lamtr Ha«! a. dal Nr. II». Slimitag« drir Ift, GKWtrer>�7Z. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und i, uir Sonnabends Abends. Neuer 3. Jahrgang. Nedaction u. Expedition: Berlin, LO., Kaiser Franz-Ärenadier-Pl. 8a. Bestellunge n ! werden bei allen Postämtern, I in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgegengenommmen. SonalVemckrat. Organ der Socialistische» Arbeiter-Partei Dmtschlands. Inserate (nur in der Expedition auszu- geben) werden pro fimfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. berechnet. Versammlungs-Annoncen die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Re- klame-Zlnzeigen werden nicht aufgenommen. AbouncmcntS.-PrciS: Für Lrrlin»Kl.©ringcrlüfri virrtrljührllch vr�Kurnsrai�v Estland'vrstrNKich 3 �iüc Nied°r?�d«'>rnd Belgien 3°Rm.°-o"Ps.. für Frankreich 4 Rm. 50 Ps.. flir England ring« VON etwa d Abonnements-Einladung. Wir macheit besonders daraus ausmerksam, daß noch fortwährend bei allen Post-Anstalten ans unser Blatt pro viertes Quartal abonnirt werden kann für 1,60 Mark.. �, Nur Diejenigen, welche die Nachlicserung der bereits erschienenen Nummern ausdrücklich verlangen, müssen 10 Pf. mehr bezahlen. �. Für Berlin abonnirt man für 65 Ps. Pl'c Monat frei in's Hans bei allen soliden Spediteuren und in der Expedition Berlin 30., Kaiser ,vranz- Grenadier-Platz Nr. 8, I. Hof, 2 Treppen. Inhalt. TchiffSunglürke und Plimsott-Vcrcstrcr. � � Tic deutschen Kricgcr-Vereine und die Social-'Ztcmo- Politische Ucbersicht: Ein Zeugniß socialen Elends- Unsere „Reichstreuen" über die französische Armee.— Verurtheilung ei ehemaligen Cominunekämpfers.— Zum Lehrermangel..lrbeitcrver- unglückungen. Inncrc Partciitngelegcnhcitcn.. Korrespondenzen: Osnabrück.— Barmen., Iserlohn.— Leipzig.— Lauenburg.— Berlin.— Bielefeld. Zimmer. Eefängnistdiiitetik für Zcitnngdrcdaktenrc. Laiencvangclinm von«sallet.(Fortsetzung.) Der arme Conrad.(Fortsetzung.) Vermischtes. Schiffsunglücke und Plimsoll-Verehrer. Uilsere Zeitungen aller Farben zeigen heute wieder ein- mal recht deutlich das Pharisäer-Antlitz. Welch' großen Värm haben sie noch vor wenigen Wochen geschlagen! wie haben sie damals den Engländer Plimsoll in den Himmel erhoben, weil er dem habsüchtigen Treiben der englischen Rheder und Knufleute, welche das Leben von Mannschaften und Pasiagieren gewissenlos preisgeben, kräftig entgegentritt. Und jetzt kommt die Nachricht von dein grauenhaften Unter- gang eines aus einem deutschen Hafen ausgelaufenen Schiffes, welcher offenkundig durch dieselben Leichtfertig- leiten hervorgerufen ist, welche Plimsoll so scharf angreift. Aber kein einziger unserer Literaten setzt eine Feder darum an; die servile vor der Kapitalmacht kriechende deutsche Presse steht nicht an, das Unglück als„höhere Schickung" zu betrachten, und von„menschlichen Gesetzen" zum Schutz gegen Wiederkehr ähnlicher schuldvoller Unglücksfälle ist nicht die Rede. Die englische Presse hätte, trotzdem sie eine Bourgeoispresse ist, wenigstens das Ding beim rechten Na- men genannt; die deutsche Presse bringt aber nur des Klat- sches halber die Schreckensscen'en für das Publikum, zu dem Muth einer Kritik des Seewesens schwingt sich kein Blatt auf. Wir wollen nach den jetzt festgestellten Berichteir in möglichster Kürze das traurige Ereignis;, die Verbrennung eines Dampfers, schildern. Am-t. Oktober, 4 Uhr Nachmittags, verließ das Dampf- schiff„L. I. Bager", schwer belastet, den Lübecker Hafen nach Kopenhagen. Die Besatzung des Schiffes bestand aus Mann. An Passagieren waren circa 25 Personen an Bord. Als Decklast waren mehrere große Flaschen einge- schifft worden; von diesen waren einige, welche als feuer- gefährlich bezeichnet waren, angeblich vorsichtig bei Seite gestellt, um dem Maschinenraum nicht zu nahe und von den übrigen Gütern isolirt zu sein. Unter der Kommando- brücke befanden sich aber' circa 50 große Korbflaschen, welche nach Angabe des Absenders Glycerin, also keinen- feuerge- sährlichen Stoff, enthielten. Wir treffen hier also sofort auf einen der von Plimsoll so scharf gegeißelten Mißbränche, nämlich auf die Bela- dung des oberen Decks mit sogenannten Decklanen, wenn die Räume des Schiffs bereits gefüllt sind. Lediglich die Gewinnsucht der Rheder hat dieses höchst gefährliche System aufgebracht, weshalb in Plimsoll's Gesetzentwurfe das strikte Verbot der Mitführung von Decklasten gefor- dert wird. Meistentheils liegt ihre Gefahr darin, daß bei Sturm die Deckkasten beschädigt werden, auf die eine Seite des Schiffes fallen und dieses derart zum„Kentern"— d. h. Umschlagen— bringen. In dem vorliegenden Falle wur- den die mit feuergefährlichen Stoffen gefüllten Flaschen der Decklast ebenfalls durch Sturm zerbrochen und eü gerieth fodann der Inhalt derselben, indem er in den Maschinen- räum strönite, in Brand und entzündete blitzschnell das ganze Schiff. Leicht kann man hieraus entnehmen, wie unverant- wortlich es überhaupt gewesen ist, einen Dampfer mit solchen brennbaren Flüssigkeiten als Decklast zu beladen. Gewisse Zeitungen wollen zwar die Schuld aus die Auf- geber der Fracht laden und behaupten, daß in Betreff der erwähnten 52 Ballons, welche angeblich Glpcerin, in Wirk- lichkeit aber 50 Benzin und 2 Aether, oder jedenfalls feuer- gefährliche Stoffe enthalten hätten; aber abgesehen davon, daß dieses nicht erwiesen ist, kann sehr wohl eine Ver- mechselung bei dem oben erwähnten Verpacken der als feuergefährlich bezeichneten Flaschen erfolgt sein, so daß die ungefährlichen entfernt wurden, die gefährlichen aber am Maschinenraum zurückblieben. Jedenfalls wäre absolute Sicherheit vorhanden gewesen, wenn die Kieler Hafen- behörde das Mitführen der Decklast auf Grund eines Ge- setzes hätte verbieten müssen. Die Katastrophe wollen wir nur kurz berühren. Bis Abend verlief die Reise sehr günstig. Gegen elf Uhr erhob sich aber ein starker Süd-Wind, der in kurzer Zeit sich zum vollständigen Sturme mit schwerem Seegange steigerte. Zwischen 4 und 5 Uhr hatte das Schiff trotz des harten Wetters Kjögebncht erreicht und war ungefähr zwei Meilen von Falstcrbo entfernt, als der Kapitän auf der Kommandobrücke einen starken Knall hörte, dem bald an- dere folgten. Die aus den zerbrochenen Flaschen strömende Flüssigkeit hatte sich an den Feuern der Kessel entzündet. In weniger als 5 Minuten stand das ganze Mittelschiff in Flammen. Ein vieltöniger, entsetzlicher Schrei: „Das Schiff brennt!" erweckte die schlafenden Passagiere der ersten Kajüte, die kaum halb angezogen, im bunten Ge- wirre alle sofort auf's Deck stürzten. Die Scenen, welche sich nun hier abspielten, auch nur annähernd zu beschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Vom Vorderschiff hörte man die Passagiere der zweiten Kajüte, welche schon des- halb, weil der Sturm die Flammen nach der Richtung hin trug, unrettbar verloren waren, in der Todesangst und Qual um Hülfe rufen; auf dem Hinterdeck warfen sich die Damen den Seeleuten zu Füßen und flehten, ihnen das Leben doch zu retten. Es brach mit einem Wort, wie stets in solchen Fällen, ein panischer Schrecken aus. Alles stürzte sich in die Böte, so daß das größte derselben unterging. In dem kleineren retteten sich nur 6 Mann der Besatzung und 1 Paffagier. Die Uebrigen fanden ihr Grab in den Wellen. Wir haben schon erwähnt: wäre ein ähnliches Unglück einem Schiff widerfahren, welches von einem englischen Hafen aus feine Fahrt begonnen hätte, ein allgemeiner Sturm wäre in der Presse ausgebrochen gegen Jene, welche die unglücklichen Opfer auf ihrem Gewissen haben. Der deutschen Presse ist die kriechende Feigheit so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie in ihrem Sclavensinn sich nicht einmal zu der geringsten That aufzuschwingen vermag, selbst dann nicht, wenn es sich um die offenbarsten Pest- beulen der Gesellschaft handelt. Nun wohl, dann sollen es die socialistischen Arbeiter sein, welche ihre Stimme auch h«er erheben im Namen der Menschlichkeit und des öffentlichen Wohles. Tie deutschen Kriegcr-Vereine und die Social-Temokratie. Als der„große" und„heilige" Krieg von 1870 und 1871 zu Ende war und der„äußere" Feind geschlagen, da ging man an die Bekämpfung der„inneren" Feinde lind eröffnete die Socialistenhetze. So entstand zuerst die Ge- sellschaft für Volksbildung und gleich darauf kamen auch die deutschen Krieger-Vereine und Krieger- Verbände, von denen allerdings einige schon vorher vor- Händen