Nr. 38. � Diese Ziituug Erscheint dreima wZcheniiich, snb zwar: VienstagS, DoanrrSag»:md SonnabnidS Rbnidt. jUrantituitte• Tnfc: Für Brrlm ind. Brwgerlohu vierteljährlich prae- aamcrando 1 RlU- 95 Pf., monatlich 65 Pf., ein» «lue Rlmmrern 10 Pf.; bei den Postämtern in Ventfchland mcl. Berlin 1 Am. SO Pf., frei in'« Hau« 2 Marl. Erruzband-Abonuement« pro Quartal u. Erauplar: Für Deutschland und Oesterreich Z Rrn.— Pf. • Wieberiaub« und Belgien. 3• SO« » England und Frautreich. t« 50« - Amerika(Bereiu. Staaten) 5» 50- Bestellungen aus Kreuzbaud-Lbounemeut« find nur bei»er Expedition aufzugeben und mstfi-u prae- unmerando gezahlt werden. Berlin, Sonntag, den 28. März 1875. --- leieeae»*"-..>"«»»> v«----- Rener 5. Jahrgang. »edalltieu vud«rpeHitkout Nertt«, Orauieustraße Nr. 8, 80. Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spebi- teur entgegengenommen. Eigenthum der LaffaVeauer. Jnsernt« WaS ist beispielsweise der allgemeine obligatorische BolkSschulunterrtcht anders, als die, wenn anch sehr ungenügende Verkörperung der commnnistischen Idee, daß die Ge- sammtheit verpflichtet ist, für Erziehung und geistig« AuSbil- dung der heranwachsenden Geschlechter zu sorgen, und deshalb auch berechtigt ist, diese einzelnen Glieder zu den nöthigen Leistnn« gen anzuhalten. Alles, was fich als gut bewährt hat im Schul- fc esen, die allgemein» Schulpflicht, der unentgeltliche Unterricht, angenommen, daß das Polizeidirettorium ein- Aufforderung au die Bürgerschaft erlassen hat, die Maßnahmen der Behörden ge- k die Il-berwachvng deS Schulwesens durch die Gesammtheit, ist genüber diesem Unfnge zu unterstütz:n. Leider dienen anch die Durchführung deS erwähnten commnnistischen Prinzip?; während vielen katholischen Feiertag« zur Unterstützung der gewerbsmäßigen Bettelet und zur Förderung der Trunksucht und Arbeits- scheu unter der ärmeren Bevölkerung." In wenigen Zeilen ist wohl selten ein solcher Ballast von Blödfinn uud Widersprüchen zu finden, al« in obigem Citat. Die Bettelei ist also hauptsächlich die Folge des strengen Winters und der ArbeitSlofigkeit! Sind die Arbeiter, die Armen und Elenden Schuld an dem strengen Winter? Haben ste die ArbeitSlofigkeit herbeigeführt? Und nvn sollen fie büßen für die Härte d-r Natur, fie sollen lüßku für den Gründer- und Schwindlerunfug, für die Ueberprodnktirn, welch» nur von den Bevorzugten der Gesellschaft aus dem Trieb nach Gold und Reichthnm hervorgernfen worden ist. Tie Polizeibehörde ruft die Bürger um Hülfe an, dem Un- fuzr der also enlstand-aen Bettler steuern zu helfen; da» heißt, dir Bürger sollen tie Bettler und Armen denunzirm oder er» greifen, damit sie in Hast gebracht werden. Allerdings find die Acrmsten»yohl'r daran, als h itt Freiheit, fie Halen die Schäden des Schulwesen», die Trennung der BolkSfchnlen von den besser fituirten Schulen der reicheren Klasse, und in Folge dessen die ungenügende Verwendung von Geldmitteln für die VolkSschnleu und d-ren Lehrer, auch die Einmischung der religio« sen Sekten, umgekehrt von jenen dem commnnistischen Geist feindlichen Einflüssen der heutigen und der überlebten feudalen Gesell- schaft herrühren. Desgleichen ist eS nur der» cowmuuistifche Trieb für das Gemeinwohl, welcher die genialen Männer angetrieben, wenn fie die Wissenschaft pflegen, die Erfindungen mehrn und so die Grundsteine legen, auf welche» überhaupt daS Gebäude der hen- tigen so überaus glänzenden Ges-llschast sich anfbanen kam. Die Pflege der Wissenschaft ist ohne gemeinsame Geistesarbeit der Männer aller Nationw geradezu undenkbar und ihre gegenwär- tigen ungemeinen Triumphe können nicht nur als Vorläufer, son- dern als erste Errungenschaften der gemeinsamen Arbeit deS kvS- zuopolitischen CommuniSmuS angesehen werde». D'ef- Lich'seite unserer G sellschaft wird nun sofort vom! tiefsten Schatten unterbrochen, wenn wir da» Gebiet d-S Egoismus betreten und der Unterschied„reich oder arm", die Mm- scheu in Klassen theilt, welchen daS gemeinsame Streben und Interesse fehlt. Innerhalb der modernen Gesellschaft tritt in der allerbren- uendstm Frage, nämlich dort, wo eS sich um deu LcbenSnntrr» halt, um die Existenz handelt, Nicht der Mensch dem Mrn- scheu, der Staatsbürger dem Staatsbürger, sonder» der Käufer der Waare gegenüber. Es zerreißt dadurch daS fitt- lichc Band, welche» dir Menschheit verknüpfen soll, und Jeder fragt nur nach seinem egoistischen Bortheil. Der, welcher die sociale Macht, da» heißt den Besitz des Kapital», In seiner Hand hat, ist allmächtig gegenüber Jenem,«elcher Nicht» befitzt und dadurch zur Ohnmacht verdammt ist. Der Arbeiter muß sei««» LebenSunUlhalt» halber feiet Arbeitskraft verkaufen, der Fabrikant spekulirt kaltblütig nach Angebot uud Nachfrage, um den möglichst geringsten Preis für dieselbe zu zahlen. Und die Folge ist nur zn selbstverständlich: Noth, Unwissenheit und KnechtSfint- auf der eiueu Seite; Schätze, Genußsucht uud Uebermuth auf der auderen. Wer noch an der Existenz dieser Laster unserer G'-iellschust zweifelt, der werfe einen Blick auf die Ursachen, an» welchen ihre deutlichsten Früchte, nämlich die Verbrechen, b'.oorg«hm; er wird dann stet» eine dieser Triebfedern find«.. Die Laster und sociale Feindschüft,»el�e die ganze Menschheit vergiften, bleiben nicht ohne sichtbare weittragende Folgen. Waare ist Waare. Ob der Schlächter ein Schaf oder eine» Ochsen schlachtet, ist ihm gleich, w».a er nur möglichst große» Gewinn zieht. So drängt anch die egoistische Produktionsweise nnr nach Gewinn; je billige- die Waare Arb-itSkraft zu haben ist, desto besser; alle übrigen Betrachtungen find überflüfstz. DaS ist die Losung der Gege.wart, und wahrlich, st« ist verderben- bringend genug! Wem der männliche Arbeiter eine zn theure Arbeitskraft auf dm Martt dringt, dann kauft sich der Fabrikant einfach die Arbeitskraft von Frauen oder Kindern, und da daS Geschäft glü-t, sv hat er nach heutigen Begriffen ganz recht gehandelt. Natürlich bleiben die Folge»?.iht an», die Arbeiterfamilie wird laatsöchlich zerstört, die Frauen und Kinder leiden die schwersten Schäden an Gesundheit wie an Sittlichkeit durch dir aufreibende Arbeit uud die gemischte Umgebung. Man blickt nur hin auf die industrielle Arbeiterbevöllerung, wie da» Lanze Geschlecht anS- gemergelt ist; man erwäge, daß die Statistik leh-t, daß kaum ge- vügend kräftige junge Leute daran» zum Militärdieast ausgehoben werde» köanen. Für gute Erziehung und Schulbildung fehlt von vorn herein die in erster Linie nothioendige Vorbedingung, frischer Sinn und Jugeodkraft. Der Ürebsamst« Geist wird im Keime erdrückt durch den unerbittlichen, übermächtigen Kampf um'» Brod. ES bringt sodann die heutige Produktionsweise die mit schrcckticher Regelmäßigkeit eintreterden Arbeitsstockungen. Ihre moralischen Folgen find ärger, als die materiellen. Der ManneSmnlh der Menschen, welcher vergebens nach Brod ringt, wird gebrochen und zur Sclavenseele entmannt, s-in Leib ist schütz- loS den Krankheiten de» Elends preisgegeben. Mit einem Wort, das,«aS die egoistischen Triebe und Ge- sellstaftSeinrichtungen ans der Menschheit gemacht haben, ist ein Zerrbild, ein Hohn, auf Gerechtigkeit, Freiheit und Wohl« ergehen. DaS Minopol deS Besitzes der Arbeitsmittel sei- tenS einer Klasse und der selbstsüchtige Kampf der konknrrirendrn Menschen— daS find die Kernpunkte, an» welchen alle socialen Uebel hervorgehen. Uud hier, au diese Wnrzel d-S UebelS muß die Axt angelegt werden, wenn eZ besser werden soll. Politische Aeberjlcht. Berlin, den 27. März. Ueber die herrschende Geschliftsklisis besteht jetzt nur noch die Meinung, daß dieselbe nicht schnell beizelegt werdea kann. Nach einem dem HandrlZministerinm ans Köln vom 6. d. M. zugegangenen authentischen sachverständigen Bericht haben sich auch im Februar die Stimmung und der Genz der Handels» Verhältnisse nicht gebessert. Dazu kommen die ZahlnngS- einstrllungen einiger bisher für sehr solid gehaltenen Firmen, welche daS Vertrauen immer mehr erfchütt ra. Unter jenen Um« ständen und den Einschränkungen, welche manche Familien sich auferlege» müsse», stocken auch kleinere Geschäfte. U-berproduk« tio», daraus eutstandeuer ArbeitSmaugel— fie find die Ursach». Mit zwingeader Nothweudigkeit kommen die socialistifche» Idee» zur Geltung. Desto kindischer erscheint eS unS, wenn ein„Ge- lehrter" den hasrflräudendendstm Unflnn über die KrifiS hervrw- bringt. Die„Post" schreibt nämlich:„Ueber die von Frankreflh gezahlte Kriegskontribution der 5 Milliarden hielt Professor Lasso« im Verein ehemaliger Schäler der Lonffenstädtifchen Realschule einen Vertrag, i» welchem er die Bsrtheile, die nnS an» dieser Einnahme erwachsen stnd, beleuchtete und n. A. die Anficht zurückwies, daß die Ueberspeknlatiou der dem Kriege frl- »enden Jahre einzig und allein ihren Grund in dem Empfang jener Summ« zu suchen habe. Wenn auch nicht bem Sinjtlatn direkt, so sei doch d-m d-vtsch-a Reich ia seiuer Gesammtheit der erheblichste Nutzen aas der Lumahrtu hervorge. gavzea, während Frankreich erst daaa zum klaren Bewußtsein seines Verlustes kommen«erde, wenn seiner küastlichen Papier. wirthschaft ein End» gemacht würde."— Nun, Herr Profeffor, wenn auch nicht einzig und allein der Grund der lleberpro- duktion in dem„Milliardeosegen" lag. so doch zum größten Theil. Grund genug, den„Milliardensegeo" künftig„Milliar- driifluch" zu nennen. Die Berliv-r Preßttptile suchen wieder einmal die Gocia- listen zu verdächtigen und die Polizei gegen dieselbe aufzuwiegeln. Co läuft folgende Notiz durch die Blätter:„Grit einigen Tagen ngitiren die Socialdemokrateu unter den Arbeitetn mehrerer Fa. brik-n in Folge der Herabsetzung der Löwe und fordern zu Ctrike» ans. Die Behörden find auf daZ Treiben aufmerksam gemacht worden, und es stehen dem Bernehmin nach Maßregeln gegen die Aufwiegler bevor." Ein weiteres Mittel zur Lösung der socialen Frage haben, wie ebenfalls die„Bossische Leitung" meldet, die AmtS- vorstände mehrerer Kreise gefunden. Es handelt sich darum, die armen GutSbefitzrr gegen ihre bösen Knechte und Mägde zu schützen. JeneS Blatt schreibt: „AlS eine recht wirksame Maßnehme g-gen unfichcre Dienst. boten haben in mehreren Kreisen die ZmtSvorstäade die Praxis «iogeführt, daß fit dem„entlaufenen Gesinde" statt der in der OZegel unwirksamen ZwanzSzarückführang in den verlassenen Dienst die' Rückkehr in den Dienst bis zu erfolgter richterlicher Entfchei. dang über die Differenzen der Dienstboten mit„empfindlicher" Geldstrafe aufgeben. Erweisen fich die Geldbußen als uubri. treibbar, so wird bei dem KreiSauSschusse die Umwandlung der- selben in Haft beantragt und dann die Dauer der Haft nach den Bestimmungen des Strafgisetzbllchs uormiri. Es fiad auf Grund dieses Verfahrens, wie ein Lokalblatt mittheilt, bereits von einem KreiSauSschosse in neun Fällen Haftstrafen bis zu vier Wochen festgesetzt worden, und daS Blatt rühmt, daß feit der Z-it daS Verlassen deS Dienstes ohne gesetzlichen Grund dort abgenommen habe." Um fich einen Begriff von diesen Maßregeln zu machen, erwäge man, daß die Dienstboten gegen Beleidigungen und Thätlichkeiten nicht klagen können; daß fie ferner auf die Beköstigung ihrer Herrschaft angewieseu find, so daß Letztere anS Chikane fie halbtodt hungern lassen könnte, und daß dann selbst der letzte Rettungsweg, daS Verlassen deS Dienstes, durch langwierige Gefängnißstrafe ihnen abgeschnitten ist. ES giebt nichts Jämmerlicheres, als die Angst des g oß. mäuligeu Liberalismus vor der freiell Diskussion. Daß fie vuS Social-Demokraten nicht Rede und Antwort stehen »vollen, läßt fich freilich anS ihrem„bösen Gewissen" leicht genug erklären; daß fie aber selbst vor der nltramontanen Pfaffenpartei iu'S Mauseloch kriechen, ist gar zn jämmerlich. Und doch ist plötzlich für die gefammte liberale Presse von den Anführern daS Feldgeschrei ausgegeben worden, eS müßte die Rrdefreihrit in den gesetzzebendill Körpern eingeschränkt werden, natürlich nnr für die Minorität. Dir vorgeschützte Grund ist lächerlich genug, nämlich weil der llltramontane Abgeordnete V. Wendt im preußischen Abgeorduetevhansr die päpstliche En- cykl'ka verlesen hat, wozu er nach der Geschäftsordnung völlig berechtigt war. ES ist nun wirklich rühreud, waS die Llberaleu darüber lamentireu, welche die Angelegenheit noch vor Ablanf der Vertagung deS Landtags zur Verhandlung bringen wollen Die Berliner„Tribüne" schreibt z. B. mit wahrem Reptilieneifer: „Hätte Herr v. Meudt in dem Hans« der Gemeinen in Loa« don sein„Schnippchen" geschlagen, so wäre er durch Beschluß deS Hanfes auf die Dauer der Gesfioo in das G efängniß deS Parlaments geworfeu worden; auch hätte er daS Ur- theil an der Schranke des HaoseS knieend anhören müssen. Die Engländer verstehen in solchen Dingen keinen Spaß. Sie nehmen es ernstlich mit dem Parlamentarismus. Hoffevtlich bleibt unser Abgeordnetenhaus nicht hinter Enzland zurück."