Rr. läa. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Sonntag, den 7. Novenlber 1875. Neuer Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgegengenommmen. mal-Vemckrat. Organ der Socialistischen Arbeiter-Partei Deutschlands. 5. Jahrgang. Rcdactiou u. Expedition: Berlin, 80., Kaiser Franz-Grenadier-Pl. 8a. Inserate (nur in der Erpedition aufzu- geben) werden pro sünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. berechnet. Ver- sammlungs-Annoncen die sünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reklame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. Abonncments-Preis: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich praemunerancko 1 Rm. 95 Pf., monatlich 85 Pf., einzelne Nummern 19 Pf.', bei den Postämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Rm. 69 Pf., stei in's Haus 1 Rm. 95 Pf.— Kreuzband-AbonnementS pro Quartal und Exemplar: für Deutschland und Oesterreich 3 Rm., für Niederlande und Belgien 3 Rm. 69 Pf., für Frankreich 4 Rm. 59 Pf., für England und Amerika 3 Rm. 55 Pf. Bestellungen auf Kreuzband-Abonnements sind nur bei der Expedition aufzugeben und müssen prasmuneranäo gezahlt werden. Inhalt. Wie die 5tapitalisten den Staat melken. Deutscher Reichstag. Politische Ucbersicht: Der Nothstand im„Reiche".— Die »Kölnische Zeitung".— Aus Danzig.— Die„Republik" Bremen.— Aus der Schweiz.— Oesterreich.— Zum Sclavenhandel.— Die be- »orstebende Volkszählung. Innere Parteiangelcgenheitcn. Korrespondenzen: Berlin.— Lambrecht.— Geestendorf.— Flensburg.— Osnabrück.— Frankfurt a. M.— Hamburg.— Wiesbaden.— Mühlheim a. d. Ruhr. Laicn-Evangclinm von Sollet.(Schluß.) Vermischtes. Fenillctou: lieber die Kost in den öffentlichen Anstalten.(Forts.) Wie die Kapitalisten den Staat melken. _ In der vorigen Nummer berichteten wir über die Sitzung des Reichstages vom letzten Dienstag und den famosen Versuch der Eisenbahnbarone, die Staatskuh ein- mal gründlich auszumelken. Wer noch über die Stel- lung der politischen Parteien im Reichstage im Unklaren ül, wer noch glaubt, daß ihr gegenseitiger Kampf und Wenigstens das oppositionelle Kriegsgeschrei der Fortschrittler aes äußersten linken Flügels etwas mit deni Kanipf für politische Freiheiten zu thun habe, wer da meint, daß ein unversöhnlicher Gegensatz zwischen feudal und fortschrittlich bestehe, den müssen die nackten Thatsachen jener Sitzung eines Besseren belehren, er muß erkennen, daß für die Haupthähne aller jener Parteien sofort die schönste Einig- keit sich ergiebt, wenn es gilt, zu Gunsten des Großkapitals bie Gesammtheit auszubeuten. � Oder ist es nicht etwa zum Todtlachen, wenn der fort- lchnttliche Herr Eugen Richter, der Radikalissimus seiner Partei, mit dem edlen konservativen Fabrikanten Stumm in vollster Eintracht an einem Strange zieht? Wenn sich derart die beiden Flügelmänner des Reichstages in die Arme fallen und vereint das Jahrhundert in die Schranken for- dern, dann kann man sich leicht vorstellen, wie erst die übrigen„E i s e n b a h n- D i r e k t i o n s- Fr e u n d e" schniunzelnd den Tomahawk beqraben haben, um vereint an's große Werk zu gehem.—- Um uns einen Begriff von dem lockenden Ziele, wel- ches den Eisenbahn-Baronen vorschwebt, zu machen, wollen wir nur eins hervorheben, was in jener Sitzung festgestellt wurde. Schon jetzt hat der Staat für das Posiwesen auf den Eisenbahnen jährlich 15 bis 15 Millionen Mark zu verausgaben, wovon l3/4 Millionen direkt in baarem Gelde u- die Kassen der Eisenbahnen fließen, die Letzteren sind aber nur verpflichtet, ihren fahrplanmüßigen Zügen einen von der Post zu liefernden und in Stand zu haltenden Postwagen anzuhängen. Jeder Lokomotivführer weiß, daß es fast gleichgültig ist, ob er fechszig oder drei und sechszig Upen im Zuge zu befördern hat, daß also die Eisenbahn- Gesellschaften mit jenen l3� Millionen baar Geld ein prächtiges Geschäft machen. Nur die Eisenbahn- Bnrone selbst wollen dies nicht wahr haben; kühnlich behaupten sie, wie weiland die auf Porgen und an den Straßen hausenden biederen Raub- ruter, daß ohne einen in ihrem Belieben stehenden Poll zu entrichten, selbst der Staat ihren eisernen Weg nicht befahren dürfe. Daß der Eisenbahn-Gefellschaft das Recht zusteht, dem Bauer das Land zu expropriiren— frlbstverständlich, sagt der Kapitalist— daß Privatgesell- fchaften nur dort Eisenbahnstrecken bauen, wo es hohe Divi- oenden zu fischen giebt, während der Staat nur die schlecht- rentirenden Bahnen zu bauen hat— selbstverständlich, weint der Börsenjobber—, daß die Eisenbahnen gegen die Konkurrenz, dank ihrem Privilegium geschützt werden—, '."bstverständlich, spricht selbst der verbissenste Freihändler; la, es soll sogar selbstverständlich sein, daß der Staat Eisenbahnen selbst zu seinem Schaden überall, wo sie � beanspruchen, Poststationen errichtet, und trotz alledem ovhebt sich ein Zetergeschrei darüber, daß nach ausdrück- fichem früheren Uebereinkommen der Staat für die Beför- orung der Postwagen nicht soviel bezahlt, wie die Eisen- vahngesellschaften ihm nach eigenem Belieben auferlegen Möchten. Daß dieses ein gar rundes Sümmchen ist, läßt sich wch dem Obigen gewiß nicht bezweifeln; es handelt sich slneswegs um einige Millionen jährlich, denn so viel be- Kehen ja schon die Eisenbahnen von der Post, sondern um �hn fache, zw anzigfache Millionen. Demnächst wird �öffentlich dies genau berechnet werden. Wahrlich ein schönes Mittelchen, derart den Staat zu Velken, um die Wunden zu verbinden, welche der„Krach" mn Eisenbahnwesen gerissen hat! Wir haben mit dem Leiter des Postwesens, dem Ge- Msnlpostdirektor Stephan, nachdrücklich ein Hühnchen zu pflücken, und zwar, weil die Kräfte der subalternen Post- Winten bei dem kärglichsten Gehalt auf's Aeußerste aus- genutzt werden. Unser Prinzip lautet nicht:„Möglichste Ueberschüsse erzielen", sondern den Beamten ein menschen- würdiges Dasein zu schaffen und im Uebrigen die Porto- kosten dem Publikum auf's Aeußerste zu ermäßigen. Denn ein durch hohes Porto und niedrige Gehälter erlangter Ueberschuß ist ganz bestimmt eine indirekte, höchst ver- werfliche Steuer. Was aber das famose Projekt der Eisenbahnbarone betrifft, so ist dieses noch viel schlimmer, nämlich eine indirekte Besteuerung des Volkes, welche noch dazu in die Taschen der Kapitaliften fließt. In welch' scandalöser Weise in England, wo die von Richter und Stumm geforderte Allgewalt der Eisenbahnen schon besteht, die Ausbeutung seitens derselben stattfindet, lehrt die von Herrn Stephan citirte Schrift des Professor Cohn. In derselben heißt es wörtlich: „Der Postzug, welcher die Briefe befördert, soll nicht mehr als 27 Meilen in der Stunde, Aufenthalt an Sta- tionen eingerechnet, zurücklegen. Es hängt von dem Gene- ralpostmeister ab, zu bestimmen, zu welcher Stunde und in welcher Weise, d. h. ob durch Uebergabe eines Postbeutels oder Sendung eines Postbeamten, oder durch Benutzung eines Wagens oder eines Extrazuges, die Postsachen beför- dert werden sollen, und an welchen Stationen der Postzug anhalten soll. Behufs der Einrichtung dieser Züge muß die Gesellschaft indessen vorher eine sechsmonatliche Räch- rieht erhalten, und für die Kosten, welche ihr entstehen, an- gemessen entschädigt werden. Der Betrag der für den Post- zug zu zahlenden Summe soll, wenn eine Vereinbarung zwischen der Gesellschaft und der Postbehörde nicht zu Stande kommt, durch zwei.von der Gesellschaft und der Behörde zu wählende Schiedsrichter, welche vor Beginn der Ver- Handlung einen Unparteiischen selbst zu ernennen haben, festgesetzt werden." „Die Folge davon ist einerseits, daß diese Sätze höher sind, als diejenigen, welche von Privatpersonen entrichtet werden, indem die Bahnen davon ausgehen, daß die Post sie unter allen Umständen braucht, und bei Anrufung schieds- richterlicher Vermittelung die natürliche Neigung immer dahingeht,„für den schwächeren Theil", d. h. für die Eisenbahnen zu entscheiden.„Alan sieht den Staatssäckel als uner- schöpflich an und billigt dem entsprechende Preise zu"; Preise von solcher Höhe, daß die Postverwaltung sich in manchen Fällen geradezu außer Stande erklärt hat, die be- treffenden Verbindungen im Interesse des Briefverkehrs ein- zurichten. Andererseits hat die rein privatrechtliche Auf- fassung des Verhältnisses zwischen Post und Eisenbahnen, sowie der Mangel einer kräftigen Handhabung der staat- lichen Aufsichtsrechte zu Wege gebracht, daß jene Leistungen selbst, ganz abgesehen von der dafür zu zahlenden Vergütuilg, auf die mannigfachste Weise verkürzt werden. An die Post- züge werden, obgleich dafür wie für Ertrazüge zu zahlen ist, Personenwagen oft in sehr großer Zahl angehängt; die gesetzlich vorgeschriebene Schnelligkeit der Beförderung wird nicht eingehalten; bei den gewöhnlichen Zügen wird theilö die Mitbeförderung der Briefsäcke überhaupt verweigert, unter dem Vorgeben, daß dieselben nicht rechtzeitig— d. h. vier Wochen vorher— angemeldet seien, theils die Aus- wechfelung auf den Zwischenstationen ausgeschlossen, weil sie zwar nach dem Sinne, jedoch nicht auch ausdrücklich nach dem Buchstaben des Gesetzes gestattet ist." Das sind Zustände, wie sie ganz naturnothwendig ent- stehen, wenn der Kapitalmacht der freie Lauf gelassen wird. Die Gaunerei geht soweit, daß selbst die Schiedsgerichte, natürlich aus Bourgeois vom reinsten Wasser bestehend, die scandalöse Profitmacherei auf Kosten