Nr. 148. Diese Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, . und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Wends. Mittwoch, den IZ. Dezember 18?5» Neuer S. Iayrgang. Rrdactiou n.(Expedition: Berlin, 80., Kaiser Franz-Grenadier-Pl. 8a. Bestellungen werden bei allen Postämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jedem Spediteur entgegengenommen. eufzu« Organ der Socialistischm Arbciter-Partci Teutschlands. Inserate (nur in der Expedition geben) werden pro fünfgespaltene Petit- zeile mit 50 Pf. berechnet. Ver- sammlungs-Annoncen die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reklame-Anzeigen werden nicht aufgenommen. AbouncmentS-PreiS: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich praennnrerauäv l Rm. 95 Pf., monatlich 85 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. 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Fortwährend predigt man seitens der Gegner der Social-Temokratie, daß es„baarer Unsinn" wäre, wenn die Arbeiter vom Staate ein Eingreifen in die wirthschast- lichen Verhältnisse verlangten, resp. wenn der Staat auf- gefordert würde, vermittelst der Gesetzgebung auf die trau- rige Lage des Arbeiters-u dereu Gunsten einzuwirken und — fortwährend gehen unsere Gründer den Staat um Staats- hülse an und erhalten dieselben in reichem Maße. In unseren Tagen herrscht in kaum glaublicher Weise eine Wuth, Eisenbahnen zu gründen.' Uild warum sollten unsere Bourgeois auch nicht gründen? Giebt es doch in diesem Falle für sie und ihre Vetterschaften fette Direktoren- Posten und einträgliche Stellen als Verwaltnngs-Näthe u. s. w. Und wenn das Projekt auch schief geht, oder sonst so Manches hapert und hinkt, nun, dann ist der Schaden auch noch zu ersetzen, denn der Staat ist ja da, der Staat, der nach der Ansicht vieler unserer Bourgeois die alleinige Auf- gäbe hat, die Geldschränke der Kapitalisten zu füllen und auch vor den bösen Socialisten zu schützen. Daß in der That immense Summen, seitens der heutigen Regierungen den. Privatbahnen ausgeworfPi sind und noch ausgeworfen werden, ersehen wir aus einer Zusammenstel- lung der Betriebsergebnisse deutscher Eisenbahnen, die vor Kurzem deiil deutschen Reichstage zugegangen ist. Jnteresfiren wird es nun unsere Leser, wenn wir ihnen hier mittheilen, welche enorme Gelder seit dem Jahre 1867 zur Zinsdecknng den„armen" Privat-Eisenbahnen zngestossen sind. Bleiben wir bei dem Jahre 1867 stehen, so sehen wir, daß nicht weniger als 6,338,127 Mark in jenem Jahre die Privat-Eisenbahnen verschlungen haben. Und so geht es auch bis zum Jahre 1873, dem Jahre des„großen Krachs", progressiv fort, wo wir das nette Sümmchen von 14,644,732 Mark als„Unterstützung" für unsere Herren Eisenbahn- Gründer vorfinden. Es überkommt Einem ein eigenthümliches Gefühl, wenn man diese hohe Ziffer betrachtet. Für die Volksschule und die Volksschullehrer hat maU freilich nur ganz bescheidene Posten im„gebildeten" Deutschland, die Ehrenmänner aber, ans denen unsere Gründer fast ausnahmslos bestehen, finden wohl gefüllte Kassen. Jnsgesammt sind übrigens seit dem Jahre 1867 bis 1874 74,888,145 Mark vom Staate für die sogenannte Zinsgarantie der Eisenbahnen veraus- gabt, also durchschnitlich nahe an zehn Millionen pro Jahr. Ja, wenn die Bahnarbeiter wenigstens einen Vortheil von diesen ausgeworfenen Summen hätten, so ließe sich noch ein Auge zudrücken— obschon wir im Prinzip ein derartiges „Vertheilen des Natlonal-Reichthumü" nicht billigen können — aber wer wüßte nicht, wie groß und weit die Taschen unserer Geldfürsten sind und wie die unteren Eisenbahn- Beamten, wie Schaffner, Weichensteller u. s. w., gelohnt werden. Kurz und gut, wir sehen, daß sich die Kapitalmacht eines ganz besonderen Schutze» und einer speziellen Bevor- zugung gegenüber der nichtbesitzenden Klasse erfreut. Und warum? Nun, so lange noch das Volk mehr auf die tönenden Phrasen des Liberalismus giebt, so lange es sich noch von Altarkerzen und blinkenden Säbeln blenden läßt, so lange muß es auch noch an leeren Tischen sitzen und die gefüllten Schüsseln Andern überlassen. Ein zweites gewichtiges Moment drängt sich uns als- dann noch auf. Daß im heutigen Staate die Kapitalmacht es ist, welcher die Staatshilfe zufließt, und daß die Arbeiter- klasse zur Anbahnung der Lösung der socialen Frage von dem freien socialistischen Staate solche allein erwarten kann, ist nichts Wunderbares, aber lim so interessanter ist die Thatsache, um so schwerer fällt in die Wagschale zu Un- gunsten der Bourgeoisie und zu Gunsten der Arbeiterklasse der Umstand, daß die Staatshilfe für Kapitalisten ganz bedeutend zu Ungunsten des Staates wirkt, während leicht ersichtlich ist, daß eine Staatshilfe zu Gunsten der Arbeiterklasse, dieser Letzteren, sowie dem Staate gleichmäßig Vortheil bringen muß. Nach jenem dem Reichstage vorliegenden Bericht, garailtirte im Jahre 1874 für die Verzinsung eines Kapi- talS von circa 477 Millionen Mark der Staat. Und zwar machen die Eisenbahnbarone von dieser Zinsgarantie einen so rücksichtslosen Gebrauch, daß wie wir 1874 gesehen haben, ans Staatsmitteln die Summe von 114'z Millionen Mark gezahlt werden mußte, um nur die ver- sprochenen Zinsen zu decken. Es hat also der Staat im Durchschnitt nicht weniger als 21/, Prozent der Zinsen für jene mit Zinsgarantieen bedachten Eisenbahnen aus dein Steuersäckel der Bürger zuschießen müssen, also gewiß den Löwenantheil, denn mehr als 4� Prozent im Durchschnitt betragen die garantirten Zinsen jedenfalls nicht. Halten wir dein nun die Thatsache gegenüber, daß die Produktiv-Associationen, welche im Jahre 1843 in Ftank- reich von Arbeitern mit einer sehr geringen Staatshülse begründet und welche später durch Gewaltiiiaßregeln der Polizei und sonstige Jutrignen vernichtet worden sind, trotz- alledem sie dem Staat sein Kapital fast ausnahmslos voll zurückzahlen konnten, so beweist schon dies, wie uner- meßlich solide eine Arbeitcr-Produktiv-Association gegen- über einer Kapitaliften-Gesellschast, und hier die solide Rechtlichkeit, dort die Ausbeutung des Staates klar und deutlich hervortritt.. Vom socialistischen Staate im großen Maße in's Leben gerufene Associationen leisten natürlich noch unendlich mehr Gewähr für ein gewinnbringendes Aufblühen, als solche vereinzelte Associationen, und wir können daher als feststehend annehmen, daß wenn Produktiv-Associationen der Arbeiter in ähnlicher Weise wie jene deutschen Eisenbahngesellschaften unter der Form von Zinsgarantie durch den Staat in die Lage versetzt wurden, sich niit genügenden Kapital zu versehen, um Großproduk- tion zu treiben, der Staat gar keinen Schaden erleiden würde, während sich sein Verlust bei jenen Privat- Eisen- bahnen