß durch die heute bestehende, mit Maschinen und großen Kapitalien iu deu Händen weuigw Kapitalisten betriebene Produktionsweise es dem kleiueu Handwerksm ister nnwöglich ist, gegen die Kon- karrcuz der Großpr»du!tiou anzukämpfen; die Folge davon Ist, daß der kleine Handwerksmeister immer mehr in die Reihen der Lohnarbeiter herab- gedrü t werden muß. Deshalb ist auch das Bestreben der Kleiumeister in Lübeck, statt des bisherigen jährlichen Kredits jetzt da» vierteljährliche Kreditwesen einzuführen, um ans dieie Weise cS möglich zu machen, die Konkurrenz der Großproduktion auszuhallen, ein Palliatldmittel, welches die Stellung der Klemmeistcr gegenüber deu Großproducentcn durchaus uicht bessern wird. Die Bitksversammlusg ist vielmehr der Anficht, daß die G>oß Bourgerlfie durch dieses Palllatlvmittil uur bezwecken will, deu Klein- Meister davon abzuhalten, fich mit den Arbeitern za verbinden, um gemein- schaftlich die heutige kapitalistische Großprodultiou umzufotmen." AhreuS. Eis-nach, 11. Februar.(Zur Bereiuigun gsfragr.) In der am heutigen Tage hier abgehaltenin Bersammlang der social- demokratischen Arbeiterpartei war auch Uc EiulguugSfrage der beidea social-demoiratlschcu Richtungen auf der Tagesordnung. Die Arbeiter EifenachS begrüßten die- selbe allerseits mit Freude und wünschten iehulichst, daß dieselbe zur Wahr- heil werbe. Eine hieranf bezügliche, vou Lämmerhirdt eingebrachte Resolu- tlou saud allgemeiue Zustimmung. Im Augenblick der Annahme meldeten sich zu unserer größten Freude noch drei Redner zum Wort; e« waren die« die Lassalleaner Winueu, Dohue und Bäthkc. Wir faaden bei diesen Herrea ein berc twilllgcS Entgeg-nkommen, und die Früchte einer Bereinigung köu- neu nicht ausbleiben; wir habe» bereit» eine Probe davon gesehen. Dien- stag. deu 9. Februar,»erlündeteu nämlich die„Eiscnach-r Zeitung" sowie große rothe Plakale au den Straßenecken eiue Volksversammlung mit der Tagesordnung:.Die Bcflreduugeu der besttzeudeu und der nlchtbesttzeude» Kl.ssc, und die Läsung der socialen Frage auf friedlichem Wege." Al» Referenten waren«ngegebcu: W. Frick au» Bremeu und O. Kapell an» Berlin. Hatten wir seil langer Zeel keine Gelegenheit, eine große Ber- sammluug zu seheu, so war es uns an diesem Abend vergönnt, den aroßen Saal der„Hohen Lust" Kopf au Kopf gediängt voll zu sehen. Herr Kapell war leider am Erscheiaeu verhindert worden, an seiuer Stelle war jedoch Herr Stuhr anwesend. Beide Redner löste» ihre Aufgabe zur allgemeinen Zuiriedenhcit und ernteten den größten Beifall. Es war die» sür uns deshalb von Wichtigkeit, indem gerade iu dieser Versammlung alle Stände vertreten waren, darunter Leute, welche noch nie eine Bersammlung besucht habe«, Lehrer und Beamte. Auf«ine Auffordentug selten» de» Borsttzendeu Lammerhirdr, der Partei bclmiret-u, ließen fich ca. 20 Manu eiuzeichuea. Für uns-in schönes Resultat. Wir sazcu diese» Herren unser» Dank, mit dem Wunsche baldigen Wiedersehen». Mit social-demotratlschem Gruß: Eh. Lämmerhirdt. Nowawtß, 15. F-br.(Bericht) Gestern fand hiersclbst eine von mehreren Hunderten besuchte Bolksvcrsammluug statt mit der TageSord- uuug: Die Bestrebungen der Social-Demokratie und der deutsche Reichs- tag. Als Resernr war Herr Albert Bächke au» Berlin anwesend. Nach- dem da» Bureau gebildet war, ergriff der Referent da? Woet und belench- tele In einem Jedem verständlichen Bortragc das Thema, von wiederholten Beifallsrufen unterbrochen. Folgende Resolution wurde eluaebracht und einstimmig angenommen:„Ersten«: daß die hiestgen Sociallsteu alle 14 Tage eine gemeinschastliche Versammlung avhaltrn«ollen, wozu alle Freunde der Arbeiter Zutritt haben. Z veileuS: daß die heutige Volksversammlung fich mit den Ausführungen des Herrn A. BZthke einverstanden crllärt, im» es fich zur Pflicht macht, mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften für die Berwirkiichung des Socialismu« einzutreten; ferner macht e» fich die Berfammlurg zur Aufgabe, nur einem Arbeiter fernerhin ihre Stimme bei ber RcichStagswahl zu geben. F. Haburg. Cotldns, 15. Febr.