Nr. 25. Berlin, Freiing, dm 26. Februar 1875. 5. Jahrgang. Di.'ke Zeimng erscheint dreima wöchentlich, «ud zwar: Dieustafls, Donnerstags und Sonnabends Abends. chtSounements-?reis: Für Berlin incl. Bringcrlohn vierteljährlich prae- numeraudo 1 Rm. 95 Ps., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 60 Pf., frei in'« Hau« 2 Mark. Kreuzband-Abonnement« pro Quartal u. Eremplar: Für Deutschland und Oesterreich 3 Rm.— Pf. » Niederlande und Belgien.3- 60- « Tngland und Frankreich. 4- 50- - Amerika(Verein. Staaten) 5« 50- Bestellungen auf Kreuzbaud-Abonnemmt« find nur bei der Expedition aufzugeben und müssen prss- uumerando gezahlt werden. Neuer «etidtlo». und Embltlott: Aertt», Oranienstraß« Nr. 8, 80. Bestellungen werden bei'allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spedi- teur entgegengenommen. Eigeuthum der Laffakesuer. Inserat« (nur in der Expedition auszugeben) werden pro ssinfgespaltene Petitzeile mit 50 Pf. berechnet. Bersammlungsanuoncen die 5 gespaltene Petitzeile«der deren Raum 20 Ps. Sogenannte Reklame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. D Für den Monat März kann auf den „Neuen Social- Demokrat" bei allen Postämtern für 0,v>4 Wark abonnirt werden; in Berlin bei den Spediteuren für t),65 Mark. Wir ersuchen, die Gelegenheit zu zahlreichem Abon- nement zu benutzen. Die Expedition. Inhalt. Eine saubere Industrie. TZv-ittsche Utbet-fldHi Zum.Rücktritte" Bismarck'».—„fint. turkampfUcheS".— Garibaldi und die Arbeiter Rom».— Acdciteruuglück fa Schw de».— Die„Volkszeitung" al« Denunziautin. Schorlemer-Alst über den Reptilienfonds. Das gewerbliche Schiedsgericht in Hamburg.(Fortsetz.) VereiuStheil. Korrespondenzen l Dortmund.— Schleswig.— Hilbesheim.— Beidenfl ch.— Ernsdorf.— Altona.— Fraukfnrt a. M.— Berlin. f andel und Verkehr. ohn Brown.(F-rlsetznn?.) Vermischtes. FeniUetou: Barbös nub Blanqui und der Aufstand von 1839. (Fortsetzung.) Eine saubere Industrie. In dem„Berliner Jatelligmzblatt", sowie in verschiedenen auderen Zeitaugeu der„RüchShaoPtstadt", begegnen wir tagtäg- lich Annoncen, worin gegen hoheS Unterpfand und enorme Zinsen «nf kurze Zeit, meist nur auf eine Woche, Darlehen von 20 bis 1000 Thaleru gesucht werden. Diese Annoncen, fast immer in gleichem Style abgefaßt, besagen, daß 20, bezüglich 30, 40, 50, «0, 100 Thaler u. s. f. vou einem reellen, jangeu Kaufmann oder Kavalier, der fich augenblicklich m der bedränztesten Lage befindet, gegen doppelte uud dreifache Sicherhett, durch Berpfäu- düng vou Werthpapieren und Werthobjekten auf nur 5— 6 T-.ge Aksucht und prompt uud dankend dafür 30, 40, 50 k. Thaler zurückgezahlt werden. ES wären dies somit im Durchschnitt 40 bis 50 Prozent Zinsen, ganz abgesehin von der Kürze der Zeitdauer. Leute, die als gute Proviuziale nach Berlin übergefiedelt find, um hier in Ruhe ihre Tage zu beschließen, nebenbei aber «och die Absicht haben, an der Börse etwaS zu fpekuliren, um sich da einige Pfennige zu verdienen, haben sich nicht selten, wie die Erfahrung gezeigt, von diesen Annoncen anlocken and— um ihr Geld beschwindeln lassen. Aber vou diesen so„Reingefalle- neu", wie der Berliner sagt, wollen wir heute nicht reden, noch sie bedauern. Haben sie doch meist in der„Provinz" anch auf diese oder jene Weife den AuSbenter gespielt und ihren Reich« thum fich durch andere Hände, die für ihre Arbeit leer ausgingen, «rwerben lassen. Ran giebt eS aber in den großen Städte» eine Mass» klei- v« Beamten und vorzugsweise Handwerker, die einige Thaler auf die„Sparkasse" getragen haben. Diese„höheren Proletarier", deneu eben ihre Stellung jede AuSficht auf eine bessere Zukunft abschneidet und die trotz aller Mühe und Arbeit, trotz aller Spar- samkeit und aller Entbehrungen doch nie vorwärts kommen, find «S hauptsächlich, die durch derartige Annoncen angelockt und ge- blendet, ihre paar„Sparpfennige" verlieren. Es gehen nämlich alle diese Annoncen von 10 bis 1000 Thaler von einer in Berlin organifirten Diebesbande an». Ber- lommeue und wegen Unterschlagung entlassene HandlnogSdiener, kassirte Beamte und dergleichen find zu einer Gesellschaft zusam- «evzctreten und haben fich auch theilweise in Verbindung mit den In- Barbös«ud Blanqui und der Aufstaud vou 1839. (Fortsetzung.) Diese für Euch so ueuro, so interessanten Thatsachen gehören seit neun Jahren der Oeffeutlichkeit in emem Kreise an, welcher nicht weniger als 1500 Personen umfaßt. Die früheren Mit- glieder der Familien und der Jahreszeiten haben asS einem Munde gerufen:„DieS Alles wissen wir schon längst, mehr als hundert von suS hätten diese Denkschrift abfassen können." Sie ist in der That nur ei» sehr kurzer und sehr unvollständiger Auszug der nuzähligen Akten, welche die Polizei über diesen Ge- genstand befitzt. Was die in der Schrift enthaltenen Portrait- fkizzeu betrifft, so kann der Zeichner nur die Verlegeuheit der Auswahl gehabt haben unter den Studien en face, in ganzem und halbem Profil, die er fich ohne Zweifel von allen Haupt- und untergeordneten Personen hat verschaffen können. Die Poli- zei hat Zeit und Millionen gehabt, um eine solche Sammlung anzulegen, ungerechnet daS, was ihr das Echo unserer inneren Zwistigkeiten umsonst geliefert hat. UebrigenS ist diese angebliche Enthüllung keine Enthüllung, sondern nur eine flüchtige Wände. «mg durch die Geschichte der letzten vier Jahre. WaS sollte der Minister mit allen Ereignisse» thun, die ihm besser bekannt waren, als irgend Jemandem? Was konnten diese schon längst in den Staub der Kanzleien versnuteucn Details nützen? Als Manu« script ist diese Schrift erklärlich, als Diktat ist fie unmöglich. Ein Manuscript nimmt man hin, wie eS ist, aber zu einem Schwätzer, der fich in'S Unbestimmte verirrt,, würde man gesagt haben:„eS ist genug, erzähle vuS etwas Anderes." * Haber» hiestzer L-ibhäafer, sogenannter RückkanfSgeschäfte, gefetzt, um so einen Ofenheim oder Wagner im Kleine» spielen zu kön- neu. In Berlin, in Pforzheim, in Genf unb in vielen and-- ren größeren Städten sind lediglich Fabriken für diese Bande beschäftigt. So werden beispielsweise in Genf Taschenuhren an- gefertigt, anscheinend schwer wie Gold. Dieses schwere Gold ist jedoch nur vier- öchstenS achtkarräthig, trägt aber eine Farbe von sechszehn- bis achtzehnkarräthigrm Golde, uud diese schweren Chronometerahren, deren Werk eben so„gut" als das Gold deS Gehäuses ist, bilden zu überhoch angerechneten Preisen daS Werth- objekt, welches diese Schwindler dm Geprelllen als Unterlage geb-n, aber natürlich niemals einlösen, da st» diese falsche Waare in dieser Weise zu doppelt hohen Preisen loS geworden sind. Pforzheim liefert„Scham, and Schaumgold", prächtige EtuiS bergen ganze„Garnituren". Broch», Ohrringe, Armband, Hals- band tc., ebenfalls lediglich auch auf den Schwindel berechnet; die reellen Etuis find bei diesen uureelleu Goldsachen daS Werth- vollste. Ja Berlin werdea„Wieser ShawlStücher" fabrizirt, die eiue elegante Appretur erhalten, bei erstem.Regenguß aber, wie ein Sack zusammenschrampfmd, werthlo» bei Seite gelegt werden müssen. Diese Artikel find die„Werthobjekte", die dem Darlei- her als Unterpfand gegeben werde». Ebenso werdea aber auch diese Gegenstände au„RückkaufShändler" versetzt, die mit diesen Patronen gleiche Sache macheu. Die RückkaufShändler zahlen ihren Kompagnons beispielsweise bloS zehn Thaler für eiuea oer- setztm W-rthgegeustaud, schreiben dafür auf dm Pfandschein aber 20 bis 30 Thaler. Diese Pfandscheine find dann die„Werthpapiere", die alS „fichere Unterlage" dem AnSleiher gegeben werden. Ist nun die Zeit verstrichen, in der der„reelle Geschäfts- mann" oder der„feine Kavalier" das Darlehm zurückerstatten wollte, fich aber Keiner von Beiden wieder blicken läßt, so be- giebt fich der AuSleiher, vulgo Geprellte, zn dem bezüglichen Leihhaus, um hier die Werthzegmstäude einzulösen, die er dann zu hohm Preisen, da sie, wie ihm gesagt, noch zu tief abgeschätzt find, zu verkaufe» beabsichtigt. Diese letztere Art ist aber zur Zeit fast gänzlich„auS der Praxis" gekommen, da ein solche» Manöver selbst bei den be- schränktesten Köpfen nur selten Anklang zu finden vermag. Wie viel sauer erworbenes Geld auf diese Weise kleine» Beamten oder sonstigen Personen— wie die Erfahrung zeigt, figuriren anch nicht wenig alte geizige mißtrauische Jungfern auf der Grprelltenliste— abgeschwindelt sein mag, wir kann eS be- rechnen? Seit Jahr und Tag prangen schon diese Annoncen Haupt- sächlich in dem„Berliner Jntelligenzblatt", ein Zeichen also, daß die Damme» nicht alle zu werden scheinen und jene Gesellschaft noch immer flotte„Dividenden" ziehen muß. Es ist dies aber wieder ein neues Zeichen vou der FLnluiß unserer grsellschaftlichm Zustände. Die Expeditionen deS„Jutelli- geuzblatteS" und der übrigen Berliner Zeitungen, welche diese Anooncm veröffentlichen, fie wissen recht wohl, waS jene„reellen Kaufleute", jene„feinen Kavaliere" für Ehrenmänner find, nichts desto weniger aber streichen sie die fetten JnfertionSgebühren ein. Ebenso verspürt unsere Presse keine Lust, dieseS Unwesen gehörig zn richten uud an den öffentlichen Pranger zu stellen. Auch Die- jenigen, die auf diese Weife beschwindelt sind, hält falsch« Scham zurück, die Sache den Gerichte« zu übergeben. Rar selten einmal kommt solch'»in Fall zur gerichtlichen Verhandlung, aber dann ist der Schwindler nicht zu ermitteln uud dem Betrogenen bleibt nichts als Spott und Aerger und eine theuer bezahlte Lehre für künstige Zeiten. Ja, wohin wir blicke», nichts als Schwindel und Betrug in unserer heutige-! Gesellschaft. Und meist find eS immer d'e ärmeren Klass-n, die in der p-rsid-sten W-isc„ausgeschlachtet" wer- deu.