waren, aber erst durch den Krieg Leben erlangten. Der Glaube an den Milliardensegen und anderer Reichs- dusel ließ diese Krieger-Vereine in verhältnißmäßig kurzer Zeit sich ziemlich stark verbreiten. Besonders im Norden Deutschlands, in dem preußischen Staate, fand diese Spielerei bei einem nicht geringen Theile der sogenannten niederen Bevölkerung Anklang. Der „patriotische" Gutsbesitzer trat auf dem Lande nicht selten an die Spitze eines solchen Vereins oder half ihn auch erst selbst mitgründen und allerhand vaterländische Festlichkeiten, Enthüllung von Denkmälern für die gefallenen Krieger, Fahnenweihen u. f. w. sollten das Volk seine traurige Lage vergessen lassen. Dabei wurde natürlich von den Leitern und Führern wacker auf die Social-Demokraten und andere „Reichsfeinde" geschimpft und der Krieger ermahnt, treu zu „Kaiser" und„Reich" zu stehen und besonders bei den Wahlen nur den Kandidaten, die von Kopf bis zu Fuß ihre„reichstreue" Gesinnung dokumentiren konnten, ihre Stimme zu geben. Aber trotz alledem und alledem ging doch die Social- Demokratie vorwärts und die Zahl der übrigen Reichsfeinde verminderte sich ebenfalls nicht. Lange Zeit tonnte man sich diese Erscheinung nicht erklären, und manche schöne patriotische Seele war darüber in großer Trauer. Jetzt auf einmal will man nun die Mittel und Wege gefunden haben, der Ausbreitung der Social-Demokratte einen Riegel vorschieben zu können. Die Parole lautet nämlich: Einigung der deutschen Krie- ger-Verbände. An die Spitze dieser Agitation ist in selbsteigener Person der Geheime Regierungsrath Illing aus dem Ministerium des Innern getreten. Daß man damit den Arbeitervereinen einen Damm entgegensetzen könne, glauben wir nicht, ebenso wenig wie die Sedanfeier, welche ja jedes Jahr erbärmlicher und jämmerlicher ausfällt, durch solche Manöver über dem Wasser sich wird halten können. Unsere Aufgabe aber muß es sein, die Arbeiter, die noch solchen Vereinen angehören, für die Sache des Socia- lismus zu gewinnen und so ihren Austritt aus diesen Akordspatrioten-Vereinen zu erzielen. Wenn auch direkt unserer Partei gegenüber die Krie- ger-Verbände machtlos dastehen, so ist doch der Einfluß, welchen sie in ihren Kreisen ausüben, ein äußerst schädlicher. Die Krieger-Verbände sind die reaktionärsten Vereinigun- gen, die es überhaupt nur geben kann. Nichts als Lob- preisungen von Kriegen und Länder-Veraülstungen erschallen in ihnen. Das fortwährende Hetzen gegen Deutschlands „alten Erbfeind", die Franzosen, muß selbst auch den Ruhigsten, wenn es ihm eben nicht zum Ekel wird, zum Franzosenfresser machen, der in ein Horn mit den Reptilen bläst. Ist es doch schon von unserem„reichstreuen" Feder- viel) auf's Eifrigste befürwortet worden, daß man, gleich der offiziösen Presse, einen offiziösen Verein haben müsse, der auf einen Wink von Oben marschire, sei es, um bei den Wahlen als Stimmvieh zu dienen, sei es, die Mords- patriotenfeste z»„verherrlichen" helfen u. f. w. Abwarten und Thee trinken— envidern wir dein gegenüber. Es ist bis jetzt noch kein Baum in den Himmel gewachsen, und ebenso wenig, wie die offiziöse Presse es ver- mocht, deil Geist des gesammten Volkes zu venvirren, ebenso wenig wird es dem geeinten Krieger-Verbande gelingen, den socialistischen Arbeiter-Bataillonen erfolgreich entgegen- treten zu können. Mögen sich noch so„hohe Herren" an die Spitze dieser Mordsvereine stellen, ja, mag auch eine dem Reptilienfonds ähnliche Geldquelle für die Krieger-Vereine und ihre Aus- breitung aufgefunden werden, es wird Alles Nichts helfen. Die Krieger- Vereinigungen können nur einen rohen und ungebildeten Geist befriedigen,'einen Geist, der nur an Kanonendonner und Trommelschall Vergnügen findet. Ein wahrhaft aufgeklärter Mensch muß sich mit Abschen von diese»; wüsten Treiben wenden. In Deutschland laufen. Dank des Krieges 1870 und 1871, unzählige Krüppel und Invaliden umher, von denen viele kaum wissen, wie sie ihren Hunger stillen und ihre Blöße decken können. Hier hätten nun„unsere" Krieger- gewiß das beste Feld, auf dem sie ihren Patriotismus bc- thätigen könnten, aber„Prosit die Mahlzeit!" Da müssen erst die„verruchten" Socialisten kommen, um im Reichstage für diese Unglücklichen zu plaidiren. Von den „Reichstreuen" füllt es Keinem ein, darüber auch nur ein Wort zu verlieren; ist es doch auch eine gar zu garstige und überaus langweilige Sache. Nun, mögen diese Vereinigungen sich vollziehen oder nicht, die Social-Demokratie wird nach wie vor ihren Sie- geslauf weiter fortsetzen und Alle ihre Gegner weit hinter sich lassen. Einst wird doch die Stunde kommen, wo auch die jetzt noch Verblendeten den; Socialismus sich anschließen werden, um gemeinsam dem Prinzipe der Humanität zum Siege zu verhelfen. Politische Uebersicht. Berlin, 9. Oktober. Ein Zeugniß somalen Elends giebt die„New-Aorker Tribüne-' in einem Artikel, der die sogenannte Engelmacherei in New-Uork schildert. Die„Tribüne" erzählt, daß sie, nachdem ihr mitgetheilt worden, daß in New-Aork eine solche Anstalt in der Ost 21. Straße erisfire, einen Reporter dahin geschickt habe. Dieser erfuhr denn auch, daß in dem Hause Nr. 183 genannter Straße eine aus dem Reiche der„Gottesfurcht" und„frommen Sitte" eingewanderte Frau, NamenS Quackenbusch, einen Kindergarten halte; serner daß im Monat April ein Kind gestorben sei und im Juni drei in einer Woche, Kinder von 4 bis 4 Wochen, daß diese Kinder alle gesund aussahen und alle nach kurzer Zeit star- ben und— in der Begräbnißllste nicht verzeichnet ivaren. Unter dem Vorwande, daß er selbst ein Kind bringen wolle, gelang es dem Reporter, die Alte selbst zu sprechen. Sie erzählte ihm, daß sie 3'/a Dollar pro Woche verlange, die Kinder mit präpa- rirter Milch füttere, was auf jedes Kind pro Tag 6 Cts. zu stehen komme und daß Dr. Stewart, welcher in demselben Hause wohnt, ihr bchülflich sei. Dies ist also eine Anstalt, wo die seinen Ladies die Frucht ihrer Liebe sehr leicht loS werden können, sie bringen ihre Kinder dahin und diese werden daselbst einfach in kurzer Zeit zu Tode gefüttert.— Welches Licht werfen diese Thatsachen wohl auf die heutige, sich so sehr„christlich" und„human" preisende Gesellschaft? Welchen Anspruch auf Moral kann wohl eine Gesellschaft machen, deren Glieder bestialischer sind als die wilden Thiere? Die wilde Bestie im Walde hegt und pflegt ihr Junges, die Menschen aber in dieser so„christlichen" und„humanen" Gesellschaft sind so barbarisch, so versunken in der Verkommenheit, daß sie sogar die Frucht ihrer eigenen Zeugung morden lassen und zwar auf grau- samste Weise durch Hunger. Man wirft uns Socialisten vor, wir wollten die Familie abschaffen, in Wahrheit aber wollen wir solche Zustände, wie die erwähnten, abschaffen. Wer nun kann wohl den meisten Anspruch auf Moral machen, die Socialisten oder die heutige Gesellschaft, welche die Welt zu einem Jammer- thale, zu einer Mördergrube gemacht hat? Der„Hamburgische Correspondent'" und mit ihm verschiedene andere„reichstreue" Organe schreiben über die ge- genwärtigen Manöver der frauzösischen Älrmee nach dem Be- richte mehrerer„Augenzeugen" folgendermaßen: „Außerdem wurde bemerkt, daß die Infanterie immer noch herzlich schlecht beschuht, die Kavallerie sehr mäßig beritten und die Artillerie noch mäßiger bespannt wäre. Der Vorbeimarsch der Kavallerie und Artillerie, der zuerst im Galopp vor sich gehen sollte, war ein äußerst klägliches Schauspiel. Es scheint, daß die Artillerie trotz Sporn und Peitsche isicht in der befohlenen Gang- ort zu halten war. Bei der Kavallerie ritten die Züge beinahe über einander hin und behaupteten die Richtung nicht besser als die Distanz. Der Versuch, vor dem Marschall über ein Hinder- niß vorbeizugehen, erinnerte in seiner komischen Wirkung die Zu- schauer an die sogenannte englische Jagd in der Kunstreiterbude." Ja, das wäre gewiß nach dem Geschinack dieser Herren, wenn man wieder zu einem„frischen, fröhlichen Kriege" hetzen könnte. Indessen muß die französische Armee doch nicht so„kläg- lich" beschaffen sein, wie man uns versichern will. Nach den vielen Krüppeln und Jammergestalten zu schließen, die nach dem Feldzuge von 1870 und 1871 unser Vaterland„zieren", scheinen denn doch die französischen Soldaten das Geschäft ebenso zu ver- stehen, wie die preußischen Pickelhauben. Und wenn übrigens den Herrn Correspondenten verschiedene Uebungen„an die söge- nannte englische