Nr. IBi. Freitag, tot 5. Nmiember 18?5. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Neuer Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur «ntgcgengenommmen. ocml Demokrat. Organ der SvcialWchen Arbeiter-Partei Deutschlands. Z. Jahrgang. Redaclio» u. Expedition: Berlin, 80., Kaiser Franz-Grenadier-Pl. 8a. Inserate (nur in der Expedition auszu- geben) werden pro fünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. berechnet. Ver- sammlungs-Annoncen die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Re- klame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. -lbo»»ementS-PretS:?«.»*> U» fSÄT(£ gSStATFÜ ff" A»« Inhalt. Das rothe Gespenst und die Krankenkassen. Teutschcr Reichstag. Politische Lebersicht: Unsere Schulen.— Die Verhaftung Strousberg's.— Aus Bayern.— Aus der Schweiz.— Serbien.— sabrikantenhumanität.— Die Kaiserglocke.— Arbeiterungliick. Innere Parteiangelcgcnheiten. �, Korrespondenzen: Barmstedt.— Stuttgart.— Eimsbüttel.— Schmölln.— Gießen.— Altona.— Achim.— Langensalza. Tic Herrschaft des Kapitals. I. Laien-Evangelium von Sollet.(Fortsetzung.) Vermischtes. Feuilleton: Ueber die Kost in den öffentlichen Anstalten.(Forts.) Das rothe Gespenst und die K'rankenkasien. Die heutigen Zusttinde werden recht schön durch die Motivirnng charakterisirt, welche dem§ 6 des Krankenkasseu- �esetzentwurfs, deu wir iu voriger Nummer mittheilten, �gefügt worden ist. Hieße es daselbst kurzweg:„Der �taat geht zu Grunde, das rothe Gespenst verschlingt M, wenn Arbeitervereine sür ihre Mitglieder Kranken- lassen einrichten dürfen", so klänge das kürzerund bündi- äer, als die lange Motivirung, jedenfalls aber wäre der Slnn kein anderer, deim es ist geradezu staunenerregend und erinnert an den Ton der Stieber-Wermuth'schen �ommunistenschrift, wenn die harmlosesten Kranken- fassen mittelst hochpolitischer Beweisführung als staatsge- sahrliche Institute dargestellt werden und ihr Verbot ge- > ordert wird? . Ist das Reick) der Gottesfurcht und frommen Sitte nnrklich schon so wackelig geworden, daß Krankenkassen es zum Sturz bringen können?— Oder sind die Arbeiter, lene Millionen Arbeitsbienen, welche die heutige Gesellschaft Ehalten, so bösartige Individuen, daß, sobald sie nach Gutdünken Kassen gründen und ihre Pfennige selbst ver- walten— wie der Sparapostel einst sagte— die Bestie �utfesselt wird. Doch lassen wir dieses dahin gestellt, und gehen wir dein Gespenste, welches in den erwähnten Motiven zum § 6 zitirt wird, näher zu Leibe. Die Motivirung beginnt folgendermaßen: „Durch Absatz 2 des K 6 soll Vorsorge getroffen wer- den gegen die Ausnutzung der HülsSkassen zu Gunsten irgend Welcher, ihren Zwecken frenldartigen Bestrebungen und In- leressen. Nur die Kassen selbst, nicht andere ihnen etwa Zugeschlossene Verbindungen will der Entwurf stär- ken. Vereine, welche die Errichtung einer Krankenkasse mit Ausschließlichkeit sür ihre Mitglieder vorziehen, werden durch den Entwurf nicht daran behindert; sie können eben nur '"cht Namen und Rechte der gegenseitigen Hülfskassen in Anspruch nehmen." Aus jeder Zeile des Vorstehenden leuchtet die blaue Angst vor Arbeitervereinen hervor. Nur ja keine Stärkung dieser gefährlichen Rotten, in denen der CommuniSmus ausgebrütet wird!— Geradeso wie einst Stieber und Hlnkeldey sogar Sänger-, Turner- und Naturheilvereine kür verkappte Verschwörungen hielten, liegt offenbar auch mer die Sache; und es soll uns gar nicht wundern, wenn die so sehr um die„Ordn ung" besorgten Herren im Reichstag behaupten werden, daß, weil die Btitglieder vieler Arbeiter-Krankenkassen socialistisch gesinnt seien, die Kranken- lassen die Ursache des Socialismus wären. � Um etwaige Jrrthümer zu verhüten, bemerken wir bei- läusig noch, daß die oben in den Motiven erwähnte an- bobliche Nichtbehinderung von mit Vereinen verbundenen Krankenkassen nur scheinbar ist, denn nach dem Gesetz- sntwurf sollen die Arbeiter gezwungen werden können, �gend einer der sogenannten gegenseitigen Hülfskassen anzu- Zehören, welchen es verboten ist, sich an einen Verein an- zuschließen; die Mitglieder einer Vereinskasse müßten als- dann für zwei Kassen zugleich Steuern bezahlen. . Dpch kehren wir zurück zur Beschwörung des rothen Gespenstes. Hört! inwieweit bisher die Verbindung von Hülfskassen mit anderweiten Organisationen zu üblen Folgen thatsächlich geführt hat, mag hier dahingestellt bleiben. Zweifellos ist daß die Verbindung Folgen nach sich ziehen kann, deren Ulöglichen Eintritt die Gesetzgebung nicht außer Betracht lassen darf. Vereinen, deren politische, religiöse dder wirthschaftliche Tendenzen der Staat zu be- kämpfen Anlaß hat, würde dadurch der Weg ge- �vnet, eine kräftige Organisation Zugewinnen und 'uittelst dieser gegen die staatliche Ordnung erfolg- Reicher vorzugehen." . Also der Staat kämpft mit Vereinen, und diese Ver- m?6 ssäben sich eine fürchterliche Organisation, wenn ihre Mitglieder unter sich Krankenkassen bilden dürfen, welches srqnickende Bild!— Natürlich find die Mitglieder dieser Uaatsgesährlichen Vereine Arbeiter, denn die Gründer z�rden schwerlich sich durch Krankenkassen organisiren. Also ist der Kamps gegen gewisse Arbeitervereine die erhabene Mission des Staates, und wir zweifeln gar nicht daran, daß die Verfasser der Motive damit die socialistischen Ar- beitervereine meinen. Kulturkampf gegen die„Rothen" ist die Losung, und mit Arbeitervereinen und Krankenkassen sängt er an zum Heile der Menschheit und der„Ordnung". Ja, sogar die harmlosen Gewerkvereine des Dr. Max Hirsch werden in einen Topf mit den Socialdemokraten geworfen, um zum Kulturkampfragout roth gesotten zu wer- den. Dr. Mar Hirsch hatte nämlich an hoher Stelle peti- tionirt, daß man den argen Socialisten das Krankenkassen- recht zwar entziehen, seinen Gewerkvereinen aber aus- nahmsweise gestatten möge. Hierauf anspielend, fahren nun die Motive, wie folgt, fort: „Eine Scheidung zwischen den verschiedenen Vereins- richtungen, in der Art, daß gewissen Vereinen grundsätzlich die Verbindung mit den Kassen gestattet, anderen diese Ver- bindung untersagt würde, erscheint als ein vergeblicher Versuch. Eben so wenig ist es rüthlich, zu Gunsten be- stimmter, zur Zeit vorhandener Vereins-Organisationen von dem Grundsatze des Entwurfes eine Ausnahme zu inachen; denn wie wenig auch die augenblickliche Richtung einer solchen Organisation dem Staate Anlaß zu Bedenken bieten mag, so fehlt doch die Gewähr, daß ihre Thätigkeit nicht unter Umständen in andere und schädliche Richtungen sich verliere." Armer Doktor! Obschon Deine Vereine„Anlaß zu Bedenken" augenblicklich nicht' bieten, traut man dem Frieden nicht recht. Sie könnten ja eines schönen Tages „in andere und schädliche Richtungen"— das heißt in's socialistische Lager— sich„verlieren"!— Spiele nicht mit Schießgewehr und Gewerkvereinen; ersteres könnte un- verhofft losgehen, letztere könnten zur Erkcnntniß der Ar- beiterintercssen kommen und den socialen Doktoren mit Sack und Pack durchgehen.— Wir kommen jetzt zum Schlüsse der Motive, welche noch die peinlichsten Vorsichtsmaßregeln treffen, damit die Krankenkassen nur nicht das Geringste mit der„staatsge- sährlichen" Arbeiterbewegung zu thun bekommen. Es heißt da: „In der That kann die gedeihliche Entwickelung der Kassen durch Beziehungen zu fremdartigen Verbindungen nicht gewinnen. Je mehr solchen Momenten, welche mit dem Versicherungszweck der Kassen keinen Zusammenhang haben, Einfluß auf die Gestaltung des Mitgliederkreises ge- währt wird, umsomehr wird die naturgemäße Grundlage der Kasse und damit deren Sicherheit gefährdet. Anzuer- kennen ist allerdings, daß die Beschränkung des Wirkungs- kreises einer Kasse auf Genossen desselben Berufes oder Arbeitszweiges insofern den Interessen der Kasse nützlich werden kann, als die Mitglieder sich inniger mit der Kasse verbunden fühlen und als den Kassen gleichartigere Elemente zugeführt werden. Eine dem entsprechende Kassenbildung wird aber durch deu Entwurf auch nicht ausgeschlossen; nach wie vor wird es zulässig bleiben, daß für den Kreis der Arbeitsgenosien eines bestimmten Erwerbszweiges Kassen er- richtet werden; der Entwurf will nur nicht gestatten, daß Anforderungen, welche über diese Arbeits- oder Berufs- gemeinschast hinausgehen, an die Mitglieder gestellt werden. „Nach der Fassung der Vorschrift sollen nicht nur Ver- pflichtungen der Kassenmitglieder zum Eintritt in andere Vereine, sondern auch sonstige Verpflichtungen ausgeschlossen sein, welche durch den Zweck der HülfSkasse nicht gerechtfer- tigt werden. Statutsvorschriften, welche die Mitglieder einer Kasse etwa verpflichten, bei Staats- oder Gemeindewahlen in bestimmter Richtung die Stimme abzugeben, nach Wei- sungen von einer Stelle aus, an gewissen Orten oder bei gewissen Arbeitgebern nicht Arbeit zu nehmen, oder über- Haupt unter einem gewissen Lohnsatze nicht in Beschäftigung zu treten, müssen schließlich nicht nur den Kassen verderblich werden, sondern würden auch meiterreichende Jnter- essen schädigen. Da Versuche bereits wahrgenommen sind, Mitglieder einer Kasse in solcher Weise zu verpflichten, so kann das Gesetz darüber nicht hinweggehen." So weit die Motive zu � 6 des Hülsskassen-Gesetzent- wurfs!