9Jr. 27. 5. Jchrgang. Diese Zeitung erscheint dreima wöchentlich, und zwar: Dienßags, Dsnuerstags und Sonnabends Bbend». ASs»«emettis-?rei»! Kur Vwlm cucl. Bnu�erlohn vierteljährlich prae- anmerundo 1 Rm. 95 Ps., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 60 Pf., frei in'S Haus 2 Mark. Srel�band-Bionnelllents pro Quartal u. Eremplar: Klir Deutschland und Oesterreich 3 Rm.— Pf. - Niederlande und Belgien. 3« 60- - England und Frankreich. 4- 50- - Amerika(Berein. Staaten) 5- 50- Bestellungen auf Kreuzband-MonnementS sind nur bei der Expedition aufzugeben' und müffen prso- numerando gezahlt werden. Neuer EigettthNN der Laffslleaner. Uedaktio« und Skpeditiou: Zterti«, Oranienstraße Nr. 8, 80. Bestellungen werden bei;allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgegengenommen. Inserat« (nur in der Expedition aufzugeben) werden pro stinfgespaltene Petitzeile mit 50 Pf. berechnet. Bersammlungsannoncen die 5 gespaltene Petitzeile ober deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reklame-Anzeigev werden nicht aufgenommen. Für den Monat März kann auf den „Neuen Social- Demokrat" bei allen Postämtern für 0,54 Mark aöonnirt werden; in Berlin bei den Spediteuren für 0,65 Mark. Wir ersuchen, die Gelegenheit zu zahlreichem Abon- nement zu benutzen. Die Expedition. Anhalt. Große Diebe hängt man nicht. Politisch« Nebertictitt Zam g-genwärtlgen Nothstand unter den «rbeitendin tilaffen.— Die Arbcilsspcrre in England. Dir Gefängnißfrage im preußischen Abgeorduetenhause. Korrespondenzen: Brand-nbarg a. H. Versammlung der Berliner BanarbeitSleute. Shelley.(Sqiuß) Wiener Schattenrisse.(Gedicht.) Aus der Zeit der Demagogenhetze. Ein neuer Gegner der TodeSztrafe. Vermischtes. Feuilleton: Ein neu« Benrthiilcr Laffalle's au» dem Lag« d« Gegner. Gxoße Diebe hängt man nicht— daS wußte auch der große Wiener Gründer Ofeuheim, als er sich auf's„Buschkleppuhandwerk nach ueaester Mode", nämlich auf das„Gründeu" und Schwindela legte. Der gute Mann hat es iu kurzer Zeit zum doppelten Millionär gebracht; daß dabei auf den voa ihm„gegründeten" Bahnen gar mancher Pas- fagier den Hals gebrochen hat, daß Geld und Gut der Aktionäre schamlos vergeudet worden ist, waS kümmert eS; Ofeuheim ist reich gewordeu und folglich ein„großer Maua". „Junge Huren, alte Betschwestern"— sagt ein derbeS, aber Wehres Sprüchwort. So Ist eS denn auch der Wiener noblen Gesellschaft nach dem letzten großen„Krach" ergangen; fie wollte auf eiumal Buße thun, toste eS was eS wolle; fie bereute ihre Jugendsünden; cS sollte nicht mehr Alle?, auch Ehre und Ge wissen, um schnödes Geld feil sein; die Gesellschaft wollte mo ralisch und solide werden— mit eine« Wort, es wurde „ gelaSkert". AuS diesem famosen moralischen Katzevjammer Ist der Ofem Heim-Prozeß entsprungen; der ärgste aller„Gründer", dess-u uu- saubere Manöver sonnenklar und himmelschreiend waren, sollte als Sündeubock abgeschlachtet und der Börse eia heilsamer Schreck eingejagt werde». Ein allerliebster Plan, nm die thränenreiche Tugendhaftigkeit der„gekrachteu" Wiener Gesellschaft vor aller Welt leuchten zu lassen. E n strebsamer Staatsanwalt war bald genug gefunden, als der„tuzeudhaste" Mmister BauhanS zum Angriff blies; Ofeuheim kam vor'S Schwurgericht. Was:hat unser„G�Knder"?— Leugnet er?— Gesteht «r und bittet er um mild» Strafe?— O nein, er lacht ob aller dieser moralischen Entrüstung, er verhöhnt seine Ankläger, denn er weiß, daß er nicht der einzige Schwiudler ist, sou- der» daß die ganze Gesellschaft US zn ihren höchsten Spitzen durch und durch korrumpirt ist. So gesteht er denn rnhig seine Schandwirthschaft ein, welcher zufolge jeder arme Schacher- jade, der mit Gnlsen statt mit Millionen von Gnldeu daS gleiche Spiel getrieben hätte, unfehlbar wegen Betruges oder Berum Ein nener Benrtheiler Laffalle's ans dem Lager der Gegner. Die wütheade Aufeindnng Laff-lle'S seitens unfähiger Sold> chreiber ist noch Immer an der Tagesordnung. Um so Wohl thnender ist eS, endlich einmal auf«inen anständigen Schriftsteller zu treffen, welcher zwar ein Gegner der Social-Demokratie ist, aber nicht von Klasseuhaß verblendet zur Unwahrheit und Schmä- hunz greift, sondern Lassalle in würdiger Weis« bespricht. Herr Georg Brandes nämlich veröffentlicht in der �Dent- scheu Rundfchan" einen Aufsatz über Lassalle, welcher im gro- ßen Ganzen entschieden unparteiisch und gediegen ist, und zu dessen Charakteristik wir nvsera Lesern einige der gelungensten Stellen mitthcilen wollen: „Wer Lassalle kennen lernen will, muß mit dem Studium seiner Flugschriften beginne». Man bleibt nicht kalt bei der Lektüre dieser Prosa: ein außerordentliches Wissen wird hier von einer durchaus modernen, streng logischen und streng fachlichen, Beredtsamkeit beherrscht, deren verhaltene Begeisterung mit Feuer- schrift zwischen den Zeilen ruht, um dann und wann aufzulodern; «ine unbeschreibliche Kühnheit bei allen Angriffen wird von einer unerschütterlichen, stahlharten Festigkeit bei