Jt 24.] Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig.— In Heften ä 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. Goldette lind eiserne Ketten. Erzählung aus schweren Tagen von C. Lübeck. „Schrecklicher Schwätzer, dieser Mensch," sagte Graf Falken- bürg, als die Thür sich hinter Silberberg geschlossen.„Daß man mit solchem Lumpengesindel verkehren muß." Er öffnete das Fenster, um frische Luft einzulassen. „Das sind unsere Leichenwürmer," stimmte der Landrath bei. „Die verzehren uns mit ihrem Gelde bei lebendigem Leibe. Hoffentlich wird sich unter dem neuen Könige Alles zum Besten gestalten. Er ist ganz für nnS, und wenn mich meine Hoffnungen nicht trügen, dann stehen wir am Vorabende der neuen Leibeigen- schaft. Thörichtes Experiment— französische Nachäffung, die Bauern frei zu machen. Wie voll man die Backen genommen: »„Mit dem Martinitage 1810 hört alle Gutsunterthänigkeit auf. Nach dem Martinitage 1810 gibt es nur freie Leute."" Lach- hafte Neuerung! Wenn sie doch auch gleich dckretirt hätten: Nach dem Martinitage 1810 lebt jeder frühere Eingesessene von �uft und Mücken." „Ohnmacht von Staatsweisen zeigte sich schon bei Edikt vom 30. Juli 1812," sagte Graf Falkenburg.„Wie heißt es doch darin?...„„Das Uebergewicht, welches einzelne Klassen von Staatsbürgern durch ihren vorherrschenden Einfluß auf die öffent- lichen Verwaltungen aller Art haben, da dieser gleichmäßig ver- (Fortsetzung.) gebührt. Dazu ist er Mensch mit rebellischen Gedanken, der- Bauern aufhetzt gegen Herrschaft und König." „Wir haben jetzt einen famosen Polizei-Agenten von Berlin bekommen," erwiderte der Landrath nachdenklich.„Der macht in einer Stunde aus jedem Menschen einen Königsmörder." „Ist das nicht ein gewisser Hieber?" „Ganz recht; aber woher wissen Sie schon von ihm?" „Regierungspräsident sprach davon. Soll sonst erbärniliches Subjekt sein." „Wie alle diese Spione. Aber, er ist brauchbar, und wenn Sie wollen, dann lasse ich ihn gegen Blumenthal los. Sie werden Ihr Wunder erleben. Aber etwas Geld kostet es schon." „Bin zu jedem Opfer bereit, nur muß schnell gehandelt werden." „Je mehr er verdient, um so erfindungsreicher und thätiger ist er." „Bestimmen Sie selbst über die Summe." „Werde Alles besorgen. Beiläufig fällt mir ein, der David Frömmelt aus Schönenberg hat sich wieder mit der alten Klage gegen Ihren Förster eingestellt. Er behauptet immer noch, der Schlegel hätte einen Meineid geleistet. Es wird gut sein, th-ilt sein sollte, die Kraftlosigkeit der unmittelbaren Staats- wenn man diesen Menschen zur Abkühlung einige Zeit in's Loch behörde, und endlich die Unzulänglichkeit der Exekutivmittel— � siccft' Mängel, welche der Wirksamkeit der Staatsverwaltung in Be- Ziehung auf das platte Land hinderlich sind— sollen hinfort �orschwinden."" Wirklich naive Staatsweisheit. Jetzt erkennt man, daß unser Uebergewicht die wohlthätigsten Folgen für die �esammtheit besitzt." «Mochte Kerl nicht tiefer blicken lassen; was kümmern un �puhler und Spinner und Flachsbauern— mögen sie au- sterben, als Leibeigne kann man sie doch nicht brauchen. Bekommen schon frische Elemente aus Pommern. Baumstarke Kerls dort. Aber, Freund, was haben Sie mit diesem Blumenthal vor Warum ist Ihnen der Mensch unbequem?" f«Ist mir bei der Abwicklung meiner Hypothekenv-rhaltmss- skhr hinderlich. Will Bauern mehr herausrechnen, als ih „Das könnte ihm nichts schaden," antwortete Graf Falkenburg. „Sie haben sich mit dem Förster eine melkende Kuh ge- wonnen," sagte der Landrath lachend.„Famose Milch— der Tokaher!— Habe bei der Regierung eine Auszeichnung für ihn wegen Hebung der Forstwirthschaft beantragt,— unter uns— für guten Tokaher!" „Liegt neue Auflage für Sie schon in Bereitschaft.— Orden gut, um Mäuler zu stopfen. Geschichte wäre nie schlimm ge- worden. Als ich naseweisen Menschen niederstieß, war ich im Dienst. Hätte höchstens ein paar Wochen Festungsarrest von Gerechtigkeitswegcn erhalten. Schlegel schwur nur aus Pflicht- eifer; glaubte, das gehöre zum Dienste des Unteroffiziers, seinen Offizier nirgends im Stich zu lassen." � U>. Juni 1878, Der Kammerdiener brachte eine neue Auflage Wein, und lange saßen die beiden Freunde in vertraulichem Gespräche bei den Flaschen._ Wie Waldau so steigt auch Schönenberg in die Berge hinein, nur. ist es größer als jenes, und wohl über eine halbe Stunde lang. In der Mitte etwa wird es vom Schloßpark von Raben- berg erreicht, und dieser theilt es in zwei Theile, in einen oberen und in einen unteren, die wiederum durch die Falkenburger Straße verbunden werden, welche den Park in schräger Richtung durchschneidet. Weiter zur Stadt führt ein Fahrweg, der vom Schlosse kommt. llnweit von der Stelle; an welcher die Straße den Park ver- läßt, liegt im unteren Theile des Dorfes das SchulhauS, in dem Berner wohnt, ein einfaches Gebäude, das sich von den anderen Häusern im Dorfe eigentlich nur durch ein kleines Gärtchen ab- hebt, welches sich Berner vor dem Hause angelegt hat. Hart am Hause befindet sich eine Laube von wildem Wein. Das Dorf ist ebenso arm wie Waldau, doch wohnen im unteren Theile einige Bauern, die etwas Ackerbau treiben. In den meisten Häusern zeigen sich die Feuereinrichtungen noch völlig im Naturzustande. Der Rauch steigt durch ein Vorgelege, das aus zwei etwa vier Fuß hohen und zwei Fuß breiten Lehm- wänden an der Rückwand des Ofens besteht, unter das Dach und sucht sich dort durch ein oder mehrere Löcher des Stroh- dachs einen Abzug. Das Schulhaus zeichnet sich durch eine ordentliche Feuerung und einen Schornstein ans. Im Uebrigen sieht eS ebenso verfallen und schmutzig aus wie die anderen Gebäude. Am Nachmittage des Tages, der auf der Falkenburg den Besuch Silberberg's und des Landraths sah, saß Berner in seiner Laube und vor ihm lag ein naturwissenschaftliches Buch auf- geschlagen. Seit vielen Jahren war es in den Sommermonaten seine Gewohnheit, nach Beendigung der Nachmittagsschule ein Stündchen in seiner Laube zuzubringen und in seinen natur- �wissenschaftlichen Büchern zu lesen, die er einst von einem be- freundeten Arzte in der Stadt geschenkt erhalten hatte. Eine Quelle des Lebens waren diese Bücher für ihn geworden, weiter und weiter hatten sie ihn geführt auf der Bahn der Erkenntniß, und Trümmer