Nr. 84. Diese Zeitung erscheiut dreima wöchentlich, und zwar: Dienstag», Douuerstag» uod Sonnabend» Abend». Alouucmeuls- Nreis: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich prae- numcrando 1 Rm. 9b Pf., monatlich 65 Pf., ein- zelne Nummer» 10 Pf.; bei den Postämtern w Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 60 Pf., frei in'» Hau« 2 Marl. Krenzband-Lbonnement« pro Quartal u. Sremplar: Für Deutschland und Oesterreich 2 Am.— Pf. - Niederlande und Belgien. 3- 60• • England und Frankreich. 4» 80• • Amerila(Verein. Staaten) 5- 50- Bestellungen auf Areuzband-Ab onnemeut» sind nur bei der Expedition aufzugeben und müssen prao- numerando gezahlt werde». Inhalt. Der Friedrichshai« zu Berlin.(Gedicht zum 18. März.) Gedanken am üS. Mär». Politische Ueberstcht: Ledochowily.— Au» Leipzig. M-cklen« bmgisches.— Aus England.— Zum Arbeiteruuglllck in Meißen.— Die Annoncen als Spiegel der heutlgeu herrschenden Gesellschaft. Socialisteuprozeß. Korrespondenzen: Berlin.— Ludwigshafen.— Freienwalde.— Fraukfnrt a. M.— Berlin.— Magdebmg.— Harbmg.— Kassel.— Eilenburg. Markooic t» Die traurige Lage der Schleifer. Die TodeSvoUstreckunge« de» franzvfischen Convent». tuittung. prechsaal.> B ermischte». Feuilleton: Barbe« und Blanqui und der Ausstaud von 1839. (Fortsetzung.) Der Friedrichshaiu zu Berlin. Im stillen Friedrichshain», Da ist ein weite» Grab; Mao senkte die Gebeio» Gefallener Kämpfer hinab. Hinauf zum Friedrichöhaine Wogt' einst ein langer Zag, Al» man im Sonnenscheine Hinan» die Tobten trug. Wie wußte man da zu melden Von glorreichem SiegeSgefecht, Und von gefallenen Helden, Gefallen für Freiheit und Recht. Wie haben da um die W:tte, Gehuldigt die großen H-rrn, DI», mit der goldenen Kette, Und die mit Band und Stern.— Im stillen Friedrichshaine, Gebettet kalt and hart, Da woderu die Gebeine, Die dort mau eingescharrt. Und denen von SiegeSkränzeu Die Stirnen einst umweht, Die»erden jetzt sonder Grenzen, Gelästert und geschmäht. Ja, früher waren e» Helden, Die tief dort unten roh'a— Und jetzt die Blätter melden Von ihrem eitelen Thon. Von ihren Leichensteinen Der Fahnenschmuck geraubt; Au ihrem Grab zu weinen, Selbst da» ist kaum erlaubt.— Die Alten haben die Fahne Der Freiheit verlaffeu uau, Und sprachen laut vom Wahne Der Jagend und ihrem Thun. Die Jungen, fie aber schmücken Dir Gräber de» FriedrichShaiu Und schauen mit hellen Blicken Hinauf zum Frührothscheiu. Barbös vud Blanqui und der Aufstand vo« 1839. (Fortsetzung.) In unserem letzten Feuilletouartikel hatten wir die große Demonstratio« der Pariser Arbeiter vom 17. März 1848 ge. schildert, sowie die darauf folgend« Kopflostjkeit der provisorischen Regierung. Ja der ersten darauf folgenden Woche hätte wenig gefehlt und die Regierung hätte an» Angst vor einer Arbeiterrevolatiou de» Sodalisten Konzessionen gemacht. Schon verhandelte man, wie wir gesehen haben, mit vl'araai über dessen Eintritt in die Re- gierung. Doch endlich siegte die zum äußersten Widerstande eut- schlosseoe Partei, und nnn wurde da» früher vou uns ausführlich geschilderte BerläumdungSkomplott gegell Blangai in'» Werk gefetzt, um ihn bei Barbe» und anderen Socislisteuführern zu ver- dächtigen und so ein« Spaltung herbeizuführen. Leider glückte diese» B-rläamdungSsystem im ersten Moment und wir finden seine Früchte am 16. April bei eirtkr neuen De- moustratiou. Ja ihrer Schildernnz wollen wir wieder Stein folgen; derselbe schreibt: Der J. März, indem er da» Proletariat zum erste» Male al» selbststäubqen Körper der Bonrgeoifle gegenüber gestellt hatte, hatte zugleich d» Bewußtsein von der Gefahr erweckt, in welcher e» schwebte. Sie Arbeit de» Gedanken» war thätig; thätiger «och da» Gerücht. Die Wahlbewegungeu fingen an, stärker zu werden. Die Bougeoifie ihrerseits begann, sich»ach Waffen vmznseh'n und fich«reit zu halte». Sie wollte um keinen Prei» eine Wiederholung de. 17. März; fi. wollte der Rigieruu, ein» feste Stütze geben. Berlin, Freitag, den 19. März 1875. Sie denken der alten Helden Mit frischem stolzem Math— Und später« Zeiten melden, Daß fie, wie jene so gut! Gedanke» am R8. März. Unter dem lauten Trinmphgeschrei einer Reaktion, die ihre» Gleichen sucht, ist der Gedächtaißtag ernster weltgeschichtlicher Er« eigoisse, der 18. März, wiedergekehrt. In allen Ländern Europa'» erheben die Feinde der Freiheit und der Arbeit ihr trotzige» Haupt und vermessen fich, den SodaliSmu», die hohe Idee der Zukauft, niederschmettern zu können. Die Kerker find angefüllt von Männern, welche die Wunden der Menschheit aufzudecken und zu heilen bestrebt find; aber die schamlosen Beschöuiger de» Laster» und der AuSbeutuug, die mit wüsten Berläumdungeu gegen jene geächteten Sscialisten in einer knechtischen und bestechlichen Presse vorgehe», die Fälscher der Ge- schichte, die Feinde der Wahrheit bieten mit frechem Hohne Jeder- mann marktschreierisch ihr Lügingebräu feil. ES giebt keinen noch so berüchtigten Hebel de» verrosteten Rüstzeug«» der Reaktion, welcher nicht au» dem Moder hervor- gesucht würde, keine Lüge und Jutrigu«, welche nicht angewandt würde, um die Sache de» SocialiSmo» zu schädigen, welche doch wahrlich Sache aller Menschen sein sollte, denn in jenem Prinzip verkörpert sich aller gerechte Freiheitsdrang, all» brüder- liche Gleichheit, alle» Erhabene und Begeisterte, wa» nur ein Meuscheaherz erregen kann. In der ganzen Kulturwelt toben gleichwohl heute Stürme gegen den SodaliSmu». Frankreichs Machthaber find mit de» Gewaltmaßregelo, mit dem Belagerungszustand, den Deportationen, der Knebelung de» freien Worte» und der Presse noch heute nicht zum Schlüsse gekommen. Und dennoch, jeder Tag zerrüttet mehr da» Gebäude dieser Regierung. Bajonette find genug da, nur schade, auch Mac Mahou, der ErstÜrmer de» socialistischen Paris, merkt die Wahrheit de» Worte»:„Man kann mit Bajonetten Alle» mache», nur nicht fich darauf setzen." England bietet un» ein gleiche» Bild. Der Hunger ist die Waffe, mit welcher die BergwerkSkönige ihre Arbeiter zu Paaren treiben wollen, von denen Zehntauseude von der Arbeit ausgeschlossen uod irodlo» find. Doch, mag auch der Hanger- thphuS in die dampfen Hütten sich einnisten, die Männer der Arbeit trage» ihr Haupt stolz aufrecht und wanken nicht. Bei un» daheim tu Deutschland weht im heurigen März wahrlich kein freie? Märzlüftchen, wie im Jahr» 1848. Es ist die dumpfeste ReaktiouSlnst, in welcher nur„Reptile" fich wohl befinden.„Märzerrungeufchaften", da» Wort klingt wie Spott!— Und dennoch nicht Einen unter den Geächteten und Gehetzten, den Socialisteu, giebt e», welcher verzweifelte an dem endlichen Triumph feiner Idee, welcher nicht vertrauensvoll am großen Werk der Zukunft fortarbeitete. Ja, Sodalistmhetze überall— aber überall auch ver- gebliche Sodalistenhetz:, auS welcher der für Wahrheit und Recht begeisterte Mensch nur neneu Muth und neue Kraft schöpfen wird.— Wie schön paßt doch der 18. März, der Tag, welcher die Pariser Commune gebar, de» Feiaden deS SodaliSmu», um an ihm ihr gefammte» SchimpfwörterUxikon auszuschütten.— „Ihr Sodalisten wollt, daß die Menschen unter einander ran- den, morden und brennen! Ihr wollt jede Kultur und 5. Jahrgang. ReiaKtiou»ut trpeditioae Merkt«, Orauienstraße Nr. 8, 80. Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spedi� tenr entgegengenommeu. Inserat» (nur in der Expedition aufzugeben) werden pro ffinsgespaltene Petitzeile mit 50 Pf. berechnet. Bersammlunasannoncen die b-gefpaltene Petitzeil«»der deren Raum 20 Pf. SogenauMe Steuame-Anzeigev werden nicht aufgenommen. Ordnung zerstören!"— so erschallt die Anklage in alle» er« denklicheu Tonarten. Ihr kläglichen Denunzianten, Ear» Anschuldigungen zeugen uur davon, daß Ihr selbst Ench für kein erhabene» Ziel, für keine reine Idee begeistern könnt! Wir Socialisteu wollen, daß die Menschen fich unter einander lieben, daß fie brüderlich arbeiten; daß an Stelle de» heutigen Kampfe» Aller gegen Alle völlig« Eintracht trete. Wir wollen die wahr« so- ciale-Ordnung, die Organisation der Arbeit, welche au Stelle der heutigen Unordnung, der planlosen Produktion und gauoer- hasten Spekulation treten soll. Wir wollen, daß die Kastor und Sittlichkeit der Menschheit fich ans da» höchste Maß entwickle. Da« ist unsere Lotwort auf den Gistschwall unserer Feiode. Und wenn dann trotz alledem da» höhnend» Wort erschallt vou Jenen, welche auf die Berfolgungeu pochen und von der Socialisteuhetze den Untergang der großen Arbeiterbewegnug er- warten:„Ihr Socialisteu, alle» Strebe» nach Gleichheit und«ach Abschaffaug der überkommenen Machtznstände wird erfolglos fein; die Weltgeschichte zertritt die socialistischen Ideale, und ihre Vorkämpfer gehen für einen Tranm nutzlos al» Märtyrer zn Grunde",— nun, dann erheben wir stolz da» Haupt, weifen hin auf die großen Männer aller Zeiten, auf Sokrate», auf die Gracchea, auf Spartaca», auf Savooarola, auf Huß, auf Ga» liläi, auf alle Jen«, welche gerangeu und gelitten haben für wahre, einst verspottete Ideen, welche heut« längst siegreich und zum Gemeingut Aller geworden sind. Und dann rufen wir laut: So wird auch die Freiheit, so wird der SocialiSmu» trotz aller Opfer an» dm Gebeinen der Märtyrer der Renzeit emporwachse» und die ganz« Mensch« heit beglücken. Wir vertrauen auf den Sieg der gerechten Sache, wir arbeiten uod wirken für ihren Triumph, und sollten wir alle darob zu Märtyrern unserer Ueberzevguvg werden, nun, dann de- glücken wir doch kommende Geschlechter!