schon ans mehr als 10 Millionen alljährlich beläuft. Und solchen Thatsachen gegenüber wagt man es noch, die Staatshülfe für socialisiische. Associationen Hirngespinnst zu nennen, wagt man es, in demselben Augenblick für die Bourgeoisie Hülse des Staates in Anspruch zu nehmen, welche ihm sehr thener zu stehen kommt und die Kapitalisten schmählich mißbrauchen. Das bedeutet den völligen Bankerott der Logik der Bourgeoispresse. Und die Stirn ist wahrlich ehern, welche die liberalen Federfuchser dem Volke zeigen. Glücklicher- weise geht es aber mit ihrem einst so erfolgreichen Volks- betrüge jetzt rasch bergab. Teutscher Reichstag. Berlin, 10. Dezember. Ueber die gestrige Nachmittag-Sitzung ist noch nachzutragen, daß der Abgeordnete Stauffenberg, der sich mit seinen national-liberal-fortschrittlichen Freunden der Abstimmung ent- hielt, vorher die Erklärung abgegeben hatte, er nebst seinen Freunden seien prinzipiell mit dem Antrag Hofmann einver- standen. Also aus„Einverständnis}" mit dem Antrag brachten die gesinnungstüchtigen Leutchen den Antrag zu Fall, denn nur ihre Stimmen hätten den Ausschlag zu Gunsten des Antrags gegeben. Die gestrige Abend-Sitzung, die kurz vor 8 Uhr eröffnet wurde, war sehr schwach besucht. Auf der Tagesordnung stand die zweite Lesung des Haus- haltSetats von Elsaß-Lothringen. Die Debatte bot keine interessanten Momente dar,.außer allenfalls, daß Herr Duncker, der große Volkszeitungs-Fort- schrittler, wieder als freiwilliger Bundes-Kommissar fungirte. Der Mann scheint wirklich auf ein Regierungspöstchen zu spekuliren. Schluß der Sitzung 10'/« Uhr. In der heutigen Sitzung, die 11'/«Uhr Vormittags begann, setzte der Reichstag nach Erledigung einiger Punkte, die keine Debatte veranlaßten, die Berathung des Elsaß-Lothringi- schen Etats fort. Der freiwillige BundeS-Kommissar Duncker versieht wiederum sein Amt und entwickelt dabei einen um so anerkennens- ivertheren Eifer, als derselbe vor einer, trotz der frühen Tages- zeit, in einem schlummerähnlichen Zustand versetzten, obendrein sehr spärlichen Zuhörerschaft entfaltet wurde. Einem Bildhauer, der den Genuß des Schlafes darzustellen hat, möchten wir rathen, den Abgeordneten Duncker zum Modell zu nehmen, wie er dasteht, pagodenhaft mit dem Kopf nickend und Körnchen um Körnchen den Mohn seiner Beredtsamkeit auf die matt zusinken- den Augenlider der Zuhörer fallen läßt. Das stärkste Opium ist schwach verglichen mit den einschläfernden Worten des Abgeord- neten Duncker. Die Debatte erhebt sich keinen Moment auf die Höhe prinzipieller Erörterung, woran freilich vor Allem die inkon- sequente Haltung der anwesenden Elsaß-Lothringischeu Abgeord- neten Schuld ist, die bald protestiren, bald mitspielen, keines von Beiden aber richtig thun. Von Simonis wurde auf starke Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Kaiserlichen Tabaks-Manufaktur in Straßburg hin- gewiesen, ohne daß es den Regierungs-Vertretern gelungen wäre, seine Angaben im Wesentlichen zu erschüttern. Beim Etat des„Ober-Präsidiums für Elsaß-Lothringen in Straßburg" sprach Winterer gegen die thatsächlichc Fort- dauer der Diktatur und verweilte besonders bei den Preß-Zu ständen im Reichslande; die unabhängige Bevölkerung habe kein einziges Organ, obgleich sehr viele Zei- tungen vorhanden seien; diese Zeitungen würden aber sämmtlich aus dem Rcptilienfonds gespeist, und seien den Interessen des Volkes durchaus feindlich. Dunker warf sich zur Abwechslung einmal in die Don Carlos-Rolle und bat die Regierung, doch ein menschlich Rühren zu hahen und keine Zeitungen mehr zu subventioniren. Was natürlich von der Regierung nur als ein Dunker'scher Scherz aufgesagt, und als kein kurzweiliger. Sonnemann meinie, wenn Herr Duncker die Reptilien- Presse nicht wolle, so müsse er folgerichtig auch die Streichung der betr. Geldposten beantragen; da Herr Duncker dies unter- lassen, so stelle er(Sonnemann) den förmlichen Antrag. Redner theilt dann einige pikante Einzelheiten über die Essaß-Lothringischen Preßreptilien mit, die unter einander verkehrten und, wenn sie von der Regierung an die Luft geletzt würden, sich mitunter den Oppositionsblättern anböten, um gegen die früheren Brod- geber zu schreiben. Windt Horst trat wiederholt für die Aufhebung des Ausnahmezustandes in Elsaß-Lothringen ein und äußerte sein Be- fremden, daß der Fürst Reichskanzler bei dieser wichtigen Ver- Handlung fehle. Regierungskommissar Hertzog bedauert ebenfalls die Ab- Wesenheit seines Chefs; getraut sich aber dann zu versichern, daß derselbe, wenn er anwesend wäre, sich entschieden gegen die Auf- Hebung des Ausnahmezustandes erklären würde. Nach einigem Geplänkel wurden die streitigen Posten mit großer Majorität bewilligt. Die Fortschrittspartei in ihrer großen Majorität,'darunter Herr Duncker und Herr Minckwitz, stimmten für die Reptilienpresse und die Fortdauer der Diktatur. Wir lcgen's zum llebrigen. Berlin, den 11. Dezember. Aus der gestrigen Sitzung, die sich bis fast 5 Uhr hinzog, ohne daß es gelungen wäre, den Elsaß-Lothringischen Etat zu erledigen, ist nur wenig nachzuholen. Im Lause des tödtlich langweiligen Hin- und HcrredenS— denn eine Diskussion kann man das nicht nennen— erzählte der Abg. Winterer u. A. einen charakteristischen Vorgang: Ein Dorf in der Nähe der schweizer Grenze hat alljährlich Prozesston nach einem Kloster im Kanton Solothurn und zwar seit Jahrhunderten. Im Laufe deS Frühjahrs sei nun angeblich von Seiten der Solothurner (Schweizer) Behörde dein betreffenden Kreisdirektor angezeigt, daß am 14. März eine Prozession auf Schweizer Gebiet statt- finden solle, zu dem Zwecke, eine Demonstralion gegen die Annexion in Sccne zu setzen. 60 Soldaten nebst den Gensd'armen der Umgegend be- setzten daher des Morgens in aller Frühe die nach der Schweizer Grenze zu gelegenen Hohen. Die Soldaten kampirten einen hal- ben Tag zwecklos unter nassen Tannenbäumen und rückten dann, da keine Prozession sich zeigt, hungernd und frierend in den Ort ein, wo sich herausstellt, daß gar keine Prozession beabsichtigt war. Hübsch ist, daß der freiwillige Regierungskommissar Duncker gegen Schluß der Sitzung den Stein der Weisen entdeckte, näm- lich das Heilmittel der Elsaß-Lothringischen Krankheit. Das Rezept lautet:„Der RegierungS-Präsident, welcher jetzt den Reichslanden vorsteht, wird Minister genannt." Einige Abgeordneten wachten aus ihrem Schlummer auf, als ihnen diese wunderbare Entdeckung des fortschrittlich-gouvernementalen Opium- Redners in's erstaunte Ohr trompetet wird. Vom Tisch der Bundeskommission lächelte man huldvoll auf den eifrigen„Zu- kunftsminister" für Elsaß-Lothringen herab. Ein für Unterhaltung der Grabstätten der gefallenen Krieger ausgesetzter Posten gab zu einigen lebhaften Erörterungen und einem Hammelsprung Anlaß. Ein Amendement des Dänen Kryger auf Streichung der betreffenden Posten wurde stillschwei- gend begraben, nachdem Sankt Valentin sogar dem Antragsteller das Wort abgeschnitten hatte. Beginn der heutigen Sitzung 11'/, Uhr. Das Haus ist so leer, daß sofortige Auszählung unzweifelhaft Beschlußunfähig- keit festgestellt hätte.