Nr. 128. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Freitag, den S9. Oktober 1815. Neuer Bestellungen werben bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition. sowie bei jedem Spediteur entgegengenommmen. Soml-ütmoKrat Organ der SociaWschen Arbeiter-Partei Deutschlands. 5. Ichrzmig. Rcdaction u. Expedition: Berlin, 8lX, Kaiser Franz-Grenadier-Pl. 8a. Inserate (nur in der Expedition aufzu- geben) werden pro fünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Ps. berechnet. Ver- sammlungs-Annoncen die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Ps. Sogenannte Re- klame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. .. Abonnemcnts-PreiS: Für Berlin incl.»rrngerlohn vierteliährl.ch praennmerando 1 Rn�»5 3 Im ffif««beSTunb lelciien 3 Rm 60 Pf für Frankreich 4 Rm. 50 Pf., für England frei in's Haus 1 Rm. 95 Pf.- Kreuzband-Abonnements pro Quartal und Exemplar: für Deutschland und Oesterreich 3 Rm., zur Niederlande und Belgien ö jtm. w Ps., suv tf™"» W und Amerika 3 Rm. 55 Pf. Bestellungen aus Kreuzband-Abonnements sind nur bei der Expedition aufzugeben und müssen praenumeraudo gezahlt werden. Abollnemetlts- Einladung. Wir luadjeu darauf aufmerksam, daß man auf unser Blatt für die Monate November und Dezember bei allen Poftanstalten für 1,07 Mark, so wie in Berlin bei unseren Spediteuren für 1,30 Mark frei in'ö Haus abonniren kann. Im Post-Zeitunsis-Katalog ist unser Blatt unter Nr. vsm eingetragen, worauf wir hiermit besonders aufmerk- sam machen. Wir hoffen, daß unsere Freunde und Partei- genoffen diese Gelegenheit zu einem zahlreichen Abonnement benutzen werden, um so mehr, da Ende dieses Monats die Reichstagsverhandlungen wieder beginnen. Die Expedition des„Neuen Social-Demokrat". Inhalt. Der bcvorstchendc Kulturkampf im Reichstage. Politische Uebersicht: Aus Bayern.— Der Militär-Etat.— Arbeiter-Entlassungen.— Türkisches.— Herr Stroußberg.— Die Konsum-Vereine.— Zur Illustration der Sedanfeier. Korrespondenzen: Brandenburg.— Frankfurt a. M.— Hamburg.— Bremen.— Altona.— Cassel.— Leipzip.— Wiesbaden. Chemnitz.— Kopenhagen. Eine Illustration christlicher Liebe. Laicn-Evangclium von Sallet.(Mtsetzung.) Vermischtes. Ter bevorstehende Kulturkampf im Reichstage. Unseren Liberalen wird in der bevorstehenden Reichs- tags- Session von ihrem Herrn und Meister, Bismarck, aufgegeben werden, recht harte Nüsse'zu knacken. Ein Kulturkampf schönster Art ist im Anzug; und den Liberalen aller Schattirungen ist es dieses Mal schwüler wie gewöhn- Uch zu Muthe.' Wir sprechen vom„Kulturkampf", weil dieses Wort immerfort herhalten muß, um als Teckmäntel- chen zu dienen, und wenn bei Ausnahme-Gesetzen jeder Art, bei der Erdrückung aller einstigen freiheitlichen Grund- sätze der Liberalen dieses Feigenblatt hcrbalten mußte, dann kann man schließlich mit demselben Rechte Petro- leum- und Biersteuer als„Kulturkampf" hinstellen. Doch, wie gesagt, den Liberalen ist es nicht allzu wohl zu Muth.— Schlügt ihnen das Gewissen etwa?— Sicherlich nicht, denn sie sind gewohnheitsmäßige Sünder gegen die Interessen des Volkes; sie haben selbst im Interesse der Bourgeoisie noch niemals sich zu' kräftiger Opposition aufzuschwingen vermocht. Ihre Beklemmung hat daher einen mehr realen Grund. Sie fürchten sich vor den nächsten Wahlen! � Gewiß ist es eine gar schlimme Empfehlung eines solchen Kulturkampfhelden, wenn er in Jahresfrist vor die Wähler hintreten muß, und neben den übrigen Sünden des Liberalismus, neben dem Börsenschwindel und„Krach", neben der ungeheuren Militärlast, ganz frisch in's Gedächt- niß des Volkes eingeprägt sindet, daß er Steuern ans dw Lebensmittel des Volkes gelegt hat, daß er Wort und Schtift mit bisher unbekannten Zwangs-Strasgesetzen geknebelt hat, daß er nie ein Mann war, sondern stets cu: willenloser„Ja-Bruder". Unter so bewandten Umständen könnte es dann nicht fehlen, daß der„Rückgang" der ■social- Demokratie einen so glänzenden Fortgang nähme, daß gar mancher liberale Commerzienrath dem gehaßten und verachteten Arbeiter aus den Sitzen des Reichstages Platz machen müßte. �., So schütteln nun unsere Liberalen sorgenvoll ihr Haupt und beklagen schmerzlich, daß gerade am Schlüsse der LegrS- laturperiode ihr Meister ihnen zu so bösem �.anze ausspkett, W gefährliche Forderungen an sie stellt. Was lnrg ie Aukunst in ihrem Schoost, wenn es kerne lkberale lorität mehr giebt?— und das könnte leicht einticteu.— Bei dieser Frage tritt der Angstschweiß dem modernen Kur- kurkämpser auf die Stirn.„. . Säße nicht Bismarck, sondern Lasker am Ruder dann wäre die Antwort leicht gegeben, denn die Lrberaten verstehen die schönsten Clownsprünge auch unter so bcivair- *en Umständen. Ihr Grundsatz, ihr höchstes Prrnzrp laute Uerlich, daß jedes Ministerium, welches rucht dre Majontat des Parlaments auf seiner Seite hat, sofort abtreten in eurem aus der Parlamentsmajorität hervorgehenden neuen Ministerium Platz machen muß; aber was gilt Prinzr- d�en treue den Liberalen dort, wo ihr Vortherl rn Frage °>n»rt. Nur einen Blick brauchen wir rn die erste beste uberale Zeitung zu werfen, und wir treffen sofort aus einen Jubelhymnus darüber, daß in Bayern das Ministerium trotz der ihm entgegenstehenden Kammermajorität nicht vom Platze gewichen ist, daß also in Bayern nicht mehr ein parlamentarisches, sondern ein absolutes Regiment herrscht. Dieselbe Thatsache, welche in Preußen die Libe- ralen während der sogenannten Konfliktszeit mit den grimmigsten Ausdrücken angriffen, dieselbe Thatsache ist recht und billig, sobald die Macht und der Vortheil der Liberalen dadurch gesichert wird. Also Laster würde auch mit einer liberalen Minori- tät weiter regieren, aber Bismarck?— Er ist ein adlicher Grirndherr von echtester Farbe; er hat mit den Liberalen seinerzeit viel heftiger gestritten, ist von ihnen viel schwerer beleidigt, als je von den Ultramontanen; er verachtet außer- dem ans tiefster Seele den Liberalismus gleichwie dessen Worthelden. Nimmermehr ist also Bismarck aus Sym- pgthie mit der jetzigen Reichsmajorität verbündet, son- dern weil dieselbe seinen Zwecken dient und den. par- lamentarischen Nimbus auftecht erhält. Was nützt aber Bismarck eine liberale Reichstagsminorität?— Nicht einen Deut! Sie wäre blos ein schönes Mittel für einen Staatsnrann, um sich zu konrpromittiren. Bismarck hat schon gezeigt, wie gleichgültig ihm der Wechsel der Partei ist. Mit demselben Kürassierstiefel- tritt, mit dem er aus dem erzkonservativen in's liberale Lager schritt, kann er, wenn es seinen Zwecken entspricht, auch wieder zurückwandern, und, die Liberalen fahren lassend,. sich aus eine konservativ-ultramontane Koali- tion stützen. Daß Konservative wie Ultranrontane mit beiden Händen nach einem solchen Anerbieten greifen wür- den, steht fest; schon jetzt schmunzelt die„Germania" vergnügt über ein solches Projekt, welches der bekannte Wage- ner, Bismarck's Pläneschmied, durch ein von ihm abhängi- ges Preßorgan andeuten läßt. Die Liberalen wissen dies Alles sehr gut; sie ahnen, daß ihre Partei gesprengt ist, sobald sie zur Minorität werden. Sie wissen aber auch, daß sie sich vor dem Volke wie noch nie kompronritiren, wenn sie jetzt für Bismarck's Politik die Kastanien aus dem Feuer holen. Und endlich merken sie, daß, wenn Bismarck sie fallen ließe, die Waffen, welche sie selbst jetzt schmieden sollen, die zahllosen Strafparagraphen, dann auch gegen sie selbst in Anwendnirg gebracht werden. Solche Gedanken machen natürlich Kopfschmerzen, und die armen liberalen Dutzendpolitiker sind wahrlich in keiner beneidenswerthen Lage. Der Karren steckt im Dreck— tief im Dreck, und dabei ist an ein Herausziehen nicht zu denken. Lasker, Miquel, Bennigsen patschen vergebens im Sumpf herum, das liberale Fahrzeug rückt keinen Zoll breit fort in der Richtung, die Bismarck kommandirt, vielleicht geht es gar in die Brüche. Armer Karren, arme liberale Partei! Politische Uebersicht. Berlin, 28. Oktober. Mit Hängen und Würgen sind die Liberalen in Bayern am Ruder geblieben und ein neues Ministerium ist nicht gekom- men. Die liberalen Organe sind natürlich ob dieses„Sieges" in„gehobener" Stimmung und ergehen sich in den schwulstigsten Tiraven. Besonders Großartiges leisten in dieser Beziehung der „Fränkische Courier" und die„Münchener Nachrichten". „Das Königswort", so schreibt das erstcre Blatt,„wird wie ein Donnerschlag im ultramontanen Lager wirken" u. s. w. Die „Münchener Nachrichten" leisten sogar Folgendes: „Heute liegt der Adressensturm gleich wie ein wüster, schwe- rer Traum hinter unS und die Morgenröthe einer neuen bes- seren Zeit ist für Bayern angebrochen, wo die ultrainontanen Herrschgelüste auf keine Verwirklichung mehr rechnen können, der trübe Nebel, welchen die ultramontanen Führer im Lande zu ver- breiten suchten, ist gewichen; das Licht der Wahrheit kann seine volle Kraft bethätigen und das bayerische Volk fühlt sich wieder frei von den Fesseln, welche eine übermüthige Priesterherrschaft seinem Geiste anlegen wollte. In wahrhaft majestätischer Weise hat der König die zudringlichen Friedensstörer in ihre Schranken gewiesen; er hat es ihnen mit dürren Worten gesagt, daß sie die Vertreter des Volkes, die sie zu sein vorgaben, nicht sind, daß sie nur einen Bruchtheil des Volkes repräsentiren, und daß sie desjenigen Maßes entbehren, welches allein das Wohl und Beste des ganzen Landes zu fördern geeignet ist." Fast noch toller geberdet sich natürlich die norddeutsche na- tionolliverale und Reptilienpresse. Die ultramontane Partei hat vor der Hand in Baycnr eine ziemlich reservirte Stellung