Nr. 1Z4. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: dienstags, Donnerstags und . Sonnabends Abends. Bestellungen »erden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgcgengenommmen. Mittwoch, den 20, Oktober 1875. Neuer Social-Vemckrat. Organ der Sonalistischen Arbeiter-Partei Deutschlands. 5. Jahrgang. Ncdaction u. Expedition: Berlin, 80., Kaiser Franz-Grenadier-Pl. Sa. Inserate (nur in der Expedition aufzu- geben) werden pro fünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. berechnet. Versammlungs-Annoncen die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Re- klame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. . Abonncments-Prcist Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich xraenumeranäo 1 Rm. 95 Pf., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 60 Pf., SSL w* H�us 1 Rm. stf.— Kreuzband-Abonnements pro Quartal und Exemplar: für und Amerika 3 Rm. 55 Pf. Deutschland und Oesterreich 3 Rm., für Niederlande und Belgien 3 Rm. 60 Pf., für Frankreich 4 Rm. 50 Pf., für England Bestellungen aus Kreuzband-Abonnements sind nur bei der Expedition aufzugeben und müssen praenurnerando gezahlt werden. Inhalt. Tic Frage obligatorischer TtaatS-NutcrstüyungSkassen. Politische Ucbrrficht: Zur„Kaiserreist'.— Uu'"e Zustände.— Der Rückzug der 80,000 und die Reptile.— Aus Strasburg.— Russisches.— Deutsche„Preßfreiheit".— Neuer Handel mit Menschenfleiich. Korrespondenzen: Berlin.— Elberfeld.— Tandem.——>e->- baden. Laienevangelinm von Sallct.(Fortsetzung.) Deutsche Rechtsznständc im 16. Fabrhnndert. Vermischtes. Feuilleton: Ein„nobles" Gefängniß. Tie Frage obligatorischer Ttaats-Unter- stühungskassen. Ein lehrreiches Beispiel dafür, wie weit Derjenige von den Bahnen gesunder Volkswirthschaft abgelenkt wird, wel- cher die naturgemäßen socialiftischen Forderungen außer Augen läßt und aus der einen Seite den Unterschied von Kapitalistenklasse und Arbeiterklasse ausrecht erhalten wissen will, auf der anderen Seite aber an den Schäden unserer Gesellschaft herumdoktort, bietet uns die„Berk. Staats- bürgerzeitung". Ob der Geist Seld's über dem Ver- safser des Leitartilels jener Zeitung vom vorigen Sonn- abend schwebte, sei dahin gestellt, unglücklichere, mehr Wirr- war erzeugende und noch weniger Nutzen für das arbeitende Volk mit sich bringende Vorschläge, als dort entwickelt worden sind, lasten sich aber kaum aufstellen. Blos des tönen- den Wortes halber scheint jene Zeitung„eine allgemeine vom Staat gegründete Pensions- und Unter- stützungskasse, obligatorisch für jedes erwerbs- thätige Mitglied der staatlichen Gemeinschaft" zu befürworten, denn wenn die Wirksamkeit eines solchen Instituts unter den heutigen Staatsverhältnissen von dem Leitartikel-Schreiber nur einigermaßen genau in's Auge ge- saßt worden wäre, so hätte derselbe erkennen müssen, daß die bestehenden Schäden dadurch verdoppelt würden. Wir wollen übrigens, um nicht parteilich zu verfahren, die Begründung der„Staatsbürgerzeitung" hier dem Wort- laute nach wiedergeben. Dieselbe lautet: �»Der Hulfsbedürftige muß in eineni social gesunden Staate das Recht zur Beanspruchung der Hülfe haben. „Ein Beispiel für das, was wir im Auge haben, sin- den wir in der Staats-Pensionskasse, die dem arbeits- unfähigen Beamten das zahlen muß, wozu er im Verhält- niß seines Dienstes und der von ihm gezahlten Beiträge berechtigt ist, widrigenfalls er seine Ansprüche im gewöhn- lichen Rechtsverfahren geltend machen kann. „Jeder Mensch, der nicht als Krüppel geboren ist oder noch vor seiner Erwerbsthatigkeit zu einem solchen wird, hat an seinem Theil mitzuarbeiten an dem Wohle der Ge- iammtheit, und thut er dies, so erwirbt er sich schon um des Willen einen moralischen Anspruch auf deren Unter- stützung, ohne daß diese den Charakter eines Almosens trägt. Vielleicht wird er auch im Stande sein, einige, wenn auch noch so geringe Ersparniste für den Fall der vermin- derten Erwerbsfähigkeit oder der gänzlichen Erwetf>silnsähig- seit zu machen, die ihm aber in der Regel keinen Trost schaffen, weil sie nur in den allerseltensten Fällen ausreichen, ihm eine sorgenlose Zukunft zu gewähren. „Die Vereinsthätigkeit hat diesen Punkt in's Auge ge- saßt, sich aber hierbei so eingeschachtelt, daß ganze Kate- gorien von Arbeitern völlig ausgeschlossen bleiben und lediglich auf sich selber angewiesen sind. „Eine Reform nach dieser Richtung hin wäre aller- dings denkbar und eine sehr dankbare Aufgabe für Die- jenigen, welche wirklich Geschick und Neigung haben, sämmt- liche Arbeiter für eine derartige Vereinigung zu gewinnen; aber immer würde ein derartiges Unternehmen scheitern müssen, weil die Anforderungen mit den Leistungen nicht in Einklang zu bringen sind..• c „Hier kann nur eine Radikalkur helfen, und die� besteht in einer allgemeinen, vom Staate gegründeten Pen- sions- und Unterstützungskasse, obligatorisch für jedes enverbsthätige Mitglied der staatlichen Gemeinfchast. „Ernährt müssen die Hülfsbedürstigen überhaupt wer- den, und welche Summen dazu gehören, das weist wohl am besten der Etat der Stadt Berlin nach, in welchem über vier Millionen Mark für die Armenpflege in Ansatz gebrackn worden sind. Rechnet man von dieser Summe nun auch wirklich die Ausgaben für diejenigen Personen ab, welche als Krüppel nicht zu der Klasse der einst erwerbsfähigen Bewohner Berlins zählen, so bleibt immerhin eine sehr große �umme übrig, welche unter der Bezeichnung„Almosen" an �eute vertheilt wird, die im Stande waren, sich ein Recht auf eine Unterstützung durch eigene Thätigkeit zu er- werben." weit die„Staatsbürgerzeitung". �. Wir finden in diesen Vorschlägen, wie es leider fast allgemeine Mode der Literaten ist, aus einem ganz selbst- verständlichen Satze die verkehrtesten Schlußfolgerungen ge- zogen. Jeder vernünftige Mensch wird nämlich dem bei- pflichten, daß in einem wohlorganisirten Staate kein Mitglied desselben in Folge unverschuldeter'Roth Hülflos zu Grunde gehen darf; wenn solches heutzutage trotzdem der Fall ist, so beweist dieses eben, daß das heutige Staats- wesen von guter Organisation sehr weit entfernt ist. Aber aus dieser Erkenntniß einen plötzlichen Sprung zur Pensionirung aller Staatsangehörigen-�u machen, das ist allerdings ein Kunststück von sehr zweifelhaftem Werth. Die vernunftgemäße Folgerung aus den heutigen mangelhaften Gesellschaftszuständen ist nämlich jene, die Frage zu beantworten, oh das unverschuldete Elend nicht etwa daher rührt, daß der Arbeitsertrag nicht von denen erworben wird, welche die Werthe durch ihre Ar- b�eit schaffen, sondern zum großen Theil in die Taschen Anderer stießt. Und wenn sich ein solcher Zustand aller- dings ergiebt— und die„Staatsbürgerzeitung" wird dies nicht bestreiten können— dann ist es unsere Aufgabe, dem arbeitenden Volke zu seinem vollen Arbeitsertrage, zum Arbeitseigenthum zu verhelfen, nicht aber künstliche Pen- sionirungssysteme zu erfinden, welche im besten Falle das sociale Unrecht in weniger scharfem Lichte erscheinen lassen würden. Selbst der Einwand, vor einer gründlichen socialen Gesellschaftsumformung in der Gegenwart, wo es Hülflose in Menge giebt, könne ein solches Staatspensionswesen Nutzen schaffen, ist ganz unzutreffend. Wollen wir dies untersuchen, so gilt es zuvörderst, die Frage zu beantworten, weshalb denn die jetzige Verpflegung Hülfloser so sehr gegen die Menschenwürde verstößt.— Ist etwa die Gemeinde nicht die zur Hülfleistung verpflichtete und befähigte Körperschaft?— Gewiß ist selbige dies; denn es wäre ganz entschieden ungerecht, wollte das Gesetz nur irgend eine Berussgenossenschast oder einen engeren Kreis mit der Sorge für die Hülflosen betrauen, während die Gemeinde alle Staatsbürger in sich schließt. Nur das ist zuzugestehen, daß ein Ausgleich der Unterstützungskosten der verschiedenen Gemeinden, damit nicht einige überlastet werden, durch den Staat, durch eine Centralisation des Hülfswesens geschehen muß,'aber die nächste Ueberwachung desselben und die Aufbringung der Kosten von Gemeinde wegen ist die natürlichste Lösung der Frage. Dem gegenüber wird die„Staatsbürgerzeitung" viel- leicht einwenden, wir wollten das jetzige Almosenwesen vertheidigen.