— Hier, wie an allen anderen Stellen erscheint wieder das rothe Gespenst. Gleich als wenn die Arbeiter nicht bessere, nicht mo- ralische Mittel Hütten, um für ihr Interesse zusammenzu- halten, sei es bei der Wahlbewegung, sei es bei dem Wi- derstande gegen die Kapitalmacht, argwöhnt man, daß durch Zwang, durch Ausstoßung aus Krankenkassen und ähnliche Maßregelungen die Arbeiter die Disziplin ihrer Organisa- tionen aufrecht erhalten würden. Die Gedanken weilten wohl bei den Drohungen und Arbeiterentlassungen, welche die Fabrikanten und Grundbesitzer so oft sich zu Schulden kommen lassen, ober bei dem Pläneschmieden in den Frei- maurerlogen; bei den Arbeitern nahm man ähnliche Be- weggründe an und verbarrckadirte ängstlich das Kranken- kassenstatut. Diese Mühe hätten die Herren sich sparen können, denn nicht durch Grausamkeit, sondern durch Ge meinsinn organisiren sich die Arbeiter, und dieses macht ihre Bewegung so widerstandsfähig gegen jede Verfolgung. Während einerseits nun der Arbeiter von solchen Be- einflussungen sich fern hält, so legt er um so größeren Werth darauf, daß ihm sein freies Verfügungsrecht über seine sauer abgedarbten Groschen nicht verkürzt wird. Er ist mündig und will daher von keiner Bevor- mundung etwas wissen. Und es ist in der That das Aergste, was seit deni famosen Kontraktbrnchgesetz dem beut- scheu Arbeiter geboten ist, daß Dank ängstlicher Gespenster- seherei und zu Gunsten eines reaktionären Bevormundungs- systenis, die zahlreichen musterhaft geordneten Hülfskassen der Arbeiter-Vereine thatsächlich vernichtet werden sollen.— Darum fort mit dem ZK!— Deutscher Neichstag. „Die erste und zweite Berathung des Gesetzent- wurfs betreffend die Abänderung des§7 des Gesetzes über das Postwesen des deutschen Reiches vom 28. Ok- tober 1871" bildete den Hauptgegenstand der Sitzung vom 2. November. Die Sitzung war die erste in dieser Session, die Leben verrieth. Die Eisenbahnbarone haben sich verschworen, ihre Lokomotiven nicht mehr vorzuspannen, um des Herrn Ste- phans gelbe Postwagen ziehen zu lassen. In der allgemeinen Besprechung führt Bundeskommissar Oberpostrath Dr. Fischer zuerst aus, daß für die Verhält- nisse der Post zu den Staats-Cisenbahnen zur Zeit das Regle- ment vom 1. Januar 1868 maßgebend sei, jedoch mit dem 1. Januar k. I. für die Staaten des vormaligen Norddeutschen Bundes außer Wirksamkeit trete. Es liege somit die Nothwen- digkeit vor, das Verhältniß der Post zu den Staatsbahnen von dem genannten Zeitpunkte ab anderweit zu regeln. Der vor- liegende Gesetzentwurf unternehme nun die Regelung nicht in dem Sinne, daß er ein neues Recht schaffe, er wolle vielmehr nur die Gnmdzüge der bestehenden administrativen Vorschriften zu einem einheitlichen Reichsgesetz formell verbinden und nach den gemach- ten Erfahrungen ergänzen. Der Gesetzentwurf unternehme auch nicht, für die Verpflichtungen, welche den Eisenbahnen obliegen, eine neue Grundlage festzustellen; er unternehme auch nicht, die Summe der Leistungen der Eisenbahnen über das bestehende Zllaß hinaus zu erhöhen. Andererseits sei es auch nicht die Absicht des Entwurfs, die Grundlagen, auf denen diese Leistungen be- ruhen, aufzuheben und darauf zu verzichten. Derselbe bemühe sich vielmehr, den Interessen der Eisenbahnen und der Post gleich- mäßig Rechnung zu tragen, indem er die Verpflichtungen in allen Einzelnheiten ergänze. Auf diesem Wege wolle der Entwurf MißHelligkeiten vorbeugen, die sich überall da ergeben, wo über das Maß der Verpflichtungen Unklarheit herrsche. Zum Schluß spricht Redner den Wunsch aus, daß der vorliegende Gesetzent- wurf dazu beitragen möge, das Wohl der Eisenbahnen und der Post gleichmäßig zu fördern und deren Bemühungen, das Ver- kehrswcsen des deutschen Reichs zu erleichtern, zu unterstützen. Die Abgeordneten Dr. Elben, Richter-Hagen und von Minnigerode erklären sich für die Ueberweisung der Vorlage an eine besondere Kommission von 14 Mitgliedern zur Vorbe- rathung und betonen,„wie belästigend" es für die Eisenbah- nen sei, besonders für die Privatbahnen, ohne Entschädigung die Posten mitzuführen, besonders ist Herr Richter in heller Ver- zweiflung darüber, daß neu gegründete oder zu gründende Eisen- bahnen in ihrer Entwickelung dadurch gehemmt werden sollen, daß ihnen auch in Zukunft noch immer der Posttransport ver- bleiben wird, ohne daß ihnen eine Entschädigung gewährt wird. Der Abgeordnete Grumb recht ist nicht der Ansicht, daß man die Eisenbahnen für ihre Leistungen auf dem in Rede stehenden Gebiete entschädige.' Die Eisenbahnen seien ein Verkehrsmittel, das dein öffentlichen Interesse zu dienen habe, auch hätten gerade sie alle Ursache etwas für das öffentliche Interesse zu leisten. Redner erklärt sich überhaupt gegen die Privateisen- bahnen und hofft, daß sich mit der Zeit der Umschwung in der Meinung zu Gunsten des Staats-Eisenbahnwesens vollziehen werde. Es ergreift nun das Wort der Gencral-Postdirektor Ste- phan: Meine Herren! Ich muß bekennen, daß die Wendung, die die heutige Berathung angenommen hat, und ihr Charakter mich sehr überrascht. Es handelt sich um ein Gesetz lediglich for- meller Natur, dessen Absicht nur dahin geht, bestehendes Recht zu codificire», und dessen Nothwendigkeit deshalb zu Tage liegt, weil das bestehende Recht mit Ende dieses Jahres, mit Ablauf der achtjährigen Periode, erlischt, und wir uns dann gegenüber dem Nichts befinden. Aber gleichwohl ist man materiell in die Berathung eingetreten, wird die Grundlage des bestehenden Rechtes, seine Substanz zum Gegenstande der Diskussion gemacht, eines Rechtes, das einen wichtigen Bestandtheil des Besitzstandes des deutschen Reiches bildet, das als Accessorium das Hoheitsrecht der Post mit diesem Hoheitsrecht selbst nach dem Satze:„Wem die Hauptsache, dem auch dasUebrige" auf dasReich mit übergegangen ist, eines Rechtes, das ein halbhundertjähriges Allodium der Postver- waltung bildet, ohne dessen Besitz sie ihre hohen Zwecke gar nicht erfüllen kann. Weshalb nun richten sich die Angriffe gegen diesen Besitzstand? Hat die Postverwaltung dieses Recht mißbraucht? Hat sie es rücksichtslos angewandt? Hat sie endlich die Leistun- gen nicht erfüllt, die man von ihr erwarten durfte, indein man sie mit einem solchen Rechte ausstattete? Man hat dies nicht behauptet, auch würde die Beweisführung sehr schwer werden. Was ist also der Grund? Es ist nichts weiter, als die finanzielle Vedrängniß der Privatbahnen, die dahinter steckt. Durch welche Umstände die Eisenbahnen in diese Lage gerathen sind, das zu untersuchen, ist nicht meines Amtes; ob es eine Folge ist des allgemeinen Systems, auf dem sich die Entwickelung unsere-� Eisenbahnwesens aufgebaut hat, oder ob es eine Folge ist der gegenwärtigen Lage von Handel und Berkehr, oder eine Folge der Mastregeln, die die Eisenbahnen selbst ergriffen haben, und die vielleicht nicht so ausgeschlagen sind, wie von ihnen voraus- geseht wurde, das ist nicht meines Amtes zu untersuchen; doch Thatsache ist, dast sie sich in finanzieller Bedrängnist befinden, und dafi nun vielleicht bei dieser Gelegenheit wieder das groste Rcichsfaß angezapft werden soll. Es ist ein merkwürdiges Schau- spiel, daß die Eisenbahnen und die Post, zwei Anstalten, die be- rufen sind, gemeinsam ihre hohen Zwecke zu erfüllen, gewisser- mästen vor diesem Forum eine petitorische Klage führen. Tie Klagen, die vorhin hier wiedergehallt haben, sind mir nicht neu. Als die Kunde von der Vorlage dieses Gesetzes in's' Land ging, wurde in Blättern, die sich vorzugsweise mit Gerwerbe, Aktien- und Privateisenbahnwesen beschäftigten, die Postverwaltung unter Aufstellung schiefer Behauptungen vielfach angegriffen. Die Post- Verwaltung hat es verschmäht, auf diese Artikel zu antworten, sie hat den Zeitpunkt abgewartet, wo sie vor dem höchsten Organ der öffentlichen Meinung ihre Sache führen konnte; dieser Zeit- punkt ist gekommen. Der Abgeordnete Richter hat des Herrn von Ragler erwähnt, und daß er sich seiner Zeit gegen die Eisen- bahnen erklärt hat. Dem einzelnen Menschen kann man es ae- wiß nicht verargen, wenn er einer neuen Erscheinung gegenüber seine eigene Ansicht hat, zu bedauern ist nur, daß wir nicht da- mals schon zum Staatsbahnsystem gelangt sind. Man sagte, daß die Postverwaltung von den Eisenbahnen eigentlich alles gratis bezöge. Dies ist ein Jrrthum. Ich werde die Zahlen angeben, die die Last der Post darstellen gegenüber den Eisenbahnen. Aus dem Etat für das Jahr 187L ergiebt sich, daß für den Bau und Unterhaltung der ambulanten Bü- reau's auf den Eisenbahnen ausgesetzt sind: zwei einhalb Millionen Mark; an Vergütungen für Pallete gege.. Dreiviertel Mil- lioncn Mark; und dabei muß die Postverwaltung für Packete von über 20 oder 40 Pfund Gewicht, am linken Rheinufer sogar über 2 Pfund, auch dann bezahlen, wenn sie in dem eigenen Post- wagen befördert werden. Ja, damit noch nicht genug— die Postverwaltung muß auch dann, wenn sie einen Beiwagen braucht, wie fast täglich der Fall ist, außer dem gewöhnlichen Satze für die Wagen auch für diese Packete bezahlen; sie zahlt mehr als ein Privatmann, sie zahlt doppelt. Ich will zahlen vorführen. Außer jenen Dreiviertel Millionen figuriren noch zwei Millio- neu Mark an Fahrgeldern für die Personen, die den Dienst unterwegs verrichten. Die Gehäl- ter dieser Beamten belaufen sich auf sechs Millionen jährlich. Die Postverwaltung selber hat durch die Portofreiheit eine Last zu tragen, die ich bei der jetzigen Ausdehnung der Reichs- Verwaltung auf etwa drei Millionen Mark jährlich veranschlage. Diese Last sigurirt gar nicht im Etat, und ich wünsche, daß sich die Eisenbahnen daran ein Beispiel nehmen, und sich nicht gegen langjährige Leistungen wehren mögen. Auch das Ausland bietet Beispiele. In sämmtlichen Staa- ten, mit Ausnahme von zweien, Großbritannien und Rordame- rika, bestehen diese Vorrechte der Postverwaltung in Form von unentgeltlichen Leistungen seit langer Zeit. Sie sind in vielen Staaten umfassender als bei uns. Gerade in neuester Zeit haben die Schweiz und Ungarn diese Verhältnisse neu geregelt und sind dabei viel weiter gegangen, als es hier je der Fall gewesen ist. Erhalten Sie das Bestehende und setzen Sie das Postinstitut nach wie vor in den Stand, seine hohen Aufgaben für den Ver- kehr aller Nationen wahrnehmen zu können, und werfen Sie dieses alte Recht, dieses eigentliche Erstgeburtsrecht der Poswer- waltung nicht weg, um dieser Kleinigkeit wegen. Nachdem noch einmal Herr Richter seinen Schmerz darüber ausgelassen, daß es der gedeihlichen Entwickelung der Eisenbahn- gründungen nicht zukömmlich sei, die Post unentgeltlich zu über- nehmen, ward die Diskussion geschlossen und die Borlage an eine besondere Kommission von 14 Mitgliedern zur Vorberathung überwiesen.