Nr. 152. Diese Zeitung»r'cheint drerätal vschentkch, Uiib\rvax: Dienstoo«. DonnerttojK un? ©onno�iioä Abends Aestellxng« n Verden bei-Zen H.isl.'imtern, n Berlin bei der ExpeSltioiv, sosi« bei j-dem T?kdit«ur entgcgeng?nounn:n. Freitag, den 24. Dezember 1875. Neuer Social Demokrat. Organ der Socialistischen Arbeiter-Partei Deutschlands. 5. Jahrgang. Kedactioa u. Exvrvitio»: Berlin, Li)., Kii'er Fr.rnz-Grenadier-Pl. Jieserulc (nur in der Truedition geben) «erdenpro iüns�! spalten« Beiit» reile mit oO Pf. berechne!. Äer saminlungS-Annoncen die iüns- zespaltene Petitzeile oder derex Raum A) Pf. Sogenannte Sie. llame-Auzeigen werden nicht aujzenonimen Nbouuemetits-PrciS: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich praermmerando 1 Rm. KS Pf., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.,' bei den Postämtern in Deutschland incl. 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Aus Frankreich.— Belgisches.— Pia nono und die orientalische Frage. — Der Bischossche Antrag.— Sieben Millionen Soldaten.— Zur Bremerhafener Katastrophe.— Bourgeoisinteresse für die Arbeiter.— Spiele nicht mit Schießgewehr.— Bourgeoishumanilät.— Hof-Carne- val.—' Straßburger Bombardements-Entschädigungen. äuncrc Parteiangelcgenhcitcn. orrespondenzen. Flensburg— Nienstedten.— Berlin.— Bremen.— Hamburg.— Osnabrück.— Verden.— Altona.— Meißen. Feuilleton: Gieb uns unser täglich Brod.— Aus Strousberg's Glanzepoche. Die Arbeiter nochmals als Blordbrenncr. Dem Deutschen wohnt eine wahre Lammesgeduld iime; iveun ihm so arg mitgespielt wird, daß den Angehörigen jeder anderen Nationalität das Blut in Wallung gerathen würde, es sei denn ein thrantrilikender Eskimo, singt er: „Freund, ich bin zufrieden, geh' es, wie eS will." Gerade in der Gegenwart erleben wir dies, so daß es ein Jammer mit anzusehen ist. Keine Arbeit, kein Brod, Bankerott und Exekution überall; die Roth guckt durch die Thür; Parole von oben:„Fleißiger sein und weniger genießen"; dabei keine Aussicht auf Besserung der socialen Lage— und doch giebt es noch ungeheure Massen von deutschen Arbeitern, welche, fromm, voll Milch der frommen Denkungsart, diese „Schickung Gottes" still hinnehmen, bereit find, ihrem Nächsten die Schuhe zu putzen, nota bens wenn er einen wohlgefüllten Geldsack hat, und höchstens ihrem Grimm- in blindem Haß gegen„den Franzosen" Luft machen. Am deutlichsten aber zeigt sich dieser trübselige Charakter- zug des Deutschen, wenn das Volk nicht nur leidet und schweigt, sondern zum Schaden sich noch Spott und Hohn mit Duldermiene gefallen läßt, die Hand küßt, welche es in's Gesicht schlägt. Und in der That leistet die Presse in dieser Hinsicht gegenwärtig Beispielloses. Sie schämt sich nicht, dieselben Arbeiter, welche trotz eines Nothstandes, der seines Gleichen sucht, sich bis heute jeder Gewaltthat ent- halten haben, in's Blaue hinein als eine Rotte von Mör- dernr..Räubern und Mordbrennern hinzustellen und mit eherner Stirn diese Verläumdung aufrecht zu erhalten. - In kier Nummer vom vorigen Sonntag wiesen wir eine nicht mißzuverstehende Schmähung der„Deutschen Landeszeitung" zurück, welche wir des Zusammenhanges halber hwr nochmals folgen lassen. Sie lautete: „Nie mand in Berlin verschließt sick vor dein Gedanken, daß ein finsterer, unheimlicher Geist des Unmukhs, und Ver derbenS in den unteren Schichten des Volkes herrscht — wer ihn heraufbeschworen, dos wissen unsere Herren National- Liberalen mir zu gut.— Gründer— oben, Petroleum— n nten. Das scheint die artige Devise unserer Zeit zu werden." Diesen Ausspruch that die„Deutsche Landeszeitung" im Hinblick auf die massenhaften Brände von Fabriken, und derjenige muß wahrlich wenig Witz haben, welcher nicht daraus ersieht, daß jenen„untersten Schichten des Volkes", das heißt den Arbeitern, hier Mordbreniierei mit Petroleum angedichtet wird. „Petroleum" als Sinnbild der Social-Demokratie ist ferner für den Bourgeois ein Kalauer, der ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wir wiesen daher in der Sonntagsnummer mit Ent- schiedenheit diese Verdächtigung der Arbeiter, speziell der socialistischen zurück. Jetzt aber fehlt uns in der That der gebührende Ausdruck für die Hetzerei der„Deutschen Landes- Zeitung", denn auf unseren Artikel hin wiederholt sie, ohne jede Scheu, nochmals die Verläumdung der deutschen Arbeiter, sie seien es, welche die Fabrikbrände verschuldet hätten. Wenn jene Zeitung sich entschuldigt, nicht die Socia- listen im Auge gehabt zu haben, als sie das„Petroleum" angezogen habe, den»„Petroleum sei nicht gleichbedeutend mit social- demokratischer Partei"- so ist das eine Aus- flucht, billig wie Brombeeren. Denn wenn ununterbrochen Witzblätter und Journale die Socialisten mit dem Petroleum karrikiren und denunziren, wenn die Hanswursten der modernen Theater mit Knüttel und Petroleniii den Bourgeois zum Lachen reizen, dann ist Derjenige, welcher die An- spielung nicht merkt, ein armer Tropf. Wir können aber ganz außer Acht lassen, daß unsere Partei beschimpft ist, die Hauptsache ist, daß die Arbeiter verläumdet werden. Die„Deutsche Landes-Zeitnug" be- hauptet nämlich erneut: „Daß im unteren Volke unter denk Bourgeois-Re- giment die Verwilderung und die Verbrechen zu- nehmen, ist eine durch die Statistik bewiesene Thatsache; die Schuld aber liegt nicht beim Volke, auch nicht bei der Social-Demokratie, sondern in der geradem verrückt zu nennenden Großbörsen- und Jndustrie-Sonderschaft alias in dem„Reichsjudenthum", welches indirekt Alles beherrscht..... „Einzelne im Volke— und zwar schon ein ganz ansehnlicher Bruchtheil,— nämlich alles das, was sich jetzt ans Gnaden und unter drückenden Bedingungen in Arbeit beschäftigt oder wohl gar arbeitslos doch durch die Gründer-Glanzepoche hierher als irregeleitet sich fühlt: denkt in der That unmuthig und finsteren Geistes über diese Zustände. GründeVivirthschast, wenn sie ihren Weg ungehindert weiter läuft, führt ohne Gnade zu Petroleum und zur Pariser Commune..... „Also kurzweg: Wir haben die Social-Demokratie im obigen Satz gar nicht gemeint, noch weniger sie für etwaige Ausschreitungen Einzelner aus dem Volke verant wortlich gemacht." Die„Deutsche Landes-Zeitung" macht durch diese Aus- spriiche die Sache schlimmer statt besser. Und wenn es „Einzelne im unteren Volke" sein sollen— für welche die Verantwortlichkeit unserer Partei nicht aufgebürdet wird — die jene Fabriken mit Petroleum angezündet haben sol- len, so ist und bleibt das eine Verläumdung der Ar- beiter. Mögen gewisse Verbrecherklassen durch die heutig� Gesellschaft Schrecken erregend zunehmen, so ist es anderer- seitö Thatsache, daß die Organisation der Arbeiter im Kampf gegen das Kapital sie sittlicher macht und ihr Ehrgefühl er- weckt. Die„Verwilderung des Volkes" ist eine unbewiesene Beleidigung desselben. Wer aber, zum Teufel, kann den mindesten Beiveis dafür erbringen, daß Arbeiter Urheber der Fabrikbrände sind?— Wenn in der jetzigen Zeit des„Krachs" irgend einem halb- oder ganz bankerotten Fabrikanten der„rothe Hahn" auf dem Dache seiner gut versicherten Fabrik kräht, PUthmaßt der Kriminalist einen brandstiftenden Ar- beiter? O nein, de» Attentäter wird dort gesucht, wo der Fabrikbkävd. Vorth eil schafft. Und wenn also ab- sichtlich angelNz�v'Bvchide in der letzten Zeit entdeckt werden, dann hat niaü tue Uebelthäter„in den oberen Klassen" der Gesellschaft zu suchen. Auch der Verbrecher Thomas, der Attentäter zu Bremerhasen, war ein spekn- lativer Bourgeois. Noch bei keinem socialistischen Aufstande, so viele deren auch die Geschichte kennt, haben die kämpfenden Arbeiter geplündert; sie dachten an die Errichtung einer Arbei- terregierung, nicht aber an's Beutemachen. Und was in den Stürmen der Revolution, in Mitten des brausenden Schlachtenlärms der Arbeiter stets verabscheut hat— das feige Verbrechen,— dadurch sollte in diesem Augenblick, wo er sich der friedlichen Ausbreitung des Socialismus weiht, sein Thun beflecken? Sickierlich nicht! Mit schärfstem Protest also schleudern wir die Per- leumdung des deutschen Arbeiters zurück, er habe sich zum „Brandstiften" herbeigelassen; mag die„Deutsche Landes- zeitung" den„bankerotten Gründern" auf den Zahn fühlen, dort vielleicht findet sie das Gesuchte. Der Arbxi- ter, socialistisch und nicht-socialistisch, aber hält auf Ehre, * Die„Deutsche Landeszeitung" behauptet, der„Volks- staat" habe sich in seiner Nummer vom 12. Dezember in gleicher Weise, wie sie selbst über die Ursache der Fabrikbrände geäußert. Wir bemerke»! dazu, daß»vir in der beregten Nummer desselben überhaupt keine Notiz über jene Brände gefunden haben. Als sicher ist aber an- zunehmen, daß der„Volköstaat" sie nicht den Arbeitern zugeschrieben haben wird! Politische Uebersicht. Berlin, 23. Dezember. Für den deutsche« Botschafter in Rom sollen weitere 190,000 Mark jährlich bewilligt werden.~ Hm! Die Kaiserreise nach Italien hat bereits eine erkleckliche Summe Geldes gekostet und jetzt gar eine jährliche Mehrbelastung unserer Ans- gaben nm 100,000 Mark.