Nr. 18?. Freitag, der 19. November 18?5. Diese. Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Neuer Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgegengenommmen. ocial-Vemokrat. Organ der Sonalistischm Arbeiter-Partei Deutschlands. 3. Jahrgang. Rcdaction u. Expedition: Berlin, 8V., Kaiser Franz-Grenadier-Pl. La. Inserate (nur in der Expedition auszu- geben) werden pro fünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. berechnet. Ver- sammlungs. Annoncen die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Re- klame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. ÄbonnemcntS-PreiS: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich praeuumero.näo! Nm. 95 Pf., monatlich«5 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. 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Feuilleton: Die Armen und Elenden. Tie„reattionäre Masse".*) i. Der Staub, den die Bezeichnung der bevorrechteten Klassen als einer reaktionären Masse in der Presse ausge- wirbelt hat, legt es uns nahe, hier einmal die prinzipielle Bedeutung dieses Ausdruckes zur Sprache zu bringen, um ihn unfern Gegnern gegenüber in der vollen Kraft des Prinzips aufrecht zu erhalten. Es mag auch unter den Arbeitern freilich Manche geben, welche, wie der Schreiber dieses, die Aufstellung des Satzes in solcher Stelle und sol- cher Fassung aus verschiedenen Gründen nicht befürwortet haben: allein kein Einziger wird in dem Satze das, was er eigentlich sein wollte, die Aufstellung eines Prinzips, ver- kennen, welches die Arbeiterklasse in aller Schärfe von den besitzenden und gewalthabenden Klassen abscheidet und diese ihr entgegenstellt als die Verkörperung allseitiger Reaktion gegen dieses Prinzip. Wenn der Geist einer neuen Zeit im Schooße der Gesellschaft sein Haupt erhebt, so chat er Recht und Pflicht, seine Fahne weit erkennbar wehen zu lassen, ob sie auch das Auge ihrer Gegner beleidige, um im bevorstehenden Kampfe die Scheidung der Parteien, Prinzip gegen Prinzip, zu bewirken. Und wir sind revo- lutionär, im Sinne Lassalle's, welcher vor dem Staats- anmalt freilich über dessen Anschauung spottet, uns mit ge- schwungenen Heugabeln auf der Straße kämpfend zu denken, aber auch vor ihm erklärt:„eine Revolution ist immer ein- getreten, wenn, gleichviel ob mit oder ohne Gewalt, ein ganz neues Prinzip an die Stelle des bestehenden Zu- standes gesetzt wird. So war die Entwickelung der In- dustrie eine in der friedlichsten Weise sich vollziehende totale Revolution, denn ein ganz neues Prinzip wurde dadurch an Stelle des bis dahin bestehenden Zustandes gesetzt.**) Um das„neue Prinzip" nun handelt es sich bei der Bezeichnung der herrschenden Gesellschaftsklassen als einer reaktionären Masse, um den Gegensatz des alten staatbil- denden Prinzips, welches jene vertreten, zu dem neuen, welches in der Arbeiterklasse allein Form und Leben ge- winnt. Unser Gesellschaftssystem, das es zu der herrlichen Kulturblüthe einer ungeheuren Mehrzahl von weißen Lohn- sclaven gebracht hat, verdankt diese Blüthe einer durch Ver- erbung auferzogenen und mächtig gewordenen Aristokratie, einem —„Im Fin stern wimmelt's ohne Brod und Recht Von Millionen". Dieses herrschende Gesellschaftssystem ist ausgebaut auf der Grundkraft des thierischen Lebens, dem Selbsterhal- tungstriebe, der im Menschen zum individuellen oder per- louUchctt Egoismus wird. Die Frucht dieses Triebes, welche eben zu der kümmerlichen und verzerrten Staaten- bildund des Klassenstaats geführt hat, ist das Recht des stärkeren oder die Ausbeutung des Nächsten durch den Nächsten. Mit wenig Kunst und viel Behagen kleidet der Machthabende seine Macht über den Schwächeren in die schützenden Formen des Rechts, der Gesetze, der Sitte. Das Prinzip unserör bürgerlichen Einrichtungen, das sich in tausend Formen wiederspiegelt, ist an sich sehr einfach. Ein großer Barrabas versammelt die kleinen Barrabasse um sich, die er anfangs mit dem Knüttel, in späteren Phasen vielleicht mehr mit List, Trug u. f. w. zur„Raison" ge- bracht hat, d. h. zu der Einsicht, daß man sich, um Schlim- »leres zu vermeiden, fügen müsse, und prägen ihnen als Bedingungen friedlicher Eristenz gewisse Vorschriften und Grundsätze der„Gesellschaft" ein, die das Maaß und den Antheil der Hülfe, resp. Arbeit ausdrücken, welche sie ihm, dem Stärkeren, zu leisten haben. Hierbei ist zunächst persönlicher Egoismus für sie maßgebend, er muß von ihnen *) Der obige Artikel wurde kurz nach dem Gothaer Kongreß mit �Kzugnahme auf das Programm der Socialistischen Arbeiter-Partei Deutschlands verfaßt und behandelt in treffender Weise eine der wich- Pste» Stellen deffelben. Die Red. **)„Die Wissenschaft und die Arbeiter". S. 46 f. bedient und besorgt werden. In Allem aber, was außer- halb dieser Schranken fällt, überläßt er sie wiedemm ihrem eigenen persönlichen Egoismus, damit dieser sich möglichst sättige, und schützt ihn sogar mit seiner Macht als ein „Recht" gegen die noch Schwächeren, welche unglücklich ge- nug sind, ihrerseits von Jenen unterdrückt zu werden. Das ist denn die„Ordnung" im Staat der„Frömmigkeit und guten Sitte", und dieser wird damit im Maße seiner Entwickelung zu einer mehr oder minder hohen, festen und prächtigen Pyramide, deren untersten Stufen, die breitesten und mächtigsten, an sich wenig zu bedeuten haben, vielmehr nur als nolhwendige Unterlage für die stolze Höhe Werth zu erhalten scheinen. Diese Höhe aber, die Spitze der Konstruktion des Egoismus, wird noch durch Heiligsprechung, als sei sie ein besonderes Werk Gottes, im Gegensatze zur Unterlage, dem Gebäude besonders auferlegt und gleichsam fest, unfehlbar und unverantwortlich gemacht. Gegen seine Alleinherrschaft, als gegen den unmittelbaren Ausfluß des Willen Gottes, dürfen die niederen, unter feiner Gewalt befindlichen Egoismen sich nicht mehr auflehnen, ohne gegen Gott sich aufzulehnen— d. h. geheiligt ist der Starke gegen den Schwachen; dieser soll dulden, dienen und ver- sinken.„Gottes Ordnung und Recht" nennt man das Recht des Stärkeren. Im Klassenstaate ist also die Ausbeutung des Nienschen durch den Menschen Gesetz, Sitte und Religion! Er ist daraus ausgebaut, daß ein Jeder seinen Trieben, Leiden- schaften, Begierden bis dahin nachgehen, wo der Egoismus eines Mächtigeren, oder die Beschaffenheit(Erschöpfung) seines Opfers ihn hindern, dieselben mit Vortheil weiter zu verfolgen. Bis an die Grenzen seiner Macht und des persönlichen Vortheils ist der Egoismus gesetzlich geschützt. — Wer eine Henne mit goldenen Eiern schlachtet und ißt, mag dumm handeln, aber wenn irgend welche Leidenschaft ihm diese Handlung als persönliche Befriedigung erscheinen läßt, so mag dadurch Nachbar und Gemeinde immerhin ge- schädigt werden, das Gesetz schützt ihn in seinem Rechte; es ist sein Eigenthumsrecht. Aecker, Wälder, auch die im Werthe von Millionen vom Staat etwa geschenkten, kann der Besitzer durch jeden beliebigen Raubbau ruiniren— es ist sein Recht. Wer Menschenkraft um einen Preis, welcher nicht hinreicht, das Menschenleben gesund zu er- halten, zu kaufen versteht, kann seine Konkurrenten aus- lachen, er ist Sieger, ob auch die Menschenwaare dabei verkommt. Und hiernach ist die Moral des Klassenstaats zu be- messen, ihr eignes Prinzip richtet sie; es ist die Moral der Selbstsucht. Die Menschenrechte, welche im Men- schenstaate erstes Prinzip und Grundlage der Gesellschaft sein müssen, sind in der Gesetzgebung dieses Staates noch unberechtigt; sind Bettler oder geduldete Eindringlinge, wenn sie durch irgend welche Hinterthür sich einschleichen. Wenn z. B. Eigenthum und Leben des Armen— freilich in geringerem Grade— geschützt wird, so geschieht das nicht, weil dies das Menschenrecht eines Jeden ist, son- dern vielmehr nur in solchen Staaten, in denen, bei der Unmöglichkeit, die bereits in einander überfluthenden Klassen noch gründlich aus einander zu halten, dies Grundrecht nicht mehr gesondert ertheilt werden kann. Wo dagegen die Klassen noch scharf von einander geschieden werden kön- neu, wie in den Staaten mit Sclaven oder mit Parias, wird nur der Herr, der Starke, oder die herrschende Klasse, vor Diebstahl, Mord und Ausbeutung(gegen den Schwachen) geschützt, nicht der Mensch.