127. Mittwoch, den 27. Oittober 1873. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Neuer :S. d Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Bertin bei der Expedition, wwie bei jedem Spediteur entgegengenommmen. Social Demokrat. Organ der Socialistischen Arbeiter-ParteL Deutschlands. 3. Jahrgang. Rcdaction u. Expcditio'i: Berlin, SO., Kaiser Franz-Grenadier-Pl. 8a. 21- Inserate (nur in der Expedition auszu- geben) werden pro sünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. derechnet. Per- sammlungs-Annoncen die fünf- gespaltene Vetitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reklame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. ,'i V .4 :i0' mit re au� ü«i V heb i- est nW u» Cl'I' ict*' av )j: \diJ IN. J - niiW 4 i nth» ü den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 60 Pf., 3 Rm. 60 Pf., für Frankreich 4 Rm. 50 Pf., für England Abonnements- Einladung. Wir machen darauf aufmerksam, daß Ulan auf unser Blatt für die Monate November und Dezember bei allen Postanstalten für 1,07 Mark, so wie in Berlin bei unseren Spediteuren für 1,30 Mark frei in's Haus abonniren kann. Im Post-Zeitunas-Katalost ist unser Blatt unter Nr. einsjetragen, worauf wir hiermit besonders aufmerk- sam machen. Wir hoffen, daß unsere Freunde und Partei- qenoffen diese Gelegenheit zu einem zahlreichen '.'lbonncment benntzen werden, um so mehr, da Ende dieses Monats die Rcichstagsverhandlungen wieder beginnen. Die Expedition des ,,Z!euen Social-Demokrat". gia sl.« glj 7: gd tctl 4 u m tiOB-J [£ C»1 lenW er.? nab' ch«. ianNs ff pf. IN J enwi' .öerrt m* . au 5, 4,e- lin- i «■ ,t. � ci v*. [«] urg-■ i; oftp w 5t) b 3« ''& - 3 Alst Ä aetsti Inhalt. Stein und Napoleon?, Politische Nebcrsicht: Allerhand friedliche Aussichten.— �as uns die Militärbauten kosten?— Die„Krieger-Bcreine" treiben kerne Politik.— Aus dem Elsaß.— Ein neuer Äründer-Prozeß.— Die Afsaire Sonzogno-Luccani.— Aus der Türkei. Unsere Zeit.- Eine gerechte Strafe.- Ein„nobler" Dffizier.— Die„Kreuz, eltung. Innere Parteiangelrgcnheiten. .Norrcspondcnzeu: Piegniy.- Hannover.— Altona— �.Flensburg.— Senftenberg.— Mannheim.— Berlin.— Hamburg. Gießen.— Braunschweig.— Esens. Ein interessantes Aktenstück. Laicn-Evangelium von Sollet.(Fortsetzung.) Vermischtes. Stein oder Napoleon! In Verlin begeht man heute eine Festlichkeit, die Ent- hüllung des Denkmals jenes preußischen Ministers Stein, welcher in dem Zeitraum nach den» Jahre 1806 die politi- schen Reformen vollzog, durch welche an die Stelle des feudalen Staatswesens, innerhalb welches der Adel herrschte, der moderne von der Bourgeoisie beherrschte Staat ge- treten ist. Was in Frankreich die große sranzösische Revolution durchführte, das hat die Stein'sche Reform langsam angebahnt; während in Frankreich daher iit wenigen Jahren die ganze alte Gesellschaft«mgewälzt wurde und die Macht an die Bourgeoisie überging, dauerte der Prozeß in Preußen und Teutschland volle zwei Menschenalter, bis die feudale Aristokratie in der Bourgeoisie jetzt thatsächlich aufgegangen i't. Daher lassen sich die Vorgänge in Preußen jenen in Frankreich zwar nicht an Großartigkeit vergleichen, wohl aber datirt mit Recht die deutsche Bourgeoisie chren Ge- burtstag als politische Macht von dem Ministerium Stern- Hardenberg her. Es wird daher heute nicht an liberalen Lobrednern helfen, welche Stein in den Himmel erheben und sein Werk als ein für alle Zeiten unvergleichliches hinstellen loben dock) nur ihre eigene Partei, die Bourgeoisie und cur heutige Gesellschaft damit. Wir aber sind nüchterne Beobachter des Ganges der Weltgeschichte, und indem wir "-tem Recht darin geben, daß er dem Drange der Zeit sich uicht verschloß und der Bourgeoisie die politische Riachk uberantwortete, welche sie kraft ihres thatsächlichen Em- vusses beanspruchte und deren Vorenthaltung seitens der O'eudal-Aristokratie zur Unmöglichkeit geworden war; fo chollen wir dennoch nicht vergessen, daß die Bourgeoisie' jetzt ebensosehr überlebt hat, wie in Stein's Zeiten der '>eudaladel, daß der freie" Arbeiter der Gegenwart ebenso allsgebeutet wird, wie" dereinst der Hörige, daß mit einem '-•ort die Bourgeois-Herrschaft jetzt einen ebenso unerlrag- uchen Druck ausübt, wie ihre Vorgänger,� und ebenso ent- üeden fallen muß, wie jene gefallen sind. Freilich wi, keine neue Klassenherrschaft an Stelle der heutigen stsellschaft treten, denn der triumphirende-ocialismno oedeutet die thatsächliche und rechtliche Herrschaft des ge- lammten Volkes. � w. Är uns sind also die Ereignisse, welche mit dem Aa- men des Ministers Stein verknüpft sind, keineswegs Gegen- üande der Bewimderung und Verehrung, sondern wir be- rächten sie einfach als die lehrreichen geschichtlichen Vor- m-,?ek welche den politischen Sieg der Bourgeoisie über den iA ln P�ußen begleitteen, als ein Abglanz der sranzost- W Revolution. .. Und hier ist es nun zweifellos nothwendig, die Älni ,v. �uufle zu zerstören und den Weihrauchqualm zu zer- v- Uen, wodurch die Lobredner Stein's seine Reformen a 0 gewichtige Ursache hinstellen, wodurch in Deutschland jene sociale Umgestaltung hervorgerufen sei, als habe ans deutschem Boden aus deutscher Kraft das„Bürgerthum", die heutige Bourgeoisie, sich emanzipirt, als habe ihr Vor- kämpfer. Stein, selbst die große sociale Schlacht gegen den Feudalismus gewonnen. Nein, ebensowenig wie Victor Emanuel sich rühmen kann mit italienischen Soldaten dem österreichischen Kaiser Venetien abgerungen zu haben— denn bei Königgrätz fiel die Entscheidung, ebensowenig hat Stein, hat das preußische Bürgerthum sich den Sieges- lorbcer zu flechten; mit diplomatischen Künsten, mit Ent- würfen und Berathungen wird keine sociale Macht, wie die Macht des Fendaladels es mar, gebrochen; die eisernen Würfel, die bei Jena und Anerstädt rollten, brachte» die Entscheidung, Napoleon zerschmetterte dort die Kraft des preußischen Adels, er zwang ihn, Platz zu machen dem bür- gerlichen Stande, und die Stein'sche Reform war nur das Testament, durch welches der sterbende Adel die Bour- geoisie als Erben einsetzte. Wer also die Steinfeier begeht, indem er Stein als Urheber der liberalen Zeit hinstellt, der täuscht sich selbst und feiert in Wahrheil ein Napoleonsest, denn dieser war der sociale Revolutionär, welcher im Westen Deutsch- lands— man denke nur an den Code Napoleon— im Osten Deutschlands indirekt durch Jena und Anerstädt die Bourgeois-Gesellschaft begründet hat. Für einen Franzosen- fresser, für einen Rationalliberalen mag das eine recht bittere Wahrheit sein, er wird sich glücklich schätzen, wenn er den gewaltigen Corsen über den preußischen Minister vergessen kann, aber geschichtliche Wahrheit ist und bleibt Wahrheit. Und somit gratnliren wir denn der deutschen Bour- geoisie gelegentlich der Steinfeier zu ihrem Geburts- tage und zu dem Schöpfer des deutschen Liberalismus Napoleon Bonaparte. Politische Ueberficht. Berlin, 26. Oktober. Wir leben bekanntlich in der Zeit des„garantirtcn Welt- fricdens". Seit einiger Zeit ist der große Generalstab beschäf- tigt, die Höhen der unteren Lahn und des linken Rheinufers bei Coblenz zu vermessen. Außerdem will man wissen, daß auch um Coblenz neue Befestigungen in weiterer Umkreisung angelegt werden sollen. „Die 5trieger-Vcrci«e treiben keine Politik!" wird uns fort und fort von derartigen Vereinen und liberalen Blättern vordemonstrirt. Daß das Gegentheil jedoch wahr ist, weiß Jeder, der diese Vereine näher kennt, und ist auch der Bonner Lokal- Berichterstatter der„Kölnischen Zeitung" so gütig, in der Nummer vom 18. Oktober dies zu melden. Er schreibt nämlich, daß außer andern Vereinen auch der„Deutsche Krieger- Verein" eine besondere Aufforderung an seine Mitglieder zur Theilnahme an einer am 20. dss. stattgefundenen liberalen Ver- sammlung zur Besprechung der Stadtrathswahlen erlassen habe. Ter Herr ist vielleicht so gütig, nachzuweisen, daß dies blos ein „kameradschaftlicher und patriotischer Zweck" war. Wenn man sich einen klaren Begriff davon machen ivill, was uns der„Frieden" kostet, so braucht man nur einen Blick auf die Militärbauten, die alljährlich die enormsten Summen verschlingen, zu werfen. So werden beispielsweise die Militär- bauten in der Dresdener Haide folgende nette Sümmchen kosten: Das neue Arsenal 1,065,000 Thlr., zwei Infanterie- Kasernen 1,250,000 Thlr., die mit dem Bauprojekt im Zusammen- hang stehenden Straßenzüge, Brücken, Schleusen, Wasser-, Gas- und Telegraphen-Anlagen 800,000 Thlr., Artillerie-, Train- und Kavalerie-Kasernen 1,000,000 Thlr., Lazareth 300,000 Thlr., Kadettenhaus 300,000 Thlr., Pionier-Kaserne 200,000 Thlr., Militär-Reitanstalt 100,000 Thlr., Militär-Strafanstalt 80,000 Thaler, Garnis ons- Anstalten verschiedener Art 600,000 Thlr., für den Grunderwerb an den Landes- Domainenfonds 400,000 Thaler. Die Gcsammtsumme dieser Bauten betrügt demnach 5,795,000 Thlr. Wie paßt dies zu dem alten Sprüchwort: „Frieden ernährt, Unfticden verzehrt?" Daß die verlorene und jetzt wieder gewonnene Tochter des deutschen Reiches Alsatia(Elsaß) an der Brust der Mutter Ger- mania nicht sonderlich zu ruhen scheint, beweisen die fortwähren- den Klagen über den Steuerdruck, welche aus dem Neichsl«nde zu uns gelangen. Eine große Anzahl Einwöhner des Reichslan- des ist nämlich ausgewandert. DaS Reichsland aber muß noch immer