Nr. 140. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Freitag, den AK. November 1875. Neuer Bestellungen Kerben bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgegengenommen. Jocial-Demokral. Organ der Socialistischen Arbeiter-Partei Deutschlands. 5. Jahrgang. Redaction«. Expedition: Berlin, 80., Kaiser Franz-Grenadier-Pl. 8a. Inserate (nur in der Expedition aufzu- geben) werden pro fünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. berechnet. Ver- sammlungs-Annoncen die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Re- klame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. Abonnementö-PreiO: Für Berlin incl. 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ES spukt wieder in Berlin. Deutscher NeichStag. Politische Ucbcrsicht: Ein neuer Fall ä la Hofferichter.— ■Angebliche Arbeiter-Rohheiten.— Don Carlos.— Türkisches.— Ar- deiterelend.— Ein Geschenk des letzten Krieges. ttorrcspondcnzcn: Altona.— Frankfurt a. M.— Osna- brück.- Wandsbeck. Wieder eine Mustcr-Fabrikordnung. Feuilleton: Ueber die Kost in öffentlichen Anstalten.(Forts.) Es spukt wieder in Berlin. Seit der„großen" Haussuchung vom 8. Juni 1874 w der Redaktion und Expedition des„Reuen Social- Demokrat", sowie bei verschiedenen Berliner Socialisten, hat die Kaiserstadt keine ähnliche wieder gesehen, wie die, welche am 22. und 23. dss. stattfand, und zwar war die gegenwärtige eine noch viel umfangreichere, als die erstge- »annte. Nachdem am 22. Abends der Kassirer des Berliner Socialistischen Arbeiter-Wahl-Vereins, Breuel, sowie Par- teifreund Heinsch bereits einen polizeilichen Besuch erhalten hatten, der besonders in der Wohnung des Letzteren gründ- llch aufräumte, entlud sich am Worgen des 23. das Haupt- Gewitter über nicht weniger als circa 20„Rebellen", sowie �ie Redaktionen und Expeditionen des„Renen Social- Demokrat", des„Grundstein" und des„Pionier". Fast zu gleicher Zeit— in der elften Stunde— klopften bei den Parteifreunden Fritzsche, Wißmann, Köhler, Aathenau, Finn, O. Kapell, Grottkau, Baumann und Anderen, deren Namen wir in nächster Nummer mit- theilen werden, die Wächter des Gesetzes an und zwar stets zu fünf oder sechs Mann, von denen einer resp. zwei, wie auf der Erpedition unseres Blattes, die Ausgänge„besetzten", während die übrigen vier sich der Pulte, Commoden, Koffer u. s. w.„erbarmten". Die Beute, welche die Abgesandten der Justiz für Herrn Dessendorf machten, läßt sich augenblicklich noch nicht über- lehen. Dem Parteifreunde Rackow wurden auf der Expe- dition 12 Briefe mit Beschlag belegt und außerdem wurde düt Ausruf konfiszirt. Ob das Gewünschte sich aber dabei befunden hat, ist sehr fraglich, wiewohl die Wächter des Gesetzes und der Ordnung fast zwei Stunden die Redaktion und Expedition des„Reuen Social-Demokrat" mit ihrer Gegenwart beehrten. Darnach scheint es in der Thai, als ob die neue Sirasgesetz-Rovelle im Bundesrathe bereits ihre Schatten vor- aus würfe. Was sich da die liberale Preffe freuen wird! Haben doch die letzten Wahlerfolge der Socialisten deren Gegnern wanche Ruß zu knacken gegeben. Und speziell sind es die Berliner Socialisten, welche trotz der vielen Auflösungen, Haussuchungen, Verhaftungen u. s. w. noch immer verstockt sind, von dem Vereinsrecht nach Kräften Gebrauch wachen wollen und jetzt gar die Absicht haben, vom 1. Ja- uuar ab eine- e große täglich erscheinende social-demo- statische Zeituu.' herauszugeben. Da kann nu in Anbetracht solcher„Ueppigkeiten" der Spießbürger nicht chig zusehen, und wird laut jubeln, wenn er hört, daß neu? ussnchungen vollzogen sind. Ob die Herren Beaniten befriedigt von dannen gegan- gen sind, wissen wir ber nicht. Wie früher, so wird inan auch diesmal bei den vsen Rothen Nichts gesunden haben, was zu Hoch- und Lan'esverraths-Prozessen Ursache geben könnte. Anklagen wird's viel!-cht geben, aber die Ansichten des Gerichtshofes werden hoffe,'lich andere, als die des Herrn Staatsanwalts sein. Obschon man mit der n uen Strasgesetz-Rovelle unserer Partei offen den Krieg erklärt hat, werden wir doch ohne Zagen den gesetzlichen Kampf aufnehmen. Und durch Ber- solguugen, wie wir sie gegenwärtig seitens des Herrn Des- sendorf u. s. w. gewohnt sind, wird unserer Partei auch nicht der geringste Schaden beigefügt. O, wie gern sähe der Philister uns in den letzten Zügen liegen! Aber mit dem Todtmachen der Social-De- mokratie hat es seine eigene Bewandtniß. Jeder Vernich- tungsstreich, welcher gegen sie geführt wird, trägt zu ihrer Stärkung bei. Werden Vereine als wider das Gesetz verstoßend aufgelöst, so bilden sich neue zahlreichere Vereine, welche sich die möglichste Mühe geben, dein Gesetze bis auf's Titelchen zu genügen. Wird ein Socialist zu beschaulichen Betrachtungen hinter die eisernen Gardinen gesetzt, so geht er— wie ein Parteigenosse treffend sagte— als Teufel in's Loch und kommt als Beelzebub wieder heraus. Mit einem Wort, die UeberzeugungStreue trotzt jedem Un- gemach. Wenn also die Verfolgungen von jetzt ab in noch ver- stärkterem Maße die Arbeiter treffen, so werden sich nur mit um so größerem Erfolg ihre Ideen verbreiten. Die Strasgesetz-Rovelle, die allerdings der Strick für die Social-Demokratie genannt werden kann, mag am Ende ausfallen, wie sie will, den Socialismus wird sie nicht aus der Welt zu schaffen im Stande sein. Die Roth und das Elend des Volkes wachsen ja von Tag zu Tag, der Schwindel und die.Korruption in den „höheren" Klassen greifen stärker und stärker um sich und es ist also kein Wunder, daß die Socialisten mehr und er- folgreicher denn je auf die Auswüchse der heutigen Gesell- schaft hinweisen. Mag sie dann auch Gefängniß treffen, mögen bei ihnen Haussuchungen, Konfiskationen und ähn- liche Ereignisse tagtäglich sich wiederholen, es wird dies sie höchstens vor dem Einschlafen bewahren. Wohl können in der heutigen Gesellschaft einige miß- liebige Personen hinter Schloß und Riegel„unschädlich" gemacht werden. Aber der Rothstand unter dein arbeitem- den Volke wird nur weichen, wenn eine gerechte Gesell- schafts-Organisation vorhanden ist. Herr Tessendorf mag uns daher nur mit solchen klei- neu Aufmerksamkeiten weiter beehren, wir werden ihm da- für sicher nicht undankbar sein. Druck erzeugt Muth! Der Strom der Zeit rauscht vorwärts allen Reaktionen zum Trotz, und wer sich ihn: wohl gar in selbstgefälliger Machtvollkommenheit entgegenwerfen will, der wird hinweg- geschwemmt. Die Wahrheit siegt, ihr eifrigster Feind muß zuletzt dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen und pater peceavi sagen, wenn die Geschichte über ihn das Urtheil spricht. Deutscher Reichstag. Sitzung vom 23. November. Die heutige Reichstags-Sitzung begann halb 1 Uhr. Auf der Tagesordnung standen verschiedene Kapitel des Etats. Zu Kapital I.(Reichskanzler-Amt) ergriff unter Anderen der Abge- ordnete Hasselmann das Wort und motivirte den Gehalt des Fürsten Bismarck(54,000 Mark). Nach dem stenographischen Bericht lautet die Rede Hassel- mann's, wie folgt: Meine Herren! Ich hätte zu diesem Titel nicht das Wort ergriffen, wenn nicht seitens der Regierungsgewalt im letzten Jahre eine Haltung eingenommen worden wäre, welche Zehn- tausende von Arbeitern um Lohn und Brod gebracht hat und in Folge deren der Arbeiter zum Schaden noch den Spott hat. Es handelt sich nämlich um das Rezept der Herren Minister Camp- hausen und Achenbach: Die Löhne herabzusetzen und die Arbeitsleistungen zu steigern. Es fällt mir nicht ein, hier blos in einem speziellen Falle die Höhe des Gehaltes zu bemängeln, ich meine vielmehr, wenn ein solches„Sparsystem" offiziell proklamirt wird und wenn in Folge dessen diese Pa- role in die Industrie hinüber dringt, so daß die Arbeiter massen- weise auf das Straßeupflaster geworfen und die Löhne so herab- gedrückt werden, daß Fälle von Hungersnoth, Falle von Selbst- mord aus Nahrungssorgen gewissermaßen alltäglich sind— daß man alsdann damit anfangen könnte, an den hohen Gehältern der höchsten Staatsbeamten zu„sparen". Gerade das Rezept, welches der Herr Finanzminister Camphauseu hier im Reichstage seiner Zeit entwickelt hat, läßt sich ausgezeichnet auf den vor- liegenden Fall anwenden. Dasselbe lautet wörtlich: Diese Rettungsmittel(tzegen die Handelskrisis) liegen vor Allem darin, daß die Jndustrre wohlfeiler zu produziren lerne. Wir werden aber wohlfeiler produziren, wenn wir anfangen, fleißiger, sparsamer, wirthschastlicher zu werden. Es wird sich— ich spreche das unverholen aus— für Deutschland die Nothwendigkeit ergeben, mit einer anderen Regulirung der Arbeitslöhne vorzugehen, die Anforderungen an die Arbei- ter zu steigern und den Lohn nicht zu erhöhen, sondern in manchen Fällen herabzusetzen." Nun, meine Herren, wie steht es mit der Arbeitsleistung gegenwärtig in Betreff des Neichs-Haushalts-Etats. Ich denke, auch