Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig.— In Heften ä 30 Pfennig Die wahre Geschichte des Zosna Dauidsohn. (Fortsetzung.) 7. Ääpitcl. Iosua'ö Leben der Arbeit und des Strebens brachte ihm kein Lob und keine Bortheile. Hätte er sich an irgend eine der christlichen Sekten augelehnt, sich unter die Gönnerschaft der Herr- sehenden Klasse gestellt, so würde er sein Glück gemacht haben. Da dies aber nicht der Fall war, stiest er überall auf Mißtraue» und mehr oder weniger offene Gegnerschaft. Die Polizei be- obachtete ihn argwöhnisch; ja selbst die Ausgestoßenen und Ge- fallenen, denen er auszuhelfen suchte, zweifelten zum Theil, ob er es ehrlich mit ihnen meine, und witterten hinter seinen menschen- freundlichen Bemühungen eine Falle. lind war denn überhaupt von diesen Bemühungen ein nennens- werther Erfolg zu hoffen? Was nützten sie der Gcsammtheit? Im besten Fall war es möglich, Einen unter Tausenden zu retten; bock, was will das bedeuten, wenn 999 im Elend, auf dem Boden des Abgrunds gelassen werden? Die Verhältnisse sind in England und den übrigen„Enltnrstaaten" zu weit gediehen, als daß die Privatmildthätigkeit noch von sonderlichem Nutzen sein könnte. Was noth thut, ist eine vollständige Reorganisation der Gesellschaft, dergestalt, daß eine gleichmäßige und allgemeine Bertheilung des Reichthnms und Wissens ermöglicht wird. Und biese Umgestaltung muß die Arbeiterklasse durch ihr eigenes gc- meinschaftliches Handeln erwirken. Deshalb wandtc sich Josna der Klasscnorganisation zu, von welcher er sich mehr versprach als von der Privatmildthätig- keit. Verstehe man mich aber nicht falsch: er gab keineswegs seine persönliche Wirksamkeit unter den Armen auf und unter- stützte dieselben nach wie vor so gut er nur konnte. Doch war diese Thätigkeit im Kleinen, im Einzelnen ihm nicht mehr die Haupt- fache; er hatte die Ueberzeugung erlangt, daß Besserung im Großen und Ganzen ohne Organisation der Arbeiterklasse nicht Zu erreichen. Als die Internationale Arbeiterassoziation gegründet bwrdc, schloß er sich ihr an; er war eins ihrer ersten Mitglieder, und trug in der That wesentlich dazu bei, sie in England ein- zubürgcrn. Es war einer seiner Glaubensartikel lange ehe Jemand sonst davon gesprochen, daß die Zeit für bestimmte und ans- schlicßliche Nationalitäten vorbei ist, und daß, wenn die Arbeiter sich von den Banden, in die sie das Kapital und die Klassen- Herrschaft geworfen, befreien wollen, dies nur durch ihre Klassen- Verbrüderung in allen Ländern der Welt geschehen kann. Soll die Arbeit frei werden, so müssen die Arbeiter mit ver- einter Kraft kämpfen. Zu warten, wie Einige vermeinen, bis die Kapitalisten aus eignem Antrieb, aus menschlichem Pflichtgefühl der Arbeit ihre Rechte gewähren, das hieße ans das tausend- jährige Reich warten. Die Internationale war für Josna nicht der Ausdruck des Klassenhasses. Er träumte nicht von Barri- laden, die gebaut, von Palästen, die erstürmt werden sollten. Ihm und seinen Genossen war die Internationale eine Organi- sation, welche den Zweck hatte, die Arbeiter zur planmäßigen Umgestaltung der Gesellschaft zu befähigen, nicht aber die Gesell- schaft in ein wahnsinniges Blutbad zu stürzen; die Arbeiterklasse durch friedliche und hochherzige Anstrengungen in den Vollgcnuß ihrer Menschenrechte zu setzen, nicht aber durch Anwendung ge- waltsamer und niedriger Mittel eine allgemeine Zerstörung herbei- zuführen. Die Bourgeoisie verspottet des Arbeiters Streben, seine Klasse in der Welt zur Geltung zu bringen, und erblickt in den Arbeiterorganisationen eine hochven'ätherische Auflehnung gegen die bestehende Ordnung der Dinge. Die Bourgeoisie ver- gißt, daß sie selbst früher dem Adel gegenüber genau in der nämlichen Stellung war, wie jetzt die Arbeiterklasse gegenüber der Bourgeoisie, und daß die politische Anerkennung der Bürgerklasse dem Adel erst abgerungen werden mußte von Männern, die ein Herz hatten für die große Wahrheit der menschlichen Gleich- berechtigung und des allgemeinen gleichen menschlichen Rechts. Des gleichen Rechts— wenigstens bis herunter zu derjenigen Rubrik des Gesellschaftsblattes, in welcher ihre eigenen Namen standen. Hinter dieser Rubrik, da, wo die Arbeiter,„die Proletarier", anfangen, hat die Gesellschaft einen Strich gezogen, der nicht überschritten werden soll. Man fordrc die Rechte und die 74 Anerkennung der Arbeiterklasse, und selbst die liberalsten Zeitungen schrecken zurück, und das Gespenst Jack Cade's*) steigt vor den Augen der entsetzten Bürger auf. Männer, die in anderen Dingen den freiesten Anschauungen huldigen, wollen nicht sehen, daß der moderne Arbeiter zu dein Kapitalisten in demselben Verhältniß steht, wie der frühere Leibeigene zu dem Landcigenthümer. Der Leibeigene bebaute das Land, das seinem Herrn gehörte, für seinen Herrn. Wenn er sich im Schweiß seines Angesichts ein Leben erarbeiten konnte, annähernd so gut wie das der Schweine, die er hütete, so hatte er Alles, was nach den herrschenden Begriffen für einen Leibeigenen nöthig war. Der heutige Arbeiter ist an die Stelle des ehemaligen Leibeigenen getreten, wie der Kapitalist an die Stelle des ehemaligen adligen Grundherrn. Der adlige Grundherr gab seinem Leibeigenen verachtungsvoll die gnädige Erlaubniß zu leben, weil er das Leben des Leibeigenen für sich selbst brauchte. Aber persönlich hatte derselbe weder Rechte noch Werth. Er war ein Ding. Ebenso macht es heute der Kapitalist. Er gibt seinen Arbeitern nur so viel, als zur Erhal- tung ihrer Arbeitskraft erforderlich ist, und nicht einmal das, wenn der„Arbeitsmarkt" so überfüllt ist, daß er ohne Blühe Diejenigen, welche austreten, ersetzen kann. Seine„Hände" sind bloS ein Theil seiner Maschinen. Mit diesen arbeiten sie zu einem bestimmten Zweck: zu vem Zweck, ihn, den Kapitalisten, zu bereichern. Dem Kapitalisten aber ist's ganz gleichgültig, ob die Arbeit mit Kummer verrichtet wird oder mit Freude, ob der Lohn für den Lebensbedarf des Einzelnen ausreicht oder nicht. Sein einziges Geschäft ist, dafür zu sorgen, daß die eisernen und menschlichen Arbeitsmaschinen ihr Pensum Arbeit auch leisten. Es ist wahr, die