der Gesammtheit stets gutheißen. Nun, mit diesem Treiben will der„Schlotjunker" wie der„Literat" auch Deutschland beglücken. Die vorstehenden Thatsachen aus England hat die gesammte, selbst die offiziöse, Presse in den Reichstagsberichten todtgeschwiegen. Eine schöne Korruption! Und dieses Anzapfen des Staatsfasses, geschieht endlich gar in dem Augenblick, wo ein allgemeiner Nothstand herrscht und wo Steuerprojekte, wie die Biersteuererhö- hung dem Volke zugemuthet werden. Sollte da die Milch der frommen DcnkungSart endlich nicht zum gährenden Drachengift werden? Deutscher Reichstag. Am Mittwoch dieser Woche sind die sämmtlichen auf freiem Fuß befindlichen Abgeordneten der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zu einer Fraktion zusammengetreten und haben in Betreff ihres Vorgehens im Reichstage während Session die nöthigen Beschlüsse gesaßt. der jetzigen Bei Beginn seiner Sitzung vom 4. November erfuhr der Reichstag durch amtliche Biittheilung, daß er von dem„Gra- sen" E. Baudissin und dem„Arbeiter" Hörig beleidigt worden sei, weshalb der Reichskanzler für den preußischen Justizminister die Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung dieser Personen nachsuche. Die Sache wurde zur Begutachtung der Geschäfts- ordnungs-Kommission überwiesen. Der elsässische Abg. Guerber sprach beim Gesetz-Entwurf über die Kosten des Jmpfwesens in Elsaß-Lothringen die Forderungen seiner Landsleute bezüglich deS Landesausschusses aus, nämlich: Konstituirung des Ausschusses durch Volkswahl, erweiterte Kompetenz, und entscheidende Stimme statt der blos berathenden. Das Haus nahm sodann nicht ohne Widerspruch den Gesetz-Entwurf an, welcher die Kosten des Im- pfens den Bezirken des Reichslandes auserlegt. Ein. Gleiches geschah bezüglich der Kosten für Unterbringung verurtheilter Per- sonen in einem Arbeitshause. Der letzte Gegenstand der Tages- ordnung, die erste Berathung des Entwurfs einer Konkurs- Ordnung führte zu einer Diskussion darüber, ob diese Vorlage der Justiz-Kommission zu überweisen, oder ob eine Spezial-Kom- Mission dafür zu bestellen sei. Die letztere Ansicht siegte. Politische Uebersicht. Berlin, 5. November. Wie groß im deutschen Vaterlande die Noth unter der ar- beitenden Bevölkerung sein muß, ersehen wir wohl am besten daraus, daß, trotzdem die nach Brasilien ausgewanderten Meck- lenburger in Massen wieder in ihre Heimath zurückkehren und dort die entsetzlichsten Schilderungen über ihren Ausenthalt in Brasilien verbreiten, sich doch so und so viele Andere nicht ab- halten lassen, nach diesem Paradiese der Sclavcnbarone auszu- wanden:. Am Ende bleibt sich's vielleicht auch gleich, ob man in Mecklenburg oder in Brasilien verhungert und zu Grunde geht. „Ach, die ich rief, die Geister, die werd' ich nun nicht los" — so seufzt gegenwärtig, wahrscheinlich in einem unbewachten Augenblick, das große Reptil vom Rheine, die„Kölnische Zci- tung" und stellt dabei allerhand Betrachtungen über den Druck der Ausgaben für das Heerwesen im neuen deutschen Reiche an. So bemerkt das ehrenwerthe Reptil unter Anderem, daß früher einmal Napoleon III. einen Vorschlag zur Reduktion der Armeen gemacht und daß nur Preußen entschiedene Be- denken dagegen geäußert habe.„Preußen war damals", wie die Kölnerin erklärend hinzufügt,„der einzige Staat, der die all- gemeine Wehrpflicht eingeführt hatte, und befand sich also in einer besonderen Lage. Es hätte damals, auf jenen Vorschlag eingehend, vielleicht einen Vortheil aus Händen gegeben; jetzt aber, wo die allgemeine Wehrpflicht von allen Großmächten des Festlandes eingeführt ist, steht die Partie für alle Theile gleich." — Ob man vielleicht in der Wilhelmstraße in Berlin"gerade nicht bei Kasse für die Reptile an der„Cölner" gewesen ist, und ein solches Stück Federvieh sich in dieser Art und Weise gegen das Reich der„Intelligenz" aufbäumt oder ob den Herren in Eöln das Gewissen wirklich einmal geschlagen hat und sie ein- sehen gelernt haben, daß der Militär-Moloch und der National- Wohlstand zwei himmelweite Begriffe bei uns zu Lande sind- das wollen wir dahingestellt sein lassen. Jedenfalls geht aber zur Genüge hervor, daß auch der Hirnkasten eines Reptils doch noch im Stande ist, zu berechnen, daß die geputzten Helme und blinkende Waffen ein Volk nicht satt zu machen vermögen. Auf der Danziger Admiralität ist ganz plötzlich einem Theil der Arbeiter von der Auörüswngs-Abtheilung gekündigt worden. Es sind dies alle im Seefach ausgebildete Leute, welche bereits 15— 20 Jahre mit der Anfertigung resp. Ausbesserung der Takelage beschäftigt waren. Auf ihr Befragen nach dem Grund der Entlassung wurde ihnen von ihren nächsten Vorgesetz- ten geantwortet: sie hätten ja die ihnen angebotene Akkordarbeit für den gebotenen Preis nicht angenommen. Die Arbeiter soll- ten nämlich eine Arbeit für 900 Mark ausführen, für welche früher fast die Hälfte mehr gezahlt wurde. Auf Verwenden bei der Ausrüstungs-Direktion bekamen sie dagegen den Bescheid, daß die Admiralität bereits im vorigen Jahre die Reduzirung der Takler angeordnet habe, doch sei dieselbe damals verschoben wor- den, weil noch Arbeit vorhanden war; jetzt wäre aber Mangel an Arbeit eingetreten und in Folge dessen würden sie alle ohne Ausnahme entlassen. Die von dieser Maßnahme Betroffenen werden sich an das Marine-Ministerium wenden. Die„Republik" Bremen scheint eines Kalenders nöthig zu bedürfen, um zu erfahren, daß die Menschheit bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angekommen ist. Die weisen Bürger und Väter der Weserstadt haben nämlich in ihrer Sitzung vom 27. v. M., in der sie sich von Neuem mit dem Wahlgesetz beschäftigten, das eine Deputation auf Grund der gefaßten Hauptbeschlüsse schleunigst abermals durchgearbeitet hatte, den alten Zopf konservirt; sie beschlossen nämlich, bei den Wahlen zum Bürgeramt und zu den Deputationen auch ferner nach Klassen gesondert abzustimmen. In der nächsten Nummer werden wir übrigens aus der Feder eines unserer Bremenser Parteigenossen einen Bericht über diese Schildbürger veröffentlichen. Am 31. Oktober fanden in der Schweiz die Neuwahlen für den'Nationalrath statt. Wie zu erwarten, sind dieselben wieder zu Gunsten der liberalen Bourgeois ausgefallen. Eine zweite Auflage einer bekannten Affaire wäre somit keine Unmög- lichkeit. In Oesterreich blüht wieder einmal das Geschäft, so man Sociali st en hetze nennt. Da in anderen Residenzen gewisse Staatsretter die Socialisten nicht haben auffteffen können, so denken einige Herren an der Donau, daß doch irgend ein Mittel sich finden lassen muß, um die verruchte Eommunistenbandc aus- zufegen. So werden nun die socialistischen Arbeiterversammlun- gen aufgelöst, Haussuchungen u. s. vorgenommen, überhaupt Alles das, was zu einer regelrechten Socialistcnhetze gehört. Ob's aber was„helfen" wird, bezweifeln wir sehr. Der Strom der Wahrheit rauscht nun einmal vorwärts allen Reaktionen zum Trotz, und wenn Peter oder Kunz ihm einen Damm entgegen werfen wollen, so müsien sie sich sehr dabei hüten, wenn sie nicht dabei ersaufen wollen, da das Wasser keine Balken hat, am allerwenigsten für solche vorwitzige Kinder. Der Selaveuhandel ist nächst dem Gründen sicherlich das einträglichste Geschäft, und daß es noch immer en xros betrieben wird, ersehen wir daraus, daß in kurzer Z?t von den englischen Schiffen„London" und„Thetis" nicht weniger als öiSclaven- schiffe aufgebracht sind. Interessant ist es übrigens, daß es bis zetzt unbekannt geblieben ist, unter welcher Flagge die Sclaven- schiffe gesegelt sind. Die Roth unter den Kohlenarbeitern in Süd-Wales in England nimmt von Tag zu Tag schrecklichere Dimensionen an. Die großartigen Kohlenbergwerke der Powells Duffryn Gesell- schaft haben ihre Thätigkeit bereits eingestellt. Nicht minder be- finden sich die Eisenarbeiter in einer äußerst gedrückten Lage. Bedeutende Firmen in Middelsborough und Stokton haben ihren gesammten Arbeitern zum 13. November gekündigt und somit Tausende von Familien brodlos gemacht. * Am 1. Dezember dieses Jahres geht innerhalb des deut- schen Reichs eine große Volks- und Gewerbezähluug vor sich. Die statistischen Nachforschungen werden uns sicher em gar trübes Bild von der deutschen Industrie und Gewerbethätigkeit enthüllen._ * Bei dem Wiederaufbau des Berliner Hotels„Kaiser- Hof" fand am 31. Oktober dadurch ein Arbeiteruuglück statt, daß plötzlich ein Gerüst zusammenbrach und drei darauf befind- llche Aroeiter schwer verletzte. Am 4. November ist auch einer dieser Unglücklichen seinen Leiden erlegen. Innere Parteiangelegenheiten. Zu Agenten des Vorstandes wurden ferner ernannt: Für Altona: R. l5arlson. Bredstedt: C. Wagner, Nielsen. Danzig: E. Dick. Duis- bürg: H. Fennemann, P. Thiesen. Klein-Steinheim: P. Braun II., L. Eckrich. Lauenburg: W. Butenschön, H. Maaß. Melle i. H.: G. Geisler, W. Rausch. Wir bitten, bei neuen Anmeldungen die genauen Adressen bei- der Agenten(beim Sekretariat) anzugeben. Hamburg, 3. November 1875. Mit social-demokratischen Gruß I. C. Derossi. I. Auer. Pserdemarkt 37. Zur Notiz! Marken und sonstige Utensilien werden durch die Sekretäre besorgt, und sind also die Bestellungen bei diesen zu machen. An die Partei-Agenten sind dieser Tage auf den Partei-Kalender bezügliche Circulaire versandt worden. Indem wir den Genossen den Vertrieb des Kalenders noch einmal an's Herz legen, bemerken wir, daß der Versandt desselben durch die Expedition des„Volksstaat" in Leipzig und des„Neuen Social-Demokrat" in Berlin besorgt wird, wohin auch alle Bestellungen zu richten sind. Hamburg, den 2. November 1875. Der Vorstand. I. A.: I. Auer, C. Derossi, Pferdemarkt 37. (Zur Kenntnißnahme.) Die Vorstands-Sitzungen finden jeden Dienstag und Freitag statt. * Unser Parteifreund Szimmath ist am 2. dss. vom Ber- liner Stadtgericht wegen angeblicher Gründung einer Unter- stützungskasse(einer Mitgliedschaft der Schuhmachergewerkschaft) ohne Genehmigung der Regierung zu 30 Mark Strafe, event. 