— Nichts liegt uns aber ferner. Denn die Schäden desselben beruhen nicht darauf, daß die Ge- mein de die Unterstützung leistet, sondern darauf, daß die Gemeindeverwaltung, Dank der Communal-Wahlgesetze, in den Händen der Bourgeoisie liegt und der Hülfe Suchende nur zu oft mit Leuten zu schaffen hat, welche die Armuth für eine Sorte Verbrechen halten. Wenn durch das allgemeine Wahlrecht dem arbeitenden Volke eine Kontrole über die' Gemeinde-Unterstüyung ermöglicht ist, und wenn in dem Hülfesuchenden alsdann nicht der „Bettler" gesehen wird, sondern derjenige, welcher im ar- beitsfähigen Zustande Steuerzahler ist und im ar- beitsunfähigen Znstande eine Gegenleistung aus der Ge- meindekasse zieht, dann giebt es kein entehrendes Almosen' mehr, sondern der Arme kann ebenso selbstbewußt Hülfe beanspruchen, wie die Aktionäre des abgebrannten Kaiser- Hofs von den Feuerversicherungs-Gescllschaften Zahlung ver- langen. Es ist lediglich ein wesenloser Schein, zu glauben, daß die Hülfe weniger bitter sei, wenn sie von einer bestimmten Kasse, als wenn sie aus dem allgemeinen Gemeindesnckel ausgeht, am deutlichsten zeigen dies die Verhältnisse der Bergleute, denn da deren Knappschaftskassen von den Gru- benbesitzern allein verwaltet werden, so treten bei Jnan- spruchnahme derselben seitens der invaliden Arbeiter die gleichen Härten und die nämliche Klarheit hervor, welche die Gemeinde-Unterstützung fast allerorts so mißliebig ge- macht haben. Die Selbstverwaltung des Volkes ist eben der Schwerpunkt in allen Unterstützungs-Fragen. Und lediglich Letzteres ist der Grund, weswegen die selbstständi- gen Hülfskasien der Arbeiter sich so großer Beliebtheit er- freuen. Thatsächlich beruhen dieselben auf einer der nnge- rechtesten Grundlagen, nämlich auf Kopfsteuer der Armen. Durch eine solche werden die Beiträge ausgebracht, ein Her- anziehen der hohen Einkommen der in derselben Gemeinde wohnenden Grundbesitzer und Kapitalisten findet nicht statt; ja, die Arbeiter weisen— und zwar mit Recht— die Beisteuer der' Fabrikanten zurück, blos um den Preis der Selbstverwaltung, weil jede Unterstützung, welche nicht durch das Volk selbst oder seine direkt gewählten Beamten ertheilt wird, zur stolzen Mißachtung des Hülfesuchenden zu führen droht. Außer der Selbstverwaltung fehlt aber jenen Hülsskassen jedweder andere Vorzug vor den Ge- ineindekassen; sie besitzen sogar den großen Mangel, daß als Rente nur ein ganz bestimmtes Fixum gezahlt wird, welches trotz dringlicher Ausnahmefälle nicht überschritten werden darf. Die allein richtig begründete Verbesserung des Hülfs- wesens ist daher die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für die Gemeinde-Verwaltung und die Erhebung des gewissermaßen ehrenrührigen Almosens zur Rente während der Erwerbsunfähigkeit auf Grund einer progressiven Geineinde-Einkommensteuer. Was bringt uns aber die„Staatsbürger-Zeitung?"— Sie wählt das Schlechtere aus beiden bisherigen Systemen, erstens das Verwaltnngs-System durch von oben einge- setzte Beamte und zweitens das Kopfsteuer-System. Nicht nach der Art einer progressiven Einkommen-Steuer, sondern wie bei den Steuern der Hülfskassen, also per Kopf sollen die einzelnen Staatsbürger ihr Geld beitragen, dagegen ist ihnen die Selbstverwaltung genommen. Wahrlich, ein schlechter Tausch! Die„Staatsbürger-Zeitnng" möge uns nicht aus die Pensionskassen der Beamten verweisen; diese haben nichts gemein mit dem vorgeschlagenen System, denn der nicht pensionirte Beamte bezieht sein Gehalt, und die Pension stellt nur das gekürzte Gehalt des Ausgeschiedenen dar, alle jene harten Untersuchungen, ob der Hülfesuchende arbeitsunfähig und also unterstützungsberechtigt ist, fallen daher fort. Will man den rechten Vergleich des Projektes der„Staatsbürger-Zeitung" haben, so blicke man auf das Pensionswesen der Militär-Jnvaliden, und wer nur im Geringsten Kenntniß davon hat, welches„Sparsystem" dort herrscht und welchen lästigen Untersuchungen seiner Arbeitsfähigkeit sich so mancher Invalide Jahr aus Jahr ein zu unterziehen hat, um vielleicht seine Pension zu ver lieren, der wird die Wichtigkeit der Selbstverwaltung hoch genug schätzen, um jede Idee einer Pensionirung der Ar- beiter durch den heutigen Staat und eine Unterstellung derselben unter die heutige Bureaukratie weit von sich zu weisen. Dergleichen Pläne tauchen nur auf, wenn eine Projektenmacherei auf socialem Gebiet erfolgt, mittelst der man den Forderungen der Social-Demokratie ans dem Wege gehen möchte. Der Einzige, welcher übrigens eine solche Staats- Pensionirung der Arbeiter praktisch versucht, aber auch da- mit Schiffbruch erlitten hat, ist Niemand Anders als Louis Napoleon. Und die„Staatsbürger-Zeitung" hat also das wenig beneidenswerthe Verdienst, die Erbschaft des gekrach- ten Gesellschafts-Netters anzutreten.— Wohl bekomm's ihr!— Politische Ueberficht. Berlin, 19. Oktober. Die Zeitungen füllen gegenwärtig ihre Spalten zum großen Theil mit Berichten und Besprechungen über den Besuch des deutschen Kaiser«! bei dem 5tönig von Italien. Wir sind der Ansicht, daß wir unsere Spalten mit wichtigeren Dingen füllen können, als mit den Reisen hoher Potentaten. Das Pläne- schmieden der Diplomaten, welches unter solchen Verhältnissen in's Werk gesetzt wird, entzieht sich dem Lichte der Oeffentlichkeit. Uebrigens scheint die Bismarck'sche Politik wieder einmal auf den Sand gerathen zu sein, da zum großen Jammer der Liberalen Bismarck, angeblich aus Gesundheitsrücksichten, sich an der Reise nicht betheiligen will. Die italienische Regierung ist offenbar zu ausgesprochen franzosenfreundlich. Die„Deutsche Landeszeitung" wirft in ihrer letzten Wochenrundschau einen Rückblick auf unsere socialen Zustände im letzten Vierteljahre und schreibt: „DaS letzte Vierteljahr des fünfundsiebenzigsten Jahres ist mit dieser Woche begonnen, der letzte�Rest des dritten Viertels dieses neunzehnten Jahrhunderts. Seltsam! Die öffentliche Meinung schwärmt immerdar von„Kultur" und„fortschreitender Civilisation"; der„Humanismus" wird auf allen Stegen und Wegen gepredigt und doch nimmt der Krieg in erschreckendem Maße überhand, der Zwist der Völker wächst in Progressionen. Die Schienen-Verbindungen sollten die Völker näher aneinander bringen, also träumten die Doktrinäre, und siehe da: sie sind zu echten Heerstraßen des Krieges geworden. Auch die„Bildung" und die„Schule" übermannt den Dämon in der Menschennatur nicht; trotz aller Schulbildung wächst die Zahl der Verbrechen. Die„sociale Frage" war sonst kein Sphinxräthsel, über das sich die Gelehrten die Köpfe zerbrachen, aber auch den Gründer- und Börsen-Schwindel, die ganze Papier-Differenz- und Prozentchen- Wirthschaft kannten unsere Vorfahren nicht,«sollte dies nicht Alles im kausalen Zusammenhang stehen?- Für uns ist dies zweifellos. Die Menschennatur ist nicht besser und nicht schlechter geworden; sie blieb immer dieselbe; nur die Verhält nisse sind es, die sie zu jenen räthselvollen Erscheinungen an den Individuen zwingt, die wir, wir können nicht anders, als eine beginnende Auflösung und Anarchie der Gescllschaftszustände bezeichnen müssen. Die seltsame Thatsache, daß sich aus allen diesen glänzenden Deduktionen immer das strikte Gegentheil von der deduzirten Erwartung ergiebt, weist doch untrüglich darauf hin, daß ein Fehler in unseren derzeitigen Zuständen steckt— mag's auch nur ein Rechenfehler sein, verhängnißvoll ist er ge- nug. Die so viel und heiß ersehnte„Freiheit" ist nicht zur Freiheit der lebensvollen Bewegung und des ethischen Handelns erblüht; sie ist in die Freiheit des Betruges und der Begaune- rung aller redlichen Arbeit ausgeartet. Die Gleichheit steht da im Buchstaben des Gesetzes, allein diese stolze Göttin ist keinen Pfifferling werth, wenn sie nur den Trost giebt, daß die Bettler und die Sclaven den Wahrspruch„gleiche Brüder, gleiche Kap- pen" empfinden. So sieht der sociale HorUont aus; er hat sei- nen verheißenen„Fortschritt" schlecht erfüllt; er schuf Krisen, Elend, Selbstmorde ohne Zahl, Schaden am Besitz und Euttäu- schung überall." Die Nachricht, daß 80,000 junge Leute sich vor der prcu- Mischen Pickelhaube geflüchtet, hat unsere Reptile doch ein wenig graulich gemacht und sie schnappen nach Luft. Da wird denn dem stets gefüllten Lügenkännchen des Riptilienfonds, wo Lügen für alle Fälle vorräthig aufgespeichert sein müssen, ge- schwind die tröstliche„Nachricht" hergeholt, daß nach„offiziellen Berichten die Auswanderung nach Amerika im Jahre 1874 in . erfreulichster Weise abgenommen hat." Es wird da erzählt, daß über Antiverpen, Hamburg und Bremen, welches allerdings die drei Haupt-Auswanderungsorte sind, im Jahre 1874„nur" 43,348 deutsche Auswanderer ihren Weg nach Amerika genommen haben, während 1873 noch 103,898 über diese Orte auswan- derten. Dies ändert an der Hauptsache aber gar Nichts. Die 80,000 Helden sind fort, und wohin sie sind, weiß man im statistischen Amt des deutschen Reiches eben so wenig wie im Preßbureau. Wenn die Zahl der Ausivandernden gesunken ist, so ist dies einfach auf die große Zahl derjenigen zurückzuführen, welche früher ausgewandert sind; eine„Besserung" ist aber nirgends zu erblicken. Im Gegentheil: Militärpflichtige sind noch nie und noch nirgends so viele auf einmal ausgerissen; dieser „Ruhm„ gebührt dem„deutschen Reich" allein. Das unweit Lingolsheim bei Strasburg gelegeite Fort „Kronprinz von Sachsen" war am 9. Okt. die Stätte eines schrecklichen Unfalls. Inmitten einer Anzahl von Kanonieren des 11. Arullene-Regiments, die daselbst mit dem Füllen von Gra- naten beschäftigt waren, erplodirte plötzlich eins dieser Geschosse, indem' es zugleich das in der Nähe liegende, zum Füllen be- stimmte Pulver entzündete. Drei Todte, drei Schwer- und meh- rere Leichtverwundete waren die Opfer dieser Katastrophe. Es hätte nicht viel gefehlt, so wäre durch dieselbe eine Zerstörung des größten Theils des Forts erfolgt, denn die Erplosion hatte die Wand eines benachbarten kleinen Pulvermagazins, in welchem acht bis zehn Centner Pulver lagerten, zertrümmert, und wenn diese Pulvennasse Feuer