Arbeit der Welt muß um jeden Preis gethan werden, wenn nöthig, mit Zwangsarbeit; allein dies ist nicht nöthig, und das Kulturziel ist, die Arbeit zu allgemeiner Menschen- pflicht zu machen, so daß jeder Mensch Arbeiter, jeder Arbeiter Mensch wird, ein Mensch mit unveräußerlichen Rechten, nicht Stück einer Maschine, das erbarmungslos ausgenutzt wird, wie ein Stück Elsen. Und ein angemessener, gerechter Antheil an dein Ertrage der Arbeit ist eins der Grundrechte des Arbeiters. Ich spreche so, als spräche ich aus mir selbst, ich wiederhole aber nur, was ich meinen Freund hundertmal sagen hörte. Selbstverständlich war Iosua ein eifriger Republikaner. Muß nicht ein Jeder, der unabhängig denkt, Republikaner sein? Der Republikanismus ist die natürliche Anschauungsweise jedes ver- nünftigen Menschen. Wicht, daß Iosua die regierenden Herrscher durch einen plötzlichen Gewaltakt hätte beseitigen wollen, aber er glaubte, daß die Zeit nahe sei, wo die alten monarchischen Formen mitsammt der aristokratischen Abgeschlossenheit verschwinden würden, nachdem das Wesen der Monarchie bereits längst abgestorben, und daß die Republik unaufhaltsam herankomme, gewissermaßen von selbst komme— dank, zum großen Theil, unserer Monarchie selbst,�*) . i *) Jack Lade(sprich Dschäck Kähd), der bekannteste Führer des englischen Bauernkriegs in der Milte des IS. Jahrhunderts. Er war irischer Abkunft und stellte sich in Stent, wohin er übergesiedelt war, an die Spitze des unzustiednen Volks. Die Aufständischen bildeten eine Art Parlament:„die Gemeinen(eowmcms) von Kent", welche in Beschwerde- jchriflen an die Regierung Abhülfe des tausendfach auf dem arbeitenden Volk lastenden Drucks forderten. Natürlich erfolglos. Vermehrt wurde die Roth noch durch die damals tobenden Kämpfe zwischen den Häusern Lancaster und Jork, die sich gegenseitig die Krone streitig machten (Krieg der weißen und der rothen Rose— so genannt nach den Wahr- zeichen der Parteien). Zuletzt erhob sich das Volk, und Jack Cade zog mit einem Jnsurgentenheer 1450 in London ein; durch Verrath wurde dasselbe an der Ausnutzung des Sieges gehindert und Jack Cade in der Nähe von London meuchlerisch erschlagen. Einer unparteiischen Geschichlschreibung bleibt es vorbehalten, das Andenken dieses Volksmannes, der gleich allen besiegten Volksinännern unter einem Berge von Ver- leumdungen begraben worden ist, von dem Kolhe zu reinigen und zu Ehren zu bringen. Auch Shakespeare, der sich in seinen englischen „Königsdramen" zum.Hofdichter herabwürdigte, hat in„König Heinrich der Sechste"(zweiter Theil) beim Verleumdungswerk wacker mitgeholseu. **) Seit dem Tode ihres Mannes, des Prinzen Albert, hat die (englische) Königin Victoria sich vom öffentlichen Leben gänzlich zurück- gezogen und in wirksamster Weise die Ueberflüssigkeit des monarchischen Schaugepränges demonstrirt, das beiläufig in runder Summe eine -Million Pfund Sterling(das Pfund gleich 20 Mark) kostet. In andern Ländern ist's bekanntlich nicht billiger. die dem Volke gezeigt hat, daß das Königthum entbehrt werden kann, und daß die Dinge ihren gewöhnlichen Lauf gehen, auch wenn es thatsächlich nicht vorhanden ist. Iosua war jedoch keiner der Republikaner, die sich in Phrasen berauschen, auf alles Be- stehende blind losschimpfen und von jedem Mitglied der höhereu Klassen voraussetzen, daß es wissentlich, wider bessere Ueberzeu- gung, aus Selbstsucht und Niedertracht Unrecht thue. Er betrachtete die Menschen als das Produkt der Verhältnisse, machte den ein- zelnen Menschen nicht verantwortlich für die Verhältnisse, und richtete sein Augenmerk vor Allem auf die radikale Umgestaltung der Verhältnisse. Persönliche Angriffe auf politische Gegner, blos weil dieselben politische Gegner, verurtheilte er entschieden, als unwürdig, unklug, und obendrein von Unkenntniß der Verhältnisse zeugend. Dadurch machte er sich viele Feinde und wurde wieder- holt der Lauheit für die Sache, ja des doppelten Spiels angeklagt. „Ihr könnt mich nicht von meinem Standpunkt vertreiben/, pflegte er zu sagen, wenn er in unserem Club— wir hatten in London eine Anzahl von Gesellschaften und Bereinen gegründet— dadurch einen Sturm erregt hatte, daß er den Charakter eines ManneS vertheidigte, dessen Handlungen von ihm selbst vorher angegriffen worden waren.„Ich behaupte, daß wir durch diese kindischen Persönlichkeiten unserer Sache schaden und uns selber nur herabsetzen. Was wir zu thun haben, ist, die Richtigkeit unserer eigenen Prinzipien zu beweisen und das Falsche, das Gemeinschädliche der Prinzipien unserer Gegner hervorzuheben. Wir müssen mit ehrlichen Waffen kämpfen und dem ehrlichen, offenen Gegner nicht die Anerkennung seiner Ehrlichkeit verweigern, sie aber auch für uns fordern. Wenn wir in den Augen der Herr- schenden Klasse Diebe und Räuber sind, und wenn wir unsere Gegner persönlich für Diebe und Räuber halten, wie ist dann eine Verständigung möglich? Wie ist dann der furchtbaren Bar- darei eines Vertilgungskampfes auszuweichen?" Bei einer solchen Gelegenheit kam es zu ernstlichem Streit. L., einer jener fanatischen Mettscheit, die an die Ehrlichkeit eines ! Gegners nicht glauben können und deren Eifer sie zu den heftigsten Schmähungen gegen Jeden verleitet, der nicht mit ihnen übercin- stimmt, erhob sich, klagte Iosua an, ein heimlicher Verräther zu sein und beantragte seine Ausstoßung aus der Gesellschaft. Mehr als Einer aus dem Rath blickte bedenklich drein und schien dem Borschlage nicht abgeneigt, da erhob sich Flourens und ergriff mit solchem'Nachdruck die Partei Josua's, daß die Unzufriedenen zum Schweigen gebracht wurden. Selbst der dünnstimmige kleine Mann, der Iosua angeklagt hatte, und dessen Ehrgeiz es war, als der Robespierre der Gesellschaft angesehen zu werden— als der„Unbestechliche", der weder durch Furcht, noch durch Gunst zu erschüttern war— selbst er verstummte. Denn Flourens war unser Held und er liebte Iosua. Das war zu der Zeit, wo er als Flüchtling hier lebte, Haupt- sächlich mit Studien auf dem Britischen Museum*) beschäftigt, und sich durch seineu Opferntuth, seine Würde, den Ernst seines Lebens die Liebe und Bewunderung