— Politische steberjicht. Berlin, den 18. März. Papst Piu» hat den iuhaftirten Erzbischof vou Posen und Gnesen, Grafen LedochowSki, zum Kardinal ernannt. Ein ueoer Hieb im Kulturkampf. Im Stadtkreise Leipzig findet demnächst wiederum eine Neuwahl zum Reichstage statt, da der bisherig»„Vertreter" des- selben, Dr. Stephani, sein Mandat niedergelegt hat. Ja Mecklenburg, dem Paradiese der Junker, kamen vor Kurzem im Laadtage die Unglücksfälle aa den landwirthschaft« lichen Maschinen zur Verhandlung. E» ist wirklich kaum glaub- Haft, wenn man erfährt, daß die mecklenburgischen Krautjunker dabei entschieden Opposttiou machten, daß gesetzlich Schutzvorrich« tungen an ihren Maschinen etngeführt werden. In der betreffenden Sitzaug kam Folgende» vor: Al» nämlich Bericht über die beau- tragte Verordnung zur Verhütung von Unglücksfällen durch laad- wirthschaftliche Maschinen erstattet und dabei feiten» der Bericht- erstattung betont wurde, daß alljährlich Hunderte von Personen Gliedmaßen oder Theile von Gliedmaßen durch landwirthschaft- liche Maschinen verlören und in F'lge dessen die Triebräder, Messer u. s. w. mit ein'r Ummantelong zn umgeben feien, daß auch ferner keine Kinder bei der Arbeit ans den Maschinen ver- wendet werden sollten, erhob fich in den Reihen der Lsudjaukil «in gewaltiger Sturm. Nach h'fiiger Debatte, in der ein edle» Juukerlein die Anficht aussprach, diese Verordnung sei für die Die Führer de» Proletariat» dagegen begannen ihr Werk aus'» Nene. Ja der Regierung selbst kam es zu heftige» Strei- tigkeiteu. Die Anzeichen der Niederlage de» socialistischen Ele- meut» in den Wahlen mehrten fich. Umsonst arbeitete Ledru- Rellin Tag und Nacht, so daß seine Kollegen fich über seine Abwesenheit in ihren Berathuugen beschwerten. Bon dieser Seite war keine Hoffnung. Endlich trug er, auf da» Kräftigste unter- stützt von Louis Blauc und Genossen, nochmals auf Aussetzung der Wahlen an. Da» Gouvernement hatte sie zuerst für den Anfang April bestimmt. N einem heftigen Streit», den selbst Lamartine nicht verdecken k o, fiegte die gemäßigte Majorität über die radikale Partei, �ie Wahlen wurden ans den 27. April definitiv ausgeschrieben; die Eröffnung der Kammer auf den 4. Mai festgesetzt. Jetzt glaubte die Majorität die Diktatur ab. gewendet zu haben; es kam uur darauf an, bi» dahin die Orb- nnog aufrecht zn halten. Allein dazu wäre dennoch ein evtschiedeue» Austreten erfor- derlich gewesen. Der 17. März aber hatte»inen tiefen Eindruck auf die Mitglieder der Regierung gemacht. Sie glaubte sich nicht im Stande, dem Proletariate zu begegnen. Di» Führer de» letz. tereu fühlten da» heran» und wußten«» zu benutzen. Loui» Blanc, um seine schwankende Pepnlarität wieder zu gewinnen, veraulaßte die Kommisfion d:S Lrxemburg vou der Regierung' zn fordern, daß dieselbe auf ihre Koste» zwei bi» drei Avgeord- oete de» Luxemburg in die Provinzen sendete, um auf den Geist der Wahlen einzuwirken. E» lag ein große» Bewußtsein ihrer Kraft in dieser Forderung; die Regierung aber, anstatt derselben entgegen zu tretm, gab nach und bewilligte die Forderung. Neue Agitationen begannen. Man mußte, so schien e», in jedem Falle den Wahlen zuvorkommen. Bielleicht, daß eS diesmal gelang, die R-gierung zu stürzen. Des Anlaß dazu gab die Wahl der Offiziere in der neu orgaoistrten Nationalgarde. E» war den Arbeiter» gestattet, vier- zehn Offiziere zu wähle». Bom Loxemburg au» wurde» nun die Geweike befchiedeo, am 16. Aoril fich auf dem MarSfelde zu ver- sammeln, dort fich über die Wahl zu vereinbaren, und dann auf'» Stadthaus zu ziehen, um der provisorischen Regierung eine Petition zu übergeben. Die Clubb» schlössen fich dem an. Eine große Manifestation bereitete fich vor. Die ganze Macht de» Proletariats sollt« aufgeboten werden. E» hieß, wie noch Proud- ho» aogiebt, daß Ledru-Rolliu und Causfidtäre im Geheimen die Bewegung begünstigten. Dunkle Gerüchte verbreiteten fich in Pari». Man war in tiefster Spannung. Jodessen waren die Führer durch den Ausfall de» 17. März klüger geworden. Sie wußten, daß dieser Tag durch Mangel an einem bestimmten Plane gescheitert war. Jetzt ward daher ein förmlicher Plan entworfen. Aus den Hauptleiteru bildete sich ein geheimer Wahlausschuß, der im eutscheideuden Augenblicke die Gewalt in seine Hände nehmen sollt«. ES ward eine neue Liste der Regierung eptworsen; Waffe» wurden angeschafft und Alle» zu einem Aufstände vorbereitet. Die Gefahr schien drohender, als je. Die provisorische Regierung wußte mehrere Tage vorher um Alle». Schon am 14. April gestanden Louis Blauc und Albert im Rathe der Regierung, daß fich eine solche Manifestation vor» bereit«— um entschiedener die Vertagung der Wahlen und die Beiseitigung sonstiger Beschwerden zu erlangen, al» am 17. März. E» waren natürlich leere Worte, al» Beide versprachen, so viel an ihnen sei, die Demonstration zu verhinderp. Lamartine selber Neuer MMtmkä, Eigenthum der Lassalleauer. ivkvvi. uuu/ tawuu� i«»aj anitug ver Slt« gitrusg dieses Schutzgesetz, aber uur Vorlävfiz auf 2 Jahre, an- aenommeo. Glücklich«? Mecklenburg I Unter den von den Grubenbesitzern ausgesperrten Berg- und Hüttenarbeitern ia SüdwaleS iu England herrscht die gräßlichste Roth. Au verschiedenen Orten ist bereits der Hungerl�pbuS ausgebrochen. Ein in der englischen Presse mehr- fach abgedruckt? Brief auS Merihyr ziebt ein düsteres Bild von der Lag« der LsSgesperrten. ES heißt ia demselben u. N.: „Obwohl die Pfarre alleS Möglich« thut, die KrifiS abzuwenden, find, bei der rtefigen Natur der letzteren, die Austrengnngen, welche wir machen können, uugevügtad, allen Auforderungen zu entsprechen. Wir haben buchstäblich Tausend« vou Männern, Weibern und Kiudern ia großer Roth. Di« Einwohner vou Merthyr haben jetzt eine HülfSkasse für Kinder von 13 Jahren und darunter gegründet. Die Unterstützung wird vor Allem auf die Kinder beschränkt bleiben; sollten jedoch genügend Fonds zn- fließen, so werden wir dieselbe auf die Weiber ausdehnen. ES find thatfächlich Kinder gesehen worden, welche Abfälle(Zar- bage) auS Sautrögeu und vou Misthaufen aßen Der EauitätSbeamte hat bereits mehr» Fälle von Hau- gertyphuS berichtet. Subscriptioneu werden dankbar ange- nommeu u. s. w. Merthyr, 25. Februar 1875. John Griffith, Rektor von Merthyr, Vorfitzender deS HülfScomiis'S." * Utber das Arbeitttllllgluck i» Meißen, über dessen Vir- lauf wir schon neulich von Herra Thieme in Meißen«ine» Bericht in unserem Blatte veröffentlichte», theilt der„BolkSstaat" noch nachträglich einen Brief mit, de» ein Leipziger Parteigenosse von seinem ia Meißen beschäftigten Bruder erhalten hat. Der BÄef lautet: „Lieber Bruder I Unserer Verabredung gemäß will ich Dir in folgenden Zeile» mittheilen, waS ich über die Verhältnisse ia der Zünderfabrik vom Bater, der während der Cxplofion iu der Fabrik beschäftigt war, erfllhren habe. Dn weißt doch, daß es Fastnachtdienstag war, and da habe» viele Leute gefehlt, trotzdem de» Tag drei Fuhre» Garn vom Bahnhof gefahren worden wa- reu und die vierte noch hereingebracht«erden sollte. Es sollte auch noch ein» Fuhre Zünder auf die Bah» kommen, welche aber «och nicht gepackt waren und noch zwei Treppen hoch lagen. Hierauf hat der Vater und einige Mädchen das Garn herein- «ud die Zünder heruntertragen müssen, und dabei hat der Herr stets getrieben, da die Zünder noch fort sollten. Wie mir der Vater sagte, ist eS nicht möglich gewesen, das noch auszuführen, da nach drei Uhr noch eine Fuhre Pulver gekommen war, zu welcher wieder Leute gebraucht wurden; der Vater ging darauf, da ihm daS Tragen zu schwer wurde, auf de» Bindesaal an seine gewöhnliche Arbeit. Dort angelangt, wollte er gerade seine Ar- beit bezinueu, als die Explosion erfolgte. DaS Fenster, au dem er stand, wurde hinauSgefchleudert und er selber über einen Tisch geworfen. Der Vater erholte fich von dem Schreck und steht, wie das Feuer zu allen F«nsteru aus dem Maschinensaal her- auskommt. Schnell eilt er herunter und nach dem anderen Ge- bände zu der Trepp«, die hinaufführt, wo die Schwester Elise und die anderen Mädchen arbeiteten; kaum da angekommen, schlägt die helle Flamme, so weit, wie die