dort sind wir vom Deficit bedroht. Ich denke, auch dort heißt es in diesem Augenblick:„Die Steuern sollen erhöht werden!" Und ich für meine Person meine, daß dort dieses Rezept,„sparsamer und wirthschastlicher zu werden", sehr wohl am Platze wäre, man.möge deshalb nur auch diese hohen Gehälter herabsetzen. ES kommt hier in Betracht: Ich muthe der Majoritär des Reichstages nicht zu, einen solchen Beschluß zu fassen. Ich weiß sehr wohl, dieselbe würde dem Herrn Reichskanzler eher das Doppelte der jetzigen Position bewilligen, als diese streichen. Ich glaube aber, bei den gegenwärtigen Nothfällen und dann, wenn die Regierung ausdrücklich auf ihren Schild schreibt, daß die Löhne herabgedrückt werden müssen, da wäre es für dieselbe logischer, nicht zu verlangen, daß der arme Webergeselle zuerst sich einzuschränken anfängt, sondern selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, und ich würde es sehr schön finden, wenn der Herr Reichskanzler die Erklärung abgäbe, für das nächste Jahr auf sein Gehalt zu verzichten. (Große allgemeine Heiterkeit.) Ich glaube ganz gewiß, daß sehr viel hohe Beamten ihm nachfolgen würde», und es würde jedenfalls ihm einen größeren Lorbeer in der Geschichte einbringen, als so manche andere That, die mau heutzutage in dieser Weise behandelt. Ich habe schon vorher erwähnt, daß die Parole, welche in der schroffsten Weise seitens der Regierungskreise ausgegeben ist, nicht blos einzelne Arbeiter schwer drückt, sondern thatsächlich zu einer Kalamität geführt hat. Ich habe es ihnen vorgeführt, das; man gegenwärtig fast in jeder einzelnen Nummer der Berliner Zeitungen Selbstmordfälle aus Nahrungssorgen reproduzirt findet. In England ist dies seit langer Zeit an der Tagesordnung ge- wesen. In Deutschland sprach man immer von„glücklichen deut- schen Verhältnissen". Aber jetzt ist ganz im Stillen dieses eng- lische Elend auch über Deutschland gekommen. Ich schreibe aller- diiigs nicht einigen wenigen Personen die Schuld an der Han- delskrisis zu. Rein, nicht einzelne Personen tragen dieselbe, son- dcrn die ganze herrschende Klasse der liberalen Bourgeoisie. Es trifft daher vor allen Dingen die Träger des Systems die Schuld. Hier unterbricht der Präsident. Forcken beck den Redner mit der Bemerkung, daß der Hinweis aus die Handelskrisis nicht „zur Sache" gehöre. Hassel mann replizirt darauf, wie folgt: Ich wollte meine Vorschläge begründen, indem ich anführte, daß die heutigen Zustände unerquicklich seien, und ich wollte serner ausführen, daß, weil sie unerquicklich sind, jene Persönlichkeiten, welche einen großen Theil der Schuld mittragen, um so eher eine moralische Veranlassung haben, auf die yohen Gehälter Verzicht zu leisten. Der Präsident unterbricht den Redner nochmals mit der Bemerkung daß trotz dieser Motivirung er eine Besprechung der Handelskrise nicht zulassen werde. Hasselmann fährt daher fort: Gut, dann sage ich nichts weiter, als„uoblesss oblige", und denke, daß der Herr Reichskanzler auch einmal als diäten- loser Abgeordneter leben kann. (Allgemeine große Heiterkeit.) Ein weiterer Redner meldete sich nicht zum Wort und der Gehalt des Reichskanzlers wurde somit genehmigt. Abg. Prof. Beseler übernahm es, die deutschen Professoren gegen die Angriffe Reichensperger's in Schutz zu nehmen. Ein erneuerter Schlußantrag des Abg. Valentin wurde wiederum ab- gelehnt. Abg. Reichensperger vertheidigt sich gegen den Abg. Beseler, trat für die Universitäten und ihre Wirksamkeit ein. Der Schluß der Debatte wird angenommen, aber nicht ohne von einem wahren Kreuzfeuer persönlicher Bemerkungen gefolgt zu sein. Abg. Reichensperger bemäkelt bei Gelegenheit des für die Universität Straßburg ausgeworfenen Betrages von 400,000 Mark die Zusammensetzung des Professoren-Kollegiuins und be- fürwortet, entsprechend dem neuen ultramontanen französischen Unterrichtsgesetz, die freie Kontürrenz und die Freigabe der Grün- dung höherer Bildungsanstalten. Im weiteren Verlause kritisirte Redner das sog. Studium der Studenten, das darin bestehe, daß man so lange nichts thue, bis man vor dem Examen stehe. Die ganze Kontrole Seitens der Universität bestehe nur darin, zu kon- troliren, ob die Studenten die Kollegien belegt Hütten, d. h. ob. die Professoren ihre Honorare bekämen, das Studiren sei Reben fache. Die Ausführungen Reichensperger's riefen die Replik eines der Bundeskommissare und des Abg. Bamberger hervor, auf die Abg. Reichensperger wieder antwortete. Abg. Valentin begann hieraus das traurige Geschäft des SchlußantragstellenS, fand aber bei der Majorität diesmal keine Gnade. Eine Reihe von Posten wurde ganz ohne Debatte oder ohne erwähnenswerthe Debatte angenommen, bis zu Punkt 3 über Gesandtschaften(den Gehältern der deutschen Gesandtschaft in Brüssel) Hasselmann das Wort ergriff und die Behandlung des Parteigenossen Alexander Schlesinger in Brüssel zur Sprache brachte. Die Rede Hasselmanns lautet nach dem stenographischen Bericht: Meine Herren! Es wird hier von uns verlangt, die Summe von 62,400 Mark für die Gesandtschaft in Brüssel auszuwerfen. Run, ich dächte, wenn das Reich solche Summen bewilligen soll, daß dann die Gesandtschaft in Brüssel den Staatsbürgern Deutschlands auch Nutzen gewähren muß. Aber ich habe hier einen merkwürdigen Fall zu konstatiren, aus dein hervorgeht, daß es wahrscheinlich besser wäre, wir hielten dort in Brüssel einen einfachen Konsul; ich glaube für meine Person, daß es dann dem betreffenden Deutschen, der dort Polizeimaßregelungen unterwor- fen wurde, besser ergangen wäre. Es ist ein mir bekannter Herr, ein Kaufmann Namens Schle- ftnger, seiner Zeit in Paris plötzlich unter einem lächerlichen Per- dacht verhaftet worden, er wurde beschuldigt, daß er dort socia- listische Umtriebe vorgenommen habe.(Unruhe.) Ich schalte hier ein, daß dieses Vorgehen den belgischen Gesetzen vollständig wider- spricht, denn in Belgien besteht Asylrecht und so lange ein Fremder sich nicht aktiv an der politischen Bewegung betheiligt, kann er nicht ausgewiesen werden; für den Fall einer Auswei- sung ist bestimmt, daß eine von sämmtlichen Ministern gegen- gezeichnete Kabinetsordre erlassen wird. Folglich hatte die Polizei nicht das Recht, den Herrn Schlesinger auszuweisen. Was ge- schieht nun? Er wendet sich an die deutsche Gesandtschaft und bekommt folgenden Brief als Antwort: „Brüssel, den 4. September 1875. Herrn Alexander Schlesinger 321 Rue Haute Brüssels In Folge Ihrer Zuschrift vom 31. v. Mts. hat die Kaiser- liche Gesandtschaft bei der hiesigen Polizeibehörde Erkun- digungen eingezogen und in Erfahrung gebracht, daß Ihnen der Aufenthalt in Belgien mit Rücksicht auf Ihre Ausweisung aus Frankreich und Ihre Theilnahme an social-demokratischen Bestre- Hungen nicht gestattet werden kann.— Die Kaiserliche Gesandtschaft befindet sich unter diesen Um- ständen nicht in der Lage, gegen die betreffende Verfügung der Königlich Belgischen Polizei ihre Vermittelung eintreten zu lassen. Der Kaiserliche Geschäftsträger von Thielau." Herr Schlesinger antwortete sofort in einer längeren Ein- gäbe, aus welcher ich blos den einen Satz hervorheben will: „Ich möchte mir zunächst die Bemerkung erlauben, daß es nicht von dem Belieben der Königlich Belgischen Po- lizei abhängt, mir den hiesigen Ausenthalt zu gestat- ten, da dieses Recht jedem Fremden durch dle Gesetz- gebung gewährleistet ist, daß mir sogar von Seiten der Königlich Belgischen Polizei der hiesige Aufent- halt nicht einnral verboten werden kann, sondern daß es dazu einer von allen Ministern gegengezeichneten Kabinetsordre bedarf, daß also in Folge dessen das mir ausgehändigte Feuille de Route mit der gleichzeitigen Androhung meiner Verhaftung durch die hiesige Gensd'armerie für den Fall meiner Nichtabreise nichts Anderes ist, als eine schreiende Vergewaltigung gegen einen Staatsangehörigen des Deutschen Kaiserreichs." Ferner berief sich Herr Schlesinger noch darauf, daß er durchaus nicht an einer politischen Bewegung in Belgien theil- genommen habe. Trotz dieses Briefes ist ihm keine Ant- wort geworden und er wäre wahrscheinlich per Schub aus dem Lande hinaustransportirt worden, wenn wir Socialisten nicht eine bessere internationale Vertretung im Auslande Hütten, als das deutsche Reich.(Heiterkeit.) Mit Hülfe derselben ist es zu Stande gebracht, daß dieser Erlaß der Brüsseler Polizei außer Kraft gesetzt worden ist. Ich bemerke dies nur, damit man sieht, wie thatsächlich die socialistischen Arbeiter die theure Vertretung des deutschen Reichs besser und billiger bewirken, als durch Ge- sandte. Die Gesandren mögen„vortrefflich" bei der Affaire Duchesne„mitgewirkt" haben, wo es sich um geheime Po- lizei handelt. Das will ich ihnen gern lassen; aber wo es sich darum handelte, einen deutschen Staatsbürger gegen ungerechte polizeiliche Angriffe zu bewahren, da haben die Socialisten es doch besser verstanden.