gefangen hätte, so würde wahrscheinlich auch die daran stoßende Haupt-Pulverkammer in die Luft geflo- gen sein.' In Nuhland geht wieder einmal die Socialistenhetze in beschleunigterem Tempo vor sich. Wie dem in London erschei- nenden„Vorwärts" berichtet wird, sind in verschiedenen Gegen- den des großen Knutenreichcs zahlreiche Socialisten verhaftet wor- den. Die bedeutendsten Verhaftungen fanden in Moskau statt, zahlreiche auch in Odessa, Tula, Riazan, Orel und Petersburg. In dem Dorfe Iwanow bei Moskau wurden 30 Arbeiter ver- haftet. Dabei will die Regierung den„Mittelpunkt" der socia- listischen„Verschwörung" entdeckt haben. An mehreren Orten leisteten die Verhafteten den sie abführenden Gensd'armcn ver- zweifelten Widerstand. Rogatschew, den eine Denkschrift des Oberstaatsanwalts Zpcharew als einen socialistischen Hauptagita- tor bezeichnet, wurde im Gouvernement Charkow ergriffen. Er vertheidigte sich hartnäckig und erschoß zwei Gensd'armcn. End- lich sank er, von der Kugel eines Gensd'armen tödtlich getroffen, zusammen. Ein„nobles" Gefnnqniß. Unsere Leser haben so oft schon, von den Zuständen in „Plötzensee" und in anderen Gefängnissen gehört, von der Trak- tirung politischer Gefangener mit Gcfängnißkost, von ihrer Verpflichtung zum Couvertkleben u. s. w., daß es sie gewiß interessiren wird, zu erfahren, wie„noble" Herren die Strafen verbüßen, welche ihnen wegen der ausgesuchten Rohheit des Duellirens, und speziell auch Offizieren wegen MißhandelnS Untergebener und wegen ExccsseS gegen Civilisten auferlegt wer- den. Zugleich bietet eine solche Schilderung einen trefflichen Maßstab für den Bildungsgrad jener Herren. Wir geben nachstehend daher einen Auszug aus der in der„Gegenwart" veröffentlichten Erzählung eines wegen Duells zur Festungshaft in Magdeburg verurtheilten Offiziers. Irren wir uns nicht, so verbüßte auch jener Lieutenant, welcher in Berlin einen Schuster ermordete, dort seine Festungsstrafe. Der Gewährsmann der „Gegenwart" berichtet nun folgendennaßen über das„sidelc Ge- fängniß" in der Magdeburger Eitadelle: � Ein freier Platz, auf welchem alte Känonentugeln in Pyra- miden gehäuft sind, öffnet sich und in einem Winkel desselben steht ein verdächtig und unangenehm aussehendes kleines, ein- stöckiges Haus mit Mansardengiebel, dessen Ecken schräg abge- stumpft sind, wie es Ende vorigen Jahrhunderts Mode war. Sämmtliche Fenster sind mit starken Eisengittern versehen, ein lotteriger Bretterzaun zieht sich rings herum, ein SchilderhäuSchcn und ein Posten befinden sich am Eingang, nach dem wir unsere Schrille lenken. Oben auf dem Wall gingen einige Ilniformirte ohne Säbel spazieren, gleichfalls Gefangene, welche die Ankunft eines neuen Schicksalsgenossen sehr zu interessiren schien. Am Eingang empfahl sich der wachehabende Offizier, und Herr Schulz lud mich ein, die enge und steile Treppe, welche nach der oberen Etage führte, hinaufzusteigen. Er selbst folgte mir etwas lang- samer, öffnete mit einem seiner Schlüssel das einzige Zimmer, welches oben noch unbesetzt war, indem er sich theilnehmend nach dem Grund meiner Haft erkundigte, und ich betrat das be- schcidene Kabinet, welches mich für drei Dionate beherbergen sollte. Vier' kahle, schmutzig blau getünchte Wände von je etwa fünf Schritt Länge, init allen möglichen Zeichnungen, größten- theils sehr fraglichen Kunstwerthes in Blei, Kohle, Tinte und Tusche geziert/ bildeten den Rahinen, welcher das anspruchslose Möbelinventar umschloß. Links in der Ecke eine eiserne Bettstelle und ein Bett mit blaukarrirten Ueberzügen darauf; daneben ein starker hölzerner Stuhl mit gespreizten Beinen und massiver Rücklehne, in welche eine herzförmige Oeffnung geschnitten ist, jene bekannte Form, wie man sie überall bei den Bauern findet; auf dem Fenstergesims ein brauner irdener Wasserkrug und eine Waschschüssel von weißem Steingut, dahinter die verdunkelnden Eisengitter, dicht außerhalb der Fensterscheiben angebracht, so daß man den Kopf nicht heraussttecken kann, lassen keine Illusion Zur Illustration der Preftsreiheit im Reiche schreibt der „Dresdener Bolksbote": „Endlich hat der Prozeß Kaiser-Petzold sein Ende er- fahren. Der Prozeß dauerte an dreizehn Monate, während welcher Zeit sich Redakteur Petzold in Untersuchungshaft befand. Die lange Dauer des Prozesses hat lediglich ihren Grund daran, daß man neben Petzold noch einen Mitschuldigen erhaschen wollte, was auch glücklich gelang, chndem der strebsame Einer noch Käufer mit hineinzog. Arn 27. September wurde Kapser eröffnet, daß seine Nichtigkeitsbeschwerde verworfen worden, und das Ober- appellationsgericht das erstinstanzliche Urtheil bestätigt habe. Das Gericht spricht aus, daß Kayser's Strafinaß„billig-zugemessen sei". Billig zugemessen, drei Monate für Beihülfe zur Beleidi- gung des Fürsten Bismarck, gestützt darauf, daß K. die Korrektur gelesei, und seine Thätigkeit der„Redaktion sehr nahe gekommen sei!" Von Petzold konnten wir nur erfahren, daß dessen Nich- tiakeitsbeschwerde ebenfalls verworfen sei. Die Staatsanwalt- schaft war vertreten durch den General-Staatsanwalt Dr. von Schwarze." * Der Handel mit Menschenfleisch ist nicht blos in Oesterreich, wie ivir in tinserer letzten Nummer berichteten, ein- heimisch, sondern erfteut sich auch im„gesegneten Reiche" eines scheinbar bedeutenden Aufschwungs. Ein junger Kaufmann aus Dresden'bestieg am Montag vor acht Tagen einen Eisenbahnzug, um sich mit demselben nach Berlin zu begeben. Kurz vor Ab- gang des Trains stiegen in das Coupe, in welchem sich der junge Kaufmann befand, noch drei Herren mit sechs jungen Mädchen ein. Im Moment der Abfahrt fing das eine der Mädchen bit- terlich zu weinen an, und erzählte, auf die theilnahmsvolle Frage des jungen Mannes nach der Ursache der Thränen, demselben unter Schluchzen, daß sie aus ihrer Heimath Lobositz in Böhmen nach Dresden gekommen wäre, um dort einen Dienst zu suchen. Eine Vermicthsftau habe ihr auch einen solchen in einem Hause der Schießgasse nachgewiesen; als sie die vermeintliche Dienst- botenstelle jedoch angetreten, habe ihr die Prinzipalin Zumuthun- gen gestellt, aus denen ihr klar geworden, daß es sich um etwas anderes, als um einen solchen Dienst handle, und daß sie in eins der berüchtigten Häuser Dresdens gerathen sei. Da sie sich dem Willen der Frau nicht gefügt habe, so hätte sie Prügel erhalten und Kost sei ihr nicht gewährt worden. Nach Verlauf von vier Tagen wären nun drei fremde Herren in das Haus gekommen, welche mit der Prinzipalin unterhandelt hätten; darauf habe man sie— das beiläufig gesagt, erst sechsjehnjährige Mädchen— gerufen und ihr eröffnet, daß sie für die im Hause verlebten vier Tage die Summe von 60 Thaler schuldig geworden, und wegen mangelnder Zahlung für diesen Betrag an einen der betreffenden Herren nach Hamburg verkauft worden sei. Der Herr bezahlte auch die 60 Thaler in Gegenwart des Mädchens und gebot derselben unter den furchtbarsten Drohungen Schweigen über das Vorgefallene gegen Jedermann. Mit fünf anderen Mädchen, die aber mit ihrer Uebersiedelung nach Hamburg einverstanden waren, sei sie von den drei Herren dann zur Bahn gebracht worden, um nach Hamburg spedirt zu werden. Entrüstet über diesen schamlosen Handel, machte der junge Kaufmann zwei anderen mitreisenden Herren Mittheilung von dem Vorgange und auf ge- meinsamen Beschluß wurde die Berliner Bahnpolizei auf tele- graphischem Wege davon unterrichtet. Bei der Ankunft des Zuges auf dem Berliner Bahnhofe wurden die Ausgänge des betreffen- den Coupe's auch richtig von Schutzleuten besetzt und der Aken- schenhändler mit den Mädchen festgenommen und zum Molken- markt gekrackt, wohin der Dresdener Kaufmann und die beiden in das Gehen. niß gezogenen Reisenden freiwillig folgten. Die zwei Genossen des Händlers, die in einein anderen Coupe sich befanden, hatten gas Weite gesucht. Von Seiten der Kriminal- Polizei wurde der Thatbeständ festgestellt, worauf mau den sauberen Patron, einen Hamburger Wirth Namens Stange, in Unter- suchungsarrest nahm, während die fünf Mädchen„per Schub" in die Heimath befördert wurden; die junge Böhmin kehrte eben- falls in ihre Heimath zurück. über den wahren Charakter des Gemaches aufkommen. Außerdem befanden sich noch in demselben als harmlosere Erscheinungen ein Tisch, ein Kleiderschrank und eine Kommode, sämmtlich von Tannenholz und gelb angestrichen. Die Eigenthümlichkeiten des Bettes lernte ich zwar erst am Abend schätzen, aber sie mögen der Vollständigkeit halber schon jetzt die ihnen gebührende Auf- merksamkeit erfahren. Gleich die erste Bekanntschaft mit meinem SchinerzenSlagcr veranlaßte inich, eine genauere Prüfung d<.r einzelnen Bestandthcile vorzunehmen. Ich hatte zwar schon sehr viele Arten von Nachtlagern erprobt, diese aber war mir voll- ständig neu. Noch nie war mir an einem„Bett" genannten Erzeugnis der Kultur ein solcher Grad von grausamer Härte und Unebenheit vorgekommen, und nur die verschiedenen Anno siebzig beschlafenen Kortoffeläcker des schönen Frankreichs konnten damit erfolgreich konkurriren. Die schweren und steifen wollenen Decken mit den fatal aussehenden, sträflingsmäßigen blaukarrirten Ueberzügen machten den Eindruck von Bleiplatten, die man erst in die Höhe biegen mußte, um sich unter ihren Schutz begeben zu können. War das grobe Linnen, von welchem stechende holzartige Fasern empor- standen, hinweggeräumt, so kam eine etiva singerdicke Schicht einer rauchtabakähnlichen Masse zum Vorschein, welche, ehemals in ein an Käffeesäcke erinnerndes Gewebe eingenäht, jetzt aber aus zahl- reichen Löchern hervorquellend,'auf den Namen„Matratze" zu hören schien. In der Mitte, dem Schwerpunkt des horizontal ausgestreckten menschlichen Körpers entsprechend, hatte der Zahn der Zeit eine mächtige Lücke durchgenagt, und nur durch diese wohlthättge Einrichtung, da nicht daran gedacht werden konnte, jene eigenthümliche Schicht als Ganzes aufzuheben, wurde es einem Strohsack, dessen Inhalt bereits zu Häcksel und Spreu zerquetscht war, möglich, seine Anwesenheit zu verrathen. Unendlicher Staub entwickelte sich bei jeder unsanfteren Berührung, und eilig zog ich das Laken wieder über die gewonnenen Entdeckungen. 