— Ob Eisenbahnbarone Herrn Nichter einen goldenen Pokal überreichen werden, wissen wir noch nicht. tteber die Kost in öffentlichen Anstalten. (Ein Vortrag, gehalten am 13. September 187S in der ersten Sitzung des Kongresses für öffentliche Gesundheitspflege zu München, von Professor Voit.) (Fortsetzung.) Ebenso wenig ist das subjektive Wohlbefinden ein Maßstab für den Werth einer Kost als Nahrung, da wir darin großen Irrungen ausgesetzt sind; ein zehn Pfund Kartoffeln im Tag verzehrender Jrländer wird sich dabei seiner Meinung nach gan- gut befinden, obwohl er schlecht genährt ist. Die Übeln Einflüsse einer unrichtigen Ernährung, z. B. der zu geringen oder der übermäßigen Aufnahme des einen oder anderen Nahrungsstoffes, machen sich häufig erst nach längerer Zeit geltend. Es giebt für den besagten Zweck keinen anderen Weg, als den des direkten Versuches am Organismus und der Bilanz der Einnahmen und Ausgaben; ein solcher Versuch am lebenden Menschen ist nur von einem Physiologen zu machen, ein Chemiker als solcher ist nicht im Stande, über den Werth eines Gemenges als Nahrung zu urtheilen. Die Größe des Verbrauchs an den einzelnen Nahrungsstoffen beim Menschen ist auf solche Weise für eine Anzahl von Fällen festgestellt worden; es thut aber nothj. sie für eine viel größere Zahl an verschiedenen Individuen und', Unter verschiedenen Umständen noch zu machen. Plan sollte denken, es wäre, wenn einmal für allerlei Be- dmgflngen der Bedarf an Nahrungsstoffen ermittelt sei, nichts einfacher, als diese Nahrungsstoffe in der gefundenen Menge dem Körper' zuzuführe», um die beste Nahrung zu haben. Wir neh- men fiher nur wenige, einfache Nahrungsstosse, wie z. B. Zucker, reines; Stärkemehl, Fett:c., zu uns und mischen niemals unsere Nahrustg aus solchen allein, sondern wir setzen sie aus Nahrungs- flössen und allerlei Nahrungsmitteln, in welchen Nahrungsstoffe in verschiedensten Verhältnissen sich befinden, zusammen und dies macht die' Sache komplizirter. Keines unserer Nahrungsmittel ist uns auf die Dauer, wie wir noch zeigen werden, eine richtige Nahrung:' Nach diesen Betrachtringen sind wir jetzt im Stande, die Anforderungen an die Kost des Menschen zu verstehen. Das etste Erforderniß an unsere Kost, um sie zu einer Nah- rung zü'mächen, das heißt, um den betreffenden Menschen dauernd auf sernem Bestand an Eiweiß, Fett, Wasser und Aschebestand- Politische Nebersicht. Berlin, 4. November. Ehedem wurden die Bolksfchullehrcr sogar aus den ver- abschiedetcn Unteroffizieren genommen, und es ist eine eigene Fü- gung, daß in dem„klassischen Lande der Schulen und Kasernen" es gegenwärtig an Unteroffizieren, aber in eineni noch viel höhe- ren Grade an Volksschullehrern fehlt und wahrhaft erschreckende Dinge über den Lehrermangel berichtet werden. Klagen kommen aus der Provinz Brandenburg, wie aus der Provinz Sachsen und den anderen Landestheilen, ja es werden Leute zum Unter- richte zugelassen, die vor allen Dingen desselben selbst bedürfen. Während jedoch über die Unteroifiziernoth ein großer Apparat von Erörterungen und Rathschlägen in Bewegung gesetzt wird, bleibt es über die Lehrcrnoth ziemlich still, und doch haben die Offiziösen von 1806 erklärt, daß die Schulmeister die Schlachten des damaligen Feldzuges haben gewinnen helfen. Ein Beweis also, daß sie doch auch vom spceifisch inilitärischen Standpunkte Wichtigkeit und Bedeutung haben. * lieber die Verhaftung Stronsbcrg's finden wir die verschiedensten Gerüchte verbreitet, von denen das nachfolgende vielleicht das glaubwürdigste zu sein scheint.� Bekanntlich war die vor einigen Monaten verbreitete Nachricht, Strausberg habe mit der russischen Regierung bedeutende Waggon-Lieferungen abge- schlössen und darauf bedeutende Vorschüsse erhalten, nur eine Vor- spiegelung, um den gesunkenen Kredit Strousberg's wieder zu heben. Strausberg ließ zwar in seinen Fabriken flott arbeiten, kaufte auch die auf Aktien gegründete Bubnaer Waggonfabrik zu verhältnißmäßig günstigen Bedingungen und fertigte eine große Anzahl Waggons an, die er dann nach Moskau schickte, um sich von der Moskauer Commercial- und Jndustrialbank darauf Vor- schüsse geben zu lassen. Er erhielt dieselben zum kleinen Theil in Baarem, zum größeren in Deckungswechseln, welche im Porte- feuille Strousberg's zu verbleiben hatten. Strausberg begab die Wechsel in Rußland. Die Moskauer Bank hat vor einigen Tagen die Zahlungen eingestellt, in Folge dessen die begebenen Wechsel werthlos erscheinen. Um nun auf Strousberg eine Pres- sion ausüben zu können, wollte man ihn nach Moskau locken. Man telegraphirte daher am 15. an ihn, daß man genöthigt sei, seine sämmtlichen Angelegenheiten zu ordnen und ihn mit seinen Gläubigern auszugleichen. Er möge zu diesem Zwecke nach Mos- kau kommen. Strausberg fuhr gleich am andern Tage über Berlin nach Moskau und langte dort am 20. an. Man machte ihn mit dem Stande der Moskauer Commercialbank vertraut und forderte von ihm Sicherstellung. Da dieselbe nicht geboten wer- den konnte, wurde der Konkurs der Bank angemeldet. Strous- berg begab sich auf den Rath der Moskauer Verwaltungsräthe nach Petersburg, um mit der Regierung wegen Uebernahme der in Rußland befindlichen Waggons zu unterhandeln. Auf dem Bahnhofe harrten jedoch bereits seiner Vertreter der Polizei, nahmen die Verhaftung vor und führten ihn sammt seinem Se- kretär nach Moskau zurück. In Zbirow, wo feine Frau mit fünf Töchtern und sein verheiratheter Sohn wohnten, war man in großer Aufregung, weil während mehrerer Tage keine Depesche von Strousberg ankam, während sonst täglich 10 bis 20 aus- führliche Depeschen einliefen. Man telegraphirte nach allen Rich- lungen, bis man endlich die Nachricht von der Verhaftung er- hielt. Dr. Cornelius Schäffner, der Rechtsanwalt Strousberg's, erklärte, den Konkurs anmelden zu müssen, wollte jedoch noch einige Tage warten. Es kam endlich eine Depesche von Strousberg an seine Frau, in welcher er seine Verhaftung an- zeigte. Er erklärte, für dieselbe keinen Grund zu wissen, �und gab den Auftrag, den Konkurs anzumelden. Dies geschah. Frau Strousberg verließ sofort mit ihren fünf Töchtern das Schloß von Zbirow und begab sich nach Berlin, um die nöthigen Schritte zur Befreiung ihres Gatten einzuleiten. In der Berliner Ge- schäftskasse Strousberg's haben sich im Ganzen 50 Thaler vor- gefunden. Bayer» hat zwar kein ganzes Bureau yon Soldschrcibern, besitzt auch keinen„Reptrlienfonds", dennoch verfügt es über ministerielle Federn. Wir nennen für heute zwei offiziöse Jour- nalisten: Prager und Albrecht. Prager ist Israelit und In- Haber einer Leihbibliothek, er ist nur Reporter. Er wird von den Ministern benutzt, um Nachrichten in das Publikum zu brin- gen, wozu ihm die großen Blätter offen stehen. Er ist ein Korrespondent der„Augsb. Allg. Ztg.", der„Augsb. Abendztg." und des„Nürnb. Correspondenten".