Nr. 129. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgegengenommmen. Sonntag, den 31. Olttoöer 1875. Neuer SocialDemckral. Orga» der Svcialistischeii Arbciter-Partei Deutschlands. 5. Jahrgang. Rcdaction n. Expedition: Berlin, SO., Kaiser Fran;-Grenadier-Pl. 8a. Inserate (nur in der Expedition aufzugeben) werden pro fünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. berechnet. Ber- sammlungs-Annoncen die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reklame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. Abonncmcnts-PrciS: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich praenmnerando 1 Rm. 95 Pf., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern m Deutichland tncl. 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Der deutsche ReichSta«, und die politische itagc. Deutscher Reichstaq.' Politische Uebcrsicht: Nur„Frieden".— Die Lage der un- teren Postbeamten.— Der Magdeburger Gründerprozeß.— Aus Wien.— Griechenland.— Aus der Herzegowina.— Socialistenhetze 5« Oesterreich.— Der Prozeß Sonzogno.- Zum Lehrermangel.— Glücklichem Altona!— Die Bildung unserer Gebildeten.— Herr Dr. Strousberg. Innere Parteiangclcgenheitcn. Rorrcspondcuzcn: Rawicz.— Großenhain.— Zichopau.- Uerdingen.— Hamburg. Laien-Evangelium von Tallct.(Fortsetzung.) Sprechsaal. Bcrniischtcö.___ Ter deutsche Neichstag und die Politische Lage. Die Milliardenpolitik und der Milliardentrubel haben Uch gerächt. Zum ersten Mal seit langer Zeit hat die Logik der Thatsachen sich Durchbruch verschafft! der rosige Schleier, welcher so lange die Schäden der Gesellschaft nnd die po- litische Reaktion bedeckte, ist zerrissen worden, und wir brauchen jetzt wenigstens nicht mehr mit den Männern am Steuerruder des Staatsschiffes, befrackten Ministem und bebrillten Abgeordneten, Verstecken zu spielen. Daß jetzt ein anderer Wind weht, als bisher, hat uns die Thron- rede bei Eröffnung des Reichstages gezeigt. Der wichtigste Satz derselben befindet sich am Schluß, und durch ihn wird Alles, was bisher von der Minister- bank und von den Abgeordnetenplätzen der liberalen Ma- jorität aus über sociale Zustände und politische Freiheit gesprochen wurde, widerlegt. Kurz zusammengefaßt, bedeu- tet es:' Auf socialem Gebiet eristirt in allen Ländern eine Handelsstockung, ein Rothstand, und zwar ein solcher, er auf Grund der heutigen Produktionsweise in regel- waßigx,, Fristen die Völker heimsucht. Wörtlich lautet G etwas weniger klar ausgedrückte Stelle der Thronrede. �„Wenn in Handel und Verkehr gegenwärtig eine der �iagnationen stattfindet, wie sie im Lause der Zert l�iodisch wiederkehren, so lieqt es leider nicht in der Fracht der Regierringen, diesem Uebelstande abzuhelfen, der lch in anderen Ländern in gleicher Weise wie in Teulfch- fühlbar macht. Jedenfalls aber hat diese Erscheinung �uie Unsicherheit der politischen Verhältnisse, und na- weirtlich deg äußeren Friedens zum Grunde." � In biete» Worten ist anerkanirt, was der Socralrs- au-z schon immer gelehrt hat: die heutige Gesellschaft unv °'e heutigen Staatsregrerungen sind ohnmächtig gegen- jenen Krisen, welche das Mark der Völker ausdorren v durch das eherne Lohngesetz, durch Hunger und.Uotli °as arbeitende Volk dezimiren. Und wenn dies in ,o her- �rrageuder Weise von der Reichsregierung selbst anerkannt ?' wenn noch ausdrücklich beigefügt wird, daß rncht gend ein politischer Fehler oder eilte Kriegsdrohung �chulo vÜ1 �athstande ist, dann ist um so klarer das Verdam- ."ugsurthejj über den ganzen heutigen Zujtand der Gesellschaft gefällt. Gewiß, an dem Rothsiande hat weder eine preuguche, . ch eine österreichische, noch eine englische, noch eine ame- "anische Regierung schuld, und der social-demokrattsche Ar- .legt weder Bismarck, noch Delbrück, noch Camphauten, sonst einer einzelnen Person die Handelskrisis zur kÄ!' sauder» vielmehr den gesummten Gesellschastsver- Unissen, dem Klassenunterschiede von Kapttaltsten und . eitern und der planlosen Produktion. Während ber�i.bie Regierungen machtlos gegenüber dem Wuthen - Krisis sind, können und werden die Socralrsten um auter die Stünme erhebeit und den, arbeitenden Volke aller Länder darthun, daß die Rettung von dem Rothstand nur darin liegt, daß das eherne Lohngesetz gebrochen und eine Organisation der Arbeit geschaffen wird. Wenn wir serner nur ein halbes Jahr zurückblicke», so treffen wir auf die Aussprüche der Minister Achenbach und Eamphausen, dahin gehend, daß, weil die deutschen Arbeiter zu wenig arbeiteten und zu viel Lohn verdien- ten, die deutsche Industrie konkurrenzunfähig gegen die ausländische sei und dies die Stockung verschulde. Jetzt besagt die Thronrede aber, daß die Stockung international ist und regelmäßig von Zeit zu Zeit stattzufinden pflegt, und damit ist die Ueberproduktion zugegeben, damit ist erwiesen, daß Arbeit und Löhne der deutschen Arbeiter unmöglich Ursache der Weltkrisis sein können. Ein recht lehrreicher Umschwung. Wenn wir so auf socialem Gebiet die Erkenntniß der heutigen Lage sich durchbrechen sehen, so bringt auf dem politischen die Thronrede eine nicht weniger interessante Aufklärung. Wie haben nicht uitsere Parlamentsredner den angeblichen politischen„Liberalismus" des deutschen Reichs hervorgekehrt und behauptet, daß die deutsche Rxichspolitik nur eine Fortsetzung der antireaktionären Tendenzen des Jahres 1848 sei. Diese Illusion wird durch einige Worte der Thronrede schlagend widerlegt. Es heißt daselbst: „Die Mächte, deren Einigkeit in einer früheren Periode unseres Jahrhunderts Europa die Wohlthat eines langjährigen Friedens gewährte, stützen denselben auch heut, getragen von der Zustimmung ihrer Völker." Die in Rede stehenden Mächte sind Rußland und Oesterreich; und die„langjährige Stütze des Friedens", von der hier gehandelt wird, ist die„heilige Alliance" der Mächte Rußland, Oesterreich und Preußen in der vormärzlichen Zeit gegen das revolutionär gesinnte Westeuropa. Dem Liberalen kommt ein Grauen an, wenn er von der „heiligen Alliance" hört; er schreibt ihr alle erdenklichen Sünden zu, er läugnet, daß jetzt ein Bund der Ostmächte Europa's auf dieser Tradition fuße— und jetzt muß er offiziell vernehmen, daß dieses allerdings der Fall ist. Für die gewöhnlichen liberalen Dutzendpolitiker wird daher die Thronrede als„kalter Wasserstrahl" eine gute Wirkung haben und sie über den Unterschied von Ideal- Politik und Realpolitik gründlich belehren. Diese zwei Punkte sind jedenfalls die wichtigsten der Thronrede, das Uebrige— speziell Bi ersten ererhöhungs- und Strasgesetzentwurf— betrifft nur Folgen und Ausflüsse des allgemeinen Zustandes. Es kann daher Nie- mandem schwerfallen, sich ein vollkommen klares Bild der heutigen politischen Lage im deutschen Reich zu machen. Teutscher Reichstag. Den Reichstag hat der Kaiser nicht persönlich eröffnet, Bismarck befindet sich ebenfalls noch auf Varzin und bei Ver- lesung der Thronrede durch Delbrück glänzten die meisten„Volks- Vertreter" durch ihre Abwesenheit. Wir bringen diesesmal die Thronrede in ihrem Wortlaute zum Abdruck, weil aus derselben deutlich erhellt, wie rathlos die Regierungspolitik gegenüber der Handelskrisis ist und wie die Frage eines Defizits, neuer Steuern und neuer politischer Strafgesetze als drohende Gewitterwolke heraufzieht. Die Thronrede lautet: „Geehrte Herren! Der Wunsch Seiner Majestät des Kai- sers, Sie be: dem Wiederbeginn Ihrer verfassungsmäßigen Thätig- keit persönlich zu begrüßen, hat zum lebhaften Bedauern meines Allergnädigsten Herrn nicht in Erfüllung gehen können. Seine Majestät haben mich deshalb zu ermächtigen geruhet, in Seinem und der verbündeten Regierungen Namen Sie heute willkommen zu heißen." „Die bevorstehende Session wird Ihre Thätigkeit mehr für die Ausbildung und Ergänzung bestehender Gesetze, als für die Begründung neuer Institutionen in Anspruch nehmen." „Seit Ihrer letzten Session ist die am Schlüsse des Jahres 1871 begonnene, im Beginn dieses Jahres zum Abschluß ge- brachte Gesetzgebung über das Geld- und Bankwesen Deutsch- lands der vollständigen Durchführung nahe gebracht. Die über Erwartung gesteigerte Herstellung unserer neuen Münzen hat es Seiner Majestät gestattet, im Einverständniß mit dem Bundes- rath, den 1. Januar künftigen Jahres als Zeitpunkt für den Eintritt der Reichswährung zu bestimmen. Die Einziehung des Landespapiergeldes und dessen Ersatz durch Reichs-Kassenscheine schreitet rasch und regelmäßig vor. Die Banknoten geringeren Nennwerthes sind zum größten Theile schon jetzt aus dem Ver- kehr getreten und werden bis zum Jahresschluß in der Haupt- fache eingezogen sein. Die Privatbanken sind damit beschäftigt, ihre Einrichtungen auch im klebrigen der neuen Gesetzgebung an- zupassen. Die Reichsbank, zu deken Begründung alle Theile des Reichs beigetragen haben, wird im Anfang künftigen Jahres ihre Thätigkeit über den gesammten kimfang des Reichs erstrecken. Sie wird gleichzeitig mit der Uebernahme der Eentral-Kassen- geschäfte des Reichs beginnen." „In dem Ihnen vorzulegenden