Jagd in der Kunstreiterbude" erinnerten und er- freuten, nun so mag er sich gefälligst einmal auf den Kreuzberg begeben; dort werden ihm noch ganz andere„Productionen" unter die Augen kommen. Die Verurtheilungen gegen ehemalige Mitglieder der Pa- riser Commune haben noch immer nicht ihr Ende erreicht. So erschien vor dem dritten Pariser Kriegsgericht am 29. September der Maurergeselle David, welcher in der letzten Zeit friedlich und geachtet als Mitglied des Gemeinderaths einer kleinen Ort- schaft im Departement Seine-et-Marne lebte, und von dem fest- gestellt wurde, daß er mit dem in contnmadum zu Tode ver- urtheilten Adrien Fran�ois David identisch ist. Der Angeklagte wurde zur Deportation nach einem befestigten Platze verurthcilt. Die Berliner„Staatsbürgsr-Zeitung" und eine Menge anderer gedankenloser Blätter schreiben bezüglich des Prozesses David: „Der Angeklagte wurde der That überführt, als Mitglied des revolutionären Subcomitö's des 11. Arrondissement an der Organisirung des Widerstandes gegen die Versailler Truppen den lebhaftesten Antheil genommen, in den Schreckens-Tribunalen der Commune, welche so viele TodesuNheile verhängten, den Vorsitz geführt, die Kirche Saint-Ambroise in einen blutdürstigen und obscuren Club umgewandelt und in den Straßenkämpfen bis zum 27. Mai mitgewirkt zu haben. Es scheint sogar, daß der Ge- meinderath David damals auch mehre Brandlegungen persönlich geleitet hat; doch konnte dies im Hinblick auf den Umstand, daß eine Unzahl von Davids unter den Insurgenten diente, nicht mit Sicherheit festgestellt werden." Die Geschichtskenntniß unserer liberalen Zeitungsschreiber wird dadurch wieder treffend illustrirt. Die vielen„Todesurthcile" der„Schreckens-Tribunale" sind einfach aus der Lust gegriffen, da bekanntermaßen die Commune kein einziges Todesurtheil ge- fällt hat. Das ganze Geschreibsel soll auch hier wieder nur das unmenschliche Verfahren rechtfertigen, welches die Versailler bei ihrem Einzüge in Paris gegen die Partei der Commune anschlu- gen. Lüge und Dummheit gehen ja einmal Hand in Hand. * Zum Lehrermangel.— Nach genauer Erhebung sind gegenwärtig allein im Regierungsbezirk Oppeln 293 Lehrerstellen unbesetzt. Rechnet man auf je 100 Kinder einen Lehrer, so sind nach der Zahl der überhaupt außerdem noch im Regierungs- bezirke vorhandenen schulpflichtigen Kinder 500 Lehrer nothwendig. Die Gesamintzahl der ini Regierungsbezirke Oppeln fehlenden Lehrer beziffert sich demnach auf 793! Diese Zahlen charakteri- siren die modernen„Kultur"-Zustände am deutlichsten. * Auf der Cäsargrube in Reußendorf in Schlesien passirte in der Nacht vom 25. bis zum 26. September wieder ein großes Arbeiterunglück, indem daselbst drei Bergleute verschüttet, jedoch, nachdem sie 84 Stunden lebendig begraben gewesen, durch die Anstrengungen ihrer Kameraden gerettet wurden. Unsere Bourgeoisblätter aber, anstatt daran zu denken und zu betonen, daß hier allein mangelnde Schutzvorrichtungen die Schuld am Unglücksfalle tragen, wissen blos von dem„wahren Triumphzuge, in dem die Geretteten heimgekehrt sind", zu erzählen. Wenn auch selbstverständlich die Freude der übrigen Arbeiter eine ge- rechtfertigte und gebotene war, so ist doch die scheinbare Freude der Bourgeois nur die Decke gewesen, hinter der sich die niedrigste Selbstsucht versteckt. Die Herren Direktoren u. s. w. hätte sicher Strafe getroffen, wenn die Arbeiter nicht gerettet worden wären, da eben, wi schon gesagt, die Schutzvorrichtungen in ganz unge- nügender Weise vorhanden waren. Innere Parteiangelegenheiten. Zu Agenten des Vorstandes wurden ferner ernannt für: Amberg: U. Grasser, F. Spitzer; Cappeln: H. Sauter, H. Liesker; Düsseldorf: F. Tutzauer, C. Wolpers; Erlangen: H. Kunstmann, I. Hinterhager; Hastedt: C. Groope, C. Rollfs; Hilbersdorf: L. Waizmann; Meuselwitz: I. Rudolph; Mölln: W. Peck; Neustadt i. H.: H. Paasch, W. Stricker; Speyer: A. Schüßler; Thonberg: Willig, Fischer; Wiemerscamp: A. Schacht, F. Schacht; Wintersdorf: I. Zimmermann; Würzen: H. Geiß- ler, Aug. Fle scher. Wir bitten, bei neuen Anmeldungen die genauen Adressen bei- der Agenten(beim Sekretariat) anzugeben. Hamburg, 5. Oktober 1875. Mit social-demokratischem Gruß Z A: A. Geib.'c. Derossi. Zur Beachtung. Alle Geldsendungen, also auch Briefe, welche Freimarken enthalten, sind an den Kassirer A. Geib, Rödingsmarkt 12, zu senden. Erklärung. Da durch verschiedene Blätter der Bourgeoisie mein Austritt aus dem Vorstände der Eodalistischen Arbeiterpartei Deutschlands in gehässiger, verläumderischer Weise besprochen wird, so erkläre ich, daß lediglich die Parteiorganisation, nach welcher ich nicht zugleich Redakteur eines Parteiorgans und Mitglied des Vorstandes sein kann, diesen Austritt veranlaßte.— Als Redakteur eines so bedeutenden Blattes, wie das„Haniburg-Altonaer Volks-Blatt" es ist, glaube ich mehr noch für unsere Partei wir- ken zu können, wie als Mitglied des Vorstandes. Im Uebrigen brauche ich wohl nicht erst die Versicherung zu geben, daß ich auch serner, so weit meine Zeit es erlaubt, agitatorisch weiter wirken und meinen ganzen Einfluß für ein gutes Gedeihen der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands auswenden werde. Ich bitte die übrigen Parteiorgane, diese Erklärung abzu- drucken. Mit social-demokratischem Gruße: Hasenclever. Hamburg, den 5. Oktober 1875. Osnabrück, 6. Okt.(Haftentlassung.) Am 4. Oktober ist Parteikreund F. Klute aus seiner Haft entlassen worden. Barmcn, 5. Okt.(Die Parteifreunde von Barmen-El- berfeld) mache ich darauf aufmerksam, daß der Termin in der Apel- lations-Jnstanz, betreffs des Vergehens gegen den§ 131 des Straf- Gesetzbuches, wofür ich in erster Instanz zu 6 Wochen Gefängniß ver- urtheilt worden bin, auf Donnerstag, den 14. Oktober,. Vormittags 9 Uhr, festgesetzt ist. Mit social-demokratischem Gruß C. I. Kühl. Harburg, 1. Oktober.(Ein neuer Agitator.) Unsere Ham- burger Parteigenossen haben ein neues Blatt herausgegeben, von wel- chem bereits die erste Zlummer vorliegt. Dieses Unternehmen, welches von uns Allen gewiß fteudig begrüßt wird, hat hier in Harburg bereits Veranlassung zu einer sehr regen Agitation gegeben. Unsere Hamburger Parteifreunde hatten es nämlich für gut befunden, die Statuten und die Fabrikordnung einer Fabrik(Gummi-, Zianim- und Stockfabrik von H. C. Meyer) zu veröffentlichen, wobei sie gleichzeitig die vielgerühmte Harmonie zwischen Arbeit und Kapital genügend an den Pranger stellten. Herr H. C. Meyer sieht es nun am liebsten, daß seine Arbeiter ihn als ihren Wohlthäter betrachten, der mit väterlicher Sorge bemüht ist, seinen Leuten Brot zu verschaffen. Ja, wie es neuerdings hieß, geht der Mann mit dem gewiß lobenswerthen Plan um, einen großen Komplex Land zu kaufen, um darauf Arbeiterwoh- nungen zu bauen. Noch mehr, er bezahlt sogar das Honorar für einen Gesanglehrer, der alle Woche seinen Leuten Gesangunterricht ettheilen muß, wenn dann H. C. Meyer alljährlich seinen Geburtstag feiert, so fühlt er sich geschmeichelt, wenn seine Arbeiter ihm ein Ständchen brin- gen. Die Humanität des Herrn Meyer geht sogar so weit, daß er aus purer Arbeiterfreundlichkeit bei seinem Palais einen Thurm bauen läßt, den er, als er bereits fertig war, von oben bis unten wieder abtragen ließ, um ihn vom Neuen aufzubauen— alles blos deshalb, damit die Leute Arbeit haben und ihr Brot verdienen können. Es kann aller- dings auch vorkommen, daß bei den jetzigen schlechten Zeiten, wo die Fabrikanten ihren Entbehrungslohn mit den Arbeitern theilen, einzelne Arbeiter auf seiner Fabrik sich gegen ihn in Mißstimmung befinden, doch läßt sich dies eben nicht ändern; andere Fabriianten entlassen ihre Leute, wenn dieselben gerade mal nicht nach des Herrn Pfeife tanzen wollen. Dies ist aber bei H. C. Meyer nicht der Fall; selbst die ver- haßten Social-Demokraten entläßt er nicht. Wenn deshalb einzelne Arbeiter, die sonst 5 oder 6 Thaler pro Woche verdienten, in letzterer Zeit andere schlechtere Arbeit, wobei sie nur 2 Thaler verdienen, erhielten, und sie gehen dann von selbst weg, dann kann man doch immer nicht sagen, daß Meyer sie entlaffen hätte. Wenn man deshalb einen Mann, der sich um die Arbeiter so verdient gemacht hat, in einer solchen Weise, wie dies das„Hamb.