Nr. 150. Dies» Zeitung erscheint dreimal wöchentlich, und �sar: Dienstags, DonnerttagS und Sonnabends Abends, BesteUunge n nerben bei alten Postämtern, in»erlin bei der Expedition, sowie bei jedem Sveditenr erngegrngenoannen. Sonntag, den 19. Dezember 1875. Neuer IonalDemckrilt. Organ dtt SocialPschen Arbeiter-Partei Deutschlands. 5. Jalrrgang. Rcdactio««. Expedition: Berlin, Kaiser Frat�-Krenadier-Pl, Sa. Inserate 'nur in der txroeditwn au'zu« geiom) werdenden füasgespaltenePcnt« zerle mit ml Ps KereSu.!. Ber- jammlungS-Knnvncei, t»e ftinf' gespaltene Pciitzeile oder deren Raum lM Pf. Sogenannte Re> Vame-An zeigen werde» nicht aufgenommen RbounementS-PreiS: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich prueanmeranlio 1 Sim. 95 Pf., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Postämtern in Deutschland incl. 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Mit dem Rückgänge der Socialdemokratie, welchen die Reptilienpresse zum Tröste der Spießbürgerseelen in diesem Sommer init entsetzlichen Posaunenstößen in alle Welt hin- ausblies, hat es ein gar jamnierliches Ende genommen, und es kennzeichnet nichts besser die Rathlosigkeit und Zerfah- renheit der herrschenden Parteien, als daß dieselben jetzt kleinlaut bekennen, daß sie sich, betreffend den Untergang der Socialdemokratie, in leeren Träumen gewiegt haben. Ihr Triumphgeschrei schlägt in sein Gegentheil uin, und schon hören wir das Zetermordio der Bourgeoisie nach Gewalt, naßregeln gegen die Socialisten; schon glauben sie aus jedem Champagnerglase stammendes Petroleum sich entgegensprudeln zu sehen. Die katzcnjämmerliche Ernüchterung der siegestrunkenen Socialistensresser hat aber jetzt einen noch nie dagewesenen Grad erreicht, seitdem ihr Orakel, Fürst Bismarck, selbst bei der letzten parlamentarischen Abfütterung ernstlich seine Befürchtungen über das Wachsthum des Socialis- mus ausgesprochen hat. Wenn der„allmächtige" Reichs- kanzler die socialen Wogeil fürchtet und nicht mehr recht dem Schiffe trauen will, das Eäsar und sein Glück trägt, wie müssen dann die armseligen Nationalliberalen erst mit den Zähnen klappern, welche sich nur im Schatten von Kürassierstiefeln sicher fühlen! Doch zur Sache selbst! Der getreue nationalliberale Wehrenpfeunig bringt über Bismarck's letzte Abendgesellschaft für die„Magdeburger Zeitung" die Sensations- Nachricht, welche diese Zeitung in nachstehender Weise wiedergiebt: „Charakteristisch ist folgende Bemerkung, welche, wie von vertraueuswerther Seite mitgetheilt wird, Fürst Bis- marck in der letzten parlamelltarischen Soiröe gemacht hat: „Der Socialismus hat die allergrößten Fort- schritte gemacht, weit größere, als Sie glauben, meine Herren; das wird sich bei den nächsten Wahlen be- reits sehr deutlich zeigen. Schon nach einigen Jahren wird das Bürgerthum nach den Strafbestimmungen, die Sie jetzt einstimmig verwerfen wollen, lechzen, wie der einsame Wanderer in der Wüste nach einem Schluck Wasser." Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, daß Bis- marck allerdings diesen Ausspruch gethan hat, und sind also in der nicht allzu häufigen Lage mit ihm vollkommen einer Meinung zu sein. Wenn die liberalen Bourgeois heute noch nicht, nach dem ihnen präsentirten„Laskerknüp- pel"— vulgo Strafgesetz-Novelle— zum„Todtschlagen des Socialismus" greifen, so werden sie es gewiß thun, sobald sie erkannt haben, daß das durch den Gründerschwin- del geplünderte und gewitzigte Volk sich dem Socialismus entschieden hinneigt. Allerdings in einer Hinsicht irrt auch Fürst Bismarck mit sammt den Getreuen, nämlich er bedenkt nicht, daß eine tief in den gesellschaftlichen Verhältnissen wurzelnde Idee, wie der Socialismus es ist, durch kein Machtmittel vernichtet oder nur am Aufblühen gehin- dert werden kann. Und so sehen wir denn jenen zukünf- tigen Verfolgungen mit kältestem Blute entgegen. Recht hübsch ist es übrigens, daß die edle„Magde- burger Zeitung", resp. ihr Wehrenpfennig, nach Bismarck- scher Begeisterung und süßen Trankes voll, sofort mit küh- nem Muth an's"Werk gegangen ist, durch Leitartikel die neueste Aera des rothen Gespenstes einzuweihen. Der brave Offiziöse hat sich die Fabel vom Junker Alexander her- ausgesucht und in die Sprache des neunzehnten Jahrhun- derts übersetzt und wörtlich steht zu lesen am Schlüsse jenes Leitartikels: „Liberalerseits wird man niemals die Hülfe versagen, wenn es ernstlich darauf ankommt, die Autorität der Staats- gemalt zu stützen. „Wenn man uns aber zumuthet, unsere Hand zur Be- schränkuug der Presse, zur Verkümmerung des Vereins- und Versammlungsrechts zu bieten, diesen ohnehin kärglich genug bemessenen Grundbedingungen der politischen Freiheit eines Volkes, dann allerdings wird man uns niemals auf Seiten Derer finden, welche solche Ansprüche an uns stellen' Das ganze auf dem Boden des Vaterlandes stehende und innerhalb dieser Grenzen berechtigte Parteiwesen würde, wenn die betreffenden Paragraphen der Strafgesetz-Novelle Geltung bekämen, in unerträglicher Weise eingeengt werden. Etwas Anderes ist es mit den Parteien, welche auf jenem Boden nicht stehen und deshalb, wie im Feuilleton auch Holtzendorff meint, unberechtigt sind: mit den Social- Demokraten und Ultramontanen. Kann man den Ge- setzen eine Fassung geben, wonach nur diese Par- teien unschädlich gemacht werden, so kennt der das Volk schlecht, welcher meint, daß es die Bewilligung solcher Gesetze bei den Wahlen nicht gutheißen würde. Es liegt in dem Worte Bismarck's über die Fortschritte der Social- Demokratie, welches unten in einer Berliner Korrespondenz uns mitgetheilt wird, sicherlich viel Beherzigenswerthes. .Nur darf man, wenn man diese den Bestand der Gesellschaft bedrohenden Parteien bekämpft, nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten und mit diesen Parteien alle gesunde Freiheit vernichten wollen. Möge der Scharfsinn frei- sinniger Gesetzgeber hier einen Ausweg finden!" „Die Kuh des Junkers, Alexanders, Ja Bauer, das ist ganz was Anders!" „Alle Freiheit für mich", sagt der Liberale,„und kein Titelchen Freiheit für den Gegner." O, heilige Göttin Liberias! Diese schönen Enthüllungen können uns und unseren Freunden übrigens nur recht angenehm sein. Wissen wir doch jetzt ganz genau, Ivohin sie zielen und woraus die neueste Bismarck'sche innere Politik gerichtet ist. Aber noch mehr als jene Repressiv-Gesetze, welche am Horizont der- selben erscheinen, möchten wir unfern Lesern die Worte Bismarck's an's Herz legen:„Die nächsten Wahlen wer- den das Wachsthum der Socialdemcrkratie kund thun!"— Gewiß werden sie das und gewiß ist Bismarck ein scharfer Beobachter, der es zu taxiren weiß, ob eine Partei stark oder schwach ist, ob sie vorwärts oder zurück geht. Mögen also alle unsere Parteifreunde es sich gesagt sein, lassen, daß es nur an ihnen, an ihrem Eifer, an ihrer Hingebung, an ihrer Opferwilligkeit liegt, um einen Fortschritt des Socialismus zu Wege zu bringen, vor dem selbst einen Bismarck ein Grauen beschleicht. Wir dürfen uns dadurch nicht sicher machen lassen, sondern es muß zu verdoppeltem Eiser uns anspornen. Alle Mann einig und rüstig Hand an's Werk gelegt, und Bismarck und Tessendorf, sowie der gesammte liberale Troß sollen noch weit mehr erleben, als sie jetzt vermuthen. Die Arbeiter als Mordbrenner. Bekanntlich ist ja dieser Ausspruch nicht mehr neu, aber die Stelle, an der wir ihm begegnet sind, hat uns befremdet. Während der letzten Wahlen war es aller- dings nichts Seltenes, daß die gesammte Reaktion, Fort- schrittler, Liberale, Konservative und Ultramontane, bei jedem Brande, der zufällig in irgend einem Wahlkreise aus- brach, den socialistischen Arbeitern die Schuld in die Schuhe schoben— trotzdem es später bewiesen wurde, daß seitens ganz anderer Elemente der rothe Hahn auf das betreffende Dach gesetzt worden war. So finden wir nämlich in der„Deutschen Landes- Zeitung" bezüglich der in den letzten Wochen in Berlin vorgekommenen Sonnabends-Brände folgende Notiz: „Niemand in Berlin verschließt sich vor dem Gedanken: daß ein finsterer, unheimlicher Geist des Unmuths und Verderbens in den untersten Schichten des Polks herrscht— wer ihn heraufbeschworen, das wissen unsere Herren Nationalliberalen nur zu gut.