Reichshaushalts-Etat für 187« haben die regelmäßigen Einnahmen des Reichs nicht uner- heblich höher, als für das laufende Jahr veranschlagt werden können. Dieses Mehr wird indessen überwogen durch die Min- dereinnahmen, welche in dem natürlichen Rückgang der Zinseinnahmen von belegten Reichsgeldern, ganz beson- ders aber in dem Vorgriff beruhen, der im diesjährigen Etat auf die Ueberschüsse des Vorjahres stattgefunden hat. Zur Deckung dieser Minder-Einnahme und zur Bestreitung der bei sorgfältiger Rücksicht auf die Finanzlage nicht abzuweisenden Steigerung der Verwaltungs-Ausgaben wird Ihnen eine Erhöhung der Matrikularbeiträge nicht vorgeschlagen. Die ver- bündeten Regierungen theilen die Ueberzeugung, welche Sie, ge- ehrte Herren, bei der Berathung des diesjährigen Etats geleitet hat, daß eine Steigerung jener Beiträge vermieden werden muß. Sie sind der Meinung, daß das Gleichgewicht des Etats nicht herzustellen sei durch eine Auflage, welche die Steuerkraft der einzelnen Staaten außer Betracht läßt, sondern durch Abgaben, welche sich an den Verbrauch und Verkehr anschließen. Es werden Ihnen deshalb Entwürfe von Gesetzen über Er- höhung der Brausteuer und über Einführung einer Stempel- Abgabe von Börsengeschäften und Werthpapieren vorgelegt werden." „Der Reichshaushalts-Etat bringt eine Veränderung in der Einrichtung der Post- nnd der Telegraphen-Verwaltung zum Aus- druck. Die Erfahrung hat überzeugend dargethan, daß'die Ver- bindung dieser beiden, bisher getrennten, aber in ihren letzten Zwecken zusammenfallenden Verwaltungen dem Verkehrsinteresse entspreche und einen einfacheren und wohlfeileren Betrieb gestatte. Das Verhältniß der Post zu den Eisenbahnen soll durch ein Ihnen vorzulegendes Gesetz übereinstimmend geregelt werden; für die Vervollständigung der Telegraphen-Anlagen wird eine Kredit-Bewilligung von Ihnen begehrt werden." „Die Gewerbe-Ordnung hat für die gewerblichen Hülfskassen einen nur provisorischen Zustand geschaffen, deffen Uebelstände von Ihnen wiederholt beklagt und von den verbündeten Regie- rungen lebhaft empfunden sind. Zwei Gesetze, das eine über Abänderung des Titels VIII. der Gewerbe- Ordnung, das andere über gegenseitige Hülfskassen, sollen diesen Uebelständen ein Ende machen. Sie beschränken sich auf die Fürsorge in Krankheits- fällen, weil die nicht minder wichtige Regelung des Altersversor- gungswesens gegenwärtig noch nicht ausreichend vorbereitet ist." „Die vor fünf Jahren erfolgte gesetzliche Regelung des Urheberrechts an Schriftwerken hat sich auf das Urheberrecht an Kunstwerken nicht erstreckt. Es werden Ihnen Gesetz-Entwürfe vorgelegt werden, welche sowohl die Lücke in der Gesetzgebung über das geistige Eigenthum ausfüllen, als auch ftir zwei verwandte Materien, das Urheberrecht an Mustern und Modellen und den Schutz der Photographien, übereinstimmende Normen feststellen sollen." „Die praktische Handhabung des Straf-Gesctz- buch es hat Lücken und Mängel dieses Gesetzes erkennen lassen, deren Aussüllung und Beseitigung im Interesse der Rechts- pflege erforderlich ist. Der Bundesrath hat deshalb eine Revision des Gesetzes auf Grundlage der von den einzelnen Bundes-Regierungen gemachten Vorschläge eingeleitet. Ein aus diesen Vorschlägen hervorgegangener Gesetzentwurf unterliegt der Berathung des- Bundesraths und wird nach Abschluß derselben Ihnen vorgelegt werden." „Ein mit dem Freistaate Costa Rica abgeschlossener Freund- schafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag wird Ihnen zur Ge- nehmigung vorgelegt werden. Dem Vertrage zwischen Deutsch- land und San Salvador nachgebildet, wird er, wie zu hoffen, dazu beitragen, unsere Handelsbeziehungen zu jenem, durch seine Lage an zwei Weltmeeren und durch den Reichthuin seiner Erzeugnisse hervorragenden Staate zu fördern." „Die Vorlagen, welche ihnen im verflossenen Jah.-e gemacht waren, um die verfassungsmäßige Rechnungslegung über die Ein- nahmen des Reiches endgültig zu regeln, sind in ihrer letzten Session vorbcrathen worden, haben aber nicht zum Abschluß ge- bracht werden können. Es werden ihnen darüber neue Vorlagen zugehen." „In Elsaß- Lothringen ist der berathende Landesausschuß, dessen Einrichtung der Erlaß vom 29. Oktober d. I. geordnet hat, im Sommer d I. zum ersten Mal in Thätigkeit getreten. Er hat den Landeshaushalt und andere, zu ihrer Beschlußfassung gelangende Gesetzentwürfe, welche zur Ausführung von Reichs- aesetzen und zur Ergänzung von Lücken der Landesgesetzgebung bestimmt sind, gutachtlich berathen. Auf seinen Borschlägen be- ruht ein Gesetzentwurf, durch welchen die auch von ihnen er- örterte Frage wegen Entschädigung der Inhaber verkäliflich gewesener Stellen im Justizdienste anderweit geregelt wird. Die gefaßten Beschlüsse werden mit den über die Berathungen aufge- nommenen�Protokollen vollständig zu ihrer Keimtnis; gebracht werden. Sie berechtigen zu der Erwartung, daß in dem Landes- ausschuß ein günstiger Boden für die Mitwirkung der Bevölke- rung an der Verwaltung der Reichslande gewonnen sein wird." „In Elsaß-Lothringen, wie im ganzen Reiche, berechtigt uns der Rückblick auf die wenigen Jahre, welche seit dem Frankfurter Frieden verflossen sind, zu dem Ausdruck der Befriedigung über den stetigen Fortschritt der Entwickelung unserer politischen Ein- richtungen im Innern und der Befestigung unserer guten Bezie- Hungen zum Auslande." „Wenn in Handel und Verkehr dennoch gegenwärtig eine der Stagnationen stattfindet, wie sie i�n Laufe der Feit periodisch wiederkehren, so liegt es leider nicht in der Macht der Regierungen, diesem Uebelstande abzuhelfen, der sich in andern Ländern in gleicher Weise wie in Deutschland fühlbar macht. Jedenfalls aber hat diese Erscheinung keine Unsicherheit der politischen Verhältnisse und namentlich des äußeren Frie- dens zum Grunde. Wie Sie im vorigen Jahre mit dein Aus- i&wlbdtöiial druck des Vertrauens auf die Dauer des Friedens empfangen werden konnten, so war seitdem fortwährend und ist auch noch heute die dauernde Crhaitunz des Friedens nach menschlichem Ermessen gesicherter, als sie es jemals in den letzten zwanzig Jahren vor der Herstellung des deutschen Reichs gewesen ist. Abgesehen von der Abwesenheit eines jeden erkennbaren Grundes zu einer Störung, genügt?ur Aufrecht- xrhaltung des Friedens der feste Wille, in dem Se. Majestät der Kaiser Sich mit den Ihnen befreundeten Monarchen einig weiß, und die Uebcreinstimmung der Wünsche und Interessen der Völker. Die Mächte, deren Einigkeit in einer früheren Pe- riode unseres Jahrhunderts Europa die Wohlthat eines langjährigen Friedens gewährte, stützen denselben auch heut, ge- tragen von der Zustimmung ihrer Völker; und der Besuch, von welchem Seine Majestät der Kaiser heimkehren, die herzliche Aus- nähme, welche Sie bei Seiner Majestät dem Könige von Italien und bei der ganzen Bevölkerung gefunden haben, befestigen die Ueberzeugung, daß die innere Einigung und die gegenseitige Be- freundung, zu denen Deutschland und Italien gleichzeitig gelangt sind, der friedlich fortschreitenden Entwicklung Deutschlands eine neue und dauernde Bürgschaft gewähren." „Auf Allerhöchsten Präsidialbefehl erkläre ich die vierte Ses- sion der ersten Legislaturperiode des deutschen Reichstages für eröffnet."— Die erste Sitzung des Reichstages— am 27. Oktober— zeigte, wie gewöhnlich, die Beschlußunfähigkeit des Hauses. In der zweiten Sitzung— 28. Oktober— fand die Bureauwahl stait. Zum ersten Präsidenten wurde v. Forckenbeck, zum zweiten v. Stauffenberg gewählt. Anwesend waren 204 Ab- geordnete. Politische Uebersicht. Berlin, 30. Oktober. Die Arbeiten zur Erweite ung der Festung Spandau werden noch in diesem Herbste in Angriff genommen. Die Stadt- befestigung, von der Havel bei Klosterhof bis zur Havel an der Havelschanze, soll in drei Jahren fertig gestellt werden; die Ar- bciten sollen zunächst vor dem Potsdamer Thor beginnen. Die Stadtbefestigung wird durch einen Gürtel von Forts geschützt werden, welcher sich in einer Entfernung bis Gatow und Staa- ken vor derselben hinzieht. Das riecht verdammt wenig nach dem „Frieden", von dem unlängst in Mailand so rührend geplaudert wurde. Die Lage der unteren Postbeamten im deutschen Reiche charakterisirt sich am besten durch die Thatsache, daß nicht weniger als 3235 dieser Beamten- Proletarier Nebenbeschäftigungen ver- sehen müssen, um ihren Lebensunterhalt fristen zu können. In Berlin sind beispielsweise Briefträger mit einem Gehalte von 2 Mark pro Tag und bei 13stündiaer Arbeitszeit angestellt. In Magdeburg hat dieser Tage ein großer Gründerprozefi stattgefunden. Die Angeklagten sind jedoch von Gefängniß frei- gesprochen worden. Nur einige Wenige haben kleine Geldstrafen zu erlegen. Es war noch die schöne lustige Zeit des wirthschaftlichen „Aufschwunges", als die Schwindler sich nicht versteckten, sondern die ehrlichen Leute auf offenem Markte höhnten, weil diese zu dumm zum Stehlen seien und deshalb arbeiten müßten. Da war nach etwa anderthalbjährigem Bestände die Allgemeine