Nr. 134. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Freitag, den 12. November 1875. Neuer 5. Jahrgang. Rcdaction«. Expedition: Berlin, LO., Kaiser Franz-Grenadier-Pl. 8a. Befiellunge n werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgegengenommmen. mal Demokrat. Up« der Social, stischen Arbeiter-Partei Teutschlands. Inserate (nur in der Expedition aufzu- geben) werden pro sünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Ps. berechnet. Ver- sammlungs-Annoncen die sünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reklame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. fc-.-•. AbonucmentS-Prei««: �ur B-rlm incl. Bnngerlohn viertel, ahrlich praemuneraudo 1 Rm. 95 Pf., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. 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Der für die Invaliden geradezu verhängnißvolle Zu- stand der Verwaltung des Jnvaliden-Fonds und die Bele- gung seiner Gelder zu Gunsten der Eisenbahn-Könige in Eisenbahn-Prioritäts-Obligationen soll nach dem in voriger Nummer schon besprochenen Gesetzentwurf bis zum 1. Juli 1880 verlängert und damit gewissermaßen verewigt werden. Ter Reichstag ist dabei in der kläglichen Lage, die Katze im Sack kaufen zu müssen, denn außer der unerquicklichen Nachricht, daß 171 Millionen Mark in derartigen„schwer- verkäuflichen". Papieren angelegt sind, fehlt jeder Nach- weis darüber, welche Eisenbahn-Könige jetzt die glück- iyffm„Geschäsisfreunde" des Invaliden-Fonds sind und wie hoch sich bereits die Verluste belaufen. Ein Abgeord- neter blickt den andern verwundert und rathlos an und das allgemeine Versteckenspiel der Reichsboten soll damit enden, daß in einer Kommission die kitzliche Sache hübsch sän- derlich vergraben wird, damit schließlich ein harmloser Kommissionsbericht Alles in Gemüthlichkeit auflöse. Das Gesetz über den Jnvaliden-Fonds spricht aller- vings klar genug in seinem§ 14: „Bei dem jährlichen Zusammentritt des Reichstages erstattet die Reichsschulden-Kommission Bericht über ihre Thätigkeit, sowie über die Ergebnisse der.... Verival- tung im verflossenen Jahre. Diesem Berichte ist eine Kebersicht der zeitigen Aktivbestände des Reichs-Jnvaliden- Fonds beizufügen." Vergebens aber suchen wir nach diesem Bericht, der allein zum Leitfaden im gegenwärtigen Labyrinth werden könnte. Der Reichstag ist im Begriff den Eisenbahnkönigen die 171 Millionen Staatskredit zu gewähren und hat die Aussicht, erst Hintennach zu erfahren, wer der Glückliche ist, den er mit der Staatshülfe bedacht hat. Was mag da Alles hinter den Conlissen spielen, wie mögen die„Eisen- dahngründer" im Reichstage, deren Prioritäten im In- validen-Fonds liegen, wühlen und schieben, um zu ihrem Ziele zu gelangen! Rur gut, daß ab und zu ein Lichtstrahl in dies Drei- den fällt und daß„Eingeweihte" in den Börsenblättern geplaudert haben. Vor einigen Wochen theilte nämlich die Aerliner„Börsenzeitung" mit, daß unter den im Invaliden- oionds aufgestapelten Eisenbahn-Prioritäts-Obligationen am 28. Februar 1874 sich folgende Werthe befunden hätten: 14,400,000 Mark der Magdeburg- Halberstädter Bahn, �,281,000 Mark der Hannover-Altenbeckener Bahn, der Gründung des Führers der Nationalliberalen Bennigsen, � 90,000,000 Mark der Bergisch-Mürkischen Bahn und 48,500,000 Mark der Köln-Mindener Bahn; Eisenbahn- Papiere in der Höhe von dreizehn Millimien Mark, sind Namentlich hier nicht aufgeführt. DaS Schlimmste ist Nun eine Berechnung jener Zeitung, wonach diese Papiere im Laufe der Zeit bedeutend entwickelt sind � von 3 bis 13 Prozent— so daß der Verlust für ven Jnvaliden-Fonds nach einer oberflächlichen Berechnung 'ich auf 6,963,000 Mark, in runder Summe auf sieben Nkillionen Mark belaufen muß. Hierbei ist der Cours- Verlust von 13 Millionen Mark, der wohl auch eine Million betragen inag, noch außer Acht gelassen. Wir geben zu, daß kleine Jrrthümer bei dieser Berech- nung mit unterlaufen mögen, aber die„Börsenzeitung", vas ausgesprochene Organ der Herren von Bennigsen und Mquel, welche jene Berechnung benutzte, um für den eben 'otzt vorliegenden Gesetzentwurf Propaganda zu machen, wird die Sache nicht zu schwarz dargestellt haben. So finden wir denn, daß die„Gründer" und ihre Genossen den Invaliden bereits an die sieben Millionen �iark„weggekracht" haben!— Bei solchen fetten Bissen verlohnt es sich schon für die großen Börsenmänner„pa- triotisch" und„reichsfreundlich" zu fein. Es wird letzt im Reichstage zwar wacker geredet und kühnlich be- Rauptet, daß, wenn der Jnvaliden-Fonds seine Staatshülfe "ur noch weitere Jahre den Eisenbahn-Königen gewährte, vie betreffenden Börsenpapiere wieder steigen würden: das 'ind aber nur fromme Wünsche und Verheißungen, denn eben so gut können weitere Millionen dem Invaliden- Fonds verlustig gehen. Nun sagt vielleicht ein„Gründer-Patriot": Den In- validen wird der Staat auf alle Fälle gerecht werden, sie trifft also dieser Schaden nicht.— Dem ist aber nicht so, denn die Jnvaliden-Pensionen sind wenigstens für die „gemeinen Soldaten" so karg berechnet, daß der Invaliden- Fonds bei guter Verwaltung jedenfalls noch Ueberschüsse über die verausgabten Pensionen abgeworfen hätte und als- dann hätten die Gesetzgeber sich einer Erhöhung der Pen- sionen auf die Dauer nicht widersetzen können. Natürlich, wenn der Jnvaliden-Fonds vom Börsenkrach mit in An- spruch genommen wird, wenn Millionen durch Eoursverluste draufgehen, dann hat es mit der Pensions-Erhöhung gute Wege. Dieser Zustand wird freilich beispielsweise den zwölf preußischen Generalen, welche pensionirt sind, und insge- sammt 170,000 Mark an Pension beziehen, nicht allzusehr Kopfschmerzen machen. Aber die 40,000 preußischen„ge- meinen" Invaliden, die durchschnittlich 235 Mark pr. Mann, also 65 Reichspfennige täglich, zu verzehren haben, ist es für sie eine Bagatelle, wenn sieben Millionen Mark dem Jnvaliden-Fonds abgezapft werden? Das ist eine Summe, welche ungefähr einer halbjährlichen Unter- stützung sämmtlicher Invaliden, Wittwen und Waisen der niederen Soldatenklasse in Deutschland entspricht!— Nach dein Krankenkassen-Gesetzentwurf soll den Arbeiter- Hülfskassen die freie Verfügung bei Belegung ihrer Gelder verwehrt werden. Die Staatsgewalt drängt sich ihnen als Lehrerin auf. Nun, wir möchten billig bezweifeln, ob es mit der Mehrzahl der Arbeiterkassen so trübe aussieht, wie mit dem Jnvaliden-Fonds. Auf jeden Fall aber würde die General- Versammlung solcher Arbeiterkassen kurzen Prozeß machen und sofortige specialisirte und öffent- liche Klarstellung der Belegung der Gelder, des Ge- winns und Verlustes fordern, während die Reichsboten bis jetzt um den Kern der Sache herumgcschlichen sind, wie die Katze um den heißen Brei. Freilich wird es wohl nicht besser, so lange Eisen- bahn-Könige im Reichstage sitzen und die Abgeordneten der Arbeiterpartei mundtodt gemacht oder bei der Abstim- mung niedergestimmt werden. Ein Denkzettel für die näch- sten Wahlen. Ein Zeichen der Zeit. „Vom 30. bis zum 31. Oktober fanden in Berlin acht Selbstmorde statt"— so stand in dürren Worten vor eini- gen Tagen in sämmtlichen liberalen Berliner Zeitungen unter der bekannten Zeitllngs-Rubrik„Vermischtes" zu lesen. Acht Selbstmorde, was haben sie bei einer Bevölkerung von einer Million zu bedeuten? Der Alltagsmensch wird freilich auf diese Frage nur ein Achselzucken oder ein mit- leidiges Lächeln haben. Acht Menschen spielen ja nach sei- uer Meinung in dem großen Getriebe einer Stadt, wie Berlin ist, keine Rolle. Und wenn auch wir zugeben, daß es natürlich für eine Biillionen-Stadt ohne Bedeutung ist, ob acht Menschen mehr oder weniger innerhalb ihrer Mauern Hausen, so müssen wir uns doch fragen, aus wel- chen Gründen wurden diese Unglücklichen zu einem solchen Schritt bewogen? Weder aus irgend einem sogenannten religiösen Beweggrunde oder in Folge krankhafter Senti- Mentalität sind diese Selbstmorde— so können wir zur Antwort geben— erfolgt, sondern mit einer einzigen Aus- nähme war es die Noth, die keine andere Wahl übrig zu lassen schien. Die Lobhudler unserer heutigen Zustände „beweisen" uns so oft— auf welche Weise aber, wollen wir hier unerörtert lassen— daß, wer nur arbeiten will, Arbeit erhält. Hier zeigt uns nun die Wirklichkeit das gerade Gegentheil von dieser Behauptung. Und ist es denn in der That so etwas Wunderbares, wenn gegenwärtig der Arbeiter oder der kleine Handwerker, der die Sünden der Strousberge büßen muß, zuletzt kein anderes Mittel sieht, seinem elenden Dasein ein Ende zu machen, als sich eine Kugel durch den Kopf zu schießen, oder an einem Stricke auszuhängen. Sehen wir uns doch einmal die gegenwärtige Ge- schäftslage mit unbefangenen Augen an. Waren früher die Arbeiter schon so gestellt, daß sie sich gerade vor dem Verhun- gern schützen konnten, so ist jetzt die wirthschaftliche Lage doch dermaßen verschoben, daß der Arbeiter nur in wenigen Fällen überhaupt noch Arbeit bekommt. Ebenso ergeht es dem Kleinmeister und Subaltern- Beamten. Die Lebensmittel steigen fortwährend im Preise, die Gehälter erfahren aber nur höchst selten und dann ohne Verhältniß eine Aufbesserung. Und eigenthümlich, ja als ein Zeichen der Zeit ist es anzusehen, daß jene sie- ben Selbstmörder sämmtlich Beamte oder kleine Handwer- ker waren. Wer lernen und denken will, der kann viel aus dieser scheinbar trockenen Zahl lernen. Noch neulich hatte eins der bedeutendsten liberalen Organe der Berliner Presse versucht, den Beweis zu führen, daß der Handwerkerstand in den letzten Jahren thatsächlich eine Hebung seiner Lage erfahren habe, war aber nur einige faule Bemerkungen zu machen im Stande. Daß in Wirklichkeit die Dinge ganz anders liegen, zeigt uns diese Selbstmordstatistik. Eick un- terer Beamter oder ein sogenannter Kleinmeister ist über- Haupt von Hause aus eine sehr ängstliche und auch bedürf- nißlose Natur. So lange es nur irgend„geht", so lange er nicht direkt mit Füßen getreten wird öder verhungern muß, so lange thut er den Mund zu keiner Klage auf, viel weniger nimmt er zum Selbstmorde seine Zuflucht. Der deutsche Philister ist stolz auf sein Geschäft und seine Haushaltung.