— Gründer— oben, Petroleum— unten. Das scheint die artige Devise unserer Zeit zu werden." Allerdings recht artig von einem Blatte, das sonst, wie wir geglaubt haben, ein unbefangenes Urtheil im gegen- wärtigen großen socialen Kampfe sich zu bewahren suchte. Hätte beispielsweise die„Wiener Nene Fr. Presse", die „National-Zeitung", die langweilige„Post" oder ein sonstiges nationalliberales, bezüglich sogenannt freikonser- vativeS Blatt derartig geschrieben und mit dem Petroleum „gedroht", wir hätten geschwiegen, da aus der bisherigen Haltung dieser Blätter sich nichts anderes erwarten läßt, wenn aber das Organ des Herrn Niendorf sich soweit vergißt, so müssen wir doch zu der Ueberzeugung gelangen, daß, so sehr es auch die Tendenz eines Bourgeoisblattes abzustreifen bemüht ist und eine unparteiische Stellung in den socialen Streitfragen einnehmen will, es doch seine Bourgeoisnatur im entscheidenden Augenblicke nicht ver- leugnen kann. Die betreffende Notiz ist nichts Anderes, als eine offen- kundige Denunciation gegen die Social-Demokratie. Und. es sollte uns daher nicht Wunder nehmen, wenn eines schönen Vormittages in"der Redaktion und Expedition wieder eine Anzahl Behelmter und Besäbelter erschiene, um nach Petroleum und sonstigen Feuer- und Mordinstrumenten zu suchen, und eine Anzahl von Parteifreunden als muthmaß- liche Brandstifter der letzten großen Brände inhaftirte. Wenn die„Deutsche Landeszeitung" glaubt, daß das Wachsthum der social- demokratischen Bewegung durch das Aussprengen solcher Gerüchte gehemmt werde, so wird sie sich gewaltig irren. Zwar ist es jetzt Modesache unter unseren Gegnern geworden, allerhand Schaudergeschichten über die Social-Demokratie zu berichten, aber wie es sich von selbst versteht, verfangen solche Märchen nur bei socialisten-fresse- rischen Bourgeois und Spießbürgern, die. Mehrzahl des Volkes schenkt ihnen keinen Glauben. Die Ideen des Socialismus graben sich tagtäglich tiefer in das Herz des Volkes ein, und je schroffer sich die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit zuspitzen, je weiter die Kluft zwischen den arbeitenden und besitzenden Klassen sich dehnt, desto schneller werden auch die Parteien, die sich jetzt noch in ein arbeiterfreundliches Mäntelchen einhüllen, in das Lager der Kapitalinacht überlaufen, und wir vielleicht noch das Vergnügen haben, die„Deutsche Landes-Zeitung" in Reih und Glied mit der„National-Zeitung", der Wiener „Neuen freien Presse" und anderen stehen zu sehen. Die„Deutsche Landes- Zeitung" wird uns hoffentlich hierauf die Antwort nicht schuldig bleiben. Deutscher Reichstag. Berlin, 14. Dezember. Die Sitzung wird gegen halb 12 Uhr vom Präsidenten vor fast leerem Hause eröffnet. Es sind im Saale kaum 60 bis 70 Personen anwesend. Der Schriftführer verliest ein Schreiben, worin der Reichs- kanzler um Genehmigung der Verfolgung des in München erschei- «enden„Zeitgeist" wegen Beleidigung des Reichstags gefordert wird. Das Schreiben wird der GeschäftSordnungs-Koinmission zur Berichierstattung überwiesen. Erster Gegenstand der Tagesordnung bildet die Interpellation der Abgeordneten v. Bernuth, Dr. Wagner, Dr. Römer(Würt- temberg), betreffend die Regelung der Ansprüche der Hinterblie- denen verstorbener Reichsbeamten. Abg. von Bernuth begründet dieselbe. Einer der Bundeskommissare beantwortet dieselbe dahin, daß bisher ein solches Gesetz noch nicht eingebracht worden sei, weil es sich zuvor um die nöthigen finanziellen Erhebungen gehandelt hat, diese seien eben im Gange. Zweiter Gegenstand der"Tagesordnung ist die dritte Be- rathung des Schulze'schen Antrags für Diäten. In der General-Debatte ergreift Abg. v. Saucken das Wort und befürwortet Abstimmung über den vorliegenden Antrag ohne jede Debatte. Dieser Wink wurde von dem Abg. Valentin nur zu gut verstanden; er stellte den Schlußanlrag. Dieser wurde auch angenommen und dem Abgeordneten Vahlteich, an welchen Abgeordneter Liebknecht das Wort abgetreten hatte, um die Stimmenthaltung der Socialisten zu begründen, das Wort abgeschnitten. In der unmittelbar darauf beginnenden Spezialdcbatte konnte der Abg. Vahlteich, in Rücksicht auf die Art, wie ihm das Wort abgeschnitten worden, sich nicht entschließen, daö Wort nochmals zu verlangen. Da Liebknecht gerade durch einen Hussier des Hauses auf einige Augenblicke aus dem Saale gerufen war- den war und bereits wiederum der Schluß der Debatte drohte, so meldete sich rasch und unvorbereitet Bebel und begründete kurz die Stimmenthaltung, aber nicht ohne zweimal wegen an- geblicher Beleidigung des Reichstags vom Präsidenten zur Ord- nung gerufen zu werden. Auf Antrag Valentins erfolgt Schluß der Debatte, und wird der Antrag Schulze in dritter Lesung mit großer Majorität an- genommen. Die zwei folgenden Punkte der Tagesordnung: 1) erste und zweite Berathung des Gesetzentwurfs, die Beförderung und Be- schäftigung polynesischer Arbeiter betreffend; 2) dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Naturalisation von Ausländern, welche im Reichsdienst angestellt sind, führen zu kurzen Debatten, die jedoch nichts Bemerkenswerthes darbieten. Das Haus tritt hierauf in die Berathung des Elsaß- Lothringischen Haushalts- Etats. Es ist eben eine„Be- rathung" nur dem Namen nach, denn ohne Debatte wird in wenigen Minuten Alles gutgeheißen und bewilligt. Die elsaß- lothringischen Abgeordneten scheinen gar nicht anwesend zu sein. Stark wird debattirt über den 6. Punkt der Tagesordnung: erste und zweite Berathung, bettest, die Abänderung oeS Art. 15 des Münzgesetzes(die deutschen Thalerstücke und— bis zum Jahre 1867 geprägten— österreichischen Vercinsthaler a 8 Mark in Zahlung zu nehmen). An der Diskussion betheiligten sich die Abgg. Sonnemann und Bamberger und Bundeskommissar Finanzminister Camphausen. Letzterer sieht, wie immer. Alles in rosigen Farben und schließt mit der salbungsvollen Prophe- zeihung: der Uebergang zur Goldwährung werde sich in wahrhaft spielender Weise vollziehen— was durch die bisherigen Ersah- rungen allerdings nicht bestätigt wird. Abg. Reichensperger benutzt die Gelegenheit, um auf die schlechte Herstellung des Reichspapiergeldes hinzuweisen, das an Schönheit hinter dem englischen, an Dauerhaftigkeit weit hinter dem amerikanischen Papiergeld zurückstehe. Schließlich wird der Entwurf mit einem Amendement von Sonnemann, welches die Frist des Inkrafttretens des Gesetzes von 3 auf 1 Monat herabsetzt, angenommen. Der letzte Punkt der Tagesordnung: zweite Berathung des Marine-Etats, wird ohne eigentliche Debatte, mit Ausnahme einiger von der Budgetkommission vorgeschlagenen, übrigens un- wesentlichen Abänderungen, erledigt. Schluß der Sitzung 3V, Uhr Nachm. Berlin, den 16. Dezember. Beginn der Sitzung Vormittags 11'/« Uhr. Die beiden ersten Punkte der Tagesordnung(1. erste und zweite Berathung des Gesetzentwurfs betreffend die Einführung oes Gesetzes über die Portofreiheiten vom 5. Juni 1869 in Südhessen, und zwei- tens zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Auf- nähme einer Anleihe für Zwecke der Telegraphen-Verwaltung) werden rasch erledigt, und tritt das Haus noch vor 12 Uhr in die Fortsetzung der zweiten Berathung des Rerchshaushalts- Etats ein, zunächst des Etats für das Reichsheer. Zu De- batten von allgemeinem Interesse kommt es nicht, und steht es von vornherein fest, daß das Budget im Großen Ganzen mit den won der Kommission vorgeschlagenen Abänderungen angenommen werden wird. Abg. Hasenclever erhält zu Kapitel 20 des Etats das Wort, um sich über die in diesem Kapitel verlangten Komman- danten- Posten für Frantfurt a. M. und Hamburg-Altona, die bekanntlich in den Motiven mit Hinweis auf die dort sehr stark verbreitete Arbeiterbevölkerung, resp. Social-Demokratie, gefordert werden, auszulassen. Abg. Hasenclever erklärt ausdrücklich, daß er nur in Rücksicht auf die Motive sich zum Wort gemeldet, da es ihm und seinen Parteigenossen bei der Höhe von Hunderten von Millionen, welche der Militär-Etat beanspruche, darauf nicht ankomme, ob eine Million mehr oder weniger beansprucht würde, sie stimmten gegen den ganzen Etat. Er wendet sich darauf zu einer Kritik der seiner Zeit über die Frankfurter Skandale er- gangenen Beschuldiguugen, welche jene Skandale der Social- Demokratie in die Schuhe geschoben hätten, obgleich sich nicht der geringste Beweis dafür habe aufbringen lassen. Besser als militärische Gouverneure sei es, das Vereins- und Verfammlungs- recht dem Volke nicht zu verkümmern. Redner verweist aus die häufigen Versammlungsauflösungen in Altona, welche ganz will- kürlich dort vorgenommen würden und große Erbitterung hervor- gerufen hätten. Selbstverständlich wurde der betreffende Titel doch bewilligt. Einige Scharmützel zwischen Herrn Eugen, dem edlen Rich- ter, als Vertreter der Budgetkommission, und dem Militärbevoll- mächtigten Voigts-Rheetz verdienen nur vom Gesichtspunkte der Lungengymnastik aus Erwähnung. Ob bei diesem oder jenem Punkt ein paar Tausend Mark mehr oder weniger in's Danai- denfaß geschüttet werden, ist höchst gleichgültig. Das sind— um uns eines Ausdruckes des englischen Schatzkanzlers und Mi- nisterchefs Disraeli's zu