*) Es ist dies ein stummer Protest gegen den Versuch, durch Abrackerung der Reichstagsmitglirvcr den Schluß der Session noch vor Weihnachten zu ermöglichen— ein Versuch, der nun als gescheitert zu betrachten sein dürfte. In die Debatte spielt sich, wenn auch nur formlos wetterleuchtend, der Kulturkampf herein. Die Elsaß- Lothringer Abgeordneten verdarben ihre Sache durch das Hervorkehren des klerikalen Standpunktes, wodurch sie Wasser auf die sonst trockene Mühle der Gegner bringen. Eine Bemerkung des Münchener Centrums- mannes Westermeyer(so ein Stückchen Kapuziner aus Wallen- steins Lager) gab dem mehrfach verunglückten Gießener„Ge- schichts-(richtiger Geschichten-) Professor" Oncken, einen: Tobel in Westentaschenformat, Gelegenheit, sich auf das Paradepferd *) Der Antrag auf eine Auszählung wäre jedoch nutzlos gewesen, da es bekannt ist, daß im Kaijerhof und anderen benachbarten Hotels eine große Zahl Reichsboten eS sich wohl sein läßt, welche während der langen Dauer einer Auszählung jedenfalls hsrangelotst würde, um das Haus noch rechtzeitig beschlußfähig zu machen. deutscher Wissenschaft zu schwingen und se.ne Courage zu zeigeiu Dock 0 si tacuissea! Hättest du geschwiegen still,. und den Mund gehalten fein! Derböse Windthorst, revanchelustig von gestern her wo Grumbrecht ihn an seine hannoverschen Sün- den erinnert hatte, lag auf der Lauer und schüttelte das arme Gicüencr Professorchen arg ab, ihm nachweisend daß es— was auch ganz richtig— nicht wisse, was Wissenschaft sei, daß eS keine deutsche, keine französische, sondern nur eine allgemein menschliche Wissenschaft giebt. � c■-ir Folgt ein kleines rhetorisches Duell zwischen dem freiwilligen � Regierungskommissar Duncker und Herrn Re.chenfperger (utenmontan). Duncker hatte nämlich sehr schlau bemeickt, der Staat sei das Volk, und wenn der Staat in Elsap-Lothnn- gen Einrichtungen getroffen habe, so dürfe sich Niemand aus dem Volke darüber beklagen, weil somit das Volk selbst als Staat diese Einrichtungen'in's Leben gerufen habe. Reichensperger entgegnete auf diese ultra-reaktionäre und dabe, ziemlich blöd- sinnige Ansicht, daß es dann recht unrecht von.hm(Duncker) sei, wenn er irgendwie Opposition gegen eme Maßregel der Regierung mache, denn diese Maßregel sei ,a vom Volke erlassen. Abg. Simonis erhielt nun zu einem weiteren Punkte des Etats für Elsaß-Lothrinqe»(Volksschule) das Wort. In derber Weise kritisirte er die„Mischung" der Geschlechter in den Volks- schulen in Elsaß-Lothringen- bei diesem Ausdruck der mcht zweideutig war, lachten in unverschämter Weise die Nationallibe- ralen und unter ihnen zeichnete sich vorzüglich der Altkatholik Abg. für Duisburg, Professor von Schulte, aus; hierdurch wurde der Ausdruck zweideutig gemacht.— L r Abg Simonis gab seiner Entrüstung darüber derben Aus- druck. Persönlich sucht Schulte sich zu entschuldigen, fand aber durchaus keinen Anklang, während Simonis dem höchst ehren- haften altkatholischen Zukunftspapst eine derbe Lektion wegen An- standsverletzung ertheilte.. Das Unterrichtswesen giebt dem freiwilligen Regierungs- Kommissar Duncker wiederholt Gelegenheit, Reden zu reden; als er eine solche langweilige gegen 1'/- Uhr wiederum leistete, entstand im Centrum große Bewegung; Duncker war ganz ver- gessen, denn Majunke war nach einjähriger Strafhaft in'S Haus eingetreten. Der„Verbrecher" wurde von seinen Parteigenossen lebhaft durch Händedrücken begrüßt— auch die Augen der an- deren Abgeordneten richteten sich auf die auffällige Erscheinung, und Duncker redete, wie gewöhnlich, sein Blech in den Wind. Die Berathung des Etats für Elsaß-Lothringen dauert fort. Nachdem der Berichterstatter-darauf verzichtet, die hierher gehörenden Petitionen in die Besprechung zu ziehen und erklärt, sie für die zweite Berathung aufbewahren zu wollen, ist die erste Lesung deS Gesetzentwurfs beendet. 2. Die allgemeine Rechnung des Reichshaushalts-Etat für das Jahr 1871 wird ohne Debatte angenommen. 3. Zweite Berathung deS Gesetzentwurfs betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste. Abg. Müller hebt hervor, daß seit lange ein Rechtsschutz für alle Wissenszweige, nur nicht für die Kunst bestehe, es sei deshalb mit Freuden der vorliegende Gesetzentwurf zu begrüßen, damit von Deutschland die Schmach der gemeinen Nachahmung genommen werde. Berichterstatter der Kommission, Wehreu Pfennig, weist nach, daß der Z 1, zu dem der Vorredner gesprochen, nichts Neues enthalte, sondern das Gesetz schon seit 1857 bestehe. Anlaß zu einer längeren Debatte geben die§S 5 und 6, betreffend die mechanische Nachbildung von Bildwerken. Da die Abstimmung zweifelhaft bleibt, erfolgt Hammelsprung und ergiebt sich dadurch die Thatsache, daß der Reichstag be- schlußunfähig ist. Jedenfalls ist dies bezeichnend genug, wie sehr sich die gebildeten Deutscheu, das Volk der Denker, welches an der Spitze der Civilisation marschirt, für die bildende Kunst interessirt, denn es waren nur 167 Abgeordnete anwesend, währenddem, als es sich um die Schutzzollfrage handelte, wo das reine materielle In- teresse maßgebend war, beim Hammelsprung 287 Reichsboten zugegen waren, eine Anzahl, welche wohl noch nie, oder sehr selten erreicht worden ist. Schluß der Sitzung 3'/» Uhr. Politische Uebersicht. Berlin, 11. Dezember. Die bevorstehende Agitationsreise unserer beiden Abgeordne- ten Liebknecht und Reimer in dem neunten schleswig-holstei- nischen Wahlkreise macht die Liberalen und Fortschrittler im Vor- Neber die Kost in öffentlichen Anstalten. (Bortrag von Karl Voit.) (Schluß.) Die Kost in Volksküchen. Es soll die Aufgabe in Volksküchen sein, einen guten Mit- tagstisch, das heißt die Hauptmahlzeit, zum Selbstkostenpreis ab- zugeben. Der Unbemittelte erhält auf diese Weise eine Mittags- kost, die er sich in gleicher Güte nur zu einem wesentlich höheren Preise verschaffen könnte, während er für das Frühstück und Abendbrod viel leichter das Nöthige zu besorgen vermag. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, daß in der Stadt München zuerst in größerem Maßstab ein Versuch der Art gemacht worden ist, und zwar durch den Grafen Benjamin von Rumford(1797). Es liegen viele Mittheilungen über das in den Volksküchen Gebotene vor, es ist jedoch von anderer Seite noch nicht unter- sucht worden, ob denn die Speise den Anforderungen an eine Miltagsmahlzeit entspricht, ob genügend gegeben wird, und ob die Nahrungsstoffe in dem richtigen Verhältiiiß sich barin besin- den, und ivie es dabei mit der Ausnützung, der Abwechselung und den Genußmitteln steht. Ich hatte vor einigen Jahren den Austrag, für den Münchener Magistrat ein Gutachten über die Kost in Volksküchen zu ver- fassen, und war in hohem Grade erstaunt, auch nicht einmal die Vorarbeiten für ein solches vorzufinden. Es war nämlich unbekannt, wie viel ein gesunder Mensch, der sich richtig, aber nach seiner Auswahl ernährt, von den im Tag zu einer Nahrung ihm nöthigen Nahrungsstoffen in seiner Hauptmahlzeit verzehrt. Es waren daher vorerst genauere Bestimmungen hier- über zu machen, und es hat sich dabei für Arbeiter herausgestellt, daß etwa 50 pCt. des Eiweißes, 61 pCt. des Fettes und 32 pCt. Kohlehydrate in der Mittagskost aufgenommen werden. Später hat Dr. Forster noch einige Bestimmungen der Art an zwei Ar- beitern und zwei jungen Aerzten ausgeführt und ähnliche Zahlen- werthe wie ich(nämlich in Mittel 45 pCt. Eiweiß, 57 pCt. Fett und 39 pCt. Kohlehydrate) erhalten. Danach läßt sich nun, wenn der Gesammtbedarf an Nahrungsstoffen für den ganzen Tag bekannt ist, das für den Mittagstisch Nöthige leicht be- rechnen. aus unenvllch bange. Die grobe Luge von dem„Rülkgange" der Socialdemokratic ist vor der Wahrheit der entgegengesetzten Thatsache zu Schanden geworden, und so bittet man jetzt flehentlich, eine energische Gegenagitation ins Werk zu setzen, um die„Grundlagen der Gesellschaft" zu retten und befürwortet zu dem Zwecke hauptsächlich die Errichtung von Vereinen auf Grund- läge der Hirsch- Dunckerschen Statuten. In den Arbeiterkreisen aber dringt mehr und mehr die Erkenntniß von der Unzulänglich- keit dieser Vereine durch, sie erkennen ihre Halbheit und Unfähig- keit, die herrschende Calamität gründlich zu beseitigen und für immer unmöglich zu machen— was Wunder, wenn sie die Hei- lung da suchen, wo sie einzig und allein zu finden ist? Diese Schmerzensrufe der liberalen und fortschrittlichen Blätter notisi- ciren wir aber als einen Beweis der Sieghaftigkeit unserer Ideen, welchen auf die Dauer das phrasenhafte Heldenthum der Bour- geoisvorkämpfcr ä la Duncker nicht zu widerstehen vermag. Wür- den diese Bourgeois die Wahrheit ihrer Prineipien für über allen Zweifel erhaben halten, so würden sie sich auf solche Wohlwollens- erbettelungen in den Arbeiterkreisen nicht einlassen. Die allseitigen„Fricdensvcrsichcrungen" erhalten er- neute Nahrung durch die Nachricht, daß die Festung Metz ein neues Fort erhalten wird. Was werden die Franzosen dazu sagen? So wenig es dem„Culturstaate,, Preuszen in anderer Beziehung gelingt, den Wettstreit mit den Nationen erfolgreich aufzunehmen, in seiner militairischen Organisation nimmt ihn sich alle Welt zum Muster, so jetzt wieder England in sei- nein neuen Mobilirungsplane. Ein trauriger Ruhm, den die vernünftigere Nachwelt gewiß in das Gegentheil verdrehen wird; mit dem Aufhören der Blut- und Eisen-Aera, mit dem Siege der Menschlichkeit ist sein Schicksal besiegelt. Officiöse Berliner Eorrespondenten schreiben:„Der Kaiser von Rußland hat sich in dem Toast bei dem Georgsfeste über die Bedeutung und Festigkeit des Drei-Kaiser-Bünd- nisses ivomöglich noch bestimmter und emphatischer ausgesprochen, als bei früheren gleichen Angelegenheiten. Auch hierdurch werden gewisse Bestrebungen, diese Grundlage der gesummten auswärti- gen Politik, als weniger fest und sicher als in früheren Jahren darzustellen, wohl in authentischster Weise widerlegt."— Dem gegenüber müssen wir die Befürchtung aussprechen, daß uns wie- der der Frieden äußerst gefährdet zu sein scheint; denn wenn ein Umstand zu dieser Annahme berechtigt, so sind es die gcgenseiti- gen Liebkosungen und„völkerliebenoen" Friedensbetheuerungen unserer Officiöscn. �* Unfern Bericht über das grosse Schiffsunglück an der Themseniiindiing vervollständigen wir dahin, daß der Dampfer „Deutschland" volle 28 Stunden an einer lebhaften Passage ohne jegliche Hilfe trotz aller Nothsignale gelegen hat. Der Brief eines geretteten Passagiers enthält darüber Folgendes: „Harwich, am 7. Dezember Nachmittags geschrieben und lautet im Wesentlichen: Heute drei Uhr Mittags durch ein Eng- lisches Schleppboot glücklich hier geladet. Wir fuhren Sonnabend Mittag halb 3 Uhr aus dem Hafen(Bremerhafen) und kamen wegen dicker Luft und Schnee nicht in See, sondern gingen die Nacht über vor Anker. Sonntag gingen wir in See. Der Tag verlief ohne BemerkenswertheS. In der Nacht vom Sonntag auf Montag fühlte ich plötzlich zwei heftige Stöße des Schiffes, kleidete mich in Eile an und fand die Passagiere halb und ganz angekleidet in höchster Aufregung auf den nach Deck führenden Treppen. Draußen brach sich die See in den wüthenden Schlägen über das Schiff bei völliger Dunkelheit und heftigem Sturme. Wir bekleideten uns mit Reltungsgürteln und erwarteten jeden Augenblick den Aufbruch des Schiffes. Einzelne Passagiere stürzten sich in die Böte, auch einige Matrosen, denen dann ein Offizier zugetheilt wurde. Vielleicht ist eines der Böte irgendwo glücklich angekommen, wahrscheinlich sind aber drei verloren. In größter Aufregung wurde nun der Tag erwartet. Endlich wurde es hell und wir konnten nach Hülfe aussehen. Mehrere Dampfer und Segelschiffe passirten im Laufe des Tages. Alle möglichen Signale wurden gegeben, aber vergeblich. Wir sahen nun einer höchst trostlosen Nacht entgegen. Das Schiff hielt noch, wurde aber bei einem rasenden Nordsturme stark gestoßen und leckte. Wir Passagiere mußten den ganzen Tag an den Pumpen arbeiten. Als gegen Abend keine Hilfe zu sehen war und der Leck stärker wurde, ergaben wir uns in� unser Schicksal und sahen dem Schlimmsten entgegen. Das Schiff krachte fürchterlich und der Sturm nahm an Heftigkeit zu. Fast alle Passagiere verbrachten die Nacht wachend in der Cajüte. Um 2 Uhr Nachts hieß es: wer klettern kann, soll in die Masten gehen, denn das Schiff lief rasch voll Wasser. Sechs bange Stunden haben wir dort gehangen. Das Deck war ganz unter Wasser und die Wellen Eiweiß Fett Kohlchydrate für den Arbeitenden 59 34 160 für Pfrüudncr 40 30 35 für Kinder von 6—15(?) Jahren 39 21 80 Ich habe nun nach den Rechenschaftsberichten verschiedener Volksküchen mit großer Mühe die Mengen der einzelnen Nah- rungsstoffe berechnet, welche in einer von denselben verabreichten Portion enthalten sind und dabei im Mittel gefunden: Eiweiß Fett Kohlehydrate Münchener Suppenanstalt 14 3 32 Volksküche in Leipzig 24 8 71 „„ Dresden 37 10 100 „ Berlin 35 19 178 Egestorff in Hannover 35 8 210 In Köln(mit Fleischextrakt) 49— 188 Speiseanstalt in Hamburg 41 5 133 Volksküche in