dieselbe Summe an Steuergeldcrn aufbringen wie früher. Die Anwesenden müssen zahlen für die Abwesenden, die im Lande Verbliebenen für die Optirenden, die deutschen Untcrthanen für die französischen. Man denke sich z. B. die beiden Städte Metz und Straßburg, die Tausende von Einwohnern verloren haben und immer noch zahlen müssen, als wären diese- Tausende da. Da muß sich allerdings das Elsaß' nach den Fleischtöpfen Frankreichs zurücksehnen und kann keine sonderliche Zuneigung zu dem Reiche der„Gottesfurcht" und„frommen Sitte" empfinden. In nächster Zeit dürfte sich wieder ein großartiger Gründer- Pro.zeft abspielen. Gegen die Gründer der Rheinischen Jndustrie-Gesellschaft ist nämlich von einem Aktionär bei der Staatsanwaltschaft des Berliner Stadtgerichts ein Antrag auf Untersuchung und auf Bestrafung.der Schuldigen gestellt worden. Nach einem dem Antragsteller soeben zugegangenen Be- scheide hat der Staatsanwalt sich bewogen gesehen, die Angelegen- heit zu weiterem Verfahren an den Oberprokurator zu Köln ab- zugeben. Hoffen wir, daß man uns hier keine Ofenheimiade zum Besten giebt. Der Prozeft Tonzogno hat am 19. Oktober in Rom be- gönnen. Es wird sich bei diesem Prozeß allem Anscheine nach nicht blos um eine gewöhnliche Mordgeschichte handeln. Wohl weiß man, daß der Hauptangeklagte Luciani Sonzogno, dessen Frau er verführt hatte, persönlich haßte, aber daß außer diesem persönlichen Haß noch politische Mächte im Dunkeln mitwirkten, das ist es, was die öffentliche Meinung stark vermuthet und nun auch von der Justiz erhellt sehen möchte. Ja, es sind Viele, die da glauben, den Mord Sonzogno mit den Verbrechen des Pro- zesscs Lobbia in Verbindung bringen zu können. Der„kranke Mann". in Konstantinopel hat jetzt arge Kopfschmerzen. Nicht blos, daß die Herzegowina der Pforte gegenüber das„unartige Kind" spielt, auch ein großer Krach ist noch in den letzteiv Wochen dazugetreten, um das Unglück voll zu machen. Die türkische Regierung hat nämlich einen vollstän- digen Staatsbankerott zu Stande gebracht und sitzt in einer gar argen Klemme drin. War es doch auch vorauszusehen, daß die verschwenderische Wirthschaft am Hofe, sowie die Korruption unter den türkischen Beamten einen Zustand, wie er jetzl eingetreten ist, herbeiführen mußte. . � Zur Charakteristik unserer Zeit liefern die Annoncen der Tages-Zcitungen in den großen Städten einen interessanten Beitrag. Besonders ist es die Presse in der Stadt der„Gor- tesfurcht und frommen Sitte", die in ihrem Jnseratentheile uns ein Bild von der Korruption, welche in der heutigen Gesellschaft erisfirt, enthüllt. So finden wir in der Sonntagsnummer der„Vossischen Zeitung" auf einer Seite folgende Annan- cen, die in der Deutlichkeit gewiß nichts zu wünschen übrig lassen. Die offene Prostitution verkünden nachstehende von uns mitgethcilte Annoncen: „Von e. 29jähr. Dame wird gesellsch. Verkehr mit ein. geb. Herrn, am liebsten Arzt, gesucht. Derselbe muß v. gr. Figur, evang. u. blond sein. Korrespondenz erwünscht. Die Voss. Ztgs.- Exp. nimmt Adr. unter M. 187 entgegen." „Eine j. Frau höh. Standes bewirbt sich um die Freund- schaft e. disting. Herrn, der im Stande ist, ihr nach Ausweis der Sicherheit 300 Thlr. zu solid. Zinsen auf 1 Jahr zu leihen. Adressen unter L. 187 werden in der Voss. Ztgs.-Erped. erbeten." „Eine junge 20jährige Frau bittet edel denkende rechtliche terren oder Damen, ihr auf 6 Wochen 150 Thlr. gegen gute insen zu Kaution zu leihen, und würde auf Verlangen, obgleich ungern, ein ihr sehr theurcs Andenken als Unterpfand gewähren. Rechtliche Leute werd. geb., sich direkt an dieselbe. Kl. Kursk. S, park, links, zu wenden. „Eine Wittwe aus dem Kaufmannsstande bittet einen Herrn um ein Darlehen, um ihrem Sohne, der Lehrling in einem Waa- rengeschäft ist, einen Winteranzug kaufen zu können. Nicht ano- nyme Adr. unter G. 188_in der Voss. Ztgs.-Exp. erb." „Eine junge Wittwe bittet ältliche Herren um ein Darlehen von 10 Thlr. Adressen bittet man unter B. 188 in der Voss. Zeitungs-Erp., Breitestr. 8, niederzulegen." „E. gebild. j. Dame heit. Temperam. w. gern gen. s., ein. ält. fein. Herrn kennen zu lernen, durch welch, sie behufs angen.. anemir. Verkehrs in ihr. Mußest. e. Zerstr. h. Gefäll. Adr. werden unter L. 186 in der Voss. Ztgs.-Exp. erbeten." „Ein ehrenwerther, gut situirter ältl. Herr v. St., der An- schluß wünscht, u. einer höchst achtb. Wittwe v. St. und deren wohlerz. erwachsener Tochter ein braver und väterl. Freund und Beschützer sein will, würde dankb. Herzen finden. Vorerst briefl. Ges. Adr. unter R. 183 in der Erp. dieser Zeitung." „Eine j. geb. Dame w. Stellung als Repräsentantin bei c. einz. Herrn. Briefe erb. auf A. R. Louisensk. 22, part. l." „Eine alleinst, achtb. Dame s. z. 1. Dez. ein leeres Zimmer, sep. Eilig., mit etw. Nebengel, bei höchst achtb. Leuten in e. ruh feinen Hause od. eine kl. Wohn., Stube, K. K., direkt v. Wirtl>. Gegend Friedrichftr., vorm Potsdamer od. Brandenburger Thore. Adr. erb. unter A. B. poste rest. Postamt Kronenstr. 41." „Eine Dame in gesetzten Jahren, aus achtbarer Familie. sucht die Bekanntschaft eines reichen Herrn oder Dame von an- genehmem Aeußern, um Concert und Theater zu besuchen. Ges. Adr. unter E. 188 in der Erped. dieser Ztg." „Eine junge Wittwe, die ohne ihr Verschulden in Roth ge- rathen, bittet edel denkende Herren um ein Darlehen von 20 Thlr. Adressen unter H. 191 in der Erped. dieser Ztg.' Von Annoncen, welche geheime EntbindungZ-Anstalten an- preisen, wollen wir nur ebenfalls auf dieser einen Seite noch folgende herausgreifen: „Privat-Entbinöungs-Jnstitut unter strengster Diskretion bei Frau Maeding. Privatwohnung: Uorkstr 12. III." „Damen, welche ihre Niederkunft in strengster Verschwiegenheit abwarten wollen, finden unter soliver Bedienung freundliche Aufnahme bei der Hebamme Ww. Rose, Linicnftr. 123, vorn II." Die Begriffe, welche unsere Bourgeoisie von der Heiligkeit der Ehe hat, werden am besten durch die beiden Annoncen illu- strirt, welche wir gleichfalls derselben Nummer der„Vossischen Zeitung entnehmen: „Für einen verwandten jungen Mann von 25 Jahren (Israelit), welcher I Stunde von Berlin ein sehr lebhaftes Ge- schüft hat, wünsche ich eine paffende Partie. Beansprucht wird eine Biitgift von ca. 5000 Thlrn. Gef. Adr. erbeten unter J, 187 in der Exp. dieser Zeitung. Discretion selbstverständlich." „Jsreal. Dam. a. höh. St. verm. HeirathSpart. ein achtb. geb. Herr. Gef. Adr. unter ,1. F. 8082 befördert Rudolf Masse, Berlin S.-W." Anderer, aber ebenfalls nicht schwer zu errathcnder An sind die 5 letzten Annoncen, die wir noch auo dem Wust von Scan- dal-Jnseraten einer einzigen Nummer der„Vossischen Zeitung" mittheilen wollen: „Schönsten Sonntagsgruß m. g. H. K. Letzte drei Tage zwar sehr glücklich, nun aber wieder lange ohne Hoffnung! Ich muß Dich bald sehen. Innigste Küsse m. g. W.!" „Gretchen S. Bitte unter früherer Chiffre um Angabe, auf welche Weise ich Ihnen einen Brief zustellen kann. Konnte Freitags um 6 Uhr nicht kommen. Das Notenheft." „Ein gut eingeführtes Herrenartikel- und Waschgeschäft, billige Miethe, gute Lage, soll anderweitiger Unternehmungen halber verkauft werden. Adressen unter F. 189 in der Erped. dieser Ztg. abzugeben." „Ein Schadchen für anständige Partien wird verlangt. Adressen unter F. 189 in der Erped. dieser Ztg. abzugeben." „Frau B., Neue Hochstraße 25, II. Sympathie." Wenn man nun bedenkt, daß es nicht allein diese eine ein- zige liberale Zeitung Berlins ist, die in solcher Weise die Moral und Sittlichkeit untergraben hilft, sondern daß die gesammte libe- rale Presse von Berlin in ähnlicher Weise ihre Annoncenspaltcn füllt, so kann sich Jeder, der überhaupt nur sehen will, einen Begriff machen, in welch ungestrafter Weise von den Leuten, welche ein volles Portemonnaie haben, öffentlich die Sittlichkeit in den Schmutz getreten wird. Hier müßte ein Teffendorf ein- greifen— und wenn er es thäte, würde er unsere Achtung sich bald verschaffen können. Man möchte aber jene Männer mit klein- lichen Chikanen verfolgen, die es sich zur Aufgabe gesetzt haben, die Unsittlichkeit und Korruption aus der Welt zu schaffen. Nun, Eins können auch wir hier wieder lernen: Eine Gesellschaft, die dergestalt entsittlicht und verkommen ist, wird sich nicht mehr lange halten lassen. Eine Zeit lang können äußerliche Mittel ihren Sturz aufhalten und ihre Fäulniß verhüllen, auf die Dauer aber kann nur ein moralisches Staats- und Gemeinwesen Be- stand haben. * Eine gerechte Strafe. Am 5. August d. I., Nach- mittags zwischen 3 und 4 Uhr, erfolgte in dem Neubau eines in der Mittenwalderstraße in Berlin belegenen, dem Bauunter- nehmer Nicolaus gehörigen Hauses der Einsturz der linken Trep- penwand und der drei Treppenläufe. Während es den übrigen bei dem Bau beschäftigten Arbeitern gelang, sich noch zu retten, fiel ein Maurergeselle, welcher im vierten Stock beschäftigt war, so unglücklich, daß sein Tod auf der Stelle erfolgte. Der den Bau leitende Maurer- und Zimmermeister Adolf Wilhelm Karl Meyer stand deshalb vor der vierten Deputation unter der An- klage der fahrlässigen Tödtung. In der Anklage wurde Meyer zum Vorwurf gemacht, daß zum Bau der Treppenmauer, nament- lich in der unteren Partie, zu schlechtes und leichtes Material verwendet worden sei; trotzdem habe Angeklagter eine Thür unten durch die Treppenmauer brechen lassen und hierdurch sei der Ein- stürz um so mehr herbeigeführt worden. Daß Steine von leichter Qualität mit verarbeitet worden seien, giebt der Angeklagte zu; er habe der schlechten Arbeit wegen seinen Polir entlassen, doch habe er weder hierdurch, noch durch den Durchbruch der Thür gegen die Regeln der Baukunst sich einen Verstoß zu Schulden kommen laffen. Das Urtheil der Sachverständigen geht in sofern auseinander, als sie in Betreff der Maßregeln, welche beim Durchbruch der Thür hätten beobachtet werden müssen, nicht ganz übereinstimmen. Nach einer mehr als " vierstündigen Verhandlung gewinnt aber der Gerichtshof die Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und spricht gegen denselben eine Strafe von 6 Monaten Gefängniß aus. * Ein nobler Offizier.