„Selbstständig" ist seine Parole, und ehe der„Meister" sich zum Arbeiter erniedrigt, ehe er sein „Geschäft" schließt, müssen Zustände und Verhältnisse ein- treten, mit denen man sonst nicht gewohnt ist, zu rechnen. Daß diese Verhältnisse zur Stunde da sind und mit harter Stimme die Wahrheit verkünden, daß die heutige Produktionsweise erbarmungslos Diejenigen unter Schutt und Trümmern begräbt, die nicht den„Schwindel" ver- stehen, sehen wir aus den vorgeführten Zahlen. Wenn sich durchschnittlich in zwei Tagen sieben Menschen aus Noth das Leben nehmen, so müssen nach dieser Berechnung ca. 100 Menschen in einem Monat in einer Stadt wie Berlin zu Selbstmördern werden. Unsere Manchester- Männer mögen predigen, was sie wollen. Sie mögen um das goldene Kalb die wildesten Tänze aufführen, sie mögen über die Vortrefflichkeit unserer gegenwärtigen Verhältnisse„entzückt" sein, es hilft nichts. Unerbittlich und unaufhaltsam fordert die heutige Pro- duktionsweise ihre Opfer. Erst treibt sie den Arbeiter in die Wogen des Alles verschlingenden Angebotes von Ar- beitskraft und Nachfrage, dann tritt sie mit der freien Kon- kurrenz an den kleinen Geschäftsmann heran und ergreist zuletzt den, der noch so thöricht sein konnte, ein rechtschasse- ner Mann zu sein. Wohl ist unsere Zeit eine„böse" Zeit, aber sie n't eine treffliche Lehrmeisterin. Die Worte und Wahrheiten des Socialismus sind oft verlacht und werden es auch noch heute. Aber schon bricht sich durch die Nacht des Jrrthums das.Licht der Erkenntniß. Was vor Jahrzehnten nach Wenigen klar, vor Jahren nicht Vielen verständlich, das ist schon heute Eigenthum der Massen geworden, und mit Donnerstimme halt es wieder und ruft: Beseitigt die heutige Produktionsweise, die ihr nicht das Elend und den Unter- gang des Volkes wollt. Noch ist sie Königin und herrscht aus ihrem Throne, die heutige kapitalistische Produktionsweise. Aber schon dämmert der Morgen der Freiheit, schon erwacht das ar- beitende Volk, und die Macht des erwachten Volksgeistes duldet nicht mehr die Götzenbilder des falschen Gottes noch die Tänze um das goldene Kalb. Deutscher Reichstag. Berlin, den 9. November. Als am Freitag in der Sitzung des Reichstages Bebel Namens der social- demokratischen Abgeordneten seine Ansichten über das Hülfskassengesetz entwickelt hatte, verbreitete sich im Hause die Ansicht, daß die Wahl eines eigentlichen Arbeiterver- treters in die zur Vorberathung des Gesetzes zu wählende Kom- Mission eine Nothwendigkeit sei. Bebel selbst wurde seitens des Abgeordneten Miquel, als Vorstandsmitgliedes der nationalliberalen Partei, die Frage gestellt, ob er geneigt wäre, eine Wahl in die Kommission anzunehmen, da ja„selbstverständlich" einer von unS hineingehöre. Bebel erklärte in Uebercinstimmung mit den an- wescnden Gesinnungsgenossen seine Bereitwilligkeit dazu, und eine Reihe von 5korrespondenzen in liberalen Zeitungen betrachtete diese Wahl so gut als sicher. Allein im Rathe der Reichstags- götter wurde es anders beschlossen. Heute kurz vor Anfang der Abtheilungssitzungen, in denen die Kommissionswahl vorgenom- men werden sollte, eröffnete der Abgeordnete Miquel Bebel, daß der Vorschlag, ihn in die Kommission zu wählen, in der Fraktions- sitzung der nationalliberalen Partei auf heftigen Widerstand ge- stoßen und seine Wahl unmöglich sei. Er rieth ihm, sich an das Centrum zu wenden, das ihn höchst wahrscheinlich wählen würde. Bebel erklärte, daß er es unter seiner Würde halte, um einen Sitz in der Commisfion zu betteln, wähle man ihn, so sei es gut, wähle man ihn nicht, so sei es ihm ebenfalls recht, er, wie die. Partei, habe im letzteren Falle keinen Schaden. Für die mit der parlamentarischen Comödie nicht näher Vertrauten sei hier zur Erläuterung bemerkt, daß die gesammten Mitglieder des Reichstages in sieben Abtheilungcn verloost und in diesen Ab- theilungen alle Kommissionen gewählt werden. Jede Äbtheilung wählt gleichviel Mitglieder, und deshalb wird die Zahl der Com- missionsmitglieder stets so normirt, daß sie durch sieben theilbar ist. Da nun in der Commisfion in Folge des Loosens das Partei- verhältniß rein vom Zufall abhängt, so sind die parlamentarischen Parteien, deren es im Reichstage officiell sechs giebt—' Fort- schritt. National- Liberal, Centrum, deutsche Reichspartei, Frei- konservativ, Konservative- dahin übercin gekommen, die Per- sönlichkeit für alle Wahlen und alle sonst auf das öffentliche Leben im Reichstag bezughabenden Entschließungen durch ihre Vorstande, die zusammen den sogenannten Senioren-Convent bil- den, festsetzen zu lassen. Sonach entscheidet über alle Wahlen nicht die Majorität des Reichstages, sondern der aus wenigen Köpfen bestehende Seniorenkonvent, und die Reichstagsmitglieder sind eigentlich nichts als Stimmvieh. Für diese Wahlen besteht nun oie weitere, unter den maßgebenden Parteien vereinbarte Bestimmung, daß jede sich als parlamentarische Fraktion konstituirt habende Partei, nach dem Verhältniß ihrer Kopfzahl, Vertreter in die Kommissionen erhalten soll. Die Folge eines solchen Ver- fahrens ist, daß alle nicht zu einer Partei-Fraktion gehörigen Ab- geordneten von jedem Einfluß auf die Wahlen ausgeschloffen und rein dem Gutdünken, das heißt der Gnade der maßgebenden Fraktionen, die von ihren vielen Vertretern mal ausnahmsweise einen freiwillig aufgeben, preisgegeben ist. Im vorliegenden Falle lag die Äache so, daß die nationalliberale Frakrion auf eines in die Kommission zu wählenden Mitgliedes verzichten und dafür Bebel acceptiren sollte, und das unterliegt keinem Zweifel, anfangs, d. h. am Freitag, auch wollte. Mittlerweile aber hatte man sich anders besonnen, man hatte überlegt, wie gefährlich es werden möchte, die in ihren Gründen gegen die Vorlage nicht zu widerlegende Social-Demokratie mit Sitz und Stimme in der Kommission zuzulassen; der Kompromißeifer, der in den nicht öffentlichen Sitzungen der Kommission sich am besten entwickeln und breit machen kann, durch starres Festhalten an dem vollen Recht der Arbeiter seitens des social-demokratischen Vertreters auf die engsten Kreise beschränkt zu sehen. Wahrscheinlich hat nian auch vom Bundesrathstisch unter der Hand sein Mißfallen an einer eventuellen Wahl Bebel's zu erkennen gegeben. Unzweifelhaft hat die liberale Partei deS Reichstages durch diese Ausschließung der Arbeitervertreter von der Vorberathung eines die Arbeiterintereffen so tief berührenden Gesetzes, ihren wahren reaktionären Charakter enthüllt und sich schon vor der Schlacht geschlagen gegeben. Die Aufgabe aller Parteigenoffen wird eS sein, den Vorgang zur allgemeinen Kenntniß der deut- schen Arbeiterwclt zu bringen und gegen die Majorität des Reichs- tages auszubeuten. Außerdem gelangte in der Sitzung vom 9. November der Antrag des Abgeordneten Hasselmann und Genossen auf Auf- Hebung des dei dem preußischen Obertribunal gegen den Abge- ordneten Hasenclever schwebenden Strafverfahrens wegen Ueber- trctung des Vereinsgesetzes für die Dauer der Session zur An- nähme. Politische Uebersicht. Berlin, 11. November. Die Festung Metz soll-durch Anlegung eines neuen FortS noch„uneinnehmbarer" gemacht werden. Das betreffende Fort wirv zwischen dem Fort St. Julien und Plappeville oberhalb des Kirchhofs Woippy, etwa 5 Kilometer von Metz, angelegt. Der Bau hat bereits begonnen und ist die Ausführung für dieses eine Fort auf eine Million Mark veranschlagt. Das Sprüch- wvrt:„Frieden ernährt, Unfrieden verzehrt", scheint demnach doch nicht mehr stimmen zu wollen. Tagtäglich werden unsere Festun- gen durch neue„Forts"„befestigt", und wenn auch ein Fort „nur" die„Kleinigkeit" von einer Milljon Mark beträgt, so ge- nügt die Anlegung von einigen Hundert Forts pro Jahr doch schon, uns immens reich zu machen. Vielleicht braucht man in Folge dessen auch keine Steuern mehr. In dem Bezirke Maurusmünster im Elsas; sind sieben Schullehrerstellen unbesetzt. In ganz Elsaß und Loth- ringen standen vor fünf Jahren, als noch die französischen„Bar- baren" am Ruder waren, nicht sieben Stellen leer. Die preu- ßische„Kultur" kämpft alle Kultur' über die schwarz-weiß-rothen Grenzpfähle, und zwar nur aus„Kultur". Unsere deutschen Musensöhne tragen besonders Sorge, daß die„Kultursitten" allüberall eingepflanzt werden..So hat besonders die Stadt Strasburg in letzter Zeit die akademische „Bildung" kosten gelernt. Schon mehrere Nächte hindurch war Ueber die Kost in öffentlichen Anstalten. (Ein Vortrag, gehalten am 13. September 1876 in der ersten Sitzung des Kongresses für öffentliche Gesundheitspflege zu München/ von Professor Voit.) (Schluß der ersten Abtheilung.) Diese Genußmittel haben eine weittragende Bedeutung für die Vorgänge der Verdauung und Erniihrung. Schon die Vor- stellung oder der Anblick eines uns angenehmen Gerichtes macht, daß uns, wie man sagt, das Wasser im Munde zusammenläuft, d. h., daß die Speicheldrüsen reichlich Saft absondern, welcher gewisse Nahrungsstoffe umwandelt und sie für die Aufnahme in die Säfte vorbereitet. Das gleiche läßt sich für die Magensaft- drüsen darthun; man kann an Hunden mit künstlich angelegten Magenfisteln zeigen, wie plötzlich an der Oberfläche Saft hervor- quillt, wenn man den nüchternen Thieren ein Stück Fleisch her- hält, ohne