(Versammlungsbericht.) Sonntag, be» 14. bs»., Vorm. 11 Uhr, hielten dleMderalen eine Versammlung ab, in «elcher die Herren Dr. Schacht und Prof.ssor Th. Mommsen ihre Thätig- k-it im Abgeorduet-uhausc klarlegen wollte«. Herr Mommsen sprach iu einigen Punktcu ziemlich gut, er krltifirte den Gründerschwindel o. s. w. Außerdem wurden In der Versammlung d e Statuten de« liberalen Wahl- verein» vorgelesen, welcher an demselben Tage In Kraft trat. Wie lange er wohl existiren wird?— Nachmittag« 3 Uhr hielten wir im Lokale d-S Herr» Wegeradt(Wachsbleiche) eine BolkSversammlang ab mit der Tage»- orduuiig: Der Reichstag und die Social-Demokralie. Es waren unge- fähr 100—150 Personen anwesend. Ein Herr N-ugebaucr aus Sprem.erg bctheiligte sich stark an der Diskussion, jedoch in eine« wenig gebildete» Weise. E« wurden Ihm auch selbstverständlich vom R-ferruten Herrn Rödiger seine Einwürfe widerlegt. H. Tetchert. Berlin, 15. Febr.(«llgem. Tischler- sSchreiner-j Verein.) ES wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß da» von der Mckglied« schafl In Lüdeck gegründete ArbeilSnachweiseboreau fich bei Raubt, MarleS« grub- 546, b-fiudet, da die dortige» Meister eieufalls ein solche» gegründet aber er und ich«areu gezwungen, darauf zu vrrzichteu, den» LamieussenS hatte sich zu verdächtig und unpopulär gemacht. La- mieusseuS wurde gezwungen, sich im Mai 1838 zurückzuziehen. ES wurden förmliche Versuche gemacht, wieder eine Patrouenfa- brik einznrichteu, und damals erschien Rabau uvter nnS, welcher von Rutsant eiugesührt wurde, der fich seiuer bedieueu wollte, um den Ausschuß zu beherrschev. Rabau ist«in uuöesooueuer, herrsch- süchtiger, kompromittireuder Mensch. Er wurde ergriffea, und eS war unmöglich, daß er es uicht wurde. Sie sprechen vo» Du- boSc; eS war nicht seiu Wille, in die Gesellschaft zu treten, aber er stellte fich zu meiner Verfügung, bloS aas Last zu Händela. LamicusseuS ist, aber mit Uarecht, beschuldigt wordev, die Ra- banssche Augrlegmheit für Geld verratheu zu habe». Vou seinem Gefäugn'sse iu Saint-Pelagie auS störte Raisant die Gesellschaft durch fortwährende Jntcigueu, und als die Regieraog ihn nach DoulleoS schickte, gab sie der Gesellschaft daS Lebeu wieder. Die Orgauifiruug wurde von Neuem betrieben, und vom Oktober bis zum Februar 1839 beschäftigte mau fich mit Werbungen. Zu dieser Zeit reiß- LamieuffeuS, aber seiue Reisen hatten keinen po- litischen Zweck. Die Gefellschaft hat au deu Emeuten im April, vor der Deputirteukammer und iu der Straße Saint-Deois keioeu Autheil genommen. Uofer Plan ging dahiu, ruhig zu bleiben,«ud uicht Plötz- lich loSzvbrecheu. Die Aprilaafstäudc brachen unwillkürlich auS, wie die vou 1831 und 1832, auch hatten fie keine Koufisteuz. Wir unsererseits hatteu im März 1839 achi hundert fünfzig Mitglieder. Die Aprilaufständc gaben einer auderea mit der unsri- gen parallelen Gesellschaft den Ursprung; daS Aufbrauseu des Volkes weckte einige alte Anführer, welche die Gesellschaft der MootagnardS bildeteu. Ja ihr herrschte eiue wirkliche Auarchie. Die Anführer waren zahlreich und sämmtlich Soldaten. Alles! beschränkte fich auf zwauzig oder füusundzwauzlg Schreier: Por- I haben: und find an sämmtliche Mitgli-dfch asten je zwei ArbeiiSnachweisc- bur ankarten zum Aufhänzen in den Gast- resp. Frembenzlmmern versandt. — Für fotgeude Orte find BeoollmSchligte destätizt: Für Berlin: Schütt, für Flcnsdnrz: Thill, süe Eöstin: Fr.