-Alt. Bollsbl." gethan, beleuchtet, dann kann man sich nicht wundern, wenn sich derselbe beleidigt fühlt, da die Statuten und Fabrikordnung, die ja nur das Wohl seiner Arbeiter be- zwecken, von ihm selbst gemacht und höchst eigenhändig unterschrieben sind. Auch hier in Harburg ist das Blatt unter seinen Leuten zur Vertheilung gelangt und es scheint jetzt so, als ob die schöne Harmonie zwischen Arbeiter und Fabrikant zum Teufel gegangen wäre. Herr Meyer ist aber trotzdem human, er hat heute Morgen in seiner Fabrik eine Proklamation anschlagen laßen, worin das„Hamburg-Altonaer Volksblatt" als Schandblatt gegeißelt wird, wobei er aber dennoch, um den Arbeitern feine Freundschaft zu zeigen, allen denen, die das Blatt lesen wollen, unentgeltliches Abonnement verspricht. Diejenigen Ar- beiter, welche sich für das neue Blatt interessiren, sollen bei ihren Auf- sehern bestellen, H. C. Meyer will die Abonnementsgebühren bezahlen. Seine Arbeiter können ihm deshalb als ihren besten Agitator die Hand drücken. Ja, Herr Meyer, Sie sind zu human, Ihre Humanität kennt keine Grenzen, nur schade, daß Ihre Leute, und hauptsächlich die bösen Social-Demokraten, dies»ichr einsehen wollen; doch gedulden Sie sich nur, wir wollen schon dafür sorgen, daß Ihre Bestrebungen richtig ge- würdigt werden, dann sollen auch Ihre Leute auf das„Hamburg-Alto- naer Volksblatt" abonniren, aber nicht nur Diejenigen, welche sich jetzt dafür interessiren, sondern wir wollen Ihre Arbeiter über die neue Zeitung aufklären und dann sollen sie Alle dieselbe bei Ihnen bestellen. Steffens. Iserlohn, 4. Oktober.(Zur Situation.) Freunde! Partei- genoffen! Wieder traten wir in ein neues Quartal. Soll uns das- selbe so verlaffen, wie es das alte gethan? Nimmermehr! Vielmehr muß es unser Bestreben sein, neue Genoffen, neue Abonnenten zu werben. Jeder neue Genosse muß Abonnent der Parteiblätter sein, jeder Abonnent sich riicksichtslos der Partei anschließen. Aber hierzu ist vor allen Dingen nöthig, sich aus der Lethargie, dem Stillstand, also wirklichen„Rückgang", empor zu raffen und auf diese Weise dem nicht socialistischen Arbeiter mit gutem Beispiele voranzugehen. Dazu bedarf es eines festeren Zusammenhaltens, das hier und in mancher anderen Stadt Rheinland-Westfalens abhanden gekommen ist. Denn, wo wir uns umsehen, geschieht nichts und anstatt in unnützen Klagen sich zu ergehen, sollte man doch selber mit zugreifen. Man hat nicht das Recht, zu murren, wenn man selber träge ist. Rur dann, wenn man gewirkt, kann man sich über die Trägheit der Genoffen beklagen. Denkt doch daran, daß die Reichstagswahl naht. Geht es so, wie bis- her, in dem Alten:„Kommen wir heute nicht, so kommen wir morgen", weiter, dann wird eines schönen Tages die Wahl vor der Thür sein, und wir recht kläglich mit der Thür in's Haus fallen. Soll es nöthig sein, daß wir bei einer Wahlagitation Sammlungen veranstalten müssen? Ist es nicht besser, bei Zeiten für ergiebige Quellen zu sor- gen? Das Erste braucht nicht nöthig zu sein und das Zweite muß möglich gemacht werden!— Man sagt, die Arbeiter sind Alle für uns. Auch die letzte Reichstagswahl bewieg es. Aber wenn in drei Jahren nichts geschieht, weiß man denn nicht, daß das Blatt leicht sich wenden kann? Hat man wirklich die Arbeiter so fest? Im Munde wohl, aber nicht thatsächlich, und hierauf, das weiß Jeder am Ori, brauchen wir nicht näher einzugehen. Mit social-demokratischem Gruß Heinr. Pilster. Leipzig, K. Okt.(Versammlung der Anti-Jmpffreunde.) Um gegen den Impfzwang zu protestiren, fand am 28. Sept. eine vom „Leipziger Verein gegen Impfzwang" einberufene Volksversammlung statt, welche ein zahlreiches Publikum versammelte und sich besonders durch eine lebhafte Theilnahme von Seiten der Frauen auszeichnete. Oberlehrer Canitz aus Chemnitz schilderte die Schädlichkeiten der Im- pfung und wußte seine Ausführungen mit eben so schlagenden als trau- rigen Beispielen aus der jüngsten Zeit und aus eigener Erfahrung zu bekräftigen. Auf die Statistik übergehend, lieferte der Redner an der Hand amtlicher Tabellen den Beweis, daß die Einführung der Kuh- Pockenimpfung auf die Blatternsterblichkeit durchaus keinen günstigen Einfluß hatte, denn während Ende vorigen und Anfangs dieses Jahr- Hunderts nur 1 pCt. der Bevölkerung geimpft war, starben nicht mehr an den Blattern, als in den letzten Epidemiejahren, wo doch volle 95 pCt. der Bevölkerung geimpft waren und folglich geschützt sein soll- ten. Der Vorsitzende legte der Versammlung„eine Verwahrung gegen den Impfzwang" vor, der dieselbe einstimmig beitrat. So weit bis jetzt bekannt ist, werden folgende Städte Petitionen an den ReichsW uro Aufhebung des Impfzwanges eingeben: Berlin, Hamburg-Altona, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Stuttgart, Nordhausen und Langensalza, i --- J Laucnbnrg, 3. Okt.(Allg. deutscher Schneiderverein.o Auch hierorts ist es uns gelungen, eine Mitgliedschaft des Allgemeinen deutschen Schneideroereins zu gründen. In einer zu diesem Zweck ab- gehaltenen Versammlung trat der größte Theil der hier arbeitervw Schneider dem Verein bei. Es regt sich eben hier im Lauenburgis.he» Land überall der Geist der Freiheit und überall gelangt in den arvei- tenden Kreisen die Ueberzeugunq zum Durchbruch, daß der Arbiter nur durch eigne Kraft zu seinem Recht gelangen kann. Die von un- serm Kollegen Mathaei-Hamburg bei Gelegenheit eines hierorts abgehaltenen Arbeiterfestes gegebene Anregung hat schon gute Früchte getragen und hoffen wir, bald von einem weiteren gedeihlichen Fort- schritt auf der betretenen Bahn melden zu können. Mit frischem Much und frischer Kraft wollen wir den Kampf gegen die Kapitalmacht aufs nehmen. Mögen auch die Kollegen anderer Orte ihre Schuldigkeit thuni und in dem Gedanken, daß Einigkeit die erste Bedingung zur Stärkck ist, mit uns dem Siege zustreben. Mit brüderlichem Gruß I. A.: Luzius. Voß.> Berlin, 6. Oktober.(An die Akkordtrüger und Bauar-? beiter Berlins.) Kollegen, da wir nächsten Sonntag, den 19. Oktl die Vorstandswahl für die Akkordträger- und Bauarbeiter-Kranken-Un- terstilyungskasse haben werden, und uns die Erfahrung gelehrt bau daß die Unterstützungskasse eine gewisse Lebensfrage mit für unser Be« strebungen seit Jahren war, ich aber als Vorsitzender von der Unters stützungskasse zurücktrete, so fordere ich alle Kollegen auf, Sonntag aus dem Posten zu sein und ihre Schuldigkeit zu thun. Also Sonntag/ den 19. Oktober, Vormittags 19 Uhr, müssen alle Mann bei Vogels Alexanderstr. 31, sein. Mit Gruß Wilhelm Wißmann. Bielefeld, 25. Sept.(Westfälischer Cigarrenarbeitertag.� Sonntag, den 1?. und Montag, den 29. Sept., fand Hierselbst der westfälische Arbeuertag statt. Vertreten waren: Bielefeld du Heitbrink und C. Arnolt, Achim durch L. Lingner, Rheda durch Gott- schall und v. Recklingshausen, Detmold durch W. Fechner, Blas hei durch W. Baumker, Oerlinghausen durch C. Soll, Spenge dur> Kampmann, Herford durch I. Peters, Schötmar durch W. Brüssel) Bremen durch W. Fuhse und Berlin durch F. W. Fritzsche. Bezügck lich des zweiten Punktes der Tagesordnung:„Der deutsche Tabaks arbeiter-Verein und seine Prinzipien" wurde folgende Resolu- jtioii eingebracht und einstimmig angenommen:„Die Delegirten des westfälischen CigarrenarbcitertageS erklären, daß die Zwecke des deutschen Tabakarbeiter-Vereins für das Wohl der Tabakarbeitcr zweckmäßig und vollständig sittlicher Natur, und daß die Mittel zur Errei- chung dieser Zwecke sachdienlich und rechtliche sind, deshalb fühlen sie sich moralisch verpflichtet, für die Ausbreitung dieses Vereins mit allen Kräften zu wirken." Der dritte Punkt der Tagesordnung:„Die Hausindustrie" veranlaßt« folgende Resolution:„Da die Haus- Industrie sowohl die Moral, als auch die Gesundheit der in der Tabak- Fabrikation beschäftigten Arbeiter schädigt, ist es die Pflicht des denk- scheu Tabakarbeiter-Vereins, vornehmlich auf die Beseitigung diesel Hausindustrie hinzuwirken. Zu diesem Zwecke beantragen wir: Der genannte Verein möge durch eine ärztliche Untersuchung den gesund- heitsschädlichen Einfluß der Verarbeitung oes TabakS in den Wohnun- gen der Arbeiter wissenschaftlich feststellen lassen, um auf dem Wege der Gesetzgebung das Verbot der Hausindustrie in diesem Geschäftszweige und einen Rormal-ArbeitStag herbeiführen iön- nen." Diese Resolution findet gleichfalls einstimmige Annahme. Nach Erledigung des vierten und letzten Punktes der Tagesordnung: „Die Frauen- und Kinderarbeit", wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die Beschränkung der das Arbeitslohn der männlichen Arbeiter herabdrückenden und die weidlichen Arbeiter an Gesundheit, Leben und Moral schädigenden industriellen Frauenarbeit, sowie die Beseitigung der gewerbsmäßigen Arbeit von Kindern unter 15 Jahren ist mit allen, den Arbeitern zu Gebote stehenden Mitteln zu erstrebe» Vor Allem aber müssen die Arbeiter sich selbst das Opfer, welches ihnen scheinbar die Erstrebung dieses Zweckes auferlegt, nicht scheuen, damit! sie sich einer Verbesserung ihrer Lage würdig erweisen. Es ist darum auch Ehrenpflicht der Arbeiter, überall da, wo entgegen den be- stehenden gesetzliche» Bestimmungen Kinder unter 12 Jahren in Fabriken beschäftigt werden, dies den betreffenden Behörden zur Anzeige zu bringen."