es ihnen zu geben; vom Magen aus setzt sich die Wir- kung weiter zu dem Drüsen und Blutgefäßen des Darms fort. Erscheint uns dagegen eine Speise nicht begehrenswerth und appetitlich, so treten jene Erscheinungen nicht mehr ein, und es erfolgen Störungen in der Verdauung. Darum erhalten alle unsere Speisen Genußmittel, gewisse schmeckende Stoffe, die uns dieselben angenehm machen und uns den Appetit erregen. Jeder Mensch, und sei er auch der dürf- tigste, erfreut sich am Wohlgeschmack seines wenn auch einfachen oder kärglichen Mahles; ein Verlust des Geschmacksinnes soll einen unerträglichen Zustand hervorrufen. Man giebt für die Beschaffung dieser nothwendigen Genüsse häufig mehr aus als für die der Nahrungsstoffe. Schon der Geruch einer Speise ver- mag Dienste zu thun, sowie das Riechen mancher Stoffe einem der Ohnmacht Nahen wieder aushilft. Es ist allerdings richtig, daß die Ansprüche an die Genußmittel sehr verschieden sind, und daß hierin eine unnatürliche Verfeinerung angewöhnt wer- den kann. Wenn man eine Anfangs recht wohlschmeckende Speise in zu großer Menge oder zu oft hintereinander vorgesetzt erhält, so stumpft sich die Empfindung darüber ab und sie schmeckt uns nicht mehr oder widert uns sogar an; sie hört auf, ein Genuß für uns zu sein. Je ausgesprochener und intensiver der Ge- schmack einer Speise ist, desto rascher widert sie uns an. Darum können wir nur wenige Speisen täglich und in größerer Quan- tität genießen, wie z. B. unser täglich Brod, das uns neben anderen Nahrungsmitteln stets eine willkommene Zuthat ist; ein süßer Kuchen, wenn er auch Eiweiß und Kohlenhydrate in der- daselbst in mehreren Straßen und Gassen ein Mordspektakel zu hören. Am 25. Oktober wurden gegen Mitternacht die Bewohner einiger Viertel durch einen heillosen Lärm mit Geschrei aufge- schreckt. Zugleich erschütterten starke Steinwürfe die Fensterläden im Erdgeschoß einiger Häuser. In einem derselben wohnte eine Wöchnerin, die vor Schrecken Zufälle bekam, welche die Frau in große Gefahr bringen können. Einige Augenblicke später fand ein gleicher Auftritt in der Brandgasse statt, und zwar gerade vor der Polizei-Direktion. Die Polizei raffte sich auf und wurde eines der Ruhestörer habhaft. Derselbe erklärte: er sei Student und die Polizei habe ihm nichts zu sagen. Liebe holde Jugend! Der Handel mit Menschcnflcisch steht auch in Berlin in hoher Blüthe. So wurde am 7. November ein schon mehr- fach bestraftes Ehepaar dem Molkenmarkte überliefert, welches ein Gewerbe daraus macht, junge Mädchen nach Hamburg in dortige Bordelle zu verkuppeln. Den Mädchen wurde vorge- schwindelt, daß sie unter sehr günstigen Bedingungen als Kellne- rinnen Stellung erhalten würden, während sie thatsächlich für Bordellwirthschaften bestimmt waren. Die Vermittler erhielten für das saubere Geschäft eine erhebliche Provision, die veraus- lagten Reisekosten und außerdem die Kleidungsstücke der unglück- lichen Opfer, da sie bei ihrem Eintritt in das Bordell elegante vollständige Bekleidung von den betreffenden Wirthen empfangen, die ihnen selbstverständlich für enorm hohe Preise in Rwhnung gestellt wird. Nette Zustände herrschen in Oesterreich. Der große „Krach" hat nichts gebessert, und wenn auch durchweg nicht mehr die alten Schwindler am Ruder sind, so finden wir sie doch durch andere, theilweise noch„würdigere" ersetzt. Daß es den Gerichten u»d Geschworenen nach den bestehenden Gesetzen und bei der Mangelhaftigkeit der Beweisführung nahezu unmöglich ist, an irgend einem von den Hauptschwindlern der Gründerzeit ein Erempel zu statuiren, ist Thatsache. Daß alle die sauberen Gesellen wieder im Parlament sitzen, ist ein neuer Beweis von der Fäulnis; der heutigen Gesellschaft. Wahrhaft empörend ist die Rolle, welche das Abgeordnetenhaus den ärgsten„Krachern" der Gründerzeit noch immer in seinem Schooße zu spielen ge- stattet. So wird der„Trinkgeld-Minister" Giskra nach wie vor von dem Hause in den Finanzausschuß und von seinen mähri- schen Kollegen in die Delegation gewählt; und der, in der Kom- missiondbank-Affaire immer noch einer Kriminaluntersuchung ge- wältige Sturm ist Mitglied und Berichterstatter des konfessionellen Ausschusses. Noch toller sieht es im Fortschritts-Club aus. So fielen unlängst bei der Konstituirung des Clubs für die Wahl des Obmanns 18 von 32 Stimmen auf Groß aus Wels in Oberösterreich, der bei dem großen Krach der Linzcr Commercial- und Jndustrialbank im Juli 1873 eine erste Violine als Verwal- tungsrath gespielt und, obwohl ein reicher Mann, sich geweigert hat, den Aktionären und Künden der Bank, die alle zusammen keinen Kreuzer weder für die Kassenscheine, noch für die Aktien erhielten, auch nur den geringsten Ersatz zu bieten. Trotzdem fungirte Groß während der Session von 1873 auf 1874 als Ob- inann der Fortschrittspartei; auch heute sitzen sie wieder so trau- lich beisammen und haben einander so lieb. Der Krug geht eben so lange zum Wasser, bis er bricht, sagt ein altes Sprüchwort— und auch in Oesterreich wird das Proletariat erwachen und die- fem schamlosen Treiben ein Ende bereiten. Alles geht eine Zeit lang und man kann Jahre ungestraft strousbergen, einmal kommt aber doch die Abrechnung. Die socialistische Presse Italiens ist wieder um ein Organ reicher geworden. Seit dem 1. Oktober erscheint in Palermo unter dem Titel rII secolo XIX." ein neues Arbeiterblatt. Ueber den Charakter des Angeklagten Luciani im Ton- zogno-Prozesse gab in der Gerichtsverhandlung vom 3. No- vember einer der Nichter ein ekelhaftes Bild. Schon der Ur- sprung von Luciani ist kein edler. Seine Mutter verbarg ge- stohlene Gegenstände bei sich und lebte von der Hehlerei, und sein Bruder wurde 17mal angeklagt und 8mal wegen gemeiner Vergehen bestraft. Luciani selbst wurde als unruhiger Vagabund nach Cagliari relegirt und lebte in Turin von den Diebstählen seines Bruders. In Florenz stand er in genauer Beziehung mit dein Galeerensträfling Brunetti, in dessen Restauration sich die Uebelthäter unter der Maske römischer Flüchtlinge zusammenfan- den, die den Diebstahl bei Duprs verübten. Darauf suchte er QWBPBMBHaBB!_______| selben Menge liefert, könnte die Stelle des Brodes nicht er- setzen. Darin liegt das Geheimniß der lange nicht verstandenen. Bedeutung der Abwechselung in der Kost, die uns einen Wechsel in den Gcnußmittcln bringen soll, während man früher diese Ab- wechselung häufig für geboten hielt, um uns Alle die nöthigen Nahrungsstoffe zuzuführen. Aus den gleichen Nahrungsstoffen und Nahrungsmitteln bereiten wir uns deshalb auch verschiedene Gerichte. Es giebt z. B. Menschenklassen, welche vorwaltend vom Mehl der Ge- treidearten leben; aber sie genießen dieses Mehl nicht lediglich in der Form von Brod, sondern sie verwenden es außerdem zur Bereitung von Nudeln, Schmarrn, Spätzeln zc. Bei der Herstellung der Nahrung für den Menschen ist also die Zuführung der Genußmittel und die gehörige Abwechselung in der Kost wohl zu beachten. Ich weiß von Personen, welche ihr einfaches Mahl in Gasthäusern zu sich nehmen, daß sie, wenn sie auch Anfangs ganz wohl zufrieden waren, doch genöthigt sind, von Zeit zu Zeit das Gasthaus zu wechseln, da in jedem die Speisen in allzu gleichförmiger Weise zubereitet werden. Das Erforderniß des Wechsels in den Kenußmitteln erstreckt sich sogar auf eine einzige Mahlzeit, namentlich auf die Haupt- mahlzeit zu Mittag. Wir genießen aus diesem Grunde gewöhn- lich mehrere Gerichte hintereinander: Suppe, Fleisch und Ge- müse mit verschiedenem Geschmack. Wir wären wohl kaum im Stande so viel von einer einzigen Speise zu verzehren, als es für unser Bedürfniß an Nahrungsstoffen nöthig ist, da wir bald an dem gleichen Geschmack den Appetit verlieren. So haben alle unsere seit Jahrtausenden eingebürgerten Ge- brauche ihren guten Grund; nur gelingt es gewöhnlich erst spät, ihn zu erkennen. Ich habe hiermit die Anforderungen an die Kost des Men- schen, soweit sich dies in Kürze nach unseren jetzigen Kenntnissen thun läßt, ausemandergesetzt. Wir mischen uns nach diesen Prin- zipien unsere Nahrung aus den verschiedensten Nahrungsmitteln unter Zusatz von Genußmitteln zusammen. Diejenige wohl- schmeckende Nahrung, welche den Anforderungen streng genügt, d. h., welche die für einen bessimmten Fall gerade erforderliche Quantität der einzelnen Nahrungsstoffe in richtiger Mischung zu- führt, und dabei den Körper so wenig als möglich belastet, ist für diesen Fall die richtige Nahrung oder das Ideal der Nah- rung. Wir weichen häufig von diesem strengen Ideal in etwas ab; unser Körper besitzt glücklicherweise Ausgleich'., nc">n dafür durch Zerstörung des überschüssigen Eiweißes, der Fetre, Kohle- Sonzogno gewinnen, um sich den Schutz der„Kapitale* zu sichern. Er verräth ihn sodann, indem er die Nacht vor dem z Duell in den Armen der Gattin Sonzogno's zubringt. Auf der Tribüne vertritt Luciani die Opposition, aber hinter den Kou-- lissen setzte er sich in Beziehung mit der Rechten. Dann kom- i men die Fälschungen der Wahlzettel im vierten Kollegium und- Jntriguen mit de Luca und der Bande von Turin, bei denen. Luciani 16,0 Fr. gewann, als Preis dafür, daß er die Oppo- 1 sitionspartei verlassen.— Das Urlheil in dem Prozesse wird erst| in den nächsten Tagen gefällt werden. � Aus Moskau wird gemeldet, daß der„Eisenbahn-König") Ttrousberg trotz aller für ihn gethanen Schritte nicht in Frei- heit gesetzt worden ist, sondern unter der Anklage der Urkunden- Ä fälsch ung vor die Geschworenen gestellt werden soll. In Preußen war schon früher eine ähnliche Untersuchung gegen Strausberg 1 eingeleitet, welche aber aus uns unbekannt gebliebenen Gründen nicht über das sogenannte„Ermittelungs-Verfahren" hinausge- J kommen ist. Berlin, 4. Nov.