— Gievt tS etwas Kindischeres, als dies Gifafel? Nun, höchstens den Leitartikel der„Bofsifcheu Zeitung", welcher ihre Berserker« wnth über dasselbe Thema anSdrücki. W:r th eilen anS demselben nur folgende Stellen mit: Die blittigea Öfter» z» Wewöberg. Drei und ein halbes Jahrhundert find verflossen, seitdem (am Ostermorgeu deS JahreS 1525) die aufständischen Bauern WcinSberg stürmte» und ein furchtbares Strafgericht über den Adel abhielten, der sie so lange gequält halt«. Wir wollen de«. halb dies-c Episode des großen Bauernkrieges, welche wohl die größte Berühmtheit erlangt hat, einen Rückblick widmen. Di« Bauern im Odenwald« hatten fich erhoben, und die R-z'.erindeo zu Stuttgart sandten, um eiastweilen, bis weiterer Beistand käme, dem Eindringen der Obenwälder Einhalt thun zu köai::?, den Grafen Ludwig He'ftrich mit 70 Rittern und Reist- gen. Kaum angekommen, schrieb er an seine R-giernug zurück, daß er mit seinen wenigen Leuten dem mit etwa 6090 Manu «iudriugendeu Banernhaufen aus dem Odeuwalde und dem Hohen. loheschen auf die Länge nicht widerstehen könne. Zwei Tage später bat er, ihm doch die hessischen Pferde von Stand au hcrabznschicken. Noch dringender schrieb er am Dstersamstag, mau möchte doch schleunigst die pfälzischen Reiter' schicken mit Geld, damit nicht Nachtheil, Spott oder Schaden daraus erfolge. Schon als Graf Ludwig Helferich mit seinen anderen Rit- lern von Stuttgart nach WeiuSberg hinabritt, hatten fie alle Bauern, die ihnen unterwegs begegneten, aufgegriffen und erwürgt.*) Bei seiner Ankunft im WeinSbergerthal fand der Graf, daß bereits mit Ausnahme von Eberstadt alle Dörfer de« AmteS den Bamrlichteru, dem sogevanuteu„hellen Haufen", zugefallen waren. Als die Bauern von Lichteustern auf Neckar- sulm zogen, am Charfreitag, 14. April, forderten fie WeinSberg und die Ritter darin auf, in ihre christliche Brüderschaft zu treten. Während der Graf mit de« Bauern unterhandelte, um Zeit zu gewinnen, b:S die erwartete Hülfe von Stuttgart käme, unterließ «r dennoch nicht, mit seinen Reitern„den ganzen Tag über ob den Bauern zu halten, und ihnen Abbruch zn thun, so viel ihm Immer möglich war".**) Er that fich auS WeinSberg, fiel den Haufen in den Nachtrab, erstach und beschädigt« ihnen viel«, wo- *) Bericht de« Archivar Rüttrl w der Helsmst-iuische» Ehrouit»» Eatcrloser, Haudschrist im EtMtgartcr ÜtuaUarch'». **) Ciglui« Schreibe» Dt« Srafeu an die Stuttgarter Regierung. „Wir könnten.3 der Mehrheit kavm verdenken, wenn fi« über die Köpfe des Ceatrums weg die GeschäftSordnnng ä». derten.".... „VuN Relcheusperger stammt ein Autrag, dir polizeiliche Gewalt der RegierunzSpräfideuten gesetzlich zu beschränken, und obwohl fich auch heute noch mit llltramoutaueu und Anderen dar- über verhandeln ließe, widersteht tS doch, mit denen Gesetz« zu machen oder zu reforwiren, �eren- täglich fortgesetztes Streben die Nichtachtang und Beseitigung dft Gesetze ist.".... „Wenn die llltramoutaneu fortfahren, bloS um Stoff für ihre Press« R-den zu halten and Anträge zu stellen, wenn sie, «nbekümmirt»« die Wirkung de- gesprochenen Zeitungsartikel eS darauf aakotttn-u lassen, wo rmd wie die dawit erzeugte?gi. tatiou wirkt, wenn st« jede Debatte nltramoutau vergiften und, da sie nichts Andere» können, wenigsten» die so uothwendige Ge. setzgebang aufhalten, so wird am Ende doch weiter nichts übrig bleiben, als das HanSrecht noch in anderer Weife ge- gen sie zu brauchen." Göttlicher„LaSkerkoüppel!" Du sollst also j'tzt die Pfaffen tobtschlagen, nachdem die Social. Demokraten stch durch Dich nicht haben iwponiren lassen! Recht bezeichnend für unsere liberale Reptilieupresse ist, daß fie den Schutz der Abgeoidsekell gegen polizeiliche Maß. regeln während der Sitzungsperiode, welche so schon höchst man- geehaft ist, noch mehr beseitigen will. So jammert die„Na- tioualzeitnng" laut darüber, daß daS Abgeordnetenhaus die HauSfochunz bei seinem Mitgliede Wolff für ungesetzlich erklärt hat. DaS liberale Blatt. letst-t dabei folgende prächtige Aussprüche: „Die HauSsuchnug bei dem Abg. Woiff konnte als Vir- letzung deS Art. 84 nur angesehen werden, wenn dabei die Eiu- leituvg einer gerichtlichen Untersuchung als Voraussetzung anjnllihm-n war. Di- Justizkonimisfiou de» Abgeordnetenhauses hit fich in der That darauf gestützt und daS Hau» ist ihr in dieser Annahme beigetreten. In dem Berichte der Kommission haben wir aber vergeblich nach Umständen gesucht, welche dieselbe rechtfertigten. Vielmehr-scheint nnS daS vorliegende Material nur die Annahme zn begründen, daß eS fich um eine General- Haussuchung handelte, d. h. um eine Majregel zur Feststellnvz deS objektiven ThalbestandeS einer vorerst nur vermutheten strafbaren Handlung. Der T Handlungen zwischen den UnterfuchnugSbedörden mit dem AmtS- geheiuiniß umgiebt, die Einleitung der Untersuchung gegen einen Abgeordneten im S'noe deS Art. 84 frühesten» in der Borla&uug desselben zn verantwortlicher Vernehmung gefunden werden. Denn erst von diesem Aagenbllcke an wird er persönlich behelligt und in seiner öffentlichen Thätigkeit behindert." Hat man je größeren Blödsinn gehört. Also eine HanS- sachung ist„keine persönliche Behelligung", neiv, fchlanr „Natioualzeitung", lle ist jedenfalls ein allerliebstes„Vergnü- gen", das jeder brav denkende Staatsbürger herbeiwünschen muß. Sodann aber die unvergleichliche Logik: Eine vom Gerichte wegen einer amtlichen Untersuchung angeordnete HanSsachnng soll vnzuläsfig sein; dagrpen soll eS der Polizei freistehen, auf bloße. Vermuthunzen und Denunziationen hin Haussuchungen stattfinden zu lassen. Warum weisen die für England doch sonst so begei- sterten L;beralen nicht auf jenrS Laad hier hin?— AnS guten Gründen, weil in England überhaupt nur auf richterlichen Befehl zwecks einer Untersuchung Haussuchungen stattfinden dür- fen, und j-der Polizist,«elcher dieselben ohne daS vollziehen würde, den schwersten Sirafen verfiele. Freilich, die Liberalen find nur gegen fich selbst„libe. ral". Und so werden wir denn noch erleben, daß die Polizei einmal in die Sitzungssäle der gesetzgebenden Körper einrückt und in den Taschen nnd Schreibtischen der Abgeordneten dort„baoSsucht," wegen„Bermnthuvg" irgend eineS straf. baren Schriftstückes. Ein Stückchen weißen Sclavenhülldels schlimmster Art ist leider ungestraft geblteben. Boa dem Strafgeriebt zu Hamburg wurde am 22. der AnSwandererexpedient von Lobedanz,— durch der Haufen der versammelten Bauerschaft erzürnt und de- wegt wurde.*) Zugleich kam Botschaft von der Donau, wie der Trnchseß senge und brenne und gegen die dort«efaugenen Bauern blutig verfahre, von der Hinriebtung Meister Jakob Wehe'S zu Leipheim, von dem Blutbad, daS er ti« Donau dinanf unter ihren Brü- drra angerichtet habe, von dem überwüthigen Blutdurst, den er überall gegen die Bauern zeige. Nicht abstrickend, sooderu zur Woth reizend, wirkte die Sage von den 7000 bei Wnrzach Er- mordeten, welche die Herren mit absichtlicher Uebertreibung an». streuten, als abschreckende Siegesbotschaft. Die Hallptlente der Bauern betrachteten ihr« Sache als einen gerechten Krieg de« Volkes gegen die Herren: ste wollten auf dem Kriegsfuß behau. d.lt sein, nach KriegSrecht und Art. Weder der Trnchseß noch der Gras von Helfensteio, der während der Unterhaudlun- gen ihre Brüder niederstach, achteten daS KriegSrecht gegen sie, die Bauern. Es schien vöthig, die Herreu daza zu zwingen durch Repressalien, die zugleich eine Blutrache für denftommeu Wehe, für die hingeritteten Hauptleute ihrer Brüder zu Leipheim und Laugenau, für die Hingeschlachteten von Wurzach, für die soeben auf dem Zuge durch» WeinSbergerthal während deS UaterhaudiluS Brstoteueu wäre. ES war Berhäugniß, daß Graf Ludwig von Helfeusteiu und Dietrich von Weiler, der Obervogt von Bottwar, der mit ihm in WünSberg befehligte, diese Blutrache selbst auf fich herbeiziehen sollten. Die Bauern, in zorniger Bewegung ans den grünen Wiesen von Neckarsulm, schickten Abends am Charfreitag eis Schreiben nach WeinSberg hinein, da» an den Bürgermeister der Stadt und au den Obersogt Helfenstein gerichtet war. ES war ohne Zwei. fel eiu Ultimatum der Bauern. Der Graf hatte den Hinter- fasse» seine« Amte« iu'S Bauernlager die Drohung geschickt, wenn fie nicht heimzögen, s» wolle er ihnen ihre Weiber und Kinder nachschicken und ihre Dörfer verbrennen. AlS der Graf von dem Angriff auf de» Nachtrab de» BaueruheereS nach WeinSberg zurückkam, schien e« ihm, al» fände er die Bürger in der Stadt eine« Theile« waukelmüthig; fie «au» sehr erschrocken; da» gute«ertranen. da« er zu ihnen g». »abt. entfiel ihm, and er versah fich nicht« Gute« mehr zu ihnen. *) Th-ma, Zweifel, Haudschrlft, bei Bellst». natürlich kein Social-Demoktat— welcher Wegen strafbtKek Ler« leituvg zur AaSwauderuog uvter Anklage stand, kostenlos frei- gesprochen. Der Angeklagte hatte seiner Zeit mit zwei drasilia- oischen Landbesitzern Kontrakte abgeschlossen, nach denen er für jeden Auswanderer, den er ihren Priootkolonien Mottiz tsnb Theodore, in der Provinz Bahia, zaführe, 36 Thlr. Zuschuß erhalten sollte. Dann wurde ein blühender Prospekt ausgearbeitet, in welchem den Auswanderers da» Land drüben als da» reiue Paradies geschildert wurde. Die Hamburger AuS»aud;rerbehör?e versagte dem Lobedanz die Erlanbuiß zsr Expedition„wegen deS Klima'S und der Bodenverhältnisse im nördlichen Brasilien." Er aber verzagte nicht und fetzte in Antwerpen eiu-u KommiS HermeS als seinen Ageaten ei», der öffentlich freilich eine selbstständige Firma trug, nnd dann ging daS Expediren loS. Als der erste AnSwanderertranSport anlangte, fanden fich die armen Menschen gründlich enttäuscht; von einer blühenden Kolonie keine Spur, aber dafür entsetzliche Hitze, keine Wob- nnngSfiäite, kein urbar gemachtes Land, keinen Weg noch Steg; wollten die Kolonisten leben, so mußten fich fich um Tagelohn bei Wegearbeiten nnd dergl. beschäftigen lvffea. Sie kamen irom r tiefer in d'e Abhäugigke t der Uateroeh ncr; Berzweiflung un, Elend bemächtigte fich ihrer; die erbärmlichen Hüttea, die unz?