„W-r da hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat. dem wird auch noch genommen, waS er hat", ein alter, in seiner Fos. sung scheinbar unlogischer Spruch, der aber in der Wirklichkeit tagtäglich vor unsere» Augen fich bewahrheitet. politische Uleberffcht. Berlin, de» 25. Februar. Ju der Presse werden mit großem Lärm über einen mög- licheu Rücktritt Bismarck's vom Reichskanzleramt Ver- mulhnngen geäußert. Mau sagt, Bismarck wolle dann als Reichs- tagSabgeordneter parlamentarischer Majoriläisführer«erden. Letz- tereS ist natürlich ein gar zu komischer Plan, da Bismarck oft genug gezeigt hat, daß er fich den Teufel»m den ganzen Par- lameutariSmuS der deutscheu Bomzeoifie scheert. Im Uebrigea gehen wir ans die Gerüchte nicht ein, da fie ebenso gut eine Vor« bereituug vou Bismarck'» Rücktritt fein könne», als auch nmge- kehrt vielleicht nur dazu dienen solle», damit Bismarck'«„Uncr setzlichkeit" im Glorienscheine strahlt und Welt schreit:„Bismarck hier bleibeu!" die ganze„reich Streut Ja diesem endlosen Gewäsch find nicht zwanzig Zeilen, welche eine Euthüllnng genannt werden können. Sie beziehen fich auf' daS Pirsooal der Gesellschaft der Jahreszeiten, welche nach dem 12. Mai neu gebildet wurde. In dem neuen AuS- fchuffe befanden fich aber zwei Männer: der eiue war daS un- mittelbare Oberhaupt der Hälfte der GesellschaftSmitgliedcr und wurde später als Polizeiageut erkannt; der andtre war ei» ein- fichtSvoller und kenutnißreicher Mann, welcher königlicher Proka- rator geworden ist. Wir dürfen den Spion Theifsier nicht vergessen, den Freund uvd Vertrauten LomienssenS', und Delahodbe, Mitglied der Fa- wilieu und der Jahreszeiten, welcher mit den Hauptauführern in freundschaftlichem Verhältnisse lebte. DieS find hinreichende Qrel- len für die JerufalewSstraße. In Summa ist die Schrift zu neun Zehutheilen nichts, als eine Reihe unnützer Abschweifungen; als Delation ist fie ein Unfinu. Aber die Fälschung voroaSgesctzt, ist diese große histo- rische Darstellung unentbehrlich, nm den, deu man v-rderben will, breit in den Vordergrund zu kellen, und um seine Pe-son mit einer R'.ihe ergreifender Dee-ilS in B rbindnug zu bringen. Roch eine Bemcrkmü- Zwischen den einzelnen Theilm dieses Dokuments shoen oie auffallendsten Abweichungen in der Sprache statt. Hier-»bendize Darstellung, dort vollkommene Nackiheit. Warum so viel Reichthum und bald so viel Trockenheit? wohe' kommen diese raschen U'.bergänge von einem malerischen zu e'-kM eiskalten Style? Diese Kontraste, welche bei einem Erz 3'-" unerklärlich sind, der seiner Feder oder seiner Rede den frei'' Lauf der Gedanken läßt, werden ganz natürlich in einer an' einzelnen Stücken fabrizirten Schrift. Ja dem sogenannten Kulturkampf ist»ine Gewitterwolke heraufgezogen; der Papst hat etne Eucyclica erlassen, welche der deutscheu Kircheugesetzgebnng die Rechtskraft abspricht. Ju Folge dessen großer Lärm m der liberalen Presse, Konfiskation ultra- montaner Blätter u. f. w.— Für an» hat die ganze Sache nur die Bedeutung eines momentanen Lärms, denn daß drr Papst in Folge der gesammteu geschichtlichen Ueberlieferung des Papst- thums so uud nicht anders fich verhalten würde, konnte Jeder vorherwiffeu. Zwischen Bourge-sißliberaliSmuS und Priesterherr- schaft giebt eS, so lauge beide ihre Prinzipien festhalten, nur un- versöhnlichen Streit, welcher erst dann aufhört, wenn beide sich gegen den SocialiSmuS deS Proletariats verbünde» uud daS Pfaffmthnm— wie in Frankreich— in der Bourgeoisie aufgeht, um als Nachtwächter deS„heiligen EigeathumS" zu dienen. Die Arbeitervereine Roms haben am 15. Februar Gari- baldi zu Ehren ein Bankett gegeben, an welchem über 800 Personen Thell nahmen. Garibaldi hielt eiue Rede, in welcher er n. A. sagte, daß er noch der alte Revolutionär vou früher sei. Er ermahnte die Arbeiter, sich ja mit den politischen Fra- gen zu beschäftigen. Sodann brachte er auf d-n Abgeordneten Cacroli, welcher iu der italienischen Kammer die Einführung des allgemeinen direkten Wahlrechts beantragt«, einen Toast ans, in den die Versammlung kräftigst einstimmte. Ueber die religiöse Frage bemerkte Garibaldi: ES sei Zeit, daß auf die Religion de» Aberglaubens und der Lüge die der Wissenschaft und der Wahrheit folge. Ein gräßliches Unglück hat fich vor Kurzem iu Schweden zugetragen. In der Zündholzfabrik„Vulkan" unweit Gothen» bürg sind bei einem Brande nicht weniger als 44 Mensche« um'» Leben gekommen nud 9 lebensgefährlich beschädigt. DaS Unglück ereignete fich früh, gleich nachdem die Arbeit begonnen, iu der Stube, in welcher die Füllung der Schachteln vor fich ging, wo- bei da» Fener durch Selbstentzündung der Hölzer um fich griff, mit deren Verpackung eine der Arbeiterinnen beschäftigt war, und fich binnen wenigen Seinndeo über den ganzen Tisch verbreitete, auf welchen die Hölzer zur Verpackung gelegt waren. Die bei diesem Unglücksfalle Umgekommenen, find wahrscheinlich angen- blicklich erstickt und dadurch verhindert worden, sich anS den sie Wenn daS Dokument echt ist, so verräth eS ein rückhaltlose» Gehenlassen, einen Vorsatz, Alle» zu sagen. Ueberdies waren meine Erinnerungen neu und vollständig. Ich konnte mich also nicht irren und wollte mich nicht irren. Das Dokument aber wimmelt von Jrrthümern, von Unstnn, von Widersprüchen und Albernheiten. Wie kann man>S mir also zuschreiben? So läßt man fich sagen: 1)„Daß ich die Gesellschaft der Familien im Juni 1835 geschaffen habe." Sie ist im Monat Juli 1834 von Hadot-DefageS gegründet worden. Ich bin erst später eingetreten. 2)„Daß der vorgeschriebene Bestand nur ungefähr 750 Man» war." Völlig unrichtig. Die Zahl war unbeschränkt. 3)„Daß nie Listen von den aufgenommenen Mitgliedern existirt hätten, fondern nur von den Vorgeschlagenen." Ebenfalls ein Jrethnm. Es gab Listen von beiden. 4)„Daß am 12 Mai 650 Mitglieder auf den Sammel- plaß gekommen seien, und vier Zeilen weiter, daß 850 dagewesen." Ein plumper Widerspruch, der in einem Zwischenräume vou einer halben Minute unmöglich ist. 5)„Daß wir am Tage deS Kampfes 3000 Patronen besaßen." Wir besaßen 10,000; die Zahl war mir genau bekannt. 6)„Daß die große Mehrzahl der Republikaner in Röcken Zeitungen schreibt." DaS ist eine sonderbare Statistik. 7)„Daß wir die Mitglieder der provisorischen Regierung nicht vorher bestimmt häiten." umgtbtuden Flammt» za retten. Die gcsammle BourseoiSpresse zeht über dieses Unglück sehr leicht hinweg; da, wie sie schreibt, „der materielle Schasen nur ein sehr geriager ist." Kann man eS ja doch auch nicht anders erwarten! * Die Berliner„VolkSzeitnng" und die übrigen Zeitnngev, welche den Reichstagsabgeordneten Husenclever für unauffindbar für daS Berliner Stadtgericht hingestellt haben— jedenfalls aus dennnziatorifcher Absicht— diene zur gefl. Kennt- nißnahme, daß die Steuerkommission der guten Stadt Ber- lin sehr gut den Aufenthaltsort von Hasenc-ever ausfindig zu machen wußte und sich wegen eines geringen Steuerrückstandes zu Bremen, Fehseufeld 10, zur Empfangnahme Do* einigen Tagen gemeldet hat. Ferner hat aber Hasenclever den 21. d. M. noch zum Ueberflassc feineu Aufenthaltsort dem Berliner Stadtgericht durch r.ueu„eingeschriebenen" Brief augezeigt. Nun werden sich doch Wohl jene Zeitungen beruhigen uad begreifen, daß Hasen- clever an der langen HinauSschiebung des Termins, welcher nun- mehr bekanntlich den 16. und 18. März stattfindet, durchaus keine Schuld hat. Der Berliner Verein wurde den 25. Juni 1874 geschlossen. Sollte daS Stadtgericht auch jetzt noch nicht die Anklage an Hasenclever übermitteln, so wird derselbe ohne Aufforderung sich zur Stunde im Termin stellen, da er auch seine Aaklagr an« dem Aktenstücke, welches Derosfi zugestellt erhalten hat, er- sehen kann. * Die 17. Sitzung des preußisches Abgeordnetenhauses bom 22. Fe- bruar gab Gclcgcnhei, da? Wesen der Preßreptilien zu illustrire». Zu Kap. IVO.Allgemeine AuSgabeu im Zatercssr d-r Polizei", Tit. 1: Zu geheimen Ausgaben im Interesse der Polizei 126,(XX) Mark, bemerkte zuerst: Abgeordneter Freiherr v. Schorlemer-Alst:„Meine Herren! Ich werde mir erlauben, an die e Position der geheimen Ausgaben einen klelneu SchmerzenSschrei, betreffend dir Presse, anzuknüpfen, weil ju diese geheimen Ausgaben eine so verschiedene Verwendung habe»; wir hörten schon im vorigen Jahre bei Erörterung desselben Titels, daß sie zu Wahlagitationen, zu Preßzweck.u u. s.«. dienen. E» hat der Herr Abgeordnete Richter (Hagen) in seiner Rede am 4. d. die geheimen Fonds in Verbindung mit der Reptillerpresse besprochen und kurz beleuchtet; er äußerte dabei die Hoffnung, daß daS Ableben des Kurfürsten von Hessen die StaatSrcgierung veranlassen werde, den ReptlllenfovdS zu beseitigen. Wie der verehrte Herr Abgeordnete zu dieser Vertrauensseligkeit, die er bisher nicht ahnen ließ, gekommen ist, weiß ich nicht, ich kann seine Hoffnung entschieden nicht thei- l-n; ich glaube vielmehr, wenn die LaudeSvertretuvg sich nicht zu einem energischen Akte aufrafft, um der Regierung den ReptiliensondS zn ent- reiße«, lo wird sie ihn nicht hergeben. Ob dir LandeSvertrctung sich zu eiuem Entschluß aufraffen wird, weiß ich nicht, ich bezweifle eS aber. C» wäre indessen nunmehr Zeit, diesen Kredschaden endlich zu beseitigen und diesem U. wesen ein Ende zu machen, welches uns auch im Auslände nur Unehre einbringt.