-yer. Geciner, Vorsitzender. Hamburg, 12. Febr.(Der Allgcm. deutsche SchisfSzik? ine« rer-B-rein und der Verein Norddeutscher SchiffSbaumcistcr.) Da von Seite» der b-fitzend-N Klaffen die Vereine der Arbeiter aller Brun- chcn in der g.hässizsten Weise unnnterbtochen angegriffen werden, erlaube ich mir, als Vorsttzender de» Allg. deutschen Schifftzimmerer-Bereius, beide hier oben genannte Vereine als richtiger Sachkenner zu kritistren, und über« lasse aiSdann das Urchetl dem Publitnm. Ich will nun zunächst die Grün- dnng de» Bercln« Norddeutscher SchlssZbanmcistcr kritistren. Um dieses Eatsteheu genaurtteu Verein« näher zn schildern, führe ich hier einen Be- rlchl au« der„Homdurgischen Börsenab-udzeiwng" an. Dieselbe schreibt: „In Berlin hat in den Tagen vom 16. und 17. November 1874 eine Generalversammlung des am 15. April 1872 zunächst von den Schiff- bouera der Ostsecküste gegründeten Vereins deutscher Schiffsbaume ster statt- gefunden, dem sich inzwischeu auch die SchlffSbaucr der Nordseelüstc ange- schloffen haltea. Gegenstand der Tagesordnung bildeteu die Statuten, die von der Eeneral'.eisammlung vordehiltlich definitiver Redaktion festgestellt wilrden. Der Bercia bezweckt nach§ 1 der Statuten, die gemeinsameu Interessen der Fachgenossen zu wahre« und die Verhältnisse zwischen deu Verein Mitgliedern und ihren Arbeitnehmern Im beiderseitigen Interesse der- selben zu regeln. Mitglieder de» Vereins können werden die Besitzer vou deutschen Schiffswerften nnd Schiffs- und Maschillendanaustalte» al« Arbeitgeber, sowie Schiffsbaumeister uud Schifflarchitekten, nnd Schiffs- und Maschinelldaniagellieure der Krieg»- und Handelsmarine. Der Verein theilt fich iu DisttiklSoercine: a) der Em», b) der Weser, c) der Elbe(Häfen au der Elb� und der Westrüsti von SchleSwig-Ho.stc!»), ä) der Traue(Häfeo an der Trave uud der Ostküste von Schleswig- Holstein), s) Mecklenburg «nd Vorpommern(Höfen von Wismar b!« Aaclam wcluflve), k) der Oder (Häfen v»n Ueckermünde bis Eolb rg inclusive), g) der Welch el(Häsen von Ueckermünde bis Memel). Nach§ 3 der Staturen sollen die Lohnsätze in jedem Orte zwischen Meister und Gesellen vereinbart»erde», und darf kein BcreivSmitglied von dem getroffenen Uebereinkommeu abweichen. Nach§ 4 der Statuten ist dem anitrelcndeu Arbeiter auf Verlangen van dem bishc« rigen Meister eine Bescheinigung darüber zu ertheilen, ob er ordnungsmäßig entlassen, oder nicht. Eine in geziemender Weise vorgebrachte Forderung auf Lohnerhöhung soll nicht al» Grund zur Verweigerung eines ordnung»- mäßigen Abgangzschcine» gelten. Die Mitglieder verpflichten fich, Arbeiter nur dann anzunehmen, wenn dieselben einen Entlassungsschein von dem Meister, bei welchem fie zuletzt Iu Arbeit grstauden haben, beibringen. Für die BereiaSMltglieder an der Elbe hat diese Vorschrift gegenüber dort wohu- hastea Zimmerleuten keine Geltung. Strlkende Arbeiter dürfen von dem« jeuigen Meister, bei welchem fie gcgriket habe», sofort nach erklärter Been- dfgung des Strikc« wieder in Arbeit gestellt»erden; von anderen Meistern vor Ablauf von zwei Monaten nur nach eingeholter BewMgvug deS ersteren. Die übrigen Paragraphen beziehen fich ans die innere Organisation de» Verein«. Zum ersten«orfitzenden wurde Herr Schiffsbaumeister Schü« ler in Berlin, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Aug. B-hn In Ham- bürg erwählt. Da» Marlnemlnisterium hatte fich bei der betreffende» G-uiralversammluu>r durch den AdmiralitätSrath Brlx vertreten lassen, der fich auch eingehend an der Debatte betheiligte," S»t»& f-igt.) * Der Redaktion ist von Herrn Wrigcl an» Neumünster auf die neulicht öffentliche Auffordernng von Parteigenossen) aus) Hamburg