einge- nommen und scheint scheinbar noch unentschlossen zu sein, welche Wege' sie einschlagen soll. Daß sie natürlich ihre Taktik wesent- sich ändern ivird, ist nicht zu cnvarten. Schade, daß in Folge des deutschen Reichstages die bayerische Kammer.gegenwärtig eine Vertagung erleidet, da uns dadurch manches interessante Schauspiel verloren geht. Uns kann es natürlich völlig gleich- gültig sein, ob Kunz oder Hans, ob die liberale oder die ultra- montane Partei das Oberwasser hat; dem Socialismus stehen beide feindlich gegenüber. Interessant ist es übrigens, daß der Liberalismus in Bayern gegenwärtig dasjenige verherrlicht, wo- gegen er sonst immer zu Felde gezogen ist. Der Liberalismus hat früher immer und wird es auch später wieder, wo es ihm passend erscheint, sich stets gegen ein Ministerium erklären, das die Minorität in der Kammer hinter sich hat. Da nun aber in Bayern die Liberalen die Minorität bilden, so bringt es das Geschäft so mit sich, daß das, was sonst von den Liberalen als Verfassungsbruch und Gott weiß, was Alles, verschrieen wurde, hier plötzlich eine„Nothwendigkeit" zum„Heile" des Landes wird. Ja, das Geschäft bringt's mal so mit sich! Der Militär-Etat ist erschienen, und das Hauptfacit ist, abgesehen von Einzelheiten, daß 7,455:233 Mark mehr als im laufenden Jahre begehrt werden. Det Etat umfaßt das preußische Reichs-Kontingent und die in selbiges aufgenommenen Kontin- gente anderer Staaten: in Einnahme weist er die Kleinigkeit von 1,801,344 M. auf, die dennoch die des laufenden Jahres noch ansehnlich übersteigt. Dem gegenüber stehen an Ausgaben: fort- dauernde 245,601,837 M., worunter nur 241,893„künftig weg- fallend". Der laufende Etat hatte hier 239,724,831 Mark, so daß, abzüglich der Ersparnisse, das Mehr 5,877,006 Mark be- trägt. Den fortdauernden reihen sich die einmaligen Ausgaben mit 5,201,373 Mark gegen 3,623,146 M. des laufenden Jahres an, so daß auch hier ein Mehr von 1,578,227 M. herauskommt. Somit belaufen sich die Gesammtausgaben auf 250 Millionen 803,210 M., während der laufende Etat auf diesem Gebiete mit 243 Mill. 347,977 M. abschließt. Ein einfaches Subtraktions- Exempel ergiebt den Mehrbedarf, der wirklich näher zu acht, als zu sechs Millionen ist, welch' letztere Summe bisher als das Maximum gegeben worden war. Die fortdauernden Ausgaben zerfallen nun in folgende Posten: Kriegsministerium l, 594,920 Mark, Kasernenwesen 221,328 M., Intendanturen 1,394,139 M., Geistlichkeit 460,467 M., Justiz 506,112 M. Von da'ist ein weiter Zahlenabsatz zu den höheren Truppenbefehlshabern, welche 2,258,400 M. absörbiren; es solgen Gouverneure, Kommandan- ten, Platzmajore mit 622,848, Avjutantur-Offiziere und Offiziere in besonderen Stellungen mit 850,116 M., Generalstab und Landesvermessung mit 2,048,641 M., Jngenieur-Korps mit 1,413,132 M. Nun kommen die Hauptposten, nämlich 79,998,588 M. für Geldverpflegung, 65,847,217 M. für Naturalverpflegung der Truppen, 18,796,229 für Bekleidung der Truppen, 27,195,078 Mark für GarnisonSverwaltungs- und Servrswesen und daneben noch 6,301,530 M. für Wohnungsgeldzuschüsse. Gegen diese Großposten verschwinden wieder die folgenden: Militär- Medizi- nalwesen 6,011,518, Verwaltung der Traindepots und Instand- Haltung der Feldgeräthe 414,120, Verpflegung von Ersatz- und Reservemannschaften 2,311,926, Ankauf der Remoutepferde 3,683,356, Verwaltung derWliemonte-Depots 1,424,600, Reise- kosten und Tagegelder, Vorspann- und Transportkosten 3,893,521, Militär-Erziehungs- und Bildungswesen(darunter natürlich auch die Kadettenhäuser) 3,591,617, Militär-Gefängnißwesen 1,006,710, Artillerie und Waffenwesen 9,216,472, technische �Institute der Artillerie. 535,286, Bau- und Unterhaltungen der Festungen(ab- gesehen von dem Festungsbaufond) 2,497,470, Unterstützungen für aktive Militärs und Beamte, für welche keine besonderen Untcrstützungskassen bestehen, 70,800, Jnvaliden-Jnstitut'523,146 (der Jnvalidenfond bleibt für sich), Zuschuß zur Äiilitär-Wittwen- lasse 808,000, verschiedene Ausgaben 107,550 M. An einmali- gen Ausgaben figuriren im Einzelnen: Generalstab 52,050, Geld- Verpflegung für Uebunqsmamrschaften u. s. w. 1,095,245, Maga- zinbauten 397,807, Kasernenbauten re. 1,684,879, Lazareth- bauten rc. 165,000, Train-Etablissements 142,000, Ankauf von Remontepferden 147,600, Remontedepots 360,000, Eisenbahnfahr- kosten 55,320, Militär- Erzichunas- und Bildungs- Anstalten 400,000, Gefängnisse 69,000, Artillerie- und Waffenwesen 450,472, Unterhaltung der Festungen 150,000 Mark. Dies die Zahlen-Umriffe, welche auch die Vermehrung der Eisenbahntrup- pen um zwei Bataillone einschließen, so daß das vorhandene Eisenbahnvataillon zu einem Eisenbahnregiment aufrücken soll. Die Zahl der für die deutsche Armee fertiggestellten Mauser- Gewehre beträgt 1,600,000 Stück. Nächstdem besitzt aber Deutschland in diesen seinen Depots noch einen Gewehrbestand von 680,000 optirten Zündnadel-, 300,000 Werder- und 80,000 umgeänderten Chassepot-Gewehren. Dem gegenüber verfügt zur Zeit Rußland über 1,650,000 Hiuterlade-Gewehre, Frankreich über 1,750,000 Gewehre, Oesterreich-Ungarn über 1,374,000 Werndl- und Wänzl-Gewehre, Italien über 805,000 und England über 850,000 Hinterlade-Gewehre. Diese Zahlen find sicherlich die beste Garantie für den Weltfrieden. Die Arbeiter-Entlassungen mehren sich fortwährend. So sind in Oberschlcsien wieder Hunderte von Eisenarbeitern entlassen worden. Die türkische Regierung macht wunderliche Sprünge angesichts ihrer großen Finanznoth. Da das Geld sehr rar ist und außerdem in der Herzegowina die Bevölkerung seit einiger Zeit von den Herren in Konstantinopel nichts wissen will, hat man im Serail folgende Proklamation zusammen gebraut und an alle„getreuen ftnterthanen" erlassen. Das Schriftstück ist zu intereffant, um es unseren Lesern vorzuenthalten. Der Groß- vezier erklärt nämlich mi Namen seines Gebieters: „Se. Majestät unser allergnädigster Sultan läßt jedem seiner treuen Unterthanen Recht und Huld widerfahren.(Bravo!) Da- von sind alle Jene ausgenommen, welche die Bevölkerung zum Treubruche gegen ihren obersten Herrn verleiten, sowie Jene, die sich verleiten lassen.(Aha!) Für die Ucbrigen, die treu ver- harren in ihrer Unterthanenpflicht und die als ruhige Feldbaucr leben, eröffnet sich in Folge dieser allerhöchsten Verfügung der Weg des Rechtes und das Füllhorn der Gnaden.(Bravissimo!) Auf Befehl Sr. Majestät des Sultans und unter unmittelbarer Aufsicht des Großveziers wird sofort in den Landern die Viertel- steuer abgeschafft. Ferner werden allen Landwirthen und anderen Steuerpflichtigen die sämmtlichen Steuerreste nachgelaffen und Jedem der Steuerbogen verabfolgt, damit er ihn vernichte, was allgemein und öffentlich bekannt zu machen ist. Ausgenommen sind die Begs, die Steuerpächter und die Reichen im Lande. So- weit diese etwas an die Staatskassen schulden, müssen sie unbe- dingt berichtigen. Ferner wird das Volk in den Vilajets-Rcgie- rungen vertreten sein. Es wird seine besten und geachtetsten Männer wählen, und diese werden neben den türkischen Gouver- «euren in dem Verwaltungsrathe Sitz und Stimme haben,(Wie gnädig!) so daß ohne ihre Zustimmung nichts geschehen darf. (Wirklich!) Einmal im Jahre werden diese Vilajets-Regierungen eine allgemeine große Versammlung einberufen, an welcher aus jedem Orte im Lande ein Vertrauensmann Theil nehmen kann, um hier seine Beschwerden vorzubringen und seine Stimme ver- nehmen zu lassen über das, was er für zweckdienlich hält zur Hebung der Wohlfahrt und des Glückes der Bevölkerung. Diese Versammlung wird auch darüber bestimmen, was für Steuern und Abgaben auferlegt werden sollen; und diese dürfen niemals anders als in der gesetzlichen Weise eingezogen werden, wozu einige Beamte zu bestellen sind, die sich über ihr Thun und Lassen verantworten müssen. Zur Bekräftigung aller dieser Anordnungen ist ein kaiserliches Jrade herausgegeben worden, daß nach dem Willen Sr. Majestät unseres allergnädigsten Herrschers überall verkündigt und streng befolgt werden muß. So geoe Gott der Allmächtige unserm erhabenen Herrscher ein langes Leben und dem Volke Glück und Segen, damit die ihm allerhöchst bewillig- ten Wohlthaten zu seinem Gedeihen gerathen." Wer sollte da nicht Verlangen bekommen, ein treuer Unter- than des allergnädigsten Sultans zu werden und über sich das Füllhorn der Gnaden eröffnen lassen, da man obendrein, sobald man nur einer der besten und geachtetsten Männer ist, in dem Verwaltungsrathe Sitz und Stimme hat. Glücklicher Sultan! Glückliche Unterthanen! * Herr Stroustberg ist seinen Arbeitern gegenüber ein nobler Mann. Nicht blos, daß er auf das Rezept des Herrn Eamphausen schwört, sondern er schlägt zur Lösung der socialen Frage noch außerdem höchst eigenthümliche Mittel ein. So ver- tröstet er schon seit mehr denn zwei Wochen in Prag 700 seiner Arbeiter mit der Auszahlung ihres Wochcnlobnes. Trotzdem die Arbeiter sich in der schrecklichsten Roth befinoen, haben sie sich doch noch nicht zu einem Exzeß hinreißen lassen. * Die„Magdeburgische Zeitung" muß unter ihren Lesern und Abonnenten Manchen zählen, den Consumvereine und Gründungen nicht gerade glücklich gemacht haben. So schreibt sie unterm S4. Oktober als Antwort auf verschiedene bei ihr ein- gegangene Klagebriefe nationalliberaler Philister: „Die traurigen Vorkommnisse bei einzelnen Grün- düngen, welche in letzterer Zeit Gegenstand der Erörterungen waren, haben in den Kreisen des unbetheiligten Publikums recht verstimmend gewirkt, zumal dabei Personen eine Rolle spielen, welche seit einer langen Reihe von