— Da werden uns die„freundschaft- lichen Beziehungen" zu Italien doch gar zu theuer und obendrein trauen wir ihnen eben so wenig, wie allen anderen. Aber das stolze deutsche Reich verlangt eine entsprechende Repräsentation und für unsere Kammermajorität ist dieser Grund hinreichend, selbst wenn sie weiß, ivie sehr nöthig wir anderwärts das Geld brauchen. Zur Eisenbahnfrage, d. h. dem projektirten Ankaufe sämintlicher Bahnen durch das Reich, bemerkten wir bereits in unserer vorigen Nummer, daß sie den reichskauzlerischen Absichten, betreffs einer festen Zentralisation und dadurch herbei- geführten Schwächung aller Einzelstaaten, durchaus entspräche und die reichstreuen Blätter, voran die edle Magdeburgerin, haben sich beeilt, unsere Ansicht zu bestätigen. Sie sagen, nicht allein finanzielle Rücksichten sind entscheidend, sondern nicht minder politische.„Es handelt sich hier um einen Besitz, der die Autorität, die Aktionsfähigkeit und die Festigkeit des Reiches i» mächtiger Weise erhöhen würde. Neben der einheitlichen Armee und dem gemeinsamen Parlamente würden die Eisenbahnen dem Reiche den stärksten Zusammenhalt gewähr ren: die vielen Schienenstränge»vürden recht eigentlich wie eiserne Klainmern das große Baterland umspannen. (Wie„eiserne Klammern"! Der Vergleich ist treffend. D. R.) Das größte Hinderniß aber,»velches der Ausführung dieses vom nationalen Standpunkte nur zu billigenden Planes entgegensteht, ist das Selbstgefühl der Partikularstaaten, welche ivohl wissen, daß sie einen Thcil ihres Machtbesitzes opfern, wenn sie die ihnen gehörigen Bahnstrecken dem Reiche überlassen. Preußen will zwar nach den Aeußerungen des Fürsten Bismarck mit gutem Beispiele vorangehen,(Weil seine Großmächtigkeit dadurch nur gewinnen kann; weit dann nicht Preußen im Reiche, sondern, wie freilich zumeist jetzt schon, das Reich iin pickelbehaubien Preußen aufgeht! D. R.) und auch Camphausen, der früher ein Gegner des Planes war, scheint die überwiegenden politischen Nützlichkeitsgründe, welche das Reich geltend machen kann, anzuerkennen. Ob aber Sachsen, Würteinberg und namentlich Bayern sich gefügig zeigen werden, scheint uns zweifelhaft." Uns auch! Zu wiederholten Malen ist von Arbeiterblättern darauf hin- gewiesen worden, wie nothwendig es sei, daß die arbeitende Klasse der Bevölkerung ihre Vertreter in Magistrat und Gemeinde- Vorstand haben müsse, speziell in der Einschätzungs- Behörde, weil viele dieser Herren oft mit der größesten Nach- lässigkeit ihr Amt verwalten, die begüterte Klasse zu gering ein- geschätzt wird, und eine wahrhaft erdrückende Steuerlast die ärmere Bevölkerung trifft. Eine Zeitungsnotiz aus Dresden scheint jedoch dieser Sache die Krone aufzusetzen. Als Kurio- sunt wird nämlich darin berichtet, daß es sich durch die Volks zühlung herausgestellt hat, daß es in Dresden 209 Häuser giebt, welche nicht im Brandkaiastcr eingetragen waren und von denen deshalb auch keine Miethssteuern gezahlt wurden. Der dadurch entstandene jährliche Ausfall an Steuern hat ca. 6— 7999 Thir. betragen.— Die Herren, welche diese Thatsache als ein ein- faches Kuriosum bezeichnen, thäten gut, gleichfalls dabei zu be nierken, wie viel Steuer-Exekutionen erfolgt sind bei der ärmeren Klasse, deren Häuser Niemand iin Wege stehen, die man aber trotzdem bei der Steuererhebung, wenn auch nicht bei den Ge- meindewahlen, zu finden wußte. Die letzte Volkszählung hat uns trübe Bilder aus unse- rem sociale» Leben vorgeführt. So berichtet, um nur einen Fall sprechen zu lassen, im Graudenzer„Geselligen" ein Volküzcchler aus dem Kreise Marienwerder(Provinz Preußen) schauerliche Einzelheiten:„Ein entsetzliches Bild westprcußischer Kultur entrollt sich da vor unseren Augen. Herr Dr. Engel, der Direktor des statistischen Bureaus, hätte der Wissenschaft ganz gewiß einen sehr wesentlichen Dienst erwiesen, wenn er zu den freilich schon vielen Frage- auf seinen Zählblättchen, auch noch die hinzu gefügt hatte: Wie viel Wohnzimmer»varen überhaupt geheizt? Wie viel betrug der Rauminhalt des Wohn- und Schlafzimmers der Arbeiterfamilien(wir fanden wahrhafte„Löcher" von Stuben), und wie sah es darin»nit der Reinlichkeit aus? Und endlich: Wie viel Zählblättchen hatten die Haushalwngs-Vorstände selbst ausgefüllt oder auch nur durch ihre NaincnSuntcrfchrift vollzogen? Von allen diesen wichtigen Dingen will Herr Dr. Engel nichts. wissen, und doch wäre die Antwort daraus recht geeignet, ein richriges Bild ooa der Kultur mancher preußischen und deutschen Provinz zu liefern. Ungeheizte Wohnzimmer— höchstens ver- breitete em Kohlengrapen mehr erstickenden Dunst als Wärme— trafen die Volkszähler besonders in der Umgegend von Marien- «erder in Menge an. Die erstarrten Kinder, naturlich noch Mittags auf dem Strohlager, bedeckt mit einem von Schmutz strotzenden Pfuhl, vertrieben sich die Zeit mit dem Verspeisen von rohen Wruken und Mohrrüben. Am fatalsten erging eS den Bolkszählern oft bei der Ermittelung und Feststellung des Alters, des Geburtstages und-Jahres. Ob das Kind Sonntags oder Montags das Licht der Welt erblickt hatte, wußte inanche Mutter ziemlich sicher zu sagen, sie hatte aber keine Idee von Datum und Jahreszahl! Dieser und jener Vater konnte zwar erzählen, daß sein hoffnungsvoller Sprosse so und so viele Jahre vor oder nach dem letzten österreichischen oder französischen Kriege geboren worden, oder ein altes Mütterchen meinte, sie wäre bei Ausbruch der ersten Cholera eben eingesegnet worden, oder endlich der Groß- vater, er sei bei der Flucht der Franzosen aus Rußland schon ein strammer Gänsehirt gewesen;— aber was war anzufangen, wenn erklärt wurde, der Geburtstag dieses oder jenes Staats- bürgers sei so oder so viele Tage und Wochen vor oder nach Ostern, vor oder nach Pfingsten erfolgt? Die überwiegend große Mehr- hcit der Zählblättchen mußten denn auch die Zähler selbst aus- füllen, da die Mehrheit der Haushaltungs-Vorstände des Schrei- bens vollständig unkundig war.— Ungeheizte Zimmer im kalten Winter, keine Möbeln, Mohrrüben und Wruken fast als einzige Nahrung und die Bewohner durchschnittlich des Lesens und Schreibens unkundig"—— fürwahr die� beste Illustration zur „Fürsorge für die arbeitenden Klassen" im heutigen Staate. T i> i~if'_.»■____.-— 11 Annexionsfreundlicherseits behauptet man jetzt, daß eine zahl- reiche Rückwanderung aus Frankreich nach dem Elsaß statt- finde, um sich dort am„heimischen" Herde der„Segnungen" des deutschen Reiches zu erfreuen.„Die Botschaft hör' ich wohl— Allein mir fehlt der Glaube.". In Frankreich erregt zur Zeit eine von dem Dr. Vro- chard über die Sterblichkeit der unehelichen Kinder her- ausgegebene Schrift außerordentliches Aufsehen. Es bestand früher eine offizielle Beaufsichtigung dieser Kinder, die den Hos- pitalverwaltungen zugewiesen wurden, wie es das Angemessenste ist, jetzt aber ungehöriger Weise der Departemental-Verwaltung unterstehen, die sich nicht um sie bekümmert. Seit diesen Ab- änderungen in der Behandlung der Findlinge ist, sagt der Be- richt des Dr. Brochard, die Zahl der Kindesmorde außer- ordentlich gestiegen, die der Fehlgeburten unbercchen- dar, hat sich die Zahl der Todtgeborenen verfünffacht, so daß man die jährliche Sterblichkeit unter diesen unehe- lichen Kinder auf 50,000 veranschlagen kann.— Der Hauptgrund dieser empörenden Thatsache ist in der falschen Auffassung und Begründung unserer Ehe zu suchen und in weiterer Folge in der gänzlichen Verkehrtheit und Unzulänglichkeit unserer heuti- gen Produktionsweise; man befreie die Unehelichkeit von dem Brandmal der Schande, man mache es Jedermann möglich, seine Kinder zu ernähren, wie das Beides in einem socialistiscben Staate der Fall sein würde, und die Fälle von Kindcsmoroen (absichtlich herbeigeführten) Fehlgeburten und todten Geburten werden in weit schnellerem Maße abnehmen, als in welchem sie jetzt trotz der strengsten Koytrole zunehmen inüssen. Unsere ge- sellschaftlichen Einrichtungen rächen sich durch ihre innere Falsch- heit. Die Aufgabe Aller ist es daher, sie zu ändern, aber nicht durch phrasenhaft moralische Ergüsse, sondern durch die That. Aus Belgien wird schon wieder eine gräßliche Explosion, und zwar aus den Kohlengruben von Frameries bei Möns gemeldet. Am 19. dss., gegen 8 Uhr Morgens, in dem Augen- blicke, wo 125 Arbeiter in einer Tiefe von 520 m. beschäftigt waren, fand eine Explosion schlagender Wetter statt, �welche den Tod fast aller dieser Unglücklichen zur Folge hatte. Sofort nach dem unheilverkündenden Schalle eilten die Verwandten und Frelinde der eingefahrenen Bergleute jammernd zur Grube. Als die erste Aufregung sich gelegt, traf man sofort Anstalten zur Ans Strousberg's Glanzepoche. Jetzt, wo der große Gründer Strausberg gestürzt ist, mag es an der Zeit sein, einen Rückblick auf seine einstige Vergötte- rung zu werfen, bei welcher natürlich ein gut Theil selbst ge- machter Reklame mit unterlief. Er ivar Abgeordneter des Reichs- tages— man sagt, die Wahl habe ihm 10,000 Thaler zur Agitation gekostet. Erschien er dort, so bewegte er sich inmitten einer Gruppe von Granden des Reiches, darunter Fürst Pleß, der Herzog von Ratibor, der