und Altona, fich zn rechtfertigen, die jnachstehende Einsendung zugegangen, zu deren Wiedergabe de Redaktion dem Angegriffenell gegenübee verpflich- tet ist. Wir bemerke» jedoch zugleich, daß für eine weitere Polemik ie dieser Angelegenheit d-o Parteiorgan keineswegs der richeize Ort ist und höchsten» die Berichtigung falsch angegebener Thatsachen fiatlfinden mag. Mit Arbeitergeldern Mißbrauch zu treiben, darf allerding« unter keinen Umständen ungeahndet hingehen; der richtige Weg dazu ist aber nicht bloßiS Anschuldigen,«aS auf Jrrthum beruhen kann, sondern der In der folgenden Einsendung ausdrücklich dezeichnete Weg gerichtlicher Klage. Neumünster, 10, Februar. In Nr. 18 vom 10. Februar d. I. de»„Neucu Soclal-Dnnokrat" und Nr. 4 de»„Botschafters" befindet fich ein Artckel„Hamburg, im Ja- vuar(Völlige Aufklärung in Betreff ber Avgelegenhcit de» Hru. Weigcl)" überschriebe», worin mir vorgeworfen wird, Geldauterschlagungen gemacht zu haben, ohne daß der Bewri» giflihrt werden kann. Es war wohl Mitte November 1373, als eine Eigorrenordeitirversammlung in Tütge'S kleinem Saale stattfand; dieselbe war cinberafen von Herrn Philipp zum Zweck der Abichickuug de» gesammelten Gelbe«»och Holland. Philipp ertlärtc In jener Versammlung, daß er lm Befitze de« Gelbe« sei bl« anf 3 Mark 8 Schill., welche der in oben bezeichnetem»rtlicl milgenannte Eigarren- arbeiler Hossmann für sich behalten wollte. E« wurde mir darauf da« Geld gegeben, ohne die 3 Mark 8 Schill, oder, wie e» sich bei der Rvlsion hcroulstellte, 3 Mark 14 Schill., und ein Brief des genannten Eohu mit der Adresse in Holland; ich hatte»«rauf da« Geld abzuschicken. Es wurde Frühjahr 1374; ich mußte In'« Gesäuguiß, uud«ähreud dieser Zeit fing man a», mich zu verdächtigen, welche» mau bl» aus die neneste Zell immer lauter werden ließ. Unwahr ist e»«»d durch die verschiedeuen Nummern d. Blatte» zu beweise«, daß ich In fünf auf einander folgende» Lersamm- lungeu zu erscheiaeu aufgefordert bin. In elurr von mir eloberufene» Versammlung, habe ich mich zu Allem bereft gefühlt nud darauf einen rekomm. udirten Brief an Fritzsche geschrieben, mit der Bitte, um Einsendung der Adresse In Hollan», die ich nicht mehr halte, da ich deu betref- senden Brief au Philipp wieder zurückgeben mußte. Ich bekam die Adresse de« Herrn Cohn au» England, au welchen I» darauf schrieb, von dem ich aber keine Antwort erhielt. Bei Herrn Philipp war ich ebenfalls, um mir von ihm den fraglichen Brief zu erbitten. Derselbe erklärte mir, er habe gestern aufgeränmr und alle« Ueberflllsfige verbrannt und jetzt hatte er anf einmal die Anresse, welches aber, soviel ich mich besinne, uicht den richtigen Namen enihielt, denn diese» ist ein deutscher und jene« war ein nin, Vachez uud Andere. Sie sazteu beständig:„Wir marschiren morgen, wir marschiren au dem und dem Tage", und fie erschie- neu vie, weit fie Niemanden hinter fich hatten. Sie arbeiteten der Regierung vortrefflich in die Hände, fie erschütterten unsere Gesellschaft der Jahreszeiten durch ihr Geschrei, indem fie unaufhörlich wiederholten, wir seien exclusiv, wir wollten nnS nicht mit ibneu verschmelzen, wir wollten nicht handeln. Sie brachten das Quartier Saiat-Autoine in Unordnung und mußten anfge- hoben werden, Der 12. Mai kam heran. Folgendes fiad die Gründe, die uns zum Handeln veranlaßt««. Zuerst die ministerielle Krifis, die ein« allgemeine Unzufriedenheit hervorrief. Wäre das Mini- sterium am Donnerstag gebildet worden, so würden wir am Sonn- tage nicht die Waffen ergriffen haben; wir rechneten auch anf das Darniederliegen deS Handels. Auf der anderen Seite drohten die MontaguardS, die Gesellschaft durch ihre Jatrignen aafzulösen; mit einem Worte, eS erhob fich