6 Tagen Haft verurtheilt worden; sodann am 3. dss. wegen an- geblicher Beleidigung des Kammergerichts zu einem Monat Ge- sängniß. Näherer Bericht folgt. Berlin, 2. Nov.(Generalversammlung des Socialisti- schen Arbeiter-Wahlvereins.) Am 28. Oktober fand Sophien- ftraße 15 die Fortsetzung der Generalversammlung statt. Der erste Ucber die Kost in öffentlichen Anstalten. (Ein Vortrag, gehalten am 13. September 1875 in der ersten Sitzung des Kongresses für öffentliche Gesundheitspflege zu München, von Professor Voit.) (Fortsetzung.) Es könnte z. B. nach dem bis jetzt Gesagten Jemand auf den Einfall kommen, einem Menschen Heu vorzusetzen, und ihm darin die nöthiaen Nahrungsstoffe in gehöriger Menge und dem richtigen Verhältniß darzubieten, und doch wäre das Heu für den Menschen keine Nahrung, weil aus dem Heu von dem mensch- lichen Darm die in für ihn unlöslichen Cellulose-Hüllen ein- geschlossenen Nahrungsstoffe nur zum geringsten Theil ausgelangt werden. Man muß sich also durch Versuche an verschiedenen Men- schen, durch sogenannte Ausnützungsversuche, vorerst überzeugen, ob denn die in den angeblichen Nahrungsmitteln enthaltenen Nahrllngsstoffe auch im Darm verwerthet werden, und in welcher Menge und Zeit dies geschieht. Man erhält dabei manche uner- wartete Aufschlüsse, und erfährt, daß ein großer Unterschied darin besteht, in welcher Forin die Nahrungsstoffe dem Darm darge- boten werden. Die animalischen und die vegetabilischen Nahrungsmittel ent- halten im großen Ganzen die gleichen Nahrungsstoffe, aber es besteht in der Mehrzahl der Fälle eine gewaltige Differenz in der Ausnützung im Darm, und darin liegt auch der Hauptunterschied der Nahrungsmittel aus dem Thier- und Pflanzenreich in ihrem Verhalten zur Ernährung. Das Eiweiß wird aus animalischen Nahrungsmitteln, z. B. aus Fleisch, Milch, Eiern zc., leicht, bis zu einer gewissen Grenze vollständig und in kurzer Zeit aufgenommen; der darnach in sehr geringer Menge entleerte Koth enthält kein Eiweiß mehr. Ebenso ist es mit dem dargereichten Zucker; ähnlich mit dem Fett, das bis zu einer bestimmten Grenze ebenfalls leicht resorbirt wird und dann nur in geringer Menge im Koth erscheint. Ganz anders verhalten sich dagegen die meisten vegetabili- schen Nahrungsmittel, welche im Allgemeinen das Eiweiß neben einer bedeutenden Menge von Stärkemehl, zum Thejl in schwer zugänglichen Gehäusen aus Cellulose eingeschlossen, enthalten. Meist wird dabei eine ansehnliche Quantität von Koth entleert, der noch viel unverwendetes Eiweiß und Stärkemehl enthält. Dies rührt beim Menschen zum größten Theil daher, daß das Stärkemehl in saure Gährung übergeht, und der Dünndarm dann rasch entleert wird, also die Zeit zur gehörigen Verwerthung nicht gegeben ist. Nimmt ein Mensch in vegetabilischen Nahrungs- Punkt der Tagesordnung fand nach längerer Debatte dadurch feine Erledigung, daß der Z II des Vereinsstatuts abgeändert wurde und jetzt, wie folgt, lautet:„§ 11. Die geschlossenen Versammlungen sin- den allmonatlich mindestens ein Mal statt und werden vom Vorstände angesetzt. Der Zutritt ist zu denselben in gleicher Weise beschränkt, wie zu den Generalversammlungen."— Der Geschäftsführer des Ver- eins, Heinsch, gab sodann einen umfassenden Bericht über die Agitation tn Berlin. Die Einnahmen beliefen sich in dem ersten Vierteljahr auf Mark 1364,54, die Ausgaben auf Mark 1168,35. Es fanden 52 Ver- sammlungen statt, in welchen 22 verschiedene Redner auftraten. Dem Berein stehen 42 Agitatoren zur Verfügung und wurde der Wunsch ausgesprochen, daß dieselben in den Versammlungen erscheinen Möchten, in denen sie ein Referat übernommen haben.(Ein Antrag, Diejenigen zu veröffentlichen, welche wiederholt ohne Grund ausbleiben, fand Annahme.) Der Verein zählte Ende September V37 Mitglieder. Die Berufs zweige waren, wie folgt, vertreten- Tischler 163, Maurer 165, Cigarrenmacher und' Schneider. je 71, Fabrik- und Handarbeiter 76, Zimmerer, Schuhmacher je 54, Schloffer 3g, Weber 33, Metallarbeiter 25, Klempner 23, Schriftsetzer 26, Sattler 19, Maler 17, Dreher 16, Buchbinder 9, Kaufleute 8, Böttcher(l), Schmied«. Knopfmacher, Tape- zierer, Gürtler je 7, Drechsler 6, Lackirer 5, Stellmacher, Gerber, Steinmetze, Bildhauer, Bäcker, Uhrmacher, Dachdecker, Mödelpolierer je 4, Fuhrherren, Stuckateure, Bürstenmacher, Goldarbeiter, Korbmacher, Hutmacher, Handelsleute je 3, Mechaniker, Putzer(!), Silberarbeiter, Stepper. Kistenmacher, Buchhändler, Schriftsteller je 2, von den folgen- den Berufszweigen sogar nur je 1: Kutscher, Schlächter, Lithograph, Xylograph, Marmorschleifer, Feilenhauer, Jnstrumentenmacher, Töpfer, Kupferschmied, Etuiarbeiter, Gelbgießer, Glazer, Messerschmied, Hand« schuhmacher, Porzellanmaler, Gärtner, Steindrucker, Tuchscheerer, Sei- ler, Posamentier, Strumpfftricker, Schachtmeister, Bohner, Äranzarbeiter, Werkführer, Kolporteur, Heilgehülfe, Assecuranzbeamter, Restaurateur, Musiklehrer, Barbier, Apotheker und ein Arzt. Im Monat Oktober ist die Mitgliederzahl um ca. 266 gestiegen. Der Geschäftsführer sprach die Hoffnung aus, daß durch vorstehende Veröffentlichung die nach Tausenden zählenden Berliner Social-Demokraten dem Vereine bei- treten werden und machte es den Anwesenden zur Pflicht, mit ganzer Kraft für das Gedeihen unserer Sache einzutreten.— Die Besprechung der Agitation in Berlin gab vielen Mitgliedern Gelegenheit, ihre Vor- schlage der Generalversammlung zu unterbreiten; vor Allem wurde her- vorgehoben, daß es nothwendig sei, schon jetzt mit der Agitation für die nächsten Reichstagswahlen zu beginnen. Eine in dieser Beziehung gemachte Mittheilung des Geschäftsführers fand allseitige Zustimmung. Die Versammlung schloß vom besten Geiste beseelt. Berlin, 5. November.(Zur Besprechung der Jahr- und Weihnachtsmarktsfrage) fand am letzten Dienstage in der„Bun- desHalle" eine öffentliche Versammlung von Arbeitern und Kleinge- werbetreibenden statt. Nach einem Referate von F. W. Fritzsche nahm die Versammlung folgende Resolution an:„Der Verfall des Handwerks kann nur durch die von Lassalle vorgeschlagene genossen- schaftliche Arbeit vermieden werden und, der Magistrat ist dringend zu ersuchen:„die Berliner Jahr- und Weihnachtsmärkte aufzuheben." Lambrecht bei Neustadt a. d. Haardt, 1. Novbr.(Volksver- sammlung.) Am 27. September d. I. fand hier im Lokale des Herrn Heinrich Dietz eine gut besuchte Volksversammlung statt, in wel- cher Genosse Hackenberger aus Pforzheim über die„Ursachen und Wir- kungen der Geschäftskrisis" referirte. Redner beleuchtete vorerst in Kürze die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise und ihre Entwickelnngsgeschichte bis auf den heutigen Tag. Aus den das Vor- gehen der Unternehmer bestimmenden Gesetzen derselben sei der Egois- mus in seiner scheußlichsten Gestalt entstanden und der Arbeiter zur Waare geworden. Das gesammte Elend unserer Tage: Korruption, Prostitution und Verbrechen aller Art, verdanke dem herrschenden Kapitalismus, der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, seine Entstehung. Unsere liberalen Preßbanditen und bejammernswetthen deutschen Professoren, diese echt brodwissenschastlich gebildeten Männer, welche auf geistigem Gebiete die totalste Verwüstung anrichten, seien ebenfalls als ganz natürliche Folge, als Produkt, sich ergebend aus diesem bestimmenden und vernichtenden Prinzipe, zu betrachte»! denn der Kapitalismus kenne nur: Entweder bete mich an, werde gefügiger Lohnardeiter, in meinen Diensten stehend, oder—: gehe unter! Nunmehr kam Redner zu sprechen auf die heutige Geschäftskrisis, welche herbeigeführt sei durch schwindelhafte Unternehmungen, berechnet, dem Volke das Geld aus der Tasche zu stehlen, im Verein mit der plan- losen Produktton, die ohne Kenntniß des vorhandenen Bedarfs darauf los gewirthschastet habe. Die Sucht und Gier nach Gewinn, verbun- den mit grenzenloser Bornirtheit, sei überhaupt eine spezielle Seite der Bourgeoisie. Die planlose Produktion habe die Ueberproduktion er- zeugt, das heißt, das Vorhandene werde von den zahlungsfähigen Kon- sumenten nicht konsumirt. Die Milliarden haben herhalten müssen, um dem Volke Sand in die Augen zu streuen und es glauben zu machen, daß durch sie ein allgemeiner Wohlstand sich ergeben werde. Die feile Presse habe ihre Pflicht und Schuldigkeit ebenfalls„ganz" gethan und dem Volke die größten Schwindelunternehmungen als auf reeller Basis ruhend angepriesen. Daß eigens zu diesem Zwecke Zei- tungen von den Gaunern„gehalten" wurden, ergebe sich aus der That- Mitteln nur so viel Eiweiß, Aschebestandtheile�Wasser und Stärke- mehl auf, als der Körper an diesen Stoffen nöthig hat, so wird ein Theil derselben im Koth wieder entfernt, und das Resorbirte reicht also zur Erhaltung des Körpers nicht hin.