— Am 13. Oktober wurde in München der königlich preußische Seconde-Lieutenant Graf von Schweinitz im Hotel zum„Bayerischen Hof" verhaftet. Der sehr ehrenwerthe Herr, dessen Familie Gott weiß wie viel Ahnen zählt, hat es als seiner Standesehre nicht unpassend gehalten, gelegentlich eines Abschiedsbesuches bei dem russischen Legations- rath von Savigny in München, diesem ein Portemonnaie mit 000 Gulden Inhalt zu entwenden. Möglich, daß der Graf das Portemonnaie blas aus„Zerstreuung" haben mitgehen heißen. Die„Kreuzzeitung" legt in ihrer letzten Rummer wieder ein Pröbchen„christlicher Liebe" ab, das für den Geist des evangelischen Muckcrthums bezeichnend ist. Der Vorfall, daß der hekannte deutsch-katholische, bezüglich freigemeindliche Predi- ger Johannes Ronge unlängst in Grottkau in Oberschlesien, ivo er einen freireligiösen Vortrag hielt, auf dem Wege zum Per- sammlungslokale von einer künstlich aufgestachelten Bevölkerung in brutater Weise insultirt worden, giebt dem frommen Blatte unter der Ueberschrift„Freigemeindliche Mißerfolge" zu folgenden Betrachtungen Anlaß: „Grottkau, 15. October. Ein eigenthümliches Zusammen- treffen hat es gefügt, daß Profeffor Baumgarten mir seiner jüngst gemeldeten Niederlage in Hannover fast gleichzeitig einen ihm wahrscheinlich sehr unerwünschten Schicksalsgenossen hier gefunden hat. Johannes Ronge war auf Wunsch mehrerer Einwohner hierhergekommen und hatte für den gestrigen Abend einen Vor- trag„über die Nothwendigkeit einer freien deutschen National- kirche" angesagt. Schon als das Gerücht seiner Ankunft laut wurde, konnte man eine dumpfe Gährung in gewissen hiesigen Kreisen wahrnehmen. Herr Ronge sollte nach dem Willen seiner hiesigen Freunde in dem hier renommirten„Hotel zum Ritter" wohnen. Als aber die Frau des Hotelbesitzers hiervon Kunde bekan, erklärte sie in ungemeiner Erregung, daß sie Ronge und jedem, der in seiner Gesellschaft ihr Lokal besuche, auf's Euer- gischste die Thür weisen würde. Herr Ronge nahm eine andere Wohnung. Als die Zeit des Vortrags(8 Uhr Abends) nahe rückte, sammelte sich der Janhagel in hellen Haufen vor versel- ben. Die drohende Haltung des Pöbels ließ es für Herrn Ronge gcrathen erscheinen, die kurze Strecke bis zum Versammlungs- lokal zu Wagen zurückzulegen, den er und ein Begleiter indessen auch nur mit polizeilicher Hülfe besteigen konnten. Kaum hatte sich der Wagen in Bewegung gesetzt, als wildes wüstes Gebrüll und Toben sich erhob und Steine den Fahrenden nachgeschleudert wurden. Vor dem Rathhause, in dem Ronge seinen Vortrag hielt, blieb während der ganzen Zeit, die der Vortrag in An- spruch nahm, der Pöbel versammelt und kennzeichnete durch Brüllen, Zischen und Pfeifen, wodurch er den Vortrag zu stören suchte, seine Gesinnung.'Aach dem Vortrage war Herrn Ronge der Rückweg in seine Wohnung auch nur in Begleitung zahlreicher Freunde möglich, doch liest cs auch Htzt der Pöbel(!), der— es war gegen 10 Uhr Abends— sich schon etwas verlausen hatte, an wüstem Gebrüll, rohem Lachen und Steinwerfen nicht fehlen. „Diese drastischen Aeußerungen der„Volksstimme" sind zwar zu mißbilligen, aber ebenso ist der darin liegende thatsächliche Beweis anzuerkennen, daß das Volk in weiten Schichten diese ganze freireligiöse Propaganda als ein Äergerniß für sein reli- giöses Bewußtsein empfindet, gegen das es energisch zu protessi- ren sich gedrungen fühlt." Soweit die„Kreuzzeitung." Was den„Pöbel" anbetrifft, so wollen wir diesmal mit der„Kreuzzeitung" nicht darüber rechten. Ist doch der Pöbel in Glacehandschuhen und Lackstiefeln ein noch weit gefährlicherer als der im schmutzigen Kittel. Wir sind keine Freunde des Herrn Ronge und seiner Prin- zipicn und haben stets aus das Entschiedenste gegen seine Halb- heit und Inkonsequenz auf politischen:, religiösem und socialem Gebiete protestirt, ebenso, wie wir uns für einen protestantenfreund- lichen Hanswurst ü la Baumgartcn nicht begeistern können. Wenn aber ein christlich-konservativeS Blatt, wie die„Kreuzzeitung," sich nicht entblödet, ihre offene Freude darüber zu dokumentiren, daß einige irregeleitete Haufen„ihem religiösen Bewußtsein" durch Steinhagel, Pfeifen u. s. w. Ausdruck geben, so bedarf dies in der That des härtesten Tadels. Wir wissen wohl, daß ein gro- ßer Theil rechtgläubiger Christen mit einer„Widerlegung" des freigemeindlichen Prinzips, wie es in Grottkau geschehen, nicht einverstanden ist, aber wir dürfen es nicht verschweigen, daß in dieser Frage das erste Organ des evangelischen Konservatismus sich auf einen Standpunkt stellt, der wohl bei Kannibalen und Hottentotten keinen Anstoß erregen würde, bei civilisirten Men- schen aber die höchste Verachtung verdient.— Der Knüppel ist wohl der Knüppel, aber noch nicht das Recht. Innere Parteiangelegenheiten. Zu Agenten des Vorstandes wurden ferner ernannt für Arnstadt: C. Hägerich, R. Gläser: Bernau: E. Hermann, F. Krüger-, Braun- schweig: Richter; Chemnitz: E. Thomas; Duisburg: P. Thiesen; Code- ritz: G. Hobusch; Freiburg i. B.: H. Hinrichs; Frielinghausen: F. Groß; Geyer: Ä. Stopp; Groß-Denkte: C. Bock; Halle a. S.: C. Worthmann; Itzehoe: I. Ackermann; Limbach i. S.: C. Schumann, Th. Horn; Luckenwalde: W. Ehrhardt, F. Haase; Offenbach: W. Kölsch, B. Kam- pert; Schedewitz: Ehr. Pommer, A. Nätzold; Schleswig: I. Baustein, F. Meier; Segeberg: H. Sorgenfrei, C. Voß; Stuttgart: D. Sicvers; Sühlen: I. Müller, C. H. Rücken; Treuenbrietzen: C. Conrad; Uerdin- gen: C. Ullrich,£>. Springer; Wandsbeck: I. Feddern. Wir bitten, bei neuen Anmeldungen sie genauen Adressen bei- der Agenten(beim Sekretariat) angeben zu wollen. Hamburg, 23. Oktober 1875. Mit social-demokratischem Gruß I. A.: C. Derossi. I. Auer. Zur Beachtung. Die Adresse des Sekretariats ist vom 1. November an: Pferdemarkt 37, III. Liegnitz, 13. Oktober.(Die Maßregelungen,) von denen wir seit der polizeilichen Schließung der hiesigen Mitgliedschaft des Allgem. deutsch. Ärb.-Vereins verschont blieben, scheinen wieder ihren Anfang zu nehmen. Am 12. dss. wurde der Vorsitzende des hiesigen Arbeiter- Wahl-Vereins, Herr Tschilpe, auf das Polizeibureau geladen und ihm von dem Polizei-Jnspcktor die Mittheilung gemacht, daß gegen ihn wegen zu spät angemeldeter Versammlung Strafverfahren eingeleitet sei. Trotzdem Herr Tschirpe die schriftliche Anmeldung 36 Stunden vorher in den Polizei-Brieskasten befördert hatte und trotzdem es der Herr Polizei-Jnspektor für nöthig befand, zur Ueberwachung derselbe» Versammlung zwei Polizei-Beamte zu beordern, welche ohne jede Wider- rede die Versammlung tagen ließen, stellt er Strasantrag wegen zu später Jnkenntnihsetzung. Bei einer vor einigen Wochen stattgesundenen Anmeldung einer Versammlung, fand sich der Polizei-Jnspektor, sein Name ist Rautenberg, gar nicht veranlaßt, eine Bescheinigung zu schrei- ben resp. zuzuschicken und konnte in Folge dessen die Versammlung gar nicht abgehalten werden. Den folgenden Tag wurden Erkundigungen polizeilicherseits bei dem Wirth des Lokals eingezogen, ob die Ver- sammlung stattgefunden habe oder nicht. Mit Gruß Paul Strempel. Hannover, 24. Oktober.(Termin.) Freitag, den 29. Oktober' Vormittags 10 Uhr, findet gegen Parteifreund Glebe wegen Majestäts- Beleidigung vor dem hiesigen Obergericht ein Termin statt. Der Staatsanwalt will dieselbe in einer Volksversammlung am 1. Sept., betreffs der Sedanfeier gehalten, gesunden haben. Altona, 25. Oktober.(Haftantritt.) Heute hat Parteifreund H. Walther eine längere Haft im hiesigen Kreisgerichts-Gefängniß an- getreten. Näherer Bericht. folgt. t. Flensburg, 4. Oktbr.(Volksversammlung.) Donnerstag, den 30. Sept., hielten wir im Reichardt'schen Lokale eine Volksver- sammlung ab. Herr Walt her aus Altona referirte zur größten Zu- friedenheit der Anwesenden über die Socialistische Arbeiterpartei Deutsch- lands. Auch sprach Herr Walther noch über den hiesigen Schiffs- zimmerer-Strike. Redner wies nach, daß derselbe allgemeine Arbeiter- fache geworden ist, und wurde daher folgende Resolution, von Herrn Walther eingebracht, einstimmig angenommen:„Die heutige Volksversammlung erkennt den Strike der Schiffszimmerer als einen berechtig- ten an und spricht aus, bestrebt zu sein, die Schiffszimmerer zu unterstützen." Arbeiter Flensburgs, unterstützen wir die Schiffszimmerer schleunigst und thatkrästig, damit sie ihren Strike siegreich beendigen. 9liifcer�em wird ieder dpi* für dip Außerdem wird jeder Flensburger Arbeiter, der für die Menschenrechte eintreten will, aufgefordert, sich dem hiesigen Social-demokratischen Ar- beitervercin anzuschließen. Wer sich mit dem Namen Social-Demokrat schmücken will, muß auch seine Schuldigkeit thun. Tcnftenberg, 20. Oktober.