unter den Unsrigen ein allgemeines uud unwiderstehliches Kampfgeschrei. Der Augenblick war gut gewählt, die Bourgeoisie war miß- vergnügt. Wenn wir nnS viernudzwaazig Stunden halten kona- ten, so betrachteten wir die R-gierang als verloren. Wir be- fchlennigten die Sache aus Furcht, daß daS Ministerium erschei- neu möchte. Wir befanden uns in der Nothweudigkeit, zu hau- deln, um unsere Auflösung zn vermeiden. WaS die Vorbereitungen betraf, so hatten wir eS aufgegeben, Muuition in Massen zn verfertigen. Wir hielte» die Anfertigung im Einzelnen für klüg-r. Wir glaubten, auf diese Weis« deu Nachforschuugen der Polizei zn entgehen. (Fortsetzung folgt.) blkzlschcr Name. 3di habe heute noch ruuial, und zwar rekoinmandlrt, an den Herrn Cohn geschrieben, mit der Bitte, um Angabe der damaligen Adresse. Besser wäre c» gewesen, wenn man die Sache ordentlich untersucht hätte, als iu's Blaue hluein, ans Angaben gewisser Personen, mir die Ehre abzuschneiden. Wenn die Unterzeichner des gedachten Berichtes ihrer Sache gewiß sind, so rathe ich Ihnen, diese» zimverliche Benehmen aufzugeben, und mich direkt anzufassen; e» wird wohl für einen Betrüger noch Platz im Gefängnisse sein. Ehr. Weigel. Voltaire. (Fortsetzung.) ES ist ein eigeuthümlicheS Gefühl, welches den Menschen- freund überkommt, wenn man das Schicksal eines Rousseau neben da? eines Voltaire hält. Voltaire gefeiert und gepriesen und Rousseau in Elend und Verbannung. Voltaire ist abwesend uud erfüllt dennoch ganz Fr>nkreich. Von Ferney anS führt er den Vorsitz bei den Festen des Helvs- tiuS, begeistert die Encyclopadisten zum Kampf, giebt dem fran- zöflfcheu Geiste den Ton an und zwingt ganz Europa, sich feinem Eisflusse zu unterwerfen. Seitdem er die männlichen Töne der römischen Freiheit hatte erklingen lassen, und den„Tartnfe mit den Waffen in der Hand" ans die Bühne gebracht hatte, be-- herrschte er das Theater. Ueierall rezitirte man feine Verse, wiederholte mau seine Romane und Erzählnugeo, in den Büchern, welche er nicht anzuerkennen wagt, verräth ihn fein Talent, wel- cheS seine kluge Vorsicht vtrgeblich macht; sein Spott ist vneat- rinnbar, die Zahl seiner Opfer täuscht jede Berechnung und eS ist, als ob man in seinem Jahrhunderte nur das lauge und unauslöschliche G-lächter vernehme, zu dem er das Zeichen gegeben. Wenn er nach Paris kommt, so braucht er sich nicht zu verber- gen, wie Ronsseau, sondern geht von Triumph zu Triumph uud wird eineS Abends nach einer Vorstellung der„Msrope" in der Loge der Marschallin von VillarS im Namen und unter dem Beifallsruf deS ihn abgöttisch verehrenden Publikums umarmt. Jetzt find eS bald hundert Jahre, daß Voltaire die jetzt herrschende Klasse zum Siege führt». Man gehe die Geschichte von der französischen Revolution bis ans Ludwig XIV. durch und man liest nur doS Leben Voltaire'S, ein wunderbares und für das 18. Jahrhundert uvthwendigeS Leben. Doch kommen wir wieder auf Voltaire und sein Verhältviß zur Philosophie deS achtzehnten Jahrhunderts zurück und widmen dem berühmteste» Werke der franzöflschen Philosophie deS acht- zehnten Jahrhunderts einige Augenblicke. Die Encyclopädie fast die Leistungen deS philosophischen 18. Jahrhunderts zusammen; kein andenS Werk trägt, wie sie, daS Gipräze desselben. Wenn mau die Encycopädie durchblättert, empfindet mau ein unbeflimmtls Gefühl der Traurigkeit. Mau könnte sich in den Glfildeu von Palmyra wähnen, die berühmt sind dnrch ihre Trümmer. Der BtweiS des DafeinS Gottes, die Theorie von der UrtheilSkrvft, die streitigen Meinungen der Menschen über die Seele, über ihren Ursprung und ihre Bestimmung stehen bunt durcheinander mit Beschreibungen von Maschinen, oder den Ber- sahrungSarten der Chemie. Die Unordnung ist