- sundc Fiebirlnfe, die ungenügende Nahrung, schlechte» Trinkwasser, schädliche Jufekken er-eugten Krankheiten. Bitte wurden dahin gerafft, von SOO bis 1000 Personen oft 6 bis 7 an einem Tage. Ein Theil der Auswanderer ging südlicher, um in frucht- barere Gegenden zn kommen, eiu anderer Theil schlug fich unter den schrecklichsten Drangsalen nach Europa durch. Anfang 1874 mußte da» deutsche Konsulat in Bahia noch Lebensmittel nach der Kolonie senden, trat die Menschen nur vom Usterganze zu erretten; schließlich lösten fich beide Kolonien auf. Der SlaalS- aowalt hatte l'/e Jahre G efängniß heautragt, aber der Gericht»- Hof nahm an, daß der Angeklagte selbst die zünftigsten Bor- stellunzen von den klimatischen und Bodenverhältnissen in Bra- filien gehabr habe, und hielt eS nicht für erwiesen, daß er unter falschen Vorspiegelungen deutsche Auswanderer zur Reise nach Brasilien verleitet habe.— Von den Straßen Liver- Pool'» sagt man, ste seien mit Negerschadeln gepflastert. Wir rathen den Hamburgern, ihren Juugsernstieg mit AnSwauderer- schäZeln zu pflastern. Heber die Allswandttang nach Amerika lasse» fich die liberalen Zeitungen folgend ermaß m vernehmen:„Recht erfreulich ist die Th.tsrchc, daß die deutsche Auswanderung nach Amerika im vorigen Jahre in ganz ungewöhnlicher Weise abgenommen bat; die Zahl der Deutschen, welche in N w-Azrk gelandet sind, ist von 101.041 im Jahre 1873 auf 40,302 im Jahre 1874, also um 60«/« pCt. gefallen, während die Ges�mmteinwanderung doch nur um 48t/, pCr. gefallen ist."— Ob die angeführte Thatsache erfreulich ist?— Wir sagen, sie ist bedauerlich, da in Deutschland die socialen Zustände seit einem Jahre so er- bärmlich find, daß die AuSwanderungSlnstigen fich nicht die Mittel zur Auswanderung haben schaffen köoven. Da» ist der Grund der Abnahme. AuS AltSlla wird dem„Hamb. CorreSp." Folgendes ge- schrieben:„Der biefige Staatsanwalt, Dr. Stellmacher, wird binnen Kurzem seiaio hiefiara WitkungfkreiS verlassen, um in Königsberg das Amt eines OherstaatSanwalt» zu bekleiden. Der gedachte Beamte, der vor ungefähr fünf Jahre» nu Stelle des tu den Hamburgischen Staatsdienst übergetretenen Dr. Mittelstädt trat, hat es verstanden, neben einer treuen BerufSerfüllnag feine ungewöhnliche Arbeitskraft auch der Erreichung vielfacher �umaner und ästhetischer Ziele zu widmen nnd wird sein Scheiden nicht am wenigsten auch in denjenigen Kreisen empfunden werden, denen die belebende Jaiti tive diese» hervorragenden Beamten zu Gute gekommen ist."— Daß die BoargeoiSpreffe Herrn Stellmacher lobt, ist wohl selbstverständlich, da der geainnt« Herr in Bezng auf die Social-Demokratie wohl der nordische Tessendorf genannt werden könnte. Unsere Parteigenossen weinen ihm deShalll keine Thräne nach. Ueber die Schnlzustände in Bayer» fiad wieder erbau- liche Dinge an den Tag gekommen. In der Provinz Oberbaytra ist ein solcher Lehrermangel, daß die KreiSregicrung fich außer Stande steht, die erledigten Lchrerstellen zn besetzen. Die Folgen In'» Lager der Bauern aber kamen zu gleicher Zeit eine trotzige verächtliche Antwort deS Grafen auf das Ultimatum der Bauern, und eine Botschaft einiger Bürger, die eS mit den Bauern hielten. So gut der Graf die Thore WeinSbergS hütete, so gelang eS doch eines WeibeS List, Hinang zu kommen. Wolf Nagel'» Frau von WeinSberg stahl fich durch nach Nackaisulm zum Hau- fen, ging von dem einen Zelt zum andern und sagte, Jörg Ry, der Brezel-Pickel, Melchior Becker und Bernhard Hellermaau von WeinSberg haben ste zu ihnen geschickt, fie sollen kommen, fie wollen ihnen die Staat aufthun, fie sollen fie nicht in den Nöthen stecken lassen. Auch kam GemmelhanS von Ncuenflei». ein Salt- führer, in'S Lager nach Neckarsulw, der war in d«r WeiaSberg-.r Burg gefangen gelegen nnd ausgebrochen. Dieser zeigte dem Bauernrath DyouyfiuS Schmid von Schwabach au, eS liege» nicht mehr als acht Mann oben im Schlosse, die Andern feien alle in der Stadt. DiovyflnS Schmid nnd der Bauernrath Hau» Koberer von Brezfeld theilten diese Nachricht den Hauplloaten mit nad den Vorschlag, vor WeinSberg zn ziehen nnd eS zu nehmen. Semmel- hang sagte, er wolle ihuea den Punkt zeigen, wo da» Schloß leicht zn stürmen sei. Der ganze Hanfe war entrüstet über die Antwort de» Grifen;„die Bauern anS dem WeinSbergerthal waren lustig, Stadt und Schl>ß zu stürmen, damit fie nimmer frohnen dürfen;" und der helle Haufen erhob sich, WeinSberg zu. Ja der ersten Frühe de» 16. April, am Osterfeste, zog der Haufen über Binswangen und Erlenbach heran, gegen achttauseuD Mann. In Neckarsulw war am Abend deS Beschlusses eiu Heil. brauner Bürger, einer von der Ehrbarkeit, im Baaeralager au- wesend. Al» dieser hölte, wie die Bauern beschlossen haben, WtisSbtrg zu nehmen und dem Adel zn Leibe zu gehen, ließ er heimlich den Graf:» noch in der Nacht warnen. Aach durch einen Kundschafter wurde dem Grafen noch vor Tag gemeldet, daß die Bauern bereit« an» ihrem Lager aufgebrochen seien und »S geheißen habt, daß fit bei dm WeinSbergera die Ostereier Holm wollm. Schon vor Tagesanbruch waren auf diese Nachrichten Ritter und Reifig« gerüstet, ihre Pferde in dm Stallungen gezäumt nnd gesattelt, and zur Lerflärkang der geriugm vesatznug anf dm» bleibt» uatürlich uicht auS. Die Result-Ie der diesmaligen Prä- fange» für de» ülljährig«» FretwiSigesdievst ergaben z. B., daß von den 230 Kandisaten nur 122, oder SS Prozent, daS B-> fähignngSaitest erlar-gteu. Den schlechtesten Prozentsatz hat Mün- cht» geliefert, nämlich 3 1 Prozent, indem von 3S Kandidaten 27 churchfielen und nnr 12 bestanden. Ja SüdwaleS ist jetzt die Zahl der brodlos eu Grubeoarbti- ter ans 20,000 gestiegen. Man steht noch kein Eade deS AnS- fchltifseS, da d«S Kapital bis zum Txzeß hartherzig i,! l�ies diene den Harmonieapostcln Hirsch und Dancker zur �enttgle» Notiznahme. AuS Brüssel wird gemeldet, daß in der Kohlengrube Fiestavx bei Couillet(unweit Charleroi) eine heftige Exploflon stattgefan» den hat. Bis jetzt find fünf Todt» und fünfzehn Verwundete «nfgefandeo._ * Der Prozeß Ofevheim wirbelt noch gewaltigen Staub aaf. Der Kaiser von Oesterreich scheint fich vor der öffentlichen Meinung decken zu wollen and hat de« Staatsanwalt Lamogan med dem Gerichlspräfidenten Wittmavn den Orden der eisernen Krone verliehen; ferner ist dem Schatzzengen Sapieha die nach- gesuchte Eutlassang als Laadmarschall von Talizien gewährt und der frühere bürgerliche Minister Dr. ÄiSkra, der Augapfel der deutschen Liberalen, ist vom Hofe verbannt worden. Hier- über schreibt die W.ener„Pceffe" folgendermaßen: „Die Umstände, unter welchen diese AüSzeichnang verliehen wird, geben derselben eine viel höher« Bedeutung, als einer fol« cheo Ordensverleihung in den meisten Fällen beigelegt wird. Sie erhält erst ihr voll-S Gewicht dadurch, daß fie die Anschaunugen «ad Kandgebungen saaktionirt, welche in dem Prozesse Ofenheim selbst gegenüber einer Partei hochgehalten wurden, die fich uicht ' scheute, solche Prinzipien als absolut und überwunden hinzustellen. — Ja Betreff deS GeheiwrathS Dr. GiSkra entnehmen wir der „TageSpresse" Details, für deren Richtigkeit jedoch dieses Blatt einstehen mag:„Bekanntlich hatte Dr. Gtskra bereits in feiner Reee, welche er vor euer Versammlung der Wähl» der inneren Stadt Wien, deren Vertreter er im letzten Abgeordnetenhause ge. Wesen, im Börsevsaale gehalten, auf die Ermächtigung der Krone hingewiesen, den Gründergewinn von 100,000 fl. auch in seiner Stellung als Minister anzuuihmen. Schon damals erregte dieses Wagniß in Hofkreisen große Sensation, doch war diese Angabe dem Monarchen entgangen und Niemand hatte eS angemessen gefunden, die Aasmerksamkeit des Kaisers auf dieselbe zu leukin. Erst auS dem Prozesse Of-nheim erhielt der Monarch Keuntniß von dieser GiSfca'scheu Legende. Der Eindruck, welchen fie ans den Kaiser machte, war ein überaus peinlicher— ein vm so peivlicherer, al» der Kaiser in seinem Gedächtnisse vergebens nach irgend einem Gespräche mit Dr. GeSkra forschte, welches diesem als AnhaltSpankt für seine Behauptung hätte dienen können. Nun muß man wissen, daß Sr. Majestät«in ganz auSzez-ichneteS, von feinen Ministern vielfach bewundertes Gedächtniß beflyt. Mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit erwog Se. Majestät die Sache und wußte fich schließlich eweS Moment» zu erinnern. Als nämlich Dr. GiSkra Minister werden sollte, nahm er Andieoz bei Sr. Majestät und im Laufe deS Gesprächs bemerkte Dr. GiSkra, er habe als Advokat vielerlei Geschäftsverbindungen, er werde fie alle abwickeln, die Bezüge, welche er»och zu bekommen hat, in Empfang nehmen, dann aber alle diese Beziehungen ab- brechen. Unter dem Worte„Bezüge" konnte Se. Majestät na. türlich alle» Andere«her als„Gründergewinn" verstehen. Nach- dem nun der Kaiser mit seinem Gewissen vollkommen im Reinen . war, erhielt Herr Dr. GiSkra vom Obersthofmarfchallamte ein Dekret, in welchem er vom Hofe förmlich verwiesen wurde. Die Freunde GiSkra'S erzählen nun an der Börse weiter: Herr GiSkra besuchte deu Obersthofmarschall Grafeo Larisch und machte diesem über daS Dekret Vorstillungev. Mit advokatischer Schärfe be- tonte er, daß mau ihn nicht angehört, bevor man daS Dekret beschlossen und er in dem Dekrete die juridische Molivirung ver« wisse. Graf Larisch erwiderte hierauf, daß er an dem juridischen Scharfsinne des Dr. GiSkra nicht zweifle und nur bedauern könne, daß derselbe nicht auch die Empfindung mitbringe, welch« ihm iaS Dekret als ausreichend motivirt erscheinen lassen müßte. Schloß wurden sogleich noch süof Reifige auch dahin abgeschickt. Mehr konnte man uicht iu'S Schloß legen, obgleich Hilf ustein's Frau und Kind und Kostbarkeiten darin waren. Der Graf ver- achtete auch die Baneru zu sehr, als daß er eZ für möglich gehalten hatte, daß fl- ein so festes Schloß erstürme». Es galt ihm vorzüglich, die Stadt gegen den ersten Angriff zn vertheidi- gen; er traf die nöthigen Anordnungen zur Bertheidignng der Thore und der Wehren. Er versammelte sein« R tter und Rei- figc und die Bürgerschaft auf dem Markt, ermonterte fi-, herz- Haft zu sein und ihr BesteS zn thun. Sie zeigten alle guten Willen. Die Thore, Mauern und Wehren waren nach Anordnung deS Grafen bereits alle besitzt. Noch zeigten sich keine Bauern. Die Zeit des MorgengvtteSdievfieS, deu der Pfarrer abzukürzen erfocht ward, rückt» heran. Mehrere Bürger und Reistge bega- ben fich in die Kirche, um daS Sakrament zu empfargen. Aach der Graf und Dieirich von Weiler waren zu Anhörung einer Messe darin. Noch ehe der Gottesdienst zu Ende ging, um S Uhr Mor- gevS, wurde dem Grafen in die Kirche gemeldet, die Bauern seien do;.man sehe einzelne Banerngruppen auf dem Schemelberg, denen größere Partie«» nachziehen. Der Thurmwächter wollte sogleich Stmm schlagen; der Graf, um die Einwohner nicht noch mehr zu beängstigen, verbot ihm, Lärm zu machen. Den Reist- gen und Bürgern, die auf der Mauer zur Wehr gerüstet waren, sprach er zu, muthig und unerschrocken zu sein. Dietrich von Weiler und der Schultheiß Schnabel sorgte» dafür, daß Weiber und Mägde ganze Hansen Steine, die von deu Reifigen anS dem Pflaster ausgebrochen wnrdm, auf die Mauer trogen. Der Schemelberg, eine einem Schemel ähnliche Höhe, liegt WeinSberg gerade gegenüber. Bon Erleubach her mußten die Bauern über denselben gehen. Sie stellten sich auf ihm m Schlachtordnung und schickten zwei Herolde, an einem Hnte kennt- lich, den fie ans einer hohen Stange trugen, zur Stadt hiuab. Sie erschieneu vor dem Uuterthor und forderten die Stadt zur Uebergabe auf.