� Erhält man durch Mehraufnahine den Körper schließlich auf seinen Bestand, so wird viel sonst noch brauchbare Substanz mit dem Koth ab- gegeben. Es ist dies unläugbar eine Verschwendung von Nah- rungsstoffen. Nach den in meinem Laboratorium von Dr. Ad. Mayer ausgeführten Untersuchungen werden bei Aufnahme von 736 Gramm Semmel 20 Prozent Eiweiß und 6 Prozent Stärkemehl im Koth wieder entfernt; bei Aufnahme von 757 Gramm Pumpernickel 42 Prozent Eiweiß und 10 Prozent Stärkemehl. Ein Mann erhielt von Dr. Fr. Hofmann täglich 1000 Gr. Kartoffeln, 207 Gr. Linsen und 40 Gr. Brod mit 14.7 Gr. Stickstoff zugeführt, worauf er im Koth 24 Prozent der trockenen Kost und 47 Prozent des darin verzehrten Stickstoffs ausschied. Als derselbe Mann in animalischer Kost eben so viel Stickstoff und statt des Stärkeniehls setn Aequivalent Fett bekam, nämlich 390 Gr. Fleisch und 126 Gr. Fett, enthielt der Koth nur 17 Prozent des verzehrten Stickstoffs, und wurde trotz gleicher Ei- weißmenge der Zufuhr doppelt so viel Eiweiß im Darm resorbirt. Um durch Vegetabilien die nöthigen Nahrungsstoffe zuzu- führen, z. B. durch Brod, Kartoffeln, Reis, Mais zc., braucht man gewöhnlich ein ungleich größeres Volumen als bei animali- schen Nahrungsmitteln, und zwar deshalb, weil das Aequivalent des Stärkemehls nahezu doppelt so groß ist, als das des Fettes, und weil man von dem ersteren des massigen Koths halber mehr nöthig hat. Die große Masse der Vegetabilien bringt häufig weitere Beschwerden für den Darm und den übrigen Körper mit sich. Nur ein ganz gesunder Darm kann die stark sauren Massen be- wältigen; Jedermann weiß, daß ein schwächlicher Darm Schwarz- brod oder Kartoffeln am wenigsten zu ertragen vermag; der Mehlbrei ruft bei Kindern durch die saure Gährung des Stärkemehls so leicht Darmkatarrh und unstillbare Diarrhöen hervor. Die Verdauung der pflanzlichen Nahrung erfordert einen viel compli- cirteren und längeren Darm und mehr Zeit. Vom Brod müßte ein robuster Mensch wenigstens 1430 Gr. verzehren, um den Eiweißbedarf zu decken, und wenn man die Kothentleerung mit in Rechnung bringt(nach Mayer 22 Prozent Stickstoffverlust) etwa 1750 Gr. Eine solche Quantität Brod können die wenigsten Menschen, der großen Masse halber, ver- zehren, obwohl viele im Stande sind, die entsprechende Menge von Mehl in verschiedenen Mehlspeisen zuzuführen. Dr. Mayer fache, daß nach dem Wiener Börsenkrach 56 derselben in Wien sofort ihre Thätigkeit einstellen mußten. Was die einzelnen Schwindler bei dieser Jagd nach Gewinn verloren, sei zu suchen bei den„Besten" unter ihnen. Redner kam dann zu sprechen auf die traurigen Folgen, welche sich für den Arbeiterstand aus der durch die planlose Produktton und großartige Dieberei hervorgerufenen Geschäftslosigkeit ergeben haben. Arbeitslosigkeit, Reduzirung der Löhne, Roth und Elend seien das Laos der arbeitenden Klasse, welch« dadurch an den Bettelstab gebracht werde; die Fleißigen und Ehrlichen, welche mit den Schwindelspielen nichts gemein hatten, werden jetzt verantwortlich dafür gemacht. Das Un- stichhaltige der Eämphausen'schen Wunder-Rezepte wurde vom Redner in überzeugender Wette nachgewiesen und führte derselbe gleichzeitig an, daß die Annahme, die Arbeitstüchtigkeit habe sich verringert, durch die Statistik glänzend mderlegt werde. Wenn wirklich irgendwo schlecht gearbeitet iei, so Haie der Fabrikant oder Unternehmer hieran selbst das größte Interesse gehabt, waS Redner auch aus eigener Erfahrung bewies. Eharakterifirend für die liberale Presse sei eS, wenn dieselbe hin und wieder in sittticher Entrüstung der Schwindler gedenkt; dies zeige so recht deutlich den miserablen Geist unserer Preßkosaken, die jetzt, da ihre einstigen Brodgeber nichts mehr hergeben können oder wollen, auf dieselben lotzschimpfen und noch obencin die öffentliche Meinung damit tauschen und für sich zu gewinnen suchen. Die hochsitt- licht und„patriotische"„Gartenlaube" mache augenblicklich recht„bleu- dend" in diesem Artikel. Redner bemerkte, daß alle diejenigen, welch« glauben könnten, die liberale Presse meine es hiermit vielleicht doch aufrichttg, sich eines untrüglichen PrüffteinS bedienen möchten. Der- selbe wäre: anzuftagen bei dieser„sittlichen" Presse, welchen Stand-' punkt sie einnehme zur kapitalistischen Produktionsweise. Da würden wir denn dieselbe, also die Ursache, aus der alle Schwindel-Experimente, jedweder Betrug und die Krisen sich ergeben, von ganz derselben Presse als„Naturgesetz" und„göttliche Weltordnunz" preisen hören; und das sei denn doch in der That ein in die Augen springender Beweis für die liberale Heuchelei. Redner wies ferner nach, daß die Arbeiter auf dem nur denkbar gerechtesten Standpunkte stehen, indem sie die Hand- lungen der Kapitalisten, Gründer und Schwindler, so unendlich schäd- lich und vernichtend dieselben auch seien, doch immer als Wirkungen, als sich ergebend aus der kapitalistischen Produktionsweise hinstellen. Der Arbeiterstand erkenne, daß, wenn es dauernd besser werden soll, Wohlstand, Bildung und Freiheit die gesammten Massen, umfassen uud der Roth für immer ein Ende bereitet, in erster Linie das heuttg« Hauptprinzip beseitigt werden muß. Es würde uns auch nicht einen Schritt weiter bringen, wollten wir diejenigen, welche mit dem Aermel das Zuchthaus gestreift haben, aber nach wie vor im Rath« der Götter sitzen, beseittgen. Die Möglichkeit ihrer Handlungen wäre durch den heuttgen Zustand weiter gesichert und die„reinen" Hände, die, welche noch nicht Pech angefaßt, würden dann in demselben Sinn« arbeiten. Dadurch nur allein, daß der Ertrag der Arbeit auch den Arbeitenden selbst zu Gute kommt, werden die Menschen in bessere Be- Ziehungen zu einander gebracht. Die kapitalistische Produktionsweise müssen die Arbeiter allerorts erkennen; hierdurch werden sie auch am ersten in den Stand gesetzt, alle zu Tage tretenden Erscheinungen so- wohl auf wirthschaftlichem wie politischem und religiösem Gebiete richtig beurtheilen zu können, auch begreifen, aus welchem Grunde die Libe- ralen jetzt die Bajonette umklammern. Zum Schluß forderte der Red- ner die Anwesenden noch auf, fleißig unsere Presse zu lesen, die Or- ganisation weiter ausbauen zu helfen und das Hauptaugenmerk daraus zu richten, daß möglichst viel Vertreter unserer Auffassung und An- schauungsweise in die gesetzgebende Körperschaft gelangen. Die Gesetz- gebung nur allein sei im Stande, die aus Association beruhende Arbeit einzuführen und dadurch eine gerechte Gütervertheilung zu ermöglichen. Nachdem noch Genosse Pfalzgraf auS Neustadt einige auf die Tagcsörd- nung bezügliche Bemerkungen gemacht, schloß der Vorsitzende die Ver- sammlung. Mit social-demokrattschem Gruß Jacob Merkel. Geestendorf, 31. Oktober.(Allgemeiner Bericht.) Es san- den in der hiesigen Umgegend im Verlauf von fünf Tagen folgende Versammlungen statt, und zwar wie folgt: Am 23. d. Ms. in Geeste»- dors, wo die Tagesordnung lautete:„Die Bestrebungen der Socialistt- schen Arbeiterpartei Deutschlands". Den 24. dss. in Bremerhaven mit der Tagesordnung:„Sind Krisen auch im socialistischen Staat mög- lich?" Am 25. wiederum in Geestendorf mit folgender Tagesordnung: „Regelung der lokalen Angelegenheiten". Beschlossen wurde außerdem, den Hauptpunkt unserer Agitation nach Bremerhaven zu verlegen, weil dies der Mittelpunkt ist von den vier Ortschaften Lehe, Bremerhaven, Geestemünde und Geestendorf; und in Geestendorf einen Wahlverein zu gründen, um dann mehr mit den Communal-Angelegenheiten in Berührung zu kommen und dadurch die Klein-Gewerbtreibenden und kleinen Hausbesitzer mehr und mehr heranzuziehen. Am 26. d. fand in Lehe eine Volksversammlung mit der Tagesordnung statt:„Zur Lage der ländlichen Arbeiter. Den 27. hielten wir in BremerhaveU über„die Bier- und Petroleumsteuer" eine Versammlung ab, in der folgende Resolution eingebracht wurde:„Die heutige Versammlung protestirt auf das Enischiedenste gegen die Erhöhung der Biersteuer und Einführung der Petroleumsteuer und überhaupt gegen jede Steuer auf die Lebensbedürfnisse des Volkes, und erklärt es für die Pflicht aller Reichstagsabgeordneten, jedes dieser Steuerprojekte zurückzuweisen Sollte ein Abgeordneter trotzdem für eine solche Belastung des VolkeS hat es im Maximum auf 817 Gr. Brod im Tag gebracht. Ei« Setzen auf Waffer und Brod kommt daher dem allmähliche« Verhungern gleich. y Roch viel schlimmer als mit dem Brod ist es mit den s? viel gepriesenen Kartoffeln. Um mit ihnen(neben etwas Eiweiß in Heringen oder Buttermilch) den Körper zu erhalten, braucht man bis zu 5000 Gramm oder 10 Pfund. Reben der kolossale« Verschwendung an Nahrungsstoffen durch die schlechte AusnützunS ist die dadurch dem Körper zugemuthete Last eine ungeheure- Die größtentheils von Kartoffeln sich nährenden Jrländer oder die arme Bevölkerung mehrerer Gegenden Norddeutschlands bleiben nichts desto weniger schlecht genährt, haben Hängebäuche, sini> zu keiner strengen Arbeit befähigt und widerstehen krankmachende« Einflüssen nur wenig. Die Kartoffel ist ein vorzügliches Nah- rungsmittel für den Menschen, aber die Versuche, sie ausschließ- lich, d. h. als Nahrung, zu benutzen, haben zu den verderblichste« Folgen geführt. Leider sind die Ausnutzungsversuche am Menschen noch nicht in genügender Zahl durchgeführt, obwohl sie von so großer Wich- tigkeit wären. Die Leguminosen(Erbsen, Linsen und Bohne«) sind sehr reich