der biblischen Lehren, die man ihm beigebracht, bezeichneten den Weg, den er genommen. Welcher Sturm tobte in seinem Innern, als er von seinen geistigen Streifzügen durch die endlose Welt zu dem Menschenvölkchen zurückkehrte, das auf deni kleinen Sterne ein fried- und freudloses Dasein führt. Bor Zorn und Schmerz hätte er aufschreien mögen, als es klar vor seinen Augen wurde, als er sah, wie man die Menschen in Knechtschaft hielt und sie auf jede Weise um das Leben betrog, zu dem sie geboren waren. Tiefer Groll gegen die Gewaltigen und ihre Trabanten erfüllte ihn und ein Jesus von Nazareth hätte er werden wollen, um von neuem das Evangelium der Liebe, der allein beseligenden Nächstenliebe, zu predigen, und die Menschheit aus ihrer blinden Stumpfheit emporzurütteln. Doch wie es ihn auch trieb— dem Kreise, der ihn umgab und mit tau- send Armen umklammerte, vermochte er nicht zu entsteigen, von den Nienschen, mit denen er lebte, von den Armen, die zu ihm ausblickten, vermochte er nicht, sich loszumachen. Durfte das Sandkorn aber auch nicht zur Lawine werden, so sollte es doch in dem kleinen Wirkungskreise, ewig rollend und kreisend, den Boden für den Sturmschritt einer neuen Zeit empfänglich machen, die doch hereinbrechen mußte. Mit welcher Liebe die Armen an ihm hingen und wie schnell sie den Freund erkannten! Bei ihm holten sie sich Rath, von ihm begehrten sie Trost und Hülfe und ihm schütteten sie das grollende Herz ans, wenn der Zorn über ihr Ungemach es überschäumen ließ. Sie gingen nicht zur Kirche, um zu Gott um Rath und Beistand zu flehen, vor dem sie„an- ständig" erscheinen mußten; zum alten Berner kamen sie in ihren Lumpen, und mit wärmster Theilnahme trat er ihnen stets entgegen, für jedes Leiden fand er ein ermuthigendes Wort, wenn es auch nur in einem prophetischen Hinweise auf den Tag der Vergeltung bestand, den er mit Nothwendigkeit hereinbrechen sah. ) r Der Pfarrer haßte den einfachen Mann, der ihn geistig un- endlich überragte, und daß Berner so lange von den Behörden unbelästigt blieb, das verdankte er dem Herrn von Rabenberg, der seine Anschauung zwar nicht theilte, aber seine stille, hin- gebende Thätigkeit zu würdigen wußte. So viel der Pfarrer denn auch wühlen niochte, um ihn zu beseitigen, so scheiterte doch Alles an dem Schutz, den Berner im Schlosse fand. Die letzten Jahre hatten mit dem Auftauchen Blumenthal's die guten Be- Ziehungen zwischen dem Schulhause und dem Schlosse wohl stark erschüttert, doch war ein anderes Bindeglied entstanden, und das war Fräulein von Rabenberg, die den Freund Blumenthal's gleichfalls zum Freunde gewonnen und mit ängstlicher Wachsam- keit darauf sah, daß man ihn ungestört fortwirken ließ. Gar oft schon hatte sie Berner niit Geld und Lebensmitteln versehen, Alles war natürlich in die Hände der Nothleidenden gelangt— er selbst war die Genügsamkeit selbst und seine Ansprüche waren die bescheidensten von der Welt. Nie war er verheirathet gewesen. Eine Jugendgeliebte war ihm gestorben; das hatte ihn verdüstert und fast menschenscheu gemacht, und als er wieder aufzuleben begann, da war es die Nächstenliebe, die ihn voll beseelte und die leisen, auf eignes Glück gerichteten Wünsche, die hin und wieder envachten, in den Hintergnind drängte. Auch heute lag ein Buch vor ihm aufgeschlagen; aber er las nicht, sondern blickte, de» Kopf in die Hand gestützt, zur Laube hinaus. Seine Augen ruhten auf dem Parke, dessen dunkles Grün ihn oft schon erquickt hatte; jetzt aber suchten sie keine Erfrischung bei den alten Bäumen, sondern ziellos irrten seine Blicke umher, ohne die Gegenstände, über welche sie glitten, ihm näher zu führen. Ein Geräusch auf der Straße, die an seinem Gärtchen vorüberzog, fesselte plötzlich seine Aufmerksamkeit. Ein Wagen rollte heran; es waren Knechte vom Schlosse darauf, die aus der Stadt kamen und sich in ziemlich heiterer Stimmung befanden; sie sprachen sehr laut mit einander und lachten und sangen. Bei ihrem Anblick verfinsterte sich sein Gesicht. „Es ist weit mit uns gekommen," murmelte er seufzend,„daß wir die armen Teufel um ihr Bischen Nahrung und Heiterkeit beneiden müssen." Ein Knecht hatte auf dem Schlosse neben freier Wohnung, die kaum schlechter als die Bcrner's sein konnte, freie Kost. Er erhielt Brot und Butter, Mittags seine mit Gemüse gekochte Suppe und wöchentlich doch einige Male Fleisch. Der Lohn schwankte zwischen zwölf und dreißig Thalern jährlich.— Und er, der Schulmeister?— Nach dem Potsdamer Schnlreglement vom 18. Mai 1801 sollte er neben der- freien Wohnung und Feuerung sieben Klaftern Holz, einen Gartenfleck von einem Scheffel Aussaat, fünfzehn Scheffel Roggen und an Gerste, Erbsen und Hirse zusammen drei Scheffel, und endlich auch noch fünfzig Thaler baar Geld erhalten. Zu allem Ueberfluß besaß er auch das Recht, unter das Gemeindevieh zwei Stück Rindvieh und ein Schwem un- entgeltlich zu treiben. Nun besaß aber die Schöneberger Ge- meinde weder Gemeindevieh noch eine Weide, ebensowenig einen Wald, aus dem sie ihrem Lehrer das vorgeschriebene Quantum Holz liefern konnte, und Äerner's Stallung hatte noch nie Schweine, geschweige denn Rindvieh beherbergt. Mit der Bezahlung des baaren Geldes sah es ebenso schlecht aus wie mit der Lieferung der Naturalien, und Berner war zufrieden, wenn er von all seinen reglementsmäßigen Einnahmen die Hälfte erhielt. So stand er sich, wie die große Menge der Weber auch, viel— viel schlechter als ein Knecht auf einem Gute. Berner war in Waldau ge- wesen und hatte Frau Egler Nachricht gegeben, daß ihr Mann längere Zeit in der Stadt bleiben müßte, da dessen beide Augen in bedenklichster Weise angegriffen wären. Er war dann auch zu Frau Köhler gegangen und hatte von dem Konflikt mit dem Pfarrer erfahren. Bon Herzen hatte er Frau Köhler zu ihrer Festigkeit beglückwünscht und sich der Heiterkeit gefreut, welche Mutter und Tochter zeigten.(Fortsetzung folgt.) 