Aller erwarb, die ihn kennen lernten. Ich erwähne dies im Vorbeigehen als einen schwachen Protest gegen die Art und Weise, wie man nur zu oft von einem der edelsten Menschen, die jemals gelebt haben, zu sprechen be- liebt, einem Menschen, nicht weniger edel als Delescluze, sein Bruder im Märtyrerthum— als Protest gegen die Art und Weise, wie selbst Solche reden, die es besser wissen müßten und es 'auch besser wissen, die eö aber für politisch halten, mit dem Strom zu schwimmen und Diejenigen zu verfluchen, welchen das Glück nicht gelächelt hat. Durch seine Stellung in der Internationalen und in andern politischen Gesellschaften, die unter den Arbeitern weit verbreiteter sind, als die oberen Klassen sich es träumen lassen, kam Iosua in vertraute Beziehungen zu vielen bedeutenden und mehr oder weniger vortheilhaft bekannten Männern. Es waren Männer von allen Sorten, der läppische, schaumspritzende Phrasendrechsler, dessen Triebfeder Eitelkeit ist; der heißblütige, rücksichtslose Agitator, dem es gleichgiltig ist, wer und was dabei zu Grunde *) Der Hauptbibliothek Englands. 75 geht, wenn nur das Volk in Aufregung, in Bewegung gebracht wird; der verbissene, beschränkte Feind aller besser und höher Gestellten, der Die, welche über ihm stehen, zu sich herabziehen, nicht aber Die, welche unter ihm sind, zu sich erheben möchte; der ehrliche Demokrat, der bereit ist, alle unbedeutenden Meinungs- Verschiedenheiten und Streitpunkte in dem Streben nach dem einen großen Ziel aufgehen zu lassen, und der mit Freuden Gut und Leben hingeben würde für das Beste seiner Sache und Klasse, der aber blind wie ein Maulwurf ist in Bezug auf die Wahl der Mittel— alle waren vertreten. Iosua kannte sie Alle und ließ Alle gelten mit seiner umfassenden, weitherzigen Menschenliebe und Duldsamkeit, durch welche er sich auszeichnete.„Es sind gute Elemente, die nur schlecht gemischt sind, pflegte er zu sagen. Heißt es nicht mit Recht, Schmutz ist nur nützlicher Stoff am unrechten Platze? Kein Zweifel, diese Männer würden als Führer verderblich sein, weil am unrechten Platz— aber wenn man sie an den richtigen Platz stellt, werden sie nützlich sein. Auch für den verkommensten Menschen gibt's eine nützliche Verwendung, geschweige denn für diese Männer, die immerhin über das Durch- schnittsmaß moralischer und geistiger Bildung emporragen." Diese Anschauungsweise Josua's wurde die Ursache, daß er sich mit dem Hauptführer der Londoner Sektion veruneinigte. Dieser war ein Purist, der das Unkraut unerbittlich ausrotten wollte. Iosua dagegen meinte, viel von dem Unkraut sei nur auf schlechten Boden gesäter, verkümmerter Waizen, den man nicht wegwerfen dürfe; er glaubte an die größere Macht des Guten als des Bösen. Er bekämpfte jene engherzige Partcisektirerei, die stets in einem und demselben Geleise steckt, schablonenmäßig denkt, fühlt und handelt. Besonders lebhaft eiferte er gegen die Thor- heir, Jedem, der nicht Arbeiter im engern Sinne des Worts ist, die Fähigkeit ächt demokratischer, sozialistischer Gesinnung abzu- sprechen.„Es heißt das in den Fehler der Gegner verfallen, an die Stelle eines Klassenvorurthcils ein anderes setzen. Was wir wollen, ist nicht, die besitzende Klasse von der Herrschaft ver- drängen und die arbeitende Klasse auf den Thron setzen— wir wollen überhaupt keine Herrschaft, keine Throne. Unsere Sache ist nicht eine Kastensache, sie ist Menschheitssache. Und darum ist jeder Mensch, der dieses begriffen hat, zur Mitwirkung berufen, welcher Klasse er auch angehöre." Das ungefähr waren seine Worte in der Sitzung, wo er den Zorn jenes Puristen erregte. Flourcns war augenblicklich nicht in London, sonst wäre der Bruch vermieden worden.— Iosua zog sich indeß nicht zurück; und obgleich er vorläufig mit seiner An- schauungsweise nicht durchdringen konnte, so hatte er doch nach wie vor Einfluß in der Gesellschaft. Lebte er noch, mein armer Freund, er wäre auch noch Mit- glied der Internationalen, so wie ich es bis zum heutigen Tage bin, und es mit Stolz bin. Ich brauche wohl kaum zu sagen, daß ich bei diesen Debatten auf Josua's Seite stand. Es ist verkehrt, Menschen deshalb der Schlechtigkeit zu zeihen, weil ihnen durch die Verhältnisse, in denen sie leben, Anschauungen ein- geflößt wurden, die den unsrigcn entgegengesetzt sind und sie zu unseren politischen Gegnern machen. Der Regel nach ver- fechten die Menschen nicht eine Sache, die sie für schlecht halten. Die ungeheure Mehrzahl Derer, die für die schlechteste Sache kämpfen, thun es, meiner Ueberzeugung nach, in gutem Glauben. Man nehme den stockreaktionärsten Junker, den geldprotzigsten Fabrikanten— wenn Jener das Volk, welches sein Recht verlangt, niederschießen läßt, wenn Dieser eher seine Fabrik schließt und Hunderttausende zum Fenster hinauswirft, als daß er seinen „Händen" ein paar Pfennige mehr Lohn gibt, so glauben sie unzweifelhaft im Recht zu sein. Die Menschen, welche uns wider besseres Wissen anfeinden, sind vergleichungsweise selten, wenn auch leider noch immer viel zu häufig, und diese Vcrräther an ihrer eigenen Ueberzeugung sind freilich der Auswurf der Mensch- heit und verdienen in vollstem Maße den Haß und die Ver- achtung des Volks. Es ist ein Unglück, daß die Anhänger der verschiedene» Parteien einander so falsch beurtheilcn, so falsche Vorstellungen von einander haben. Kennten unsere Gegner die Sozialisten, die„Umsturzmänner", die„Revolutionäre", die„Blut- Hunde", so würden sie finden, daß dieselben, mit wenig Aus- nahmen, achtungswerthc Charaktere sind. Weg mit den Persönlichkeiten! Der Prinzipienkampf soll und muß ausgekämpft werden; aber er kann es nur auf dem Boden des Prinzips. Da die Prinzipien in Personen verkörpert sind, ist der Prinzipienkampf allerdings bis zu einem gewissen Grade ein Personenkampf, aber die kämpfenden Personen solle» das prin-' zipielle Kampfobjekt nie vergessen.— Bisher ist es nie geschehen und ich zweifle manchmal, ob es überhaupt möglich ist. Allein das weiß ich: wenn es geschähe, würden uns furchtbare Katastrophen erspart, würde das„blutige Chaos" vermieden werden, das unseren Gegnern als Schreckgespenst vorschwebt.