Herzog von Ujeft und Andere aus altem gräflichen und fürstlichen Hause. Durch seine rumänischen Eisenbahn-Spekulationen üotc er auf die hohen Gründer solchen Einfluß aus, daß sie gewissermaßen als seine Untergebenen er- schienen. Als z. B. der Herzog von Ujest zum Vizepräsidenten des Reichstages gewählt wurde, machten einige Abgeordnete den guten Witz, auf ihre Stimmzettel„Strousbcrg" zu schreiben, sie sagten dann, wenn wir einmal Einen von den„Rumäniern" wählen sollen, wählen wir lieber den Meister, als den Gesellen. Kam man unter die Linden, so lag dort iin Schaufenster bei Eichler eine Schrift von Ernst Korsi— das heißt von dem be- kannten Redakteur Held— welche die Biographie des Millionärs enthielt; blieb man vor irgend einem Bilderkasten eines Photo- graphen stehen, so blickte Einem Strousberg's Konterfei entgegen; trat man in eine Konditorei und nahm ein Journal,„Die Post", zur Hand— so war ihr Eigenthümer Strausberg. Aus dem Rennplatze waren Strousberg's Pferde das Tagesgespräch; im Thiergarten blieb Alles sofort stehen, wenn Strausberg mit sei- nem ungarischen Viergespann vorübcrsauste. Strousberg war gepriesen in Wort und Schrift; feile Federn verglichen ihn mit dem edlen Kaufmann von Venedig und einer seiner Lobredner meinte, daß Berthold Auerbach in seinem„Land- Haus am Rheim" auf Strousberg die Worte gemünzt:„Viel Geld erwerben ist eine Art Tapferkeit, Geld bewahren erfordert eine gewisse Weisheit, und Geld schön ausgeben ist eine Kunst". Der„Social-Demokrat" allein ließ sich durch Strous- berg nicht blenden und als er das— was die anderen Zeitungen als„guten Witz" erzählt hatten— brandmarkte, nämlich, daß bei einer üppigen Prasserei in Strousberg's Palais ein ganzes Bassin mit Champagner gefüllt und Goldfische darin zu Tode gequält waren, da fiel die ganze deutsche Presse wie eine Meute über ihn her. Endlich aber erwiesen sich seine Spekulationen als arg schwin- delhast. Man zuckte in der Kaufmannschaft Berlins die Achseln, sobald von Strousberg die Rede war. Als der Krieg von 1870 ausbrach, verbreitete sich das Gerücht, Strousberg's Kredit sei wankend, und nur seine hohen Verbündeten hätten ihn gehalten, um jede Katastrophe der Börse Berlins hintanzuhalten. Es war nicht blos Neid unter den„Geldjuden", daß Baruch Hirsch aus Neidcnburg in Ostpreußen es so herrlich weit gebracht; es war vielmehr das Bedenken, daß man so gar nichts von seiner Ver- Rettung. Die Arbeit war wegen der erfolgten Einstürze und Verschüttungcn äußerst schwierig, indessen gelang es nach einiger Zeit doch, zehn mehr oder weniger verbrannte Arbeiter heraus- zuziehen. Die Rettungsversuche wurden energisch fortgesetzt. Die Zahl der Opfer beläuft sich auf 122, von denen III Unmittelbar erstickt sind. Vier Menschen sind noch nicht zu Tage gefördert. Von den zehn Verwundeten sind noch zwei in der Nacht gestor- ben, und oer Zustand von vier anderen ist sehr besorgnißerregend. Unter den Verunglückten befinden sich 11 Frauen und ein junges Mädchen. Auch zahlreiche Pferde sind in den Stollen durch Ein- stürze umgekommen. Viele Todte ivaren hierbei entsetzlich verstümmelt und verbrannt. Der Jammer der Hinterbliebenen am Rande des schaurigen Grabes war herzzerreißend. Mütter, Gat- tinnen, Brüser, Schwestern, Kinder— alles stürzte verzweiflungs- voll zwischen die unabsehbare Reihe der Leichen, um die Ihrigen zu suchen. Und wer trägt die Schuld an dieser furchtbaren Katastrophe? Zwar heißt es, daß die Behörden unv die Untersuchungsrichter sofort an den Ort des Unglücks sich begeben hätten, um der Ur- fache der Entstehung nachzuforschen, aber der Arbeiter weiß nur zu gut, daß in solchen Fällen die Untersuchung immer eine höchst unzuverlässige ist. Die Kommission, welche die schweizerische Regierung behufs der Göschener Affaire niedersetzte, hat bekannt- lich ihre Aufgabe der Art erfüllt, daß es den Arbeitern lieber gewefe», sie wäre ganz zu Hause geblieben.� Der Papst weiß eine sehr schleunige Lösung der orien- talischen Frage; er hat sie kürzlich zu einem seiner Kardinäle geäußert. Nach seiner, freilich unmaßgeblichen Meinung sollen die Türken einfach aus Europa hinausgejagt werden, damit er endlich einmal diese Heiden los werde und ein neues Feld für seine„unfehlbare" Thätigkeit finde. Der arme, alte Mann wird doch immer schwächer! Der im österreichischen Parlament gestellte Fischhoff'sche Antrag auf Verminderung der stehenden Heere bringt wiederum einen Theil unserer liberalen Blätter auf das Thema des„allgemeinen Völkerfriedens" und der„Abschaffung der stehenden Heere" zu sprechen. Der erstere ist in ihren Augen eine kindische Schwärmerei, worüber wir uns bekanntlich nicht, zu wundern brauchen, da diese Leute an und für sich nicht die Kraft besitzen, sich für die Hoheit, Würde und Heiligkeit einer Idee zu begeistern, auch wenn deren Verwirklichung noch in weitem Felde stehen sollte;— über den ziveiten Punkt wollen wir einmal der „Tribüne" das Wort geben. In ihrer Nummer vom 21. dss. führt sie aus: „Die„gänzliche Abschaffung der stehenden Heere" und ihre Ersetzung durch ein allgemeines Völkertribunal sind Luftgebilde, die nicht nur nie Gestalt gewinnen können, sondern deren Ver- wirklichung der fortschreitenden Kultur geradezu schädlich wäre. Nur den stehenden Heeren verdanken wir das Ende jener gräuelvollen Barbareien, die dem dreißigjährigen Kriege sein ab- schreckendes Gepräge geben. Die stehenden Heere verbürgen Ruhe und gesetzliche Ordnung innerhalb des Staates, und wenn man sagt, daß sie den Despotismus hier und da begünstigen, so ist das immer noch ein kleineres Uebel, als Anarchie und Pöbel- Herrschaft." Da haben wir die alte Geschichtsfälschung!— Die stehen- den Heere haben die Kriegsgräuel nicht beendigt, sondern sie haben sie vielmehr endlos gemacht, und wenn es irgend ein Mittel gegeben hat, den Despotismus nicht nur zu„begünstigen", sondern erst möglich zu machen, so waren das die„stehenden Heere". Ihre Abschaffung aber gleichbedeutend zu machen mit dem Beginn von„Anarchie und Pöbelherrschaft", ist das vielbe- liebte Mittel, die furchtsamen Philistergeinüther vor der Aende- rung des herrschenden Systems des Militarismus zurückzu- schrecken. Man stellt sie zwischen die immerhin selbst für sie trau- rige Wirklichkeit des kostspieligen— und an dem Punkte sind selbst die Philister empfindlich— Militarismus und der„bluti- gen Schrecken" des„rothen Gespenstes", und der Philister ist noch zu dumm, um sich nicht vor einem„Gespenste", das in Wahrheit eben auch nichts weiter ist, als ein Gespenst, mehr zu gangenheit gewußt, das die Kaufmannswelt jetzt mißtrauisch gegen ihn machte. Er kam, wie das Mädchen aus das Fremde; man wußte nicht woher. Aus Baruch Hirsch war Barchel Heinrich, endlich ein Bethel Henry geworden. Er selbst ließ durch Lohn- schreiber endlich etwas über sich verlauten, daß er 1835, zwölf- jährig, seinen Vater verloren, auf einem mit Oelkuchen bestach- teten Schiffe von Pillau nach London gefahren und dort bei seinen Onkeln, Exporteuren, in Dienst gttreten sei, die ihn in der Dunstanskirche in Flcetstreet anglikanisch taufen ließen. Er trat als Reporter in den Dienst englischer Journale. 1848 ging er nach Amerika, lebte dort als Sprachlehrer und machte daselbst ein glückliches Geschäft an Schnittwaaren, die Havarie gelitten hatte. 1850 kehrte er nach London zurück, kaufte irgendwo und irgendwie ein Doktor-Diplom und gab 1852 bis 1855 ein Hau- dels-Journal heraus. Im Jahre 1856 kam er nach Berlin und begann das Penny-Blatt:„Der illustrirte Omnibus", das aber schon mit der dreizehnten Nummer einging. Er warf sich nun auf die Affekuranz-Branche und war sieben Jahre Generalagent der englischen Gesellschaft„Waterloo". Es gelang ihm, als Halb-Engländer, Verbindungen mit der englischen Gesandtschaft anzuknüpfen; durch diese trat er mit eng- tischen Kapitalisten in Geschäftsbeziehungen und baute als der erste„General-Unternehmer" die Tilsit-Jnsterburger Eisen- bahn. Er begann nun Konzessionen zu erwerben und verschaffte seinen Kapitalsgebern die Ostpreußische Südbahn. Bald trat er als selbstständigcr Bau-Unternehmer auf. Er ist der Erfinder der berüchtigten General-Entreprise, wodurch ein Einzelner den ganzen Bau einer Bahn übernimmt, im Kleinen an einzelne Unternehmer wieder ausbietet und so auf Kosten der Bahn ungeheure Gewinne macht. In acht Jahren hatte er gebaut oder im Baue: die Tilsit- Jnsterburger, die Ostpreutzische Südbahn, die Bcrlin-Görlitzer, die Rechte-Oder-Ufer-, die Märkisch- Posener, die Halle-Sorau-Gubcncr, die Hannover-Altenbecken-Bahn, die Ungarische Nordostbahn(mit vier Linien), die rumänischen Eisenbahnen und die russische Linie Grajewo-Bialystok. Das war im Jahre 1870. Der Eisenbahn- König hatte fast sechshundert Millionen Thaler in seinen Unter- nehmungen stecken und hunderttausend Arbeiter in seinem Dienst. Aber Strousberg war nicht blos ein mächtiger Eisenbahn-Bauherr, er erwarb eine Menge von industriellen Unternehmungen, Häusern, Gütern, Baugründen, so die Schienenwalzwerke von Dort- mund, Blechwalzwerke und Bergbau zu Neustadt, eine riesenhafte