215 Land lind Leute in der Union. Für die„Neue Welt" von A. Donai. (Fortsetzung.) t, Und zwar noch ehe das massenhafte Großkapital dazu vor- Händen war, blühten hier alle Künste des Schwindels, weil die staatliche Verfassung— die vcrhältnißmäßig freieste der Erde und deswegen vom Volke aus Nationaleitelkeit für unverbesserlich betrachtet— den Willen des Einzelnen von allen, außer papiernen, Schranken befreit, dem Einzelnen alle möglichen Rechte, aber nur geringe und meist freiwillige Pflichten auferlegt, aus dem Gemein- Wesen gleichsam einen Haufen von Sandkörnern macht, welche nur aus Selbstsucht oder unter einem Drucke von außen zusammen- halten. Diese Verfassung, welche die Erblichkeit der Aemter, das Junkerthum, die Staatskirche, das Beamtenthum und Soldaten- thum abschaffte und jeden Einzelnen ganz auf sich selbst stellte, ließ ganz außer Acht, daß ein Volk ein Lebewesen, ein Körper aus Gliedmaßen und Verrichtungen ist, welche sich alle Wechsel- seitig bedingen, und daß seine Verfassung Organe im Organismus schaffen muß, welche zweckmäßig das Leben und die Verrichtungen Aller steigern, damit die des Organismus gesteigert werden. Das vorige Jahrhundert hatte freilich den vollen Begriff des Orza- »ismus noch nicht entdeckt, und man kann den Vätern der Re- publik diesen Mangel an Erkenntniß nicht hoch anrechnen. Sie glaubten schon einen Organismus geschaffen zu haben, indem sie einen Bundesstaat aus Einzelstaaten schufen und die Rechtskreise beider sorgsam gegen einander abgrenzten, wobei freilich die Ge- meinden von ihrem Einzelftaate arg bevormundet blieben. Allein ein Körper aus Gliedern, welche blos in einer gemeinsamen Haut stecken, ohne daß ein Blutumlauf, ein Nervengeflecht, eine Nahrungsweise, ein Grundzug aller Gewebeverschiedenheiten ein inniges Ganze voll Leben ausmacht, das allen Gliedern zugute kommt, bleibt ein Leichnam. Die sozialdemokratische Idee, daß Gewerbsgenossenschaften die staatlichen Einzelglieder zu einheit- lichem Leben verflechten und immer neu verjüngen müssen, ist eine sehr neue Entdeckung. Solange nun das Volk noch mehr gleich- artig, weder arm, noch reich, weder überfeinert, noch ungeschult, durch eine Sprache, dieselben geschichtlichen Erinnerungen und Schicksale und durch nahezu dieselbe Religion lose geeinigt war, hielt der Leichnam zusammen und arbeitete nahezu wie ein lebender Körper; ja, das Prinzip völliger Freiwilligkeit, durch große Ver- schiedenheit der Interessen noch nicht geschwächt, hatte wohlthätige Folge» und bewirkte einen für Europa überraschenden Anschein von Lebenskraft. Dies ist für immer vorbei, nur daß es diesem selbstgefälligen, oberflächlichen Volksgeiste noch immer nicht ein- leuchten will, daß es so ist. Die frühesten Formen des Sckwindels waren der Bank- und Geldschwiudcl, welche die Krisen von 1815 und 1837 schufen und in Verbindung mit dem Eisenbahn- und Landschwindel, den die starke Einwanderung hervorrief, die Krise von 1857. Mit dem Kriege, 1881, begann der politische und der Großbetriebs- Schwindel, und diese erzeugten zusammen mit den übrigen die kurze Krise von 1885 und die letzte von 1874, welche nicht enden will und kann und welche den europäischen Krach nach sich zog. Um nur ewigen Anhalt zur Beurtheiluug der Folgen dieser unserer jetzigen Krise zu geben, erwähnen wir, daß seit dem Beginn derselben vor dritthalb Jahren nahe an 20,000 erklärte BanKotte vor- getommen sind, während die Anzahl der durch die Geduld der Gläubiger vertuschten und dadurch nur auf kurze Zeit verscho- benen sogar weit größer ist; daß in einer einzigen Stadt von 120,000 Einwohnern 9200 Grundstücke wegen Nichtbezahlung von Steuern meistbietend verkauft worden sind» oder noch ver- lauft werden; daß nach einer mäßigen Schätzung ein- und zwei- hunderttausend unbeschäftigte Arbeiter gezwungen sind, Landstreicher Zu werden oder im Selbstmord zu enden, oder aber sich bo> oinem Verbrechen ertappen zu lassen, um in die Zuchthäuser auf- genommen zu werden; daß Hungertod fast täglich in den Zei- tunge» berichtet, häufiger aber nicht berichtet wird; daß die Löhne durchschnittlich auf ein Drittel deren von 1874, die Lebensmittel- preise aber durchschnittlich auf nur Zweidrittel gesunken sind, weil noch immer Hunderttausende vom Zwischenhandel leben wollen und allein können; daß buchstäblich keine tägliche Zeitung mehr erscheint, ohne von einer oder einer Anzahl Veruntreuungen öffent- licher Beamter oder Privatangestellter zu berichten; daß alle Gesetz- gebungen der Einzelstaaten und größeren Gemeinden den größeren Theil ihrer Zeit mit Untersuchungen von Schwindeleien ihrer Beamten und Volksvertreter ausfüllen, die Union obenan— ohne daß jedoch mehr als ein paar Verurtheilungen vorgekommen wären, während die Advokaten in den kleinen Bruchlheil der Gelder sich theilen, welche ausnahmsweise den Schwindlern wieder abgenommen worden sind; daß jede folgende Legislatur, obschon auf Ehrlichkeit verpflichtet, nur um so abgefeimter schwindelt, und daß dabei die beiden großen alten Parteien offenbar unter einer Decke spielen; kurz, daß lediglich noch in den Landgemeinden und im Allgemeinen unter der Ueberzahl des arbeitsamen Volks die Ehrlichkeit Zuflucht findet. Die Entmuthizung und Rathlosigkeit(ausgenommen unter der Kapitalistenklasse, welche luxuriöser als je lebt) ist allgemein und schlägt immer mehr in Verzweiflung um. Daß diese Ver- zweiflung nicht längst zu verzweifelten Thaten in größerem Maß- stabe geführt hat, und daß sie noch immer nicht eine Organisation der nothleidenden Arbeitermassen heraufbeschworen hat, würde unerklärlich sein, wenn nicht der Kapitalismus aus fast allen Arbeitern Kleinbürger, Kapitalisten-Embryonen, gemacht hätte; wenn nicht das Manchesterthum in unserm Volke fast Mann für Mann verkörpert wäre; wenn nicht die staatliche Verfassung für ein vollkommnes Meisterstück menschlichen Witzes gälte; wenn nicht die Wenigen, welche es besser wissen und helfen könnten, durch Presse, Kanzel, Lehrstühle und Parteiversammlungen völlig lahm gelegt wären, obwohl sie es an immer neuen Anstrengungen zur Bolksaufklärung nie haben fehlen lassen. Der schwerste Kampf ist unter allen Ländern der Sozialdemokratie hier beschieden, hier in diesem Lande der Preßfreiheit, wo aber nicht viel über fünf- tausend Abzüge einer wirklich freien Presse wöchentlich Abnehmer finden; in diesem Lande der Redefreiheit, wo aber noch nicht ein Tausendstel der Bevölkerung einen unbestochnen Redner hören will; in diesem Lande der Versammlungs- und Wahlfreiheit, wo aber kaum ein ehrlicher und klardenkender Mann unter Hunderten mehr zur