„Eröffnet Schloß und Stadt dem hellen, christ- lichen Hanftv, riefen sie au die Mauer hiuaof; wo niiht, so bit- teu wir um GotteSwilles, thut Weib aud Kwd hinaus;»eao __ beide, Schloß med Staot,«»dm den fteieo Knvchtm zum Stür- mm gegeben, uud eS wird danu Niemand geschont«erben." Die innerhalb de» ThoreS aufgestellt« Bürger au» Rilfige»aß- Herr Dr. GiSkra verließ dm Obersthofmarschall mit der Erkla- ruog:„Wenn mau mir keine Gcnngtdaang giebt, werde ich sie Mir zu verschaffen wissen." Man ist»na selbstverständlich sehr gespannt darauf, wie Herr Dr. GiSkra seine Drohung anSführen werde." * Zum Kapitel de» KMtukamPfeS liegm wieder interessante Nachrichten auS Münster vor, die allerdings zeig«», daß der > ltnrkampf uicht zu Gnnstm BrSmarck'S seinen Lerlanf nimmt. D r Polizeikommiffär Delso»,»elcher dm Bischof zu verhafrm ü" weigerte, ist seines Dienst-S entlasseo. Nun schreibt man vom 22. März aaS Müaster: Die Herren, welche dem Bischof daS Ehrengeleit nach Wareaborf iu'S Gefäagniß gaben, machten dem Papst telegraphifch Mtttheilung von der B-rhaftavg und er- baten den Segen Sr. Heiligkeit. Daraaf luf folgende telegraphische Antwort ein: Der heilige Vater erthiilt den durch Telegramm erbetenen Segen an» gaazem Herzm. Kardinal An. tonelli."— Ein Gesangverein wollte dem ans dem Dienst mt. lasseneu Polizeikommissär ein Ständchen bringen. Dasselbe wurde jedoch von Polizei wegen als uazulässtge Demonstration verboten. Ein Graf Droste hat den Entlassenen sofort zn seinem Reutmeister gemacht."— Der„Wests. Merkur" bringt von einem Augenzeugen noch Folgendes:„Es möge ans virstattet sein, zn dem Berichte über den eigentlichen Akt der Verhaftung noch einen kleinen Nochtrag zu liefe«, der für Freund und Feind uicht ohne Interesse sein dürfte. ES ist ein offenes Geheimniß, daß die auffallende Berzögnung der Verhaftung deS hochwürdigen Bischofs, welcher in seiner un»schütterlichen GemüihSruhe bei seinen amtlichen und privaten Geschäften und Gewohnheiten fit in keiner Weise stören ließ, auch darin ihren Grund hotte, daß eS schwer hielt, einen Mann zu fiadeo, der die Verhaftung ü>er. nehmen wollte. Endlich fand fich dieser Mann in der Person eines protestantischen Bnreau-DiätarS, der denn aut wirklich die Verhaftung vornahm, und zwar in einer Weise, daß er fich sogleich bei den ersten Worten die Theilaahme der Au- wesenden erwarb. Als der hochwürdige Herr zum Schluß den bischöflichen Segen ertheilte, sehen wir deu mit der Verhaftung beanftrag'eu Beamten, obschon er Protestant war, gleich den übri- gen Anwesenden in die Kaiee sinken. Das war eine herrliche Jllnstratioo der Majestät der katholischen Kirche. Unvergeßlich wird die Sceue deu Anwesenden seinl"— Wenn diese Nochlicht auf Wahrheit beraht, dann ist sie wohl geeignet, in allen libe- ralen Kreisen die höchste Berstimmnug hervorzurufen. * Die Loyalität mit dem Profit zn vereinen verstand am Geburtstag des deutschen Kaiser» ein Berliner Reclamegeschäft. ES veröffentlichtr nachstehende Annonce: An den Kaiser! Sei gegrüßt zur Wiegenfeier, RnhmgckeSnter Herrscher Da! Jabelad Nlvgen Schwert und Leyer Heute Dir den ffcstgiuß zu! Mög' nur Glück die Zukunft bringen, Fried' in Deinem Reiche sein,— Die« bestell vor allen Diagen Heut den„Konkurrenz-Birein". Firma, Straße und Hausnummer ist natürlich hinzugefügt, damit Jedermann nicht nur von der patriotischen Gefinnang, soa- dera auch von der sonstigen Waare des Einsenders Kenntniß nehme. * Einen recht humanen Oberstaatsanwalt muß Hamburg besitzen. Wenigstens berichtet von dort die„Post" über die soeben beendete SchwurgerichtSpiriode, der Oberstaatsanwalt habe erklärt, daß daS heutige StrafrechtSsystem völlig machtlos gegen- über dies» Sittenverwildernng sei vnd schließlich nichts üvrig bleiben werde, als zur Prügelstrafe zurückzugreifen, wie man«S in England g thau. Vor nicht allzu lauger Zeit wnr- den in Hamburg ein paar Frauenzimmer mit Höllevsteiu auf der Stirn gebraodmarkt. Warum wird uicht gleich auch diese mittelalterliche Tortur vorgeschlagen? * Ein widerwärtiger Schacher, dort, wo eS fich um ein Menschenleren gehandelt hat, macht in Berlin vic' von sich reden. ten nicht, waS fie deu Abgesandten der Bauern antworten sollten. Sie schickten nach dem Grafen, und er eitt« sogleich selbst dem Uuterthore zu. Aber ehe er kam, war Dietrich von Weiler an's Thor gekommen. Dietrich von Weiler, ein stolzer RitterSmaou, sah in dm Bauern nur„Roßmuckeu". Er glaubte nicht, daß die Roß� mucken einen ernstlichen Angriff wagen würden, wenn fie ent« schlösse»« Gegenwehr fänden; er achtet««S für eine Schande, w-nn ein RitterSmavn mit solchen Roßmackm p-rlamentiren wollt«. Auf seinen Befehl wurde von der Mauer uad dem Thor- Hause herab auf die Gesandten der Bauern gefeuert. Einer der Bauerngesaudteu stürzte schwer verwundet nieder, raffte sich aber blutend auf and lief mit den Anderen, waS sie konntet), dem Schemelberg zu. Dietrich von Weiler freute fich des Lau- sinS; die Bewegung auf dem Schemelberg gab ihm die Gewiß- heit, daß diese Eaergie deu Bauern impouirt habe.„Liebe Freunde, rief er anS, fie kommen nicht; fie wollten uns nur also schrecken, und meinen, wir hätten von Hasen daS Herz." Anders dachte der mit dem Grafen herbeigekommene Bürgermeister Pcezel. Er äußert« dem Grafen die Beforguiß, daß eS deu Bauern, wenn sie, waS sitzt wahrscheinlich sei, mit aller Macht heraurücken, eben doch gelingen möchte, vnrch die Thore einzudringen. Man solle daS untere Thor verbarriladiren un» dazu an» dem nahe» Spital Fässer und Mist schnell herbeischaffen. Der Graf meinte, dadurch würde den pfälzischen Reitern, unter dem Marschall von Haber», die er stündlich erwarte, der Weg versperrt, und gab eS nicht zu. Auch glaubte er nicht au deu Ernst der Bauern. Die Hauer» standen während der Berhaudluug, die sie von ihren Gesandten erwarteteo, in drei Haufen, rayig, aber in Schlachtordnung. Bora» Florian Geyer mit der schwarzen Schaar; hinter ihm ein zweiter Hanf«; die große Zahl der Bauera hielt »och gegen ErUnbach und Binswangen hin. Die Schüsse von der Mauer uud dem Thorhaus, welche«neu der Gesandten blutig niederwarf«, waren daS Signal: Florian Geyer mit dem schwär- je» Haufen bewegte sich vor die Barg; der Haufe» hinter ihm eilte vor die Stadt hinab; uud der ganze große Haufe», der noch gegen Erleubach und Binswangen hin stand, eilte mit Sturm- fchrtü h»au. Auf der Eb«k von Erfenbach schon hatte ein„schwarze» Weib" deu Segen über da» Baueraheer gesprochen. Als»ine ganz eigwthümlich« Gestalt i« Baueruheer» ragte AuS kindischem Scher,« Verletzte ein Schäler der Zeichneuakademle «inen Kameraden so unglücklich mit dem Bleistifte, daß dieser schwer erkrankte und an Blutoergiftang starb. Der llaglücksfall erhielt nun ein widerwärtiges Nachspiel. Gegen de» 17jähr!zea Thäter, deu Sohn eirnS Rentiers, wurde auf Antrag des Vater» deS Gestorbeneu, wegen de» gemeldeten von so traurigen Falzen begleiteten jageul-lichen Streiche« die Hntetfuchnng eingeleitet, nach. dem längere Zeit der Rentier und jener Bat» wegen Zurücknahme des Strafantrages für eine Geldsumme geschachert hatten. Wäh- reud der Letztere, augeblich eiuige Hundert Thaler während der Krankheit verwendet«, soll ihm der Erster« al» Eutschädigang ein paar Thaler angeboten haben. Nächsten? wird man wohl noch für daS Menschenleben eine besondere Taxe eiafühcen.\ - Ss • B-r einigen Tagen brachten die llbtralell Blätter Ber- linS die Nachricht, daß»te ttalieuische Drehorzelkompagnie, welche fich in der Weideuallee anzefieoelt habe, Berlin mit der Marseillaise überschwemme. Da» fei mcht mehr zu dut- den; wenn ia Frankreich deutsche Orgelspieler die Wachr am Rhein spielen würden, so würde man fie dort prügeln.— Solche kindischen Hetzereien treiben die Liberalen. Danu aber auch ist eS hötst lächerlich, mit dem großartigen Lied« Ranzet de l'Islc's, dem RevolntioaSliede der Neuzeit, daS deutsche Turner-, Sänz»- und Schützenbrnterlied, die Wacht am Rhein genannt, zn ver. gleichen. Schon auS ästhetischen Rücksichten müßte man jeden Orgelspieler vom Hase jagen, der letztere» Lied spielt. Da» „Baterlsud" bringt über dieS Lied:„In einem München» großen öffentlichen Lokal wurde jüngst von der spielenden Kapelle, dem eben gekommenen General v. d. Tann zu Lyren, die„Wacht am Raeiu" angestimmt na" vom zahlreichen Publikum— schmäh- lich anSgezis cht. Die„Wacht am Ryeio� ist bereit» den ge- bildeten München» Schnsterbuben zu dnmm, uad höchstens ein- znrückzebliebener»»wahrlost» Spatz pfeift fie nzch."— W r können vnS auch keine dümmere Me.odie denken, als die„Wacht am Rhein". An die Parteigenossen. Di« ArbeitSkrisiS lastet schwer auf der socialistischeu Agitation. Die polizeilichen Verfolgungen haben vnS keinerlei Schaden getbau, wie uns»« Gegner schadenfroh oft ausrufen; die Arbeitslosigkeit aber, welche so viele deutsche Arbeiter an'S Hungertuch gebracht hat, fie wirkt allerdings lähmend auf d e Bewegung. Um so mehr aber stad diejenigen Socialisteu verpflichtet, welche noch in erträglichen Verhältnissen fich befinden, Opfer zu bringen. Deshalb fordere ich hiermit alle Mitglieder deS Allgemeinen dentschm Arbeiter-BcreinS uud alle Parteigenossen überhaupt auf, freiwillige Beiträge zur Agitation zu leisten und die. selben au C. L. Vater in Hamburg, Hinter den Hütten 35, zu feudeu. Eine groß« Idee»fordert große Opfer; zeigen wir, daß wir Werth find, ia den htiligen Kampf zur Erringuug d» M-n- scheurechte eiuzutreteu. Mit social-demokratischem Gruß Der Präsident deS Allg. deutschen Arb.