(Fortsetzung folgt.) Der Mensch. Bon I. Most. III. Einst galt es für ausgemacht, daß die Erde das Centrum der ganzen Welt sei, und dies stimmte vollkommen zu der bibli- schen Erzählung, nach welcher erst„Himmel und Erde" und nachher„Sonne, Mond und Sterne"„geschaffen" wurden. Kopernikus, Keppler, Galilei und Andere haben diesen Unsinn gründlich abgethan, so zwar, daß allenfalls noch Leute wie Knaak sich vor aller Welt durch sonnenschieberische Be- hauptungen lächerlich machen können, in jeder Dorfschule aber darüber mindestens geschwiegen werden muß. Die nämliche Rolle, welche aber verkehrterweise der Erde gegenüber der Welt ange- dichtet worden war, die nämliche Rolle haben unsere Fabeldichter dem Menschen gegenüber der Erde zugetheilt. Er soll„Herr der Erde" sein, während alles Uebrige nur zu seinen speziellen Zwecken da ist! Man sollte denken, ein achtjähriges Kind müßte das Unsinnige dieser Annahme einsehen, denn es benierkt in seiner_,. nächsten Umgebung so Vieles, was den Menschen nicht nur nicht fanden Allerlei, was auf ein äußerst hohes Alter des Menschen- erfreut, sondern ihm äußerst lästig fällt. So einfältig indeß die geschlechts hindeutete, so namentlich ganz rohe Werkzeuge i» bedeu- Hypothese ist, so schwer fällt es der modernen Wissenschaft, sie tender Tiefe; aber das Vorurtheil verlachte derartige Bestrebungen. ""t Stumpf und Stiel auszurotten. Freilich sind die diesbezüg- Erst im Laufe dieses Jahrhunderts, wo immer zahlreichere Uchen Thatsachen, wie sie durch die neuesten Forschungen fest- Forscher immer eifriger sich der Sache annahmen, gelang es, den „Im wahrc» Ursprung des Menschen erlannt ,u haben, ist für alle mensch- lichm Anschauungen eine so folgenreiche Entdeckung. dost eine tiinstige Zeit dieses Ergebnist der Forschung vielleicht für das gröstte halten Ivird, welches dem Mensche» zu stnden beschieden war." Schaafhausen. gestellt worden, so schlagend, daß man erwarten darf, sie werden endlich den Ammenmärchen das Lebenslicht ausblasen. Das Alter der Menschheit wird von den Juden und Christen auf ungefähr 6000 Jahre angegeben, und wenn vielleicht auch schon in sehr früher Zeit Mancher in diese Jugend der Welt gelinde Zweifel setzte, so war es doch nicht leicht, unwiderlegliche Gründe ins Treffen zu führen. Was die eigentliche Geschichte anlangt, so wird sie— von ihrer allgemeinen Ungenauigkcit ganz abgesehen— desto verschwommener, je weiter man in ihr zurückblättert. Und was vor circa 3000 Jahren passirte, das schwebt schon völlig im Dunstkreise der Sagen. Demnach kann uns die geschriebene Historie über die ältere Vergangenheit gar keinen Aufschluß geben und wir müssen ihn anderswo suchen: wir müssen die Erdoberfläche durchwühlen! Dies leuchtete bereits vor längerer Zeit manchen Wissensdurstigon ein; sie suchten und 76 hartnäckigen Widerstand zu brechen. Es wurden nämlich fast in allen Theilen der Welt, in Deutschland, Belgien, England, Frank- reich, Italien, Spanien, wie auch in Asien, Amerika und Australien Höhlen entdeckt, in denen nicht nur Ueberreste von Menschen- und Thierknochen sich vorfanden, sondern auch allerlei Geräth- schaften, aus denen der Kulturzustand ihrer einstmaligen Besitzer zu erkennen war. Die Thierknochen rührten größtentheils von sogenannten vorweltlichen, jetzt ausgestorbenen Thieren her, wie z. B. vom Mammuth, vom Höhlenbären, vom Riesenhirsch, vom Auerochs u. s. w., und waren meist gespalten, was darauf schließen ließ, daß das Mark den Menschen zur Speise diente. Die Geräthschaften waren in der Regel aus Stein und ganz grober Natur: Aexte, Hämmer, Messer u. dgl.; auch fanden sich hie und da Scherben von rohen Töpferwaaren und verschiedene Werkzeuge aus Knochen; mitunter sogar Zierrathen, was an den mannichfaltigen darauf angebrachten Kritzeleien zu erkennen war. Endlich fehlten auch angebrannte Knochen und die Ueberreste von Holzfeuern nicht. Am meisten Aufsehen erregte die Entdeckuug der Höhle von Aurignac im südlichen Frankreich, in welcher 17 menschliche Skelette vorgefunden wurden, und die durch einen großen Sandstein verschlossen war. Bei genauerer Untersuchung stellte es sich her- aus, daß die Höhle als Begräbnißplatz gedient hatte, während deren Vorplatz zum Abhalten von Leichenschmäusen benutzt worden sein muß. Denn es fanden sich da Lager von Asche und Holz- kohle», große Mengen thicrischer Knochen und Bruchstücke von primitiven Werkzeugen aus Feuer- oder Flintst�jn u. f. w. Hinsichtlich des Alters dieser Höhle weicht die Schätzung der Gelehrten zwischen 50,000 und 100,000 Jahren vor der jetzigen Aera auseinander; auf jeden Fall spottet das Alter dieses seltsamen Hebert. Originalzeichnung.(Siehe Seite 80.) Drtes allen landläufigen Traditionen und auch den älteren ge- lehrten Spekulationen, welche in der Behauptung gipfelten, daß sich die Erde seit etlichen Tausend Iahren in einem Zustande der Ruhe befinde und erst seit dieser Zeit lebende Wesen beher- berge, während vorher lauter Umwälzungen stattfanden. Nun ist es zwar richtig, daß die Oberfläche der Erde sehr veränderlich ist, so daß heute die Meereswogen ihr Spiel treiben, wo einst Festland war, und umgekehrt Berg und Thal sich ausbreiten, wo sich ehedem Fische tummelten; diese Veränderungen sind aber nicht Plötzlich und gleichzeitig auf allen Seiten der Erde eingetreten, sondern»ach und nach. Es hat z. B. da und dort großartige Ueberschwemmungen u. dgl. gegeben, unmöglicher Weise jedoch eine sogenannte allgemeine„Sündfluth". Solche Höhlenfunde waren indeß allein noch.nicht im Stande, das Vorurtheil des geistcslahmen Gedanken-Schlendrians zu brechen; an dem Alter der Grotten selbst war nicht leicht zu rütteln; allein man erklärte, die Knochen:c. seien bei Gelegen- heit von Ueberschwemmungen aus viel jüngerer Zeit zufällig an jenen Orten zusammengespült, und stützte sich dabei hauptsächlich darauf, daß in den Erdschichten selbst in entsprechender Tiefe nichts vorgefunden worden sei, was mit dem Menschen in Ber- bindung gebracht werden könne. Die Wissenschaft indessen, weit entfernt, sich durch die Hartnäckigkeit der Fortschrittsfeinde beirren oder entmuthigen zu lassen, griff die Einwendungen auf und betrachtete sie als Fingerzeige für das weiter einzuschlagende Beweisverfahrcn.