2Bie viele vor mir mochten dieselben nächtlichen Forschungen angestellt haben. Ich miethete mir am nächsten Morgen von der officiell zuge- lassenen Waschfrau ein anderes Bett, gab es aber alsbald auf, darin Schlafvcrsuche anzustellen, da dasselbe das enrgegen- gesetzte Prinzip der unerträglichsten Weichheit vertrat, und kehrte zu meinem Sträflingslager zurück, an welches ich mich mit der Zeit acclimatisirte, zumal nachdem es mir gelungen, frisches Stroh zu erhalten und in der unter dem Dach befindlichen Ge- rälhekammer eine Matratze aufzutreibe», welche nur in der Mitte mit einem großen Loch ausgestattet war. Sämmtliche Räume des Hauses litten an einer überraschen- den Anhäufung von Schmutz. Doch wurde mir nach Kurzem klar, daß die Ursache dieses Zustandes allein in der wüsten und unordentlichen Lebensweise zu suchen sei, die sich unter den Gefangenen eingebürgert hatte. Zwei So!- datcn der Garnison waren als Ordonnanzen kommandirt und hatten die Reinigung und A'uftvartung zu besorgen. Aber ihre Kräfte waren nicht ausreichend, all den Anforderungen, die von Der 15. Oktober führte den Redakteur unseres Blattes, A. Küster, wieder einmal vor die Schranken des Gerichts. Küster war bekanntlich in erster Instanz wegen zweier im„Neuen Social-Demokrat" erschienenen Gedichte und eines im November vorigen Jahres gehaltenen Vortrages zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Das Kammergericht bestätigte am 15. Oktober dieses Urtheil. d< d> bi te S A nc sa w! de Z- m P< ge ei> lid Berlin, 14. Oktober.(Volksversammlung.)[Schluß.] Nachdem Herr Hasselmann seinen Vortrag unter stürmischem Beifall beendet, nimmt die Versammlung folgende von ihm ein- gebrachte Resolution einstimmig an: „Tie Volksversammlung protestirt auf das Entschiedenste gegen die Erhöhung der Biersteuer, sowie die Einführung einer Petroleumsteuer, überhaupt gegen jede Steuer auf die Lebens-1 bedürftnsse des Volkes, und erklärt es für die Pflicht aller Reichs- 1 tagsabgeordneten, jedes dieser Steuerprojekte zurückzuweisen.» Sollte"ein Abgeordneter trotzdem für eine solche Belastung des l Volkes stimmen, so werden alle Wähler aufgefordert, bei den! nächsten Wahlen demselben ihre Stimme vorzuenthalten. Die Versammlung beschließt ferner, dem Reichstage diese» Beschlüsse mitzutheilen und alle Arbeiter Deutschlands äufzufor-i dern, sich dieser Resolution anzuschließen."_ j An der an diesen Punkt der Tagesordnung sich anschließen-» den Diskussion betheiligen sich in eingehender Weise die Herreilz Paul und Rathenow. Letzterer zieht eine interessante Pa-( rallele zwischen den übrigen deutschen Bieren und den: Berliner. Gebräu, wobei aber das Erzeugnis; der„Mettopole der Jntelli-< genz" sehr bös weg kommt. Beide Redner ernteten ebenfalls? großen Beifall. Die Versammlung geht sodann zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„Die Berliner Presse", über und nimmt hierzu» Herr Paul G rottkau als Referent das Wort. Derselbe be-» leuchtet zuerst die Entstehung unv das Wesen des Reptilienfonds i und der Börseneinflüsse und zeigt, wie es außer den social-demo-I kratischen Zeitungen fast kein einziges unabhängiges Blatt in__ Deutschland giebt. Was Aegidi und die übrigen Mameluken im Preßbureau fabriziren, dies drucken alle kleinen und großen Rep-, tile im„Reiche" getteulich nach und die sogenannte öffentliche, Meinung ist somit nichts auveres, als eine künstlich gemachte. Schon Lassalle hat auf dies elende Treiben aufmerksam gemacht, aber er konnte nicht ahnen, daß es eine solche immense Ausbrei- l tung finden würde. Was speziell die Berliner Presse anbetrifft� so steht sie sogar in vielen Stücken noch weit hinter der provin- ziellen zurück. Außer dem„Neuen Social- Demokrat� existirt in Berlin keine wirklich unabhängige politische Zeitung.- Außer dem bösesten aller Reptile, der„Norddeutschen All» gemeinen Zeitung", arbeiten in d-r„Metropole der Jntelli- genz" noch eine Unmasse anderer Zeitungen in Volksverdummung und Urtheils-Verwirrung. Die alte Tante„Kreutzeitung| möchte uns am liebsten wieder in daS Mittelalter zurückfuhren oder erblickt mindestens in den mecklenburgischen Zuständen die uns allein seligmachende Staatsform. Die„Vossische Zeitung" und die„Volks-Zeitung" erblicken in den Lehren des Franzosen Bastiat, die Herr Schulze aus Delitzsch seit einigen 9. „3 ZU! Ab mo kfe zei, Ab Jahrzehnten durch Deutschland kolportirt, das alleinige Heil für dft Menschheit. Die„National-Zeitnna" sieht natürlich in unseren heutigen Zuständen einen„Musterstaat" und findet die Ursachen der gegenwärtigen Geschäfiskrise nur in den nnverschäm- ten Anforderungen der Arbeiter. Das längst überlebte ultra- montane Prinzip ist in der Berliner Presse durch die„Ger- mama" vertreten.„Tribüne",„S taatsb ürg er-Zeitung« „Figaro" u. s. w. enthalten fast nur Berichte über Scandatz gestürzte Droschkenpferde und sonstigen Sttaßenunfug. Durchweg in Annoncen machen außer dem„Jntelli genz- Blakt" das „Berliner Tageblatt" und der„Kladderadatsch",' der nebenbei noch einige faule Witze und lahme Gedichte bringt. Die Berliner Börsenpresse bedarf wie überhaupt die ganze Börsen' presse keiner Kritik. Und wenn auch noch in verschiedenen Fra' gen die Berliner Zeittingen auseinander gehen, in einem sind' l11' Mai stan die W- Bis chcn auf toni schli müsi den sich verschiedenen Seiten an sie fortwährend gestellt wurden, zu gss nügcn und der durch die Achtlosigkeit, den Muthwillen und du' allnächtlichen Trinkgelage der meist sehr jugendlichen Bt- wohner des Hauses sich anhäufenden Unreinlichkeit zu steuern.)» Die Mitgefangenen waren überwiegend Duellanten. Zivss derselben, ein Offizier und ein Student, waren einander>»/ Pistolen gegenübergestanden, vertrugen sich aber jetzt recht gu' chrli und hatten die ehemalige Feindschaft vollkommen vergessen. Na» Ersc den Duellanten waren am zahlreichsten Offiziere vertreten, welche unst sich gegen Untergebene thätlich vergangen oder Borgesetzten dss aller schuldige Ehrfurcht vorenthalten hatten. Einer hatte übergroß'' viel Eile im Hcirathen, dessen er sich ohne den Besitz des gesetzliche» inög Eonsenses schuldig gemacht hatte, mit zwei Monaten zu süh' tönn nen. Unten im Erdgeschoß hausten einige Herren, von dene»>m i man nie recht in Erfahrimg bringen konnte, was sie verbrocht» tzegei hatten. Kassendefekte, geschlechtliche Verirrungen und sonsii?'' und dunkle Thaten mochten die Ursachen ihres Aufenthaltes ffi"- cä n Neue Bewohner kamen und alte gingen während der drei perai nate meiner Haft, und von den zuerst Angetroffenen war zuletzt Was nur noch Einer übrig, welcher wegen versuchter Desertion zu ein gebrc jähriger Festung verurtheilt und aus dem Militärverbande ettf; lassen war. Als militärjuridisches Paradoron befand sich auck donn ein gemeiner Matrose unter den„Slubengefangenen", wie der tägfl offizielle Ausdruck nicht sehr bezeichnend lautet. Wegen wieder- über, Holter Unbotmäßigkeitcn kriegsgerichtlich abgeurtheilt, verdankt' m st er einein Versehen des Auditeurs, welches rechtskräftig gcworvc- Herr war, seine exceptionell günstige Sttafverbüßung und dicntst ssssru als greifbares Argument, wie sogar die hohe Justiz von mens#*»~e*ar liehen Zufälligkeiten beeinflußt ist. Auch der eben entbrannt'' �esta Kulturkampf sandte seine Wahrzeichen. Dieselben hatten sich dck Je_ d Verlesung eines inkriminirten Hirtenbriefes schuldig gemacht um''efa büßten dafür je nach den Anschauungen der betteffenden Nichts'-'dhi mit«cht- oder vierzehntägiger Haft. Im Anfang wurden die]'' � schwarzen Herren von der uniformirten Einwohnerschaft instinW, � gemieden, bald aber fand man, daß sich mit ihnen sehr gut u»'»??"e i«i, vuw u» vt ju»� muii/ vu.t) j.u; rnilt ll/JltU|vljl; fy r gehen ließ, und das allgemein Menschliche überwand die auß Nckü okttossirten Standcsvorurtheile schließlich so weit, daß es Mfljr Pe.' wurde, in die oben leerstehenden Zimmer wenn möglich frisss angekommene Opfer der Maigesetzc einzuquartiren und somit lä».j yere Zeit hindurch auch das� Priesterthum als ein erwünscht�' von Herrn Schulz feierlich abgesperrt, und es war dann zwischff j, D oben und unten keine direkte Kommunikation mehr vorhanden. B r'- Geleb: wurde im Allgemeinen sehr wüst. Ein hoher Gr�z von Ilagcnirthcit, Suspendirung gewisser gesellschaftlicher" Forints uuP ein ausgesprochener Communismus({) herrschte unter de»!'