(Prozesse und Berurtheilungen.) Unterzeichneter stand am 2. November, wie schon im„Neuen Soc.-Dem." gemeldet, vor den Schranken des Berliner Stadtgerichts wegen Grün- dung einer Unterstützungs- und Sterbekasse, welche von der Regierung der Genehmigung bedürfte. Trotzdem ich nachzuweisen versuchte, daß die Gewerkschaft der Schuhmacher schon im Jahre 1869 gegründet und zu- gleich statutenmäßig dort festgesetzt wurde, daß berechtigte Mitglieder Reisegeld, und wenn selbige verheirathet sind, im Sterbefalle die Hin- terbliebenen Sterbegeld bekommen sollen und seit dem 14. Juni d. I. mich diesem Vereine angeschlossen und zwar als einfaches Mitglied, trotzdem wurde ich für schuldig erklärt und zu 39 Marl Geldbuße, event. 6 Tagen Hast verurtheilt. Die Gewerkschaft wurde nicht geschlossen. Am 3. November fand der zweite Termin wegen Beleidigung des königlichen Kammergerichts statt. Trotzdem meine vier EntlasttzingSzeugen gerade das Gegentheil beschworen haben, als der Belastungszeuge, der Polizeilieutenant von Kleist, und trotzdem der Rechtsanwalt Munkel eine vortreffliche Bertheidigungsrede gehalten hat, die über eine Stunde in Anspruch nahm, in welcher jeder einzelne Punkt klargelegt wurde und worin er ausführte, daß nach seiner An- ficht durchaus keine Beleidigung vorhanden sei, ersuchte der Staats- anwalt den Gerichtshof, auf meine Aussage sowohl, als auf die der Entlastungszeugen, kein Gewicht zu legen und beantragte eine Gefäng- nißstrafe von 3 Monaten. Der Gerichtshof zog sich zu einer längeren Berathung zurück und verurtheilte mich zu einem Monat Gefängniß. Es lebe der Kulturkampf. Gegen beide Urtheile werde ich Rekurs er- hcben. Szimmath. Altona, 8. Nov.(Verhaftung.) Heute wurde unser Partei- genösse Forschner zur Polizei beordert und daselbst verhastet. Der Grund ist bis jetzt nicht bekannt. O. Reimer. Halle a. d. S., 3. November.(Situationsbericht.) Dosl wir in letzter Zeit wenig von uns hören ließen,' so glaubten gewiß viele auswärtige Parteifreunde, die Bewegung in Halle sei nicht weit vo dem Einschlafen. Dieses ist jedoch keineswegs der Fall. Mehr denn je sind wir in letzter Zeit am Platze gewesen, und haben wir in der% Ausbreitung unserer Prinzipien einen tüchtigen Fortschritt zu ver-: zeichnen. Am 4. September hielten wir im„Nosenthal" eine gut be-'! suchte Volksversammlung ab mit der Tagesordnung:„Unsere heutigen Zustände".� Referent war Hugo Rödiger. Am 5. September hielten wir im„Schwan" bei Trotha eine Volksversammlung ab mit der? Tagesordnung:„Die Arbeiterbewegung". Referenten waren Scbulz und Rödiger. Diese Versammlung war schwach besucht. Der Grund lag darin, daß man die Plakate gleich nach dem Ankleben herunter' gerissen hatte. Mit gutem Erfolg wirkten wir in einer am 19. Sep- 4 tember in Brachstedt abgehaltenen Volksversammlung: welche von circa 399 Personen besucht war, und in der Rödiger über die Bestrebungen der Social-Demokratie referirte. Wir gewannen dort am selben Tage eine Anzahl tüchtiger Parteifreunde, und rufen den Brachstedter Ge- noffen zu, tüchtig weiter zu arbeiten auf der betretenen Bahn. Den 2. Oktober hielten wir wieder im„Rosenthal" hieselbst eine Volksver- sammlung ab, die so stark besucht war, daß-der ziemlich geräumige i Saal bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Die Tagesordnung■ war ein in der„Saale-Zeitung" erschienener Artikel, überschrieben:| „Arbeit und Lohn". Der Redakteur war brieflich eingeladen, beliebte aber nicht, zu erscheinen, sondern druckte den Brief Rödiger's mit dem Bemerken ab, daß der Verfaffer besagten Artikels in Halle nicht an- wesend sei, aber sofort davon benachrichtigt worden wäre. Max Schulz referirte in dieser Versammlung. Nach Beendigung des Referats| meldete sich ein Herr Gosche, Professor der Philosophie, zum Wort. Er lehnte gleich im Ansang seiner Rede(ich gebe nur das Wesentlichste davon wieder) jede Mitwissenschast obigen Artikels ab und erklärte ferner, daß er früher auch nur gewöhnlicher Arbeiter gewesen sei, er --- 1.-.'.. u..'--i- ti».,.....-siZlt--, ±'_'-■ � hr>drate, oder durch Ansatz von Eiweiß und Fett. Aber dieS darf nicht zu weit und nicht zu lange Zeit hindurch geschehen, wenn' nicht eine Schädigung der Gesundheit eintreten soll. Da die Zersetzungen im Körper je nach der Individualität- und den Umständen verschieden sind, und eigentlich jeder Mensch, für einen gewissen Tag einen speziellen Fall mit anderen Bcdin-.■ gungen darstellt, so muß auch demgemäß die Nahrung eine ver- schiedene sein. Es fragt sich daher jetzt, wenn wir von der allgemeinen Betrachtung zu den einzelnen Fällen übergehen, wie sich unter diesen speziellen Umständen die Vorgänge im Körper gestalten und welche Mengen der einzelnen Nahrungsstoffe man zuzu- führen hat. Es ist nach Erlangung solcher Kenntnisse nicht mehr schwierig, die richtige Kost aus den uns zu Gebote stehenden Materialien zusammenzusetzen; ich habe dies für Arbeiter, Soldaten, Vchks- küchen und Waisenhäuser schon.gethan. Es würde zu weit führen,' das Verfahren dabei hier näher zu erörtern; ich verweise in dieser Beziehung auf die Auseinandersetzungen, die ich anderweit schon gemacht habe und demnächst noch'machen werde. Ebensowenig 7 kann ich auf alle die Einzelheiten in jedem Fall eingehen; ich> verweise in dieser Beziehung auf die Auseinandersetzungen, die ich anderweit fchon gemacht habe und demnächst noch machen werde. Ebensowenig kann ich auf alle die Einzelheiten in jedem Fall eingehen; ich hebe nur die hauptsächlichsten Punkte, auf. welche es vor Allem ankommt, hervor; ich möchte namentlich auf einige sich bitter rächende Fehler, welche bei Festsetzung der Kost- sähe häufig gemacht werden und sich leicht beseitigen lassen, auf- merksam machen. Wir schen bei den folgenden Betrachtungen, der Einfachheit halber, von der Zufuhr des Wassers ganz ab, da dieser Rah- 4 rungsstoff in den meisten Fällen frei zur Verfügung steht. Ebenso sehen wir ab von der Zufuhr der Afchebestandtheile, weil diese in unseren gewöhnlichen Nahrungsmitteln in genügender Menge vorhanden sind und man nur in ganz besonderen Fällen eigens für sie zu sorgen braucht. Wir vernachlässigen auch die stickstoff-- freien Stoffe, außer den Fetten und Kohlehydraten, da dieselben in unserer Nahrung in zu geringer Menge vorkommen, und end- lich auch die übrigen stickstoffhaltigen Nahrungsstoffe, außer dem Eiweiß, wie z. B. den Leim, da auch diese gewöhnlich nur einen kleinen Bruchtheil der Bestandtheile unserer Nahrung ausmachen. Wir beschränken uns daher darauf, anzugeben, wie viel an Ei-' weiß, an Fett und an Kohlehydraten in jedem einzelnen Falle nöthig ist. (Fortsetzung folgt.) habe die Kühe gehütet, HMz gespalten, Karten geschnitten und Heu ausgeladen; als einfaches Dorfkind habe er sich zu seiner jetzigen Stel- lung heraufgearbeitet, in Folge dessen sei er stets ein Freund der Arbeiter gewesen und sei es auch jetzt noch. Der Herr Professor erklärte ferner, daß er ein Kollege von Schiller sei(?) und ein spezieller Freund von Ferdinand Lassalle und Schwabe. Wir spitzten die Ohren und dachten, jetzt bekommen wir auch von dieser Seite einen tüchtigen Kämpfer, der für unsere Prinzipien mit eintritt; vor unserem Geiste schwebte schon ein zweiter Ludwig Feuerbach. Aber, o weh! wir wur- den bitter getäuscht. Der Herr Professor kannte noch nicht einmal das eherne ökonomische Lohngesetz, und als er über verschiedene Punkte seiner Rede von Rüdiger und Schulz interpellirt wurde, erklärte uns der Herr Professor, daß wir, die Social- Demokraten, niemals mit unseren Forderungen durchkommen würden, die Maschinen wollten wir abschaffen und chinesische Zustände herbeiführen. Der Herr Professor Zeigte sich nun in seiner wahren Gestalt und wurde demgemäß von den nachfolgenden Rednern behandelt. Es wurde ihm von Rüdiger ber schlagende Beweis geliefert, daß er unsere Prinzipien nicht kenne und auch kein Freund der Arbeitersache sei.— Am 12. Oktober hielten chir eine Socialistenversammlung im„Rosenthal" ab, behufs Gründung eines Arbeiter- Wahlvereins, welcher sich auch noch denselben Abend konstituirte. Es ließen sich sofort 34 Mitglieder einzeichnen. In den Vorstand wurden gewählt; Hugo Rüdiger als erster und C. A!aaß als Zweiter Vorsitzender, Julius Beyer als erster und H. Bürger als zwei- ter Schriftführer, ferner H. Neumann als Kassirer. Auch konstituirte sich auf's Neue die Zeitungs- Kommisston, und besteht diese jetzt aus it Parteigenossen, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, für die weiteste Verbreitung unserer Parteiblätter zu sorgen.— Am 13. Ok- tober hielten wir wieder eine Volksversammlung ab mit der Tages- ordnung;„Die Roth im arbeitenden Volk und wie kann dieselbe be- leitigt werden". Zu dieser Versammlung war der Herr Professor Gosche brieflich eingeladen. Er sollte uns den Beweis bringen, warum wir wit unseren Forderungen nicht durchkämen, er erschien nicht und theilte uns brieflich mit, daß er an diesem Abend auswärts einen Vortrag über daxelbe Thema halten müßte.(Der Herr Professor ist im hiesi- gen Ver in für Volkswohl thätig.) Zu obiger Tagesordnung referirte Freund Rüdiger. Als zweiter Redner meldete sich ein Herr Dr. Richter Und trat als Opponent gegen uns auf, weil wir den Halleschen Verein für Volkswohl in seiner wahren Gestalt klar gelegt hatten.(Dr. Richter iU auch im obigen Verein mit thätig.) Seine Ausführungen waren fohr fade, und wäre es schade um den Raum des Blattes, näher dar- «uf einzugehen. Trotzdem laden wir den Herrn Professor und den Herrn Doktor ein, in unseren nächsten Versammlungen zu erscheinen, tndem sie viel zur Kräftigung und Aufllärung unserer Sache beige- tragen. Auf Antrag wurde eine Tellersammlung vorgenommen und bcr Ueberschuß, 3 Nm. 35 Pf., dem Unterstützungssonds überwiesen.