(Allgemeiner Bericht.) Den 17. Oktober fand Hierselbst die erste Volksversammlung statt, in welcher Freund Bommel als erster, Freund Hamester als zweiter Vorsitzen- der und Unterzeichneter als Schriftführer gewählt wurden. Der Refe- rent. Herr Köhler aus Berlin, sprach über die Lage der Arbeiter zur größten Zufriedenheit der Versammlung. Von den Gegnern versuchte ein Herr Dahme der Social-Demokratie ein Schnippchen zu schlagen, was ihm jedoch gänzlich mißlang. Mit social-demokratischem Gruß" Mannheim, 15. Okt.(BereinigungSfest.)") Bei dem 13. Sept. dahin- gefeierten Vereinigungsfeste hielt Parteigenosse Dr. Dulk die Festrede. Er sagte ungefähr: „Hohe Gefühle, Aroeiter! Freunde! und ihr, die ihr als liebe Gäste zu dem Vereinigungsfeste der Socialdemokraten erschienen seid, hohe Gefühle durchdringen unsere Brust, da wir ein Fest feiern, dad der Sache der Menschheit gilt, das des Volkslebens echter, wahrhafter Trieb ist! Was kümmern uns die Verleumdungen— die Welt sieht Sittlichkeit und Fleiß, Kraft und Begeisterung ausstehen, wo aus den gährenden, verkümmerte» und verkommenden Massen der Arbeiterwelt die Socialdemokratie ordnend, denkend, wegweisend ersteht! Was kümmern uns Verfolgungen, Konfiskation unserer Gedanken, Gefängniß unserer Leiber— die Welt muß dennoch erleben, daß der triumphirend verkündete„Rückgang" allerorten zum Gespötts geworden ist! FreiUeb versteht diese„Welt" noch unsere Sprache nicht— sie wird sie lernen ... lernen müssen! Noch sind wir ihr unheimlich, ja verrufen und verhaßt, wie es vor Zeiten die ersten Christen waren, die auch in solch einzelnen gesonderten Häuslein und Gemeinden mitten unter den L>ei- den des großen Römerstaates auftauchten, wie ibir mitten unter der Bourgeoisie der großen europäischen Klassen- Gesellschaft. Wie das Innere jener Christen damals den Heiden, so bleibt unser Inneres,. unsere Ideenwelt noch dem Bürgerlhum fremd, unheimlich und schreckend -- aber- wenn sie unsere Sprache gelernt haben werden, so werden sie' finden, daß es ihre eigene— ihre beste, reinste, menschenwürdigüe Sprache ist! Denn wir, die Proletarier der Welt, wollen das Reckt, das Wohlsein für alle Menschen! Wer Vorrechte will durch List, Ge-: walt, Unterdrückuinz. der fällt uns als Feind an. Aber die Zeil' des Vorrechts ist um! Einst in den Kindesstaaten, in der Kasten-Zucht, harte das Vorrecht Fleisch und Blut— der Leib erzog gleichsam erst den Geist, durch Vererbung und Uebung; aber heut springt der Geist aus, wo er will, in allen Ständen, in allen Lebenslagen— heut ist es der Geist, der sich den Leib erzieht! Darum ist die Zeit um des Staates� der Vorrechte, der Schranken des Klassenstaates! Neu und fremd frei-I lich ist unser Inneres diesem Klassenstaai; denn eine neue Weltord-> nung sicherlich wollen wir! Aber es ist nur die, an welcher die J Schranken uns hindern, die Weltordnung allmenschlicher Gerechtigkeit,? Brüderlichkeit und Liebe— die kein Stand will, obwohl in jedem» Stand einzelne, ungezählte Herzen �ihr schon entgegenschlagen! Nicht» das Eigenthum wollen wir abschaffen— sondern das Vorrecht oes j Eigenthums! Eines jeden Menschen redlich erworbenes Gut soll es« sein, die Frucht seiner Arbeit, und nur diese! Nicht die Frucht einer i ungesunden Ansammlung von Kapitalien durch Vorrechte und zumal I durch die Erbschaft, einer Säfiestockung gleichsam, die ein Wucherleben 4 erzeugt, ungesund, giftig für den ganzen Organismus. Was hier ge-I meinschädlich vergeudet wird an Säften, das erschöpft ebenso gemein-> schädlich die Säfte anderer Theile des Organismus zu Armuth und 1 Elend; und was hier zu gemeinschaftlichem'Machtwucher wird, so daß s ein Rothschild über die höchsten Kulturunternehinungen eines Volkes und vielleicht über Krieg und Frieden nach seinem Vortheil zu ein-. scheiden vermag, das hält nicht minder Tausende von Bürgern, macht- I los, rechtlos, stumm darnieder. Darum: das Vorrecht, und zumal das Erbrecht, das Schenkungsrecht von Kapitalien, muß eine Grenze finden in dem höheren Recht des Gemeinwohles— wie wir ja auch Niemap-* dem erlauben, seine Krankheiten frei zu verschenken, sondern solche- Schenkung zu umgrenzen, einzuschränken suchen... Aber nicht ab schaffen wollen wir Eigenthum, Grundbesitz, Kapital— nein, im Ge gentheil, Alle wollen wir Eigenthümer, Grundbesitzer, Kapitaliste» wer- den!— Die Grundform des menschlichen Eigenthums, womit uns Gott*'), die�Natur— ausstattete, ist die gemeinschaftliche; das Privat Eigenthum ist nur eine Abart davon, aber sie darf nicht übergreifen. sonst vernichtet sie die Art. zerstört sie das Eigcnthum! Und alle vi« höchsten, nothwendigsten Güter unseres Lebens sind solches Eigenthuin! Nichts hat der Mensch nöthiger, als den Grund und Boden— ui» geboren zu werden, und selbst um zu sterben, wenn er nicht leben kann. Aber versuchet einmal, Grund und Boden zum Privateigenthuw zu machen, lasset den gemeinsamen Besitz ganz untergehen—: so wer-, den lauter Schranken die Welt durchschneiden, hier eine Hecke, dort ein Graben, dort eine Mauer— wo bleibt der Verkehr? Die Freiheil die Sicherheit, ja die Möglichkeit der Existenz würde aufhören; die Mensch' t heit erdrosselte sich selbst in den Schlingen des Privateigenthums!—l Ein unentbehrliches Gemeingut ist der Boden! Und versuche es nur,( nimm ihn heraus aus dem großen lüanzen, das der Menschheft Eigen- thum ist— und die Folgen?— die Quellen der Erde werden ihn nicht speisen, er verdorret dir! Aus dem Allgemeinen nur wird er, wirst du ernährt. Oder die Luft— nimm ein Stück heraus un: schließe es ab als dein Privatgut: es verfault dir und statt ein G«: zu fein, verpestet es dich! Oder trage das Licht stückweise in deiner o o o L « m tr de d« se: ei: an Vi A> G. we Le. Jd« will behi Bü. wie m konr der sich| Spai wir er» nicht »uch Himn daß vahw Machj Keller, um es ganz allein für dich zu' haben, und besieh deinen Schat>.• � — er ist Finsterniß. Aber die unentbehrlichsten und die höchsten&üW nicht nur der physischen Welt müssen Gemeingut sein: auch in der höchsten Regionen, in denen der geistigen Welt herrscht dasselbe Gesetz! Oder versuche ei» Einer, geistige Bildung für sich allein zu haben � er wird ewig nur ein Thier bleiben. AuS dein Ganzen muß er st schöpfen, nur die Gegenseitigkeit gebärt sie, nur das Gemeinwesen, da« sie ausnimmt, macht und hält sie lebendig. Je allgemeiner aber st ist, so mächtiger, reicher und tiefer wird ihr Leben! Was ist ein' Wahrheit als Privateigenthum? Eine fixe Idee! Was ist Gerechti» keit für Einen allein? Die Ungerechtigkeit! Für Alle muß sie gelte« wenn sie unsere Wehr, unser Schutz, unser Gut sein soll. Auf di Herrschaft des Gesetzes ist das Leben der Staaten gegründet. Wo ab«'- Jeder seiu eigenes Gesetz hat, ist weder Staat noch Gesetz vorhanden Gemeindegut muß cs sein, damit es des Einzelnen Gut sei. Und g»' die Liebe— kannst du sie für dich allein haben? Ja, als SclbftliebM die das Thier hat, die dich entstellt und erniedrigt! Theilen adsN mußt du sie, ein gemeinsames Gut muß sie sein! Und so ist es aller geistigen Welt. Wir haben keine Wahl: unsere höchsten, uneiä bchrlichften Güter sind gemeinsam; und je mehr sie gemeinsames Eigen thum werden, so mächtiger, höher wird ihr Werth für jeden Einzelnen — Wenn wir Socialdemokraten Couununisten sind, so sind wir e» weil der Mensch zur Gemeinschaft geboren ist, weil das höchste Ges» � n 3 's&y W-tfiir im 7% S /> rt f\Vtef\i+o Twtv ilTol_ Und Udarj Mens gut s über Ganz, Gerte Und 'ndufi noch Zons, °uzen und z Arbeil allen '° lai sind. �ew«! "lninn gen_ der Natur und das höchste Gesetz des Geistes, beide gemeinsam»"% g, die Wege des Communismus weisen! Das wußte auch'euer Jesunj§e�tule wußten)emc schuler und die ersten Christengemeinden wohl, der« Lehre und Leben communistisch war! Wir wollen also Boden, Eige» thum, Kapital als Gemeinbesitz in der neuen Weltordnung gelle« ib�?.� haben, über den kein Privatbesitz herrschend hervorragen könne— Sali? Fl erst werden sie ihren vollen Segen für jeden Einzelnen enthalte�, oi.'ü Das Kapital ist der mächtigste, nothwendigste Kuliurhebel in dem Staai>t u der Neuzeit, ivelcher nur»och mit gewaltigen Mitteln und mit Natiü n A krästen, d. i. Maschinen, die Arbeit des Menschen, Ackerbau, Gewerb! l, JAnh Industrie zweckentsprechend betreiben kann. Die Ausstattung zu die--' jj-'1"0 Ui Arbeit ruht aber nicht in des einzelnen Menschen Hand und Ma�>,„,,gese nur das Kapital vermag sie zu schaffen. Die Natur hatte Menschen ausgestattet mit den Instrumenten der Arbeit, soin-l �Wefe p( d-ffe7 Glieieni, und mit den Gütern der Arbeit, d. i. mit dem Bode' �e>nok mit der Pflanzenwelt, der Thierwelt, die sie in überreW' Fülle jedem Einzelnen im Naturleben, im Naiurstaate darb-'- Im heutigen Kultursiaaie aber bedarf der Mensch,>- seine Arbeit zu thun, einer anderen Ausstattung noch: der Ausstattn' des Geistes, der Bildung sowohl, ivie der Ausstattung mit den) bändigten Naturkräften, den Maschinen! Die Naturausstattung ress nicht mehr hin, um Menschen zu machen im heutigen Sinne der Me»'� heit; sie gab uns auch kein Heinde, kein Kleid mit, und doch ist he>' der Mensch ohne Kleid nicht fähig, seine Arbeit zu thun in unstc Gesellschaft; nur im Naturstaat vermochte er das. Verlangen wir o' von dem Arbeiter heute, daß er die Arbeit der Gesellschaft thue, u' statten ihn nicht aus mit den Instrumenten, mit der VorbedingF ) Der obige Bericht ist uns nicht im Original zuzegangen, W der» es-wurde uns der Wunsch ausgesprochen, ihn dem„Volksstac zu entnehmen. Da uns die den Schluß des Berichts enthalie� Nummer deS Letzteren vom 15. Okt. durch Zufall etwas verspätet t ging, so konnten wir den Bericht erst in dieser Nummer abdrucken. Die Red. d.