Trepp« ist, heiunter, und auS den Flammen stürzt ein Mädchen, über und über brennend, herunter. Der Vater fängt sie a»f(sonst war von den Männer Niemand zu sehen) nnd wirft sie in den Schnee; er läuft dann wieder nach der Treppe, Elisen erwartend; da kommt ihm wieder eine Andere entgegen, und auch bei dieser ge- lingt eS ihm, die Flammen mit Schnee zu löschen, dann ist er wieder hin, und jetzt ist ihm Elise, brennend am ganzen Leibe, mit dem Rufe:„Ach, mein lieber Vater!" in die Arme gestürzt. Jetzt erst kam der Feuermann dem Vater zu Hülfe und dann zwei HauSgenoffeu vom Vater, welche Elisen nach Hause brachten. Der Bater hat dann noch von feinen Sachen gerettet, was zu retten war. Während der Bater die drei Mädchen rettete, stand der Herr mit seiner Frau weitab, und befahl den Leuten, sie sollten nur die Kutsche herausholen, daß die nicht mit verbrenne. Zu Haufe wurde Elise von einem Militärarzt mit Leinöl eiuge- rieben und dann im Siechkorbe nach dem Krankenhause geschafft. Dort frug der Vater Elisen, wie daS Feuer entstanden sei, wor- auf Elise sagte:„Ich«erde eS Ihnen noch sagen, ich weiß ig." Jede weiter« Unterredung wurde vou dem Krankenwärter unmög- lich gemacht, da er de» Vater hinanSwieS." Der„BolkSstaat" schreibt dazu: Hiermit schließt daS Schrei- beu des Meißener Arbeiters. Wem die Schuld au dem Unglück beizumessen, ist bis zur Stunde noch nicht festgestellt. Hoffentlich aber ist die Arbeiterin, welcher die Katastrophe bekannt ist, noch am Leben; und da es vou Wichtigkeit ist, zu erfahren, wen die Schuld trifft, ob den Fabrikanten oder die Arbeiter, so ersuchen wir hiermit den Briefschreiber, Erkundigungen einzuziehen nud den Sachverhalt zu veröffentlichen. —--»------- setzte sich in Berbtnduug mit Blanqui und BarböS. Er hielt dies für daS geeignetste Mittel, jeder offeneu Gewalt, die er am meisten fürchte, zuvorzukommen. Er gab fich alle Mühe, sie zur Versöhnung zu bringen. DaS war aber auch AlleS, waS die provisorische Regierung that. Die Führer begriffen bald, daß sie vou dieser Regierung wenig zu fürchten haben würden. Ihr Math wuchs. Aber während sich die Masse vorbereitete, ihren Führern zu gehorchen, entstand unter diesen selbst eine Spaltung, die mehr als alles Ander« zum Ausfalle jenes TageS beitrug. Louis Blanc— dessen Gedanken nur im Lvxemborg weilten, wie Proudhon sehr richtig bemerkt, wollte mit der ganze» Manifesta- tiou nicht», als eine Erzwingung großartiger Maßregeln für die Organisation der Arbeit. Blanqui dagegen, der eben so entschie- deue Feinde als Freunde hatte, arbeitete dahin, die Regierung überhaupt zu stürzen. Die mehr republikanischen als socialisti- scheu ClubbS dagegen, namentlich der ClubbS der Menschenrechte, au dessen Spitze Barles stand, waren abgeneigt, für die Dikta- tur, komme st« nun unter LouiS Blanc oder unter Blanqui, zu kämpfen. ES war daher kein rechtes Eiuverständniß vorhanden. Eben so wenig wußte die Regierung, was fie wollte. Sie hatte weder Truppen, noch Plan; fie fühlte fich durch den inneren Zwiespalt gelähmt, und in ihrer Unfähigkeit zu jeder großen Maßregel überließ fie die Stadt fich selber. DaS ist daS Be- zeichnend« dieses Tage», daß er durch diese beiderseitig« Einheit»- lofigkeit gleichsam den elementaren Kampf der beiden Klassen der Gesellschaft darstellen mußt«. Indessen erklärten fich am Sonnabend, den 15. April, die ClubbS in Permanenz. Di« Masse fummelt« fich auf dem Mar»- "«er yamvurger„Freischütz" gefiel sich vor einiger Zeit darin, einen AuSzug auS dem AMtolltiNthtil unseres Blat- teS zu bringen, und zwar di, BergnügungSauzeigen, und maßte fich an, daran» zu schließen, daß der Arbeiter doch sehr gut ge- stellt sei» müsse, wenn derselbe fich an einer so„ungeheuren" Anzahl vou Vergnügungen betheiligen könne. Wir haben uuS nun einmal daS Vergnügen gemacht, eine klein« Auswahl von Annoncen zusammenzustellen zur Charakteristik de» fittlichen Zu- stände» der heutigen sogenannten besseren Gesellschaft. Bemerken wolle» wir nur, daß di« Berliner„Bosstsche Zeitung" am größ- ten i» diesem Fache ist. Doch zur Beruhigung de»„Freischütz" wollen wir noch hinzufügen, damit derselbe nicht etwa auf die Idee komm«, als käme so etwa» nur iu Berliner Zeitungen vor, daß alle Ham- burger Zeitungen, die Schreiber dieses sehr genau kennt,«'»en- falls genug solcher Annoncen enthalte», daß also der fittliche Zu« stand in Berlin nicht schlechter, als iu Hamburg ist. (.Tribüne" Nr. 52 vom 3. März 1675.) Damen erhalten in diskreten Angelezeuheiten geheime Winke und rasche Hülfe bei strenger Diskretion. Anfragen mit der Adresse: Dr. C. Amour befördert die Annoncenexpedition von Rudolf Messe, Elberfeld. 8689 („Vosfifche Zeitung Nr. 52 vom 3. März 1875.) Eine anständig«, honuete junge Frau bittet iu ihrer mo- mentau bedrängten Lage eine» älteren, reichen und edeldenkenden Herrn um ein Darlehn von 30 Thalern bei prompter Rückzah- lang. Diskretion gegenseitige Ehrensache. Nur wirklich reell« Offerten(mit Angabe der Adresse, unter welcher ich dem Herrn meine Wohnung angeben kann) werden unter Gl. 93 iu der Bosfischeu ZeitungSexpedition erbeten.(Rendezvous entschieden unberücksichtigt.) Rath und Hülfe in jeder diskreten Angelegenheit Frau Hebeamme Crison, Neue FriedrichSstr. 69, 2. Eingang 1 Tr. Damen finden freundliche Aufnahme, sowie Rath und Hülfe iu jeder diskreten Angelegenheit in der geheimen EutbinduugS- anstatt Berlin, Fraukfurterstr. 112. Mmihe, Hebamme. Sollte die Dame im mit schwarzem Pelz verbrämten Mantel, welche am Sonntag, den 21., Nachmittags, von der Fried- richsstr. und Linden bis zum Restaurant Poppenberg einem Herm folgte, mit diesem iu Veekehr zu treten wünschen, wolle fie die» in der Kölner Zeitung unter X. 20 Berlin gefälligst anoeuteu. („Bosstsche Zeitung" vom 9. März 1875.) Ein gebildeter Herr gesetzten Alters sucht Bekanntschaft mit einem anständigen jungen Mädchen oder Wittwe. Adrcss n unter GL 121 in der Expedition der„Voss. Ztg." Ein geist- und gemüthvoller Herr in guter Lebensstellung nnd in 40er Jahren wünscht mit einer eben solchen allelnstehen- den Wittwe in denselben Jahren ein FreundschaftSverhältniß an- zuknüpfev, bafirt auf gegenseitige Hochachtung und Zaoeigaug und Ausschluß jeden pekuniären Interesses. Gefällig« Offerten unter IX 121 in der Exped. der„Boss. Ztg." Eine alleinstehende Dame(Wittwe) bittet einen edeldenkenden Herrn um ein Darlehn vou 50 Thlrn. auf monatliche Abzahlung. Adressen unter Ii. 123 in der Exped. dieser Zeitung erbeten. Et» Herr in vorgerückten Jahre», wohlfitnirt, von außer- halb, wünscht fich bei einer eben solchen alleinstehenden Wittwe einzumiethen. Adressen unter 0. 122 in der Expedition der »Boss. Ztg." Ein gesundes, hübsches Mädchen, 1 Jahr alt, soll au wohl- habende Leute verschenkt werden. Tef. Adr.«erden nnter Becker, postlagernd, Ritterstr. 26, erbeten. („Boss. Ztg." vom 11. März 1875.) Xeoonobement seeret. Dame» finden unter soliden Be- dkngungen vollständig verschwiegene Aufnahme bei der Stadthebe- amme Frau Wittwe Frick, Köpnickerstr. 128. Damen, die im Stillen ihre Niederkunft abwarten wollen, finden unter der größten Pfleg« nnd Abwartung in strengster Diskretion liebevolle Aufnahme bei der Hebeamme Grünbaum, Berlin, Elisabethstr. 24. Zwei gut gefittete junge Damen(Freundinnen), denen eS an Herrenbekanntschaft mangelt, suchen auf diesem Wege einen Gefährten durch'» Leben. Nur e&eldenkende Herren mögen ihre Adressen unter strengster Diskretion unter Chiffre W. 75 in der Postexpedition 41 niederlegen. Vermögend« Damen, die durch ein anständiges Ehepaar mit heirathslustigen Offizieren auf diskrete Weife Bekanntschaft an- knüpfen wollen, werden gebeten, durch dir Annoncenexpedition von Albrecht, FriedrichSstr. 74. in vorläufige Korrespondenz zu treten nnter A. Nr. 101. Eine gebildete erfahrene Wirthin, eigen in ihrem Fach, von angenehmem, liebenswürdigem Wesen, sncht ein ältlicher Herr. Photographie erwünscht. Adreffeu unter R. 12 Postamt 2. Eine Dame wünscht einem Herrn die Wirthschaft zu führen felde,«ud«tu Tag, ähnlich dem 17. März, schien beginne» zu wollen. Allein unterdeß war die ganz» Bourgeoifie, schon lange durch die wachsenden Gerücht« vorbereitet, anfmerksam geworden. Die ganze Nationalgarde hielt fich bereit. Wer di« Zustände von Paris kannte, mußte wissen, daß fie auf's Aeußerste entschlossen sei, keine Proletarier zu dulden. Die Arbeiter waren unbewaff. net. ES konnte durchaus kein Zweifel über den Ausfall de» TageS sein. Die Regierung verstand nicht, die» Kraftverhältuiß zu beurtheilen. Aber Ledra.Rollin, au der besten Quelle aller Nachrichten, wußte es. Gab er fich der Manifestation hin, so war er zwar der Abgott der Masse, aber zugleich ein verlorener Mann; trat er gegen fie auf, so büßte er seine Popularität bei den Massen ein, aber er behielt seine Stellung und sewe Macht. Er rechnete richtig. Es kam darauf an, der schwer gereiz- ten Bourgeoisie nur das Signal zu geben zum Zusammen- treten. Und Ledru- Rollw gab dasselbe.