- So lange dieser schwach ist, bleibt er rechtlos, weil er der Schwächere ist. Und dieses Prinzip, die Rechte des Starken im Mäße seiner Stärke zu schützen, setzt sich, wenn auch vielfach bereits abgeschwächt, in unserem Klassenstaate noch als herrschendes Prinzip fort. Die Ausbeutung der Natur und des Menschen durch den Stärksten— der beliebte„Kampf um's Dasein"— wird für das natürliche und nothwendige Recht der Gesell- schaft gehalten und gilt als gesunde Moral. Sie durchsetzt die ganze Gesetzgebung und Sitte der Gesellschaft; sie bil- det die, durch die Macht aufrecht erhaltene,„Ordnung" des Staates, so nach außen hin, wie nach innen,, wonach der größere Staat den kleinen, der höhere Stand den niederen, der reichere Nachbar den ärmeren, der Mann das Weib, der Kapitalist den Arbeiter behandelt, d. h. gesetzlich aus- beutet— bis an die Grenze seines Vortheils, unter Ga- rantie des Staates. Je mehr eine solche Gesellschaft blü- hen soll und blüht, um so mehr muß der Letztausgebeutete, der Schwächste und Aermste, muß die unterste Volksschicht, leiden und arbeiten. � Der erhöhte Ruhm und Glanz, die erhöhte Macht eines solchen Staates bedeuten ein mit den vermehrten Kulturgenüssen erhöhtes, möglichst arbeitsloses Wohl- und Luxusleben der obersten Schichten, und ein mit den gesteigerten Kulturbedürfnissen um so drückender wer- dendes Roth- und Lastleben der armen und bezeichnender Weise der„arbeitenden" Bevölkerung, auf welche in Steuern und Machtdienst(wie im Soldatenthum) immer drückender das Gewicht der Herrlichkeit des Staates sich niedersenkt. Das neue Prinzip aber, dem gegenüber diese Ge- sellschaftsordnung als die einer„reaktionären Masse" be- zeichnet wird, ist in der That das gerade Gegentheil dieses bei unö noch herrschenden Staatsprinzips. A. D. Deutscher Reichstag. Die Zahl der Petitionen, welche bei dem Reichstag ein- gegangen, beläuft sich bereits auf gegen 300, wovon der dritte Tyeil der Justizkommission überwiesen worden ist. Davon be- ziehen sich gegen 60 auf den Zolltarif, gegen 20 auf Bewilli- gung von Jnvaliden-Pensionen, ein Paar Dutzend auf Gehalts- Verbesserungen, vereinzelte auf Aufhebung des Impfzwanges, auf den Auktionsbetrieb, auf Beschwerden über die Justiz, gegen die Börsensteuer, Erhöhung der Brausteuer zc. Politische Übersicht. Berlin, 18. November. Bismarck verläßt nun endlich bestimmt sein Hinterpommer- sches Tusculum Varzin und kehrt den 18. November wieder nach Berlin zurück. Die Verhaftungs-Statistik von Berlin giebt uns ein schreckliches Bild von der sittlichen„Höhe" auf der' die Kaiserstadt sich befindet. So sind in der Zeit vom 25. bis 31. Oktober 28 Personen wegen Diebstahls, Einbruchs, Hehlerei, Urkunden- fälschung, Betrugs und Unterschlagung, 54 wegen Excesses, Trun- kenheit, Ruhestörung, Eigenthums-Bcschädigung:c., 7 wegen Be- amtenbeleidigung, Widerstands gegen die Staatsgewalt, 98 wegen Landstreichens, Bettelns, Umhertreibens, Arbeitsscheu, 66 wegen gewerbsmäßiger Unzucht, Kuppelei, Entziehung von der Polizei- aufsicht, 173 wegen Obdachlosigkeit, zusammen 462 Individuen, durch Polizeibeamte zur Haft gebracht worden. Angeblich leben wir in einem— freien Staat. Ob es sich in Wirklichkeit so verhält, mögen unsere Leser aus folgendem Vorfall ersehen. In Breslau sollte der bekannte freireligiöse Schriftsteller und Standesbeamte Hofferichter vor einigen Tagen einen Eid ablegen. Er verweigerte ihn jedoch mit dem Bemerken, daß er an keinen persönlichen Gott glaube und also die Eidesformel für ihn nicht anwendbar sei, außerdem wäre er be- reits längst aus der Landeskirche ausgeschieden. Was geschah? Flugs wurde der„Gottesläugner" zu 14 Tagen Gefängniß ver- urtheilt und sogleich in Haft genommen. Die Petition gegen den Zeugnitzzwang der Redakteure wird aus der Justizkommission zurückgezogen und der Petitions- Kommission überwiesen werden. Es ist aber auch nicht zu hoffen, daß diese Ueberweisung etwas fruchten wird. Wird es doch bei uns bald so weit kommen, wie in jener indischen Monarchie, wo die Redakteure, sobald sie etwas schreiben, was der Regierung und der geheiligten Person des Landesvalers mißfällt, mit einem Bambusrohre die„Röthigen" auf die Fußsohlen aufgezählt be- kommen. „In Folge der Zeitverhältnisse" wird in den Krupp'schen Etablissements in Essen eine Lohn-Reduktion eintreten und zwar werden in der nächsten Woche die Löhne von etwa 14,000 Ar- bcitern um 10 pCt. herabgesetzt werden. Die Zahl der seit dem 15. September bis Anfang November von Krupp bereits ent- lasscnen Arbeiter betrügt etwa 11,000. Arbeiter- Entlassungen gehören gegenwärtig zum guten Ton. So werden in den nächsten Tagen wieder aus den Artillerie-Werkstätten zu Spandau circa 400 Schlosser entlässen werden. StrouSbcrg ist am 17. November auS seiner Haft in Moskau entlassen worden. Vor der Hand wird sich der gekrachte „Eisenbahn-König" nach Prag begeben. Das Urtheil in dem Prozesse gegen die Mörder des Redak- teurs der„Capitale", Raffaelc Sonzogno, ist am 13. Novbr. geiällt worden. Die Angeklagten Giuseppe Luciani, Pia Frezza, Michele Armati, Cornelia Farina und Luigi Morelli sind zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurthcilr worden. Der fünfte Angeklagte, Scarpetti, wurde freigesprochen. König Alphons von Spanien will sich jetzt als„Mann" zeigen. So hat er nicht blos dem Marsori gegenüber sich als oen„Herrscher" aufgestellt, sondern seit Kurzem einen Befehl er- lassen, wonach republikanisch gesinnte Volksvertreter keine Partei- Versammlungen mehr abhalten dürfen. Vielleicht wird er nächstens noch„geruhen", eine Socialistenhetze,„wie sie noch nicht dage- wesen", in Scene gehen zu lassen. In Athen in Griechenland hat die Deputirtenkammer den Antrag, das gesammte Kabinet Bulgaris wegen Berfas- sungsbruches in den Anklagezustand zu versetzen, angenommen. Gegen den ehemaligen Minister des Auswärtigen, Delyannis, und den Finanzminister, Nicolopulos, ist außerdem die Anklage wegen Ernennung von Gesandten ohne vorherige Genehmigung des dazu erforderlichen Postens des Budgets erhoben worden. * Nach dem Vorgang anderer Städte hat auch Brüssel neulich seinen Börscn-Tcandal gehabt. Am 9. Nov. wurde ein Mitglied des Brüsseler Advokatenstandes durch Pfeifen und brüllendes Geschrei aus der Börse getrieben und zwar aus sol- gendem Grunde. Im letzten Mai-Monat hatte derselbe sich ge- weigert, einem Fondsmakler Differenzen im Belaufe von 32,000 Francs zu bezahlen unv zog sich, nachdem der Agent sein Recht beim Gericht suchte, durch die Berufung auf das Ausnahmegesetz für Glücksspiel aus der Affaire. Am 14. Nov. nun kehrte er mit erhobenem Haupte zur Börse zurück, jedenfalls mit dem Nor- satze, seine würdigen Operationen wieder aufzunehmen. Er wurde indessen sofort erkannt und mit allen ihm gebührenden Ehren bis zu den Ausgangsstufen zurückgedrängt. * In Miincheu spielte vor dem Militürbezirksgericht am 11. November gegen den Lieutenant Rauch vom 1. Jäger- bataillon eine interessante Verhandlung wegen Betrugs und llr- kundenfälschung. Lieutenant Rauch war nicht erschienen und ist sein Aufenthalt seit Monaten unbekannt: deshalb wurde er auch wegen Fahnenflucht angeklagt. Der Gerichtshof erkannte auf fünf Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehren- rechte auf fünf Jahre. Eigenthümlich ist es, daß seit einiger Zeit gegen Offiziere schon zu wiederholten Malen ähnliche Anklagen verhandelt worden sind. So erschien auch in Berlin am 15. Nov. ein Offizier a. D. vor der 6. Kriminal-Deputation unter der Anklage der versuchten Erpressung. Der Gerichtshof verurtheilte diesen„Cavalier" zu 2'/, Jahren Gefängniß. * Die Reptile berichten jetzt von einem Unglücksfall in Varzin, wo ein fürstlicher Diener sich aus Unvorsichtigkeit beim Reimgen eines Gewehres erschoß, was dem Fürsten Bismarck Thränen entlockt haben soll. Die Geschichte soll wahr sein, aber — sie ist vor genau zehn Jahren passirt. * 5i aiserreisen kosten heutzutage viel Geld. Bei dem Besuche des deutschen Kaisers hat die Stadt Mailand die Kleinigkeit von 200,000 Lire, ungefähr gleich 160,000 Äiark, aus dem Communalsäckel verausgabt. Der König von Italien soll für Festunkosten:c. 10 Millionen Lire, ungefähr gleich 8 Mill. Mark, ausgegeben haben. Was die Kaiserreise überhaupt kostet — wer kann es berechnen? Protest gegen die Entwürfe eines Gesetzes, betreffend die Ab- änderung des Titels Vni der Gewerbeordnung�). Da durch die genannten Gesetzentwürfe, sofern dieselben durch Annahme seitens des Reichstages Gesetzeskraft erlangten, die Interessen der Arbeiter und das öffentliche Rechtsbewußtsein auf's Empfindlichste geschädigt würden, protestire» die Unter- zeichneten gegen dieselben und beantragen: Der Reichstag wolle beschließen: Die Gesetzentwürfe, betreffend die Abänderung des Titels Vm der Gewerbeordnung sind an die Reichsregierung zurückzu- verweisen, mit dem Ersuchen, in der nächsten Legislaturperiode eine, den Forderungen der Arbeiter entsprechende, neue Vorlage dem Reichstage zu unterbreiten. Ferner: Der Reichstag wolle beschließen: Das Bundeskanzleramt wird aufgefordert, bei den Bundes- Regierungen dahin zu wirken, daß die der Gründung und Eni- wickelung der freien Arbeiter-Hülfskassen entgegenstehenden Be- ftimmungen der Landesgesetze, z. B. deS preußischen Landrechts, bis zur erfolgten Regelung des Hülsskassenwesens durch die Reichsgesetzgebung außer Kraft gesetzt werden. Zur Darlegung der Gründe, welche die Unterzeichner veran- laßt haben, gegen die erwähnten Entwürfe der Reichsregierung zu protestiren, und um die Wünsche und Forderungen der Ar- beiter in Bezug auf diese Materie zu Kenntnis; des Reichstages und der Reichsregierung zu bringen, erlauben sich die Unterzeich- ncten, dem Reichstage nachsolgende Denkschrift zu unterbreiten. Obige Vorlage eines Protestes gegen den Hülfskassen-Gesetzentwurf, welche im Auftrage der Berliner Kommission der Krankenkassenvorstiinde ausgearbeitet ist, übergeben wir auf Wunsch der Oeffentlichkeit. Die Armen und Elenden. Eine Londoner Silhouette. Niemand Geringeres als Gladstone hat vor einem vollen Parlamente, vor einem halben Tausend blonder Souires und kahlköpfiger Würdenträger, Bahndirektoren und Brauherren, die sämmtlich von einem üppigen Diner gekommen waren, den Satz ausgesprochen:„In unserem reichen England kämpfen täglich neun Zehntheile des Volkes schwer und bitter um das knappe tägliche Brod!" Wer sich dem riesenhaften Elend nur einmal Aug' im Auge gegenüber gefunden, dem werden die Träume auf Wochen hinaus verdorben. Eine imposante Palastfront mit einem reizenden Park, im Hintergrunde von einem ungeheuren Armen- hause abgeschlossen, das ist London. Der Reichthum beider Indien und jedes Golconda, das auf unserem Erdball entdeckt worden, ist im Lande vertheilt, aber