- Venia?. > Hasenclever. Bremen, deu 23. März 1875. Ludwtgshaven, 21 Mär,. tBolkSdersammlnng.) Freitag, den 19. ds»., fand hier wieder eine Boliaoerlammlnng statt. Tagesordnung war: Die Aufgabe der Soclal-Demolralle und die Bereinigung der beut- sch-n Social-D-mokratcn. Als Refereul war Herr A. Dmsdach anwesend. Als Borfltzind» wurde Herr Koch aus Maunhelm, al» Schriftführer Unter- zeichniter gewählt. Al« Herr Drikibach in einer längeren Rede auf die verflossene Reichstags esfivn hinwies und dabei die Petition der Bauhaad- werler berühr!?, unterbr, ch ihn der üb rwacheabe Polizeikommissar und glaubte, Redner solle dadurch diesen Punkt unberührt lassen. Dir Kam- missar meinte, wir häll.n ja ein Haftpflichtgesetz und e» wären schon ver- schiedeve Unglücksfälle vorgekommen, welche die Baumeister vergütet hätten. Allein Dreesbach erklärte, daß c» nicht von dem gutm Willen der Meister abhängen' üefc, sondern e» müßten gesetzliche Bestimmungen darübe» vir- handen sein. Und eS wäre eine Haopiaufgabe der Social-Demokrutle, dem Arbeiter all- die Krebsschäden auszudlckm und klar zu legen, wir diese auf die Böckmgerio hervor, die man unter dem Namen„die schwarz« Hofmävnin" in der gaozen Gegend kannte. Der Volkskrieg dieser Zelt hatte auch seine Heldinnen; uud klebt ihr auch Blut und Grausen an, und scheint fie der Mevschlichkeit fast wie der Weib. lichkeit entwachsen, den Rvhm der Heldin hat selbst die Partei- leideaschaft durch treue Aufbewahrung der Akten der schwarzen Löckingerin eher gerettet al« geraubt. Der Glaube ihrer Zeit uud ihrer Umgebungen schrieb ihr geheime Kräfte zu; Zauberkünste, Segen», und Bannsprüche, einen Wahrsagergeist. Sie war de» Bau raführerS Jakob Rahrbach'» Freundin, Rathgeberln, Helferia, sein Sporn und sein mahnender Geist; oft stärkte sie ihn, wenn er wankend werden wollte:„» solle seines Vornehme»» nicht nachlassen, Gott wolle eS." Den Adel haßle fie furchtbar; fie ruhte nicht, bis st: da» Landvolk nvtir den Waffen sah. Aach die Städter haßte sie, und besonder» die stolzen Städte- rinnen von Heilbronn. Man hörte st: sagen, fle wolle noch den gnädigen Frauen die Kleider vom Leibe abschneiden, daß fie gehen wie die beropften Gänse. Mit Jäcklein Rahrbach'» Haufen zoz fie von Sontheim au». Da sah man daS schwarze Weib, der Steingrube zu, der be- waffaetea Schaar vorauSziehe«, fle führte sie eigentlich. So ging fie an ihr» Spitze ans Oehriagen, nach Schönthal, zurück nach Lichtenstern. Sie tröstete fi: oftmals mit Heller Stimme, fie Hab« fie gesegnet, daß ihnen weder Spieß noch Hellebarde, noch Büchs« zukönueo. Sie gab Rathschläge und kannte die Ratbschläge der Eia» geweihten, der Hauptlent«; fie handelte, enthufiaSmirte, warnte, wirkte mit kühaster Eatschlossenheit für die Sache der Ihrigen, wo kein Mann mehr handelte uud sprach.*) Schwarzes, unterdrücktes Weib, anS der Hütte am Neckar, mit der starken, verwilderten Seele voll Leidenschaft, gleich stark in Haß und Liebe, mit deinem„Gott will'»!" im Munde und mit deinem Freiheit»«, Schlacht, uud Rachegeist— wie lebtest du in Sage und Geschichte, in Gesang ond Red«, hätte deine Sache gestegt, od» gehörte sie wenigst«»» nur nicht der Bauern. Hütte an! *) BundrSakien Fac. 98. 9b. 16 a. u. b. (Fortsetzung folgt.) — o--------————«-v, ju auci Arbtiter Zusiicdmhrit b-eudit hatte, meldete sich der Schlosser Melle» (irrlhümlich lu dem letzte» Bericht so» LudivIaShave» Müller genannt) zum SBort. Alles war g, spannt,»m de» neuen Würgengel der Social-Demo- tratit ju höre». Ich bin schier dreißig Jahre hier Arzeilcr, sagte Herr Melle«, und war Werkmeister iu der Waggonfabrik und habe jetzt mei» Eeschäst für mich»ugefaugeu, und Biete werden mich kenneu.(Äeliichter.) Ja wenn Ihr mich nnterdrecht, diu ich lieber still. Bom Borfitzcnden auf« gefordert, weiter ,n sprechen, begann er wieder: Ich schließe mich der An- ficht de« Herrn DreeSba» nicht an. Ich will mich kar, fassen. Der Nor- trag war viel»u lang. Nur einen Punkt w ll Ich derllhren. Herr Dreesbach hat von Associationen gesprochen. Die Arbeiter können ja zusammen« »hen und ein iSeschSst mit einander treiben, fie haben ja da« Recht dazu. war DreeSbach natürlich gänzlich„geschlagen". Aber damit noch nicht genug. Unsere ReichStagSabgeordneten mußten noch herhalten. Betrachten wir die ReichStag«abgeordneten,'s, blechredete Herr M-ller welter, diese haben gegen ihr eigene« Baterland gestimmt, find„Rcichsfeinde" und noch ähnlichen Blödstan. Jetzt war Ludwig»hafen gerettet. Nun kam DreeSbach wieder zum Wort. Solch einen Gegner zu widerlegen, war für denselben leicht und Herr Mrller mußte unter Gelichter da« Lokal verlassen. Den zweiten Punkt erledigte ebenfall» Herr DreeSbach zu Aller Zusr«denhcit. Nachdem der Lorsitzende zum Eintritt tu den Verein und zum Abonnement ans den.Neuen«rocial-Demokrat" aufgesorderl, wurde die Versammlung aeschlossen. Mit social demokratischem Gruß Christoph Süppelmaier. Rttnschtid, 23. Blirz. l»,»«Versammlung.) Sonntag, den 21. ds«., hielten wir ein« glänzende Volksversammlung ab. Blrlr Besucher maßten wieder umkehren, denn nicht einmal zum Slehen war mehr Platz. Urb er die Forderuiigen de, Socialisteu und die Angriffe der Gegner refe« r'rten die Herren Luchtenberg und Stuhr unter allgemeinem Beifall. Fol- geübt von dem Unterzeichneten eingebrachte Resolution wurde einstimmig angenommen:.Die heutige Volksversammlung erklärt sich mit den Forde- rungen der Socialisteu einverstanden nnd erkennt, daß nur durch Umgestal- tui.g der heutigen Gesellschaft gc echte Zustände herbeigeführt werden können, und daß ferner die« Ziel nur dann erreicht werden kann, wenn die Arbeiter bei den Reichstage wählen nur den Arbeil erk. ndidaten Ihre Stimme geben." Eine Tellersommlung lür gemaßregelte Parteigenossen ergab 12 30 Mark. Nene Parteigenossen wurden auch dii«mal wieder gewonnen. Mit social- demokratischem Gruß PH. Areb«. Bremen, 22. Mär,.(Sin Strike der Steinmetzen) ist hierselbst ausgedrocheu. Bor Zuzug wird gewarnt. Ausführlicher Bericht folgt!u nächster Nummer. Flensburg, 23. März.(Schreiuerstrlke.) Alle Kollegen ersuchen wir, den Zuzug streng fern zu halten, da ein Theil der hi-sigen Schreinergesellen strikt, weil nicht alle Arbeitgeber unsere Lohnforderung brwill'gt daben. Unser ArbiitSuachweisebureau b> findet sich bei B- ß, Heiligegeistgaffe Nr. 22. Da« Somitö. * Sin jedenfalls höchst origineller Fall ist iu der Reich«. Hauptstadt vorgekommen und verbürgt eius-nder dir Wahrheit uachsteheuder Mittheilaug: AuS einer AoukurSmasse«urdea vom Gericht die üblichen Mahnschreiben an die Schuldner deS.Pleite» geherS" gerichtet. Unter Anderem war die Kaiserin von -vcutfchtäad mit einer Kleinigkeit au« WeihnachtScin« kaufen im Rest, und das daraus bezügliche Mahnschreiben mit der Adresse:„Au die Kaiserin Augnsta Majestät" kam mit der Postarmerkang:.Wegen WohuuogSangabemangel retour" an den Verwalter der Masse zurück. Ich werd' eis gottessei'ger Mauu. Von W. W. Köulgswiuter. Ich habe long genug gelungert Nach Reichthnm, Stellen, Orden, Sold, Und Hab' m:tn Leben lang gehungert, Fortuna war mir nimmer hold. Was bleibet einem armen Schlucker, Der läufig lebt, gleich wie im Bann? Ich bin gefaßt, mir winkt der Mucker, Ich werd' ein gottesseel'ger Mann. Sie wnckten all', die loa« geworden, Ich mucke mit, dann locht da« Glück, Ich Hot' Such«In an Amt und Orden, Bin ich auch noch so weit zurück, Den Blick hinauf, da« Haupt hinunter, Lang da« Geficht, schwarz angethan, Und Bibelsprüche kunterbunt»., Ich»er»' ein golleSsel'ger Mann! Seht nur das Volk! Mit lnst'gem Ranzel Stndirte der und leerem Kopf— Gr betete— nun auf der Kanzel, Macht selbst dem Herrgott er den Zopf— Der hilft verwalten— niemals trafen Wir solchen frommen Esel an Bei allen Srd'« und HimmelSschafen; Ich werd' ein gottcSsel'g:: Mann! Und Jener richtet I Asiatisch Eiu Sultan thäz' er'» lieber noch, Ein Andrer lehrt und paukt emphatisch, Der bläst au« der Scholastik Loch. Hört den Soldat, wie er al« Meister Testamentarisch fluchen kann! Da« Mucken protegirt die Geister, Ich werd'«in gottessei'ger Manul Poet und Künstler! Seht fie schaffen, O, Heil'ge hinten, Heil'gc vorn, Und an» dem Hetl'genscheln der Affen Blickt heimlich oft de» Teufel» Horn. E« geht nicht mit dem Comwnalsmn«', Vernunft, dich gib' ich gänzlich d'ran, Hoch Himmel, Hölle, Pietismu«! Ich werd' ein gottessel'ger Mann! Gleichviel, welch' Amt!»-evn die Minister, Sie glanben Alle, daß e« kracht, Ich untnschreide da« Register, Daß nur der Glanben selig macht, Und länger bleib' ich nun kein Schlucker, Der laufig lebt» gleich wie im Bann, Ich bin gefaßt, mir winkt der Mucker, Ich werd' em gottessel'ger Mann! An die Berliner Parteigenossen. Da ich gerade iu Berlin anwesend dw, so ersuch« ich alle Berliner Parteifrennde, der guten Sache wegen an der am erst« Osterfeiertage im Louisenstädtischeo Theater statifindeudw Matinee Theil zu»ehweu. Mit bestem Gruß, Hasenclever. Mit dem 1. April beginnt das erste BieiteljahrSaboonemeut des„Agitator".— Wir ersuchen Diejenigen, welche abonoire» wollen, die« bei den Postaustalteu bis fpätisteuS zum 29. März zu thnn, d- vom 30. März ab ei» Zuschlag von 10 Pf. selten« der Post erfolgt.— Gleichzeitig bemerken wir, daß der„Agita- tor" unter der Rammer 26 a. im Postkatalog eingetragen ist. Der Preis beträgt bi« zam 29. März anSwärt« bei des Postaustalteu 90 Pf.; in Berlin bei der expeditio«. Klein«»u. dreaSstraße 21, 0., und bei allen ZeituagSspediteureu Vierteljahr. lich S0 Pf., monatlich 30 Pf. Unsere Parteigenossen serden ersucht, für eiu recht zahlreiche« Abonnement zu sorgen. Bei Bestellungen von mindestens 10 Tx-mplareu direkt bei der expeditio« tritt«ine Preisermäßigung von 90 auf 50 Pf. nnd von 30 auf 17 Pf. ein. Gleichzeitig dien« Fs�-ide«, auf mehre Anfragen, zur Auf- kläruug: Sobald die zemeillsamt Bestellung 10 exemplare erreicht hat, st-d für jede« Exemplar monatlich 17 Pf., vierteljährlich 50 Pf. einzusenden. Der Ueberschnß ist für die«trtreibnng, resp. weitere Berbreitnug deS Blattes an dw einzelnen Orten, wo die Bestellungen gemacht find, bestimmt. Di« Redaktion und Expedition de«„Agitator". Briefkaste«. Im Briefkasten können nur derartige Aogelegeoheiteo«r« ledigt werden, die entweder von Partei- oder össeatlichem In« teress. find. Langenhagen, NenmünScr. verweise Sie ans die hentiae«nzelee km Blatt(Detailpreise). An Porto ist 20 Pf. genflje, Maoß, Lauenbnrß. Für April können Sie bei der Post nicht abon- niren. s-nderu nur für die zwei l-tzt-n Monate eine» Quartal«: ob diese Elnrichtang praktisch wäre, Ist noch ft-gllch, wir könnm jedoch nicht« ,« deren evenincllen Einführung thnn. Die Sxv-dllion. Herrn Tennhardt, Naumburg. Bon welcher Lieferung ab wünsche« Sie den durch E. bcftellten Roman?__ H. x. Annoncen. Souvtog. den 28. März. Vormittags 11 Uhr, Im Louisenstädtifchen Tdear.r. Dresdener- straße 72, Grosse Matinee, unter Mitwirkung deS Henneberg'sche« OperucvrpS, der Opernsängerin Frau M.... deS Klaviervirtuosen Plotho, de« Komiker« Herrn Fischbach, der Kapelle de« Haufe« und anderer geschätzter Kräfte. Billct« vorher 4 Sgr., n der Kasse 5 Sgr. Billets find zn haben bei folpeuden Herren: Eck«, Alte Jakobsstr. 46, Im Tigarrenladen; Thierftein, Kaiser- und Schtlllngstr.-Ecke im Uhrmacherladeu: Dietzmann, Waß- mannstr. 6, im Tigarrenladen; Winnen, Lottumstr. 22, 4 Tr; Malkvwltz, Boisiz. siraßt2, 1 Tr; Zimmermann, Lothringer- straße S8/3L; Baethk', DreSdenerstr. 5, Kapell, Waldemarstr, 56, und Oranieu- Straße 8, 1 Tr. Der Reinertrag Ist zu einem wohlthätigen cke bestimmt._ A. Baethke.[5,20] 5?- Berlin. «•6'�iche Bersamml»«,;: s bea 37. März«b. 8s kldr. TSIUUldesd,'schen Lokale, Kommandallten. lm � ratw.il 79.(Oberer Saal.) itraße 77— Stöhr. Referent: Max>. Zutritt. fS.60I Jedermann d« fr... den Berliner Arbei. Neue Mitglieder sür'kommen. ter-Wahlverein weiden ans», Baethke. Albe. ifcn die Bcr- Während der Feiertage fa. sammlnvgen aus. Tienfiag, den 39 März, Omill. Mo-ge-l» Ii» llhr. in Grätz' Salon, Brnnnenstr. 140, Oeffentliche Cigarrenardriter- Bersamml««g. T.-O.: Die jetzige Krise und ihre Eiuwir- kimg auf die«erltner Tig.-Arb� und die Verlegung der Fabriken noch auswärts.