bedienen, nur„kleine Flohstiche", da bei dem gewaltigen, das Herzblut erschöpfenden Aderlaß, welcher mit Billigung aller offiziellen Parteien, auch der Herren Fortschrittler, dem Volke applizirt wird, gar nicht in Betracht kommen._ Es ist eine freche und politische Heuchelei, aus solchen Mücken Elephanten zu machen. Aus dem traurigen Einerlei der Militär-Budget-Debatte sind nur noch zwei Zwischenfälle hervorzuheben, die wenigstens Erwähnung verdienen: 1) die Ablehnung eines von der sächsi- schen Regierung in nicht ganz aufgeklärter Weise doppelt in Ansatz gebrachten Postens für Kasernenbauten, und 2) Hammel- sprung über einen zu Manövcrzwecken bestimmten Posten, für den sich bei der gewöhnlichen Abstimmung keine erkennbare Ma- jorität ergeben hatte, trotzdem es hieß, daß sehr hohe Personen die Ablehnung übet vermerken würden. Der Hammelsprung brachte natürlich die untadelhaste Loyalität an den Tag. Gegen 4'/, Uhr wurde die Sitzung bis 7 Uhr Abends vertagt. In der Abendsitzung wurde der Rest des Tagespensums mit großer Unverdrossenheit abgearbeitet: letztes Drittel des Mi- litär-Etats, Reichstags-Haushalts, allgemeiner Pensionsfonds, Reichs-Jnvalidenfonds— Alles in zweiter Lesung—, es ging wie am Schnürchen; das parlamentarische Roß scheute vor kei- uem Hinderniß zurück und setzte über die aufgehäuften Millionen hinweg, als ob es Heuhaufen wären. Es ist so leicht, auf an- derer Leute Kosten großmüthig zu sein. Bei Berathung des Jnvalidenfonds hatte man einen Ueber- fall der„Schwarzen" erwartet; die„Schwarzen" verhielten sich aber mäuschenstill— der Ausgleich schwebt in der Luft.— Die Brau- und die Börsensteuer wurden sang- und klanglos zu Grabe getragen. Für erstere hatte blos ein Mitglied der Rechten den Muth, aufzustehen. Um 9'/« Uhr konnten die Reichsboten nach Hause gehen oder wohin das Herz sie zog. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr. Hauptgegenstand der Ta- gesordnung: Mustcrschutzgesetz. Sitzung vom 17. Dezember. Anfang der Sitzung Uhr. Erster Punkt der Tages- Ordnung ist der Antrag Hasenclever's: „Der Reichstag wolle beschließen: das gegen das Mit- glied des Reichstages, Reimer, bei dem Königlichen Preu- ßischen Amtsgericht in Eelle, wegen unerlaubten Geld- sammelns in einer Volksversammlung schwebende Straf- Verfahren während der Dauer der gegenwärtigen Session aufzuheben." Der Antragsteller erzählt kurz den Thatbestand und macht darauf aufmerksam, daß die verschiedenen Gerichts- und Polizei- behördcn in Bezug auf das Geldsammeln in Volksversammlungen den verschiedensten widersprechendsten Ansichten huldigen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Die Berathung des Gesetz-Entwurfes, betr. das Brausteucr- gesetz von 1872, führt zu einer kleinen Debatte über das Nürn- berger Bier, dessen Güte von Reichensperger in Frage gezogen, von dem Nürnberger Abgeordneten, Frankenburger, mit großem Eifer vertheidigt wird. Es fehlt bloß, daß der Reichs- tag sich als Biergericht konstituirt. Jedenfalls wird die Debatte ein Nachspiel haben— am Biertisch. Auch der Hauptgegenstand der Tagesordnung, dritte Bera- thung des Gesetzentwurfes betr. das Urheberrecht an Werken der bildenden Kunst und an Mustern und Modellen(Musterschutz- Gesetz) vermochte nicht die Gedanken des Hauses von den be- vorstehenden Ferien abzuwenden. Vergebens quälte Herr Rei- chensperger sich ab, durch einen mit allerhand Späßchen ge- rvürzten Vortrag über Kunst und alle möglichen anderen Dinge, «in paar Bravo's zu erhaschen: die bestgedrechsclten Witze prall- ten an der Gleichgiltigkeit und Ungeduld der Mitglieder ab, wie Erbsen, die man gegen eine Steinmauer wirft. Nur rasch fertig! Um 2 Uhr ist die Tagesordnung erledigt. So schnell hat die durch Schnellarbeit ausgezeichnete Gesetzfabrik: Deutscher Reichstag, noch nicht gearbeitet. Nächste Sitzung(die letzte vor den Ferien) S nnabend Bonn. 11 Uhr. Dritte Berathung deL Etats. Die Petitionskommission des Reichstages hat die Pe- tition der Gesellschaft der Sonntags- und Arbeiterfreunde zu Ducherow, Schutzmaßregeln gegen Sonntagsarbeit und zu lange Arbeitstage betreffend, abgewiesen. Nach Vortrag durch die Referenten Abgg. Ackermann und Dr. Moufang wurde beschlossen: die Petition für nicht geeignet zur Erörterung im Plenum zu erklären, da nach der Mittheilung oes zur Berathung zugezogenen Regierungskommiffars, Herrn Landrath v. Zedlitz- Neukirch, die Erhebungen, den Schutz der in Fabriken beschäftig- ten Frauen und Minderjährigen gegen sonntägliche Arbeit, sowie gegen übermäßige Beschäftigung an Werktagen betreffend, noch nicht abgeschlossen seien, deren Ergebniß aber später dem Reicks- tage mitgctheilt werden solle und im Uebrigen die Anträge der Petenten Veranlassung zu legislativem Einschreiten nicht geben. Politische UeberW. Berlin, 13. Dezember. Nach einer Mittheiluung der„D. R.-C." werden die Weih- nachtsferien des deutschen Reichstages am künftigen Sonn- abend bestimmt beginnen und bis zum 6. Januar des nächsten Jahres andauern. In Bezug auf die Strafgesetz-Novelle und die bekannte Lasker'sche Rede zu derselben, der man gewiß nicht den Vorzug einer energischen Opposition gegen die Bismarck'schen Absichten nachrühmen kann schreibt das brave„Weltblatt", die„K.-Z.": „Lasker's Ansichten sind nicht überall die allgemeinen. Der ehren- werthe Abgeordnete vertheidigte mit großem Eifer und Sachkennt- niß den Satz, daß das Strafgesetzbuch nicht zu milde sei. Die allgemeine Meinung des Volkes und nicht blos der Reichsregie- rung ist dennoch:„Das Strafgesetzbuch ist an manchen Stellen zu milde." Das Volk, einschließlich seiner Rechtsgelehr- ten, wird seine Meinung nicht ändern, und wenn es vierzehn Tage Lasters vom Himmel regnete."— Ganz gewiß, verehrte Kollegin am Rhein! Das Volk wird seine Mei- nung über den von der Regierung ausgehenden Vorschlag einer allgemeinen Strafverschärfung nicht ändern, ob es nun Laskers oder ob es„Wcltblätter" regnet; es müßte aber seine Meinung geradezu in das Gegentheil verdrehen, wenn es die von Dir aus- gesprochene sein sollte; denn was Du von dieser Meinung sagst, ist— gelogen! Wir glauben aber nicht, daß Dir, hochverehrteste Preßschwcster, die Wahrheit unbekannt ist, und rufen Dir daher zu Nutz und Frommen aus einem alten Studentenliede zu: „Wer die Wahrheit kennt und saget sie nicht, Das ist fürwahr ein e— r W— t! Die Budget-Kommission des Reichstags hat nach einer sehr erregten Debatte daß Gesetz über den Reichs-Jnvalidenfonds angenommen. Der von der Regierung gemachte Vorschlag, den Jnvalidenfonds mit Schatzanweisungen des Reichs oder eines deutschen Bundesstaats und Schuldverschreibungen und Schatz- Anweisungen anderer Staaten zu belegen, wurde abgelehnt. Da- gegen wurde bewilligt, daß die Fräst für die vor dem 1. No- veinber 1875 erworbenen Prioritäts- Obligationen deutscher Eisenbahn-Gesellschaften bis zum 1. Juli 1880 ausgedehnt werde. Ein von den Mitgliedern der Centrumspartei gegen die Verwaltung des Reichs-Jnvalidenfonds ausgesprochenes Tadels- v otum wurde mit 10 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Herr Banks aus Hamburg, der Vertreter des 6. Berliner Reichstagswahlkreises, entpuppt sich immer mehr als ein „netter Volksvertreter". Wie wir in einer unserer letzten Num- mern berichteten, hatte bekanntlich Herr Banks unserm Partei- freunde Heinsch brieflich erklärt, daß ihm jeder Grund fehle, sein politisches Programm seinen Berliner Wählern vorzutragen, und er auch in der zum 12. dss. angezeigten Volksversammlung nicht erscheinen werde, da er noch außerdem sehr beschäftigt sei. Wie wir nun in Erfahrung gebracht haben, hat aber trotzdem der „vielbeschäftigte" Herr Banks an demselben Tage(12. Dezember) in der Gartenstraße 13—14 einen social-politischen Vortrag ge- halten, zu dem allerdings nur gegen Einlaßkarten Zutritt ertheilt worden ist. Bei der Diskussion, die sich an Banks' Referat an- schloß, war jedoch von den anwesenden Arbeitern dem ehrenwer- then Doktor derart heimgeleuchtet worden, daß er es vorzog, noch vor" Schluß der Versammlung zu— verduften und die Diskussion — Diskussion sein ließ. Und solch ein Mann vertritt den sechsten Berliner Wahlkreis. Der weiland„rothe Becker", Oberbürgermeister von Cöln und„Deutschlands größter Bürger", der Ex-Demokrat Classen- Kappelmann, haben dem Fürsten Bismarck einen Ehren- bür gerbrief der guten Stadt Cöln überbracht! Wegen dessen, was er für die Freiheit Deutschlands gethan, wurde ihm der Bürgerbrief am Vorabende der parlamentarischen Debatte über die Strasgesetznovelle übergeben. Die kaiserliche Oberpostdirektion zu Kiel hat unter dem 8. dss. unter Journalnummer 16116 ein uns zugekommenes Rundschreiben an die Postanstalten ihres Bezirks erlassen, das