Elementar-Versicherungsbank in Wien recht gründlich „pleite"; aber ihr General-Sekretär Reach fand die Mittel, sie unter dem Titel„Elemcntar-Versicherungsbank" gleich dem Phönix aus der Asche eine fröhliche Auferstehung feiern zu lassen. Man sieht, was ein gewiegter Financier, wie der neue General- Direk- tor Reach, durch eine so einfache Manipulation, wie die Weglas- sung des einen Wörtchens„Allgemeine", für Finanzwunder wir- ken kann: aber Einfachheit in Mitteln und Zielen war ja stets das Kennzeichen des wahren Genies. Fünfzehn Verwaltungs- räthe, darunter drei Grafen, drei Barone, zwei Ritter, hoben das neue Institut am 1. Februar 1872 aus der Taufe. Es waren unter dieser Aristokratie zwei k. k. Truchsesse, ein Finanzbaron, seines Zeichens Inhaber einer Wechselstube; die Grafen führten die uralten Namen Sothen, Hardegg uod Constantin Bickenburg. Letzterer, heute ein Mann von fast.79 Jahren, ist Pair des Rei- ches, so daß das Herrenhaus zu seiner Einziehung in die Unter- suchung die Zustimmung geben mußte, und war unter Schmerling Handelsminister. Das Obergericht hat indessen nur die bürger- lichen Verwaltungsräthe, bis auf Einen, zur Versetzung in An- klagestand bestimmt, und die Anklage gegen die drei Grafen, gegen zwei Barone und einen Ritter beseitigt. So erscheinen denn vor dem Schwurgerichte nur zwei k. k. Truchsesse, von denen Einer ein Freiherr, der Andere ein Ritter ist, und sechs Bürger- liche. Die neue Bank war nämlich selbstverständlich von vorn- herein bankerott, um so mehr, als 160,000 Fl. Gründerkosten verrechnet wurden und die Verwaltungsräthe an Tantiemen 40,000 Fl. bezogen. Im Dezember 1872 war die Erida schon so offenkundig, daß versicherte Parteien aus Ungarn längst liqui- dirte Hagelschäden nur zu einem Drittel ausbezahlt bekamen und für die übrigen zwei Drittel Privatwechsel von Reach acceptiren mußten. Auch das Geld erhielten sie nur gegen eine schriftliche Anerkennung, daß sie vollständig befriedigt seien; und dieses Zeugniß ward dann ohne ihr Wissen veröffentlicht, ja einem Eir- kularschreiben der Direktion zu Grunde gelegt, welches die voll- ständige Solvenz der Gesellschaft verbürgt: und mit gerichtlichen Schritten gegen Verleumdungen drohte. So gelang es dem Ver- waltungsrathe, noch bis Ende Januar 1873 viele Parteien durch Emission von Jnterimsaktien und durch Annahme von Versiche- ruugen zu betrügen. Die Gelder sind natürlich sammt und son- ders verloren; denn am 23. Februar 1873 wurden die Kassen zugesperrt, in denen sich genau 45 Neukreuzer oder 90 Pfen- uige befanden— den 1,100,000 Fl. Passiven standen 100,000 Fl. sehr dubiöse Activa gegenüber. Das Fett haben die beiden ein- ander ablösenden Direktoren Reach und Winter abgeschöpft. Als Reach austrat, sprach er die geflügelten Worte:„ich habe die Gesellschaft als Leiche verlassen; aber der Winter zieht ihr auch noch das Todtenhemde aus!" Winter wiederum meinte zu einem Bekannten, der nicht begriff, woher ihm der Muth komme, diesen Posten zu übernehmen:„einen Monat geht'S schon noch, und in dem Monate mach' ich mir meine 40,000 Fl.!" Eine Summe von 62,000 Fl. ist spurlos bei Seite geschafft, indem sie der be- reits damals bankerotten Raten- und Rentenbank in den Rachen geworfen ward. Als sich im Verwaltuugsrattze dagegen denn doch Stimmen erhoben, weil der Zustand der Raten- und Ren- tenbank aller Welt bekannt war, entgegnete Reach pathetisch: „man muß zu der Bank Vertrauen haben! wir leben ja in kei- neu» Raubstaate!" Nun, bis zu welchem Grade dieser Ausspruch berechtigt ist, werden ja die Assisen-Verhandlungen zeigen, deren Dauer auf vier Wochen berechnet ist! In den Kohlenbergwerken von Nord-Wales in Eng- land striken die Arbeiter seit einigen Tagen. Seitens der Gru- benbesitzer war ihnen eine Lohnherabsetzung von 15 Prozent zu- gemuthet worden. Griechenland hat wieder einmal ein neues Ministerium. Die Noth unter der Bevölkerung ist aber noch die alte. Auf dem Jnsurrektions- Schauplatze in der Herze- gowina habe» in der letzten Woche hartnäckige Kämpfe im Distrikte von Zubci stattgefunden. Große Insurgenten- Abthei- lungen trafen schon seit länger als 8 Tagen Anstalten, um die gebirgigen Positionen von Zubci zum Pivot ihrer weiteren, offen- bar für den Winter berechneten Positionen einzurichten. Es wurde dort geschanzt, Proviant und Munition angehäuft und auch stärkere Kräfte konzentrirten sich nach und nach in den durch die Natur schwer nahbar gemachten Stellungen. Den türkischen Befehlshabern ist diese Bewegung der Insurgenten und ihr Zweck nicht entgangen. Sie schicken sich demnach an, das Vorhaben der Insurgenten noch in seiner Ausführung zu stören. Es wur- den von allen Seiten die verfügbaren türkischen Streitkräfte herangezogen und zu einem Angriffe auf die sich in Zubci solid installirenden Insurgenten dirigirt. Sogar die türkischen Mann- schaften, welche bestimmt waren, die im Grenzort Carina aufge- stapelten Lebensmittel- Vorräthe am 21. o. Mts. abzuholen, um selbe nach Trebinje zu eskortiren, sind gegen Zubci aufgeboten worden, und die seit drei Tagen vergeblich wartenden Lastthier- treiber mußten zu ihrem großen Verdrusse nach Hause entlassen werden. Bei den Kämpfen am Zubci konnten trotz der von allen Seiten aufgebotenen sehr beträchtlichen türkischen Streitkräfte nur fünf türkische Infanterie- Bataillone mit zwölf Bergkanonen zur Verwendung kommen. Das überaus schwierige Terrain läßt die Entfaltung größerer Truppenkörper nicht zu, was zur Folge hatte, daß die in's Gefecht gekommenen türkischen Bataillone gegen die in günstigsten Positionen befindlichen 1400 Insurgenten nichts auszurichten vermochten. Die Türken ließen Todte und Verwundete auf dem Schlachtfelde und zogen sich wieder nach Bicevo zurück. * In dem zu Brünn stattgehabten„Geheimbundspro- zesse" gegen die Gesinnungsgenossen Zacharias, Fndra, Bra- vaczck, Pastor, Hartmann, Strauch, Bonaventura, Böhni, Rom- mel, Reimann, Domas, Hahn, Vogl, Seifert, Plisch und Schlesel ist am 17. Oktober das'llrtheil gefällt ivorden. Diesem zufolge wurden die Theilnehmer am Marchegger Kongresse freigesprochen, da der Gerichtshof in dieser Versammlung eine geheime Gesell- schaft nicht erblickte und auch in ihrer Abhaltung eine Ueberrre- tung des Vereins- und Versanimlungsgesetzes nicht erkannte. Dagegen wurden die bei der Braunsdorser Zusammenkunft An- wesenden des Vergehens der Theilnahme an einer geheimen Ge- sellschast schuldig erkannt und Jndra zu einem Monat, Pastor zu 10, Hartmann zu 14 und Strauch zu 8 Tagen Arrest verurtheilt. Der Staarsanwalt behielt sich bezüglich des Freispruches wegen der Marchegger Affaire die Nichtigkeitsbeschwerde vor. Die Verurtheilten wurden gegen den Antrag der Vertheidigung vorläufig nicht freigelassen. * Der Prozcsz Sonzoguo in Rom, dessen wir bereits in Nr. 127 unseres Blattes Erwähnung thaten, ist im vollen Gange. Dienstag Morgen um 7 Uhr rollten 5 schwere von Karabinieri cskortirte Gefangenenwagen mit unheimlichem Geräusch durch die enge Straße, welche von dem Earcere Nuove nach dem Assisen- Hofe führt. Das Parterre des Schwurgerichtssaales starrt in Waffen und Uniformen. 6 in Eisen geschmiedete, elegant gekleidete Herren entsteigen dem Wagen und werden unter dem An- drängen einer neugierigen Menge in die ebenerdige Eamera di Eustodia geleitet, welche ihre gepanzerte Riegelrhüre hinter dem zuletzt Eingetretenen crbannungslos schließt. Um 10 Uhr sind nicht nur die inneren, sondern auch die Zugangspunkte zum Ge- bäude voll Menschen. Schlag s/412 Uhr endlich öffnet sich der Hofeingang. Die Zuschauermasse staut sich inühsam in die Aula, wo Luciana, mit seinen 5 Genossen von 4 Karabinieri flankirt, in dem nach Art eines Käfigs versicherten Raum auf der Anklagebank Platz nimmt. Er sieht wohl aus. Seine Toilette ist die des Stutzers. Frack und Hosen schwarz, Gilet tiefblau mit doppelter Brust über eine glänzend weiße Chemisette gekreuzt. Ein Zwicker an seidener Schnur und über der feinen Coiffure ein schwarzer Cplinderhut, toniplcttiren sein Bild. In der ersten öffentlichen Sitzung war nichts Benierkenswerthes, als die Ver- lesung des schneidigen Anklageaktes. In das dunkle Geivebe von Tücke, Rache, Wciberschändung und politischer wie socialer Im- moralität fährt der inquirirende Richter mit vorsichtigem Griff, zerreißt es, und an den Fetzen desselben sieht das Publikum eins nach dem andern die sauberen Motive hervortauchen, welche die fünf Unglücklichen in das fatale Netz des Ehrgeizes und der Rachsucht ihres Anstifters, Luciani's, geworfen. Während der Verlesung standen die Angeklagten sichtlich gerührt da. Die drei Brüder des Ermordeten waren anwesend. Die Zahl der Be- lastungszeugcn ist 50, die aller Zeugen 133, darunter Meuotti Garibaldi und Odescalchi, welche beide der Sitzung beiwohnten. Sensation und Schwermuth bemächtigte sich der Versammlung während der Lesung des traurigen Aktes, welcher Licht über die gehcimnißvolle Blutthat verbreitet� In der Sitzung vom Mitt- woch begann das Verhör der Angeklagten; Frezza, Morelli und Farina