- Auch die größeren Wiener theilen zu erhalten, ist, daß die dies bewirkenden Nahrungsstoffe in genügender Quantität zugeführt werden. Nach meinen einleitenden Bemerkungen über die Bedeutung der verschiedenen Nahrungsstoffe ist es klar, warum die einzelnen derselben in hinreichender Menge vorhanden sein müssen, und warum es nicht genügt, ein großes Volumen des einen oder anderen zu geben; wir können aus Mangel an Eiweiß, an Fett, an Wasser, an Asche-Bestandtheilen, bei reichlichster Zufuhr aller übrigen Nahrungsstoffe zu Grunde gehen. Zur Erhaltung braucht der Mensch für gewöhnlich eine ganz erkleckliche Masse, und jeder muß so viel genießen, sonst nimmt er an seinem Körper ab und stirbt zuletzt Hungers. Die Größe des Bedarfs ist aber nicht für alle die gleiche, sondern je nach der Beschaffenheit des Körpers, und je nach den Umständen, unter welchen er lebt, außerordentlich verschieden. Ein kräftiger Mann, der eine tüchtige Arbeit leistet, braucht z. B. ungleich mehr, als ein schwächlicher Körper, der sich keinen An- strengungen unterziehen kann. Es giebt einzelne, bis auf's Aeußerste herabgekommene Personen, welche bei möglichster Ruhe auffallend wenig Material zur Bestreitung ihrer geringen Be- dürfnisse nöthig haben; dies ist jedoch ein krankhafter Zustand ohne Leistungsfähigkeit, bei dem aber doch noch ein gewisser Be- darf an allen Nahrungsstoffen vorhanden ist. Die Erzählungen von ganzen Völkerschaften, welche nur sehr wenig Nahrung aufnehmen und doch thatkräftig bleiben sollen, haben sich sämmtlich bei näherer Untersuchung als Fabel heraus- gestellt. Der Araber der Wüste genießt nicht nur eine Handvoll Reis; die Arbeiter auf den Hochebenen Norwegens vollenden ihr schweres Tagewerk nicht nur bei einem Stückchen Flachbrod und etwas trockenem Käse, so wenig wie die Holzarbeiter im bayeri- schen Gebirge mit etwas Mehl und Schmalz ausreichen. Es hat sich ergeben, daß der Hindu und der Chinese so viel an Nah- rungsstoffen brauchen, als wir, und ebenso der italienische Ar- beiter, von dem behauptet worden ist, daß er nur eine äußerst geringe Menge von Maismehl täglich verzehre. Die genügende Quantität der Nahrungsstoffe überhaupt er- schöpft noch nicht die Anforderungen, die wir an eine richtige Nahrung stellen; 5 Pfund Fleisch können unter Umständen für einen Tag als Nahrung dienen, aber sie sind keine richtige Nah- rung. Es muß von jedem der Nahrungsstoffe gerade so'viel ge- geben werden, als zur Erhaltung der Stoffe des Körpers eben Blätter versieht Prager mit ministeriellen Notizen. Ein Offiziöser etivas höherer Gattung ist Albrecht. Derselbe schreibt eine gute Feder und wird benutzt, wenn es gilt, das Ministerium zu loben, den Gegnern etwas anzuhängen. In dieser Beziehung ist Al- brecht eine„sehr tüchtige Kraft". Seine Artikel bringt gewöhn- lich zuerst die„Augsb. Abendztg.", aus welcher sie dann den Weg in alle liberalen Blätter und Blättchen finden. Derselbe unterhält auch Beziehungen mit österreichischen und norddeutschen Zeitungen. Für größere Arbeiten, zusammenhängende Leitartikel für die„Augsb. Allg. Ztg." werden auch noch andere Kräfte benutzt, so Karl Stieler, ferner Prof. v. Sicherer, welcher im Auftrage des Kultusministers Lutz ein ganzes Buch zusammen- schrieb, um zu bemessen, dast das Concordat aufgehoben werden muffe. Im ministeriellen Sinne schreibt auch Martin Schleich, welcher für die„Augsb. Allg. Ztg." arbeitet. Ob Schleich 1871 aus eigenem Drange oder aus anderen Gründen ministeriell wurde, wir wissen es nicht. Wir können nur so viel behaupten, daß er seit dieser Zeit für das Ministerium in's Zeug geht, ivie ihn kaum ein besoldeter Lohnschreiber bethätigen kann. Die große Färberei von Fierz in Zürich, bei der die Ar- beiter in Tagelohn stehen, hat, ohne den Lohn zu verkürzen, den Arbeitern die Einführung ver zehnstündigen Arbeitszeit angeboten und ihnen freigestestellt, sich für eine Mittagspause von einer oder anderthalb Stunden zu entscheiden.— Es muß also gehen, ihr Herren Fabrikanten! Die serbische Landesvertretung, die Skuptschina, hat einen Antrag eingebracht, welcher die Dienstzeit im stehenden Heere auf 1 Jahr herabgesetzt wissen nvill, und wurde derselbe dem bettef- senden Ausschuß zugewiesen. Wenn wir in Deutschland erst so weit wären! f Gegenwärtig sucht ein Fabrikant den anderen an Lohn- abzögen zu überbieten. So ist den Arbeitern der Zeche„Neu»: Duisburg" angekündigt worden, daß sie sich vom Thaler 3 Sgr. Lohnabzug müßten gefallen lassen oder aus der Arbeit scheiden._ * Die„Kaiserglorke" klingt nicht, selbst wenn statt der Arbeiter Artilleristen verwendet werden, wie das vor einigen Tagen geschah. Mittlerweile wird an der Oese gefeilt und die drei eisernen Ringe vom Ballen des Klöppels abgenommen, aber der Klöppel schlägt noch schlechter oder gar nicht an. Nächstens soll das dritte und letzte Probeläuten stattfinden. * Ein Wassercinbruch, der am 25. Oktober in dem Ma< rien-Kohlenschachte bei Littitz in Böhmen stattgefunden, war von folgendem merkwürdigen Borfalle begleitet,.der leicht ein größe- res Arbciterunglück hätte herbeiführen können. Es befanden sich nämlich in dem Momente, als das Wasser in das Bergwerk einbrach— früh um 4 Uhr— ein Obersteiger, sieben Berqarbei- ter und zwei Knaben darin. Die Knaben, die sich im Vororte befanden, vermochten sich noch zu dem Förderschachte zu retten. Die übrigen acht Personen eilten, als sie während der Arbeit ein starkes Wasscrrauschen vernahmen, ebenfalls aus der Strecke dem Schachte zu, konnten denselben aber nicht.mehr erreichen— er war durch das Wasser bereits zur Gänze abgesperrt. Als der Arbeiter Franz Zyka das gewahrte, kommandirte er seine Kolle- gen sofort zurück in die Strecke, die, weil sie nach aufwärts ge- trieben ist, in ihrem oberen Theile vom Wasser frei war. Er nahm den Arbeitern die in das Bergwerk mitgenommenen Brod- stücke ab und theilte diese in Rationen auf mehrere Tage ein. Mittlerweile waren oben in aller Schnelligkeit die Rettungsar- beiten in Angriff genommen worden. Die Pumpen arbeiteten unaufhörlich Tag und Nacht, um das Wasser aus dem Bergwerke zu schöpfen. Am Dienstag früh gegen 3 Uhr bemerkten die"» Bergwerke Eingeschlossenen zu ihrer namenlosen Freude, daß das Wasser abzunehmen beginne. Es war dieS der erste Hoffnungs- strahl der Rettung. Neuer Muth belebte die Armen. Die Pum- pen setzten ihre Thätigkeit fort, und am Mittwoch, den 27. früh um 8 Uhr, ergab die angestellte Messung, daß das Wasser im Bergwerke nur noch eine Höhe von fünf Fuß habe. Ohne Verzug fuhren nun der Schichtmeister Schidek, der Obersteiger Kudrna und sechs Bergleute in den Schacht hinab, wo sie durcki das Wasser wateten und zu den Unglücklichen vordrangen, die ir höchster Ausregung ihrer Befreiung harrten. Das Zusammen' treffen war höchst erregend, und von den eingeschlossenen Arbeitern waren mehrere so erschöpft, daß sie bis zum Schachte ge- tragen werden mußten. Unbeschreiblich war der Jubel, als die nöthig ist, nicht zu viel und nicht zu wenig, d. h. die einzelnen Nahrungsstoffe sollen in dem richtigen Verhältniß gemischt sein. Um rasch zu zeigen, um was es sich hier handelt, und welche Mißgriffe man in dieser Richtung begehen kann, versuchen wir, die einem kräftigen Arbeiter bei mittlerer Arbeit täglich nöchige Eiweißmenge und die für ihn nöthige Quantität Kohlenstoff, uB den Verlust an Kohlenstoff von seinem Körper zu verhüten, m einigen der wichtigsten Nahrungsmittel auszudrücken. Ein solcher Arbeiter braucht im Tag 118 Gramm trockenes Eiweiß und mindestens 328 Gr. Kohlenstoff, von denen, da in 118 Gramm Eiweiß schon 63 Gr. Köhlenstoff enthalten sind, 265 Gr. in stich stofffrcien Nahrungsstoffen, Fett oder Kohlehydraten, darzurei- chen sind. Er müßte danach, um 118 Gr. Eiweiß und 328 Gr. Koh- lenstoff zuzuführen, von den folgenden Nahrungsmitteln in Gramm genießen: für 118 Eiweiß' für 328 Kohlenstoff Käse 272; Mais 801 Erbsen 520 i Weizenmehl 824 Fettarmes Fleisch 538' Reis 896 Weizenmehl 796 l Erbsen 919 Eier(18 Stück) 905 I Käse 1160 MaiS 989 j Schwarzbrod 1346 Schwarzbrod 1430, Eier(43 Stück) 2231 Reis' 1868; Fettarmes Fleisch 2620 Milch 2905 Kartoffel 3124 Kartoffel 4575! Milch 4625 Weißkohl 7625 i Weißkohl 9318 weiße Rüben 8714! weiße Rüben 10650 Bier 0| Bier 13160 Aus dieser Tabelle ist, wie ich vorher schon hervorgeholnM habe, leicht nachzuweisen, daß keines unserer Nahrungsmittel füt sich allein ftir einen arbeitenden Mann in richtiger Znsammen- setzung alle Nahrungsstoffc enthält, und also keines für ihn eich richtige Nahrung ist. Es wäre freilich eine Erhaltung mit bei- nahe jedem dieser Nahrungsmittel für sich allein möglich, aber die Ernährung wäre dabei eine höchst irrationelle, da die ausist- zählten Substanzen von dem einen oder dem andern Nahrungs- stoff zu viel oder zu wenig enthalten. Ein Arbeiter könnte sich wohl mit einem aus Wasser, de» Retter mit den Geretteten über dem Schachte zu Tage kamen; Weiber und Kinder der Letzteren, die?ag und Nacht in größter Angst in der Nähe des Schachtes zugebracht hatten, wurden von der Freude förmlich übermannt. Tie Geretteten wurden in die warme Maschincnftube gebracht, wo man sie in Decken hüllte und mit Speise und Trank stärkte, so daß sie auch nack einigen Stun- den sich sämmtlich wieder erholten. Volle 62 Stunden hatten diese zwischen Leben und Tod geschwebt. Innere Parteiangelegenheiten. Für nachbenannte Fonds sind in der zweiten Hälften des Oktober solgende Gelder bei dem Unterzeichneten eingegangen: a. Unterstützungsfonds: Güstrow d. Walther S,Kt). Langendiebach durch I. Fucker 3,00. Altenburg d. Kamprad 4,80. Leipzig, Expedition d.„Volksstaat" 29,70. Brrmerhafsn v. L. Wolfersdorf d. Sälb 3,00. Derselbe 3,00. Straß- bürg d. G. Dantzer 6,36. Mona v. Cig.-Arb. d. früheren Fabrik Las- ferens d. Körner 6,98. Desgl. d. Achilles 3,l)0 k conto der 12,00 (restant find außerdem noch Baus mit 18,87 u. Ohrt mit 0,67). Greif- fenberg d. E. Krause 0,70. Gößnitz d. L. Etzold 1,75. Wald d. G. Luchtenberg 2,00. Köpenick d. W. Schmidt 4,70. Mülheim a. Rh. d. A. Werner l3,7S. Paula d. G. Schenk, ges. bei Zusammenkunst in Treuen 5,00. Altona v. Meiborg'S Cig.-Fab. d. Draner 3,00. Hamburg von einem Russen 10,00. do. von Praast 2,40. do. v. Lütekens �,20. do. Tischlerwerkstelle Steinhagel, 2,70. Hamburg v. Gypser- u. Stuckateur-Arb.-Verein d. Hermann 21,70. Durch Exped. d.„NjSoe.