jeder Vertheidignng »uterstützt; Sprache und Stil find ein TypuS an sich. Boa De- klimatiou keine Spur. Der Autor weiß und vermag zn viel, als daß er Lust haben sollte, zu deklamir'n. Aber auch keiue Spur vom Ballast der Gelehrsamkeit. ES ist ein Schwerbewaff- ueter, der hier seinen Krieg führt; aber selten sah man schwere Waffen so leicht getragen. Ans gedruckten Oaellen erfährt man nur weiig über die Persönlichkeit und tai Leben dieses Schrift- stellerS. Wiederholte längere Akeifeu in Deutschland haben mich ivdeß mit einer nicht geringen Zahl von Persoae», Männern wie Frauen, zusammengeführt aas deren Urthcit ich Werth lege, und »ie Lasszlle persönlich gekannt haben. Wie mau weiß, haben die offevtlich-n Stimmen über Lassalle, seitdem die Angriffe mit sei- treunnz in'S Zuchthaus hätte wandern müsse». Ofeuheim gesteht mit eherner Stirn, und was et nicht gesteht, dessm überführt ihn der Staatsanwalt unwiderleglich, und doch lacht unfer großer „Gründer"! Das Unerhörte aber geschieht; Ofeuheim beginnt ein noch nicht dagewesenes BertheidigunzSiystem. Er weist seinem Gegner, dem„moralischen" Minister BanhunS, nach, daß auch er ein„Gründer" gewesen ist und ganz wie Ofeuheim selbst sein Schäfchen geschoren hat; er citirt die höchsten Staatsbeamten als Zeugen, läßt den Bürgermiuister G Skra beschwören, daß„Grün- den und Schinden" keine Schande ist. Karz und gut, Oftnheim führt seinerseits den strikten Beweis, daß eine ganze Legion der reichen, mächtigen, am StaatSrnder stehenden Herren anS dem- selben Holze geschnitzt sei, wie er selbst. Die ungeheuerste Schurkerei war somit offenbar. Der Staatsanwalt konnte, drohen, daß er noch einer ganzen Reihe der höchstgestelltea„Gründer" den Prozeß machen wolle; er stand da im GforUiischein, ein zweiter LaSker. Und ans der Börse herrscht« unheimliche Gewitterschwüle. Sollten wirklich die gro- ßen Spitzbuben, die Urheber deS„KrachS", nicht beim Zuchthause vorbeischlüpfe» können? Doch Jnstitia trug nicht umsonst die Binde vor den Augen; galt eS doch den Wahrsprnch eines Wiener Schwurgerichts, in der Wolle gefärbter Bourgeois, welche diesmal nicht über einen des Hochvcrraths angeklagten Arbeiter, sonder» über einen ihrer eigenen Kleffengenossen zu Gericht saßen,«elcher e« nur ein wenig zn flott getrieben hatte, um recht rasch Millionär zn werden. Armer Staatsanwalt! Er meinte es so recht geschickt zu mache», als er von Ehre und Sittlichkeit sprach und dem ge- sammten Gründergeschmeiß,„denen, die daS Geld nahmen, wo sie e? eben fanden", den Untergang schwor. Der Bertheidiger fand die rechte Antwort, er rief den Bourgeois ans der Geschworoen- bank zn:„Die Anklage ist social-demokratisch." DaS zündetel— Social-demokratisch!— Halloh, daS„heilige Eigen- thum" ist In Gefahr! Nicht der Ofeuheim ist der EigenthnmS. Verbrecher mehr, sondern der Staatsanwalt, der Social-Demokrat ist der Feind der socialen Ocdnnvg—„schlimmer als ein Dieb"— so zuckt es natürlich wie ein elektrischer Schlag dnrch die Reihen der entsetzten Bonrgeoifie. „Kreuzigt dea JefaS und laßt den Räuber BmrabaS frei!" — so schrieen einst die Pharisäer; der Socialist schien ihnen ge- fährlichcr zu sei», als der Räuber. So zitterte auch heule das echte BourgeviSherz mehr vor der leiftstill focialistischm Idee, als vor dem räuberischen Grüuderschwindel. Und daS Eade de» Prozeß Ofenheim?— Nun, eS läßt nichts zu wünschen übrig!— Ofeuheim, der König der Schwind- ler, wird freigesprochen; die Börse jubelt, und rS wird weiter„gegründet". Wo bleiben Solidität, Moral und alle anderen tugendhaften Vorsitze?— Ei, waS kümmern sie nnS, spricht die Wiener noble Gesillschaft. Laßt die große« Diebe nur laofeu!— Nach nnS die Sündfluth! Politische Aeberficht. Berlin, den 2. März ES ist der gegenwärtig in Deutschland, Dank der Hau- dtlskrisis, herrschende Nsthstsnh der Arbeiterklasse geradezu schauderhaft, und eS müssen dhS selbst die ärgsten Socialisten« fresser eingestehe». So lesen wir iu dem Fabrikantenblatt„Con- cordta", welches das Massenelend sonst frech abläugnet, folgende» Bericht aus der Jndustriegegeud der oberen weißen Elster:„WaS unsere Textilindustrie betrifft, so steht eS jetzt mit derfelbeo ziem« lich trübe anS. Namentlich geht»S mit der Gardinenweberei immer mehr zurück. Der Verdimst bei derselbe» war schoa sonst ziemlich gering, denn mehr als 3 Thal» in der Woche zu ver- dienen(den Spaler eingeschlossen), war fast unmöglich, und auch 3 Thaler waren nur bei breiter Waare herauszubringen. Der Weber zog aber doch diese Art Arbeit vor, weil fie gleichmäßig fortgeht, und er bei derselben nicht am Webstuhle da und dort, namentlich am sog. Geschirre, zu ändern hat. Wenn nun aber durch allmähliche Herabminderung deS Lohnes es jetzt dahin ge- kommen ist, daß dem Arbeiter am Stücke(er kann, wenn er tüch- tig ist, 2 Stücke iu der Woche fertigen) 15, ja 20 Sgr. gekürzt werden, so daß viele Weißweber nur l'/z Thlr., und«ur die besten 2 Thlr. wöchentlich verdienen, so ist das offenbar kaum