machen umfassende Geständnisse; die Sitzung ist reich an melodramatischen Effekten. Gestern wurde das Verhör fortgesetzt. Der Angeklagte Armati giebt Aufklärungen über das Komplot. Er spricht von seinen intimen Beziehungen zu Luciani und er- zählt über die im 4. römischen Wahlkollegium zu Gunsten Lu- ciani's vorgekommenen Wahlumtriebe. Er glaubte nur ein po- litisches Verbrechen zu begehen. Luciani weist die Anschuldigun- gen Armati's mit Entschiedenheit zurück und ergeht sich in einer längeren Darstellung der Wahlkämpfe und seiner Beziehungen zu Sonzogno. Armati wiederholt hierauf sein Geständniß mit dem einfachen Accente der Wahrheit. Er glaubte, von Luciani angc- stachelt, Rom von einem großen Feinde zu befreie». Luciani hält eine L'/nstündige phrasenreiche Rede, in der er Alles absurd ab- zuleugnen sucht; er sei nie mit Ärmati und Morelli vertraut ge- wesen, er habe ihnen nie Gelv gegeben, nie die Frau des Son- zogno verführt. Armati macht, entrüstet, neue Enthüllungen. Luciani habe mit ihm persönlich Wahlzettel gefälscht. Am Freitag nimmt das Zcugenvcrhör seinen Anfang. Ter Bruder des Ermordeten, Alberto Sonzogüo, erhärtet den Ehebruch Lu- ciani's mit Madame Sonzogno. Die Sitzung wird hierauf auf- gehoben. * Zum Lehrermangel im Jntelligenzstaate Preußen, wird aus dem Havellande mitgetheilt, daß in einem dortigen Dorfe ein Berliner Budiker, alias Kellerwirth, als Lehrer fungirt. Nach- dem derselbe in Berlin das Kellergeschäft sattsam geführt und sein väterliches Erbtheil dabei verthan hat, experimentirt er jetzt nach besten Kräften an der lieben Dorfjugend herum. Ein Examen als Lehrer hat der gute Mann nie gemacht. cklltona hat nun endlich auch sein„Sieges-Denkmal",�� nachdem seine„gutgesinnten" Bürger sich so lange gesehnt habem�B Großartig scheint übrigens die Enthüllung dieses Denkmals nickitW vor sich gegangen zu sein, denn, wie die Zeitungen melden, ,va?> ren nur„vie nächsten Häuser am Denkmal" festlich geschmückt.D Hat doch auch das Volk in Altona Anderes zu thun, um der» franzoscnfresserischen Bourgeoisie als Staffage zu ihren Harlegui-W naden zu dienen. * Die„Bildung" unsererer„Gebildeten" dokumentirt sich oft in einer höchst eigenthümlichen Weise. Mehrere Berliner Leser werden sich vielleicht noch erinnern, daß vor einigen Jahren ein bekannter Redakteur einer Berliner Zeitung einen seiner Kollegen auf der Straße überfiel und mit einem Knüppel gehörig„be-l arbeitete". Dieser Tage hat sich in Paris ein ähnliches Vor-! kommniß zugetragen. Der Schriftsteller Gille hatte bei Be- sprechung des Lebens des unlängst verstorbenen Künstlers Car-j peaux gesagt, daß derselbe„zu theatralische Manieren und Hal-l tung ü I» Melingue"(ein bekannter französischer Schauspieler» geneigt habe. Dieses nahm der Sohn Melingue'S, der darin! eine Beleidigung seines Vaters sah, übel und rächte sich dadurch,' daß er Gille, dem er aufgepaßt hatte, auf offener Straße so furchtbare Stockschläge ertheilte, daß derselbe schwerlich mit dem Leben davon kommen wird. Der junge Melingue wurde sofort verhaftet. * Herr Strousberg ist in Petersburg am 25. Oktober ver- haftet worden und bereits nach Moskau transportirt. Die Ver-i Haftung soll auf Antrag eines Gläubigers erfolgt sein. Innere Parteiangelegenheiten. Für die Parteigenossen in Altona zur Nachricht, daß beJ[ schloffen worden ist, bis auf Weiteres alle öffentlichen Socialisten-M Versammlungen nur durch das Vorstandsmitglied Brasch einbe-Z rufen zu lassen. Die Partei-Organe sind angewiesen. Altonaer Versammlungs-« Annoncen nur mit Rücksicht auf diesen Beschluß aufzunehmen.\ Vor Mitte November wird eine öffentliche Socialisten-Ver- sammlung in Altona nicht stattfinden. Hamburg, 26. Okt. 1875. Mit soc.-dem. Gruß I. A.: E. Derossi. I. Auer. Zur Beachtung. Vom 1. November an ist die Adresse des. Sekretariats Pferdcmarkt 37, III. * Am 28. Oktober stand der frühere Redakteur unseres Blattes, Leonhard Pfeiffer, vor der VII. Kriminal-Deputa- tiou des Berliner Stadtgerichts, angeklagt der Beleidigung, be- gangen durch einen Artikel in Nr. 81 des„Neuen Social-Demo- krat" vom 17. Juli 1874. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängniß; der Gerichtshof aber beschloß, die Prozeßakten an die 1. Division des I. Armeekorps in Königsberg zu über- mittel», mit der Anfrage, ob dieselbe die Bestrafung der in dem Artikel angeblich beleidigten Personen vornehmen wolle oder nicht, und die Angelegenheit zu vertagen, bis von Königsberg eine Er- klärung eintreffen würde. * Den Kollegen zur Notiz, daß der Termin gegen die Schuh macher-Gewerkschaft Dienstag, den 2. November, Vorm. 9 lihr, vor dem Stadtgericht, Molkenmarkt 2, und wegen Beleidigung des Kämmergerichts Mittwoch, den 3. Nov., Molkenmarkt 3, ab- gehalten wird. Szimmath, Vergstr. 8. � Rawitsch, 23. Okt.(Volksversammlung.) Am 19. Oktober fand hierorts eine von über 3(M1 Personen besuchte Volksversammlung statt, in welcher Herr K. P. ZieinderS aus Breslau über die Arbei- terbewegung in Deutschland referirte. Redner erledigte sein Refer»! zur Zufriedenheit aller Anwesenden. In das Bureau wurden F. Boll» cher als Vorsitzender und Vicenz als Schriftführer gewühlt. Die»o thigen Schritte zur Konstituirung seines Wahlvereins sind bereits g« schehen. Mit social-demokratischem Gruß I. A.: K. Mehlert. Großeilhaiu, 17. Okt.(Situationsbericht.) Man sträub* sich hier sehr gegen die in unseri» letzten Bericht ausgesprochene Thatz fache, daß die Saganer Arbeiter, welche den Gewerkverein am Ort« begründen sollten, um die Socialdcmokratie todt zu machen, verschrie Ben worden seien, weil man wußte, daß, wenn selbst der indifferentestt Arbeiter diese Thatsache erfährt, er auch weiß, weß Geistes Kind» diese Arbeiter sein müssen, die eine„Besserung" der Lage des Arbcr terstandeS durch das Zusammengehen mit den Todfeinden desselben herbeiführen wollen. Run, das Gesagte hat seine Bestätigung erfahr� von Seiten unserer Gegner und besonders in einem Aufsätze, dev unser Bürgermeister Ludivig Wolf(früher Meeraner jiulturlämpser u»- Stadtvater), zur Bekämpfung der Socialdemokratie, speziell der werlSgenosfenschast der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter, m hiesigen Lokalblatt losgelassen. Herr Ludwig Wolf nimmt allerdma- in Bezug auf die Verschreibung Alles auf feine Jacke, was uns jedos> nicht verhindert, dabei zu verharren, daß er im Einvernehmen«tz Herrn R. Buchwald, Vorsitzenden des Fabrilantenvereins, diese schwvrung der guten Geisler" unternommen; hat doch letztgenannt� dieselben zuerst unter seine Fittiche genommen. Also die Berschreibuvt ist erwiesen, und serner ist Thatsache, daß die Verschriebenen sich v» Feinden des ArbeiterstandeS dazu gebrauchen ließen und lassen, Arb» tern entgegen zu treten. In welcher Weife dies bis jetzt geschah, fJJ hier zur besseren Würdigung verzeichnet werden. Da man sah, dtch durch die Gründung eines„Ortsvereins der Stuhlarbeiter und ve wandten Berufsgenossen", der Socialdemokratie der Athem nicht au gehen wollte, suchte man im Arbeiter-Bildungsverein Boden zu faste und benutzte dazu einige Mitglieder desselben, die ihres unstäten 6H raiters und ihrer hirnverbrannten Ideen wegen von jeher unsere Z neigung nicht besahen; diese sollten hauptsächlich, wie es schien, Arbciti* für die„gute Sache" zu gewinnen suche», d. h. dieselben den kanten an das Messer liefern— begünstigten, ja unterstützte» doch/ dieses Treiben; unter Anderen thal dies auch der den Lestst Letzteren dieses Treiben; unter Anderen thal dies auch der den re>«> schön bekannte Direktor Richter Durch die Konferenzen einiger zwischen dem Beamten und den Vorsitzenden schloß Letzterer die Ä sammlung, den unerledigten Antrag vertagend. Trotzdem gescbah nächster Versammlung die Ausschließung zweier würdiger Kump" 9 e ß 0 t r * s d ii v d b % % 5 »i t! N 3 t» E >i Z! d: b( dl e tr lr U sa b. sd lu be s° % ________________________, 1�.■.■ schriebener" mit dem Bürgermeister Ludwig Wolf in dessen Wohnv? ig mochte man dabin gekommen sein, sich aus die Erringuug der Majori� k.. im Arbeiter-Bildungsverein(welche, beiläufig bemerkt, aus aktiv» selbstbewußten Socialisten bestand), oder, falls dies unmöglich ss sollte, auf die Vernichtung desselben zu legen. Zu diesem Zweck war bei der Polizei Angaben über den Arbeiter-Bildungsverein gemm worden, die dieselbe veranlaßten, die nächste Versammlung des Aerem zu überwachen und sich zu überzeugen, ob öffentliche Angelegenheiten' Acrein erörtert wurden. Wie sich das Alles so fügt; in dieser Versammlus lag eine Anklage gegen ein Vereinsmitglied vor wegen Schädigung � Vereinsinteressen. Die Verhandlungen hierüber zogen sich etwas die Länge, daher forderte der überwachende Beamte, nachdem der-st geklagte zu seiner Vertheidigung den Verein als einen focialistisa� denunzirt hatte, den Vorsitzenden zu seinem Erstaunen auf, die � sammlung, da hier nicht der Ort und die Zeit sei, zu erörtern, in' weit die Vertheidigung- berechtigt sei, zu schließen.