Jahren das Vertrauen der Bürgerschaft genossen. Schon jetzt hört man Stimmen, welche darauf hinweisen, daß bei den nächsten Stadtverordneten-Wahlen diese Art der Jndustrieritter beseitigt werden müsse." Und weiter lesen wir in demselben Blatte: „Die unangenehmen Vorgänge in der Verwaltung mancher Spar- und Vorschußvereine und die damit für die Mitglieder verbundenen Opfer schienen einiges Mißtrauen gegen diese Ein- richtungen zu erwecken. Jedoch befestigte sich sehr bald das alte Vertrauen wieder, so bald man sich nur überall klar wurde, wie das Genossenschaftsgesetz vollständig ausreicht, um Mitglieder und Gläubiger vor Verlusten zu schützen, wenn es in seinem vollen Umfange befolgt wird. Die Hauptsache ist die den Aufsichts- räthen anvertraute Controle. Diese muß thatsächlich nur von befähigten Leuten ausgeübt werden, weil der gute Wille und die redliche Absicht allein nicht ausreichen. In vielen Vereinen ist in dieser Beziehung bereits eine Aenderung eingetreten und die guten Folgen werden nicht ausbleiben. Daß die Genoffenschaften unter der allgemeinen Verkehrsstockung gleichfalls zu leiden haben, ist unvermeidlich, aber sie werden unzweifelhaft die jetzige Krisis ungeschädigt überstehen, wenn sie eben nur richtig geleitet werden." Ob die guten nationalliberalen Schäfchen aber diesen-trost- losen Worten der Magdeburgcrin viel Glauben schenken werden, bleibt noch abzuwarten. Möglich, daß sie endlich die Geduld verlieren und ihnen doch einmal die Augen aufgehen. Durch Schaden wird man gewöhnlich erst klug. � Zur Illustration des SedantageS spricht vielleicht am besten der Lorfall, daß bei Dirschau zwei Sedanfestredner, Vater und Sohn, die beide reden wollten, aus diesem Grunde in Streit geriethen, wobei der Sohn den Vater schlug, niederwarf und ihn wohl ermordet hätte, wenn die anderen Zechbrüder nicht einge- schritten wären. Der Sedan-Festtedner Soyn ist noch dazu ein Schüler der ersten Gymnasialklasse, also im Besitze„höherer Bildung".____ * Die Tedanfeier unserer Liberalen und der laute Kriegs- jubel erhalten durch die Lage unserer Invaliden oft eine eigen- thümliche Färbung. Fortwährend lesen wir in den Zeitungen HülfSgesuche unterstützungsbedürftiger Invaliden. Wenn nun unsere Liberalen in der That solche große Patrioten sind, als welche sie sich ausgeben, so wäre es entschieden richttger, wenn sie das Geld, welches am Sedanfeste für Illuminationen und anderen Firlefanz vergeudet wird, armen Invaliden zukommen ließen, oder solchen Leuten, welche in Folge des letzten Krieges schwer in ihrem Vermögen geschädigt oder gar finanziell zerrüttet sind. So lesen wir wieder in der„Post" folgendes Hülfegesuch und theilen dasselbe unfern Lesern hier mit: „Als ein zu den ältesten Jahrgängen gehöriger(Frühjahr 1854) im Juli 1870 einberufener Landwchnnann erlitt ich durch meine Abwesenheit vom Geschäfte einen direkten Verlust von über 1000 Thalern. Ich bin Anpächter einer kleinen Bierbrauerei, und wurde mein ganzer lagernder Biervorrath sauer, außerdem verdarb ein gewissenloser Geselle durch Malzen in der heißen Jahreszeit über einen ganzen Waggon Gerste. Auf Vermittelung des königl. Landraths Herrn v. L.... zu Ol.. erhielt ich aus dem Reservefond ein Darlehn von 300 Thalern. Durch den obigen Verlust sind mir außerdem durch Klagen meiner Gläubiger bedeutende Gerichtskosten verursacht, wenigstens 100 Thaler jähr- lich. Unter diesen Verhältnissen außer Stande, meinen einge- gangenen Verpflichtungen wegen Rückzahlung obigen Darlehns nachzukommen, bin ich von der Kreiskorporation des Kreises Ol.., vertteten durch den Landrath Freiherrn v. L----- verklagt worden: 180 Thaler nebst 2'/, pCt. Zinsen und 5 pCt. Verzugs- zinsen zu zahlen. Zur Zahlung dieser Summe nebst Kosten und Zinsen außer Stande, wird gerichtliche Pfändung eintteten und vielleicht mein Geschäft vernichtet und meine Familie dem Elende preis gegeben. Um dieses zu verhüten, bitte ich alle treuen Kameraden und edlen Menschenfreunde öffentlich hierdurch um ein Darlehen. Sollte der Himmel meine Arbeit segnen, dann werde den geehrten Darlehern,' welche solches nicht zurückverlangen, anheimgegeben, zu irgend einem wohlthätigen Zweck hierüber zu verfügen. „Die geehrte Expeditton dieser Zeitung ist zur Annahme dieser Darlehen hierdurch von mir ermächtigt und habe ich zum Be- weise der Wahrheit des Vorgettagenen die betreffende Klage im Originale der Expedirion zugesandt, wo dieselbe zur Einsicht offen liegt." * Am 26. Oktober waren ber_ Verleger unseres Blattes H. Rackow, sowie der Redakteur desselben, A.Küster, vor das hiesige Stadtgericht geladen, um sich einer Nottz wegen, welche in Nr. 90 unserer Zeitung stand, und in welcher eine Beleidi- gung des Konsul Gebhardt in Elberfeld gefunden wurde, zu ver- antworten. Das Urtheil ging dahin, daß H. Rackow als Verleger des Blattes straflos sei; währenddem A. Küster als Re- dakteur desselben zu 150 Rm. Geldstrafe, sowie zur Tragung der Hälfte der Kosten, im Nnvermögensfalle aber zu 14 Tagen Ge- fängniß, verurtheilt wurde. Ebenso muß die Publikatton des Erkenntnisses durch den„Neuen Social-Demokrat" geschehen. Brandenburg a. d. H., 26. Oktober.(Termin.) Den Parteigenossen zur Nachricht, daß am 1. November, Vorm. halb 11 Uhr, ein Termin vor dem Berliner Kammergericht gegen Mischte, Alten- kirch und Schulz wegen Verletzung des§16 des Vereinsgesetzes statt- findet. Die Angeklagten waren in erster Instanz freigesprochen. Hamburg, 23. Okt.(Agitarionsbericht.) Zm Austrage des Vorstandes begab ich mich am 1. Oktober nach Sachsen, um dort in einer Reihe von Versammlungen zu sprechen. Das Ziel meiner Reis- war zunächst Chemnitz, wo ich am Sonnabend, den 2. Oktober, in einer gut besuchten Volksversammlung sprach. Außer in Chemnitz sprach ich noch in folgenden Orten: Zschopau, Gablenz, Franken- berg, Mittweida, Hainichen, Freiberg, Kappel, Oberhohn- dorf, Plenitz, Zwickau, Gößnitz, Schmölln und Altenburg. Die für Crimmitschau und Ronneburg in Aussicht genommenen Ver- sammlungen konnten wegen Lokalmangel nicht abgehalten werden. Die Versammlungen selbst waren säst durchgehends sehr gut besucht, wie auch der Geist unter den Patteigenossen allerorts der beste ist. Von einem„Rückgang" konnte ich nirgends etwas verspüren, wohl aber hörte ich auf meinen Eisenbahnfahrten auch von Personen, welche mit der Socialdemokratie durchaus in keiner Verbindung stehen, so ver- nichtende Uttheile über unser heutiges Witthschasts-System und dann auch über die Lasten, welche das„Reich" dem Volke aufhalse, daß nach diesen Urtheilen zu schließen, die nächsten Reichstagswahlen unseren „Reichsfreunden" sehr schlecht bekommen dürften. Daß die Geschäfts- kttsis auf unserem sächsischen Jndustrie-Proletariat schwer lastet, ist schon oftmals in diesem Blatte besprochen worden, und will ich darauf nicht näher eingehen. Erfreulich ist nur, daß trotz all' des Elends und der Roth, die Arbeiter den Muth noch nicht sinken lassen und fest uud unerschütterlich zu den Fahnen der Partei, zum Socialismus stehen. Ein recht reges Leben herrscht unter den Bergarbeitern in und um Zwickau; dieselben will man mit einer Vereinigung sämmtlicher Knapp- schaftskassen beglücken und diese Gelegenheit natürlich dazu benutzen, um für die Bergarbeiter auch in Zukunft eine Zuchtruthe in den Knapp- schaftskaff-n zur Sand zu haben. Anstatt, was doch das Natürlichste wäre, den Arbeitern die Verwaltung ihrer Kassen selbst zu überlassen und die Verwaltung unter staatliche Kontrole zu stellen, hat man einen Entwurf ausgearbeitet, wonach den' Werkbesitzern der höchste Einfluß gesichert und die Arbeiter zwar zu den Einzahlungen herangszogen. aber mit Rechten sehr wenig bedacht sind. Die Arbeiter nun, welche aus langjähriger Praxis wissen, wessen sie sich alles von Seiten ihrer Herren Werkbesitzer zu versehen haben, haben nicht die geringste Lust, auf den ihnen dargebotenen Speck anzubeißen, und so wird wohl die Liebesmüh' des Herrn Dinier(der Verfasser des Entwurfs) und Kon- sotten eine vergebene sein. Einen recht erfreulichen Beweis für den gesunden Sinn unserer Arbeiter-Patteigenossen lieferten die letzten Landtagswahlen für Sachsen. Trotzdem einige unserer Lokalblätter in Sachsen glaubten aus faktischen Gründen für den einen und andern der Fortschtttts-Kandidaten eintreten zu müssen, so hielten sich unsere Patteigenossen im Großen und Ganzen doch von diesen Wahlen fern, und daran thaten sie ganz recht. Der Social< Demokratie kann es sehr gleichgültig sein, ob im Landhaus zu Dresden Fott- schrittler. Nationalliberale oder Konservative fitzen, ihr gegenüber haben die Herren Alle nur ein Gefühl, und das ist das der Feindseligkeit. Recht belehrend für Jene, welche noch immer mei- nen, daß schließlich zwischen einem Fortschrittler und. einem National- liberalen doch noch ein Unterschied sei, ist die Aeußerung des fottschritt- lichen Zwickauer Bürgermeisters Streit bei Gelegenheit eines Festessens der Fortschttttspattei in Dresden:„er sei Vertreter einer Wählerschaft, in welcher alle freifinnigen und ein guter Theil der konservativen Ele- mente zusammen halten, wenn es gelte, den gemeinsamen Feind, die Social-Demokratie, zu bekämpfen." Die Arbeiter haben nach und nach ihre Pappenheimer kennen gelernt und lassen sich durch Versprechungen, wie die der sächsischen Fortschttttspattei, daß dieselbe im Landtage für das allgemeine Wahlrecht eintreten werde, nicht mehr ködern. Wüßten die Herren von der Fortschrittspartei nicht, daß diese Forderung im Landtage nicht angenommen wird, so würden sie die- selbe nicht stellen. Daß Agitationsreisen nicht ohne mehr oder weniger bedeutende Polizeischwiettgkciten abgehen, versteht sich für nieine Parteigenossen von selbst. So mußte denn auch ich zum Schluß meiner Reise noch ein kleines Polizcimanöver erleben. Es war in Altenburg, wo mir in Folge meiner Aeußerung,„daß bei den Kttegervereins-Festen sehr häufig Rohheiten vorkommen," die Versammlung aufgelöst wurde. Die näheren Umstände, welche diese Auflösung begleiteten, will ich hier nicht weiter ausführen; bemettl sei nur, daß der grohherzoglich alten- burgische Gendarm bei der Auflösung sich genau so— geschickt benahm, als wie dies die Gendarmen und Polizisten allerotts im Reich thun, wenn sie in ihrem Uebereifer und Unverstand dem Staatsbürger das so wie so schon eng geschnittene Vereins- uns Versammlungsrecht ver- kümmern. Zum Schluß sage ich den Parteigenossen allerotts, wo ich war, besten Dank für ihre freundliche Ausnahme, die sie mir gewähtten. Mit social-demokratischem Gruß I. Auer. Frankfurt a. M., 2*2. Oktober.