mehr auch nur für die Nothdurft ausreichend. Dem Weber der wollenen Waare(wollene Kleiderstoff-) ist zwar weniger am Lohn gekürzt worden, aber dafür hat er, weil eS an größeren Befiel- langen fehlt, bald da bald dort am Webefiuhl zn ändern, was viel Zeit kostet, die nicht bezahlt wird. Ein Fabrikant hiefigrr Gegend hat allerdings gar nicht gekürzt; aber einmal ist seine Waare ziemlich leicht und der Arbeiter hat diel Zeitverlust durch daS häufig reißende, schlechte Garn, und dann läßt er auch die Stücke jetzt größer machen, ohne mehr zu zahlen. So wurde mir in einem einzelnen Falle erzählt, daß der betr. Arbeiter, au- statt bisher 90 Ellen, jetzt 104 Ellen pro Stück zu weben habe, ohne mehr dafür zn erhalten; und so sei eS gekommen, daß er, vor allkm auch wegen deS schlechte« GorneS, in vierzehn Tagen (mit Einschluß deS SpulevS) nur 2 Thlr. 7 Sgr. 5 Pf. ver- dient habe, macht pro Woche 1 Thlr. 3 Sgr. 8'/, Pf.— Ja, manche Weber f-iero einen oder mehrere Tage lang ganz und find froh, wen» sie nach mehrmaligem stunden« und meilenweiten Laufen zum Fabrikherro noch Arbeit bekommen. Es ist fast un- erklärlich, wie die Leute anSkommeu könne», uammtlich bei oft zahlreicher Familie; und eS wird dieS nur möglich durch ihre große Genügsamkeit, die der Hauptsache nach fich mit Kartoffeln behilft, sowie dadurch, das viel« Hausfrauen noch durch ihr Weiß- näher(Tamborirarbeit, AuSnäheu voa Manschetten, Kragen, Taschentüchern je.) im günsiigsten Fall« ia der Woche circa 20 Sgr. verditneü. Die Weißnäh rei geht übrigens gegenwärtig gerade recht gut, Ärb-tt giebt'S da genug, so daß sogar feiernde Weber mit am Nährähmen fitzen? aber««S stud 2 Mark Wochenloha?— CS darf dann nur daS Geringste m der Familie fich ereignen, was den regelmäßigen Erwerb stört und vollends wenn Krarkheit, namentlich deS ErwerbtrS, hereinbricht, dann lfl die drückendste Roth da. lind trotzdem lernen die Kinder der Darbenden immer wieder die Weberei! Bei dem Emen mag« Roth fein; das Kind soll zeltig mit verdiene» helfen(12;(ihr. Kindcr— Knaben und Mädchen— fitz-u schon hier und da nem plötzlichen Tode verstummten, hent zu Tage einen ganz an- deren Charakter angenommen, a'S zn der Zeit, da er noch am Leben war. Eine offene Anerkennung feiner Bedeutung und sei- rnr Gaben ist nicht selten.... „Ich erwartete nicht, von dem höheren Bürgerstande liebe- volle Urtheile über einen Mann zn hören, der im Kampfe mit der ganzen bürgerlichen Gesellschaft seines Vaterlandes starb, und der fast allein kämpft», während er die gesammt» Presse zu Geg- nern hatte; dennoch gestehe ich, daß eine so allgemeine Entrüstung, eine nach meiner Anficht so unvollkommen begründete und noch so lebendige Mißstimmung wider den Todten mir überraschend war. Bermnthlich hat man dieser Mißstimmung die Schwierig- keit zu verdanken, die eS kostet, fich gegenwärtig eine vollständige Kenntniß von Lassalle zu verschaffen..... „Seltnere Broschüren findet man nicht einmal ans der könig- lichcn Bibliothek zn Berlin. Von biographische» Aufklärungen und Briefen hat fast nichts das Licht der Oeffenllichkeit erblickt. Deutet nun dies 9 leS, wie bemerkt, ans eine noch nicht erloschene Mißstimmung$ jjtn Lassalle, so ist di selbe doch weit«ntfrrnt davon, eine ab jlnte zu fe'n. ES hat mich frappirt, daß min iu der Regel mit um so mehr Wohlwollen, Anerk-nnung, Wärme, teren Stimmungen und Eindrücken vo« ihrem Gegenstande eine wunderbar vielstimmige Symphonie ia meinem Äuneru. Ich keune Lassalle so genau, wie mau ihn kennen kann, ohne ihn je- malö gesehen oder gehört zu haben; ich hege die zum B er stand- niß erforderliche Synpathie für die Lichtseiten seines Wesen», und seh. sie von den Schatteuseit.» desselben begrenzt; 1-«° viel- seitige Thätigkeit erschöpfend zu würdigen, bin ich nicht im Stande — dazu müßte man iu eben so hohem Grade, wie er, rn der Philologie, Philosophie, Juris prodeuz uud StaatSokonomie de- wandert fein; aber ich will versuchen, de» psychologeschen Grund- riß für ein Portrait zu liefern. o-« „ES ist sehr viel für und»och mehr gegen die von Lassalle ia seinen letzten Lebensjahren aufgestellte» Theorien geschrieben worden. Mau hat ihre Richtigk-ft angefochten und konfiatirt. ES ist ein Suß-rst hitziger Streit über die Zweckmäßigkeit seiner letzten praktisch m Verschlägt geführt worden. D°S Urtheil w diesem Streite zu fällen, he fte ich mich nicht für befähigt, und mich an demselben zu bethei ligea, spüre ich keine Lust. WaS ich aber gcthack wünschte und»>cs ich, da noch kein Anderer Neigu g. dazu bewiesm hat, selber zi i thun versuchen will, daS est, iu«' -......