Versammlung, oder zur Wahlurne geht; in diesem Lande der Republik, welche in Ermangelung genügend zahlreicher Re- publikaner blos deshalb fortbesteht, weil die herrschende Bour- geoisie mit gar Niemandem mehr zu theilen braucht, weder mit Monarchen, noch mit einem Adel, noch mit einer Staatskirche, noch mit einer Beamten- und Soldaten-Hierarchie. Statt der Monarchen haben wir Präsidenten und Governors, welche das Volk nicht wählt; statt des Adels Freimaurer- und andere Orden ohne Zahl und— alte Familien; statt der Staatskirche viele StaatSkirchen, welche unter sich streitig sind, blos so lange sie nicht gemeinsam gegen Arbeiterbestrebungen Front zu machen brauchen, und welche durch große Reichthümer und die gewöhn- hcitliche Heuchelei des Volkes fast allmächtig sind; statt der Beamten- und Soldaten-Hierarchie haben wir die stillschweigende Verschwörung aller Partei-Politiker gegen das arbeitende Volk. Und wer sich einbilden wollte, daß wir hiermit übertrieben, der bewiese blos seine Blindheit. Hieraus wird nun klar werden, warum wir in Amerika den sozialdemokratischen Staat nicht zuerst verwirklichen können, son- der» das in Europa damit gegebene Beispiel abwarten müssen. Allein andrerseits werden wir diesem einmal gegebenen Beispiele mit bedeutender Schnelligkeit folgen können. Und zwar aus ganz demselben Grunde das Eine wie das Andere, nämlich weil Amerika die Nachtreterin Europa's, aber eine sehr bereitwillige ist. Es 216 ist auf dem Boden der„Neuen Welt" noch nie eine neue Idee entstanden, aber alle neuen Ideen Europa's sind hier rasch über die ganze Bodenfläche hin angeeignet, ausgeführt, im Einzelnen praktisch gemacht und verwerthet worden, wenigstens wenn sie den Weg über England, das Mutterland der Union, genommen hatten. Und hiermit kommen wir auf eine Frage von weltgeschicht- licher Wichtigkeit, deren Beantwortung der Verfasser seit einem Vierteljahrhundert durch Studien klarzustellen gestrebt, für welche er aber noch immer kein theilnehnrendes Publikum gefunden hat, weshalb er sich damit an die letzte Instanz, die Sozialdemokratie Europa's, wendet; es ist die Frage von der kulturgeschicht� lichen Bedeutung Amerika's. Seit viertehalbhundert Iahren schüttet Europa seine willens- stärksten und vielfach seine besten und geistig fortgeschrittensten Bevölkerungstheile in den jungfräulichen Schoß dieser„neuen Welt", wo ihrer eigenthümlichen Entwicklung kaum irgendwelche künstlichen Schranken im Wege standen. Sie haben sich da ver- mehrt auf 80 Millionen und mögen binnen einem Jahrhundert Europa an Volkszahl übertreffen. Sie sind längst den Drang- salen aller neuen Ansiedlungen entwachsen, und ehe sie reich wurden, waren sie allgemein wohlhabend. Sie blieben immer in genügender Berührung mit der geistigen Bewegung Europa's, und nirgends lohnte sich geistige Anstrengung, auf Naturbewälti- gung gerichtet, so rasch und reichlich. Sollte man nicht von solcher Gunst der Umstände überraschend mächtige Ergebnisse er- warten? Hätte Amerika nicht eine Pflanzstätte aller fortschritt- lichen Gedanken, eine Sendbotenschule welterlösender Geister, das Muster eines großen, gedeihlichen Vernunftstaates werden müssen? — Die Amerikaner sind verblendet genug, zu glauben, daß Amerika dies in der That sei; und mit dem Sprüchwort:„Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten", entschuldigen sie alle Zustände und Erscheinungen, welche diesen Glauben beschämen. Da jedes Volk, wie jeder Mensch, weit mehr daS Geschöpf der Umstände ist, unter denen es sich entwickelt, als seines eignen Strebens, so ist die naturwissenschaftliche Erklärung, wie es ge- worden ist, seine einzig gerechte Bcurtheilung.„Alles erklären, heißt Alles verzeihen," so möchten wir einen bekannten Ausdruckt ummodeln. Mit dem also, was wir über die Amerikaner sagen, wollen wir keine Steine werfen; wir wollen warnen. Amerika ist keine Neue Welt, oder doch nur in beschränktem ! Sinne, ebenso wie Neuholland. Beide Erdtheile sind nicht im Stande gewesen, Menschen hervorzubringen, wie sie auch von keiner einzigen Thierfamilie die beftentwickelten Arten haben selbst erzeugen können. Alle eingewanderten Pflanzen, Thiere und Völker haben eine starke Neigung, hier auszuarten, nur Unkraut und Schmarotzer aller Art gedeihen sichtlich. Wir beschränken unfern kurzen Nachweis auf die eingewanderten Völker. Die frühesten Ankömmlinge waren Mongolen aus Asien, aus welche also der Name Indianer recht wohl paßt, und zwar ebensowohl von dem civilisirten chino-japanesischen und Malaienstamme, als von den nördlichen Hirten- und Fischvölkern. Die letzteren sind fast alle auf den Standpunkt wilder Jäger, zum Theil der Ur- menschen hinabgesunken. In den hochbegünstigten Becken Mittel- amerika's sind die Elfteren zn hoher Civilisation aufgestiegen, aber nach kurzer Blüthe neuen Eroberern zum Opfer gefallen— Mexiko sogar mehrmals— und von Stufe zu Stufe gesunken — am tiefsten freilich unter europäischer Herrschaft. Daß die Spanier und Portugiesen in Amerika ausgeartet sind, auch wo sie sich von Vermischung mit indianischem Blute rein erhalten haben, weiß alle Welt. (Forlsetzung folgt.) Tout compreudrc est tout pardouuer, alles begreisen, heißt alles verzeihen(Madame Staöl). Gustave Courbet. Nebenstehendes, sprechend ähnliches Portrait des so- zialistischen Malers wird unseren Lesern gewiß will- kommen sein. Künstler, welche eine politische Ueber- zeugung nnd den Muth ihrer Ueberzeugung haben, sind so selten, daß man die wenigen doppelt hoch- halten muß.„Die Kunst geht nach Brot", lautet ein alter Satz, der nie so wahr gewesen wie in der neuesten Zeit.