(Sehr richtig! Im Eentrum.) Es«erden vorbereitende Maßregeln getroffen gegen den Koloradokäfer,(Unruhe und Widersprach links)— ja, meine Herren, es ist richtig,— wir haben bereit»-in R-ichS- g-s-tz gegen die Rebläuse. Biel nothwcndiger al» gegen die Rebläufe erscheint mir ein Ges-tz gegen die Reptilien der Presse zu sein.(Sehr wahr! im Eentrum) Wenn der Schaden gewiß hoch anzuschlagen und zu beklagen Ist, de» durch die Rebläuse in den Weinbergen angerichtet wird,— der Schaden, den die Reptilien der Presse anrichten, indem sie die öffent- liche Meinung fälschen, indem sie das Denken der Nation vergiften, indem sie das Denuuziautenthum geradezu»rganlsireu und die Lüge überall an die Stelle der Wahrheit setzen, übertrifft bei Weitem den Schaden, den die Rebläuse anrichten. Es ist ja in Wirklichkeit das Lügensystem offiziell»rganifirt, und da« Traurige dabei ist, daß da« Volk mit seinem Gelde es bezahlen muß, daß es angelogen und beschimpft wird.(Sehr wahr! im Eentrum.) Herr Abg. Richter (Hagen) hat am 4. d. die eklatantesten Fälle berührt, bei denen noch im Laufe de« letzten Jahres die R-Ptilicnpresse sich ganz besonder« hervorge- tban; ich«erde deshalb hier auf diese Einzelheiten nicht weiter eingehen. Nur das möchte ich noch bemerken, daß man mit einigem Recht einem Th-ll der süddeutschen Presse Vorwürfe über Ihren Tou und ihre Haltung macht, so darf man nun sagen, daß sie durch das Verhalten der Reptilien- presse bei Weitem übertroffen worden ist Eine solche Bodeulofigkeit de» Tone» und lügenhafter Insinuation ist bis dahin überhaupt in der Presse nicht dagewesen, und ich muß ausdrücklich bemerken, daß die„Provinzial- Korrespondenz" hierin keine Ausnahme macht; denn Jemand ans das Schwerste verleumden, die Verleumdung wochenlang nicht und endlich nur ar. einem dunkeln Platz in der Ecke widerrufen, das ist ein unwürdige« Verhalten für ein Organ, welche« von der StaatSregicrung herausgegeben wird, und— doch Ich glaube, c» damit genug charaktcrlfirt zu haben. Da» allerdings muß ich einräumen, daß die„Provinzial- Korrespondenz" die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" lange nicht erreicht, und das erklärt sich ja auch leicht; denn man kann annehmen, daß g rade in der„Norddeut- scheu Allgemeinen Zeitung" alle diese sauberen Kräfte, die au» dem Rep- tilienfoud» besoldet werden, Ihre besten Künste produzirt haben,«esondere Beachtung muß man aber einem Moment zuwenden. Die Reptilien- presse darf ungestraft Alle» drucken, wa» sie will. Da schrei- tet niemals ein Staatsanwalt ein, da erfolgt keine Berur- theilung; und dagegen beachten sie nun, mit welcher Schärfe gegen die Blätter der Opposition verfahren wird! Die kleinsten polizeiliche» Maßregeln fehlen nicht. ES würde mich zu weit slihren, aaS de: Fülle des Material» auch nur da» Wesentlichste Ihnen vorzutragen; ich beschranke mich auf die Anführung von ein paar kleineren Fällen, an» denen Sie gerade ersehen werden, wie einseitig, wie kleinlich man vorgeht. Wir haben bei un» in der Provinz Westfalen einige Blätter, die den Titel sühren:„Amtliches Kreisblatt" oder auch„Kre sblatt". Nun wurde ihnen regierungsseitig bei einer Polizeistrafe bis zu 106 Thalern untersagt, diesen Die gedruckte Proklamation, welche die Namen der Mitglie- der dieser Regierung enthält, ist daS wichtigste Aktenstück ia un- serm Prozeß vor dem PairShofe. 8)„Daß Nettrs im Mai getödtet worden fei." Nettrs lebt noch; ich wußte eS vor meiner Verhaftung, daß fache, die er angeführt hatte:„daß die sämmtlichm Bischöfe den Dekreten d-S Konzil« zugestimmt hätten; daß hinter der Eeutrumsfraktion die M.hr- beit de« katholischen Volke» stände; daß Victor Emanuel den Rest des Klr- chenstaate« genommen hätte." Da» find die Thatsachen, die als«iffentlich falsch angeführt verurthellt wurden, und wofür solche Bestrafung erfolgte. tHörtl Hört! Im Eentrum.) Mir hat unu ein mit der Presse sehr ver- trauter Herr, und zwar aus liberalen Kreisen, mitgethellt: da» Schlimmste wäre bei der ganzen Reptilienwirthschost, daß der Ehefredakicur oder der Verleger eiuer Zeitung bei dem Engagement eine» MItarbei- terS oft gar nicht wissen könne, ob der ein Reptil wäre»der nicht(Heirerkeit!), denn die Reptile verheimlichen ihren eigent- liche» Edaraktcr und entpuppten sich vielleicht nach einem halben Jahre. Dann entdecke man erst In der Redaktion, daß man ein Reptil unter den Mitarbeitern habe.(Heiterkeit.) Ich kann dies nicht sicher beu thellen, aber ich muß e« glauben; denn e» Ist eine Autorilät in der Sache, die mir da« mitgethellt hat. Ma» steht, welch- Wege verfolgt werden. Ich würde es unn für da» Beste halten, wenn da» ganze Preßhufarenregimeut mit sammt seinem Obersten demobil gewacht würde Ich würde nicht dafür fein, daß mall sie zur Strafe auch noch auf die Festung schickte. Ich glaube, wenn ma» ihnen die Sustenla- tionen entzieht und sie dem Gesüh e überläßt, wie nichiSwürdig sie Im Haushalte der Natur gewirkt haben, so werbe» fie mit diesem Gefühle ihre Strale haben. Aber da« wird ja nicht geschehe», man läßt eben ben Scha- den sich weiter entwickeln nub bie Zahl der Reptilien vermehrt sich immer mehr, denn eS ist ja auch eine sehr einträiftiche hoffnungsvolle Stellung. Wenn ste sich qualjfiziren, werden fie desto besser bezahlt und befördert, und so nimmt leider die Zahl dieser Leute fortwährend zu. Man kann sogar sage», da« Angebot ist schon größer, als die Nachfrage. Ich glaube, e» läßt stch dieser traurige Zustand der Reptliieupressc und ber Reptilien überhaupt uicht besser charakieristre», als mit den Worten, bie stch in iluer der philipplschcn Reben des Demosthene» finde«(Ahl link«.),— Ich glaube, die Worte werden Sie interessiren Der sogt da nämlich:„Nur ein Glück ist diesem Fürsten allein beschiedea; das Glück»Swlich, daß er auf seinem Lebenswege Menschen fand, als Werkzeuge brauchbar in größerer Zahl und von größerer Schlechtigkeit, als er erwarten konnte und al» er bedurste." Mit diesem Urtheil will Ich schließen." Das gewerbliche Schiedsgericht zu Hamburg. (Fortsetzung.) Ob§ 11 de» Gelctzentwnrs» mit§ 108 der deutschen Gewerbeordnung nicht Im Widerspruch steht, sei hier nur angeregt. Die Gewerbeordnung spricht ausdrücklich von einer Berufung gegen getroffene Entscheidungen, während nach dem bürgerilchen Entwurf die Entscheidongeu des Schiedöge- richte» definitiv irfolgen sollen, eine Bestimmung, welche selbst im Gesetz, betreffend die Schwurzerichtc, fehlt, Indem man bei letzteren mit Recht das Einschleichen von Formfehlern annahm und die NichtigkeitSbeschwerbc sür zulässig erklärte. Angenommen, bei Fällung eines Spruchs be« Schied»- gerlchts«erde gegen Z 5 al. 2 des Einwurf» gefehlt, wa» gerade bezüglich dieses Punktes bei Schwurgerichten, deren Zusammensetzung stet» unter den Augen von vier, sechs und mehr rcchtSgel hrten Personen erfolgt, oft der Fall geenesen ist, welchen Schutz soll dann der nachweislich Benachtheiligte anrufen?— Diese Frage beantwortet der Entwurs nicht, obgleich mehrere auswärtige(deutsche) Schiedsgerichte thells sie Appellation, theil» die Nich- tigkeitSbefchwerde in ihren Statuten den streitenden Partelen avhrlmgeden. Der Entwurf sanklionirl kurzer H nd die Unfehlbarkeit, ein Etwas, welche» offenbar de: Verbesserung dringend bedarf und die lebhaftesten Zweifel her- ausfordert. § 10 de» Entwurf» bedroht mit achttägiger Hast alle Diejenigen, welche Ihr Arbeitsverhältniß vcrlragswldria brechen und in dasselbe nicht sofort zurückkehren wollen. Die Rechtmäßigkeit dieser Bestimmung ist kei« neSweg» eine ausgemachte, weil fie zunächst der gesetzgeberischen Gewalt des deutschen Reiche«(BundeSrath und Reichstag) unterliegt. Die erwähnte Bestimmung steht, wenn auch nicht mit dem Wortlaut, so doch jedenfalls' mit dem Geist'(Prlnziv persönlicher Freiheit) zweier R-ichSgesetzr Im Wider- fpruch. Diese Gesetze find: 1) RelchSgcsetz vom 2g. Mai 1868, betr. die Aushebung ber Gchulbhast; 2) Gewerbeordnung vom 21. Juni 186g. Zwar sagt das R-ichSgcsetz vom 29. Mai 1868 ausdrückllck, daß der Personalarrest zur Erzwingung verweigerter persönlicher Dienstleistungen auf- gehoben sei, allein da in Hamburg zur Zeit ber Einführung jene« Reichs- gesetzes ein derartiger Personalarrest nirgend« angedroht«ar, und da die Schaffung einer Etvilprezeßorbnuug, In deren Kreis das Verfahre« betref- send den Personalarrest gehört, Suche be« bemschen Reich» und nicht mehr der Einzelstaaten ist, so dürste dann doch der ß 10 de» Entwurfs als ein zu spät geborenes Kind zugleich auch ein todtgeborenes Kind sein. In Preußen besteht ein Gesetz für die alten Provinzen, vom 4. März 1834, wonach die Personalhaft zur Erzwingung vrrwelgerter persönlicher Dienst- lelstungen(Ex-kutlon) znläsfig Ist. Wenngleich die preußischen Minister wiederholt auf dies Gesetz als AuSknnstSmIttel in der Kontroktbruchftage hlngewicsc» haben, so stirb doch immer w edcr entgegenstehende Urtheile von einzelnen preußischen Gerichten gefällt worden, was übrigens auch völlig im Einklang mit§ 154 al. 2 der deutschen Gewerbeordnung steht. Letzterer Paragraph al. 2 ist dann auch In der Regierungsvorlage, welche dem Reich«- tage in der ersten Session seiner zweiten Legislaturperiode zuging, und