«,v,-—..... treff Lassalle'S, anfkläreu, waS für eine Natur er war, die ur. Bewunderung von dem Verstorbenen fpraP, je genaaer man ihn s sprüngliche Grundlage st ineS Wesens, seine tteftun 1 l« gekannt hatte. D»S spricht ia hohem Grade für Lassalle; denn Eigenschaften und seine vi rherrscheudea Idee«, daS® wirklich bedeuteudeu Geistern ergeht eS immer so. Während die, welche nur durch daS Prestige deS Talents oder des RufcS bleu- den, wie der Papst in Rom, um so weniger gelte», je näher man ihnen kommt oder steht, finden bedeutungsvolle Persönlichkeiten die größte Hingebung bei denen, die fie am besten kermea. Ich habe nun ein paar Jahre lang all' diese Urtheile und Aeußernn gen fich in meiner read ich aber- und seines Geistes, die Form �in.S Taleat.S aufdecke» mit Eimm Wort, ihn als Schriftst. Her charakterifiren. ohne"ch Ausgabe mit der sehr davon versck fi.denen zu vermeugeo, welche Manchem so wunderbar leicht fällt: über'i« der schw�igsten und breu- nendssm Fragen unserer Zeit daS End urtheil zu sprechen. :uug«u»�erun. Leben, welck ,-S ich entrollt» will, wurde mit einer so Seele bekämpfen und ausgleichen lassen,»Sh. i �f�Mhen Inten? tat und emer so stürmischen Hast geführt. reno liy aver- und abermals ihren Gegenstand mit deuz'läge-'' daß es d«' 4«ichsam voröbet flog, h �iffLfAftftltche schwächtm Interesse grö blich studirte. und wenn ich«ich j?tzt«„�h* tonnt,. L°ss°ll" st«S«N« von Neuem in dies Thema v-rtiefe, so bilden all' jene An-' WZ-«arm W �-ktür» für die g«°°Mch- StbUdete We», schanuugen im Verein mit all' meinen eigenen früheren und spä-- und s-ine Ff» � �tn 0 n �' ganz'. Tage und Wcchux laag außer der Schulzeit hiutir dem Wedstuhle) uud mau hat auch zur Erlernouz eines anderen Hand- Werks kein Geld; bei Anderen aber ist eS Trägheit(ahoi) Laer- gie'ofizkcil, die fich nicht aufraffen und zu etwa? Anderem ent- schließen mag. Doch wenn und wo wären jemals Energie und ausschließliche Kartoffeloahruug zusammen gefunden worden?— Dazu kommt i» der neuesten Zeit noch die Errichtung zweier mechanischer Webereien, die, wenn fit vollendet sein werdrn, den Erwerb noch mehr bedrücken müssen. Zum Glück hat bis jetzt wenigstens in den Dörfern, in denen neben der Weberei auch Ackerbau zetriebea wird, die Social-Demokratie noch wenig Au- klang gefanden; mehr freilich dort, wo die Weberei fast der allei- »ige ErwerbSzweig ist uud die Fabrikanten dominiren. Soll ich Zhneu noch erzählen, iu welcher geradezu schamlofeu Weise uament- lich vou einigen Fabrikanten gegen SonntagSheilignng und Sonn- tagSrohe gesündigt wird? Bon mehreren Seiten find mir Fa< brikeu namhaft gemacht worden, in denen eS völlige Regel geworden ist, daß jede» Sonntag bis Mittag gearbeitet wird, der Besuch des Gottesdienstes also den Leutcu unmöglich gemacht wird. Jeden Sonntag früh sehe ich au meinem Fenster Weber vorübereilen, die ihre in der Woche gefertigte Arbeit dem Fabri- kanten zur Ueberuahme tu die Stadt tragen. Und doch ist erst in den letzten Wochen vorigen JahreS eine Berordoung deS Mi- »isteriumS deS Innern erfchieueu, die die Polizelorzane anSdrück- lich anweist, scharf auf die Uebertretungeu des SonntagSgesetzeS zu achten. Auch die Kinderarbeit scheint nach wie vor zu blühen, denn in unfern Lokalblättern werden immer wieder Fädelkinder für Maschiuensticker gesucht. Doch dürften hierbei allerdings nur kleinere Firmen betheiligt sein. Macht man etwa dadurch in daS Gesetz-in Loch, daß der Betrieb im Kleinen nicht für Fabrik- arbeit gilt?" Soweit die„Concordia". UebrigeoS schreibt die„Con- cordia" auch au einer auderea Stelle:„AuS allen deutscheu Ja« dustriebezirkev, uameutlich auS der Rheinprovinz, kommen Berichte über mehr oder'minder bedeutende Lohnherabsetzungen, denen sich die Arbeiter, mit sehr vereiuzelteu Ausnahmen, überall ohne Wei« tereS unterworfen haben. Auch von Berlin wird gemeldet, daß iu fast allen hiefigea Fabriken eine Reduktion der Lohn« um 10 bis 15 Prozent uud auch noch darüber hinaus eingetreten ist. Die Arbeiter habe» fich willig gefügt uud nur iu einer ein- zigen Nähmaschineufabrii hat eine kurze, völlig erfolglose Ein- stellung stattgehabt. Entlassungen in größerem Maßstabe scheineu dagegen nur sehr sporadisch vorgekommen zu sein; überhaupt läßt fich nicht läugmn, daß bei unS trotz der GeschäftSkcifiS die Lage deS ArdeiterstandeS immer noch e'ne ganz bedeutend b-ffere ist, als z. B. in unserem Na�barlande Oesterreich, wo derselbe für die Sünden der Schwiudelperiode, d. h. also doch überwiegend für fremde Sünden, in einer überaus traurigen Weise büßen muß. So wird z. B. anS einem dortigen Jadustriebezlrk(Köflach) geschrieben:„Unter den Fabrikarbeitern herrscht grenzenloses Elend. Viele der noch Beschästtzte« find gezwungen, fammt Familie mtt einem Tagelohn vou 60, 70—80 Kreuzern zu leben. Die Blat« kern herrschen überdies sehr stark; Todesfälle, besonders in der Kohlengrubenbevölkerong, find alltäglich. So starbea belfpiels- «eise in dem Knappenhause von Rofenthal von fiebzehn Kindern sechSzehn. Bei dieser Gelegenheit ereignete sich das erschütternde Drama, daß sich ein Arbeiter, nachdem all' die Geinigen dahingerafft wurden, an der Leiche des letzten KindeS«in Messer iu'S Herz stieß.