Maschinenfabrik in Hannover, bei welcher er eine Kolonie von zweitausend Arbeitern ansiedelte. Eisensteinwerke zu Altwasser, die südliche Citadelle von Antiverpen, an deren Stelle ein neuer Stadttheil entstand„Port Strousberg". Er erbaute in Berlin das große Viehmartt-Etabliffemcnt, nebst Schlachthäusern, Vieh- börse und Eisenbahn, die Markthalle am Schiffbaucr-Damm, eine Anzahl Häuser und sein Palais in der Wilhelmsstraße; endlich erwarb er zehn große Herrschaften in Ost- und Westpreußen, in Posen und Brandenburg, Rittergüter, eine Grafschaft von 108,000 fürchten, als vor der traurigsten Wirklichkeit. Er fleckt den Kopf in seine Vorurtheile, welche die herrschenden egoistischen Parteien auf kluge Weise zu nähren sich bemühen, zahlt seine Steuern und schimpft auf die nichtswürdigen„Rothen", die selbst seine Träume beunruhigen. Das wirksame Mittel, der Wahrheit in's Angesicht zu schauen, entgeht ihm; denn er lebt mit immer gc- schlossenen Augen, und erlaubt man ihm einen Blick in die Welt, so darf das nur durch eine gefärbte Brille geschehen. Eine solche Brille ist auch die oben erwähnte Ausführung der„Tribüne". Nach einer'vör Kurzem vom Staatssekretär des Auswärti- gen in England, Lord Derby, über die sogenannte orientalische Frage gehaltenen Rede gebieten die vier großen Staaten des Kontinents über sieden Millionen Soldaten. Wenn der Redner im weiteren Verfolge dann hinzusetzt, daß alle Rc- gierungen Europas in dem Wunsche nach Erhaltung des Friedens einig sind, so weiß man wirklich nicht, ob der Herr seine Zuhörer für so dumm hält, diese waghalsige Behaup- tung zu glauben oder ob er bewußt lügt. Letzteres ist das Wahr- scheinlichere. Sieben Millionen Soldaten und dabei der Wunsch nach Erhaltung des Friedens! Doch der Widerspruch ist so furchtbar einleuchtend, daß wir darüber kein Wort weiter verlie- rcn. Aber— siebe» Millionen Soldaten— welche Arbeitskraft repräsentiren sie, welche furchtbaren Summen verschlin- gen, welchen unberechenbaren Druck üben sie auf die Produktion und welchen noch viel unberechenbareren auf Moral und Hu- maniiät aus. Jbr Freunde der„stehendenHeere"! Rechnet dieses Exempel aus und führt es großen Volksversammlungen vor die Augen; wir wetten, daß die Socialdemokratie einen Massen- gewinn haben wird; aber deswegen scheut ihr euch eben vor sol- chen Ausführungen, wie ihr euch überhaupt vor der Wahrheit scheut! �'?--■ "p cru"(S üS"m'n f a) ist in seiner Civilisation soweit fortg?- schritten, daß es kürzlich Bankerott gemacht hat. Da mögen die Türkei und Oesterreich Herzklopfen bekommen. * Um ähnliche Unglücksfälle, bezüglich Verbrechen, wie das letzte in Brctnerhafe« vorgekommene, zu vermeiden oder doch nach Möglichkeit zu erschweren, empfiehlt die„Weserztg." staat- liche Beschränkung der Fabrikation der Sprengstoffe und des Handels mit denselben und fügt hinzu, diese gesetzliche Maßregel müßte, um genügend wirksam zu werden, eine internationale sein. Dieser Wunsch ist gewiß ein Ausfluß wahrer Menschlich- keit, und wir schließen uns ihm gern an; wir können aber nicht verstehen, wie man alsdann unsere Bestrebungen, die Mög- lichkeit eines mit allen Mitteln der Industrie, Kunst und Wissenschaft in's Werk zu setzenden Massenmor- des zunächst zu beschränken und schließlich ganz zu verhindern, von derselben Seite in's Lächerliche zu ziehen und als Utopien zu bezeichnen vermag. In beiden Fällen handelt es sich um die unmenschliche Vernichtung von Menschenleben; während man sie aber in dem einem Falle als ein entsetzliches Verbrechen bezeich- net, dessen Wiederholung nach Kräften unmöglich gemacht wer- den muß, hält man sie in dem anderen Falle für geradezu nö- thig oder doch gewiß unvermeidlich, niemals aber für ein Ver- brechen. Wo bleibt da die Konsequenz?— Aber freilich, bei unserem heutigen Liberalismus hört die Konsequenz mit demsel- ben Augenblicke auf, wo sie das„erlaubte" Maß.�n Denkensund Willensfreiheit überschreitet. ' Liberale Blätter berichten von einem vor kurzer Zeit ge- machten ansehnlichen Bernsteinfangc an der Ostsee, durch wel- chen die große Roth in den Fischerfamilien„vor der Hand etwas gemildert worden ist". Bei der Gelegenheit sagen sie weiter: „Ein interessantes, aber trauriges Schauspiel bietet sich dar, wenn ein Bernsteinfischer— Frauen und Kinder nicht ausgeschlossen— selbst bei der allergrimmigsten Kälte sich in's Wasser stürzen, um ein Stückchen Bernstein zu erhaschen, wobei ihnen der eisige Gischt der Wellen in's Gesicht und über den Kopf zusammenschlägt."— Also ein„interessantes" Schauspiel! Wenn also der arme Fischer unter den allerempsindlichsten und bittersten Verhältnissen der Morgen in Russisch-Polen. Als Juwel seiner Besitzungen b trachtete Strousberg die österreichische Staats-Domäne Zbirou. (102,000 Morgen gleich 15,000 österr. Joch), für 9 Millionen Gulden erworben. Die Czechen sahen mit Mißtrauen die Kolonie Strousberg'scher Beamter und mit Unbehagen das altczechische Schloß als Strousberg'sche Familienburg restaurircn. In Berlin war der Hauptsitz der Herrlichkeit; in der hoch- aristokratischen Wilhelmsstraße lag sein Palast voll überreicher ge- schmackloser Vergoldung. In diesem Palais verkehrten Staats- männcr und Generale, Künstler und Literaten. Der königliche Baumeister A. Orth hat dieses Palais geschaffen, Drake das Giebelfeld mit einem Hautrelief geschmückt. Das Vestibüle mit Oberlicht umfaßt zwei Stockwerke; eine Doppeltrcppe auv weißem Marmor führt zu den Sälen. In Strousberg's Arbeitszimmer blieb das Auge hasten an Vautier's berühmtem Bilde„Streit- scene in der Kneipe", an Oesterreichs Pettenkofcn„Ungarische Zigeuner", an Gemälden von Göröme, Fromontin. Links aus der Arbcilsstube tritt man in die„Bibliothek", ein Ovalraum mit Glaskuppel, in welchem 12,000 Bände untergebracht waren,- aber wenig gelesen wurden,— rechts das Billardzimmer. Oben war der fabelhaft luxuriöse Speisesaal. Der Wintergarten mit Tropengewächsen enthielt herrliche Marmorstatuen von Begas' Meisterhand. Angestaunt wurde insbesondere der Musiksalon, dessen hohe Glaskuppel durch Glasreflektoren tagesbcll beleuchtet wurde. Hinter einer breiten Draperie war ein Apparat angebracht, der eine senkrechte Wand niedersetzte und den Hintergrund einer Bühne bildete. Meisterwerke von Delacroix und des Düffel- dorfers Sohn im Auftrage Strousberg's gemalter„Notariats- Akt" zierten den„kirschrothen Salon"; dort sah man die Ca!ame's, die Meisterwerke Meissonier's, Arbeiten von Rosa Bonheur. Und dennoch ward dies Alles von der vielgepriesenen Bildergalerie übertroffen, welche die schönsten Werke von Achenbach, Hildebrandt und Gallait(„Trost in Tönen"), Knaus(„Die Dorfhexe") und vieles Andere enthielt. Gegenwärtig ist vieles von den Glücksgütern des Eisenbahn- Königs m andere Hände übergegangen. Sein Stern war schon seit Langem im Niedergange und eine Katastrophe wurde ebenso lange erwartet. Die Seifenblase, die in allerhand Farben glänzte, ist zerplatzt. In Prag, in Böhmen, in Ungarn wird der Sturz Strousberg's schwer empfunden. Vor etwa drei Wochen schon konnte Strousberg's Sohn den an die Bubnaer Waggon- Afificen- Gesellschaft schuldigen Wechsel in einem verhältnißmäßitx hehr geringen Betrage nicht zur Zeit, sondern erst nach ein iger Frist einlösen. Bald konnten nicht einmal die Arbeiter bezahlt werden. Nun ist über Strousberg der Konkurs eröffnet; er selbst befindet sich in einem russischen Gefänqnisfe krimineller Verbrechen wegen und hat Gelegenheit, über den Wechsel alles Irdischen nachzudenken. Das ist König Strousberg's Glück und Ende! Der A.est gehört den Gerichten! empfindungslosen Natur sein unzureichendes Stück Brod abkämpf:, wenn er seine Gesundheit und sein Leben daran setzt, um sich ehrlich zu ernähren, dann nennt man das„intereffant". Arbeiter! Lernt daraus das Interesse kennen, welches diese Herren für Euch, 'ür Eure trostlose Roth, für Euren unertödtlichen Willen, Euch selbst zu helfen, haben! Eure Dualen sind ihnen„interessant". ' Spiele nicht mit Schießgewehr. Als im Reichstage die Schutzzollfrage, die große Jnteressenfrrge über Eisen- und Stahlwaaren, besprochen wurde, hielt sich der Abg. Bamberger vom Abg. Stumm für persönlich beleidigt, und durch Anspielung auf eine Herausforderung glaubte er, sich gefährlich machen zu müssen. Der große Stumm war aber nicht blut- durstig und die Geschichte löste sich in Gemüthlichkeit auf. Am anderen Tage aber wendete sich das Blatt, denn der Abg. Bam- berger machte eine beleidigende Aeußerung über die„Revolver- presse" und gewisse Agitatoren des Katheder-Socialisten-Kon- gresses, welche der feudale Literat Rudolph Meier, Famulus von Ehren-Wagener, aus sich bezog. Dieser wurde nun sei- nerseits„gefährlich" und wollte sich mit Herrn Bamberger duelliren, denn er wußte, daß Jener sich nicht schlägt. Dem Letzteren aber sagte der Spaß diesmal nicht zu, und es wurde, wie es von Anfang an zu erwarten war, nicht„geinör- dert". Spaßhaft ist nur, daß Rudolph, der Revolver- mann, plötzlich so besorgt um seine Paukantenehre geworden ist. Im„Neuen Social-Demokrat" sind ihm und seinem Meister Wagener schon ganz andere Dinge, als durch Bamberger, gesagt worden, ohne daß er mit Säbel und Pistolen angerückt wäre. Freilich wäre ihm da auch ein recht warmer Empfang gewiß. * Die Bourgeois-Humanität ferert immer neue Trium» phe!