- Er ließ den Appell schlagen. Die Nationalgarde war in einem Augenblick« wohlge- waffnet und gerüstet versammelt. Sie stellte fich, die Bajonette auf den Gewehren, auf dem Greveplatze auf. Rings um daS Stadthaus, fo weit das Aug« reichte, auf de» Brücken und in den Straßen glänzt» und wogte e» plötzlich iu Waffen. Nie- mal» hatte Paris«ine solche Entwickelnug seiner Waffenmacht gesehen. Gegen diese geschlossenen, tapferen und festen Bataillone war an keinen Angriff zu denken. Nu» kämm die Arbeiter vom Marsfelde heran, an ihrer Spitze di« Deputation. Sie wurden mit Hohn und Grimm empfangen. Di« Nationalgarde fällte die Bajonette; kaum, daß «an di« Wenigen, welche di, Deputation leiteten, zum Stadtoder mit auf Reisen zu gehen. Nähere» Gr. FriedrichSstr. 35, IU. bei Zahrn von 3—5 Uhr. Eine junge anständige Witt«« von außerhalb wünscht eine Stelle als Wirthiu bei einem anständigen Herrn. Adressen iu der Expedition dieser Zeitung unter v. 136. Eine alleinstehende Wiitw« iu Mittlerin Jahren wünscht einem Herrn die Wirthschaft zu führen. Näheres Loaisenstr. 59, 2 Treppen link». Die Bekanntschaft einer hübschen, jungen Dame sucht ei» gebildeter, vermögender, junger Manu, der ungern fich allein amüfirt. Adressen mit Photographie unter B. B. postlagernd Postexpedition Bellealliaucestraße. („Bosstsche Zeitung" vom 16. März 1875.) Ein Kaufmann, ehrenhafttu Charakters, vou gefälligem Aeußern, Mitte der 30, möchte gern mit einer achtbarm ver- mögenden Dame ein reelle?, inniges FreundschaftSverhältniß schließen. Damen in gefetzten Jahren, mit gleichen Wünschen, die zu diesem Gesuch Birtraueu haben, belieben behuf» diskreter Annäherung iaS Weitere unter X. 159 in der Expedition dieser Zeitung niederzulegen. Einer anständigen junge» Wittwe ist durch Krankheit der Hausstand ruinirt und bittet dieselbe flehentlich einm ältliche» Herrn um ein kleines Darlehn zur Aufhülfe. DaS edle Herz, welches man zu finden hofft, wird gebeten, gefällige Adresse uu« ter W. 158 in der Expedition dieser Zeitung abzugeben. Eine junge Dam», welche durch Krankheit außer Stellung und in Verlegenheit gerathen, bittet«deldeukende Herren um Rath und Hülfe. Gefällige Adressen befördert unter IX CT. 828 Rudolf Masse, FriedrichSstr. 66. Dienstag, den 16. März, früh 10 Uhr, begann vor der VII. Deputation deS Berliner Stadtgerichts der von uu» bereit» gemeldete große Socialistevprozeß. Die 12 Augeklagren waren sämmtlich anwesend. Di, Vernehmung der Angeklagte», sowie der Zeugen fand ihren Ochluß erst gegen 7 Uhr Abends. Don- nerftag beginnt die Verhandlung bereit» 9'/z Uhr. Ja der nächsten Nummer werden wir ausführlichen Bericht erstatten. Berlin, 1. März.(Dl- Seldaotb der Kirche.) Moata», den 8. Februar, wurden mittelst Aufrufs die Mitglieder der Nazareth« Kirch. n> Gemeinde zu einer Berfammlung auf 7 Uhr Abends ln der Razarethiirchc ia Moabit bei Berlin eingeladen. Zweck der Zusammen- kunft war die Abschaffung der Tran-, Tauf« und Begrädnlßgebsthren, sowie der Klingelbeutel- und Beckengelder und der Kirchcnfltzmiethe. Höchst ge« spannt«warteten wir den Abend, ohne begreifen zu können, wie die Kirche, bei der e» fast fie» geheißen:„Kein Gel», kein Schwiizcr!" auf einmal den Mammon so von fich weisen solle. Zur festzesitzten Stunde begaben wir uu» in'« Gotteshaus, worin in ehrfurchtsvoller Stille schon eine ziemliche Anzahl Personen versammelt war. Voc dem Altar war der Vorstands- tisch, von welchem au» kurz nach unserem Eintreten der Pastor Distel- kamp die Bersan.mlunz eröffnete, jedoch nach ausgesprochenem Wunsche eine» der Anwesenden dieselbe ans eine Viertelstunde vertagte. Mittlerweile war eine so große Anzahl Gemeindeglieder erschiene», wie fie die Kirche wohl auf einmal noch nicht gesehen halte. Die Berhandlungeu wurden nunmehr wieder aufgenommen.„Die Wichtigkeit und der Ernst der hmli« gen Zusammenkunft erheische», daß wir mit Gebet anfangen," so begann der Herr Pastor, und schloß dann sein Gebet mit de» Worten:„Du, Herr, wirst Jedem da» wahre Wort ln den Mund legen, daß er uu» die lautere Wahrheit spricht." Daraus schilderte er die G fahren der heiligen Kirche, indem er ausführt«, daß eit eise bewegte Zelt sei, In der wir lebten, und Aller Augenmerk ans die Kirche gerichtet wäre. Die evaugelische K'rche— so fuhr er fort— ist nicht todt, sondern es ist noch junges Leben In ihr. Jeder muß mit volle» Kraft da» Versäumte nachzuholen streben, und«er etwa» vernachlSsfigt hat, möge eS nachholen durch vermehrte Thätigkeit, dann wird eS besser»erden. So unser Hur Pastor. E» erhält sodann das Wort der Herr KKchcuralh Schulz. Es wird bekannt sein— so be- ginnt derselbe— daß, nachdem die neuen Kirchengesetze eingeführt worden find, winiger Taufen und Trcunngen in der Kirche vorkommen. E« fragt fich nun— so fährt er fort— wie die Kirche fortbestehen soll, wenn nicht die Ausfälle gedeckt werden. Run handelt e« fich aber darum, wie diesel- beu zu decken find. Die» könne nach ihm uur dadurch geschehen, daß nach\ Berhältniß der Einkommensteuer, die Jede« zahle, elu bestimmter Betrag aufgebracht werden müsse, denn die Summe, welche aufgebracht«erden muß, damit die Kirche bestehen kann, ist eine ziemlich bedeutende. Für den ersten Prediger verlangt er incl. der Beiträge de« KonfistoriumS 1500 Thlr. (Ruf: DaS Ist zu wenlgl)(Der zweite Prediger wirb vollständig vom Kon- fistorium bezahlt), für diu Küster incl. der Beiträge de« KonfistoriumS 900 Thlr., für den Kantor 60 Thlr., für den Kirchendiener 200 Thlr., für den neu anzustellenden Gteuererh-b-r 200 Thlr., für den TodtengrSber 450 Thlr. und für den Orgelbauer 60 Thlr.; außerdem für die Eommuu'ou, Licht, Petroleum u. f. w. 120 Thlr. Snmma 3050 Thlr. Redner fährt sodanu fort: Da» ganze Kirchenvermögen unserer Gemeinde beträgt 1100 Thlr. und wir wissen nicht, wie wir weiter bestehen sollen, wenn der StaeeV uns nicht Borschuß leistet. Die Einnahmen werden Immer geringer.(Oh Wehl) Bon 305®e. burten wurden 170 getauft. Ruf:(Roch diel zu viell) Bon 66 g-schilosse« neu Ehen sind 14 kirchlich eingesegnet.(Ruf: Gleichfalls zu vieli) Das neue Gesetz hat alle diese Folgen hervocgernfeu, beginnt jetzt'jtt Lehrer Gelter. Wer aber noch den Glanben an Jesu» ThristuS hat, dir muß taufen lassen, und de» kirchlichen Segen» dürfe fich elu wahrer Christ nicht entziehen. Darum wollen wir sagen, die Taufe und Trauung find um- sonst, damit den Leuten der Grund genommen w'rd, daß fie sogen,„ach wa«, da» ist mir zu viel Geld." Die Steuer, welche ein geführt»erden soll, wird ungefähr fich so beziffern, daß auf jeden Thaler der städtstew hauS durchließ; anch diese nicht ohne allerlei wörtliche und thät« liche Insulten. LoniS Blanc und Albert waren bei der Regit- rung. Sie fühlten fich geschlagen und schwiegen. Die Depnta- tion brachte ihr» Petition vor. Sie war bedeutungslos und ward knrz und kühl behandelt; di» Deputation zog fich zurück; die Arbeiter gingen davon, Grimm im Herzru. Di» National- garde behauptete drn Platz. Niemand griff fie an. Sie hatte schon an diesem Tage die Arbeiter vernichtet. Aber sg weit war eS noch nicht gekommen. Sie begnügte fich mit ihrem nnblntigen Sieg; fie hatte fich in ihrer Kraft gefühlt. Da» Proletariat hatte seinen wahren Gegner gefunden. Die Natsonalgarde defi. lirte dann om Stadthanse vorbei, nutz: dem bezeichnenden Rase: Nieder mit de» Commnnisten! Es qalt den UlttaS in der Rr- giernng, namentlich LoniS Blqnc and Albert. Man sah fie bleich und verstört unbeachtk! neben den übrigen Mitgliedern der Regierung auf dem Balkon deS Hotel de Lille stehen. Ihre Macht war z» End?. Die Partei der Ordnung hatte definitiv den gonvernemenfülen Social'.SmnS im Gouvernement befiegt, die NatiollZlgarde hatte die Arbeitermasse erdrückt; vou da an hatte LoniS Blanc alles Gewicht verloren; feine eigene Partei verlor das vertrauen zu ihm; Ledrn-Rollin hatte feine Stelltuf am den Preis seiner Uvpopnlarität erkauft; im Proletaräte selber war tiefe Spaltung; Barbs» war Blanqui ensremdet; man traute fich gegenseitig nicht mehr; die rein» Demeraiie trat ganz entschieden auf die Seit« de» Bestehenden; die besitzende Klafft hatte, bloS durch den gewaltig!