(Es� lag An* auf Ausschließung des Angeklagten vor.) Nach einigen Erörtcruijfi fai Ä. Ur 'n, Ai v? ii, Üii be Mehrere Tage nach der ersten Versammlung hatte der Vorsitzende ein �>stündiges Verhör bei der Polizei zu besteben, ferner belegte man das Protokoll zur„besseren Einsicht" mit Beschlag. Tags darauf er- folgte der Bescheid, dahin gehend, daß der Arbeiter- Bildungsoerein, nach stattgehabten.Erhebungen, die Grenzen eines Bildungsvereins nicht so inne gehalten hätte, wie nörhig gewesen, deswegen derselbe dem Vereinsgesetz unterstellt, von Weiterem aber diesmal unter be- wandten Umstünden(!?) abgesehen werden solle. Ei, ei, wie zart, wie gnädig! Oder wußte man auch, warum von„Weiterem" abgesehen werden mußte?— Rekurs wurde aus verschiedenen Gründen, meistens örtlicher Verhältnisse wegen, nicht erhoben. Der Verein arbeitet„unter dem Vereinsgesetz ruhig weiter und wahrlich nicht ohne Erfolg. Die Gegner hatten Fiasko gemacht. Es mußte ein anderes Mittel versucht werden, und diesmal legte man sich auf die Untergrabung und Ver- nichtung der Gewerksgenoffenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Hand- arbciter. Herr Ludwig Wolf arbeitete am eifrigsten. Am 7. August wurde eine Volksversammlung abgehalten in Hentschel's Lokal, mit der �.agesordnung:„Die socialistischen und die Hirsch-Duncker'schen Gewerk- ichasten". Referent war Herr Köhler aus Berlin. Die Versamm- .irng war von ca. 150 Personen besucht, der Vortrag wurde sehr bei- sallig aufgenommen und nach kurzer, aber Klarheit verbreitender De- s s �ende Resolution einstimmig, trotz der Anwesenheit des Vor- Utzenden des Ortsvereins ic., angenommen: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Vor- tragenden einverstanden und spricht hierdurch hinsichtlich des durch die «rundung eines Ortsvereins der Stuhlarbeiter am Orte ausgeführten raths an der Arbeitersache ihre tiefste Verachtung aus". ' 3m gegenüberliegenden Schützenhaus, dessen Wirth uns bekanntlich »höh«« Andeutung" sein Lolal verweigert, fand zur selben Zeit sie„außerordentliche Mitgliederversammlung des Ortsvereins ic." statt, e von circa 20 Personen besucht war, da Gäste zugelassen wurden. •w„Gewerkverein" lügt nun seinen Lesern vor,„beide Versammlun- inJi raiJrei'' �wach besucht gewesen, weil eben zwei zur selben Zeit ge- p, len.'e!en"' und noch Anderes mehr. In unsrer Versammlung war Wolf anwesend. In der nächsten Nummer des hiesigen„Amts- etfchien ein anonymer Artikel unter dem Titel:„Etwas für (!!U und Solche(?) die sich für die Arbeiterfrage interessiren." ein 5.eu'HW eine Verdrehung des Köhler'schen Vortrages, e,"'"'e Thatsachen entstellenden Angriff auf die Gewerksgenossen- iH Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter, sowie die dreisteste nun v Hirsch'schen Gewerkvereine. Der sich nachträglich ent- in»-?-* roar Ludwig Wolf. Der Vertrauensmann der Ge- die* richte eine Berichtigung an die Redaktion des Blattes ein, koni r"'®tun� des§ 11 des Preßgesetzes nicht verweigert werden vern rfü wirkte durch ihre würdevolle Ausdrucksweise wahrhaft ,n'�nd.für Ludwig Wolf und erweckte daher allgemeine Freude , ct.°en in der Bewegung stehenden Arbeitern. Noch vernichtender Naw» das Fiasko, daß Herr Ludwig Wolf mit einer mit feinem " unterzeichneten Erwiderung auf obige Berichtigung machte. (Schluß folgt.) lanae�?!��"' �7. Oktober.(Situationsbericht.) Da wir seit als � Uschis von uns haben hören lassen, so könnte es scheinen, auf u rm"* k'.e Liberalen zu Grabe getragen und die Polizei hätte Rube l är?d dinen Leichenstein gesetzt und unsere Liberalen hätten ionb�n» r.�>eden vor den Socinl-Demokräten. Dem ist aber nicht so, warts" so? �ht es trotz aller PolizeischwiNigkeiten immer vor- Aerfüäi Lokalwirthe sind bereit, uns ihre Lokale zu jeder Zeit zur wir in � stellen, nur fehlen uns Agitatoren. Darum beschäftigen ülp».« ,~,n- den Mitglieder-Versammlungen mit Artikeln aus de« Prelle" dial-Demokrat", dem„Volksstaat", der„Chemnitzer freien des S,■ ro' �m 24. Oktober gedachten wir unseres alten Freun- ein»i Plürkert, den Dichter des Arbeiterliedes:„In Breslau tesläs'.Todter, ein Grab". Derselbe ist nämlich wegen Bot- sitzen!,� ZU vier Wochen Gefängnißstrafe verurtheilt. Unser Vor- und � Höppner hielt eine kurze Ansprache an die Parteigenossen Seftrif. e' � Würkerr schon im Jahre 1348 sich den freiheitlichen ßriia£n?en angeschlossen habe und heute noch dafür als 7öjährig«r hinter Schloß und Riegel stecke. hier a. Rh., 24. Oktober.(Situationsbericht.) Auch troü d? � 3dee des vierten Standes trotz der vielen Hindernisse, und nii* jdsi�uannten Kulturkampfes, welcher hierin hohen Wogen geht silwn �''Uülher beschäftigt, Wurzel geschlagen,'Es hat allerdings bestand utshrcren Jahren ein kleiner Socialistenkreis hier am Orte Zalilr�i �'''' a6er uiegen Mangels an agitatorischen Kräften und der der iM t Maßregelungen, welchen die Arbeiter ausgesetzt waren, wie- äeno, T�gangen. Vor einigen Monaten nun kamen einige Partei- erlrnd■ Unterzeichneter in diesen Ort und die Social-Demokratie Wlf'b'U er'�r Haupt. Die erste Versammlung, welche wir ab- oottrvä,"� UOn ungefähr 100 Personen besucht und oerlief in der tans» Weise. Darob großer Aerger im Lager der Ultramon- rheini'i�« � Aerger machte sich in einem Eingesandt der„Nieder- Verhir- r fa'S'turlfl" Luft, welches einen ihrer Hauptführer zum lanin, t � und in der geringfchätzendsten Weife über unsere Ver- cher im berichtete, namentlich aber unfern Parteifreund Köhler, wet- sollte ber Diskussion betheilige hatte, schmähend angriff. Derselbe Ems'e'lUst haben, es gäbe leinen Gott, woran Köhler garnicht im den- gedacht hatte. Dies war natürlich nur geschrieben ivor- betäumf 0'e ultramontane Bevölkerung gegen uns zu"erbittern. Wir Punkt d" barauf eine zweite Versammlung an, in welcher als zweiter Volk---- � Tagesordnung das Eingesandl in der„Niederrheinischen Stratz- ��" wurde. Die rothen Plakate, welche an den In,,'"C"en prangten, und die Berichte der liveralen und ultramon- than'�'Uungen über unser« erste Versammlung hatten das ihrige ge- nunq JJennv e5.'aaren nicht weniger als gegen 400 Personen bei Eröff- liOOO„,et.Versammlung zugegen, was bei einer Einwohnerzahl von �iegenn sagen will. Die Ultramontanen, welche die über- Schnlu 7�ajorität bildeten, bekamen, allerdings nach vorhergegangener Ergötz- Seelenhirten, das Bureau in die Hände. Zu unserem überl,. 11 lrau6te das ultramontane Bureau gar keinen Rath, schien uon der Leitung- einer Versammlung keine Ahnung haben. auf e: m kern sReferenten, Parteifreund Dreesbach, noch die Redezeit der- �'uude beschnitten worden, ließ sich der ultramontane Theil *UnUeTnmlutt9 s*'6 Taktlosigkeit zu Schulgen koinmeu, beim zweiten de» R s Tagesordnung, über welche» Parteifteund Köhler referirte, �chlu« r?-ahcs ltzebrüll fortwährend zu unterbrechen. Zum truint �Cl Kaplan Grüter den heiligen(!) Vater und die Een- luna>- hochleben, um dadurch zu konstatire», daß diese Versamm- U[tjn einc social-demokratische, sondern eine katholische sei. Daß die sagjn°IUauen gerade sehr ehrlich gehandelt haben, kann mau nicht dach'i nrt als sich der Kaplan Grüter in eine Disputation.mit Drees- schloii gelassen, wo er selbst merken mochte, daß er reinfallen würde, Persa»,, Vorsiycude, durch einen Wink von Grüter benachrichtigt, die zu geb! n®'. 0hnc s,cn ön® Wort verlangen Herrn Dreesbach dasselbe �igetro Versammlung hat viel zur Verbreitung unserer Idee saii1L(aSen"nd gewannen wir einige Anhänger. In der letzten Ver- Tagx.. hatten wir„das Christenthum und den Socialismus" auf der ®Uter,? t,nun9 und Freund Dreesbach war wieder Rsferen Das lös,2 bekamen wir in die Hände. In der Mitte der Versammlung selbe er Wirth, von anwesenden Ultramontauen dazu aufgestachelt, die- QUf'........................... V.VV bah� Ulw zwar dadurch, daß er auf der im Saal befindliche?! Kegel- �iC' bi-i � schieben ließ. Hier zeigte es sich recht klar, welche Erfolge Nix zz.'flL ersteK hatte», indeni die Hälfte der Versammlung dem Red- sprach"all zollend, sich entrüstet über das Vorgehen des WirthS aus- siaul t war es uns leider unmöglich, die Fortsetzung der stoben stu�bftndeu zu lassen, weil uns die Lokale verweigert zur P.' 3" den nächsten Wochen steht uns ein Lokal jedoch wieder s-UU�Mgung. Sonntag, den 4. dss., war in Kempen eine Volksvcr- Ärhx,,. in welcher Drcesbach über die Bestrebungen der deutschen Unb»�urtei sprach. Zum Vorsitzenden wurde Schröder aus Süchteln 'Noch, uterzeichneter zuni Schriftführer gewählt. Die Versammlung .ungefähr von 750 Personen besucht sein und ist insofern von Lau's 9fest, als Dreesbach verhaftet wurde. Dreesbach kam im S, B C5 Portrages auf den Lassallescheu Vorschlag zu sprechen: Grün- bie?.n Produknv-Associationen mit Siaatshülfe, und beantwortete hin. dau � aufgeworfene Frage: woher das Geld dazu nehmen? da- bcispj« 1° so große Summen für Kriege verwendet würden, so wären »weise 220 Millionen Thaler für den letzten sogenannten heiligen Krieg bewilligt worden, wo sich die Völker zerfleischend———— Bei diesem letzten Worte wurde er vom überwachenden Bürgermeister unterbrochen mit dem Bemerken, daß er sich diesen Ausdruck notiren müsse. Dreesbach entgegnete ihm, ihn nicht Mitten im Satz zu unter- brechen, sondern erst ausreden zu lassen, worauf der Bürgermeister ihn verhaften ließ. Am Freitag, den 22. Oktober, fand die gerichtliche Verhandlung vor dem Zuchtpolizsi-Gericht zu Cleve statt, wozu Partei- genösse Buchbender aus Crefeld und ich als Schutzzeugen erschienen waren. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate Gefängniß und Tragung der Kosten beantragt, sich aus 130 und 131 stützend. Das Zucht- polizei-Gericht sprach dagegen Dreesbach frei.. Der Staatsanwalt hat gegen dieses Erkenntniß appellirt.— lind mag es noch so viel Ver- folgungen und Verurtheilungen geben, auf uns hat es nur die entgegengesetzte Wirkung, desto gewisser ist uns der Sieg. Mit social demokratischem Gruß. Constantin Ullrich. Hamburg, 21. Oktober.(Abrechnung des Allg. deutschen Bau- und Erdarbeiter-Vercins) vom 1. Juni bis 1. September. Der Kassenbestand betrug bis zum September. 247 Rm. 95 Pf. (Sinnahme im Monat Juni von Hamburg.. ----- Altona... --- Juli von Hamburg.. ----- Altona... für Juni, Juli und August von Rostock - im Monat August von Hamburg.. Ueberschuß von der Fahne durch Herrn F. Becker von Hamburg erhalten...... 152 26 167 49 21 136 54 80 50 95 25 80 25 7'/« Summa 356 Rm. 58 Hz Pf. Verausgabt im Monat August zur Agitations- Reise des Herrn Wißmann aus Berlin... 21- 87 /,- Bleibt Kaffenbestand 834 Rm. 87 Hz Pf. Revidirt und für richtig befunden. Die Revisoren: F. Becker. H. Cordes. W. Schmidt. Hiermit mache ich bekannt, daß ich von dein ftüheren Kassirer, Herrn Schcmperle, die Kasse Übernommen und für richtig befunden habe, und ersuche die Beitragsammler der Mitgliedschaften, die Beiträge, um eine regelrechte Buchführung führen zu können, allmonatlich an mich einzusenden. Eduard Trübe, Vereinskassirer, Neuer Steinweg unter 16, Hamburg. Der ame Conrad. Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk auf das Jahr 187«. Die Bedeutung des armrn Conrad ist unser» Lesern zur Genüge aus den unlängst in unserem Blatte veröffentlichten Artikeln über diese Bauern- und Arbeiter-Vereinigungen im 16. Jahrhundert bekannt. Diejenigen, welche mit der Geschichte deg armen Conrad nicht genau vertraut sind, finden in diesem Kalender ein kurzes und übersichtliches Bild über die genannte Bewegung. Den unterhaltenden Theil des Kalenders eröffnet„Florian Geyer's Heldentod", eine spannende Erzählung von RobertSchweichel. Eine passende Unterhaltung für die Weihnachtstage hat uns F. W. Fritzsche in dem Weihnachtsmärchen I-odlont*) geliefert. Ueber„Die Sprache der Zukunft" schickt uns aus dem Kerker heraus I oh. Most einen lehr- reichen und interessanten Artikel. Der Veteran der Socialdeuwkratie, Joh. PH. Becker in Genf, hat in seinen alten Papieren„Etwas über das Hambacher Fest" gefunden, daä er uns gern mittheilt. Robert Owen aus seinen Reden und Schriften" ist ein lehrreicher illustrirter Artikel aus W. Liebknecht's gewandter Feder. Ueber Georg Herwegh und Moritz Heß finden wir zwei kleine, treffliche Biographien aus der Feder von A. Geib und Carl Hirsch in Parrs, zugleich mit den Bildnissen der beiden, in ein und demselben Jahre verstorbenen Vorkämpfer des Proletariats.„Das Loos des Fabrikar- beiters" behandelt in einem scharfen Artikel über Kapital und Arbeit W. Hasselmann.„Eine Epistel über Kindererzichung an meinen Vetter Hans" hat Emil Roßbach zum Verfasser. Eine Auswahl tresslicher Sprüchwörter, sowie eine Verglcichung deutscher Reichs-Mnrken mit anderen Währungen, Verzeichniß deutscher Reichsmünzen, eine statistische Tafel über die Größe, die Einwohnerzahl und die Hauptstädte der verschiedenen Länder der Erde, nebst dem Ver- zeichnisse der Messen und Märkte nehmen die letzten Seiten des Kalen- ders ein. Das Kalendarium, dem noch Sinnsprüche, Anek- doten, sowie einige Räthsel von Geib— darunter ein spaßiges von Teisendorf— beigegeben stnb, hat C. Derossi verfaßt. Und so geben wir dem Kalender, der nur Tüchtiges und Treff- liches enthält, unsere besten Wünsche zu seinen Wanderungen durch Deutschlands Proletarier-Hütten mit auf den Weg. Der Preis des Kalenders, der in jeder Beziehung elegant und sauber ausgestattet ist, beträgt nur-10 Pf. Norck-�ond�. Seit dem 15. Septbr. d. I. sind für den Dorck-Fonds noch fol- gcnde Gelder eingegangen: Eßlingen d. Mangold M. 2,43. Gera d. H. Brendel v. Holzarbeiter-Gew. M.' 3,08. Hainichen d. M.. Martin M. 2,27. Hamburg, Liste 2l d. Bey M. 1,35. Hamsurg, 23. Oktober 1875. August Geib, Rödingsmarkt 12. prechsaal. Berlin, 20. Oktober. Zum Brande des Kaiserhofes. In Nr. 22 des„Neuen Social-Demokrat" war in einem Artikel über die industriellen und Kunstschöpfungen der Kaiserzeit gerügt, daß bei einem so gewaltigen Gebäude, wie der Kaiscrhof ist, dasselbe nicht durch Brandmauern in verschiedene Abtheilun- gen getheilt worden sei. Etliche Baugewerksmeister bezweifeln nun in einer Veröffentlichung, ob durch Brandmauern das Feuer beschränkt worden wäre. Solche Kühnheit des Zweifels(ent- schuldigen meine Leser diesen milden Ausdruck mit den Straf- gesehen), solche Kühnheit des Zweifels, aus dem Munde von Baugewerksmeistern ist höchst überraschend; aber das ist recht glaublich, daß es den Aktionären des Käiserhoss nicht passen kann, neuerdings Brandmauern innerhalb des Gebäudes aufzu- führen; das würde jetzt sehr viel Geld und viel Zeit kosten. Unseren nicht banverständigen Lesern theilen wir nur mit, daß eine Brandmauer eine Blauer ist, welche entweder ohne Unter- brechung vom Grunde bis über das Dach in die Höhe steigt, oder welche da, wo ausnahmsweise Unterbrechungen gestattet sind, also z. B. bei durchlaufenden Korridoren, mit allen Mitteln der Technik(eiserne Thüren:c.) zur Beschränkung des Feuers taug- lich gemacht worden ist. Ob solche Mauern das Feuer im Kai- serhos beschränkt hätten, kann nun wohl jeder Leser, ohne Bau- gewerksmeister zu sein, beurtheilen. Daß die Holzwände im Dachraum und die Holzwände der Ventilaftonsschachten— es handelt sich aber um Ventilation erhitz- ter Luft, und ist die Möglichkeit des Aufsteigens brennender Gase(kurzweg der Flammen) von den Baugewerksmeistern zuge- geben—, daß jene Holzkonstruktionen noch schlimmer gewesen sind, als das Fehlen der Brandmauern, ist ja klar und brauchte, wie die Herren anzunehmen scheinen, keineswegs erst durch die Er- fahrung bei jenem Brande erwiesen zu werden. Von jener kolossalen Sparsamkeit beim Baue des Kaiser- Hofes war aber am Tage nach dem Brande, als ich meinen Auf- satz an die Redaktion des„Neuen Social-Demokrat" abgab, noch ") Ausschluß, Aussperrung der Arbeiter durch die Arbeitsherren. nichts öffentlich bekannt, sonst möchte ich mich wohl nicht darauf beschränkt haben, von einer ungenügenden Beachtung der Regeln vorsichtiger Baukunst zu sprechen, sondern würde die Bauart des Kaiserhofes mit weit stärkeren Ausdrücken getadelt haben. _._ K- z. Laien- Evangelium. (Von Friedrich Sollet.) (Fortsetzung.) Das Gebet des Herr». „Auch sollt ihr nicht viel, wie die Heiden, plappern. Sie meinen, daß die Götter sie erhören, Wenn Sie mit vielen leeren Worten klappern, Der Geist läßt sich durch Worte nicht bethören. „Er weiß zuvor, was frommt, uns zu gewähren. Drum betet: Unser Vater indem Himmel, In des Gedankens ungetrübten Sphäre», Vom Scheine fern und von des Staub's Gewimmel! „Geheiligt sei dein Name! Keiner wage Sinnlos zu nennen ihn und zungenfertig, Auf daß, wo immer eine Lipp' ihn sage, Du auch im Geist sei'st wahrhaft gegenwärtig! „Und dein Reich komme! Nicht ein leeres Drüben Bleib' es, mit uns'rer Welt in ew'ger Zweiheit! Nein! wirklich komm es zu uns her, im Ueben Göttlicher Liebe und im Sieg der Freiheit! „Und deinen Willen laß gescheh'n auf Erden, So wie im Himmel! Wie du uns ersonnen Bei dir, laß uns hienieden göttlich werden, Daß wir vollenden hier, was du begonnen! „Gieb unser täglich Brot uns heut! Nicht rastet Behaglich unser Geist beim Freßgelage; Rur daß, der dunklen Erdennoth entlastet, Jn's Lichtreich ihn die fteie Schwinge trage! „Vergieb uns uns're Schuld, wie wir vergeben Den Schuldigern! In deines Geistes Lohen Laß unsrer Schlacken Wust als Rauch verschweben, Wie uns'rem Geist des Nächsten Schuld entflohen! „Führ' uns nicht in Versuchung! Halte ferne Die Nebel, so die Seel' uns trüben wollen, Auf daß wir, leuchtende, durchstcht'ge Sterne, Bewußt und fest in deinen Sphären rollen! „Erlös' vom Uebel außen uns und innen, Daß nicht der Dorn erstickt den guten Samen! Denn dein ist Reich und Kraft von Anbeginnen lind Herrlichkeit in Ewigkeiten. Amen!"