maßlos. Uud von allem diesen bleibt so viel wie nichts übrig, von jedem Tan« zen nur Theile, von jeder Familie nur Individuen; tausend um- hergestreutc Steine bezeichnen die Stelle, wo einst ein Monument stand. Aber hatte die Encyclopädie, das Werk des SiepticiSmuS, eine andere Form annehmen können? Um Ordnung in die Be- griffe zu bringen uud sie zu regeln, dazu muß mau glauben, dazu muß mau einen Führer annkeuuen und ihm folgen. Die Un- ordnung ist grwiffermaßtn daS natürliche Wesen der Skeptiker: sie hatte auch im 17. Jahrhundert daS berühmte Buch Bay!e'S charakterisirt. Es lag nicht in der Absicht der Encyclopädistm, den kommenden Gemratiouen nichts zu hinterlassen, als die Zerstörung uud die Nacht. Sie vernichteten den alten Glauben obue Be- denken, vhue Zaudern, weil sie darauf rechneten, ein Buch zu hinterlassen, dessen Materialien dazu dieuen würden, das mensch- liche Wissen neu aufzubauen, weil sie glaubten, daß über die Sündfluth, die die menschlichen Meinungen bedeckte, ihre Arche schwimmen werde, angefüllt mit den notwendigen Elementen, vm die geistige Welt wieder zu bevölkern. Gewiß, um solche Plaue zu fassen, erforderte eS eine nicht gewöhnlich: Kühnheit; und welche Klugheit verlangte nicht ihre AaSführunz! Nan fanden sich aber gerade diese erforderlichen Eigensebaften bei dea beiden Herausgebern der Encyclopädie. Diderot, der Aöenteuerndste unter dea Denkern, hatte d'Alembert, den Klügsten unter den Philosophen, zum Genossen. Eine mäch- tige und außerordentliche Berbiaduuz! Ein berühmter Geometer ersten RmgeS, ein Fürst der Wissenschaft, der Vcriheiler der Kronen der Akademie, war d'Alembert immer bemüht gewesen, sich den ruhigen Genuß seines Ruhmes zu bewahren. In Sachen der Religion und selbst der Meiapiyü! war der Zweifel die be- ständige Richtaug seines Geistes, und in seiner ganzen Korrespoa- denz zeigt sich der Skeptiker. Aber die Ungläubigkeit, der er in seinen vertrauten Briefen so gern freien Laos ließ, verhüllte er mit sorgsamer Hand vor dea Augen der Orthodoxen, oder er ließ wenigstens nur ihre erlaubt» Seite sehen. Seine etwas ver- schmitzte Feinheit machte auf diese Weise die philosophische Maß- lofigkeit deS unternehmenden Diderot' S wieder gut. Ja, während der kecke Verfasser der I-ettrs sur les uvouAles(Briefe über die Bliadeu) daS Gefänguiß von VincenneS eben so ungestüm verließ, als er eS betreten hatte; während er fich in gottlofeu Einfällen gehen ließ, sich laut in Dithyramben gegea Gott er- goß, uud feine beiden Häade, die er mit Wahrheitea gefüllt glaubte, offen ausbreitete, griff d'Alembert, ein geschickcerer Tak- likec, als selbst Voltaire, den„schmachvollea" Aderglaubea auS dem Verborgenen au nnd„schoß seine Pfeile, ohne seine Hand sehen zu lassm." Diese Vorsichtigkeit d'Altmben'S machte ihn ganz vorzüglich geeignet, die Einleitung der Encyclopädie zu schreiben. Talent, Mäßigung, Schicklichkeit, Würde, NittS fehlte dieser lichtvollen Darstellung der menschlichen Kenntnisse nn» ihrer Verzweigung. In der Ucberstcht der großartig'» Erscheinuugeu, welche Ergebuiffe der ueuen Zeit waren, konnten Frankreich und die alldereu Ratio- neu mit Stolz die Namen eines CartesinS, eiueS PaScal, eines Galilei, eines Newton, eines Leidnitz und jeaes Franz Bacoa lesen, dem gerade d'Alembert ferne Methode entlehnt halte. Diese Einleitung war ein Meisterwerk der Gewandtheit. d'Alembert stellte in ihr die Prinzipien der Spiritualität der Seele und deS Daseins Gottes mit solcher Bestimmtheit hin, wie es nur immer Carlcflus hätte thun köuN'N. DaS Bewußtsein der stlUichea Wahrheiten nannte er„HerzenSgewißheit" und erkauute ihr daS- selbe Ansehen zu, wie den Axiomen der Mathematik. Mit einem Worte, er zeigte eine Orthvdrxie, die