— Hamburg, 1. Oktbr.(Deutscher Tabakarbeiter-Verein.) Gestern hielt der Deutsche Tabakarbeiter-Verein eine öffentliche Mitglie- deroersammlung ad mit der Tagesordnung:„Besprechung über das zu sammelnde statistische Material". Sämmtliche Redner betonten die Nothwendigkeit statistischer Erhebungen der Lebens- und Arbeitsoerhäli nisse hiesiger Cigarrenardeiter, und namentlich legten die Herren O.s Reimer und Henke die Vortheile solcher statistischer Erhebungen klar., Es wurde deshalb(zur Sammlung statistischen Materials) eine Kom- Mission, aus vier Personen bestehend, gewählt. Diese Kommission soll sich mit der aus sieben Personen destehenden und zu demselben Zweck gewählten Kommission des Cigarrenarbeiter-Vcreins von 1848 in Ver- dung setzen, um in nächster Zeit eine öffentliche Cigarrenardeiter- Ver- sammlung einzuberufen, wo dann obige Tagesordnung von tüchtigen Referenten eingehend erörtert werden wird. Es werden daher stimmt- liche Cigarrenardeiter Hamburgs auf die demnächst stattsindcnde öffentliche Cigarrenarbeiter-Versammlung ganz besonders aufmerksam gemacht. Der Gewerkschafts- 5iommis�ion, die von der Gothaer Gewerkschafts-Konferenz eingesetzt worden ist, um Vorlagen für eiden einzuberufenden allgemeinen Gewcrk- schafts-Kongrcß auszuarbeiten, ist der Vorschlag unterbreitet worden, an allen Orten, wo sich Gewerkschafts- Vereine beflnden, einen gemeinsamen Verkehr, ähnlich wie die„Herbergen zur Heimath", christliche Herbergen, katholische Gescllenherbergen zc. einzurichten. In diesen Verkehr sollen Kastellane eingesetzt, alle Gewerkschafts und Arbeiter-Zeitungen, so wie die nöthiossten so- cial-demokratischen Broschüren ausgelegt und ein Arbeitsnachmeis für alle Gewcrke eingerichtet werden. Die mächtige Propaganda, welche die oben erwähnten, der socialistischen Arbeiterbewegung feindlichen Herbergen für.Ver- dummungszwecke machen, müßte durch das gleiche Mittel über- wunden, den Gewerkschaften aber an jedem Orte eine Central- stelle geschaffen werden. Durch solche Einrichtung lasse sich das geistige unö gesellige Leben bedeutend fördern, ohne daß es den Gewerkschaften große Opfer koste. Ja, an vielen Orten könne sogar noch ein Gewinn daraus gezogen werden; vor Allem aber werde die Macht der Gcwerkvereinc dadurch in vorzüglicher Weise gefördert werden, indem durch den centtalisirten Arbeitsnachweis eine vernünftige Regelung des Arbeitsmarktes, wenigstens zum Theil, durch die Arbeiter erwirkt werden könne. Diesen Vorschlag bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntniß der Gewerkschaften, damit dieselben denselben einer ein- gehenden Berathung unterziehen können. Das Resultat der Be- rathung bitten wir uns spätestens innerhalb vier Wochen zusen- den zu wollen. Alle Arbeiter-Zeitungen sind gebeten, diesen Bericht in ihre Spalten aufzunehmen. Für die Kommission: F. W. Fritzsche, Berlin 8. Drcsdenerstr. 37. Limmer, 5. Ott.(Der„Reue Social-Demokrat") liegt bei folgenden Wirthen und Geschäftsleuten auf: Kirgeleis, Gastwirth; Ludeioing, Schankwirth und Kaufmann; Battermann, Kaufmann; Rei- chenbach, Schneidermeister; Söhnholz, Schuhmachermeister; Reineke, Böttchermeister. Ich ersuche die Parteifreunde, dies zu berücksichtigen. F. Sievers. �eH - Gesängnißdiätctik für ZeiLungsredaktenre» Einer neuen. Zeitschrift für körperliches und geistiges Solist welche der auf dem Gebiete der hygienischen Literatur wohlbekannte Prof. Dr. med. Carl Reclam in Leipzig unter dem Titel „Gesundheit" herausgiebt, entnehmen wir folgenden hübschen, Scherz und Ernst enthaltenden Artikel:... Da nach der neuesten Auslegung des„Prepgesetzes' jeder ehrliebende Zeitungsredakteur in die Lage kommen kann, einige Monate statt auf der Sommerftische, in der stillen Zellen-, vui che des Gefängnisses zu verbringen(sobald er das ihm anvertraute Geheimnis; der Namen eines Mitarbeiters vor Gericht nich. aus- zuplaudern geneigt ist), so halten wir es nicht frr unangemesten. die Hülfsmittel anzugeben, durch welche man sich vor den nach- theiligen Folgen der Gefängniß-Jdylle nach Möglichkeit zu de- wahren vermag.,. Jeder noch freie Herausgeber einer Zeitung sichre bei jeg- lichem Ausgange oder Spazierweg einen großen„Badeschwamm und ein-„Zahnbürste" bei sich. Diese wichtigsten Hülssmittel der Reinlichkeit würde er sonst schwer entbehren, wenn bie„Cxe- kutiv-Mannschast" ihn etwa auf der Straße aufgreift. Erlaubt es die Geräumigkeit seiner Taschen, so ist auch sehr zu rächen, ein Stück„Seife", eine Büchse voll gepulvertem„weißen Pser- fer" und mehrere Flaschen„blau de(loloAns(4711)", in deren jeder er den fünfzigsten Theil der Flüssigkeit durch reine Carbol- säure hat ersetzen lassen, bei sich zu tragen. Angekommen in dem künftigen Wohnräume, welcher zwar weniger als dürftig möblirt, dafür aber ungenügend erhellt und zu klein ist, öffne man zunächst das in der Regel etwas hoch an- gebrachte Fenster, weil in den Zellen gewöhidich noch das Parfüm des Herrn Vorgängers deutlich ivahrnehmbar ist, uiid ver- beffere dann die Luft durch Aussprengen von etiva 30 Tropfen der erwähnten Richter'schen„blau de Cologne desinfectante'". Sehr empsehlenswerth ist es auch, einige Tropfen derselben in ein Glas Waffer zum Ausspülen des Mundes zu benutzen. (Sollte der Luxus eines„Glases" den Gewohnheiten des be- treffenden Zwangs-Hotels zuwider und neben dem irdenen Waffer- kruge nur ein einfaches Wasch-Holzwännlein vorhanden sem, so muß man nach dem Mittageffen das Speisegeräth schnell säu- bern und an Stelle des Glases verwerthen. Die Nachtheile des Gefängniffes bestehen'.n: 1) Mangel an Licht,— wogegen kein Hülfsmittel dem Ge- fangenen gegeben ist. Vielleicht sind künftige Gesetzgeber so ge- bildet, daß sie die unnöthige Grausamkeit eines auck) an hellen Sommertagen ungenügend erhellten Wohnraumes den Gefangenen ersparen. 2) Mangel an Luft. Man suche durch wo möglich Tag und Nacht andauerndes Oeffnen der Fenster dem zu begegnen; doch �genügt dieses Schutzmittel nicht, weil keine Gegenöffnung dem Fenster gegenüber vorhanden, mithin auch.keine Luftströ- mung. Man tröste sich damit, daß in England und Frankreich gemeine Verbrecher in einer zugfrei und Keffer ventilirten Zelle sich befinden, als in Deutschland die Generale, Profefforen, Ge- heimräthe, Gründer und anderes Publikum im Theater, Concert- räum, Ballsaal, Auditotium und Wohnzimmer. Wie sollte man also bei uns daran denken, die Gefängniffe zu ventiliren? 3) Mangel an Bewegung. Die nöthige Muskelbewegung schaffe man sich künstlich durch täglich 3 bis 5 Mal wiederholtes Freiturnen, jedes Mal eine haibe Stunde lang.(Besonders empsehlenswerth: wechselndes Hüpfen auf einer Fußspitze, Hack- und Schnitter-Bewegungen, Dauerlauf auf der Stelle). WEBer früher den Turnplatz besucht hat, kann sich dabei alter Zeiten erinnern,— möge aber ja nicht laut konunandiren und jedes Geräusä) meiden; sonst werden ihm die„Frei-Uebungen" im Ge- fängniß verboten! 4) Atangel an Hautthätigkeit. Hiergegen schützt der mitge- nommene Schwamm, welchen man an jedem Morgen und Abend über die gcsammte Körperfläche in nasse Thätigkeit bringe. 5) Schmacklose und schwerverdauliche Kost,— die zwar dem „Vagabunden" lecker dünkt, dem„Redakteur" aber nicht munden wird. Gegen beide Nachtheile hilft man sich am einfachsten durch reichliches Würzen durch Pfeffer, und zwar mit„werßem", weil dieser meistens wirksamer, weniger gefälscht und dabei ohne Nebengeschmack ist; rothes Paprika-Pulver(Capsicurn) wäre noch nützlicher, ist jedoch nur Denen zu rathen, die daran gewöhnt sind. Tabak zu rauchen, kann in keinem Gefängniffe gestattet sein. Vielleicht bringt der Aufenthalt daselbst den Gewinn, die schlechte Gewohnheit des Rauchens abzulegen.