(Versammlung.) Montag' den 22. d. Mts., fand im Lokale des Herrn Pfuhl eine sehr stark be' suchte Volksversammlung statt mit der Tagesordnung:„Die Vertrauten Bismarcks auf dem Kathedersocialisten-Kongreß in Eisenach." Referent war Herr Sabor. Es hieße, den Raum dieses Blattes zu sehr in An- spruch zu nehmen, wollte ich das treffliche, mit ironischen Bemerkungen gegen Revue-Meyer und Ehren-Wagener gewürzte Referat wiedergeben. Der Redner wurde wiederholt durch Beifallsbezeugungen unterbrochen. Nachstehende, auf Wunsch der Versammlung von Herrn Sabor einge- brachte Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die deutsche Re- gierung ist verpflichtet, die witthschaftliche Roth möglichst zu mUdern, hat aber bis jetzt nichts in dieser Beziehung gethan. Ein Eingreifen' des hinlänglich bekannten Herrn Wagener und seiner Anhänger zur Beseitigung der gesellschaftlichen Schäden muß nur das größte Miß- trauen herausfordern." Nachdem noch Herr Pttnz aufgefordert, in die Pattei einzutreten und auf die Patteiorqane zu abonniren, wurde die Versammlung geschlossen. Mit Gruß: Fi ThomaS. Gkttckstadt, 24. Ottbr.(Allgemeiner Bericht.) Sonnabend, den S. d. M., hielten wir eine gut besuchte Volksvettammlung ab. Der Referent M. Otto sprach über„Bildung". Die Versammelten folg- ten mit Spannung dem Vortrage, und als der Referent geendet hatte, traten wieder 14 Mann der Partei bei.— Zu Donnerstag, den 14. d. M., hatte der hiesige.Handwerker-Verein eine Volks- Versammlung anberaumt mit der Tagesordnung:„Varlage zur Gründung einer Alterversorgungskasse". Die Versammlung wurde von dem Einberufer Herrn Braudorn eröffnet und sollte dieselbe ohne Bureauwahl vor sich gehen. Äoch die Versammlung war damit nicht zuftteden und ver langte-vom Einberufer, daß er ttn Bureau wählen lassen sollte. Doch weit gefehlt, die Herren schloffen unter �ein Gelächter der Anwesenden die Versammluug. Nach der Aussage eines Arbeiters, der am Büffet den Herrn Brauvorn fragte, ob dieselbe schon aus sei, habe er geant- wortet: Ja. In Folge dessen bettefen wir zum 20. eine General- Versammlung ein, die zahlreich besucht war, mit der Tagesordnung: 1) Erwächst dem Arbeiter ein Vortheil aus einer Alterversorgungskasse? 2) Und ist ein solches Projekt durchführbar? Herr Richter war an- wesend und zeigte, daß unter den heutigen Verhältnissen ein solches Projekt nicht möglich sei. Mit social-demokratischem Gruß E. Böge. Bremen, 19. Oktober.(Allgemeiner Bericht.) Heute hielieit wir eine außerordentlich stark besuchte Volksversammlung ab. Veran- laffung hierzu gab: 1) die Besprechung der projektitten Bier-, Petto- leum- und Börsensteuer: 2) die Verhandlung der breinischen Bürg«-) schllft über Abänderung des jetzigen Wahlmodus und die Stellung des mit dem gleichen und direkten Stimmrecht gewählten Herrn Mösle zur Wiedereinführung des gleichen und direkten Wahlrechts im bremischen Staate. Referent über beide Punkte war Freund W. Frick. He« Mösle persönlich, sowie alle Gegner waren zu dies« Venammlung ein» geladen. Herr Mösle hatte sich aber durch nachfolgenden Brief ent- schuldigt: H«rn I. Rohwer Hierselbst. Da ich heute Abend nach Berlin reisen muß, um an einer Sitzung des Ausschusses des deutschen Handelstages Theil zu nehmen, welche morgen früh stattfindet, bin ich lei- der verhindert, d« Einladung Ihres Comitö's zu folgen, und ersuche Sie, mich bei demselben zu entschuldige». Hochachtungsvoll und«gebenst A. G. Mösle. Nachdem die Bureauwahl vollzogen, wobei Herr Rohw« erster, Herr Kühn zweiter Vorsitzender und Unterzeichneter Schriftführer wurden,«hielt Freund Frick das Wort. Derselbe erläutette in seinem ausführlichen Referate alle Rachtheile, welche dem Handel, der Produk- tion und Konsumtion aus ein« Steuer auf Bier und Petroleum zugefügt werden und schlug der V«sammlung folgende Resolution zur An- nähme vor: „Die heutige Volksversammlung erklätt sich gegen die Einführung der Bier und Petroleumsteu«. Motive: 1) Eine jede neue Belastung des Volkes und vornehmlich dur indirekte Steuern ist schon ein witthschaftlicher Fehler. 2) Die heutige Zeit, in witthschaftlicher und ökonomischer Bezie- hung die traurigste, die Deutschland seit Jahrzehnten mit durchgemacht, ist am allerwenigsten geeignet, dem Volke zu Gunsten des Militareta immer neue Lasten aufzulegen." Dieselbe wurde denn auch, da Keiner gegen diese Resolution, sowie gegen die Ausführungen des Herrn Frick etwas einzuwenden hatte, einstimmig angenommen.— Alsdann refetttte Herr Fttck noch über den zweiten Punkt unter dem vollen Beifall d« Versammlung und wurde folgende Resolution ebenfalls einstimmig ohne Debatte ang nommen! „Die heutige Volksversammlung erklärt: 1) Indem die Bürgerschaft des bremischen Staats die Wiedereinführung des gleichen Stimmrechts abgelehnt, hat dieselbe in bedauerlicher Weise den Ideen des Fortschritts und der Aussöhnung der Klassengegensätze auf dem Wege der Gesetzgebung sich abgeneigt«klätt 2) Spricht die heutige Volksversammlung denjenigen Mitgliedern d« Bürgerschaft, die Vertheidiger des gleichen Stimmrechts gewesen, ihren Dank aus. 3) Bedauett die Volksversammlung die Motte des Reichstugsabge- ordneten Mösle, soweit dieselben gegen eine Wiedereinführung des glei- chen Stimmrechts in ruhigen Zeiten gerichtet waren. 4) Findet die heutige Volksv«sammlung in d« Handlungsweise des Herrn Mösle, dem das gleiche Stimmrecht einen Sitz im Reichs- tage gab, eine bedauerliche Inkonsequenz, erklärlich nur durch Klassen- Vorurtheile." Desgleichen wurde auch ein Antrag zur Tellersammlung ange- nommen. Mit social-demokratischem Gruß C. Lochte, Schttftführ«. Altoira, 24. Oktober.(Quittung und Berichtigung.) Für Wehrenberg sind nachträglich durch Molkenbuhr aus Bramstett beim Unterzeichneten 21 Rm. eingegangen. Zu bettchtigen ist bei der ersten Abrechnung: Daselbst muß es heißen anstatt Branner, Brauer; at statt Wegner, Wagner; und überall da, wo es heißt, zweite Rate, in zwei Raten. Für das Comitö: E. Brückmann. Cassel, 25. Oktober.(An alle Schneider Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz.) Den Geschäftskollegen zur Nach- richt, daß ich hier in Kassel ein unentgeltliches Arbeits-NachwttsebureaU errichtet habe und befindet sich dasselbe„Zum goldenen Löwen", obere Ziegengasse 4 beim Gastwirth Fritz Buhle. Es werden alle zureisend« Kollegen gebeten, nur hier hinzugehen und nicht auf die H«berge „Zur Heimath". Alle Arbeiterblätt« werden um Abdruck ersucht. I. Meise. Leipzig, 26. August.(Allg. deutscher Schneiderverein.) Allen Genossen hiermit zur Nachricht, daß in der am 11. dss. hier ad- gehaltenen Mitgliederversammlung Unterzeichnet« als Bevollmächtigter gewählt wurde. Als Beitragsamml« wurden Hermann Kern, Wiesen- straße 181), 3 Tr., und Franz Bosch, Jakob Mühlländer, sowie Emil Pätzel als Revisoren gewählt. Als Beitragsamml« zur Krankenkasse wurde Heinttch Kreuzer, Blücherstraße 25, 4 Tr., wieder gewählt. Mit brüd«Iichem Gruß August Zipfel, Plagwitzerstraße 13, 4 Tr. Wiesbaden, 23. Oktober.(Allg. deutsch. Töpferverein.) Den Bevollmächtigten zur Nachricht, die mir noch kein Resultat der Urabstimmung haben zukommen lassen, daß, wenn ich binnen acht Tagen keine wett«e Nachttcht erhalte, die Beitragserhöhung als angenommen bettachte. Es haben folgende Städte mit„Ja" gestimmt: Uetersen, Hamburg, Darmstadt, Wiesbaden. Franksutt und Mainz.— In der Abrechnung unter Ausgabe 115,70 Mark pro August sind 30 Mark mit einbegriyen für Unkosten der Generalversammlung zu Meißen. Für Dresden wurde als Bevollmächtigter bestättgt: Hermann Schicket, Schäscrstraße 20. Das Arbeits-Nachweisebureau und die Herberge be- finden sich große Brüdergaffe 12 bei Herrn Schröder. Mit kollegiali- schem Gruß Jos. Schweis, Vorsitzender, Korlstt. 28. Reinhold Bollschweiler, Hauptkassirer, obere Rheinstr. 70. Chemnitz, 10. Okt.