— Ein weiterer Redner nahm nicht mehr das Wort, und auch dieser Posten wurde bewilligt. Nach weiteren unerheblichen Debatten wurde die Etatbera- thung bis zum Mittwoch vertagt. Die Sitzung wurde hierauf um 4 Uhr geschlossen. Nächste Sitzung Mittwoch, 14. Nov., Mittags 12 Uhr. Aus dem Reichstage, 5J3. Nov. Einen hohen Genuß gewährte es heute den getreuen Reichs- tagsboten, daß in dem Sitzungssaale auf dem Tische des Hauses die prachtvoll ausgeführte kolorirte Zeichnung des zukünftigen Ueber die Kost in öffentlichen Anstalten. (Ein Vortrag, gehalten am 13. September 1375 in der ersten Sitzung des Kongresses für öffentliche Gesundheitspflege zu München, von Professor Boit.) (Fortsetzung.) Dritte Abtheilung. Kost in den Gesängnissen und Alters-Versorgungs- Anstalten. Die Anforderungen an die Kost in den Gefangen-Ansialten sind wegen der verwickelten Verhältnisse etwas schwierig zu be- urtheilen. Es handelt sich um die Ernährung von Leuten von verschiedenem Alter und mit verschiedenen Graden der Beschäfti- gung, bei welchen man aus nahe liegenden Gründen jeglichen Luxus in der Kost vermeiden will. Es ist schon viel über die Kost in Gefängnissen geschrieben worden, und es findet sich eine reichliche Anzahl von Angaben darüber, was die Gefangenen in einzelnen Anstalten erhalten, oder wenigstens was sie vorschriftsmäßig erhalten sollen. Es ist aus nahezu allen diesen Zusammenstellungen zu er- sehen, daß man die gegebene Kost auf die Dauer für unge- nügend hält, da sie nicht selten schlimme Erscheinungen nach sich zieht. Man kam stets in das Dilemma, die Gefangenen nicht hungern zu lassen und doch ihnen das L»ben in den Ge- fängnissen nicht zu angenehm zu machen. Ehe man an die Aufstellung des richtigen Kostsatzes für die verschiedenen Gefangen-Ansialten denken kann, müssen einige Vor- fragen erledigt sein. Es wird wohl heut zu Tage Niemand darüber im Zweifel sein, daß die Gefangenen wegen ihres Vergehens nur eine Frei- heitsstrafe erleiden sollen und nicht an ihrem Körper und ihrer Gesundheit gestraft werden dürfen. Dies ist aber leichter gesagt, als gethan, denn man ist kaum im Stande, Jeman- den) ohne den Körper zu schädigen, gefangen zu halten. Die deprimirenden psychischen Eindrucke, der Mangel an Bewegung in manchen Anstalten ec., üben ihren schlimmen Ein- fluß auf den Körper sicherlich aus. Die gewöhnliche Kost in den Gefängnissen macht einen nicht daran gewöhnten Darm leicht krank und schädigt somit den Körper. Da es also in den meisten Fällen absolut unmöglich ist, die Schädigungen am Körper und an der Gesundheit in Folge der Haft ganz abzuwenden, so wird man sich dahin aussprechen müssen: daß dieselben keine bleibenden sein dürfen, sondern daß die Gefangenen nach Abbüßung ihrer Strafe die Möglichkeit haben sich körperlich zu restituiren. Wo ist aber die Grenze? Wo ist das Minimum an ein- zelnen Nahrungsstoffen, welches ein Gefangener unter den gege- Wohngebäudes des Herrn Reichskanzler Bismarck ausgestellt war. Er selbst, der trotz seines bisherigen Unwohlseins gestern zum ersten Male dem Reichstage seine Zunge zum Wohle des Vater- landes zur Verfügung gestellt hatte, um mit aller Macht für die Einführung der Projekt irten Biersteuer' zu plaidiren, erklärte heute persönlich den um ihn sich sammelnden getreuen Abgeordneten, wie sehr sparsam und gut, im Interesse des Reichs, die für die Umbauung des Gebäudes geforderte Kleinigkeit von 360,000 Mark angewendet werden würde. Desgleichen be- gaben sich die social-demokratischen Abgeordneten ebenfalls zu dem Tische, im Stillen berechnend, wie viel Arbeiterwohnungen mit der Kleinigkeit von 360,000 Mark Umbauungskokten in jenem Hause hergestellt werden könnten. Der Abgeordnete Hasselmann hatte sogar die„Dreistigkeit", unter Hinweis auf die gegenwärtig traurige Finanzlage Deutschlands und die in Folge dessen vom Finanzminister"Camphausen vorgeschlagene Herabsetzung der Ar- beitslöhne, von der Tribüne herab dem Herrn Reichskanzler dies vom Herrn Finanzminister verschriebene Rezept selbst zu prüfen- tircn. Redner war der Ansicht, daß die Majorität des Reichs- tages dem Reichskanzler gewiß eher das Doppelte seines jetzigen jährlichen Gehalts, 54,000 Mark, bewilligen würde, als ihm den- selben beschneiden; er stelle es aber, ohne einen weiteren Antrag zu stellen, dem Reichskanzler anheim, init dem guten Beispiel der Sparsamkeit als leuchtendes Beispiel voranzugehen, da ihm die Sparsamkeit jedenfalls eher möglich als einem armen Weber- gesellen, und der Reichskanzler dadurch in kein anderes Verhält- niß treten würde, als irgend einer der anwesenden Reichstags- Abgeordneten. Aus der Krankenkassen-Kommission ist Folgendes zu berichten. Zum§ 7 wurden zahlreiche Anträge gestellt: I. von zünftlerischer Seite: 1)§ 7 Absatz 1 folgende Fassung zu geben: „Das Recht auf Unterstützung aus der Kasse beginnt für stimmt- liche Mitglieder sofort nach ihrer Aufnahme in die Kasse." 2)§ 7 Absatz 2 folgende Fassung zu geben: „Für Krankheiten von geringerer Dauer als einer Woche kann die Gewährung einer Unterstützung ausgeschloffen werden, aus- genommen, wenn die Verpflegung in einer öffentlichen Kranken- anstalt erfolgt." II. von nationaler freihändlerischer Seite: § 7 Absatz 1, wie folgt, zu fassen: „DaS Recht auf Unterstützung aus der Kasse beginnt für sämmt- liche Mitglieder mit der Zahlung des Eintrittsgeldes, oder wo ein solches nicht erhoben wird, spätestens mit dem Ablauf der dritten auf den Beitritt folgenden Woche." Zu Z 7 folgenden Schlußsatz: „Zulässig ist der Ausschluß der Unterstützung in denjenigen Krankheitsfällen, welche unter das Gesetz vom 7. Juni 1871 betreffend die Haftpflicht der Eisenbahnen, Bergwerke u. s. w. fallen." HI. Desgl. von nationalliberaler Seite: 1) H 7: nach dem ersten Absätze Nachstehendes folgen zu lassen: „Für Diejenigen, welche nachweisen, daß sie einer gegenseitigen HülfSknsse bis zu einem nicht länger als 4 Wochen vor ihrem Beitritt liegenden Zeitpunkt angehört, beginnt das Recht zur Unterstützung mit dem Beitritt." 2) Zwischen dem zweiten und dritten Absatz einzuschalten: „Dauert die Krankheit länger als zwei Wochen, so ist die Unter- stützung auch für die erste Krankheitswoche nachzuzahlen." Die Debatte dreht sich namentlich darum, ob es überhaupt zweck- mäßig sei, den Kassen eine Carenzzeit(sogenannte Probe-, Prüfungsoder Jnterimszeit) vorzuschreiben, und wenn solches als nothwendig erscheine, ob die im Regierungs-Entwurf bestimmte Zeit,„höchstens dreizehn Wochen", nicht zu hoch gegriffen. Bei diesen und ähnlichen Fragen wurde von einzelnen Kommis- stons-Mitgliedern hervorgehoben, daß der Gesetzentwurf nur Normativ- Bestimmungen für die Kassen aufzustellen habe, innerhalb deren sie sich frei(?) bewegen, nicht aber einzelne Gesetzes-Paragraphen denselben vorschreiben dürfe; andere Mitglieder waren der Ansicht, es könnten zum Wohl des Ganzen die einzelnen Bestimmungen nicht genau genug stipulirt werden. Andererseits wurde wieder das Verlangen gestellt, die Unter- stützungs-Berechtigung müsse sofort bei der Aufnahme beginnen, damit ja nicht die Gemainden extra belastet würden. Hieraus erhellt, wie man in gewissen Kreisen den Arbeitern, trotz- dem ihnen alle Selbstbestimmung über ihr eigenes Geld genommen werden soll, all und jede Verantwortlichkeit und Last aufbürden will. Die Abstimmung über Absatz 1 8 7 ergab schließlich, daß die benen Verhältnissen braucht, um seinen Körper auf einem Stand zu erhalten, bei dem er ohne bleibende Schädigung seiner Ge- sundheit existiren kann? Hier ist vorzüglich zu beachten, ob der Gefangene eine Arbeit zu leisten hat oder nicht, und dann, wie lange seine Haft dauert. Der Freie nimmt eine gewisse Menge von Eiweiß auf, um einen solchen Stand daran an seinem Körper zu erhalten, daß er den mannichfachen Anforderungen des Lebens gewachsen ist, und so viel von stickstofflosen Stoffen als nöthig ist, um den Fettgehalt zu bewahren. Ein Gefangener, der nicht arbeitet, braucht keinen so eiweiß- reichen und muskelstarken Körper, und reicht daher mit weniger Eiweiß aus. Man muß aber dabei immer bedenken, daß dann der muskelstark in das Gefängniß Eintretende von seinen Organen so lange Eiweiß verliert, bis diese sich mit der geringen Eiweiß- menge der Gesangenenkost in einen Gleichgewichtszustand gesetzt haben und daß er schwächer ist. Bis zu einer gewissen Grenze ist späterhin ein völliger Ersatz wieder möglich; jedoch muß man sich sehr hüten, so wenig Eiweiß zu geben, daß ein Gleichgewichts- zustand damit nicht möglich ist und der Körper fort und fort, wenn auch täglich ganz geringe Mengen von Eiweiß von sich ab- giebt. Bei einer kürzeren Haft schadet dies nicht viel, namentlich wenn genügend stickstofffreie Stoffe zugeführt werden, so daß der Körper nicht auch