nicht ebenmäßig, sondern ein goldener Ehimborasso ragt hier und da, und im Thal sammelt das niedere Volk die Kupfermünzen. Zwischen den großen Vermögen, die rn gewissen Distrikten Londons warm und dicht bei einander woh- neu, wird der kleine Mann langsam zermalmt. Für jeden Tag lebendiger Athemzüge bezahlt er mit einem Quantum schwinden- der Kraft in Sehnen und Muskeln. So war's beim Großvater, so beim Vater, und wird so sein bis auf die Enkelkinder! Wes- halb gerade in London das Elend dem, der es tragen muß, schwerer wird, als irgend wo anders, beruht in dem Umstände, daß die ungeheure Konkurrenz aller und jeder Leistungsfähigkeit ihm alle Hoffnung benimmt, sich jemals über die Anderen, die ihm auf den Fersen folgen, zu besserem Loose hinaufzuarbeiten. Uä sind sehr Wenige, denen dies gelingt. Wenn nun neun Zehn- theile einer Stadtbevölkerung nur auf Wochenlohn angewiesen sind, und Jeder am Samstag vor der Möglichkeit zittert, daß aus dem Munde des Kassirers das Wort fallen könnte:„die Hand N. N. wird nach nächster Woche nicht mehr gebraucht", so mag sich Derjenige auf eine bittere Entgegnung gefaßt machen, der dem auf„Angebot und Nachfrage" angewiesenen, schwer sich plagenden armen Schächer etwa dazu gratuliren wollte, daß er ein„freier Engländer" sei. Auf jeden leeren Posten warten Hunderte. Wenn im Winter die Arbeiten in den Docks auf- hören, wird der Arbeiter schon in vierzehn Tagen zum Bettler. Gespart hat er nie, konnte es auch nie. Dann erscheinen sie in der Abenddämmerung in Gruppen von zehn und zwanzig, mit einer schwarzen Fahne voran, und singen markerschütternde Wei- sen, die alle in dem Gedankken austönen:„Ws have nothin� to do!"(Wir haben nichts zu thun.) Was sie an Werthob- jekten besaßen, wanderte beim Pfandleiher aus und ein schon zu jener Zeit, als sie noch regelmäßigen Wochenlohn erhielten. Am Samstag den Rock ausgelöst, am Montag Morgens wieder ver- pfändet! Das ist der Kreislauf für Hunderttausende Jahr aus, Denkschrift. Ausgehend von der Erkenntniß, daß � Repräsentanten der herrschenden Klassen des heutigen Staats ncht gewillt sind, der Gesellschaft eine auf voller Gleichheit und Mheit— auf Allgerechtigkeit— gegründete Organisation zu gchcn, halten wir, die Unterzeichner des vorstehenden Protestes, eit« gesetzliche Be- stimmung, nach welcher jeder Arbeiter gezwungen ist, einer Ar- beiter-Kranken- und Sterbekasse anzugehören, für ei«— freilich leider— nothwendige Maßregel, dieselben sind akp ftir den Kassenzwang; dagegen sind sie die entschiedensten Gegner der Zwangskassen, welche durch die in Rede stehenden Pesetzent- ivürfe nicht nur in den Theilen des Reichs, wo sie schon Gestehen, konservirt werden sollen, sondern mit denen man auch nech die Theile, welche mit diesem Prokrustesbette bisher verschont gchlie- ben sind, beglücken will. Nachdem wir so unfern Standpunkt im Voraus und im Allgemeinen gekennzeichnet haben, wollen wir Ausstellungen an diesen gegenwärtigen Gesetzentwürfen, so wie auch unsere Ansor- derungen, die wir an ein gerechtes und praktisches Hülfskassen- Gesetz machen, speziell aufführen und begründen, wobei wir die derzeitigen Gesetzentwürfe als Vorlagen benutzen. Im Artikel 1 des Regierupgsentwurfs lautet der§ 141: § 141. Durch Ortsstatut(§ 142) kann die Bildung gegenseitiger Hülfskassen(Gesetz über die gegenseitigen Hülfskassen vom......) zur Unterstützung von Gesellen, Gehülfen, Lehrlingen und Fabrikarbei- tern angeordnet werden. Die Gemeindebehörde ist in diesem Falle ermächtigt, die Einrichtung der Kassen nach Anhörung der Betheiligten zu regeln und für die Verwaltung der Kassen, soweit dies nicht durch die Mitglieder ge- schieht, Sorge zu tragen. Statt dessen schlagen wir vor: Z 141. Durch OrtSftatut(tz 142) kann, wenn die Arbeiter nicht aus freiem Antriebe in ausreichendem Matze gegenseitige Hülfskassen zur Unterstützung von Gesellen, Gehülfen, Lehrlingen und Fabrik- und Handarbeitern entsprechend dem Gesetz über gegenseitige Hülfskassen vom........ begründen und erhalten, die Bildung solcher Kassen angeordnet werden. Motive. Jede Einmischung der Behörden in die Verwaltung von Privat- Eigenthum ist dem heutigen Eigenthumsrecht zuwider. Ztur bei Gei- steskranken, Verschwendern, Bankrotteuren, Verschollenen und bei Un- mündigen gestattet daS derzeitige EigenthumSrecht eine staatliche resp. kommunalbehördliche Einmischung in die Verwaltung des Privateigen- thums. Die Arbeiter aber leben der Hoffnung, daß sie in ihrer All- gemeinheit zu keiner dieser Kategorien gezählt werden können, und zwar umsomehr, als die bereits bestehenden zahlreichen freien Hülfs- lassen den unumstößlichen Beweis liefern, daß sie sittliche und technische Befähigung genug besitzen, ihr gemeinsames Eigenthum selbst und sogar inusterhaft zu verwalten. Trotzdem durch das Gründerunwesen und das Börsenjobberthum der Neuzeit die gesammte Geschäftswelt in die gefährlichste Krise ge- stürzt worden ist, Millionen unter den traurigen Folgen dieses unsitt- lichen Gebrauchs eigenen und fremden Eigenthums zu leiden haben und der Nationalreichihum in empsiudlichster Weise geschädigt worden ist, so daß die Nationalarmuth an den Grenzen unseres Vaterlandes herumschleicht, um sich in demselben einzunisten, trotz alledem denkt man nicht daran, durch Ausnahmegesetze Prohibitivmaßregeln gegen ferneren derartigen Mißbrauch des Eigenthums zu schaffen,— die Arbeiter dagegen, welche durch die humanen Einrichtungen ihrer Hülfs- lassen die immer mehr abnehmende werkthätige Menschenliebe pflegen, will man durch Ausnahmegesetze, angeblich zu ihrein eigenen Besten, in die Zwangsjacke polizeilicher Beaufsichtigung stecken. Und Alles das aus— politischen Gründen! Aus politischen Gründen die Arbeiter in Bezug auf ihr Eigen- thum rechtlos zu machen, wäre der größte politische Fehler, den man heute begehen kann. Der Streit über das Eigenthumsrecht ist in noch nie dagewesenem Maße entbrannt, man möge dies wohl beachten. Durch ein wahrhaft drakonisches Gesetz will inan aus politischen Gründen selbst den theoretischen Angriff auf das derzeit gültige Eigenthumsrecht mit Strafen belegen, die dem humanen Geiste der Gesetze, wie er allein eines Kulturvolkes würdig ist, Hohn sprechen, die eine mittelalterliche Institution, die Friedensbürgschast, von den Todten, wohin sie gehört, auferwecken—— und auf der anderen Seite will man— wiederum aus politischen Gründen— die Mehrheit des Volkes thatsächlich des freien Verfügungsrechtes über ihr Eigenthum berauben, das Recht am Eigenthum, also das Eigenthum selbst, auf- heben. Sind größere Widersprüche denkbar?— Werden die ihres EigcnthumSrechtes Beraubten das Eigenthum Anderer noch für unan- tastbar, für heilig halten?— Werden sie sich wohl noch in der Folge- Jahr ein! Die tüchtigen, durch gute Organisation der Gegensei- tigkeit gestützten Fabriksarbeiter können freilich nur durch einen verunglückten«strike oder durch eine schlimme GeschästSkrise zu Vagabunden herabgedrückt werden; aber die Legion Solcher, die nur auf kleine Hausindustrie, auf Ladenbestellungen und auf die tausend und eine Errverbsgelegenheit in London angewiesen sind, leben wie die Vögel auf dem Zweige, an dem der Sturm schüttelt. Vom Brodlosen zum„Tramp", d. h. zum privilegirten Vaga- Kunden, ist nur ein Schritt. Sie lebt von der Straße, wenn die Natur ihr Reize verliehen, und wird ein„lustiges Mädchen" — a gay girl. Er lebt auch von der Straße in Stadt' und Land, bald hier, bald dort, als Zigeuner der Civilisation! Der Vagabund„Tramp" ist eine englische Erfindung. Das Gesetz gestattet ihm das Bummeln. Er darf sich, wie der Volksaus- druck lautet,„den Mond in den leeren Magen scheinen" lassen, aber er darf nicht im Freien schlafen. Der Staat, die wohl- thätige Gesellschaft, die„Grafschaft" versieht ihn mit einem Nachtlager, jedoch immer nur auf beschränkte Zeit in einem und demselben Orte. Der„Tramp" wandert also von einem Ar- menhause in's andere„für die Nacht". Er muß vor Sonnen- Untergang anklopfen, erhält einen warmen Trunk, eine gepolsterte Pritsche und ein mageres Frühstück, wofür er Morgens durch zweistündiges Steineklopfen im Hofe zahlen muß. In der nüch- sten Woche darf er sich nicht mehr blicken lassen. Hat er die Runde in den verschiedenen Armenhäusern gemacht, so wendet er sich dem Lande zu und lernt so als Vagabund sein glorreiches Vaterland kennen von einem Ende zum anderen, von den nörd- luhsten Caps der schottischen Hochlande bis zu der südwestlichen Spitze von England, wo in Cornwallis die Nachkommen eines ehemaligen Strandräubcrvolkes hausen. Solcher„Tramps" giebt es Hunderttausende. Man begegnet ihnen überall. Sie sind nicht immer unehrlich und haben in London mitunter Gelegen- heit, einen Eckensteherdienst zu leisten, ein Pferd zu halten oder alte Herren vor dem Ueberfahrenwerden zu schützen. Es reizt sie gar nicht, mehr zu verdienen, als unerläßlich, um den inneren Wolf vor rasendem Hunger zu schützen. Denn das Nachtlager im Armenhause oder in einer durch private Wohlthätigkeit be- stehenden Nachtherberge wird nur den ganz Mittellosen zu Theil. Im Armcnhause erginge es dem schlaflustigen Vagabunden sehr übel, so bei ,hm etwa mehr als ein Schilling baares Geld„er- tappt" werden sollte. Er würde dann wegen Erschleichung der öffentlichen Hülfe«us den Armensteuern zu vierzchntägigem Ge- fängnlß verurtherlt; denn die rcglementswidrige Befriedigung der Schlaflust ist auch ein Beweis„gewinnsüchtiger Absicht". Das haben die weisen„Daniels" eines barmherzigen Armengesetzcs sehr klüglich herausgetüpftclt. Der Londoner„Tramp" ist ein armer Wicht, aber er ge- zeit aeranlaßt fühlen können, zum Schutze der erworbenen Rechte Anderer beizutragen, wenn man sie ihres Rechtes verlustig erklärt?