— Am 30. Oktober hielten wir wieder eine Volksversammlung ab mit der Tagesordnung;„Die Lösung der socialen Frage". Herr Zwiebler aus Altenburg sollte referiren, erschien aber nicht, in Folge dessen über- uahm Herr Mar Schulz das Referat. Die Versammlung war so stark besucht, daß Viele wieder umkehren mußten. Nach dem Vortrag forderte ber Vorsitzende auf, ob Jemand gegen das Referat etwas einzuwenden babe. Da dieses nicht der Fall war, so sprachen noch Unterzeichneter, sowie Wortmann und Maaß zur Tagesordnung. Auch diese Versamm- tung har zur Kräftigung unserer Partei beigetragen. Der Ueberschuß bor Tellersammlung, 9 Nm., wurde ebenfalls dem Unterstützungsfonds uberwiesen. Mit Äruß Julius Beyer. . Dirteöheiin, 31. Okr.(Volksversammlung.) Die heute hier stattgefundene Volksversammlung protestirt auf das Entschiedenste gegen b>e Erhöhung der Biersteuer, sowie gegen die Einführung einer Petro- Ufusteuer, überhaupt gegen jede Steuer, welche auf die Lebensbedürf- nme des Volkes gewälzt wird, und verklärt es für die Pflicht aller �euhstagsabgeordneten, jedes dieser Steuerprojekte zurückzuweisen. sollte ein Abgeordneter trotzdem für eine solche Belastung des Volkes summen, so werden alle Wähler aufgefordert, bei den nächsten Wahlen omselbe» ihre Stimme vorzuenthalten. Im Austrage der Versammlung: Der Vorsitzende G. Hainz. , Jyürtkj, 1. Nov.(Volksversammlung.) Heute, den 1. Nov., 8so im großen Garten des„Wiesengarten" eine gut besuchte Volks- Versammlung, in der Freund Winner referirte. Die Tagesordnung 'var; I) Die gedrückte Lage des Kleinbürger- und Arbeiterstandes. Aef.: Winner. 2) Preßfreiheit und Censur und die Friedensbürgschaft. Aefl: Grillenberger. 3) Die bevorstehenden Gemeindewahlen. In das Vurcan wurden gewählt als Vorsitzender Zik und Unterzeichneter als Schriftführer. Parteifreund Winner erledigte in einem Itz/, stündigen Vvrtrage sich seiner Aufgabe in bekannt vortrefflicher und objektiver ■st�ise, ebenso Freund Grillenberger in höchst satyrischer Form. Der vft von Beifall unterbrochene Vortrag wird wohl manchen Indifferenten Zum Denken veranlaßt haben. Parteigenosse Löwenstein entwickelte in 'angerer Rede die Thätigkeit der bisherigen Gemeindevertretung, be- Inders betonend, daß, wenn auch vielen gerechten Anforderungen Genüge geleistet werde, doch noch Vieles übrig bliebe, und wir beson- bers bei den nächsten Wahlen dafür zu sorgen haben, daß wir, wenn auch nicht ausschließlich, so doch in genügender Anzahl vertreten sein Nlüssen.(Bis jetzt sind im Magistrat und Kollegium 5 eingeschriebene -Kstglieder unserer Partei, welche noch nicht für staatsgefährlich besun- aen worden und trotz Reihold und Stromer,, in deren gefährlicher Mitte vchere Mutterstadt liegt, noch nicht aufgelöst. Geschieht den Fürthern auch recht, warum haben sie keinen Stromer, Reihold, Teffendorf oder /■stteber?) Da wir es unternommen haben durch Kollektiv-Eingabe Möglichst Vielen die Gelegenheit zu geben, ziemlich unentgeltlich das jsurgerrecht zu erwerben, so lagen Vollmachtslisten, zum unterzeichnen sver Kollektiv-Eingabe, in welcher der Vorsitzende Zik aufforderte, sich chzuzeichnen, vor, welchem auch vielfach Folge gegeben wurde. Nach 'nein Schlußwort seitens des Vorsitzenden, welches zur Kostendeckung Saales aufforderte, schloß derselbe die Versammlung, welche einen Mcn Eindruck auf die Arbeiter machte. Zum Schluß kann ich nicht b'n'än, einen kleinen Rückblick auf den letzten Punkt der Tagesord- �ng;„Die bevorstehenden Gemeindewahlen", zu werfen, in welchem SpUnd Löwenstein seinen Antrag in der Magistratssitzung im vorigen 'chiat behufs Erbauung von Arbeiterwohnungen aus kommunalen fstteln betreffend, welcher fast einstimmig verworfen wurde, nicht er- bhnte. Derselbe ist unter Anderem so recht charakteristisch für den »Uten Willen, den die im Magistrat wie im Kollegium sitzende Majo- tat der Volksparteiler hat; wenn sie einmal von den Arbeitern unter ben möglichen Versvrechungen gewählt sind, so sind sie eben dcnto- di so Bourgeois, die ihren Geldsack so sehr an's Herz drücken, als � Nationalmiserablen; obgleich der Gemeinde hierdurch durchaus keine jstte» erwachsen wären, aber es war ein Antrag von einem Social- btnokraten gestellt und mau darf doch nicht so kommunistisch sein, das das Vicht opportun. Sagte doch einer dieser Herren öffentlich, .» er bedauere, daß nichts von Seiten der Gemeinde geschähe, um � 3 Mordspatriotenfest, genannt„Sedansfest", zu verherrlichen. Pro- • tum est! Merkt es Euch, Ihr Kleinbürger und Arbeiter, Bourgeois . bt Bourgeois, ob demokratisch oder liberal, wenn es an den Geld- v'el geht. C. Model, Schriftführer. AlSlebeu, 5. Nov.(Immer neue Opfer des„fröhlichen" bJpflez.) Die bekannten Katzbalgereien des L. September werden . den Bauern der Provinz den Großstädtern in würdigster Weise �.»-iifst. Die auf jedem Dorfe zur Vernichtung der Social-Demo- »tu in s Leben gerufenen Kriegervereine, welche, um den bewußten bat � zu dienen, jeden Krüppel in ihre Reihen aufnehmen, ob Sol- der Vicht, müssen selbstredend an solchen Tagen Verherrlichungen de, pdtcn„Heidenthaten" veranstalten, um— den schon ziemlich abgestan- öffc v Patriotismus wieder aufzuwärmen. Jede Rücksicht auf den ljik ichen Verkehr, sowie auf Gefahr für Leib und Leben der Bethei- die vvvd dabei außer Acht gelassen; sind doch gewöhnlich die Leute, selb �vdrst Ordnung zu halten verpflichtet sind, die Unternehmer der- g�f-v; So wird uns noch nachträglich auS Alsleben an der Saale »�..T�ben;„Am Sonntag, den 5. Septbr., wurde von den Krieger- Cflr'jpv Belleben, Naundorf, Alsleben, Pesen und den umliegenden flalt Erinnerung des 3. Sept. 1870 ein Manöver veran- ej.pst An dieser Feier kann nun Jeder Theil nehmen; ob er mit er �chiehwaffe umzugehen versteht, ist dabei gegenstandslos, wenn 'ur eine gute Kehle zu den Hochs auf„Kaiser und Reich" hat. So oft es nun schon früher vorgekommen, daß Unvorsichtige den Lade- stock der alten Gewehre fortschössen und eS nur dem reinen Zufall zu danken ist, daß dabei nicht Menschenleben geopfert wurden, so hat eS die Polizei bei alledem doch noch nicht für nöthig gefunden, diesem „Spielen mit Schießgewehren" Einhalt zu gebieten, bis endlich eine Familie unglücklich gemacht worden. Es wurde nämlich dem Arbeiter Ludwig Peter aus Trebnitz, Vater von vier Kindern, das eine Auge ausgeschossen und das andere, derartig verbrannt, daß die Sehkraft ebenfalls verloren; er ist nach der Klinik in Halle geschafft worden, wo sein Zustand sich derart verschlechtert hat, daß man an seinem Aus- kommen zweifelt." Wie sehr wir nun auch den Betroffenen bemitlei- den, so sollte es uns doch freuen, wenn durch solche Vorkommnisse den Leuten der Verstand erhalten werden könnte, der in ziemlich reger Ab- nähme begriffen. Was thut's auch, ein Menschenleben mehr oder weniger, das verändert die Zahl der Tausende nur unwesentlich! Wir werden uns solche Vorkommnisse registriren, um die Polizei auf die Unterschiede aufmerksam zu machen, wenn sie wieder mal harmlosen Arbeitervergnügungen den Charakter der„Verkehrsstörungen" oder sonst gruselige Eigenschaften beilegen sollte. Mi»dcn, 4. Okt.(Allgemeiner Bericht.) Wenn wir seit einiger Zeit nichts von uns haben hören lassen, so geschah dies nur deshalb, weil wir den Raum des Parteiorgans nicht zu sehr in An- spruch nehmen wollten. Um aber zu zeigen, daß wir keineswegs in Lethargie verfallen sind, so will ich hier eine kleine Zusammenstellung der im Laufe dieses Sommers Hierselbst stattgefundenen Volksversammlungen geben. Außer den Versammlungen, welche im April und Juni Hierselbst stattgefunden, worüber die Parteigenossen F. W. Frick und F. H. Klute s. Z. berichtet haben, hielten wir am 24. August eine Volksversammlung ab, worin Parteigenosse A. Glebe aus Hannover über„die heutigen Preßzustände" unter allgemeinem Beifall referirte. Parteigenosse A. Dreesbach aus Creseld hielt am 14. September einen gediegenen Vortrag über„die verschiedenen politischen Parteien und ihre Stellung der Arbeiterfrage gegenüber". Am 1. November sprach abermals Freund Glebe aus Hannover bei uns in einer eben so zahl- reich besuchten Versammlung wie die früheren. Diesmal war die Ta- gesordnung„die projektirte Verdoppelung der Biersteuer, die Einfüh- rung einer Petroleumsteuer, und wie ist derselben entgegen zu treten?" In einem gediegenen Vortrage legte Redner die Beweggründe dieses Steuerprojektes dar und wies nach, daß das arbeitende Volk immer und stets am schlechtesten dabei wegkomme. Redner zeigte, daß immer nur diejenigen Artikel, welche das arbeitende Volk konsumirt, das höchste Einkommen des Staates ergeben, wogegen der Champagner und dergleichen Artikel, welche der Bourgeois konsumirt, niemals eine Steuererhöhung zu erfahren hätten. Folgende Resolution wurde ein- stimmig angenommen und beschlossen, selbige dem deutschen Reichstage zu übermitteln;„In Erwägung, daß das indirekte Steuersystem ein solches ist, unter welchem niemals eine gleichmäßige Besteuerung der bemittelten und unbemittelten Klassen stattsinden kann, erklärt sich die heutige Volksversammlung in Minden entschieden gegen die Erhöhung der Biersteuer und Einführung der Steuer auf Petroleum." Eine Tellersammlung ergab die Summe von K.til Rm. Mit social-demokr. Gruß G. Siepert, Schriftführer. �Auabrürk, 5. Oktober.