- Dem." aus Hamburg d. Möller, Ueberschuß des Festes der„Lassalea" 681,00. do. Berlin v. einem Parteig. 1,35. do. Dortmund v. Mösch l,50. do. Berlin d. Marr v. Akkordträgem, Ecke ver Dorothen- und Neuen Wilhelmsstr. 3,00. Berichtigend bemerke ich, daß bei den in voriger Quittung unter Baden-Baden verzeichneten 5,00 nicht Frommann, sondern G. Nessel- bosch stehen soll. b. Agitationsfonds l freiwillige Beiträge): Zwickau d. I. Auer 7,30. Frankenberg do. 3,00. Mittweida do. l2,00. Hainichen do. 3,00. Schmölln do. 3,00. Gößnitz d. Etzold 2.00. Barmstedt d. Matthaei 6,30. Itzehoe d. Walther 9,60. Lauen- bürg do. 4,50. Güstrow do. 21,00. Elmshorn d. Reimer 6,00. Kel- ünghusen do. 9,00. Stelle bei Heide do. 5,40 Husum do. 9,00. � Den Agenten zur Notiz, daß alle Gelder für Oktober laut Orga- uisation spätestens bis zum 15. November an den Unterzeichneten ein- gesandt sein müssen. Rückstände für Kongreß-Protokolle müssen gleich- falls bis dahin bezahlt sein, wenn keine öffentliche Mahnung erfol- gen soll. Die Abrechnung über die Parteikasse, sowie die Abrechnungen der beiden offfziellen Parteiorgane werden jetzt gedruckt und am 15. d. M. l>n alle Agenten verschickt. Hamburg, 1. November 1375 Mit Gruß! NamenS des Vorstandes: August Geib, Rödingsmarkt 12. Barmstedt, 21. Oktober.(Volksversammlung.) Sonntag, ben 24. Oktober, hielten wir eine von 150 Personen besuchte Volks- Versammlung ab mit der Tagesordnung:„Die Vorlagen zum neuen Strafgesetz". Jn's Bureau wurden Unterzeichneter als Vorsitzender, v- Fohrmann als Beisitzer und Teege als Schriftführer gewählt. Herr Matthaei aus Hamburg war als Referent anwesend. Karl Drews. Stuttgart, 29. Oktober.(Agitationsbericht.) Im Auftrage bes Vorstandes der Socialistischen Arbeiterpartei unternahm ich am lö Oktober eine fliegende Agitation und sprach zuerst vor einer gut besuchten Volksversammlung in Mannheim über„die Ursachen der Geschgstaftjsx llub>>ie französische nnd englische Konkurrenz". Von der heutigen Produktionsweise ausgehend, erklärte ich die Konsequenzen derselben in dem Gründer- und Börsenschwindel, welch letzterer im Berein mit einer unpraktischen ökonomischen Verwaltung und einer fehlerhaften Finanzspekulation das deutsche Geld dein Auslande in die Hände spiele. Haben ja doch liberale Blätter in der letzten Zeit Ion- flatin, daß in den letzten Jahren 4— 5000 Millionen Mark für zum Theu sehr zweifelhafte Werths von Deutschland an das Ausland über- Abgängen sind und daß es leicht möglich sein könnte, wenn einem lvlchen Zustande kein Ende gemacht werden kann, daß das Ausland in ewigen Jahren mit deutschem Gelde Krieg gegen Deutschland führe. �uf volitischem Gebiet kennzeichnen sich ebenfalls bedeutende Fehler, Welche das Ihrige dazu beitragen, den sogenannten Nationalwohlstand 3" untergraben und die Krise zu verlängern. Die Versammlung nahm den besten Verlauf. In ihr befanden sich mehrere auS dem Bürger- imnbe, welche sonst nicht gewohnt sind, den Lorträgen socialistischer Redner zuzuhören.— Am 13. sprach ich in einer gut besuchten Ver- lämmlung in Darmstadt über das Programm der Partei in eingehender Weise, namentlich den ersten Punkt desselben beleuchtend, «uch diese VeÄammlung nahm einen guten Verlauf und zeigte sich bei ben jüngeren Parteigenossen ein reges Interesse für unsere Bestrebun- Röthigen Aschebestandthcilen und Eiweiß bestehenden Nahrungs- Alltel, z. B. mit fettarmem Muskelfleisch, ernähren, also seinen gestand an Eiweiß, Fett, Wasser und Aschebestandtheilen erhal- *slt/ wie es bei Jagdvölkern zeitweise vorkommen mag, aber nur kur kurze Dauer und mit großer Ueberbürdung des Darmes und *■0 übriam Körpers, da dazu erstens enorme Mengen von Fleisch Lochia sind, und da zweitens zur Deckung des Eiweißbedarfs dach der Tabelle nur 538 Gr. Fleisch, zu der des Kohlenstoffs ??ber 26L(> Gr. gehören, durch welche letztere man eine völlig Uberstüssige Menge von Etlveiß einführen würde. Fettarmes Fleisch für sich allein giebt deshalb für den Menschen eine ganz �»günstige Nahrung, und man fügt daher, wenn irgend möglich, � ben nur Wasser, Aschebestandtheile und Eiweiß enthaltenden Nahrungsmitteln Fette oder Kohlehydrate hinzu. Die von der vmgd lebenden Stämme sind gierig nach Fett, sie schlagen die Kßochen auf, um das fettreiche Mark zu erhalten, und die fetten Gatzen des Bären sind ihnen ein Leckerbissen; die Eskimos ver- ikhren nicht nur Muskelfleisch, sondern sie nehmen auch bedcu- 'ende Mengen von Fett auf. Selbst die Milch ist trotz ihres Gehaltes an Fett und einem Kohlehydrat für den Arbeiter keine richtig zusammengesetzte Nah- Aug; bietet sie den Bedarf an Kohlenstoff, so führt sie zu viel Eiweiß ein. Wir bedienen uns deshalb einer aus Wasser, Aschebestand- 'heilen, Eiweiß und Fetten oder Kohlehydraten gemischten Nah- rung. Es ist höchst interessant, daß das Mehl der Getreidearten, Mcr hauptsächlichstes Nahrungsmittel, von allen Nahrungsmit- *elil am nächsten der richtigen relativen Zusammensetzung kommt; bcnn man braucht für den Arbeiter nahezu gleiche Menden da- um den Bedarf an Eiweis"und Kohlenstoff zu befriedigen. Drotzdem ist das aus dem Mehle bereitete Brod, aus einem stunde, den wir noch erörtern werden, keine gute, ausschließliche Nahrung für den Menschen, wenn auch mit anderen ein vorzüq- l'chcs Nahrungsmittel. Umgekehrt wie das fettarme Fleisch verhalten sich die stick- Uossarmen Nahrungsmittel: der Reis, die Kartoffeln, die Rüben *: st w. Sie enthalten wenig Eiweiß; wenn man wirklich so b'ol verzehrt, daß die Menge des letzteren genügt, so führt man, oogesehen von der großen kaum bewältigbaren Masse, welche weitere Beschwerden nach sich zieht, viel zu viel stickstofffreie Substanzen zu, und begeht demnach eine Verschwendung. Darum werden diese Nahrungsmittel stets mit einem eiweißreicheren ver- gen.— Am 20. sprach ich sodann in Hanau vor einer gut besuchten Volksversammlung über die Strafgesetz-Novelle und die Erhöhung der Biersteuer, sowie über die Einführung der Petroleumsteuer. Znm Schluß wurde die in der Volksversammlung zu Berlin gefaßte Resolution angenommen.— Am 23. sprach ich in Groß-Auhcim über den Mordspatriotismus und seine Folgen, sowie über die Bier- und Petroleumsteuer. Auch da wurde von der äußerst zahlreich besuchten Versammlung die Resolution einstimmig angeiwmmen.— Am 24. dss. reserirte ich in Rickingen über das Thema:„Wer genießt den Vor- theil der Arbeit?" Die Versammlung nahm ebenfalls einen guten Verlauf, die dortigen Arbeiter zeigten ein reges Interesse für die Sache und sprachen den Wunsch aus, daß ihnen bald wieder ein Vortrag gehalten werden möge.— Am 25. referirte ich in Offenbach über das Parteiorgan. Leider war diese Versammlung nicht so stark, als die vorhergehenden besucht, jedoch ließen sich am Schluß mehrere Personen in die Partei aufnehmen.— Den 26. fand in Heidelberg eine Ver- sammlung statt, in welcher ebenfalls nach Erledigung der Tagesordnung' (die Bier- und Petroleumfteuer) die Berliner Resolution zur Annahme gelangte. An der Diskussion betheiligten sich mehrere Socialisten, jedoch keine Gegner, obgleich solche ebenfalls anwesend waren. Die dortige liberale Presse überschüttet jedoch unsere Partei mit allen mög- lichen Verläumdungen und zählt gegenwärtig noch zu denjenigen, welche ihren Lesern das Märchen vom Rückgang der Social- Demokratie auf- tischen. Dieser Rückgang illustrirt sich herrlich durch die gut besuchten Versammlungen, die Wahlresultate und trotz Geschäftskrise, Strafgesetz- Novelle und anderen schönen Reichsgeschenken, durch den fortwährenden Zuwachs in der Partei. Die Erhöhung der Biersteuer, der schlechte Geschäftsgang, die theuren Lebensbedürfnisse und der gewissenlose Schwindel, welcher sich überall in gewohnter Frechheit fortpflanzt, haben schon Manchem die Augen geöffnet, und da man das Ende solcher Zu- stände noch gar nicht ermessen kann, so wird noch Mancher, welcher früher, in besseren Verhältnissen lebend, uns fern stand, ein Kämpfer für die Sache des Proletariats werden. I. Scheil. Eimsbüttel, 27. Oktober.(Versammlung.)„Die projektirte Erhöhung der Steuern und die Verschärfung des Strafgesetzbuchs", so lautete die Tagesordnung einer Versammlung, die wir am 25. Oktober abhielten und in der Herr Brückmann unter großem Beifall referirte. — Parteigenossen, von jetzt an findet jeden Montag eine Volksver- sammlung und alle 14 Tage(Mittwochs) eine Parteiversammlung statt und ist es eines Jeden Pflicht, am Platze zu sein. Mit social-demo- kratischem Gruß. I. Glißmann, Schriftführer. Tchmölln, 22. Oktober.(Volksversammlung.) Sonnabend, den 16. Oktober, fand im Saale des Schießhauses trotz des schlechten Wetters eine zahlreich besuchte Volksversammlung statt, in welcher Herr Auer aus Hamburg über die Tagesordnung:„Die Gesetzesvorlage der nächsten Reichstagssession" referirte. Redner erklärte, daß man in Be- tress der immer mehr und mehr wachsenden Militärmacht und zur Aus- bildung eines neuen Eisenbahn-Bataillons immer mehr Geld brauche. Um nun das Volk nicht direkt in Anspruch zu nehmen, so suche man dies auf indirekte Weise zu erzielen nnd zwar durch eine verdoppelte Besteuerung des Bieres, des Petroleums und einer Börsensteuer. Weiter sprach Redner über den Entwurf eines neuen Zusatzes zu dem deutschen Reichsstrafgesetzbuche und unterzog dasselbe einer strengen Kritik. Da Gegner sich nicht zum Worte meldeten, wurde von der Versammlung folgende Resolution angenommen:„Die heutige im Schießhause von 300 Personen besuchte Volksversammlung prötestirt auf das Entschiedenste gegen diese Gesetzesvorlagen und erklärt es für die Pflicht aller Neichstagsabgeordneten, jedes dieser Projekte zurück- zuweisen. Sollte ein Abgeordneter trotzdem für eine solche Belastung des Volkes stimmen, so iverden alle Wähler aufgefordert, bei den näch- sten Wahlen demselben ihre Stimme vorzuenthalten." Die Versammlung beschloß ferner, diese Beschlüsse nicht durch den Reichstagsabge- ordneten Wagener, sondern durch unsere socialistischen Abgeordneten dem Reichstage mitzutheilen. H. Bei er. Gießen, 30. Oktober.