„Die Ritter vom Geiste"— die Priester der Wissenschaft und der Kunst — sind in die widerlichste, niedrigste Abhängigkeit vom Geldsack gerathen und Priester im Götzentempel des, Mammon geworden. Von Pen Männern der Kunst gilt dies in noch höherem Grade wis von den Männern der Wissenschaft, die nicht so vollständig auf die Protektion und„Kundschaft" der besitzenden Klassen angewiesen sind. Bücher haben vergleichungsweise nod; einen großen Markt— freilich, je wissenschaftlicher sie sind, desto mehr verringert er sich, und streng wissenschaftliche Werke haben der Regel nach einen so geringen Absatz, daß für den Urheber kaum das trockne Brot dabei herauskommt; der Markt für Kunst- werke ist aber durchweg ein außerordentlich beschränkter. Wer kauft Gemälde, Bildsäulen? Nur die Bourgeoisie oder der Staat, oder allenfalls eine Gemeinde und sonstige öffentliche Körperschaft— das heißt Glieder oder Vertreter der besitzenden Klasse. Und: „Wess' Brot ich ess', dess' Lied ich sing'", sagt ein zweites Sprüchwort. So ist die Kunst denn(im Großen und Ganzen) zur Magd und zur Dirne des Kapitals geworden, und die„heilige Schaar" der Künstler zu einer Herde katzbuckelnder, gesinnungsloser, die gemeinste Schmarotzerei unter sogenanntem„Künstlerstolz" ver- deckender Bedienten, welche dem herrschenden Geschmack, das heißt dem Geschmack der Herrschenden, Rechnung tragen, und das Künstlerideal für Geld den korruptesten und korrumpirendsten Anschauungen opfern. Wie dünn gesät sind die Männer der Kunst, von denen sich sagen läßt: sie find Männer und die Kunst ist die einzige„Gottheit", welche sie anbeten. Einer der Wenigen, die mit Verachtung die glänzende Livree des goldenen Kalbes von sich gewiesen haben, ist Courbet,„der Künstler der Pariser Commune". Einen kurzen Umriß seiner Lebensgeschichte haben wir bereits gegeben, und zu einer aus- führlichercn Biographie fehlt uns jetzt Raum und auch Zeit. Genug: statt dem herrschenden Geschmack zu fröynen, brach Courbet, der trotz seines„gemüthlichen", lustigen Wesens, einen sehr hohen Grad von Energie besitzt, sich seine eigene Bahn und errang allmählich, nach Ueberwiudung unsäglicher Schwierigkeiten, die Stellung, zu welcher seine Leistungen ihn berechtigen. Von frühester Jugend an Sozialist, wurde er durch die Hindernisse, die ihm auf seiner Künstlerlaufbahn entgegentraten, in den sozialistischen Prinzipien nur bestärkt. Er hat begriffen, daß die Befreiung der Kunst zusammenfällt mit der Befreiung der Menschheit, daß Kunst und Wissenschaft nur in einer vernünftig und gerecht organisirten Gesellschaft zu der ihnen gebührenden Geltung und Wirksamkeit gelangen können, und für diese Ueberzeugung hat er, der reich und berühmt gewordene Maler, sein Leben in die Schanze geschlagen— Schulter an Schulter mit den für die Befreiung der Menschheit kämpfenden Proletariern.— Ehre ihm! 218 „Je suis envoye par les notres!"*) Eine Episode aus den Junitagen von 1848 zu Paris.— Aus dein Russischen des Iwan Turgeniew für die„Reue Welt" übersetzt.*�) Der dreiundzwanzigste Junitag des Jahres 1848 brach an, einer jener Tage, die mit blutigen Strichen in die Tafeln der französischen Geschichte eingegraben sind. Ich wohnte damals in dem jetzt nicht mehr existirenden Hanse, Ecke der Rue de la Paix und des Boulevard des Italiens. Schon seit Anfang Juni hing in der Luft von Paris so etwas wie Pulvergeruch; ein Jeder fühlte, daß ein entscheidender Zusammenstoß unausbleiblich sei. Und jetzt nach der Konferenz, welche die Delegirten der eben auf- gelösten Nationalwerkstätten mit dem Mitgliede der provisorischen Regierung Marie gehabt, und in welcher von diesem das unvor- sichtige Wort„esclavcs"(Sklaven) gebraucht worden— war nunmehr die Frage nicht: wieviel Tage, sondern wieviel Stunden wird das Unausbleibliche und Unabwendbare ans sich warten lassen? „Lst-oe pour anjourd'hui?"(Kommt's noch heute zum Schlagen?) waren die Worte, mit denen Bekannte sich jeden Morgen beim Begegnen anredeten. „Qa a commcucö!"(Es ist losgegangen!) sagte mir meine Waschfrau, als sie Freitag, den 23. Juni Morgens die Wäsche brachte. Sic erzählte, daß eine große Barrikade quer über den Boulevard, unweit der Porte St. Denis errichtet worden wäre. Ich begab mich gleich dahin. Zuerst konnte ich nichts Auf- fallendes bemerken. Dieselbe Volksmenge vor den offenen Ein- gängen der Cafös und Läden, wie an gewöhnlichen Tagen; dieselbe Bewegung der Wagen und Omnibusse. Die Gesichter schienen nur etwas mehr belebt, die Gespräche wurden etwas lauter geführt, aber— merkwürdig!— man schien auch heiterer zu sein,— sonst war jedoch nichts Besonderes wahrzunehmen. Allein, je weiter ich vordrang, desto veränderter erschien mir das Aussehen des Boulevard. Die Wagen wurden seltener, die Omnibusse verschwanden ganz; die Läden, sogar die Cafes waren schon geschlossen oder wurden es eiligst. Die Straßen singen an leer zu werden, nur alle Fenster in den Häusern, von oben bis unten, waren weit geöffnet. In diesen sowie in den Thüren und Thoren drängten sich fortwährend Menschenhaufen, die vorzüglich aus Frauen, Kindern, Dienst- und Kindermädchen bestanden. Das Alles schwatzte und lachte, rief sich gegenseitig an, schaute lebhaft um sich und gestikulirte so, als handelte es sich hier um irgendein Schauspiel. Eine sorglose, müssige Neugier schien sich dieser ganzen Menge bemächtigt«zu haben. Bunte Bänder, Tücher, Hauben, weiße, rosarothe, himmelblaue Kleider mischten sich und schimmerten im hellen Sonnenlichte, bauschten sich auf, flatterten und raschelten beim leisesten Sommerwinde gleich den Blättern der überall hingepflanzten Pappeln,— der„Freiheits- bäume". Ist es denn möglich, daß man sich bald, in fünf, in zehn Minuten hier schlagen, daß hier Blut fließen wird? dachte ich-— Unmöglich! Es handelt sich nur um ein Schauspiel..- an ein Trauerspiel ist nicht zu denken... einstweilen. Aber nun erhob sich da vorne vor meinen Augen, das Bonle- vard quer in seiner ganzen Breite durchziehend, eine in ungrader Linie gebaute Barrikade in der Höhe von vier Klaftern. So recht in der Mitte derselben, umgeben von goldgestickten Trikoloren, züngelte unheimlich rechts und links eine kleine rothe Fahne. Hinter dem Kamme der aufgcthürmten grauen Pflastersteine tauchten zuweilen Gestalten in Blusen auf. Ich ging ein wenig näher heran. Vor der Barrikade selbst war es ziemlich leer. Ungefähr fünfzig Männer schlenderten hin und her über das Straßenpflaster, damals gab es noch kein Macadam(Chaussirung) auf den Boule- vards. Die Blusenmänner unterhielten sich lustig mit den herankom-. inenden Zuschauern. Einer, umgürtet mit einer weißen Patronen- tasche, hielt ihnen eine entkorkte Flasche mit einem halbgefüllten Glas vor, als wollte er sie zum Herantreten und Austrinken einladen; sein Nebenmann, mit einem doppelläufigen Gewehr auf dem Rücken, schrie in langgezogenem Ton:„Es leben die National- Werkstätten! Es lebe die soziale