an Fett verliert. Bei längerer Haft und dauernder Abmagerung an Eiweiß geschieht eine Wiederherstellung nur noch sehr schwer, die normalen Lebenserscheinungen sind dann nicht mehr möglich und es treten tiefe Erkrankungen auf. Der nicht arbeitende Gefangene hat aber auch aus"schon be- kannten Gründen ansehnlich weniger stickstofflose Stoffe nöthig, als der freie Arbeiter. Auch hier giebt es eine untere Grenze, die man nicht ohne bleibenden Nachtheil für den Gefan- gencn überschreiten darf. Eine allmähliche Abnahme des Kör- pers an Fett bringt sogar ftüher Gefahren mit sich, da bei zu geringem Fettgehalt auch das Eiweiß in sehr großer Menge der Zerstörung anheimfällt, während die Eiweißabgabe bei einem fett- reicheren Körper eine viel geringere ist und deshalb länger ohne Nachthecl ertragen wird. Der Eiweißverluft allein, z. B. bei ausschließlicher Zufuhr von Fett, hat deshalb nicht so"schlimme Folge, weil der Körper gewöhnlich ungleich mehr Eiweiß enthält als Fett; der Hungertod tritt meist in Folge des Vcrschwindens des Fettes am Körper ein, während noch eine nicht unbedeutende Quantität von Eiweiß zugegen ist. Ein Körper, an dem eil? ge- wlsser Fettvorrath sich befindet, hält es deshalb bei einem Man- gel an Eiweiß und stickstofffreien Stoffen in der Kost länger aus. Bei einem solchen Zustande des allmählichen Ver- h ungern s, welcher be, mangelhafter Ernährung eintritt, bekom- men d,e Gefangenen außer dem Schwinden der Muskeln und des Carenzzeit von 13 Wochen, wie es in der Vorlage hieß, auf 6 Wochen reduzirt wurde. An Stelle des Absatz 2 wird der Antrag angenommen, daß bei einer Krankheitsdauer von länger als 2 Wochen die Unterstützung für die erste Woche nachgezahlt wird. .Absatz 3 der Vorlage, welcher die mittelalterlichen Bestimmungen, wonach bei gewissen Krankheiten die Kassen keine Unterstützungen zu zahlen brauchen, aufhebt, erleidet eine vielseitige Anfechtung. Man inerkt so recht den alten Zunftzopf und das Pharisäerthum, wenn hier- bei als Einwand geltend gemacht wird, daß gesittete und ordentliche Arbeiter sich von denjenigen fern zu halten wünschten, die ihren Kör- per zur Herberge oft wiederkehrender syphilitischer Krankheiten machen (ob nicht die Klaffe der Reichen am meisten daran leidet und durch die Impfung so Manchem schon in früher Jugend gewaltsam jenes Gift eingepumpt wird?) und ebenfalls von solchen, welche durch Schlägereien sich Krankheiten zuzögen, daß alle solche zur Strafe mindestens auch für die Unterhaltung während ihrer Krankheit zu sorgen hätten. Vergebens wurde von Seiten der Regierung hervorgehoben, daß berühmte Aerzte statistisch nachgewiesen, daß gerade dadurch, wenn solche Kranke ausgeschlossen und in Folge dessen nicht richtig kurirt würden, sich nach Jahren oft die gefährlichsten FKgen nicht allein für die betreffenden Kranken, sondern auch Ifür deren Familien und mög- licher Weise auch für alle mit ihnen in Berührung Kommenden heraus- stellten. Absatz 2 wurde trotzdem dahin lautend angenommen, daß alle durch eigene grobe Verschuldung Erkrankten von der Unterstützung ausgeschlossen werden. Hier hat es sich thatsächlich gezeigt, daß die Regierung liberaler war als die Kommission. So wenig wir sonst auch von unfern heutigen Aerzten halten, so müssen wir doch bedauern, daß nicht ein einziger in einer Kommission ist, welche Bestimmungen über Krankenkassen berathet; wäre ein Arzt vorhanden gewesen, so wäre hoffentlich der Beschluß nicht gefaßt. Die Krankenkassen werden, wenn diese Bestimmung bleibt, manchen Prozeß zu führen haben und die Advokaten werden gute Kundschaft haben, denn nur für sie ist dieser Absatz 3 des§ 7 gemacht. Vom Grafen Ludwig v. Pfeil ist dem Reichstage eine Pe- tition zugegangen, welche dahin geht, der Reichstag wolle ein Gesetz in Erwägung nehmen, wodurch bei ersten Vergehungen überhaupt, oder insbesondere bei Vergehungen und Verbrechen, welche von Kindern und jungen Leuten begangen werden, die Gefängnißstrafe gänzlich ausgeschlossen und durch eine Freiheits- entziehung milderer Art ersetzt wird. Petition und Motive sind in'einer Denkschrift niedergelegt. Politische Ueberficht. Berlin, 25. November. Der Fall Hofferichter in Breslau erlebt in Chemnitz gegenwärtig eine neue Auflage. Ein Dissident, der Bürger wer- den wollte, wurde zurückgewiesen, weil er sich weigerte, die dem Bürgereide beigefügte Schwörungsformel nachztifprechen, indem er sagte:„er könne es nicht, weil er an das, wobei er schwören sollte, nicht glaube." Der Zurückgewiesene hat sich des- halb nlit einer Beschwerde an die Kammern gewendet. Die„Germania" spielt sich in ihrer vorletzten Nummer als eine nette Denunziantin auf. Während wir bisher blos ge- wohnt waren, daß seitens der Reptile und des„reichstreuen" Federviehes die Aufmerksamkeit der Behörden auf die„Roh- hciten der Äkrbeiter" hingelenkt wurden, sehen wir zu unserem Erstaunen, daß auch die„reichsfeindliche"„Germania" dasselbe leisten kann. Die betreffende Denunziation ist nämlich in fol- gender Correspondenz enthalten: „Refrath bei Bensberg) Rheinprovinz), 21. November. Als ein Zeichen der Zeit melde ich Ihnen: Am 13. v. M., nach der Wahl des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung zog eine große Menge Menschen in stark angetrunkenem Zu- stände mit einem rothen Tuche an einer Stange als Fahne bis spät in der Nacht durch die Gemeinde, verschiedene Hochs ausbringend, toller und wüster, als je in den tollsten Tagen des Jahres 1848, und kehrte dann in ein Wirthshaus ein, um dort die halben Anker und Schoppen zu verzehren.— Muß nicht ein solches Treiben, wenn es auch in einer nicht sehr großen Gemeinde und bei einer Fabrikbevölkerung vorfiel, dennoch die Aufmerksamkeit der Behörden wachrufen? Wie weit sind wir schon gekommen und bis wie weit soll es noch gehen?" �________. Fettes, ein greisenhaftes Aussehen, ihre Haut nimmt eine eigen- thümlich graugelbe Färbung an, die Schleimhäute werden blaß, der Körper fühlt sich kalt an und es geht jegliche Energie des Körpers und Geistes verloren. Die Folgen eines theilweisen Verhungerns stellen sich als Ernährungsstörungen erst ziemlich spät ein. Bei Thieren, z. B- Tauben, habe ich bei ungenügender Ernährung solche Erscheinu»- gen erst nach Ablauf eines Jahres sich offenbaren sehen. Es ist daher, besonders bei längerer Haft, mit aller Sorgfalt auf eine Kost zu achten, die für den, wenn auch schwächer gewordenen Körper eine Nahrung ist. Sollen jedoch die Gefangenen arbeiten, dann muß man ihnen mehr Eiweiß und mehr stickstofffreie Stoffe geben, und zwar von ersterem so viel, daß dadurch ein der Anforderung ent- sprechender Muskelstand unterhalten wird, ohne den die Arbeit auf die Dauer nicht möglich ist, und von letzterem ebenfalls ent- sprechend der Arbeit, so daß der Körper kein Fett verliert. Wir suchen nun die geringste Menge von Eiweiß, Fett und Kohlehydraten auf, welche nicht arbeitenden Gefangenen zu geben ist; den arbeitenden kann wohl keine andere Menge gereicht wer- den als den freien Arbeitern, d. h. im Minimum 118 Eiweiß, 56 Fett und 500 Stärkemehl, ja, es muß bei stärkerer Anstren- gung nach unseren früheren Angaben sogar mehr davon zur Ver- fügung stehen. Dr. I. Förster hat bei einem tief in den Sechszigern stehen- den, nicht sehr kräftigen Mann, der aber Arbeit verrichtete, in den Einnahmen noch 116 Eiweiß, 68 Fett und 345 Kohlehydrate gefunden. Die geringsten Mengen der Zufuhr, welche demnach als das Minimum für einen schon herabgekommenen Körper zu betrachten sind, hat Dr. I. Forster bei einer in armseligen Verhältnissen lebenden noch rüstigen Frau(a.), welche aber einige Zeit darauf an Lungenphthisis erkrankte, und in der Kost alter Pfründnerin- nen(b.) beobachtet: Eiweiß Fett Kohlehydrate a. 76 23 334 b. 80 49 226 Ich glaube daher, daß man für gefangen gebaltene, nicht arbeitende Männer nicht unter den folgenden niedrigsten Satz herabgehen darf: 85 Eiweiß, 30 Fett und 300 Kohlehydrate. Es ist nicht besonders schwierig, aus den uns zu Gebote stehen- den Nahrungsmiiteln eine dem entsprechende und möglichst wohl- feile Nahrung für Gefangene auszusuchen. In vielen Gefängnissen gelangt man nun nahe an diese un- terste Grenze, sie wird sogar in manchen Anstalten, na- mcntlich in der Zufuhr von Eiweiß und Fett, überschritten- Sobald die Staatsanwaltschaften gegen ultramontanen Kaplan? und Redakteure vorgehen, kann die„Gk-nnia" diese „Nebergriffe des Staates" nichr genug kritisiren, hia aber, wo Arbeiter angeblich„wüst" und„toll" sich geberdet haben � ll£n, ist der Staatsanwalt der„Germania" nicht schnell genug, Hand. Verschiedenen Zeitungs-Gerüchten zufolge soll Don Carlos sich in einer höchst mißlichen Lage befinden. Für das ausgesogene Volk wäre es sicher von großem Nutzen, wenn der„Bürgerkrieg" in Spanien ein baldiges Ende nehmen und das Volk neue Kräfte