(Volksversammlung.) Heute hielten wir eine Volksversammlung ab mit der Tagesordnung;„Die Erhöhung der Biersteuer und Einführung der Pctroleumsteuer." Nachdem die Bureauwahl vollzogen, wobei Herr Schwarz als Vorsitzender und Unterzeichneter als Schriftführer gewählt wurden, erhielt Freund Klute das Wort. Derselbe erläuterte in kurzen aber trefflichen Worten, daß nur das arbeitende Volk durch die Erhöhung der Bierstcuer und Einführung der Petroleumstcuer leiden würde. Warum besteuert man nicht den Champagner, Austern u. s. w. Referent geißelte vorzüglich mit scharfen Worten die Einführung der Petroleumsteuer, die nur auf das arbeitende Volk gebürdet wird, indem doch das meiste Petroleum von den weniger bemittelten und ärmeren Klassen konsumirt wird. Referent betonte außerdem noch scharf, daß Preußen, welches sich doch den kultivirtesten Staat nennt, im Schulwesen so schlecht stehe. Wir wollen nicht so viel indirekte Steuern und wollen kein so großartiges Militär-Budget, wir wollen aber unbedingt ein höheres Schul-Budget, weshalb wir verpflichtet sind, entschieden gegen die heutigen Verhält- nisse Front zu machen, was am besten dadurch möglich ist, wenn wir unsere Stimmen bei der nächsten Reichstagswahl nur solchen Männern geben, welche für eine Besserung der Lage der Arbeiter wirken. Es wurde nun folgende Resolution eingebracht und angenommen;„Die heutige Versammlung protestirt entschieden gegen die Erhöhung der Bier- und Einführung einer Petroleumsteuer. Gründe: Das arbeitende Volk, auf dessen Schultern schon fast sämmtliche Steuern gebürdet sind, würde auch hiervon vorzugsweise betroffen werden. Ferner ist es auch ein ökonomischer Fehler, Konsumtions-Artikel mit Steuern zu belegen. Das arbeitende Volk, welches in den letzteren Jahren durch die Ge- schästskrisis schwer gelitten, isi faktisch nicht im Stande, neue Steuern zu Gunsten des Militär- Etats zu zahlen."— Mit social-demokra- tischem Gruß: � Remtsch. Hann.- Muudc», 7. Novbr.(Allgemeiner Bericht-) Am 18. Oktober hielten wir hierorts eine Volksversammlung ab, worin Herr E. Strecker aus Cassel zur Zufriedenheit aller Anwesenden referirte. Einzeichnungen in die Mitgliederlisten der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands fanden statt. Am 8. d. M. fand ebenfalls eine ziemlich gut besuchte Volksversammlung mit der Tagesordnung; „Die projektirte Erhöhung der Bier- und Einführung der Petroleum- und Börsensteuer", statt. Als Referent war anwesend: Herr I. Henneberg aus Cassel, welcher ebenfalls die Tagesordnung zur Zufriedenheit erledigte. Nachdem Unterzeichneter noch Einiges hierzu bemerkt, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen;„In Erwägung, daß die Bier- und Börsensteuer, sowie alle indirekten Steuern nur eine wirthschaftliche Schädigung der arbei«nden Klasse mit sich bringt, er- klärt die heute hier tagende Volksversammlung, den Reichstags- Abge- ordneten des Kreises Göttingen, Herrn von Adelebsen, aufzufordern, gegen diese projektirte Steuer zu stimmen." Ebenfalls sollte die Re- solution durch den Vorsitzenden der obigen Versammlung an die sociali- stischen Abgeordneten übermittelt werden. In beiden Versammlungen fungirte Unterzeichneter als Vorsitzender, G. Heinel als Beisitzer und I. Bode als Schriftführer. G. Gieß. Berlin, 4. Nov.(Aufruf an die Schuhmacher Deutsch- lands.) Kollegen! In Nummer 125 haben wir unsere Petition in Betreff der-Einführung eines gesetzlichen Normalarbeitstages sowohl als Regelung resp. Aufhebung der Zuchthaus- und Gefängnißarbeit veröffentlicht und wenige Städte sind es nur, die sich mit den Bus) führungen wie mit dem Inhalt dieser Petition einverstanden erklärten. Ich fordere nochmals die Schuhmacher Deutschlands auf, sich mit dieser Petition ernsthaft zu befassen, die Nothwendigkeit brauche ich wohl nicht zu erörtern, aber an die Ehre der Schuhmacher.Deutschlands fühle ich mich gezwungen, zu appelliren, damit Ihr nicht durch Euren Jndiffe- rentismus dem Feinde noch mehr Muth einflöht. Zeigt, daß Ihr Männer und im. Stande seid für Eure eigenen Interessen einzutreten. Ruft allerorts Versammlungen ein und diskytirt über die Petition, denn erst dann werden wir beim Reichstage Gehör finden. Sollten die umliegenden Städte von Berlin, wie z. B. Brandenburg, Potsdam, Cottbus, Finsterwalde, Forste, Kala», Jüterbog!, Luckau, Wriezen, Cüstrin, Landsberg, Stettin und andere Städte, eine Agitation in dieser Agelegenheit wünschen, so mögen selbige sich gn Unterzeichneten wenden. Also, Schuhmacher Deutschlands, wacht auf aus dem tiefen Schlaf und geht nicht Eurem Ruin muthwillig entgegen. Organisirt Euch, rafft Euch zusammen! Rettet Euch, Eure Ehre, Eure Familie, Eure Freiheit und Eure Existenz. Schickt so schnell wie möglich Unterschriften ein in Betreff der Petition. Mit kollegialischem Bruderqruß C. H. Szimmath, Bergstr. 80 bei Dolz. XB. Ich bemerke noch, daß es nicht genügend ist, wenn Jemand schreibt, daß 150 Schuhmacher u. s. w. sür die Petition gestimmt haben, sondern ein Jever soll seinen Namen selbst unterschreibe». Berlin, 5. November.(Verband der Tapezierer und ver- wandten Fachgenossen.) Da aus unsere Aufforderung bis dato noch keine Beschwerde gegen den prollamirten Ausschuß eingegangen, so betrachten wir denselben für allseitig genehmigt. Von verschiedenen Orten sind ungenügend srankirte Briefe eingegangen; es entstehen da- durch doppelte Kosten, welche nur der Post zu Gute kommen. Wir ersuchen, künftig darauf zu achten. Bei Geldsendungen ist der Zweck auf dem Koupon zu bemerken und der Ort der Absendung anzugeben. Quittungen werden den Vereinen nicht eingesendet, sondern haben die Kassirer die Postscheine als Beläge aufzubewahren, sowie aus die Ver- önentlichung der eingegangenen Gelder in unseren Verbands-Organen zu achten. In unser Kongreß-Protokoll hat sich aus Versehen ein Feh- ler eingeschlichen, indem der Delegirte für Stuttgart und Augsburg, Herr Ettmüller, bei Aufzählung der Delegirten nicht verzeichnet steht; wir ersuchen daher, dasselbe in den Versammlungen zu berichtigen. Ferner ersuchen wir die Vorsteher, die Mitgliederlisten, sowie Eintritts- und Protokollgelder recht bald einzusenden. Kollegen! Durch Geneh- migung des Ausschusses ist die Konstituirung unseres Verbandes nun- mehr vollständig vollzogen, und gilt es nunmehr, denselben nach allen Richtungen auszubauen. Thue also Jeder von uns seine Schuldigkeit; suchen wir, immer mehr neue Mitglieder zu gewinnen, sowie in näch- ster Umgebung neue Mitgliedschaften zu begründen; besonders Kollegen SüddcutschlandS, seid thätig; Ihr habt noch ein größeres Feld vor Euch. Der Ausschuß wird Euch darin thatkräftig unterstützen. Vor Allem erwarten wir aber van Euch ein festes Zusammenhalten in der bevorstehenden schlechten Geschästsperiode. Suchen wir allseitig unsere Kräfte anzuspannen, um unsere hülfsbedürstigen Verbandsgenossen möglichst zu unterstützen; besonder» sorgen wir in unseren Arbeits- Rachweisebureaus in erster Linie für unsere Mitglieder. Genossen! Unsere Lerbands-Organe„Volksstaat" und„Neuer Social-Demokrat" sind uns eine gute Stütze in unserer Sache, indem dieselben uns un- entgeltlich zur Besprechung unserer Angelegenheiten ihre Spalten öff- nen, da sind wir wohl auch verpflichtet, denselben einen größeren Leser- kreis aus unserer Mitte zuzuführen. Es ist auch in sofern nothwen- dig, damit wir auch die gesammte Arbeiterbewegung, insbesondere die der anderen Korporationen, welche schon Erfahrung gesammelt haben kennen lernen und das sür uns Nützliche daraus entnehmen; zwarjwird es Vielen allein zu schwer; nun, da mögen Mehrere zusammentreten, besonders in Werkstätten, wo mehrere Kollegen arbeiten, die können wohl noch eins von unseren Organen halten. Genossen, sorget also für die weiteste Verbreitung unserer Verbands-Organe. Mit kollegialem Gruß Der Ausschuß. I. Auftr.: Fr. Kaufmann, Vorsitzender, Berlin. C. Stralauerstr. 44, 2. Hof, II. Berlin, 5. November.(Verband der Tapezierer und ver- wandten Berufsgenossen.) Im Monat Oktober sind folgende Gelder eingegangen; Stettin, in 2 Raten, Mk. 11,75, Hannover 30,00, Augsburg 16,00, Karlsruhe 9,25, Leipzig 24,00, Glogau 4,50, Frei- burg i. B. 13,35, Stuttgart 9,50, Frankfurt a. M. 42,40, Lübheck bei Stadthagen 1 Mk.— Mit kollegialischem Gruß H. Nicolas, Kassirer, Berlin 30., Britzerfir. 31, III. (Ziesten, 8. November.(Allg. deutscher Schneiderverein.) Wegen vielfacher Meinungs-Difserenzen bezüglich der an die Hauptkasse einzuschickenden Gelder verweise ich auf die Kongreß-Verhandlungen (Protokoll Seite 34). Es heißt dort(die§§ 3 und 4 wurden in einen verschmolzen) folgendermaßen; Z 3. Die Hälfte des jedesmaligen, nach monatlichem Rechnungs-Abschluß sich ergebenden Kassenbestandes u. s. w. ist an die Hauptkasse, und zwar bis zum 15. eines jeden Mo- nats, einzusenden. Das Statut, sowie die Abrechnungs-Formulare, sind genau danach eingerichtet. Auf den Abrechnungs-Formularen heißt es an einer Stelle;„Bücher ersetzte." Darunter sind die Bücher zu verstehen, welche sich Jemand zum zweiten Male geben läßt, weil die ersten zum Eintritt gegeben werden, und kostet alsdann ein Statut- Exemplar 0,10 M., ein Ouittungsbuch 0,15 M. Man wolle hierauf genau achten, weil anders aufgestellte Abrechnungen von uns nicht an- genommen werden dürfen. Bezüglich der monatlichen Abrechnung mö- gen diejenigen Mitgliedschaften, welche bis 25 Mitglieder zählen, wohl monatlich abrechnen, die Abrechnungen sammt Geld aber alle 3 Monate einschicken. Es hat dieses keinen Bezug auf die Abrechnungen deS Kr.-Unterst.