welche Er nahm sich vor, in dir Schweiz zn gehen. Nach zwei oder drei Monaten würde er die ganze Leitung verloren haben; man würde ihn nicht mehr um seine Anordnuogen befragt haben." Mich läßt mau dies« sonderbare Sprache über mich selbst führen. Der Homer dieser schönen JliaS schlief wahrscheinlich im Augenblicke eines so schweren Falles. Der gute Mann sah uicht, daß er gerade mitten in meine Rede und als iotegrirendeu Theil derselben den Bericht deS Spions warf, der mich dem Feinde überliefert hat, als ich nach der Schweiz abreiste. Seltsamer, verhängnißvoller Mißgriff, der die Hand des Fälscher? auf sein Verbrechen genagelt hat, um uns Alle aufzu» klären! Ich bin mit der Verleumdung zu Ende und gehe zu den Verleumdern über. Es ist Zeit, fie auf das Armesünderböukchen zu setzen. Dieses Libell, ihr Meisterstreich, ist nicht ihr erster Versuch gewesen, denn ihr Haß ist fünfzehn Jahre alt. Die Stunde der öffentlichen Erklärung ist gekommen; sie hat geschlagen mit der Sturmglocke e«s Februars. Diese Zänke. reien, welche so lange im Dunkeln gegihren haben, müssen eud- lich an'S Tageslicht gezogen«erden. Mein Portrait hat uicht die Ehre zghabt, ia der Galerie zu figuriren, die eine mitleidige Hand aus en Sammlungen der Polizei zusammengetragen hat. Um diese Lül» auszufüllen, gebe ich es hier, so wie«S mir bekannt geworden jst, da e« wohl zwanzigmal von meiuen jetzigen offenen und«eine» früheren heimliche» Feinden entworfen wurde: „Ein finsterer, hochmüthiger. menschenscheuer,-.allsüchtiger, sarkastischer Charakter; ein ungemessmer, kalter, tincrbivj�r Ehrgeiz, welcher die Menschen ohne Mitleid zerbricht, um fu,ro zzz� eine Bestrafung d-S sogenanmeri Kontraftb.'Uchs ivollle, gestrichen ÄoedeN, ein weiterer Beweis dafür, daß ber jetzt noch gültige s 15 t al. 2»er Se- wcrbeorduang j de Strafe wegen Berlassens der Arbeit verhüten soll. Nu» wird zwar gesagt. Exekutioas- und Personalarrest sei keine Strafe, alleia eS ist ei» mll figez Beglaueu, die» seit Aushebung der Schuldhaft ia Deutsch- laud glauben macheu zu wollen. S'e wäre litte Strafe mit dem Intakte der Braadmarkullg, wenn fie die Kontraktbrüche auf allen Gebieten be» Lebens bedrohte, so aber, durch Hirans�reifen einer besonderen BolkSklasse und einer besonderen Kategorie de» KontraktbruchS, gestaltet fie sich in der Praxi» stet» zur Kriminalfrage. Hätte übrigens der Gesetzgeber eine Per- sonathaft als ExekntlonSmittcl bei Bruch von Verträgen zwischen G-werb- treib enden und ihrem HüIfSpersonal beabsichtigt, so wäre b-eS sicherlich von Ihm besoaher» betont worden, wie au»§ 117 al. 2 ber Gewerbeordnung hervorgeht, wo ausdrücklich, und zwar da? einzige Mal in der Gewerbe- ordnnug, von dem Beibehalten de» ExckationSwegeS betreffs persönlicher Arbeitsverhältnisse die Rede Ist. Eigeathümlich find die Konsequenzen, welche fich an» dem§ 10»es Gesetzentwurfs der Bürgerschaft ergeben. Während§ 15Z der deutschen Gewerbeordnung Jeden mit Gcfäaguißstrafe bis zu 3 Monaten bedroht, welcher solche Personen, die von getroffenen Berabredmigen(Verträgen) zu- rücktreten(siehe§ 152 der Gewerbeordnung) duech körperlichen Zwang,. Dtohnng, Ehrverletzung oder BerrnfSerklärung am Zurücktreten verhindern will, bedroht§ 10 des Entwurfs Jeden, der seines Arbrilsvrrtraa bricht, mit 8tagigcr Haft. Wo blei t da die Logik?— Wenn ber bürgerliche Entwurf ia§ 10 al 2, anscheinend um Arbeit-- gcber und Arbeitnehmer vor dem Gesetze gleich zn stellen, bestimmt, baß auch der kontraktbrüchige Arbeitgeber ev ent. dl» zu 8täzizcr Haft angehalten werben kann, jedoch hiazusügt, daß derselbe sofort aus seiner Hast cutlassen ist, falls er den Arbeitnehmer, welche» er gemaßregelt hatte, wieder beschäf- tigen ,u wvlleu erklärt, so kann thaitächlsch nnr ein Hohn auf die Recht»- gleichhcit erzielt werden. Die Aebeitcr wrd-n fich hüten, in ein Verhält- nlß zurückzukehren, da» Ihnen mittel« ß 109 dcc Gewerbeordnung nach er« folgtcm Proz ß leicht zur Hölle gemacht werden kann. Ueberhaapt, da» verhehlen fich die Arbetlcr nicht, ist der ganze Gesetzentwurf grgen die ge- werblichen und Fabrikarbeiter gerichtet. Bedarf eS aber solcher Zufpltzunz des Entwurf» angeficht« der vorhandenen Gesetze? Nein! Schon au» § III al 2 der G werbeorduullg erwächst für die Arbeltgeber eine Macht, welche gegen die Arbeiter bis zur sofortigen Entlassung gesteigert werden kann. So z. B. fordert beim Schiffsbau der Werkmeister von den Arbri- tern eine Verrichtung, welche den Tod Im Gefolge haben kann. Die Ar-- beiter sehen die Gefahr eia und verweigern die Ärbeit. Dann kommt§ III al. 2 der Gewerbeordnung zur Anwendung: fie müssen sofort gehen— entweder in den Tod oder aus dem ArbeitSverhäftniß. Beleg hierfür ist ber Anfangs Januar b. I. auf Steinwärder(Wehneke's Werft) vorgckom« mene Unglücksfall Außerdem haben die Arbeitgeber, ohne baß ste irgend welche Strafe treffen kann, auf Grund der Gewerbeordnung Z 122 al. 4 ein weiteres Zwangsmittel gegen die Arbeiter in Händen, d. h. der Arbci- tcr kann gehen, wenn der Meister den Lohn nicht regelmäßig zahlt, ober wenn er bei Stücklohn nicht für ausreichende Beschäftigung sorgt, mit anderen Warten: falls der Arbeitgeber den Gesellen In gedachter Weise chlkaniren will, kann und darf der Geselle gehen, jedoch ohne daß er eint- Entschädigung zu beausprncheu hat, den» der Arbeitgeber handelt ja keines- weg«„widerrechtlich". (Schluß folgt.) Vereius-Thetl. An die Mitglieder des Allgemeinen deutscheu Arbeiter- Vereins. Die diesjährige Generalversammlung deS zu Bremen domi- zilirten Allg. deutsch. Arb.-VereiaS findet noch vor dem Kongreß behufs der Vereinigung sämmtlicher deutscher Social- Demokraten, und zwar gleich nach Pfiagsteo, statt. DieS zur vorläufigen Mit- theilung. Bremen, den 22. Februar 1875. Der Präsident: Hasenclever. Auf Beschluß des Vorstandes des Allg. deutsch. Arb.-BereinS«er- den hierdurch die Mitglieder uad Parteigenossen auf einen Herrn Scholz, au« Schlesien gebürtig, der früher in Berlin war und sich jetzt in Ham- bürg aufhält, aufmerksam gemacht. Derselbe war Mitglied des Verein- und hat öfter? in Versammlungen geredet; er soll aber in Breslau sich beim dortigen Polizeipräsidium um eine Anstellung beworben haben, wie Parteigenossen au» Guben seiner Zelt mitthelltcn. Scholz Ist In Hamburg gegenwärtig nicht Mitglied de« Allg. deutsch. Arb.-Bereln«. Dortmund, 19. Febr.(Prozesse.) Am 4 März findet die Ber- Handlung wegen angeblicher fortgesetzter Tbätlgkeit des Allg. deutsch. Arb.- Vereins in z-veiter Instanz vor dem AvpellationSgerichtc zu Hamm weder Kalbfleisch und Unterzeichneten statt. An selbigem Tage findet ein Termin am königlichen Krcisgericht zu Dortmund statt, wegen einer Rede von Unterzeichnetem am Tage vor der letzten Wahl in Dortmund gehalten, wo- durch Unterzeichneter gegen§ 131 fich vergangen haben soll. Tarl Scelig. Schleswig, 5. Febr.(Prozeß.) Mittwoch, den 3. Fcbrnar, fand hier in Schleswig eine öffentliche Gerichtsverhandlung statt, bei welcher fich ein komischer Prozeß gegen sieben Social-Dewolraten abwickelte. E» waren nämlich die Parteigenossen Gemmcl, Schleichding, E. Petersen, H. Petersen, Schäfer, Klinker und A. Sönnlngsen angeklagt, Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arb.-Bereln« und Anhänger der von diesem verbreiteten Lehre» zu sein; alsdann auch in einer Versammlung am 25. Juli 1374 die Wahl des Prästbevten Haseucleoer und die Wahl eine» PartetleitcrS vorgenommen zu haben, und noch den sämmtlichm nach dem 25. Juli stattgesuvdcnen V rsammlungcn beigewohnt zn haben. Al» Zeugen fungirtm der Ober- polizcibicner Löwe und der Poliieiosfijlant Hansen. Da« Komische in dieser Verhandlung war, daß der Zeuge Löwe angab, der Arbeiter H> Petersen wäre in der Ber-ammlung am 25. Juli in die Wahlkommisston gewählt, und diese Aussage auf seinen Diensteid nahm, wogegen sömnitliche Partei- genossen erklärten, H. Petersen wäre gar uicht ia der Versammlung ge- mit ihnen zu pflastern. Ein Herz von Marmor, ein Kopf von Eisen." Da» Bild ist nitbt schmeichelhaft. Aber find der Schatten nicht zu viel in dem Gemälde, und ist da« Geschrei des Hass«» ein Evangelium? Ich appellire an Diejenigen, welche meinen häuslichen Herd gekannt haben. Sie wissen, daß mein ganze» Leben in einer tiefen, innige» Liebe konzentrirt war, an der sich meine Kraft unaufhörlich für die politische» Kämpfe stählte. Als der Tod das Band dieser Liebe zerriß, hat er wahrlich den einzigen Streich gegen mich geführt, welcher mein Herz tref- fen konnte. AlleS Uebrige, die Verleumdung mit eingeschlossen, haftet so wenig auf mir, wie der aufgewirbelte Staub; ich schüttele mir den Rock ab und gehe weiter. Ihr Sykophanten, die Ihr mich als ei» moralisches Unge- Heuer darstellen möchtet, öffnet doch amd die Thür zu Eurem Herde, legt Euer innerstes Leben der Oeffentlichkeit vor. Was würde man unter Eurem scheinheiligen Aeußern finden? Die rohe Sinnlichkeit und die geistige Berderbniß. Uebertünchte Grö- ber! Ich will den Stein aufheben, der Eure Fänlniß dem Auge verbirgt I Was Ihr in mir verfolgt, ist die revolutionäre Unbeugsam- keit und da« beharrliche Festhalten au den einmal gefaßten Ideen. Ihr wollt den unerwüdlicheu Kämpfer zu Boden schlagen. Was habt Ihr feit vierzehn Jahren gethan? Ihr seid AbKünnige gewesen. Ich stand 1831 mit Euch ans der Bresche, 183S und 1847 ohne Euch, und 1848 stehe ich gegen Euch. Der 12. Mai hat mir Euren Haß hinterlassen. Die Schande de» 12. Mai brennt noch auf Euren Wange». Ihr glaubt, in Euch ruhe die Republik und wußtet uicht, daß die Republik Schlachte» liefert. Wie konntet Ihr den kühnen Streich ver» »fftrt Herr LSwe blieb jedoch auch noch»ach dieser Erklirmeg bei! Partei� zeuosseii bei seiner Antsage,»bschon wir immer noch im Stande find, zu beweisen, daß H. Petersen nicht dagewesen ist. Bemerkenswerth ist auch noch, daß der Arbeiter C Petersen, der den gauren Sommer und noch bis in den Herbst schwer krank war, ebenfalls angeklagt war. Derselbe war weder In der Bersammlang am 25. Jnli, noch In einer größeren Bolk.'ver- kammlnag nach der Zeit gewesen; auch war er seit Mai vorigen Jahres kein Mitglied des Allg deatschen Aeb.