uns weiterer Verbreitung werth erscheint. Das Rundschreiben hat folgenden Inhalt:„Das Abtragen der Packete von den Land- briefträgern in Ihrem Bezirk soll so viel als möglich ausgedehnt werden. Zu diesem Zwecke sind in Zukunft Tragsäcke, welche der Sattlermeistcr H. in Kiel zum Preise von M. 5,10 anfertigen wird, zu verwenden. Die kaiserlichen Postanstaltcn werden aufgefordert, die Landbriefträger zur Anschaffung von derartigen Tragsäckcn anzuhalten. Die Anschaffungskosten haben die Land- briefträger zu tragen, wogegen die Versendung der Säcke porto- frei erfolgt." Das Porto also, welches der Verwaltung nichts kostet, will sie gern tragen. Dagegen sollen die Landbriesträger, welche bei einem Dienst von täglich ungefähr 10 Stunden— denn 4— 5 Meilen in der Runde nimmt der tägliche Marsch in der Regel wenigstens in Anspruch— ein monatliches Gehalt von 15 Thalern erhalten, jetzt noch dieses im Hinblick auf ihr Ein- kommen verhältnißmäßig sehr thcure Handwerkszeug aus eigenen Mitteln beschaffen. Generalpostmeister Stephan nahm noch neu- lich Gelegenheit, zu versichern, daß ihm das Wohl der unteren Beamten seines Ressorts ganz besonders am Herzen liege. Berliner Blätter schreiben: „Die auf dem Berliner Viehhofe an den Markttagen in letzter Zeit sowohl beim Treiben als auch beim Schlachten des Viehes vorgekommenen Brutalitäten haben, dem Vernehmen nach, zu einer Weisung an das polizeiliche Aufsichtspersonal Anlaß gegeben, die bisher schon geübte Sorgfalt in Beziehung auf das Treiben, wie auch auf das Schlachten des Viehes zu verdoppeln und gegen jede Thierquälerei mit der größten Energie einzu- schreiten, sowie auch darauf zu halten, daß etwa sich zwecklos auf dem Markte umhertreibende junge Burschen fortgewiesen werden." Was hier von Berlin gesagt wird, läßt sich wohl auch von vielen anderen großen Städten sagen und sind wir vollständig daniit einverstanden, daß alle möglichen Schutzmaßregeln ange- wendet werden, um der Thierquälerei ein Ende zu machen. Lei- der wird� aber bei dem Viehtrieben auf vielen Stellen und wir führen hier in erster Linie Hamburg-Altona an, so wenig Rück- ficht auf das die Straßen passirende Publikum genommen, daß es für benannte Städte sehr zu empfehlen wäre, einen Schutz- verein für Menschen zu bilden, welcher die von Viehtransporten belästigten Straßen unter seine Aufsicht zu nehmen hätte. Es ist in Hamburg-Altona kein Mangel an Polizei, wie uns ja die vielen aufgelösten Versammlungen beweise.!, aber� daß Schutz- leute, wie in Berlin, in den am meisten belebtesten Straßen auf- gestallt würden zum Schutz und im Dienste des Publikums, dies übersieht man noch oft. Laut Polizeiverordnung muß jeder, selbst der kleinste Hund, mit einem Maulkorb versehen nur an der Leine geführt die Straße beschreiten, damit kein Malheur passirt. Ganze Züge von 20 bis 30 Ochsen und Kühe können aber im vollen Trabe mit nur einem Treiber die Stadt durchrennen. Es sind uns seit kurzer Zeit fünf Fälle bekannt geworden, wo Personen auf solche Weise vom Hornvieh verletzt worden sind. Sollte es da nicht geboten sein, daß sich die Polizei oder ein„Menschen- schutzverein" der Sache annimmt? Zur Arbeitslosigkeit in Berlin schreibt die„Concordia": „Die in einigen Berliner Jndustrieen, namentlich im Maschinen- bau, erfolgte Stockung tritt neuerdings u. A. in dem überaus großen Andrang von Arbeitskräften im Depot der städtischen Sttaßenreinigung zu Tage. Mit Rücksicht auf den stattgehabten Schneefall waren vorübergehend etwa 20 bis 30 Arbeitskräfte mehr als sonst einzustellen. Die persönlichen Meldungen hierzu traten aber in einer übergroßen, mehrere hundert Köpfe zählen- den Ziffer auf, so daß der dienstthuende Inspektor sich außer Stande sah, bei so großem Andränge irgend eine Auswahl zu treffen. Auch die Arbeitslöhne der Erd- und verwandten Ar- beiter sind diesen Winter stark gesunken. Das mühsame und ge- sundheitsgefährliche Geschäft des Eishauens auf Flüssen und Seen, das im vorigen Winter noch 2— 2'/, Thlr. täglich ein- brachte, wird gegenwärtig mit 20—25 Sgr. pro Tag bezahlt." — Uns wundert es nur, daß die„Concordia" die Schuld an diesem Nothstande nicht den Socialdemokraten in die Schuhe schiebt. Oder sollten die Herren jetzt schon etwas gelernt haben? LeoFränkel, ehemaliger Sekretär der Pariser Internationale, ist in Wien seitens der Polizei verhaftet worden. Bekanntlich ist er als Communard zum Tode verurtheilt, aber die Annahme, daß er an die französische Regierung ausgeliefert werden soll, ist jedenfalls unrichtig. In Frankreich haben die Senatoren-Wahlen stattgefunden, bei welcher Gelegenheit die Orleanisten vollständig unterlegen sind, dagegen die Bourgeois-Republikaner gesiegt haben. Irgend eine nennenswerthe Anerkennung von diesen Leuten erwarten zu wollen, welche den noch immer fortwährenden Communarden-Ver- urtheilungen zusehen, wäre der hellste Blödsinn. Die Besitzer aller öffentlichen Tanz-, Concert- und Vortragsäle von Paris sind von dem Polizeikommissar ihres resp. Viertels in offiziöser Weise bedeutet worden, ihre Lokale nicht mehr zu Privat-Ver- sammlungen herzugeben, mit dem Bemerken, daß sie, wenn die Unternehmer solcher Versammlungen in Untersuchung gezogen würden, als Mitschuldige vor dem Richter zu erscheinen hätten. * Wie aus Bremen mitgetheilt wird, ist daselbst Tho- Massen, der Urheber der neulichen schrecklichen Katasttophe, ver- starben. * Beneidenswerthe Civilvcrsorgung.— Der Reichsanzeiger" veröffentlicht regelmäßig eine„Vakanzenliste für Militär- Anwärter", d. h. für solche Personen, welche durch 12 jährigen aktiven Militärdienst civilversorgungsbcrechtigt geworden sind. In einer jüngst erschienenen Liste finden wir u. A. folgende offene Stelle: Wetter(Stadt an der Ruhr) 2 Nachtwächter je 30 Mk. jährlich. Ob daS Gehalt in monatlichen oder wöchentlichen Raten, ob prä- oder postnumerando, ob es in 20-Markstücken oder 100- Mark-Noten gezahlt wird, ist leider darin nicht gesagt! � Vor vierzig Jahren, am 7. Dezember 1835 fuhr die erste Lokomotive auf Deutschlands Boden auf dem Schie- nenwege zwischen Nürnberg und Fürth. Die Bedeutung dieses Ereignisses ist bereits heute so einleuchtend, daß die einfache Er- innerung an diesen Tag an dieser Stelle genügt. Bedenken wir die unermeßlichen Fortschritte, auf deren Bahn uns gewissermaßen die erste Lokomotive geführt hat, so giebt uns das den freudigen Trost, daß auch die Bestrebungen der wahren Menschlichkeit nicht gar zu lange mehr auf ihre Verwirklichung warten lassen werden. Der wahre Fortschritt ist auf jedem Gebiet ein Mitarbeiter zur Erreichung dieses Zieles; die erste Lokomotive ist ein unbe- zwinglicher Kämpfer für die Humanität geworden. * Also 40 pCt. der Prostituirten Berlins rekrutire,. sich aus den Familien des kleinen Handwerkerstandes! Das ist der Segen des gepriesenen„goldenen Mittelstandes"! Er scheut sich davor, in das Proletariat zurückzusinken, und so sinkt er denn noch unter dasselbe. Handwerker! Erhebt Euch zu wahren Proletariern, und Eure Töchter werden es nicht nöthig haben, sich der Prostitution in die Arme zu werfen. * Die von uns seiner Zeit erwähnte Nachricht hiesiger Blät- ter, daß der Frau StrouSbcrg für die Dauer der Abwesenheit des Dr. Strausberg eine Dotaiion von monatlich 1000 Thalern seitens der früheren aristokratischen Genossen ihres Gatten aus- gesetzt worden sei, wird von einer der Frau Strausberg nahe- stehenden Seite als thatsächlich unbegründet erklärt. Damit ist aber noch immer nicht gesagt, daß diese Summe nicht von anderer Seite oder durch dritte Hand der gekrachten Gründer-Familie zufließt._ * Am 11. Dezember ereilte den„Armen Conrad" auch an dem Orte seines Erscheinens, der„Volksstaat-Expedition", das Verhängniß der Konfiskation. Den Grund dazu gaben zivei Stellen in dem Aufsatze über den englischen Socialisten Owen (S. 41 und 45), in denen von dem scharfen Auge des Staats- anwalts Religionsschmähungen entdeckt worden waren. Die letzten fünfzig Exemplare von der zweiten � Auflage wurden die Beute der Gerechtigkeit.__ * In Altona wurde Parteigenosse A. Slauck während eines Vortrags von dem überwachenden Polizeibeamten plötzlich unterbrochen sofort verhaftet. Ain selbigen Tage ist Partei- genösse Mojc, Vorsitzender der Holzarbeiter-Gemerkschast, wegen �?ajestäts-Belcidigung zu zwei Monaten Gefangniß verurtheilt oorden. Das Geschäft blüht! ? Seit dem 15. November d. I. wird in Milwaukee, der Hauptstadt von Wisconsin, einem der Vereinigten Staaten kn Nordamerika, ein neues socialistisches Blatt,„Der Socialist", herausgegeben, welches erfreulicherweise sofort solchen Anklang fand, daß es schon nach achttägigem Erscheinen sein für Nord- Amerika ungewöhnlich kleines Format verdoppeln konnte. U«ber die neuesten Verfolgunzen der Social-Demokratie in Altona theilen mir Nachstehendes mit: Ueber den Prozeh gegen den Vorstand des social- demokratischen Arbeiter-VereinS in Altona vor dem Altonaer Amtsgericht, Abtheilung Polizeigericht, am 15. Dezember 1875, berichtet das„Hamb.