• Gleichalterigcn, nämlich jüngeren Lieutenants und Studentc»! doch einiq; Vermittelst der Kavitalmacht den Arbeiter nieoer zu drücken. Aufgabe der socialistischcn Arbeiter est es.nun, allllberau bei ihren Arbeitskollegen, wo sie noch die arbetterfcmdUchen Ätat- ter vorfinden, dieselben durch socialistische Organe ZU verdrängen. So lange noch die Arbeiter die ihnen mndhche Pre„e durch Abonniren und Jnseriren unterstützen, so lange kann der-lrveiter noch nicht an seine Emanzipation denken._ Erst wenn der ge- sammte Arbeiterstand ohne Ausnahme socmlrittsche Organe u,, wird die Unselbständigkeit des Unheils und der Jndisserennsmus, der heute noch bei so vielen Arbeitern herrscht, verschwunden. Zum Schluß forderte noch Herr Grottkau zum regen Abonnement auf die Parteiblätter„Neuer Social-Demokrat u „Volksstaat" auf. Die Versammlung, die den Nedner schon vor Beginn seines Vortrages lebhaft begrüßt, bewies auch zum Schlüsse durch ihr stürmisches Bravo ihre volle Sympathie mi- den Ansichten des Redners. In Folge der vorgeschrittenen Zeit fand eine weitere Debatte nicht statt und wird« me Versam lung 1 Uhr Nachts geschlossen.__________ Berlin, 18. Okt.(Termin.) Am 5. November steht gegen den Parteigenossen Heiland wegen Majestätodeleidigung vor de■ 1• q-richt zu Frankfurt a. O. Termin an. Der Staatsanwalt wiU einer von Heiland daselbst ani 18. April d. A. gehaltenen Rede n lich den Vorwurf der Parteilichkeit für den Kaiser gefunden yaoei. Elberfeld, IS. Okt.(Verurtheilung.) Wegen Vergehens ge- gen den§ 131 des StrasgesetzbucheS wurde ich in zweiter Anstgn'> 8 Woche» Gefängniß verurtheilt. Mit social-demokratlichem Grup C. A-"uyi. Tondcrn, 16. Okt.(Volksversammlung.) Sonnabend, den 9. d. M. hielten wir eine Volksversammlung mit der agesordnung. „Der Socialisten-Kongreh zu Gotha und die Bedeutung der �ah zum Reichstag" ab. Als Referent war Freund H. Walther anweien. Als der erste Punkt erledigt ivar, forderte Unterzeichneter aus, od jemand das Wort wünsche Da sich Niemand meldete, so sand eine kleine Pause statt, in der die anwesenden Seminaristen �ihre„Bildung zeigten. Eine TeUersammlung ergab oie Summe von S,74 Rm. Mit social-demokratischem Gruß W. Ploe. Wiesbadrn, 13. Okt.(Alkgem. deutscher Töpferverein.) Abrechnung des ersten Quartals Unserer Verwaltung zu Hamburg. Mk. in näm- Einnahme im Monat Juli von Mainz von Nürnberg von Dresden von Meißen von Hannover von Hamburg von Wiesbaden Nachtrag von Mainz. Uebertrag 116 4 19 1 4 6 S-1 P- 83 92 -><) 80 60 30 30 1 207 20 Einnahme im August von Hamburg.,._ Ausgabe für Protokolle von 1874 und Porto, Packet- kosten für Protokolle 187S..... 115 30 63 70 Einnahme im Monat Ausgabe Kassenbestand -eptember: Uetersen. Nürnberg Darmstadt Homburg. Mainz Wiesbaden Äassenbestand III 6 9 9 13 3 J5 173 5 16' 95 50 50 80 30 5 60 43 Kassenbestand 167 43 Revidirt durch die Revisoren Jos. Rienzle, Darmstadt. Wilh. Höger, Mainz, Carl Eichmann, Wiesbaden, zweiter Vorsitzender.. NB. Es werden die säumigen Mitgliedschaften, die noch im.1>ua- stande mit ihren Beiträgen sind, aufgefordert, ihren Pflichten gegen die Hauptkasse nachzukommen. l r d d'c Bc rn. W Zwe: ii»' >t guI Nach oelcfst n die groß'' lich« � süh' denc» wchcn nstiM sein- Mo- zuletzt i ein- > eiit' auch e der jeder- >ank� ordcn rte- ei!sch>° annH h de' t in» lidst'' die!' iiikti" : titN' ailfl M" frifi t!än m letasi' unt'f t vef tagen ische" en.. lZra� >rche° dA enteN" Bis neun oder zehn Uhr Lormittags war es gewöhnlich mäus- chenstill in den oberen Räumen, Alle schliefen noch. Da fing auf einmal eine heisere Stimme an, irgend eine Melodie zu in- toniren, und es dauerte nicht lange, so sielen Andere ein, und schließlich erschollen auS sämmtlichen Stuben mehr oder minder musikalische, aber durchgehends sehr kräftige Gesänge im brausen- den Chor zusammen.„Wer hat dich, du schöner Wald" erfreute sich lange einer ganz besonderen Beliebtheit. Im Anfang wurde ehrlich versucht, richtig zu singen, wenn auch nicht immer mit Erfolg. Als aber ein Kavallcrielieutenant kam, welcher jenes unsterbliche Lied mit einer an Genialität streifenden Verachtung aller Harmonie zu mißhandeln wußte, sand diese neue Art so viel Beifall, daß man sich von nun an Mühe gab, so falsch aiS möglich zu singen, ohne indeß das Vorbild jemals erreichen zu können. Hatte dieses Morgen-Concert, bei welchem Jeder noch im Bett befindlich mitwirkte, eine Weile gedauert, so begannen gegenseitige Besuche, und zwar in antiker Gewandung, m Hemd und malerisch drapirter Reisedecke. Wehe Demjenigen, welcher es wagte, länger liegen bleiben zu wollen als die klebrigen. Ihn herauszutreiben, wurden die effektvollsten Mittel, unter denen das Wafi>-Y- Hauptrolle spielte, rücksichtslos in Anwendung Waffer die Um ein Uhr mußte überall aufgeräumt �u'�wa�den donnanzen nicht geringe Mühe bereitete..gAeliende Offizier täglich die Ablösung der Wache statt, unddi. z� oann ubergab seinem Nachfolger die Gefangenen, o B»aleitung des in seiner Stube zu warten, bis die Beiden m B�euung � Herrn Schulz eintraten, und das stereotype /, Strudelwitz"-„mein Name ist von Prudelwitz m der���� bekannten Steifheit ausgetauscht war, �"Tischgesellschaften von bestand.- Um zwei Uhr ungefähr wurde m Die Speisen )e drei oder vier Personen zu Mittag geh! � der lieferte entweder die Küche des Herrn /Schulz Nahe der Eitadelle befindliche Wirthschaft. ausgelegt, und Abends.,n-d° ,-wSHMch S Ä war dieses trotz seines ansehnlichen Inha Wein und hatten die Meisten noch so stamiche Vorrathe an Wem Schnäpsen in ibren an die©cr" -.v ,puie vtacht oder selbst bis zum Mo�engrauen� m'« �.- ch Fröhlichkeit fortgesetzt werden konnten. Perluste die hoch gespielt, und nicht selten stoNcn bewichtliche �e, sonst tadellose Gemüthlichkeit. Wlebereits erwahn, U � mal bei Eintritt der Dunkelheit Herr /-chulz � g�Aiabendeii beiden Etagen und überlieferte die Schlüssel d � � Und �N'sier. Dann waren wir eingesperr., stc e o g���jeseii. suhlten uns in dieser JsoUrthelt doppelt aus.„./brennen. Es war strenge verboten, nach zehn � � nahte, eifrig Deshalb g,ng man regelmäßig, sobald diese � Decken daran, die Fenster der zur Kneipe dienende! scharfen sorgfältig zu verhängen. Der m der Nacht'mt Patronen bewaffnete Posten war msttmrt, w> � � rufen. Uhr die Spuren eines Lichtstrahls entdeckte,, �ich 5 Laien-Evangelium. (Von Friedrich Sollet.) (Fortsetzung.) Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Ihr sollt uicht wähnen, daß ich kommen bin, Gesetz und die Propheten aufzulösen. Erfüllen nur ist meiner Sendung Sinn; Auflösen und vernichten ist vom Bösen. Wahrlich, ich sag' euch: bis die Welt zergeht, Wird nicht zergeh» der kleinste Buchstabe Noch Titel, der in dein Gesetze steht, Bis alles sein Gescheh'n entfaltet habe. Wer kleinester Gebote eines blos Auflöst, wird klein im Himmelreiche heißen, Doch wer sie thut und lehrt, wird heißen groß. Erbau'» ist Gotteswerk, nicht Niederreißen.— Rennt ihr nicht hier an einen Widerspruch, Die ihr im Finster» tappt, ihr armen Tröpfe? So geht's euch leider oft im heil'gen Buch, Und angstvoll deutelnd brecht ihr euch die Köpfe.— Wer hat die Welt bezwungen und zerstört, Um, über Trümmern, Gottes Reich zu schaffen? Wer gegen alte Bräuche sich empört Und sie bekämpft mit schärfften Geisteswaffen? War's nicht derselbe Christus, der hier spricht: „Auslösen nicht, erfüllen will ich. Wehe! Der vom Gesetz den kleinsten Titel bricht, Denn bleiben wird es, bis die Welt zergehe?" Und doch ging das Gesetz durch ihnzuGrund.— Das ängstigt euch? O! lerntet ihr nur denken, Dann wüßtet ihr: der Widerspruch wird kund, In tief're Einheit sich versöhnt zu senken. Ihr wüßtet: ein lebendig volles Eins Sind Schaffen und Vernichten, ein Allwirken. Nur ihr, den Zwieipalt schauend nur des Scheins, Müßt eins vom andern trennen und bezirken. Ihr wüßtet: das nur, was zu Grunde geht, Erhalten ist's im Geist und in der Wahrheit.— Klagt ihr, ich spräche, was ihr nicht versteht?— Wohl! ich entfall' es euch in trockner Klarheit.— Alles, was je des Menschen Geist ersann, Ist ewig, denn von Gott ist es gekommen. Was Form und Dauer je durch ihn gewann, Das ist vom ew'gen Geiste leis durchglommen. Doch Form und Dauer sind nur Erdenschein, Gleich wie der Leib nur ist der Seele Schemen; Sie schließt sich selbst in seine Schranken ein, Ein Ich, bewußt zusammen sich zu nehmen. Doch dies Bewußtsein, einmal nur erfaßt, Verströmt und schwindet nie, geht nie verloren. Hin sinkt der Leichnam, wesenlose Last, Der Geist ersteht, zur Freiheit neugeboren. Der Mensch ist ewig, wenn er nicht mehr ist. So Alles, was vom Menschen ausgegangen. Ob man sein äußres Dasein auch vergißt, Der Geist der Menschheit hat's in sich empfangen. Was, aus des Unbewußtsein's Schattenreich Gerettet, durch Gestaltung ward gebunden— Erkennt's der Geist, befreit er's alsogleich. Es ist erfüllt und darum ist's verschwunden. Die dunkle Puppe barst und geisterhellt Fliegt jetzt ein Schmetterling zum Himmel heiter. Die Sphinx hat sich im Abgrund selbst zerschellt; Ihr Räthsel ist gelöst— was will sie iveiter?