-Vereins mehr. Die übrigen Ange- klagten, die fich hauptsächlich gegen die Anklage, daß durch die Wahl des Hräfideuten bewiesen sei, daß sie«ine» Zwelgvercin de« Mg. deMschcn Arb> Verein« bildeten und somit gegen die§Z 8 und 16 de« Gesetze» vom 11 Mär, 1850 ve-iioßen hätten, zu vcrtheidigen hatten, machten nun sämmt'ich die Aussage, daß die Versammlung eine öffentliche und polizeilich angezeigte gewesen, wo Jedermann freien Zutritt hatte, wie überhaupt die Wahl de» Präsidenten eine allgemeine gewesen, wo Jeder Antheil daran nehmen konnte. Die Angeklagten Schleichding und Semmel führten namentlich an, daß wir in dieser orm mehrere Jahre die Präsidentenwahl vorgenommen hätten und sei diese stet« geschehen im Beiseln de» OberpolizeldicnerS Löwe, ohne daß je etwa» dagegen eingewendet wordtn wäre selten« der Polizeibehörde. Da« Gericht sah nun darin, daß die Versammlung am 25. Juli nicht öf- fentlich bekannt gemacht, sondern privatim eine VereinSversammlung war, «ad nahm an, daß die Parteigenoffen Semmel und Schleichding Ordner »ad Leiter gewesen wären; vrrnrtheilte deshalb Jeden zu 5 Thlr. Geldbuße, evcnt. 5 Tagen Gesäagaiß und Tragnug der Kosten. Die klebrigen wur» den kostenlos freigesprochen. S» wird gegen die» Urtheil appelltrt«erden. Johann Banstian. Htldekhcim. 21. Februar.(Versammlung) Am 15. ds». hielten wir hier nach langer Pause wiederum eine Volksversammlung ab, welche von cirea 150 meid dem Arbeiterstande angchörigeu Personen besucht war. Herr Kühn hielt unter großer Aufmerksamkeit der Anwesenden «Inen Bortrag über die Organisation der Arbeiter, welcher mit großem Beifall aufgenommen wurde. Herr Oyen. der Vorsitzende der Bcr'amm- lnug, forderte dann zum Beitritt in den erst neu gegründeten Wahlverein auf,«elcher Aufforderung auch 24 Personen nachkamen. Nachdem Herr Kühn anfgefordert, auch uisere Bereinsversammlungen, welche regelmäßig jeden Montag im Lokale de« Herrn Krane in Lag nhagen stattfinden, zu besuchen, wurde die Versammlung geichloffcn. Auswärtige Parteigenossen, welche hierher zu reisen beabsichtigen,»erden besonder» auf unser Verein«- lolal aufmerksam gemacht. Mit social-demokratischem Gruß A Stolzeuburg. Btidenflcth, 13. Febr.(Bersammlung«berlcht.) Sonntag, den 14. ds»., dielten wir hier eine gut besuchte Versammlung ab, In welcher Herr Mathäy au« Hamburg zur größten Zufriedenheit referirte. Zum Schluß wurde eine Amrag zum Abhalten einer Tellersammlung angenommen. Doch der Mensch denkt und die Polizei lenkt, denn plötzlich erhob fich der überwachende GenSd'arm mit den Worten:„Eine Tellersammlnng findet hier nicht statt, da« Lokal ist sofort zu verlassen," worauf fich die Versam- Melken in der größten Ordnung entfernten. Mit Graß Th. Rothermundt. Ernsdorf bei Reichenbach I. Schl., 21. Febr.(Bericht.) Da hie, «ad In der Umgegend bereit« einige Fabr kanten angefangen haben, unsere „fetten" schlefischen Löhne zu kurzen, so hielten wir c» für gut, heute vor P Tageu hier eine allgemciue Versammlung einzuberufen mit der Tage»- Ordnung:„Die Lohnabzüge". Da Herr R-Ind-rS in Breslau verhindert Mar, da« Referat zu übernehmen, so erschien Herr Fischer au« Breslau, welcher zur größten Zuftiedeuhelt der gut besuchten Virsammlung einen fc-ffllchen Bortrag hielt. Um nun der allgemeinen Stimmimg der Ver- sammlung Ausdruck zu geben, wurde vom Borsitzenden, Herrn Spielmann, der Borschlag gemacht, eine Kommission zu wählen, welche eine Resolution verfassen, resp berathen möchte. Diesem wurde entsprochen und dann un- tenstebende Resolution einstimmig angenommen, mit dem Beschluß, dieselbe durch die Presse zu veröffentlichen. Die Resolution lautet:„Die Bcrsamm- lung erklärt, da wir Ardeiter nicht verantwortlich für die planlose und schwindelhafte Produktionsweise der großen Judnstrierittcr sein können, eb>n- sowenig ein Verschulden lrag-n an der betrügerischen und habsüchtigen HondlungSweisc gewisser Elemente der höheren Gesellschaftsklassen, wodurch der Börsenkrach entstanden und da« Vertrauen in der Geschäftswelt ge< schwondcn Ist, so müssen wir eine Herabsetzung der Löhne, als eine Schä- diguug körperlicher und geistiger Verhältnisse des hiesigen Familienleben» öffentlich verurtheilen. Allgemein Ist es bekannt, daß die schlefischen Löhne für die Mehrzahl der Familien nur den allernothweudigstea Lebensunterhalt decken können und daß Fleiß und Genügsamkeit dem bekannten Sparsqstem entsprechen, ohne jedoch die Ansammlung von Kapitalien zur Selbsthülse zu gestatten. Namentlich können diejenigen Herren Fabrikanten und Arbeit- geber wenig Ansprüche auf menschliche« Gefühl machen, welche bessere und edler denkende Arbeitgeber zur Herabsetzung der Löhne zu veranlassen suchen, well dadurch ihre und unsere Mitmenschen In anderen GegeMen einem voch fiärkereu Drucke der Armnlh unterliegen müssen, als es bereits geschieht. An die Behörden richtet die heutige Versammlung die Bitte, Ihren Einfluß dahin geltend zu macheu, daß eine Herabsetzung der Löhne abgewendet wird." Aug. Bandt. Fraukfart a. M., 22. Febr.(Bericht.) Gestern, den 21. d., wurde ä» Kl.-Krotzenburg bei Hanau eine Volksversammlung abgehalten. Dieselbe war sehr gut besucht und reserlrtc ich über die GeschäftSkrlsen und die Bor- würfe gegen die Social-Demokratie. Auf Wunscki mehrerer Parteigenossen, fand ein- Sammlung für den Gemaßregelteufond« statt. E a r l Klein. Altona, 22. Februar.(Abrechnung für die Schuhmacher Altona'«.) Der Kassenbestaud betrug bei der letzten Abrechnung— Thlr. � Sgr. 11 Pf. Am 16 März.i-ig.kommcn 29. 17.-. Am 23. März angekommen 30.>2 9. Am 20 März elngekommen 33. 28. 6. Am 13. April 50. 28. 6. Am 27. April eingekommen 37. 12. 6 Bon Kol- «gen au« Hamburg 40.—.—. Die Teller sammlungen ergaben 42. 28.—. Summa 266.—. 2. Ausgaben: An Botenlohn ausbezahlt 68. 20.—. Für Versammlungen abzuhalten 13. 14—. Annoncengebühren im„Neuen Social-Demokrat" 27. 9.—. Annouceugebühren in den„Altonacr Nach« richten" 18. 18. 11. An Kollegen für BersSumniß 5 9.—. An zugereiste •»ollegen 8. 9.—. An strikendc Kollegen 11. 24.—. An St afgeldern ausbezahlt 58.—.—. Au Herrn Schöne für Drucksachen 18. 4.—. Für Localmiethen 8.—.—. An die Kollegen zu Halberstadt 10.—.—. ßeihen, der Eure Ohnmacht dem öffentlichen Gelächter preisgab? Die ganze Partei erinnert fich Enrer Wuth und Eures Schim. ♦frnS auf die überwundene Insurrektion. Der„National" trän- felte jeden Morgen in unsere Wauden seine schmutzige Galle, »nd feige Jnfiunationm waren die Vorläufer der Verleumdung, welche endlich von der Rache entfesselt gegen mich anSbricht. Während meines Todeskampfes auf dem Mout-Saint-Michel hatte dieser Haß geschlummert. Ein Sterbender ist nicht za fürchten, und auf daS Gerücht meines baldigen Endes wurde manche Feder zu einer glänzenden Leichenrede geschnitten. Aber der Tod hat mich verschont, und der Februar hat diese Federn in Dolche verwandelt. Ich komme am 24. an, ganz mit freudigen Triumphgrdan- ien erfüllt. Aber welch' eiskalter Empfang! eS war, als ob ein Gespenst fich plötzlich vor den neuen Gebietern erhoben hätte- Wen betrachten fie denn mit diesen Blicken deS AbschruS und Entsetzens? Ich weiß eS, es ist der verhaßte Urheber de» 12. Mai, der scharffinnige und feste Patriot, der fich weder zum Helfer«- Helfer gebrancheo, noch fich hintergehen läßt, der die Revolution iticht beseitigen lassen wird. Schoo ist dag nenc Programm deS Hotel de Bille entworfen:„Abändernug der Form, Beibehaltung der Grundlage. Da« Gebände de« Privilegiums ohne einen Stein weniger, mit einigen Redensarten und einige« AoSschmücknu- gen mehr." DaS Exil nach dem Luxemboarg würde Diejeuigen erwarten, welche mehr verlangen. Auch sagte der Bürger Recoort am 25. zu mir:„Sie wol» !e» uns stürzen!"—„Nein, aber Ihnen de» Rückweg ver» sperren!" Und sogleich beginnt der Kampf, redlich und gemäßigt von Meiner Seit», von der anderen verrätherisch und schonungslos. An' die Former- auf St. Pauli 5.—.=». Für Bücher' ünd Papier 4. 16.— v An Schwiem für schriftlich: Arbeiteu 6. 15—. An Herreu Köster ui-'d Brüggemaun 1 16.—. Summa 265. 4. 11. Einnahme 266.—. 2. Ausgaben 265. 4. 11. Kassenbestand—. 25. 3. __ Fritz Schwiem. Fraukfart ll. M., 22. Februar.(Dle Abonaeaten) des„NcueU Social- Demokrat" und der„Social-polttlfchen Blätter", welche mit dem AbonncmentSgel» noch im Rückstände fiad,«erden ersucht, diese Schuld so- bald als möglich au den Kolporteur Herrn Paul Becker gezm Qnlttuag zu entrich-u, indem die Zeltuugskommlffion ihrer V-rpflichtnng längstens am 21. März nachkommen muß. B-fchwerben über unr-gelmäßigeS Erhalten des Blattes fiad zu richten an I. Schmidt, kl. Fffchergasse 5. Die Zeitungskommlffiou. Berlin, 24 Februar.