— Nein! Die Arbeiter, welche heute schon gewöhnt sind/ sich als die Enterbten der Gesellschaft zu betrachten, werden alsdann vielmehr alle diese Rechte als Vorrechte und somit als Ungerechtigkeiten betrachten! Der§ 141a. der Regierungsvorlage lautet: 8 141a. Durch Ortsstatut kann Gesellen, Gehülfen, Lehrlingen und Fabrikarbeitern, welche das sechszehnte Lebensjahr zurückgelegt haben und die Betheiligung an einer gegenseitigen Hülfskasse nicht nach- weisen, die Betheiligung an einer bestimmten Kasse dieser Art zur Pflicht gemacht werden. Es bedarf der Zustimmung der Kassen, wenn deren Errichtung auf freier Vereinbarung beruht; die Kasse unterliegt alsdann der Vorschrift des 8 141 Abs. 2. Wer der Pflicht zur Betheiligung nicht genügt, kann von der Kasse für alle Zahlungen, welche bei rechtzeitigem Eintritt von ihm zu ent- richten gewesen wären, gleich einem Mitgliede in Anspruch genommen werden. Statt dessen schlagen wir vor: 8 141a. Durch Ortsstatut kann Gesellen, Gehülfen, Lehrlingen Did Fabrikarbeitern, welche das sechszehnte Lebensjahr zurückgelegt haben und die Betheiligung an einer gegenseitigen Hülfskasse nicht nachweisen, die Betheiligunz an einer bestimmten Kasse dieser Art zur Pflicht gemacht werden. Es bedarf der Zustimmung der Kasse. Wer der Pflicht zur Betheiligung nicht genügt, kann von der Kasse, welcher er durch die Behörde zugewiesen ist, für alle Zahlungen, welche bei rechtzeitigem Eintritt von ihm zu entrichten gewesen wären, gleich einem Mitgliede in Anspruch genommen werden. Motive. Dieselben wie bei 8 141. Der§ 141b. der Regierungsvorlage lautet: 8 141b. Durch Ortsstatut kann bestimmt werden, daß Arbeit- geber zu den Beiträgen, welche die bei ihnen in Arbeit stehenden Mitglieder einer nach 8 141a. durch Ortsstatut bezeichneten Hülfskasse zu entrichten haben, Zuschüsse bis auf Höhe der Hälfte jener Beiträge leisten, auch die letzteren, soweit diese während der Dauer der Arbeit bei ihnen fällig werden, bis aus Höhe des verdienten Lohnes vor- schießen. In gleicher Weise kann angeordnet werden, daß Arbeitgeber ihre zum Eintritt in eine bestimmte Hülfskasse verpflichteten Arbeiter für diese Kasse anzumelden haben. Wer dieser Pflicht nicht genügt, kann von der Kasse für alle Zahlungen, welche bei rechtzeitigem Eintritt von den Arbeitern zu entrichten gewesen wären, gleich einem Mitgliede in Anspruch genonimen werden. Wir schlagen vor, denselben ganz zu streichen. Motive. Hierbei ist vor Allem die Frage zu berücksichtigen: Haben die Ar- beitgeber eine Verpflichtung, ihre Arbeiter auch in denjenigen Krank- heits- und Sterbefällen zu unterstützen, die nicht durch eine Verschul- dung der Arbeitgeber herbeigeführt sind? Diese Frage ernstlich zu be- jähen, wird keinem der heutigen Gesetzgeber einfallen; man würde höchstens aus der christlichen oder mosaischen Moral eine allgemeine reli- giöse Verpflichtung anerkennen, nimmermehr aber eine Pflicht aus den derzeit maßgebenden Staatsrechts-Prinzipien herleiten. Wollte man aber der Basis des heutigen Staatsrechts die Ver- pflichtung der Arbeitgeber, ihre Arbeiter in allen Fällen der Hülfs- bedüritigkeit zu unterstützen, gleichviel ob diese durch die Arbeitgeber -verschuldet seien oder nicht, als leitendes Prinzip hinzufügen; oder wollte man, um dem Herzenswunsch der„Kathedersocialisten" zu genü- gen, die Ethik auf civilrechtlichem Wege mit der Social-Oekonomie ko- puliren; oder gestände man endlich zu, daß der Arbeiter als Aequi- valent für seine geleistete Arbeit nicht nur den Arbeitslohn erhalten müsse, der zur Reproduktion der aufgewendeten Arbeitskraft erfordcr- lich ist, sondern auch in vollstem Maße alles das, was zur fernerweiten Erhaltung seiner Arbeitskraft von Nöthen ist: so müßten die Arbeit- geber die gesammten Kosten der Gesundheitspflege für ihre Arbeiter tragen und begingen ein Unrecht, den größten Theil dieser Last den Schultern der Arbeiter aufzubürden. Wenn man aber von solchem Grundsatze abstrahirt, eine solche Verpflichtung der Arbeitgeber nicht anerkennt, und sie dessenungeachtet zwingt, einen Beitrag zu dieser Krankenpflege zu zahlen, so zwingt man sie, Almosen zu geben, und beleidigt die Arbeiter, indem man diese zwingt, Zwangsalmofen zu nehmen. Daß bei Abfassung der bezüglichen Gesetzentwürfe der oder die Verfasser derselben sich nicht klar darüber waren, ob eine solche Ver- pflichtung der Arbeitgeber vorhanden sei oder nicht, geht daraus her- vor, daß sie in diesen Gesetzentwürfen die unbestimmte Bestimmung aufstellen:„es kann bestimmt werden, daß Arbeitgeber Zuschüsse zu diesen Hülfskassen leisten", und daß man ferner die Höhe dieser Zu- schüsse nur durch eine willkürlich gegriffene, durch nichts weder gerecht- wöhnt sich daran, auf Stadtkosten zu schlafen und zwischen Abend und Morgen sich der harten Zucht des Armenhauses zu unter- werfen. Zwischen Samstag und Sonntag versucht er es mit Er- sola, sich gänzlich des Schlummers zu entschlagen, um sich beim lieben Publikum ein Mittagsmahl zu sichern. Er flanirt dann in seinen Lumpen unablässig in den Vorstädten umher, denn von deren Gartenzäunen gerade hat er sich sein Mahl zu„pflücken". Damit hat es folgenden Zusammenhang. Der Engländer giebt sich nicht mit Almosengeben oder mit der Verabreichung eines Mahles für Bettler vor seiner eigenen Thür ab. Er fürchtet, durch solche Gewährung Diebe oder sonstige gefährliche Gelegen- heitsmacher anzulocken. Nun wird auch in dem kleinsten engli- schen Hausstand in einer dem Franzosen vor Allen ganz unver- ständlichen Weise mit den Lebensmitteln gewüstet. Am Samstag Abend wandern die halbharten Brodlaibe mit Butterklumpen und Bratenresten auf den Gartenzaun hinaus, oder sie werden in das Strauchwerk am Wege gelegt. Da gilt es nun für den„Tramp", den Hunden und Vögeln zuvorzukommen, und er sammelt die weggeworfene Gabe und hat sein Sonntagsmahl, das er auf dem Pflasterstein verzehrt. Seine Festzeit hat er im Monat Oktober. Dann sieht man Kolonnen solcher Elenden von den entferntesten Ausläufen Lon- dons nach„London Bridge", der grauen Steinbrücke, welche die City mit der südlichen Stadthülfte verbindet, zusammenströmen. Lange dunkle Züge— Männer, Weiber und Kinder! Alle man- dern nach der Grafschaft Kent, in welche die südöstlichen Vororte hineinreichen. Kent liefert den Hopfen für das ganze bierfreu- dige Alt-England und im Oktober ist die Ernte. Da ist den Eignern der meilenlangen Hopfengärten jede pflückende Hand will- kommen. Es ist ein Feldlager der Elenden, das in den glorio- sen Oktobernüchten dort zwischen Busch und Wald aufgeschlagen wird. Der„Tramp" hat da seit Langem wieder ein orthodox- gutes Mahl dreimal des Tages, einen guten Trunk, und er „fühlt" wieder einmal klingende Münze in seiner Tasche, die sonst für ihn ein unnöthiger Bestandthorl des geflickten Rockes zu sein pflegt. Zur Nachtzeit schlafen sie dichtgepackt, im Knäuel einander wärmend. Nach dem Oktober beginnt aber für ihn die traurigste Zeit. Im Nebelgereifcl und Schneeregen hat er fünf furchtbare Monde zu überstehen. Mitunter lächelt ihm noch un- verhofftes Glück. Da jede Familie in England— wenn auch oft unbekannter Weise— Verwandte in den Kolonien zu haben pflegt, sind sogenannte„Erbonkels" nicht so selten, und man hat es schon erlebt, daß nach einem neugebackenen Millionär mitten unter den„Tramps" gefahndet werden mußte. Oder aber eine ehrbare Familie entschließt sich, ein zum„Tramp" herabgesunke- neö Mitglied zurückzuholen in gesittete Gesellschaft. Sonst aber hört sein Elend nur auf dem Kirchhof auf....(Franks. Beob.) fertigte noch begründete Maxtmalsumme � begrenzt unb innerhalb der Begrenzung den Gemüthsaffekten der behördlichen Organe den weitesten Spielraum gelassen Hai. Man überlasjt es hier einfach der Willkür der Verwaltungsbehörden, mit dem Eigenthum der Arbeiter und auch des Theiles der Arbeiter, den man zur Zuschußleiftung heranzieht, zu schalten und zu walten, wie es den Behörden beliebt, denn man giebt keine aus Erfahrung, wissenschaftlicher Berechnung oder Rechisgrundscitzen beruhende Skala, wonach sich die Behörden bei Festsetzung des Betrages, den Jeder zur Beitragspflicht verurtheilte Theil zu leisten hat, unbe- dingt zu richten hätten. Das rechtliche oder vielmehr rechtlose Verhällniß, in das die Arbeiter durch ein ivlches Gesetz gedrängt werden sollen, wird noch ent- würdigender für dieselben dadurch, daß man ihnen zumuthet, sich auch noch durch ihre Arbeitgeber bevormunden zu lassen. Als ob es noch nicht genug der Schmach für die Arbeiter sei, von sUatswegen gezwungen zu sein, unbegehrtes Almosen anzunehmen. Die Arbeitgeber aber will man, wahrscheinlich zum Lohn dafür, daß sie sich dem Almosen- Zwange fügen, zwingen, Schergendienfte gegen ihre Arbeiter zu leisten. Doch nein, man erweist sich dadurch doch dankbarer, als es aus den ersten Anblick aussieht. Diese unter der Botmäßigkeit der Behörde und Arbeitgeber stehenden Zwangskassen, sind ein neues Glied in der Kette, mit der man die Arbeiter in der ökonomischen Abhängigkeit von ihren Brodherren hält; es ist ein Nagel, an dem man den Arbeitern, wenn man es beliebt, den Brodkorb höher hängen kann. Dem humanen Gesellschaftsprinzip entsprechend ist es allein, wenn man der Kommission die Verpflichtung