(Allg. deutscher Schneiderverein.) Unterzeichneter bittet, falls an einem Orte.nongreß-Protokolle übrig sein sollten, solche demselben umgehend zuzustellen. Mit Gruß B. Klerx, Neustadt v. 201. Gießen, 30. Oktober.(Allg. deutscher Schneiderverein.) Im Nachstehenden bringe ich die Adressen sümmtlicher Bevollmächtigten zur Veröffentlichung: Augsburg: Fr. Ruß, II. Ouerstr. 10. Altona: E. Leinhos, Friedrichsbaderstr. 36, I. Etage. Berlin: H. Lüdicke, Alte JakobSstr. 12. Bremen: I. W. Schneider, Calvinsstraße 16, I.Etage. Braunschweig: O. Peplies, Nördliche Wilhelmstr. 42. Bamberg: Fr. Büchler, Am Markt 234. Bremerhaven: G. Grahl, Bürgermeister Schmidtstr. 77, 2. Et. Barmen: C. Fenzel, Hohnestr. 9. Bayreuth: A. Schweitzer, Münzgasse 171. Co»stanz: I. Pönitz, bei Frau Weyer, Augustinerstr. 620. Chemnitz: G. Schösset, Bernsbacherstr. 23, 3. Et. Darmstadt: N. Betz, Erbacherstr. 9. Elberfeld: N. Thomaser, Cölner- straße 76. Erfurt: G. Schäfer, Kohlgrube 3. Eisenach: E. Fenske, Georgenthor I). 180. Fürth i. B.: Fr. Quatember, Gasthaus zum Moorenkopf. Fulda: I. Stederath, Königsstr. Gotha: Fr. Knopf, Am Berg 41. Gmünd(Schwäb.): B. Bieg, bei Bühlmayer, Markt- gäßle. Gießen: O. Köllc, Brandgasse. Hamburg: I. Voß, bei Reich, Kl. Raboisen 92, 1. Et. Halle a. d. S.: I. Beyer, Kl. Sandberg 21, mischt und von keiner Völkerschaft ausschließlich genossen; die Hindus und die Chinesen nehmen zu dem Reis, obwohl sie ihn in unglaublicher Menge verzehren, Fische, Bohnen, Erbsen, einen aus letzteren bereiteten Käse ze.; der Italiener ißt zu der Pclenta trockenen Käse, der Jrländer und der Norddeutsche zu den Kar- toffeln Heringe oder saure Milch. Das Bier enthält ein Kohlehydrat in sehr günstiger Form; das Bier ist des Eiweißmangels halber keine Nahrung, wohl aber ein treffliches, wenn auch recht theures Nahrungsmittel, von welchem man jedoch 13 Liter aufnehmen müßte, um den Kohlen- stoffbedarf für einen Tag zu liefern, welche Quantität allerdings von manchen wackern Trinkern schon erreicht worden ist. Fett und Kohlehydrate ersetzen sich in ihrer Wirkung inBe- ziehun� der Verhütung des Fettverlustes des Körpers,«her nicht i» derjenigen Menge, in welcher sie Sauerstoff zu ihrer Ueber- führung in Kohlensäure und Wasser in Anspruch nehmen(10:24), wie man geglaubt hat, sondern, wie die Versuche am Thier er- geben haben, in dem Verhältniß von 10:17. Der Bedarf an Sauerstoff zur vollständigen Verbrennung ist so wenig das Maß .für die gegenseitige Ersetzung der einzelnen Stoffe im Organis- mus, wie in einem Ofen von bestimmter Konstruktion, für den man auch nicht einfach aus dem Verbrauch an Holz auf den an Steinkohlen rechnen kann, weil dafür die Konstruktion des Ofens das Bestimmende ist. Die Einen mischen ihre Nahrung aus Eiweiß und Fett, die Andern aus Eiweiß und Kohlehydraten. Die richtige Menge des Einen oder Anderen dieser stickstofffreien Nahrungsstoffe in unserer Nahrung wird aus dem Späteren klar werden. Der Verbrauch an den einzelnen Stoffen im Körper ist nun nicht stets der gleiche, sondern ein verschiedener, je nach der Zu- sammensetzung des Körpers und den Umständen, unter denen er lebt; dem entsprechend muß auch die Zusammensetzung der Nah- rung, welche den Körper auf seinem Bestand erhalten soll, d. i. das Verhältniß der einzelnen Nahrungsstoffe zu einander, sehr verschieden sein. Arbeitet ein Mensch, der sich mit einer be- stimmten Eiweißmenge auf seinem Gehalt an Eiweiß erhält, so wird viel mehr Fett in ihm zerlegt, als bei der Ruhe; ein Kind braucht zum Wachsthum seiner Organe verhältnißmäßig mehr Eiweiß; um Eiweiß und Fett wie bei der Mästung zu möglichst reichlichem Ansatz zu bringen, muß die Zufuhr von Eiweiß und Fett ansetzenden und schützenden Nahrungsstoffen eine ganz be- stimmte sein, zu viel oder zu wenig von dem einen oder anoeren Stoff ändert in ungünstiger Weise das Resultat. Hof, rechts 1 Tr. Harburg: Cbr. Wolter, bei Herzberg, Mühlenftr. 13. Hannover: Fr. Döring, Osterstr. 75. Itzehoe(Holst.): E. Kreuzberg, .Feldschmiede. Lauenburg a. d. Elbe:.I. W. Luzius, Kirchplatz ß. Leipzip: A. Zipfel, Plagwitzerstr. 13, 4. Et. Lübeck: F. O. Noobz,' Fleischhauerstr. 136. Landsbut: I. Küstenberger, bei Kaarman», 3 Tr., Untere Altstadt. Mainz: E. Jäger, Scharenstr. 15. Magdeburg: W. Habermann, Rothskrebsftr. 37. Mühlhausen i. Th.: C. Schäfer, Petri- steiuiveg 33. Nürnberg: I. Kugler, Katharinengasse L. 023. Osnabrück: E. Behring, Gr. Hankenstr. 8. Pfortzheim: Schütthaupt, bei Weyl, Am Markt. Potsdam:(5. Mehlmann, Heiligegciftstr. 6, 2. Et. Reutlingen: B.Kirchner, bei Schneider, Schneider. Rostock: W. Ahrens, Vogelfang 1. Stuttgart: A. Dörfel, Neuchlingsstr. 20, 3 Tr. Stettin: --- Schwerin: H. Priehe, bei Wwe. Buckentin, Gr. Moor 44. Stade: F. A. Hilker, Bungenstr. 703. Ulm: C. Koch, Sammlungs- straße 386. Wiesbaden: H. Schuster, Saalgaffe lO. Würzburg: M. Komp, Zollerlandstr. 12. Wolfenbüttel: I. Bielstein, Kruinnistraße 3. Die Adresse des Hauptkafsirers ist: W. Lohrey, Mühlop v. 72: die der Kontrolkommission: C. Kühn, Bremen, Hankenstr. 25 bei Lahmeyer.— Neue Mitgliedschaften haben sich gebildet in Frankfurt a. M. und Dortmund. Mit brüderlichem Gruß I. A.: B. Klerx, Neustadt v. 201. Gießen, 31. Oktober.(Allg. deutscher Schneiderverein.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Geschäftsbücher druckfertig sind. Ich ersuche nun die Bevollmächtigten derjenigen Mitgliedschaften, welche neue Bücher wünschen, mir anzugeben, für wie viel Mitglieder sie die- selben angelegt wünschen. Ferner ersuche ich, mir von jeder Mitglied- schaft die bestimmte Mitgliederzahl det Gewerksgenossenschaft und des Kranken-Unterstützungsbundes mitzutheilen. Beide Mittheilungen sind aber umgehend zu machen. Mit brüderlichem Gruß I. A.: B. Klerx. Altona, 31. Oktober.(Schuhmacherversammlung.) Am 21. Oktober tagte hier eine öffentliche Schuhmacher-Versammlung, die unter Hinweis auf die von der Behörde vorgenommene Nachfrage zur neuen Reichsenquete selbstständig vorzugehen beschloß, um ein genaues Resultat von der ganzen Korporation zu erzielen, weil blos einzelne Kol- legen über ihre Arbeitsverhältniffe gefragt wurden. Kollegen! Die in der oben erwähnten Versammlung gewählte Kommission richtet a» Euch die Bitte, ihr behülflich bei der Angabe von Adressen behülflich zu sein und ihr die Arbeit zu erleichtern. Um die bedeutenden Kosten zu decken, die uns dieses hochwichtige Unternehmen verursacht, haben wir zum 22. November in Koppelmann's Salon einen Ball arrangirt, dessen Ueberschuß dazu verwandt werden soll, und erwarten wir, daß Jeder seine Schuldigkeit thut, wenn es gilt, dem Reichstage ein Bild davon vorzulegen, wie wir wohnen und wie wir bezahlt werden.— Sümmtliche Partei- und Gewerkschaftsblätter werden ersucht, Obiges in ihre Spalten aufzunehmen. Mit social-demokratischem Gruß Friedrich Stöcker. Carl Barckow. Achim, 2. Nov.(Ein Cigarrenarbeiter-Strike) steht hier in Aussicht. Der Zuzug ist streng fern zu halten. Langensalza) l. Nov.(Weberstrike.) Unsere Gewerksge- »offen setzen wir hierdurch, im Fall es ihnen noch unbekannt wäre, davon in Kenntniß, daß die hiesigen Weber der Aktien-Tuchfabrik seit dem 9. Oktober striken. Die Zahl der strikenden Mitglieder beträgt 127, darunter 96 Familienväter. ES läßt sich wohl leicht begreifen, daß die Roth, bei dem spärlichen Einkommen der Unterstützungen, sehr groß ist. Dennoch sind wir fest entschlossen, auszuharren. Wir wenden unö deshalb auch an die Arbeiter Deutschlands mit der Bitte, auch uns in diesem Kampfe mit unterstützen und für unsere gerechte Sache mit eintreten zu wollen. In der Hoffnung, daß unsere Bitte nicht fehlschlagen wird, zeichnen wir mit Brudergruß Das Strike-Comitö. Im Auftrage: Georg Scharr, Vorsitzender. E. W. Hildebrandt, Kontroleur. XL. Etwaige Korrespondenzen oder Unterstützungen find zu senden an Georg Scharr, Neustadt 815. Die Herrschaft des Kapitals. Wenn wir einen Blick auf unsere heutigen Verhältnisse wer- fen und dann zugleich die Männer hören, welche in allen mög- lichen Tonarten behaupten, daß wir uns in der besten aller Welten befinden, so entschlüpft uns unwillkürlich ein Lächeln des Mitleids. Die Fortschritte, welche das Menschengeschlecht durch die Jahrtausende hindurch gemacht hat, sind nach der Meinung un- serer Gegner ungeheure; und doch, wenn wir nach diesen Fort- schritten forschen, so werden wir ein gar klägliches Bild sich vor unseren Augen entrollen sehen, denn weder in politischer, noch in religiöser oder sittlicher Beziehung haben sich die Menschen auf eine bedeutend höhere Stufe geschwungen; sie haben, mit wenigen Ausnahmen, nicht einmal versucht, die