Hamburg 50 11 187 Spciseanstalt in Karlsruhe 58 16 180 Erforderniß 59 34 160 Aus dieser Zusammenstellung ersieht man mit wahrem Schrecken, wie viel bei den meisten Anstalten dieser Art zu einer ausreichenden Mittagsmahlzeit noch fehlt. Man giebt sich hier offenbar einer argen Täuschung hin; denn wenn die Leute von der Menge des Essens befriedigt sind und sich satt fühlen, so haben sie noch nicht nothwendig eine Nahrung für die Mittagszeit aufgenommen. Nur ein kleiner Theil der Volksküchen liefert das für altersschwache Pfründner nöthige Maß, aber nicht das für einen arbeitenden Mann. Die Menge der Kohlehydrate ist zwar bei der Mehrzahl derselben genügend, aber nicht die des Eiweißes, am meisten und durchgängig fehlt es aber auffallen- der Weise an Fett, dessen Bedeutung man in den betreffenden Kreisen, wie es scheint, gar nicht zu schätzen weiß; eine gut ge- schmalzene Suppe gilt schon im Volksmund als etwas Begehrens- wertheS. Man hat offenbar in solchen Anstalten bis jetzt mehr auf die wohlfeile Herstellung, als auf die richtige Zu- sammensetzung der Speise gesehen; es ist eben unmöglich, für den meist zu geringen Preis das Nöthige zu liefern. ichlugen hoch daruver weg. iMeie wuroen yeraogengen, auf oent Deck vor unseren Augen umher geschleudert und schließlich ins Meer gespült. Manche konnten sich mit den erstarrten Händen nicht halten und fielen hinab. Die Nacht mar fürchterlich. Die Kälte, das Schreien der Unglücklichen, die hinabfielen, und der Gedanke, auch bald hinabfallen zu müssen, machten die Stunden zu einer entsetzlichen Ewigkeit. Das Schiff hielt sich und endlich wurde es wieder Tag, Ebbe und der Wind schwächer, so daß wir auf einen Theil des Hinterdecks hinabklettern und die steifen Glieder warm trampeln konnten. Man zählte, wer um- gekommen war, und sah nach der nun bestimmt erwarteten Hilfe aus. Dampfer kamen in Sicht, eben so Fischerboote, aber zu uns kam Niemand! Unsere Gefühle waren jetzt wirklich ver- zweiflungsvoll. Achtundzwanzig Stunden saß ein großer Dampfer mit 200 Personen an belebter Passage, hatte fortwährend signa- lisirt und Niemand brachte uns Rettung. Zu Essen hatten wir so wenig wie zu Trinken, da die Eajüten bis oben mit Wasser gefüllt waren. Endlich hieß es, ein Dampfer, ein Schleppboot in Sicht! Er kam und nahm uns Alle auf..."—- Der„Times" zufolge haben nach der Strandung zwei Boote das Schiff verlassen, in dem einen befanden sich vier, in dem anderen drei Personen, von Letzteren wurde eine gerettet. Blehrere Boote sind, wie die Passagiere aussagen, vom Verdeck gespült worden. Mannschaft und Passagiere stiegen der Sicher- heit wegen in die Takelung, eine große Zahl— man spricht von fünfzig und mehr— wurden aber von den Wellen fortgespült. Ein Kind wurde todt gelandet. Alsdann erfahren wir zu demselben Schreckensfalle: Der Kapitän Brickenstein befand sich bereits vor dem Auflaufen des Schiffes in falscher Richtung. Er war zudem nur in dem Besitze eines gewöhnlichen und nicht eines Patcntlogs (Fahrgeschwindigkeitsmesser). Als er die Brandung bemerkte, ließ er sofort Contredampf geben; da brach jedoch dieSchraube und das Schiff wurde völlig ein Spiel von Wind und Wettern. Darauf wurden Nothsignale gegeben, die von den Harwichern zwar beantwortet wurden, denen sie jedoch wegen Mangels an einem Lifeboot nicht nachkommen konnten— ein unverantwortlicher Fehler, an einer derartigen Station kein Rettungsboot zu haben Fernere Signale waren unmöglich, da inzwischen das Pulver naß geworden war— gleichfalls eine bedeutende Unvorsich- tigkeit, da dasselbe leicht durch wasserdichte Hülsen geschützt werden kann. Endlich befand sich unter den Schiffspapieren keine ge- druckte Passagierliste und der Zahlmeister, der im Besitze der geschriebenen war, ertrank:— kurzum, zum großen Theil Umstände, die den Unfall erst in seinen ganzen schrecklichen Um- fange möglich machten und deren fernere Vermeidung für die Folge auf das Energischste gefordert werden muß. Es handelt sich um Menschenleben, deren jedes allein den etwa zu machenden Kostenaufwand aufwiegt. Die„Times" bemerkt ferner, daß nach der bisher erfolgten Beweisaufnahme sich heraus- gestellt hätte, es hätte kein Menschenleben verloren gehen dürfen, wenn die Harwicher Seeleute im Stande ge- wcsen wären, Hilfe zu leisten. Der Verlust an Men- schenleben scheine hauptsächlich der schweren Vernach- lässigung eines wichtigen englischen Seehafens zuzu- schreiben zu sein. Harwich habe kein Rettungsboot und die dortigen Seeleute hätten sich daher nicht verpflichtet gefühlt, den Nothsignalen durch Hilfeleistung zu entsprechen. Aber da muß sich doch Jeder fragen: Konnten sich denn die Harwicher nicht in kürzerer Zeit in den Besitz eines Rettungsbootes setzen?— Doch wozu die Frage?- Etwa 60 Menschen sind todt und wir dürfen wohl mit Recht diesen Fall wieder einmal als einen Be- weis ansehen für den bekannten Satz, daß man heutzutage in der Kunst der Menschenvernichtung sich in einem äußerst angestrengten Wettkampfe befindet, dagegen keineswegs in dem der Menschcnrct tung— man denke nur einerseits an die Namen Woolwich, Krupp u. s. w. und andererseits an den Untergang des„Schiller", die Plimsollsche Interpellation im englischen Parlamente, die ernsten Mahnrufe des Allgemeinen Deutschen Schiffszimmerervereins, die unzureichenden Schutzmaß- regeln für die Lebenserhaltung der Fabrikarbeiter, und mehr.— Herr Kapp hat im Reichstage dieses entsetzlichen Vorfglles wegen eine Interpellation an die Regierung eingebracht, betr. die Garantie aller Vorsichtsmaßregeln zum Schutze des Lebens deutscher Unter- thanen in derartigen Fällen. Das sieht gewiß ganz human aus; würde aber erst wirklich human sein, wenn die Jnter- pellation einen durchgreifenden Erfolg hätte,— einen solchen aber zu erwarten, berechtigt die heutzutage herrschende An- schauung von dem Werthe des Lebens der Individuen nicht und daher sind derartige humane Anwandlungen unnütz; der großen Masse gegenüber aber dienen sie für den Liberalismus als glän- zende Folie, die seinen inner» Unwerth verdeckt. Nach Abfassung meines Gutachtens habe ich den Rechen- schaftsbericht über die Thätigkeit des Karlsruher Männer-Hülfs- Vereins vom Jahr 1873 erhalten, in welchem Professor Dr. Birnbaum auf Grund meines Gutachtens die Leistungen der in Karlsruhe bestandenen Speiscanstalt prüfte. Tie Karlsruher Anstalt gab zwei verschiedene Portionen aus, eine für 10 Kreuzer und eine für 7 Kreuzer; in diesen Portionen fand sich nach Zu- rech nun g für 80 Gramm Brod für 1 Kreuzer: für 10 Kr.(mit Brod 11 Kr.) für 7 Kr.