- Altonaer Volksblatt" wie folgt: Der Gerichtshof ist zusammengesetzt: Richter: Dumreicher, Schöffen: Winter— Bruder des vormaligen Vicepräsidenten Georg Winter in Ottensen— und eine unbekannte Persönlichkeit, Polizeianwalt: Brütt. „ES erscheinen die Angeklagten Forschner, Gundelach, Hecht und Schwarz, angeklagt, Vorsteher eines Vereins zu sein, welcher bezweckt, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern und mit anderen Vereinen gleicher Art zu gemeinsamen Zwecken in Verbindung getreten zu sein. Forschner ergreift das Wort, er habe sich als Vorstand des social- demokratischen Ardeiter-Vereins in Altona nicht mit dem Vorstand der socialistitchen Arbeiterpartei Deutschlands— Sitz: Hamburg— in Verbindung gesetzt. Er sei zwar Mitglied der socialistischen Arbeiterpartei Deutschland?, sei aber noch niemals in einer Hamburger Versammlung gewesen und habe noch niemals dort gesprochen. Er zahle selbstver- ständlich als Mitglied der socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands dorthin seinen Beitrag. Gundelach sagt aus: Er habe mit der sociali- stilchen Arbeiterpartei Deutschlands als Vorstand des social-dcmokrati- schen Arbeiter Vereins in Altona durchaus nichts gemein. Auch er sei Mitglied der socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands und erhalte als solches für den gezahlten Beitrag eine Marke. Hier unterbricht ihn Dumreicher und fragt, welches der Werth dieser Marke sei, worauf Gundelach cririderte, für ihn habe sie einen Werth von 1>/z Groschen. Auf weitere Frage des Dumreicher, ob er sie, falls sie in einem Laden hinge, auch kaufen würde, bemerkte Gundelach: dann allerdings nicht, denn er wisse, das Geld, welches er für die Marke der socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zahle, werde für gute Zwecke verwandt und er wisse, daß dieier Verein die Interessen des arbeitenden Volkes ver- trete. Hecht und Schwarz schließen sich den Ausführungen ihrer Vor- redner an. Bcütt führt an, daß der Vorstand in Hamburg den Altonaer Verein nicht gegründet, aber doch sein Bestehen genehmigt habe. Seine Aussage sucht er zu begründen durch Mittheilungen aus den Versamm- lungsu der Opposition. Weiter führt er an, daß der Altonaer Verein erst nach dem Gothaer Kongreß 1875 gegründet sei. Forschner trat jedoch den Beweis an. daß der Verein schon 7 Monate— also 1874 — vor dem Gothaer Kongreß 1875 gegründet und von der Polizei genehmigt sei. Auf die Frage Dumreichers, ob irgend einer der Angeklagten zum Kongreß gesandt oder dagewesen sei, antwortete Forschner, er sei nicht dagewesen und überhaupt seien solche dagewesen, die dem social-demolratischen Arbeitcr-Verein in Altona nicht angehörten. Der Oder-Polizeisergeant Arel sagt als Belastungszeuge Folgendes aus: Er habe die Versammlungen der sogenannten Opposition stets überwacht, aus Reden, oie dort gehalten, könne er mit Bestimmtheit Folgendes anführen: Die Opposition sehe ein, daß weder der Vorstand in Hamburg noch der Ortsverein in Altona die Agitation ordentlich betreibe, sie hätten deshalb den Beschluß gefaßt, 1 Groschen mehr zu zahlen als der Ortsvcrein. Ferner berief sich Axel auf Aussagen Richters, Stanzen Kamigauu's, Leinhos', Drogand's und Löffler's, welche sich dahin ge- äußert hätten, der Ortsverein stehe fortwährend in Verbindung mit der socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands und sie als Opposition würden vom Vorstände zurückgesetzt, der Ortsverein werde stets protegirt. Ueber- Haupt würden die Mitglieder des Ortsvereins in diesen Versammlungen— der Opposition— auf die gemeinste Weise heruntergeinacht. Ob der Ortsverein schriftlich mit dem Hamburger Verein in Verbin- dung gestanden, könne er nicht behaupten. Dumreicher meint, da Arel ferner aussagte, daß der Ortsverein gleich nach der Verschmelzung der beiden Parteien in diesem Jahre entstanden, er könne ja schon vorher vegetirt haben und sei dann in eine andere Bahn gegangen. Brütt hebt nochmals hervor, daß obige Aussagen Arel's nach Aeußerungen Richter's, Kaniigann's, p'einhos', Drogand's und Löffler's gemacht seien. Nach Apel erhielt der Oberpolizeisergeant Weisse das Wort. Er habe die Versammlungen des Ortsvercins überwacht, aus den dort gehakte- nen Reden sei ihm klar geworden, daß die Redner von Hamburg aus förmlich kommandirt würden. Die Redner hätten sich sogar gestritten, wer von ihnen aus Hamburg geschickt sei. Der Altonaer Verein habe sein Konto in Hamburg und der Ueberschuß fließe nach Abzug der Kosten für Agitatoren k. nach Hamburg in die Haupikasse. In Betreff der Gründung des social-demokratischen Arbeiter-Vereins bemerkt Weisse Folgendes: Als der Allgemeine deutsche Arbeiter-Verein aufgelöst war, hätte» die Mitglieder einen Wahlverein gründen wollen, da dieser aber von der Polizei nicht genehmigt wurde, hätte man den social-demokra- tischen Arbeiter-Verein— Bebel-Liebknecht'scher Richtung— wieder hervorgeholt. In diesen seien dann Sämmtliche als Mitglieder eingetreten und dieses sei vor dem Gothaer Kongreß geschehen. Hier unterbrach ihn Bcütt mit der Bemerkung, der Zeuge irre sich und sei damals noch nicht hier gewesen Die Belastungszeugen sagen ferner aus, daß ein Zusammenhang des Aitonaer Ortsvereins mit der socialistischen Arbei- terpartei beutlich aus einer Rede über die Unterstützung Walter's her- vorgehe, denn von den Hamburgern sollten 5 Thaler und der Rest von den Ältonaern pro Woche bezahlt werden. Gundelach fragt durch den Vorsitzenden de» Weisse zweimal, woher er wisse, daß Gelder nach Ham- bürg kämen. Dumreicher unterbricht ihn und sagt, er habe viele Worte gemacht und ihm keine bestimmte Frage vorgelegt, er ertyeile deshalb Brütt das Wort zur Begründung der Klage, der den Zusammenhang des Altonaer Vereins mit der socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands nachzuweisen sucht und dann einen Antrag auf Verurtheilung der vier AnqeUagten zu je 60 Mark event. 14 Tagen Gefängniß und Schließung des Vereins stellt. Forschncr bemerkt noch der Aussage Wcisse's ge- genüber, daß Weisse nur von Hörensagen über die Tellersammlung k. berichte, er sage hier mit Bestimmtheit aus, die Tellersammlungen wür- den hier verwandt und die Redner würden von ihm selbst und nicht vom Hamburger Vorstand hierher beordert. Gundelach tritt dem in Allem bei und bemerkt außerdem, daß der Altonaer Verein selbst einen Kajsirer habe, fein Einkommen selbst buche und kein Konto in Hamburg habe. Hecht und Schwarz schließen sich den Ausführungen Forschner's und Gundelach'? in allen Theilen an und sagen aus, sie seien niemals mit einem Vorstandsmitgliedc der socialistischen Arbeiterpartei in Irgend eine Verbindung getreten. Sämmtliche Angeklagte beantragten deshalb eine kostenlose Freisprechung. Erkannt ward dem Antrage Brütt's gemäß auf je 60 Mark event. 14 Tage Haft und Schließung des Vereins. Nachdem dieses Urtheil gefällt ist, haben stch in Altona die Polizei- schwicrigkeiten verdoppelt. Es scheint dort bei der Polizei dieselbe irrige Ansicht über das Vereinswesen aufgetaucht zu sein, wie sie vor ändert- halb I hren in Berlin herrschte, dort aber nach der Freisprechung Hasselmanns und Reimers rektifizirt werden mußte. Nach Re- daktionsschluß wird uns nämlich berichtet, daß am Mittwoch wiederum eine Volksversammlung vom Obcr-Polizisten Weisse aufgelöst wurde, und zwar gleich bei Wahl des Bureaus. Es lag also keiner der beiden geseylichcn Gründe vor.„Richtbcibringung der Bescheinigung" und „Erörterung ungesetzlicher Anträge".— Ganz in derselben Weise wur- den seinerzeit in Berlin VA Versammlungen im Laufe von 14 Tagen sofort ausgelöst, sobald ein früheres Mitglied des Allg. deutschen Arbeitervereins ins Bureau gewählt wurde, oder als Redner auftrat. Es wird für die Altonaer Parteifreunde jedenfalls das Beste sein, die Polizei direkt zur Denunziation aufzufordern und dann in gerichtlicher Verhandlung zu beweisen, daß es sich um Bolksvers.ammlun- gen und leine Vereine handelt. Die Parteifreunde haben sich be- u-itS, da sie's als unnütz erachteten, sich bei der nächsten vorgesetzten Behörde zu beschweren, mit der Beschwerde über die stattgehabten Ver- sammlungsauflösungen durch den Oberpolizisten Weisse direkt an die Regierung zu Schleswig gewendet, bis jetzt aber ist keine Antwort erfolgt. Sofort nach der Auflösung am 15. d. wurde folgendeDepesche an dieselbe gesandt: „K. Regierung zu Schleswig. Heute Abend wurde eine Volksversamm- lung im Unionssaal ohne jeden gesetzlichen Grund gleich bei Bureauwahl aufgelöst. Unterzeichneter»erlangt sofortige Untersuchung gegen be- treffenden überwachenden Beamten Weisse, durch dessen wiederholtes Vorgehen das Versammlungsrecht für den in Altona wähnenden Staats- bürger völlig illusorisch gemacht wird. H. Gundelach, Friedrichsbader- straße 34. Rückantwort bezahlt." Wir kommen auf die Sache noch zurück. * Parteiftennd Karl Frohme wird am 19. dss. aus seiner simonatlichen Haft in Coblenz entlassen. * Parteifreund A. Kapell wird nächsten Montag, den 20. Dezember, Vormittags, das„rothe Schloß" am Plötzensee nach dreimonatlicher Haft verlassen. Erfurt, 15. Oktober.