auserlegt, im vollsten Äiaße für die leibliche und geistige Wohlfahrt aller ihrer Glieder zu sorgen und da, wo die Commune hierzu zu arm ist, die Unterstützung aus Staats- Mitteln eintreten läßt. Die Gesundheitspflege muß daher gleich der Schulbildung Staatszweck sein. Wie die Lehrer im Gemeinde-, resp. Staatssolde stehen, so muffen auch die Aerzte im Gemeinde- und Staatsdienste stehen. Wie Gemeinde und Staat verpflichtet sind, die Lehrmittel zu beschaffen, so sind sie auch verpflichtet, die Heilmittel zu beschassen. Es ist eben das Interesse der ganzen Gesellschaft daran geknüpft, daß' alle Gesellschastsglieder körperlich gesund und tüchtig sind, soweit es die Menschennatur ermöglicht. Bei Epidemien, selbst bei Viehseuchen, anerkennt der Staat, daß die Gesundheitspflege seine Pflicht ist, in normalen Zeiten aber nicht; und doch würden dadurch, daß man auch bei normalen Verhältnissen die Gesundheitspflege zu einem Staatszwecke machte, die Epidemien nicht nur, sondern auch viele andere Krankheiten zum großen Theil vermieden werden können. Bei der unerhörten Wandelbarkeit der Besitzm>rhältnisse in der heutigen Gesellschaft müßte» schon aus Für- sorge die Gemeinden alle ihre dazu befähigten Angehörigen mit einer chrer Leistungsfähigkeit angemessenen Beisteuer zur allgemeinen Ge- sundheitspfiege belegen— denn ob der Eisenbahn-KLnig, der Baumwollen-Baron von heute nicht morgen schon der Kandidat des Zucht- Hauses oder Aspirant des Armenhauses und des Lazarethes ist, wer will das vorher sagen können? Unsere auf Egoismus basirte Gesellschaft wird dem Staate einen wichen sittlichen Zweck nie zu Grunde legen wollen, sondern bei dem Grundsatze beharren:„Jeder, gleichviel wie weit er dazu befähigt und durch Zufall in den Stand gesetzt ist, hat für sein eigenes Wohlergehen 1 t„'u'0r3en' soweit dies nicht sein sogenanntes Seelenheil anbe- "jffft"; denn dafür hält man aus gewiffen, hier nicht zu erörternden Gründen den Staat, trotz Kulturkampf, noch immer für verpflichtet. Was diese Gesellschaft der Allgemeinheit nicht als Pflicht auferlegt, hat sie auch„on rechtswegen nicht einzelnen ihrer Glieder aufzuerlegen, 1>e hat das laissez aller, laissez fair, das Motto der modernen Volks- wtrthschaftslehre, auch hier frei walten zu lassen. Der ß 141 o. der Regierungsvorlage lautet: § 141 c. Die im§ 141 a. Absatz 2 und§ 141 b. Absatz 2 berechneten Forderungen einer Kasse verjähren in einem Jahre; die �orstjhrung beginnt mit Schluß des Kalenderjahres, in welchem die iiorderung entstanden ist. Statt dessen schlagen wir als§ 1411,. vor: . 8 141 b. Die Forderungen einer Hülfskasse, welche aus der I rtutenmäßigen Beitragspflicht ihrer Mitglieder bestehen und nach ßib 2, ihr zustehen, verjähren in einem Jahre; die Ver- layrung beginnt mit Schluß deS Kalenderjahres, in welchem die Forde- n-ng entstanden ist. Der H 1414. der Regierungsvorlage lautet; 8 1414. Die in tj 141 bis 141b. bezeichneten Bestimmungen tonnen von der höheren VerwaltüngSbehorde für einzelne Ortschaften oder für größere Bezirke getroffen werden, sofern dem Bedürfniß durch entsprechende Ortsstatute nicht genügt wird. Wir schlagen vor, denselben aus Grund der angeführten Motive ganz zu streichen. Der§ 141 e. der Regierungsvorlage lautet: 8, 141 o. Den Bestimmungen der§§ 141 bis 141 4. unterliegen uch diejenigen bei Bergwerten, Aufbereitungs- Anstalten und unter- odlsch betriebenen Brüchen oder Gruben beschäftigten Arbeiter und Arbeitgeber, für welche eine sonstige gesetzliche Verpflichtung zur Bil- von Hülfskaffen und zur Betheiligung an denselben nicht besteht. Auf Arbeiter und Arbeitgeber, welche bei den auf Grund berg- Motzlicher Vorschriften gebildeten Hülfskaffen betheiligt sind, sinden sie ouw Anwendung. Statt dessen schlagen wir vor: § 141c. Den Bestimmungen der 141 bis 141b. unterliegen .och die bei Bergwerken, Aufbereitungsanstalten und unterirdisch be- "ebenen Brüchen oder Gruben beschäftigten Arbeiter. Motive. ». Es muß den in den angeführten Geschästsbranchen beschäftigten Arbeitern, wenn man Gerechtigkeit üben will, das gleiche Recht zu hetl werden, wie allen übrigen Arbeitern. Artikel 2 des Regierungsentwurfs lautet: Artikel 2. Hülfskaffen, in Ansehung derer eine Eintrittspflicht gewerblicher Arbeiter bei Erlaß dieses Gesetzes begründet ist, werden bis auf weitere . estuninung der Centralbehörde den gegenseitigen Hülfskaffen im Sinne .00 Artikels 1 gleichgeachtet. Bis dahin bleibt die Pflicht zum Beitritt, wie zur Zahlung von Beiträgen und Zuschüssen für Arbeiter und Zeitgeber bestehen. Wenn Arbeiter oder Arbeitgeber ihrer Pflicht � genügen, so treten die in§§ 141a. und 141b. zu Gunsten der Isen bestimmten Rechtsfolgen ein. cjn-.._ "tuten; Konsequenz des bisher Vorgebrachten müßte dieser Artikel Artikel 2. bei hülfskaffen, in Ansehung deren eine Eintrittspflicht der Arbeiter fcfin« dieses Gesetzes bec'' •en hochgeachtet und des Gesetzes vom Tage "khen. Alle begründet ist, werden den gegenseitigen ist die Reorganisation derselben auf über die gegenseitigen Hülfskaffen binnen drei des Inkrafttretens dieses Gesetzes an, zu voll- £«ue diesem Gesetze entgegenstehenden Bestimmungen sind vom �30 des Inkrafttretens dieses Gesetzes an ungültig.(Forts, folgt.) Innere Parteiangelegenheiten. ß. Ju Agenten des Vorstandes wurden ferner ernannt für: Alten- C i Kalau; Bamberg: G. Ruhl; Hamm-Horn: Hesse; Itzehoe: A»„?s0uzberg,' I. Ackermann; Kehl: W. Todemann, N. Schlatow; ii Utünster; H. Bülk, H. D. Plambeck; Neustadt a. H.: L. Gautier, Iwtn. ss Nowaweß: I. Bernhardt; Rawiez: Th. Jung; Rummels- E. Sparfeld, Kinner; Straßburg i. E.: F. Siegle, I. Appels- bitten, bei neuen Anmeldungen die genauen Adressen beider >ten(beim Sekretariat) anzugeben. '�lliÄ�rg, 13. November 1875. 7 Mit soeial-demokratischem Gruß I. A.: I. Auer, C. Derossi, Pferdemarkt 37. III. Marken und sonstige Utensilien werden durch die Sekretäre be- und sind also die Bestellungen bei diesen zu machen. Gross-Itcinhoim, 10. Nov.(Volksversammlung.)„Die projektirte Bier- und Petroleumsteuer" lautete die Tagesordnung einer Volksversammlung, die wir am 7. November in dem Lokale des Herrn Julius Große abhielten und in der Herr Ulrich aus Offenbach unter großem Beifall referirte. Zum Schluß las Herr Ulrich die Resolution vom 14. Oktober der Berliner Parteigenossen vor und wurde dieselbe von den 200 Besuchern der Volksversammlung einstimmig angenommen. Bei einer Tellersammlung kamen 2,70 Mark ein, welche Summe für Gemaßregelte bestimmt wurde. Parteigenossen, von jetzt ab ist jeden Montag Parteiversammlung. Der Schriftführer: Heinrich Braun. Verlin, 14. Nov.(Verein der Sattler und Berufsge- nossen.) Der Vorstand beschließt, wie folgt:„In Erwägung, daß der frühere Vertrauensmann der Mitgliedschaft Magdeburg, O. Döring, der Kassirer Prautsch, der Revisor Weller und die weiteren drei Mit- glieder Müller, Kempf und Lackmann in statutenwidriger Weise die Mitgliedschaft auflösten; in weiterer Erwägung, daß besagte Personen sich in den Baarbestand des vorhandenen Vereinsgeldes theilten, welcher die Summe von 13 Mark 75 Pf. betrug, und sich dadurch eines groben Vergehens gegen§ 8 des Vereinsstatuts schuldig machten, beschließt der Vorstand hiermit, oben genannte Person-n nach 15 aus dem Verein auszuschließen, und ersucht die Vertrauensmänner, dieses den Mitglie- dern mitzutheilen. Ferner diene zur Notiz, daß im Protokoll der Punkt, welcher die Angelegenheit Witzig's behandelt,(nach der Aussage des Kollegen Storz) auf einen Jrrthum beruht seitens des früheren Ver- trauensmanns, die Mitgliedschaft Stuttgart daher Kollege Witzig für einen Ehrenmann erklärt. Es schließt sich dieser Erklärung der Vor- stand hiermit an und ersucht sümmtliche Vereinsmitglieder Hrn. Witzig für die Folge nicht hinderlich zu sein in seinem Fortkommen, spricht aber zugleich den Wunsch aus, daß Kollege Witzig jetzt dem Verein wie- der beitritt. Auf Anfrage mehrerer Mitgliedschaften betreffs der Kran- kenkassen-Angelegenheit, sei erwähnt, daß von Seiten des Vorstandes keine Verzögerung stattfindet, im Gegentheil von einigen Mitgliedschaften noch jede Nachricht fehlt und da selbstverständlich das Resultat der Dis- kussion von den Mitgliedschaften im„Reuen Social-Demokrat" und „Volksstaat" bekannt gemacht wird, so ist es um so bedauerlicher, daß wir so lange auf Nachricht warten müssen. Besonders erwünscht wäre es, etwas Näheres über die örtlichen Verhältnisse zu erfahren, ob an Orten, wo sich Zwangskassen befinden, dieselben uns nicht hinderlich sind, um späteren unliebsamen Vorkommnissen vorzubeugen. Die Mit- glieder werden daher ersucht, nicht voreilig zu handeln und unsere in's Leben tretende Krankenkasse schon jetzt für maßgebend zu halten, um aus der Ortskasse auszutreten.— Es sind uns bei Einreichung der Statuten zwar Schwierigkeiten von der Polizei gemacht, die aber zu überwinden sind, indem das Gutachten über die Lebensfähigkeit der Kasse verlangt wird von einem Sachverständigen, welches ja auch aceeptirt werden kann, zumal die jetzt so wichtige Frage der freien Hülss-Krankenkaffen ja überall auf der Tagesordnung steht. Bis zu der Zeit also, wo die Mitglieder das Statut der Krankenkasse»och nicht in Händen haben, können dieselben aus bestehenden Kassen nicht austreten, ohne sich zu schädigen uvd mögen dieselben deshalb dahin wirken, daß an der Lebensfähigkeit derselben nicht gezweifelt werden darf. Der Vorstan spricht ferner sein Bedauern aus über den Bericht, welchen die Mitgliedschaft Leipzip im„Volksstaat" veröffentlicht hat, welcher nur dazu angethan ist, den Verein zu schädigen, und ersucht deshalb die Mitgliedschaften, sollte je so etwas in denselben vorkommen, sich doch erst dem Vorstande zuzuwenden und wenn selbiger es nicht regelt, sich an den Vorfitzenden der Konttolkominission, Weiß, Melchiorstr. 