— Die hieflgeu Schulen wurden auf drei Wochen geschloffen; wahrscheinlich wird die Frist verlängert werden müssen. Sonstige VorflchtSmaßregeln sind gar nicht getroffeo. Und all' das Elend in einer von der Natur so reich gesegneten Gegend!" Wagt mau solchen Thatsachen gegenüber noch abzulSugneu, daß eS ein ehernes Lohngesetz giebt, welche» im gegenwärti- gen Augenblick gerade die Arbeiter in die Lage gebracht hat, wo ihr Lohn zum Lebensunterhalt nicht ausreicht und fie masseuhaft zu Gruud» gehen? Allem Anschein nach ist der Kampf zwischen Grubenb». sitzcru und Arbeitern iu Südwales von seinem End« ferner als je, da die Arbeiter jetzt AaSficht haben, von ihre» Kollegen iu anderen Distrikten deS Reiches unterstützt zu werden. Der Arbeiterdepntirte für Stafford, Macdonald, welcher für gewöhnlich allzu wenig Energie zeigt, prästdirte am 24. einer Sitzung des Ausschusses der nationalen Kohlengrnbenarbelttrvereioiguug in Manchester und hielt eine diesmal sehr kräftige Rede zu Gunsten der südwalischeo Arbeiter. Als die Arbeiter, sagte er, im vorigen Jahre eiae Reduktion von 10 Prozent in ihren Löhnen fich gefallen ließen, hieß eS, daß st«, im Falle eine weitere Reduktion nöthi, fein sollte, zusammeuberufeu und befragt werden sollten. Siatt dessen wurden die Arbeiter einfach zur Uaterwürfigkeit aufgefor- dert. Nach einer kurzen Ueberficht über die Entstehung der Kapi- talien der CcawShayS, FothergillS, BiocanS und aaderer Fami. lieu, welche daS Regiment in den walistfchen Kohlengrabendistrikten führe», schloß Macdonald: Die Grubeubesitz-r vou SüdwaleS führen nicht gegen die Arbeiter Krieg, sondern versuchen in iu- fam:r Weise ihre Abfichtca durchzusetzeu, indem fie Frauen und Kiudcr dem Hungerkode preisgeben. Ich hoffe, daß, wenn einst die Secialgefchichte Englands geschrieben wird, Namen wie die von CrawS�ah und Fotherzill, Biocau und DavieS mit Schmach der Nachwelt überliefert«erden, als die von Feiglinge», die Weiber und Kmder angriffen. TS wurde darauf beschlossen, 1000 Lstr. sofort zur Abhülfe zu sch!ckeu uud die Erhebuaz eines wöchentlichen Beitrages 6 d.(5 Sgr.) per Woche zu empfehlen. Im preußischen Abgeordnetenhause fand gelegentlich der Budgetberathung am 23. Februar eine interessante D-batte über die G.fäagnißarbeit statt, welche wir nachstehend im Auszüge wiedergeben: Abg. Schliepert bemerkt zu Tit. 5(Anthell an dem Arbeitsverdienst der gerichtlichen Scfanzenen): Im Anschluß au da», was der Abg. Eberty vor wenigen Tagen ae- äußert, möchte auch ich den StrafanstaltSdlrektoren empfehien, Menschlichkeit zu üben; eine prakeische Bordlldung im Äefänguiffe kann Ihnen ja nicht wohl zngemn'hel werden(Heiterkeit), aber sie sollten um so mehr die Te- bole"er Menichlichkeit achten, als sie nicht wissen können, wa« im Schooße der Zukunft schlummert uud wie fich da» Blatt«enden kann. Ich habe beispielsweise vor 2b Jahren.sitzen" müssen,«eil ich damals der Meinung war, daß c» mit der jkoastltniruug eines deutschen Reich« etwa» rascher gehen könnte.(Heiterkeit)— Ich«ende mich nun zu der Beschäftlgang der Tefangenen. Sie Ist zw ifello» unentbehrlich, aber müßte so gelenkt«er- den, daß fie die freie Arbeit nicht schädigt.' Der Staat dürfte weuizstcn« die Arbeiten der Gefangenen nicht billiger, als zum niedrigfi:» Tagespreise veräußern, wenn der kleine Handwerker noch kvnkarreuzfählg bleiben svll. AbZ. Eberty: Die jetzt übliche Beschäftigung der Gefangeneu führt zu großen U-belständen, und insbesondere leidet der kleine Fabrikant unter ihrer Konkurrenz. Die Gefangenen würden besser bei öffentlichen Arbeiten Im Freien beschäftigt, welche Art der Beschäftigung sich bei dem Bau de» Gefängnisse» in Rendtburg bewährt und dem Staat etwa 406,(XX) Thlr. erspart hat. In England haben Gefangene da» glorreiche Werl de» brealc- water bei Plymouth vollendet, ungeheure Böcke de« Devonshlrer Porphyr» in da» Meer gewälzt und eine wahrhaft cyklopische Mauer zur Bewunde- rung der Welt errichtet. Im Marincetabllffement Dartmoor werden im Interesse de» Flotteudienste» schwere Aibeften durch Gefangene«errichtet. Diesen schweren Arbeiten geht in England eine dreimonatliche Jsolirhast Voran. Diejenigen, welche schwere Arbeiten nicht zu leisten vermögea, k»m- min In sogenannte Zwischenanstalteu, Kolonien, wo die Gefangenen meist zur Laadwirlhichast verwendet werden. Diesem System ist e» zu verdanken, daß die Rückfälligkeit in England bedeutend gesunken Ist. Jastlzminister Dr. Leouhardt: Bei der bevorstehenden Regelung de» Strafvollzüge» werden die Anregungen der beiden Borredner iu Betracht gezogen werden. Ich habe daher heute keine Beranloffnng, daraus näher einzugehen. Abg. Hansen: Nach einer in meinem Besitze befindlichen Hau»ord- nnug über die gerichtlichen Gefangenen flu» auch die UntersuchungSgesange- neu genöthigt, an den im Scsängvlß verrichteten Arbeiten thcllzunehmen. Es scheint mir die» mit der Strafprozeßordnung für die neuen Provinze» vom 25. Juni 1867 in tviderspruch zu stehen. Ebenso erhalten die Unter- suchungSgefavgenen nur j de» Berdtenste« ihre« Arbeit, wie die Slrafge« sauainen. In einem mir speziell bekannten Falle warde ein Handwerker in