„N. S.-D.�„ "■).Unser Parteifreund Dulk versteht selbstredend unter Gott i?e� ss»d ein persönliches, noch unpersönliches, übernatürliches Wesen, fonMl'f' geift, wie Sallet im Laien-Evangelium, die Summe der natürlichen, schafft den Kräfte, des Erhabenen und Guten. Die Rod !- ie t,': ;« 4 >S ;4 er al ;n (t' n- iib iiB! es! t> ht- as ai- fenl die im! um ben >um ver-� ein die asch- uur.i defl-l ihW > et, i Sur Arbeit, mit der Maschine, so dürfen wir ihm°uch das.Zernde weigern und das Unmögliche verlangen: daß er unbekle.oet arl, so handeln wir, wie die Natur gehandelt hatte, wenn ste den Re �ch n ohne.bände, ohne Glieder Ws Leben gestellt und doch verlangt hatre daß er sich selbst ernähre! Und freilich wird dem Arbester auch dre Ausstattung mit der Maschine geliefert— ia, der Kapitalist, od r, � wir � das Kapital. liefert sie ihm. Aber ach, er merkr nicht mehr die Mutter Natur, nicht die Yf�r-.:chi keit ist, die ihm die Ausstattung giebt! Denn für drese'-inentlicke 7.ur Arbeit zieht ihm das Kapital von sewem die ergentlrch Frucht ab und läßt ihm nur jedesmal so viel Erwerb, da« er mcht de feiner Arbeit verhungert— oder doch langsam verhungert. 2__ das Lohnspstem eine schreiende Ungerechtigkelt. Damm m ß Kapital, das allein diese Ausstattung liefern lann, den Ardettern 1 gehören, der Gesellschaft, die ihre Glieder ausstattet ognc Nauti-_ � Schwindelprozente, die wie die Mutter Natur die Glieder inres �n ausstattet, daß sie frisch und gesund, kräftig zur Arbeit>e>en, 1 den ganzen Leib wachsam machen! Darum will die social Dmn>. die Association aller' Arbeiter, die Bildung von Produktiv- Geno�em schaften, die sich selbst ausstatten können, die ihren Kops wie Glieder in sich selbst haben und den vollen Arbeitsertrag an Alle, Kopf- wie Handarbeiter, ungeschmälert vcrtheilen. �.____ Und nicht minder will und verlangt sie die andere Aorbeding g, die andere um nichts minder dringende, unentbehrliche Ausstattung> Arbeit: die Bildung, d. i. die Ausbildung oller geistigen irahigkeiren. Sie ist dem Menschen des Kultursiaates nothwendig wie das Ztteld, entstellt, unwürdig seiner Menschheit erscheint heute, wer ohne Kle.d oder ohne Bildung, mißachtet, unangesehen, wer rn dürftiger Kleidung oder in dürftiger Bildung einhergeht. Die Bildung bedeutet-»- Luxus, sondern das Unentbehrliche: sie ist Kraft, ArbeitiUrafft'■ ,j Leben selber— und es ist eine Schande für den„Kulturstaqt, oay er das edelste Theil des Menschen verkümmern, iif lmA enden verkümmern, in Tausenden verkommen, wie eine schlechte Saat im Kenne zertreten lgßt! Aber noch größer ist die Schande für das Ehristenthum, — das üch f-ior»°a----■ ...-.......»vovev iit me°Äeb�nennt�und - das sich selbst eine Religion»es Geistes und � � Psund doch so sehr des Geistes und der-.lebe ig,' u(j.etn. daß es aus des Geistes" treulos vergräbt, Mt damit z �insterniß hm- seinen Schulen die Naturerkenntniß hinaus,a«t und � ,y�er ein; daß es den Aberglauben vredrgt und dl> �. �„�tniß? Das anstrebt! Gehört denii z'.r christlichen Moral nicht Erlen � Boll sagt:„wer böse ist. ist dumm"- und wer sm„.cht der Auge, den rechten Weg zu gehen, dem Mensch 3 Staate Friede Geist, der Geist der Erkenntniß k! Kann aber Klüfte in der werden, kann Glück und Wohlsein gedeihen, w 1„ jten? Lebensausstattung die Gesellschaft zerspalten, zer Wollt ihr den Frieden, lehrt das �olk* Sich selbst und was zu seinem HeUe ft Erst muß des Wissens hohe Fackel vre Im Boliesherzen, eh' der Friede kom- Nicht Geistesnacht kann Glückes Saaten re s, Nein, Bildung nur! Erkenntni�onnenschei- Ihr müßt die Fesieln von den Gerste l Soll fefselsrer die Hand des Aolke-. wer heute dre Solche Forderungen, meine Freunde, muh* beeinflussen Ideen leiten, dem Zeitgeist vorangehen, me-w g � der Welt vor-� will; und darum ist dem Socialismus dres die., � Opposition des behalten! Die bloße Demokratie, d.e ernst frersinn'Se � Bürgerstandes, vermag es mcht mehr; denn oh Werth, solche wie taubes Gestein, dem die Goldader fehlt. in bloße Nach- Würde zu erlangen, müßten sie erst Pr-let-fner werdem> �. kommenschaft ohne Besitz- Arbeiterthum ohne fegrrcy-s der reine Mensch! jrL Mrbeiterrang, das ist der rechte Ade Und der die allerhöchsten Ehren h«-, Wer emsig Arbeit schafft, die ohne e Dem Ganzen nützt, hat der uns Ha' Daß der Besitzlosen, der Armen das Hunmelreich � scn lich schon jeder Christ aus der Bibel. Aber �on' Nicht, daß Spatzen lasten, so ist unser das Hrmmelre,ch a s,t e6en auf, wo wir gerade besser geboren warer,— der Ger, f?» �endes haustg er will; obwohl man in den untersten Schro),., bes Glanzes "icht„wohl" geboren ist u..d es ist den höchsten Schuhten.* � auch häufig heißt, je höher, so weher- Vorrechte aeboteu werden, Himmelreichs macht, das ist: day wir ohne �(beides, der Aus- ,, daß an ow Selbstsucht sich n.cht das � ü. ,t nahmestellung hängt, den», wie gut Q"�- J die Roth haben G"*! macht Gier; das ist: daß wir zur �üss A���stens weckt, ine»l— die Noth, die nachdenken lehrt, dre die i �be öffnet! ch«\ die das Auge für die Gerechtigkert, das Herz � der So- Knd davon zeugt unsere Lehre vor aller Am.,(i,.,nein:am{eit für alle lidarität, d. i. von der Gegenseitigkert, �«n.der-„ � das heißt, Menschen'. Das Gemeinsame über das Persom ch st A�zen sind, put sein. Ein Zweck und Jnrereste. d.e das Gefetz° Eutzen des über den Vorih-il der Selbstsucht gestellt; erne Arbm�z� eine Ganzen, und ein gemeinsam vertheilter � Gesetz und Wille! Gerechtigkeit, ein- Menschenliebe �7' �°t.Lionsw ise der neuen welt- 6 3 Unb darum sage ich; so lange die ProduNronswer, Mitteln chr b industriellen internationalen Zeitepoche, dre iavitalistische Produk- -tt°« noch und mit Naturkräften arbeiten kann, dfe�kapckalstnfcy�� ber üonüweise, nicht Gerecktiakeil ---- VU.lll, vn. abck' du-i>„t r.rutb' Gerechtigkeit für den ausgebeuteten mißhandelten Pro nde« p findet, und mit gleichem Maß alle Produzenten, Kapitalis z g5' Arbeff•I'er' Nlißt aus dem gemeinsamen Vortheil—; so lange die allen o,m. aC[c Proletarier ehrlich und ehrenvoll zu ernähren,, nicht ? Familien-ine---....... J tiebi ab<: s if mesti ftge* ;lnef r«» Gest- ur so lanae xi. cv Ine menschenwürdige Existenz zu sichern vermag—; sind, durck,' Interessen der Völker, welche Freundschaft und Arbeit GenKiltberrirf,"� ehrgeizige Diplomatie geschädigt und geschändet, durch stimme- �er' welche allein—• allein! über Kriea und frieden be- melche allein—. allein! über Krieg und Frieden be- gen—.! nerwüstet werden können in Ruhmeskriegen und Machtkrie- von üge die Liebe ein Handel und die Ehe eine Verkuppelung von°>e Liebe ein Handel und die Ehe eine Verkupp« Gereckt»-G?' Borrechten und Kapitalteil ist—; so lange nicht - u Schule v beTrWt für Alle—; so lange der Unterricht, die freie ZesvW'"w vollkommene Ausbildung der Geistesgaben nicht für den -. 1 nnvers,,.-„r, ben Höchstgeborenen gleich zugänglich, nicht dasselbe gleiche .sigeft Demo»- Menschengut Aller ist—; so lange ist die Social- e ihr-tr.,y 1 e eine eiserne Nothwendigkeit! Darum wohlauf, ie,. iur � e- Arbeiter! zu frischem, unermüdlichem Schaffen und Wir- mü" Zeit uno" socialismus, für unser Programm! Noch nie, zu keiner von N-n»'einer Zeit und in keinem Volke ist eine gleiche Anzahl iseschab Zetern des arbeitenden Volkes, wie in diesem Jahre zu Gotha Und'■ versammelt gewesen, die sich band in eine feste Organisation ist aeickn?- tIn' DOn der Wissenschaft diktirtes Programm.— Die Bahn dessen Ki? 0'Det daß ich mich des Ausdruckes eines Mannes bediene, »alteff Zt«M «aWj wer«« die!'" mm seiv-j Sov-' rciÄ'J zarbef »st ati«! en re'Z «eni he>I •msesf ». e, M iugp] ... ses zstast alte"1] tet !en. we� >i'.ve> chaM Re? unwet �mgformularen' und Verfolgungen d.e Svcml-�mokrat.e unwesentliche,. Theil ihrer Entwickelung zu danken hat. o.e- Demokratie ist im Sattel— wir haben zu reiten! Kein Himmel kann das Heil uns senden. Es fällt aus keines Gottes Schootz, Die Arbeit muß mit eignen Sauden Erkämpfen sich ihr irdisch Loos. Es kommt iit rußigen Gewänden Der Retter, der die Hölle zwingt Noch immer ist der Roth entstanden Der Heiland, der die Freiheit bringt. Erkenntniß heißt die Bundeolade,_ Die Wahrheit giebt und Tugend schafft, Und Arbeit ist die Wirkungsgnade, Die uns erlöst— durch unsere Kraft. Wenn wir den Erbfluch überwanden Der Hand und Hirn der Noth verdingt. Dann ist der Heiland auserstanden, Der in die Welt die Freiheit bringt. i?nd Fctrf' 15- Oktober.(Verband der deutschen Tapezierer 2e>'au s�ü.) Vorort Berlin: Von der hiesigen Mitgliedschaft etwäh�. üach den Bestimmungen des Statuts folgender Ausschuß Fr. Staudinger aus Berlin, Vors.(Srellvertreter), Fr. Lohöfener aus Bragwede, Schristftihre?, R. Sander aus Görlitz, Schriftf.