man für sehr verdächtig halten darf. Wie sehr Voltaire eS verstand, alle Klasse:-: der Gesellschafc für sich zu gewinnen und zu begeistern, zeigt jener Empfauz, welchen Paris Voltaire kurz vor seinem Lebensende bereitete. Welch«in Tag, als in dem revolutionär gewordenen Paris, daS schon gahrte und von der Theorie zur That überzugehen bereit war, plötzlich>er Ruf erscholl:„Voltaire ist da!" Die Gewalthaber des Aux ckS erstarrten vor Staunea; die Priester geriethen in Verwirrun; dos Volk wurde unruhix, nnd sogleich eilten Dichter, Künstler, Philosophen, die Fürstea deS Wortes oder des Gedankens her?:-nd beeiferteu fich, dem unerwarteten Gaste ihre Huldigung da.zabringen. Einig: verweigerten dies jedoch uud Brraardin von Saivt-Pierre antwortete Rousseau auf dessen Befragen:„Ich würde mich allzu verlegen fühieu beim Zu- semmentreffco mit einem Manne, welchkr Volker zu Klienten uud Könige zu Schmeichlern hat." Di: Zahl Derer, welche das Selbstgefühl fern hielt, war aber nur klein: die Strömrnz deS JehrhundertS lief auf Loliaire hinaus. Denn die Bewunderung der Menschen ist fast nie ohne Eigennutz; waS ihre Begeisterung in einem bevorzugten Sterblichen gerne begrüßt, ist weniger die Schönheit, als die Zeitgemäßheit seines Genies. Uud Voltaire war gerade deijevige große Manu, dessen die Gesellschaft damals bedurfte. Als Franklin zu ihm kam, um feinen Sohn von ibm sczneu zu lassen, legte er bekanmlich dem Kinde die Häude aus'ö Haupt und sproch:„ Gott uud die Freiheit!" BewuudcruugSwürdige Worte, wenn nicht Alles trügerisch wäre, was unoöllstäudiz ist, vnd wenn dort Freiheit sein könnte, wo Gleichheit, wo Brüder- ltchkeit fehlt! Allein die wahr», die fteimacheude Formel war roch nicht gefunden und daS Volk ließ fich arglcS von dem süßen Zauber zweiir Worte bestricken, welche die alte Bedrückung ihm lies gemacht hatte. Deshalb strömte die Menge unter Voltaire'S � Fenstern zusammen, freute sich, ihn zu brsttz'.n,' und brannte vor Uilzeduld, ihm ihren Beifall zu bezeizen. Man erzählte fich die Wunder dieses Lebens ohne Gleichen; m.:u rechnete die Verände- rungen auf, welche eS in der Welt hervorgebracht hatte: Rom voll Erstaunen über einen solchen Gegner; der Katholizismus schon halb befiegt; die alten Mächte veruueinigt; CalaS rehabili- tirt; die Sitten milder geworden; die Parlamente ihrem FanatiS- mnS zu entsagen geuöthigt und, als höchste Schlußfolge deS Rechtes der Prüfung, die Würde des menschlichen Geistes für eben so unverletzlich erklärt, wie Gott. ES gab Leu e, welche die Ankunft deS Philosophen in Angst setzte. Allein vergebens schleuderten die Pneste� in ihren Tem- peln, denen Verödurg drohte, von ihren verhöhnten Altären auS den Baunstrahl; der vierundachtzigjährize, der kranke, der er- schöpfte Voltaire machte ihren Zorn zu Schanden und triumphirte. ES ging jedoch daS Gerücht, von einem für tödllich erklärten Leiden ergriffen, habe er eiueu Beichtiger kommen zu lassen uud die Kirche um Verzeihung gebeten. Aber dieser Manu, dessen ganzes Lebeu nichts als SarkaSmuS gewesen: mou gefiel sich da- rin, ihn noch auf dem Sterbebett» als einen Spötter zn betrach- teu. Selbst die Kirche, der seine Uaterwerfung Geuugthuung gab, hatte nicht den Mutb, Voltaire als Reuigen für aufrichtig zu halten. Von ihm ausgehend, hatte eine Handlung der Schwäche demnach die Bedeutung eines AerzernisseS. Er erholte sich übrigens wieder, um gleichsam uichtS zu ver« luren von dem glücklichen Traume, in dem er scheidea sollte. Als er der Aufführung seines letzten Trauerspiels beiwohnen wollt», herrschte in Paris eine beispiellose Spannung. Taaseude von Menschen erfüllt«! die Straße, durch die er kommen mußte. Sem Wagen wird in der Ferne bemerkt: gleich stürzeu ihm Alle