(Verfasser that dies ohne äußere Anregung vor etwa sechs Jahren, spricht also aus Erfah- rung.) Die Meisten werden aber schon viel zu sehr Gewohn- Heits-Feueresser sein; mögen sie sich mit einer„Prise" trösten, deren Vortheile alle Gefangenen rühmen. Schließlich noch eine Bitte: Den Arzt der Gefangenen nicht zur Unzeit rufen zu lassen, sondern während seiner gewöhnlichen Vesuchzeit zu konsultiren. Für Gebildete ist es ein psychisches Bedürfniß, gelegentlich auch einen„Neutralen" zu sehen und zu Iprechen; deshalb wird der im Gefängniß wirkende Arzt bei dem geringsten Anlaß um Rath gefragt. Er weiß das und nimmt Nebenlast seines Amtes willig hin. Aber es ist rech: unerquicklich, zu einem Gefangenen unnöthiger Weise ge- rufen und in der Arbeitszeit geschädigt zu werden.(Verfaffer 'prrcht auch� hier aus Erfahrung). Der Gefangene bedarf des Arztes vielfach; er erhalte sich dessen Wohlwollen. Laien- Evangelium. (Bon Friedrich Sollet.) (Fortsetzung) Die Bergpredigt. Eingang. Und als er rings des Volkes Schaaren sah, l�ing er aus einen Berg und setzte sich, Und seine Jünger"traten zu ihm nah, Und er Hub an zu lehren öffentlich.— Häit' er es heut', Hütt er's bei uns gethan, Man hielt ihn für verrückt und lacht' ihn aus. Als Staatsverräther würden sie ihn fah'n, A-enn er entkäme nicht in's Narrenhaus. Verschollen, ach! ist das lebend'ge Wort, Das Volk vergaß deS Geistes und ward taub. Der Geist schleicht nur von Blatt zu Blättern fort Und schläft in Büchersälen unter'm Staub. Ob in des Lesers Herz ein Funk' auch sprüht, Und, wachsend, ihn durchhellt, ein einsam Licht— Was ist's? Seht, wie durch's Wort die Brunst entglüht Und Tausenden aus Aug' und Herzen bricht! Doch nicht geklagt! Die Worte, die jetzt sacht Auf Socken schleichen über das Papier, Steh,, einst, als Krieger, auf mit Muth«Nu Macht, Schwingend im freien Feld ihr Lichtpanier. Dann wird die blasse Mittelmäßigkeit Verstummen, die von Kanzeln weint und tobt, Und Lebensworte schallen weit und breit, Die sich in Christi Wort als acht erprobt. Selig sind die geistig Armen. Selig die geistig Armen! ihrer ist Das Himmelreich.— Weh dem! der voll Behagen Des Geist's, bedürft'ge Armuth ganz vergißt, Weil reich gefüllt sein Beutel und sein Magen. Was er mit Händen packt, der schlechte Schein, Ist seinem Geiste reichlichste Genüge. Doch arm im Geist zu nennen ist allein, Wer die Handgreiflichkeit erkennt als Lüge. Die Welt, die äuß're, giebt ihm kein Besteh'n, Wie sie ihm lacht in der Erscheinung Schranken; Er muß, ein hülfsbedürft'ger Bettler, fleh'n Um Worte Gottes, ewige Gedanken. Doch wer zum Vater fleht in seiner Roth, Dem wird er seinen heil'gen Geist gewähren, Der diese Welt, der stets Verwesung droht, Zu einer ewigen ihm wird verklären. Und arm wird er.sich fühlen fort und fort, Bis ihm der Vater, für sein Fleh'n und Streben, In jedem Weltgebild' ein Gottcswort, Und in dem Weltenall sich selbst gegeben. Was ist das Himmelreich?— Die Doppelwelt, Die draußen lebt und in des Busens Schweigen, Wenn sie der Geist von innen hat erhellt, Daß er in ihr nichts schaut, als was sein eigen. Des Himmelreichs entbehrt, wer sonder Harm Sich reich fühlt im Besitz des innen Dunkeln; Dem aber wird, der da im Geist ist arni, Ein ew'ger Stern aus jeder Blüthe funkeln. Selig sind, die da Leid tragen. Selig sind, die da tragen Leid! sie sollen Getröstet werden.— Doch das ächte Leid' Ist's nicht, in Erdenschmerz verstockt, zu grollen In geistbeschränkter Eigenwilligkeit. Das ist das Leid, auf Erden sich zu finden Als Geist, den, trübend, finstrer Stoff umfängt, Der, statt im ew'gen Geist dahinzuschwinden, Ein Säugling, an der Erde Brüsten hängt. Solch echtes Leid bleibt nicht bei dunklem"Sehnen, Es faßt in's Auge scharf und fest den Bruch. Durch harte Geistesarbeit, nicht durch Thränen, Versöhnt sich dir mit Gott der Widerspruch. Nur bis der Schmerz zu seinem tiefsten Grunde Durchforscht, erkannt ward— länger ist er nicht. Hast du von seinen Tiefen klare Kunze— Aus ihnen taucht empor, was dir gebricht. Der Trost, danach dein tiefftes Leben schmachtet, Im Leid, im Schmerze hattest du ihn schon. Gott selber ist der Trost, der, leis umnachtet, In deiner Brust, als Schmerz, saß auf dem Thron. Nur das Gewand brauchst du zurückzuschlagen, Und schau! er strahlt in reiner Herrlichkeit. Du bist getröstet, weil du Leid getragen, Bist mit dem Vater eins in deinem Leiv. Selig sind die San-ftmüthigen.• Nicht auf der Welt sind wir, die Denkenden, Daß wir verwirrt uns durcheinander treiben, Nicht, daß die Völker und die Lenkenden Sich ohne Ziel bekriegen und zerreiben.— Zerspaltet in den Streit der Meinungen Hat sich die ewige, ureine Wahrheit, Zu der Geschichte Glanzerscheinungen Des reinen Menschenlebens stille Klarheit. Und waS sich nimmermehr geschieden hat, So lang es still im Geiste Gottes ruhte, Taucht nun, bis sich's erfüllt hienieden hat, Nach Raum und Zeit auf aus vergoss'nem Blute. Es ist kein thierisches Begehren nur, Das uns anspornt zu spätem Tilgungskriege, Es ist des Niostes ringend Gähren nur, BiS daß des Weines milde Lichtkraft siege. Die kläglich nur um Ruhe Flehenden, Sie haben nicht erkannt den Kern des Lebens. Die muthig in den Reihen Stehenden, Ob sie auch fallen, kämpfen nicht vergebens. Durch Jammern wird der Kampf nicht abgekürzt, Ein Gottgedank' ist jedem Volk beschieden, Den führt er aus, und wird's hinabgestürzt, Hat's näher doch gebracht der Wahrheit Frieden. Also muß Zeit auf Zeit erfüllen sich, Durch Menschenkraft und That durch Wort und Stahle, Abstreifen müssen alle Hüllen sich, Bis daß der Kern der reinen Menschheit strahle. Selig! wer in des Kampfs Nothwendigkeit Erschauen kann des Geist's Entsaltungsfreiheit, Im Wechsel hohen Ziels Beständigkeit, Nicht wilden Würfelspieles Einerleiheit. Er schaut hinab auf die Erbitterung Des Kampfs im Thal von seiner heit'ren Alme, Sieht aus des Schlachtgefild's Ver-'itterung Sprießen der Wahrheit und ves Friedens Palme. Hin stirbt das Feldgeschrei der Wüthigen, Die Menschheit samnielt sich um stille Herde— Vor Allen selig die Sanstmüthigen! Besitzen werden sie das Reich der Erde. (Fortsetzung folgt.) Der arme Conrad. (Fortsetzung.) Fast wäre die Hauptstadt den Bauern in die Hände gefallen. Ein Stuttgarter, Jörg Tiegel, der am Zwingerthor wohnte, ging auf den Kappelberg, und versprach den Bauern Stuttgart zu überliefern. Aus das rückten an die tausend Bauern vor und lagerten sich auf der Nordwesthöhe Stuttgarts, auf dem Kriegs- berg. Tiegel verabredete mit vier städtischen Soldknechten, gegen Mitternacht den Bauern das Thor zu öffnen, an dem sie schil- dern. Gegen zweihundert Bürger waren es, auf die Tiegel in der Stadt rechnete.' Ein paar Stunden vor der Ausführung wurden die fünf behorcht, durch Zufall, und verhaftet. Auf das Mißlingen des Anschlages zog der Bauernhaufen ab. Es waren nicht wenige rricgskundige Männer auf dem Kappelberge, besonders aus dem obern Remsthal hatten Viele ihre Jugend im Waffenhandwerk in auswärtigen Kriegsdiensten zuge- bracht. Aber der Masse gebrach es ganz an Klarheit, Entschlossen- heit und Energie. Als nun Vollmar, der oberste Hauptmann, und die anderen Eingeweihten, aus welchen Sebastian des Schwarzhansen Sohn zum Waibel, der Krämerjörglen zum Fähndrich gewählt war, im Haufen darauf drangen, mit gewaltsamer That vorwärts zu gehen, die Gleichgesinnten des Landes an sich zu ziehen, und die Artikel auszuführen, da entstand ein großer Zwiespalt. Die Partei des armen Konrad sah, daß sie gegen die Masse nicht durchzudringen vermochte. Nachdem sie noch den Beschluß in der Versammlung durchgesetzt, daß Alle eidlich gelobten, was Einen angehe, solle den Andern auch angehen und keiner den Andern verlassen, gingen am Donnerstag nach St. Jakobstag, den 27. Juli, im Namen des ganzen Haufens die Hauptleute Hans Vollmar, Hans Wagner von Schorndorf, genannt Wagen- . Hans, Bernhard, dessen Sohn, Braun- Urban von Urbach, Hans Heerer von Urbach, Hans Fachendach von Plüderhausen, Hans Lindenschmied von Waldhauscn, Veit Bauer von Grunbach, Gori Schneider von Grunbach und Jung Ulrich von Urbach den Berg hinab und unterhandelten im Wirthshaus zu Beutelspach mit etlichen Abgeordneten des Landtages und mit Hans von Gais- berg, der im Namen des Herzogs sprach, dahin, daß sie sich wechselseitig Friede und sicheres Geleit verhießen, bis zu Aus- gang des eben zu Stuttgart versammelten Landtages, der die Beschwerden der Bauern erledigen sollte; die Bauern