zu sammeln vermöchte, um für sein wahres Wohl selbst einzu- treten; denn ob Carlos oder Alfonso Sieger bleibt, die Freiheit wird von ihnen jedenfalls geknebelt werden. Und nur aus eige- ner Kraft kann das Volk Spaniens sich emporraffen. "G Uebcr die Mißstände der türkischen Paschawirth- schaft erheucheln selbst unsere Vourzeoisblätter eine„heilige" Entrüstung. So haben auf Mitylene, wie wir nationalliberalen Blättern entnehmen, die Bewohner des Distrikts Plomarion, der aus 15 Ortschaften mit ca. 10,000 Einwohnern besteht und die sich von der Schiffahrt und der Seidenfabrikation mähren, Bedrückungen zu erdulden. Trifft es sich, daß das auf der Insel erzeugte Oel nicht ausreicht, so müssen die Seifenfabrikan- ten> den Mehrbedarf von andern Inseln lammen laffen, wobei sie acht Prozent Eingangszoll für dieses Oel und acht Prozent AusganAszoll für die Seife zu erlegen haben. Vorstellungen gegen diese ganz ungesetzliche Erpressung bei der Behörde bleiben ohne allen Erfolg. Aber nicht genug damit, die Plomarionen müssen auch noch außer dem für das ganze Reich gesetzlichen Briefporto für jeden abgehenden und für jeden ankommenden Brief eine Extrasteuer von 1'/, Piastern(30 Pfennigen) zahlen, angeblich zum Unterhalte der Telegraphenstation in Mitylene. * Der durch die Handelskrise geschaffene Itothstand unter der arbeitenden Bevölkerung ist überall gleich groß, so auch in Frankreich. Auf dem Ouai de la Sambre in Paris sah man vor einigen Tagen eine ärmlich gekleidete junge Frau längere Zeit auf und ab gehen, welche ein Kind von ungefähr 3 Jahren auf dem Arme trug, während sie ein sechsjähriges an der Hand führte und ihr ein achtjähriges folgte. Auf einer Brücke blieb sie endlich stehen, fetzte ihr kleinstes Kind an die Erde und um- band ihm den Arm mit einem Schnupftuch. Dasselbe that sie mit den beiden andern Kindern, befestigte dann die Enden der Taschentücher an ihrem Gürtel und stürzte sich, die Kinder mit sich reißend, ins Wasser. Zwei Seeleute, welche Zeugen dieser Scene gewesen waren, sprangen den Unglücklichen sofort nach, und es gelang ihnen, sie zu retten. Bei der ärztlichen Unter- suchung hat sich herausgestellt, daß die Frau in Folge ihrer drückenden Sorgen irrsinnig war. Auch in Berlin und anderen großen Städten mehrt sich m der letzten Zeit die Zahl der Selbstmorde aus Roth, und wir sehen, daß, von einigen Gründern und Schwindlern abgesehen, die große Masse des Volkes sich nicht einmal gehörig satt kffen kann. * Preußen ist das„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" und� zählt so und so viel Kirchen und Schulen und Gott weiß was noch Alles— nichts desto weniger aber nehmen die groben Verbrechen laut einer Veröffentlichung des Justiz- winisteriums in schreckenerregender Weise zu. So sind seit etwa 3 bis 4 Jahren— das heißt seit dem letzten Kriege— die gemeingefährlichen Verbrechen von ca. 1800 auf ca. 2800 jährlich gestiegen. Darnach scheint doch etwas faul im Staate Dänemark ju sein— gleichviel aber, man marschirt weiter an der Spitze der„Civilisation". jZllton«, 12. November.(Volksversammlung.) sSchluß.j Trifft eine solche Strafe also einen armen Arbeiter, so ist keine leicht verschmembare Geldbuße, sondern er muß in's Gefängnjß wandern, wobei nicht allein er den am Kerker kleben- den Schimpf hat, sondern seine Familie am härtesten getroffen ?0 z. B. werden, nach Böhm's Mittheilung, in Luckau nur '9 Gramm Eiweiß täglich gegeben. Dr. Ad. Schuster hat die Kost in zwei Münchener Gefäng- süssen genau geprüft, und zwar in dem Untersuchungsgefängnis; m der Badstraße, in welchem die Insassen nicht arbeiten, und in d°m Zuchthaus in der Au, wo gearbeitet wird; er hat dabei ermittelt: Eiweiß Fett Kohlehydrat Gefängniß in der Badstraße, ohne Arbeit: 87 22 305 Zuchthaus in der Au, mit Arbeit: 104 38 521 � Diese Zahlen für nichtarbeitende und arbeitende Gefangene sireifen nahe an das Minimum, ja sie kommen für die Zufuhr von Fett und theilweise für die von Eiweiß noch darunter. Tab ei ist noch etwas wohl zu bedenken. Man könnte nämlich meinen, daß, wenn die Kost die nöthige %iige von Nahrungsstoffen und diese in dem richtigen Verhält- ?nß enthalte, dann für die Gefangenen genügend gesorgt sei. Es ist aber, wie früher schon hervorgehoben wurde, sehr zu berück- �chsigen, in welchen Nahrungsmitteln die Nahrungsstoffe enthal- sind; wird nämlich ein beträchtlicher Theil des obigen Mini- wums im Darme nicht verwerthet und mit dem Koth unverän- oert wieder abgeschieden, dann tritt der Körper in das Verhun- j�rn ein. Ein großer Theil der in den Gefängnissen gereichten -nahrungsstoffe wird nun gewöhnlich in der Form von Brod, aus schwarzem Mehl bereitet, von Kartoffeln und anderen eiweiß- orincn Gemüsen gegeben. Dabei wird stets sehr viel Koth ge- "ndet und somit Eiweiß und Stärkemehl dem Körper entzogen. . Dies ist namentlich bei dem schwarzen kleiehaltigen Brod Fall. Würde besseres Mehl genommen und ein größerer c�heil desselben zu Nudeln, Schmarren, Knödeln zc. verbacken, so mme mehr Eiweiß und Stärkemehl zur Verwerthung. Die Ge- s.ongenen im Zuchthaus in der Au entleeren, nach den Unter- Buchungen von Dr. Schuster, 27 Prozent des verzehrten Eiweißes Kothe wieder. Dadurch wird dann eine Kost, die an und I*1 Isch genug Nahrungsstoffe enthält, zu einer unzureichenden. � ist daher das über die Ausnützung der Nahrungsstoffe und � Nahrungsmittel früher Gesagte ganz besonders zu beachten. Es kommt endlich bei der Gefangencnkost noch etwas hinzu, nämlich daß die Gefangenen sich ihre Speise nicht nach Geschmack Gesuchen, niemals das Geringste dazu bekommen können, und vas Gekochte, so nehmen müssen, wie es ihnen geboten wird. �ssgends läßt sich der wesentliche Einfluß der Genußmittel, »n Ze � Gemische von NahrungSstoffen erst zu einer Nahrung nchen, so schlagend darthun, als in den Gefängnissen. � Man hat in dieser Beziehung sehr große Fehler ge- �chi, da man die Genußmittel als etwas Entbehr- lastet den Arbeiter ferner seine Mittellosigkeit, wenn es ihm un- möglich ist, einen Advokaten annehmen zu können. Da diese Zustände durch die nationalliberale Partei, die im Reichstage, im Landtage, wie auch fast in jeder Gemeinde die Majorität hat, gut geheißen werden, so wird sie auch das Kleinhandwerkerthum ncht vertreten. Des Letzteren Pflicht und Interesse ist es also, mn ms, der Social-Demokratie, vorwärts zu schreiten und sich den A- m des Liberalismus zu entwinden. Die Social-Demo- iratie ist du: Partei der Zukunft, ihr Mittel ist die Entwickelung der menschlichen Vernunft. Um so bezeichnender ist die Heftig- keit der Verfolgung,-md am heftigsten ist die Verfolgung seitens der liberalen Partei. Natürlich kann dies die Bewegung nicht hemmen, denn diese ist einc:'aturnothwendige Entwickelung der Menschheit. Wenn seit alten Zeilen die Männer, welche für Freiheit und Recht gesprochen, stets vurKilgt sind und doch ihre Ideen gesiegt haben, so wird es heutzutage nicht anders sein. Man kreuzigt zwar Männer nicht mehr, welch? dahin streben, den Himmel hier auf Erden zu genießen, man wicff sie jetzt höchstens ein paar Jahr in's Gefängniß! Aber alle solche Maß- regeln, selbst wenn Staatsanwälte an allen Straßenecken ständen, werden die Arbeiterbewegungen um kein Haar breit hemmen. Der Redner forderte zum Schluß die Versammelten auf, der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands beizutreten, sowie auf die Parteiorgane zu abonniren. Der Vorsitzende, Herr Hasenclever, verlas nun folgende Resolution:„Die heutige große Volksversammlung spricht in Bezug auf die würdige Rede Bebels, betreffend die Arbeiter- Krankenkassen, hiermit ihre volle Sympathie aus. Die Arbeiter geloben, wie schon öfter, so auch heute, in geschlossener Phalanx u den social-demokratischen Abgeordneten zu stehen und bei der evorstehenden Reichstagswahl tapfer einzutreten." Diese Resolution wurde eir.stimmig und mit großem Beifall angenommen. Hiernach erhielt das Wort Herr Gundelach. Derselbe kritisirte die Haltung der Polizeibehörde in Schleswig- Holstein gegenüber den Vereinsgesetzen, hob hervor, daß ihm in der letzten Zeit viele Versammlungen aufgelöst worden seien. forderte die Versammlung auf, bei etwaigen vorkommenden Auf- lösungen sich stets ruhig zu verhalten, obgleich manche Versamm- lung entgegen§ 5 des Vereinsgesetzes aufgelöst worden sei. Und bei diesen Worten löste der Polizeisergeant Weiße die Versamm- lung auf. Die Anwesenden aber verließen. das Lokal in der ruhigsten Weise. Mit social-demokratischem Gruß Heinr. Groß. Frankfurt a. M., 16. Nov.