mit Jouchz-n eutgrgeu. Ans treue Arme gestützt, stieg er auS. Ein prachtvoller P.lz auS Zobelfellen, daS Gescheut der Kaiserin; eine Perrücke mit grauen Locken, breite Spitzeumanschetteu: dieS war der Anblick, welchen er den stauueudeu und entzückten Parisern darbot. Seine Augen strahlten mit einem Glänze, welchen seine matten Züge und sein bleiches Geficht um so stärker hervortretm ließen; mit Wollust genoß er seinen Rahm; die Rührung über- mannte ihn; durch die Feierlichkeit dieses Augenblicks wer von seiaer spöttisch«! Lippe einmal das gewöhnliche Lächeln verbannt. Im Theater erhob fich bei seinem Eintritt die ganze Bersamm- long. Aufrecht stehend in ihren Logen, streckten die Frauen dem Dichter die Hände entgegen, wie einem Wesen, zn dem man betet. Viele vcrgvss-u Thrauen der Rührung; Einige kmeeten nieder. KrastlvS und bleichen Angesichts beugte er sich über diese M«i- fcheumenge hin, dankte ihr mit einer HaudSeweguug und war nahe daran, dem Freudenräusche seines H-r; nS za erliegen. Sie bekränzten ihn; sie bikräuztcu sein: Büß- uor seinen Augen, da mit er bei Lebzeiten schon den Festfei-rn seiner Unsterblichkeit beiwohne... Zwei Monate darauf war er nicht mehr. (Schluß folgt.) Briefkasten. Anonyme Ein�nduugen, Anfragea a. s. w. können nicht be« rückstchtigt werden. A. G. In Barmen. Die betrefsmdc Notiz der„Banner Zeittmz,, wird durch dl- Erklärung von H. in Nr. 19 de»„N. Soc.-Dem."uom vorigen Freitag erledigt. Fecund Kerstin. Meine Adresse ist: Wilhelm Galla», PolLdam, Inn- kerstraße 23, I. recht». Philipp Biel zu Rückingen, ElgarrenkiZenmacher. Warum beantwortest Du meine Briefe nicht? Dein Freund Julius Schclbler In Damm bei Aschaffenbura. Die von uns in voriger Nummer gewünsrbtcn Nummern 70, 72 und 73 find genügend eingegangen, wofür wir danlen. Die Expedition. O Leber, Essen. Da» früher Bestellte heute abgesandt. Anti-ShllabuS haben wir nichr. Ä. G., Altana. Bitten um weitere Einsendung. Diejenigen Partcizcuosseu von Lennep und von orr Dahlerau nnd Um- gezend, wrlche Ausschluß zu geben wissen über die von einigen Lennep« Fabrikanten gemaibten Geschenke an die Stadt Lennep u. s.«, werden aufaefoidcct, ihre Adresse an E. I. Kühl, Gewerbeschnlstr. 98, Barmen, gefälligst einzusenden. n n o n e e W Sonntag, 21. Febr., �UMoUrg. Nachm. 2h Uhr, im Salon zum Roland, 1. Jatvbst». 19, Mitgliederversanrmluug des Allgem. deutschen Gypser-Bereins. T.-O: Borttag. Abrechnung. Antrag de« Herrn LMgen», betreff» der Krankenkasse. VerelnSangelegevheltcn. H. Götz.[1,60] ßTk4rtttUtglie»ern deS Allgem. deutsch. Arb.-Bereiu». Saalössnung 1% Uhr. Anfang 8 Uhr. Da» Tomits.[2,00] Effen den 20, Febr, »>«ldS 8 Ubr, bei Leber, Grabenstr. 26, Sitzung[1,00] der Zeitun g-skommission.__ Otmmf»r Sonntag, 21. Ftlruar, VlluUltl. Nachm. 5 U5I. im Saale de» Herrn Kirgelei», Volksversammlung. Tagesordnung: 1) Die GischäftSkrisiS. 2) Die neuesten Ereignisse in der Arbeiter- bewcgung.[2 00] ___ I ü.: W Do meyer. Bielefeld.*°SZ. im Saale de» Heriu Plischewski, Volksversammlung. T.-O.: Feststellung de» Statin»«ine» Wahloc eins der social dem» krati chen Partei. All- Arbeiter werden hierdurch zu zahl- rcichtm Erscheinen eingeladen. Die Kommisüou-[2,00] Heut-, den 15. Februar, starb mein lieber Bräutigam Adolph Möller, nach schwerem Leiden tief betrauert von seinen[3,00s Altona. Eltern, seiner Schwester und der tiifbelrübten Braut Louise Steinhagcn. IT Sonnabend, 27. Fcbr», �U«umlg.in Tützc'» Etabliss'Mrnt, Comert von Joy. Schulze. Entr«e 3 Schill— Karten im Borau» i 6 Schill., sind bei säomtlichcu Mitgliedern der Licdrrtcfel„Lassallca" zu haben.[1,20] Vrnck nnd Verlag von C. Jhring sttte». <». Bereiv) w Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: A. Lüster in Berlin.