und demokratische Republik!" — Neben diesen Zweien stand eine schlanke, brünette Frau in einem gestreiften Kleide, und auch sie war mit einer weißen Patronentasche umgürtet, hinter der noch eine Pistole steckte. Nur sie allein lachte nicht und richtete, wie im Nachdenken, ihre großen, j dunklen Augen vor sich hin. Ich durchschritt die Straße nach der linken Seite zu und drückte mich, mit noch fünf oder sechs Personen, an die Wand des Hauses, von welchem an der Boule- vard sich zu beugen beginnt, und wo sich damals die Handschuh- fabrik befand, die heute noch da ist; die Fenstcrjalousicn dieses. Hauses waren geschlossen. Noch jetzt wollte ich, ungeachtet der j bedenklichen Symptome der letzten Tage, nicht glauben, daß die Sache eine ernste Wendung nehmen würde. Schon seit dem frühen Morgen erscholl in allen Straßen jener cigenthümliche, dreifache Trommelschlag, jenes Ratata(lo rappel), i mit dem die Nationalgarde zusammengerufen zu werden pflegte. Jetzt trommelte es in unserer unmittelbaren Nähe; und siehe da! Langsam sich krümmend und streckend, wie ein langer, schwarzer Wurm, rückte, von der linken Seite des Boulevards her, bis auf ungefähr zweihundert Schritte von der Barrikade eine Kolonne von Nationalgarden heran. Wie feine, strahlende Nadeln blitzten über derselben die Bajonette. An der Spitze ritten einige Ossi- ziere. Die Kolonne erreichte die entgegengesetzte Seite des Boule- vard und, ihn vollständig besetzend, wendete sie ihre Fronte der Barrikade zu und machte Halt, immer von hinten anwachsend und sich verdichtend. Trotzdem daß jetzt eine so beträchtliche Mcnschenmasse hinzukam, wurde eö rings umher doch merklich stiller; die Stimmen sanken, seltner und kürzer wurde das Lachen. Es war, als wenn wir plötzlich in eine andere Atmosphäre ge- rathen wären, die alle Laute verdumpfte. Die Strecke zwischen der Linie der Nationalgarde und der Barrikade verwandelte sich plötzlich in einen großen Raum, auf dem, leicht wirbelnd, zwei bis drei kleine Staubwölkchen glitten— und, ängstlich sich um- sehend, auf seinen dünnen Beinchcn ein kleines, schwarzbraunes Hündchen herumlief. Plötzlich ein Krachen— es war schwer zu unterscheiden, woher es kam, ob von oben oder unten, von vorn oder hinten— ein kurzes, hartes Bersten, das eher dem Geräusch einer schweren umge- stürzten Eisenstange, als einem Schusse ähnlich war; und gleich nach diesem Donnerlaut trat eine cigenthümliche, athemlose Stille ein. Alles war wie versteinert vor Erwartung— es schien, als wenn die Luft selbst die Ohren spitzte. Da, grade über meinem Kopf, ein unausstehlich heftiges Knattern, Bersten, Prasseln, fast wie wenn ein ungeheures Leinwandstück mit einem Ruck zerrissen worden wäre.... DaS war eine von den Insurgenten abge- feuerte Salve aus den Jalousien der Fenster des oberen Stockes der von ihnen besetzten Handschuhfabrik. Meine Begleiter, die Flaneurs�) und ich, wir entfernten uns unverzüglich an den Häusern des Boulevards entlang(ich erinnere mich noch', vorne im leeren Raum einen auf allen Vieren kriechen- den Mann, einen herabgefallenen Czako mit rother Feder und das sich im Staube wälzende schwarzbraune Hündchen bemerkt zu haben), und als wir das nächste Sackgäßchen erreichten, schlüpften wir hinein. Es gesellten sich zu uns ein paar Dutzend anderer Zuschauer,— der Hut des Einen, eines jungen Mannes von ungefähr zwanzig Jahren, war von einer Kugel durchlöchert. Auf dem Boulevard hinter uns knatterte es unaufhörlich von Kleingewehrfeuer.(Schluß folgt.) *) Sprich slanöhr: der in den Straßen herumwandelnde, neugierige Müssiggängcr �„Bummler" im besseren Sinne des Worts. *) Ich bin von den Unsrigen geschickt.—*♦) Es ist das die erste vollständige llebersetzung; Bruchstücke sind bereits erschienen. Fingeyeige mm Von$ 2. Unsere Wohnungen. (Fortletzung.) Wegen der häusig großen Verschiedenheit der Verhältnisse läßt sich auch für die zum Austrocknen eines Zteubaues erforder- liche Zeit kein allgemein giltiges Maß angeben; je nach der �age und Beschaffenheit des Bodens und des Baumaterials und der Jahreszeit ist diese sehr verschieden. Erst wenn auch im Innern des Mauerwerks aller Aetzkalk des Mörtels in kohlensauren Kalk umgewandelt ist. kann die AuStrocknnng als sicher beendet betrachtet werden. In zweifelhaften Fällen ist dies durch einen chemischen Versuch festzustellen. Die Trockenheit der Wohnhäuser wird auch durch das Vor- handensein von Kellern befördert. Daher empfiehlt sich die Anlage von Kellern für jedes Wohnhaus. Hingegen muß es � entschieden als ein Verstoß gegen die Anforderungen der Gesund-! heitspflege bezeichnet werden, wenn die K e l l e r r ä u m e als! Wohnräume benutzt werden. Zur Aufbewahrung von Vor- räthen sind die Keller ihrer kühleren Temperatur wegen gewiß ganz geeignet, nicht aber zu menschlichen Wohnungen. Die Unmöglichkeit, die Luft in den Kellerräumen so sicher zu erneuern, als es für Wohnungen nothwendig ist, und die Erd- ausdünstungen vollständig von denselben abzuhalten, wird durch keine Empfehlung„ganz gesunder Souterrainwohnungcn" beseitigt. Der hohe Wasserstand des diesjährigen Frühjahres hat zudem die Existenz so vieler Kellerwohnungen in einer Weise gefährdet, daß die Vertheidiger der Zulässigkeit der Keller zu Wohnräumen immer mehr verstummen müssen. Nicht nur, daß hier epidemische Krankheiten sich vorzugsweise einnisten, an Kraft gewinnen und sich weiter verbreiten, daß hier alle Erkrankungen leicht einen typhösen Charakter annehmen und langsamer heilen: die ganze Lebenskraft leidet überhaupt Schaden, allgemeine Schwäche und frühzeitige Hinfälligkeit stellen sich ein. Die Einen rafft der Typhus oder die Schwindsucht hin, die Andern wirft Gelenkrheumatismus erwerbslos auf's Lager, und die Kinder ver- fallen der Mehrzahl nach den Skropheln oder der englischen Krankheit.) In großen Städten theilen die Kellerwohnungen die Gesund- heitswidrigkeit mit den Dachwohnungen, jedoch mit dem Unter- schiede, daß Dachwohnungen nicht an sich gesundheitswidrig sind, sondern es nur bei der großen Höhe von vier oder fünf Treppen, der engen Bauart und der verdorbenen Luft der Großstädte werden. In kleineren Städten und in Dörfern, wo vielfach auch ein- oder zweistöckige Häuser mit Mansardenwohnungen eingerichtet ß»d, sind