— Nur der erfüllt Weissagung und Gesetz, Der d'rin den Geist erwecket von den Todten. Nicht, wer sich d'rin verfängt wie in'nem?!etz, Und auszulösen scheut den kleinsten Knoten. Den großen Lärm, der gewöhnlich herrschte, zu hören, konnte man ihn allerdings nicht verhindern, und nur wenn die Ablösun- gen kamen oder revidirende Unteroffiziere, von welchen Manche im Vollbewußtsein ihrer dienstlichen Würde(!) sich gedrungen fühlten, den oben eingesperrten Offizieren Ruhe zu gebieten, gab man sich Blühe, die Stimmen etwas zu mäßigen. Ein einziges Mal kam es vor, daß der Posten von dem wahrgenommenen lebhaften Treiben im Innern des seiner Obhut anvertrauten Hauses Meldung machte und dadurch den Offizier der Wache veranlaßte, mit dem Schlüsselbund zu erscheinen und Visitation zu halten. Diese ergab jedoch tein greifbares Resultat, denn zwischen dem rasselnden Aufschließen der schweren Thüre unten und dem Er- steigen der Treppe verstrich zu viel Zeit, als daß nicht Jeder- sich in seine Stube und in sein Bett flüchten konnte, und im kritischen Augenblick lagen Alle anscheinend in tiefem Schlaf, um nach dem Vorübergehen der keineswegs sehr ernst gemeinten Gefahr sich von Neuem zusammen zu finden und die unterbrochene Lustbarkeit wieder aufzunehmen. Geschlafen habe ich in der ersten Zeit sehr wenig. Nächst der Beschaffcnbeit des Lagers trugen namentlich die geräuschvollen Promenaden des Postens dicht unter dem Fenster dazu bei, mich wach zu erhalten. Fast ohne Unterbrechung knirschten seine schweren Stiefeln auf dem Kiese des kleinen Hofes herum, bald kratzte er mit dem Bajonett die Mauer entlang, bald stieß er damit an die Klingel der Zaunpforte, daß'sie laut ertönte, dann wieder kollerte er aus Langeiveile Pflastersteine über den Boden oder schrie auch gelegentlich mit der vollen Kraft seiner Lunge das vorgeschriebene„Licht aus", wenn cr vielleicht den Reflex des Mondes in einer Fensterscheibe erblickt und für die Strahlen � einer künstlichen Beleuchtung gehalten hatte. Vormittags von 10 bis 12 und Nachmittags von 2 bis 6 Uhr waren die sogenannten Freistunden, das heißt, wahrend dieser Zeit konnten die Stuben-Gefangenen im Innern der Cita- delle und auf einem Theil des Walles spazieren. Von jenem Abschnitt des Walles, welche zu betreten uns gestattet war, hatte man eine hübsche Aussicht auf die Elbe mit den vielen Fahr- zeugen, auf die gegenüberliegend? Stadt mit dem schöne� Tom und über die anmuthige, daumreiche Landschaft der Elbinseln mit den Vorstädten Sudenburg, Buckau und Krackau im Hintergründe. Spaziergänger beiderlei Geschlechts kamen unten vorbei, sandten uns hie und da mitleidige Blicke herauf und erwiderten auch wohl die Grüße, die ihnen mit Taschentüchern zugewinkt wurden. Außerhalb der Freistunden waren wir auf den kleinen, kahlen Hofraum beschränkt, welchen der unser Häuschen umgebende alte Bretterzaun abgrenzte. Dieser Raum war oft der Schauplatz sehr gelungener, dem Bereich des höheren Blödsinns entstammen- der Aufzüge. Ich erinnere mich noch heute mit großem Ver- gnügen einiger Parademärsche in phantastischen Kostümen, welche von einem jüngeren Lieutenant, der eine ganz besondere Befähigung für die Rolle ergrauter Regiments-Kommandeure besaß, kommandirt wurden und auch dem erstaunten Posten zum größten Gaudium zu gereichen schienen. Und so hat Christus das Ges4 erfüllt. Wegräumend nicht, hat cr's zerstören wollen. Zerbarst die Schale, so die Frucht umhülll, So war's nur, weil die Frucht sie überschwollen. Meistern und Mäkeln bringet nicht Gewinn, Noch kleinlich Stutzen, wie mit Gartenscheeren.-� V Aus jeder Form heraus erkennt den Sinn! Dann wird die Form auch selbst sich neu gebären. Ihr zwingt den jungen Frühling nicht herbei, Wenn ihr vom Baume reißt die dürren Blätter, Und wähnt, die frischen werden sprossen ftei Trotz Frost und Nässe, Trübe, Wind und Wetter. Doch wenn des Frühlingsgeistes Licht und Hauch Den Baum erfüllt mir neuen Lebenssäften, Dann fallen wol die alten Blätter auch, Durch jungen Wuchs gestoßen von den Schäften. Ist das Zerstörung, wenn das alte Laub Tief unten modert, frischem Wald zur Düngung? Nein! Was am Stamm hing, ausgedörrt und taub, Schwankt nun und schwillt in reinster Lichtverjüngung. Ein schwaches Lenzerinnern, kaum bewußt, Sah'st du im alten Laub vergilbend kranken. Im jungen jetzt webt manche Lenzcslust, Geboren neu im Lichte, dem Gedanken.— Dem Frühling aber fiel es niemals ein, Er sei gesandt, das Alte wegzuraffen.— Wer auflöst, heißt im Himmelreiche klein; Groß wirst du durch'S Erfüllen nur und Schassen. Doch wirst du nie ein achter Schöpfer sein, So du dich vornehm lossagst nur vom Alten. Das Neue kann aus Altem nur gedeih'» Durch deines Geist's Erschau'» und Fortentfalten. Propheten und Gesetz sind ewig wahr, Der kleinste Titel muß ein Ew'ges hegen, Und aller Fortschritt macht nur offenbar, Was vom Beginn verborgen drin gelegen. Ihr werdet euch dem Himmelreich nicht nähern, So ihr nicht hegt dess're Gerechtigleit, .Iis ihr sie findet bei den Pharisäern Und Schristgelehrtcn bis zu dieser Zeit. Wer seinem Bruder zürnt, ist des Gerichtes schuldig. „Ihr wißt, den Alten ist gesagt: Du sollt Nicht tödten! sonst sei das Gericht dein Lohn. Ich aber sag euch: wer dem Bruder grollt Und zürnt, ist des Gerichtes schuldig schon. „Wer aber: Racha! zu dem Bruder sagt Ist werth, daß ihn der Rath zum Tod verdammt, Und wer ihn gar: du Narr! zu schelten wagt, Ist werth, daß ihn der Hölle Gluth umflammt." Ach! über's erste Wort noch nicht hinaus Sind wir; wie klingt uns gar das zweite fremd! Noch ist von Zweikampf, Mord und Kriegesgraus Die grüne Erde blutig überschwemmt. Noch wird(so noch ist unser Geist getrübt, Gefesselt hart in rost'ger Formeln Bann) Durchs Recht das größte Unrecht ausgeübt, Das hier ei» Mensch am Menschen üben kann. Doch weichlich jammern nicht, nein! hoffen dreist Will ich, daß einst des Friedens Reich beginnt. So lang ist Halbthier noch der Mensch, nicht Geist, Als Bruderblut von seinen Händen rinnt. O! weckre doch in euch der Liebe Sinn Das zweite, tiefe Wort, das Christus sprach. . Stellt's mind'stens euch als großes S ollst n hin, Begreift es nur! das Ueben kommt wohl nach.— Den, der dem Bruder zürnt, trifft daS Gericht.— Wie? ein so großes Unrecht ist der Zorn? Wenn Abends die Stunde im Anzug war, in welcher wir eingesperrt werden sollten, hatten die zwei Ordonnanzen viel hin und ßcr zu laufeir, um die nöthigen Speisen und Getränke bei- zuschaffen. Herr Schulz hatte dann meist die Liebenswürdigkeit, zu warten, bis Alle verprovi antirt waren. Man unter- hielt sich so lange mit ihm und hörte seinen Erzählungen zu, auf der steinernen Freitreppe des Eingangs um ihn wie um einen Vater grnppirt. Er mag vielleicht 60 Jahre alt sein, hat weiße Haare und ein rotheö, bartloses Gesicht, ist von außergewöhnlicher Leibes- fülle und trägt stets einen auffallend langen Jnterimsrock. Den Oberkörper vornübergebeugt, das Haupt etwas zur Seite geneigt, in den auf dem Rücken vereinigten Händen das stereotype Schlüssel- bund und regelmäßig begleitet von einem melancholischen weißen Windspiel und einem freundlichen schwarzen Dachshund, so wälzte cr sich schnaufend und mühselig vorwärts. Von Zeit zu Zeit konnte man bei der Kommandantur schriftlich um drei- oder vierstündigen Urlaub nach der Stadt einkommen, ivobei ein Bürge angegeben werden mußte, der sich zur richtigen Wiederablieferuna des Sträflings verpflichtete. Ge- wohnlich wurde, wenn diese Bedingung erfüllt war, das Gesuch ohne Weiteres genehmigt, falls man sich nicht eines allzu schlech- ten Rufes erfreute oder schon einmal die bewilligte Frist über- schritten hatte. Man erhielt dann für die Zeit des Urlaubs den in der Wachstube aufbcivahrten Säbel ausgehändigt. Zwei Eigcnthümlichkeiten waren es besonders, die mir für unser Gefangenenleben als hervorstechend und interessant er- schienen. Erstens die relativ schlechte Behandlung(!?) welche sich der sonst social so hoch gehaltene preußische Offizier gefallen lassen mußte, und zweitens die ungebundene Art des Verkehrs, die unter den jüngeren Herren üblich war, sowie die vielen ihre üppigsten Blüthen treibenden Auswüchse des allgemeiuen Müßigganges. Wenn auch zuweilen höchlichst amüsante und gelungene Scherze geleistet wurden, so war dies doch nicht immer der Fall, und gelegentlich kamen sogar die unglaublichsten Kindereien zum Vorschein. Aushängen der Zimmerthüren, Durcheinander- schieben der Möbel, Schlingenlegen, Berstecken der Betten und andere Ueberraschungen waren periodenweise an der Tagesord- nung. Nur der im Nang Höherstehende konnte sich unangefochten fern halten, einem der Jüngeren aber war es nicht rathsam sich auszuschließen und nicht mitzuthun. WollteEiner gar opponiren, indem er sich Riegel oder Haken besorgen ließ und damit seine Thür zusperrte, waS zwar verboten war, so wurden Löcher in diese gebohrt und durch sie so lange mit kleinen Spritzen auf den Betreffenden gefeuert, bis er kapitulirte.