(Gewerksgenossenschaft der Maurer und Zimmerer.) Am heutigen Tage fand auf Veranlassung der Chemnitzer und Dresdener Mitglieder der Gewerkschaft eine Konferenz hierselbst statt, welche die Tagesordnung: Auf welche Art und Weise ist eine wirkliche Vereinigung der Gewerkschaft mit den Organisationen des deutschen Maurer- und Steinhauerbunges und des deutschen Zim- m«erv«eins herzustellen, behandelte. Vertreten war die Gewerksgenossenschaft seitens des Borortes Braunschweig durch H Rieke, die Mitglieder von Chemnitz, Dresden und Leipzig durch mehrere Delegitte, der deutsche Maurer- und Steinhauerbund durch H. Schöning, Ham- burg, der deutsche Zimmererv«ein durch O. Kapell, Berlin. Sämmtliche Anwesende sprachen sich im Prinzip für die baldmög- lichste Vereinigung aus und wurde nach eingehender Debatte auf Antrag Rieke's beschlossen: Die Trennung der Maurer und Zimmerer innerhalb der Gewerksgenossenschaft, resp. deren Aussösung, behufs Ein- tritt in den deutschen Maurer- und Steinhauerbund, resp. in den deut- scheu Zimmererverein, zum Zwecke einer Urabstimmung den Mitgliedern der Gewerksgenossenschaft zu unterbreiten, und die Vereinigung auf folgender von Otto Kapell beanttagter Reorganisations-Grundlage auf- zubauen: Reorganisations-Vorschlag zur Vereinigung von Otto Kapell. „Die Gewerksgenossenschaft der Maurer und Zimm«« löst sich auf, und tritt so der Beschlußfassung der Generalversammlung zu Hanl- bürg bei; die Mitglieder, welche Maurer sind, treten in den deutschen Maurer- und Steinhauerbund, die, welche Zimmerer sind, in den deut- schen Zimmererverein als vollberechtigte Mitglieder, ohne Einschreibegeld zu zahlen. Die Bestände der Centralkasse der Gewerksgenofsen,chalt— nicht der Kranken- und Unterstützungskasse— sowie die Lokalkasienbestände dieser Gewerkschaft an den einzelnen Orten, werden nach der Kopfzahl der dabei betheiligten Maurers und Zimmerer gelheilt, und aä 1 der Centralkasse des deutschen Maurer- und Steinhauerbundes, resp. der des deutschen Zimmerervereins, all 1 den an den ernzelnen Orten bestehenden Lokalkassen- Beständen beider Organisationen zu- geführt.' � Die Kranken- und Sterbe-Unterstützungskasse der Gewerksgenossen- schaft bleibt hingegen mit ihren ganzen, jetzt geltenden Satzungen be- stehen, und zwar unter den Namen l Kranken- und Sterbe-Unterilützungs- lasse für Mitglieder des deutschen Maurer- und Steinhauerbundes und des deutschen Zimmerervereins. Die Verwaltung der Kranken- und Sterbe-Unterstützungs-Centralkasse wird von einem früheren lllitgllede der Gewerksgenoisenschast übernommen, und muß der Vorort dieser Centralkasse in einer Stadt sein, in welcher die Gewerksgenossen, chast ftüher Mitglieder hatte. Die Bestimmung, resp. Wahl des Vorortes, in welchem die Centralkasse ihren Sitz haben soll, sowie die Wahl des Centralkassirers, welcher diese Kasse verwaltet, wird einer Urabstimmung ber früheren Mitglieder der Gewerksgenossenschast überlassen. Die Mitglieder des deutschen Maurer- und Steinhauerbundes, sowie die deS Zimmerervereins, betheiligten sich an dieser Wahl und Abstimmung nicht, erklären aber hiermit, die Resultate dieser Wahl— in Betreff des Centralkassirers der Kranken- und Sterbe-Unterstützungskasse, sowie die des Borortes— in jeder Beziehung anzuerkennen. Die Beiträge zur Kranken- und Sterbe-Unterstützungskasse werden an den einzelnen Orten durch einen besonderen Beitragsammler einge- Zagen, und werden getrennt von den Lokalkaffenbeständen der Mitglie- der des Deutschen Maurer- und Steinhauerbundes, sowie des Deut- schen Zimmerervereins venvaltet. Die Wahl dieser Beitragsammler geschieht in einer gemeinschastlich von Mitgliedern beider Organisationen abzuhaltenden Versammlung. Da, wo die Mitgliederzahl berder Orga- nisationen eine starke ist, und jede Organisation ihre Versammlungen selbstständig abhält, kann zur Aushülfe des Beitragsammlers ein Bet- sitz« gewählt werden, welcher dann gemeinschaftlich mit ersterem die Beiträge einzieht. Da, wo die Mitgliederzahl eine nicht so große ist, und die Lokalverhältnisse es ermöglichen, sind— nach Vereinbarung beider Bevollmächtigten— gemeinschaftliche Versammlungen abzuhalten. Der Beitragsammler hat für die richtige Buchung der Gelder, sowie für dl« allvierteljährliche Absenduna des laut Statut bestimmten The,- les der~ 1=—...... ......-ivienoung oes ,aur �-iievidirt wird les der Beiträge, mit aller Pünttlichkeit elnz"■. t �vankeu» und dieser Beitragsammler von drei, von Mttgfteden.z)!» Adresse des Sterbe-Unterstützungskasse zu wählenden Revizr� � gentrat, Lokal-Beitragsammlers, sowie die der drei Revlso, kassirer genau anzuzeigen. einer DraamfaHniTLcT iU5enn an elncm �rr ziiy nur �tiiglieoer und Berwaltuna ier vu-f'»'l �a6en au� diese für die Einziehung kasse einen besonderen Kranken- und Sterbe-Unterstützungs- dürfen die Beierns,- ��ammler zu wählen-, in keinem Falle bunNeü i.!. gsammler des Deutschen Maurer- und Steinhauer- .... �ui.qen Zimmererverems. mit°er Ewj.-yung, resp. Verwaltung dieser Gelder etwas zu thun Häven. kass« An dem Vorort der Kranken- und St-rb-� UnteMtzungst treten die Mitglieder beider Organisationen zusammen un n � diese Kasse einen Vorstand, bestehend aus fünf ultil)uen dieses Personen wählen sich selbst ihren P°rsttzenden. Di 6 Vorstandes erstrecken sich aus die Bewilligungvon Un sowie auf die Revision der Central-Kranken- und St.rbe-Unterswtzung kasse, wobei genau nach dem Statut zu"erfahren, dieser Alljährlich findet«ine Generalversammluns S ��iedern Kranken- und Sterbe-Unterst.-Kasse gemeinschaftlich V deutschen des deutschen Maurer- und Steinhauerbundes und denen d�euts� Zimmerervereins statt, in welcher ber Centrai rechnung über Einnahme und Ausgabe des versl'.--- >»«»* nur wirNichen Mitgliedern beider Organisationen ges-airel. Alle diese B-sti.nmungen werden- s°«-'t�d°mnw� nrq enthalten sind- dem Statut der Kranken- und St�be-UnterstUtzung� kasse angepaßt, und zwar nach S��ner Ura��, arm�Utt Kommission von drei Bersonen. bestebend .-----nmissron von drei Personen, bestehend..... Berireirr ber Central-Kranken- und Sterbe-Unterstutzung-Ia, des des deutschen Maurer- und Steinhar�rbundes deutschen Zimmerervereins Dieie Komni.N.on s.v. aus dem gewühlten Kassirer einem Vertreter ..> o.................. Diese Kommission hat n-� d-r«m>a�e dieser� Reorganisations-Vorschläge so schleunig ivie möglich die Revision Statuteii vorzunehmen. ,,.-�e!iuagt ve»«vrortes. Ilich durch Urabstimmung...„..WWW �..ieralversammlung gültig, alsdan» o»stimmt die Generalversammlung selbst den Vorort und wählt auch den Kassirer." Mitglieder der Gewerksgenossenschast der Maurer und Zimmerer! MiDiee sind die Vereinigungs- und Reorganisations-Vorschläge, welche die Konferenz durch mich, den Unterzeichneten, zur Urabstimmung unterbreiten läßt, während andererseits dem Ausschuß des deutschen aurer- und Steinhauerbundes, sowie dem deS deutschen Zimmerer- Vereins di»i-. aw-i?».. � — sowie oem oes oeu�cyen Mi verems diese Vorschläge edeiifalls unterbreitet werden. Wollen tzesammten Deutschland endlich als vereinigte Kraft für die Verbesserung unserer Lage eintreten, so ist es nothwendig, dies« Vorschläge anzuneh- wen, dann wird aller Wirrwarr verschwinden und ein einiges Vorgehen zum Besten Aller erfolgen können. Bedenkt daher, worüber Ihr diesmal entscheiden sollt, die Abstimmung bedeutet: Frieden, Ewigkeit b Aufblühen der Bewegung, oder«ber: noch längeres GetheiltseiN, noch längere Zersplitterung und Verzichten auf ein kräftiges Vorwärts- kommen! Stimmt daher, wie es Euch Euer Herz eingrebt, und das P"u;ip wird siegen., Werden diese Vorschläge durch die Abstimmung angenommen, dann Wen die Mitglieder sofort die Wahl der Person, ivelche als Central- »asnrer der Kranken- und Sterbe-Unterstützungskasse sungiren soll, vor- zunehmen und ebenso die des Vorortes dieser Kasse zu bestimmen. . Das Resultat dieser Urabstimmung ist mir dann bis spätestens al>. November d. I. zu übersenden, und wird dasselbe allen Mitgliedern bekannt gegeben werden.,.. irf-r-t �et Hoffnung, daß die Vereinigung zu Stande kommen wird, ich ießi mit Brudergruß. ߣ, Hermann Knof, Chemnitz, Brühl Nr. 6— „ Altona, 2«. Oktober.(An die geehrten Abonnenten des »P-uen Social-Demokrat" und„Volksstaat») Part-.ge»oi,en. "»r stehen in einem neuen Quartal. Darum ersuche ich e, neu Jeden °°" Euch, nicht zu unterlassen, recht tüchtig einzutreten für die Parter ?!•%, und ermahnen alle Diejenigen, die von Anfang des Quartals In» nicht abbestellt haben, dies so viel wie möglich»u unter- °ssen denn die Blätter, die jetzt noch abbestellt werden, liegen der statte, zur Last. I. A.: Aug. Brauer. b. Nß. Wir ersuchen alle Diejenigen, die ihre Wohnung verandern 2« genaue Adresse bei oen Kolpotteuren anzugebe», damtt keme Störung eintreten kann. D. O. � Massel, 25. Okt.(An die Abonnenten der Parteipresse) noch für November und Dezember abonn.tt werden kann so bM° � b'e Parteigenossen, dafür Sorge zu tragen, daß dte Parw- b..Reuer SociZ-Demokrat" und„Volisstaat". d.e n-e.t° te Ver- Nng finden. Bei folgenden Wirthen liegt der«Neue Soc.al-Demo- aus: Schwem, Wesethor 10, Wem au, der Ahne, Werbach, Dru- aatt �(auch zugleich Bersammlungslokal), Buhle, pdere Z g der �/außerdem der„Volksstaat", der„Botschafter der Vorbote, nr. �„Weck-�" v.- �—«— ��ksblatt"'' WCI' jjrgan oer Riempner, uno„Hamv.-Attvnaer Cgchx r->■ Ich ersuche die Parteigenossen, im Interesse der großen �Urch nier! m zu verkehren, wo die Parteiblätter aufliegen, denn da- blätter. taeu sich noch andere Wirthe veranlaßt sehen, auf die Partei- zu abonniren. Mit social-demokrattschem Gruß I. Meise, Agent. der„Bote", Organ der Klempner, und„Hamb.