(Volksversammlung.) Mon- tag, den Ib. Nov., tagte hier eine sehr zahlreich besuchte Volksversamm- lung mit der Tagesordnung:„Welcher ist der geeignetste Wahltag für die Reichstagswahl?" lieber diesen Punkt sprachen Ellner, Kern, Prinz, Remy und Niel in ausführlicher Weise und wurde zum Schluß folgender von Kern gestellter Antrag angenommen:„Die heutige Volks- Versammlung beschließt: die Arbeiter Abgeordneten find aufzufordern, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, insbesondere aber, wenn mög- lich, durch Stellung eines diesbezüglichen Antrags, im Reichstag dahin zu wirken, daß als Tag der Wahl zum Reichstag ein Sonn- oder Feiertag festgesetzt wird. Dieser Antrag ist in beiden Parteiblättern zu veröffentlichen, um damit zugleich sämmtliche Arbeiter Deutsch- lands aufzufordern, sich demselben anzuschließen. Der Vorstand des hiesigen social-demokratischen Wahlvereins wird beauftragt, sich mit den Abgeordneten in Verbindung zu setzen." Osnabrück, 15. Nov.(Socialistenversammlung.) Heute Abend fand bei Herrn Kuhlmann eine öffentliche Socialistenversamm- lung statt, in welcher Herr Frauenhoff zum Vorsitzenden und Unter- zeichneter zum Schriftführer gewählt wurden. Nachdem der erste Punkt der Tagesordnung erledigt war, wurden 20 Rm. für die Vertreter der Arbeitersache im deutscheu Nicichstage gesammelt und abgesandt. Mit social-demokratischem Gruß E. Schwarz. Wandsbcck, 15. Nov.(Zur Beachtung.) Hierdurch bringe ich den Bewohnern Wandsbecks und der Umgegend zur Kenntniß, daß Unterzeichnete Bestellungen auf Arbeiterblätter annehmen. Arbeiter- blätter nennen wir z. B. den„Neuen Social-Demokrat", den„Volks- staat", das„Hamburg-Altonaer Volksblatt", den„Grundstein", Organ der deutschen Bauhandwerker u. f. w. I. H. Knieß, Reustr. 29. Th. Schräder, Neustr. 47. H. Gülzow, Ncustraße 33. P. Sievers, Kurzereihe 27. C. Weigel, Sternslr. 23. Kolporteur C. Kloth, Fehling's Passage 1. liches, als eine Art Luxus betrachtete, und glaubte, man hätte durch Zufuhr der nökhigen Nahrungsstoffe dem Bedarf für emen Gefangenen genügt. Man verstand eben die Bedeutung der Genußmittel in unserer Nahrung nicht, und beurtheilte die letztere ausschließlich nach ihrem Gehalt an Nahrungsstoffen. In der Mehrzahl der Gefängnisse findet sich in der Kost außerordentlich wenig Abwechselung, und sie ist meist ganz gleich- förmig zubereilet, alles zu einer Masse von breiartiger Konsistenz und ohne hervorstechenden Geschmack ver- kocht.") Wenn man auch einige Zeit hindurch eine solche Kost ganz leidlich findet, wie z. B. ein dieselbe hie und da kontrolirender Beamter, so ist es doch unmöglich, sie auf die Dauer zu verzehren. D«' Leute bekommen trotz lebhaften Hungers nach und nach einen so unüberwindlichen Ekel davor, daß schon beim Anblick und Riechen derselben Würgebewegungen(Brech- reiz) eintreten; es entwickeln sich daraus heftige Dyspepsien, wo- durch natürlich eine Ernährung unmöglich gemacht wird und aller- lei Ernährungskrankheiten entstehen. Dieser merkwürdige Symptomen-Complex, die Erscheinung des Abgegessenseins und des Erbrechens mit reiner Zunge ist be- sonders anschaulich von Baer geschildert worden. Der erfahrene Gefängnißdirektor Elvers sagt wörtlich:„Wer das Leben der Sträflinge praktisch kennt, wird wissen, wie furchtbar die mono- tone, reizlose, wenig animalische Bestandtheile enthaltende Sträf- lingskost die Leute herunterbringt, wie sie für einen Hering, einen Käse, etwas Butter, eine saure Gurke jc. ihren besten Freund verrathen würden." � Es soll also etwas mehr Abwechselung in die Kost gebracht, das Mehl zu verschiedenen Gebäcken verarbeitet werden, und die Consiftenz der Speisen darf nicht stets eine breiartige sein. Die Speisen müssen ferner sorgfältig und schmackhaft zubereitet sein, und zwar von sachkundiger Hand, nicht von einer beliebigen Wär- tersfrau. Es braucht keinen Luxus, aber durch Zuthat von Ge- würzen, von welchen wir so viele zur Verfügung haben, um Ab- wechselung in den Geschmack unserer Speisen zu bringen, kann ungemein viel geholfen werden. Ich glaube, mich nicht zu irren, wenn ich sage: daß hierin sich am meisten in der Gefangenenkost verbessern ließe, und bei etwas ausgesprochenerem Geschmacke der Kost die übrigen Beschwerden der Kost der Haft sich leichter er- tragen ließen. Beachtet man die aufgezählten Anforderungen an die Kost der Gefangenen nicht, dann treten bleibende Schädigun- gen der Gesundheit derselben ein. Ich weiß mich noch sehr wohl der Zeit zu erinnern, wo die Zuchthäusler, welche ge- *) Durch diese Breikocherei wird die Gesangenenkost in Plötzensee z. B. so unverträglich. - �........■...... Wieder eine Muster-Fabrikordnnng. r Seit längerer Zeit haben wir absichtlich unsere Blumenlese von Muster-Fabrikordnungen nicht fortgeführt und unseren Lesern dafür andere Sachen geboten. Heute aber glauben wir von der bisherigen Regel einmal eine Ausnahme machen zu können, da wir im Stande sind, etwas Außergewöhnliches zu bringen. Es ist dies nämlich die Fabrikordnung des Baugeschäftes Billing& Zoller in Carlsruhe, welche wir im Nachstehen- den mittheilen wollen und die folgendermaßen lautet: 1. Jeder Arbeiter ist verpflichtet, sich sowohl den allgemei- nen, auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich beziehenden gesetz- lichen Verordnungen, als auch den nachfolgenden besonderen, zum Zwecke eines geregelten Fabrikbetriebes, der Aufrechterhaltung der Ordnung und Disziplin festgesetzten Bestimmungen zu unter- werfen. 2. Jeder Arbeiter hat bei seinem Eintritt in die Werkstätte seinen Polizeischein seinem Werkführer zu übergeben. 3. Die Arbeitszeit ist für das ganze Jahr: von Morgens 6— 8 Uhr— 2 Stunden. V«9— 12== 4 - Nachmittags 1— 6=— 5- zusammen 11 Stunden. Die Pause von 8—8'/« Uhr ist für Frühstück bestimmt. Von 12 Uhr 10 Minuten bis 12 Uhr 50 Minuten bleiben die Werkstätten geschlossen und ist jedem Arbeiter das Betreten derselben während dieser Zeit streng untersagt. 4. Tage, an denen nicht gearbeitet wird, sind folgende: die Sonn- und gesetzlichen Feiertage, der Kaisers- und Großherzogs- Geburtstag, die Nachmittage der beiden ersten Meß-Montage, des Fastnachts-Dienstags und des Sedantages. 5. Der Eingang zur Fabrik wird Morgens und Nachmit- tags 10 Minuten vor der Arbeitszeit geöffnet und präcis um 6 Uhr, bezw. 1 Uhr geschlossen, was durch ein Zeichen der Glocke angekündet wird. Wer nach Beginn der Arbeitszeit eintrifft, ohne vorher Er- laubniß hierzu eingeholt zu haben oder triftige Abhaltungsgründe nachweisen zu können, hat sich einer Strafe von 20 Pf. zu ge- wärtigen, du in Wiederholungsfällen bis zu 1 Rtark erhöht wer- den kann. 6. Während der Arbeitsstunden darf kein Arbeiter die Fa- brik ohne Erlaubniß verlassen. Zuwiderhandlungen unterliegen einer Strafe von 1 M. Ebenso wird bis zu 3 M. bestraft, wer unentschuldigt halbe oder ganze Tage von der Arbeit wegbleibt. 7. Jedes Betreten oder Verlassen der Fabrik auf einem anderen Wege, als dem Haupteingange in der Wilhelmsstraße, ist bei Strafe von 1 M. untersagt. 8. Jedem Arbeiter ist bei Strafe von 1 M. verboten, un- nöthiger Weise in den Fabrikräumen herumzulaufen oder Andere in der Arbeit zu stören. 9. Das Waschen in der Werkstätte vor Schluß der Ar�. beitszeit, wie jede andere Art unstatthafter Unterbrechungen der Arbeit wird mit 50 Pf. bestraft. 10. Kein Arbeiter darf ein Licht anzünden oder auslöschen, der nicht dazu beauftragt ist; das Rauchen in den Fabrikräumen und auf dem Platz ist bei Strafe von 1 M. untersagt. 11. Wer ohne besondere Erlaubniß zu einem anderen Zwecke als zum Frühstück geistige Getränke in die Fabrik bringt oder sich bringen läßt, wird mit 2 M. bestraft. Das Getränk wird konfiszirt. 12. Jeder Arbeiter ist seinem Vorgesetzten pünktlichen Ge- horsam und Höflichkeit schuldig. Zunnderhandlungen werden nach Umständen bestraft; dagegen ist dem Vorgesetzten eine freundliche und gerechte Behandlung zur Pflicht gemacht. 13. Jeder Arbeiter ist gehalten, die Arbeiten vorschrifts- mäßig auszuführen und sein Werkzeug, bezw. die seiner Wartung übergebene Maschine in gutem Stand zu halten. Vernachlässi- aung dieser Vorschrift werden mit angemessenen Geldstrafen belegt. 