Untersuchungshaft genommen und setzte währeud derselben seine gewöhn- liche Arbelt fort. Nach seine» Freisprechung beschwerte er sich, daß er nur ein Drittel de» Verdienste» ausgezahlt erhielt, und bekam die Antwort, daß ans Gcnud einer Mlnlsterlaloerfügung vom Jahre 4370 zwischen den Ar- Helten der Straf- und der NntersnchungSgesangenm kein Unterschied gemacht werde. Jnstlzmlnlster Dr. Leonhardt: Ich kann die Bechältaisse Im Augen- blick genau nicht übersehen, werbe dieselben aber nntersachen lassen. Abg. Winbthorst(Meppen): Die Zaiage de» Ministers ist sehr er- frenlich. E« handelt fich hauptsächlich um die Frage, ob ein Untersuchung«- gefangener überhaupt dem Arbeitszwange uuterworfeu«erden darf. E» widerspricht die» meine» Erachtens sowohl dem Wortlaute de« Gesetzes, als auch der Natur der Seche. Ebenso erhalten wir über die Behandlnng der poltilschkn UntersuchnngSgefangenen die traurigsten Berichte. Man entzieht ihnen die Möglichkeit, stch nach Wunsch geistig zu beschäftigen, indem mau fie nöthigt, zn bestimmter Stunde das Licht auszublasen und dergleicheu. Ich wünschte, daß auch hier die Abhülfe nicht lange auf fich warten ließe. Justizmlnister Dr. Leonhardt: Ich will diese» Versprechen hiermit gegeben haben. Sodann fand am 25. Februar eiae recht lebhafte Berhaod- luuz über die Lage der politischeu Gefangenen statt. Dieselbe geben wir in Folgendem: Abgeordneter Freiherr von Heeremann: Bei der Berathnng de» Etat» de» Ministerium» de» Inner», bei den betreffenden Titeln und auch vorher schon in den Berhandlunge» de» Reichstages, ist die unbedingte Nothwendi.krit eingehend erörtert, daß eine bestimmte Regelung der Straf- Vollziehung durch gesetzliche Anordnung vorgenommen, und Insbesondere Ist auch hervorgehoben und allseitig anerkanvt, daß vorher schon, bevor diese gesetzliche Regelnag möglich sei, durch Berordnang nähere Bestimmungen in dieser Beziehung getroffen werde» sollten. Ich muß Ihnen«inen neuen Beleg für die nndediuate Nolhwcsdigkcit einer schlenuizen Regelung dieser Angelegenheit hier vorführen; e» betrifft Borgänge, theil» im G-sängniß zu theilweise verstäudlich sein. Als kritischer Denker steht er uuau- gefochten da. Keiner, deu seine Hand getroffen, hat jemals den Schlag verwunden. Es besagt wenig, ob ein ausgezeichneter Mann der Wissenschaft sich in diesem oder jenem rinzelnell Punkte geirrt hat. Die Fluth der Zeit spült den Jrrlhum fort, die Menschheit erbt den Rest. „Der alte griechische Philosoph Heraklit, welcher so lange der Gegenstand von Lassalle'g Studien war, bediente sich einer M-nge vilschitdeuer fiaubildlicher Ausdrückt, um sein Prinzip zu bezeichnen: Fener, Strom, Gerechtigkeit, Krieg, unsichtbare Har- movie, Bozen uud Leyer; fie fallen Einem unwillkürlich ein, wenn man nach einem Symbol sucht, welche« daS LebenSPriozip Ferdi- naud Laffalle'S bezeichnen könnte. Irgendwo in einem Briefe, der voll Ungeduld über die langsame Entwicklung der Ereignisse ist, gebraucht Lassalle deu Ausdruck:„meine glühende Seele"; unter Taosendeu, welche eine Redensart wie diese, die zur Phrase geworden ist, auweuten möchten, hat er allein fie ohne Uebertrel- bong gebraucht; in feinem tiefsten Innern war wirklich Etwa«, das dem Feuer g'ich. Seine glühende Liebe zur Wissenschaft und zur Erweiterung seiner Kenntnisse, sein Durst nach Gerechtigkeit und Wahrheit, seine Begeisterung, sein unbändiges Selbstgefühl, seine tiefe Eitelkeit, sein Muth, sein» Freude an der Macht: Alles trug deoselbm flammend«» uud verzehrenden Charakter. Du Lichtbringrr war«r uud eiu Flammeubriuger; ein Lichtbriuger, verwegen uud trotzig wie Lacifer selbst, ein Fackelträger, der gern fich selber durch deu Schein der Fackel, mit welcher er Klarheit brachte, in volle Beleuchtung stillte. In der Welt Heraklit'« waren der Bozen uud d'e Leyer im Verein da« herrschende Pein- zip; die Leyer ist daS Symbol der Harmonie, d. h. der vollende- ten Bildung, der Boge» mit seinem tödtlichen Souneupfeil be- zeichnet Thätigkeit und Leroichtuug. Auch i» Laffalle'S Geiste herrfchteu Boge» med Leyer im verein, die vollendet, theoretische Bildung und»er ristlose praktisch« ThätigkeitSdranx. Selten ist, k» der Weltgeschichte«in solcher Verein theoretischer und prakti-' scher Begabung erblickt worden. Aber der, welcher Lassalle im Beginn seiner Lanfbnhn beobachtet hätte, würde, wenn er einen zugleich sympathischen und vorwärtSschauenden B'ick besaß, ans ihn die Worte haben anwenden können, dir er selbst von dem alten ueuplatonischen Denker Mex'moS von TyrnS erwähnt:„Ich verstehe den Apollo, Bogenschütze ist der Gott und der Tonkunst Gott, und ich liebe seine Harmonie, aber ich fürchte sehe Ge- sch'ss«." „Lassalle war in Breslau geboren; sein Bater war ei» nicht heroorcagend begabter, aber braver und rechtlicher Kaufmann, beide Eltern israelitisch. Der Sohn war ursprünglich für den HaudelSstand bestimmt; da er jedoch auf der Handelsschule zu Leipzig vur gerivge Fortschritte machte, beschloß man, ihn durch