— Mein kurzes Deuten selbst war schon ein Schwächen. Ihr aber solltet wohl vor Scham erglühen, Die ihr so festen Kern glaubt auszustechen Mit euren faden Brei'n und schalen Brühen. Nichts Schlecht'res, als des Geistes höchste Ziele Darf hier sich eisern aneinanderketten. Nicht daß sich lüderlich das Herzchen siele Auf weicher Phrasen heißen Lotterbetten. Nicht daß ein jeder Schwächling klag' und wins'le, Und Gott mit Lumperei'» dürf' überrennen, Daß, heuchelnd, man sich selbst schwarz überpins'le, Um sich bei Gott, durch Demuth weiß zu brennen. Pfui über eure Blümlein und Guirlanden! Sie wuchern in gemeiner Seelen Sunipfe. Der Geist ward, faulend, drin zu Spott und Schanden, Die Kraft hinweggeschwemmt mit Stiel und Stumpfe. Seht hier in FelS niit Schwerthieb eingehauen Kraftworte, so des Meisters Geist bekunden! Wie nur ein Gott beseelt erhabnes Schauen Sie faßt, dem längst des Staubes Kram entschwunden. Ich möcht' euch rathen, laßt'S dabei bewenden! Wie lauge wollt ihr noch Gebete schmieren? Will denn der Scharivari nimmer enden, Das Greinen, Wimmern, Faseln, Deklamiren? Schon längst sind reif an Geist und Herz die Starken, Aus sich zu beten, nicht durch fremde Mäuler. Wollt ihr die Schwachen uns noch ganz entmarken, Ihr heuchlerischen, weinerlichen Heuler? Fort in die Glut mit all' den süßen Bändlein, D'raus ihr sollt beten lernen fein manierlich! Maroquindeckelchen mit goldnen Rändlein, Und drinnen?— Koth, bespickt mit Blümlein zierlich. Wähnt nicht zu streng mich! Nur die Lüge tödt' ich. Könnt ihr des Betens Wahrheit euch nicht schaffen— Schlagt auf das Evangelium! Erbötig Ist Christus immer, euch emporzuraffen. Rechtes Fasten. „Und fastet ihr, so seht nicht sauer drein, Den Heuchlern gleich, die das Gesicht verziehn, Sie suchen vor den Leuten nur den Schein. Wahrlich! sie haben ihren Whn dahin. „Du, so du fastest, salbe dir das Haupt, Und wasch' dein Angesicht, daß du nicht scheinst! Dein Vater sieht, was auch der Haufe glaubt, Verborg'«es, und vergilt dir's offen einst."— Das Fasten ward zu todter Form schon längst, Doch blieb zurück für dich das ächte Muß: Entbehrend zu verschmäh«, woran du hängst, Daß nicht den Geist ersticke der Genuß. Preisgeben sollst du süßer Träume Rausch Für des Gedankens herbe Nüchternheit: Gesell'gen Wortes müh'los heit'ren Tausch Für arbeitstrenge Geisteseinsamkeit. Das ist das wahre, inn're Fasten jetzt, Das frei der Geist sich selber auferlegt, Der sich verflüchtigt, wenn er sich ergetzt, Sich stärkt, wenn er des Denkens Lasten trägt. Doch wer mit solchem Thun sich wichtig macht, Sich angewöhnt ein mürrisches Gesicht, Das er, das Lächeln meidend, streng bewacht, Als war' er, wie die andern Menschen, nicht, Ein seltsam feierlicher Sauertopf— Der hat den Lohn dahin. Wohl gafft ihn an Und zischelt nach ihm ein getäuschter Tropf, Geheimnißvoll:„Seht den! das ist ein Mann...!" Und dabei bleibt's.— Du aber, fastest du, So thu's mit Heller, faltenloser Stirn! Des Geistes Werktag seiner Sabbathruh, In ros'ger Gluth steh' des Gedankens Firn! Tie Erde, wenn sie neue Früchte sinnt, Und sich zu harter That zusammenrafft— Schau! wie sie sich mit Blüthen rings umspinnt, Als spielte träumend sie mit ihrer Kraft. Dein Schaffen und Entbehren sei versteckt Rom Blüthenteppich freier Heiterkeit! Gott, dessen Aug' Verborgenstes entdeckt, Wird öffentlich dir's lohnen seinerzeit. Aus dem Entbehren sprießen Füllen auf. Aufragen wird vor aller Welt dein Geist, Ein Tempel, stark und stolz vom Grund zum Knauf, In dessen Schutz das Volk den Vater preist. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. *(Zur Schulbildung der preußischen Rekruten.) Nach dem Ccntralblatt für die Unterrichtsverwaltung ergiebt sich aus einer Uebersicht über die Schulbildung der im Jabre 1674/75 in Preußen eingestellten Mannschaften, daß von 85,779 Mann bei 62,6(17 Schulbildung vorhanden war, wogegen 3172 Mann, also 3,70 Prozent, ohne Schulbildung gefunden wurden. Der größte Theil der Rekruten ohne Schulbildung fällt den überwiegend polnischen Landestheilen zu. Posen hat 16,05, Preußen 10,11, Schlesien im Ganzen 3,34, dagegen im Re- gierungsbezirk Oppeln 6,11 Prozent anfzuweisen. Aus Hohenzollcrn ist kein Mann ohne Schulbildung gewesen; für die übrigen Provinzen variirt der Prozentsatz zwischen 1,06(Pommern) und 0,38(Schleswig- Holstein). *(Ein Bad im Todten Meere) schildert ein Engländer, der sich dieses Vergnügen angethan, in folgender Weise: Ich erfreute mich niemals eines so angenehmen Bades, obwohl ich in zahlreichen Seen und Flüffen des Erdballs gebadet habe. Die Schwere des Waffers ist wegen der starken Salzlösung, die es enthält(26>, Prozent), so groß, daß man wie Kork auf dem Waffer schwimmt. Ich konnte nicht nur mit wunderbarer Leichtigkeit schwimmen, sondern thatsächlich im Waffer aufrecht gehen, da ich nur bis zur Achlelhöhle einsank. Nachdem ich dies entdeckt, ging ich an's Ufer und nahm Dr. C,, einen von unserer Gesellschaft, der nicht schwimmen konnte, bei der Hand und führte ihn an Stellen von bedeutender Tiefe. Anfangs zögerte er, mir zu folgen, aber er gewann bald Vertrauen, als er�sah, daß er nicht sank, und erfreute sich des Bades wie der beste Schwimmer. Aber man muß sich hüten, Wasser in die Augen oder in den Mund zu bekommen, da eS äußerst salzig, bitter und von höchst erregender Natur ist. Das Wasser ist krystallhell, aber kein Fisch lebt darin und es giebt dem Körper ein Gefühl, als ob man Oel berührt. Unsere Adreffe lautet von jetzt ab: Berlin 13. Dresdenerstraße 35. W. Haffelmann. H. Lange. Parteigenossen der Provinz Brandenburg, welche Redner wünschen, haben sich dieserhalb an H. 5töhlcr, Berlin, Kaiser Franz-Grenadicrplatz La., 2. Hof, 2 Treppen, zu wenden. Den Berliner Parteigenossen zur Beachtung! Dienstag, den 2. November, Abends 6 Uhr, findet in der„Bundeshalle", Wallner- Theaterstraße 15, eine allgemeine Bürger-Versammlung statt.'Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1) Wie i dem Verfall des Kleingewerbes entgegenzuwirken 2) Die Jahrmarktsfrage. Die von Gesinnungsgenossen des Kleinbürgersran- des veranstaltete Versammlung bedarf unserer Unter' stützuug; deshalb Achtung! A. Heinsch.W Briefkasten. Ein alter Abonnent hier. Da ein Kind unter 12 Jahren iiber Haupt nicht durch das Gesetz für feine Handlungen bestrast werde" kann, so kann es auch nicht für das sogenannte Schulschwänzen bestraft werden; es sind also dafür die Eltern verantwortlich. Das Gesetz straft also die Eltern und haben diese dafür zu sorgen, daß das Kind für sein Vergehen bestrast wird. Otto Richter, Drechsler in Stregau i. Schl. Es werden gegen wältig sechs Parteiblätter hier gelesen und ist es uns sehr wünschens werth, wenn wir uns können in Verbindung setzen. Unsere Adressen sind: Adolph Konjetzky, Porzellansormer; Ä. Springer, Kapscldreher; W. Wieland, Formengießer, in der Pozellanfabrik zu Königzelt i. Schl — Zugleich ersuchen wir Parteigenossen Julius Hoffmann, Schneider. um feine Adreffe. Berlin. Arbeitet Versammlungen: Tonnabend, 30. Okt., Ab. 8 Uhr, Gratwcil's Bicrhallen, ob. Taal. T.-O.: Unsere Gegner. Vortrag des Hrn. Arburg. Montag, 1. Aov., Abends 8 Uhr. Landwehrstr. 11, bei Meister. Vortrag des Hrn. Max Stöhr. Dienstag, 2. Nov., AbdS. 8 Uhr, 1) Rckcrstr. 63 bei Qnalitz. Vortrag des Hrn. Rackow. 2) Gesundbrunnen, Pankstr. 25. Vortrag oes Hrn. Kustermann. Jedermann am Platze. A. Heinsch. Die Montags- Versammlung im Oranicn-Talon fällt ans. Berlin. Mittwoch, den 3. November, Abends T/t Uhr, bei Vogel, Alexanderstr. 31, Versammlung des Putzer-Clubs. T.-O.: Vortrag des Hrn. Paul Grottkau. Club-Angelegenheit und Fragekasten. Sämmrliche Beamte des Blattes müssen behufs Jnventuraufnahme Sonntag, den 31. d.M., Vormittags 10 Uhr, bei Vogel, Aleranderstr. 31, erscheinen. (?. 53.) Dietrich. s2,60s Berlin. Donnerstag, 4. Nov., Abds. 8 Uhr, Sophienstraße 15, Abonnenteil-Versamminng. Bericht der Kommission zur Gründung eines Lokalblattes für Berlin. (?. 99.)____ A. Heinsch.[5,00] Berlin. Dienstag, den 2. November, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Vogel, Alexanderstraße 31, Oeffentl. Versammlung der Berliner Zimmerleute. T.>O.: Vortrag des Herrn C. Finn.— Verschiedenes. (?. 98.)___ O. Kapell.[2,60] Berlin. Mitgliedervprsnmmlung des AUg. deutsch. Maurer- und Steinhauer-Buudes, Montag, 1. November, Abends 8 Uhr, bei Vogel, Alexanderstr. 31. Mittwoch, 3. November, Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Renz, Raunynstr. 27. Dienstag, 2. November, Abends 8 Uhr, im Rust'schen Lokale, Wallstraße 1 in <5harlottenburg. Tagesordn.: Bortrag vom Unterzeichneten. Verschiedenes und Fragen. Ich hoffe, daß diese Versammlungen wie- der besser besucht werden, als die letzte war. Neue Mitglieder sind mitzubringen. (?. 55.) Hurlemann. s3,80s Versammlung sämmtlicher Tischlergesellen Berlins Dienstag, 2. Nov., Abends 8 Uhr, bei Ncnz, Nannhnstrastc Nr. 27. T.-O.: 1) Das Bestreben der Allgem. Tischler-(Schreiner-) Vereins, wozu außer den Mitgliedern desselben die stüheren Mit- glieder der Hierselbst bestandenen Holz- arbeiter-Gewerkschaft, die Mitglieder des OrtsvereinS der Tischler und des Tischler- Vereins speziell eingeladen werden. 2) Dis- kuffion über die Wahl des Altgesellen- Stellvertreters und der Deputirten. W. Schmitz. s3,60s Berlin. Sonntag, 31. Okt., Vorm. 10 Uhr, in den Gratweil'schen Bierhallen, Kömmandantenstr. 77— 79, oberer Saal. Versammlung sämmtl. Bor- standsmitglicdcr der Arbeiter- Hülfskassen zu Berlin. T.