an Eiweiß; man hat aber kein Recht, sie als Ei- weißträger zu preisen, bevor nicht durch Ausnützungsversuche be- kannt ist, in welcher Menge das Eiweiß daraus ausgezogen wird- Man hat sich, nur gestützt auf die chemische Analyse und ohn� den thierischen Organismus zu befragen, schon den gröbsten Tä«- schungen über den Werth einer Substanz als Nahrungsmittel hingegeben. Man hat z. B. gemeint, das Brod von ganze«' Korn wäre ungleich nahrhafter als das aus Mehl ohne Kleie, da das ganze Korn mehr Stickstoff und mehr Asche enthalte; jede" Versuch am Menschen und Thier lehrt aber gerade das 11mg*: kehrte, nämlich daß das Brod vom ganzen Korn mehr Kot? macht und weniger ausgenützt wird, ganz abgesehen davon, daß der Körper im feineren Mehl ohne Kleie mehr als genug Asch*' bestandtheile empfängt. Es ist am besten, die Kost des Menschen aus animalisch*« und vegetabilischen Substanzen zu mischen. Wir haben darg*; than, daß fettarmes Fleisch allein keine richtige Nahrung für uns ist, da nur die wenigsten so viel ertragen können, als dazu nöth'ü ist. Setzen wir zu der Fleischportton, die uns die genügend* Menge Eiweiß giebt, so viel Fett hinzu, um den Fetwerlust vo«' Körper aufzuheben, so braucht man von diesem ebenfalls nieh*- als die meisten Menschen zu resorbircn vermögen. Brod, Rc'd- Mais, Kartoffeln oder Gemüse sind aus den schon angegeben*« Gründen auch keine richtige Nahrung; man ist recht wohl'f1 Stande, sich die Nahrung im gehörigen Verhältniß der Nav' stimmen, so werden alle Wähler aufgefordert, bei deu nächsten Wahlen denselben ihre Stimmen vorzuenthalten. Die Versammlung beschließt serner, dem Reichstag diese Beschliifse mitzutheilen und alle Arbeiter Deutschlands aufzufordern, sich dieser Resolution anzuschließen." Diese Resolution wurde mit großem Enthusiasmus einstimmig angenommen. Als Referent zu diesen vorbenannten Versammlungen war Herr W. Frick aus Bremen anwesend. Sämmtliche Versammlungeu waren sehr gut besucht, und in jeder dieser Versammlungen fanden Einzeichnungen in die Mitgliederlisten der Partei statt. Und somit fordere ich Euch nochmals auf, Arbeiter Bremerhavens und Umgegend, legt Euch nicht auf die Bärenhaut, beseitigt Euren Indifferentismus, tretet ein in die Reihen der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Helft mit* Wirten für unser gutes Recht, welches uns bis jetzt vorenthalten wor- den ist, denn unsere Bedürfnisse find gleich, wir leiden alle an ein und demselben Krebsschaden, in Folge dessen müssen wir auch alle solidarisch mitkämpfen, denn vereint find wir Alles, Einzeln nichts.— Riit social-demokratischem Gruß Johs Sältz. Fleusburg. 2. November.(Volksversammlung.) Am 30. Oktober hielten wir im Saale des Herrn Harbo« eine gut besuchte Volksversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1) die projek- sine Bier- und Petroleumsteuer. 2) Die„Flensburger Nachrichten". Herr Brückmanm referirte zur größten Zufriedenheit aller Anwesenden. Folgende Resolution, von Herrn Brückmann eingebracht, wurde mit allen gegen 1 Stimme angenommen:„Die heutige Volksversammlung ersucht den hohen Reichstag, da es als feststehend zu erachten ist, daß die indirekten Steuern dem allgemeinen Volkswohl nachtheilig sind, nicht neue Steuern hinzuzufügen, sondern Mittel und Wege auszusuchen, die indirekten Steuern zu vermindern." Beim zweiten Punkt der Tagesordnung meldete sich Lehrer Iohannsen zur Interpellation. Der- selbe versuchte auszuführen, daß die Social-Demokratie die Religion Und Nationalität gänzlich verwerfen. Herr Brückmann widerlegt» den Interpellanten zur vollsten Zufriedenheit aller Anwesenden.— Eine Tellersammlung ergab Rm. 14.94. A. Fechner. H. Tüchsen. Osnabrück, 28. Oktober.(Was gemacht werden kann, wird gemacht!) denken unsere„Reichstreuen". Bei der diesjährigen Herbstkontrol-Versammlung hat der dienstthuende Primierlieutenant eine �.warme" Ansprache an die Landwehrmänner und Reservisten gehalten, die Landwehrleute und Reservisten möchten sich doch nicht an„reichs- feindlichen" Vereinen und Versammlungen betheiligen, auch nicht derartige Bettungen lesen, das gezieme ihnen nicht, vielmehr in den Krieger- verein eintreten und„fest und treu" für's„Wohl" des„Reiches" wirken! Es soll dies einer höheren Ordre zu Folge geschehen sein, ob dem so ist oder ob der vom„Patriotismus" Erfüllte deshalb seinem gepreßten Herzen Luft machte an besagter Stelle, um in der„Gunst" seiner Vorgesetzten zu steigen, oder ob ihm die Social-Demokraten sehr verhaßt sind und er deshalb zu dieser Initiative gegriffen, vermag ich Vicht zu bestimmen. Klar ist aber, daß wir eine Macht bilden, sonst wurden wir nicht so beachtet. Ein Preßkosak Hierselbst lobhudelt diese "fiede" und sieht schon im Geiste alle von der erwähnten Ansprache „Beglückten" im Kriegerverein einziehen. Abwarten, Freund L., denn iv.i"1 hat sich in den Kreisen der Landwehrleute und Reservisten gar Vicht günstig über die„Rede" ausgesprochen. Dieselben kennen schon °°v„Dank des Vaterlandes" und wissen, was es für eine Bewandtniß vilt der„Reichsfreundschaft" hat. Auch das Kalendermännchen von Osnabrück spricht wieder in„wissenschaftlicher Weise" zum„Volk", hat aber dies Jahr nicht mehr so viel Furcht vor den Socialisten, wie im vongen Jahre. Bekanntlich beschrieb derselbe voriges Jahr unsere„ver- wilderten Bärte" und unser„grimmiges Aussehen", dies Jahr aber ist *1 Vicht so graulich. Ich lasse zur Erheiterung einen Satz folgen: ,,Ium Schluß möchte der Kalendermacher noch den freundlichen Leser das Meer nach Amerika führen— nach den Vereinigten Staaten, a das übrige Amerika für die Deutschen weniger Bedeutung hat. Da st nun Zweierlei geschehen, was unsere Aufmerksamkeit verdient Zum Arsten haben die Wahlen zum Kongreß der Vereinigten Staaten ein v'Ichiedenes Uebergewicht der demokratischen Partei ergeben. Es sind liAf �vnner am Ruder, die mit den Social-Demokraten viel(?) Aehn- chieit haben und was sich von einem solchen Regiment zum Heile des indes erwarten läßt, kann sich Jeder selbst an den fünf Fingern ab- Wien. Wenn der Mensch, ein Urenkel des Assen, die Religion eine inbudung, die Moral eine Thorheit oder für daS Volk ein guter Popanz ist, wozu braucht man da noch saure Arbeit und Selbswer- ugnung, um das Narrenschiff eines Staates vorwärts zu treiben." tri» o l'vlitische und ökonomische Unkenntniß und Dummdreistigkeit zu bei»«"'■ �lie ich für unnütz, denn solcher Blödsinn kann nur aus >n Gehirn eines Menschen entspringen, welcher sehr nöthig hat, in's k �ktionshaus geschickt zu werden. Der Arbeiter-Bildungs-(?) Verein i�... t jetzt, um ein eigenes„Bildungshaus" zu bekommen, was. wie ch höre, vom Magistrat, den Pfaffen und der Bourgeoisie, sowie von lift Preßkosaken sehr unterstützt wird. Ist dies doch leicht erklär- beb n man kie Arbeiter, welche man im Schlepptau hat, auch gerne den s möchte, um sie bei der nächsten Wahl benutzen zu können, fiirTn Öann kaö ohne dem schon so sehr zusammen geschmolzene Enb vollständig ausgelöst und die Hanswursterei hat auch hier ihr runcjöstoffc für manche Zwecke nur aus Substanzen vegetabilischen Ursprungs zu mischen, z. B. aus dem Mehl der Getreidearten, vus welchem man die verschiedensten Speisen(Nudeln, Knödel, �chmarrn, Spätzeln) bereitet, mit Zusatz der eiweißreichen Legu- fehf• n Un� Don aber eine solche rein vegetabilische Kost > tzt immer einen gesunden Darm voraus und macht manche d» nL�gkeiten, so daß selbst die sogenannten Vegetarianer sich den, von Milch, Käse, Butter, Honig k., welche doch aus g'vt Thierreiche stammen, nicht versagen. Die Bestrebungen der ogetarianer sind aber trotz ihrer Einseitigkeit ein ganz heilsamer ' Uckschlag gegen die früheren Irrlehren, nach denen das Eiweiß Mn nahrhaft sein und das eiweißreiche Fleisch uns vor Allem �oft gebx,, soll. Größere Leistungen lassen sich jedoch mit Begetabilien allein, si)-•3u'ak von Fleisch und Fett, kaum ausführen, oder wenig- vs nicht so, daß die Kost in diesem Fall eine richtige Nahrung vchmt werden kann. Ein starker Arbeiter braucht viel Eiweiß Lr Erhaltung seiner bedeutenden Muskel inaffe und eine gewaltige 'ovge stickstofffreier Substanz zur Verhütung des Fettverlustes. n, kommt nun dabei an die Grenze, wo an"Mehl und anderen ogetabilien nicht mehr Eiweiß und Stärkemehl ausgenommen <>, WN kann. Man fügt deshalb Substanzen zu, wie z. B. Und � ous welchen weiteres Eiweiß noch leicht ausgelaugt wird, her fc Um vicht so viel Stärkemehl zuführen zu müsse». Da- Fl'kj-�vkk man im Allgemeinen, daß die Kost um so reicher an äied! vnd an Fett wird, je größer die Arbeitsleistung ist. Es Art.- Bördings Beispiele, wo auch ohne Fleischgenuß eine tüchtige vn ei, ausgeführt wird. Die Knechte auf dem Gute Laufzorn eln! �vofeffor H. Ranke erhalten seit hundert Jahren täglich W% Eiweiß, 108 Fett und 788 Kohlehydrate, vorzüglich in sjj Form von Mehl und Schmalz: sie müssen die ganz enorme von 788 Stärkemehl verzehren, um das nöthige Eiweiß u>e? vgen, was nur einem sehr kräftigen Darm zugemuthet All � darf und gewiß keine ganz richtige Ernährungsweise im z, �vreinen ist. Aehnlich ist es mit der Kost der Holzknechte in f,r, nhall und Oberaudorf, welche Fleisch nicht mit in die Berge yren können und sich daher mit Mehl, Brod und Schmalz be- � ugen muffen. 