sollten mit Frieden heimziehen, der Herzog aber sie zu dem Tübinger Ver- trag nicht nöthigen noch drängen, sondern Alles zur Erkenntniß des Landtags gestellt sein, wie sie sich wegen der einzelnen Ar- tikel des Tübinger Vertrags zu halten hätten. Um den Mittag des 27. Juli ward dieser Vertrag zwischen den Bauern-Hauptleuten einer-, und den herzoglichen und land- schaftlichen Abgeordneten andererseits abgeschlossen. Die Fassung der Vertragsformel schon war perfid. Es ist offenbar, die gut- müthigen Bauern, die nach den Reden der abgeordneten Herren das Beste von Landschaft und Herzog erwarteten, legten etwas Anderes in die Worte des Vertrages, als die Herren, die den- selben absichtlich so zweideutig und unbestimmt gefaßt hatten. Die Perfidie aber, schon in der Unterhandlung unverkennbar, sollte sich erst recht entwickeln in den Thaten. Gleich nach Abschluß des Vertrages, an demselben Abend, verließen viele Bauern ihr Lager auf dem Kappelberg und zer- streuten sich friedlich, ein Jeder in seine Hütte. Wenige Vor- sichtigere, die nicht trauten, näherten sich den nicht weit entfern- ten Gebieten der freien Reichsstädte Eßlingen, Gmünd und Aalen. U:.i Ulrich hatte sich inzwischen ein ziemliches Kriegsvolk ver- sammelt. Nachdem die Landschaft seine Schuldenlast übernommen, war auch sein Kredit wieder gestiegen. Auch die Städte zeigten sich jetzt, da sie für sich, was sie wünschten, herausgeschlagen hatten, williger. Schon zu Anfang der Bewegung waren aus 14 Städten Abgeordnete der Ehrbar- keit zu Marbach zusammengetreten und hatten sich berathen,„dem unnützen Volk der Bauern ihr thöricht Fürnehmen mit ernsten Mitteln niederzulegen." Da sie jedoch Abstellung der Hauptbe- schwerden für durchaus nöthig erklärten, um die Bauern wieder zum Gehorsam zu bringen/hatte sie des Herzogs Rath, Philipp von Nippenburg,„empörende Buben" gescholten, die es mit den Bauern halten. Das„ehrbare" Bürgerthum war aber von jeher so egoistisch gegen die Bauerschaft, als der Adel. Herrsch- und habsüchtig, stets bereit, ungebührliche Lasten auf däs Landvolk umzulegen, hielten die Städter es nicht für gut, daß ein Bauer bei den Wahlen zum Landtage mitwirke, oder gar neben den Herren Sitz und Stimme habe. Die Städter eilten, dem Her- zöge zuzuziehen; die Tübinger allein schon sandten ihm ein Fähn- lein von fünfhundert wohlgerüstetcn Knechten unter dem Edeln Ernst von Fürst als Hauptmann. Mit diesen vereinigten sich die Fähnlein von Balingen, Stuttgart, Canstadt und Kirchheim, welchen letzteren bei Untertürkheim von einem Haufen Bauern der Paß über den Neckar versperrt worden war. Das Hülfs- volk des Würzburgers, dabei siebenundsiebzig von Adel, mit drei- hundert Pferden, lagerten am 29. Juli schon zu Laufen am Neckar. Von dem Churfürsten Ludwig von der Pfalz lief Nachricht ein, daß seine Reisigen zwischen dem 26. und 27. in Maulbronn anlangen werden, und von dem Markgrafen Philipp von Baden, daß seine Reiter am 27. früh Pforzheim verlassen haben. Auch des Bischofs von Konstanz Hülfsvolk war auf dem Marsche. An Söldnern und Lehensleuten hatten sich an die 1800 um Ulrich gesammelt. Der Truchseß Georg von Waldburg allein hatte ihm 100 Pferde, 600 Knechte und einiges grobes Geschütz zu- geführt. De Fähnlein der Städte waren voraus auf Waiblingen ge- zogen. Am 28. Juli lief die Genehmigung des Vertrages vom Herzog ein, dazu, wie es scheint, eine geheime Jnsttuktton für die Seinigen, wie der Verttag zu halten sei, und auf dem Fuße folgten die 1800 Reisige des Herzogs. Inzwischen verliefen sich aus die eingelaufene Genehmigung des Herzogs die letzten Bauernschaarcn von dem Berge, arglos verttauend dem ihnen gelobten Frieden und sichern Geleit; da sahen sich am 31. Juli Morgens die sichern Waiblinger plötzlich durch die Leute Ernsts von Fürst überfallen, und zivar, wie eine gleichzeitige, dem Herzog selbst zugeeignete Lobschrift ausdrücklich sagt, auf dessen Befehl, da Angeber aus Waiblingen selbst die Namen verdächtiger oder den Bauern verbündeter Mitbürger angezeigt hatten. Diese wurden gefangen genommen, ihr Eigen- thum geplündert, ihre Häuser verwüstet, ein Verfahren, das, wie derselbe sagt, nachher überall im Lande gegen die Angeschuldigten geübt wurde. Darauf eilten er und die herzoglichen Räthe das Remsthal hinauf, überfielen den durch den Vertrag, welcher Frieden und sicheres Geleit zusagte, sicher gemachten obersten Hauptmann der Bauern, Hans Vollmar von Beutelspach, seinen Waibel und seinen Fähndrich, banden sie ohne Weiteres und führten sie in Ketten Schorndorf zu. Nach Abschluß des Verttags hatte sich ein Theil der bäuri- schen Besatzung auch aus dieser Stadt heimwätts gethan. Nach- mittags 3 Uhr erreichte Ernst von Fürst die Stadt. In der Verwirrung der Ueberraschung entwich Denen, welche die Thore besetzt hielten, alle Besinnung, sie flohen da und dorthin: und ohne einen Schwertstreich besetzte Philipp von Nippenburg die verlassenen offenen Thore. Niemand wurde aus- und eingelassen, sobald das Kriegsvolk in der Stadt war. Dennoch retteten sich die meisten der Verbündeten durch die Flucht, viele über die Mauern hinab. Nur wenige der Betheiligten wurden noch in der Stadt bettoffen. Der Herzog war mit seinen Reisigen gefolgt. Die Rache in der Brust verschlossen, war er an den Dörfern der aufgestandenen Bauern vorübergezogen, und die Schorndorfer nahmen ihn, wie es ihrem Herzog gebührte, auf. Kaum in der Stadt, gab er das Zeichen sur Plünderung. Das Kriegsvolk stürzte sich auf die Häuser der Verschworenen oder Angeschuldigten, schleppte die Eigenthümer in's Gefängniß, plünderte und zerstörte Habe und Haus vor den Augen der jammernden und mißhandelten Weiber und Kinder. Das PersammlungShaus der Verschworenen, das Haus Pregizers, war das erste, was dem Boden gleich gemacht wurde; das des Wagenhansen und die von fünf Anderen hatten das gleiche Schicksal; geplündert aber wurde überall. Unter dem Plündcrungswert dämmerte der Abend heran. Alle Ausgänge blieben verschlossen, damit keine Kunde solchen Verfahrens in die Dörfer hinauskäme, und der Masse der Bauern ein Warnungszeichen des ihnen bevorstehenden Schicksals, den Mitgliedern des annen Conrads ein Sporn zu sebleuniger Flucht würde. Auf den 2. August ließ der Herzog alle Wehrhasten in der Voigtei Schorndorf, im Remsthal und allen umliegenden Flecken auf den Wasen vor der Stadt vorladen; es erschienen gegen 3500; die Anderen kamen nicht oder flüchteten sich in die Berge und Reichsstädte. Jetzt bereuten die Wehrlosen ihre Leichtgläubigkeit, jetzt fühl- ten sie das Thörichte, die Entscheidung ihres Schicksals der aristokratischen Partei anHeim gestellt zu haben. (Schluß folgt.) Vermischtes. *(Eine Pulver-Explosion) hat am 23. September in Pots- dam stattgefunden. Nachmittag sechs Minuten vor vier Uhr schallte vom Brauhausbcrge her ein dumpfer Schlag über die Stadt hin, ohne daß man gerade sonderlich darauf achtete. Allein schon nach einer Stunde verbreitete sich in der Stadt die Schreckensnachricht, in den Jägerschießständen im Forst, unweit der Wittenberger Chaussee, sei ein Pulverschuppen in die Höhe gegangen und zwei Personen seien dabei schwer verletzt. Ter Thatbestand ist folgender-.„Der Lehrling Dawe war von seinem Prinzipal, dem Eisenwaarenhändler Sellc, hinausge- schickt worden, um Pulver zu holen; denn in jenem Schuppen bewahr- ten die Kaufleute ihr Pulver mit dem des Garde-Jäger-Bataillons auf. Dawe betrat mit einem Jäger das Gebäude, das von den Schießhütten abgesondert im Walde steht. Ob nun Einer von ihnen geraucht hat, oder ob durch den Fall einer Kiste das Unglück herbeigeführt wurde, ist noch unaufgeklärt, genug, plötzlich geschah der Schlag, dem ein prasselndes Geknatter der Palronen folgte. Das Gebäude ist in seinen Theilen auf einen Umkreis von 100 Schritten zerstreut, trotzdem die umstehenden hohen Bäume den Flug der Bretter und Latten hinderten. Merkwürdig ist der Umstand, daß noch im Schutte unversehrte Kasten mit Patronen und Pulver gesunden wurden, ja ein derartig gefüllter Kasten flog bis in einen der Schießstände der Jäger. Der Lehrling Dawe ist heute früh seinen furchtbaren Brandwunden und Kugclver- letzungeu im katholischen Krankcnhause erlegen; der Jäger, welcher noch von der Unglücksstätte nach der Wachtstube hatte zum Thcil laufen kön- neu, ist.weniger schwer verletzt als Dawe, wird aber, wie man sagt, ein Auge einbüßen.