20, zu wenden, denn gerade in den jetzigen Zeiten muß jeder Zwiespalt ver- mieden werden. Die Berichte über den Geschäftsgang sind im Allge- meinen sehr ungünstig; so wird aus Deutz gemeldet, daß dort wieder 00 Kollegen aus der Artillerie-Werkstatt entlassen sind, meist solche, die dem Verein angehören. Den abreisenden Kollegen muß besonders empfohlen werden, auch in kleineren Orten Arbeit zu nehmen, um so für die Ausbreitung des Vereins Sorge zu tragen.— Unter Hinwei- sung aus die letzte Abrechnung betreffs der Ausgaben sei erwähnt, doch ja auf den Eintritt eines jeden reisenden Mitgliedes zu achten, indem eS immer noch vorkommt, daß die Neiscunrerstützung zu ftüh gezahlt wird. Ferner werde» die Milgliedschasten, von denen die vertauften Prototolle noch nicht bei ver Eentralkasse verrechnet sind, ersucht, dieses zu thun. In Hannover ist der Vertrauensmann P. Heins schwer er- krankt, die Reiseunterstützung zahlt I. Müller, Welfenstr. la. Der Arbeitsnachweis ist Neuestraße 45 bei Mathes. Als neue Mitgliedschaft ist Frankfurt a. M. zu verzeichnen; als Vereinsbeamte werden hiermit bestätigt: F. Noack, Vertrauensmann, wohnhaft Offenbach, Frankfurter- straße 77 bei Dörflinger; Stellvertreter: C. Reiß, Zeiselstr. 12; H.Host, Kassirer, Graubengasse 30 bei Kammerdiener; Hattendorf und Lossack, Schriftführer; A. Witz, Revisor, wohnhast in Bockenheim, Bekgaffe 5 bei Markmann. Der Vorstand spricht zum Schluß den Wunsch aus, daß die neue Mitgliedschaft Frankfurt stets wachsen und gedeihen und durch eine rege Betheiligung der Mitglieder uns in jeder Beziehung treu zur Seite stehen und bald einen Platz als die tüchtigste Mitglied- schaft im Verein einnehmen möge. Soeben wird aus Leipzig berichtet, daß die Einigkeit wieder hergestellt und daß die Mitgliedschaft kein Mitglied eingebüßt hat. Mit Gruß Im Auftrage deS Vorstandes: W. Wirths, Vorsitzender, Alepandrinenstr. 116. >'L. Alle Arbeiierblätter werden ersucht, dieses in ihre Spalten aufzunehmen. D. O. Hannover, 14. November.(Verband der Tapezierer und Fachgenossen. Dienstag, den 2. d. Mts., hielten wir eine durch Plakate bekannt gemachte, öffentliche Tapezierer- Versammlung ab, in welcher Kollege Wildrecht über den ersten Punkt der Tagesordnung: „Was bezweckt der deutsche Tapezierer- Verband?" referirte. Referent wies' in klarer, verständlicher Weise nach, daß in der Vereinigung sämmtlicher Tapezierergeh ülfen zum Verbände den Gehülsen eine tüchtige Waffe zum Schutze gegen Ausbeutung und Maßregelung von Seiten der Arbeitgeber geboten sei, und müsse es deshalb jeder Kollege als seine Pflicht erachten, einzutreten in den Verband und mitzukämpfen gegen den Druck des Kapitals. Redner führte ferner an, daß diejenigen, welche unserer Organifatton fern bleiben, uns nicht allein fehlen, nein, sie kräftigen dadurch auch die Arbeitgeber und arbeiten folglich aus Unwissenheit ober Gleichgültigkeit gegen ihr eigenes Interesse. Referent fordert hierauf die Anwesenden, welche dem Verbände noch nicht an- gehören, auf, dem Verbände beizutreten, der sich die Wahrung der Ehre und der materiellen Interessen seiner Mitglieder zur Aufgabe ge- stellt habe. Es wurde hierauf folgende Resolution eingebracht und einstimmig angenommen:„Die heutige, im Gasthaus zum„Kleeblatt" tagende Tapezierer-Versammlung erkennt in dem deutschen Tapezierer- Verband das einzige Mittel zur Hebung der materiellen und geistigen Lage der Tapezierer und erklärt, für dessen weiteste Verbreitung nach Kräften einzutreten."— Der zweite Punkt der Tagesordnung:„Unsere Organe", konnte wegen plötzlicher Erkrankung des Herrn Wilbrecht nicht mehr erledigt werden. Statt letzterem wird der von der Gewerk schaftskonferenz in Gotha gemachte Vorschlag, die Errichtung von Her- bergen betreffend, in Berathung gezogen. Nach ftattgefundener Debatte nahm die Versammlung folgende Resolution einstimmig an und beauftragte den Schriftführer, selbige in den Verbands- Organen zu veröffentlichen.„Die heute, den 2. November, im Gasthaus zum „Kleeblatt" tagende Tapezierer-Versammlung erklärt sich mit dem Pro- jekt der Errichtung von Gewerkschaftshäusern im Prinzip einverstanden und wird dasselbe, wenn es zur Ausführung gelangen sollte, nach Kräften unterstützen."— Mit Gruß Der Schriftführer. Verlin, 10. Nov.(Agitations-Bericht für den deutschen Bau-, Land-, Erd- und Fabrik-Arbeiter-Verein.) Unterzeichneter reiste am 23. Oktober von Hamburg nach Mecklenburg und Schles- wig-Holftein, um zum ersten Male für den deutschen Bau-, Land-, Erd- und Fabrik-Arbeiter-Verein eine Agitation vorzunehmen. Die erste Versammlung fand am 24. Oktober in Lübeck statt; dieselbe war von Parteigenossen zahlreich besucht und wurde dort auch eine Mitgliedschaft gegründet. Am 25. hielt ich in Rostock, wo schon eine Mitgliedschaft bestand, einen Vortrag, wobei zahlreiche neue Mitglieder sich aufneh- men ließen. Am 27. war ich in Neustadt in Holstein, woselbst die ganze Polizei in der Versammlung anwesend war, selbst die Treppenaufgänge waren von Nachtwächtern besetzt. Es that dies uns keinen Abbruch, denn es wurde eine Mitgliedschaft gegründet. Nun ging es nach Eutin, wo es nicht möglich war, ein Lokal zu bekommen, in Folge dessen muß- ten wir uns nach dem angrenzenden Dorfe Neudorf wenden, woselbst denn auch am 23. eine gut besuchte Versammlung war und zwei Mit- gliedschasten, eine für Eutin und eine für Neudorf, in's Leben gerufen wurde. Am 28. sprach ich in Kiel in der„Tonhalle" vor einer gut besuchten Versammlung und wie ja nicht anders zu erwarten stand wurde auch hier eine gute Mitgliedschaft gegründet. Sodann ging es am 30. nach Schleswig, wo es mit der größten Mühe gelang, eine ein- fache Gaststube zu erhalten; es waren ungefähr 60 bis 70 Personen anwesend, von welchen jedoch nur einige sich dem Vereine anschlössen. Den 2. November wurde in dem Dorfe Schülp im Dithmarschen im Hause unseres Freundes und Parteigenossen Cismar eine Versammlung abgehalten und es kam dort soweit, daß durch die Anregung eines Ar- beiters sich Diejenigen melden mußten, welche nicht dem Verein bei- treten wollten. Daß hier eine gute Mitgliedschaft zu Stande kam, ist selbstredend. Am 3. Rov. wurde dann in Wefselburen, wo ein aBirth eine Wand herausriß, um ein Versammlungslokal herzustellen, ebenfalls eine Versammlung abgehalten. Endlich am 4.-Nov. wurde auch noch in Itzehoe eine Mitgliedschaft gegründet. Nun, Kollegen Deutschlands, wir können wohl für den Slugenblick mit dem Resultat zufrieden sein, aber legen wir nicht die Hände in den Schooß, sondern arbeiten wir fleißig� weiter an diesem Werke und es wird, wenn ein Jeder Muth und Vertrauen hat, nicht lange währen, dann werden wir uns den ältesten und besten Gewerkschafts-Organisationen ebenbürtig zur Seite stellen können. Mit soeial-demokratischem Gruß Wilhelm Wißmann. Stuttgart, 12. Nov.(Allg. deutscher Schneiderverein.) Auf Grund der am 25. Oktober stattgefundenen Versammlung der Schneidergehülfen Stuttgarts ist in erster Linie der damalige Referent Grüneberg und am Samstag darauf die Hälfte der Arbeiter, zwölf an der Zahl, welche sich an der Versammlung betheiligt haben, aus dem Geschäfte Adolph Loeser, Tübingerstr. 12, gemaßregelt worden. Da sich ein Theil der Meister zum gleichmäßigen Hapdeln verbunden haben, um zu gleicher Zeit Arbeiter aus andern Orten heranzuziehen, so er- suchen wir die Schneidergehülfen aller Orte, den Zuzug nach hier fern- zuhalten und die Firma Adolph Loeser genau in's Auge zu fassen. Doerfel, Bevollmächtigter. ?>B. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck und möglichste Ver- breitung ersucht. D. O. Trier, 14. Novbr.(An die Schuhmacher Deutschlands.) Kollegen! Wir haben uns in Trier der Gewerkschaft der Schuhmacher angeschlossen, um gemeinsam unsere Lage zu verbessern. Aber auch die Meister haben sich vereinigt und in einer Versammlung beschlossen, daß sämmtliche Gesellen, die der Gewerkschaft angehören, aus der Arbeit entlassen werden sollen, um den Verein zu unterdrücken. Zlußerdem wollen sie sich von anderen Städten Arbeiter schicken lassen. Kollegen, haltet deshalb den Zuzug ferne. Im Austrage hiesiger Kollegep: Heinrich Fischer. Was uns fehlt! Gelehrte haben wir, die der Natur Zusammenhang mit scharfem Geist erkunden, Die für den Stein, für jeden Halm der Flur Gefetze seines Daseins aufgefunden; Gelehrte, die den Himmel kühn durcheilen lind in der Erde tiefstem Kerne weilen: Doch Männer fehlen unS! Und Weife haben wir, die nach dem Ziel Des Menschendaseins ernsten Sinnes spähen, Die in der Kräfte vielverschlung'nem Spiel Die Einheit und die Harmonie ersehen; Vor deren klarem Blick die Nebel schwinden, Und die der Wahrheit Leuchte uns entzünden: Doch Männer fehlen uns! Und Künstler habe» wir. Zluf dem Altar Der Schönheit brennt ein Feuer, hell und licht! Daß sich die Schönheit voll uns offenbar', Ermangelt sie geweihter Priester nicht, Und Jedem wird der Künste schöner Reigen Der Menschheit Adel, ihre Bildung zeigen: Doch Männer fehlen uns! Und Helden haben wir. Ihr Name klingt Von einem End' der Welt zum andern wieder, Und mancher ruhmesirunk'ne Dichter singt In ihrem Dienste seine stolzen Lieder; Wer zählt die