dieselben, wenn sonst durch geeignetes Bedachungs- Material vor Eindringen der Nässe und zu großer Hitze geschützt, keineswegs ungesund. In Städten jedoch, wie Berlin, wo alle Biiasmen aus dem ganzen Hause durch die Elosetröhrcn hinauf m die höchste Wohnung, sehr oft direkt in die Wohnstube, gc- keitet werde», wo die sonst schon mit Arbeit überbürdeten ärm- lichen Bewohner die Entfernung der festen Abfallstoffe wegen � großen Höhe gewöhnlich nicht sehr schnell besorgen können, wo die wohlthätige Einwirkung der Pflanzenwelt gleich Null ist und wo deshalb die Luft jeglichen Ozongehalts entbehrt, werden diese Wohnungen zu den ungesundesten, die überhaupt existiren. Trotz alledem haben die Keller- und Dachwohnungen in großen Städten furchtbar überhand genommen. Während die rn>- und zweistöckigen Häuser jedes Jahr abnehmen, haben sich B. in Berlin did vier- und fünfstöckigen und mit Keller- Wohnungen versehenen Häuser in der Zeit von 1864— 67 um 50 Prozent vermehrt. Die Zahl der Kellerwohnungen war in erlin bis Dezember 1875 auf 23,200 gestiegen, so daß nn- grfähr der neunte Theil aller Bewohner Berlins in Kellen: wohnt. Bei einer so großen Zahl der Kellerwohnungen und bei � Noth, die viele Menschen haben, nur überhaupt eine Woh- "ung zu bekommen, ist der dem Einzelnen gegebene Rath, eine gesunden Leben. >. B. so ungesunde Wohnung zu verlassen, ganz nutzlos; denn gibt auch Einer die feuchte und ungesunde Kellerwohnung auf, weil ihm seine Gesundheit zu lieb ist, so gibt es genug Andere, die wieder hineinziehen und nicht davor zurückschrecken, daß sie dergleichen Krankheit mit Sicherheit anheimfallen. Hier wäre allein ein gesetzliches Verbot des Beziehens aller Keller- und aller über drei Treppen hoch belegenen Wohnungen im Stande, wirk- lichen Erfolg zu haben. Zur nothwendigen inneren Einrichtung einer zweckmäßigen Familienwohnung gehört, daß sie aus mehreren Räumen be- steht. Die gleichzeitige Benutzung desselben Raumes als Wohn- und Schlafzimmer und zum Kochen und Waschen macht die Erhaltung einer reinen Luft in derselben völlig unmöglich. Das Kochen, Waschen u. s. w. führt der Luft immer eine Menge Ungehörigkeiten zu, die besonders für schwächliche Konstitutionen auf die Dauer nachtheilig werden müssen. Namentlich wenn kleine Kinder in der Familie sind, würde eine direkte Lüftung deö Raumes, in welchem sich dieselben befinden, bei schlechter Witte- rung bald heftige Erkrankungen zur Folge haben. Da jedoch eine zeitweilige Lüftung nothwendig ist, indem die Luft in einem geschlossenen Wohnraum durch das Athmen und die Ausdünstungen der darin befindlichen Menschen, durch brennende Lampen zc. fortwährend verdorben wird, so kann sie dann ohne Nachtheil nur in der Weise ausgeführt werden, daß die Kinder, so lange das eine Zimmer gelüftet wird, in ein anderes gebracht werden. Steht nun aber nur ein Zinimer zur Verfügung, und unterbleibt infolge dessen die Lüftung, so muß die unvermeidliche Verschlech- terung der Luft früher oder später für Groß und Klein schlimme Folgen haben. Es treten dann zwar nicht so häufig Schnupfen und Heiserkeit ein, aber weit gefährlichere Krankheiten, wie Schwämme, Diphtheritis, Asthma, Flecktyphus-c. Auch ist je nach dem Alter und Geschlecht der Familienglieder das Vor- handensein einer besonderen Schlafstube oder von zwei Schlaf- stuben schon in Rücksicht auf das Sittlichkeitsgcfühl der Familien- glieder nothwendig. Für die einzelnen Wohnräume kommt in gesundheitlicher Be- ziehung hauptsächlich ihre lichte Höhe, ihr kubischer Inhalt und die Größe der zugehörigen Fensterfläche in Betracht. Jeder Wohnraum ist ein abgeschlossener, beschränkter Raum; auf die in demselben befindliche Luft ist der Mensch zum Athmen angewiesen. Je enger die Wohnung ist, desto schneller verdirbt die Luft. Damit nun die Lufterneuerung gehörig vor sich gehen kann, ist es nöthig, daß ein gewisser Luftraum auf jeden Zimmerbewohner kommt. Die Commission des logemcnts insalubres(Kommission der ungesunden Wohnungen) in Paris verlangt als geringstes Maß für jede Person 14 Kubikmeter. Jedes einzelne Zimmer muß wenigstens 40 Kubikmeter Raum und eine lichte Höhe von wenigstens 2,6 Meter(8 Fuß) haben. Doch muß bei Zimmern, welche nach engen Straßen oder Höfen zu gelegen sind, diese Höhe und Weite noch angemessen gesteigert werden. Es genügt jedoch nicht, die Größe für die einzelne Wohnung festzusetzen; denn in der größten Wohnung kann verdorbene Luft herrschen, wenn nicht für genügende Erneuerung der Luft durch Lüftung gesorgt ist. Zwar ist der Verschluß jeden Wohnraumes nie so vollkommen, daß nicht ein gewisser Luftwechsel auch bei geschlossenen Thüren und Fenstern stattfindet, sowohl durch Spalten wie durch die Poren des Mauerwerks; aber dieser Wechsel genügt nicht für einen bewohnten Raum. Hängeböden und Alkoven können daher nie genügend gelüftet werdeu. Ein genügender Luftwechsel kann stets nur durch direkte Kommunikation mit der Außenluft bewirkt werden, also durch Fenster. Ebenso kann das für das Wohlbefinden der Bewohner gleichfalls so noth- wendige Licht nur durch die Fenster Zugang finden. (Fortsetzung folgt.) Abgerissene Silder aus meinem Leben. Von Joh. PH. Becker. (Forlsetzung.) Selbstverständlich hat auch diesem humoristisch-beredten Un- schuldsdulder der rauschende Beifallsjubel nicht gefehlt; mir aber rieselte die so drastisch gehaltene Mittheilung über das Vorhanden� sein noch anderer frecher Stubengenossen schaurig über die ganze Haut meines Leibes. Jetzt begriff ich erst, warum viele der Leute halbnackt dasaßen, ihre Wäsche und Kleidung durchstöberten, und daß Dieser und Jener juckte und zuckte, als teenn er Nervenanfälle bekommen wollte. Und immer noch ohne Verhör stand ich vor solch' in jeder Beziehung brillanten Aussichten. Aber die Wahrnehmung, daß trotz vieler Rohheit und Unwissenheit viel mehr Mutterwitz, Freimuth, Selbstkritik uud Willenskraft bei meiner geächteten Schicksalsbruderschaft einheimisch war, als bei einer gleich großen Vereinigung ehrbarster Bürgerschaft außerhalb des Gefängnisses, erleichterte eS mir sehr, micb mit Gleichmuth der Gewalt der Umstände zu fügen. Zum erstenmale warf ich mir die Fragen auf: ob nicht die verkehrten Staatseinrichtungen die Verbrechen hervorbrächten und die Verbrecher