(Gerichtsverhandlung und Freisprechung.) Es wird einem Theil der Leser dieser Zeitung noch im Gedächtniß sein, daß ich vor längerer Zeit auf eine Anklage gegen mich aufmerksam machte. Es wird nun der Hergang der Sache jedenfalls nicht uninteressant sein und lasse ich dieserhalb den Thatbestand folgen. Am 11. Oktober 1874 sollte in Ibbenbüren in Wcstphalen eine Volks- Versammlung stattfinden. Nachdem mehrere vordem verweigert worden, durfte diese abgehalten werden, d. h. so lange tagen, als es die Polizei für gut befand. Dies währte aber keine 5 Minuten, denn es wurde „im Namen des Gesetzes" die Versammlung aufgelöst. Die Polizei begleitete mich nachdem noch mit väterlicher Fürsorge. Im Wartesaal zu Ibbenbüren wurde mir der Aufenthalt verweigert; aus meine Be- schwerde bei der Eisenbahn-Kommission(Abcheilung für Beschwerde- fachen) zu Hannover wurde mir der Bescheid, daß mir so wenig wie anderen Personen resp. Passagieren der Aufenthalt verweigert werden könne, wenn nämlich nicht mit meiner Anwesenheit ein besondererZweck verbunden gewesen. Es hätte sich bei den stattgehabten Recherchen herausgestellt, und zwar nach diensteidlicher Aussage der Polizei zu Ibbenbüren, daß im Wartesalon daselbst eine polizeilich aufgelöste Ver» sammlung unter meiner Leitung hätte fortgesetzt werden sollen. Diese Behauptung brauche ich wohl nicht zu widerlegen. Auf meine Be- schwerde wegen Auflösung einer Versammlung wurde mir zum Bescheid, daß Anklage gegen mich erhoben wäre, wegen Uebertretung des§ 130 des Str.-G.-B. Niemand staunte mehr wie ich und meine Parteigenossen, welche in jener Versammlung zugegen gewesen. Am 1. Dezbr. 1374 wurde ich dieserhalb vor dem Untersuchuugsrichtec vernommen. Lange, sehr lange, hörte ich nichts. Da endlich, im Monat September d. I., wo ich mich im Gefängniß zu Osnabrück befand, bekam ich eine Vorladung zum Termin, welcher aber wegen meiner Haft ausgesetzt. wurde. Endlich, nun am 2. Dezember d. I., hat das Kreisgericht zu Tecklenburg die Sache verhandelt. Die von mir benannten Entlastungs- zeugen sollten, nach Angabe des Gerichts, geladen werden, was aber nicht geschehen. Ich selbst, meiner Unschuld' bewußt, erschien auch nicht im Termin, sondern schickte ein mir zahlreich zu Gebote stehendes Ver- theidigungsmaterial ein, welches die Qualifikation der Anklage genügend kennzeichnete. Das Gericht hat, nach dem mir zugegangenen Erkennt- niß, auf kostenlose Freisprechung erkannt, was gewisse Personen jeden- falls nicht erwartet hatten. So angenehm eS immerhin sein mag, freigesprochen zu werden, wenn man unschuldig ist, so bin ich doch jetzt hiervon nicht sonderlich erbaut, weil in dieser Sache sich noch in der zweiten Instanz etwas abgewickelt haben würde, welches jetzt im Dun- kein bleibt, vielleicht appellirt der Staatsanwalt noch. Eventuell werde ich das interessante Erkenntniß veröffentlichen. A. H. Mute. Berlin, 16. Dez.(Versammlungs-Auflösung.) Mittwoch, den 15. dss., fand eine Versammlung von Putzern und verwandten Berufsgenossen im Lokale des Herrn Vogel, Alexanderstraße 31, statt. Die Tagesordnung lautete: Bericht der gewählten Kommission. Herr Heinsch eröffnete die Versammlung und würden die Herren Born als erster, Siebte als zweiter Vorsitzender und Unterzeichneter als Schrift- führer gewählt. Hierauf verlas Herr Kandt die ausgearbeiteten Sta- tuten und es wurde zunächst über den Kopf des Statuts gesprochen. Es wurde durch Abstimmung beschlossen, daß er sich betiteln sollte: „Unterstützungs-Verein der Putzer Berlins". Dabei wurde aber die Versammlung durch den überwachenden Polizeilieutenant aufgelöst und die Anwesenden aufgefordert, sofort das Lokal zu verlassen. G. Schmidt. Berlin.(Versammlung.) Dienstag den 14. Dezember fand in der Sophienstraße 15 eine große General-Versammlung der Schmiede- Gesellen statt. Die Tagesordnung lautete:.„Die Zwangskasse, die freie Kasse und die Ausführungen des Herrn Schneider in der Ver- sammlung vom L3. November". Ins Bureau wurden gewählt: Herr Jacob als erster, Herr Rietz als zweiter Vorsitzender und Unterzeich- neter als Schriftführer. Herr Jacob übernahm das Referat und legte die Grundlage der Zivangskaffe in solcher Weise klar, daß es unmöglich sein kann, dasselbe als ein Musterstatut anzuerkennen. Redner sührte folgende Paragraphen an: 2, 4, 6 und 27, diese gäben schon ein sicheres Verständniß dafür ab. Herrn Müller wurde darauf hierzu das Wort ertheilt(Ausschuß-Geselle der Zwangskasse) und war derselbe nicht im Stande, die Ausführungen des Herrn Jacob zu widerlegen. Derselbe deutete auch mit kurzen Worten darauf hin, daß eine Verbesserung der Lage der Schmiedegesellcn in allen Stücken nothwendig sei, und führte ferner an, daß die alte Kasse mit 200 Thlr. verschuldet sei, und wenn nicht das Krankengeld erniedrigt würde,, die Schulden sich auf ein Doppeltes vermehren könnten. Herr Fellenberg nahm hierauf noch das Wort. Derselbe sprach über die Schulden der alten Kasse, daß dem Ver- nehmen nach noch höhere Schulden vorhanden sein könnten.— Nachdem noch mehrere Redner über das Herbergswese» gesprochen hatten, wurde die Versammlung geschlossen. H. Reichardt. Gicsten, 15. Dez.(Allgem. deutscher Schneider-Verein.) Nachstehend veröffentliche ich die Abrechnung der Gewerksgenossenschaft pro Monat Oktober. Bestand laut Abrechnung v. 3. Quartal 1812,46. Einnahmen: Von Bamberg 3. Quartal 12,00. Rostock 3. Quart. 13,82. Rostock pr. Oktober 5,90. Pforzheim 3. Quartal 0,14. Harburg pro August, September und Oktober 10,45. Fulda pro Oktober 12,50. Altona 8,00. Augsburg 50,68. Halle a. S. 15,49. Mühlhausen i. Th. 5,23. Schwerin 9,00. Leipzig 65,14. Hamburg 38,56. Mainz 3,70. Barmen 14,52. Ulm 12,38. Braunschweig 51,26. Osnabrück 8,27. Darmstadt 3,75. Stuttgart 11,39. Nürnberg 16,70. Gießen 16,80. In Summa 2193,14. Ausgaben: Gehalt des Geschäftsführers pro September 45,00. Agitationsrcise desselben nach Frankfurt a. M. 5,90. Der Expedition des„Volksstaat" incl. der bei dem Kongreß entnom- menen Bolksstaat-Nummern 13,50. Der Expedition des„Neuen Social- Demokrat" 12,00. 5 Stück Mitgliedschafts-Stempel a 5.25. 6 Stück Quittungs-Stempel a 1,25 gleich 7,50. Schreibmaterial und Emballage pro Oktober 6,45. Porto- und Abonnement-Auslagen pro Oktober 44,40. In Summa 159,75. Bilanz: Einnahmen 2198,14. Ausgaben 159,75. Bleibt Bestand 2033,39.— In folgenden Städten haben sich neue Mitgliedschaften gebildet: Frankfurt a. M.: Bevollm. A. Bräu- ning, Hainer Hof 2. Dortmund: Bevollm. I. Kalbfleisch, Kölnerstr. 1. Itzehoe: Bevollm. C. Kreuzberg, Feldschmiede. Minden: Bevollm. Th. Hillermann, Brüdcrstr. 567. Bielefeld: Bevollm. A. Gielsdorf, Ritter- straße 313/14. Hagen: Bevollm. A. Schneider, bei-Gebrüder Rippcr, Elberfeldcrstr. Schleswig: Bevollm. E. Badenhop, bei Wwe. Rick, Langestr. 20. Remscheid: Ph. Krebs, Elberfelderstr. 33.— In nachstehenden Städten sind die Adressen der Bevollmächtigten nach der letzten Veröffentlichung zu berichUgen: Braunschweig: O. Peplies, Nördliche WUHelmsstr. 42. Chemnitz: E. Wirth, Marktgäßchen 4, 2 Tr. Elberfeld: I. Butz, bei R. Thomaser, Kölnerstr. 76. Erfurt: G.Schäfer, Steinstr. 14. Eisenach: E. Feuske, Neustadt v. 213a. Fulda: I. Stederoth, Königsstr. Schwäb. Gmünd: B. Bieg, bei Musikus Vogt, Hinter dem Spital. Halle a. S.: C. Hcnnig, Kl. Sandberg 21, Hof rechts, 1 Tr. Hannover: Fr. Döring, Osterflr. 75. Leipzig: A. Zipfel, Plagwitzerstr. 13, 4. Et. Mainz: K. Jäger, Scharenstr. 15. Rostock: W. Markwardt, Mühlenstr. 15. Mit brüderlichem Gruß I. A.: B. Klerx. Bielefeld, 6. Dez.(Sämmtliche« Tischlern Deutschlands) zur Nachricht, daß am 6. dss. in Bielefeld am Keffelbrink beim Wirth R. Kahl der Tischlerverkehr resp. die Tischlergesellen-Herberge errichtet ist. Der„Neue Social-Demokrat" und„Bolksstaat" liegen aus. Sämmt- liche Kollegen werden ersucht, während ihrer Durchreise daselbst zu ver- kehren. Mit social-demokraschem Gruß W. Mahne. Osnabrück, 15. Dez.(Zur Beachtung für die deutschen Steinmetzen.) Da hierorts auf einem Platze ein Strike eingetreten ist, ersuchen wir die auswärtigen Kollegen, den Zuzug nach hier fern zu halten. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. August Friederich. Wiesbaden, den 15. December.(Allgemeiner Deutscher Töpferoerein.) Den Bevollmächtigten zur Nachricht, daß das Abon- nement der„Union" bei der Redaction zu bestellen ist. An dieselbe sind auch die Gelder zu schicken und wird um rechtzeitige Bestellung gebeten. Ferner theile ich den Mitgliedern, sowie sämmtlichen Collegen mit, daß sich am 9. August dieses Jahres zu Dresden ein Arbeitgeber- bund gegründet hat. Das Motiv desselben ist: Schadloshaltung bei ausbrechenden Strikes und behufs dessen Aufstellung eines gemeinsamen Lohntarifs für Sachsen und Thüringen. Collegen! die Ihr noch keiner Organisation angehört, merkt's Euch und tretet unserer Vereinigung bei. Deshalb mache ich es den Mitgliedern doppelt zur Pflicht, immer mehr für die Gemeinsamkeit einzutreten und überall, wo es gilt, sich uns als Brüder zu zeigen, damit wir in der Roth nicht allein stehen. Gedenkt der armen Langensalzer Weber! Steuert rasch Euer Scherflein bei und schickt es ab, denn schnelle Hülfe ist die beste! Da der Töpfergehülfe Gustav Oskar Müller, aus Sprcmberg, 24 Jahre alt, auf unsere Aufforderung nichts von sich hat hören lassen, derselbe aber hier noch Verschiedenes zu berichtigen hat, so warnen wir alle Collegen und Meister vor demselben. Alle Arbeiterblätter we'-den um Abdruck dieses gebeten. Mit collegialischem Gruß Jos. Schweiß, Vorsitzender, Karlstr. 23. Reinhold Ballschweiler, Kassirer, Rheinstr. 70. Cöln, 16. Dez.(An die hiesigen Abonnenten dos„Neuen Social-Demokrat".) Es ist Vorsorge getroffen, daß ich den„Neuen Social-Demokrat" in derselben Weise wie den„Volksstaat" kolportiren kann und ersuche die hiesigen Abonnenten, ihre Bestellung frühzeitig bei mir machen zu wollen. Auch werden Monats-Abonnements an- genommen. Auf die„Reue Welt" kann gleichfalls bei mir abonnirt werden. Der Abonnementspreis ist derselbe, wie bei der Post. Für pünktliche Bedienung wird gesorgt werden. Mit bestem Gruß Joh. Rißmann, Ehrenstr. 88. Barmen, 16. Dez.(Arbeiter Barmens!) Ein neues Quar- tal legt Euch die Pflicht auf, Eure Abonnements auf den„Reuen So- cial-Demokrat" und„Volksstaat", die mit diesem Monat ablaufen wer- den, zu erneuern. Diejenigen, welche mit der Zahlung ihrer Abonne- ments für das alte Quartal noch im Rückstände, werden ersucht, dies bis zum 24. Dez. d. I. mit dem Kolporteur zu regeln. Derselbe wird von diesem Tage an die Beträge für das neue Quartal entgegenneh- men. Nachstehende Liste enthält die Namen der Gastwirthe, welche obige Blätter auslegen. Sollten einige Wirthe vergessen sein, so wollen sie uns ihre Adressen gefälligst zukommen lassen. Das Jahr 1876, in das wir hineinzutreten im Begriff sind, ist ein äußerst wichtiges, weil wir in ihm abermals in die Wahlkampagne eintreten. Der Ernst des Augenblickes muß die unter Euch, die unablässig im Kampfe gegen die Kapitalmacht und den Despotismus mitgewirkt, zu verdoppelter Energie anspannen; die aber, welche aus irgend welchen kleinlichen Gründen vom Kampfplatze zurückgetreten waren, unter der Fahne des Kampfes für die Rechts der Arbeit auf's Reue vereinen. Ihr Alle aber habt die Ausklärung unserer noch indifferenten Brüder nicht einen Moment aus den Augen zu verlieren. In der Verbreitung der socialistischen Presse, unserem mächtigsten Bundesgenossen, werdet Ihr diese Aufgabe am besten erfüllen. Wem seine gedrückte Lage nicht gestattet, allein auf obige beide Blätter zu abonniren, der verbinde sich zu dem Zwecke mit zwei, drei Freunden. Arbeiter Barmens! beweiset, daß der Geist des Wupperthales der alte ist! Die Zeitungskommission. Im Auftrage: Ä. Schlesinger. Den„Reuen Social-Demokrat" halten: Berger, Rödigerstr. Berg- Haus, Altmarkt. Bedford, Kuhlerstr. Brunnabel, Alleestr. Battefeld, Heckinghauserstr. Dahl, Hochstr. Eickhoff, Canaperstr. Flecke, Alleestr. (Bähring, Alleestr. Dappen, Loh. Hüften, Verläng. Ober-Dörnen. Korflöh, Canaperstr. Knapp, Fischerdahl. Kammann, Bartholomäusstr. Lüneburg, Altemarkt. Luickhaus, Oberheidt. Leyendecker, Alleestr. Mankel, Rödigerstr. Marian, Alleestr. Pieper, Kleinen Werth. Pickart, Seelhosfriedrichstr. Sprieterbach, Ober-Dörnen. Schmitz, Unter-Dör- nen. Schmickler, Alleestr. Sonnenschein. Gasstr. Schröer, Seclhof. Trommel, Heckinghauserstr. Voller, Heckinghauserstr. Von Scheven, Loh.— Den„Volksstaat" halten: Vergor, Rödigerstr. Pieper, Klei- nen Werth. Sauer, Gewerbeschulstr. Veller, Heckinghauserstr. Die beste Welt. Betrug gewinnt Millionen, Der Arbeit fehlt's an Brot— Es prassen und schmausen die Drohnen, Die Bienen leiden Noth. Der Ehrenmann unterlieget, Der Fre»ler frech stolzirt, Die Heuchelei obsieget, Das Laster triumphirt. Der Mächtige kann sich erlauben, Was ihm nur immer gefällt, Und da soll das Volk noch glauben, Daß dieses die beste Welt. („Braunschweiger Leuchtkugeln".) Sprechsaal. Duisburg, 12. Deeember 1875. Die Presse unserer Gegner. Es wird wohl nicht überflüssig sein, wenn man von Zeit zu Zeit im Sprechsaal der Parteipresse die national-liberalen und klerikalen Blätter illustrirt, damit die jüngeren Parteigenossen er- sehen, welcher Mittel sich diese Partei bedient, um die indiffe- reuten Arbeiter gegen uns aufzuhetzen. Es ist allbekannt, dast sich der Mensch von dem Hergebrachten und dem vom Zufall Erlernten nur ungern lossagt. Besonders ist das bei denjenigen Arbeitern zu finden, die nicht Gelegenheit oder Nkittel gehabt haben, sich in ihrer Jugend so auszubilden, daß sie später er- fassen können, was ihnen am meisten Noth thut, um ihre Lage zu verbessern und sich von denjenigen zu emaneipiren, die sie körperlich wie geistig ruiniren. Am meisten finden wir dies in der religiösen Frage; deshalb hat die Priesterschaft auch noch immer einen netten Anhang. Glauben ja noch so viele Arbeiter, daß ohne die bestehende Religion die Welt nicht weiterexistiren könne! Darum kann es nur von Nutzen sein, wenn man durch un- sere Presse das Treiben dieser Gesellen bekannt macht. Ob pro- testantisch gescheitelt oder katholisch geschoren, das hat die Ge- schichte gelehrt, diese Herren bleiben sich alle gleich. Immer und iimner sinnen sie wieder auf neuen Zwang, und jedes Mittel ist ihnen heilig, um die Menschheit wieder in denjenigen Zustand des Mittelalters zu bringen, wo noch Inquisition und Ketzerverbren- nung möglich waren." Was der Arbeiter von diesen Seelenhirten zu erwarten hat, darüber belehrt uns gestern wieder einmal die„Rhein- und Ruhr- Zeitung". Dieselbe schreibt nämlich:„Duisburg, 9. Decembcr. Ms der Grafschaft Mors geht einem hiesigen evangelischen Pfar- rer des nachfolgende Schreiben zu, welches wir zur Beherzigung unserer Mitbürger angelegentlichst empfehlen. Dasselbe lautet: „In Nr. 984 der„Rhein- und Ruhr-Zeitung", der zweiten Ausgabe, fand ich von Duisburg aus eine Aufforderung, für die drodlos gewordenen Arbeiter eine Suppenanstalt zu errichten. Einerseits freute mich das, andererseits dachte ich: Ist denn noch nichts für diese Leute geschehen? Das Hochfeld ist voll Fabrik- arbeiter. Wie ich höre, ist am Rhein schon große Unsicherheit, man gehe ungern über die Rheinhauser Brücke. Bis hierher kommen die Leute schon bei Tag und Rächt.—(Dem Pfäfflein graut es!)— Es wäre ein Unrecht, die Hülfe den Armenkassen zuzuschieben, die haben ohnehin genug zu thun. Hunger und Frieren thun weh und treiben den Menschen, aber wohin? Jetzt wäre es Zeit, den Arbeitern zu zeigen, daß ihre socialistischen Verführer Unrecht haben; wenn Alle sich vereinten, ihnen Nah- rung, Kleider und Heizung zu verschaffen nach Bedürfniß, und dann könnte man ihnen noch etwas Besseres für ihre Seele mit- geben.