« Druck ihrer Masse uud ihres Willen», den ersten mächtigen Sieg über d.S Proletariat ge« wonuen. (Schluß folzt.) Mnkowmillstm» rtwi 3 Szr. K-rchenyeucr zu zahlen sind. Geld und nochmals Geld Ist uSthIg, um des Institut der Kirche zu eihaltrn Di« Kirche wird aetrageu von Leuten, die etwas gelernt haben, und diese dür- fen nicht so karg besoldet«erden. Man kann den reichen Leuten nicht zu- muthen, daß sie die Kirche allein(?) erhalten sollen. Sei diese» AuSfüh. rangen hatte» sich oft MißfallSbezelgnngen hören lassen. Nun erhielt ich da« Wort, und an den Stufen des Altars waren wohl noch nicht solche Worte gesprochen worden. Ich wies nach, wie man jetzt bei den schlechten Zeiten mit einer neuen Steuer, die größteuthell» die dem Arbeiterstande angehörigen Gemeindemitglieder ungemein belaste, nicht vor» gehen dürfe, denn, wäre diese Steuer einmal cingesührt, so würde mau sie nicht wieder lo». Es sei überhaupt merkwürdig, daß man alle diese Spar- teln und Gebühren ungerecht finde, man könne glauben, e» geschähe au« lauter Humanität und Thristealtebe, wenn man nicht wüßte, daß durch die Klrchevgesetze die kirchliche Magcnfrage in ein schlimme; Stadium gerathen sei. Da man früher nicht so human gewesen, so sühle ich jetzt auch kein Bedürfaiß, die Kirche aus der Klemm' zu befreien. 1500 Thaler find, so sage ich mir, viel zu viel für die geistige„Arbeit" eines Pastor?. Und wenn das neue Pfarrhaus für 41,000 Thaler fertig ist, so erhält der- selbe auch noch freie Wohnung. Da möchte ich auch so ein geistiger Ar« beiter sein, zudem durch die Kirchengesetze die Arbeit so sehr erleichtert ist. Ich schloß mit den Watten: Der Staat will Steuern, die Commune will Stenern und nun kommt noch die bedrängte Kirche; da bleibt am Ende nicht« übrig, als: wir zahlen Steuern und leben von dick.r Luft. Ein brausender Beifallssturm erhob fich und immer wieder ertönte Bravo. Ich hatte das Richtige getroffen. Nach mir sprach unser Freund C. Gutheit, welcher sich meinen Ausführungen anschloß und den Modu» der Einkommensteucr-Eiuschätzung, sowie die darauf bafiren sollende Kirchen- stener einer herben Kritik unterzog. Als er geendet, erscholl von Neuem brausender Beifall. Als darauf der Pastor Distelkamp arfiag zu sprechen, begann ein furchtbarer Lärm. Es wurde abgestimmt, ob die Versammlung weiter tagen sollte,»der nicht. Man entschied fich für da« Letztere. Nachdem die Ruhe hergestellt, sprach der Herr Pastor etwa Folgende«: „Gerade die kleinen Leute sollen weniger zahlen; die Kirche hat noch nicht» von den armen Leuten genommen.(Ohol und Gelächter.) Der Kirchen- rath hat dies« reue Stcuereintheilung für eine Wohlthat gehalten, weil da- durch die reichen Leute mehr bezahlen müssen. Ich z. B. muß bei 40 Thlr. Eiakommerstener 40 mal 3 Sgr. zahlen, so viel zahlt ein Armer nicht. Die reichen Leute haben fich dadurch ein- große Last aufgebürdet.(??) Ich g> langte nochmals zum Wort und erilärte dem Herrn Pastor, daß den Ar« meu die Steuer deshalb so sehr drücke, well er fie sich abdarben müsse; wenn der Herr Pastor 40 Thaler Einkommensteuer zahle, so blieben Ihm immer noch 1460 Thaler zum Leben, da könne er schon 4 Thaler Kirchen- steuer bezahlen, aber ein Arbeiter mit 200 Th-ler jähr ichem Einkommen, der fühle eine solche Steuer schon als-ine große Last. Oft würden Fälle vorkommen, wo zum Wohle der Kirche der Exekutor einen nothweudiger WftthschaftSgegerstand abpsände. Mit 1460 Thalern, die dem Herrn Pastor bleiben, ist da« Hungern eine sehr schwierige Sache. Schließlich protestirte ich unter allgemeine, Zustimmung gegen die beabsichtigte Eiusührong einer Kirchensteuer. Herr R-umann schließt fich meinen Auiführungra au. Der Herr Pastor frigt an, ob man damft einverstanden sei, daß von 300 Thlrn. Einkommen die Steuer erst beginne. Ruf:„Nein! nein! gar keine Steuer, wir können sie nicht bezahlen 1" Inmitten dieser Aufregung ergreift ein KircheurathSmftglied da« Wott, nachdem vorher Dr. med. Karpin noch für die Stener gesprochen und erllätt, die Gemeinde habe eigentlich gar kein Recht, mitzusprechen, daß sei bloS Liberalität de» Kirchemath», daß er die Versammlung berufen. Wa» hierauf folgte, war wirklich ohrenbetäubend, so groß war die Entrüstung ob dieser Worte. Niemand war im Stande, mehr ein Wort zu sprechen, und so wurde die Bersamm ung ausgelöst, ohne daß ein bestimmter Beschluß herbelgefühit wurde. Lebhaft habe ich und meine Freunde diesen Ausgang bedauctt. Ja, es wird wahr bleiben, wa» Mephisto im Faust spricht: Die Kirche hat einen großen Magen, sie hat schon sehr Vieles vertragen, und e» ist ihr noch nicht übel geworden, und der Stifter hatte nicht, wo er fein Haupt hinlegte. Als größtes Gut der Himmel Ist zu preisen, Der Erde Güter, da« ist. eitel Dunst; Den schönen Spruch uns zu beweisen, Ist jedes Pfiffleins größte Kunst I Dieweil für«nsern Pfuhl von Sünden, Wir büßend all-r Lust entsagen, Da läßt er fich bei fetten Pfründen, Die frommen Opfer sehr behagen. Max Stöhr. LuWiMafen, 16. März.(BersammluuzSauflösung.) Gestern fand hier im Lokale zur neuen Anlage ein« Volksversammlung mit der Ta- geSordnuvg:„Die Aufgabe der Soclal-Demokratie" statt. Kaum hotte ich jedoch mit meinem Vortrag begonnen und al» ei» charakteristische« Bild unserer heittigeu Zustände de» Ofenheimer Prozeß erwähnt, al» der über« wachende Polizeitommissär erklärte, er dulde eS nicht, daß über einen zu Ende geführten Prozeß gesprochen werde und schließe hiermit die Bersamm« lung. A!.f meine Bemerkung, daß da? Schließen der Versammlung Sache de« Vorsitzenden sei und der Vertreter der Polizei nur da« Reckt habe, bei uuz chen Anträgen die Versammlung aufzulösen, erwidette er: Mit Jh: habe ich gar nicht» zn sprechen, Sie haben gar kein Recht, und wenn Sie nicht ruhig find und sich sofort entfernen, lasse ich Sie verhaften. Dabei rief ein Schlossermelster, Namens Müller:„So, da» ist recht, Sie und die ganzen Social-Demvkrat.n gehöre» eher in'» Zuchthan», als der Herr Ofenhelm." Die Anwesenden treunten fich in aller Ruhe, doch wird Freitag wieder-Ine Versammlung stattfinden. Zn bemerken ist noch, daß der Herr Kommissär dem Elnbcrufer bei der Anmeldung sagte, er solle fich schämen, derartige Versammlungen einzuberufen. Also schließlich soll man sich noch schämen, wenn man seine verfassungsmäßig zuerkannten Rechte ausübt. Soll man fich nicht auch schämen, Soidat zu werden? Mit so- cial-demokratischem Gruß Aug. Drcesdach. ?reienwfllde, 14. März.(Volksversammlung) Heute hielte» ier zum ersten Male eine zahlreich besuchte Volksversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand„die heutige Produktionsweise und die ttau- rige Lage des Arbeiterstande«". Referenten waren die Herren Baethke und Bog. Kapell aus Berlin. Zum Borfitzenden wurde Herr O. Kapell au» «etlin gewählt und Unterzeichneter al« Schriftführer. Beide Redner be- wiesen sehr trefflich, wie das Großkapital, um so zu sagen, ei»»roßer magnetischer Berg sei, der den Mittelstand nnd da« Klcinmelstetthum all- mählich»»schling e, und daß deshalb der Mittelstand mit dem Arbelterßand Hand in Hand gehen müsse,»eil nur durch eine Bereinigung da« wahre Menschcuthum erstehen könne. Mit einem dreifachen Hoch auf die Arbeiter- fache schloß ble schöne Versa r mlung. Mit social-bemokratischem Graß F. Jacobse». Frankfurt a. M.» 14. März.(Allgemeiner Bericht.) M»»tag, den 8. ds»., fand Hierselbst im Lokale„Zum Tunnel" auf der Zell eine stark besuchte«»lkSv:rs-mmlung statt. Die TageSorduuug lautete- Der Prozeß Ofeuheim; defiaitlve Gründung eines social-demokratischen Wahl- verein». Referent für den ersten Punkt war Parteigenosse A. Sab«. Dcr- ftlbe legte unter scharfer Kritik das System der heutige» Gründungen bloß 25.. i? daravf h'u, daß Haschen nach schnellem Reichthum die sittliche Grundlage de» Staate» unterwühle nnd dadurch dem Staat da» Gepräge de» Klassenstaate» aufdrücke. Die Freisprechung Ofeuheim'» de-. »eise diese» evident und zugleich, daß die Karruption da« Previleg der Heu- tlgen sogenannten besseren Gesellschaft sei. Auch die Vorkommnisse In dem herrlichen Preußen, die Enthüllungen über Ehreo-Wagener, Fürst Putbu», Slrousberg und sonstige äußerst distinguirte Persönlichkeiten wurde gebühr- lich beleuchtet. Referent wie» zum Schluß darauf hin, baß e» Aofzabe der Soeial-Demokrati« sei, diese Schäden de» heutigen System» und der Gt« sellschast rücksichtslos zu beleochten, trotz Verfolgung und Leugnung der Thatfachen. Der zweite Punkt wurde von Ellner behandelt. Derselbe wie» darauf his, daß in den Kreisen der Arbeiter und einzelner außechalb de« Arbeiterstande» stehenden Männer, die Gefühl für Menschenwürde und BoltSwohl in sich tragen, da» Bedürfviß rege werde, eine Organisation zn schassen, die e» ermöglicht, Männer zu wählen,.die fich zn den Prinzipien der Social'Demokcatie bekennen und wahre BolkSverlreter sein werden E» habe fich bereil» bei der letzten RelchStagSwahl gezeigt, daß Hierselbst über 2000 Stimmen auf den social-demokratlscheu Aanbidaten fielen. Eine Organisation, richtig aebaudhadt, wüßte hier eine bedentenbe Majorität erzie- leu. Die henlige Seschäftskrlfi», die unnatürliche Steigerung aller»öchigen Lebensbedürfnisse, die unjlchereu polikischen Zustände gebieten dem rechtlich dt»ke»deu Menschen, fich einer Organisation anzuschließen, die e« fich znr Aufgabe stellt, Zustände zu schaffen, die dem iiicnschen seine Rechte und seine Existenz fichern. Nachdem noch einige Redner die Wichtigkeit da Gründimg eines Wahloereiu» dttouleu, wurden die vorha verlesmeu Sta« tuten ohne wesentliche»eudernllg mit Begeistern»« angenommen. Man schritt nun zur Wahl eine» provisorischen Vorstandes, nm Einzeichuimgeu von Nitzliedern vorneh i es zn können. Der definitive Vorstand wird in einer demnächst stattfindenden Generalversammlung gewählt. Auch wurde der Beschluß gefaßt, einen Bericht über den Verlauf'dieser Versammlung au die Redaktion des„Neuen Soclal-Dcmokcat" und de»„Voltsstaat" zur Veröffentlichung eluznfend-n. Die Haltung der Anwesenden war eine mnster- hafte! ein Bewri», baß die Arbeiter den Bestrebungen, die sie In sich ans« geuommen und erkannt habe», ihre Würdigung zu grbeu wissen. Ein herz- liche» Glück auf! dem nenen Verein. Der Schriftführer d r Volksversammlung: Fritz Ellner. Berliit, 11. März.