--- Soweit der berichtende Offizier.— Wir fragen: Giebt es wohl mehr Faulheit, Albernheit und Schlaraffenleben,• als unter diesen„gebildeten" Herren, welche sogenannte Festungsstrafe ver- Er töbtet, lähmet und beraubt ja nicht: Kann er die Haut nur ritzen wie ein Dorn?— Doch nein! Ihr seid nicht mehr so roh und stumpf, Ihr fragt nicht also; denn ihr siihlt und wißt- Der Mensch ist mehr, als Glieder, Kopf und Rumpf, Als Augen sichtbar, Händen tastbar ist. Mehr, als ein zuckend Leben, eingeengt Vom Leib, in Nerven pulsend und in Blut, Mehr, als was sichtbar um ihn, an ihm hängt, Als Hütte, Heerde, Kleid und Hab' und Gut. Christus hat euch, in sich, euch selbst geschenkt, Hat des Gemüthes Tiefen euch erhellt, Das ist der Mensch, was drinnen fühlt und denkt Und webet, eine ew'ge Gotteswelt. In Christo seid ihr worden eins mit Gott. So ehrt im Bruder denn den ew'gen Geist! Denn Gott unehrt ihr, so mit Haß und Spott Und Zorn ihr eures Bruders Herz zerreißt. Nicht tröstet euch:„Ist doch ein Wort kein Pfeil!"— Ein Wort dringt in der Seele tiefsten Ort Und trifft das ew'ge, unsichtbare Theil Des Bruders— und ihr übet Geiste smord. Die Wirklichkeit hat Christus tief hinein In der Gedanken stilles Reich versetzt. Trefft ihr den Leib, so trefft ihr nur den Schein; Im Geist habt ihr die Wesenheit verletzt. Kein Wortspiel sag' ich euch, gelehrt und spitz, Wißt ihr nicht selbst, wie's euch das Mark durchfährt, Wenn rohes Zorneswort, boshafter Witz In euch die Ehre kränkt, den Menschenwerth? O! werft des Zornes Geister in die Gruft Und werfet drüber des Vergessens Stein! Daß nie vom Bruder eine ew'ge Kluft Euch trennt, mit dem ihr eins in Gott sollt sein. Rasch ist ein unheilvolles Wort gesagt, Rasch ist der Seelen zartes Band zerhau'n— Und nimmer könnt ihr, frei und unverzagt, Fortan dem Bruder Aug' in Auge schau'n. Nur in der Liebe seid ihr klar und wahr, Seid Geister. Lüg' und Ungeist ist der Zorn. Auf! Gottes Bild werd' in euch offenbar! Er ist der Liebe, wie der Wahrheit Born. (Fortsetzung folgt.) Ueber den Rechtszustand in Deutschland zur Zeit der Reformation und über die traurige Lage der Bauern giebt uns Zimmermann in der Geschichte des Bauernkrieges folgendes Bild: � Die Abgaben und mancherlei Lasten, schwer nach Zahl und Art, die gerade gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts und im Anfange des sechszehnten durch Reichs- und Bundes- lasten und durch die Willkür und Bedürfnisse der Herren sich ge- mehrt hatten, wurden jetzt noch mehr gefühlt, seit die freie Pre- digt und die Presse so thätig waren. Noch immer litt der arme Mann unter dem Konflikte der Gerichtsverfassung: noch immer hatte er über einseitige und theuere Rechtspflege, und zwar mehr als je, zu klagen; mehr als je kamen die Doktoren des römischen Rechtes und spitzbübische Sachwalter den sich steigernden Bedürf- nisien der Herren entgegen, schoben den altgermanischen Rechtsverhältnissen römische Rechtstitel unter, und verwirrten alle Rechtsbegriffe, Alles zur Uebervortheilung und Aussaugung des gemeinen Mannes. Lurus und Verarmung der Herren, unter dete,„verdorbene Leute" in großer Zahl gab, fuhren miteinander fort, jede Art von Einkünften künstlich zu steigern; gesteigert wurden die Steuern unter allen möglichen Titeln, durch neue Zölle, durch Erhöhung alter Zölle, durch drückende Umgeldser- Hebungen, durch Herabsetzung der Geldsorten und andere Münz- spekulationen, durch willkürliche Erhöhung der Strafgelder, ja durch gewaltsame Verwandlung der Strafen in ewige Abgaben. Das Gotteshaus Kempten führte es in die Strafpflege ein, daß jeder Zinsbauer, der wegen eines Vergehens zur Strafe gezogen wurde, mit der Verpflichtung zu Fall- und Hauptrecht gestraft wurde. Bei den deutschen Bauern galten die sächsischen Fürsten als milde vor anderen: und den Mildesten darunter, den Kur- fürsten Friedrich den Weisen, verleitete sein ungewöhnlich hoch besoldeter Plusmacher Pfefsinger zu einer Tranksteuer, welche große Unzufriedenheit im Volke erregte. Der allgemeine Rechtszustand im deutschen Reiche war so traurig als je. Das Reichsregiment war eine Rull, ohne Geld, ohne Macht, ohne Gehorsam. Es machte viele Unkosten; der Kaiser war ferne in Spanien; sein Statthalter und Bruder, Erzherzog Ferdinand, war blutjung und stand ganz unter dem Einflüsse eines jüdischen Finanzmannes aus Spanien, des ver- rufenen Salamanka; der schwäbische Bund beanspruchte für sich geradezu eine Ausnahme, Befreiung von der Gerichtsbarkeit des Reichsregimcnts; die mächtigeren Landesherren kümmerten sich wenigstens thatsächlich um das Reichsregiment und seine Sprüche nichts, und unter ihren Gewaltthätigkeiten, unter ihren und des Adels Fehden, unter den Räubereien der Ritter vom Stegreif, unter den Plünderungen und dem mannigfachen Unsuge der Landsknechte, hatte das Volk nach wie vor zu leiden. Es mußte die Söldnerwirtschaft und die neuen Staatseinrichtungen des Reiches theuer zahlen und hatte doch keinerlei Schutz vom Reiche. Das Volk war es, das die Kosten des schwäbischen Bundes und anderer Einigungen zahlen mußte, welche die Herren zu ihrem gegenseitigen Schutze schlössen. Diese Kosten blieben eine stehende Auflage des Volkes, und doch war dadurch Alles eher sicher, nur nicht der gemeine Mann auf dem Lande, nicht der Bürger auf der Handelsstraße, nicht einmal in seiner Stadt vor der Willkür der Aristokratie. ■ Das Volk war es, dem von den Landesherren die Mittel abgeschweißt wurden, um die Landeshoheit auf Kosten der Reichs- macht, das Kleinfürstenthum zum Nachtheil des Kaiserthums zu stärken. Nicht immer sprach der schwäbische Bund so zu Gunsten der Bauern, wie in der Herrschast Ochsenhausen, weder in Kempten, noch anderswo. Und die herrschenden Geschlechter in den Städ- ten fuhren fort, die Herren zu spielen und zu drücken, wie die auf den weltlichen und geistlichen Fürsteustühlen, in den Burgen und Abteien; weil man mehr brauchte, legte man mehr auf, weit über das alte Herkommen hinaus. Gerade was des deut- schen Reiches größtes Elend war, der Mangel an Einheit und Kraft unter einer starken Kaiserkrone, und die Vielherrschaft mit allen ihren Uebeln, hatte der gemeine Mann am stärksten zu em- pfinden; der Lehensbauer, der Bürger der Landstädte, der Ge- ineinfreie, gleichviel, ob er unter der Landeshoheit eines Herzogs oder eines Bischofs, eines Reichs- Barons oder einer Reichs- stadt saß. Der Theil der armen Lente aber war in bitterer Roth, bis zum Hunger und bis zur Blöße. Ein junger Bauer rief aus dem Richtplatz:„O mein Jesu, ich soll schon sterben, und habe mich mein Lebtag noch nicht satt Brod gegessen!" Die Herren wußten, daß das keine Lüge ivar. Und der Abt von Roth im Allgäu wußte, daß es Wahr- heitwar�oassein�Gotteshausleute bescheiden zu ihm sprachen: „Wir sind Ew. Gnaden und des Gotteshauses Unterthanen und arme Leute; es ist um und um nichts, denn große Armuth, wo mit wir früh und spät umgegangen; und nichts als unsere große Armuth liegt am Tage." Es war nicht bloßer Vorwand, wenn einzelne Reichsstände neue Reichsstcucrn mit dem Worten ablehnten, der gemeine Mann sei schon so hoch beschwert, daß eine neue Auflage besorgen ließe, es möchte eine allgemeine Empörung werden. Das Volk fühlte in allen Gliedern, wie viel in den öffentlichen Zuständen sau war. Dieses Gefühl steigerte sich stündlich zur Sehnsucht, zur Ungeduld nach Verbesserung. Diese Sehnsucht erhielt vielseinge Nahrung von Außen gerade um diese Zeit. Es wurde manche Verordnung da und dort gegeben, wo- durch das Verabreden der Bauerschaften abgeschnitten werden sollte. Die uralte Freiheit, Gemeinden zu halten, wurde man- nigfach beschränkt oder ganz entzogen. Die Volkslustbarkeiten, Hochzeiten, Kirchweihen, Wallfahrten, Freischießen, Zunftgelage und Anderes, hatten sonst vielfachen Anlaß geboten, zusammen- zukommen, und durch Freude und Herzensergießung sich die Last zu erleichtern. Aber war schon durch die gewaltthätige Unterdrückung des Rechtes, durch Wegziehen seine Lage zu verändern, dem gemeinen Manne der Fuß an die Scholle gebunden, so sollten ihm durch fast allseitige Beschränkung der Lolkslnstbarkeiten auch die Ge- legenheiten vollends genommen werden, unter sich davon zu reden und zu klagen, was jeder leide. Vermischtes. *(Ein Bourgeois auf Reisen.) Wir befinden uns im„Sa- lon" des Kommerzienrathes P. in Berlin, der vor Kurzem von eiircr Reise zurückgekehrt ist, die er nach Italien und zwar nur deshalb ui ternommen, weil er denkt, daß ein„Bourgeois", der etwas aus si hält, während des Sommers eine Reise thun müsse. Diese Reise r natürlich Gegenstand der Unterhaltung. Haben Sie auch Rom gesehen fragte ein Freund des Hauses, in einem Tone, der etwas Neid v* räth.— Rom? Herr P. denkt nach.— Haben wir Rom gesehen? I- glaube nichtig— Ach freilich! schreit Madame P. Erinnerst Du Dil nicht? War es doch Rom, wo Du Dir eine Flanelljacke gekauft, vis kurz darauf geplatzt ist!— Ah richtig! Wir waren in Rom! Briefkasten. Zur Beachtung. Sollten sich in Königszelt, Schweidnitz und Jaue> Leser dieses Blattes, resp. Parteigenossen befinden, so bitte ich dieselber mir ihre Adresse mitzutheilen. O. Richter, Drechsler, Weberstr. 