— Aus Woolwich schreibt man: „Noch ehe die«vchießproben mit der neuen 81 Tonnen schweren Kanone begonnen hatten, wurde die Möglichkeit in's Auge gefaßt, noch viel größere Kanonen, von 100, 160, ja bis zu 250 Tonnen Gewicht, anzufertigen. Nach den befriedi- g enden(„befriedigend" soll wahrscheinlich hier bedeuten,„den Frieden sichernd". D. R.) Resultaten, welche mit dem Geschütz von 81 Tonnen erzielt wurden, hat man jedoch von einem sol- chcn Plane vorläufig Abstand genommen.(Wahrlich, ein be- wundernswürdiger Zug von Humanität! D. R.) Das Geschütz vermag Geschosse von Tonnen im Gewicht mit solcher Gewalt zu schleudern, daß sie auf eine halbe(engl.) Meile Entfernung zwanzig Zoll dicke Eisenplatten durchschlagen." Also„zwanzig Zoll Eisen" genügen nicht mehr zum Schutze gegen diese Pulver-Humanität— und wir sind doch nur von Fleisch und Blut! Aber— es ist ja auch nur auf Eisen, und nicht auf Menschen abgesehen, nicht wahrt *„An unserem Hofe bereitet man nichtamtliche Hofzeitung eine glänzende vor, welche diesmal lang ausgedehnt ist. Reichstages und des Landtages, welche um anwesend sein werden, sollen vielfach zu den werden."— Die Mitglieder des Reichs- Karnevalsfesten! Wir wünschen, ein großer faltete nur da seine Thätigkeit. — so schreibt eine Karnevalssaison Die Mitglieder des diese Zeit in Berlin Festen herangezogen und Landtages auf Theil derselben ent- � Endlich sind jetzt die Schäden des Bombardements von Straßburg cndgiltig festgestellt und, was die Hauptsache ist, auch vergütet worden' die Suncme beläuft sich auf 4,053,510 Francs, woraus man sich den ganzen Umfang des angerichteten Schadens jedoch kemeswegs berechnen darf: die verbrannte Bi- dliothek z. B. war wohl allein nicht weniger werth.— Im �lsaß überhaupt sind, abgesehen von jenen Gemeinden, für die Spezial-Kommissionen bestanden, nur 50,180,883 Francs zur Bertheilung gekommen. Dieses„Nur" soll nicht etwa eineMß- gunst ausdrücken; im Gegenthell halten wir diese Milliardenver- wendung'für die nochwendigste und mit die beste; die Kriegs- anbetcr und Erfolgsverherrlicher mögen sich aber diese Zahlen hinter die Ohren schreiben— zu den anderen! Gicb uus unser täglich Brod? lEin Weihnachtsdild.) Heil'ger Abend ist's zur Weihnacht!— Horch, im Lande weit und breit Künden es die Kirchenglocken laut und voll der Christenheit, Daß sie— nach der Priester Worten— mög' vergessen all' ihr Weh, Daß sie fröhlich sei und juble:„Ehre sei Gott in der Höh', Und der Friede allen Menschen, die da zuten Willens find, Weil zu Bethlehem geboren das verheißne Jesuskind: Der Messias, der Erlösung von der Sünden Schulden bringt, Der gebenedeite Heiland— jauchze Erde, Himmel singt!"-- Schöne Motte, fromme Mythe— weiter nichts! Die Menschen ach, Ach, sic leben ja noch immer in der alten Roth und Schmach: Guten Willens find wohl Viele, aber eine Utopie Ist trotz alledem der Fttcde; die ihn wünschen, grüßt er nie! Statt Erlösung neue Knechtschaft, härter, ungeheurer fast, Wie die vor zweitausend Jahren; neue Sündenschuld und Lost. Und die Sünder sind wie damals— Menschen, tugendhaft und gut, Die Betrognen sind— Betrüger, schlechte, eigensücht'gc Brut'�— Menschen, Menschen, jauchzt ihr wirklich ällesammt, ohn' Unterschied? Nein, o nein,— für Millionen gilt kein Weihnachtsfesttagslied, Gilt kein christlich Hosianna, keine Priesterlitanei: Weh, sie beben vor dem eig'ne» Angstgestöhn und Fluchgeschrei! Könnt' zu einem Gott ich beten, und es schlüge an mein Ohr Dieses Stöhnen, dieses Schreien, dieser grause Elendschor: Ließ ich wohl die Hönde sinken, schaut' nicht nichr zu Himmelshöhn, Und bemühte mich, den TeufeKauf der Erde zu verstehe! jenen Teufel, der schon lange vor uns auf der Erhe war, Den die Selbstsucht, die gemeine,»nersattliche gcba»: Jenen Teufel, der da schleichet ohne Ruh' und ohne Rast, Unsichtbar, doch allgeivartig, seine neuen Opfer faßt, Um zu quälen, zu zerrütten ihren Körper, ihren Geist, Und sie nimmer loszulassen, bis der Tod sie ihin entreißt.— Wie sich solcher annen Opfer schwarzes Jaminerlos erfüllt, Menlcheu, Christen, Menschen, Menschen, kommt, ich zeig's euch unver- hüllt! Abend wird's, doch welch' ein Abend! Rauher Wind von Norden her Thürnit am Horizonte Wolken, dunkelfarben, regenschwer, Die verbergen alle Sterne, keiner winkt mit mildem Schein, 'S ist, als könne zu der Weihnacht die Ratux nicht heiter sein!— Siehe dort auf ödem Landweg eine Frau init ihren, Kind Langsam, wankend vorwäns schreiten gegen Regenfluth und Wind; Mit des Elend'S lump'gen Lumpen ausstaffiret sind fie Beid', Jwei lebendige Satyren— traur'ge zwar— auf uns're Zeit! Wie die Lumpen tropfend schlottern um den siechen Leib der Frau, Wie gefügig sie sich legen um des Knäbleins Gliederbau— Und doch!aum die Blöße decken, hier ein Riß und da ein Loch, Aber Kleider für die Armen— Kleider, Kleider sind es doch!— —„Mutter," fleht der Klein« weinend,—„Mutter, nimm mich auf den Arm, O, ich friere und bin hungrig,— gieb mir Brod und mach' mich warm!" Seufzend hält die Mutter inne, neigt sich über's Kind und spricht, Es in ihr« Anne schließend:„Komm, ja komm, doch weine nicht! Der Geldpunkt scheint ja bei ihnen die einzige Stelle zu seln, durch deren Lermittelung man zu ihrem Herzen gelangen kann. Drurtfchlcr-Berichtigung. In Nr. 151 v. 22. Dez., S. 3, Sp. 2, Z. 4« v. o. müssen selbst- verständlich die Worte„sein läßt" hinter„gerade" wegfallen. D. R. Innere Patteiangelegenheiten. Zu Agenten des Vorstandes wurden ernannt für Altona: H. Gundelach, R. Earlson; Coburg: E. Fischer; Cöln: M. Gind- ler; Deuben: L. Ech'tein, R. Huyle; Duvenstedt:.I. F. Jden, H. Laasch; Froschhausen: D. Stickel, G. Klug; Gelsenkirchen: I. Sende; Groß-Berkel: A. Braun, H. Mänter; Neustadt i. H.: I. H. Haß; Waldenburg i. Schl.: P. Lohr, G. Anders; Zell: Th. Rümmle; Zeulenroda: F. Reichelt, W. Dixtmar. Bei neuen Anmeldungen wird gebeten, die genauen Adressen beider Agenten(beim Sekretariat) anzugeben. Hamburg, den 18. Dezember 1875. Mit secialdemokrattschem Gruß I. A.: I. Auer. C. Dcrossi. Die Agenten werden daraus aufmerksam gemacht, daß Marken und sonstige Utensilien durch die Sekretäre besorgt wer- den, Bestellungen also bei diesen zu mächen sind. Alle Geldsendungen sind an den Kassirer A. Geib, Rödings- inarkt 12, zu richten. * Eine Haussuchung wurde Dienstag, den 21. d. M., durch den Polizeiinspektor Pick, unter Assistenz eines Kriminal- bcamten, in der Redaktion und Expedition des„Pionier" nach dem„Armen Conrad" abgehalten, jedoch kein Exemplar mehr vorgesunden. ' Am 7. d. M. wurde der Parteigenosse W. Metzger aus Hamburg vom Appellationsgericht zu Kiel zu einer viermonat- lichen Gesängnißstrafe verurtheilt wegen Ucbertretung des§ 131 d. Straf-G.-B. Das Altonaer Kreisgericht hatte in erster In- stanz nur auf 14 Tage erkannt.(Die böse Sttafgesetz-Novelle!—) Tic Ursache hierzu war eine Aeußerung, welche in einem am 26. Juni d. I. in Altona gehaltenen Vortrage über:„Die Opfer der Industrie", vom Angeklagten gethan worden. An die Parteigenossen! Am 13. d. M. nach neunmonatlichcr Haft aus dem Coblenzer Arresthaus entlassen, trete ich ungebeugten Muthes wieder ein in Eure Reihen. Die gemachten Erfahrungen werde ich, insoweit sie von all- gemeinem Interesse sind, demnächst in einem besonderen Attikel zu Eurer Kenntmß bringen. Für heute sei es mir vor Allem gestattet, meiner Freude über die während meiner Hast glücklich vollzogene Einigung der deutschen Socialdemokratie hiermit Ausdruck zu geben. Sodann kann ich nicht umhin, den Partetgenossen in Eoblenz, Frankfurt und Umgegend meinen wärmsten Dank abzustatten für alle die vielen Opfer und Mühen, deren sie sich für mich unter- zogen haben; den wärmsten Dank weiter auch für den mir be- retteten festlichen Empfang. Frisch auf denn zu neuem, energischem Kampfe! Es lebe der Socialismus! Frankfurt a. M., 21. Dezember 1875. Mit Gruß Karl Frohme. Flensburg, 17. Dez.(Volksversammlung.) Am 14. dss. hielten wir eine gut besuchte Volksversammlung mit der Tagesordnung ab: Ehristenthum und Socialismus. Referent war Herr Brückmann auS Altona, welcher sich seines Vortrages zur größten Zufriedenheit der Anwesenden erledigte. Zur Jmerpellation meldeten sich die Herren Lehrer Johannscn und Eigarrenfabrikant Domke. Bei Letzterem kam so recht der Pferdefuß zum Vorschein, indem er sagte:„Daß die Agita- Bald geb' ich Dir auch zu essen, halt nur noch ein wenig aus." D'ranf das Knäblein:„Aber kommen wir denn bald auch an ein Haus?" „Ja, ich seh' schon eins dort hinten, dort am Wald, es ist ganz nah, Nur noch wenige Minuten, liebes Kind, und wir find da." Und das Kind schlingt seine Aermchen um der Mutter Hals, die preßt Es an ihren kalten Busen, ach, so fest, so innig fest Und ivantt mit der theurcn Bürde ächzend, zitternd wieder fort. Und nicht lang' und wieder fragt es:„Mutter sind wir nicht bald dott?" „Dort, wo dort denn?