14. Jeder Arbeiter ist für die ihm übergebcnen Werkzeuge, Zeichnungen JC. verantwortlich. Für die, seinem ständigen Ge- brauche dienenden Werkzeuge erhält er ein in dem zu deren Auf- bewahrung bestimmten verschließbaren Kasten angeschlagenes Ver- siind und kräftig in die Haft traten, das Hauptkontingent der Leichen in der Anatomie zu München bildeten; sie ivaren ein ge- schätztes Material für die Präparation, da so gut wie kein Fett mehr an ihnen vorhanden war. Dies hat sich jetzt unter dem Einfluß einer besseren Kost sehr verändert. Es gehört, wie gesagt, ein gesunder und kräftiger Darm dazu, um eine gewöhnliche Gefangencnkost mit ihrem Üeberschuß an Brod und Kartoffeln zu verwerthen; ein kränklicher Körper erträgt sie nicht. Es ist natürlich unmöglich für jeden einzelnen Gefangenen je nach seinen Verhältnissen zu kochen; die gewöhn- liche Kost muß für Alle die gleiche und möglichst einfach sein. Sobald sich aber die ersten Krankheitserscheinungen zeigen, z. B. nach längerer Haft Widerwille gegen die Speisen, Aufstoßen, Diarrhöen:c., dann muß man individualisiren, und es muß als- bald eine bessere Ernährung mit leichter verwerthbaren Nahrungs- Mitteln und größerer Abwechselung eintreten. In solchen Fällen ist namentlich ein Zusatz von Fleisch geboten, wie er für gewöhnlich schon in den englischen Gefängnissen und auch in den bayerischen eingeführt ist. Es ist Thatsache, daß Menschen sich ausschließlich von Vegetabilien ernähren können, aber es muß dabei mit großem Verständniß die Auswahl getroffen sein; nach meinen früheren Bemerkungen halte ich schon für einen unter normalen Verhältnissen lebenden Menschen eine rein vegetabilische Kost nicht für die richtige, und noch weniger für Gefangene mit längerer Haft, da diese sich untek abnormen Umständen befinden und leicht Erkrankungen des Darms ausgesetzt sind. Die Feststellung der richtigen Kost für die Gefangenen bildet wohl eine der wichtigsten Seiten des Gefängnißwesens, und es ist nur der Unkenntniß des Einflusses einer fehlerhaften Ernäh- rung auf den Körper zuzuschreiben, daß bei den mannichfachen zum Theil übertriebenen humanen Bestrebungen für das Wohl der Gefangenen diese Angelegenheit von maßgebender Seite noch nicht mehr gewürdigt worden ist. Die Kost in Armenhäusern und Alters-Versorgungs-Anstalten gestaltet sich ähnlich der in Gefängnissen. Es handelt sich hier meist um die Ernährung alter, gebrechlicher und erwerbsunfähiger Leute. Da dabei ein schon herabgekommener Körper, der sich keiner anstrengenden Thätigkeit mehr unterziehen kann, zu unter- halten ist, so genügt das Minimum an Eiweiß und stickstofffreien Stoffen, wie es Dr. I. Forster in der Nahrung der alten Pfründ- nerinnen, welche sich dabei vortrefflich befinden, ermittelt hat. In solchen Anstalten ist natürlich ebenfalls das bei Betrachtung der Kost in den Gefängnissen über die verschiedene Ausnützung der Nahrungsmittel, die Bedeutung der Genußmittel und der Ab- wechselung in den Speisen Gesagte zu berücksichtigen. (Fortsetzung folgt.) zeichniß. Werkzeuge«.'öeigl., die ihm nur zum zeitiveiligen Gebrauch überlassen werden, hat er nach deren Benutzung betr. Orts wieder abzuliefern. 15. Jeder Arbeiter ist verpflichtet, in die Krankenkasse sta- tutengemäß einzutreten. 16. Die Zahltage finden alle 14 Tage statt, und zwar je- weils 8 Tage nach erfolgtem Abschluß der Lohnliste, so daß der Verdienst einer Woche als Kaulion stehen bleibt, die beim ord- nungsgemäßen Austritt dem Arbeiter zurückbezahlt wird, dagegen der Krankenkasse anheimfällt, sobald der Austritt ohne vorherge- gangene Kündigung oder vor Ablauf der Kündigungsfrist erfolgt, oder sobald der Austritt den Charakter einer, dem Art. 17g. ge- maß herbeigeführten Entlassung trägt. Diese Kaution wird auch dann voll einbehalten, wenn ein Arbeiter nicht die volle Zahl- tagswoche gearbeitet hat. Der Krankenkasse fallen außerdem noch sämmtliche Beträge der auf Grund obiger Bestimmungen verhängten Geldstrafen zu, sofern dieselben nicht als Ersatz für verdorbene Arbeit und Ma- terialien, beschädigte Werkzeuge oder für den durch unerlaubtes Wegbleiben von der Arbeit dem Geschäfte erwachsenden Schaden dienen. 17. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind, wenn zwischen den- selben durch besondere Verträge keine anderen Vereinbarungen getroffen sind, oder der Art. 18 nicht anders bestimmt, an eine Kündigungsfrist von 14 Tagen gegenseitig gebunden, und kann die Kündigung nur an den Zahltagen statthaben. Außer Wir- kung tritt diese Bestimmung: o.) Wenn ein Arbeiter wegen Ungehorsams, Ausreizung zum Ungehorsam, beharrlicher Trägheit, fortgesetzter schlechter Arbeit, wiederholter, unerlaubter Versäumniß der Arbeitszeit, mehrfacher Trunkenheit, Veruntreuung irgend welcher Art, überhaupt wegen irgend welcher gröblicher vergehen gegen die bestehende Ordnung sofort entlassen werden muß. b) Wenn die Gewerbeordnung dem Arbeiter den sofortigen Austritt gestattet, oder wenn er den überzeugenden Nachweis bei- zubringen vermag, daß sein sofortiger Austritt durch wichtige, unaufschiebbare Ilngelegcnheiten geboten wird. 18. Jeder neu eintretende Arbeiter hat sich einer bis zum ersten Zahltage währenden Probezeit zu unterziehen, während welcher sowohl ihm freisteht, wieder auszutreten, als auch die Fabrikhcrren das Recht haben, ihn zu entlassen, ohne daß es hiezu vorausgegangener Kündigung bedarf. Nach dieser Probezeit und nachdem am Zahltage über die Höhe des Lohnes Ueberein- kunft mit dem Arbeiter getroffen ist, tritt für beide Theile der Art. 17 in Kraft. 19. Die auf den Zahltag Bezug habenden Reklamationen müssen längstens bis Montag Abend angemeldet sein. Spätere Reklamationen werden nicht berücksichtigt. 20.»lein Arbeiter ist befugt, ohne Erlaubniß des Werk- meisterS Lehrlinge oder Taglöhner zu irgend welcher Dienstlei- stung heranzuziehen.. Bei Zuwiderhandlungen verfällt der be- treffende Arbeiter wie der Lehrling, bezw. Taglöhner, einer der Zeitversäumniß der letzteren entsprechende Geldstrafen, wobei der Betrag einer Stunde als geringstes Strafmaß gilt. 21. Wenn ein Arbeiter eigene Angelegenheiten im Comtoir vorzubringen hat, so kann dies nur nack) Schluß der Arbeitszeit geschehen. 22. Einen integrirenden Bestandtheil dieser Fabrikordnung bilden die Statuten der Krankenkasse und einige besondere Be- stimmungen für Akkordarbeiter, welche in deren Büchlein einzeln aufgeführt sind. 23. Für die pünktliche Beobachtung der Fabrikordnung ha- ben die Werkführer zu wachen und etwaige Uebertrewngcn sofort zur Bestrafung anzuzeigen. 24. Gegenwärtige Fabrikordnung ist am Eingang der Fa- brik und in allen Arbeitslokalen zur Kenntnißnahme der Arbeiter anzuschlagen, damit Niemand sich mit Unkcnntniß derselben ent- schuldigen kann; bei seinem Eintritte in die Fabrik hat jeder Arbeiter dieselbe schriftlich anzuerkennen. Karlsruhe, den 1. Oktober 1875. Billing K. Zoller. Wir empfehlen folgende socialistische Zeitschrift: In ungarischer Sprache erscheint: ,,llniiIeas-llsti-Xro- nika", Organ der ungarländischen Arbeiter, erscheint wöchentlich des„Neuen Social- Demokrat" sind Durch die Buchhandlung folgende Schriften zu beziehen: Auerbach, Beruh., Tagebuch aus Wien. Baumann, Berechnung über das Gewindeschneiden Becker, B., Rational-ökonomische Raketen. - Die Reaktion in Deutschland gegen die Revolution von 184S - Geschichte der revolutionären Pariser Commune von 1789—1794 - Der alte und der neue Jesuitismus. - Briefe deutscher Bettelpatrioten. 5 Lie- ferungen, complett - Mißbrauch der Nationalitätenlehre - Carl Fourier.... Becker, Joh. PH., Lorbote, Soc.-pol. Monatsschrift. (tt Jahrg., complet 66—71) Bebel, Aug., Unsere Ziele Blas, W., Unsere Preßzustände - Blut und Eisen, oder die Entstehung des Krieges 1866. Boruttau, Religion und Socialismus Bracke, W., Der Braunschiveiger Ausschuß der So- cial-deinokratischen Arbeiterpartei in Lotzen und vor Gericht. Mit Gruppenbild Gruppenbild aus diesem Werke Christenthum u. Socialismus(eine religiöse Polemik) Die Volksschule und die Lage ihrer Lehrer in der Provinz Preußen.... Dietzgen, National-Oekonomisches. - Die bürgerliche Gesellschaft - Die Religion der Social- Demokratie (5 Kanzelreden) Dr. Douay, ABC des Wissens. - Antwort an die Bekenner des Theismus Die parlamentarische Thätigkeit des deutschen Reichs- tages, der Landtage und der Social-Demokratie Engels, F-, Zur Wohnungsftage(3 Hefte) - Der deutsche Bauernkrieg - Die Bakunisten an der Arbeit - Sociales aus Rußland ErinnentNgen an Herwcgh.... Ein Komplot gegen die Internationale Arbeiter- Association..... Geib, Normalarbeitstag.... General-Abstimmungsliste des deutschen Reichstages von 1367— 73.... Geiser, Die Forderungen des Socialismus an Zu- kunft und Gegenwart Handbüchlein für Amtsvorsteher Hepner, Meine 3'/, jährige Polizei-Campagne Herr Böhmert und seine Fälschungen der Wissenschaft, begangen in seinem Buche:„Der Socialismus und die Arbeiterfrage" Hillmann, Praktische Emanzipationswinke - Die internationale Arbeiter-Association - Organisation der Massen Hirsch, Die angeblichen socialen Theorien und die wirklichen Bestrebungen des Herrn Bakunin. Jacobi, L.» Es werde Licht Jacob y, I., Ziel der Arbeiterbewegung. Katastrophe von Rosenfeld.... König, Schwarze Kabincte..'. Leipziger HochverrathSprozeß Lassalle, Offenes Antwortschreiben' - Ueber Verfassungswesen. Was nun? und Macht und Recht. - Arbeiter-Lesebuch - Arbeiter-Programm - Rondsdorfer Rede - Bastiat-Schulze.... - Wissenschaft und Arbeit - Feste und Presse - Kleinere Aussätze - Indirekte Steuern - Franz von Sickingen - Italienischer Krieg und die Aufgabe Prellßens.... - An die Arbeiter Berlins - Düsseldorfer Prozeß am 27. Juni 1864 - Zur Arbeiterfrage - Julian Schmidt Lassalle, Kriminal-Prozetz TTI. - Philosophie Fichte Lanz, Dr. K., Gehör-Entwickelungs-Methode Lreblnecht, W., Grund- und Bodenftage. - Trutz und Schutz - Wissen ist Macht. - Ueber die politische Stellung der Socialdemokratie - Reichstagsrede 1874 Lommel, Jesus von Nazareth - Johann Huß.... Most, Gesetzsammlung. 