— verschieden-«.__ Die Ein b tiefer.[2,00] Mapsin Dienstag. dcnW7Mrz� 'Lkrilltt. Borm. 9s Uhr, nn Saale Sophienftraße 15,[1,60] Generalversammlung sämmtlicher Schneider. T.-O.: Die GeschäftSlvstgkett de« der- fiosse.'cn Winter» und unser Verhalten zn derselben.— Für B-rdrcitnng ist zu sorgen. N»rsin Dienstag, den 39. März, ■Orruu. vorm.• Uhr. bei Gratwell, Kommandanteustraße 77/79, Veneralvers. sämmtl. Schuhmacher. T.-O.! stehe Lufaßsänlcn.[l,00] _____--hril bRorlin c onntag, den 4. tl»' -'V'-l lll»» Vorm. I9j u.r,'001 Sophicnstraße 15,[3, Geschl. Mitglieder-Qersammlung des Berliner Arbeiter-Wchlvereius. T.-O.: Abrechnmig pro Jannar, Februar und März. Antrag des Borstandes, behnss Anschaffung socialistischer Preßerzengvisse. Alm»»': Entschädigung de« Kassirer«. Mit- theilnvgeü, d'st velstand btst-ffend. Ber- I. dieser Versammlung»u erscheinen. Neue Mitglieder werden ansgenommen. A.«aetbke. Vorfitzend-r. Hamburg. tu Stadl!'«, früher Tütge'« Salon, zur Ueier Ferd. Lassalle's Svjähr. Geburtstag, Großes Concert, arrangirt von der Liedertafel„Lassallea", unter frenudl. Mitwirkung mehrerer Lieder- tafeln(ca. 150 Sänger) und de« berühmten TrompetirS Herrn Mohrmann, unter Lei- tung des MustkatrektorS Herrn Ioh. Schnitze. Zur Auffüh ung tommt u A.: Bei UN« z'Hau«, Walzer von Strauß, ausgeführt von jämmtl. Säugern mit Mufikdegleitmig. Festrede, gesvrochen von Hrn. G. W. Hartmann. Nach u« Concrrt at.t- Saa'Sfftiung 8 Uhr.— Anfang 9 Uhr. Karten, a 30 Pf, find zu haben bei Eskel- . Paulstr. u. 40- in der G-Ib'fchen Buch- handln.'�' �bslngsmarkt macherga.« 58' Schramm,»./»st.«-«straße nnt. 7V; P/ump, Balentinskamp u. ... Den Maurern zur Nachtlicht, dbß iü nach,- per Woche keine veisammluaM ftattfii'/aen. Eon. tag, den i Tpril. B-rm., 19 Uhr. bei Hrn. Lieber, Tlsaffastr. 14/15, Generalversammlung der Maurer Berlins und Um- geaend. T.-O.: Die Logn- und ArbeitSveihält- risse für diesen Sommer.— De» verband der deutschen Bangcwerksmelste, und ihre auf der Generalverfammimig zu Hannover, vom 14. bis 16. Februar d. J.. gefaßtm B-fchlllffe gegen die Gesellen. Ich ersuche, zu dieser Versammlung gut zu agMr-ll. damit alle Mann zur Stelle find. Hnrlemann.[400] Meister, Gr. �«kt 35(Stadt v"TJ in Altona Kl. Freiheft hxf Mein«; bllea �»mitsmltgtiedeen. in allen B-rfitt-u. ln'agen nnd bei allen Mitgliedern der Liebe,- 1 t-ls-h-„Lassallea". Kafsenprei» 45 Ps.. Oer Nrine: trag ist für Gemäß- regelte bestimmt» Der Vorstand. � fhltmftlirft Donverstag, L April, •yuuiuuiy.»dcuds Uhr, im Salon zum Roland, 1. Jakobstr. 19, Mitgltederversammlnng des Allg. deutsch. Bau->md Erd- arbeiter-Lereins. T-O.: Monatliche Abrechaung und ver- einsangelegenheiten. Der B.vollm.~ .�nmhltrrt Dienstag. 39. März, -yuuiuiuy. Adeabs 8j Uor, im Lokale de« Hrn. Hübncr, Er. Rosenstr. 3 Geschl. Mitgiiedervc. samvelung des Mg. deutschen Töpfer- BeremS. T.-O.: Berei nsangelegenhelten. Der Bevollm. Hamburg. in Fchrmann'S Tlnd- it. Ballhaus, Pferdemarkt 43, Stiftungsfest ulld Kränzchen der Liedertafet„vaffallea". Saalöffrung 5 Uhr. Ansang 6 Uhr. EaUse für einen Herrn nebst Damen 60 Pf. Alle Freunde und Social-Demokrateri Hamburg« werden hierzu freundlichst einge- laden.__ Der Vorstand.[2,80] Hamdurc Dienstag, den 39. Mvrgea« 91 llbr in Tütg«'« Salon, Valentinskamp 41, Große öffentliche Schuhmcch rversawmlung T-O.: Die Korporatlvbcweznng und dt« Vereinigung säamtllcher GchnhmacherDeutsch- laich«. Referenten: Herren Hartmann nnd Auer. S-ictel. ll.60] Hamburg. in der Herberge, Delegirtenversammlung T.-O.: Unsere jetzigen Lohnverhältnisse nn», wie verhalten wir nn« jetzt dazu. Alle Tischler werden aufgefordert, zu dieser Versammlung D-lcgirtc zu senden. __ H. C Dvvse.[2.90] Berlin. Die Beiträge der f-eien Kranken- und B- grstbnlßkasse der Sch«ch«acher werden voi: Montag, den 5. April, bei Kraiwcil, ent- ptgevacriomme«: dz'e.dst S-schieht auch die neuer Mitgl. P" k»tst. Hamburg. In Tütge'S Salon, valenttuskam? 41, Große öffentliche Arbeiterversammlung. T.-O.: Arbeitslohn und GcschästSgewbin und zwei Artikel der Hamburger Reform.— Referent: Hr. Kapell an« Berlin.[2.90] Köster. Hamburg. In Tütge'S Salon, BalcntinSkamp 41, Mitgl!ederversamml««g deS Allgem. deutschen Maurer- und Steinhauer-Bundes. T.-O.: vortiog. Innere Angelegenh-Iten. W. Schröder.[l,30] 2 neue Sopha'« siad billig zu verk. bei W. Timm, Breitestr., Pl. 16, 3. Lt., Ham- bprg- Auch das. Poiftttgrb. bes.[1,50] Somledenb, 3. Apnl, vllluourg. Ndtnds 8; Uhr, im Sal»), zum Roland, 1. Jakobsstraße 19, Meveralverfammlung des KorbmachcrbundeS burg-Altona-Ottenscn .' i Halb]. Abrechnung. Wähl i«weS Schr.ftfüh'-rs s» i-S.'w' uachwelfungsbureans. � Rene Mitglieder wcrd.a �S-u.mmem� Ssnattg. 28. Mär,, /iltOttlU Nachm. 4 Uhr, lm Englischen Garten, Großes Boeal- und Justrumeutalcoueert, verbnnden mit deklamatorischen Vorträgen und unter Mitwirkung namhafter Lieder- tafeln. Karten, i 4 Schill., sind an allen bekann. ien Verkaufsstellen»n haben Kasscnvre'S 6 Schill. Damcnkartrn 2 Sch. " Da« Samilä.[2,80] Empfehle reelle gute Ttgarren eig. Arbeit. Phssipp, fl. Drehbahg 3A H-mbMH «Kaiujc zu vu. 00 ves„yteuen �ociai-�emoirar. Sonntag den S8. März R87S. £1 1 Ein Gang dnrch die Berliner Proletarier»ohnn»ge». lvo� Gustm» Rasch.)" An eiuem schönw, sooumlmchtelldell FrühlingSmorgni be- suchte ich eiueS der kaserueuartigeu Familieugedäude. Die laugen Keusterreihru uud die vieleu aufeiuandergesttzteu Stockwerke werden dem Leser«euigsteu» aus der»ach der Straß» zugelehr- ten Frout bekauut skia. Im Thiergarteu sangen die Nachtigallen rnd Grasmücken und Millionen glänzender Sonvendildchen fan« kelreu und schimmerten ans den grüllen, frischen, noch nicht vom Staub und von der Hitze gelbgrfärbtru Blättern. Ans de«»ei« ten, wüsten Saodplatz, der den inneren Hofraum d«S graue», dunklen Gebäudes bildet», blüht« kein» Blume und rauschte kein Blatt. Weder der heitere Frühling,' noch der grüne Sommer, noch der gelbe Herbst leihen dieser einförmigen, grauen Fläch» ihre Farben, nur der Wiuter ist mitleidig gegen die arme» Leute; er breitet seine weiße, glänzende Schneedecke überall auS, wäh- rend die anderen Jahreszeiten hochmüthig and achfelzuckeud vor» übergehe». Ja dem Saude spielten Hunderte von zerlumpten Kindern, barfuß, ohne Schuhe uud Strümpfe. Di« Kinder waren noch nicht acht Jahre alt, denn, wen» sie das achte Jahr erreicht habm, dürfen fie hier nicht mehr spielen, sonder» müssen de» Eltern bei der Arbeit helfen und mit ihren lleiueu, zarten Fingern Garn haspeln. Eine Frau faß mitte» auf dem Hof« in eine« sonder« baren Häuschen und verkaufte Blumen oder Kirschen; aber ich sah keinen Menschen, der ihr eine Blume oder eine Kirsche ab» kaufte. Ihr HanS bestand in«iuer große», gerade aufgerichteten Tonne, au« der der obere Boden un» die vorder« Wand heraus« geschlagen waren und der fi« ein Dach von grauer Sackleinwand in der Form einer spitzigen Mütze aufgesetzt hatte. Recht« auf dem Hofe stand ein kleiueS einstöckiges Hau«, welche» nur au« einer einzigen Stab« bestand. Ich trat htosi». E« war die Wohuung des Verwalters oder Inspektor« des FamilieahaufeS. Die Stube war durch eiae Hölzerae Barriere in zwei Theil» getheilt. Hinter der Barriere saß auf einem Schemel an einem kleiuen Pulte ein alter, magerer Mau», ein paar große Register« bücher vor stch habend. Um feinen halbkahlen Kopf flatterten einige spärliche, graue Haare, welchr er, als er die Mütze ab- nahm, mit Mühe znsammeustrich. Als Inspektor des FamilienhauseS hatte er mit sechSzehu Thaler monatlichem Gehalt eine kümmerliche, magere Ruhestätte. Ich setzte wich auf einen zweiten Schemel de« sogenannte» Tom- »oirS und suchte mit ihm«in Gespräch über die Verwaltung sei- neS Amtes und die Znstäude de» Familteahanfe« zu beginnen. Der Mann war aber so gleichgültig, daß er kaum Last hatte» mir zu antwottev, uud nur nach mehrmaligem Fragen über drnselben Gegenstand kouote ich ihn zu einer Aeußeruog vermögen. „Worin besteht deuu hier eigentlich Ihr Amt?" fragte ich den alten Manu. „Ich kouttolire die Seelen," war die Autwort. Ich horcht« verwundert auf. Wenn et» Leibeigenanfseher in Rußland oder ein Sclaveuvoigt in den südliche« Staaten der amerikanischen Union mir dies« Antwort gegeben hätte, hätte iib mich nicht gewundert, aber hier in der. sogeuannteo Metropole der„Intelligenz" Staatsbürger„Seelen" genannt zu hören, da« klang mir doch märchenhaft souderbar.„Die Seelen?"»teder« holte ich fast mechanisch. „Nun ja, die Seelen," sagte der Manu,„die hier im Hause wohnen; wir rechnen nach Seelen." „Wie groß ist die Zahl der Mirther,»der dir der Seelen, wollte ich sagen, deun jetzt?" Heute find«S 1021 Seeleu. 146 Familien machen 1021 Seelen au». Zwei Drittel von diesen find jung« Seelen." Da« war für mich eine ganz neu« Nomeuclatnr, welche gewiß noch in keinem Wörterbuch« der drNtsche» Sprache vor- kommt.„Wae sind denn junge Seeleu?" fragt ich ueuerdiug«. „Nun, die Kinder. Je mehr jung« Seelen die Leute- hier haben, desto besser stehen fie sich." Wiederum wacht« ich ei» erstauntes Geficht. Der Manu sah mich ungeduldig au, daß ich sein Deutsch uud seine Begriffe nicht verstand. Bisher hatte ich immer geglaubt, daß e« für arme Leute ein Unglück und ein Grund ihrer Armuth sei, viele Kinder zu haben; der alte Mau» stellte den Satz gerade auf de» Kopf.»od erklärte ihn so für richttg. „Warum fiud deuu die jungen Seele» ein Glück für die armen Leute?" fragte ich weiter. „Weil fie arbeiten uud Geld verdienen. Bon ihrem achten Jahre an arbeitet die Seele im Hause und vom vierzehoteu Jahre an in der Fabrik. Wenn nun Jemand zehn Seelen täglich arbeiten läßt und jede Seele täglich 6 Sgr. verdient, rechnen Sie nach, was da« einbringt. Sehen Sie mal au« dem Fenster, e» schlägt jetzt>/4 auf 1 Uhr, die Seelen müssen sogleich au« den Fabriken über deu Hof kommen." Ich sah auS dem Fester. Haufeuwei« und truppwei« zogen Hunderte von erwachsenen Kindern an dem Eomtoir deS Seelen« Wächters vorüber, bleich, armselig gekleidet, Knaben und Mädchen, viele in Lumpen, viele ohne Strümpfe und Schuhe. Sie liefe» nicht, fie jagten fich nicht, fie jauchzten und schrieen nicht, wie fröhliche Kinder, welch« die Schulstunden hinter fich haben uud die übrigen Stunde» de» Tage« mtt Spielen und Umherlaufen verbringen, sondern fie gingen langsam und ruhig vorüber, wie erwachsene und verständige Menschen, um das kärgliche Mittag«« mahl bei ihren Elieru oder Angehörigen einzuuehme», wenn eS überhaupt ein Mittagessen gab, uud nach einer halbe» Stunde neutrdingS wieder in die Fabrik zu gehen uud die eintönige Ar« twit de» Morgen» für den Lohn einiger Silbergroschen fortzusetzen. Bon allen Kindern trat auch kein einzige« au da» Tounrnhau» der Obsthäudlerlu, um für einigt Pfennige Kirschen zu naschen oder fich ein Blümchen zu kaufen. Alle Freuden und glücklichen Stnudeu der Kindheit gingen in dieser zwölfstündigen Arbeit auf uud wurden vom HiaSpel»od vom Spionrad« kousumirt. Die jugendliche Fröhlichkebt und der kindliche Sinn schwaodeu im Geräusch der Maschinen und vor dem strengen Blick de» Werkmeister«, der darauf«ch.teu maß, daß in jeder Stnad« auch da» verlangte Pensum abgehmkpelt oder abgewickelt wird. In der Mitte der Sandwüste tteuuteu fich die jagendlichen Arbeiter uud Arbeiterinnen, manche schauten sehnsüchtig nach den Blumen und Kirschen der Obstfrau hinüber uud zerstreuten fich in die verschied««» Thüreu und Gänge det großen, grauen Häu« ser.