Privatunterricht in seiner Vaterstadt fich ans die Universstät vor- bereiten zu lassen. Lassalle war seiu ganzes Lebeu hindurch der liebevollste Sohn, uud daS Verhältniß zwischen ihm uud seiner Familie nach jüdischer Weise ein sehr inniges und feste». Die Mutter hing während Laffalle'S ganzer Laufbahn mit größter Begeisterung an dem Sohne, fand fich in Alle«, wa« er unter- nahm, und fand zuletzt Alle« gut. „Ein deutscher Dichter, der Lassalle nur ein einzige« Mal in einem Concert gesehm hatte, sagte zu mir:„Er sah au«, wie lauter Trotz; abir auf seiner Stirn lag eine solche That- kraft, daß«S Einem nicht hätte wundern mögen, wenn er fich eine» Thron erobert hätte." Im ionersteu Kern also eine Thatkraft, die Hindernisse ans« suchte uud Hindernisse überwand, uud die fich alle Mittel zum Sieg«, die in seinem Gemüth lagen, dienstbar machte: Kaltblütig- keit, Kampflust, Ehrgeiz, unüberwindliche Sicherheit des Auftretens im entscheidenden Augenblick. „Schon als Knabe vou 15 bis 16 Jahren warf Laffalle fich in einer de» häuslichen Frieden störenden Angelegenheit zn« Familieuchif auf, trat Eltern nud Erwachsene» gebieterisch gegen« ' über und ordnete durch sein energische« Benehme» eine schwierig« Müost-r, ta meiarm Wahlkreis-, thcil» ia der Strafanstalt zu Eleve, und nicht blo»,«eil fie elne» Beleg bieten für die Nothmendigkeit, maß ich fie hier vorführen, sondern auch um deswillen,«eil fie an und für fich nach meiner Meinung außerordentlich bedauerlich und ttaueig sind. Ich möchte hierbei aber zugleich voraudschikeu, d-ß ich nicht einzelne Personen oder einzelne Beamte deschuldigeu will; ich halte mich au diejeuigeu Be- Hörden, die ressortmäßig für diese Sachen verantwortlich find, resp. sein müsse». Am 15. Januar wurde nach einem UntersuchungStecmiue wegen Pceßvcrgehea der Redakteur deS„Westfälischen Merkur", Dr. Winkl», ver- haftet, und zwar aus Grund einer mündlichen Anweisung des Unter- suchunzSrichters. Es wurde ihm mitgethült, er fei mit Beziehunz auf den s 203 der Keiminalordnung jetzt zur Haft zu'-ringen.§ 208 lautet — Sie erlauben, daß ich ihn Ihnen vorl-se, es find nur eiu paar Worte: „Diebe, Betrüger und ähnliche Verbrecher werden in der Regel jederzeit verhastet; andere BerSrecher in der Regel nur, wenn die Strafe, welche fie zu erwarten haben, wahrscheinlich einjährige Ein- sperrung übersteigt." Dann heißt es in§ 209: die Hast muß u. A. emtretrn, „weau der Richter dl« begründete Besorgniß hat, daß der Verbrecher feine Freiheit zur Flucht oder zur Letdnnkluug d-r Wahrh.it uud Erschwerung der Untersuchung mißbrauchen werde." Und ferner§ 210: „Tritcu jedoch besondere Umstände ein, welche den Verbrecher d-r Flucht»der be» Mißbraach« der Freiheit gar Verdunkelung der Wahrheit nicht verdächtig machen, oder leistet er nach der Bestim- mnnz des Richters eine annehmliche Ka'tian, so kaua er während der Untersuchung ans freien Füßen gelassen werden, wenn die ihm bevoistehende Strafe wahrscheinlich eine dreijährige Gefaugeuschast nicht erreicht." Der Redakteur Wlukler bestreitet uobediugt, daß er zu dem Verdacht Veraulassnug gegeben habe, er werde fich durch die Flucht der Strafe ent- ziebeu; eZ sei Ihm nie ia bea SIua gekommen, er Hab- fich auch nie so ge- äußert. Aber ich will diese Frage hier nicht weiter untersuchen; ich kann nicht untersuchen, ob der Richter eiucu»bjektiveu Grund zu der Berhaslmig hatte. Ich will die« aber anuehmen und kann dieseu Fall richl kcitificen, weil er uutirlegeu hat der richterlichen Beurtheilung d-r Ariminalablhellunz des Gericht», worüber mir keiuc Kritik zu letzt. Da-» iiv Münster kein GerichtSgesängniß zur Zelt giebt, so wurde der Redakteur Winkler In'» Zuchthaus geführt, und nun bitte Ich zu bemerken, wie er bort begrüßt worden ist. Es wurde zuerst sein Nttlouale aufzeuommen, dann wucdeu ihm Geld uad andere Gegenstände, die er bei sich führte, abgeaammen; darauf wurde er entkleidet, ganz ohne alle Ausnahme, oollständtg eutkleidet uud untersucht, wie man e» bei allen Zllchtlingen zu thun pflegt, tu Gegen- wart de» einen Hausdiener», eine« Zitchtling» und eine» jungen Dieust- applikanten Der Direktor der Strafanstalt war bei der Einlseferanz und jenem Borgange nicht iu der Anstalt anwesend, und ich will überhaupt, wie ich vorausschicken möchte, gegen die Beamten der Strafanstalt in keiner Weise hier irgend e'nen Borwurf erheden, insbesondere aber nicht gegen den Direktor der Anstalt, welcher mlr al ein durchaus pfllchtgetrruer uud iu jeder Bczlehung ehrenwerther Beamter bekannt ist, der jedeufalls genau nach b-n Instruktionen und Welsuug-n gchaudelt hat, wie er dir« auch thuu mußte. Dasselbe möchte ich schon hier auch für deu zweiten Fall, den Ich gleich noch vortragen werde, geltend machen, daß nämlich gegen die Be« «utteu, und zwar gegen die Ober- und Unterbeamten der Strafanstalt zu Cleve keinerlei Borwurf erHoden«erden soll. Nach dieser freundlichen Be- Handlung wurde der Redakteur Dr. Wirher in eine Gefäugnibzelle geführt, die