3et wvan �kk daher nur so viel Eiweiß und Stärkemehl in Ve- iiio r• aufnehmen, als ohne Beschwerden für den Körper ?us reichlicherem Bedarf wird durch einen mäßigen stjvtz von Fleisch der Zweck besser erreicht, und ebenso durch Er- ar?n9 der größeren Menge Stärkemehl durch Fett. Auf das Word uamentlich bis jetzt viel zu wenig Rücksicht genommen °en, indem man einfach das Stärkemehl als Aequivalent des- unserer Erheiterung noch immer das komische Schauspiel weiter zu füh- ren sich beviühen und noch immer mit dem Worte„Bildung" Mißbrauch treiben, denkend, sie arbeiteten für das„Wohl" der„Nation", und dabei der bornirte Dünkel der Gelehrtheit, so daß man unwillkürlich Lessing's gedenkt, welcher sagt:„Der Topf von Eisen will mit einer silbernen Zange gern aus d»r Gluth geholt sein, um selbst ein Topf von Silber sich zu dünken." Die bekannte Klapp'sch« Angelegenheit mit dem Landeskonsistorium zu Hannover hat die„Liberalen" bewogen, Klapp als Wanderlehrer anzustellen. Derselbe soll auch gleichzeitig— wo es angebracht ist— den„Würgengel" der Social-Demokratie repräsentiren. Jetzt möge uns der Himmel gnädig sein. So viel für heute. Also Offiziere, Schulinspektoren, Bourgeois, Pfaffen ic. arbeiten hier„flott" gegen uns und es nützt ihnen— Nichts. F. H. Klute. Kraukfurt a. M., 24. Oktober.(Gewerkschafts-Versamm- lung.) Den 5. d. Mts. fand hier eine Versammlung mit der Tages- ordnung:„Die Gewertschasts-Vereinigung Deutschlands und der bevor- stehende Kongreß" statt. Das Bureau bestand aus Hrn. Prinz als erstem, Hrn. FMgraber als zweitem Vorsitzenden und Unterzeichnetem als Schriftführer. Wenn auch in der vorhergehenden Allgemeinen Ge- werkschafts-Versammlung derselbe Punkt auf der Tagesordnung war, so konnte er doch nicht erledigt werden, da die Meinungen zu verschieden waren. Obschon sich sämmtliche Redner für eine Vereinigung aus- sprachen, so handelte es sich hauptsächlich nur um die Zeit, wann der Kongreß einberufen werden soll. Ein Theil der Genossen war dafür, den Kongreß so bald als möglich einzuberufen; dagegen wurde aber geltend gemacht, daß dieses erst in den Gewerkschaften selbst berathen werden müsse und die verschiedenen GewerkSgenossen sich selbst erst klar werden müssen, um dann eine feste Organisation zu bilden. Ferner wurde hauptsächlich darauf hingewiesen, daß sich die gleichen Branchen erst unter sich vereinigen sollen; daher wurde folgender Antrag von Freund Hahn(Schuhmacher) einstimmig angenommen: Die heute hier tagende Versammlung beauftragt das Bureau, der Gewertschafts-Kom- Mission in Berlin mitzutheilen, daß der in Aussicht stehende Gewerk- schafts-Kongreß Ende März oder Anfang April nächsten Jahres abge- halten werden soll. Ferner schickte uns Freund Fleischmann aus dem Hotel Klapperfeld folgende Resolution ein, welche mit großer Majorität angenommen wurde:„In Erwägung: Seit Bestehen der gewerkschaft- lichen Organisation hat die Erfahrung gelehrt, daß dieselbe nicht nur nützlich, sondern, so lange die kapitalistische Produktionsweise besteht, durchaus nothwendig ist. Die Erfahrung hat ferner gelehrt, daß Ar- beitseinstellungen, Arbeitsausschlüsse nur stets bei isolirten(allein- stehenden) Gewerkschaften zu Ungunsten der Arbeiter ausgefallen sind; planlose Strikes sind überhaupt nur ein Produkt der isolirten Gewerk- schastsbewegung. Die heutige Versammlung erklärt, daß eine neue Eentralleitung der Gewerkschaften durchaus nothwendig ist und be- schließt, den bevorstehenden Kongreß durch Delegirte zu beschicken."— Zum Schluß wurde noch der Wunsch ausgesprochen, daß alle Gewerk- schaften in anderen Orten gemeinsam über die Bereinigung berathen möchten, um sich gegenseitig klar zu werden. Mit parteigenössischem Gruß I. Frankl, Buchbinder. KL. Es werden sämmtliche Gewerkschaftsblätter dringend ersucht, von Obigem Notiz zu nehmen. Hamburg, 29. Oktober.(Deutscher Bau- und Erdarbeiter- Verein.) Hiermit bringe ich den Mitgliedern des deutschen Bau-, Land-, Erd- und Fabrikarbeiter-Vereins zur Kenntniß, daß sämmtliche Beschwerden, wenn solche gegen den Vorstand vorliegen, an das vom Ausschuß ernannte Ausschußmitglied H. Aue, Katrepel 46 in Hamburg zu richten sind. Ferner, Kollegen allerorts, fordere ich Euch auf, mit aller Euch zu Gebote stehenden Kraft die Agitation für den Verein zu fördern. Sollten Arbeiter dieser Branche in anderen, noch nicht orga- nisirten Ortschaften gewillt sein, auch ihre Lage zu verbessern, so ersuche ich sie, sich so bald wie möglich zu vereinigen, und sich dann unserer Centralisation anzuschließen. Ich glaube, Kollegen, daß es die höchste Zeit für uns ist, denn eine jede Giwerkschast, mag sie einen Namen sühren, wie sie will, sie blickt mit Verachtung auf uns herab, und auch die Herren Arbeitgeber haben mit uns ein so freies Spiel, daß fte nach ihrem Belieben unsere Löhne reduziren können. Stellen wir uns jetzt einmal die Frage, warum wir so sehr hinter allen anderen Ge- werkschaften zurückstehen, so müssen wir uns antworten, daß wir stets wie Schafe ohne Hirten umhergeirrt sind. Darum waren wir auch niemals im Stande, uns über unsere Lage aufzuklären. Da wir nun jedoch unsere Lage erkannt und einen deutschen Bau-, Land-, Erd- und Fabrikarbeiter-Vercin in's Leben gerufen haben, ist es Pflicht eines jeden Arbeiters dieser Branche sich dem Verein anzuschließen, damit wir auch einmal eine Macht bilden, mit welcher der Kapitalismus zu rechnen hat. Darum, Kollegen, säumet nicht, denn je größer die Ver- einigung, desto eher können wir zum Siege gelangen. In oben genanntem Fall wolle man sich gefälligst wenden an den ersten Vorsitzen- den F. Heins, Brook 13, 3. Etage, Hamburg. G. Hamann, Schriftführer. Wiesbaden, 3. Novbr.(Allgemeiner deutscher Töpfer- Verein.) Der Töpfergehülfe Gustav.Oskar Müller, gebürtig aus Spremberg, früher in Chemnitz, wird ersucht, in seinem eigenen In- selben betrachtet hat, ohne zu bedenken, daß dies nur in gewissen Grenzen der Fall. Die bessere Kost des Menschen(die geschmal- �ene) enthält daher stets reichlich Fett, und zwar um so mehr, je intensiver gearbeitet wird; die Aermeren sind allerdings häufig genöthigt, auch in dieser Beziehung ihrem Körper größere Zu- muthungen zu machen. Diejenigen, welche an die meist größeren Massen der Begetabilien gewöhnt sind, täuschen sich leicht über den Nährwerth einer weniger voluminösen Kost; sie beurtheilen nach der Anfüllung ihres Magens und dem trügerischen Gefühl der Sättigung den Werth einer Nahrung, und sie verspüren ein Hungergefühl sobald ihr Magen bei einer besseren und kompen- diösern Kost nicht mehr so stark angefüllt wird. Dieser Umstand hindert häufig die Einführung einer besseren Ernährungsweise. Ein Jrländer klagt über Hunger, wenn er sich statt mit zehn Pfund Kartoffeln mit einem geringen Volumen gemischter Nah- rung erhalten soll; die gefangenen russischen Soldaten in der Krim, welche an die großen Mengen des russischen schwarzen Soldatenbrodes gewohnt waren, vermochten sich an der gemischten Kost der Franzosen nicht zu sättigen. Die. gleiche Erfahrung macht man an den für den Militärdienst ausgehobenen Bauern- pferden, welche sich ebenfalls an die Ersetzung einer Portion Heu durch weniger Raum einnehmenden Haber erst gewöhnen müssen. Nach dem Gesagten erhellt auch die große Bedeutung der öfteren Mahlzeiten im Tag. Ein fleischfressendes Thier ist im Stande, seine volle Nahrung für einen ganzen Tag in wenigen Minuten zu verschlingen, der Pflanzenfresser kaut eigentlich fort- während an seinem Futter herum. Der Mensch vermag nicht seine tägliche Nahrung auf einmal einzunehmen, da dem Darm dadurch zu viel Last zugemuthet würde. Bei vorwiegend anima- lischer Kost könnten zwar weniger Mahlzeiten gehalten werden, aber wir suchen auch durch die öftere Aufnahme der Speisen die Zersetzungen mehr gleichmäßig und je nach Bedarf zu vertheilen. Die Eintheilung der Mahlzeiten und die Vertheilung der Nah- rungsftoffe auf dieselben darf nicht eine beliebige und willkürliche sein, sondern muß sich nach der Kost, nach der Art und Größe der Arbeit und andern Umständen richten. Eine falsche Verthei- lung rächt sich sicherlich an der Gesundheit des Menschen. Wir sagen also jetzt: dasjenige Gemisch aus Nahrungsstoffen und Nahrungsmitteln, welches den Körper mit der geringsten Menge der einzelnen Nahrungsstoffe auf seinem Bestand erhält und dabei denselben so wenig als möglich schädigt und abnützt, das ist für einen bestimmten Fall die richtige Nahrung. Wir haben noch eine weitere und letzte Anforderung an die Kost des Menschen zu machen, deren große Bedeutung bis jetzt kaum gewürdigt worden ist. Man hat gemeint: wenn genügend teresse seinen jetzigen Aufenthalt dem'Unterzeichneten oder dem Bevoll- mächtigten Hermann Grundke, Sonnenstraße 52 in Chemnitz, mitzu- theilen. Ebenso ersuch« ich alle Kollegen, welche über denselben Aus- kunft geben können, solche an uns gelangen zu lassen.— Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Joseph Schweiß. Vorsitzender. Karlstr. 28. Mülheim a. d. Ruhr, 1. Nov.(Gewerkschaft der Schuh- macher.) Bei der Abrechnung der eingegangenen Gelder unseres kran- ken Mitgliedes ist irrthümlicher Weise eine Verwechselung vorgekom- men, und zwar find uns, anstatt von Mülheim a. Rhein, von Apolda 6 M. 5 Pf. durch H. Laeser zugegangen; ferner von Arnstadt ourch C. Penzel 8 M., von St. Pauli durch Cnitz 2 M. 40 Pf., von Nürnberg durch Clobus 6 M., von Freiburg i. B. durch Hauy 4 M. 45 Pf. Das kranke Mitglied, so wie wir Alle, sagen Euch, werthe Kollegen und Freunde, unseren wärmsten Dank für die zahlreichen Unterstützungen. Mit Brudergruß Die Kommission. Laien- Evangelium. (Von Friedrich Sallet.) (Schluß.) Vergeben und Richten. „So ihr den Menschen nicht vergebt die Schuld, Wird euer Vater auch euch nicht vergeben."