(Stellvertreter), H. Nicolas aus Berlin Kn!!i rer „„utz aus Bierstadt, Kasfirer(Stellvertreter), Ö. Dfttmer aus Königsberg in Pr., Beisitzer, A. Ney aus Magdeburg, Beisitzer, F. I. Kaufmann)L aus Weimar, Beisitzender. Zur Kontrolkommission sind erwählt: A. Schievelkamp aus Berlin, Vorsitzender, O. Marburg aus Erfurt, W. Willbrecht aus Hamburg. Indem ich hierdurch den Ausschuß sowohl als auch die Kontrol- Kommission den Mitgliedschaften bekannt gebe, ersuche ich im Auftrage derselben, etwaige Bedenken oder Beschwerden gegen Einzelne der Ge- wählten binnen(4 Tagen an den- Unterzeichneten zu senden. Säinmt.-' liche Brief« an den Ausschuß sind an Fr. Kaufmann, Berlin(f., Stra- lauerstraße 44, 2. Hof, links 2 Tr., zu richten. Briefe für die Kontrol- Kommission sind an A. Schievelkamp, Berlin 80., Skalitzerstr. 29a., zu richten. Sämmtliche Gelder für den Verband sind an H. Nicolas, Berlin 80., Britzerstraße 31, 3 Tr., zu senden. Die Vereinsvorfitzen- den oder Vertrauensmäiiner sind verpflichtet, sämmtliche Bekanntmachun- gen des Ausschusses den Mitgliedern bekannt zu geben, sowie unser Verbandsorgan in allen Versammlungen auszulegen. Mit kollegialischem Gruß Der Ausschutz: I. A.: Fr. Kaufmann I., Vorsitzender. Gicstc», 9. Oktober.(Allgem. deutscher Schneiderverein.) Den Mitgliedern zur Nächricht, daß die Kongreß-Protokolle zum Ver- sandt fertig sind, sind ersuchen wir, Bestellungen bald möglichst folgen zu lasse». Ein jedes Mitglied muß so viel Interesse an unserer Sache haben, um ein Exemplar zu kaufen. Die Protokolle werden, um die Beschaffung leicht zu machen, zum Selbstkostenpreis, pro Exemplar 0,15, abgegeben, weil die Portoausgaben für's Einzelexemplar zu groß sind. Die Bevollmächtigten wollen in ihren Mitgliedschaften für regen Ver- trieb sorgen und die Bestellungen entgegennehmen, wobei wir bemerken, daß der Besteller uns für den Betrag der Sendung verantwortlich sein muß. An uns nicht genau bekannte Genossen können nur gegen Ein- sendung des Betrages Exemplare verabfolgt werden. Durch unliebsame Störung in der Druckerei sind wir noch nicht im Besitze der Statu- ten ic., werden dieselben aber in den ersten Tagen bekommen. Mit brüderlichen: Gruß Der Ausschuß: Im Auftr.: B. Klerx. Gicstc», 2. Oktober.(Allgem. deutscher SKneiderverein.) Die Konstituirung des neuen Ausschusses wurde unter dem 1. Sept. von uns bekannt gegeben und da keine Einwendungen gegen denselben erhoben worden sind, tritt derselbe mit heutigem Tage seine Funktion an. Mit brüderlichem Gruß Für den Ausschuß: B. Klerx, Neustadt D. 201. P. 8. Alle Zusendungen, außer für die Kasse, sind an genannte Adresse zu schicken. Gießen, 9. Oktober.(Allgem. deutscher Schneiderverein.) Die Mitgliedschaften ersuche ich, die Abrechnungen bereit zu halten, damit wenn die neuen Rechnungsformulare— was in den nächsten Tagen ge- schehen— zugeschickt werden, nicht mehr viel Zeit erforderlich ist. Fer- ner mache darauf aufmerksam, Gelder nur an untenstehende Adresse zu senden, da die Richtbefolgung desselben unnöthigen Zeitverlust ver- urjacht. Mit brüderlichem Gruß W. Lohrey, Hauptkassirer, Mühlengaffe I). 72. Hamburg» 14. Oktober.(Zur Beachtung für Schlosser- gesellen.) Es wird gewiß bei der jetzigen Krisis und allgemeinen Geschäftsstockung für hiesige sowohl, wie für auswärtige Schloffergesellen von größter Wichtigkeit sein, zu erfahren, wie„brillant" die Leistungen der Schloffergesellen honorirt werden. Ich mache hier auf den Fabri- kanten Herrn M. Wanner, Katharinenstraße Nr. 32 in Hamburg, aus- merksam. Dieser Herr zahlt seineu Gesellen pr. Woche 4 Thlr. 24 Sgr. aus. Aber da dieses so viele Geld bei der so billigen Zeit den Ar- beiter zu leichtsinniger Verschwendung hinreißen könnte, sindet es Herr Wanner für gut, längere Zeit hindurch pr. Woche 1 Thlr. 18 Sgr. einzubehalten, und so kann derselbe mit 3 Thlr. 6 Sgr. ein recht an- ständiges Leben führen.— Run, frisch auf, Kollegen! Ergreist die Gelegenheit und tretet das Glück, welches sich Euch darbietet,' nicht mit Füßen, wie ich es unverantwortlicher Weise gethan habe, und ist es dann Einem von Euch gelungen, eine so lohnende Stelle zu erbeuten, nun, dann— viel Vergnügen! Also, hütet Euch vor Herrn Wanner! Ferdinand Bogner, Schlosser. Brannschtveig, 18. Oktober.(Allgem. deuscher Schneider' Verein.) Wir bringen den Kollegen hierdurch zur Kenntniß, daß in der am. 13. Sept. stattgehabten Versammlung der hiesigen Mitglied- schaft die Wahl des Vorstandes für das nächstfolgende Jahr erfolgte. Wegen der Größe der Mitgliedschaft wurde es für zweckmäßig erachtet, die Verwaltung der beiden Kassen getheilt zu führen. Es wurden dem zufolge zunächst für die Gewerkschaft gewählt: Als Bevollmächtigter O. Peplies, Nördliche Wilhelmstr. 42; als Kassirer F. Heinreich, Kaiser- straße 17; als Revisoren Pinow, Becher und Bakeberg; Unterzeichneter als Schriftführer. Zum Vorstände der Krankenkasse wurden gewählt: Als Bevollmächtigter C. Ludolph, Reichenstr. Ka; als Kassirer W. Bor- chers, Weberstr. 47, und als Revisoren Asmann, E. Schäfer und Hör- mann. Die Vorstände beider Kassen treten nach Abrechnung des dies- jährigen dritten Quartals in ihre Funktion. Es wird deren Bestreben sein, an der uns gestellten Ausgabe der Verbrüderung, gegründet auf die Vertretung gemeinsamer Interessen, mit zu arbeiten, den Verein nach innen und außen zu kräftigen, und für die Verbreitung desselben Sorge zu tragen. Und so rufen wir auch unfern Kollegen zu: Auf, an's Werk! I. A.: H. Becker. Esens in Ostfriesland, 16. Oktober. lSchneiderstrike.) Kollegen Deutschlands! Es ist hier der Kampf zwischen Kapital und Ar- beit ausgebrochen. Die Ardeiter des hiesigen Schneidergewerkes haben ihre Arbeit niedergelegt. Wir bitten uni die Unterstützung aller Ge- noffen, damit wir den Sieg erringen können. Besonders ersuchen wir, den Zuzug nach hier fernzuhalten. Mit Brudergruß Johannes Theilacker. Ein interessantes Aktenstück. Dem Parteigenossen Gundelach in Altona ist unterm 16. Oktober folgendes gerichtliche Erkenntniß zugegangen; Königliches Landrathamt des Kreises Stormaru. J.-A. No. 17832/75. Wandsbeck, 16. Oktober 1875. Auf die Beschwerde vom 26. Sept. er. wider die königliche Kirch- spielvogtei in Bargteheide wegen Aufhebung einer in Tremsbüttel ab- gehaltenen Volksversammlung wird Ihnen hierdurch eröffnet, daß die desfällige Bestimmung des tj 8 der Verordnung über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit und Ordnung gefährdenden Mißbrauchs des Veriammlungs- und Vereinigungsrechtes vom 11. März 1850 nur auf die Versammlungen politischer Vereine Bezug hat. so daß also bei dem hier vorliegenden Falle die Kirchspielvogtei nicht befugt war, wegen Anwesenheit von Kindern- mit oder ohne vorherige Aufforderung zur Entfernung derselben die Versammlung zu schließen. Der Kirchspielvogtei ist das Erforderliche eröffnet worden. Der Königliche Landrath. v. Levezow. An � den Serrn Hermann Gundelach in Altona, Blumenstraße 17. Laien- Evangelium. (Von Friedrich Sollet.) (Fortsetzung.) Erdulden und Hingeben. „Gesaft ward: Aug' um Auge, Zahn um Zahn. Ihr hab:�. gehört. Ich aber sag' euch jetzt: Ihr foUj/oas Unrecht williglich empfah'n! Und so dir Jemand einen Streich versetzt „Auf deinen rechten Backen, reich' ihm hin Den linken auch. Und rechnet wer mit vir Um deinen Rock, laß ihm, mit leichtem Sinn, Den Mantel auch, zu stillen seine Gier. „Und nöthigt Jemand eine Meile dich, So gehe mit ihm zwei. Gieb dem, der steht! Und wende dich von dem nicht ärgerlich, Der, als ein Borger, schüchtern vor dir steht"!— Ernstlich'gemeint ist dieses Wort/ ihr Herrn! Ob's euch auch klingt, so fremd und sonderbar, Daß ihr es kaum im Mund mögt führxn gern, Viel minder thätlich es befolgen gar. Noch ist des Leibes Unverletzlichkeit, Noch die Vertretung ird'schen Eigenthum's Das Wichtigste für euch zu jeder Zeit,. Grundstein all eures Kampfs und-Erdenruhm's. Ein Feigling ist noch jetzt im Aug' der Welt, Wer einen Backenstreich nicht rächt mit Blut, Und als ein Dummkopf wird zur Sc�au gestellt, Wer sich ließ bringen um Besitz und Gut. So knechteb such der Menschen Lob und Spott, Macht heut-euch ehtlps, morgen ehrenreich. Doch dem, der.Ehre sucht«lein vorGott, Ist nub die Sünd'e Schmach/ kein�ackenstreich. Die Ehre thront im'Geist und" im Gemüth, Ist unentreißbar, wenn nicht selbst verscherzt. Ob auch von Schmerz und Schäm die Wange glüht, Zuschlagend nicht, ertragend sei.beherzt! Ward Jesus nicht verhöhnt, mißhandelt schlimm, Bespie' n, durch Faust- und Geißel-Schlag versehrt? Er litt es ohne Widerstand und Grimm. Wer wagt's, ihn feig zu nennen und entehrt?. Ein andres Ehrgefühl trug er in sich, Als das sich an des Leibes Fläche klebt. Das: treu und frei und unerschütterlich Gedacht, gelehrt zu haben und gelebt. DaS überragt die kleine Schmach so weit, Daß uns kein leiser Tadel kommt in Sinn. Wie kommt's, daß ihr das Kleinste nicht verzeiht? Weil ihr das Große werft den Säuen hin. Mit manchem abenteuerlichen Kniff Wird Kleinlichstes voll Eifersucht bewacht, Doch der Gesinnung ganzer Inbegriff, Aus Furcht, um Lohn, zum Opfer dargebracht. Ob du auch der Pistole Mund nicht scheu'st, Ein ehrlos feiger Bube bist du doch, Wen:: du dich viehisch am Genuß nur freu'st, Und deinen freien Geist beugst unter's Joch. Hättest du deine höchste Ehr' in Gott, lind in des Geistes Reich dein höchstes Gut— Der Advokaten lauerndes Complot Brauchtest du nicht und nicht des Gegners Blut.