201 in Stricgau. Freund H. Niebuhr aus Uelzen bitte ich, mir doch recht bald seinl Adresse zukommen zu lassen. F. Dohne, Bergen a. d. Dumme. Jacob, Berlin. Annonce zu spät eingegangen. Otto Fischer in Berlin, Vorsitzender des Allg. Böttcher-(Rüper-; Vereins, bitte um Deine Adresse. Robert Teuber, per Adr. Spritfabrik von Grosch u. Krause in Cottbus. Freund Hurlemann in Berlin ersucht um seine Adresse A. Schlosser, MünchsnJ. Eggert, Wadersdorf(Fehmarn). Die Adresse des Herrn Stöhr>1 Berlin, Gerichtsstr. 44,;i Tr. Tischler Koch, angeblich in Altona, wird aufgefordert, das Abonw mentsgeld für Juli und August im Betrage von 1,50 Mark sofort«' Unterzeichneten einzusenden.— Der Zimmermann Franke, früher» Halle, wird ausgefordert, das Abonncmentsgeld pro September im w trage von 75 Pf. an Unterzeichneten einzusenden. Für die Zeitungskommission: Germer, Gr. Ulrichstr. 24, Halle a. S. Briese in Partciangelegenheiten sind bis aus Weiteres zu send« an Julius Beyer, Halle a. S., Kl. Sandberg bei Klose. litt Dienstag, 19. Okt., -ÜUim. Abends H Uhr, Arbciterversammlungen: 1) Ackerstr. 63 bei Qualitz. Schutzzoll und Freihandel. Vortrag des Herrn Heiland. Verschiedenes. 2) Gesundbrunnen, Pankstr. 25. Der diesjährige Kongreß der Katheder- Socialisien. Ref.: Herr Bernstein. Bezirksgenossen! Keiner darf fehlen. (R 29.) 31. Heinsch.[2,40] Anzeigen. Berlin. Sonnabend, den 25. Oktober, im Lokal des Herrn Lehmann in der Hasenhaide(Neuer Hofjäger), Großer Boll, arrangirt von den Mitgliedern des Deutschen Zimmerer- Vereins, wozu alle Mitglieder, sowie Parteigenossen freundlichst eingeladen sind. Billets, für Herren 50 Pf., für Damen 25 Pf., sind in der Dienstag- Bersamm- lung, so wie am Zlbend an der Kasse zu haben.- Kassenöffnung 7>/z Uhr. Anfang Uhr. (F. 98.) Das ComitS.(3,60] Berlin. Maurergcscllcn-Kraukcn, Sterbe- und Jnvaliden-Kafse. Donnerstag, den 21. Okt., Abends 8 Uhr, bei Vogel, Alexanderstr. 31, Allsschußsitzllllg. Der alte und neue Ausschuß, die Revi- soren, so wie auch sämmtliche Stellvertre- ter müssen zur Stelle sein. Sonntag, den 24. Okt., Vorm. 10 Uhr, in der Bundeshalle, Wallner-Theaterstr. 15, General-Versammlung. T.-O.: Antrag des Vorstandes um Ge- Haltserhöhung, Statuten- Revision, Ver- schiedenes. Von 10 Uhr ab ist die Kon- trole Kl. Andreasstr. 6 geschlossen, jedoch werden Beiträge im Versammlungslokale entgegengenomnien. Der Vorstand.(4,00] sf!«>t'ltn Mittwoch, den 20. Oktober, i-OllUlU bei Vogel, Gcschl. Mitgliederversammlung des Berliner Putzer-Clubs. T.-O: Vortrag des Herrn Paul Grott- kau. Club- Angelegenheit. Verschiedenes und Fragekasten. Der Wichtigkeit halber alle Mann am Platz. I. Dietrich.[1,80] �tttttllttl'tt Sonnabend, 23. Okt., �mUllUUlz. Abends 3'/, Uhr, im Englischen Tivoli, St. Georg, Große Oeffentl. Versammlung der Zimmerer Hamburgs. T.-O.: Die Social-Demokratie und ihre Gegner. Ref.: Herr Reichstagsabgeordneter W. Hajenclever. Um rege Agitation wird gebeten., (F. 40.) C. Kü st er.[2.60]> MuMst. ftrtmflltVrt Donnerstag. 21. Oktober, Wends S'/a Uhr, bei Hübner, große Rosenstraße 37, Grostc öffentliche Töpfer- Versammlung. T.-O.: Die Innung. Der Slllgeineine deutsche Töpferverein und seine Tendenzen. Zu dieser Versammlung sind alle Töpfer Hamburgs eingeladen. (F. 116.) H. Falke.[2,20] Donnerstag, 21. Oktober, Abends 8 Uhr, m Stadli's Salon, Valentinskamp 41, Große öffentliche General- Versammlung sämmtlicher Maurer Hamburgsu. Umgegend. D-O.: Der Rormal-ArbeitStag. Ref.: Herr Praast.— Die Verhältnisse der Maurer ftüher und jetzt. Referent: Herr Hartwig. Für Verbreitung dieses, sowie um das Erscheinen sämmtl. Maurer wird ersucht. (F. 1.)__ I. Köster.[3,60] Hamburg. im Salon zum Roland, 1. Jakobsstr. 19, General- Versammlung des Allg. deutschen Gipser- und Stuckateur-Bereins. T.-O.: Regelung des Akkord-Tarifs in Reichsmark.— Regulirnng des Lehrlings- Systeins.— Antrag betreffs des Fünf- Me ister-Systems. ES werden Diejenigen ersucht, die ihre Beiträge nicht bezahlt haben, sie so rasch wie möglich an der Kasse zu berichtigen. (F. 1.) H. Götz.[3,20] Mittwoch, den 20. Okt., Abends 3'/, Uhr. in Heinsohn's Salon, Mitgliederversammlung des Social-demokratischcn Arbeiter-Vereins. T.-O.: Vortrag des Herrn Hasenclever und sonstige wichtige Angelegenheiten. Alle Mirglieder müssen am Platze sein, l Rur Mitglieder und die es werden wol-( len, haben Zutritt. (F. 20.) A. Forschner.[2,80] Altona. Donnerstag, 21. Oktober, Abends 9 Uhr, in Koppelmann's Salon, Grostc öffentliche[1,60] Schnhmachcr-Bersammlung. T.-O: Sammlung statistischen Materials zur Reichs-Enquete und die projektirten Arbeitsscheins. Ref.: Herr Otto Reimer, Reichstagsabgeordneter. Ich ersuche alle Mann, am Platze zu sein, hauptsächlich auch die Meister. (F. 20.)___ Fr. Stöcker.[2,60] Altona, Ottensen u. Umgegend. Freitag, 22. Oktober, Abends S'/a Uhr, in Kiel's Salon, Geschlossene Mitglieder- Versammlung des Allg. deutsch. Maurer- und Steinhauer-Bundes. Tagesordn.: Innere Bundesangelegen- heiten und Verschiedenes. Herr Michas wird ersucht, in der Ver- sammlung zu erscheinen. Alle Mitglieder am Platze. Neue werden aufgenommen. (F. 20.) F. Buhmann, Bev.[3,40] OWotttt»»» Donnerstag, 21. Oktober, :4JUUI|(!U. Abends S'/j Uhr, in Burmeister's Salon, Socialisten- Versammlung. Tagesordn.: Das Programm und die Organisation der Socialistischcn Arbeiter- parte, Deutschlands und das Lassalle'sche Programm und Organisation. Referent: Herr Richter aus Wandsbeck. (F. 63.) F. Heerhold.[2,20] (Hamwver."SLS-.V1 im großen Saale des Herrn NarteN, Allgemeiner unter Mitwirkung der Liedertafeln „Ferdinand" nnd„Tannhänscr"- Karten für Herren, ü 75 Pf., sind t i Hrn. Boge, Mittelst?. 11, z. haben. Damen sö Alle Gewerks- und Parteigenossen Hab« für rege Betheiligung Sorge zu tragen. Das Festco«litü.[3,0 �Ntttstttvtt Donnerstag. 21. Okt., �UJUlUUlj. Abends 8'/- Uhr. in Stadli's Etablissement, Valentinskamp 41, Oeffentliche Versammlung des Arbcitcr-Fraucn- und Mädchen- iBeeeins. T.-O.: Vortrag des.Herrn Hasenclever. (F. Frau Fuchs.[2,00] Cigarrcn-Lagcr U.oo] M. Kicnast, Alexanderstrastc 31. �Nttstfltt Parteigenossen, welche be- beabsichtigen nach London zu reisen und um bei Slnkunft den damit verbundenen Schwierigkeiten möglichst zu entgehen, mögen sich zu diesem Zwecke nach- stehender Adresse bedienen: London, 38 Marschall-Str., Goldene Square. W.(F. 96.)[2,40] Comm. Arbeiter-Bildungs-Verein, deutsche Sektion der Internationalen'Arbeiter- Association. Der Sekretär: P, Beuditz. st�k'�Mstt Mittwoch, den 20. Oktober, .-tnrmu». Abends 8", Uhr, in der„Hermannshalle", Geschliffene Versammlung der Socialist. Arbeiterpartei. Tagesordn.: Vortrag. Innere Ange- legenheiten. (F. 67.)_ Der Agent.[1,80] Sonntag, 24. Oktober, Nachm. 4 Uhr, in Ditmer's Tivoli, Harburg. in Di Arb eiterbatl. Karten vorher 25, an der Kasse 30 Pf. (F. 59.)_ Das Comitt.[1,40] Zur allseitigen Notiz! Der Versandt des Partei-Kalendcrö für 1�76 Der arme Conrad beginnt mit dem 13. CFtodet; den Ve- stcUern von Cinzel-Exemplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar 46 Pf. nebst 16 Pf. Porto gleich der Bestellung in Briefmarken beizulegen. Pgstvorschuß und unftankirte Sendung vertheuern die Lieferung. Nur gegeu Baarzahlung kann geliefert werden. Auf Posten von I Dutzend aufwärts be- rechnen wir 25 Pf. pr. Stück netto gegen baar. Bisher eingegangene Austräge können nur mit Rücksicht auf obige Bedingungen erledigt werden. Aeltere Gefchäftsverbin- düngen sind ausgenommen. Leipzig, den 14. Oktober 1375.[6,00] Die Expedition dco„Volköstaat". (F. 114.) Färberstraße 12/11. Für Hemme n. Umgegend Am 31. Oktober findet im Lokale � Gastwirths Hans Kirsten bieielbst ein W bcitcrfcst, verbunden mit Conccrt»s Ball statt, wozu die Parteigenossen?- nah und fern eingeladen werden. Herrenkarten a 30 Pf., Damenkart ä 15 Pf. sind beim Unterzeichneten u' im Lokal zu haben. Karten für NichtParteigenossen ü 60- und 30 Pf. Jochim. Ans. 4 Uhr. Brinkmann.[2/ Bergmanns Flnch. In unserem Verlage ist soeben erschieß und direkt, sowie durch alle Buchhandlung und unsere Kolporteure zu beziehen: „Bergmanns Fluch". I. Bericht über den Delegirtentag der Be> und Hüttenarbeiter. Abgehalten zu Zivi» ain 20. September 1874. J 1) Die Knappschaftskassen. 2) Schio rungen aus dem Leben der Bergarbeib 3) Das Dinter'sche Projekt zur Bereinigt der Knappschaftskassen. Der Preis ist zur Massenverbreitung f 20 Pf. nett» gegen Baar billigst berech" Zur Frankatur von Kreuzband-Sendun» sind für 1 Exemplar 3 Pf., für 2—6' 10 Pf. einzusenden. Tie vernichtende Wirkung der uiisi«'- Werks- und Knappschaftskassen, die J Bergmann und die Seinigen in einer' der drückensten Leibeigenschaft erhall haben, findet in diesem Aktenstücke t widerlegliche Beweise, und es empfiehlt n die Kcnntniß dieser Schrift fürJederina� vor Allem zur Agitation in bergmännisfll und sonstigen Kreise».(F. 114.) Leipzig, den 14. Oktober.['v( Die GenosscnschaftS-Bnchdruckcre und„Polksstaat"-Expedition Druck und Verlag der Allg. deutschen Associations-Buchdruckerei zu Berlin, Eingetragene Genoffenschaft(verantw. Heinr. Rackow), Kaiser-Franz-Grenadier-Play 8a. Verantwortlich für die Redaction: A. Küster in Berlin