Siege, die sie uns erfochten, Durch die den blut'gen Lorbeer sie sich flochten? Doch Männer fehlen uns! Uns fehlen Männer, die mit warmem Herz Und hellem Kopf des Volkes Wohl verfechten; Die sehen feinen schuldlos großen Schmerz Und wie man frech ihm raubt von seinen Rechten; Die aller Menschen Würde aufrecht halte», Die Menschheit nicht in Hoch und Niedrig spalten: Die Männer fehlen uns! Uns fehlen Männer, die dem Worte feind, Dem leeren, nur die Thaten lassen sprechen; Die, der Gerechtigkeit und Gleichheit Freund', Der Unterdrückung schmählich Joch zerbrechen; Die für der Menschlichkeit Gesetze streite», Der Liebe einen Thron hier zu bereiten: Die Männer fehlen uns! Uns fehlen Männer, die mit ganzer Kraft Des Volkes und der Freiheit Sache wahren; Die, zu befreien es aus bittrer Haft, Nicht scheuen sich vor Mühen und Gefahren; Die, unter freien Menschen frei zu leben, Erachten als das Höchste aller Streben: » Die Männer fehlen uns! Paul Lossau. Sptechsaal. Marburg, 1. Nov. Ein Avis für Herrn Harkort und ein Beitrag zur Rohheits- Statistik. Vor einigen Wochen kam ich Zlbends gegen 11 Uhr aus einer Gewerkschafts-Versammlung der Schuhmacher. Vor der Thür des Hrn. Restaurateur Dörr mit 4 meiner Geschäftskollegen angelangt, woselbst wir noch über einige Geschäftsangelegenheiten sprechen, wurden wir 5 Personen von 33, ich weiß nicht, wie ich die Individuen nennen soll, überfallen. Wir sahen, daß es Jünger der hiesigen Akademie waren, mit Wagenrungen, Knüppeln und wer weiß mit welchen sonsti- gen akademischen Bildungsmitteln(?) versehen, stürzten dieselben auf uns und schlugen drauf los. Meinen 4 Kollegen gelang es, in kleine Gäßchen zu verschwinden, mir war es jedoch unmöglich, zu entkomme», da ich stets von 10— 12 dieser zukünftigen Staatsanwälte, Schwurge- richts-Präsidenten, Professoren oder Doktoren— wer weiß was für Karrieren diese edlen Seelen alle nehmen werden— umringt war. Als ich bei dieser Barbarei zwei dieser Musensöhne von mir wegge- schleudert hatte und der eine zur Erde siel, stürzten die anderen, Hyänen gleich, auf denselben los, jedenfalls in der Meinung, daß ich es sein würde, so war es mir nun vergönnt, etwas Luft zu bekommen. Mit dem Ruf:„da ist ja der verdammte Socialdemokrat", stach mich eine dieser edlen deutschen Seelen— sie waren von der Burschenschaft „Teutonia"— mit einem Messer in den Kopf. Endlich kam„polizei- liche Hülse". Aber nicht ein einziger dieser akademischen Bürger wurde trotz meiner wiederholten Aufforderung nach seinem Namen gefragt, noch viel weniger verhaftet, und habe ich somit die kannibalische Hand- lungsweise erdulden müssen, ohne den Rechtsweg beschreiten zu können. (Sinem Hausbesitzer erging es dieser Tage nicht besser; von einem Studenten, melcher Bei ihm wohnt, erhielt er mehrere Stiche in den Kopf und in den Rücken, woselbst die Klinge des Messers abbrach.— Dies, Herr Harkort, ist akademische Bildung! Wären es Arbeiter gewesen, würden Sie sagen: dies ist Roh he it. Doch zu bedauern ist ein Staat, welcher solche Personen als zukünftige Gesellschaftsretter be- kommt. Für die unverbrüchliche Wahrheit stehe ich ein. V. H. Schneider. des„Neuen Soeial- Demokrat" sind Vermischtes. *(Die Kaiserglocke) hat noch immer keine Ruh. In der „Polytechnischen Gesellschaft" zu Stettin machte der Glockengießer Voß über die Kaiserglocke im Kölner Dom, die er am 12. September besichtigt, folgende interessante Mittheilungen: Daß der Guß zweimal mißlungen sei, dürfe dem Glockengießer Herrn Hamm nicht zum Vor- wurf gemacht werden; ein Mißlingen könne bei einem so bedeutenden Gewicht von SO« Eentnern Jedem passiren. Dagegen stehen die Dimensionen der Glocke nicht im richtigen Verhältniß zu dem Gewicht. An der Stelle, wo der Klöppel an die Glocke schlagt, muß bei einer richtig konstruirten Glocke der Durchmesser der Glocke 14mal so groß sein, als die Dicke des Metalls an jener Stelle. Nach dieser Regel müßte der Durchmesser 11' 6" betragen, während er faktisch nur 10' 10" beträgt, also K" zu klein ist. Zweitens ist die Glocke, wie Herr Voß erfahren, 50 Centner schwerer, als sie sein soll. Drittens sind die Oehren der Glocke zu klein und schwach und können das Gewicht nicht tragen; die Folge davon muß sein, daß sie einmal abbricht und die Glocke also herabstürzen muß. Ferner ist der Tonreif der Glocke� zu stumpf, er müßte scharf wie ein Messerrücken auslaufen, wenn der Ton nicht gehemmt werden soll. Was den Punkt anbetrifft, daß diejJGIocke immer noch nicht zum Läuten gebracht werden konnte, so meint Herr Voß, daß durch praktische Versuche die Glocke mit leichter Mühe bei regelmäßiger Schwingung zum richtigen Anschlag zu bringen sei. Cr selbst hat ein solches Erperiment an der Stettiner Schloßglocke, die 126 Centner wiegt, früher ausgeführt, und den Klöppel, der auch nicht richtig anschlagen wollte, zur regelmäßigen Bewegung gebracht. *(Das Non plu.s ultra der Bomben.) Ein amerikanisches Blatt meldet: Ein Mann hat eine Bombe erfunden, welche die Auf- merksamkeit der Regierung'verdient. Sie ist mit kleinen Bomben ze- füllt, wenn sie unter zehntausend Soldaten explodirt, zerstreuen sich die kleineren Bomben nach allen Richtungen, und nun ihrerseits wieder berstend, schicken sie viele kleine Granaten aus, die sich rücksichtslos lange im Kreise bewegen und dann ebenfalls explodiren. Damit ist in der Regel die Armee vernichtet, und wenn ja noch etwa ein Dutzend Mann übrig bleiben, wünschen sie gewiß, nach Hause zu gehen. *(Merkwürdige Steuern.) Die feinst ausgesonnene Steuer des Alterthums führte der römische Kaiser Michael Paphlago ein: eine für die zum Athemholen nöthige Luft(vectigal aerenm)! Gleich als ob er im Stande gewesen wäre, seinen Unterthanen die Luft zu ent- ziehen.— Julius Cäsar führte eine Steuer auf Säulen(vectigal pro colunmis) ein, die sowohl im Innern des Hauses, wie nach außen an- gebracht wurden.— Am 26. März 1644 erging eine Parlamentsakte, wonach jede Familie jede Woche eine Mahlzeit weniger zu sich nehmen und die Kosten dafür an die öffentliche Kasse zahlen sollte.— Der Seandal-Geschichtsschreiber Vehse erzählt von einem deutschen Reichs- grasen, der ein Bein gebrochen und zur Bestreitung der Kurkosten von seinen Unterthanen eine Beinbruchssteuer erhoben habe, die auch nach völliger Herstellung des geliebten Landesherrn noch lange Jahre in Gebrauch geblieben sei. In einem anderen deutschen Lande, wo die fürstliche Kammer die Apotheken selbst verwaltete, schrieb der Fürst eine allgemeine Laxirsteuer aus. Jeder Bauer muhte vierteljährlich 2 Loth SedUtzer Salz nehmen und sich mit einem Scheine dieserhalb bei sei- nein Schulzen ausweisen.— Landgraf Friedrich II. von Hessen-Cassel, der große Seelenverkäufer, aber erhob von seinem Volke eine besondere Steuer, den Salzheller, sür seine Kebsweiber. Und Fürst Friedrich Carl von Neuwied gestattete sich willkürlich Erhebungen von Geldauf- lagen unter dem naiven Titel: Allgemeine Landes-Nothdurft. *(Die Berliner Leihhäuser.) Dem Magistrat ist seitens der königlichen Seehandlung die Mittheilung gemacht worden, daß die Ber- liner Leihhäuser, nachdem die städtischen Behörden deren Uebernahme durch die Stadt abgelehnt haben, am 1. Januar 1876 der Art ge- schlössen werden, daß keine neuen Pfänder mehr beliehen werden dürfe». Zur Beuchtikng. Die Adresse des Sekretariats der Soeialistischen Arbeiterpartei Deutschlands ist jetzt Pferdemarkt 37 HI. in Hamburg. I. Auer. C. Derossi. Durch die Buckhandlung folgende Schriften zu beziehen: Auerbach, Bernh., Tagebuch aus Wien. Baumann, Berechnung über das Gewindeschneiden Becker, B., National-ökonomische Raketen. - Die Reaktion in Deutschland gegen die Revolution von 1848 - Geschichte der revolutionären Pariser Commune von 1789— 1794 - Der alte und' der neue Jesuitismus. - Briefe deutscher Bettelpatrioten. 5 Lie- ferungen, eomplett - Mißbrauch der Nationalitätenlehre - Carl Fourier.... Becker, Joh. PH., Vorbote, Soe.-pol. Monatsschrift. (6 Jahrg., eomplet 66— 71) Bebel, Aug., Unftre Ziele Bios, W., Unsere Preßzustände - Blut und Eisen, oder die Entstehung des Krieges 1366. Boruttau, Religion und Soeialismus Bracke, W., Der Braunschweiger Ausschuß der So- eial-demokratischen Arbeiterpartei in Lötzen und vor Gericht. Mit Gruppenbild Gruppenbild aus diesem Werke Christenthum u. SoeialismuS(eine religiöse Polemik) Die Volksschule und die Lage ihrer Lehrer in der Provinz Preußen.... Dietzgen, National-Oekonomisches. - Die bürgerliche Gesellschaft - Die Religion der Social- Demokratie (5 Kanzelreden) Dr. Douay, ABC des Wissens. - Antwort an die Bekenner des Theismus Die parlamentarische Thütigkeit des deutschen Reichs- tages, der Landtage und der Social-Demokratie Engels, F., Zur Wohnungsfrage(3 Hefte) Der deutsche Bauernkrieg - Die Bakunisten an der Arbeit - Sociales aus Rußland Erinnerungen an Herwegh.... Ein Äomplot gegen die Internationale Arbeiter- Association..... Geib, Normalarbeitstag.... General- Abstimmungsliste des deutschen Reichstages von 1867— 73.... Geiser, Die Forderungen des Socialismus an Zukunft und Gegenwart Äandbüchlein für Amtsoorsteher Hepner, Meine 3'/-jährige Polizei-Campagne Herr Böhmert und seine Fälschungen der Wissenschaft, begangen in seinem Buche:„Der SocialismuS und die Arbeiterftage" Hillmann, Praktische Emanzipationswinke - Die internationale Arbeiter-Association - Organisation der Massen Hirsch, Die angeblichen socialen Theorien und die wirklichen Bestrebungen deS Herrn Vakunin. Jacobi, L., ES werde Licht Jacoby, I., Ziel der Arbeiterbewegung Katastrophe von Rosenfeld... König, Schwarze Kabinete..'