— Dem gilt eS gleich, ob man ihn: Narren heißt, Der, wenn er Alles gab und nehmen ließ, Sein ewiges Besitzthum hat im Geist, Im Himmelreich, das ihm sein Gott verhieß. Wer es gewohnt, was ewig in ihm ist, Der Menschheit hinzuspenden frank und frei— Was Wunder, wenn er schier es ganz vergißt, Wie um Vergängliches man sorgsam sei?— O! wär't ihr Alle doch in Gott so reich, Daß ihr begrifft: nichts frommt der Erde Tand, Als euren Brüdern, euch an Geiste gleich, Ihn auszuspenden mit bereiter Hand. Rur Eins zwäng' ab euch nicht Gewalt, noch List: Eurer Gesinnung innerlichsten Kern. O! hingt ihr nur an dem, was heilig ist, Dann ging' auf Erden an der Tag des Herrn. Segnet, die euch fluchen. „Es heißt: Den liebe, der dir Liebe gibet, Und hasse die, so dir zu schaden suchen! Ich aber sag' euch: Eure Feinde liebet, Thut wohl den Hassern, segnet, die euch fluchen! „Für die, so euch verfolgen, kränken,— flehet! Auf daß ihr Kinder seid des Vaters ächte, Des Sonne über Gut' und Bös' aufgehet, Des Regen labt Gerecht' und Ungerechte. „So ihr nur liebtet, die euch Liebe reichen, Nur zu den Brüdern freundlich euch benommen, Was thatet ihr? Den Zöllnern thut desgleichen. Drum, wie der Vater dorten, seid vollkommen!"— Das Thier, wenn du's gereizt mit Hohn und Schlägen, Knurrt, springt empor und fällt dich an mit Bissen. Du fühlst im Blut sich dir dasselbe regen, Doch weh dir! wenn der Trieb dich hingerissen. Das ist des Menschen hohe Götterwürde, Daß ihn der Nerven Zuckung nicht darf lenken, Daß seine That abwirft der Schlacken Bürde Und, reines Golv, auftaucht aus freiem Denken. Doch hütet euch! Ein zahmes Unterlassen, Ein Zuschnitt nach der Regel Wort genügt nicht. Es muß lebendig in euch Wurzel fassen In des Bewußtseins Boden, der nur trügt nicht. So lang es ist, mögt ihr mit hundert Garnen Das wilde Thier in euch zu fesseln trachten. Es bricht hindurch einst, plötzlich, ohne Warnen, Ihr knirscht, ihr flucht— und müßt euch selbst verachten. Ihr sollt aus zitternd halbbewuhtem Leben (Das einzig ist euch Ruhm und Pflicht hienieden) Selbstschaffend, freie Geister, euch erheben Zu des Gedankens ew'gem GotteSfrieden. Gott ist lebendige Vernunft und Freiheit. Er kann, bewußt und mit sich selbst im Klaren, Hoch über jede» Seelenkampfes Zweiheit, Nur werden, schaffen und sich offenbaren. Er läßt die Sonn' aufgeh'n-und spendet Regen Gerechten, Ungerechten, Guten, Bösen. Nicht Mitleid siegt ob seines Zornes Regen— Nein! jeder Zwiespalt muß im Geist sich lösen. Der Geist kennt kein Vernichten und Verneinen, Der Mißklang stirbt dahin in seiner Stille. Gott zählet alle Geister zu deu Seinen, Ob auch in ihnen schläft sein heU'ger Wille. Sie werden all' im Strahl der Lieb' erwachen, (Wer widersteht dem gold'nen Flammenschaste?) Sie werden all', lichtreiche Blüten, lachen Am Gottesbaum, durchpulst von einem Safte. Drum, wie der Vater dortsn, seid vollkommen! In Liebesflammen läutert euch zur Klarheit, BiS jeder wüste Erdentraum verschwommen, Hinwcggescheucht vom GotteStag der Wahrheit. Wenn ihr dann trinkt des Morgens frische» Odem, Wie könntet zürnen ihr den Brüdern allen, Die noch, umhüllt von schweren SchlafeS Brodein, In wirren Träumen wilde Worte lallen? Und wenn sie knirschend, fluchend um sich schlagen, Ihr könnet, sonder Groll, nur schmerzlich lächeln, Denn bald(ihr wißt es) muß eS Allen tagen, Und ew'ger Liebeshauch wird sie durchfächcln. „Herr! wecke bald sie(werdet ihr dann flehen) Und laßt den Spuk aus ihren Herzen schwinden! Daß sie, aufathmend frei, sich selbst verstehen, Und, neubelebt, in dir sich wiederfinden!" (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. *(Geistliche Schandliteratur.)—„Sammlung von Denksprüchen, Tugendbeispielen und Gebeten" ist der Titel eines Schul- buches, das unter geistlicher Schulaufficht in österreichische Voltsschulen eingeführt und Kindern von 6—14 Jahren in die Hand gelegt worden ist. Die Wiener„Deutsche Zeitung" gicbt folgende Proben aus diesem unter geistlichem Schutze stehenden Schulbuche i Seite 109:.....„Der heilige Bernhard."„Weil der heilige Jüngling eine so einnehmende Gestalt hatte, so wurde seiner Keuschheit von bösen Frauenspersonen öfter nachgestellt. Einmal, da er nicht fliehen konnte, weil man ihm, als er in seinem Zimmer im Bette-lag, nachstellte, gelang es ihm, mit der Hülfe des Herrn, sich aus dieser Gefahr zu retten, denn die Unverschämte, welche ihn verführen wollte, ergriff sogleich die Flucht, weil sie auf das Geschrei des Heiligen das Herzulaufen der Leute fürchtete." Seite 206.„Der heilige Thomas von Aquin."„Auf das Anstiften seiner Brüder, die nicht so gewissenhaft waren wie er, trat einst eine junge Weibsperson zu diesem frommen Jüngling in das Zimmer, die so frech war, daß sie ihn zur Sünde reizte. Thomas fühlte die Macht der Versuchung, der Kampf dagegen war schwer... Der Herr verlieh ihm zum Lohne, daß er in Zukunft jenen heftigen und gefähr- lichcn Stachel des Fleisches, von dem er vorher belästigt wurde, nicht mehr fühlte." Seite 222 und 226:„Die heilige Zita."„Von den Tänzen sind die meisten der Unschuld gefährlich. Oder sollte da, wohin so Viele aus unreinen Absichten gehen, wo man so gerne die Sittsamkeit bei Seite setzt... wo so oft uach Uebermaß im Essen und Trinken die Dunkelheit der Nacht und das Nachhausefiihren dazukommt, soll da für die Unschuld keine Gefahr sein? Wie oft ging die Unschuld zum Tanze hin, kam aber vom selben nicht mehr zurück!... Bei aller Sorgfalt aber für ihre jungfräuliche Ehre gerieth die heilige Zita doch in eine Lage, die ihre jungfräuliche Standhastigkeit auf eine Probe setzte. Ein frecher Jüngling ging auf sie zu, nahm sie in seine Arme und wollte sie nicht mehr los laffen. Mit Gewalt aber riß sie sich aus seinen Armen los"... Gewiß eine erbauliche und christliche Schmutz-Lektüre für Knaben und Mädchen!— Ein treffliches Bildungsmittel für die heranwachsende Schuljugend! *(Die Dreipfennigstücke) gehen gegenwärtig auch den Weg alles Fleisches. Vom I. November an werden dieselben an öffentlichen Kaffen u. s. w. nicht mehr in Zahlung genommen werden. *(Die Bevölkerung Berlin's) hat rechnungsmäßig bereits tm August dieses Jahres die Zahl von einer Million ansehnlich über- schritten. Zu Ansang September vorigen Jahres belief sich nämlich die Civilbevölkerung Berlin's auf 973,681 Seelen. Von da ab trat eine Veränderung ein bis zum August durch die Geburten um 3475, durch Sterbefälle um 3432, durch Zuzug um 11,603, durch Abzug um 8981. Es hat demnach eine rechnungsmäßige Zunahme von 2667 stattgefunden und wir erhalten mit der obigen Zahl die Summe von 973,681 Seelen. Hierzu die Strombevölkerung zc. mit 10,000, die Militärbevölkerung mit 20,000 gerechnet, ergiebt eine Gesammtbevölke- rung von mehr als 1 Million. Wenn die bevorstehende Volkszählung vom 1. December diesem Resultate entspricht, so stellt sich das interes- sante Ergebnih heraus, daß die Bevölkerung sich abermals in 100 Jahren verzehnfacht hat. Dieselbe betrug 1675: 10,000, 1775: 100,000 und 1875 1,000,000. Es ist zwar klar, daß wir 1975 keine Bevölke- rung von 10,000,000 Millionen Seelen zu erwarten haben; dazu wäre eine städtische Bebauung der ganzen proponirten Provinz Berlin erfor- derlich. Doch liegt eine ähnliche Steigerung keineswegs außerhalb der Grenzen der Möglichkeit. Nehmen wir nämlich nur das letzte jährliche Wachsthum der Seelenzahl um 50,000 als für das bevorstehende Jahr- hundert als gültig an, so würde dies immerhin eine Vermehrung von 5 Millionen bis zum Jahre 1975 bedeuten. Allein wenn das lieber- wird, wie wir es in dem heutigen Berlin nt beklagen haben, wenn die Gsiamint' Sterblichkeit ebenso zunimmt wie in letzter Zeit, so hat es gute Wege mit der allzugroßen Vermehrung der Bevölkerung. Wieder ein Beweis, wie die heutige Produktionsweise den Mord unter der Jugend des Proletariats systematisch betreibt. Wir empfehlen folgende, sozialistische Zeitschriften; Organe der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. „Neuer Tocial-Demokrat", Organ der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, erscheint in Berlin wöchentlich drei Mal und kostet pro Ouartal 1 Mark 6V Pf. „Social-politische Blätter", illustrirte Wochenschrift, erscheinen in Berlin wöchentlich ein Mal und kosten pro Ouartal 1 Mark. „Volksstaat", Organ der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, erscheint drei Mal wöchentlich in Leipzig und kostet pro Ouartal 1 Mark 60 Pf. „Nürnberg-Fürther Social-Demokrat", erscheint in Nürnberg wöchentlich drei Mal und kostet pro Quartal I Mark 30 Pf. Social-demokratisckieLokal-Organe: „Braunschweiger Volksfreund", erscheint in Braun- schweig wöchentlich sechs Mal und kostet pro Quartal 2 Mark. „Chemnitzer Presse", erscheint wöchentlich sechs Mal und kostet pro Quartal 1 Mark 80 Pf. „Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund", er- scheint wöchentlich sechs Mal und kostet pro Quartal 1 Mark 50 Pf. „Dresdener Volksbote", erscheint wöchentlich drei Mal und kostet pro Quartal 1 Mark 50 Pf. „Hamburg-Altonaer Volksblatt", erscheint in Ham- bürg wöchentlich drei Mal und kostet pro Quartal 2 Mark 40 Pf. „Neue Offenbacher Tageszeitung", erscheint wöchentlich sechs Mal und kostet pro Quartal 2 Mark 50 Pf. „Süddeutsche Volkszeitung", erscheint wöchentlich zwei Mal in Stuttgart und kostet pro Quartal I Mark 10 Pf. „Westfälische freie Presse", erscheint in Dortmund drei Mal wöchentlich und kostet 1 Mark. 30 Pf. „Zeitgeist", erscheint in München wöchentlich sechs Mal und kostet pro Quartal 1 Mark 80 Pf. Socialistische Witzblätter: „Eulenspiegel, erscheint wöchentlich ein Mal in Mainz. „Die Leuchckugcln", erscheinen in Braunschweig wöchentlich ein Mal. „Die Raketen", erscheinen wöchentlich ein Mal in Chemnitz. Socialistische Gewerksch afts- Organe: „Bote", Organ der Klempner, erscheint monatlich 2 Mal in Hamburg und kostet pro Quartal 60 Pf. „Botscftafter", Organ ftir die Mitglieder des deutschen Tabak-ArbeiKr-Vercins, erscheint wöchentlich ein Mal in Leipzig und kostet pro Quartal 50 Pf. .