1. Heft - Pariser Commune vor den Berliner Gerichten - Liederbuch, gebunden Otto-Walster, A., Allerhand Proletarier. - Rienzi(Drama in 5 Aufzügen) - Braunschweiger Tage(complett) - Am Webstuhl der Zeit do. Prozeß gegen Dr. S. Tauschinski und 31 Genossen in Graz wegen Religionsstörung und geheimer soc.-dem. Verbindung.... Photographien diverser Socialisten u. Communisten Tessendorf und die deutsche Socialdemokratie v. Treitschke, der Socialistentödter. Rathgeber für Gewerbetreibende, broschürt. gebunden Sack, Unsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit Statuten der internatiönalen Arbeiterassoziation Schramm, Grundzüge der National- Oekonomie. I. Abth..... Serno Solowiewitsch, Unsere russischen Angele- genheiten Volksstaat-Fremdwörterbuch, brochirt -- gebunden Wuttke, Die deutschen Zeitschriften Wohnungsfrage(Skizze).... Dorck, Die industrielle Arbeiterfrage Mk. 0,59 - 9,20 - 9,25 - 9,15 - 9,15 - 9,39 - 9,39 - 9,25 - 9,69 - 9,45 - 9,49 - 9,39 - 2,69 - 2,69 9,75 9,25 9,49 9,39 4,99 4,59 9,69 9,19 9,25 9,29 9.59 9,65 4,99 9,15 9,25 9,35 9,15 9,19 9,19 9,59 9,15 9,15 9,25 9,25 1,25 9,89 9,19 9,15 9,15 1,99 9,39 9,25 9.89 Zur Beachtung! Die Partei-Abrechnungen sind jetzt an sämmtliche Agenten ver- sandt. Sollte die Sendung an einem oder dem anderen Orte nicht eingetroffen sein, so möge man dies sofort beim Sekretariat anmelden. Hamburg, 24. November 1875. Mit social-demokratischem Gruß I. A.: I. Auer, C. Derossi, Pferdemartk 37, III. Zur Beachtttng. Die Adresse des Sekretariats der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands ist jetzt Pferdemarkt 37 III. in Hamburg. I. Auer. C. Derossi. Zur Beachtung. Da uns in letzter Zeit wieder mehrfach Annoncen ohne Geld zugehen, machen wir darauf aufmerksam, daß wir Annoncen ohne Beifügung des Betrages nicht aufnehmen können. Zur Berechnung der Annoncen machen wir darauf aufmcrk- sam, daß circa 10 Silben kleiner, gewöhnlicher Schrift in die Zeile gehen; Alles, was fett oder groß gedruckt werden soll, muß doppelt oder dreifach gerechnet werden. Die Expedition. Berichtigung. In Nummer 134 des„Neuen Social-Demokrat" befindet sich eine Korrespondenz aus Fürth, worin als Referent der Par-- teigenossö Winner angegeben ist. Es ist diese Angabe jedoch un- richtig, da der Referent nicht Winner, sondern Wiemer war. Die Redaktion. Briefkasten. Auf Wunsch erkläre ich, daß die nächsten Sonntag statt- findende Volksverjamnilung mit meinem Einverständniß einbe- rufen wurde und ich den angekündigten Vortrag halten werde. Berlin, den 22. Nov. Bebel. Der Cigarrenarbeiter Adolph Hoffmann aus Zeitz, zur Zeit in> Hamburg, Altona oder Ottensen in Arbeit, wird aufgefordert, mir seine Adresse anzugeben. Alle Parteigenossen, welche den Aufenthalt desselbew kennen, bitte ich, mich das wissen zu lassen. Gustav Beyer, Langestraße, Oldesloe. Berlin. Arbeiterversammlungcn: Sonnabend, 27. Nov., Ab. 8 Uhr, 1) Gratwcil's Bierhallen, ob. Saal. Die Verfolgungen der Social-Demokratie. Ref.: Herr Küster. Verschiedenes. 2) Glfasserstr. 57 bei Zollcr. Vortrag des Herrn Baumann. Versch. Um zahlreiche Betheiligung wird gebeten. Sonntag, 28. Nov., Vorm. 10 Uhr, im Tivoli, auf dem Krcuzbcrgc, Große Volksversammlung. Tagesordnung: Die Stellung des Klein- gewerbed zum Liberalismus und Socialis- inus. Reser.: Herr Reichstagsabgeordneter Aug. Bebel. Die Gesinnungsgenossen werden aufge- fordert, für das Bekanntwerden dieser Versammlung Sorge zu tragen. (?. 29.) A. Heinsch. s5.49s fÜo'l'It'H Sonnabend, 27. November, ,-OtUlU. Abends 8 Uhr, bei Vogel, Alcxanderstr. 3l, Kränzchen des deutsch. Bau-, Land-, Erd- und �abrikarbeitcrvcrcins. Billets a Person 59 Pf. Parteigenossen sind eingeladen. (F. 51.) Das Fest-Comitö. L. Kohlstädt.[2,49] Rummelsburg. Sonnabend, 27. Nov., Abends 8 Uhr, (F. 29.) im Wook'schen Saale,[1,20] Versammlung. Das ComitS. flßorlm Freitag, 26. November, .-üt-VlVH. Abends 8 Uhr, Sophienstr. 13, Außerordentliche General- Versammlung sämmtlicher Tischler Berlins. Tagesordn.: Die Schließung der vorigen Versammlung durch Herrn Schmitz ohne Erledigung der festgesetzten Tagesordnung, weil die Majorität der Versammlung ihn nicht als Vorsitzenden gewählt hatte.— Ist Herr Schmitz noch länger befugt, ander Spitze der Gewerlschaft zn stehen? Die Parteigenossen müssen für Verbrei- tung sorgen. Jeder hat Zutritt, und werden die Parteigenossen ersucht, zahlreich zu erscheinen. _ Breul. Wienecke.[5,00] lliot-lttt Sonnabend, den 27. Nov., TmUU. Abends 8'/- Uhr, im Cafö Polenz, Alte Jakobstraße 83, Geschlossene Versammlung des Vereins der Sattler und Berufsgenossen. Tagesordn.: Abrechnung ver Lokalkasse. Bericht über die Centraikasse. Vereins-An- gelegenheiten.[2,49] (F. 57.) A. Coenen, Vertraucnsm. Mflntlrt Freitag, 26. November. '4UIUUU. Abends 8'/, Uhr, in Koppelmann's Salon, Gr. Rosenstr., Volksversammlung. Tagesordn.: Vortrag des Hrn. I. Auer. Alle Mann am Platze. (F. 29.) A. Forschner.[1,69] Anzeigen. ttWsm �lub„Hoffnungsvoll." Hl. Sonnabend, 27. November, Abends 8'/, Uhr: Erste mnstkalisch-thcatralische Abend-Unterhaltung in Buch hol, Salon, Gr. Frankfnrterstr.74. BilletS vorher von den Mitgliedern a 30 Pf., eingeführte Gäste zahlen 35 Pf. Nachh,v Der Uöberschuß ist zu einem guten Zweck bestimmt. I. A.: H. Grimpe.[2,49] ftrtmlllim Freilag, Pen 26.'iov., yUUu'UUJ. Abends 8'/» Uhr, in Stadli's Etablissement, Valentinskamp 41, Offizielle Partei-Versanmllung. T.-O.: Abrechnung pro Oktober.— Verschiedenes. (F.JL)__ A. Hörig.[2,20] Hamburg. Allgem. deutscher Schiffszimmerer- Verein. Der am 18. November 1875 auf dem Kranzhause, Brook 69, in der konstituiren- den Versammlung der Allg. deutsch. Schiffs- zimmerer-Genossenschast zu Hamburg ge- wählte Vorstand hat sich am selbigen Tage bereit erklärt, die ihm übertragenen Funk- tionen zu übernehmen. (F. 199.) Der Vorstand.[3,99] Heinrich Groß, 1. Disponent. Heinrich Jürgensen, 2. Disponent. Wilhelm Sohns, Kassircr. Sonnabend, 27. Nov., Abends 8 Uhr. im Vereinslokale Mittelstr.il,>1,20] Ocffentlichc Versammlung dcS Socialdemokr. Wahlvercins. Vortrag des Hrn. Hurlemann. Der Vors. Diejenigen, die gewillt >J,mllll. 11«,�» sind, den Frauen- und Mädchcn-Verein bei der Weihnachtsbeschee- rung für Kinder mit Geschenken zu unter- stützen, werden gebeten, diese bis spätestens 14 Tage vor Weihnachten abzugeben in den Versammlungen oder Breitergang 14 bei Frau Fuchs. Das Comitee. Auch findet jeden Donnßrstag Frauen- Versammlung statt.(F. I)[2,99] Sonnabend, 27. Novbr., •yllUlMUll}. Abends 8',, Uhr, im Salon zum Roland, 1. Jakobsstr. 19, Geschlossene Mitgtiederversammlun.q des Korbmacher- Bundes von Hamburg, Altona und Ottensen. Tagesordn.: Reducirung des Beitrages. Vereinsbibliothek. Strike der Buchbinder. Mitgliedskarten müssen vorgezeigt werden. (F. 1.)____ E. Knopf.[2,80] Barmbeck. bei Herrn Schulz am Markt, Mitgliederversammlung des Allg. deutsch. Bau-, Land-, Erd- und Fabrik-Arb»-Bereius. Tagesordn.: Abrechnung u. Verschiedenes. (F. 1.) � I. Schröder.[2,20] Otiit-mov Sonnabend, 27. Nov., mimr. Abends 8 Uhr, im Lokale dcs Herrn Kirgeleis, Große Volksversammlung. T.-O.: Die Lage der ländlichen Arbeiter. Ref.: Glebe. � H. Reichenbach.[1,20] KalkbelDeutz.Ar°�- in Meurer's Lokal, Volksversammlung. Ref.: Kühl, Wytzka, Schuhmacher.[1,99] Parteigenossen, seid am Platze. Eckert.' Sonnabend, den 27. Nov.. vi»lt. Ab. 8 Uhr, im Engl. Garten � Oeffentl. Versammlung Tages-Ordnung: Die GcfetteSvorlage über daS Ztrankcnkaffenwefcu im Deutschen Reichstag. Um zahlreichen Zuspruch wird dringend ersucht.[1,89] Frankfurt a. M. Sonntag, 28. Nov., Nachmittags 4 Uhr, in Kräusel's Hotel in Bockenheim, Allgemeines ch»hi»acher-Fest, bestehend in Couccrt, theatralischen und dcrlamatorischeu Vorträgen nebst Tanz. Entröe 49 Pf. Damen frei. Die Garderobe- hat Parteigenosse Müller aus Bockenheim. (F. 199.) Das ComitS.[3,29] S> Duisburg. � im Lokale des.Herrn Frye, Weinhausmarkt, Gemiithliche AbcnU-llutcrhaltuug des Gesang-Vereins„Teutonia", bestehend in Musik, Gesang und deklamat. Vorträgen. EntrSe frei. Parteig. sind eingel.[1,49] Für Korbumcher. 3 Gesellen auf Gematt u. 1 auf Geschlagen finden dauernd gute Arbeit. Reisegeld verg., bei ElaaS Bilker» Andertensche Wiese 29, Hannover,(»o. 1221a)[3,99](F. 85) Den geehrten Genossen empfehle mein Uhrcu- und Reparaturen-Gcschäft. [1,59] C. Ttzic rftcin, Kaiserstr. 48. Druck und Verlag der Allg. deutschen Affociations Buchdruckerei zu Berttn, Eingetragen« Genoffenschast, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8». Verantwortlich für die Redaction: H. Langein Berlin.