— Knäblein, wo denn?" Ach, kein Haus am Walde ist, Und dahinter auch noch keines, Mutter'S Trost war eine List, Deiner Thränen Lauf zu stillen, die wie Tropfen glühn'des Erz, Unnennbare Qual bereitend, fielen auf ihr wundes Herz! Doch die Hoffnung, dich zu'bergen unter einem sichern Dach, Dir zur Stärkung Brod zu reichen, die ist in ihr selbst noch wach. Menschen, meint sie, werd' ich finden, die um der Barmherzigkeit, Um der ew'gen Liebe Willen, mir zu Helsen, sind bereit.— Weiter keucht sie, immer weiter, o, wie sie zusammenrafft Und gebraucht die allerletzten Reste ihrer schwachen Kraft! Aber öde wird die Gegend, links und rechts nur todte Flur, Von der Menschen Wohnstätt nirgend, nirgend eine leise Spur; Und beschwerlicher und enger wird der Weg, er windet sich Hin durch Steingeröll und Schollen. Weib, ach wohin fühtt er Dich? Da, horch auf, hast Du'S vernommen? Raben krächzten durch den Sturm,— Und dort hinten, sieh ganz nahe, hebt sich's wie ein mächt'ger Thurm Aus dem Dunkel in die Lüste, vorwärts, dorten findest du Wohl auch Menschen, die nicht weigern Brod und eine karge Ruh'!— Und die Arme mit dem Kinde wieder schneller vorwärts strebt, Achtend nicht des Wegs Beschwerde, Hoffnung hat sie neu belebt. Da, da heben sich die Mauern, Naben kreisen d'rum herum, Heiser krächzend, doch sonst bleibet Alles todt und Alles stumm. Wie die Wanderin auch lauschet, keines Menschen Stimm' wird laut; Wie sie aufmerksam auch spähet, keinen Lichtstrahl sie erschaut; Ihren Ruf verhöhnt das Echo aus dem öden Mauernest, Das, wer weiß, welch' einer Zwingburg arg zerfallener Ucberrest. Ach, das heißt betrog'nes Hoffen, heißt Enttäuschung!— Armes Weib, Wohin willst du hier denn betten, dein und deines Kindes Leib? Woher willst du Brod hier nehmen?— Höre, selbst der Rabenchor Hat vor Hunger ja nicht Ruhe, krächzet„Hunger" dir in's Ohr.— Arme Mutter, armes Kindlein! Da, da hat sie schnellen Blicks Dicht am Fuß des Thurms erschauet, ei» vermodett Kruzifix. Und sie wirft sich vor ihn, nieder, mit dem Kind zur Seit' und fleht: „O, allzütiger Erlöser, dessen Fest man heut begeht, Heiland, der für uns gestorben— o, erbarm, erbarin dich mein, Mein und des unjchuld'gen Kindes, laß uns nicht verloren sein! Der du Himmel, Erd und Menschen durch dein Wort hervorgebracht, Sende Rettung uns und Hülfe, steh' uns bei in dieser Nacht!" Also betet sic, die Arme, indeß wilder wird der Sturm. Und die Raben, heij'rcr krächzend, fliegen um den hohen Thurm.— „Mutter, Mutter, will auch beten," spricht das Kind und faltet fromm Seine Händchen, und es betet:„Lieber JcsuS Christus komm, Komm und hilf unö, denn wir hungern, und es ist so kalt, so kalt Und wir sind so krank und müde, komm, o komm und hilf«ns bald." toren nur die Arbeiter aufrührerisch und mürrisch gegen ihre Arbeit- geber machten." Beide Herren wurden aber vom Referenten unter größtem Beifall widerlegt. Folgende Resolution wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen:„Die heutige Volksversammlung erklätt sich mit den Allsführungen des Herrn Brückmann voll und ganz ein- verstanden." Eine Tellersammlung ergab Mark 14,32. H. Tüchsen. Nienstedten, 19. Dez.(Vom Kampfplatze.) Die auswätti- gen Patteigenoffen werden sich noch eines Situationsberichtes aus Nienstedten in Nr. 83 des„Neuen Social-Demokrat" vom 20. August d. I. erinnern. Derselbe rief im Lager unserer Gegner große Auf- regung hervor und man drohte mit der Staatsanwaltschaft, jedoch war Alles nur blinder Lärm. Am 10. Sept. erschien in den„Ottensener Nachrichten" ein Eingesandt aus Nienstedten, das meinen Bettcht zu widerlegen und die Nienstedter Socialisten in ein schlechtes Licht zu stellen suchte. Dasselbe strotzte aber von Unsinn und Unwahrheiten, so daß es mir ein Leichtes wurde, es sofort im genannten Blatte zu wi- derlegen,— und stille ward es über den Wassern im Lager unserer Gegner. Von unserer Seite wurde jedoch am 26. Sept. Protest gegen die Wahl eines Mitgliedes des Schulkollegiums erhoben, nämlich des GastwirthS Deubner, weil derselbe nicht nach der Verordnung von 16. Juli 1864 gewählt war. Dieselbe besagt nämlich, daß Mitglieder des Schulkollegiums gewählt werden sollen aus den mündigen, dispo- fitionsfähigen und kontribuirenden Mitgliedern der Schulcommun- mämrlichen Geschlechts. Man hatte aber, wie immer, nur den Grund- und Hausbesitzern, nicht aber den zur Miethe Wohnenden angesagt. An« 3. Oktober wurde mir mitgetheilt, die Wahl sei kassirt, und da nichts Besonderes vorläge, könne die Neuwahl wohl bis Neujahr aufgeschoben werden. Damit war ich natürlich nicht einverstanden und erklärte dem Schulinspektor Hasselmann, ich verlangte, daß im Laufe der nächstfol- genden Woche, vom 10.— 16. Oktober, entweder die Wahl selbst oder eine Versammlung sämmtlicher Wähler anberaumt werde, um hierüber zu entscheiden, worauf mir auch der Schulinspektor erwiderte, eS solle geschehe». Als aber am 19. Oktober noch nichts geschehen war, wandte ich mich schttstlich an den Schulinspektor mit dem Ersuchen, mir eine bündige Antwort zu ertheilen, um im Wege des Rechts diese Angele- genheit weiter verfolgen zu können. Am 22. Oktober theilte mir der Schulinspektor Hasselmann mit, daß er mir schon früher Mittheilung gemacht hätte, wenn er nicht durch Krankheit und Todesfall in seiner Familie und in seinem Hause und durch aufgehäufte dttngende Ar- betten verhindert gewesen wäre; er hätte dem Ottsvorstand bald nach unserer letzten Unterredung gesagt, daß schon jetzt eine Wahl gewünscht würde, und hätte der Ortsvorstand ihm Ende voriger Woche erwidett, daß er sie nicht jetzt, sondern erst zu Neujahr vornehmen wolle. Hier- auf wandte ich mich sofort an das Visitatottum in Pinneberg, habe aber bis heute keine Antwort erhalten. Mitte November veröffentlichte ich diese Angelegenheit in den„Ottensener Nachrichten". Mittwoch. den 8. Dezember, wurde die Wahl zu Sonnabend, den 11. d.M. Nachmittags 2 Uhr, angesagt; da dieses hier aber nicht ottsüblich ist, fanden sich Abends 7 Uhr 14 Nienstedter Einwohner beim OttSv-r- stand ein, um gegen ein solches Vorgehen zu protestiren. Trotzdem fand zur angesagten Zeit die Wahl statt. Bon"den 143 Wählern waren 35 erschienen. Lokal war das Nienstedtener Schulgebäude, Pro- tokollführer der im vorigen Sommer von den Arbeitern gewählte paupt- lehrer, Rektor Kark, Vorsitzender der ttsvorstand Cords. Nachdem derselbe verschiedene A!al hin- und hl'en, verschiedene Papiere geordnet und einige den Anwesenden um ständliche Worte gcsprochen, erfolgte aus der Versammlung der Ruf:„Bevor wir zur Wehl schreiten, bitte ich um's Wort!" Gemurmel des Ortsvorstandes, darauf einige Minuten lautlose Stille,— nochmaliger Ruf:„Habe ich das Wott?"—„Na denn man to!" als Antwott. Hierauf setzte ich den Anwesenden auseinander, daß man uns schon 11 Jahre unser Wahl- recht unrechtmäßiger Weise vorenthalten hätte und daß alle Arbeiter, die ihr Tagelohn nicht versäumen könnten und wollten, nochmals von der Wahl ausgeschlossen wären, ich stellte den Antrag, die Wahl zu vertagen und an einem anderen Tag(Abends) vorzunehmen. Ich er- suchte den Vorsitzenden, hierüber abstimmen zu lassen, worauf derselbe nicht einging und mich unterbrach. Als nun trotz alledem doch zur Wahl geschritten wurde, ersuchte ich alle Anwesenden, die noch einen Funken Gerechtigkeitssinn in ihrem Herzen hätten, nicht zu ivählen, sondern gegen die Wahl zu protestiren. Darauf wählten 8 Personen drei Schulvorsteher und 27 wählten nicht. Der Protest mußte, trotz des Sträubens von Seiten des Ortsvorstandes, in'S Wahlprotokoll aufge- nomine,» werden. Wie ich mich zum Schluß noch zur Geschäftsordnung zum Wort meldete, um den Anwesenden auseinanderzusetzen, daß jetzt 8 Wähler je 3, in Summa 24 Stimmen abgegeben hätten, daß also sämmtliche 148 Wähler 444 Stimmen abgegeben haben würde», also 420 Stimmen nicht abgegeben seien, antwortete mir der Ottsvorstand, es gäbe hier keine Geschäftsordnung. Hierauf allgemeines Gelächter und Rufe:„Es giebt hier doch wohl keine Geschäftsunordnung." Fester schmiegt sich's an die Mutter, die beim„Vater unser" ist,— Wimmernd tönt's von seinen Lippen:„Der Du in dem Himmel bist!" Und so fort bis zu der Bitte:„Gicb uns unser täglich Brod," Da lenkt's Kindchen ab und jammert:„Brod, o Gott, ja gieb uns Brod!" Und die Mutter schluchzend endet:„Mach' von uns'rer Schuld uns rein, Wie auch wir von ganzem Herzen, unfern Schuldigern ver- zeih'n!" Rab— rab— rab— schallt's schauerlicher, vom dem schwarzen Chor am Thurm, Rab, rab, rab— ertönt es heis'rer durch den immer wildern Sturm. „Großer Gott", beginnt die Mutter jetzo wied'rum das Gebet, „Großer Gott, erhör' die Mutter, die für's arme Kindlein fleht! Der du einst durch einen Raben dein Elias sandtest Brod, Dem Phropheten in der Wüste, schütz auch uns vorm Hungertod;— Sende Deiner Engel einen, der uns aus dem Wettergraus Fühtt zu guten, milden Menschen, in ein sich'res, warmes Haus!"— Rab, rab, rab— erschallt's von droben— und das mors he Kreuz es wankt In dem zähen Cpheunetze, das herum sich auswätts rankt, Und sein lautes Aechzen mischt sich in der Armen Schmer�gestöhn.