„Buchbinder-Zeitung", erscheint wöchentlich einmal in Leipzig. „Correspondent", Organ der Buchdrucker und Schrift- gießer, erscheint drei Mal wöchentlich in Leipzig und kostet pro Quartal 1 M. 50 Pf. „Der Correspondent", Organ der Hutmacher, erscheint in Leipzig. „Der Genossenschafter", Organ des Gewerkverems der deutschen Gold- und Silberarbeiter und verwandten Gewerke, erscheint wöchentlich zwei Mal in Pforzheim und kostet pro Quar- tal 1 Mark. „Grundstein"� Organ der deutschen Bauhandwerker, er- scheint monatlich zwei Mal in Berlin und kostet pro Quartal 30 Pf. „Pionier", Oraun der deutschen Zimmerer, erscheint mo- natlich zwei Mal in Berlin und kostet pro Quartal 1 Mark 20 Pf. „Union", Organ der Holzarbeiter, erscheint monatlich zwei Mal in Hamburg und kostet pro Quartal 60 Pf. „Wecker", Organ der deutschen Schuhmacher, erscheint mo- natlich zwei Mal in Gotha und kostet pro Quartal 30 Pf. Außerhalb des deutschen Reiches in deutscher Sprache erscheinende socialistische Organe: „Arbeiterfrcund", erscheint monatlich zwei Mal in Rei- Henberg(Böhmen) und kostet pro Quartal 1 Mark. „Arbeiter-Wochen-Chronik", Organ der ungarischen Arbeiter, erscheint in Buda-Pest wöchentlich ein Mal und kostet pro Quartal 1 Mark 20 Pf. „Gleichheit", Organ der Arbeiterpartei in Oesterreich", erscheint wöchentlich ein Mal in Wiener Neustadt und kostet pro Quartal 1 Mark 50 Pf._ „Tagwach t", Organ des schweizerischen Arbeit'.'■i"l erscheint wöchentlich zwei Mal in Zürich und kostet.o Quart all 1 Mark 40 Pf. „New-Aorcker Social-Demokrat", erscheint nach nie lich ein Mal in New-Pork. „Vorbote", erscheint wöchentlich ein Mal in Chicago. In französischer Sprache erscheinende soc alistischel Organe: „L'ami ck« peuple", erscheint wöchentlich ein Mal i« Liege(Lüttich) in Belgien. „I-e Lulletin", Organ cke In Feckeration jurassienue de rassociation internationale des travaillenrs, erscheint wöchentliÄ ein Mal in Neufchatel in der Schweiz nnd kostet halbjährlich 3 Mark 40 Pf.. f „Le Mirabeau", erscheint wöchentlich ein Mal in Vervier» in Belgien. „Fa Perseverance", erscheint wöchentlich ein Mal in Brüffel. In flandrischer Sprache erscheint: „De Werker", erscheint wöchentlich ein Mal in A werpen(Holland). In dänischer Sprache erscheint: „Social- Demokraten", erscheint in Kopenhagen scch Mal wöchentlich. In italienischer Sprache erscheinende socialistische Organe: L'Agitatore'', erscheint zwei Mal wöchentlich in Luga» Canton Tessin(Schweiz). „II Nomade", erscheint wöchentlich ein Mal in Palen» „La Plebe". erscheint wöchentlich sechs Mal in Rom. j In russischer Sprache erscheint:„Wpered"(„Vorwärts" monatlich zwei Mal in Landen. Uin die Liste der socialistischen Organe vervollständigen L können, ersuchen wir die geehrten Redaktionen der in Belgien Holland, Dänemark, der Schweiz, Ungarn, Serbien Croatien, England, Amerika u. s. w. erscheinenden socialifl scheu Organe, uns nähere Mittheilungen über ihre Zeitung� machen zu wollen. Die Redaktion des „Neuen Social-Demokrat" zu Berlin. Zur Beachtung. Wir ersuchen unsere Abonnenten außerhalb, bei vorkommest den Unregelmäßigkeiteil in Zusendung unseres Blattes, selbst bf der Postanstalt ihres Wohnortes zu reklamiren und nicht bei unll Wenn eine Störung in dem Versandt der Zeitung dur's uns.eingetreten ist, so werden wir dies sofort bekannt geben.> Tie Expedition des„Neuen Social-Demokrat".! --—____ M Parteigenossen der Provinz Brandenburg, welche Redw wünschen, haben sich dieserhalb an H. Köhler, Berlin, KaV Franz-Grenadierplatz 8a., 2. Hof, 2 Treppen, zu wenden. _ i Unsere Adresse lautet von jetzt ab: Berlin S. Dresdenerstraße 35. W. Hasselmann. H. Lang Briefkaste«. Berlin, Prcnzlauerstraße. Gewiß, nach vollendetem 25. Lebe' jähre ist jeder unbescholtene Staatsbürger dazu berechtigt. Zu der am 28. Oktober, Abends 8 Uhr, Sophienstraße 15, st findenden General- Versammlung des Socialistischen Arbeiter- Vereins bitte folgende Genossen, als Kontroleure, zu erscheinen: G? Lühnsdorf, Keitel, Windthorst. A. Heinsck Zur Aufklärung. In Folge einiger Anfragen über das Fef des Namens„Laffalle" in dem Verzeichniß hervorragender Mensa in unserem Kalender, habe ich Folgendes zur Ausklärung zu bemeq' Bei der Zusammensetzung dieser Rubrik suchte ich(von dem St«' punkte ausgehend, daß dieselbe nicht jedes Jahr stereotyp wieder? werden dürste) so viel wie möglich neue Namen zu bringen, weicht. keinem der vorjährigen Kalender beider Fraktionen sich befanden. IT nun Lassalle in diesen beiden Kalendern angeführt war, so nahm, auch hier neue Namen. Earl Deross' Berlin. Anzeigen. Heute Dienstag, Abends 8 Uhr, zwei öffentliche Ver- sammlungen: 1) Ackcrftr. 63 bei Qua- litz. Vortrag des Hrn. F. W. Fritzsche. — 2) Gesundbrunnen, Pankstr. 25. Vortrag des Hrn. Knstermunn.— Um zahlreiche Betheiligung ersucht (F. 29.)___ A. H-insch.[1,601 Klorftlt Donnerstag, den 28. Okt., /tcktuiu. Abends 8 Uhr, Sophienstr. 15, Fortsetzung der Generalversammlung des Socialistischen Arbeiter- Wahlvereins. T.-O.: Aenderung des ts 11 des Statuts. — Geschäftsbericht.— Agitation in Berlin.— Karte vorzeigen.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. (F. 29.)_ I. A.: A. Heinsch.[2,20] Mittwoch, den 27. Oktober, -Ol-UlU. Abends S'/j Uhr, bei Herrn Baumanu, Wallstr. 3— 4, Geschlossene Mitglieder- Versammlung des Allg. deutsch. Schneider- Vereins. Tagesordn.: Wahl sämmllichcr Kassen- beamten. Abrechnung u. s. w. Neue Mitglieder werden aufgenommen. CP. 100.) Der Bevollmächtigte.[8,60] Sonnt., 24. dss., Mi lt. 1 Uhr, starb m. guter Mann, Maurer Fr. Kettmann. Beer- digung Mittw., 27., Bm. 10 11., v. Krankenh. .. Friedrichshain n. Britz. Marie Kettmann. Hambnrq-Altona-Lttcnsen. Freitag, 29. Oktober, Abends 8h', Uhr, in Heinsohn's Salon, Gähler's-Platz, General- Versammlung der Arbeiter-Kranken- nnd Sterbe- Kasse. 1) Verlesung des Protokolls. 2) Abrech- nung. 3) Berichterstattung von den Vor- stands-Beschlüssen. 4) Appellation an die Generalversammlung von den Mitgliedern Bofn, Schümann und Rosenhagen. 5) An- trag mehr. Mitgl. betreffs Hrn. Dr. Frehde. 6) Antrag mehr. Mitgl. betreffs des Hafen- arbeiter-Bundes. 7) Antrag von Gleising betreffs Unterstützung. 8) Antrag von Haß betreffs Hrn. Dr. Schircks. 9) An- trag von Salomon betreffs des Besuchs der Versammlungen und Mehreres. Der Vorstand.[4,40] Mittwoch, 27. Oktober, Abends 8'/, Uhr, in Heinsohn'S Salon, Versammlung des Social-demokratischen Arbeiter- Vereins. T.-O.: Vortrag. Anträge des Vorstan- des. Fragekastein Verschiedenes. Nur Mitglieder uud die es werden wollen, haben'Zutritt. (F. 20.) A. Forfchner.[2,20] Cigarrcn-Lager DM] M. Kicnast, Alcxandcrstraftc 31. DEITTSEHE ASSOCIATIONS- BUCHDEUCKEREI zu BiEiRXjinsr (Pingetragene Penossenschaft) empfieblt sich zur Anfertigung von Rechnungen, Quittungen, Formularen. Circnlaren, Prospecten, Preis-Conranten, BalL, Visiten-, Adress- und Empfehliings- Karten, sowie überhaupt aller in dieses Fach einschlagenden Arbeiten. Ganz besonders empfehlen wir uns den geehrten Vereinen zum Druck von Statuten und aller bei Vereinen vorkommenden Arbeiten. nnd bitten um geneigte Aufträge. Auch für Auswärts führen wir Aufträge auf Druckarbeiten aus und hoffen, dass uns solche zahlreich zugehen werden. Indem wir stets saubere AusfiUurung uud prompte Bedienung versprechen, empfehlen wir uns hiermit bestens. Allgemeine Dentsclie Associations-BiicMrncterei zu Berlin (Eingetragene Genossenschaft). (F.9<.) Kaiser Frauz-Grenudier-Platz Nr. 8a. Rothenburgsort. Ottensen. Donnerstag, 28. Oktober,! Die Herren Richter und Hartmann sind Abends fO,, Uhr, i wieder anwesend. in Burmeister's Salon, Socialiftenvcrsnmmlung. Tagesordn.: Fortsetzung der Diskussion von letzter Versamnitung. (F. 63.) F, Heecholb.[2,20] NB. Wenn kalte Witterung, ist der Saal geheizt. Donnerstag den 28. Oktt Abends SV» Uhr. im Lokale des Herrn Dionysius Oeffeutliche Arbeiterversammlunß T.-O.: Maaß und Gewicht. Refe> Herr Rännekamp. (F. 61.) I. A.: H. Gadow. ——----- Ja Zur allseitigen Not> Der arme Conrad (Partei-Kalender für 18? ist erschienen und durch uns zu beji' Derselbe kostet pro St. broschürt 46 gebunden mit Schreibpapier durchs« 60 Pf. Bei Abnahme von mindc] einem Dutzend broschürt 25 Pf., gl' den 40 Pf. Wir bitten um baldige Beste» bamitjstch eine etwa nothwendige P Auflage übersehen läßt. Die Expedition des„Zieucn Tocial-Demokrs Berlin 80., Kaiser Franz-Grenadier-Platz 8' Ich erlaube mir, den geehrten mein Brod und Kuchengeschäft zu ci" F. Weigel, Blumenstraße 50». Druck und Verlag der Allg. deutschen Associations-Buchdruckerei zu Berlin, Eingetragene Genoffenschast(verantw. H-inr. Rackow), Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a. Verantwortlich für die R-daction: A. Küster in 236