(Zimmererversammlung.) Eine sehr gut besuchte Generalversammlung der Berliner Zimmerleute fand am heutigen Tage Sophienstraße 15 statt. Die Tagesordnung betraf dir Lohufrage für da» Jahr 1875 Dcr Borfitzenbe, O. Aaprll, refcrlrte in gediegener Welse über die sociale Stellung, welche der Zimmermann heute einnimmt und wie unhaltbar und dcr GeschästSkoujlluktnr unterworfen feine materielle Lage sei. Refer-ut bespricht da»-Hirne ökonomische Lohugesetz, welche» stch in der heutigen Arbeilskrise dem Arbeiter so recht fühlbar mache und ihm seine ehernen Fesseln aufdrücke, und kommt dann auf den Egoismus derjenigen Kameraden zu sprechen, welche fich SI» jetzt nm gar nicht» beküm- wert haben, sonders nur dann am Platze wären, wenn e» Borthcile zu ernten gebe. Dies müsse ander»«erden; drücke auch hin und wieder eise Arbeftskrise, so sei dieser Druck dennoch durch feste» Zllsamw-nhalt-n zu mildern, und sei es daher Pflicht eine« jeden in Berlin arbeitenden Zimmer- gesellen, sich dem Berliner Zimmererbund anzuschließen. Referent bespricht sodann die heutigen Arbeits- nnd AnkbeutnngSsysteme, al« die Lohn-, Ak- kvrd- und SovntagSarbeit, sowie die Ueberstmide», nnd hebt namentlich hervor, wie die Ueberstund-u- und die Akkordarbelt die Lag- der Zimmer- Sesellen verschlechtere u. s. w. Hierauf geht Rcferent ans die diesjährig« ohnfrage über und weist nach, wie nothwendig es fei, einen festen Minimal- lohn für die längste Arbeitszeit aufzustellen, damit auf jeder Arbeitsstelle ein gewisser Lohnregulator vorhanden sei. Nach den Berechnungen deS Bunde» der Berliner Bau-, Maurer- und Zimmcrmc stir habe der Durch- scholttslohn Im Monat Januar für achtstündige BrbeftSzrlt 3 Mark 80 Pf. betragen, als» pro Stunde 47j Pf. Wir wollen nun. so fährt der Redner sott, mit uusere« aufzustellenden MIaimallohn sehr bescheiden sein und eben- fall» nicht mehr als 47$ Pf. für die länger gearbeitete» Stunden bean- spruchen, wo also für lOzehvstitndlge ArbeitSzilt der Minimallohn 1 Thlr. 17$ Sgr.»der 4 RcichSwart 75 Pf. betragen würbe. Dieses Minlmalsatz aufrecht zu erhalten, Ist unsere erste Pflicht, wie wir da« Recht, den Preis unserer Arbeitskraft selbst zn bestimmen, acch nicht aus der Hand geben dürfen. Um aber diesen Minimalsatz fest z» halten, ist wieder die Orga« uisatiou nothwendig. Redner schließt unter allzemcinem Beifall, und c» erfolgen In der nun stattstadenden Pause viele Einzeichnungen in den Ber- llner Zimmererbund. Nach der Pause beginnt die Diskussion, an welcher sich die Herren Sennwitz, Ringmann II., El. holz, Mehl und Andere be- theiligeu. Sämmtliche Redner sprachen stch Im«sinne de« Referenten au» und ermahnten zum festen Zasammeuhalten. Einstimmig(indem diesmal jeder Auwesende dafür stimmte und fich nicht, wie die Baugewcrkzcitung Immer behauptet, der Abstimmung euthielt) werde» daraus folzeude Reso- lutioneu angenommen:„Die heutig- Generalversammlung der Berliner Zimmerlente erklärt: Die längste ArbeltSzeit im Jahre 1875, in der Zelt vom 15. März b!» 15. Otto ber, beträgt täglich 10 Stunden. Die Arbelt beginnt de» Morgens um 6 Uhr und hört bei streng. r Junehaltung der üblich-o Frühstücks-, Mittags- und B-SperzeU des Abends vm 6 Uhr auf. An den Sonnabenden ist 1 Stunde und an den Heilig- Abende»$ Tag ftüher Fei-rabend. Dcr Minlmallohn für die zehnstündige Arbeitszeit be- trägt 1 Thlr. 17$ Sgr.»der 4,75 Rm. Die Bcisammeltea erklären, mit aller Entschiedenheit für die Feflhaltung diese» MinimallohusatzeS, sowie dieser A-bsttSzell einzutreten."— 2)„Die Versammlung erklärt: Die Ueberstunden-, die Sonntags- und Akkordarbeit ist für die sociale Lage, sowie für die Gesundheit der Zimmerleute schädigend, und ist e» doher Pflicht eines jeden Zimmeraefellcn, fich solcher Arbeit nach Möglichkeit zu enthalten.— Hieran' wird oie Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Marzia», Schrlstführer. Magdeburg, 15. März.(Die Weißgerbergehülfen)«erden er- sucht, de» Zuzug nach Berlin und Neustadt- Magdeburg fern zu hatten. Näherer Bericht folgt. Julius Weiß. Harburg, 16. März.(An die Abonnenten des„Neuen So- cial- Demokrat"). Bei dem b-vorsteheuben Qnartolswechsel ersuche ich sämmtliche Abouueuten deS Parteiorgans«m rechtzeitige Bestellung desselben. Gleichzeitig ersuche ich auch Diejeslgeu, welche mit ihren AboauementS- gelber» roch Im Rückstand: sind, dies zu regeln, da es mir nicht möglich ist, Alles zn bestellen. Freunde und Patteigenossen, müssen wir ohnehin schon im höchsten Maße an den Staat steuern, wohlan denn, zeigen wir, daß un» diese Steuer leicht ist, indem wir uns dieselbe freiwillig auferlegen. Mit Gruß, F. Bucha p. Frankfrnt 0, M., 16. März-(Die Abonnenten) des„Neuen Social-Demottat", welche noch mit Abonuemeutsbelträgen im Rückstand« find, werben ersucht, dem Eolporteur Becker, welcher mit Quittung erschei- nen wirb, den Betrag einzuhändigen, damit der Unterzeichnete seine» Ber- Pfiichtungeu vachkommen kann. Für die Kommission: H. Prinz. Gaffel, 16. März.(An ble Abonnenten de»„Neuen Social- Demokrat" und des„Agitator".) Da mit dem 1. April ein neue» Abonnement beginnt und es nothwendig Ist, daß alle Arbeiter Abonnenten der Potteiblitter sind, so Ist eZ Pflicht, wenigsten» auf ein Organ zu abou- niren, den» ble Verfolgungen treten jeden Tag an die Arbeiter heran. Doch, Arbeit», laßt Euch darum nicht abschrecken, wenn Ihr sehet, wie viele unserer Brüder l» dem k-rker fitze», sondern tretet überall, wo Wahlvereine gegründtt find, denselben bei, damit wir 1877-Ine» Wahlsteg zu verjelch- nen haben in der Geschichte. Alle Arbeiter, ans zum Abonnement. Wer gewillt ist, zu abonuireu, der thue e» bis zum 27. ds»., denn vach dem 27. kostet da? Abonnement 1 Sgr. mehr. Bestellungen werden stets entgegeu- genommen beim Gastwirth Buhle und bei dem Unterzeichneten. I. Meise. Eileudurg, 16. März.(An die Abonneuteu be»„Neuen So- clal-Demokrat") Parteigenossen! Mit dem 1. April beginnt ein neue» Quartal. DI« Z-ItungSkommisfion wirb einige Tage vor dem 1. April die Gelder für das zweite Quartal-inholen. Die Kommission Ist sich wohl bewußt, daß die« Manchem schwer fallen wird, da wir un« jetzt noch in einer schlechten Zeit befinden. Thue aber trotz alledem Jeder, wo« er kann, und richte fich darauf ein, damit da» Abonnement ein recht zahlreiches werbe. Der„Neue Social-Demskrat" liegt in folgenden WIrlh- fchasten au«:„Auf dem Bergkellir",„Zur gut:» Quelle", Gasthof„Zum schwarzen Kreuz". Die Z-ItuugSkommIfston. * Am 28. Februar, favd in Berlin Sophienstraße 15 eine gut besuchte Volksversammlung statt. DaS Professoreuthum in und außer dem Landtage und die letzte ReichStagSsesston und der Finanzmiuister Camphauseu im preußischen Landtage lautete die Tagesordnung. Zum ersten Punkt sprach Freuad W. Frick auS Bremen in trefflicher Weise. Redner kritifirte d°S gegenwärtige uatioualwüthige Treiben der Professoren Treitfchke, von Sybel, Mommfeu und Koufoltes und verglich damit ihre Franzosen» kriecherei vor dem letzten Kriege. Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung referirte der ReichstagSabgeorduete Hasselman» in gediegener Weise. Beide Redner ernteten nugetheilte» Beifall. DaS Bnreau bildeten Baethke als Borsttzeuder, Bernstein uud H. Laug» als Schriftführer.