(Aufruf an alle Schuhmacher uud Bc- rnfsgenoffeu Deutsch laudsl) Kollegen, feit längerer Zeit ist der Allg. deutsche Schuhmachcrverein durch die Polizei in viele» Städkea gc- schlossell worden und eine Agitation selbst auf gewttkfchaftllchem Gebiete dadurch unterbiieblu. Durch die GeschäflSkriie haben wir nicht minder schwer zu leibe», da der Lohn schon bei flalter Seschäftszelt mir ein küm- merlicheS Dasein ermöglicht. Die Roth ig jetzr um so größer, da die Fa- brikauteu in ihrem Jmeresse den Lohn noch mehr herabzudrückc» suchen und auch der kleine Meister ist der Konkurrenz gegenüber wehrlos. Deshalb ist e» Pfl'cht, daß die Kollegen aller Orts, Spellen wie kleine Meister, stch wieder zusammen schaaren und im Jateresse ihre» eigenen Ich» den Kampf gegen die Kapilalmacht aufnehmen, denn mit demselben Recht wie die Ar- beilgebcr stch zusammenschaaren und V-reiue bilden, können eS die Arbeit- nehmer auch. Deshalb agitirt von Neuem und haltet fest daran, wa« der Schuhmacherkongreß im Jahre 1372 in Berlin beschlossen: die Berbesse- rung unierer elenden Existenz. Die Kollegen an den verschiedenen Orten mögen also die gewerkschaftliche Agitation von Neuem anbahnen und Ver- sammlungen eiuberufeu. Mit social-demokratischem Gruß F. Turin, KönigSgrabeu 15. Berlin, 22. Febr.(Allg. Böttcher- fKüper-] Verein) Am 5. Novemder v. I. erhielten der frühere Bevollmächtigte und der Beitrag- fammler Hunger zu Cötheu von der bortig-n Polizei je ein Strafmandat von 5 Thlrs., eveut. 7 Tagen Haft und Tragung der Kosten des Straf« verfahren» Vvu einem Thaler, weil f-lbige angeblich Vorsteher eines politi- scheu Verein» sein sollten und Mitglieder zum Verein zugelassen, die nicht Anhaltlsche Staatsangehörige find. Gegen dieses Strafverfahren appcllirtcn Genannte und hatten dieselben den 19. Januar vor dem KreiSqericht zu Tötheu einen Termin, In welchem selbige mit dem Bemerken vom Richter freigesprochen wurden, fall» der Pollzcianwalt gegen dieses Erkenntniß ap- p-lltreu sollte, ein neuer Termin anberaumt«erdcu würde. F. Sragert. Handel und Berkehr. Unter dieser Ueberschrift artikelr unser edles Wurstblättlei», wie folgt: „Iserlohn, 6. Febr. Die gedrückte Lag« der Industrie hat auch die hieflgea Fabriken betroffen, wenn auch eiuzelne Zweige der Metallwaarcu- Industrie noch lebhaft arbeiten Die Preise find zurückgegangen, aber die hohen Löhne find geblieben. Man wird deshalb anch hier zu eine- Reduk- tion übergehen müssen, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Die Fraa- z-fen leisten in Bronzewaaren sehr Tüchligr« und unsere Fabriken müssen Alle« ausbleteu, um gegen sie Stand balten zu könum. Nach dem Kriege ging da« Geschäft flott, weil ihre Fabriken nicht arbeiteten, überhaupt, weil jeder Handelsverkehr mit Deutschlaad aufgehört hatte. Da» ist beute au- der« geworden. Die frauzöfische Industrie entfaltet eine rege Thätigkelt und deutsches Ge b ist ihr so lieb, wie jede« andere. Auch in Lüdeuscheid und Altena verspürt man die Wirkungen der Gcichäftskrifis. Manche Fabriken habe» schon ihre Arbeit beschränken müssen. In anbereu sind noch Bestellungen genügen» vorhanden, so baß flott gearbeitet werben kann. Die Bergwerke in unserer Gegenb haben die Förderung beschränkt, da da« Zink- geschäfr ziemlich schwach geht. E« hängt diese« mit der unterbrochenen Bauthätigkeit zusammen. Mit dem 1. April b. I. wirb die längst projektirt« Absperrung der Perrons auf allen größeren Bahnhöfen der deutschen Eisenbahnen zur Ans- führung kommen Von diesem Zeitpunkte an dürfen nämlich nur diejenigen Begleiter von Paffagieren bei den ankommenden uud abgehenden Zügen den Perron betteten, welche durch ein zu diesem BeHufe gelöste« Billct dazu de- rechligt find. Solche Billette«er e» vorher zum Preise von 20 Reich»- Pfennigen pro Stück an der Kasse ausgegeben." So weit uaser Blättlein. Also cS wird zugegeben,„daß einzelne Zweige der Metall- waarenlndustrie»och lebhaft arbeiten". Nun frage ich aber, wo- durch kommt dieS;„find denn dort dir„Preise" geblieben, oder die„hohen" Löhne zurückgegangen?" Mir ist von alledem nicht« bekannt.— Weiter heißt eS:„Die Preise find zurückgegangen, aber die hohen Löhne find geblieben." Nun ist allerdings der Lohn gegen früher etwas gestiegen, aber wa« will das sagen ge- gen die Steigerung der Lebensbedürfnisse, was gegen die hohen Preise der Wohnungen? Gerade unsere Stadt befindet fich angenblicklich in der Kalamität der„WohnungSvoth". Ferner heißt eS:„Man wird dtshalb auch hier zu einer „Reduktion" übergehen müssen, um konknrreozfähtg bleiben zu können. Die Franzosen leisten in Bronzewaaren sehr Tüchtiges und unsere Fabriken müssen AlleS aufbieten, um gegen sie Stand halteu zu köoneo." Daß eS von einem national-liberalen Artikelschreiber auf einmal zugegeben wird, daß die Franzosen in Bronzewaaren Tüch« tigeS leisten, erregt«irklich Erstaunen. Ich frage deshalb, warum geben die Herren Fabrikbesttzer fich denn keine Mühe, daß deffelbe Tüchtige anch hier geleistet wird? Was geschehen denn eigentlich hier für Reuerunsen in Tanseod Gerüchte werden anSgestrent: Er ist wahnstaoig! Die Leiden und noch mehr dt« Frende haben ihm den Verstand verwirrt.— Er ist krank, er geht feinem Ende entgegen, er wird bald sterben.— Er ist ein blutdürstiger Mensch, er verlangt zweimalhnnderttauseud Köpfe. Solche Gerüchte zirkuliren in Paris und in den Departe» meotS. Aber bis jetzt noch nicht ein Wort von der großen Ber- leumdung. Herr v. Lamartine sagte im Hotel de Bille zu mir: „Die Berfolgnng hat Sie zum Märtyrer gemacht nud Ihren Ruhm gesichert." In einem solchen Tone spricht man nicht mit einem Verräther. Also noch einmal, Sie haben gelogen, mein Herr Taschereau, indem Sie sagen, daß Ihre schändlich« Schrift, welche seit dem 24. Februar in der Stadt nmhergewandert, fich schon am 10. März in Ihren Händen befand; Ihr Haß hätte fie nicht so lange schlummern lassen und würde nicht bis znm 22. gewartet haben, um daS Gift derselben zu verbreiten. Nein! Bor dem 17. gingen Sie nicht so weit, die An- streognog steht immer im Verhältuiß zu dem Hinderniß. Damals war ich Ihnen nur im Wege, aber ich brachte Ihne« noch keine Gefahr. Die Stunde, wo zu dem Aeußersten geschritten werden mußt», hatte noch nicht geschlagen. Jadessen erbittert sich der Kampf; die repnblikanische Central- gesellschaft greift mit Heftigkeit die retrograden Tendenzen der Regierung an. Die Wiedereinführung deS Stempels, dir Beibehaltung der alten GerichtSbeiördev, dir üble Wahl der Kom- wissarien, die unglücklichen Dekret« über die Beräaßeruag der Staatsdomänen, die BoranSerhebnug der halbjährigen Stenern, werden nach uud nach Gegenstand energischer Adressen, welche auf «ein,» Borschlag vvtirt worden find. Ah« ansere Klagen pral- dieser Braake? Oder will man ANS gar begreiflich Macheu, dag die franz�fischea Arbeiter ohne Lohn fät ihre Arbeitgeber arbeiten und Letztere ihre Waare vielleicht umsoo? abgebe»»? Eine Frage muß ich dieferhalb an den geehrten Herrn Artikelschreiber„für < Handel und B-rkehr" richten. Wodurch find de�v uuse« Bronze- waarea- Fabrikanten so reich geworden? Und nicht allein die Fabrikanten, sondern anch die Zwischenhändler sI)tdeu), sog«- nanvkr Kommisfionärc. Woher haben fie alle ihren Reichthnm, ihre Paläste bekommen? Wer hat dies hervorgebracht and ge- schaffen? Der Artikelschreiber fährt weiter fort: Nach dem Kriezr ging daS Geschäft flott,«eil die fraozöfischen Fabriken nicht ar- beiteten, überhaupt,«eil jeder HandeiSverkehr mit Deutschland aufgehört hatte.— Aber Sie, geehrter Herr, hätten auch zu glei- cher Zeit dabei bemerken«üffea, e« trat auch zugleich eine Nach. frage nach Arbeitskräften ein, und dadurch„stiegen" bei ver- stiedeneu Abtheilnugen der Bronzewaaren- Arbeiter die Löhne. �Gerade der„Lohn" war bei den Bronzewaarenarbeitern schon unter das Minimum»er Lebensbedürfnisse gefonken.) Wir wissen ja, wie damals wahnstnuig Tag und Nacht(Sonntags nicht ans- genommen) darauf loS produzirt wurde, bis fich der Markt über- füllte und die„Krachs" und die GefchäftSkrifen erfolgten. Weiter fahren Sie, geehrter Herr, in Ihrem Artikel fort: „Das ist heute anders geworden?" u. f. w. Ii, freilich ist Bie» leS anders geworden, waS Sie früher gar nicht geträumt haben. „Daß die frauzöfische Iadastrie jetzt eine so rege Tyätigkeit ent- faltet," dies hätten Sie damals wahrlich nicht geglaubt, wo Sie doch jedenfalls ausriefen und dabei de« Champagnerpfropfea kaalleo ließen:„Ha, jetzt ist der Erbf-iad besiegt." Weil die» Sie so sehr verwundert,„daß die frauzöfische Iadustrte eine so rege Thätigkeit entfaltet", und Sie eS wahrscheinlich nicht begreifen können, so will ich eS J-uen sagen, wodurch eS entstanden ist, nämlich:„die ökonomischen Berhältoiffe in Frankreich haben fich ganz ander« gestaltet, als bei unS in Dentschlaad und speziell in Iserlohn." Doch geang für heute. Der Kürze halber habe ich nur so wenig, wie möglich, augeführt. Ich möchte jedoch diesen Augenblick benutzen, um an« noch ferustebende Arbeiter„Iserlohn»" fich hieran« eine Lehre ziehen zu lassen, wie wir nur durch Einigkeit, durch gemeinsames Wir- kcn unsere Lage verbessern können. Denket nicht, wie man eS oft hört:„Ohne mich geht'S schon, eS wird Alles ohne mich be» sorgt." Die« ist grundfalsch. Ein Jeder muß am Platze sein, denn fein Plötz ist leer, so lange er fehlt. Jeder muß Interesse an unseren Bestrebungen haben; dieS aber kann nur durch die That bewiesen werden. Hörte ich doch noch neulich in einer Wirthschaft hier von einem„feinen"„gebildeten" Herrn die Worte sprechen: „Für den„gemeinen" Mavn wäre eS am besten, wenn er immer im„Dusel"(betrunken) wäre, um nicht über seine Luge nachzu- denken." Ich fordere Euch, Arbeiter Iserlohn», zugleich auf, da» „Iserlohner Blatt", oder richtiger„Käseblatt", nicht mehr zu halten, da eS doch Earen Interessen schnurstracks entgegen arbeitet. Bestellt dafür und abonnirt auf unser Parteiorgan, den„Reuen Social-Demokrat". 