(mit Brod 8 Kr.) Eiweiße Fett Kohlehydrate Eiweiß, Fett■ Kohlehydrate März 58' 16' 180 43 11 140 Aug. u. Sept. 52, 10 183 39 s 7 142 Die größere Portion für 1V Kreuzer kommt dem Erforderniß für Arbeiter wenigstens in etwas nahe, und es ist dieses der thatsächliche Beweis, daß man für eine mäßige Summe dem Be- darf genügen kann. Es ist nicht schwierig, diejenigen Speisen zusammenzustellen, in welchen die genannten Mengen der Nahrungsstoffe enthalten sind. Ich habe meinem Gutachten 20 Rezepte der Art beigefügt, um eine Anzahl von Beispielen zu geben. Aus Unkenntnitz der in einer Kost enthaltenen Nahrungsstoffe finden sich im Werthe der an verschiedenen Tagen von einer Volksküche abgegebenen Portionen ganz kolossale Unterschiede; so betragen z. B. die Schwankungen des Eiweißgebaltes der Kost der Berliner Volksküche 9—80 Gramm. Den Werth der Leguminosen(Hül- senfrüchtc) als Eiwciß-Träger kennen die wenigsten. Bei einiger Kenntniß ist eS leicht, die täglich ausgegebenen Portionen, trotz der verschiedensten dazu verwendeten Nahrungsmittel, nahezu gleichwerthig zu machen. Die Mehrzahl der von mir aufgestellten Rezepte ist auf Veranlassung des Münchener Magistrats genau nach meinen Angaben hergestellt, und das Essen, was die Quantität und den Geschmack betrifft, vortrefflich befunden wor- den. Sachverständige berechneten damals den Kostenpreis einer Portion auf 10 oder 11 Kreuzer(im Durchschnitt also 3 Sgr.). Man muß auch hier bei der Zusammenstellung der Speisen darauf achten, daß sie nicht in zu großer Menge Substanzen enthalten, welche schwer auslaugbar sind'und zu viel Koth er- Ml oer stoqicngmocntarßftropijc in oiocutoe Maine venn man weiß, daß den verunglückten Arbeitern noch vor der Todtenschau von„vorsichtigen" Besitzern Stahl und Zunder in die Taschen praktizirt worden ist?— Aber der empörte Bourgeois ruft:„das ist eine infame Lüge!"— Ja, denn ihm ist Alles Lüge, wer es nicht glauben will; aber es bleibt trotz alledem wahr! — Ein anderes Blatt fügt hinzu:„Der Jdentifieationsproeeß der Seichen gab Anlaß zu vielen ergreifenden Scenen, da Witt- wen, Väter, Mütter, Geschwister und entfernte Verwandte sich an dem traurigen Geschäft betheiligten. Viele der Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und verunstaltet."— Diese schielende Humanität ist um so widerlicher, wenn man bedenkt, wie wenig von den Besitzern gethan wird, nicht nur um solche ftirchtbaren Vorgänge zu verhindern, sondern um in ausreichender Weise für die Hinterbliebenen zu sorgen. * Die Unglücksfälle werden epidemisch! Wir haben schon wieder von einem neuen zu berichten. In Bremer Hafen explodirte eine Kiste Dynamit, die in das für den Dampfer „Mosel" bestimmte Gepäck eingeschmuggelt war, und etwa 60 Menschen verloren dabei ihr Leben, abgesehen von dem sonst an- gerichteten Schaden. Eine genauere Revision des Gepäcks mußte ben Unglücksfall entschieden unmöglich machen.— Soeben geht uns darüber von einem Parteigenosien folgende Korrespondenz zu: Bremerhafen, II. Dezember. Heute war der hiesige Hafen der Schauplatz einer schrecklichen Katastrophe. Um 10'/« Uhr hörte man einen gewaltigen Knall, der die Häuser beben machte, so dag die Fenster aufsprangen. Ursache hiervon war Folgendes: Der Pasiagier-Dampfer des Norddeutschen Lloyd,„Mosel", hatte bereits den Hafen verlassen, um seine Reise nach Amerika anzu- treten, als er noch einige Frachtstücke oder wie es heißt, Passagier- gut aufnehmen sollte. Der Dampfer legt also an, damit die Sachen verladen werden können, wobei sich das schreckliche Un- glück ereignete; denn auf einmal hörte man den entsetzlichen Knall, und zu gleicher Zeit sah man auch verstümmelte Menschen in der Luft umhergeschleudert. Veranlassung dieser Erplosion soll gewesen sein, daß eine Kiste bei der Verladung gefallen ist, welche mit Dynamit gefüllt, deren Inhalt aber nicht deklarirt war. Wer das verschuldet hat, muß die Untersuchung erst ergeben. Um von dieser Schreckenskatastrophe einen Begriff zu bekommen, stelle man sich vor: Alle Passagiere sind fast auf Deck, am Lande steht Alles gedrängt voll von Zuschauern, infolge des schönen Wetters, um zuzusehen, wie der Dampfer den Hafen verläßt, und dazwischen wird an der Seite des Dampfers die verhängniß- volle Kiste verladen. Daß die Explosion eine gewaltige war, beweist der Umstand, daß in der Umgebung, bis weit in die Stadt hinein keine Fensterscheibe ganz geblieben ist; es sind sogar einige Häuser geborsten, die dadurch ganz baufällig geworden. Das Entsetzliche des Schauplatzes näher zu beschreiben, dagegen sträubt sich die Feder, denn hier liegt ein abgerissener Fuß, dort ein abgerissener Arm, kurzum: Alkes auf das Grausigste ver- stümmelt. Es wird angenommen, daß über 15.0 Personen dabei verunglückt sind. Den ganzen Nachmittag sind die Wagen ge- fahren, um die Verstümmelten von dem Schauplatze zu entfernen; zudem liegen noch Viele im Wasser, die wegen des Eisganges schlecht aufzufinden sind. Einen weiteren Bericht bringt die„Wes. Ztg.", dem wir noch folgende Stellen entnehmen: Der Lloyddampfer„Mosel" fuhr heute Morgen gegen 11 Uhr aus dem neuen Hafen in den Vorhafen, um dort die noch fehlenden Passagiere und Passagiergüter an Bord zu nehmen. Vor dem Buge der„Mosel" lag der Schleppdampfer„Simson", der den Vorhafen aufeisen und die„Mosel" auf den Strom schleppen sollte. Aus dem Deck des„Simson" befanden sich außer dem Kapitän Biesewig der Hafenmeister Misegaes und Kapitän Ladewigs.' Schon waren fast säinmtliche Arbeiten vollendet und bereits den Paffagieren das Zeichen mit der Glocke gegeben, an Bord zurückzukehren, als im letzten Augenblicke zwei Waggons vor der Lloydhalle ankamen, von denen der eineEilgut, zeugen. Die Menge des Brodes soll.80 Gramm nicht übersteigen, und die der Kartoffeln in der Regel nicht 280 Gramm. Die Genußmittel dürfen in der Kost der Volksküchen nicht fehlen; die Speisen müssen daher schmackhaft gekocht sein und in der gehörigen Abwechselung gebracht werden. In den meisten Volksküchen, z. B. in der zu Berlin, wird in einer einzigen Speise, die in einer dicken Suppe besteht, die ganze Portion aufgetragen. In anderen Städten, z. B. in Hamburg, war man damit nicht zufrieden, und es verschafften sich anfangs die Volks- küchen dort einen Eingang; man verlangte die Suppe, das Fleisch und das Gemüse getrennt. Nach dem, was ich früher über die Bedeutung der Abwechselung in der Kost gesagt habe, ist ein solches Verlangen wohl begründet; wir sind für gewöhn- lich nicht im Stande, die große Quantität unserer Mittagsmahl- zeit in einer gleichmäßig schmeckenden Masse zu verzehren. Ich möchte auch noch auf den eigenthümlichen Werth des leimgebenden Gewebes, nämlich der Knochen, Knorpel, Sehnen k., für die Zubereitung der Kost in öffentlichen Anstalten aufmerksam machen. Man hat schon vielfach in Dampftöpfen diese für unsere Kost sonst unbrauchbaren Theile ausgekocht