Fesseln, welche ihnen in jeder Beziehung anhaften, abzuschütteln, viel weniger sich davon befreit. Durch die Untersuchungen über den wechselnden Verbrauch und Bedarf der einzelnen Rahrungsstoffe in verschiedenen Fällen ist das Geheimniß des richtigen Verhältnisses der stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien Stoffen in der Kost aufgeklärt. Es muß dieses ein anderes sein, je nach der Zusammensetzung des Kör- pers, dem Grade der Arbeitsleistung:c., und es ist falsch, wenn man meint, dasselbe solle für den Menschen stets I: 5 sein. Ein und derselbe Arbeiter zeigte z. B. nach dem Verbrauch der Sub- stanz, berechnet unter sonst ganz gleichen Bedingungen an 2 auf einander folgenden Tagen, bei Ruhe ein Verhältniß von 1: 3.5, bei Arbeit von 1: 4.7. In dieser Beziehung wird sehr viel gefehlt; die einen führen zu viel Eiweiß, die anderen zu viel Fette und Kohlehydrate zu. Es kann das gleiche Resultat, die Erhaltung des stofflichen Ve- standes eines Organismus, auf mannichfache Weise, d. h. bei einer verschiedenen Mischung und Menge von Nahrungsstoffen, erreicht werden, wie die Ernährungsart der verschiedenen Völker- schaftcn und Individuen darthun. Aber nur ein Fall aus den mannichsachen Möglichkeiten ist für den jeweiligen Körperzustand der richtige: dies ist derjenige, bei welchem mit den genngsten Mitteln und am besten der Effekt erreicht wird. Wir suchen in den Nahrungsmitteln zunächst die geringste Menge von Eiweiß zu geben, bei welcher eben der Eiweißgchalt des Körpers erhalten wird, und setzen dann in Fetten und Kohlehydraten so viel zu, um den Fettverlust vom Körper zu ver- hüten. Dies giebt uns dann das für den betreffenden Körper- zustand richtige Verhältniß der stickstoffhaltigen und stickstoffreichen Nahrungsstoffe. Um diesen Zweck zu erreichen, mischen wir unsere Nahrung aus allerlei Nahrungsstoffen und Nahrungsmit- teln des Thier- und Pflanzenreichs zusammen, aus Fleisch, Brod, Milch, Gemüsen, Fett K. Welche Mengen der Nahrungsstoffe wir dazu nöthig haben, soll bei Betrachtung der speziellen Fülle angegeben werden. Es ist noch nicht ausreichend, die nothwendigen Nahrungs- stoffe in allerlei Nahrungsmitteln in richtiger Menge zu verzehren, es müssen dieselben auch von dem Darm aus in die Säfte über- gehen können, wenn sie uns zu gut kommen sollen. Es ist daher eine weitere Anforderung, welche an unsere Kost gestellt ivird, daß sie in dem Darm resorbirt wird, und diesem, sowie dem übrigen Körper zu ihrer Bewältigung nicht zu viel Last und Ar- beit aufbürdet oder anderweitige Schädlichkeiten bereitet. (Fortsetzung folgt.) Da werden nun natürlich unsere Gegner eine ganz gewaltig andere Meinung zu Tage fördern und uns vorzüglich auf den Fortschritt, welchen wir in politischer Beziehung gemacht haben, verweisen wollen; denn heute hat, nach ihrer Ansicht, doch im Verhältniß zu den früheren Zeiten der Mensch bedeutend mehr „Freiheiten" er kann, zu welcher Gesellschaftsklasse er auch ge- hört, seine Meinung, seine Ansichten vor die Öffentlichkeit brin- gen. Die Sclaverei und Leibeigenschast hat sich überlebt, � der Arbeiter ist heute derselbe freie Mann wie der Kapitalist u. s. w. Nun, schön hören sich diese Ausführungen schon an; schade nur, daß sie nicht wahr sind; denn wgS nußen dem Armen diese Mehrfreiheiten, welche er in politischer Beziehung besitzt,� wenn seine materielle Lage eine so äußerst drückende ist? Wo bei einem Menschen die" Noth, ja womöglich selbst der Hunger mit- spricht, da ist die Möglichkeit, sich am politischen Leben zu be- theiligen, so gut als ausgeschlossen; denn ein ruhiger Gedanken- gang, welcher doch nothwendig ist, um sich im politischen �Lcbeu zu orientiren, ist da nicht möglich, wo der Mensch der Selbst- erhaltung wegen zu jeder Minute sich im furchtbarsten Kampfe befindet. Und dann sind auch die politischen Freiheiten nicht allzu große; denn, wenn auch jeder Preuße das Recht hat,„seine Meinung frbi zu äußern", nach Art. 27 der Verfasiung, so muß doch hierbei hervorgehoben werden, daß es mit diesem„freien Aeußern" seine Bewandtniß hat, da die Freiheit der Aeußerung nur so weit erlaubt ist, als dieselbe an maßgebender Stelle als zulässig anerkannt wird; wird diese Zulässigkeit von maßge- bender Stelle aber bestritten, dann hat die„freie Meinungs- äußening" ihre Grenzen erreicht und„Plötzensee" liegt dann demjenigen, der den Art. 27 der Verfassang wörtlich nahm, nicht mehr ferne. Mit einem Worte: die freie Meinungsäußerung ist nur in sofern erlaubt, als man dasjenige offen sagen kann, was — eben an gewisser Stelle genehm ist. Was min die Aufhebung des sclavischen Verhältnisses an- belangt, welches zu früheren Zeiten den Arbeitern ihren Herren gegenüber anhaftete, so ist auch hierin der Fortschritt kein allzu großer; denn, wenn auch die Sclaverei, die Leibeigenschaft auf- gehört hat, so ist doch das Verhältniß, welches der Arbeiter sei- nein Arbeitgeber gegenüber heute einzugehen verpflichtet ist, kein anderes, als ebenfalls ein sclavisches, denn der Arbeiter ist ge- zwungen, seine Arbeitskraft zu verkaufen für Lohn, welcher durch- schnittlich nur so viel beträgt, als zum nothdürftigsten Lebensun- terhalt nothwendig ist. Der Arbeiter ist daher, da das Sparen ihm nicht möglich ist, an seinen Fabrikanten durch den Hunger gefesselt, in Folge dessen auch das Verhältniß, in welchem der Arbeiter heute lebt, am besten mit dem Ausdrucke„Lohnsclaverei" zu bezeichnen ist. Was von gegnerischer Seite auch dagegen vorgebracht wird, es ist doch nur eine Lüge; denn Freizügigkeit und alle anderen schönen Errungenschaften der Neuzeit heben das Verhältniß der Lohnsclaverei nicht auf; der Hunger ist stets der Faktor, mit wel- chem der Arbeiter rechnen muß, der Hunger ist es,� welcher ihn zwingt, sich zu verkaufen und welcher das Wort„Freiheit" bei einem Arbeiter zur lächerlichen Phrase macht. Fragen wir also, welcher Fortschritt denn nun wirklich inner- halb der menschlichen Gesellschaft während der Jahrtausende ihres Bestehens hindurch sich entwickelt hat, so müssen wir sagen, daß sich das Verhältniß der unterdrückten Klasse, der arbeitenden, nur in der Form verändert, im Wesen aber sich ziemlich gleich gebtieben ist. Was aber die herrschenden Klassen anbelangt, so ist hier eine gewaltige Veränderung zu konstatiren; denn wäh- rend die Priesterherrschaft oder das Königthum in früheren Zeiten die absolute Gewalt in Händen hatten, herrscht heule durch den socialen Einfluß, und zwar allein, das Kapital. Was nützt z. V. heutzutage der Titel„Baron" oder„Graf", sofern nicht hinter diesem Titel ein in's Gewicht fallendes Ver- mögen vorhanden ist. Wir sehen also, daß, was die herrschenden Klassen anbelangt, im Leben der Völker eine gewaltige Veränderung eingetreten ist, daß aber diese Veränderung zum Heile des gesammten Volkes nicht das Geringste beigetragen hat; ja, daß unter der Despotie des Kapitals die arbeitende Bevölkerung mindestens in der glei- chen Wesse seufzt, wie früher unter der Herrschast des Absolu- tismus, werden wir in den nächstfolgenden Artikeln zeigen. (Fortsetzung folgt.) Laien- Evangelium. (Bon Friedrich Sollet.) (Fortsetzung.) Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden. Ihr sollt euch Schätze sammeln nicht auf Erden, Daß ihr, wenn Rost und Motten sie zerfressen, Vom Dieb sie ausgescharrt, gestohlen werden, Verarmt, als hättet ihr sie nie besessen. Im Himmel aber sollt ihr Schätze speichern, Im Gottesreich des freien Geist'S tiefinnen. Da sollt ihr, geistig dürstend, euch bereichern An schöner That und kühnem Gottessinnen. Nicht fürchtet dorten. Motten, Rost und Diebe! Blas ihr errangt, bleibt ewig euch zu eigen. Gebt ihr's, als Blüthe, Andern hin in Liebe, Wird sich's, als Frucht, zu euch zurückeneigen. Und mag nun auch der Welten Bau zersplittern— Fort dauern ächte Worte, rechte Thaten. Der Grund, d'rauf sie gebaut, wird nicht erzittern: Im Geiste Gottes reifen eure Saaten.— Wo euer Schatz, wird euer Herz auch weilen. Wollt ihr den freien Geist, der ohne Rasten Von Welt zu Welt in Gottes Licht will eilen, Einkerkern dumpf in Kisten und in Kasten? Einfältig sei, was deines Leibes Licht ist, Dein Aug'! Dann ist der ganze Leib in Klarheit. So nur dein Denken unverfälscht und schlicht ist, Ist all dein Wesen hell in Gottes Wahrheit. Doch wenn zwicsichtig, gleich dem Schalk, dein Denken Zugleich will Himmelslicht in's Auge fassen, Und sich zugleich in Erdenstaub versenken, Dann wirst du ganz in Finsterniß gelassen. Niemand kann ehrlich zweien Herren dienen. Anhängen wird er dem, und den verachten. � Du kannst nicht wühlen hier in Erdenminen Und dort empor an Hitnmelssprossen trachten. Glaubst du, aufblickend von deS Staubes Gütern Mitunter auch zu Gott, ihn abzufinden? Er hat nicht Theil an dumpfen Halbgemüthern, Du mußt dich ganz und einzig ihm verbinden. Nicht sollt ihr kleinen Sorgen euch ergeben Um Speise, Trank und Kleid in Selbstverleidung. Ist höher, denn die Speise, nicht das Leben? Nicht mehr der Leib, den Gott schuf, denn die Kleidung? Die Vögel unter'm Himmel seht, sie feuern Sich an zum Wettgesang, ein froh Gewimmel, Nicht säend, erntend, sammelnd nicht in Scheuern, Und doch ernährt der Vater sie im Himmel. Seid ihr nicht mehr, denn sie? Wenn sie, vorsingend" Die Sorg', im freien Reich der Töne leben: Sollt ihr den Geist nicht, ihn der Erd' entschwingend, In's Reich der freien Gottgedanken heben? Wer von euch mag der Länge seines Lebens Wie er auch sorgt, zusetzen eine Elle? Doch um den Geist müht ihr euch nicht vergebens, Der wächst, wollt ihr's, empor zur Himmelshelle.