-Bundes; derselbe wird quartaliter abgerechnet und das 1, des Bestandes an die Hauptkasse geschickt, wie früher. In letzter Zeit ist es öfter vorgekommen, daß Zureisende ihre Bücher nicht in Ordnung hatten, beziehentlich die Untcrstützungs-Legitimationen unrichtig ausge- stellt waren. So einfach die Sache ist, wolle man doch auf Folgendes achten: Sobald ein Kollege von einem Orte abreist, muß der Bevoll- mächtigte zuerst nachsehen, ob der Betreffende noch Steuern restirt; diese sind zuerst zu entrichten und vom Kafsirer zu stempeln. Alsdann schreibt der Bevollmächtigte auf die für die Unterstützungs-Legitimation bestimmte Seite: Inhaber dieses ist bis heute seinen Verpflichtungen nachgekommen, fügt seine(des Bevollmächtigten) Unterschrift, sowie Ort und Datum bei, drückt den Ortsstempel darunter, und die ganze Sache ist in Ordnung. Der Abreisende, welcher sein Quittungsbuch nicht in Ordnung bringt, kann keine Unterstützungs-Legitimation ausgestellt be- kommen. Hoffentlich wird dies genügen, um fernere Unregelmäßigkeiten zu verhindern. Mit brüderlichem Gruß I. A.; V. Klerx. P. S. Herr Lohrey ivohnt nicht Mühlop, sondern Mühlgasse II. 72. Bremerhaven, 5. Nov.(Allg. deutscher Schneiderverein.) Allen Kollegen zur Nachricht, daß wir am hiesigen Orte ein unentgclt- liches Arbeitsnachweise-Bureau errichtet und dessen Führung unserem strebsamen Herbergswirth, Herrn Pleffe, übertragen haben. Wir machen daher alle zureisende» Kollegen aufnierksani, nur auf unserer Herberge, bei Herrn Pleffe, Geeststraße 37, zu verkehren. Jeden Dienstag halten wir auch unsere Versammlungen dort ab; ebenfalls ist dort auch das Nähere über die Reiseunterstützung zu erfahren. Mit brüderlichem Gruß W. Grahl. Alle Arbeiterblütter werden um Aufnahme dieses gebeten. Hamburg, 9. November.(Allgemeiner deutscher Schiffs- zimmerer-Verein.) Alle Bevollmächtigte mache ich darauf aufmerk- sam, daß alle Gelder für die Genossenschaft immer an einem bestimm- ten Tage, und zwar am 15. jedes Monats, an Schuck für bestimmt eintreffen müssen, indem er sich an diesem Tage zu Hause halten und die Gelder in Empfang nehmen wird. Die jetzigen eingelaufenen Gel- der müssen also am 15. dieses Monats bestimmt eintreffen. Der Strike in Lübeck dauert, nach wie vor, ernsthaft fort.„Neues" seit in den- letzten von mir ausgegebenen gedruckten Briefen ist bis jetzt nicht vor- gefallen. Mit social-demokratischem Gruß H. Groß. Duisburg, 4. Nov.(Zur Beachtung.) Unterzeichneter jnacht hierdurch den Mitgliedern der Socialistischen Arbeiterpartei, sowie den Abonnenten des„Volksstaat" und„Neuen Social-Demokrat" bekannt, daß unser Verkehrslokal bei August Krupps in der Wilhelmstraße ist. Auch mache ich hiermit den Parteigenossen, sowie allen Arbeitern Duis- burgS und Umgegend diejenigen Wirthc bekannt, wo unsere Partei- Organe ausliegen und ist es Pflicht der Arbeiter, üur da zu verkehren. Wenn Jemand durch irgend einen Umstand anderswo verkehren muß, so ist es eben seine Pflicht dafür zu forgen, daß der Wirth unsere Parteiblätter halten muß. Es halten unsere Parteiorgane folgende Wirtbe; August Krupps, Wilhelmstr.; Adolph Fry, Weinhausmarkt; Otto Werth, Beekstr.; Deütschmann, Breiteste.; I. Dominikus, Breitestr.; Georg Pieps, Will). Muntenbruch und Albes, Crefelderstr.; Hohenschuh, Eickershof, Dammstr.; August Koppeirburg, Peter Bois, Peter Gileß, Hochfeld. Auch können bei folgenden Zeitungs-Kommissions-Mitgliedern die Parteiorgane, der Kalender für 1876 und sämmtliche socialistische Broschüren bestellt werde»; Heinrich Fennmgnn, Peter Thiesen, Wilh. Bach, Bringü jr. am Bahnhof'und Michael Schäfer. Im Auftrage der Kommission: Michael Schäfer. störst, 5. November.(An die Parteigenossen in Triebet.) Da ich Sonntag, den 14. d. M. in Triebet verweilen werde, so ersuche ich die Parteifreunde daselbst, alle Freunde und Gesinnungsgenossen darauf aufmerksam zu machen und ein Beisammensein zu veranstalten, indem ich mit Parteikarten und Kalendern versehen bin. Parteigenossen, thut Eure Schuldigkeit, damit mein Bemühen mit dem besten Erfolge gekrönt wird, denn nicht lange mehr, so schreiten wir zur Wahl. Also muthig an's Werk, damit wir bei der nächsten Reichstagswahl Sieger sind. Mein Aufenthalt daselbst ist bei Wilhelm Ruder, Schubmacher- meister. Mit social-demokratischem Gruß: Gustav Hohlfeld, in Berge bei Forst. Die Herrschaft des Kapitals. (Fortsetzung.) Zunächst wollen wir auf die sittlichen Verhältnisse innerhalb unserer heutigen Gesellschaft eingehen; da ja gerade dieser Punkt von Denjenigen, welche die heutigen Zustände für„ausgezeichnet" erklären, ganz besonders hervorgehoben wird. Vorzüglich verweist man hierbei auf die Zustände im Alterthum, sowie auf die im Mittelalter, worüber uns die Geschichte, was Rohheit und Ent- sittlichung anbelangt, aus dem Leben der Völker die genügendsten Beweise liefern soll, daß wir doch jetzt in dieser Beziehung einen gewaltigen Fortschritt gemacht haben. ?iun, wenn es auch Thatsache ist, daß die Geschichte uns Zustände vor Augen führt, welche heute nicht mehr möglich sind, da sich das sittliche Gefühl Aller dagegen sträuben würde, wie z. B. gegen Vorkommnisse der Art, wie es die Gladiatorenkämpse in Rom waren, ebensowohl wie die unmenschlichen Grausamkeiten römischer Kaiser, die Massenmorde der Arbeiter(Sclaven), sofern ihre Zahl so heranwuchs, daß dieselbe gefahrdrohend für die Her- ren wurde u. s. w., so muß man doch hierbei sehr wohl in Be- tracht ziehen, daß wir in dem Zeitalter des„Scheins" leben, wo eben in jeder Beziehung, also auch hinsichtlich der„Rohheit" und„Grausamkeit" eine Formänderung, eine raffinirte Verfeine- rung im Allgemeinen eingetreten ist, ohne jedoch im Wesen selbst eine besondere Veränderung vorgenommen zu haben. Blicken wir z. B. aus unsere jetzigen Kriege hin, wo�in einem viel größeren Maßstabe als in früheren Zeiten der Tod seine Opfer fordert. Unwillkürlich werden wir uns hierbei sagen müssen, wenn wir die Tausende der Gefallenen und zum Krüppel Gewordenen gedenken, daß der Krieg vollständig gegen das mensch- liche Gefühl verstößt und daß zwischen den Massenmorden der Jetztzeit und denen des Alterthums nur in der Weise ein Unter- schied vorhanden ist, als heute die Menschen auf eine viel schnellere Weise vom Leben zum Tode befördert werden, als es ehedem der Fall war. Was die„Rohheit" in der jetzigen GeschichtSperiode gegen- über den früheren betrifft, so läßt sich thatsächlich in gar keiner Weise ein gewaltiger Untepschied vorfinden; denn wenn auch heute nicht die Arbeiter(früher Sclaven) von ihren Herren zu Taufen- den ohne jegliche Veranlassung als diese, daß ihre Zahl eine zu immense geworden, hingeschlachtet werden können, so werden doch in der heutigen Gesellschaft die Arbeiter zu Tausenden aus der Arbeit entlassen, also thatsächlich dem Hunger preisgegeben; da eben bei Arbeitskrisen, welche durch unsere heulige Produktions- weise bedingt sind. Tausende von Arbeitern oft keine Arbeit wiederfinden und so dem Elende erbarmungslos überliefert wer- den. Ein Theil dieser Bedauernswerthen sucht durch Selbstmord diesem drückenden Dasein zu entgehen, während ein anderer Theil auf andere, gegen die heutige herrschende Gesellschaft und deren Gesetze verstoßende Art und Weise sein Leben zu fristen sucht. Wenn wir nun diesen Thatsachen gegenüber sehen, daß ein Theil der Menschen, welche doch zu etwas Höherem prädcstinirt sein wollen, sich diesen Zuständen gegenüber nicht blos passiv verhält, sondern diese Zustände noch für die besten der möglichen erachtet, dann müssen wir unbedingt eingestehen, daß die Men- schen in sittlicher Beziehung durchaus keine so gewaltigen Fort- schritte gemacht haben, als es von den Lobhudelern des heutigen GesellschaftszustandeS immer behauptet wird. im Großen und Ganzen anbelangt, so stehen wir heute nicht auf einer höhe- ren, sondern in vielen Beziehungen auf einer niedrigeren Stufe; denn die alleinige Herrschaft des Kapitals hat eben einen Zu- stand vollendester Korruption geschaffen. Alle Begriffe, wie sie der Mensch für etwas Edles in sich aufgenommen, lassen sich heut mit dem einem Worte„Geld" bezeichnen. Keine Ehre, keine Achtung, keine Tugend existirt, sofern nicht das nöthige Quantum„klingender Münze" vorhanden ist. Die Familie, von deren Heiligkeit die heutige herrschende Gesellschaft so unendlich oft spricht, sie existirt nicht mehr; nichts destowcniger aber wagt man den Social-Demokratcn, welche mit aller Energie darnach streben, das Band der Familie wieder zu knüpfen, vorzuwerfen, daß sie die Familie auflösen wollten, weil sie Verehrer der freien Liebe wären. Wem steigt da von den denkenden Arbeitern nicht das Blut in's Gesicht über solche bubenmäßige Ausführung, wie sie vor- züglich so unendlich oft durch die Presse gemacht wird. Heute, wo die bitterste Roth bei den Arbeitern die Zusammengehörigkeit der Familie zur Illusion gemacht hat, da wagt noch eine korrum- pirte Presse von der Heiligkeit derselben zu sprechen? Wahrlich, man muß die Kühnheit unserer Presse bewundern, noch mehr aber die Arbeiter, die angesichts der Verhältnisse, in welchen sie leben, noch diesen Ausführungen Glauben schenken können. Selbst das Gefühl, welches man als das heiligste hinzustellen wohl be- rechtigt ist, das Gefühl der Elternliebe, es ist unter der Macht des Geldes geschwunden. Nicht die Klage über den Tod eines der Erzieher ist es, welche man von den Lippen der Hinterblie- denen hört, sondern nur von berechnenden Worten dahin gehend, wie viel?tutzen wohl der Tod des Vaters oder der Mutter bringen wird, fließt der Mund über.