. Leipziger Hochverrathöprozeß Lassalle, Offenes Antwortschreiben - Heber Verfassungswesen. Was nun? und Macht und Recht. - Arbeiter-Lesebuch - Arbeiter-Programm - Nondsdorfer Rede - Bastiat-Schulze. - Wissenschast und Arbeit" - Feste und Presse - Kleinere Aufsätze..•. - Indirekte Steuern - Franz von Sickingen - Italienischer Krieg und die Aufgabe Preußens.... - An die Arbeiter Berlins - Düsseldorfer Prozeß am 27. Juni 1864 - Zur Arbeiterfrage - Julian Schmidt Mk. 1,00 - 2,00 - 0,60 - 2,25 - 2,50 - 0,60 - 3,75 - 1,00 - 0,30 - 9,00 Mk. 0,25 - 0,20 - 0,50 - 0,50 1,25 0,30 0,15 0,15 0,05 0,10 0,20 0,15 0,16 0,15 0,45 0,50 0,15 0,15 1,10 1,25 0,15 2,00 0,50 0,30 0,60 0,80 0,15 0,20 0,25 0,15 0,50 0,20 0,20 0,75 3,00 0,08 0,35 0,15 0,10 0,10 0,50 0,15 0,15 0,25 0,25 1,25 0,80 0,10 0,15 0,15 1,00 Lassalle, Kriminal-Prozeß HL - Philosophie Fichte Lanz, Dr. K., Kehör-EntwickelungS-Methode � Liebknecht, SB., Grund- und Bodenfrage - Trutz und Schutz - Wissen ist Rtacht..' - lieber die politische Stellung der Socialdemokratie - ReichstagSrede 1874 Lommel, Jesus von Nazareth - Johann Huß.... Most, Gesetzsammlung. 1. Heft..' Pariser Commune vor den Berliner Gerichten - Liederbuch, gebunden Otto-Walster, A., Allerhand Proletarier. Rienzi(Drama in 5 Aufzügen) « Braunschweiger Tage(eomplett) - Am Webstuhl der Zeit do. Prozeß gegen Dr. S. Tauschinski und 31 Genossen in Graz wegen Religionsstörung und geheimer soc.-dem. Verbindung.. Photographien diverser Socialisten u. Communisten Tessendorf und die deutsche Socialdemokratie v. Treitschkc, der Socialistentödter. Rathgeber für Gewerbetreibende, broschürt. � gebunden öatf, Unsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit Statuten der internationalen Arbeiterassoziation Schramm, Grundzüge der National- Oekonomie. I. Abth..... Serno Solowiewitsch, Unsere russischen Angele- genheiten Volksstaat-Fremdwörterbuch, brochirt -- gebunden Wuttke, Die deutschen Zeitschriften Wohnungsfrage(Skizze)...' Dorck, Die industrielle Arbeiterfrage Mk. 0,30 - 0,25 - 0,80 - 0,50 - 0,20 - 0,25 - 0,15 - 0,15 - 0,30 - 0,30 - 0,25 - 0,60 - 0,45 - 0,40 - 0,30 - 2,60 - 2,60 - 0,75 - 0,25 - 0,40 - 0,30 - 4,00 - 4,50 - 0,60 - 0,10 - 0,25 - 0,20 - 0,50 - 0,66 - 4,00 - 0,16 . 0,25 Den Parteigenossen empfehlen wir nachfolgende socialistische Organe: In holländischer Sprache erscheinen: „De Werkman", in Amsterdam. Organ der Arbeiter- Korporationen. Wöchentlich einmal. „De Deik" van den Vooruitgang, in Rotterdam.(Revue mensuelle.) In griechischer Sprache erscheint: „Ergates"(Arbeiter) in Athen. In serbischer Sprache erscheinen: „Ltato Oalododjeuss"(Alte Befreiung), erscheint in Kragu- jevacz. „Bratztvo"(Bruderlasten) erscheint in Veushcz. Einmal wöchentlich. Zur Beachtung! Die ausgegebenen Listen zur Bildung eines Fonds für die socialistische Berliner Tageszeitung sind in vierzehn Tagen auf der Erpedition des„Neuen So- cial-Demokrat", Kaiser Franz- Krenadierplatz 8 a., gef. abzuliefern. Neue Listen können daselbst und in allen Versammlungen in Empfang genommen werden. Die Zeitungs-Kommission. Briefkasten. Der Maurergeselle August Schütt aus Wandsbeck, früher in Gci- 30 b M lö'Ct5 �"Scub"», seine Adresse gebeten, spätestens bis den „, I. A.: Johs Sälk, Geestendorf den 11. November 1875. Elhornstr. 110. Weidemann, Hamburg: Das Depot der Tischler zeigt, ohne die Kosten der Annonce in heutiger Nummer, Mark 10,60 Rückstand. A. Geppert, Heide. 300 Karten würden Ihnen 8 Mark kosten. F. Meyer, Schleswig, Groh-Markt 13. Wenden Sie sich an Herrn B. Klerx in Gießen. Anzeigen. Berlin. Arbeiterversammlungen: Sonnabend, 20. Nov., Ab. 8 Uhr, 1) Gratweil'S Bierhallen, ob. Saal. Vortrag des Herrn Dr. Kuntz. Verschiedenes und Fragekasten. 2) Elsasscrstr. 57 bei Zoller, Reichstagsstudien. Vortrag desHrn.Paul. Montag, 22. Nov., Abends 8 Uhr. Zwei Versammlungen: 1) Marianncnstr.Zt, Jndnstriehallcn. 2) Landwchrstr. U, bei Meister. Um zahlreiche Betheilizung bittet (F. 29.) A. Heinich.]3,00l Sonntag, 21. November, ÄOmill. � Vorm. 9 Uhr, Sophienstr. 15, Gcncralvcrsammlnng der Mitglieder der Tischlergescllcn-Krankcn- und Sterbekaffe. s 2,00s T.-O.: Wahl der 9 Ausschußmitglieder für das Jahr 1876. Stimmzettel-Ausgabe von 9 bis 11 Uhr. Das neue Auflage- buch pro 1875 legitimirt. Der Vorstand. Sonnabend, 20. November, Abends 8 Uhr. im Lokale des Herrn We gener, in der Juliusburg in der Juliusstraße, Volksversammlung. Tagesordn.: Die Biersteuer u. Petroleum- steuer. Referent: Herr Rackow. Der Abgeordnete des Teltower Kreises ist hierzu eingeladen. Zu zahlreichem Erscheinen ladet ein (F. 100.) A. Versümer.[2,40] SV�Pvftlt Sonntag, den 21. Novbr., XJLll lU. Vorm. 10 Uhr, Ritterstr. 7, Generalversammlung des Berliner Mctallarbcitervcrcins. Vortrag des Hrn. Milke. Mitgl. werden aufgen. Gäste h. Zutritt. Werthmann,[l, 20s Berlin. Tonntag, 21. Nov., Vorm. 10 Uhr, im Lokale des Herrn Deichmüller, Neue Grünstraße 28, Bcrsammlung der Böttchcrgescllen. Tagesordnung: Vortrag und Verschiedenes. E. Plischke.[1,60s Wandsbeck. bei Decke, Lübeckerstraße ob, Oesscntlichc Tischlerversammlung. Zu zahlreichem Besuch fordert auf Jl. Hampe.[1,40s ichnmhttt'rt Freitag, den 19. Nov., »yUmuaUj. Abends 8'/, Uhr, in Stadli's Etablissement, Valentinskamp 41, Geschlossene Parteiversammlung. Tagesordn.: Zlbrechnung.— Wahlen.— Volksblatt. (F. 1.)_ Hörig.[2,00] ftrimlutrit Sonnabend, 20. Noobr. yiUUlUUl). Abends 8-/, Uhr, bei Hüb n er, große Rosenstraße 37, QeffcntlichcMitgllrdcrversammInng. (F. 37.) Ferd. Weidemann.[1,00s Sonnabend, den 20. Nov., Ab. 8 Uhr, im Engl. Garten, Partei-Versammlung. Tagesordnung in der Versammlung. Ehr. Starck.[1.20] Hannover. Soc.-demokratischer Wahlverein. Sonnabend, 20. Nov., Ab. 8 Uhr, Oeffcntlichc Mitgliederversammlung im Vereinslokale, Mittelstr. IL Vortrag des Hrn. Glebe über Soeialismus u. Com- munismus. Fremde haben Zutritt.[1,20] Sonntag, 21. Nov., Nachm. 4'/- Uhr, im Lokale des Herrn Kirgeleis, Unterhaltung des Arbcitcr-Sänger- Bnndcö unter gefälliger Mitwirkung der Liedertafel Fortuna aus Han- novcr. Entröe für Herren 30, für Da- men 15 Pf. Der Vorstand. s1,60s Limmer. Barmen. Eppendorf. N'/ im Lokale des Herrn Geweke, (Hohelust) Volksversammlung. T.-O.: Die nächste Neichstagswayl. (F. 650__ W. Wulf.[1,60] Frankfurt a. M. Habana Aus- schuft- Ciaarren, vorzüglich, pr. Stück 5 und 6 Pft, empfehle ich meinen Freun- den und Parteigenossen. Jcan Peter» 5 Schnurgasse 5.[2,50s llirtlllltm Sonntag, 2l. Nov., Nachm., -OlUlUUl. in der Schützenhalle bei Herrn Fr. Rehse junr., Großes Arbeiter- Fest. Programm. Großes Concert. Gesangvvrträge von zwei Gesangvereinen. Festrede, gehalten vom Reichstags- Abgeordneten Herrn W. Haffelmann. Theatervorstellung. Nachher: Tanzkränzchen. Entrbe ä Person 5 Sgr. Karten vorher 3 Sgr(F� 75�____ J2,60] 20. November, Abends 8 Uhr, im Lokale d. Herrn Berger, Rödigerstr., Versammlung der Holzarbeiter-(Gewerkschaft. Kollegen sind hiermit eingeladen. (F.�75j Der Bevollmächtigte.[1,40] ICff/v». Sonntag, 21. November, Vorm. 11 Uhr, bei Brandenberg, Grabenstr., Versammlung des Socialistische« Arbeiter- Wahl- Vereins. T.-O.: 1) Nationalhaß und Patriotis- mus. Referent: H. Raspe. 2) Vereins- angelegenheiten. (F. 45.)__ A� Kremer.[2,00] Altona. Unserem Parteigenossen L. Kleinke zum 43. Geburtstage herzliche Gratulation.(F. 20.) Genossen.[1,50] Colli a. im den Räumen des„Alten Kuhberg", (Schnürgasse),[3,00] Großer Arbeiter- Vereinigungs-Festball, verbunden mit(vonccrt, unter Mitwirkung der„Nrbcitcr-Liedcrtafel Gölns". Entröe gegen Vorzeigung der Karte 75 Pf. Damen frei. Kassenpreis erhöht. Karten hierzu sind bei dem Cvmitö und den Agenten zu haben. Alle Partei- und Gewerksgenoffen werden hierzu eingeladen. Das Comitb. Sonnabend, den 20. November, ladet! zum Wnrstpicknict ganz ergebenst ein Ernst Menzel,[2,00] ___ Prenzlauenstraße 61. •TVltTflhimT Sonntag, 21. Nov., Nachm. 4 Uhr, Groftc Volksversammlung. T.-O.: Die neuen Gesetzvorlagen für de» deutschen Reichstag, als: Strafgesetznovelle, Bier- und Petroleumsteuer. Referenten- Die Herren Strumpen und Raspe a»� Essen. Parteigenossen, sorgt für zahlreichen Be- such.� Der Agent.[2,00] rC«ff(»lt Sonntag, 21. November, \S|}UI. Vorm. 11 Uhr, bei Hrn. Brandenberg, Grabenstr., Zlnßcrordentliche Mitgliederversammlung des Clcsang-Vcrcins„Frohsinn"-. T.-O.: Sehr wichtige Angelegenheit.[l-OO' Alle Mann am Platz. Der Vorstands ALLGEMEINE DEUTSCHE ASSOCIATIONS-BÜCHDHÜCKEREI Zü (Eingetragene Penossenschaft) empfiehlt sich zur Anfertigung von Reehmmgen, Quittungen, Formularen, Circnlaren, Prospecten, Prcis-Couranten, Hall-, Visiten-. Adress- und Empfehlungs- Karten, sowie überhaupt aller in dieses Fach einschlagenden Arbeiten. Ganz besonders empfehlen wir uns den geehrten Vereinen zum Druck von Statuten und aller bei Vereinen vorkommenden Arbeiten, und bitten mn geneigte Aufträge. Auch für Auswärts fuhren wir Aufträge, auf Druckarbeiten ans und hoffen, dass uns solche zahlreich zugehen werden. Indem wir stets saubere Ausführung und prompte Bedienung versprechen, empfehlen wir uns hiermit bestens. AllEemeine Dentsclie AssociatiortcMrnctai zn Berlin (F. 97.) (Eingetragene Genossenschaft). Kaiser Franz-Grenadier-Platz Nr. 8a. 11,6) BB h Druck und Verlag der Allg. deutschen Associations Buchdruckeret zu Berlin, Eingetragene Genossenschaft, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a. Verantwortlich sür die Redacti: A. K er in Berlin.