— Ich schloß da» Fenster uud setzte mich wieder auf den Schemel. „Kann denn Jeder hier bei Ihnen eine Wohnung fiadeu, wer will?" fragte ich de» Inspektor«efter. „I bewahre," erwiderte er,„nur der, welcher im Boraus bezahlt, wer Sache» hat und vorher nicht anderswo exmittirt ist." Also ganz, wie in de» großes Häusern der Stadt, dachte ich, nur mit dem Unterschiede, daß der Miether hier Kinder ha« den kann, so viel er will, und die Kinder ihm sogar zum Wohl« stände angerechnet werden. „Wer«ohut denn eigentlich in Ihren Hänsern?" fragte ich weiter. „Lauter Weber uud alte, arbeitsunfähig» Leute," war die Autwort. Ein Weber verdient wohl den niedrigsten Lohn von allen Korporattoneu, uud kann deshalb auf die Wohnung nicht viel verwendeu; jede Familie bewohnt nur eine Stube. Wer nicht ganz pünktlich bezahlt, wird sofort exmittirt uud seine Sa- che» werden eiubehalteu. Hier stehen fie Alle tu meinem Buche uud monatlieb kontrolire ich die Seelen, die zahluugSonfähig fiud." Mein Erstaunen wuchs von Neuem. Unwillkürlich brach ich iu die Worte auS:„Da braucht man wahrhaftig ja nicht in da« Erzgebirge zu reifen, um bei den dortigen armen Webern uud Spinnern menschliches Elend zu sehen!" „Da» hiben Sie auch gar nicht uöthig," erwiderte der Manu.„Gehen Sie nur iu das FamilieuhauS. Siebert, Sie- bert, komm''mal her!" rief er dann mit einer starken Stimm«, welche ich ihm gar nicht zugetraut hätte, au« der Thüre seine» ComtoirS auf den Hof. Siebert kam. Er war ein alter, aber noch kräftig aus« sehender Manu mit krausem Haar, in LeinwandShosen und Hemd»- Srmelu. „Siebert, führ« deu Herrn'mal iu die einzelnen Swbeu, aber zu deu ordentlichen Leuten," sagt« der Inspektor. Ich verabschiedet« mich von dem Berw�lter de» Familien« Hanse» und trat in Siebert'S Begleitung meiueu Weg au. Ueber deu großen, wüsten Saodplatz, an der Obsthändlerin in ihrer Tonne vorüber, gingen wir in da» gegenüberliegende HauS und stiegen in da» erste Stockwerk hinauf. Di« Treppe war eng und die einzige Treppe im Hanfe; fie nahm nur die Breit« eine« Fenster» ein, also nur die Hälfte einer Stube. Der Treppm« flar war ganz dunkel; deun an deu Treppenfellsteru fehlten die Schüben, und diese waren durch vorgevagelte Bretter ersetzt. Während wir im Zwielicht die Treppe hinaufstiege», bemerkt« mein Cicerone erklärend: „Seheu Sie, die juugeu Seelen schlagen die Scheiben doch nur ein, da haben wir denn statt der Scheiben Bretter voruagelu lassen." Da» AaSkauftSmittel war zu naiv erfunden, um auf die Erklärung Etwa» zu erwidern. von dem Treppenflnr liefe» schmale Gäuge au», so eng, daß nicht zwei Menschen neben ein« ander gehen konnten, an denen die Eiagioge za deu vorderen uud hinterm Stube» lagen. Die Wände hatten, so viel ich im Zwielicht sehen konnte, einen gelben Ockeraustrich, der iudeß au de» meisteo Stellen heruntergefallen war. In einem dieser halb- duuklm Gäuge öffnete mein Führer eine Thüre, und wir traten in ein« Stube. Die Stube hatte eine Länge von höchsten» fie« ben, eine Breite von ungefähr fünf Gchrittm und erhielt ihr Licht durch zwei schmale Fenster. Die Wände hatten auch hier den gelbm Ockeranstrich, wie die Gäuge; au viele» Stellm war der Kalk von de» Wänden gefallen, an anderen war er dem Her« uvterfallen nah». In der übrigen» mit großer Sauberkeit uud Ordnungsliebe aufgeräumten Stube war jede» Plätzchen uud jeder Wiakel so besetzt, daß wir Mühe hatte», für unsere vier Füße einen Raum zn finden, um stehen zu können. Zwei große Webe« stöhle nahmen deu Raum au beiden Fenstern und die Hälfte der ganzen Stube ein. Hinter jedem Stuhle saß ein junger Mann iu Hemdsärmeln und arbeitete thättg darauf loS. Zwifchm bei« de» Webestüh leu faß ein Kind von vielleicht fiebeu Jahren und war emsig mir de« Haspeln von Garn beschäftigt. ES war eine junge, arbeit- nde Seele. Nebe» ihr saß ein« Frau und drehte da« Spinnrad. Sie konnte höchsten» dreißig Jahre alt sein; denn fie war die Frau de» einen jungen MauueS hinter dem einen Webestuhl; aber fie hatte da» Ansehen einer Vierzigerin. Ja einer Proletarierfamilte muß die Frau am meistm und am anstrengendsten arbeiten, denn außerdem, daß ihr die Sorge für die Bewirthuag und Berpfleguog der ganzen Familie auf dem Halse liegt, muß fie auch zum täglichm Erwerde mithelfe» und also alle Tage zehn bis zwölf Stunden am Webestohl oder am Spiunrade zubringen. Die Stunde der Erholung, welche der Mann, eine Dreiercigarre rauchend und vor der HauSthüre fie« heod, vor dem Schlafengehen zubringt, wftd auch bei ihr durch die Sorg« für die kleinen Kinder tu Allspruch genommen. Ein« solche Proletarierftan ist da« gedrückteste uud gequälteste Geschöpf auf der Erde, die weiß« Sclavin der modemm Zeit. Wmu die Proletarierfraueu dann früh alt werden uud mit vierundzwaozig Jahren aussehe», al» wären fie viernudvierzig, so ist das kein Wauder. Auch diese Frau, die hier am Spiun- eade saß, trog den Stempel der Roth ans ihrem Gesichte und ans ihrer ganzen schou verfalleuden Gestalt. Sie hatte sechs Kinder, von denen da», waS neben ihr am Garnhaspel mit den zarten, kleinen Fingern arbeitet«, da» jüngst« war. Die übrigen Kinder standen alle iu dem Alter von neun bis vierzehn Jahreu uud arbeiteten fämmtlich bereit« in einer Fabrik. Der junge Manu drüben am anderen Webestuhle wohote iu der Stube mit! und war noch uuvrrheirathet. E« wohnten also ueuu Meusche» in dem engen kleinen Raum. Eine Kommode, ein Tisch und einige Stühle von Birkenholz, zwei Betten und allerlei Gerüm- pel nahmen deu übrigen Raum der Swbr ein, deu ein großer Ofen übrig ließ. Dieser Ofen dieote zugleich al» Feuerheerd, Küche und zur Erwärmung der Stube. ES war draußen eine Wärme von 20 Grad R�aomur im Schatte» und hier»rinnen brannte«iu Feuer im Ose», deun e« war Mittagszeit und«S maßte gekocht werden. Die Hitze uud der Dunst iu der Stube waren fast uuerttäglich, obfchoo beide. Fenster geöffnet waren. Keine Stube im Familieuhausr hatte nämlich«in« Küche, die Küche würde ja Raum wegnehme», und da fi« nicht zu dem Preise»iuer Stube vermieti et werden kann, würde sie deu MiethS- ztnS verringern. Im Sommer ist e» nun in den Stube» vor Hitze nicht auSzuhalteu uud im Winter, wo die Fenster nicht geöffnet wer- den können, vor Dunst nicht. Wenn in demselbel, Räume uenn Menschen wohnen, trinken, esse» und schlafen und für diese neun Menschen noch gekocht wird, wen» während de» WinterS dazu der Ofen geheizt wird und die Fenster verschlossen find, wie enorm muß der Sttckstvffgehalt die« ser Luft sein, welche durch den BerbrenuuugSprozeß und durch da» Athwe» von neun Menschen erzeugt wird, und dieS um so mehr, weil durch den im Winter nothwendigen Verschluß der Fenster die freie Bentilatio» der äußeren Luft ja gänzlich auSge« schloffen ist. Dem Uebelstande ließe sich freilich dadurch leicht abhelfen, daß man in jedem Familieohause mehrere gemeinsame Küchen er. baute uud jeder Familie in jeder Stube eine Feuerstell« zuwiese. Es geschieht natürlich nicht, weil e» der Spekulalion der Eigen- thümer der Häuser nicht vortheilhaft ist, welche die Stube zu einem höheren MiethSzinS ausbringen können, als eine Feuer. stelle. Was geht die Eigenthümer de» HaufeS die Gesundheit der Bewohner an? Der Inspektor im Comtoir am Eingänge hat nur zu kontrolireu, daß die Miethe regelmäßig monatlich gezahlt' und daß au den Wände», Fenstern und Thür«» uicbtS roinirt wird; über den Gesundheitszustand der Seelen in den engen, heißen Stuben hat er iu seinen Büchern kein Register offen. Ich sprach mit den beiden Webern am Fenster und mit dem armen Weibe am Spiunrt.de darüber; auch sie erklärten diesen Uebelstaud, abgesehen von allen anderen Uebelstäudeu, für uuer« träglich und für der Gesundheit höchst nachthe-lig; aber waS soll« te» fie machen? Der geringe Verdienst bannte fie iu diesen engen Raum. Di« Armuth war da« unsichtbare Band, wa» fie an die dunstige heiße Stube fesselte; fi« war die Kette, welche fie unauflöslich von der Wieg, bis zum Grabe mit � sich schleppen mußten. Wenn ihnen die Wohnung nicht gefiel, kouuteu fie stch ja eine Wohnung für mehrer« Hundert Thaler iu den schönes Häu« fern in der Stadt wiethen— das war die einzige Erwiderung auf ihr« Klage», die allmählich vou selbst verstuwmteo, da fie fruchtlos wäre». Wir gingen wieder. Die Webestühle klapperten hinter nn«, daS Spinnrad und der Garnhaspel schnorrten, um die verloreneu Minuten wieder einzubringen, und wir stiegen auS dem ersten Stock nach dem Parterre auf der schmalen dunklen Treppe hin« unter. Ich hatte die ordeutlicheu Leute iu der Bel-Eeage des Haufe» gesehen, ich wollt« ouo die Seelen iu der Kellerwohnung besuchen. Au» dem Parterre de« Hanse« stiege» wir auf eilligen ge« brechlichen Stufen in die Kellerräume hinab. Der Gang war hier»och enger und düsterer, die Wände in»och schlechtere« Zustande. Eine schmale, gebrechliche Thür führte nuS iu eine Kellerstube. Sie hatte die Größe der Stube in den oberen Räumen, aber fie war weit niedriger und im Abputz der Wände und Decke weit schlechter gehalten. Ein großer Ofen mußt» auch hier doppelte Zwecke erMen. Die Fenster lagen znr Hälfte unter dem Niveau de» Sandplatze» vor dem Hause. Di« Wände waren ganz schmucklos, ohne Spiegel und ohne Bild. Mövel bemerkte ich außer zwei Betten, einem wackelige» Tisch oud einigen alten Stühlen gar nicht iu der Stube, von einer Kam« mode oder einem Kleiderspiode war nicht die Rede. Da» letztere war auch ganz überflüssig; deuu die arme» Weiber, die die Stube bewohnten, hatten gewiß keinen weiteren Anzog, al» die Lumpen, die fie ans dem Leibe trugen. Ein junges, hübsche» Mädchen stand am Ofen und war mit dem Mittagessen beschäftigt. Sie war gerade auS einer Kattaufabrik gekommen. Sie trug einen kattunenen, fadenscheinigen Rock; ihr weißer Hal« uud ihre schöngeformten Schultern waren mit einem weißen, reioeu Hemde bekleidet. Sie ging zur Wand, wo fie die Kattun« jacke aufgehängt hatte, uud zog dieselbe wieder an. Bater«od Mutter waren ihr früh gestorben; sie war bei mitleidigen Nach- barSlenteu, die auch im Familieuhauf« wohnten, groß gewvrden »od hatte bi« zum vierzehnten Jahr« täglich 5 Stunden und dann täglich 10 bis 12 Stauden die Kattunfabrik besucht. Ein« Freud« oder ein Bergnüge» hatte fie gew.ß nie in ihrem Leben gehabt; da» Leben bot ihr auch keine AuSficht auf eine Aeude« ruag ihrer Lage, wenn fie nicht vielleicht«in armer Seideuwirker oder Weber heirathete und fi« durch diese Heirath zur Ernährerin eweS halben Dutzend vou Kindern macht«.