3oh» Brow». (F-rtsetznug.) Die Gewa'tthätigkeiteu der Sclavenhalter beim Prozesse Brown'S waren nur ein Abbild der in ganz Birginien herrschen- den Angst. Der Staat befürchtete überall Selaveaaufstände und bewaffnete Einfälle. An 5000 Milizen waren ans den Beinen; aller Orten bildeten fich sogenannte SicherheitSauSschüsse, deren einer vor dem andern erschrak. Charlestowo war auf fünfzehn Meilen in der Rande befetzt, und doch witterte man hinter jedem Busch einen Sclavinbefreier. In der Nähe deS OrteS brannte ein Heuschober ab. Der„Oberst" Davis, welcher gerade da« Kommando hatte, hielt ihn für daS Feaerfigual der ReoolutionS« armee. DaS Baterland stand also in höchster Gefahr und schleu- »ige Hülfe that Roth. Allein der tapfere Oberst, statt ans den vermeintlichen Feind loSzurücken und ihn mit einem Schlage zu zermalmen, schonte das Leben der ihm anvertranten Truppen und sein eigenes. Dagegen telegraphirte er nach Richmoud und Washington die dem Staate und d:m ganzen Süden drohende Gefahr. Gouverneur Wise beorderte sofort Artillerie und Ka- vallerie, Scharfschützen und Infanterie von Richmoud und Alexan- dria. Bor ihrem Abmarsch hielt er von den Stufen de» Rich- monder CapitolS herab au einen Theil der„besten Söhne Vir- ginienS" eine hochttrabende Rede, belobte fie wörtlich deswegen, „daß fie vor Angst nicht blaß aussahen und bereit waren, dem Ruf« der Ehre zu folgen." Als aber die tapferen Birginier uud B-sssmmr— i i> len erfolglos an dem Trotze des gefaßten Entschlusses ab und reizen die Wuth nur noch«ebr während die Reaktion, auf die Mehrheit der Regierenden gestützt, mit raschen Schritten vorwärt« chreitet. ES ist Zeit, fie aufzuhalten. Der Aufschub der Wahlen zur konstituirenden Versammlung, den die republikanische Gesellschaft zweimal verlangt hatte, ist zweimal abgeschlagen worden. B'M 12. biS 16. März habe ich mehreren Versammlungen der StaatSkärperschasteo vorgeseblagen, daS Gesuch durch Arbeiter in Masse zu unterstützeu; der Borschlag wurde mit Enthusiasmus aufgenommen. Am 17. um Mittag steht Paris auf, und zweiwalhundert- tausend Menschen umgeben da» Hotel de Bille. Beim Anblick diese» lebenden MeereS, daS, so weit man sehen kann, unter furchtbarem Geschrei auf den Plätzen uud QnaiS wogt, fällt der Widerstand, die retrograde Faktion beugt fich, man verspricht Alle», man verspricht AlleS der Deputation, welche im Namen de» Volke» spricht. Eine Jntrigue hat den Sinn dieser großen Manifestation entstellen uud darin nur eine Antwort auf da» unbesonnene Unter- nehmen der Nationalgarde sehen«ollen. Nicht« ist unrichtiger als die». Die Bewegung des Volkes war vor dem 10. beschlos- seo, und die Leraastalter derselben wußten nicht einmal etwa» von dem kleinen Komplot d«t Bärmü.ea. Der Zufall allein hatte diese beiden einander entgegengesetzten Uaternehmnogen in der Ausführung einander genähert. (Fortsetzung solgt) ■I -Ü vom Pröstdinten B�chanan g«favdt-n Virelnig�en Staater.truppel, auf dsm Kampfplätze aakamcn, war der Heuschober schon abze« bräunt und somit der Feind verschwunden. Dem kranken Browu Wae seine Bitte nm einen sechstägigen Aufschub der Untersuchung nicht bewilligt worden; er ward« da. her auf seinem Feldbette in'S Gerichtszimmer getragen. Er war nicht im Stand», sich von seinem SchmrrzenSlager zu erheben und maßte liegend, mit verbundenem Kopfe den Verhandlungen folgen. Der Staat Birgiuiin konnte seinen gefürchtetea Feiud nicht schnell genug vernichten. Da er seine Abficht nicht leugnete und mit edler Entrüstung gegen einen von seinen ängiilichen Freunden gewählten BertheidigaugSgrond, wonach er wahnsinnig sein sollte, Proteflirte, so bot die Untersuchung selbst wenig interessauee Sei» ten. Brown wurde am 2. November verurtheilt, daß er am 2. Dezember 1859 wegen HochverrathS, Mord»? im ersten Grade, Verschwörung und versuchen SclavenaufstandeS in Charlestown gehängt werden sollte. Es verdient hier als bezeichnend für die Sclaveuhalter her- vorgehoben zu werden, daß sich ans verschiedenen Sclavenstaaten Sabj'kte die Ehre anSbateu, Brown hängen zu dürfen. AaS Mississippi meldete sich sogar eine Frau. Andere südlich« Ztaa- ten sandten Proben von Hanf für den bei der Exekution zn brau» chcnden Strick ein. Süd.Carolina trug mit einem baumwollenen Strick den Sieg davon. In dem Charakter dieses Mannes ist Alles wie anS einem Guß. Eifern und kernig trägt er fein Schicksal mit einer wahr- Haft antiken Ruhe und beschließt sein Leben mit der Fassung eines Weisen. Selbst die kleinsten Züge, die bnS seinen letzten Lebens» tagen bekannt geworden sind, tragen das Gepräge großer geistiger Kraft und Ueberlegenheit. Am Vorabend vor feiner Hinrichtung besuchte ihn seine hoch- herzige Frau im Gefängniß. Sie fällt ihm«einend um den Hals; Brown bleibt fest und tröstet sie liebevoll. Während der vier Stunden, welche der Staat Birginien für diese Znsammel!» kunft bewilligt hatte, ordnete er mit ihr seine Angelegenheiten. Beim Schluß der Unterredung äußerte er den Wunsch, daß man seine und seiner beiden bei HarperS F-rry gefallenen Söhne Lei- chen verbrennen und die Asche in einem Krug« sammeln möge. Allein seine Frau redete ihm diesen Wunsch au«. Sir wäre nach Ablauf der festgesetzten Frist gerne noch länger bei ihrem Manne geblieben; allein dieser erklärte, daß cS unter seiner Würde fei, vom Staate Birginien eine Gunst zu erbitt n, und so schieden Beide für immer. Die letz'en Zeilen, welch« er unmittelbar vor seiner Abfüh- runz znm Galgen schrieb, kanten:„Ich bin nun überzeugt, daß die groß- Ungerechtigkeit, welche auf diesem Laude lastet, nur durch Ströme von Blnt beseitigt werden kann. Als ich zuerst in diesen Staat(Birginien) kam, dachte ich anders; aber nun hin ich üdcrzkUjjt, daß vaS»in Jrrthum war." Als er anS dem Gtfäogniß kam, sah er eine Sclaviu mit ihrem Sängliug am Wege stehen. Er ging ans die Frau zu und gab dem Kinde sei- ue« Abschiedskuß. Der Sitz des Wagen«, der ihn aufnahm, war sein eigener Sarg. Ein Geistlicher befand sich nicht an seiner S?ite. In der ganzen Umgegend von Charlestown waren die Pfaffen wüthende Sclavereifauatiker, und Brown wollte sich seine letzten Stunden nicht durch den heuchlerischen Trost seiner Feinde Verderben lassen. Es würde ihm tanfrud Mal lieber s in, erklärte er, von einem Dutzend ihn segnender Sclavenkinder und einer für ihn betenden Sclaveomutter begleitet, in den Tod zu gehen, als unter der Obhut sämmtlicher Pfaffen Birginien«. Die feierliche Prozession zum Galgeu setzte sich gegen 11 Uhr am 2. Dezember in Bewegung. An der Spitze drS ZageS ritt General Taliaferro mit einem Stabe von fünfundzwanzig Ossi« zieren. Sechs Kompagnien Infanterie und eine Schwadron Nei- ter nmgaben den Wagen Brown's. Seine Haltung blieb ruhig und würdig von Anfang bis zu Ende. Ringsum blinkten 1500 Bajonette. Das Boll ward gar nicht zugelassen und von d«n Truppenmaffea eine Biertelmeile weit vom Galgen«eggedrängt. Warum, fragte er, darf nur das Militär in den KreiS? D:e Henker gaben ihm keine Antwort. War eS doch die Furcht vor eingebildeten Schaareu, die noch im letzten Augenblicke zur Be- freisnz ihre« Opfers herbeiüürmen köonten, die Forcht vor den ' Worteo, die er noch als Lebewohl in dic Massen schleudern könnte. Brown sprang rüstig vom Wagen und stieg zuerst von feinen Begleiteru festen Schrittes sie Treppe zum Galgen hin- auf. Er sah einen Augenblick ans die denselben umzingelnden Militärmaffen und das hinter ihnen stehende Volk, senkte dann s-inea Kopf, um ihn mit den vorn zns.mmen gebundenen Händeu erreichen zu können, und warf seinen Hat auf den Boden. Hier- aas zog mar ihm eine Mütze über daS Gesicht uad legte ihm den Strick um den Hals. Der Gefängnißwärter bat ihn dann, auf die Fallthüc vorzutreten. Mit fester Stimme erwiderte Brown:„Ich kann ja nicht sehen, Sie müssm mich führen." Mit Hülfe des Aufsehers trat er vor. S-iue Füße standen sechs | Zoll auseinander, als der Sheriff sich niederließ, sie zu binden. Brown zog die Füße aneinander und ließ sie ruhig fesseln. Je- nu fragte ihn;„Wollen Sie ein Schnupftuch und wollen Sie eS als Signal fallen lassen, wenn Sie bereit find?" Brown entgegnete:„Nein, mein Hur, ich bin stets bereit!" In dieser Stellavg mußte«r zehn Miauten verbleiben. Zehn lange Mi- nut-u weideten sich die Henkersknechte an dem Anblick ihre« Opfers, daS unbeweglich, uaerfchättert dastand. So lange dauerte e« uämlich, bis die Truppen auf die verschiedeueu Plätze vertheilt werden konnten. Brown stand schon mehrere Minuten in dieser verzweifelten Stellung, als nn Oberst herauritt und rief:„Herr Sheriff, wir find noch nicht fertig!" Also neue« Warten! Browu hatte, auf der Fallthüc stehend, die Mütze über da« Ge- ficht gezogen, den Strick um den HalS; aber nicht daS geringste Zeichen von Furcht nad Aufreguug war an ihm zu bemerken. Mitleidig fragte ihu der Aufseher, ob er nicht müae sei? Brown erwiderte fest:„Ich bin nicht müde, aber