und Leim daraus ge- wonncn, welchen man lange als das eigentlich Nährende in unseren Speisen hielt. Es knüpfte sich an die Frage nach dem Nährwerth des Leims eine lange für die Ernährungslehre höchst interessante Geschichte. Wir wissen jetzt, daß der Leim einen Theil des werthvollen Eiweißes erspart und vor der Zersetzung schützt. Man braucht daher, um den Körper auf seinem Eiweiß- bestand zu erhalten, bei Gegenwart von Leim weniger Eiweiß in der Kost zu geben. Der Leim ist in der That ein schätzbarer Nahrungsstoff, und man thut gut, ihn aus den abfallenden Knochen, Sehnen und Knorpeln auszuziehen und in der Nah- rung zu venverthen. Ich bin hiemit am Ende meiner Darlegungen angekommen. Es war, wie ich am Eingang hervorgehoben habe, meine Haupt- aufgäbe, auf die enorme Wichtigkeit des Gegenstandes für die Bestrebungen in der öffentlichen Gesundheitspflege hinzuweisen, und ferner darauf, daß man im Stande ist, die in der Ernäh- ningslehre in den letzten Zeiten gewonnenen Kenntnisse für die -Verbesserung des menschlichen Daseins zu verwerthen. oer anvere Paff agiergut enthielt, das noch mit verladen werden sollte. Die Sachen wurden mit Wagen nach dem Schiffe ge- schafft und als der letzte derselben, auf dem sich vier Kisten und ein Faß befanden, vor der„Mosel" abgeladen wurde, erfolgte um 11 Uhr 20 Minuten plötzlich eine furchtbare Explosion. Die Wirkung war eine entsetzliche. Die Kaimauer stand gedrängt voll von Menschen, die theilweise zur Mannschaft des Dampfers gehörten und mit dem Einnehmen der Kollis beschäftigt, oder Schauerleute waren, die theils zu den Passagieren gehörten, welche von ihren Freunden einen letzten Abschied nehmen wollten. Wie ein Augenzeuge, der sich zur Zeit auf der„Mosel" unter der Kommandobrücke befand, erzählt, sah er fast gleichzeitig mit dem furchtbaren Knall eine große Anzahl schwarzer Klumpen in der Luft umherfliegen, während von dem am Lande befindlich gewesenen Personen wenig mehr zu sehen war. Im ersten Augenblick eine Kessel-Explosion fürchtend, warf er sich auf das Deck, wo er von einem Hagel von Sand, Glas, Fleischstücken:e. überschüttet wurde. Die Verheerung am Bord des Dampfers spottet jeder Beschreibung. In den Skylights auf dem Deck war kein Fenster ganz geblieben, die Backbordskammern im Vorder- theil der„Mosel" waren eingedrückt und zerschmettert, Schosse und Kojen zertrümmert, selbst auf der Steuerbordseite waren die Kabinen durch den gewaltigen Luftdruck auseinander gepreßt,; in der hinten im Schiffe belegenen ersten Cajüte waren Flaschen, Gläser, Lampen zerbrochen. Die Seitenplatten des Schiffes sind geborsten, die Seitenglüser nebst den Rahmen und Nieten in das Schiff hineingeworfen; dabei war Alles durch Blut und Fleisch- klumpen beschmutzt. Im Raum und in allen Theilen des Schiffes fanden sich Arme, Beine und sonstige Theile menschlicher Leiber, so lagen z. B. im Unterraum mehrere menschliche Gliedmaßen, die durch die offenen Lucken gefallen waren. Die Seitenthüren der Lucken waren durch den Luftdruck zersprengt und aus den Riegeln gerissen, die Vorderwand des auf dem Deck stehenden Navigationszimmers eingedrückt. Das ganze Schiff war mit Glassplittern angefüllt, selbst die Speisen, welche den Zwischen- deckspassagieren bei der Dampfküche eben ausgetheilt werden soll- ten. Kapitän Leist hatte mit einem andern Herrn kurz vor der Katastrophe auf der Kommandobrücke gestanden, war aber, einen Befehl gebend, die Treppe hinab und in den Schutz eines Boo- tes getreten, als ihm plötzlich die Kleider auf dem Leibe zerrissen wurden; er erhielt nur eine Entschädigung am Trommelfell, dem anderen Herrn wurde nur das Pinzenez zerbrochen. Schlimmer erging es den Offizieren und der Mannschaft. Von ersteren ist der erste Offizier, G. Freitag, sehr schwer, der dritte. Christoffers, und der vierte, Reimkasten, kaum weniger schwer verwundet. Zwei Quartermeister sind todt, von der Mannschaft werden viele vermißt. Auf dem Lande war an der Stelle, wo die Kiste abge- laden worden war, ein 6— 7 Fuß tiefes Loch entstanden, welches den Eindruck macht, als sei das Erdreich nach unten gedrängt; der ganze Platz war mit Gliedmaßen, zerrissenen Kleidern wie übersäet. In großen Blutlachen lag hier. ein Arm, dort ein Bein, Eingeweide, verstümmelte Körper. Wie Augenzeugen er- zählen, sollen die Menschen 40— 50 Fuß in die Höhe geschleu- dert worden sein, einige wollen auch eine starke, einem Spring- brunnen gleichende Säule haben aufsteigen sehen. Schließlich wollen wir noch eines Gerüchtes erwähnen, das allerdings der weiteren Bestätigung bedarf. Wie man sich enählt, soll ein Passagier der 1. Kajüte Eigenthümer der fürchterlichen Kiste gewesen sein; derselbe habe sich nach der Explosion in seine Kabine zurückgezogen und mit einem Revolver, der theilweise noch ge- laden bei ihm vorgefunden sei, sich eine Kugel durch den Kopf gejagt. Thatsache ist, daß der Mann sich in seine Kammer ein- geschlossen hat, wo er nach gewaltsamer Oeffnung der Thür mit einer argen Wunde vor der Stirn aufgefunden wurde. * Im„Berliner Tageblatt" lesen wir:„Höchst auffällig ist die ansehnliche Vermehrung der socialdcmokratischen Presse in Deutschland während der letzten Monate. So erscheint beispielsweise seit Kurzen in Dortmund die„Westfälische Freie Presse", in Altona seit dem 18. September das„Ham- burg-Altonaer Volksblatt", in Berlin seit dem 1. Oktober „Der Grundstein", in Mainz das Witzblatt„Der Eulen- spiegel". Für den 1. Januar sind neu angekündigt in Leipzig ein illustrirtes Unterhaltungsblatt:„Die Neue Welt", und für Berlin eine große täglich erscheinende socialdemokratische Zeitung. Das Gründen von Zeitungen aber kostet Geld, und es sollte uns kaum wundern, wenn die Ultrnmontanen der social- demokratischen Hülfsmacht in ihrem Kampfe gegen die Regierung mit ihrer Finanzkraft unter die Arme griffen, um dafür äußer- lich umsomehr die Gemeinsamkeit der Interessen ableugnen zu können." „Die Vermehrung der socialdemokratischen Presse in Deutschland" ist, das könnte die Redaktion des„Berliner Tageblatt" Es war bekanntlich hauptsächlich Liebig, welcher, durch die chemische Erforschung der Stoffe der Nahrung, des Körpers und der Exkretionsprodulte vorbereitet, mit kühnem Griff seine Ideen über die Vorgänge bei der Ernährung entwickelte und dadurch den Grund zur Bearbeitung dieses Theiles der Physiologie legte. Et hatte dadurch den Physiologen die Aufgabe gestellt, eine An- zahl wichtiger Gesichtspunkte durch Untersuchungen am Thierkör- per zu prüfen, und dann, gestützt auf die dadurch errungenen Kenntnisse, die Lehre von der Ernährung immer weiter auozu- bauen. Ich sollte denken, die Münchener physiologische Schule habe sich der ihr gewordenen Aufgabe würdig