— Da war dir eigen« Existenz der Heirath noch vorzuziehen. Sie knöpfte züchtig die Jacke über ihrer jnngm Brust zu. Kann mau der Armen einen Vorwurf macheu, wen» sie e» nicht thut uud wenn fie durch ei» liederliche» Leben fich eine menschliche Existenz zu verschaffen ver- sucht? Drei alte Frauen waren gerade in der Stube auweseud, die übrigen waren iu der Stadt und beschäftigten fich mit dem Einsammeln von Knochen und Lumpen. Eine alte Frau saß am Spinnrade. Sie war bereit» 75 Jahre alt. Die Frau ernährte fich vom Spinneu, von dem, waS ihr mitleidige Menschen schenk- ten uud von den anderthalb Thalern, welche, fie gewöhnlich vou der Armendirektion erhielt. Sie mußte aber alle Monate von Neuem darum eiukommen, uud jedesmal erhielt fi« vorher einen Besuch de« Deputirteu, der fich die Gewißheit darüber verschaffte, ob die Frau wirklich de» Almosens noch immer bedürftig fei. Die zweite alte Frau, die iu der Stube umherschlich und drei Jahre älter war, beneidete fie darum. Sie kau», obschon fie kränklich ist und an einem offeoeu Schaden am Bein« leidet, zu einer Armcannterstützuvg nicht gelangen, sondern lebt lediglich von den Almosen, welche ihr mitleidig« Menschen in der Stadt geben.„Wenn ich betteln dürfte," sagte sie zu mir, ,würd« ich mich schon besser ernähren, aber ich will nicht im Arbeitshanse sterben." Ich hatte genug iu der Kellerstube geseheo, vertheilte«eitere» ..v uiit oiuuf vir jinj ooTitsct»eUagte, doß fic nicht bitttlv durfte, und ging mit dem Faktotum iu den finster» Gaugen auf und ab. I? den meisten Stoben, au deren Thören ich vorüberkam, hörte ich das Weberschiffcheu und daS Spulrad oder den Garnhaspel rauschen; wenn ein Name an der Thöre geschrieben war, laS ich darauter fast immer die Worte: „Wibcrgcsetle",„Webermeister" oder„ Seiden« irker". In eiuer Stube horte ich kein Geräusch; obschon ich dasselbe Wort auf einem an der Thür befindlicheu Zettel fand. Ich sah daS Fat- totum fragend an;»S begriff den Sinn meiner stillschweigenden Frage und sagte:„Er fitzt." „Wo fitzt er und warum sitzt er?' fragte ich weiter. „Im ArbeitShause. Er sollte die monatliche Miethe be. zahlen und konnte eS nicht,«eil er krank war i ad auch keine Arbeit hat. Sein« Frau lag krank im Bette nud der Inspektor hatte die ExmisfiovSklage angestellt. Da ist er in die Stadt ge. gangen und hat gebettelt. Der Schutzmann hat ihn dabei ab- gefaßt und nun fitzt er im ArbeitShause, wo er zu einer vier« zehntägigen Strafe wegen BagabondirenS und BettelnS veror- theilt ist." �Itnd die Frau und die Kinder?" „Die hat der GerichtSexekutor gestern auf die Straße gesetzt, weil sie drei Thaler Miethe nicht bezahlen konnten. Ich habe gehört, fie befinden fich auch im ArbeitShaase, im Saal für Ob- dachlose. Die Stube ist wieder vermiethet an einen Seidenwir- kergesellen mit einer Frau und neun Kindern; aber, da eS ein» große und stöue Stube ist, ist die Miethe um einen halben Thaler monatlich gesteigert." DaS Faktotum erzählte mir diese ganze Summe von Elend und Unglück, als weun es von einer ganz gleichgültigen Begeben- heil spräche. ES begriff nicht, wie ich darüber nur tu Verwon- derung gerathen könne, und meint», daS käme hier all» Tage vor. Auf mein« Frage, ob fich die Armeodirektion denn nicht darum beküm nere, eutgegnete»S,„da hätte dieselbe viel zu thuu." „Gehen Sic," fuhr er fort,„hier nebenan wohnt bei meh- reren anderen Lenteu«in alter W'bermeister von fiebevzig Jahren mit ein. Der Mann ist brustkrank und unheilbar. Deshalb entlassen sie ihn auch immer aus der Charit�, weil er ja doch einmal nicht kurirt werden kann. Weben kann der Mann nicht mehr mit seiner kranken Brust. Nau geht er bei den anderen Webern im Familienhanse umher und sucht daS Garn zusammen, was fie nicht mehr brauchen können. Davon macht er Schürzen- schnüre und verkauft diese Schürzevschnüre heimlich in der Stadt. Er darf aber mit den Schürzeuschnüreu nicht haufireo gehen, weil er keine Konzesflou zum Hauflreu hat. Er könnte die Kon- zesfion wohl bekommen, aber dieselbe kostet zwölf Thaler, und wo soll der alte, kranke Mann zwölf Thaler herbekommen; die hat -r seit vielen Jahren nicht mehr zusammen gesehen, viel weniger iieseffeu. Kriegen fie ihn dabei, so wird er bestraft und kommt n das Arbeitshaus. Aber er muß doch leben und kann von un paar Silbergroschen, welche ihm die Armendirektion monatlich ziebt, nicht«xistireu. In das Hospital kann er auch nicht kam- neu, denn er hat gar keine Fürsprache. Solche Geschichten könnte ch Ihnen ein Dutzend erzählen, wenn Sie fie hören wollm, ch«r eine ist wie die andere." Der Manu hatte Nicht. Eine ist wie die aaderr; nur das klend bleibt immer dasseloe. Ich � b dem Faktotum den Rest reiner Börse als Trinkgeld und t:e über die dunklen Gänge, ie holprigen Treppen und über den wüste« Sandplatz bei der )bsthä»dl«riu in ihrer Tonne vorüber, hinaus. Den Seelen- mchtrr hörte ich in feinem elenden Comtoir mit lauter und hef- ger Stimme schelten; er exmittirte zwei alte und zehn junge Seelen. * Ein englisches Blatt hat vor Kurzem eine Ueberficht über e landwirthschaftlicheu Verhältnisse des Bereinigten Königreichs -röffeutlicht, aus welcher wir folgende Mittheilung macheu: Im ahre 1868 betrug die bebaute Fläche, einschließlich der Wiesen td Weiden, im Vereinigten Königreiche 29.955,000 AcreS Acre— 40,«,, Ar), 1874 dagegen 31,267,000 AcreS. Die ervach ermittelte Zunahme von 1,311,000 AcreS ist zum Theil if die iu letzten Jahrea eifrig betriebene Urbarmachung von aideflächen, Moores ec., zum Theil aber auch' auf die forgfäl- »ere Erhebung zurückzuführen. Daß aber ersterer Grund we« ältlich in Betracht zu ziehen ist, geht daraus hervor, daß die sodeureute in England uud Schottland von 1857 bis 1870 eine '.rmehraog um 7,880,000 Lstrl. erfahren hat, und zwar war Iim Jahre 1870 in Euglaud um 16 pCt., in Schottland um pCt. höher als 1857.— Boa 1868 bis 1872 war die Ur- -machuug von Wüsten hauptsächlich auf Gewinnung pflügbaren kerlandeS gerichtet; feit 1872 zeigt fich jedoch eine vorwiegende Jgung, Wiesen und Weiden zu schaffen, um entsprechend dem twähread steigenden Fleischkonsum, sowie der größeren Schwie- kett, lebendes Bieh einzuführen, den Biehstaud zu erhöhen. ztereS ist thatfächlich auch der Fall. So betrug der für den ifchkoufum wesentlich in Betracht kommende Viehstand für die zeuden Jahre; 1871 Stück tdvieh 5,337,759 safe 27,119.569 »weine 2,499,602 1872 Stück 5,624,994 27,921,507 2,771,749 1873 Stück 5,964,549 29,427.635 2 500,259 1874 Stück 6,125,491 30,319,941 2,422.832 Dies» Vermehrung des Riod- und SchafviehstaodeS ist um mehr als eine außerordentliche zu bezeichuen, als die Rinder- und andere Seuchen iu den Jahreu 1870 uud 1871 den hstand Englands, besonders iu einzelneu Gegenden, empfindlich zeuommea haben. So erkravkteu au Seuchen tu Großbritannien: Stück Rindvieh Schaf» Schweine 1870 383,997 116,432 38,407 1871 525.392 174,635 54.931 zusammeo 909,389 291,067 93,338 denen ein beträchtlicher Prozentsatz auch der Krankheit erlag; die Verluste der Jahre 1872 und 1873 waren, beim Rind- wenigstens, nicht unbedeutend. Im Uebrigeu drängt auch Entwicklung der ländlichen Arbeiterfrage in England mehr mehr auf Wiedereivsührung eines extenfivereu WirthschaftS- ebeS hin. Der Arbeitermaugel auf dem Laude uud die be- tlichen Lohnforderungen zwinge» viele Pächter und Laodwirthe, veniger Arbeitskräfte erfordernde Viehzucht mit dem iuteufiven wirthschaftSbetriebe zu vertauschen. Im Jahre 1861 befan- sich in den lävdlicheo Wirthschaften von England und WaleS 958,000 ständig beschäftigte läudliche Arbeiter, iu deneu 'ttlaodS 105,000; im Jahre 1871 war« dies« Ziffern auf 798,000 bezw. 93,000, d. h. um 17, bezw ibge« funken. Die Städte nehmen auf Kosten deS stachen LanoeS fortwährend au Bevölkerung zu. Eiue neuerdings aufgestellte Be- rechnuag stellt beispielsweise fest, daß fich Stadt- und Landbevöl- keruug im Jahre 1874 mit 62 bizw. 38 pCt., 1871 dagegen noch mit 55 bezw. 45 pCt. au der G-sammtbevölkerung bethei- ligte. Nachstehend lassen wir ein» Ueberficht über da» Subauver- hältniß des Bodens iu Großbritannien folgen. Es waren be- stellt mit: 1871 1872 1873 1874 Acre» Acres Acre« AcreS Weizen 3,571.894 3,586,957 3,490,380 3,603.300 Gerste 2.325,783 2,316,332 2,335.913 2 287 987 Hafer 2,715,707 2.705.837 2,676,227 2.596.384 Kartoffeln 627,691 564.088 514,082 520.430 Rüben u. s.w. 2,163 744 2,083.507 2,121,908 2,133.336 Kutterkräutern 4,369,448 4,513,451 4,366,818 4,340,792 Osteru 1525. Der Bmidschud zieht Land aas, Land ein: Die Bauern wollen Menschen sein! „Un« ist erkaust durch Thrifti Blut Ein himmlisch uud ein irdisch Gut. Zu Bethlehem erschien der Sreru S» für den Hirten wie den Herrn. Ihr adcr habt vom Licht der Zouaen Stricte der Knechtschaft schnöd zespouueu. Die ihr da» Mark de» Lande» freßt, Herab v.m Aar- und HabichMestl Ihr mögt im Thal mit Frieden«ohnea Nach altem Recht;— doch Schätzung, Frohnen, Und was der Geiz zu uvf'rer Noth Ersonnen hat, sei ad uud todtl Die Thier' im lchöaeu GotteSreich Erschuf Gott für den Menschen Bleich, Nicht blo» zur Kurzweil reicher Prasser, Uu» frei sein sollen Wald und Wasser. Un» zu vcrtüudigen Hinsort DaS laui're, klare Gotteswort, Frei wallen wir, zum Heil der Seeleu, Die Diener uns're» Kirche wählen. Die Freiheit, die dem Recht»erwandt, Soll herrschen iu dem deutschen Land, Und über freien Re'chSgemeineu Verjüngt die Kaiserkrone scheinen."— Ein Wehe, ein Schauern da begann, Bio FrühliugSmorgenroth brach au. Dazwischen sang mit kühnem Schall Die Wittenberger Nachtigall. Die alten Sagen wachten auf Und gingen um iu schnellem Lauf: „Zu Ende geht der große Schmerz I Dir Schwauenberg, de» Reiche« Herz, Wird einstmal», ohne Ruck und Beben, Mitten in freier Schweiz fich heben." Der Bundschuh zieht Land an», Laad ein: Die Bauern wollen Herren selnl Nun alsbald auf den höchsten Gaul, Für Praß gesorgt, für Bauch und Maul, Gelärmt, geschwärmt, gepocht, geschlemmt, Dir Psaffeukeller voll geschwemmt Mit edlem Wriu, iu elt'lem Lougero, Da Weib und Kind zu Hause huugerui Das große Werk, der ernste Strauß Sieht schier wie eiue Kirchweih' au». Wohl iu die hullderttauseud Manu, Ein prächt'ger deutscher HeereSbauu, Und doch zu schwach dem kleinsten Stoß, Zerstreute Heerde« hirtenlo«! Kein Haufen folgt de» andrru Sinn, Fährt jeder ohne Rath dahin, Da» Feldgeschütz auf Karr'» geschnürt, Müssig wie Scheiter nachgeführt. Der sengt und heert in trunt'oem Muth Der quält Gefang'ae, schuldlos Blut. Der strotzt Iu Sammt uud Seide frei, Al« ob schon Alle» gewonueu sei. Im ganzen Aufgebot kein Halt, Die Aemt« ohne Amtsgewalt, Die Besten ohne Macht und Stimme, Mit Schrei'u uud Dräuen Herr de» Schlimm«! Ring« List uud Trug der großen Herr'u, Berrath bi« In de« Lager« Kerul Muth und Gewaltthat um uud um, Da» ist ihr Evangelium I Wie Dämmerung, so brach e« au, Ein wilde» Licht auf seiner Bah»— Da zuckt e« aus wie Wetterflammeu Uud brach iu Brand und Qualm zusammen, Helf Gott und über Deutschland lag Ein blutig rother Ostertag. Der Truchseß zieht Land au», Land ein; „Die Bauern müssen Hunde sein." Cr trifft fie einzeln, trifft fie schwer. Vom Hegau her, vom Schwabeumeer Saust eine dunkle SturmeSwolke. Da« ist Herr Jörg!*") E» gilt dem Bolle! Die Donau bebt, dem Neckar graust, Main, Tauber fühlen feine Faust. Sr läd't de» Wals zum reichen Fraßt, Uud Asche zeichnet ihm die Straße. Hin fährt die große Meuscheujagd; O Volk, wie trotzig uud»erzagt! Halt fest, du schwarze Fraukenschaar Mit deinem Geier,*"*) deinem Aarl Im Kirchlelu dort, im Trümmerschlosse,. Trotzt fie dem ganzen BoudeStrosse; Vernichtung weht mit heißem Hauch, Bis Alle« stüvzt iu Schutt und Rauch. Der Tod ist still, rechtlos da» Recht, Die Rache süß. Nun zeigt euch echti Nun knarrt die Folter, schrei'u die Rabe» In Sachsen, Frauken, Lothring, Schwaben, "