-O.: Die Gesetzesvorlage der Reichs- Regierung das Hülfskaffenwesen der Ar- beiter betreffend. Zu zahlreichem Besuche im Interesse der hochwichtigen Sache ladet ergebenst ein A. Maies. s2,80s Montag, den I. November, DtUlU. Abends 8 Uhr. in Gratweil's Bierhallen(oberer Saal) Ocffentlichc Schuhmacher- Versammlung. Tagesordn.: Der vom Bundesrath vor- gelegte Entwurf über Aufhebung der Hülfs- lassen. 2) Petition au den Reichstag. Szimmath. s1,80l Sonntag, den 31. Oktober, Vorm. 10 Uhr, Kottbuserstr. 4, Oeffcntliche Versammlung der Bau-, Land-, Crd- und Fabrik- Arbeiter. T.-O.: Vortrag. Verschiedenes und Fragen.(F. 51.) Kohlstädt.[1,60] Dienstag, 2. November, Abends 8 Uhr, . Sophienstr. 15, Große Generalversammlung b. Berliner Schmiebcgcsellcu. T.-O.: Vortrag. Verschiedenes. (F. 109.) I. Jacob, s 1,60s Anzeige». > Hamburg. 3»»»> j bei Herrn' Ohl, Spitalerstr. 18, Qcffentliche Versammlung ! der Bau-, Land-, Erd- und Fabrik- Arbeiter. T.-O.: Zweck und Nutzen der Gewerk- schaftsbewegung. (F. 1.)_ F. Krohn.[1,80] Montag, den 1. Nov., Abends 8', 2 Uhr, bei Herrn Petersen Gr. Neumarkt 41, Oeffcntliche Versammlung des Hamburg- Altonaer Bau- tischler-(Anschläger-) Vereins. Wegen des Stichtages findet die Mit- gliederversammlung den 7. November statt, mit der Tagesordnung: 1) Abrechnung. 2) Kassirerwahl. 3) Arbeitsbesprechung. (F. 1.) Heine.[2,40] Berlin. Altona. .fttimllNrA Dienstag, t. November, yUUlUUiy* Abends 8'/, Uhr, in Stadli's Etablissement, Allgemeine Arbeiterversammlung. Tagesordnung: Vortrag von Mathäi. (F. 1.) Hörig.[1,60] Hamburg-Altoua. Oeffcntliche Versammlung der Gypser und Stuckateure Donnerstag, 4. Nov., Abends 8>/z Uhr, in Stadli's Salon, Valentinskamp 41. T.-O.: Vortrag des Hrn. Hörig. (F. 1.)_____________ H. Götz.[1,60] WH-AltA Dienstag, 2. November, 3(UIUUU« Abends 8 Uhr, in Heinsohn's Salon, Grosse Oeffentliche Versammlung des Allg. deutsch. Bau-, Land-, Erd- und Fabrik-Arb.-Vereins. T.-O.: Fortsetzung des Vortrages über die Arbeitskrise und ihre Konsequenzen. Ref.: Herr Kamigann. Das Erscheinen Aller ist der Wichtigkeit des Vortrages halber nothwendig. (F. 20.) H. Cordes.[3,00] Dienstag, den 2. November, Abends 9 Uhr, im Verkehr, Mitgliederversammlung des Allg. deutsch. Schneider- Vereins. Tagesordn.: 1) Abrechnung.— 2) Die Botenstelle betr.— 3) Verschiedenes. Das Erscheinen Aller ist nothwendig. (F. 20.) E. Leinhos, Bev. st2M] rC-ltttallfirtt Mittwoch, 3. Nov., Abends IZ/iUlSlfor u* g im Schützenhof, Socialistenversammlung. T.-O.: Aufstellung eines Kandidaten für unfern Wahlkreis. Es ist Pflicht Aller, zu erscheine». Sonntag, 7. November, Nachm. 4 Uhr, Grosse Volksversammlung. H. Maschmann.[1,80] Mittwoch, 3. November, Abends pr. S'/a Uhr, im Lokale des Herrn Schultz, in Barmbeck am Marktplatz, Ocffentlichc Arbeiterversaminlnng. Tagesordn.: Vortrag. (F. 20.) C. Simon.[1,80] Barmbeck. Hannover. Social- demolrat. Wahl- verein.— Sonntag, nach dem Markt, im Posthorn zu Linden, Grosses Concert und Ball. Ztarten, zum Concert 25 Pf., für's ganze Fest 75 Pf., nach dem Concert auch 75 Pf., sind zu haben bei Rudolph u. Boge, Mittelstr. 11; Glebe, Fannpstraße in Linden; Mathes, Neuestr. 45, und an der Kasse.— Ansang des Concerts 4 Uhr, deS Balles 8 Uhr. I. A.: Rudolph.[2,00] Vorläufige Anzeige. tViirtf Am 15. Nov., Abends 8 Uhr, •TVIvl« im Englischen Garten, Grosse Fnlinenweihc des„Arbeiter- Sängerbundes", verbunden mit Concert und Ball. Der Vorstand.[1,40] Uhren. Empfehle den Partei- genossen Hamburgs mein Uhrcn-Lagcr. Talmi- und Gold-Medaillons und Ringe. Reparaturen billig.(F. 1.)[3,50] H. Degen, Uhrmacher, Neust. Neustraße 44— stüher 49. ALLGEMEINE DEUTSCHE ASSOCIATIONS- BÜCHDRÜCKEREI zu (Eingetragene Penossenschaft) empfielilt sich zur Anfertigimg von Rechnungen, Quittungen, Formularen, Circnlaren, Prospoeten. Preis-Conranten, Ball-, Visiten-, Ackress- und Erapfehlungs- Karten, sowie überhaupt aller in dieses Fach einschlagenden Arbeiten. Ganz besonders empfehlen wir uns den geehrten Vereinen zum Druck von Statuten und aller bei Vereinen vorkommenden Arbeiten, und bitten um geneigte Aufträge. Auch für Auswärts führen wir Aufträge auf Druckarbeiten ans und hoffen, dass uns solche zahlreich zugehen werden. Indern wir stets saubere Ausführimg und prompte Bedienung versprechen, empfehlen wir uns hiermit bestens. Alemeine Deutsclie Associations-BncMmctai zu Berlin (Eingetragene Genossenschaft). (F. 97.) Kaiser Kranz-Grenadier-Platz Nr. 8a.[11,6] Volks Kalender für 187«. durchschossen 120 Seiten gr. 4. mir Schreibpapier 75 Pf. Geheftet 50 Pf., und gebunden Inhalt Kalendarium mit protestantischem und katholischem Kalender, Auf- und Untergaiqi von Mond und Sonne, Tageslänge, Planetenerscheinungen, Blüthen-, Schreib- uttf Geschichts-Kalender.— Astronomische Mittheilungen.— Tabellen: zur Stellung cincr Uhr; über Ebbe und Fluch der Nordsee; zur Äergleichung der Münzen, Maße un- Gewichtc; Korn- oder Fruchtrechnung nach altem und neuem Gelde; Zinstabelle; mW' Portotarif; Wechselstempel; Trächtigkeils- Tabelle.— Einige Data der neueren Gc schichte.— Statistisches.— Ewigkeits-Kalender.— Vermischtes.— Der Kartoffelkäfer: — Die Drehkrankheit der Schafe.— Die Reblaus, mit 3 Abbildungen.— Anekdoten und Miscellen.— Gedichte: Der Raubschütz; von Nie. Lenau; Brot, nach Piera Dupont von F. Freiligrath; Der deutsche Kaiser, von Hofstnann von Fallersleben- Reue Götter und alte beiden, von Karl Beck; Sonntagsieier, von Prutz; Jahr au» Jahr ein, von Goethe; Schwindelhaber, von Ludwig Uhland; Karl I., von Heinrich Heine; Katechisation, von Goethe.— Beiträge von Bernhard Becker: Der Trüffel- bau und das Trüffelsuchen.— Das allgemeine Stimmrecht.— Die Hinrichtung vo» Ferrö, Rossel und Bourgeois.— Die Eingeborenen Australiens.— Sitten der Indianer.— David Livingstone.— Aus dem Privatleben des Generals Santerre.— Die Turkomanen.— Bon Dr. A. Otto-Walster: Ein Gefellfchafts-Retter.— Eine zeitgemäße Geschichte.— Aus dem Leben Einiger von Gottes Gnaden.— Von F. ssö- Friksche: Gewerkvereine, die Innungen der Neuzeit.— Von Joh. Most: W»- verschuldet die menschlichen Krankheiten?— Von August Gcib: Neue Sprüche, r Von W. Bracke: Das Spectrum, mit 2 Figuren. Messen und Märkte. Das Verzeichuiß begreift die preußischen Regierung�- bezirke Magdeburg, Merseburg. Erfurt, Münster, Minden, Kassel, Wiesbaden utz» Schleswig-Holstein, die Länder Braunschweig, Anhalt, Oldenburg, Waldeck, beide Livp»- Lauenburg, beide Merklenburg, unsere drei Hansastädte, die Landdrosteien Hannover, HildeSheim, Lüneburg, Stade, Osnabrück und Aurich, die reußischen Lande, Sachsen, Hessen und das gesammte Thüringen, sowie die Hauptstädte des übrigen Deutschland», insgcfammt SIMM) Marktortc. Wiederverkäufer erhalten Rabatt, indem direkt von dei Nerlagshandlung zu folgenden Preisen in Partien abgegeben werden: Geheftet 1« St. 4 M., 100 St. 30 M. Gebunden 10 St. 6 M. 50 Pf., 100 St. 55 M. Es wird indeß nur gegen baar oder Postvorschuß abgegeben Der Kalender eignet sich besonders zum Vertriebe in Kreisen in denen nian sonst— der Messen und Märkte wegen, ode'- dergl.— gegnerische Lokalkalender vorzieht. Braunschweig.(F. 108.)_[20,00] W. Bracke fr Im Verlage der Geuossenschastsbuchdruckerei zu Leipzig erschien und ist durch Buchhandlung oes„Neuen Social-Demokrat" in Berlin zu beziehen: Oer arme Conrad. Jllnstrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1871» In 12 Bogen(circa 100 Seiten) wird dieser Kalender außer dem protestantische''' katholischen und griechischen Kalendarium— Geschichtskalender— Wetterregeln p Auf- und Untergang von Sonne und Mond, Tageslänge, Planetenerfcheinungcn rl Verzeichuiß der Messen und Märkte— Gedichte— Sinnsprüche— Anekdoten u. f. f enthalten: Beiträge von Rob. Schweichel(eine Novelle: Florian Geyer's Heldentod Joh. PH. Becker, Joh. Most, F. W. Fritzsche, Wilh. Liebknecht, W. Haffelmann, E. Hirftc A. Geib. L Illustrationen: Ein Titelbild, die Stiftung des Bruderbundes,„der am- Eonrad" darstellend; die Bildnisse von Heß und Herwcgh; eine Musterkolonie vf Owen; Monatsvignetten. Alle diese Illustrationen sind von bewährten Künstlern gezeichnet und in Holz 4 schnitten. JJ Bei dieser gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der Kalender gehcfw nur 40 Pf., gebunden und mit Schreibpapier durchschossen 60 Pf. gegen Baar od* Postvorfchuß.— Den Bestellern von Cinzcl-Excmplarcn ist anzuempfehlen, für jedes ExK" plar 40 Pf. nebst 10 Pf. Porto gleich der Bestellung in Briesmarkep beizulegen Postvorschuß und unstankirte Sendung vertheuern die Lieferung. Nur gegen Baarzahlung oder Postnachnahme kann geliefert werden. - Auf Posten von 1 Dtz. aunvärts berechnen wir: s?"\fu> Berlin im Oktober 1875. Die Suchhandlung des„Neuen Soeial-Demokrat Kaiser Franz-Grenadicr-Plah 8».___ j aufmerkss Kwnksurta.M.-S-� im Lokale des Herrn Pfuhl, Zeil 47, Gemüthliche ülbend- Unterhaltung. Die Parteigenossen werden ersucht, zahl- reich zu erscheinen. (F. 100.) I. A.: H. Prinz.[1,80] Geschäfts-Eröffnnng. Uiiterzeichncter eröffnet mit dem 1. Nov. in der Hopfcnstr. 1».