-Altonaer Kopenhagen, 24. Oktober. Die Bourgeoisie ist unerschöflich im Auffinden von Mitteln, die Social-Demokratie im Wachsthum zu h indem; das„Aus- rotten" derselben hat man sich jetzt aus den Gedanken geschlagen und die Herren von der Regierung, der Polizei und der gesamm- ten Bourgeoisie hängen traurig den Kopf, indem sie gewiß mur- mein: II»«out passes, les jours äes tetes:*) o ja, die schönen Tage, wo man den Arbeitem alles Mögliche und Unmögliche bieten konnte,— sie sind vorüber. Unser Hauptbestreben geht aber darauf aus, die Kapitalmacht gänzlich zu beseitigen und die Macht der Arbeit an ihre Stelle zu setzen. Um nun auf die „Mittelchen" zurückzukommen, so hat man vor etlichen Monaten einen halbverhungerten und halbstudirten Literaten bewogen, ein sogenanntes Tendenz-Schauspiel zu schreiben, welches gegen den Socialismus und Atheismus genchtet war. Lange scheute man sich, dieses elende Machwerk aufzuführen, doch— Etwas mußte gethan werden und so sah dieses.eufant perdu-1**) das Licht der Welt auf dem sogenannten„königlichen" oder National-Theater. Man denke sich einen solchen Unsinn,„Irrlichter" genannt, auf- geführt zu sehen auf der früher berühmten dänischen Schaubühne, wo nur die besten Dichtungen dänischer und fremder Dichter dem Publikum vorgeführt wurden. Wie tief muß die Regierung eines Landes gesunken sein, welche erlaubt, daß neun Zehntel des Volkes verspottet werden aus einem Theater, wozu das Volk selbst das Geld bewilligt hat. Ja, mehr als dieses, denn man hat die Bewilligung des Reichstages zu diesem Gebäude mit ohngefähr 160,000 dänischen Thalem überschritten und wer An- ders, als das gutmüthige Volk muß die Koste> bezahlen? Doch man hatte dieses Mal die Rechnung ohne- den Wirth gemacht. Das elende Stück wurde in drei aus einander folgenden Abenden so gründlich von den Anhängem des Atheismus und Socialismus ausgepfiffen, daß man noch lange daran denken wird, obschon die Polizei und die Bourgeoisie alle Hebel in Bewegung setzte, um ihren Zweck zu erreichen.— Das zweite Mittelchen hat unsere Bourgeoisie in einem verunglückten Subjekt gefunden. Ein schwedi- scher"sogenannter voetor philosophiae, Lindmann ist sein Name, ein Geisteskind wie Euer Dr. Lindwurm, der lächerliche Wander- lehrer a. D. Diester-, ein verschriebener Doktor, der sogar einmal das Unglück gehabt hat, wegen Bettelei bestraft zu werden, hat kürz- liib hier zwei Vorträge gegen den Socialismus gehalten und da- bei so viel Blödsinn entwickelt, daß es selbst unserer Bourgeois- presse des Guten zu viel schien, indem sie bemerkte, daß die Dummheit und Unwisienheit des-Mannes den Socialismus eher fördern als schädigen würde. Unsere Arbeiter-Kommission, die ich in meinen früheren Korrespondenzen berührt habe, hat schon ihre erste Sitzung gehalten, etwas Unerhörtes bei unseren Behörden, deren Langsamkeit zum Sprichwort geworden ist, ob aber Etwas verhandelt wurde, weiß man nicht.— Der Strike der hiesigen Schiffszimmerer dauert hartnäckig fort und zwar schon im sechsten Monate, obwohl kürzlich Einige, diezur alten Hauszimmerzunft gehören auf den Werften arbeiten, und sich nicht schämen, ihren Kameraden zu schaden. Es wäre wünschenswerth, wenn die deutschen Schiffs- zimmerer ihre hiesigen Kameraden unterstützen wollten, denn wir haben jetzt nicht weniger als drei große Strikes zu unterhalten; außer den Schiffszimmerern die Klempner und Cigarrenarbeiter in der schwedischen Stadt Malmö, einer Filiale des dänischen Tabak-Arbeiterbundes. Doch trotz alledem schreitet unsere Partei rüstig vorwärts. Im nächsten Briefe werde ich die Uebersetzung des Aktenstückes senden, welches die hiesige Arbeiterpartei an die französische Regierung geschickt hat, wegen der schändlichen Be- Handlung der gefangenen Communards in Neu-Caledonien. Mit Brudergruß an alle deutschen Parteigenossen C. W. Klein. Laien- Evangelium. (Bon Friedrich Sallet.) (Fortsetzung.) Vom rechten Almosen. „Habt aber Acht und gebt nicht Almosen, Auf daß es nur die Leute sollen seh'n! Laßt vor euch her nicht mit Posaunen tosen: Daß Alle rings, verwundert, um sich dreh'n! „Die Heuchler machen's so in Schul' und Gaffen, Die nur, daß man sie preise, thun, was gut, Du aber, giebst du, sollst nicht missen lassen Die linke Hand, was deine rechte thut! „«ie haben ihren Lohn dahin in Worten. Laß vu»»«-borgen deine Gabe sein! Dein Vater, der Vecborg'uos aller Ort»i, Erschaut, wird öffentlich dir Loh» verleih'«."—, Auch jetzt noch fehlt's uns nicht am Ausposaunen. Oft ist der Dürftige, wird er beschentt, Ein Werkzeug nur hochmüth'ger Prahlerlaunen, Vor aller Welt erniedrigt um gekränkt. Doch schlimmer ist die feine Heuchlersorte, Die, im Vertrau'», nur, was sie that, erzählt, Von„Zartgefühl" macht viele schöne Worte, Und, heimlich grausam, den Beschenkten quält. Mit ernsthast feierlichen Schützermienen, Mit halb verbissenem Verdruß wohl gar, Reicht man dem Lump, der demuthvoll erschienen, In abgemess'nem Akt die Gabe dar. Um vor sich selbst als Redner auch zu glänzen, Beschenkt man obendrein den armen Wicht, Ermahnend, mit moralischen Sentenzen. Cr nimmt sie hin mit traungem Gesicht. Ich möchte so vor keinem Menschen stehen: Ihn sich bedanken lassen feierlich, Und, vornehm nickend, dann ihn heißen gehen— In jenes Armen Seele schämt' ich mich. Der Meister, den ihr schmäh't, weil er im Leben Ein Handwerk aus der Tugend nie gemacht, Er sagt im Faust:„Legt Anmuth in das Geben!" Ein ächter Christ, der solch ein Wort gedacht! Doch freilich, Anmuth in das Geben legen Kann nur ein tiefanmuthiges Gemüth, Drin, Blüthenregen ttngs und Früchtesegen Verstreuend frei, der Baum der Liebe blüht. Dem ist ein freudig Seelensest das Geben, Das er den Bruder mitzufeiern sieht, Ein süß Geheimniß, das er nur mit Beben, Es zu entheiligen, sich selbst gesteht. Wer so thut, läßt dke linke Hand nicht wissen, Auf wem er läßt die rechte segnend ruh'n. Nicht der, der sich des Wohlthuns nur beflissen, Um vor sich selbst im Stillen groß zu thun. Das dümmste Heucheln ist es, weil das feinste, Wenn man sich selbst und Gott will hintergeh'n, *) Die Festtage sind vorbei. **) Der verlorene Sohn. Und sich berechnet, was man gab, das Kleinste, Und denkt: bei Gott wird's angekreidet steh'n. Und im Bewußtsein schleppt man's, wohlbedächtig, Wahrend und mehrend mit sich, Zahl an Zahl, Und lächelt: deine Rechnung steht ja prächtig! Du könntest karg und hart sein auch einmal.— Dann läßt man sich auch nicht die Freude nehmen, (Damit sich doch das Schutzrecht nicht verwischt) Den armen Schützling liebreich zu beschämen, Indem man ihm Genoss'nes neu auftischt. Her an den Fingern zählen's rohe Seelen, Doch wer des Zartgefühles Werth erkennt, Weiß unter Blumen halb es zu verhehlen, Rur hie und da leis schärfend den Accent. Pfui! schämt euch! Wer den Bruder so erniedert Vor sich, der hat, in ihm, sich selbst entehrt. Wenn'S ihm zuletzt vor eurer Wohlthat widert, So habt ihr ihm den Undank selbst gelehrt. Ihr habet euren Lohn dahingenommen In eurer eig'nen Aufgeblasenheit. Den reinen, ew'gen Lohn wird der bekommen, Des Gaben reine, ew'ge Liebe weiht. Wenn du aber betest, so geh' in dein Kämmerlein. '„Und betest du, thu's nicht den Heuchlern nach! In Schulen, an den Ecken, auf den Gasten� Stehn sie beim Beten gern, sich selbst zur Schmach, Daß sie sich vor den Leuten sehen lassen. „Sie haben ihren Lohn dahin. Doch du Geh' in dein Kämmerlein, so du willst beten! Und im Verborg'nen dort, die Thüren zu, Bor deinen Gott und Vater hinzutreten. „Und er, dem das Verborg'«« offenbar, Der Vater wird dir's öffentlich vergelten." � Nicht deut' ich euch, was jedem Kinde klar. Auch ward des Heuchelns plumpe Rohheit selten. Gebrandmarkt vom gesunden Sinn der Zeit, Trägt sie das Maal des widrig Lächerlichen. Doch seid ihr von dem Gifte nicht befreit; Die fein're Art nur hat sich eingeschlichen. Man macht's, weil keinen Glauben mehr gewinnt Das Aushängschild verfertigter Geberden, Gleich dem Schauspieler, der damit beginnt, Zu täuschen Andre, selbst getäuscht zu werden. Man lügt sich in der Rührung�Rausch hinein, Um sich, die Welt, Gott— ehrlich zu betrügen; Ja! man vergißt, daß Alles Trug und Schein, Und glaubt am Ende selbst den eignen Lügen. Wohl euch, ihr Reinen, die ihr mich nicht faßt; Doch traut nicht denen, die auf Kanzeln weinen, Roch denen, die, oft wo's am schlechtsten paßt, Ein Wort der Salbung dem Gespräch vereinen. In eure Brust greift Alle! daß ihr fühlt, Ob nicht mein Wort den faulen Fleck getroffen. Der ist in Lügenkoth ganz eingewühlt, Der vor sich selbst nicht ehrlich ist und offen. Weh ihm! verlor er Beides, Mnth und Macht, Hinabzusteigen zu des Herzens Kerne, Zum Born des Lebens, d'rin, in heil'ger Nacht Sich spiegeln treu der Wahrheit ew'ge Sterne. Dort ist das Heiligthum, das Kämmerlein, Wo du dich betend deinem Gott sollst einen. Laß die Kleinodien aus diesem Schrein Nicht in des Lebensmarktes Lichte scheinen! Sonst machte sich der Mensch, nur halbbewußt, Sein Innres klar in äußrem Thun und Zeichen. Jetzt machte Christus heimisch deine Brust Dir selbst. In dich mußt du der Welt entweichen. Den Tempel laß von Holz und Steinen dort! In des Gemüth es Tempel sollst du wallen, Drin Orgelklänge brausen fort und sott, Dttn Gottes Lebensworte nie verhallen. Doch nicht in prahl'nscher Prozession Darfft du die hcil'gen Bilder schauen lassen, Marktschreien nicht im Litaneienton An allen Ecken und auf allen Gassen. Dem Vater sei geheiligt und geweiht All dein Gefühl, d'rum halt' es hinter Gittern! Denn Tempelraub ist's und Schamlosigkeit, Machst du's zu deiner Narrenjacke Flittern. Gleich einer Jungfrau, keusch und still entkeimt, Ist das Gefühl gesunder, schlichter Christen. Gleich einer Hute, frech uüd abgefeimt, Das der Empfindler und der Pietisten. (Fottsetzung folgt.) Eine Illustration christlicher Liebe. Auf den Konferenzen und Versammlungen, welche unsere evangelischen Pastörchen alljährlich zum„Heile" der Menschheit abhalten, kann man fortwährend große Deklamationen hören, welche sich in Lobeserhebungen über den Humanismus der Pfaffen gegen die arbeitenden Klaffen ergehen. Zu allen Zeiten, wird da verkündet, hat der arme und gedrückte Mann an der christlichen Kirche eine sichere Stütze gefunden und wenn heute die Arbelter sich nur wieder von den Herren Predigern lenken lassen wollten, die sociale Frage würde sehr bald gelöst sein. Wie sehr aber die Wirklichkeit diesen schönen Worten entgegentritt, ersehen wir schon aus der Stellung, welche der Protestantismus gleich bei seiner Entstehung gegenüber dem Elende des Volkes einnahm. Aus einem Werke, das ein evangelischer Geistlicher in Württemberg über die Geschichte des ersten Viertels des 16. Jahrhunderts veröffentlicht hat, entnehmen wir zur Charasteristik der christlichen Liebe zum sog. gemeinen Manne, speziell des Benehmens, welches Luther gegenüber den Bauern einschlug, das Rachstehende.