gezeigt. Die Wissenschaft hat sich schon öfters auf anderen Gebieten in ähnlicher Weise nützlich gemacht. Man hat z. B. den ausae- breitetsten Handel getrieben lang' ehe die Wissenschaft der Na- tionalökonomie sich entwickelt hatte; durch letztere erkannte man jedoch erst die Gesetze des Handels und lernte, was gethan wer- den müsse, um einen bestimmten Zweck am besten zu erreichen; ebenso haben die Menschen seit Jahrtausenden gegessen und sich ernährt, aber die Wissenschaft giebt erst die Mittel an die Hand, zu beurtheilen, welche Nahrung in einem gegebenen Falle die beste ist. Die Ernährung ganzer Bevölkerungskassen ist häufig eine ungenügende und unrichtige, nur veranlaßt durch falsche Borstel- lungen über die Anforderungen, welche an eine ideale Nahrung gestellt werden müssen. Nur, wenn man d«S Uebel klar erkennt, wird man auch Hülfe bringen können. Noch viel mehr bleibt aber zu thun übrig in der Erforschung der Ernährung des Menschen Man muß noch weiter den gan- zen Stoffverbrauch an verschiedenen Nienschen(Männern, Wei- bern, Greisen, Kindern verschiedenen Alters) unter den mannich- sackisten Umständen(zu verschiedener Jahreszeit, bei verschiedener Arbeit, bei Gesunden uud Kranken) untersuchen, als es bis jetzt geschehen ist. Es ist dies eine große Aufgabe, die aber jetzt da- durch erleichtert wird, daß die Ziele genau bekannt, die Metho- den scharf ausgearbeitet sind und schon Beispiele vorliegen. Es kann sich allerdings nicht Jeder direkt an diesen Bestre- bungen betheiligen; dies ist Sache der dafür eingerichteten phy- siologischen Laboratorien. Aber es ist schon von Portheil, wenn wohl wissen, nicyt bloß während der letzten Monate, sondern in den letzten Jahren überhaupt eine starke gewesen, lieber 30 Zeitungen soeialdemokratischer Tendenz erscheinen bereits gegen- wärtig im Deutschen„Reiche". Daß die Herausgabe von Zeitungen Geldkosten verursacht, wissen außer den Redakteuren des Herrn Moffe auch noch andere Leute. Daß aber mit Pius- Pfennigen die socialdemokratische Presse subventionirt ivird, ist einfach lädier- lieh. Was den socialdemokratischen Zeitungen von den anderen Organen der Presse zu Gute kommt, ist, daß sie erstens echte Volksblatter find und aus diesem Grunde eine Massenverbreitung finden, zweitens aber, daß die Herausgeber socialistischer Zeitungen nicht wie die Bourgeois-Organe fette Gehälter beziehen, sondern sich mit dem begnügen, was gerade zu ihrem Lebensunterhalt nothig ist. Bezüglich der„Vermehrung der socialdemokratischen Presse" können wir den Herren auch noch mittheilen, daß mit dem künftigen Jahre auch in Apolda und Augsburg neue Arbeiterblätter erscheinen werden, und der„Nürnberg-Fürther Social-Demokrat" vom 1. Januar ab in einem bedeutend größeren Format als bisher zur Ausgabe gelangen wird und dies Alles— ohne Pius-Pfennige. * Zur Volkszählung in Hamburg. Nach der jetzt be- endigten vorläufigen Feststellung der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember dieses Jahres hat der hamburgische Staat eine Gesammtbevölkerung von 385,859 Seelen, es ist demnach seit der Zählung von 1871, welche als Bevölkerungszahl 338,974 Köpfe ergab, eure Vermehrung von 46,885 Köpfen oder von 13,„ pEt. eingetreten(oder eine durchschnittliche Vermehrung von 3„ pEt. für jedes der vier Jahre). Da sich bei der definitiven Aufzäh- lung, welche mit Sicherheit erst nach abermaliger Revision und nach Vollendung der ersten statistischen Bearbeitung gegeben wer- den kann, für einzelne Gebietstheile noch Aenderungen ergeben köni>en,jo wird nachstehend der Vergleich mit den Ergebnissen von 1871 nur für die Hauptgruppen gegeben. Es würden ge- zählt: .,.„ 1871 1876 L«. � In der innern Stadt und St. Georg.... 185,295 211,266 16,071 8,-, St. Paust..... 40,948 48,739 7,755 18„„ In den Vororten... 60,242 82,261 22,019 36,.« In dem übrigen Gebiet: der Geestlande... 4,799 5,253 455 9,«, der Marschlande... 13,849 14,187 338 2,«« Bergedorf..... 13,265 13,688 423 3,„ Ritzebüttel(mit dem Hafen) 6,449 6,920 480 7,« Militär......- 1,433 1,041—392— 27,38 In den Hamburger Häfen 338,974 385,829 46,885 13,zz Für das Militär sind 1875 nur die in der Kaserne befind- lichen Soldaten gezählt, da das Militär in den übrigen Gebiets- theilen noch nicht ausgesondert ist. Innere Parteiangelegenheiten. Zu Agenten des Vorstandes wurden ernannt für Baden i. B: G. Kaufmann, F. Rohlfing! Bremerhaven: F. Fellermann, R. Kaht. Freiburg i. B.: F. Buttmann; Geesthacht:«. Blum, H. Giefe; Hohenfelde-Burgfelve: Petersen: Kirchbach i. S.: E. Petzold- Mühlheim a. Rh.: G. Billstein, U Roderburg: Oldenburg i O- A. Herre, H. Munderloh; Vlotho: H. Bräuer,£>. Rolting. Bei ferneren Anmeldungen bitten wir die genauen Adressen beider Agenten beim Sekretariat angeben zu wollen. Hamburg, 11. Dezember 1875. Mit social-demokratischem Gruß I- A.: C. Derossi. I. Auer. Zur Beachtung für Altonaer Parteigenossen. Zum Agenten des Vorstandes wurde für Altona ernannt: R.</, Uhr, Hankenstr. 22, GeschlosscncMitglicdcrversammlung der Schnhmacher-Gcwcrkschaft. Tagesordn.: 1) Vortrag. 2) Das Vor- gehen eines Vorstandsmitgliedes. 3) Ab- rechnung vom Ball. Alle Mitglieder- müssen am Platze sein. (F. 70.)_ Der bevollmächtigte.[2,00] fCiiltt Donnerstag, 10. Dezbr., l3/VUl. Abends S'/j Uhr, im Schloß Bensberg, Heumarkt 08, Geschlossene Parteiversammlung. T.-O.: Wichtige Angelegenheiten. Karten sind vorzuzeigen. I. A.: M. Gindler.[1.40] Berichtigung. Die Ausschuß-Sitzung der Maurer-Krankenkasse findet Donnerstag, den 10. d. M. statt.[0,00] Für dcu achten Schleswig- Holsteinischen Wahlkreis. Sonntag, 19. Dezember, Nachm. 4 Uhr, Volksversammlung. T.-O.: Rechtsanwalt Jonas. Referent: Hartmann. Arnsbnrg.�S.,";�"- auf dem Krämerbergs, Volksversammlung. Duwenstedt.� � Volksversammlung. Ich ersuche die Parteigenossen, für weitere Verbreitung zu sorgen.(F. 20.)[4,00] Hermann Gundelach. Frankfurt a. M. Samstag, 23. Dez.,(1. Weichnatsfeiertag), Abends 0 Uhr. im Lokale des Herrn Pfuhl, Zeil 47, Gemüthlichc Abend-Unterhaltung, verbunden mit Tannenbaum-Berloosung. Gegenstände nehmen entgegen H. Pfuhl, Zeil 47; H. Fleming bei Herrn Vogt, Saalgasse 29; E.Müller, alte Schlessinger- Kasse 14; H. Prinz, Heiligekreuzgasse 2. Für jeden Gegenstand, welcher jedoch de» Werth von mindestens 70 Pf. repräsentiren muß, wird ein Loos verabfolgt. Parteigenosse Frohme wird anwesend sein.— Ich ersuche die Parteigenossen, sich zahlreich an dieser Festlichkeit zu betheiligen. Enträe 20 Pf. Im Auftrage des ComitS's: (F. 100.) H. Prinz.[4,60] Druck und Verlag der Mg. deutschen Association» Buchdruckerei zu Berlin, Eingetragene Genoffenschaft, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8». Verantwortlich für die Redaction: H. Lange in Berlin.