(Fortsetzung folgt.) 78 Mnaldowsky. Eine moderne Räubergeschichte von A. Otto- Walster. VII. Die schöne Erde, auf welcher wir, wenns hoch kommt, achtzig Jahre zu leben haben, wird von niancherlei Ungeziefer bewohnt, und auf demselben Boden, auf dem die duftige Mairose ergliiht, nährt sich auch die Giftpflanze. Wer aber wollte entscheiden, ob die Giftpflanze so schlimm geartet, weil ihr die Rose alle edlen Stoffe entzogen, oder ob die Rose so schön deshalb, weil das Giftkraut alle schlinimen Stoffe in ihrer Nähe absorbirt? Der Mensch schafft Ordnung in der organischen und un- organischen Welt, er bildet und vflezt, schützt und bereitet vor, er reißt das Unkraut aus den« Garten, um den Nutz- und Zier- pflanzen Luft, Licht und Raum zu schaffen; er vernichtet das Ungeziefer und allerlei Raubthiere, aber in seinen Gesellschafts- einrichtungen ist er über die rohesten Anfänge einer Ordnung trotz aller Kultur nicht hinausgekommen. Nur wer ganz plump und roh an den gesetzlichen Schranken und Zäunen rüttelt, ver- fällt dem Gesetz, und es sind gerade diese Unholde oft ganz gut organisirte Naturen, denen nur die Pflege fehlte, welche an andere überreichlich verschwendet wurde. Wie viel Verbrechen werden aber begangen, für welche es keine Strafe gibt, obwohl sie nicht selten scheußlicher sind als solche, welche man bestraft! Im All- gemeinen muß man doch annehmen, daß die Vernichtung der Existenz eines ehrlichen Menschen mit zu den größten Verbrechen zählen muß, trotzdem gibt es eine Unzahl von Handlungen und Verfahrungsweiscn, welche solche Vernichtungen im Gefolge haben, aber weder bestraft werden noch allgemeine Verachtung nach sich ziehen. Rinaldowsky hat zwar niemals nach einem Ehrenamte gestrebt, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß er je nach seinen Fähigkeiten und weit über deren Werth hinaus bei einiger An- strengung dergleichen„Ehren"ämter in Hülle und Fülle erlangt hätte, wie so mancher Andere, der sich später als Betrüger und Schurke gänzlich entpuppte. Und was thut dieser Mensch? Er arbeitet unter dem Schutz und mit Zuhülfenahme der Gesetze und ihrer bestellten Organe an der Ausbeutung seiner Mitmenschen bis zu deren gänzlicher Ruinirung, und Niemand steht auf und sagt:„Hier ist Schurkerei," weil wegen dieses Wortes jedes Gericht ihn verurtheilen würde. Wahrlich, es ist hohe Zeit, daß die Völker anfangen, einander durch vernünftige Einrichtungen in ihrem Innern zu befreien. Wir finden das neueste Opfer des Henn Rinaldowsky wenige Tage später in derjenigen Stimmung, welche Shakspcare in dem unsterblichen Monologe Hamlet's, beginnend mit den Worten: „Sein oder nicht sein?" so meisterhaft geschildert. Wie ihm von vertrauten Freunden mitgetheilt worden, hat er infolge des Rache- akts jenes Menschen für die nächsten Tage eine Vorladung vor das Militärgericht zu erwarten, und das Ergebniß der Untersuchung ist zweifellos: Cassation, Verlust der Stellung, der Existenz, der Ehre! lieber dem Schreibtisch hängt der Revolver, auf dem Tische liegt Etwas, was ihm mehr Schmerz und Seclenangst bereitet hat, als ihm das Mordwerkzeug bereiten kann, schriftlicher Abschied von einer in ihren Kindern nur lebenden Mutter, von einem ernst und rechtlich denkende», treu sorgenden Vater, und von innig theilnehmenden Geschwistern. Diese Qual ist überstanden, die letzte ist die schrecklichste. Kopf, Hand und Herz sträuben sich, ihren Dienst für einen solchen Abschied zu thun. Denn wenn er die Worte geschrieben:„Meine herzige Jessy," dann tritt die liebliche Gestalt deutlich vor seine Augen, ihr goldenes Haar glänzt in warmen Sonnenwellcn, die schönen Augen senken sich tief in die seinigen und tauchen hin- unter bis an sein Herz. Und die süßen Klänge ihrer Stimme klingen vernehmlich und sagen:„Was Sie auch zu ertragen haben, was Ihnen auch zustoßen mag, denken Sie nicht blos an sich, sondern vor Allein an die Nothwendigkeit, daß Sic sich mir er- halten; ich müßte sterben, wenn Sie von mir gingen!" Hiinm- tische Worte, heilige Worte, wenn es etwas Heiliges ans Erden gibt, sind die, welch« aus einem begeisterten Herzen rein und unberechnet hervorströmen. Ihre Macht ist eine zauberhafte. Wie oft ein einziger Sonnenstrahl den Grau in Grau gezeichneten Himmel mit wunderbar schönen Farbentönen erstrahlen läßt, so läßt ein schöner Gedanke, eine leuchtende Idee, ein gutes Wort im Geistesleben der Völker wie in dem der Einzelwesen neues Leben, schöneres Streben entstehen. Und auch in unseres unglücklichen Helden Seele leuchtete es mit einem Male, Nebel zerstreuend. „Wie?" rief er, das Papier wegwerfend,„eine Geldeintreibe- maschine, wie jener Rinaldowsky, sollte in meinem Geiste obsiegen über die mahnenden Bitten meines Engels? Ich kann auch leben ohne Uniform, ich habe Etwas gelernt. Die Meinen schätzen den Menschen höher als das Kleid, und sie, wenn sie das Kleid mehr liebte, nun, dieses Kleid kann sie vielfach wieder- finden, der Schneider macht davon so viel, als ihm bezahlt wird. Für mich freilich fällt mit der Kleidung auch die Stellung, aber noch bin ich jung." Schnell hatte er die Briefe an die Seinen zerrissen und einen anderen an deren Stelle vollendet. Nun schrieb er an das Mini- sterium kurz und bündig. Er wußte, daß da andere Begriffe von Ehre herrschten, als vor dem Forum der unbefangenen, reinen Vernunft, aber er vertheidigte sich in seinem Schreiben, als hätten beide Anschauungen da zu urtheileu. Und nun schrieb er an die Geliebte: „Theuerste Jessy! Das Verhängniß, welches Ihr besorgtes Herz ahnte, ist hereingebrochen und konnte trotz Ihres freundlichen Opfers nicht abgewehrt werden. Der Offizier ist zu Grunde gegangen, aber der Mensch steht heute noch ehrenhaft und uubcschmutzt da, es handelt sich für ihn nur um ein neues Ringen iin Kampf ums Dasein und dabei um— eine zeitweilige Trennung. Ein Wort der Aufmunterung, von Ihren lieben Lippen gesprochen, würde mich mit neuer freudiger Kraft erfüllen zu neuen Thaten und zu neuem Leben. Doch wie es auch kommen mag, treu bis zum Tod bleib' ich, so lang Sie wollen Ihr Franz." Und