- Man hat Luthern es zu großem Ruhm gerechnet, den Was- senswrm des Volkes durch sein Wort zum Theil beschworen zu haben. So gewiß es ist, daß, wäre Luther an die Spitze der bürgerlichen Bewegung getreten, er ein unermeßliches Gewicht in die Schale geworfen hätte: so gewiß ist, daß in demselben Augen- blicke, als er der Sache d»» Volkes entgegen und auf die Seite der Fürsten trat, sein Ansehen und sein Wort beim größten Theile des Volkes unermeßlich verlor. Das beweist der Auftritt zu Orlamünde; �us beweist der Erfolg seiner Rundreise in den sächsischen Lcr jCn,„Luther heuchle jetzt den Fürsten," so hieß es in Tbu-.ngen, sc in Oberschwaben. Räch dem Erscheinen der zwölf 7>rtikel der Oberschwaben wollte er in seiner Antwort dar- auf Zerren und Volk zu gütlicher, friedlicher Uebereinkunft be- stimmen, und während er den Regierenden über ihre Gewalt- thaten in's Gewissen redete, während er sagte, es seien nicht Bauern, die sich wider sie setzen, Gott selber sei's, der sich wider fte setze, ihre Wucherei heimzusuchen, und während er zugleich den Regierten Ausruhr als ungöttlich und uneoangelisch venvies, schloß er damit, daß die Herren ihren steifen Much herunter lassen und ein wenig von ihrer Unterdrückung und Tyrannei weichen sollen, damit der arme Mann Luft und Raum zum Leben gewinne; daß die Bauern aber auch sich weisen zu lassen, und etliche Artikel, die zu viel und zu hoch griffen, aufzugeben haben, damit die Sache nach menschlichem Recht und Bertrag gestillet werde. Aber dieses Justemilieu, oder wenn man lieber will, diesen Standpunkt über beiden Parteien verließ Luther schnell, er schlug 'auf die äußerste Rechte um, und Gesinnung und Sprache wurden despotischer, als die der Despoten selbst. Seine besten, seine nächsten Freunde erschraken. Mehreres wirkte in ihm zu solchem Umschlag zusammen. Zuerst regte Menschliches sich bei ihm, und trübte seinen Blick und reizte seine Leidenschaft: seine wohlge- meinte Ermahnung, der er so viel Zaubermacht zugetraut, wurde von den Bauern gar nicht beachtet, der Sturm legte sich nicht auf sein Machtgebot; das verdroß ihn. An der Spitze der Volks- bewegung und hoch von ihr empor getragen, standen in seiner nächsten Nähe als gefeierte Männer des Volks Carlstadt, den er wegen des Abendmahls, und noch mehr seit die Orlamünder mit Steinen nach ihm geworfen, tödtlich haßte, und Thomas Mün- zer, auf den er schon lange eifersüchtig, und der sein heftigster Gegner war. Das verdroß ihn noch mehr. Zu' gleicher Zeit kam die Nachricht von der That zu Weinsberg und das Geschrei darüber zu seinen Ohren, und wie Alles auf ihn und seine Re- fonnation zurück geführt»verde, wie namentlich Herzog Georg von Sachsen Alles ihm zumesse. Ohne einen Augenblick daran zu denken, daß ihm die meisten Artikel der Bauern soeben noch billig vorgekommen, daß er selbst gewissermaßen öffentlich zuge- geben, daß ihre Sache gut und recht sein könne, daß er nur nicht das ganze Einsehen eines Rechtsgelehrten darin habe, ohne zu hören, wie sehr die Herren zu Weinsberg durch treuloses Morden an Hunderten, ivährend des Stillstandes arglos daher ziehenden Bauern, durch das vergossene Blut ihrer Brüder an der Donau, durch Verhöhnung alles Kriegs- und Völkerrechts, das Straf- gericht verschuldet hatten: nahm Luther die Weinsberger für alle Bauern, und schrieb„wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern". Jetzt seien sie ganz rechtlos:„man soll sie zerschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man eiuen tollen Hund todtschlagen muß." Die Obrigkeit, schloß er, welche zaudere, thue Sünde, da den Bauern nicht genüge, selbst des Teufels zu sein, sondern sie viele fromme Leute zu ihrer Bosheit und Verdammniß zwingen." Darum, liebe Herren, loset hie, rettet hie; steche, schlage, würge sie, wer da kann. Bleibst du darüber todt, wohl dir; seligeren Tod kannst du nimmermehr überkommen." So oft die Päpstlichen von da an zur lutherischen Predigt läuten hörten, sagten sie: Da läutet man wieder die Mordglocke. Selbst der mansfeldische Kanzler Müller griff ihn wegen blut- dürstiger Unbarmherzigkeit an, und Luther schien allerdings um so weniger zu entschuldigen, als er kaum ein paar Tage zuvor einen Vertrag empfangen hatte, den die Bauerschaften in ande- ren Gegenden, die Allgäuer mit ihren Herrschaften, ihm zu großer Freude eingegangen hatten. Je mehr aber das Volk, je mehr Freund und Feind über ihn daher fuhr, desto verbissener, ver- härteter wurde er nur, er, der nach Melanchthons Zeugniß keinen Widerspruch ertragen konnte, und, wie Carlstadt und Münzer ihm vonvarfen, als ein zweiter Papst für untrüglich zu gelten, sich im heißen Kampfe gewöhnt hatte; vom ersten Widerspruch mit sich selber an verwickelte er sich in einen wahren Knäuel von Widersprüchen und überstürzte sich ganz. Die mengen sich selbst unter die Aufrührerischen, sagte er, die sich derer erbarmen, wel- cher sich Gott nicht erbarme, sondern die er gesttaft und verderbt haben wolle. Dann,»venu man.sie verderbe, werden die Bauern sie die andere im Frieden genießen können; und die Fürsten werden durch den Aufruhr erkennen lernen, was hinter dem Pöbel stecke, der nur mit Gewalt regiert werden könne. Und an den Doktor Röhl schrieb er:„Daß die Leute mich einen Heuchler schelten, ist gut und ich höre es gern. Ich müßte viel Leder haben, sollte"ich einem Jeglichen sein Maul zuknäufeln. Daß man den Bauern will Barmherzigkeit wünschen: sind Unschuldige darunter, die wird Gott wohl erretten und bewahren, wie er Lot und Jeremiä thät; thut er es nicht, so sind sie gewiß nicht un- schuldig, sondern sie haben zum Wenigsten geschwiegen und be- -willigt. Der weise Mann sagt: Cwus, onus et virga asino, in einen Bauern gehört Habersttoh. Sie hören nicht das Wort und sind unsinnig, so müssen sie die Virgam, die Büchse, hören, und geschieht ihnen recht. Bitten sollen wir für sie, daß sie gehör- chen; wo nicht, so gilt's hie nicht viel Erbarmens. Lasse nur die Büchsen unter sie sausen, sie machen's sonst tausendmal arger." Luther vergaß sich so weit, zu sagen,„die Leibeigenschaft aufheben wollen, wäre ein Artikel stark wider das Evangelium und räuberisch, weil damit Jeder seinen Leib, welcher eigen»vor- den, seinem Herrn nehme. Abraham und die Patriarchen haben auch Leibeigene gehabt, und Paulus spreche, Gal. 4, daß in Christo Herr und Knecht ein Ding sei". Das Letztere war nun greiflich falsch ausgelegt, und der Sinn des Apostels gerade das Gegentheil. Die reine Lehre Christi, wie er sie lehrte, wollte nichts wissen von Priestern und Priesterhcrrschaft, eben so wenig von einer Aristokratie; ja, sie verneinte beide und ging vielmehr darauf, den Aberglauben zu brechen und alle auf den Aberglauben be- gründete Macht, die Welt frei zu machen von den Sünden, in deren Banden er sie gefangen sah und einen neuen Bund mensch- sicher Seelen zu ssiften, einen Bund, darin alle als Kinder eines Vaters und als Brüder und Schwestern sich erkennten. Das war ein Aergerniß, ein Stein des Anstoßes den staatsklugen Schriftgelehrten und den Großen der Welt. Um nicht ihr In- teresie,"um nicht die Herrschaft der Welt einzubüßen, wußten sie sich des jungen Christenthums zu bemächtigen. Wo anfängliche Gleichheit aller Glieder war, da schlich sich das priesterschaftliche, das herrschsüchtige Element ein. Obere wollten herrschen unter den Brüdern. Da erhob sich die Christuspartci, die Christi allein sein wollte, und stürzte jene. Aber nach und nach erlag die Christuslchre doch den Künsten der vereinigten aristokratisch-priesterschaftlichen Besttebungen. Die schöne Seele der einfachen Christuslehre wurde eingemauert und mit dem Gepräge eines jüdisch-heidnischen Kultus und den breiten bunten Teppichen einer unverständlichen, widerspruchreichstcn Got- tesgelehrheit zugedeckt; und im neuen Style fingen sie, die Alten, an, wieder wie zuvor über die Welt zu herrschen, nur jetzt im Namen dessen, den sie geopfert hatten. Als ächt apostolische Stimmen hallen noch die Aussprüche über bürgerliche Knechtschaft durch die drückende Nacht der neuen Hierarchie nach. Vermischtes. *(Pariser Bibliotheken.) Dem amtlichen Blatt entnehmen wir folgende, auf Grund eine» Erlasses des Unterrichts-Ministers kürz- lich aufgenominene Siatistik der Pariser Bibliotheken: Die Bibliothek des Arsenals besitzt 200,000 Bände und 8000 Handschriften; die Bi- bliothek der Sorbonne 80,000 Bände; die Bibliothek der Medizinschule 35,000 Bände; die National-Bibliothek 1,700,000 Druckbände, 80,000 Handschriften, 1,000,000 Kupferstiche und Karten, 120,000 Medaillen; die Bibliothek Diazarine 200,000 Bände, 4000 Handschriften und 80 Neliefmodclle der pelasgischen Denkmäler Italiens, Griechenlands und Kleinasiens; die Bibliothek Sainte- Geneviove 160,000 Bände und 350,000 Handschriften. Im Ganzen besitzen also die öffentlichen Samm- lungcn von Paris 2, 375,«100 Bände, 442,0<10 Handschristen und 1,120,000 Medaillen u. f. w. Außer den in Nr. 127 des„Neuen Social-Demokrat"; genannten soeialistischen Organen empfehlen wir den Parteifteun- den nachträglich noch folgende social-demokratische Organe: �n italienischer Sprache erscheinen: „11 Tribuno", il qnale si pnbblica il Martedi e Ve-j nerdi, a Salemo stabilimento Tipogratico Nazionale. „La Lince", che si pubblica ogni lunedi ed esce a Palenno, Via Bandiera, numero 76, 3° piano. In portugiesischer Sprache erscheint: „0 Pretesto-', periodico socialista, pnblicacdo semanalj Lisboa(Portugal)— Rua do Bemformoso, 110, 2°. In französischer Sprache erscheinen: „Bullettin de la Commune", par Cluseret, Gamboni et Fesnau. Geneve(Genf). „Le Bulletin" de l'Union republicaine de langue fran-: qaise. New- York. In serbischer Sprache erscheinen: „I stock" in Belgrad. „Brastawo" in Belgrad._ J Folgende Annoneen-Depots sind erschöpft: Altona— Graß-Z mann. Berlin— Sattler. Barmen— Zoll. Bremen— Z Tischler: Barmbeck. Barmstedt. Essen. Eimsbüttel. Elber«|j feld. Hamburg— Tischler; do.