gleichsam erzeugten, und ob es nicht vernünftiger und gerechter wäre, die sog. Ver- brecher als Unwissende, Verirrte und Kranke zu behandeln und den Versuch zu machen, sie durch Belehrung und Erziehung zu bessern und zu heilen, als sie zu verfolgen, zu strafen und zu verderben? Bei der Prüfung dieser Fragen ist es mir mehr als bisher klargeworden, daß der dermalige, auf Standesunterschieden und Klassen- gegensätzen, dominirenden und unterdrückten Elementen beruhende Staat, möge er in Wahrheit absolutistisch oder in Lüge konsti- tutionell die Gewalt ausüben, nur beschränkten Unterthanen- verstand und blinden Gehorsam gebrauchen, aber nie für selbst- ständige, sich einer höheren Lebensaufgabe bewußte, die vor- gezeichnete Staatsschablone sammt den Schranken unermeßlicher Gesetzesvorräthe überschreitende Kräfte eine Verwendung haben und Gerechtigkeit für Alle bieten könne, sondern daß er dieselben seiner Selbsterhaltung und seines Zweckes willen zu verfolgen und zu vernichten streben müsse— wenn auch im Wesen und ans die Dauer erfolglos. Ja, die mir beim Gefängnißleben nebst reichlicher Erfahrung gebotene Zeit zum Nachdenken und somit zu politischen und sozialen, psychologischen und ethnologischen Studien hat mich erst recht zum selbstbewußten und gründlichen Revolutionär gemacht. Deshalb hatte auch die oben beschriebene Unterhaltung in dem Kerkerloch von Stunde zu Stunde stärkeren Reiz für mich gewonnen, so daß ich, wohl auch um düstere Ge- danken zu verscheuchen, die momentan eingetretene Stille selbst unterbrach, indem ich sagte:„Nach Allem, was ich bis jetzt von euch gehört, scheint ihr alle unschuldig hierher gebracht worden zu sein, und es soll mich freuen, dies bewahrheitet und Niemanden, und euch selbst nicht, von euch getäuscht, belogen und betrogen zu sehen." Nun gerieth ich gleichsam in einen Regen von Unschnlds- betheuerungen. Nur ein junger, etwa 17 jähriger, bedauerlich schmächtiger Bauernjunge sagte:„Ich weiß nicht recht, ob ich schuldig oder unschuldig bin; ich Hab' bei unserm Nachbar, der für seine Haushaltung selbst gebacken und die Brote zum Ab- dampfen in den Hausgang gelegt hat, einen Laib davon genom- men, weil meine Mutter und kleinen Geschwister bei der theuren Zeit arg Hunger gehabt haben. Meine Mutter war froh und hat gesagt:„„Du hast reck� gethan, Michel, wir wollen auch leben!"", und weil ich das Brot so weggenommen Hab', daß es alle Leut' haben sehen können, so Hab' ich gar nicht gemeint, daß das auch gestohlen wär'; jetzt haben sie mich aber doch drum eingesperrt. Aber ich mach' mir nichts draus, denn jetzt bekomm' ich doch keine Arbeit, daß ich meiner Mutter etwas verdienen helfen könnt'." Die deutlich wahrnehmbare Theilnahme der ganzen Gesellschaft am Schicksal des Jungen that mir wohl und machte mir das Gefängniß um Vieles heimlicher. Inzwischen hatte sich aber ein athletisch gestalteter Unschuldskandidat, der bisher am unfläthigsten quer über dem Boden lag, gemächlich emporgehoben, und seine kleinen scheuen Augen, die er von einem Dachmarder geerbt zu haben schien, wie ein routinirter Pfarrherr sammt beiden Händen himmelwärts gerichtet und in ächtem Predigerton das Wort genommen:„Gott, der Herr des Himmels und der Erde, weiß es, daß ich unschuldig bin, so unschuldig, wie's Kind im Mutterleib. Aller Welt will ich es sagen, was mich für ein Unglück getroffen hat, und das ich jetzt in Gottes Namen er- tragen muß. Da bin ich an einem Markttag von Speier nach Haßloch zugegangen, und da Hab' ich unterwegs in dunkler Nacht, Gott kann mein Zeuge sein, einen todten Mann gefunden; ach, Hab' ich gedacht, der Mann hat vielleicht etwas, was er doch nicht mehr brauchen kann, und wenn ich's ihm nicht nehm', so nimmt's ihm ein Anderer ab, denn er war todt, mauStodt. Zuerst Hab' ich gerufen, Gott der Allmächtige möchte mir beistehen, dann Hab' ich ihm einen Gurt voll Brabanterthaler vom Leib abgeschnallt und eine große silberne Uhr aus dem Giletsack ge- zogen. Hernach Hab' ich mich nickt lange besonnen, bin geschwind heimgegangen, Hab' mich ruhig in's Bett gelegt und die ganze Nacht gebetet für die arme Seel' von dem todtgemachten Menschen- bruder. Zwei Tag' nachher sind aber die Herren von der Obrigkeit gekommen, und weil sie die vielen Thaler und die Uhr bei mir gefunden haben, haben sie gleich gesagt, ich hätt' den Vieh- Händler umgebracht und ausgeraubt, und haben mich von den Gens- darmen packen und mit geschlossenen Händ' hierherschaffen lassen. Ich Hab' aber den Viehhändler in meinem ganzen Leben gar nicht gesehen, und wenn er mir heut' begegnen thät, so thät ich ihn nicht kennen. Aber Gott der Vater und Gott der Sohn werden mir helfen, Amen!"(Forssetzung folgt.) Ju der Kunstausstellung. Was drängt die bunte Menge Sich gaffend um dies Bild? Es ist ein junges Mädchen Mit Zügen krampfhaft wild. Ihr alten, eitlen Gecken, Drängt euch nicht so nahe hin, Reizt nicht an den zarten Formen Den abgestumpften Sinn. Seht hinter euch— o sehet! Dort an der dunkelsten Stell' Lehnt ohnmächtig vor Hunger Des schönen Bildes Modell. Ada Christen. Spanische Schmuggler(s. das Bild S. 217). Der Schmuggler hat in Spanien, wie ja mehr oder weniger überall, die Snmpalhien des Volks; er lehnt sich aus gegen die ungerechten, schwer aus dem armen Mann lastenden Steuergejetze, und der arme Mann leistet ihm dafür jeden möglichen Vorschub. Die Schmuggler, die unsere Zeichnung dar- stellt, kommen, wie die halbtropische Vegetation erkennen läßt, nicht aus Frankreich, sondern vom Fessennest Gibraltar, wo sie englische Waaren in Empfang genommen haben. Im Uebrigen spricht das Bild für sich selbst. Do» Ouixote. Wie wir aus spanischen Blättern ersehen, sind von Cervantes' unsterblichem Werk binnen 271 Jahren— seit 1605, wo der erste Band aus der Presse hervorging— tausend und neunundachtzig Auflagen erschienen: 425 in spanischer Sprache, 202 in englischer, 170 in französischer, 38 in italienischer, 82 in portugiesischer, 70 in deutscher, 13 in schwedischer, 8 in polnischer, 6 in dänischer, 4 in griechischer, 4 in russischer, 3 in katalanischer, 2 in rumänischer, 1 in baskischer und 1 in lateinischer Uebersetzung. Verantwortlicher Redakteur: W.Liebknecht in Leipzig.— Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig.- T-