— Eine andere Pulver-Explosion wird aus Rott- weil gemeldet. Am Abend des IS. September explodirten daselbst in einem der Werke der Pulverfabrik daselbst etwa 20 Centncr Pulver, wodurch dies Werk vollständig zerstört wurde. Sechs Arbeiter verun- glückten dabei; zwei davon waren stsort todt; den Einen fand man über 1000 Fuß vom Werk entfernt liegen; zwei starben in der Nacht; die anderen Beiden sind in ärztlicher Behandlung. *(Mustergiltiger Stil.) Das löbliche Kirchen-Kollegium zu Döse bei Rigebüttei erläßt folgende Warnung!„Da zu verschiedenen Walen von einigen Einwohnern Klage geführt wurde, daß Hühner auf den beiden Döser Kirchhöfen die Gräber ihrer Verstorbenen ruiniren. Es wird den Eigenthümern derselben hiermit ernstlich besohlen, die Hühner entfernt zu halten. Das Döser Kirchen-Kollegium." Die pietät- losen Hühner, welche sich nicht entblöden, die Gräber„ihrer Verstorbe- nen" zu ruiniren, sollten von Eigenthümern der Verstorbenen nicht allein entfernt gehalten, sondern mit der für Hühner empfindlichsten Strafe belegt werden. Wir schlagen vor, sie wegen Gräberschändung mit der Todesstrafe zu belegen und aus ihren Leibern für das Döser Kirchen-Kollegium eine, vielleicht auch den Geist stärkende Suppe zu koche». *(Arbeiterunglück.) Die neben der„Wasserkunst" im Rum- melsberge bei Goslar angelegte„Dampfkunst", welche erst dieser Tage in Betrieb gesetzt ist, hat schon ihr erstes Opfer gefordert. Der Berg- mann Karl Mieritz, ein in jeder Beziehung tüchtiger Arbeiter, hatte, um schnell„zu Tage" zu gelangen, eine' der Erztonncn bestiegen, welche von der„Kunst" in dem Schachte auf- und niedergezogen werden. Er mochte schon eine Strecke hoch sein, als sein noch unten arbeitender Kamerad eine eigenthümliche Bewegung des Grubenlichts des Fahren- den bemerkt— dann, ein paar Sekunden später, lag das Licht bei seinen Füßen und— der Obengenannte folgte nach. Der herunterge- stürzte Körper war bis zur Unkenntlichkeit verletzt. Die' Körpertheile mußten gesammelt und dann zu Tage gefördert werden. *(Religion und Geschäft.) Eine sonderbare Einladung zum Gottesdienste prangt seit mehreren Tagen an den Straßenecken Wiens. Es ist dies ein riesiges Plakat folgenden Inhalts:„Ich erlaube mir, einem hochgeehrten israelitischen Publikum hiemit ctgebenst zur Kennt- niß zu bringen, daß ich sür die hohen Festtage Rosch Haschanah und Jom Kipur das Strampfer-Theater, Stadt, Tuchlauben Nr. 16, ge- miethet habe, um Gottesdienste darin abzuhalten. Da sich diese Lokali- tät sowohl ihrer Lage Misrach, als ihrer eleganten und bequemen Aus- schmückung halber besser zu diesem Zwecke eignet, als jedes andere, so habe ich, weder Kosten noch Mühe scheuend, welche mir aus der Um- Wandlung der inneren Einrichtung entspringen, mich entschlossen, im obbenannten Lokale ein Bethaus zu errichten. Der Gottesdienst wird in weihevoller, andachterregender Weise nach strengstem Ritns mit Bei- beHaltung der alten Gesangsweisen, jedoch den Anforderungen der Jetztzeit entsprechend, von vorzüglichen Kantoren, unterstützt von einem aus tüchtig geschulten Sängern bestehenden Männcrchore abgehalten. Für die Ordnung während des Gottesdienstes sowohl, als sür die Be- qucmlichkeit des P. T. Publikums wird auf das Genaueste Sorge ge- tragen, indem jeder Sitz ganz separirt, numerirt und mit einem Bet- pulte versehen ist. Bei der Anzahl der Sitze wurde ein Maximum fixirt, so daß einer Uebersüllung und einer hieraus entspringenden In- commodirung des P. T. Publikums aus das Entschiedeuste vorgebeugt ist. Indem ich also das Möglichste aufbiete, um dieses iinprovisirt� Bethaus zu dem elegantesten und bequemsten Wiens zu gestalten, so glaube ich mit Sicherheit auf einen recht zahlreichen Besuch des P. T. israelitischen Publikums rechnen zu dürfen. Die Preise der Plätze sind mäßig gestellt und wird auf vielseitiges Verlangen deren Vorverkauf am 4. Septencher begonnen. Eintrittskarten sind zu haben Tuch- lauben 16 und Cafs Fetzer. Wien 1. September. Hochachtungsvoll S. Müller." �(Unangenehme Verwechslung). In den Tagen der großen- Pastoreukonferen; begegnete ein würdiger Diener des Herrn auf dein Dönhofsplatze in Berlin einem Manne mit weißer Kravatte. In bedach- tigem Schritte nahte er sich dieier.i und richtete folgende Frage an ihn: „Geehrter Herr Amtsbruder, wo führt mich der Weg nach dem English, Hotel?" Zuerst wurde höflichst Auskunft ertheiit, nachher aber dem»' Pastor bedeudet, daß der Herr Amtsbruder nicht Theologe, sondern das Bicrsach studirr habe;„ich servirc in den Reichshallen", meinte der Pseudobruder Ehrwnrden.» *(Der Lehrermangel) in unserem von Bildung überfließenden' Deutschland illustrirt sich ain besten dadurch, daß bei der kürzlich auf dein Seminar in Oranienburg �Provinz Brandenburg) stattgehabten Abgangs- Prüfung jedem der entlassenen 33 Zöglinge sofort eine der zahlreichen Vakanzen von Lehrerftellen verliehen werden konnte. Zur Beachtung für unsere Parteigenossen im östlichen Holstein. Sobald der Kalender pro 1876:„Der arme Conrad" er- schienen ist, ivird der Kolporteur Haß aus Neustadt das ganze, östliche Holstein mit Kalendern und sämmtlichcn socialistsschcnijj Schriften bereisen, und machen wir die dortigen Parteigenossen darauf besonders aufmerksam, mit dem Ersuchen, ihren etwaigen Bedarf dann von Herrn Haß zu entnehmen. Parteigenossen! Heute auf„Tivoli" voll- zählig auf dem Plaste. Crschciut früh! Briefkasten. Stark, Kiel. Unser Blatt ist am Freitag wohl erschienen; der Umzug hat keine Störung in dieser Hinsicht bei uns verur- sacht, und wenn die Freitags-Nummer(116) nicht nach Kiel ge-t! kommen ist, so muß das einen andern Grund haben. Wir wer-M den beim hiesigen kaiserlichen Post-Zeitungs-Amt sofort Erkundi-« gung einziehen. Die Expedition des„Neuen Social-Demokrat". Meinen Abonnenten zur Nachricht, daß ich Dienstag, den 12. dss.,i Nachmittags, Termin habe und deshalb pünktliche Bestellung nicht mögD (ich ist. Bitte um Nachsicht. Trautmann, Niustauerstr. 43. Hamburg, Zinunerer(Küster). Annonce für die Freitagsnummer zu spät eingetroffen. Sander, Hannover. Annonce für die Freitagsnummer zu spät eingetroffen. I. G. in Neufchntel. Das Abonnement für Nemesio kostet halb-1 jährlich S,80 Mark. Meine Adresse ist von heute ab: Karlstraße 13. C. Vopel, Agent, Bernburg. Diejenigen Parteigenossen des sechsten Berliner Wahlkreises, welche» sich für Gründung eines Lese-Clubs intercjsiren, werden ersucht, anvf Sonntag, den 10. Oktober, Abends 5 Uhr, sich bei Zollern, Elsasser- j; strnße 37, einzufinden. Carl Greifenberg, j l IIIIIIII Ilillllll Hl IIWIIIIIWI Berlin. Sonnabend, 9. Oktober, Abends 8 Uhr, aus Tivoli, am Kreuzberg, Große Volksversammlung. Rescrenten: Die Herren Hasselmann und Grottkau. Näheres der Säulcnanschlag. Die Tonnabcnd-Versammlnngcn fallen ans. (P. 29.) A. Hei»sch.[2,24] Berlin. illiwltit Sonntag, den 17. Oktober, T3CUIU. Vorm. 10 Uhr. Generalversammlung des Tocialistische» Arbeiter- Wahl- Vereins, Sophicnstrastc T.-O.: Kassenbericht.— Das organisationswidrige Verhalten einiger Mitglieder. — Geschäftsbericht.— Die' Agitation in Berlin. Der Vorstand. s2,00j (F. 29.)_ I. A.: A. Heinsch. stL-wlm Montag, 11. Oktober, XjCUIU. Abends 8 Uhr, Arbeiterversammlungen: 1)Oranienstr.170 0Är Der Verfall des Alittelstandss. Vortrag deS Herrn F. W. Fritzsche. S) Landwchrstr. Ii, bei Meister. Vortrag des Herrn Mar Stöhr. Dienstag, kS. Dkt., Abds. 8 Uhr, Ack erste. 63 bei D.ualitz. Vortrag des Herrn Baumann. Gesinnungsgenossen, in allen Versamm- lungen auf dem Posten und neue Mit- glieder zugeführt. (P. 29.) A. Heinsch.[3,40] slirtr-ftt» Sonntag, den 10. Oktober, -OHUU. Vorm. 10 Uhr, Sophienstr. 15, Große Oeffentliche Versammlung sämmtlicher Maschinenbauer, Schlosser, Gürtler und sonsti- ger Mctall-Arbeiter. T.-O.: Die jetzigen Verhältnisse der Gencralkrankenkasse, sowie das Wesen der Zwangskassen gegenüber den freien Kassen. Ref.: Herr Max Stöhr.— Die Nothwen- digkeit der gewerkschaftlichen Organisation gegenüber der heutigen Produktionsweise. Ref.: Herr Julius Heiland. Der Verwalwngsrath der Generaliranken- lasse(Arbeitnehmer) ist zu dieser Versamm- luna einaeladen. Genossen! Bei der Wichtigkeit der Tages- ordnung darf kein■Metallarbeiter in dieser Versammlung fehlen. (P. 100.) Das Eomitö. f4,80] ttWftn Dienötag, 18. Ott.,' THIUU. Abends 8'/, Uhr, Sophienstraße 15, Geschlossene Mitgliederversammlung d. Berliner Schmiedegesellcn- Vereins. T.-O.: Abrechnung. Wahl neuer Revi- soren und Kassenbeisitzer.