— Traurige Wahrheiten! Blicken wir aber nun auch einmal hin auf die Presse, welche die heutige Ordnung vertritt, und hören wir, wie sie über den „Auswurf der Menschen", über die sogenannten„Prosti- tuirten", urtheilt, und wir werden finden, daß sie in ihrer schein- heiligen Entrüstung nicht genug der Worte des Ekels für diesel- den in Anwendung bringen kann. Und doch sind jene Bedauerns- werthen nicht durch die Erbärmlichkeit ihres Charakters, nicht sind sie durch ihren eigenen Willen auf die Stufe nder Prostitu- tion getrieben, sondern sie sind durch �dic Verhältnisse, in welchen wir leben, dahin gedrängt worden. Sehen wir uns um in den Fabriken und fragen wir einmal die dort beschäftigten Arbeiterin- nen, wie hoch ihr Lohn sei, und wir werden größtentheils einen Lohnsatz von 2— 3 Thlrn. pro Woche vorfinden. Dafür aber sollen sich jene Personen nicht blos nähren, sondern auch kleiden und wohnen. Wie ist dieses möglich? Run, die Erklärung ist für Denjenigen, welcher in einer Fabrik gearbeitet, nicht schwer; denn anstatt eines ordentlichen Mittagessens verzehren diese Un- glücklichen für einen halben Groschen Kaffee oder Milch und für eben so viel Geld Brod. Des Abends ist ihr Mahl gewöhnlich auch nicht besser gestellt, und so ist denn, wenn auch nicht der Hunger, so doch stets die Entbehrung,� der tägliche Gast der Fabrikarbeiterinnen. Aber trotz dieser Entbehrung, welche sie sich auferlegen, können sie doch nicht anders, als in dumpfen Räumen, wo Körper und Geist verkümmern, wohnen. Und auch in ihrer Kleidung vermögen sie nicht den Ansprüchen der heutigen Gesellschaft zu genügen; denn bekanntlich wird ja der Werth eines Menschen nach seinem Aeußern tarirt. Und so vegetiren denn die Töchter der Armen, der Arbeiter, verachtet, mit Entbehrungen kämpfend, in der heutigen Gesell- schaft. Nach der Tugend and Ehre dieser Armen fragt Riemanb. Und wenn dann jene, ewig mit der Roth ringenden Geschöpfe sich verheirathen, in welcher Weise tritt dann eine Acndcrunq in ihrem Leben ein? Welcher Lohn wird ihnen, die da die Tugend höher schätzen als das Gold? Nun gewiß ein sehr reichlicher. Doch es ist anders. Erst darbte sie als Arbeiterin allein, und nun, wo sie verheirathet, da darbt sie mit ihrem Mann und ihren Kindern zusammen. Ja, das und nichts Anderes ist der Lohn der Ehre und Rechtschaffenheit in der heutigen Gesellschaft. Und nun fragen wir, wie steht es mit Denen, welche man zu den„Gefallenen" zählt, mit Denen, die ihren Leib und ihre Schönheit verkaufen? Nun, größtentheils verleben sie ihre Ju- gend wenigstens in besseren Tagen, und wenn das Alter kommt, dann— kann ihnen ein traurigeres Loos, als das der bittersten Entbehrung, auch nicht beschieden werden. Aber wie unendlich oft ist es nicht selbst der Fall, daß die- jcnigcn, welche den Kelch des Genusses bis zur Hefe leerten, so- gar auch einem sorgenfreien Alter entgegengehen, weil diejenigen, denen sie ihre Freundschaft schenkten, dieselbe womöglich mit Tau- senden von Thalern belohnen. Wenn solche Fälle auch nicht häufig vorkommen, so ist es doch der Fall, wo Schönheit mit Berechnung gepaart zusammenwirken. Ja, man findet auch häufig diejenigen, welche mau erst als Personen zweideutigen Rufes kennen gelernt hatte, später als Gattinnen von angesehenen Män- nern wieder. Ist es da ein Wunder, wenn die Prostitution immer mehr und mehr um sich greift? (Fortsetzung folgt.) In Nr. 131 d. Bl., Rubrik„Innere Partei-Angelcgenhei- ten", 10. Zeile von Oben muß es heißen: Meiborg's Cia.-Fabrik d. Aug. Brauer 3,00, statt d. Traner. Zur Beachtung. Die Adresse des Sekretariats der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands ist jetzt Pferdemarkt 37 III. in Hamburg. C. Derossi. z Briefkasten. In den nächsten 6 Wochen findet in Berlin eine größere Zahl Volksversammlungen statt. Ich erwarte von den Genossen, daß sie den bewährten Eifer nicht erkalten lassen, soivohl in diesen, wie in den Bezirks-Versammlungen zahlreich erscheinen und für Wciterverbreitung sorgen werden. A. Hcinsch. Neumünster. Zur"Beachtung. Alle Briefe in Parteiangelegen- heiten sind vom 1. November an H. Bülk, Harb Nr. 28 zu richten. Herrn 2. W. Wenn das System, das der betreffende Cigarren- Fabrikant seinen Hausarbeitern gegenüber eingeführt hat, wirklich aus Wahrheit beruht, so nennen Sie mir ihren vollen Namen, ich werde dann das Weitere besorgen. Herr B. Schalitz, Cigarren-Arbeiter aus Klein-Zschochcr, früher in Potsdam, wird freundlichst um seine jetzige Adresse ersucht. H. Rackow, Mariannenplatz J4, Berlin.' Den Cigarren- Arbeitern Altona'g und den auswärtigen Kollegen zur Nachricht, daß meine Adresse folgende ist:'Friedrichbadcrstr. 84, Ii. W. Bornemann. Stettin. Das eingesandte Gedicht ist, trotz mancher ansprechenden Stelle zum Abdruck in unser Blatt doch nicht recht geeignet. Freund Baelhkc. Ersuche Dich, dieser Tage zwischen 12— 2 Uhr 'Mittags auf der Erpedition vorzusprechen. Rackow. Berliu. Arbeiterversammlungen: Sonnabend,-llt. Nov., Ab. H Uhr, I) Gratwcil'S Bicrhallen, ob. Saal. Portrag des Hrn. Heiland. Verschiedenes. 2) Elsaffcrstr.»7 bei Zoller, Vortrag des Herrn Paul. Verschiedenes. In beiden Versaminlunge» bittet um zahlreiche Betheiligung A. Heinsch. Zur Beachtung! Sonntag, 14. Nov., Vorm. 10 Uhr, im großen Saale der Norddeutschen Brauerei, Chaussee- und Liesenstr.-Ecke. Volksversammlung. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten W. Liebknecht. Näheres die Plakate am Sonnabend. Die Montagsversammlung im Oranien- Salon fällt aus, dafür Mariannenstr. 31 in den Jndustriehallen. (F. 29.) A. Heinsch.[3,201 Vorläufige Anzeige. Sonnabend, den 4. Dezbr., �OUUU. Abends 8 Uhr. findet das Vereins-Kränzchen des Deutschen Zimmerer- Bcreins statt.(?. 98.)[2,201 _ Das Vergnügungs-Comits. Sonntag, 14. Nov., Vorm. 10 Uhr, bei Vogel, Alexanderstr. 31, Geschl. Mitssliederversammlunss des Allg. Tischler(Uchrciner-) Vereins. T.-O.: Ausstellung der Kandidaten zur Deputirtenwahl. Reue Mitglieder werden aufgenomnien. Die Kontroleure müssen zeitig am Platze sein._ W. Schmitz.[2,40] Berlin. Der Gesangverein„Vriiderlichkcit" ladet alle Vorstände der socialistisch gesinn- ten Gcsangovcrcine Berlins behufs einer Besprechung zu Sonnabend, den 20. Novbr., Abends 8'/, Uhr, bei Vogel, Alergnderftraße 3l, ein.[1,80] I. A.: Wienecke. Burger. Bude. ftiavltt» Sonnabend, 13. November, Abends 3'/. Uhr, Andreasstr. 20 bei Göttel, lÖcffcntliche Holzarbeiter-Bersammlung. T.-O.: Vortrag. Verschiedenes. I. A.: Mit an n.[1.20] Mflotleb Sonnabend, 13. Nov., •(UUMllU Abends 8', Uhr, in Koppelmann's Salon, Versammlung sämmtlicher Krallkcnkusicn-Mit- stlicder Altona's. T.-O.: 1) Die Bundesrathsvorlage oder das fernere Bestehen der freien Kranken- lassen, 2) die Resolution an den Reichs- tag, 3) Wahl einer Kommission der Kran- kenkassen Altona's. Es laden ein die Vorstände 48 verschie- deuer Kranken- und Sterbekassen. (F. 20.) Fm Auftrage:[5,80] Otto Reimer, Reichstagsabgeordneter. I. I. W. Schöneberg. D. Dallmeyer. I..H. Schmidt. C. G. Krohn. I. H. P. Groß. B. Eckstein. H. Iungjohann. P. Krimmson. Dagelow. C. W. H. Brandt. C. I. Schumann. P. A. F. Siewers. W. Wolff. C. G. Schonkeil. R. I. F. Bekmann. Verdik. Thorsen. S. Kempfel. W. Meyer. Chr. Graßmann. I. F. Schmidt. I. Wulff. Berger. Winterfeld. Born. Stuht. H. H. Mohr. D. Riß. C. O. Tüller. Wen. Sonnabend, 13. Nov., �mUUUUll. Abends 8 Uhr, im Vereinslokale Mittelftr. 11, Generalversammlnng dcS Socialdemokr. WnhlvcrcinS. T.-O.: Abrechnung. Neuwahl des ge- sammten Vorstandes. Lesezimmer-Ange- legenheit. Verschiedenes.— Rur Mitglieder haben Zutritt. Wegen der Wichtigkeit der Vers, alle Mann am Platze. D. Vors.[2,00] Hannover. Sonntag, nach dem Markt, im Posthorn zu Linden: Großes Coneert und Bull. Karten, zum Concert 23 Pf., für's ganze Fest 75 Pf., nach dem Concert auch 73 Pf., sind zu haben bei Rudolph und Boge, Mittelftr. 11; Glebe, Fannystr. in Linden; Mathes, Neuestr. 43, und an der Kasse.— Anfang des Concerts 4 Uhr, des Balles 8 Uhr.[F. 100] Z.A.: Rudolph.(3,00) Sonnabend, 13. Nov., Abds. 6 Uhr, ge- müthl. Beisammensein der Parteigen, von Limmer bei Herrn Kirgeleis(im Krön- prinz).___ Reichenbach.[0,80] Bruder Julius Ploetz laß mich wissen, wo Du wohnst. Meine Adresse ist: Fischer- brücke 23, Berlin. Kässirer der Zimmer- gesellen-Krankenkasse: F. Ploetz.[2,00] Sonntag, 14. November,: Vorm. 11 Uhr, �bei Hrn. Brandenberg, Grabenstr., Sehr wichtige Besprechung in Angelegen» heit des WahlvercinS. A. Kreme.r.[1,40] KrUiighuscu.?.«�-!, beim Gastwirth Härder(Stadt Kiel),\ Volksversammlung. Ref.: Herr Mathaei aus Hamburg. I. H. Strüvcn. Abends 6 Uhr: Arbeiterfest und Ball. Alle Arbeiter von hier und der Umae- gend sind freundlichst eingeladen.[2,20] __________ Das Arbeiter-Festcomits. Halle a. Z!. Sonntag, 14. Nov., Abends 7 Uhr, Großes Arbeiter- Ver- brüderungs-Fest von sännntlichen Gcwcrksge- uossenschaften und der soeia- liftische» Arbeiterpartei. Im festlich decorirten Saale: Concert. Fcstrcdc, gehalten von Hugo Rödiqer. Tcklamatorifchc Vorträge:c. Nach diesem: Ball. Programme zum Concert und Ball für einen Herrn nebst Danie 1 Mark; Pro- gramme zuni Concert ü Person 23 Pf- sind bei allen Bevollmächtigten der Gewerkichai- ten und bei den Agenten der Socialistischen Arbeiterpartei zu haben. Alle auswärtigen Partei- und Gewcrks' genoffen werden eingeladen und haben freien Zutritt. Parteikarte und Statut legitimirt. Das Comits.[4.80] Sonntag, 14. November» � UtvU.u IJ. Parteivcrsammlung im Lokale des Hrn. A.Krupp, Wilhelmstr- T.-O.: Die neuen Gesetzesvoriagen>»> deutschen Reichstag, als: Strafgesetznovcllr, Bier- und Petroleumsteuer je. Referenten: Die Herren Strumpen auä Essen und Herr Kühl aus Barmen. Zutritt frei. Der Agent.[2.00] Parteig. Berlins empf. m. Schuh- u. Stiefel- Lager. 51. Ludwig, Oranienstr. 71.[l.Offj Kl. Elbstr. 22, im alt. engl. Lade». Meinen geehrten Parteigenosse" empfehle meinUhrcnlager. paraturcn unter Ijähr. Garantie- A. Griigcr, Uhrmacher, Skatitzerstr. 120, Ecke Mariannen' sttaße, Berlin SO.[3,00j Druck und Verlag der Allg. deutschen Associations Buchdruckerei zu Berlin, Eingetragene Genossenschaft, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 3a. Verantwortlich für die Redaction: A. Küster in Berlin.