— Eiae überaus zahlreich besuchte Bezirksversammlung fand am 11. März in der SocietätSbrauerei (Bergmauustraße) statt. Der ReichstagSabgeorduete Hafen- clever als Referent besprach unter großem Beifall den Miller- deusegeu und daS neue Laudsturmgesetz. Redner zog besonders ein» scharfe Parallele zwischen den wirthschaftlicheu Zuständen Deutschlands uud Frankreichs und zeigte, wie gerade die füuf Milliard'u für Frankreich zum Segen geworden wären, indem stch dadurch ein gesunderes wirthschaftliches Prinzip, als in Deutsch. laod, befestigt habe. Zum Laudsturmgesetz gab der ReichStagSab- geordnete Hafenclevtr zuerst»iueu historischen Rü olick und kritt» firte dann daS feig» Benehmen der Liberalen u» Fortschrittler bei der Debatte über daS Laudsturmgesetz im deutschen Reichstag«. An der darauf folgenden Debatte betheiligteu fich in eingehender Weife die Parteigeooffen Baethke und A. Kapell. Als Bor- fitzende fuugirteu Wievick» and Baethke, als Schriftführer H. Lange. Wien, 13. März 1875. Ein schwerer Schlag hat die serbische Social-Demokratie g«. troffen— der charakterfeste uud verdientest» serbische Socialist Svetozar Markovic lebt nicht mehr. Bor einem Jahre wurde er zu neun Monaten Gefäugniß verurtheilt uud, kaum aus dem Gefäagniß heraus, gründete der unermüdliche Kämpfer für die Rechte des arbeitenden Volkes ein neues Organ:„Die Befreiung". Aber in Folg» seiner Krauk- heit verließ er vor etwa zwei Monaten di, RedaktiouSstell« des Blattes und kam sach Wien behufs Wiederherstelluug feiuer Ge» fnndheit. Als fich aber sein Gesundheitszustand statt zu verbef» fern, noch mehr verschlimmerte, beschloß der B-rstorbeur, in ein wärmeres Klima zu gehen. Svetozar Markovic wollte nach Ra« gnfa in Dalmatieu reisen, aber unterwegs starb er in Trieft am 10. März d. I.— Sein Leben war nichts Anderes als«in schwerer Kampf mit den Repräsentanten der heutigen„Ordnung" — darum hat er eS verdient, daß man ihm zuruft: „Dich hat io'S Herz geschloffen daS Proletariat." Der B-rstorbene war noch jang— er zählt« erst daS 28. Lebensjahr. Die traurige Lage der Schleifer bei der Messerfabrikation, die schon mehrfach unsererseits in verschiedenen Artikeln beleuchtet worden ist, war unlängst wieder um Gegenstand eines Bortrages des Herrn da Nord im uiederöstrrreichischeu Gewerbeverein. Herr du Nord, nicht im Eotferntesteu Social. Demokrat, gab nun nachstehenden Bericht über de» in der Messeriudustri« von Ober» und Riederösterreich herrschenden Nothstand, den wir nach der Wiener„Gleichheit" im Nachstehenden«oseru Leier« mittheilen. Herr du Nord sagte' unter Anderem: „Die neueren Natioual-Oekonomen behaupten, daß der eng- tische Arbeiter, welcher sich, im Berhältoiß zu unserem Arbeiter, Uasummen verdient(!), doch nur nach dem Werth«(?) seiner Arbeit entlohut werde und bei genauerer Bilaaziraag seiner Ar- beitSleistaug eigentlich geringeren(?) Lohn erhalte, als der konti» nentale Arbeiter. „Nan, meint Herren, wenn dies auch richtig sein mag für die großen FabrikSstädte deS KoatiuentS, für den ländlichen Ja- dnstriebezirk Oesterreichs, aus welchem ich die vorliegende Kollek» tion(von Messern) mitgebracht habe, trifft bieS keineswegs zu; dies erkennen wir am beste», wenn wir die Berhältuiff« deS« jenigeu Arbeiters in der Messerfabrikatiou in'« Auge fassen, wel- chem der schwierigste, nugesundeste, ja gefährlichste Theil der Ar. beit zufällt. CS ist dies der Schleifer, dessen Arbeitsstätte im schönen Oberösterreich mich unwillkürlich an»in granfigeS Kapitel auS Darite'S Hille erinnerte. „Es war ein sonniger Sommertag, als ich das liebliche Steyerthal an dem Punkt« betrat, wo fich die durch«ine Brücke verbundenen freundlichen Schwrsterstädtchen Steinbach und Grün» bürg mit ihren netten Weißen Häuschen au die ziemlich steil ab» fallenden Thalwände bis herab zum User anschmiegen. „Der Reiz der an uud für sich romantischen Steher wird an dem bezeichneten Punkte noch durch eioe quer über den Fluß gebaute Wehre erhöht, welche daS schäumende Wasser zur Schleife. rei leitete. Durch die befand:re Natnrschönheit angezogen, stieg ich die wenigen Stufen zur Schleiferei hinab und befand«ich plötzlich an einer Stätte wahrhaften Elends. Der Kontrast mit dem wonnigen Sowmertage und der prächtigen Natur draußen mag Wohl auch auf mich gewirkt haben; unter alles Verhält» uissen aber war das, was ich hier konstatire, vollwichtig genug, um zu bezeugeu, daß der oberösterreichifch« Arbeiter in Bezug auf Leistung und Entlohnung weit schlechter daran ist, als der englische, ja daß unr an wenigen Orten gleich geringer Lohn durch gieich« mühe- und gefahrvolle Arbeitsleistung verdient wird. „Beim ersten Blicke fiel mir das schlechte Aussehen der hier beschäftigten Leute auf und besonders daS Angegriffene ihrer Augen. Selbst augenkrauk, intereffirte ich mich hierfür besonders und erkannte, daß kein einziger dieser Arbeiter ein vollkommen gesundes Auze besaß; einigt hatten ein Auge gänzlich verloren. Ich bemerkte wohl, daß Schleifbrilleu im Gebrauche waren, die» selben find aber so primitiv, daß fie uur geringen Schutz ge» währen, und doher von den Leuten oft gar nicht aufgesteckt wer» den. Eine sorgsame Fabrikinspektioo könnt« in dieser Richtung, wie in anderer, vieles Ersprießliche leisten. „Der Raum, in dem dies« Arbeiter den ganzen Tag zuzu- bringen, ist niedrig, dumpf, feucht und höchst schmutzig; daS Tosen deS WafferS, das Geklapper der Räder uud das Knirschen deS Stahles auf de» Steinen verbinden fich zu einem Toben, welches selbst meinen gewiß nicht verwöhnten Ohre» in karzer Zeit fast unerträglich wurde, „WaS verdienen nun die Leote durch harte Arbelt in die'er Hölle vom frühen Morgen bis zum späten Abend? Wöchenllich drei Gulden. Hierbei ist nicht zu übersehen, daß die Ar'-eiter fich in steter Lebensgefahr befinden, denn die Motion d«s Frei» Herrn von Wertheiw, au welche Sie, meine Herren, fi-h gewiß noch eriuuera, bezüglich einer Borrichtang zum Schutze der über oft zerspringeade» Sieiuen hängenden Schleifer, hol hier noch keine Wirkung hervorgebracht. DaS Zerspringe» eineS Steines aber ist fast ficherer Tod oder doch schwere Verstümmelung für den Schleifer. „Glauben Sie nicht, daß das Bersten«ine« Schleifsteine» «in uugewöhnlicher Fall sei, ich selbst traf mehrere arbeitSuofähige Krüppel, welch« die Rettung ihres elende» Daseins auS einer sol. chen Katastrophe nur einem Zufall verdankten. UebrigenS ist die Arbeit au uud für stch eiae sichere Berkürzuug der Lebensdauer. „Aelter als höchstens fünfzig Jahre wird Keiner von uuS," ward mir zur Autwort auf die Frage, wie laug« ein Mann bei dieser Arbeit auSdauer«, wenn er nicht durch einen Unglücksfall oder Blindheit arbeitsunfähig werde.— Hervorgehoben zu werden verdient, daß der Verdienst von drei Gulden für solche Arbeits- leistuug in jene Zeit unseres ökonomischen Aufschwunges in den Jahren 1872—73 fiel, in welcher hier in Wie», als« nur wenige Meilen von jenem Ort« entfernt, dt« Tausmd« so z« sage» auf der Straße luge». �Der Bericht der Linzer Handelskammer vom Jahre 1872 sagt, daß die Mesierwaarenindilstri«, die bedeutendste Oberöster- reichS, leider im Rückgange begriffen ist und daß fich bedauerlicher Weife ein» Ueberflügelnng derselben auf dem Weltmärkte durch englische und deutsch» Konkurrenz fühlbar mache. Ein Rückschrelten ans diesem Gebiete der Jadustrie wäre ein schwerer Schlag für die ganze Bevölkerung der dortigen Gegend. Mit der Erzeugung von Messern befassen fich ungefähr 170 Meister mit 700 HülfSarbeltern, und diese große Zahl von 800 bis S00 Menschen verdient jährlich nur 700,000 bis 800,000 st.; ich sage verdient, muß aber hinzufügen, daß die Kosten d>S Rohmaterials von diesem Berdieoste in Abzug gebracht werden müsse«. „Der erwähnte Handelskammerbericht fügt dem einige schöne Phrasen an und sagt: Es müsse den Leuten erst klar werde», be. sonders jeuen kleiuen Fabrikauteu, die nicht über genügende Kapi. talskräfte verfüge», daß sie fich affoziireu und selbst den Welt» markt aufsuchen müsse«. „Tie wissen nun, meine Herreu, wie schwierig für eine Hausindustrie— den» faktisch arbeitet Kind uud Kegel au de» Tafchenveitl— daS Aufsuchen deS Weltmarktes ist und wie diese Leat« immer vom Zwischenhändler abhängen werde». „Wie unsicher daS LooS der Fabrikanten dieses Industrie» zweigeS ist, könne» Sie ans dem auch im HandelSkammerbericht« angedeutet«» Umstand entnehmen, daß dieselben ihr Rohmaterial gewöhnlich nicht bezahlen können und daß fie beim Abliefern der fertigen Waare von dem Abnehmer, der ein Zwischenhändler ist, nur die Hälft» deS Betrages in baarem Gelde und die andere Hälfte in Waareu, Rohmaterial und Provisionen für de» HaoS- bedarf bekommen." * Viele unserer Leser wird sicher die Anzahl und der Rang derjenigen Personen interesfireo, die vom französischen Konvent, der am 17. August 1792 zusammentrat und am 15. Dezember 1794 aufgelöst wurde, auf die Guillotine geschickt wurden. Die Person«», welche durch den Spruch den Konvents zur Eathaop- tung verurtheilt wurden, waren: Ludwig XVI., Maria Autoi- nett«, Prinzessin Elisabeth, S Prinzen von Geblüt, 3 Prinzessin« «en, 6 Herzoge, 2 Herzoginnen, 14 Marquis, 2 Marqaifinnen, 3 ReichSfteiherren, 23 Grafen, S Gräfinnen, 3 BicomteS, 214 Adelige, 12 Ritter des St. Ludwigs- Ordens, 127 verheirathete Frauen, 45 bürgerliche Frauen, 76 Wittweu von Adeligen und Anderen, 4 Abb6S, 2 konstitutionelle Bischöfe, 14 Möuche, 155 Priester, 17 konstitutionelle Priester, 23 Nonnen, 2 Marschälle von Frankreich, 47 Generale, GenerallieuteuantS uud Brigadier», 13 MarechelS de Camp, 22 Obersten uud OberstlieutenautS, 8 Majore, 51 KapitaiuS, 17 Adjutanten, 41 Lieutenants, 7 Artil- lerieoffizier«, 84 Soldaten, Natioualgardisteo und Matrosen, 2 Admirale, 1 Kommandeur, 8 SchiffSkapitaine, 100 Kriegs» und Mariuekommissarien, 33 Mitglieder des NationalkonventS, 4 Mit- glieder der gesetzgebenden uud 29 Mitglieder der koustituirenden Versammlung, 3 StaatSminister, 30 MaireS, 22 Richter, 19 Friedensrichter, 24 Autoren, Literaten und ZeitungSredaktenre, 178 ParlamentSräthe, Advokaten uud Notare, 109 Privatleute, 12 BaoquierS, 58 Kauflente, 166 Muuicipaldeamte, 941 Personen auS verschiedenen Ständen; zusammen also 2774 Personen. Bescheinigung über eingehändigte Agitatiousgelder. Nachsteheade Gelder sind mir au« den beuanuten Orten zum Zweck der Agitation übergeben worden: Neustadt Rm. 12.00. Burg aus Fehmarn 8,05. 