— Maurer. Harburg. Jtze- hoe. Stuttgart. Wir bitten die betheiligten Personen genannter Orte, hiervon Notiz zu nehmen, widrigenfalls Annoncen nicht mehr aufgenommen werden können. Die Erpedition. Den Parkeigenossen zu Schleswig-Holstein, besonders Nord- schleswigs und Ditmarschens, zur Nachricht, daß unser Partei--� freund C. Meyer mit allen Parteischriften, so wie auch dem Parteikalender pro 1876:„Der arme Conrad", oben benannte Plätze als Kolporteur bereist, und empfehlen wir dies den dor-4 tigen Parteigenossen zur besonderen Beachtung. ___ Die Expedition des„N. S.-D." Zur Beachtung. Heute, Donnerstag, Abends 8', Uhr, findet die Fortsetzung der Generalversammlung des Soeialistischen Arbeiter-Wahlvereins, Sophienstt. 15, statt. Der Wichtigkeit wegen weisen wir aP dieser Stelle nochmals darauf hin. Berichtigung. In voriger Nummer unseres Blattes sind irrthümlich 3 Annoncen in der Notiz„Zur Charakteristik unserer Zeit" auigenomme» worden, die viele unserer Leser sicher selbst schon korrigirt haben werden und die wir hiermit berichtigen: H „Eine alleinstehende achtb. Dame sucht zum 1. Dezember ein leere» Zimmer u. s.>v." „Eine junge 20jShr. Frau bittet edel denkende rechtliche Herr«» oder Damen ihr auf 6 Wochen 150 Thaler u. s. w." „Ein gut eingeführtes Herrenartikel- und Waschgeschäft, billige Miethe u. s. m." Briefkasten. Für Berlin. Da in letzter Zeit mehrfach die festgesetzten Referenten von Bersamlungen, trotz bestimmter Zusage nicht erschiene», sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich in Zukunft die Namen Der- jenigen veröffentlichen werde, welche auf diese Weis« die Interessen der Eocial-Demokratie schädigen. August Heinsch. D Den Parteigenossen im 5. Schleswig-Holsteinschen Wahlkreise zur Nachricht, daß wir mit der Agitation auf dem Lande angefangen haben: wir ersuchen daher alle Bezirke, auch dasselbe zu thun. I. A.: B. Klett, Kellinghuien. Z. W., Hamburg. Zwei Wettende: Aklien-Gesellschaften, welch« die Pianoforte-Fabrikation betreiben, giebt es in Berlin nicht, wohl aber sogenannte„Eingetragene Genossenschasten". L.— C. Sonntag Abend bei Zoller, Elsasserstr. 57. G.J Baum, Remscheid. Statuten sind schon abgesandt, kosten 20 Ä- Wofür die gesandten 9,75 Mark? Sonnabend, den 30. Oktober, JÖCUlU. Abends 8 Uhr, Gratweil's Bicrhallen, ob. Saal. Arbeiterversammlung. T.-O.: Unsere Gegner. Vortrag des Hrn. Arburg. Verschiedenes. A. Heinsch. (F. 29.) Zahlreicher Besuch erwünscht. Bekamltmachmig. Zimmergesellen- Kranken-, Sterbe- und Znvaliden-Kasse. Die diesjährige Herbst-General-Bcr- sammlung der Zimmergesellen-Kaffe findet am Sonntag, den 31. Oktober� Vorm. 9 Uhr, im Lokale des Herrn Schmiedel, — Bundeshalle— Wallnertheaterstr. 15, statt, wozu die Mitglieder hierdurch mit dem Bemerken eingeladen werden, daß nur gegen Vorzeigung des Quittungsbuches der Eintritt gestattet werden kann. T.-O.: 1) Rechnungslegung.— 2) Auf- nähme mehrerer Kassenmitglieder als In- validen.— 3) Anträge wegen zweier 50- jähriger Gesellen-Jubiläen.— 4) Wahl eines Ausschußmitgliedes.— 5) Verschie- denes. Der Vorstand. s4,80s (Urtt-s»»» Sonnabend, den 30. Oktober, Andreasstr. 26 bei G ö t t e l, Oeffentliche Holzarbciter-Bcrsammlung. T.-O.: Mittheilungen. Vortrag. I. A.: F. Mitan.[1,20J Die. Mitglieder des Wahl- Vereins werden eingeladen, Sonntag, den 31. d. Mts., Nachm. 3 Uhr, im Lokale des Herrn Z i l l b a ch, an der Britzer Chaussee, zu einem gemüthlichen Glase Bier. (F. 100.) A. Versümer� sl,40j Freitag, 29. Ottober. VlIMMtlg. Abends 8'/, Uhr, in Stadli's Etablissement, Offizielle Socialisten- Versammlung. T.-O.: Wichtige Parteisachen und Ge- werkschastsstage.. (F. 1.) Hörig.[2,00] Sonnabend, 30. Okt., �nUUUUlg. Abends 8'/, Uhr, iin Englischeil Tivoli, St. Georg, Mitgliederversammluilg des deutschen Zimmerer-Bcreiuo. Tagesordn.: Innere Angelegenheiten.— Eine Eristenzstage der verbündeten Arbeit- geber.(F. 40.) L. Pfeiffer 11,80] ftrttltflltl'rt Sonntag, 31. Oktober, Nachm. 2-, Uhr, im Lokale des Herrn W. Tiedemann, Langenfelderdamm, Oesfentl. Versammlung der Bau-, Land-, Erd- und Fabrikarbeiter. T.-O.: Vortrag. (F. 1.) Der Vorstand.[2,20] Sonnabend, 30. Oktober VUMvllrg. Abends 8'/3 Uhr, in Stadli's Salon, Valenttnskamp 41, Große Oeffentliche Versammlung fämmtlicher Tischler. Tagesordn.: 1) Das Arbeitsnachweise- Bureau der Arbeitgeber und die Kontrole seitens derselben über die Arbeitnehmer.— 2) Die Einführung gemeinschastlicher Kran- ken- und Jnvalidenkassen von den Arbeit- gebern.(F. 37.) F. Weidemann. Die Arbeitgeber, namentlich der Vorstand des Centralvereins, sind eingeladen.[3,00] Sonnabend, 30. Oktober, 4111UUU. Abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Volksversammlung. T.-O.: Die süddeutsche Arbeiterbewegung. — Referent: Carl Hillmann auS Hamburg. (F. 20.)_ A. Forschner.[1,60] Wiemerskamp. Sonntag, 31. Oktober, Nachm. 5 Uhr, Volksversammlung. Näheres durch Plakate. (F. 20.) Gundelach.[1,20] Sonntag, 31. Oktober, Vorm.'0 Uhr. im Pohl an der Wollküche,[0.80] Bolksvcrsammlnng. Anzeige n. Vorläufige Anzeige. Concert und Ball, arrangitt von den Mitgliedern der Soeialistischen Arbeiter- Partei von Eppendorf und Winterhude am Sonnab-nd, den 13. N-w-nnScf, im Lokale des Hrn. Geweke, Hoheluft. Festrede. Gesprochen von Hrn. Hörig, unter Mitwirkung einer Liedertafel. Saalöffnung 8 Uhr, Anfang 9 Uhr. Herrenkarte mit Daine 45, an der Kasse 60 Pf.(F. 65.) DaS Comitb. �[3,00] Hamburst-Altona-Ottensen. Freitag, 29. Oktober, Abends 8'/, Uhr, in Heinsohn's Salon, Gähler's-Platz, General- Versammlung der Arbeiter-Kranken- und Sterbe- Kasse. 1) Verlesung des Protokolls. 2) Abrech- nung. 3) Berichterstattung von de» Vor- stands-Beschlüssen. 4) Appellation an die Generalversammlung von den Mitgliedern Bofy, Schümann und Rosenhagen. 5) An- trag mehr. Mitgl. betreffs Hrn. Dr. Frehde. 6) Antrag mehr. Mitgl. betreffs des Hafen- arbeiter-Bundes. 7) Antrag von Gleising betreffs Unterstützung. 8) Antrag von Haß betreffs Hrn. Dr. Schircks. 9) An- trag von Salomon betreffs des Besuchs der Versammlungen und Mehreres. Der Vorstand.[4,40] Duisburg. Sonntag, 31. Oktober, Nachm. 4'/, Üb--. im Lokale des Herrn Adolf Frye, Weinhausmartt, Socialisten-Versamml. T.-O.- Vortrag des Herrn Kühl. Parteigenossen, seid alle am Platze. H. Fennmann,[2,00] Agent. Sonntag, 4 Uhr, Zur allseitigen Notiz! Der arme Conrad (Partei-Kalender für ist erschienen und durch uns zu beziehet Derselbe kostet pro St. broschürt 40 Pf., gebunden mit Schreibpapier durchschösse» 60 Pf. Bei Abnahme von mindesten� einem Dutzend broschürt 25 Pf., gebun den 40 Pf. Wir bitten um baldige BesteUunk damit�sich eine etwa nothwendige zwcitt . Auflage übersehen läßt. Die Expedition des„?teuen Social-Temokrat". Berlin 80., i Kaiser Franz-Grenadier-Platz 8 a. Bockenheim. f. November, Nachm. im Hotel Kräusel, Stiftungsfest des Ecsangscollego„Vrnderkcttc", bestehend in Eoncert, Theater uud Tanz. Entree 40 Pf. Eine Dame frei.[2,20]• Ich erlaube niir, den geehrten Partei?- Die Parteigenossen der Umgegend sind mein Brod- und Kuchengeschäft zu empf- hierzu freundl. eingel. Das Comitö. F. Weigert, Blumenstr. 50a. Neumüilster."-m" in der Bolkshalle, Kleinflecken, Grosse Bolksvcrsammlnng. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht.— Referent: Herr Hartmann a. Hamburg. Parteigen, müssen für Verbreitung sorgen. H. B.[1,60] Kiel. Cöl» a. Rh.' Sonnabend, den 30. Ott., Ab. 8 Uhr, im Engl. Garten, Parteiversammlung. T.-O.: Fortsetzung der vom 23. d. Mts. Ich ersuche alle Parteigenossen, zu er- scheinen. Chr. Starck.[1,40] Sonntag, den 31. Ott.. T?lll iiit-ii. bei Berger, Rödigerstr., i(F.73)Gcmüthl.Zusammciikunft.[0,60] ALLGEJIEfXE DEUTSCHE ASS0CIATI0NS-BÜCHDRÜCKEREI zu iBiEZKXjinsr (Pingetragene Penossenschaft) empfiehlt sich zur Anfertigung von Rechnnngen, Qnittnngen, Formularen, Circularen, Prospeeten, Preis-Conranten. Ball-, Visiten-, Adress- und Empfehlungs- Karten, sowie überhaupt aller in dieses Fach einschlagenden Arbeiten. Gauz besonders empfehlen wir uns den geehrten Vereinen zum Druck von Statuten und aller bei Vereinen vorkommenden Ar- heiteu, und bitten um geneigte Aufträge. Auch für Auswärts liilireu wir Aufträge auf Druckarbeiten aus und hofien, dass uns solche zahlreich zugphen werden. Indem wir stets saubere Ausfuhrung und prompte Bedienung versprechen, empfehlen wir uns hiermit bestens. Allgemeine Dentsclie Associations-BnclidMerei zu Berlin (Eingetragene Genossenschaft). Kaiser Frauz- Grenadier-Platz Nr. 8a.[11,6] (F. 97.) Druck und Verlag der Allg. deutschen Affociations-Buchdruckerei zu Berlin. Eingetragene Genossenschaft, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a. Verantwortlich für die R-daction: A. Küster in Berlin.