laßt mich nicht länger warten, als oöthig ist." DaS find seine letzten Worte. Eadlich waren die Militärevolotionen beendigt. Ein anderer Oberst rief: „All-S fertig, Herr Sheriff!" Die Fallthür sank. Ein leichte» Zuck'v der Hände und Alles war vorbei. Brown's Herz hörte erst nach 35 Minutm ans zn schlagen. Der Staat Birginien übergab die Leiche der treuen Gattin, die bei HarperS Ferry gewartet hatte, um sie mitzunehmen nud in freier Erde zn bestatten. Sie war dic würdige Frau Brown'S. Als bei ihrer Rückkehr von der letzten Zasammeakunft mit die- fem der Anführer der fie eSkortirendeu Nciter sie trösten wollte, uwidute fle ihm mit Hoheit, daß stc seine» Trostes nicht be- dürfe, daß fle stolz darauf �sei, da« Weib John Brown'S, de» Märtyrers der Freiheit, zn sein, und daß der Galgen fie so wenig schrecke, als ihren Mann. Sie hatte nicht die traarige Genugthuung, die Leichen ihrer beiden bei HarperS Ferry gefal« lenen Söhne mitnehmen zn können. Der eine, Olivier, war bereit» verwest und unkeundar, al» fie das Grab öffnen ließ, in welche« man ihn mit den übrigen Rrbellen verscharrt hatte, und den anderen, Watson, hatten die Barbiere von Winchester, einem benachbarten Städtchen, secirt. Brown'S Leiche wurde nach North Elbe im Staate New-Uork, feinem letzten Wohnfitze, gebracht und dort im Beisein zahlreicher politischer und Privatfreunde feierlich beerdigt. Wenn noch irgerid ein Zweifel an den tief eingreifenden Folgen der Brown'schen Tbat obgewaltet hätte, so würde ihn die von den Selavenhaltera aas ganzen Landes eingenommene Hat- tung gründlich widerlegt haben. (Foetsetznllg folgt.) Durch die Expedition de»„Neuen Social- Demokrat" sind folgende Broschüren zu beziehen:(Rcichswährnng.) Lassalle: Offene« Antwortschreiben.. 6 Pf. „ Arbeiter-Lesebuch.... 13„ „ Arbeitu-Programm 8„ „ RonSdorfer Rede.... 8„ „ Bastiat-Schnlze.... 45„ „ Wissenschaft and Arbeiter.. 10„ Lassalle: Feste und Preffe.... 10„ „ Kleinere Aufsätze... 20„ „ Indirekt« Steuern... 23„ „ Arbeiter Berlin».... 5„ „ Julian Schmidt.... 65„ Der Prozeß wider Ferdinand Lassalle von der korrektioaellea Appellkammer zu Düffel- dorf am 27. Juni 1864... 10 Pf. „Zur Arbeiterfrage"(Leipziger R-de).. 10„ Fremd s örterbnch de«„BolkSftaat": gebunden.... 60„ brofchirt.... 45„ Bauernkriege von Fr. Engels.... 45„ A.-B.-E. deS Wiff-aS von Dr. Donay..13„ Unsere Ziele von Bebel..... 23„ Grand- und Bodevfrag« von W. Lieokaecht. 50„ Kalender pro 1875 oeS„Neuen Social-Demo- trat", pr. Stück..... 40„ Marseillaise von J. Andorf, pr. 100 Stück. 1 Mark. Bei Abnahme von 50 Exemplaren tritt bei den Kalendern 33'/» pCt. Rabatt ein.' Die hier notirten Preise find nur bei Abnahme von größeren QnantiS von jeder Sorte. Bei einzelnen Ex-mplar-n tritt eine verhältaißmäßigr Preis- «rhLhullg ein. Bestellungen auf einzelne Exemplare der hier notirten Bro- schüren, verseudeu wir nur gegen Eiaseaduug des Krcuzbandporto'S. Außerdem macheu wir daranf aufmerksam, daß noch circa 1200 vollständige Exemplare deS JahrgaugS 1874 uud 300 voll- stäadige Ex«plare de« Jahrgang« 1873 der „Social-politischen Blätter" komplet aas Lager find, und had:a wir uns entschlossen, dieselben zu herabgesetzten Preisen abzugeben und zwar, wie folgt: Jahrgang 1873 ä 2.00 Mark, 1874 ä 2,50„ Bei Abnahme vou mindesten« 10 Exemplaren tritt ein Ra- batt von 20 pCt. ein. Jedoch gilt diese Preisermäßigung nur für den Monat März; nach dem 31. März trat wieder der alte Preis pro Jahrgang 1873 ä 3,00 Mark, 1874 a 3,50„ ein. Die Expedition de»„Neuen Social-Demokrat" nud der„Social-politischen Blätter". Da in letzterer Zeit von verschiedenen Seiten nn» Zusen- dnngcu gemacht find für den Brieftasten, die thatsächlich mehr einem privaten Briefwechsel gleich kamen, so sehen wir nn» ge- nöthig», daranf hinzuweisen, daß zu dergleichen Dingen du Brief- kästen nicht bestimmt ist. Im Briefkasten können»nr derartige Angelegenheiten er« ledigt werden, die entweder vou Part-.?- oder öffentlichem In- tueff« find. Briefkasten. Anonyme Einsendungen, Anfragen v. s.«. könne» nicht be- rückfichtigt werden. Bosfia», Barmstedt. Dergleichen Privatsachen können im Briefkasten nicht aufgenommen werden. M»x Jangy, Hamburg. Ebenfall». Mehrere Parteigenossen in Wststcgierzborf. Wir bitten, in Znknnft in kirenzbanber keine be chrllbene Zettel zu legen, ba die» nicht gestattet ist; wir müssen dann folttie Sendung al» nufrankirte Briefe, also mtr doppel- tem Porto, bciahlen, so auch da» nn« Zngcsaudtc; e» wird dann selbst die Kreuzbandmarke nicht angerechnet. Die Expedition. Bocksch Stuttgart. Haben Sie meinen Brief mit eingelegten süd- deutschen 7-kr.- Marken nicht erhalten? Stack»». Bon jetzt an sind alle Briefe in Partelangelegenhelten zu richten an Alwill Belle-, Letze Neaeuqau», Kreis Lennep(Blirscheid). t-r-ilbelm G-ieS. W. Ncumann, Moabit. Theile mir umgehend Deine Adresse mit; mein Termin ist am 3. April. M. Schlesinger, Breslau, Herrnstr. 24. Meine Adresse ist jetzt: Dortmund, Raadwcg, Wißiiraßenthor bei Bossen. Carl Seelig. Freund Fr. Harm In Elberfeld. Bitte, sende mir Deine Adresse. Aug. Br idenbach, Dörve dei Hückeswagen. Briefe an mich sind an H. Prinz, Fraulfuri a. M., Heiligekren, gaffe 2, zu richten.______________ Tarl Klein. n n o n e e n. Berlin. ISA«2?; K' im SaoU Sophtenstr.«», Volksversammlung. TageSordn.: 1) Die Grnnd- und Boden« frage und der Finauzminlster Tamphausen im preußischen Landtage. 2) Da» Professoren- thum in und außer der Gesetzgebung. Referenten: Di- Herren W. Hasselmann und W. Frick au» Bremen Jedermann hat freien Zatritt. A. Baethke. l3M Berlin vefie»ttiche Bersamm!««zen: Dolmerstag, drn 25 Febr.,»dUlbS 81 lldr. im Lokal de» Hrn. Lieder, Elsusserstr. 14/15. Referent: H. Köhler. kn: �Wr«td, den 27 Febr., Ab. 8h Mr. im Aratwetl'schen Lokale, Kommandanten. straße 77— 7ö.(Oberer Saal.) Referent: H. Lange. Jedermann dat freien Zntrlet. s2,8<)f Neue Mitglieder für den Terliuer Ardei« ter-Wahlverein weiden avfgenolnmeu. I. Albert Barth?-. robevflir» Sonntag, den 2-:. Februar, «DCrilU« Vorm. 10 tt>r, bei Hrn. Lieber. Elfofstrstc. 14/15, Graste öffentliche Versammlung der Maschinenbauer, Schlosser und sonstigen Metallarbeiter. Die Gelchäftslrise u. d. Äusgatcu d. gewerk- schaftl. Orgauisatloncu. Res: Heiland.— Der schädliche Einfluß der Zwangskaffen. Ref.: Sloltrv DaZ Sonnt 6,[2,00] ArtttiÜIIVrt Freitag, 26 Febr., �amDUrg. Abend« 81 U!>r, in Tütge's Salon, Balenimskamp 41, Gescht. Mitglieder-Bersammtung des Allg. dmlsch. Arbeiter- Vereins. T.-O: Die Agitation im Herzogthnm L Nienburg.— Boitrag de« Herrn Brcuel. BerfchildrUk», Der Beoollm.[1 60] Berlin. Die Parteigenossen beider foclal-bemokra« tische» Fraktionen, welche der Sattler- (Täschner-) Branche angehören, werden dringend ersucht, Donnerstag, den 2s Febr., Abends 9 Uhr, in Ens« Pole uz, Alte Jakobstr. 8? (im letzten Zimmer), zu einer Besprechung zu erscheinen., _ Wlrth». Jona».[2,00] AlUUbMg. den�Ftbrnar. Im kleinen Saale de» Tanventgarten«, Oeffentl. Versammlung d. Social-demokratischeu Ärb.-Vereins. Bortraz de» Hrn. Walter au« Altona. _ P-ter.[1,40! Annthnrrt Tonnabend. 27. Februar, VUUlUUig. AdrudS 81 Uhr. Marktstr. 11, aus der Herberge(St. Pauli), Große Versammlung fän»mtlicher Zimmerer. TageSordn.: Wie wird da« heutige Elend der Arbliterklasse beseitigt? Zu reg-r Belheiligung ladet ein L. Pfeiffer.(2.20) Mll rtttrt Sonmibend, den 27, Febr.. UUUllU. Avend» 8 Uhr, im Englischen Garten, Große Volksversammlung. T.-O. Borttag de» Hrn. Walther.[1,40] Vorläufige Anzeige! Tieustag, den 9. März, «Vir!' 8 Uhr Ab., im Englischen Garte», Ab ndunterhaltung und Ball de« Ar riler-Säiig-rbnüd:«, oerbundm mit dcklamatorischen Vorträgen. Kar.n, fat Herren» 60 Pf., für Daw'n ä 25 stf., find an den bekanntin Stellen z» haben An der Kasse für Herren 60 Pf., sür Danen 30 Pf. Da? Comllö.[2.20] Den geehrten Parteigenossen, so wie der Former-LIed-rtafel Altona'» u.:d Hamburg» meinen innigsten Dan? für dl- rege Thell« nähme bei der Beerdigung meine» liebe« Manne», de» Former» A. Meyer. Cd. Meylr, geb. Lorenzen. Den geehrten Parteigenossen,!» wie me!« neu Freunden und Belanntcn, halte ich meine Gaflwirthschaft und mclnlN M!ttag»tlsch be. sten« empfohlen.'[5,50] Altona, N-rderstr. 10. Wwe. Eh. Meyer. Erste Tenoristen werden gewünscht Strelitzerstr. 11. Mt». 9—11 Sonnabend Abend. Unterricht unentgeltlich.[0,60] Freilag, den 5. März d. I., erscheint die erst- Nnmmer de« „Agitator". Derselbe erfcheirn wöchentlich einmal, und zwar Freitag« Abend« in Berlin. Abonne. menteprei« vierteljährlich»O Pf. (9 Sgr.) oder monatlich:«« Pf.(3 Sgr.). In solchen Or-e», wo sich 10 Abonnenten und darüber befinden, beziehen diese den „Agitator" am dilligsten durch gemeinsame Bestellung bei dir Expedition� Hrn. Schna- bei. Kl. Andreasstr. AI, Berlin.— Bei solchen Bestellung-» triti eine PreiS- «rmästigung von 90 Pf. aus 60 Pf., resp. vou 30 aus 20 Pf. ein, und erfolgt die Zu« sendung alsdann zusammen nnter Kreuzband. Nur Bierteljahrsdeftellungen nehmen alle Postanstalten de« deutschen Reiche« an. Mo« natlichc Bestellungen auch die Expedition in Berlin, Kl. Andreasstr. 21. Zu zahlreich m Abonnement ladet ein Heinrich Ecks, Berlin, Alte Jakobsstr. 46. Auch sind an meine Adresse alle Gelder, und nicht nach der Expedition zu senden. H. Eck».[13,50] Druck und B-rlag von E. Jhrlng N'zr. (A. Berein) in Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: A. Küster in Berlin.