(Gut, daß der arme Mann doch auch Etwas thun will!) Wenn nichts für sie geschähe, so hätten wir damit ihren Verfüh- reim Recht gegeben und wären selber Schuld, wenn ihre Bitter- keit gegen die Besitzenden größer wird und endlich losbricht. Wer wäre dann in Duisburg, der diese Sache in die Hand nähme? Ließe sich nicht ein Comitö von praktischen und wohl- denkenden Leuten bilden, das die Fabrikherren und alle Wohl- habenden und wer sonst ein mildes Herz hat, zu Hülfe aufriefe und die Sache organisirte? Man kann ja erfahren, wie viele Arbeiter ganz entlassen sind, wie viele nur theilweise, und wie weit Letztere mit dem geringen Lohn noch reichen können. Wun- bete Dich nicht, daß ich Dir darüber mem Herz ausschütte. Ich habe immer schon im Interesse des Erziehungsvereins so viel als möglich für die Arbeiter gesprochen. Sodann dachte ich, daß Nie- mand jetzt gleichgültig sein darf." So weit das Pfäfflein, das wohl selbst gern für die Seele, weil dies eben am billigsten ist, aber nicht für den Leib sorgen möchte, und selbst zu feig oder zu dumm ist, um dem Uebel auf "den Leib zu gehen. Zur Illustration unserer national-liberalen Presse und der Consequenz ihrer Redacteure mögen für heute nur einige Auszüge aus einem Leitartikel dieser„Rhein- und Ruhr-Zeitung" vom 11. b. genügen. Bekanntlich hat auch diese Zeitung immer vom Rückgang der Socialdemokratie gefaselt. Jetzt auf einmal wird es ihr bange und schreibt dieselbe:„Angesichts(siehe die Nummern des„Neuen Social-Demokrat") der großen Zahl wichtiger Tagesfragen von unmittelbar aktueller Bedeutung ist die öffentliche Aufmerksamkeit von der socialdemokratischen Agitation seit einiger Zeit in größe- rem Maße abgelenkt worden, als für die auf dem Spiele stehen- den Interessen zuträglich ist." Dann schildert sie unsere Errun- genschaft bei den letzten Ersatzwahlen und fährt fort:„Vor Allem darf nicht außer Acht gelassen werden, daß die Organisation der socialistischen Elemente in Deutschland seit den letzten allgemeinen Wahlen ungleich kräftiger gcworven ist. Die einheitliche Leitung, welche durch die Verschmelzung der Lassalleaner und der Eise- nachcr erreicht wurde, hat sich, so viel der Außenstehende beurthei- len kann, trotz der zahlreichen Rivalitäten*) vollkommen bewährt" und dergl. mehr. Man sieht hiermit, daß der Liberalismus nur Schein ist und die Vorlagen zur Strafgesetz- Novelle in den Augen dieser sog.„Liberalen" noch nicht scharf genug sind. G. Vermischtes. *(Ein schauerlicher Fund.) Wie der„Ruski Mir" erfährt, wurden unlängst im Hofraume des Zollamtes in Petersburg, beim Graben einer Wafferleitung, drei unterirdische Gewölbe entdeckt, die noch ganz gut erhalten waren. In diesen Gewölben fand man acht über und über mit Ketten beladene Skelette. Die Ketten waren so schwer, daß sie die Arbeiter kaum heben konnten. Offenbar hat die Hand, welche diese Unglücklichen in den unterirdischen Kerker geworfen, ihnen einen entsetzlichen Tod bereitet— den Hungertod. * Aus Genf wird folgender Aufruf erlassen:„Da ich von einer hiesigen Arbeitergesellschaft französischer Sprache beauftragt bin, über die Frage, in welcher Weise und durch welche Mittel billige, ge- sunde und hinreichende Wohnungen für die Arbeiterbevölkerung herge- stellt werden können, allerwärtsher das derzeit gebotene Material zu sammeln und zu einer Denkschrift zusammen zu stellen, so ersuche ich hiermit die werthen Parteifreunde, mir das in dieser Beziehung zu Gebote stehende Material, wenn auch nur aus einige Zeit leihweise, entweder direkt oder durch Vermittelung der„Volksstaat"- Erpedition gefälligst zugehen zu lassen. Dahin gehören Statuten von. Baugesell- schaften, Baupläne mit Kostenanschlägen, Berichte über hergestellte und benutzte Arbeiterwohnungen, Schilderungen über die an vielen Orten herrschende Wohnungsnoth u. s. w. Mit brüderlichem Gruß: Johann Philipp Becker, I'rü I'Evecjue 35. Quittung. Für den Preßfonds zur Gründung einer Berliner Tageszei- tung gingen folgende Subscriptionslisten ein: Nr. 2. 10,26.— Nr. 4. iL, 00.— Nr. 5. 15,35.— Nr. 10. 4,75.— Nr. 14. 6,00.— Nr. 17. 1,60.— Nr. 18. 11,77.— Nr. 20. 5,50.— Nr. 21. 4,50.— Nr. 23. 21,25.— Nr. 26. 13,00.— Nr. 27. 6,00.— Nr. 31. 4,35.— Nr. 33. 5,00.— Nr. 34. 11,60.— Nr. 35. 10,35.— Nr. 36. 16,10.— Nr. 37. 24,25.— Nr. 39. 25,75.— Nr. 41. 9,00.— Nr. 43. 4,60.— Nr. 44. 5,50.— Nr. 46. 4,00.— Nr. 47. 9,25.— Nr. 49. 30,00.— Nr. 50. 6,30.— Nr. 51. 2,75.— Nr. 54. 2,50.— Nr. 57. 3,26.— Nr. 58. 4,25.— Nr. 59. 4,00.— Nr. 61. 4,50.— Nr. 62. 7,90.— Nr. 63. 3,00.— Nr. 64. 9,65.— Nr. 67. 10,00»— Nr. 71. 9,00.— Nr. 72. 22,25.— Nr. 76. 6,75.— Nr. 76. 9,20.— Nr. 77. 4,00.— Nr. 79. 4,50.— Nr. 80. 4,20.— Nr. 83. 16,60.— Nr. 88. 13,05.— Nr. 91. 10,50.— Nr. 92. 3,75.— Nr. 93. 7,40.— Nr. 94. 20,80.— Nr. 95. 2,50.— Nr. 106. 8,75.— Nr. 109. 5,50.— Nr. 125. 8,45.— Nr. 126. 19,70.— Nr. 136. 5,00.— Nr. 141. 24,75.— Nr. 142. 8,00.— Nr. 145. 9,80.— Nr. 153. 29,00.— Nr. 154. 3,75.— Nr. 155. 4,50.— Nr. 159. 16,00.— Nr. 160. 11,70.— Nr. 162. 4,00. Summa 621,82. Wir bitten, die noch ausstehenden Listen baldigst einzuliefern. Die Zeitungskommission. *) Diese angeblichen„zahlreichen Rivalitäten" existiren natürlich gar nicht. Die liberalen belügen sich selbst, um nicht die vollkommene Einigkeit der Socialisten einzugestehen. Folgende Annoncen-DepotS sind erschöpft: Berlin, Maurer, — do. Schneider,— Eimsbüttel,— Eppendorf-Winterhude,— Bremen, Cordes,— do., Schuhmacher,— Barmen, Zoll,— Po., Manufakturarbeiter,— Barmbeck, Simon und Hartlieb,— Hamburg, Zimmerer,— do., Maurer,— Ottensen, Heerhold,— Rothenburgsort, Gadow.— Um schleunige Erneuerung ersucht' Die Expedition. Bekanntmachullg. Für Altona find die Filial-Expcditionen für den„Neuen Social- Demokrat",„Volksstaat" und„Hamburg-Altonacr Volks- blatt" dem Herrn R. Carlson, Bürgerstr. 80, übertragen und finden Annoncen nur Aufnahme, wenn von diesem eingesandt. In voriger Nummer(148) unseres Blattes war' diese Be- kanntmachung unrichtig, worauf wir hierdurch besonders aufmerk- sam machen. Die Erpedition des„Neuen Social- Demokrat". Diejenigen Parteigenossen, welche den Vertrieb der Probe-Stummer der „Berliner Freien Presse" übernehmen wollen, fordere ich aus, Sonntag, Vormittag halb 11 Uhr, Sophienstr. 15, zu erscheinen.— Jeder, der Interesse an unserer Sache hat, sei am Platze. A. Heinsch. Wir machen unsere Berliner Abon- nenten auf den der heutige» Nummer bei- liegenden Prospekt für die„Berliner Freie Presse" aufmerksam. Die Expedition. Briefkasten. Philipp Krebs, Schneider, aus Ockersheim, zuletzt wohnhaft in Remscheid, wird ersucht, seine genaue Adresse mir umgehend zuzusenden. Parteigenossen, welche dieselbe wissen, werden gebeten, diese an meine Adresse schleunigst gelangen zu lassen. P. G. Baum, Elberselderstr. 25, Remscheid. Hannover. Versammlungs-Annonce für Freitags-Nummer zu spät eingetroffen. Die in Weißensee projektirte Volksversammlung auf Sonntag, den 18. d., kann eingetretener Hindernisse wegen nicht stattfinden. Ä. H. R. F. in B. Meine Adresse ist jetzt bei Pieper,� Kleine Werth- straße 13, Barmen. Alexander Schlesinger. Berlin. Arbeiterversammlungen: Gonuabend, 18. Dez., Ad. 8 Uhr, 1) tSratweil'ö vicrhallcn, ob. Saal. Atz Elsasserstr. 57 bei Zoller. Moutag, 20. Dez., Abends 8 Uhr, 1) Mariannenstr.lt I,Jndustriehallcn. Die Frauen-Emanzipation. Vortrag des Herrn Adam. Verschiedenes. !ö) Laudwchrstr. II, bei Meister. Vortrag des Hrn. Dr. Knntz. Versch. Allgemeine Betheiligung nothwendig. «»«�0» auf Beschluß der letzten Partei-Versammlung fallen Montag, den 20. und 27. Dezember, die Bersamnilungen aus, finden aber von da an wieder regelmäßig Montags statt. Die Restanten werden ersucht, ihre Bei- träge an denselben Tagen im Verkehrslokale Galeriestraße 1 zu eMrichten. (F. 79.) Der Agent.[1,80] i Elberfeld. bei Herrn Hunscheid, Friedrichsstraße, Mitgliederversammlung des Elberf. Arveiter-Verein. In demselben Lokale findet am 1. Weih- • nachtrabend eine Abend-Unterhaltung statt. �(F. 88.) P. Hüttenberger.[1,60] Üllcuc Zeitung!! Vom 1. Januar I87<; ab erscheint zu Berlin unter dem Titel: Derliiicr Freie Presse (Motto: Freiheit! Gerechtigkeit!) eine große, unabhängige Tageszeitung, mit der illustrirteu Sonntags-Gratis- Beilage Die Neue Welt, (Blätter für Unterhaltung und Belehrung, in Form und Ausstattung der„Garten- laube", 8 Seiten gr. Quart) zum Preise von vierteljährlich 4,99 Mark, monatlich 1,55 Mark. Man abonnirt bei allen Post- Nnstaltcn und Zpedite»»rcn. 'Annmieen kosten die sünfgespaltenc Petitzeile für Geschästsanzeigen ic. 25 Pf., für den Arbeitsmarkt 10 Pf. Allen Gönnern einer wirklich„freien Preffe" empfehlen obige Zeitung zum Abonnement. Berlin, 16. Dezember 1875. ___ Die Zeitungs Kommission. Englischleder-Anzüge (anerkannt beste Qualität) versenden zollftei gegen Postvorschuß Jaquet Mk. 17,00, Hose 9,60, in weiß 9,50, Weste Mk. 4,00, bestes Englisch-Leder pr. Meter Mk. 3,60.(F. 84.)[4,50] Henry Jsaacs«. Co., Altona, Kl. Elbstr. 22, im alt. engl. Laden. Meinen geehrten Parteigenossen empfehle mein Uhrcnlaa er. Nc- paraturen unter Ijähr. Garantie. A. Grüger, Uhrmacher, Skalitzerstr. 120, Ecke Mariannen- straße, Berlin SO.[3,00] Weinen geehrten Parteigenossen empfehle mein Uhrmacher-Gc- schäft. Reparaturen und neu« Uhren unter mehrjähr. Garantie. (F 110.) D. Ellinahause«, Uhrmacher, Alexanderstr. 44, Güstrow. Allen Freunden und Parteigenossen empfehle ich zu allen im Schuhmacherfach vorkommenden Arbeiten[2,50] Otto Wollschläger, Kl. Schloßstr. 720. Druck und»erlag der Slllg. deutschen«ffoctation»-vuchdruckerei zu Berlin, Eingetragen« Genossenschaft, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a. Verantwortlich für die Redactton: H. Lange in Berlin.