— Und schauet auf dem Feld die Lilien prangen, An Arbeit denkend nicht und nicht an's Spinnen! Nicht herrlicher war Salomo umhangen Mit äuß'rem Schmuck, wie Gott sie schmückt von innen. So Gott des Feldes Gras, das heute stehet, Und in den Ofen wird geworfen morgen, Weiß so zu kleiden: die ihr nie vergehet, Kleingläubige! wird er für euch nicht sorgen? Sorgt ihr nur, daß sich euer Geist erschließe Dem Lichte Gottes, gleich der Lilienblüthe. In seiner Wahrheit, sich entfaltend, sprieße Und seiner Schöne Widerschein behüte. Drum sollt ihr euch in Sorgen nicht verzehren, Was ihr wollt essen, trinken, wie euch kleiden, Armseligkeiten ängstlich nicht begehren. Nach solchem Allen trachten auch die Heiden. Zu einer Kraft saßt euer Sein zusammen! Nach Gottes Reich trachtet vor allem Andern! Das Irdische verbrennt i» Geistesflammen, Frei, auf des Denkens Höh'n einherzuwandern. Gottes Gerechtigkeit ersterbt in Werken, Sie spendend aus des Herzens reinem Horte! Daß man in Thaten Gottes Spur kann merken, Als wären nur verkörpert seine Worte. Das And're, Nied're wird schon zu euch fallen. Was ihr bedürft, der Himmelsvater weiß es. Er läßt von selbst euch Erdensaaten wallen, Eh' ihr erliegt der Last des Erdenfleißes. Nicht sorget peinlich, kleinlich für das Morgen, Den ein'gen Geist zersplitternd vielgeschästig! Das Morgen lasset für sich selber sorgen, Und bleibt im Heute nur ganz, klar und kräftig! (Schluß folgt.) Die Besteller von gebundenen Kalendern müssen sich noch gedulden, indem dieselben noch nicht in unserem Besitz sind. Tie Expedition des„Neuen Tocial-Temokrat".\ Altona. Krankenkassen-Angelegenheit. In Anbetracht der das Krankenkassenwesen betreffenden neuesten Gesetzesvorlage machen wir die Vorsteher, Vorsitzen- den und Boten der hierorts bestehenden Kranken-, Sterbe- und sonstigen HülfSkassen auf eine Sonntag, den 7. November, Nach- mittags 3 Uhr, im Lokale des Herrn Feuring, Rosenstraße 32, stattfindende Znsammenkunft aufmerksam. Tagesordnung: Bc- rathung wichtiger Angelegenheiten, u. A. Abhaltung einer allge- meinen großen Krankenkassen-Versammlung. O. Reimer. J Zur Beachtung. Die Adresse deS Sekretariats der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands ist jetzt Pferdemarkt 37 III. iu Hamburg. C. Derossi./ Briefkasten. Heinr. Mabow, Hannover. Die Briefe sind in unsere Hände ge- langt. Die Annonce befindet sich in Nr. 124 und sind die Kosten gedeckt. Lieber Wirkling, Altona, hast Du meinen Brief nicht erhalten?— Herrn Baumert, Weber, früher in Cell-, angeblich in Peine, ersuche ich um Rückgabe meines ihm geliehenen Buches. H. Wichtendahl, Celle, Blumlage 49i.| Kräcker, Breslau; Bräuer, Altona; Stark, Kiel. Die reklamirten Bestellungen auf Kalender waren bereits bei Eingang der Reklamation abgesandt. Den hiesigen wie auswärtigen Parteigenossen hiermit zur Nach- richt, daß meine Adresse jetzt Friedrichstraße tU, IL, Altona, ist. O. Reimer,.'i Den Berliner Parteigenossen znr Beachtung. Da der Parteigenosse Hurlemann am Donnerstag, den 4. November d. I., nach Hamburg abgereist ist, um von da aus auf mehrere Wochen nach Hannover über- zusiedeln, so ist es dem Unterzeichneten in den nächsten 6 Wochen nicht möglich, in anderen Gewerkschaften Vorträge zu halten. Zur Recht- sertigung dieser Erklärung möge die Thatsache dienen, daß ich ohnehin jetzt wöchentlich in 5 Versammlungen anwesend sein muß, viele, in Partciangelegenheiten an mich gerichtete Briefe beantworten und außer- dem die Erpedition für den„Grundstein" zu besorgen habe. Paul Grottkau. � Aboimements-Emladimg. Wir machen darauf aufmerksam, daß man auf nnser Blatt für die Bionate Novemder und Dezember bei allen Postanstalten für 1,07 Mark, fo wie in Berlin bei unseren Spediteuren für 1,30 Mark frei in's Haus abvnniren kann. Im Post-Zeituttsts-Katalog ist unser Blatt unter Nr. eingetragen, worauf wir hiermit besonders aufmcrk- fam machen. Wir hoffen, daß unsere Freunde und Partei- genossen diese Gelegenheit zu einem zahlreichen Abonnement benutzen werden, um so mehr, da Ende dieses Monats die Rcichstagsverhandlungen wieder beginnen. Die Expedition des ,, Neuen Social-Demokrat�. Berlin. Donnerstag, 4. Nov., Abends 8 Uhr, Sophienstr. 15, Abonnenten- Versnntmlnng. T.-O.: Bericht der Kommission zur Gründung eines Lokalblattes für Berlin. Die Abgeordneten der So- cialistischen Arbeiter- Partei Teutschlands sind anwesend. (?. 29.) A. Heinsch.[3,601 Berlin. Sonnabend, 6. Nov., Ab. 8 Uhr, Gratwerl's Bicrhallcn, ob. Saal. Arbeiterversammluttg. Der Versuch einer socialen Revolution durch Babeuf im Jahre 1796. Vortrag des Herrn Rathenau. Verschiedenes. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht (?. 29.) A. Heinsch.(2,00) (Rot-(tu Freitag, den 6. November, XmUU. Abends 8 Uhr, bei Vogel, Alexanderstr. 31, Geschlossene Mitgliederversammlung d.AUg.Tischlcr-(Schrciner-)Pcrcins. T.-O.: Abrechnung. Diskussion über die Altgesellen-SteUvertreterwahl.— Wichtige innere Vereinsangelegenheiten. W. Schmitz.[2,00] (llrtrltn Sonntag, den 7. November, Vorm. 10 Uhr, im„Deutschen Kaiser", Lothringerstraße 37, Oeffentliche General- Vessammlung der Bau-, Land-, Erd- und Fabrik- Arbeiter. T.-O.: 1) Zweck und Ziel des Deutschen Bau-, Land-, Erd- und Fabrikarbeiter- Vereins zu Hamburg. Referent: Herr Max Stöhr.— 2) Agitationsbericht von Herrn W. Wißmann. Es ist Pflicht eines jeden Arbeiters, in dieser Versammlung zu erscheinen. (?. 51.)_ L. Kohlstädt.[3,40] General-Vers ammlung der Mitglieder der TischlcrgeseUen- Kranken- und Ttcrbc-Kaffc Sonntag, 7. November, Vorm. 9 Uhr, Sophienstraße 15. T.-O.: Wahl des Altgesellen-Stellver- treters. Stimmzettcl-Ausgabe von 9 bis 11 Uhr. Das neue Auflagebuch pro 1875 legitimftt. Der Vorstand.[2,00] Sonntag, 7. November, mlOUlT* Vorm. 10'/- Uhr, im Lokale des Herrn Huth. Bürgerftr., Mitgliederversammlung des Teltower Wahlvereins. Die Mitglieder werden ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. (?. 100.) A. Versümer.[1,80] Den Parteigenossen empfehle mein Schneidcr-Gcschäft. Stoffe zur Auswahl vorräthig.[2,00] Emil Goris, Grenadierstr. 35. Anzeigen. Fr°'tag, 5. November, �mluiuuy* Abends S'/a Uhr, im Englischen Tivoli, Kirchen-Allee, St. Georg, Allgemeine Arbeiterversammlung. T.-O.: Vortrag des Herrn Hockemeyer. Parteigenossen, also im Engl. Tivoli! (?. 1.)__ Hörig.[2,00] Artttlflltrrt Sonnabend, 6. Novbr., yUIUlUUl). Abends S'/a Uhr, im Englischen Tivoli, Oeffentliche Zimmererversammlung. Tagesordnung: Vortrag. (?. 40.) L. Pfeiffer.[1,60] Arttitftltl-rt Sonnabend, 6. Nov., �nuuuiuy. Abends 8V» Uhr, bei Hübner, große Rosenstraße 37, Mitgliederversammlung d.Allg.Tischlcr-(Schreiner-)Bereins. (T. 37.) F. Weidemann,[1,40] Valentinskamp 71, Haus 7, 1. Et., links. Sonnabend, 6. November, 4111UUU. Abends 8 Uhr, Koppelmann's Salon, Volksversammlung. T.-O.: Die Strafgesetznovelle, oder der Kulturkampf gegen die Rothen. Referent: Reichstagsabgeordneter I. Bahlteich. (F. 20.) A. Forschner.[2,00] Hannover-Linden. DenParteigen. zur Nachr., daß ich zum Jahrmarkt, 8. d., ein Restaurationszelt habe. A. Glebc.[1,50] Barmbeck. im Lokale des Herrn Schultz in Barmbeck am Markt, Geschl. Mitgliederversammlung des Allst, deutsch. Bau-, Land-, Erd- und Fabrik-Arb.-Bereins. Tagesordn.: Abrechnung und verschiedene Vereinsangelegenheiten. (F. 1.) Schröder.[2,20] Schleswig. bei Petersen, Michaelisstraße, Gcmnthlicher Abend. Parteifreund C. Meier aus Braunschweig wird anwesend sein. Ich ersuche um zahl- reiches Erscheinen. I. Baustian.[1,60] Sonnabend, den 6. Nov., «Vrkl. Ab. 8 Uhr, im Engl. Garten, Parteiversammlung. T.-O.: Berichterstattung über den am 31. Oktober zu Neumünster stattgefundenen Kongreß. Alle Parteigenossen müssen am Platze sein. Chr�Starck.[1,80] Sonntag, den 7. November, IZssltU. Vorm. 11 Uhr, bei Hrn. Brandenberg, Grabenstr., Oeffentliche Versammlung des Socialistischen Arbeiter-Wahl- vereint. Tagesordn.: Wer stellte zuerst die weit- gehendste Forderung? Refer.: Hr. RaSpe. (F. 45.) A. Krem er.[2,20] Bremen Sonntag. 'CHvml'll. den 7. November, in Ever's Hotel, Bahnhoffttaße, (F. 67.)(„Hermaunshalle").[1,80) Partie Liberte. Anfang 5 Uhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Die Direktion. Barme». ftlU,. General-Versammlung des Arbeiter- Wahlvereins. Tagesordn.: Abrechnung. (F. 75.) Der Vorstand.[1,40] Düsseldorf. bei Moringen am Wehrhahn, Mitgliederversammlung des Socialdcmokr. Wahlvcrcins. C. Maaß.[1,20] Frankfurt im Lokale des Herrn Pfuhl, Zeil 47, Generalversammlung des Social-dcmokr. Wahlvereius. T.-O.: Abrechnung. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. I. A.: K. Ibsen.[1,60] Cöl«. Den Parteigen. Cölns u. Utw gegend zur Nachricht, daß Sonntag, 21. d., unser Arbeiter-Vereinigungs-Festball statt« findet. Karten sind bei den Agenten und dem unterzeichneten Eomitö zu haben. Das Comitö: I. Meist. A. Rieß., I. Blankenhagen. E. Busch.[MO] Druck und Verlag der Mg. deutschen Associattons-Buchdruckerei zu Berlin, Eingetragene Genossenschast, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8s. Verantwortlich für die R-daction: A. Küster in Berlin.