— Wollt ihr theilhaftig sein der Liebeshuld Des Ewigen, muß in euch selbst sie leben. Des Vaters sündentilgendes Verzeih'» Ist nicht von außen her ein Akt der Schenkung. Die Liebe müßt ihr in euch selbst beftei'n In eures Wesens innigster Versenkung. Wenn sie allwirkend euch und ganz durchwebt, Schafft sie, in einer That, zu einer Stunde, Daß ihr dem Bruder seine Schuld vergebt, Und daß von Gott euch kommt Versöhnungskunde. Das Liebesseuer, das mit heil'gen Loh'n Des Bruders Fehl in eurem Geist verzehret, Hat in demselben Augenblick ja schon, Die Schlacken tilgend, euch vor Gott verkläret. Doch des Verdammens wild unheil'ge Glut Brennt Gottes Ebenbild in euch zusammen. Thuend an euch, was sie am Bruder that, Tilgt sie, was in euch göttlich ist, mit Flammen. „Drum richtet nicht, aus daß ihr selbir nicht Gerichtet seid, wo, richtend, ihr gesessen;. Denn wie ihr richtet, trifft euch das G»richt, Mit welchem Maß ihr meßt, wird euch gemessen." Denn an dem Maaß, das ihr handhabt im Geist, Steht eurer eignen Messung Werth geschrieben; Des Grades Zeichen, das ihr zöget, weist, Ob Hassen euch die Hand geführt, ob Lieben. Das ist die Schätzung, die da gilt vor Gott. Was in euch dem Erbarmen widerstehet, Ist leer, der Liebe, wie sich selbst, zum Spott, Und werth, daß es verdammt wird und vergehet. „Was aber siehst den Splitter du, geübt, Der deinem Bruder stört deS Auges Schimmer, Den Balken aber, der das deine trübt, Es ganz verdüsternd, den gewahrst du nimmer? „Wie darfft du zu ihm sagen:„„Halte Ruh'! Daß ich den Splitter aus dem Aug' dir ziehe""? Du Heuchler! erst den Balken ziehe du Aus deinem, dann zum Ang' des Bruders siehe!"— So treibt, wer zum Verdammen her sich giebt, Ein schlechtes Kramerhandwerk nur mit Splittern. Den ganzen Menschen saßt nur, wer da liebt. Wer selber klein, kann Kleines nur erwittern. Wer, statt der Seele Mark, des Geistes Licht, Nur einen Balken hat aus dunklem Holze— Was Wunder, wenn er klug von Splittern spricht Und aburtheilt mit lächerlichem Stolze? Weil der Gesinnung Augenlicht euch nahm Der dumpfig dunkle Balken der Gemeinheit, Ist euer Richteramt nur Einzelkram Und trifft den Menschen nie in seiner Einheit. Mit scharfen Messern habt ihr ihn zerlegt In ein Geflecht von Tugenden und Fehlen, für Nahrungsstoffe gesorgt sei, dann habe der Körper auch eine Nahrung. Dies ist aber nicht der Fall; es müssen noch andere Stoffe, welche nichts zu thun haben mit der Erhaltung des sioff- lichen Bestandes unseres LeibeZ, die sogenannten Genußmittel, hinzukommen. Würde man uns ein Gemisch von Eiweiß, Fett, Stärkemehl, Wasser und Aschcbestandtheilen vorsetzen, alle Nah- rungsftoffe in gehöriger Quantität darbietend, wir ivürden es nur im Falle der äußersten Roth verzehren und für gewöhnlich ver- weigern, es zu essen, weil es geschmacklos ist. Man hat in einem Gleichniß die Wirkung der Genußmittel mit der der Schmiere an den Maschinen verglichen, aus der weder die Maschinentheile hergestellt sind, noch die Kraft für die Bewegung derselben ab- stammt, die aber den Gang leichter vor sich gehen macht. Auf eine solche Weise leisten auch die Genußmittel für die Prozesse der Ernährung und andere Vorgänge im Körper unentbehrliche Dienste, obwohl sie nicht im Stande sind, den Verlust eines Stoffes vom Körper zu verhüten. Um Mißverständnisse zu vermeiden, will ich gleich angeben, daß ich zu den Genußmitteln nicht nur die meist ausschließlich darunter verstandenen, den Kaffee, den Thee, die alkoholischen Getränke, den Tabak k., zähle, sondern auch, und zwar vorzüg- lich, alle diejenigen Stoffe, welche unseren Speisen den ihnen eigcnthümlichen Geschmack und Geruch verleihen. In diesem Sinne giebt es keine Speise ohne Genußmittcl, und hat die vege- tabilische Kost ebenso ihre Genußmittel wie die animalische. Häufig entstehen gewisse Genußmittel erst durch die Art der Zu- bereitung der Speisen, wie z. B. die schmeckenden Substanzen beim Braten des Fleisches. Man hält für gewöhnlich, im Gegensstze zu den Nahrungs- Mitteln, die Genußmittel nicht für nothwendig, sondern für ent- behrlich, da sie uns nur gewisse Annehmlichkeiten bereiteten. Diese Auffassung ist nur dann richtig, wenn man zu den Ge- nußmitteln ausschließlich die eben genannten Pflanzenaufgüsse oder die alkoholischen Getränke rechnet. Darum hat man bis jetzt die wahre Bedeutung der Genußmittel ganz übersehen, welche eben so groß für die Ernährung ist, als die der NahrungÄstoffe. Denn eine Speise ohne Genußmittel, ein geschmackloses oder uns nicht schmeckendes Gemische von Nahrungsstoffen, wird nicht er- tragen, es bringt Erbrechen und Diarrhöen hervor. Die Genuß- mittel machen die Nahrungsstoffe erst zu einer Nahrung; nur ein gewaltiger Hunger macht die Begierde so groß, daß die Genuß- mittel übersehen werden, ja daß sonst Ekelhaftes uns angenehm erscheint. (Fortsetzung folgt.) Und ivas er in lebendiger Einheit hegt, Zeigt stückweis euer Kritteln auf und Schmählen. Und dies und das hat er an sich, was schlecht. Ihr zählt es her ihm, was von ihm nicht tauge. Ihr Heuchler! in euch selbst ist gar nichts acht, Zieht ihr den Balken nicht aus eurem Auge. Hat euer Geist erst in sich selber Licht, Dann werdet ihr's mit einem Blick erkennen: Was da verdammt, die Splitter sind es nicht; Die lassen leicht und leise sich entfernen. Der Balken, der die Sehkraft ganz erstickt, Ist der Vernichtung, der Verdammniß Stempel.— Statt daß ihr stets an fremden Mauern flickt, Baut aus euch selber aus den ganze» Tempel! Gleichheit. „Alles nun, das ihr wollt, das euch die Leute Thun sollen, das thut ihnen. Dieses Wort Enthüllet euch, was das Gesetz bedeute, Und des Propheten Mahnung fort und fort."— Das Wort spricht leicht sich hin, doch war's in Allen Lebendig— alles Unrecht stockte gleich. Kränkung, Bedrückung, Ketten, schlaue Fallen Verschwänden, und es nahte Gottes Reich. Des Menschen selbstische Bornirtheit ist es, Daß er sich für gerecht und billig hält; Da naht der That Moment— und er vergißt es, Daß er dem Gleichen sich entgegenstellt. Mit ganz besond'rer Forderungen Schanze Umwallt er rings umher sich, halbbewußt. Wird er verletzt, dann ist's in ihm das Ganze. Verletzt er Andre— hat er so gemußt. So bilden Kasten sich, die sich erdreisten, Selbst mit Gewalt, vermag man's nicht gelind, Andre zu zwingen, ihnen das zn leisten, Der Sclavc soll den Herrn mit Ehrfurcht grüßen, Doch ehrlos ist er selbst, mißhandelt schwer.— Cr neigt sich dir und du trittst ihn mit Füßen?— „Ja, das ist ganz was Andres— ich und er."— Was laßt ihr uns umlauern und umstellen, Und steckt in euren Zwangsrock Wort und That? Wer euch entgegenstrebt, der muß zerschellen, Thut man ein Gleiches euch, schreit ihr Verrath. Warum umgarnt ihr uns auf allen Pfaden? Gewalt und List bedroh'« uns fort und fort.— „Ja, wir sind Leute auch von Gottes Gnaden!"- Von solchen meldet Christus nicht ein Wort. Versucht's! ein Sprüchlein nur von ihm zu borgen, Damit ihr uns beweift, es sei erlaubt, Bon Gottes Gnaden für sich selbst zu sorgen, Werd' auch die Welt der Freiheit drum beraubt. Ihr findet nichts im neuen Testamente. Seit Christus niederwarf mit einem Streich Die Mauer, die von Gott den Menschen trennte, Sind Alle frei in Gott, vor Gotte gleich. Mit Recht und Unrecht schalten eigenwillig Darf Keiner, weil er gottgesalbt sich schilt, Was Einem recht ist, ist dem Andern billig, Denn jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Drum, wie ihr wollt, daß wir an euch thun sollen, So thut an uns! sonst wird die Zeit sich nah'n, Wo Alle werden so an euch thun wollen, Wie ihr bisher an ihnen habt gethan., Wenn erst der Geist, mit lautem Sturmeswehen, Ganz hat erfüllt der Erde weite Hallen, Wird jeder Mensch des Bruders Wort verstehen, Dieweil der Geist wird predigen uns Allen. Schaut! Flammen schweben, laute Stimmen schallen, Und Tausend horchen schon und Abertausend. So mag mein Lied auch mit im Strome wallen, Der, welibefruchtend, rollt und siegesbrausend. Die Spotter, so sich lächerlich ihm stenimen, Und Trunkenheit nur sehn in der Begeist'rung— Der Strom der Wahrheit wird hinweg sie schwemmen, Fortjauchzend frei in seiner Weltbemeist'rung. (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) In der Reichstags-Sitzung vom Freitag ward der Kranken- kassen-Entwurs in erster Lesung verhandelt. Bebel sprach dar- über eingehend; Hasselmann, der sich zugleich gemeldet, ward jedoch„gevalcntint". Der Entwurf ist an eine Kommission ver- wiesen, in die Bebel voraussichtlich gewählt wird. Berichtigung. Tie auf den 7. November in Elmshorn angekündigte Ber- sammlung findet Umstände halber nicht statt. H. Maschmann... Zur Beachtung. Die Adresse des Sekretariats der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands ist jetzt Pferdemarkt 37 III. in Hamburg. C. Derossi. Harburg. Briefkasten. Der Preis des Laicn-Evangeliums stellt sich pro Stück auf Lo Pf. Das Werkchen ist in der Reclam'schen Buchhandlung in Leipzig erschienen. Herr Albert Goris wird um Angabe seines jetzigen Aufenthaltes, resp. um seinen Besuch gebeten. I. Bamberger, Berlin. Für Bramstedt. Eine an H. Hinz abgegangene Sendung ist als unbestellbar retour gekommen; bitte daher um Angabe einer neuen Adresse. Derossi. Fecund H. Nicol, warum keine Antwort aus meinen an Dich ge- sandten Brief? Joh. Kahle, b. Larsen, Lunden. Meine Adresse ist von jetzt ab FriedrichSbaderstr. 