~ Was aus ihnen weiter worden, hat der nnd're Tag gesehn. Ob ein Engel wohl gekommen?— Ja, der Todesengel kam, Der die Mutter mit dem Kinde in sein Reich deS Friedens nahm. Sngunlschlossen, ciserstarret, man am Kruzifix sie fand, Als der Weihnachtsmorgen graute nach der Sturmnacht über'm Land. Könnt' zu einem Gott ich beten, und es schlüge an mein Ohr Der enterbten Millionen grausenhafter Schmerzenschor,— Ließ ich wohl die Hände sinken, schaut nicht mehr zu Himmelshöhn Und bemühte mich, den Teufel auf der Erde zu verstehn! K. F. *(Zur Klassensteuer) sind für das nächste Jahr in Berlin 356,379 Personen eingeschätzt, 14,034 Personen mehr als für 4875, >vo die Gesammtzahl der Eingeschätzten sich auf 342,345 belief. Dage- gen ist der Gesammt- Steuerbetrag um 253,152 Mark, nämlich von 14,411,923 Mk. auf 14,158,771 Ml. herabgegangen, was wesentlich da- durch veranlaßt worden ist, daß durch das Gesetz vom 16. Juni o. I. die Normal-Steuersätze der Stufen 4 und 3 von 15 und 12 Mk. auf 12 und 9 Mk. herabgesetzt worden sind. Die neu hinzugetretenen Steuerpflichtigen fallen fast sämmtlich auf die beiden untersten Stufen. Die Zahl der Einschätzungs- Kommissionen betrug 481 mit zusammen 3030 Mitgliedern.— Die Veranlagung der königlichen Klassensteuer in der Stadt Breslau für das Jahr 4876 hat das Resultat ergeben, daß steuerfrei auf Grund der einzeinen Bestimmungen des Gesetzes theils wegen nicht steuerpflichtigen Einkommens, theils wegen noch nicht voll- endeten 16. Lebensjahres und BefitzthumS des Eisernen KreuzcS:c. 49,485 geblieben sind von 63,000 Personen überhaupt, während im Jahre 1875 diese Zahl nur die Höhe von 45,888 erreichte. Unter diesem Wirrwarr verließen der Ortsvorstand und die 3 Wähler in größter Eile das Lokal und die 27 Protestanten folgten ganz ge-- müthlich in der heitersten Stimmung nach und werden jetzt eine Be- schwerde an die Regierung einreichen� Behufs dessen fragte ich gestern beim Schulinspektor vor, erhielt aber die Antwort, er sei nicht zu Hause und heute müsse er predigein Ich fragte aber heute Morgen vor der Predigt schriftlich an, ob die Wahl beanstandet oder für gültig erklärt sei, und erhielt folgende schriftliche Antworte„Bis jetzt ist mir nichts bekannt geworden, was zur Beanstandung Veranlassung gebe» könnte, und gedenke ich in den nächsten Tagen das neue Schulkollegium zu konstituiren. H." Ich bitte die Hamburger, Altonaer und Ottensener, wenn diese Nummer von ihnen nicht anderweitig benutzt wird, mir dieselbe zusenden zu wollen, damit ich sie hiermassenhast verbreiten kann. Mit socialdemo- kratischem Gruß W. Schlüter, Nienstedten pr. KI.-Flottbeck. NU. Ferner ersuche ich die Nienstedter Parteigenossen, recht zahl- reich mit dem neuen Quartale auf den„Neuen Social-Demokrat" in Berlin zu abonniren. D. O. Meisten, 8. Dez.(Volksversammlung.) Am 4. Dezember hielten wir in unserem Versammlungslokal, der Schuhmacher-Herberge, eine Volksversammlung ab. Die Tagesordnung lautete: Die Gesund- heitspstege und die heutige Gesetzgebung. Zum Borsitzenden wurde Unterzeichneter, zum Schriftführer Herr Schlechte gewählt. Als Referent war Herr Thieme zugegen. An der Diskussion betheiligten sich noch Bunzel, Drobeln und Unterzeichneter. W. Friedemann. Frankfurt a. d. D., 15. Dez.(Verurtheilung.) Am 14. Dezember standen die Parteigenossen Schulz aus Sommerfeld und Fricke aus Sora» vor dem Appellationsgericht zu Frankstirt a. d. O. wegen Ueberiretung des Vereinsgesetzes(§§ 8b. nnb 16). Das erste Erkenntniß des Sorauer Kreisgerichts vom 9. August wurde jedoch lediglich be- stätigt, welches gegen Schulz auf 30 Mark, resp. 7 Tage Gefängniß, gegen Fricke auf 20 Mark, resp. 5 Tage Gefängniß, lautete. Auch wurde auf Schließung des Sommerfelder Lokalvereins(Soeial-demo- kratische Arbeiter-Partei) erkannt. Brrliu, 19. Dezember.(Verein für Sattler und Berufs- genossen.) Um eine regelrechte Kontrole für gezahlte Reise- Unter- stützung dem Central-Vcrbande gegenüber herzustellen, sieht sich der Vorstand veranlaßt, Folgendes zu beschließen. Der Vorstand beschließt, wie folgt:„Die Vertrauensmänner sind verpflichtet, den durchreisenden Kollegen einen mit dem OrtSstempel versehenen Schein einzuhändigen, worauf dieselben vom Kassirer die Unterstützung sich abholen und dar- auf quittire» müsse».— Die Scheine sind als Belege für gezahlte Unterstützung aufzuheben.— Dieser Beschluß tritt sofort in Kraft." Ferner ist es nothwendig, daß jede hergesandte Abrechnung mit dem Ortsstempel versehen und die Unterschrift der Revisoren darauf bemerkt ist. Kollege Grombaß und Kirschberger werden freundlichst ersucht, ihre Adressen schleunigst an Unterzeichneten einzusenden. Da jetzt von ver-. schiedenen Seilen uns die Nachricht zugeht, daß zu Neujahr die Mili- tärarbeit wieder angeht, so werden sämmtliche Mitglieder des Vereins ersucht, noch etwaiges Material, die Statistik betressend, schleunigst an den Vorsitzenden der Militärkommission L. Triebet, Lindenstr. 24, bei Schulz, einzusenden. Mit Gruß Im Auftrage des Vorstandes: W. Wirths, Vorsitzender, Alexandrinenstr. Nr. 116, SW. Verlin, 20. Dez. lAIlg. Tischler- sSchreiner-s Verein.) Sämmtliche Kollegen Deutschlands benachrichtige ich hiermit, daß der Strikc in Osnabrück trotz 5monatlicher Dauer noch immer nicht beendet ist und der Kassenbestand daselbst so weit erschöpft ist, daß schleunige Hülfe dringend noth thut. Es sind immer noch ein großer Theil Kol- legen, welche unterstützt werden müssen, da sie sich jetzt unmöglich den Meistern auf Gnade und Ungnade ergeben und auf die Bedingungen derselben eingehen können. Ich ersuche daher dringend, den Zuzug von; Osnabrück fern zu halten, sowie freiwillige Sammlungen so schnell, wie möglich dorthin zu senden. W. Schmitz, Vorsitzender.! Borli», 15. Dez.(Für die Schuhmacher.) Wie die Schuh- machermeister und Fabrikanten aus Trier fortwährend nach Staats- hülfe schreien, um die bösen Social-Demokraten aus dem Rheinlande, und hauptsächlich aus Trier, zu entfernen, zeigt uns folgende Notiz der„Neuen deutschen Schuhmacher-Zeitung"(Fabrikantenblatt), redigirt vom Schuhmachermeister W. Bierberg, der gern in den Reichstag ge- wählt sein will, um das Proletariat zu vertreten. Bekanntmachung. Deni Obermeister der Berliner Schuhmacher-Jnnung, Horsch, ist von Seiten des hiesigen Magistrats folgend« Zuschrift zugegangen: „Trier, den 12. November 1875. In hiesiger Gegend, und besonders in Trier, hat sich seit längerer Zeit ein großer Mangel an Gehülfen fühlbar gemacht; besonders ist dies bei den Bäcker», Schreinern und Schuhmachern der Fall. Hiergegen sollen, den öffentlichen Blättern zufolge, in Berlin viele Tausend Gesellen ohne Arbeit und Verdienst sein, weshalb ich das königl. Poli- zeipräsidium ergebenst ersuche, tüchtige Gesellen vorgenannter Gewerbe, darunter namentlich 16 bis 13 Schuhmacher, auf den hiesigen Mangel aufmerksam zu machen und hierher verweisen zu wollen. Die hiesigen Meister stellen nur die Bedingung, daß die Gesellen nicht Mitglieder der Schuhmacher-Gewerkschaft sei» dürfen. Der Ober- Bürgermeister." Originell ist diese Notiz. Dem Ober- Bürgermeister sowohl, als den Fabrikanten von Trier, scheinen die arbeitslosen Schuhmacher Ber- lins am Herzen zu liegen, während die Kollegen in Trier sämmtlich auf das Straßenpflaster geworfen wurden, weil selbige sich der Ge- werkschast angeschloffen haben. Ich fordere die Berliner sowohl, als die deutschen Schuhmacher auf, den Zuzug von Trier streng fern zu halten. Mit kollegialischem Brudergruß C. H. Szimmath, Bergstr. 80 bei Dolz. NU. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Bremen, 19. Dez.(Allg. deutscher Schneider-Verein.) Den außerbremischen Kollegen zur Nachricht, daß die Herren Gebrüder Müller, Domshos II, und Rolfes& Wulff, Obernstr. 63, laut authentischer Meldung beim Borstande, allergnädigst geruht haben, in der jetzt ohnehin s» schlechten Zeit noch obendrein 25 pCt. vom bisherigen Lohnsatz abzuziehen. Wir bitten also, so viel wie möglich den Zuzug fern zu halten, damit wir diesen Herren zur geeigneten Zeit die wohlverdiente Antwort angedeihen lassen können. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck dieses gebeten. Mit Brudergruß Schneider. Hamburg, 19. Dezember.(An die Metalldrucker Deutsch- lands.) Laut Beschluß der hiesigen Kollegen sind wir dem„Ver- bände der Klempner und verwandten Berufsgenossen" am 1. Novbr. d. I. beigetreten. Nun treten wir an Euch, Genossen allerorts, na- mentlich an unsere Berliner und Ehlinger Kollegen, heran, mit der Aufforderung, ein Gleiches zu thun, damit wir so zu einem großen Ganzen vereinigt werden. Selbst einen Verband in's Leben zu rufen, fühlen wir uns nicht stark genug, und Klempner sind jedenfalls die uns zunächststehenden Berufsgenossen. Korrespondenzen in dieser Angelegenheit find zu richten an W. Metzger, Bleichergang 24. Säumet nicht, Genossen, folget bald unserem Beispiele. Mit brüderlichem Gruß Die Metalldrucker Hamburgs. Im Austrage: Franz Ebhardt. NU. Sämmtliche Arbeiterblätter werden um Abdruck des Obigen ge- beten. OSnabrillk, 20. Dezbr.(Allgem. Tischler- sSchreiner-s Verein.) Seit 26 Wochen liegen die hiesigen Kollegen im Kampfe. Der Kampf ist ein harter und bedarf der Unterstützung. Unterstüdun- gen sende man in Hamburg an das Eomits: große Roscnstraße 37 bei Hübner, und in Osnabrück an Ortwein, Kamp 50 bei Pille.— Alle Arbeiterblätter werden um baldigen Abdruck ersucht. Die Mitgliedschaft des Allgemeinen Tischler-(Schreiner-) Vereins zu Hamburg. I. A.: Ferd. Weidemann. Altona, 21. Dez(An die Abonnenten des„Neuen So- cial-Demokrat") richte ich die dringende Bitte, sich zu erklären, ob sie Abonnenten oben genannten Blattes bleiben wollen oder nicht. Sämmtliche Kolporteure nehmen darauf bezügliche Erklärungen entgegen. Wilhelm Rawe. Verde», 19. Dez.(An die Abonnenten des„Neuen So- cial-Demokrat".) Wenige Tage und wir stehen wieder vor einem Quartalwechsel. Wie ihr wißt, ist bis jetzt noch kein Lokal zu Ver- sammlungen zu bekommen. Unsere größte Aufgabe muß deshalb dar- auf gerichtet sein, den„Neuen Social-Demokrat" in immer weitere Kreise zu verbreiten, dnmit die Idee des Socialismus in immer neue Herzen Eingang finde. Ich ersuche deshalb, sofort zu abonniren.— Üinerzeichneter, sowie dessen Bruder sind gerne bereit, wie ftüher, so auch im neue» Quartal, die Zeitung von der Post aus zu besorgen. Also ftisch an's Werk, thue ein Jeder seine Schuldigkeit. Ich bin auch bereit, Abonnements auf die„Neue Welt" entgegen zu nehmen. Mit social-demokratischem Gruß Fr. Rempe. Mit der Wiedergabe der stenographischen Berichte jener Reichstags-Sitzungen, in welchen Mitglieder unserer Partei rede- ten, sind wir gegenwärtig etwas in den Rückstand gekommen. Es hat dies der Umstand verursacht, daß nur dann der Abdruck von Reichstagsreden nicht durch den Staatsanwalt verfolgt werden kann, wenn sämmtliche zu demselben Punkt der' Tagesordnung gehaltene Reden gleichfalls init abgedruckt werden. Die etwas verzögerte Aufstellung unserer Doppelpresse und der Druck son- stiger dringlicher Sachen verhinderte uns bisher an der häufige- ren Herausgabe von Beilagen. Sobald es der Druckerei irgend möglich ist, werden wir aber durch Beilagen den Stoff bewältigen. Den Parteigenossen empfehlen wir nachträglich noch folgende Organe zur Verbreitung: „Berliner Freie Presse", erscheint wöchentlich 6 Mal mit der illustrirten Gratis-Beilage„Die Reue Welt. Preis pro Quartal 4 Mark. „Thüringer Freie Presse", wöchentlich einmal in Apolda und kostet 75 Pf. pro Quartal. Der„Socialist", erscheint wöchentlich einmal in Mit- waukee(Nordamerika). Zn serbischer Sprache erscheint: „bfavocknarvorja'-(„Volkswille"), wöchentlich einmal in Smederewo. In czechi scher Sprache erscheint: „Bnclvnznost"(„Vorwärts") in London. Berichtigung. In der Quittung über Preß-Fonds in Nr. 150 ist Liste Nr 35 irrthümlich mit 10,35 Mark angeführt; statt dessen muß es beißen 16, Ol» M. Die Zeitungs-Kommission. In Nr. 148 d. Bl. hat sich unter der Rubrik:„Zur Volkszählung in Hamburg", ein Druckfehler eingeschlichen; es muß daselbst heißen: eine durchschnittliche Vermehrung von 3,4z pCt., anstatt 3,, pEl. Innere Partei- Angelegenheiten. In der Quittung in Nr. 151(Mittwoch) sind folgende Druckfehler zu berichttgen: Unter st ützungs-Fonds: 12. Zeile statt Hamm muß es Hanau und statt Schröder muß es Schräder heißen. Desgleichen ist in der 17. Zeile statt v. S. zu setzen v. L. Agitations-Fonds: In der 7. Zeile nicht». X. d. Hofstätten 1,00, sondern 10,60. Wahl-Fonds: In der 5. Zeile statt Forschheim zu setzen Förch- heim; in der 22. Zeile statt Gselt heißt es Opclt; ferner in der 33. Zelle ist statt Poröke zu lesen PorSche. August Geib, Hamburg, Rödingsmartt 12. Die Adresse des Sekretariats der Socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands ist jetzt Pserdemartt 37 III. m Hamburg. I. An er. C. Derossi. Briefkasten. Brandenburg. Am ersten Wcihnachtsfeiertag«, Nachm. 5 Uhr, wird Hierselbst eine gemüthliche Zusammenkunft im Lokale des Herrn Hildebrandt stattfinden, wozu fteundlichst einladet A. Altenkirch. Steinbrecher, Langendreer. Die„Raketen" und„Leuchtkugeln" sind im Zeitunzskatalog wohl nicht besonders aufgeführt, da dieselben nur Beilagen größerer Zeitungen sind; erster« gehören zur„Chemnitzer Freien Presse", letztere zum„Braunschweiger Volksfrennd". Dagegen Müssen der„Eulenspiegel" und die„Neue Welt" im Katalog verzeichnet fem; lehieke steht daselbst unter Nr. 2577. Ob die„Tagwacht" auch im ZeitungSkatalog verzeichnet ist, können wir nicht sagen. Herrn C. I. Kühl aus Barmen bitte ich um güttge Mittheilung, ob er meinen letzten Brief(adressirt an Leber) erhalten hat. Duisburg. Alfred K— b. TWIltt Freitag, 31. Dezember, rtHlUU. Abends 7'/- Uhr, im Louiscustädtischc» Theater, Großes Sylvester-Fest! des Tocialistischeu Arbeiter- Wahl- Vereins. Korten vorher 50 Pf., an der Kasse 75 Pf.! Kein Parteigenosse darf fehlen. BllletS in allen Versammlungen und in' den in der Probe-Nnmmer der„Berliner Freien Presse" veröffentlichten Stellen. (F. 29.)_' A. Heins».[2,20] SVJpvTtn Am 1. Weihnachtsfeiertage, Ii IUI. Abends 7 Uhr, im neuen GesellschaftShause, Niederwallstr. 20, Grosse Weihnachts- Feier, bestehend in Concert, Festrede, deklamatorischen Vorträge», Verloosungen und jstin- derbelustigung an den Weihnachts- Bäumen.[4,80] Nachher: Grosser Ball, arrangirt von den Mitgliedern der Schuhmachergewerkschaft. Entröe für Herren 50, Damen 25 Pf. Der Ueberschuß ist zur Agitation bestimmt. Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen und Parteig. ersucht C. H. Szimmath. Am 3. Feiertage, in GratweiOs Bierhallen, Große Generalversammlung. T.-O.� Siehe am 25. dsS. Litfaßsäule. SRl>rTtn Am 1. Feiertage, v VllU, im Vereins- Lokale bei Vogel, Alexanderstraße 31, Gesangverein Brüderlichkeit.[1,60] Concert, Gesang, Tanz und Tannenbaum- Verloosung für Kinder Abends 6 Uhr. Alle Freunde und Parteigenossen werden freundlichst eingeladen. L. Wienecke. Das angezeigte gemüthliche Vergnügtsein findet wegen Loknlveränderung nicht den A., sondern den 2. Weihnachtsfeiertag im Lokale des Herrn Zoller, Elsasserstr. 57, statt. Entröe 25 Pf. Der Ueberschuß ist für den Reichstags- wahlsonds bestimmt. Einige Arbeiter.[1,60] Den Tischlern Berlins und deren Freunden zur Nachricht, daß am Sonntag, den 26. Dezember(2. Weihnachts- feiertng), Vormittags 11 Uhr, im Concertsaal der Reichs- hallen Kn)886 Matinee zum wohlthätigen Zweck, unter gütiger Mitwirkung namhafter Kräfte, stattfindet. Entrse ä Person 7'/> Sgr. Logen 16 Sgr. Balkon 20 Sgr. Billets ä 5 Sgr., Logen 10 Sgr. find vorher bei den Gewerks- kassirern, sowie aus der Kontrole, Fischer- brücke 22, bei Herrn Vogel, Alexander- straße 31 und in folgenden EigarrenlädeN: Börner, Ritterstr. 92; Habisch, Andreas- straße 9; Habisch, Weberstraße 34; Stein- brecher, Prinzenstr. 26; Ecks, Alte Jakobs- straße 46, zu haben. Das Coniitö.[5,00] H a m b u r g. Großer Sylvester- Boll, verbunden mit Concert und deklamatorischen Borträgen, arrangirt von der Soeialistischen Arbeiterpartei. Festrede, gehalten von Herrn G. W. Hartmann. Saalüffnung 8 Uhr. Anfang 9 Uhr. Herren-Karten im Boraus 30 Pf., an der Kasse 40 Pf. Damenkarten im Voraus 20 Pf., an der Kasse 30 Ps. Karten sind in den bekannten Lokalitäten, so wie in den Versammlungen zu haben. (F. 1.) Das Comitö.[4.20] SftlTnilpN Am zweiten „CmtitltU. Weihnachtstage, im Lokale des Herrn Bedford, Steinweg, Gemüthl. Zus ammenkunft, verbunden mit Gesang, deklamatori- schen Vorträgen n. Tauzkränzchen. (F. 75.) Entröe ä Person 30 Pf.[1,60] Anzeigen. Harburg. Am ersten Weihnachtstage, den 25. Dezember, Großes Vokal- und Jnstrumentalconcert in Dittmar's Twoli, arrangirt von der Liedertafel„Laffallia". Anfang 4 Uhr Nachmittags. Herren-Karte vorher 40 Pf., an der Kasse 50 Pf., Damenkarte vorher 20 Vf., an der Kasse 25 Pf. Karten sind zu haben bei Lampel, 1. Berg- straße 12, beim Restaurateur Steffens, Langestraße. (F. 59.)_ Das EomitS.[4,00] Bremen. Erinnerung an die Weihnachts-Bescheerung am ersten Weihnachtstage, im Vereinslokal („Hermannshalle"). Loos ä 30 Pf.— Anfang 5 Uhr. Den 3. Weihnachts-Feiertag, in der„Tonhalte", Großer Weihnachtsball. Karten 4 60 Pf. Ansang 5 Uhr. (F. 67.) Das Festcomitö[5,00] der socialistischen Arbeiter-Partei. Hannover. in den großen Sälen des Herrn Narten, Weihnachts-Fest des Social- demokratischen Wahl- Vereins, bestehend in Concert und Ball, sowie Tannenbaum-Berschen- kung an die Kinder. Karten zum Concert 30 Pf„ für's ganze Fest 1 Mark. Karten sind bei den Kol- porteuren, bei dem Vereinswirth Boge, bei Rudolph, Mittelstr. 11, und in allen Ver- sammlungen zu haben. Parteigenossen, seid alle am Platze. (F. 100.) I. A.: H. Rudolph.[4,00] ßltol Montag, den 27. Januar 1876, Grosser Maökcnball des Ar- beiter- Sängerbundes. Nähere Auskunft erfolgt. Das Comitö: C h r. S t a r ck.[0,30] Gelsenkirche». Sonntag, 26. Dez., Nachmittags 5 Uhr, im Lokale der„Flora", am Kaiserplatz. Volksversammlung. (F. 100.)_ H. Tenhaef, Agent.[1,20] SWlUllllMI Montag, den 27. Dez., Nachm. S1/-, Uhr, im Vereinslokal, Hankenstr. 22, Große Schuhmacher-Versammlung. T.-O.: Der Fragebogen und die Aus- füllung desselben. Ref.: Herr W. Frick.