an den Vater der Geliebten schrieb er die Worte: „Herr Obrist! Lange bevor ich in einer glücklichen Stunde Fräulein Jessy kennen lernte, nöthigte mich die sinanzielle Bedrängniß eines theuren Freundes, bei dem es sich um Ehre und Leben, fast wie bei mir infolge dessen, handelte, Verpflichtungen einzugehen und mit einem Ehrenschein zu decken, den ich nun zwar ein- gelöst, aber nicht so früh, daß ick) dem Wucherer die Möglich- keit abschnitt, meine Familie und mich mit hämischen, ehren- rührigen Ausdrücken zu verletzen, deren Zurückweisung den rachsüchtigen Mann veranlaßtc, mich bei meiner Behörde zu dcnuuzireu. Um den Schritten, die darauf folgen dürften, zuvorzukommen, habe ich mein Enilassungsgesuch eingereicht und will sehen, was ich sonst Nützliches auf Erden schaffen kann, da ich mich bemüht habe, etwas mehr zu lernen, als ein Offizier unumgänglich zu seinem Berufe bedarf. Da ist nun eine Trennung geboten, die wir um so schmerzlicher, als ich nicht weiß, wie lange sie dauern muß. Sie könnten vielleicht denken, daß' ich mich bemühe, mit beschönigenden Worten Schlimmeres zu verhüllen, deshalb nenne ich Ihnen den Namen des Mannes, der Schuld trägt an dieser meiner Lebenswendung. Er heißt Rinaldowsky. Die Stadt kennt ihn, ich lernte ihn zu spät kennen. Mein Reiseziel wird ein weites sein. Mich zieht's nach dem jugendstarken Lande, dessen würdiger Bürger Sie sind, da wird man einen gründlich unterrichteten Ingenieur vielleicht besser brauchen können, und da darf ich vielleicht hoffen, Ihnen früher wieder unter die Äugen treten zu dürfen. Inzwischen nehmen Sie herzlichsten Dank für Ihre Nachsicht und stets freundliche Aufnahme." So war Alles geordnet. Und der jnnge Offizier reiste nach einer benachbarten Provinzialstadt, wo der Truppenkörper in Gar- »ison lag, dem er angehörte und von dem er kürzlich zum Generalstab kommandirt worden. Man empfing ihn dort ziemlich kühl, man hatte schon gehört, und auf besondere Theilnahme hatte er um so weniger zu hoffen, als seine Berufung zum Generalstab nicht ohne Weid empfunden worden. Er hatte Urlaub nur auf einige Tage erhalten, pünktlich kehrte er in die Residenz zurück — mit was für Gefühle»! Wenn er auf seinem Wege vom Fingeyeige mm Bon 1. Die Schädlichkeit des Äohlcndunstcs.(Schluß.) Dies wird erst dann möglich sein, wenn aus den Beobachtungen ! praktischer Aerzte nicht allein Material zu einer Statistik der Plötz- lichen durch Kohlendunst verursachten Todesfälle, sondern auch des Siechthums und derjenigen Krankheitsdispositionen geliefert wird, mit welchen die langsame Einwirkung des Kohlenoxtchgases die Menschen heimsucht. Man schiebt das Schreien und die Schlaflosig- keit des nahe dem Ofen gebetteten Säuglings„dem Zahnen" in die Schuhe, die blaffe Farbe, das Abmagern und die Mattigkeit des altern Bruders„den Würmern", dem„vielen fernen" oder„den Skropheln"; die Mutter meint, vom Nachtwachen und von den vielen Sorgen ganz wirr im Kopf zu werden; und der Vater klagt, er müsse sich„erkältet" haben, eine solche Wüstheit und solches Brennen habe er im Kopf und dabei schlechte Verdauung und häufige Uebclkeit. So lautet das gewöhnliche Urtheil, und sehr schwer ist es, die Betreffenden zu überzeugen, daß ihre Leiden doch ganz andere Ursachen haben. Wessen Aufmerksamkeit aber erst auf den Kohlendunst als krankmachenden Faktor gelenkt worden ist, der findet sehr bald, daß in den allermeisten Fällen die ge- nannten und zahlreiche andere Leiden der Einwirkung des Kohlen- dunstes entweder ausschließlich oder im Zusammenwirken mit andern krankmachenden Ursachen ihre Entstehung verdanken. Wie, müssen wir jetzt fragen, verhält sich dem gegenüber die berufene Hüterin des öffentlichen Wohls, die Staatsbehörde mit ihren verschiedenen Organen, der Exekutiv-, der Sanitäts- und der Baupolizei, wie ihre Auftraggebcrin, die heutige bürgerliche Gesell- schaft? Dies, lieber Leser, wollen wir jetzt untersuchen. Wenn man die Aufgabe hat, einen Uebelstand zu bekämpfen— und ich denke, die Sanitätspolizei hat diese Aufgabe in Bezug auf die Kohlendunst-Unglückssälle und Erkrankungen—, so kann man nur dann auf Erfolg rechnen, wenn man die Unistände ver- hütet, unter denen sich das Uebel entwickeln kann, im vorliegenden Falle also der Entstehung von Kohlendunst und dem Eintritt desselben in den Raum, wo Menschen athmen, vorbeugt. Nun entsteht der Kohlendunst allerdings meistens durch zu frühzeitigen, wenn auch nur theilweisen Verschluß der Ofenklappen. Es bildet sich dann mehr Kohlenoxtzdgas, dasselbe findet im Ofen nicht Raum und entweicht durch Spalten und Ofenthüre in das Zimmer. Aber er entsteht auch auf andere Weise. Häusig ist das Rohr durch Ruß verstopft oder der Ofen schadhaft, schlecht verkittet, hat Risse und Löcher, die Röhren, besonders die eisernen, sind alt, dünn und löcherig geworden und passen nicht mehr dicht in einander, ebenso die häusig vorhandenen eisemen Ringe. Wird ein solcher Ofen geheizt, so tritt zwar stets eine gewisse Menge Kohlendunst ins Zimmer, ganz besonders stark ist dies aber der i�all, wenn der Ofen außerdem auch nicht ordentlich gereinigt ist und deshalb schlechten Zug hat. Auch Holzgegenstände erzeugen, wenn sie sich dem Ofen zu nahe befinden, giftige Dünste und entwickeln KohlenopchgaS, auch schon bevor sie sich bräunen, so namentlich Balken, Nahmen, Holztäfelung an Thüren und Rischen, Schränke und zum Trocknen auf den Ofen gelegtes Holz. Auf diese Weise kann schon lange Zeit eine Bildung von Kohlen- °p)d stattfinden, das Holz kann selbst anfangen zu verkohle», ehe os bemerkt wird, da wegen des Anstrichs die Bräunung des Hölzes °sl nicht gesehen werden kann. Die über Bäckereien gelegenen | Wohnungen sind besonders in dieser Weise gefährdet. Wenn die Bahnhofe ab von ferne einen Degen klirren hörte, wich er beiseite in den Schatten der Häuser oder der Bäume. Sonst und jetzt! Vor der zeitigen Einkehr in seine bescheidene Wohnung schreckte es ihn auch ab, zu schrecklich waren ihm die stummen Zeugen seiner zeitweiligen Geistesverwirrung, der sein Gemüth ja jetzt noch nicht so fem stand, und darum suchte er dieselbe Ecke in der freundlichen Weinstube, in welcher er auch diesmal des Doktor Hauderer Humorquelle über Welt, Leben und Zeit lustig plätschern hören konnte.