19,90. Maleate 13,47. Ahreusboek 6,40. (Satin lc,b5. Ploea Bosau 6,55. Holstendorf 6,55. Schwattan 6,25. Summa 93,2. Sollte sich in»orstih-adem Berzeichniß ein Arrthum vorfiadt»:, s» ersuche ich die Partelzenoffea, dieserhalb bei mir retlamirea zu»ollen, L. Drogand, Hamburg, St. Pauli, Spielbndeaplatz 12. Sprech saai. Esseu, Ende Februar. DaS iuhumaue Verfahren der Fabrikanten gegen die Arbeiter, wie eS fich allenthalben bei der jetzigen Arbeitsstockung zeigt, kommt auch so recht deutlich hier in Esse» aas der Krupp'scheu Fabrik zum Vorschein. E» find nämlich in der letzte» Zeit Bestrafungen und Lohnabzüge überaus häufig vorgekommen. Durchschnittlich mögen e< Wohl 25 pCt. sein, welch« am Arbeitslohn abgezogen worden find. Ich halte«S deshalb für gut, etliche Detail» darüber zu berichten. Die ersten Kanonen, welch« hier gefertigt wurden, sollen 150 Thaler an Arbeitslohn gekostet haben; bis Dato werden dieselben für 60 Thlr. verfertigt. Ein Berschlaßkeil, wofür eS früher 11 Thaler SchlosserarbiitSlohn gab, wird jetzt nur noch mit 4 Thaleru bezahlt. Im Schienenwalzwerk find 25 pCt. ab» gezogen worden. Da da» Walzen im Schienenwalzwerk ein« austrengeude Arbeit ist, so lösten fich die Arbeiter bei dieser Ar- beit früher jede Staude ab. Jetzt müssen dieselben ohne Ab- lösnng arbeiten; e» werden dadurch im Schienenwalzwerk bei dieser Arbeit ungefähr die Hälfte Arbtiter weniger gebraucht. Ferner find beim GaSstochen zum Htizen der Schmelzöfen 33 Vs PCt. abgezogen worden, uad wo früher«in Arbeiter einen Ofen zu stocheu hatte, hat derselbe jetzt zwei Oefeu zu versehen. Desgleichen leidet die Sattlerbranche sehr. Für 1 Meter schweren Maschiueuriemeu, der dreimal genäht«erden muß, giebt eS 10 Pf. Jitzt noch ein« Probe äußerster Humanität uud Nächsten- liebe: Ein Arbeiter bekam telegraphifch die Nachricht, daß seine Frau schwer krank danieder liege, der Betreffende bat in Folg« dessen um Urlaub; er erhielt jedoch die schöue Antwort,„wenn ihm seiue Familie lieber sei, als die Fabrik, so könne mau ihn nicht gebrauche»." Ei» anderer Arbriter, dessen Frau in KiudeSnötheu lag, uad der ebenfalls um Urlaub bat, erhielt als Antwort,„seine Frau köuue gebärea, ohne daß er dabei auwesend fei". Wer zweifelt jetzt noch au der Humanität deS Herr» Krupp, welcher im Jahre 1872 in einer Proklamation an die Arb-itec ausrief:„Ich entlasse uiemalS Arbeiter bei ArbeitSstockaugea!" und nun find in einer kurzen Zeit sehr viele Arbeiter entlassen worden. Aach sucht mau fich der Arbeiter, wenn man fich scheut, sie direkt zu entlassen, ans eine nette Art uud Weis« zu entledigen: ES wird dem Arbeiter beim kleinsten Fehler, den derselbe begeht, zum Beispiel beim Zuspätkommen, eine Straf« von 1 Thal er uud höher auferlegt. Auch ist«S vorgekommea, daß Arbeiter, welche vor längerer Zeit einmal zu spät gekommen waren, deS- halb etzt plötzlich entlassen find.— r. An die Partetgenossen! Diejenigen Orte, welche nicht allzu weit von Berlin liegt« und zur Agitation in Volksversammlungen Redner auS Berlin wünschen, haben fich von jetzt ab nur allein(jedoch rechtzeitig) an die Adresse von Otto Kapell, Berlin, Waldemarstr. 56, zu wend:n. Durch die Expedition des„Neuen Social- Demokrat" sind Der Prozeß wider Ferdinand Lassalle von der korrektionelleu Appellkammer zu Düffel- darf am 27. Juni 1864... 10„ „Zur Arbeiterfrage"(Leipziger Rede).. 10„ Fremdwörterbuch de»„LolkSstaat": gebunden.... 60„ brofchtrt.... 45„ Bauernkriege von Fr. Engels.... 45„ A.-B.-E. deS Wisse»» von Dr. Douah.. 13„ Unsere Ziele von Bebel..... 23„ Grund- und Bodeufrage von W. Liebknecht. 50„ Kalender pro 1875 deS„Neuen Social-Demo- krat", pr. Stück..... 40„ Marseillaise von I. Andorf, pr. 100 Stück. 1 Mark. Bei Abnahme von 50 Exemplaren tritt bei den Kalender» 33>/, pCt. Rabatt ein. Die hier»otirte» Preise sind nur bei Abnahme von größere» QaantiS von jeder Sorte. Bei einzelne» Exemplaren tritt eine verhältaißmäßige Preis» erhöhuug ein. Bestellungen auf«inzeloe Exemplare der hier uotirten Broschüren, versenden wir nur gegen Einsendung deS Kreuzbaudp orto'S. Briefkasten. Anonyme Einsendungen, Aufragen«. f. w. können nicht br»< rückfichtigt«erden. I« Briefkasten können nur derartig« Aagelegenheiten er»- ledigt werden, die entweder von Partei- oder öffentlichem In- teresse find. <£. Arnold, Paul Ii ersten, sowie den Parteizeno ff en zur Nachricht, daß meine Adeessc nicht mehr Berg« bei Forst, sonder» Brandenburg a. d. H., Kapellenstr. 25, ist. Gustav Schulze. Karl Schneider, Greiz. Die gewünschte Adresse ist: Rotterdam, Sari Singel, Lindclan 9. A. Röhr, Hamburg. Nach ihrer Ausstellung richtig. Die Spedition. Die Partelleiter von Gffen, Borbeck, Mühiheim und Duisburg»erde» um genaue Angabe ihrer Adresse ersucht von Peter Reich art in Ulckcndorf bei Wattenscheid, Hc'nrichSstraße 24. Herrn W. Jagow, hier. Ist uns unbekannt. Annonce«. SWovlttl Donlierftng, 18. März, SDUUIU Abends 8'/, Uhr, im Saale Sophlrnstr.»», Große Volksversammlung. T.-O.: Der 18. März und seine Be- dentung. Reser.: Der ReichStagSabgeordnetc W. Hasenclever. Jedermann hat freien Zutritt. A. Baethke.[2,60] Berlin. vefie»tUche Bersamml««g: So»»ade»d, den 26. März,»d. 81 Uhr, Im Sratweil'schm Lokale, Kommandanten- straße 77—79.(Oberer Saal.) Res».: RelchStagiabgeordneter O. Reimer. Jedermann hat freien Zutritt. s2,20s Neue Mitglieder für den Berliner Arbel- ter-Wahlvereiu werden aufgenommen. Albert Baethke. Berlin. Die geschlossene Mitgliederversamm- lung de« Berliner Arbeiter-Wahl- Vereins kann Sonntag, den 21. Marz, Lokal« ha ber„nicht" stallfinden. l1.20j A Baethke. Berlin. Den Mitgliedern dir Allg. Kranken- und Sterdekasse der Tigarrenarbeiter sc., der Kranken- und Sterbekaffe der Tabak- »rbeiterinnen zur Nachricht, daß sich da» Kaffenlokal vom 20. März er. Neue Königsstraß« Nr. RO, im Casä Schulz, befindet. Der Borstand: 12. 00s P Erk. Bogemehl. Walter. eonnabeud, 20. Miuz, Jöcntn.«dmds 81 llhr, in Sftse Polenz, Alte Jakob fit. 8? Geschi. Mitgliederversammlung deS Vereins der Sattler uud Berufsgeuvsse«. TageSo, du.: Lokalkassmbericht. Antrage zur Sencralversammlung. BereinSangelegen- Helten. Toenen, Bertrauensm. j 1,80s flHrhnvf Sonnabend, 20. März, UUfOury.«dends 8 Uhr. im Lokale de« Herrn Kluth, Gemüthliche Abend-Unterhaltung, wozu sämmtliche Lassallcaner von Rixdorf und Britz eingeladm werden. A. B-esümer.[1,80] iÜAo-lltt Sonntag, den 21. März, seetrn Bor«. 10 u;r bei Hrn. Bogel,«lexanderstr. Sl, Oeffeutliche Versammluug der ANord- und Bauarbeiter. T.-O.:»ortrag, Berschirdeue«, Fragekasten. W. Wißmann.[1,60] Hamburg.»Äsini"' in Tütge'» Salon, Balentinskamp 41, Geschlossene Mitglieder- Versamml. de« Allg. deutscheu Arb.» Verein«. T.-O.: Fortsetzung der Diskussion über den Antrag von Heier. Die nächste General« Versammlung und der Kongreß. Abrechnung. Die Mitglieder müssen am Platze sein. In Bertretung: B-ter.[2,00] Sonnabend, 20. März, VllMvlllg. Abend» 8t Uhr, in der Herberge, Geschl. Mitgliederversammlung des«llg. Tischler-(Schreiner-) BerewS. T.-O.: Ber-insangelegenhelten, H.<£. Doofe.[1,40] Hamburg. den»7. April, in Tütge'« Etablissement, Stiftungsfest und Fahnenweihe, arrangirt von den Mitgliedern des Allg. d. Vau- u.ErdarbeitervereiuS, unter Mitwirkung der Liedertafel„Lassallea". Festrede, gehalten von Herrn Hartmann. Saalössnnng 71 Uhr, Anfang 8j Uhr. Herrenkarten, ä 6 Schill,(au der Kasse 8 Schill.), Damenkarten, a 4 Schill., find zu haben in den bekannten Wirthschaften, bei dem Tomitö und in allen Versammlungen. Da« Toaiitä.[3,60] AAmfmvet Sonnabend. 20. März yaMvMg.«bend» Uhr. im Englischen Tivoli, Kirchenalle- 41, Große Versammlung sämmtliche? Zimmerer. Tag'Sordn.: Das Bürgerthum und die Social-Demokraten. Um zahlreiche« Erscheinen ersucht L. Pfcisser.[2.20] Donnerstag, den 13. März, gemüthliche« Beisammensein, wozu ergebenst einladet Ernst Menzel, Prenzlauerstr. 61.[1,50]