84 IL, Altona. H. Gundelach. An die Berliner Gewerkschaften. Hierdurch erkläre ich, daß ich von jetzt ab, außer bei den Cigarrenarbeitern, nur noch dann Vortrag in einer Gewerkschaft halte, wenn sich dieselben an Herrn Heinsch gc- wendet und dieser mich dazu ausfordert._ F. W. Fritzsche. Berlin. Arbeiterversammlungen: Sonnabcild, U. Nov., Ab. 8 Uhr, Gratwcil's Bicrhallcn, ob. Saal. Montag, 8. Nov., Abends 8 llhr. IjDranmtftt.lTO�rr Der 18. Brumaire. Vortrag des Herrn Rathenau. Verschiedenes. S) Landtvchrstr. H, bei Meister. Religion und SocialiSmuS. Vortrag des Herrn Dolinski. Verschiedenes. Dienstag, U. Nov., Abds. 8 Uhr, I) Alkerstr. US bei Q.naliy. Ueber die Hausindustrie. Vortrag des Herr» Bernstein. Verschiedenes. 2) Gcsnndbrunncn, Pankstr. 25. tstemuthlichcs Zusammensein der Parteigenossen. In allen Bezirken bitte um zahlreiche Betheiligung. (?. Lb.) A. Heinsch.(8,40) Zur Beachtung! Sonntag, 14. Nov., Vorm. 10 Uhr, im großen Saale der Norddeutschen Brauerei, Chaussee- und Liesenstr.-Ecke. Große Volksversammlung. Berlin. Dienstag, v. November, Abends 8 Uhr, bei Vogel, Alexanderstr. 31. Mitgliederversammlung des Deutschen Zimmerer- Vereins, Tagesordn.: 1) Abrechnung über Ein- nähme und Ausgabe pro Monat Oktober. Abrechnung des Vergnügungscomitss.— 2) Diskussion und Beschlußfassung über eine dem Reichstage zu unterbreitende Petition wegen Aufnahme in das Haft- pflichtgesetz.— 3) Wahl eines Ausschuß- Mitgliedes k.— 4) Beschlußfassung über ein zu veranstaltendes Vergnügen. 5) Frage- kästen. Die Mttgliedskarten sinv vorzuzeigen. Die Controleure müssen pünktlich zur Stelle sein. (F. 98.) W. Ringmann.[6,40] Charlottcnbnrg. Sonntag, den 7. Nov., Vorm. 9'/, Uhr, im Lokale Berlinerstraße 89, General- Versammlung sänuntlicher Zimmerleute. Referent: Otto Kapell aus Berlin. Die Betheiligung von Berliner Zimmer- leuten ist erwünscht. Dem Gesangverein„Lassallea" sagen wir für die freundliche Mitwirkung bei dem Vereinsball Namens des deutschen Zim- merervereins herzlichsten Dank. (F. 98.) Das Festcomitb[1,20] des deutschen Zimmerervereins. Berlin. Mitgliederversammlungen des Allg. deutsch. Maurer- und Steinhaucr- Bundes finden statt jeden Montag, Abds. 3'/- Nhr, bei Vogel, Alexanderstr. 31, und jeden Mittwoch, Abends S'/s Uhr,• im Saale des Herrn Renz, Naunpnstr. 27. T.-O. am 8. November bei Vogel und am 10. November bei Renz: Vortrag des Unterzeichneten, Bundes- Angelegenheiten und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. (F. Sö.) P. Grottkau.[3,00] TOiwitt» Montag, 8. Nov., bei Grat- weil, Abends 8 Uhr, öffentliche Schuhmacher-Versammlung. Vortrag des Herrn Baumann. Sz imm ath.[0,80] Sonntag, den 7. November, Vorm. 10 Uhr, im Lokale des Herrn Schmiedel,„Bundes- hallen", Wallnertheaterstr. 13, Letzte diesjährige Große Generalversammlung der Maurer Berlins und Umgegend. Tagesordnung: 1) Das Arbeitsnachweis- Bureau für 1873 und die daraus hervor- gehende Verbesserung der Lage der in Berlin arbeitenden Maurer. Ref.: Paul Grottkau. 2) Die Regelung des Zuzugs nach Berlin und die projektirte Lohnver- Minderung des Mcisterbundes. Ref.: Der Unterzeichnete. Bei der großen Wichtigkeit der Tages- ordnung, die sehr wesentlich unsere Lohn- und Arbeitszeit-Verhältnisse für künftiges Frühjahr zu bestimmen vermag, ersuche ich alle Mann, pünktlich am Platze zu sein (F. 75.) Fr. Hurlemann.[4,30] Tischler Berlins! Bei der demnächst stattfindenden Wahl eines stellvertretenden Altgesellen, ersuchen wir Euch, Eure Stimme nur Herrn Ruske zu geben.(F. 100.][l,60] Viele Tischler, die Socialisten sinv. Berlin. Dienstag, 9.'November, Abends 8'/, Uhr, Sophienstraße 15. Geschlossene Mitgliederversammlung des Vereins der Berliner Schmicdegesellen. T.-O.: Abrechnung. Verschiedenes. (F. 109.) I. Jacob.[2,00] Dienstag, den 9.'November, Abends 8V> Uhr, in Frank's Lokal(d'Heureuse) Linienstr. 42, Gcschl. Mitgliederversammlung des deutsch. Tabak-Arb.-BcrcinS. T.-O.: Abrechnung vom 3. Quartal. Neu- wähl eines Vorsitzenden. Erledigung der gestellten Anträge. Der Ortsvorstand. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Berlin. Den Parteig. zur Nachricht, daß Sonnabend, 13. Nov., Alte Jakobs- straße 13, bei Deigmüller unser StiftungS- Fest stattfindet. Billets zu 2'.'. Sgr. sind vorher bei Ecks, Alte Jakobsstr.>5, zu haben. Es laden erg. ein Die Mitglieder[1,40] des Gesang-Vereins„Liederhain". Hamburg. m Stadli's Salon, Valentinskamp 4L Anstcrordcntliche Volksversammlung. Tagesordn.: Vortrag des ReichStags-Ab- geordneten Herrn Vahlteich über die Vor- läge im Reichstag betr. das neue Hülss- kassenwesen. Bitte alle Socialisten, dies zu verbreiten und zu erscheinen. (F. 1.) Hörig.[2,60] Hamburg. NN Salon zum Roland, 1. Jakobsstr. 19, Mitgliederversammlung der Bau-,' Land-, Erd- und Fabrik- Arbeiter. Tagesordn.: Monatliche Abrechnung.— Verschiedenes. Von jetzt an fangen die Versammlungen um 8 Uhr Abends an. (F. 1.) F. Krohn.[2,40] Den Parteigenossen empfehle mein Tchncidcr-Gcschäft. Stoffe zur Auswahl vorräthig.[2,00] Emil Goris, Grenadierstr. 35. Anzeigen. Hamburg. in Stadli's Etablissement, Valentinskamp 41, Concert und Ball der Socialist. Arbeiterpartei, unter Mitwirkung des beliebten Deklamators Herrn Ncttclbcck und der Liedertafel„Lassallea". Festrede, gehalten von Herrn G. W. Hartmann. Herrenkarten im Voraus.. 30 Pf. Damenkarten--.. 20- An der Kasse: Herrenkarten. 40- --» Damenkarten 30- Karten sind in allen Versammlungen, bei den Kolporteuren und in den bekannten Wirthschasten zu haben. (F. 1.) Das Comitc.[4,20] Montag, den 8. Nov., Abends 8'•) Uhr, Hohe Bleichen 30, Mitgliederversammlung der Malcrgehülfen. Zutritt nur gegen Vorzeigung der Mit- gliedskarte.[ 1,80] (F. 1.) S. I. Levin, Kräte 9. Montag, den 8. November, JlUlMUl. Abends 9 Uhr. im Gründungslokal bei W. Fick, gr. Rosenstr. 116, Geschloffenc Mitgliederversammlung Tagesordnung: Monatsadrechnung und Vereinsangelegenheiten. (F. 20.)" W. Flederfisch.[2,00] Altona. Dienstag, 9. November, Abends 8 Uhr, in Heinsohn's Salon, Geschloffenc Mitglieder- Persammlung des Allg. deutsch. Bau-, Land-, Erd- und Fabrik-Arb.-Bercins. Tagesordn.: Monatliche Abrechnung.— Innere Vereinsangelegenheiten.— Verschiedenes. Alle Mitglieder müssen erscheinen. (F. 20.) H. Cordes.[3,20] Montag, den 8. Novbr., Wends 8'/- Uhr, Altona. bei Ebler, Norderstr., so wie jeden künftigen Montag Versammlung des Allg. Tischler-(Schreiner-) Vereins. Neue Mitglieder werden stets aufge- nommen. (F. 20.) D. Bev. Köhnke.[2,40] Brod- u. Fettwarenhandlung von W. Heine, Sternstr. 27, St. Pauli, Hamburg.(F. 1.) Altona, d., in Koppelmann's Salon, gr. Rosenstr., Concert und Ball, arrangirt von den Mitgliedern des Allg. Tischler(Schreiner-) Vereins. Kassenpreis 45 Pf. Zahlreicher Besuch wird erbeten. (F. 20.) Das Comitö.[2,40] Frankfurt a.M. SA'' im Lokale des Herrn Pfuhl, Zeil 47, Qcffentlichc Bcrsammlnng des Frankfurter Schrciner-BereinS. T.-O.: Bortrag von Herrn Schwarze. Balzer.[1,40] Berlin. Sonnab., 6. Nov., Ab. 8'/, U., Monatsvrs.d.Mctallarb.-Gewerksgenossensch. bei Macke, ob. Saal. Kasscnber. Versch. Smmtl. Mitgl. w. ers., zahlr. u. pktl. z. ersch., n. Mitgl. w. aufgen. Döring, Bev.[1,00] WTfnttrt Dienstaa, 9. November, -tiUUUU. Abends 8'/j Uhr, im Unions-Saale, Große öffentliche Cigarrenarbeiterversamnilung. T.-O.: Berichterstattimg der Kommission für die statistische Aufnahme. Zu zahlreicher Betheiligung ladet ein (F. 20.) Gütschow.[2,00] Sonntag den 7. Nov., I im Colosseum, Großes Arbeiter- Fest, wozu alle Arbeiter und Socialisten von Lunden und Umgegend eingeladen werden. , Das Ardeiter-Fest-Comitö.[1,40] Kl. Elbstr. 22, iin alt. engl. Laden. Meinen geehrten Parteigenossen empfehle mein Uhrcnlagcr. Re- paraturcn unter Ijähr. Garantie. A. Griiger, Uhrmacher, Skalitzerstr. 120, Ecke Mariannenstraße, Berlin 80.[3,00] Mittwoch, 10. November, ,OUUUUt-il. Abends pr. S'/a Uhr, im Lokale des Herrn Schultz, in Barmbeck am Marktplatz, Mitgliedcrvcrsammlnng der Socialistischen Arbeiter- Partei Deutschlands. T.-O.: Die letzten Stunden eines Mon- archen. Ref.: Herr Schultz. Abrechnung. C. Simon, Bartholomäusstr. ü. 6, (F. 89.) Barmbeck. s2,40] Barmbeck. ä"nÄ7S?rS"' im Lokale des Herrn Schultz in Barmbeck am Markt, Geschloffenc Mitqlicder-Persammlung der Bau-, Land-, Erd- und Fabrikarbeiter. T.-O.: Abrechnung und verschiedene Vereinsangelegenheiten. (F. 1.) Schröder.[2,80] Bremen. in der Tonhalle, Großer Boll, der Schuhmachergewcrkschaft. Anfang 7 Uhr.— Herrenkarte 60 Pf., Damen frei. Die Hälfte vom Ueberschuß ist zum Wahl- fonds bestimmt. (F. 75.) Das Comitö.[2,20] Meinen g. Parteig. empf. mein Uhrmacher- Geschäft. Auf neue Uhren und Rep. 3 Jahre reelle Gar. Gold. Damenuhren von 13 Thlr. an; do. Herren- Ancreuhren vo i 15>/z Thlr. an; silberne Cylinderuhren von 5 Thlr. an. (F. 110.) D. Ellinghanse»,[5,00] Uhrmacher, Alexanderplatz 44, Ecke der Landsbergerstr., Berlin. (F. 83.) Allen Kollegen und Parteigenossen empfehle meine Restanration, Mittag- und Abendtisch.„Neuer Social-Dcmokrat" und„Hamb.-Altonaer Volksbl." liegen auö. W. Pletkcs, Restaurateur, Mauerstr. 65. Geschäfts-Eröffnung. Unterzeichneter eröffnet mit dem l. Nov. in der Hopfcnstr. In.