(Fortsetzung folgt.) gesunden Leben. ,. V. Ofenthüren schlecht sind und durch Heransfallendes Brennmaterial die Dielen ansengen, können sich auch beträchtliche Mengen von Kohlendunst im Zimmer bilden. Dies kann auch eintreten, wenn durch Windstöße der Rauch durch den Schornstein ins Zimmer getrieben wird. Das Plätten(Bügeln) ist ebenfalls eine hän- fige Gelegenheit zur Bildung von Kohlenoyyd resp. Kohlendunst, wenn auch bei vorsichtigem Verfahren in geringer Menge. Plät- terinnen sollten nie bei ganz geschlossenen Fenstem arbeite». Da sie dies der Regel nach versäumen, klagen sie meist Uber Kopf- gicht, häufige Uebelkeit:c., ganz besonders aber, wenn sie Plätt- eisen mit Selbstheizung benutzen; diese sind die gefährlichsten, weil bei ihnen aller entwickelte Kohlenrauch im Zimmer bleibt. Die in Neubauten zum schnellen Trocknen derselben aufgestellten Coaksöfen entwickeln massenhaft Kohlendunst; die Arbeiter, die gezwungen sind, sich in der Nähe derselben aufzuhalten, haben dann oft sehr darunter zu leiden. Aber schon durch die Wan- dung jedes eisemen Ofens strömt— wie durch die Versuche von Trost und Deville festgestellt— wenn dieselbe glühend ist, Kohlenoxydgas. Besonders viel haben vom Kohlendunst die Berg- leute zu leiden. Erstens entwickeln viele Kohlengruben schon von selbst schädliche GaSarten, die bei unzureichender Ventilation für die Bergleute oft tödtlich werden. Dann bildet sich durch Inbrandgerathen der Holzverzimmerungen in den Gmbengängen zuweilen gefährlicher Kohlendunst, der manchmal erst nach längerer Zeit entdeckt wird und von den Bergleuten unter dem Namen „Brandwetter" gefürchtet ist. Auch die bei Sprengungen in den Minen sich anhäufenden Verbrennungsgase des Sprengpulvers enthalten— wie Prof. Poleck in Breslau nachgewiesen— beträchtliche, der Gesundheit schädliche Mengen Kohlenoxhdgas. In Vorstehendem sind die hauptsächlichsten— aber lange noch nicht alle— Entstehungsgelegenheiten des Kohlendunstes angegeben. Du wirst nun, lieber Leser, fragen: was haben die Behörden gethan, was thun sie, um den durch Kohlendunst ver- ursachten Unglücksfällen und Erkrankungen vorzubeugen? Ich weiß darauf weiter nichts zu antworten, als: das Polizeipräsi- dium in Berlin und einige andere Regierungsbehörden, z. B. der Hamburger Senat haben„Warnungen" in den Amts- und einigen anderen Blättem erlassen, die Ofenröhren nicht zu früh zu ver- schließen, weil dadurch schon häusig Unglücksfälle vorgekommen sind. Das ist Alles, was von dieser Seite aus ge- schchen ist.— Wir haben oben gesehen, daß die Ofenklappen, schadhafte Oefen, Ofenthüren, eiseme Röhre und Ringe, Glühend- werden der eisemen Oefen und zu große Nähe von Holzgegen- ständen die meisten Kohlendunstvergiftungen herbeiführen. Läge es nun nicht nahe genug, der Bauordnung, die über ganz un- wesentliche Dinge lange Bestimmungen enthält, einen Paragraphen einzufügen, der etwa lautet: „An keinem zur Heizung dienenden Ofen darf eine Borrich- tung zum Verschluß des Rohres angebracht sein. Der Besitzer des Hauses ist hierfür verantwortlich, sowie für den guten Zu- stand dieser Oefen, für den luftdichten Verschluß der Ofenthüren, der Röhren und Ringe, für die gehörige Reinigung dpr Oefen, für genügende Entfemung der Balken und Holzrahmen vom Ofen, sowie dafür, daß nur solche eiserne Oefen zum Heizen benutzt werden, welche durch Vervielfältigung der Wände eine Garantie gegen das Glühendwerden deS Heizrohres bieten." Erhielte eine derartige Bestimmung Gesetzeskraft und würde durch eine wachsame, unangemeldete und dauernde Controle der Heizeinrichtungen für genaue Beobachtung derselben gesorgt, öl) Procent der jetzt fortwährend vorkommenden Kohlen- oxydvergiftungen wären unzweifelhaft von vornherein vermieden. Dies ist so einfach, daß es einem Kinde einleuchten muß. Auch wird durch luftdichten Verschluß der Ofenthüren, bei sonstigem guten Zustande des Ofens, die Entweichnng der Warme ebenso wirksam verhindert, wie durch Klappcnverschlnß des Rohres. Leider sind die Kinder keine Gesetzgeber und Sauitätsbeamte, und daher geschieht von alledem gar nichts. Wohl kümmert sich die Behörde mit einer peinlichen Aengstlichkeit um viele Dinge, die dem schlichten Menschenverstände höchst unwesentlich erscheinen. Wenn bei Revision einer Apotheke— die allerdings fast immer schon einige Zeit vorher dem Besitzer angekündigt wird— ein Gefäß mit Bleiweiß oder Kupfervitriol oder Höllenstein vor- gefunden wird, dessen Schild nicht mit einem rothen Rande versehen ist, so schreibt der Revisor ein seitenlanges Protokoll über den fehlenden rothen Rand, und die Regierung gibt dann dem Apotheker auf, schleunigst den rothen Rand anzubringen, und diktirt ihm eine Nachrevision zu. Man könnte hier wohl sagen: „Difticile est satyram non scribere"(es ist schwer, keine Satyre zu schreiben), wenn nicht die Sache zu ernst wäre. Weil vielleicht ein Apothekerlehrling ein nicht rothberändertes Gefäß voll Bleiweiß mit einem solchen voll Magnesia verwechseln könnte — obgleich daS sehr unwahrscheinlich ist—, wird der ganze Regierungsapparat in Bewegung gesetzt, um zu bewirken, daß in allen Apotheken der preußischen Monarchie— wie es anderwärts ist, weiß ich nicht— die Bleiweißgefäße mit rothen Rändern versehen sind, damit sie nicht mit Gefäßen unschädlicheren Inhalts verwechselt werden können. Daß aber Jahr für Jahr viele Hun- derte von Menschen durch schlechten, aber verbesserungsfähigcn Zustand der Oefen ums Leben kommen und Millionen Menschen dadurch krank und siech werden, das schiert keine Bureaukraten und national-servile Gesetzgeber.