iu der g-wöhullcheu Weise meublirt und ausgestattet war, wie da» üver- Haupt bei solchen Orten de« Fall zu sein pflegt. Sie enthielt ein Bett mtt einem Strohsack, einem gebrauchten B.tttnch uud einer duntm Dicke, auch e!u Strohkiffeu. Dann w reu darin zwei Schemel ohne Lehn-, ein zer- schnittener Tisch, ein Kübel und eine alte, ganz dürftig koustruirte Lampe. Um 6 Uhr Abendc, also gerade wie die Zöglinge, mußt- er sich auf den Strohsack niederlegeu und oa» Licht auslöschen Am anderen Morgen um 5 Uhr wurde ihm allerdings Litt gebracht, er mußte aufstehen, bekam aber nicht eiamal W»sch»asscr; jedoch wurde Ihm, was ich hier besonder» her- vorhebe, gestattet, fich selbst zu bekösttgen und zu verpflegen. Er wurde darni in Reihe und Glied der übrigen Sträflinge dem Arzte vorgestellt und ihm bedeutet, daß er auch seine Zelle auszufegen und fein Bett selbst zu machen Hab-, demnächst, daß er bi» ans eine Eatfernung von 2 Fuß nicht an'» Fenster gehen und da« Fenster nicht öffnen dürfe. Aus Brrlangen wurde ihm Papier gegeben, jedoch maßte er das nicht beschriebene zurück- g-ben. Ebenso mußte er au demselben Tage Abeab» 6 Uhr die Lampe wieder auslöschen. Am folgenden Tage, einem Sonntage, wurde er trotz seine» Verlangen» nicht mit den übrigen G-fa-igeuen zur Kirch- der Anstalt geführt. Ich habe vergessen anzn'ühren: am Tage vorher, am Sonnabend Äbcnd, als» 28 Stunden nach seiuer B-rhafiung, wurde ihm erst d-r schrist- liche BerhaflSbefehl vorgezeigt. Am Sonntag setzte er eine Beschwerde au da» KrelSgericht auf. Am Montag wurde ihm bedeutet, die Beschwerde sc! gegenstandslos geworden, weil die Freiheiten, die er wolle und die er selbst gewünscht habe, ihm von nun an g-stat'ek selen. Ich bitte zu er- wägen, e» war am vierten Tage setner Gefangevschast. E» wurde nun auch in jeder Weis gnt mit ihm»erfahren; die Zelle wurde aasgeriist-r und insbesondere bekam er auch rire Matratze, uad er hatte auch manche Freiheiten, so daß in dieser B.zichung kein Tadel mchc zu erheben ist. Auch wurde ihm bedeutet, daß er gegen Bestellurg von 3000 Thaleru Kaution ftelgelassen werden könnte. Die» Anerbieten wurde aber später, Ich weiß nicht näher an» welchem Grunde oder in weicher Weise, wieder zu- rückgenommen. Die Gefangennahme war am 15. erfolgt, am 21. wurde ihm angezeigt, alle Feelhelteu, die er bisher gehabt hä t-, würden ihm wie- der genommen mit Rücksicht auf einen Artikel de»„Westfälischen Merkur". Ich bitte, zu beachten, der R-bakteur fitzt im Gesängniß, die Zeitung bringt einen Artikel, und er soll dafür büßen. Ob der Artikel zu scharf »der Uurichtigkciteu enthielt, weiß Ich nicht, jcdenfaüe konnte der Redakteur doch uicht dafür verantwortlich sein. E» wurde Ihm als» die Matratze fortgenommen, und e» wurde ihm bedeutet, baß er olle anderen Freiheiten, die ihm bisher gestattet seien, nicht mehr genießen könne; j-doch am selben Tage noch, am Nachmittag glaubt Ich, wurde ihm geslatlet, stch sein eigene» Bett zu bestellen. Ts ging nan ein Tag hin. Dara s beschwerte ,r stch beim UalersuchungSrichter, und erhielt er die gewünschten Freiheiten in nur Sache. AlS dreinubzwanzigjährizer Jüngling pflegte er während feiner ersten halbjährigen UatersuchaugShaft, weit eutfernt, sich der GefSvgnißordumu.ztt fügen, den Schl eßern Befehle zu er- theilen, und wollten diese ihn irgendwie ihre Autorität empfiadea lasse so führte daS zu den heftigsten AuftritttN. Als er erfuhr, daß seine Schwester ein Guadenzesach für ihn eingereicht hatte, richtete k sofort ein Schreiben an dm König, um sich gegen jedes MiKverpändoiß za fichero. Es war etwas von einem Cäsar iu diesem Jüngling, den geäugstigte Bürgersleute dereinst für einen Catilina halten sollten. Er war für die Macht ge- schaffen, er war zum Herrscher gestempelt, uud da er uicht al« Prinz ober Edelmann, sondern als Kind deS Mittelstandes und einer zurückgesetzt-.» Race geboren war, so wurde er Deukrr, Demokrat und Agitator, um auf diesem W-ge daS zu erreichen, für das er geschaffen ward. Nicht als ob Lassalle stch dessen be- wüßt gewesen wäre. Allei» BieleS, was dem Bewußtsein a'S Ziel vor Augen steht, ist für die Natur bl»S Mittel, uud die Natur in ihm dürstete nach Macht, Geltung, ja selbst»ach dem Glänze und dm Jabelrofev, die dem bedeutenden Führer eiueS BolkeS oder eines Standes zukommen, und zwar zu derselben Zeit, wo fie ihn ans der äußersten Linken geboren werden ließ uud ihm als Erbthrtl die Uafreiheit uud da« Unrecht von Jahrhuu- derte» zn rächen gab— mußte er fich da nicht frühzeitig zu- gleich als Revolutionär uud al« Chef fühlen? Diese Anlagen begegneten sich mit dem Einflüsse der modernen Wissenschaft, und Lassalle war zum Maune der Wissmschaft augelegt; aber die ganze moderne Wissenschaft arbeitete ihrem Wesen nach im Dienste de« radikale» Fortschritt?, and je tiefer Jemand von ihrem Geiste ergriffe» ist, desto stärker fühlt er fich zur Opposition wider AlleS getrieben, wa« nur die Autorität de« Ueberkommeueu befitzt. Schluß folgt.)