�) Hätte man da wohl Unrecht, *) Wie sich die Aufmerksamkeit der Behörden oft auf ganz un- wesentliche Dinge concentrirt und wirklich beachtenswerthe unbeachtet läßt, dafür könnten noch zahlreiche Beispiele angeführt werden. Hier nur eins. Quecksilbersublimat muß in den Apotheken und Droguen- Handlungen unter doppeltem Verschluß gehalten werden, und bei Rem- Aus der alten un Hebert(sprich Ebähr), dessen Portrait wir Seite 77 bringen, war eins der Häupter der Pariser Commune von 1793 und 1794. Im Jahre 1755 zu Alen-.wn von armen Eltern geboren, erwarb er sich durch außerordentlichen Fleiß, unterstützt von guten Anlagen, einen Schatz von Bildung und Kenntnissen, welcher ihn nach langem Ringen in den Stand setzte, mit Erfolg die journalistische Laufbahn zu betreten. In die Revolution warf er sich mit Feuereifer, jedoch ohne berauscht zu werden. Seine berühmte Zeitung„Lere Itueböne"(spr. Pähr Düschähn) wetteifert mit Marat's„.Ami du Peuple"(spr. Ami dü pöhpl) und „dournnl de la Republique"(spr. Schurnall dla Repüblick) in richtiger (wir würden sagen„staatsmännischer", wenn das Wort nicht durch unsere modernen„Staatsmänner" in Mißkredit gekommen wäre) in ächt praktischer Auffassung der Verhältnisse. Bon ihm hat die Partei der„Hebertisten" ihren Namen, d. h. die Partei der Rcvolutionsmänner, welche mit ihm begriffen, daß die Revolution unvollständig sei, wenn sie blos die politi- scheu Formen und nicht auch den sozialen Inhalt der Gesellschaft um- gestalte. Kurz, die Hebertisten repräsentirten das sozialistische Element in der französischen Revolution, so weit danials ein solches entwickelt sein konnte. Hebert wurde im Frühjahr 1794 mit den bedeutendsten seiner� Mitstreiter von dem fanatischen Kleinbürger Robespierre aufs Schasfot geschickt. Bier Monate später, am 9. Thermidor, folgte ihnen der beschränkte Gesellschafts- und Gottretter aufs Blutgerüst nach. Durch seinen Staatsstreich gegen die Hebertisten hatte er sich selbst den Boden unter den Füßen weggezogen. Tintoretto am Sterbebett seiner Tochter.(S. d. Bild S. 7«.) Auf den Straßen und Plätzen Venedigs herrscht ftöhliches Leben. Ueberall ertönen die heiteren Klänge der Musik, welche die lebensftohe ZNenge Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht in Leipzig.— wenn man behauptete, ein Regierungsapparat, welcher sich so nn- fähig zeigt, bestehende, so leicht ans dem Weg zu räumende Uebel- stände zu bekämpfen, beweise dadurch, daß seine Existenz selbst das größte Uebel ist? Aber diese völlige Unthätigkeit seitens der Behörden hat auch Unthätigkeit und Gleichgiltigkeit seitens der direkt Betheiligten zur Folge. Weil keine Behörde die Haus- wirthe dazu anhält, wollen diese nur in den seltensten Fällen Verbesierungen an den Oefen anbringen lassen: das können ja; die Miether selbst thun, wenn ihnen der Ofen nicht gefällt. Die Miether ihrerseits wissen, daß ihnen nur zu häufig, wenn sie etwas zur Verbesserung der Wohnung thnn, vom Wirth entweder die Miethe gesteigert oder die Wohnung ganz gekündigt wird. So unterbleibt auch ihrerseits meist jede noch so nöthigc Re- paratnr, und sie ruiniren sich für die schwere Miethe noch ihre Gesundheit und verkürzen sich das Leben. Hat sich jedoch erst die Einsicht immer mehr verbreitet, daß es so nicht weitergeht, daß das allgemeine Wohl einen besseren Zustand und eine strengere Eontrole der Heiz- und Ventilationsvorrichtnngcn erfordert, so wird die Gesetzgebung und Verwaltung— sei es die jetzige oder eine andere— dieser Forderung, dieser sittlichen Empörung über die schreiende Vernachlässigung des allgemeinen Wohlseins ent-' sprechen müssen. So gut sich die Herren Hausbesitzer haben daran gewöhnen müssen, daß die Behörde sich von der Reinigung ihrer Latrinen überzeugt, werden sie sich auch daran gewöhnen, daß die Heiz- und Vcntilationsvorrichtungen ihrer Häuser wo- � möglich noch strenger controlirt werden. Inzwischen entferne Jeder, wo er nur kann, aus freien Stücken die Ofenklappen und sorge für Anbringung luftdicht schließender Ofenthüren, für gute Ver-! schmierung der Fugen, gute Röhren. Wo eS möglich ist, bringe man Doppelfenster oder Doppelscheiben an, welche die Ausstrahlung der Wärme mehr hindern, als sie die Klappe zurückhält, sowie kegelfönnige, oben und unten offene Schornsteinaufsätze, die das Zurücktreiben des Rauches durch den Wind verhindern. Allen I wird das freilich nicht möglich sein; in der heutigen Gesellschaft ist eben ein wirklich gesundes und glückliches Dasein für die Mehrzahl nicht möglich und die bessereu Elemente können nichts Besseres thun, als diese Erkenntniß immer weiter verbreiten. sionen wird streng auf die Beachtung dieser Bestimmung gesehen. Daß j es aber Tintenfabrikanten gibt, die dieses heftige Gift jede Woche pfnnd- � weise ihrem Fabrikate zusetzen, darum kümmert sich keine Sanitätsbehörde. der neuen Welt. zum festlichen Reigen einladen. Alle Fenster sind geöffnet und von den geschmückten Ballonen herab schaut der stolze Adel der Lagunenstadt dem bunten Treiben zu. Aber unheimlich sür das Auge wirkt das Dunkel eines Hauses zwischen den festlich erleuchteten Palästen. Durch die herabgelassenen Jalousien hindurch dringt nur der matte Strahl einer Ampel, sonst herrscht überall dichte Finsterniß.— Hier waltet tiefe Trauer. Wersen wir einen Blick in das einsame Gemach, das nur spärlich vom Ampelsckiein erleuchtet ist. Auf dem Pfühl liegt dahin- gestreckt eine Jungfrau, deren marmorblasse Wangen errathe» lassen, daß sie eine Beute des Todes geworden. Wer hatte es geahnt, daß das noch vor Kurzem blühende, anmuthige Antlitz sich so schnell ent- färben würde, daß die einst so wohlklingende Stimme für immer ver- stummen sollte! Noch vor wenigen Tagen konnte man sie mit der Palette und dem Griffel sehen, wie sie ein Gemälde voll von Farben- reichthum, reich an Genialität der Erfindung unter Leitung ihres Meisters vollendete, lind wer war dieser Meister? Ihr Vater, der berühmte Tintoretto, unter den Schülern Tizians der besten einer, der durch die Freskenmalerei im Markusdom sich für alle Zeiten(Tintoretto lebte von 1512—1594) ein Denkmal unvergänglichen Ruhms gesetzt hat. Ver- zweifelt und gebrochenen Herzens kniet er am Todtenbette der heiß- geliebten Tochter, die in den Tagen des Kummers sein einziger Trost, in der Zeit des Glücks sein höchster Stolz war. Hg. „Die Wahrheit steckt tief im Brunnen"— hat Dcmokrilos gesagt,* und die Jahrhunderte haben es seufzend wiederholt: aber es ist kein Wunder— wenn man, sobald sie heraus will, ihr auf die Finger schlägt. Schopenhauer. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig.