Ein verlorener Posten. Roman von Andorf s!avant. -(Fortsetzung.) Die Stimme eines anscheinend noch jungen Mannes hatte in dem eigenthumlichen näselnden Tone, an dem man den preußischen Offizier in jeder Verkleidung erkennen würde, gefragt: „Aber was ist Ihnen, Wolfenstein? Sic entwickeln eine äußerst morose Laune. Schmeckt Ihnen der Veuve Cliquot nicht? Ich finde ihn exzellent. Sie lieben doch auch einen reellen Tropfen, wenn er gut gekühlt ist." Der Aeltere knurrte verdrießlich:„Sie haben gut reden. Sie wissen so gut wie ich, daß meine Ressourcen erschöpft sind und daß ich nieine Verhältnisse nur durck eine Geldheirath rangiren kann. Nicht einmal auf Avancement ist Aussicht— der General hat eine lächerliche Aversion gegen dicke Rittmeister und ich werde beharrlich übergangen, abgesehen davon, daß die lumpige Majors- gage mich auch nicht retten könnte. Ich habe den Dienst nach- gerade satt und denke es mir äußerst bequem, mit einer passirten Heirathslustigen ein Rittergut zu erheirathen und allen grilligen Generalen ein Schnippchen zu schlagen. Und nun hat es ganz den Anschein, als würde mir der saure Apfel, in den zu beißen ich gerade heute drauf und dran war, vor dem Munde weg- geschnappt. Ich hätte nicht solange zaudern sollen." �„Sie sprechen in Räthseln. Ich hatte keine Ahnung, daß Sic auf Freiersfüßen gehen. Und wer ist, wenn man fragen darf, die merkwürdige Donna, die sich erlaubt, Ihnen einen Korb zu geben? Abgeschmackt! auf Ehre!" „Sic bekommen einen Begriff von dem lamentabeln Stand meiner Verhältnisse, wenn ich Ihnen sage, daß ich allen Ernstes entschlossen war, das ernsthafte Fräulein Hoher um ihrer Füchse willen liebenswürdig zu finden und mich in sentimentale Unkosten zu stecken— ich sagte mir voraus, daß es ohne solche Albern- heften nicht abgehen würde, und was thut man schließlich nicht, uni sich aus den Klauen der breslauer Hebräer zu befreien, die schon anfangen, unverschämte Prozente zu verlangen? Uebrigens hatte ich doch zu viel Geschmack, um nicht erst an einigen andern Stellen anzubohren— die gouvernantenhafte Hoher war nur der letzte Nothnagel, die letzte Reserve. In der vergangenen Woche habe ich nun an drei Punkten meine Flatterminen springen lassen und dann gestürmt, bin aber überall abgeblitzt und so reite ich heute hierher, festentschlossen, als Bräutigam wieder von dannen zu ziehen und ohne jede Ahnung, daß ich auch hier ab- fallen könnte. Was glauben Sie nun, daß passirt? Fräulein belieben sich in Gesellschaft eines jungen Civilisten zu befinden, der allerdings Besitzer eines wirklich respektabeln Schnurrbarts ist; er heftet sich an ihre Fersen und als ich endlich ungeduldig werde und sie, um der Sache ein Ende zu machen, mit wahrem Heroismus zum Walzer engagirc(ich glaube, ich habe seit drei Jahren keinen Schritt getanzt), gibt sie mir einen Korb und läßt mich stehen, um sich mit ihrem süßesten Lächeln wieder diesem unbequemen Rivalen zuzuwenden, gerade, als wäre sie froh, mich wieder los zu sein. Das verwünschte Zaudern! Vor vier Wochen hätte ich das Feld frei gefunden und könnte in diesem Augenblick alle Sorgen los sein. Und da soll man nicht verdrießlich werden?" „Der Fall ist freilich bitter. Uebrigens kenne ich jetzt Ihren Rivalen und glaube beinahe, daß mir der verwünschte Kerl eben- falls in's Gehege gekommen ist. Ich habe es ja nicht so eilig mit dem Heirathen und kann es schon noch ein paar Jährchcn aushalten, billiq möchte ich mich auch nicht verkaufen und so geht man möglichst behutsam zu Werke, aber an der kleinen Reischach würde man doch eine fast brillante Acqnisition machen, und daß sie ein Gänschen ist, halte ich eher für einen Vorzug als für einen Fehler. Es muß verdammt unbequem sein, eine„literarisch" und„ästhetisch" gebildete Frau, wie diese Hoher, zu haben, bei der man sich jede Minute mit seiner Unwissenheit Blößen geben kann und die verlangt, daß man sich für Bücher und Bilder mehr intercssire als für Pferde und Hunde.— Sie können schließ- lich froh sein, daß Sic die Hoher nicht bekommen, und der blonde Ladenschwengel oder Ellenreiter scheint besser zu ihr zu passen. Die kleine Reischach hat mir nämlich mit einer Koketterie, die ihr allerliebst stand, angedeutet, daß er der Verfasser eines ano- nymen Geburtstagsgedichtes sei, das sie himmlisch fand, und sie kaprizirte sich darauf, mich von diesem Herrn Hammer und seinen Kenntnissen und seinen wunderbaren Heldenthaten als Komman- dant der Feuerwehr zu unterhalten. Vor der Hand scheint das ja nicht bedenklich zu sein; sie hat wohl nur kokettiren wollen, denn die Frauenzimmer haben sämmtlich den Teufel im Leibe, und das albernste Gänschen wird erfinderisch und schlau, wenn es an's Kokettiren geht. Aber der Mensch ist ein verdammt hübscher Bengel, und man kann nicht wissen, was sich da anspinnt. Jedenfalls kann man es der Hoher nicht so übermäßig verargen, wenn sie sich für ihre väterlichen Thaler, die sich seitdem ganz erklecklich weiter vermehrt haben sollen, lieber den jungen, frifchen 'n 16. Mär, IKT* Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Jf2 24.Jikrj.ID.--- 1878. Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig.— In Heften ä 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. Kerl als einen halb ausrangirten— verzeihen Sie, aber Sie haben selbst diesen Ton angeschlagen— Rittmeister kanft. Aeltere Mädchen pflegen im Pnnkte der Moral ungewöhnlich streng zu sein, und wie man's als Offizier in einer Kavalleriegarnison treibt, davon haben sie gewöhnlich anch ein Liebchen singen hören und wissen allerlei bedenkliche Geschichtchen von Sängerinnen, Balletdämchen, Circusreiterinnen u. s. w. zu erzählen— mehr vielleicht, als wir nns träumen lassen. Möchte übrigens wohl einmal unter vier Augen mit dem geriebenen Burschen ein kräftig Wörtlein reden und ihm die Lust austreiben, zwei Husaren- offizieren in's Handwerk zu pfuschen. Möglich sogar, daß ich ihn ebenso interessant fände, wie Fräulein Hoher und die ver- teufelte kleine Reischach— mache gern eine interessante Bekannt- schaft und weiß es zu schätzen, wenn jemand den Weibern gegen- über seinen Vortheil wahrzunehmen versteht— ist ein praktischer, fast militärischer Zug." Mit raschem Entschluß und doch ohne Ueberftürzung trat Wolfgang aus der Veranda und an ihren Tisch. „Ich habe das Vergnügen, mein Herr, diesem Wunsche sofort bereitwillig zu entsprechen, indem ich mich Ihnen als Wolfgang Hammer vorstelle. Ihre Namen, meine Herren, behalten Sie wohl für sich am zweckmäßigsten— ich trage kein Verlangen danach, dieselben zu kennen, und Ihnen würde es doch schwerlich angenehm sein, wenn ich die Herren namhaft machen könnte, die es passend fanden, sich in so kordialer Weise über die Damen ihres Wirths auszusprechen. Zum Danke dafür, daß Sie diesem Wunsche entsprechen und mir so eine Verlegenheit ersparen, will ich Ihnen einen guten Rath geben. Es dürfte sich sehr empfehlen, entweder den Gesprächsstoff zu wechseln oder die Stimme inso- weit zu dämpfen, daß nicht jeder, der zufällig in die Veranda tritt, hören muß, ivie ungemein glücklich die Herren den Ton des Stalls und der Kasernen mit dem des Sblons zu verbinden wissen; als Kavalier würde ich selbstverständlich keinen Moment in Zweifel darüber sein, daß ich mich für die erste Alternative zu entscheiden habe." Die Gestalt, die so plötzlich aus dem Dunkel aufgetaucht war, ließ sich bei dem matten Schein von zwei glimmenden Cigarren nur ungenügend erkennen; dennoch hatte die Mischung von eisiger Höflichkeit und überlegener Ironie, mit der die Worte gesprochen wurden, die erste Ueberraschnng und ihren Eindruck so nachhaltig verstärkt, daß die beiden Offiziere momentan nicht zu antworten wußten. Konnte man einen unbequemen Gegner, der so grausame Dinge in so unvorwerflicher Form zu sagen wußte, von oben herab behandeln oder mußte man ihn als ebenbürtig anerkennen? Ter jüngere der beiden Offiziere faßte sich zuerst und machte einen ungeschickten Versuch, Wvlfgangs Ton zu kopiren. „Erlauben Sie mir die Bemerkung, mein Herr, daß ein Horcher und Spion wenig qualifizirt ist, ein Urtheil über die Handlungsweise und die Pflichten eines Kavaliers abzugeben— in nnscrm Stande pflegt man derartige Leute mit Verachtung zu strafen." „Offiziersgespräche, meine Herren, pflegen sich innerhalb eines so engen Rahmens zu bewegen, daß gar keine Veranlassung zur Neugierde und zum Horchen vorliegt; eine Unterhaltung, die man sich jeden Augenblick aus ihren wenig zahlreichen Bestandtheilen ftlber konstruiren kann, belauscht man nicht. Uebrigens habe ich Ihnen bereits erklärt, daß ich sehr unfreiwillig Ohrenzenge Ihrer — freimiithigcn Aeußerungen wurde, und ich empfahl Ihnen dringend, dieser wiederholten Versicherung fernerhin weder direkten noch indirekten Zweifel entgegenzusetzen. Es gibt Dinge, bezüglich deren ein bürgerliches Ehrgefühl merkwürdig kitzlich und empfindlich ist, empfindlicher oft als das eines Adligen und Offiziers." „Ich konstatire, Rittmeister, daß uns in diesem Augenblick etwas höchst Lustiges passirt, das heißt, zwei Offiziere Sr. Majestät des Kaisers und Königs werden von einem unternehmenden und zungenfertigen Kommisvoyagcur bedroht! Mit der vorlauten Zunge natürlich nur. Darf man sich die wißbegierige Frage er- tauben, was Sie etwa thun würden, wenn ich so frei wäre, anch Ihrer wiederholten Versicherung meine bescheidenen Zweifel entgegenzusetzen?" „Ihr Portepee würde mich nicht abhalten, Ihre Wange für eine Viertelstunde zu zeichnen, und wenn Sie versuchten, den Schimpf in meinem Blute abzuwaschen, gleichviel, ob ich be- waffnet oder nicht, so schlüge ich Sie nieder wie einen be- trunkenen Bauer." Der Rittmeister, dem die Situation bedenklich zu werden begann, und der nicht umhin koimte, einzusehen, daß sie sich in eine prekäre Lage begeben hatten, daß sie von ihrem kaltblütigen und gewandten Gegner von vornherein in's Unrecht gesetzt waren und daß es ihnen nicht gelingen würde, diesen Nachtheil wieder aus- zugleichen, fürchtete den Zähzorn des Premierlieutenants, der nur mit Mühe noch an sich Hielt, und er suchte dem Streit ein Ende zu machen. Er nahm einen fast väterlich ermahnenden und wohl- wollenden Ton an, als er Wolfgang auf die Schulter klopfte und ihm sagte:„Junger Freund, Sie müssen selbst einsehen, daß wir uns hier unmöglich herumzanken können; Sie haben uns nach Ihrer Meinung die Wahrheit gesagt, wir haben Ihnen geantwortet, damit können wir es gut sein lassen. Wären Sie satisfaktions- fähig, so wäre die Sache äußerst einfach— wir wechselten unsere Karten und morgen oder übermorgen ein paar Kugeln, so aber, Sie begreifen--" „Ich weiß nicht, ob es mich nach dem Codex Ihrer so- genannten militärischen Ehre satisfaktionsfähig macht, daß ich im Jahre 1866 Lieutenant im k. k. österreichischen Jägerbataillon war und die große goldne Tapferkcitsmedaille und das Offizier- Verdienstkrenz besitze?" fragte Wolfgang. Die beiden Offiziere sahen einander betreten an, und der Premierlieutenant bemerkte mit kühler, gemessener Höflichkeit und einer formellen Verbeugung: „Dieser Umstand ändert die Sache allerdings sehr erheblich und—" „Erlauben Sie, daß ich Sie unterbreche. Ob satisfaktions- fähig oder nicht, ich schlage mich überhaupt nicht." Der Premierlieutenant konnte nicht umhin, diese unerwartete Erklärung mit einem Hohn zu beantworten: „Sie scheinen sehr praktisch, sehr klug und sehr vorsichtig zu sein, mein Herr. Im gegebenen Falle kann man Ihnen dazu allerdings nur gratuliren, denn in der ganzen Armee weiß man, daß ich eine gefürchtete Klinge schlage und daß ich schon mehr als einem eine Kugel zwischen die Augen geschossen habe, und ich könnte schließlich doch in Versuchung kommen, ein Meisterstück meiner Kunst an Ihnen zu machen." „Ich liebe das Renommiren nicht, kann Ihnen aber ver- sichern, daß es noch sehr fraglich wäre, wer von uns unter un- günstigeren Bedingungen in den Zweikampf einträte. Das aber ist gerade der Grund, weshalb ich mich nicht schlage. Eine Sitte, die den Ungeübten und Kurzsichtigen dem Geübten und Falkcnängigcn gegenüberstellt, ist ein Unfug, und wenn der Tüchtige und Branchbare, das nützliche Glied der Gesellschaft, sein Leben als gleichwerthig einzusetzen hat gegen das des Un- wissenden und Leichtfertigen, der nur Geld zu verjubeln versteht, so ist das eine Ausdehnung des Gleichheitsprinzips, die ich nicht anzuerkennen vermag und jöer ich gegebenen Falls meine Sanktion rundweg versage. Und damit Adieu, meine Herren." Der Premierlieutenant, in dem ein ingrimmiger Haß gegen seinen kaltblütigen Widersacher aufflackerte, machte eine heftige Be- wegnng, als wolle er Wolfgang in den Weg treten, aber der Ritt meister hielt ihn zurück, und er that weise daran, denn Wolfgang war völlig aus einen Angriff gefaßt und würde denselben energisch zurückgewiesen haben. Er trat in die Veranda und in den Saal, und es hätte ein scharfes Auge dazu gehört, in seinem nur etwas blasseren Gesicht eine Spur von Aufregung zu entdecken. Er überreichte Frau von Larisch ihr Tuch und versuchte mit einer übermenschlichen Anstrengung das vorhin unterbrochene Gespräch in der alten Weise fortzusetzen. Es gelang ihm nicht; seine J Stimme erhielt durch sein Bemühen, die tiefe Traurigkeit und Müdigkeit zu verdecken, die ihn beherrschte, einen fremden, fast harten Klang, und wenn Martha's Auge dem seinen begegnete, erschrak sie über einen Ausdruck, den sie sich nicht zu erklären vermochte, der aber das Gegernheil der theilnehmenden Freundlichkeit war, an die sie sich bereits gewöhnt hatte und die ihr so innig wohlthat. Es war ihr, als müsse sie ihn bittend fragen, was ihm geschehen sei, was ihn so seltsam verwandelt habe, und als dürfe sie sich durch keine Ausflucht abweisen lassen. Doch das konnte sie im Beisein Leontincns nicht thun, und sie beschloß, zu warten, bis diese sich entfernt hätte. Aber ihre Absicht sollte durchkreuzt werden. Frau von Larisch, der es ebenfalls nicht hatte entgehen können, daß Wolfgang seine Munterkeit eingebüßt hatte und zerstreut und fast düster geworden war, scherzte: „Ist Ihnen in der Veranda ein Geist erschienen, Herr Hammer? Sie haben all' Ihren Esprit draußen gelassen und sehen aus, als dichteten Sie an der gcwaltthätigsten Szene eines finsteren Trauerspiels, in dem gemordet wird wie bei Shakespeare." Wolfgang ergriff die günstige Gelegenheit, alle» Zwqng von sich abzuschütteln, mit wahrer Hast.„Sie haben recht— ich bin sehr niüde und abgespannt und ich erweise den Damen nur einen Dienst, wenn ich sie bitte, niich zu entlaffen. Sie würden nichts mehr an meiner Gesellschaft haben und mir ist es Bedürfnis, zur Ruhe zu kommen." Er sah den bittenden, beinahe demüthigen Blick nicht, der ihn aus Martha's Augen traf, oder er wollte ihn nicht sehen. Er reichte erst Frau von Larisch, dann ihr die Hand, aber er erwiderte den schüchternen, kaum fühlbaren Druck der ihrigen nicht, und ihr war, als sei aus der Hand des jungen Mannes alles Blut ge- wichen und als lege die starre, kalte Hand eines Todten sich in die ihre. Kein Blick begleitete die Verbeugung, nnt der er sich verabschiedete, und Martha und Leontine sahen sich unwillkürlich betreten an. Aber sie konnten sich beide nicht zu einem fragenden Wort entschließen, und während Frau von Larisch in den Kreis ihrer Verehrer zurückkehrte, im stillen mit der neuesten„Originalität" dieses„bizarren" Charakters beschäftigt, benutzte Martha den ersten Anlaß, aus dem Saale zu flüchten, der ihr plötzlich wie ver- wandelt schien. Der Lichterglanz, die rauschende Musik, das Lachen und Flüstern, der wogende Tanz— alles that ihrem übervollen Herzen weh, und sie athmetc tief auf, als sie in ihrem Zimmer allein war. Vor einem Stuhle brach sie, das Gesicht mit den Händen bedeckend, in die Kniee, und lange, lange er- schlitterte ein krampfhaftes Schluchzen ihren Leib und schwere Thränen rollten durch die Finger der schlanken, weißen Hände. Ihr war, als hätte sie Wolfgang in dem Augenblick für immer verloren, wo er sich anschickte, ihr seine Freundschaft und die Theilnahmc eines Bruders zu schenken. Und verzweifelnd fragte sie:„Was ist geschehen, was habe ich ihm gethan? Welches Ge- heimniß drängt sich unerbittlich zwischen mich und ihn?" Wolfgang ballte in Scham und Weh, in Zorn und Trotz die Fäuste, als er das Haus verließ, er biß die Zähne knirschend aufeinander, er nagte sich die Unterlippe wund und wiederholte sich hundert mal:„Keipen Schritt wieder über diese Schwelle." Er empfand eine Art von wilder Genugthuung darüber, den Offizieren mit Erfolg die Stirn geboten zu haben, und doch war er ihnen beinahe dankbar dafür, daß sie ihm die Augen geöffnet, daß sie ihn gewarnt und ihm gezeigt hatten, welche unwürdige Rolle er spielte, wie fern ihm auch die gemeine Berechnung lag, die man ihm andichtete. In greller Klarheit stand es vor seiner Seele, daß er in diesem Hause nicht verkehren, daß er seinen Bewohnern gegenüber nicht Mensch sein und sich einfach gehen lassen durfte, daß überall Fußangeln und Selbstschüsse lagen und daß die größte Vorsicht unvermögend war, ihn zu schützen. Er war noch erbittert über die Geringschätzung, mit der die Husaren von Martha gesprochen hatten, und doch blieb etwas von dem Spott über das alternde Mädchen, das sich einen jungen Mann „kauft", mit vergiftetem Widerhaken in seiner Seele hängen, und er fragte sich, ob er nicht wie ein arglos summender Käfer in ein feines Netz von arglistigen Freundlichkeiten und seinen Avancen gegangen sei, in dem er sich schließlich doch rettungslos verstrickt hätte. Noch war es zum Glück nicht zu spät, noch konnle er das feine Gewebe zerreißen, und je schwerer es ihm wurde, sich aus seiner Zukunft dieses sanfte, kluge, ernste Mädchen weg- zudenken, das er im einen Moment beschuldigte, ihm Fallen zu stellen, und das er im nächsten Moment gegen die ganze Welt auf Tod und Leben vcrtheidigl haben würde, desto kälter und schärfer diktirte er sich die Trennung von ihr als den einzigen Ausweg aus diesem Labyrinth, als die einzige Rettung davor, endlich in eine schiefe, haltlose Lage zu gerathen und in die bittersten Konflikte mit seinem besten und eigensten Sein. Die moralische Luft in jenem Hause war schwill zum Ersticken— er würde es nie lernen, dort zu athmen; der Fluch des Goldes lag auf dem Hause und seinen Bewohnern und zwischen ihm und ihnen konnte nie Gemeinschaft sein. Er hätte ausjauchzen mögen bei dem Gedanken, daß es in seiner Macht lag, sich mit einem Ruck frei zu machen und sich aus dem Reiche der Lüge, des Scheins, des Argwohns, der Verstellung und der List in das der Wahrheit, des Vertrauens, der Klarheit, der Offenheit, der Ehrlichkeit zu flüchten, und wieder zu sein, was er so manches Jahr gewesen— ein armer, einsamer Denker und Träumer, der ruhig und glücklich war, weil er auf eignen Füßen stand und weil nichts den Ein- klang und Frieden seiner Seele störte. Wolfgang war zunächst nach seiner Wohnung gestürmt; ein Pstff brachte Proud an seine Seite, und mit diesem treuen Ge- fährten so manches aufreibenden Streifzugs bei Tag wie bei Nacht schlug er den nächsten Weg nach den Bergen ein. Es that ihm so wohl, endlich allein zu sein, und als die letzten Lichter der Stadt in der Dunkelheit erloschen waren, wie kleine, glimmende Pünktchen, strich er mit der Hand langsam und nachdrücklich über die Stirn, als wolle und könne er die quälende Erinnerung au die letzten Stunden ans seinem Gedächtniß weglöschen. Es wollte ihm freilich nicht gelingen, und so stark war die Neigung seines Herzens bereits geworden, daß sie den Kampf mit den, kalten, argwöhnischen Verstand aufnahm und seinen mißtrauischen Rc- flexionen, seinen spöttischen und höhnischen Einflüsterungen nicht ohne Gegenwehr Gehör lieh. Wohl erschien ihm Martha im einen Moment als die verblühende Schönheit, die mit zäher Bc harrlichkeit und mit listiger Berechnung ihre Netze auswirft und ihre Taktik für jeden Fall ändert, und er erinnerte sich an jeden kleinen Zug, der sich als ein lockendes Entgegenkommen deuten ließ— im nächsten stieg ihr Bild in seiner ganzen nachdenk- lichen, ernsten, beinahe wehmüthigen Schönheit vor ihm auf, und sie brauchte nur die Worte zu sprechen:„Hülst du mich Ivirklich einer Berechnung für fähig?", um ihn zu entwaffnen. Die brutale Sicherheit, niit der der Rittmeister bis zu dem Moment, in dem er Wolfgang an Martha's Seite scch, darauf gerechnet hatte, daß seine Bewerbung um sie eine erfolgreiche sein werde, hatte einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht; konnte der Mann das Selbst vertrauen und die Franenvcrachtung soweit treiben, sich im vor aus als ihren Gatten zu sehen, wenn er nur wollte, ohne daß sie ihm bestimmte Anhaltspunkte dafür gegeben hatte, daß seine Bewerbung ihr hochwillkommen sein werde? Es war kaum zu glauben, doch— wenn sie nun früher sehr zufrieden damit gewesen ioäre, gegen die Nutznießung ihres Vermögens sich einen flügel- lahmen Husarenoffizicr zu„kaufen", und nur jetzt, wo sie Chance hatte, nicht blos die Hand, sondern obendrein die aufrichtige Neigung eines arglosen, zur Schwärmerei geneigten, blühenden jungen Mannes zu erlangen, schwierig wurde und sich einer rc- servirtcn Haltung befleißigte, da ihr der Rittmeister infolge seiner Finanznöthe immer noch sicher ivar? Wolfgang hätte sich selber hassen mögen, um dieser mißtrauischen und argwöhnischen Regungen willen, die ihn so unglücklich, so elend machten, und wie sollte erden traurigen und zugleich verächtlichen und vorwurfsvollen Blick ertragen, den sie vielleicht berechtigt war, ihm zuzuwerfen, wenn ihr je eine Ahnung von diesen Zweifeln kam, von denen jeder eine- Beschimpfung ihrer Menschen- und ihrer Franenehre war? Was hätte'er darum gegeben, auf den Grund dieser Seele blicken und ihre geheimsten Gedanken lesen zu können! Die trübseligste und prosaisch-crnüchterndste Gewißheit wäre ihm erträglicher ge- wesen, als dieses Schwanken zwischen dem innigsten und gläubig- sten Vertrauen und dem zäbestcn, häßlichsten Verdacht, und die niederschlagende Aussicht auf ein langes Fortbestehen des quälen- den Räthsels. Er rang sich wund und müde an diesen Zweifeln, und Licht und Finsternis; wechselten jäh und unvermittelt in seiner Seele. Er hatte des Weges wenig Acht gehabt und kaum be- merkt, daß der Mond aufgegangen war, und als ein schmaler Seitenweg, den er lange verfolgt hatte, mitten iin Walde plötzlich auf eine Chaussee ausmündete, entdeckte er mit einem gewissen Staunen und einem leichten Kopsschütteln, daß er sich auf der Straße von M. nach W. befand; es ivar eine wunderliche Irr- fahrt gewesen, die ihn zufällig hierher gebracht hatte. Mitter- nacht war vorüber und er hatte noch einen weiten Heimweg vor sich; er schritt rascher aus, während Proud gemächlich neben ihm hertrottete, aber sein Blick schweifte am Boden hin, und er war so tief in sein schmerzliches Brüten versunken, daß seine Sinne alles Wahrnehmungsvermögen verloren hatten. Er hörte den Hufschlag nicht, der von weither durch die nächtliche Stille hallte, und die beide» Reiter, die im scharfen Trabe auf ihn zukamen, waren ihm schon ziemlich nahe, als er sie bemerkte; er trat mechanisch, und glcichgiltig von der Mitte der von Gräben gesäumten Straße auf den schmalen Fußweg, um den beiden Reitern Platz zu machen; aber ii� demselben Augenblick wechselte der eine Reiter von der linken Seite seines Gefährten auf die rechte, sodaß er jetzt auf dem Fußweg ritt, und Wolfgang, her in diesem Moment erst die beiden Husarenoffiziere in ihnen er- kannt hatte, crrieth blitzschnell auch ihre Absicht. Man wollte den im Wortgefecht so schlagfertigen Gegner durch ein„Unglück- liches Mißverständnis;", an dem er schließlich auch noch die Schuld trug, zu einem Sprung in den breiten, mit schmutzigem Regen wasicr gefüllten und ohne Anlauf nicht zu überspringenden Graben zwingen, oder ihn durch den ungcstünien Anprall der trabenden Pferde in den Graben stoßen. In solchen Augenblicken vollzieht sich der Gedankenprozcß mit einer räthselhascen Schnelligkeit. Wolfgang sah, daß er überritten worden wäre, wenn er versucht hätte, auf die andere Seite der Straße zu gelangen; so rief er denn, alle Vergünstigungen der Nothwehr entschlossen für sich in Anspruch nehmend, Proud zu:„Faß ihn— hoch!", während er dem Pferde des Premierlieutenants in die Zügel fiel. Er hatte sich vollständig darauf gefaßt gemacht, niedergerissen und vielleicht ein Stück mit fortgeschleppt zu werden, aber so eisern war der Griff seiner Faust gewesen, daß das edle Thier zitternd und schnaubend sich zurückstellte. Der Zornruf des Premierlieutenants wurde von dem dumpfen Geheul übertönt, mit dem Proud Plötz- lich an dem Pferde des Rittmeisters in die Höhe sprang, und von einem Kasernenfluch des Reiters und einem schweren, planschenden Schlag in's Wasser. Das Pferd hatte sich in wildem Schreck hoch aufgebäumt— es drehte sich förmlich um seine Axe, schien- dertc seinen schweren Reiter, der dem Venve Cliquot etwas allzu reichlich zugesprochen hatte und der auf den ungestümen Angriff Prouds nicht gefaßt gewesen war, aus dem Sattel in den Graben auf der andern Seite der Straße und jagte mit flatternder Mähne Tafel II. Fig. 1— 2 Spaltpilze des Milzbrand, F Nach Phvtagr. unb Z-ichnuuge» von Dr. Lock,»nd Cohn(v. Beitr. z. Bioli bleiben, davon, von Proud eine kurze Strecke mit wüthcndcm, dumpfen Gebell verfolgt, das in der lautlosen Stille der Nacht doppelt unheimlich klang und die Angst des Pferdes vergrößerte. Wolfgangs Pfiff rief das mächtige Thier zurück; mit einem Lächeln voll grimmigen Humors streichelte er den Kopf seines treuen Bundesgenossen und sagte:„Sieh an, alter Bursche, so also treiben's die ritterlichen Herrn? Nun, sie sind freilich bei uns an die Unrechten gekommen und werden an die Beschecrung denken. Aber Teufel, was hast du denn mit deinem Mann an- gefangen? Mir war's doch, als hättest du ihn in den Graben befördert, und wir müssen ihn am Ende wieder herausfischen." Das war jedoch nicht nöthig. Der Rittmeister half sich eben selber aus dem Graben, in dem er ein unfreiwilliges kaltes Bad genommen hatte; triefend vor Nässe und merkwürdig abgekühlt und ernüchtert, erschien er auf der Böschung, von Proud mit einem wenig vertrauenerweckenden Geknurr empfangen. Es klang ziemlich kleinlaut, als er Wolfgang ansprach: „Nehmen Sie die wüthende Bestie zurück, Herr,— Sie sehen, ich bin wehrlos." „Gewiß, Herr Rittmeister, jetzt bedarf ich seiner Hülse nicht mehr; Sie werden indessen zugeben, daß bei einer Unsicherheit der Landstraßen, wie ich sie heute zu konstatiren habe, eine solche , wüthende Bestie� ein ganz unschätzbarer Begleiter ist. Ohne und fliegendem Schweif laut aufwiehernd davon. Der Premier- lieutenant hatte Wolfgang knirschend ein:„Loslassen!" zugeherrscht, worauf er ein kaltes:„Nachdem Sie sich entschuldigt haben werden!" zur Antwort bekam. Diese Erwiderung und der gleichzeitige tragi- komische Fall seines Gefährten brachten den hochfahrenden jungen Offizier um den letzten Rest von Besinnung; er hob die Reitgerte und führte einen wüthenden Hieb nacb Wolfgangs Kopf, aber die linke Faust des jungen Mannes, in dem der heiße Zorn der Jugend auflohte und dessen Energie durch die vorausgegangenen Seelenkämpfe eine finstre Färbung erhielt, fuhr nach seinem Hand- gelenk, um das sie sich wie eine stählerne Klammer legte; im Nu hatte sie ihm die Gerte entwunden und der Hieb, den sie ihrem Besitzer quer über's Gesicht zog, hatte alle Eigenschaften, die eine hochaufgelaufene, brennendrothe Schwiele verbürgen. Ein zweiter heftiger Hieb traf die Weiche des Pferdes, dessen Zügel die Rechte freigegeben hatte; es zuckte vor Schmerz zusammen, tanzte einen Moment, sich bäumend, auf den Hinterfüßen und jagte dann mit seinem halbgeblcndeten Reiter, der Mühe hatte, im Sattel zu ig. 3 des Rückfalltyphus, Fig. 4 im Blut einer Leiche. >ie> 2. Bd.) tür die„Neue Welt" gezeichuct und geichnitten.(seile 282.) meinen wackeren Hund hätte ich jetzt das Vergnügen, wie eine gebadete Maus mich heimzutrollen, und ich gestehe, daß ich diesen Zustand eben nicht sehr begehrenswerth finde. Sie sind, nebenbei gesagt, immer noch besser daran, als ich daran wäre; ich denke, Ihr Herr Kamerad wird ja mit der Zeit sein etwas aufgeregtes Pferd auch wieder in die Gewalt bekommen, und vielleicht hat er jetzt das Ihrige bereits cingefangen und kommt Ihnen mit dem- selben entgegen. Uebrigens soll, soweit ich dabei etwas thun kann, der ganze Vorfall für Sie keine anderen Nachmehcn haben, als höchstens einen Schnupfen;' daß Sie außer Stande waren, den Anforderungen des militärischen Ehrbegriffs zu genügen, der vorschreibt, jeden Schimpf unverzüglich an Ort und Stelle im Blute des Gegners abzuwaschen, soll sich nicht an Ihnen rächen; ich gelobe Ihnen Stillschweigen auch über diese Begegnung, und Sie können auf dieses Versprechen ebenso fest bauen, wie auf ein Offiziers-Ehrenwort. Guten Weg, also, Herr Rittmeister." Er lüftete mit einer Höflichkeit, die nur einen ganz leichten spöttischen Anflug hatte, den Hut, und ehe der Rittmeister mit sich darüber einig geworden war, ob er einen neuen Streit bc ginnen oder Wolfgang für einen Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle erklären und ihm eine Art Abbitte leisten solle, war dieser mit Proud in den Wald getreten und seinen Blicken ent- schwunden.(Fortsetzung folgt.) Dornröschen an der Spindel.(Seite 287.) 282 Die niederen Mze als Vermittler ansteckender Krankheiten. (Schluß.) (Bergl. die Illustrationen auf Seite 268 und 280.) Eine der gemeinsten Stäbchenpilzforinen ist öneterium Termo, von welcher die Bewegungsart folgendermaßen charakterisirt wird: Die Zellen drängen sich um ihre Langsame und schwimmen vorwärts, dann wieder— ohne sich umzuwenden— zurück; oder sie fahren auch in Bogenlinien durch's Wasser, in der Regel nicht sehr schnell, gleichsam zitternd oder wackelnd, doch auch mit Plötz- lichem Sprunge raketenartig dahinschießend, bald um die Quer- axe gedreht, wie der Griff eines Bohrers, oft blitzschnell ivie ein Kreisel, dann wieder längere Zeit ruhend, um plötzlich auf und davon zu fahren.— Laotorium Dormo tritt zu Millionen und Milliarden in allen faulenden Substanzen, namentlich in Wasser auf, in welchem organische Substanzen faulen, und ist ein Haupt- erreger der gemeinen Fäulnißprozesse. Durch genaue Wissenschaft- liche Versuche ist nachgewiesen worden, daß das lebende Blut im menschlichen und thierischen Körper die Fähigkeit besitzt, solche gemeine Bakterienkeime der gewöhnlichen Fäuluiß unwirksam zu machen. Es ist dies, wie sofort einleuchten muß, eine sehr nütz- liche Fähigkeit des lebenden warmblütigen Thierkörpers; denn es kann die Gefahr kauni vermieden werden, daß fortwährend Keime von gewöhnlichen Fäulnißbakterien in unser Blut gelangen. Würden sich die gemeinen Fäulnißpilze ebenso leicht und ebenso rasch im warmen Menschen- und Thierblut vermehren, wie es die Kontagien- und Miasmenpilze thun, so müßten in kurzer Zeit das ganze Menschengeschlecht und sämmtliche warmblütigen Thierc infolge von Blutzersetzung vom Erdboden verschwinden. Gewiß hat es zu allen Zeiten warmblütige Thiere und Menschen gegeben, denen die Fähigkeit abging, auf die Dauer den gemeinen Spaltpilzen zu widerstehen; sie gingen daher zugrunde, während die besser gewappneten Individuen am Leben blieben und ihre Widerstands- fähigkeit den Nachkommen vererbten. Wir kommen also zu dem Schluß, daß unsere Widerstandsfähigkeit gegen die gemeinen Bakterien durch natürliche Zuchtwahl erworben wurde, weil die Natur fortmährend jene schwächeren Individuen ausjätete, wie dies heute noch in Gegenden stattfindet, wo die Miasmen- pilze einen großen Brnchtheil der Bewohner vorweg vernichten, während die widerstandsfähigen Bewohner am Leben bleiben, sich vermehren und folglich„das Erdreich besitzen". Auch unter den Kontagienpilzen begegnen wir stäbchenförmigen Gebilden. Hierher gehört z. B. LadUus Anthraci, der Spaltpilz des Milzbrandes(Taf. II, Fig. 1 und 2). Der Milzbrand ist eine der gefürchtetsten Epidemien, hie Haupt- sächlich unter den Schafherden immense Verheerungen anrichtet; verliert doch ein einziger preußischer Kreis(Mannsfelder Seekreis) nach glaubwürdiger Statistik jährlich für cirea 180000 Mark Schafe allein durch Milzbrand. Im Gouvernement Nowgorod gingen in den Jahren 1867 bis 1870 über 56 000 Pferde, Kühe und Schafe und außerdem 528 Menschen am Milzbrand zu- gründe. Der unheilbringende Spaltpilz dieser Epidemie wurde von Pollender im Jahre 1849 im Blute milzbrandiger Rinder cnt- deckt. Seither ist durch die verschiedenartigsten Versuche nnum- stößlich erwiesen worden, daß es die stäbchenförmigen Spaltpilze und die von ihnen erzeugten Sporen(Samen) allein sind, welche den Milzbrand verursachen. Wenn frisches milzbrandiges Blut einem gesunden Thier auch nur in kleinster Menge eingeimpft wird, so erfolgt durch die ungeheuer rasche Vermehrung der stäbchenförmigen Pilze regelmäßig Milzbrand-Erkrankung und Tod. Werden dagegen die stäbchen- förmigen Pilze vor der Impfung wegfiltrirt, so erfolgt keine Ansteckung. In Tafel II, Fig. i sehen wir frische Milzbrandpilze nebst Blutkörperchen aus der Milzsubstanz einer durch Impfung an gesteckten und an Milzbrand gestorbenen Maus. Die Stäbchen sind kurz und undeutlich gegliedert, während sie in Fig. 2, Taf. II. ausgewachsen sind in lange Fäden, toelchc eirunde Körperchcn, Sporen(Samen, Fortpflanzungszellcn) enthalten. Diese Milz brandsporen können austrocknen, ohne ihre Entwicklungsfähigkeit oder Keimkraft einzubüßen. Dr. Koch in Wöllstein hat konstatirt, daß die trockenen Milzbrandsporen noch nach fünf Jahren An- steckung vermitteln können, während die Milzbrandbacillen selbst in kurzer Zeit ihre Vermehrnngskraft einbüßen, also unwirksam werden. Das Milzbrandkontagium pflanzt sich auf längere Zeiten ivohl nur durch jene Sporen fort. Da die Milzbrandkrankheit, welche kleineren Säugethieren, z. B. Mäusen, schon 17 Stunden nach der Ansteckung den Tod bringen kann, während sie bei größeren Thieren schon etliche Tage in Anspruch nimmt, auch aus den Menschen übertragbar ist, so muß sofort einleuchten, daß die kleinste Wunde an der Hand jeden vorsichtigen Thierarzt und Naturforscher davon abhalten wird, die Zergliederung einer Milzbrandleichc vorzunehmen oder mit Milzbrandpilzen Experimente anzustellen. Stäbchenförmige Spaltpilze nicht ansteckender Natur finden sich unzählbar auch in stinkendem Käse. Das Garwerden oder Reifen der Käse beruht auf der Thätigkeit von Spaltpilzen, die >vir zu Millionen verschlingen oder zu taufenden eiiiathmcn können, ohne Schaden zu nehmen. Ebenso sind es stäbchenförmige Spaltpilze, welche die Buttersäuregährung, das Ranzigwerden der süßen Butter, vermitteln. Nicht minder als in faulendem Blut von Leichen(Taf. II, Fig. 4) sind auch stäbchenförmige Spaltpilze im„grünen" Eiter nachgewiesen worden. Sehr auffallende Formen stellen diejenigen Spaltpilze dar, welche als spiralig gekrümmte Fäden erscheinen, die unter den Namen 8pirillum und Lpiroollsetv beschrieben worden sind. Bei der Gattung Lpirlllum sind die Fäden kurz, starr, un- biegsam; sie besitzen auch nur wenige Spiralwindungen, bewegen sich aber wie ein Korkzieher um ihre Achse(Taf. I, Fig. 3) und rücken vor- und rückwärts. An jedem Ende des spiraligen Stäbchens findet sich ein langes Flimmerhaar, das als Bewegun'gs- organ dient. Diese zierlichen Spaltpilzchen finden sich häufig an der Oberfläche von Flüssigkeiten, in denen organische Substanzen in Zersetzung übergehen. Während sie harmloser Natur zu sein scheinen, sind andere verwandte Formen mit zahlreicheren Windungen und biegsamer Spirale zum Theil sehr verdächtige Gäste. Hierher gehört in erster Linie der Spaltpilz des Rückfall- Typ hus. Es sind jetzt zehn Jahre her, seit(1868) Otto Lbermeier im Blute von Patienten des reknrrirenden Fiebers feinste Fäden mit einer eigenthümlichen Bewegung entdeckte. Er verfolgte seine Entdeckung, die auch von späteren Bcvbach tern wiederholt bestätigt wurde, bis zum Jahre 1873 und vcr- öffentlichte dann seine Untersuchung im„Medizin. Centralblatt" (XI. 10. 1873). Als im gleichen Jahr in mehreren Städten Europas(München, Wien:c.) die Cholera ausbrach, versuchte Obermeier auch bei dieser Epidemie verwandte Organismen zu entdecken; er ward aber selbst von der Cholera ergriffen und dahingerafft, ein Opfer der Wissenschast. Ferdinand Cohn, Professor der Botanik in Breslau, einer der namhaftesten Forscher der Spaltpilze, erkannte die von Oberineier entdeckten beweglichen Fäden im Blute von Rekurrens-' Kranken als eine besondere Art von Spaltpilzen, die er zu Ehren des braven Obcrmeier Spirochaetc Obermeierii nannte. Das rekurrirende Fieber(eine Art Hungertyphus) ist mit Recht auch Rückfalltyphus genannt worden. Es ist eine epidemische Krankheit, von welcher in der Regel alle Bewohner einer Stube nach einander befallen werden. Tie Ansteckung geschieht ohne Zweifel durch persönlichen Verkehr, wird also durch ein Konta- gium vermittelt und verbreitet. Die Krankheit zeichnet sich durch eine 6 bis 7 Tage dauernde Fieberzeit aus, aus welche eine ficber- freie Pause von circa 8 Tagen folgt; dann tritt ein zweiter, 5 Tage andauernder Fiebrranfall ein; in selteneren Fällen erfolgt nach abermaliger Pause ein dritter Anfall, wohl auch ein vierter und fünfter Rückfall.'Nun ist es gewiß eine vielbedcntendc That- fache, daß der Spaltpilz des Rückfalltyphus im Blute der Patienten nur während der Fieber, nicht aber während der fieberfreien Pausen angetroffen ivird. Allerdings werden sie niitnnter erst 24 Stunden und selbst zwei bis drei Tage nach dem Anfang der Temprratursteigcrnng wahrgenommen. Der Spaltpilz des Rückfalltyphus besteht aus undeutlich ge- gliederten, sehr langen, spiraligen, äußerst biegsamen und mit schraubcnartiger Bewegung ausgestatteten Fäden, die aber so zart ■ 283 , und leicht beweglich sind, daß man sie bei der Untersuchung des Blutes(Taf. Il, Fig. 3) sehr leicht übersehen kann. Wenn sie auf ruhende Blutkörperchen stoßen, so können sie dieselben in eine träge Bewegung versetzen.. Man hat diese Pilze, nachdem sie im Blut der Rekurrens- Kranken entdeckt waren, auch in den Sekreten, in den Auswürfen der Patienten, überhaupt im ganzen kranken Körper gesucht, allein außer im Blut nirgends gefunden. Auch in der Leiche des am Rückfalltyphus Gestorbenen findet man die Schraubcnsäden nicht. Die mitgetheilten Thatsachen führen zu dem Schluß, daß das Kvntagium des rekurrirenden Fiebers nichts anderes sein kann, als eben jene schraubenförmigen Spaltpilze, Lpiroohaete Obemeierii, welche mit dem Fieber in großer Anzahl auftreten, nach dem Fieber wieder verschwinden. Selbstverständlich ist noch mancher dunkle Punkt aufzuhellen, welcher über das Wesen und Treiben dieser Typhuspilze näheren Aufschluß geben soll. Hierzu gehört z. B. auch die Frage, ob eine verwandte Spaltpilzform, die Spirochaete des Zahnschleimes(Taf. I, Fig. 6) in einer verwandt- schaftlichen Beziehung zur Spirochaete des Rückfalltyphus stehe. ltiv Koch hat nämlich konstatirt, daß ganz ähnliche Spiralfäden als regelmäßige Bewohner der menschlichen Mundhöhle, zum Bei- spiel im Inhalt von„faulenden", kariösen Zähnen, sowie in dem Schleim, der sich am Grund der Backenzähne und zwischen den Zähnen überhaupt ansammelt, auftreten. Auch find ähnliche Spiralsäden in Sumpswasser beobachtet worden, sodaß die Ber- wuthung naheliegt, es feien die spiraligen Rücksalltyphuspilze nur besonders angepaßte Formen der Junipfwasser-Spirochacten, als deren Uebergangsform die Spiralfäden des Zahnschleimes zu bc- trachten wären. Gewiß hat die Wissenschaft erst den Anfang gemacht in der Erforschung dieser bis jetzt so geheimnißvollcn Beziehungen zwischen Pilzen und ansteckenden Krankheiten. Und dennoch haben die Miasmen und Kontagien in manchen Fällen eine greifbare Ge- statt angenommen. Die in neuester Zeit mit großer Sorgfalt und mit allem Aufwand von Scharfsinn betriebenen Untersuchungen und Experimente über das Leben und Treiben der Spaltpilze haben es zur Gewißheit gemacht, daß keine anderen Organismen, keine anderen Stoffe geeigneter sein dürften, als die Spaltpilze, bei der Einwanderung in den lebenden Thierkörper kraft ihrer Organisation und ungeheuren Vermehrungsfähigkeit den gesundesten Organismus in kürzester Zeit zugrunde richten. Die wissenschaftliche Untersuchung der Frage:„Was sind Kon- tagien, was sind Miasmen?" hat zur Evidenz erwiesen, daß diese Stoffe keine Gase sind, daß es nur Körperchen sein können, die unfaßbar klein und in höchstem Grade vermehrungsfähig sind. Nun grenzt die Vermehrungsfähigkeit der Spaltpilze gradezu an's Ungeheuerliche. Sie pflanzen sich einfach dadurch fort, daß sie— sobald sie eine gewisse Größe erreicht haben— sich auf der halben Länge in zwei gleiche Theile theilen, die selbständig weiter wachsen und sich nach einiger Zeit wieder ebenso theilen, wie das mütterliche Individuum. Man hat beobachtet, daß es Spaltpilze gibt, die— in geeigneter Nährlösung liegend— sich jeweilen nach zwanzig Minuten durch Theilung verdoppeln können. Dies geschieht beispielsweise unter günstigen Nährverhältnissen bei einer Temperatur von 37 Grad Celsius, während bei niedrigerer »der höherer Temperatur die Vermehrung eine weniger rasche ist. Nun ist wohl zu bedenken, daß dieser günstigste Temperatur- grad für die Vermehrung der Spaltpilze grade derjenige unserer eigenen Körperwärme ist. Kleine Ursachen, große Wirkung! Nirgends so, wie bei den niedrigsten Organismen ist dieses Wort buchstäblich wahr, was sofort einleuchten wird, wenn wir uns einmal vergegenwärtigen, was geschieht, wenn z. B. ein Milzbrand-Pilzchen oder eine jener kleinen Sporen der Milzbrand-Bacillen«.Taf. II, Fig. 2), die in trockne». Zustand mehr als fünf Jahre lang ihre Kein,- fähigkeit behalten, im menschlichen oder thierischcn Körper eine günstige Stelle zum Wachsen und zur Vermehrung finden. Das kleine stäbchenförmige Pilzchen theilt sich nach zwanzig Minuten durch eine Querwand in zwei Tochter Individuen von halber Länge. Diese werden zu selbständigen Pilzchen und er- reichen bei energischem Wachsthum in den nächsten zwanzig Minuten die Länge des Mutterpilzchens. Dann theilen sie sich ebenso; wir haben also schon nach vierzig Minuten 2 mal 2 gleich 4 Stäbchenpilze. Diese hinwieder zerfallen in weiteren zwanzig Minuten, also bis zum Ende der ersten Stunde, in 8 Jndivi duen. Letztere haben sich bis zum Ende der zweiten Stunde ans 8 mal 8 gleich 64 Individuen vermehrt. Diese 64 Individuen sind bis zum Ende der vierten Stunde auf 64 mal 64 gleich 4096 angewachsen. Am Ende der achten Stunde beträgt die Nach- kommcnschaft des einen Stäbchenpilzchcns 4096 mal 4096 gleich 16 777 216 Individuen. Vervielfachen wir die letztere Zahl mit sich selbst, so erhalten wir die Zahl der Nachkommen auf das Ende der sechzehnten Stunde; sie beträgt 281 474 976 710 656 In- dividuen. wtultipliziren wir zu gutcrletzt noch mit 4096, so er- halten wir die Zahl der sämmtlichen von einer Milzbrand-Bacille abstammenden Stäbchcnpilzchen am Ende der zwanzigsten Stunde; es ist eine Zahl mit 19 Ziffern. So erklärt sich die rasche Zerstörung einer durch Milzbrand- pilze infizirten Milz; so erklärt sich der Umstand, daß man im Blut von infizirten Kranken, die vielleicht nur einige wenige Spaltpilzchen eingeathmet oder durch eine kleine Wunde auf genommen haben, schon nach wenigen Stunden, bei etwas langsamerer Vermehrung der Pilze doch schon nach wenigen Tagen Millionen lebender Spaltpilzchen findet. Hier liegt das Geheimnis; der raschen Ausbreitung ansteckender Krankheiten, hier liegt die Erklärung für die Thatsache, daß nur einige Athemzüge in mfizirter Luft hinreichen, den stärksten Orga- nismus dem Verderben auszuliefern, hier liegt der Grund, warum man bis heute in den meisten Fällen keinen besseren Rath zu handhaben wußte, als vor der Ansteckung wie vor einem bösen Dämon zu entfliehen. Aber es gibt ja einen Beruf für Krankenpflege; der Arzt und der Krankenwärter; die nächsten Anverwandten— sie dürfen und -können vor dem ansteckenden Patienten nicht entfliehen. Da muß die Wissenschaft helfend beispringen; denn sie hat nicht allein die Aufgabe, das Wesen des Hebels zu erkennen, sondern auch die Pflicht, Abhülfe zu bringen, die Mittel anzu- geben, um dem Umsichgreifen der Epidemien entgegenzutreten. Und der Wissenschaft wird es ein leichtes sein, kraft ihrer richtigen Erkenntniß die beste Rathgcberin der Heilkunde und der Gesundheitspflege zu sein. Inwiefern sie das jetzt schon sein kann, werden wir in einem spätern Kapitel zeigen. Dr. A. D.-P. Nähere Erklärung der Spaltpilz-Tafeln. T-s. I. Fig. ,. Verschieden große Mikrococcen tKugelvaNerien) in Schasblu«, das vier Tage lang Sei einer Temperatur von«—>» Grad Celsius in einem ossenen Gesäße g-st-nd-n halte, dl' mittelgroße, M" Heinere und M'" Neinste Milrococcen. Hk, Bk— BluNörperchen. Vergrößerung 700fad|.— F'g. 2. Rechenlormig angeordnete Rilrococcen, die aus saulendem Wasser eine seine Haut bildeten. In dem Wasier selbst, das auch abgestorbene Stüitelalgen enthielt, landen sich auch lange Helteu dieser Micro- »ccus- Art vor. Die Partien rechts zeigen die jliigelbalterien bei öoosacher Vergrößerung, links oben bei lunosacher und links unten bei SODOsacher Bergro«erung. In der Mitte "den bei M. p. sind die jrugelbalterjcn der„blutenden Hostien" und des„blutenden Brotei" abgebildet. Sie gehören ,u den kleinsten Formen und bilden einen rothen Farbstoff. Ahrenberg beschrieb sie unter den, lliameu Unna, proilixiosn. Cohn taufte sie um und nannte sie dlieroooeeuu pr»digiosiis.— Fig. 3. Schraubensörmig gewundene Epatt- i'lten eine ziemlich dick- schleimige Haiti bilden. Ihre Bewegung ist eine zitternd rotirende. Vergrößerung öuufach.— Fig.?>. jtettenformig angeordnete.itugeldalterie», Mikro ?ccen, die sich konstant und oft in großer Meiige im Zungenbelag finden. Links, in der Mitte bei /. 8 sehen wir eine klein- Kolonie kleinster Mikrococcen, die, in dichten Haufe» Mammen liegend, den eigentlichen Zahnschleim bilden. Nach einer von Dr.»och aufgenommenen Photographie gezeichnet. Vergrößerung 700— Fig. 6. Spirochaete des sahnfchfeiin», sehr lange, spiralig gelriimmte. äußerst biegsame Fäden darstellend, die mit rascher Lrtsbewegung begabt sind. Ein regelmäßiger Bewohner der menschlichen Mund- Höhl-, häufig im Inhalt von hohlen(kariösenl Zähnen, sowie in dem Schleim, der sich am Grund der Backzähne und zwischen den legteren ansammelt. Dieser weitverbreitete h-tgani»mus hat große Aehnlichkeit mit dem Spaltpilz des Rücksalltyphu«(vergl. Tas. ll, Fig. 3). Bergr. MO. Taf. II. Fig. l. Spaltpilz de« Milzbrand, Bacillus anlhracis Cohn., in frischem Zustand(noch lebend! photographirt. Diese hier dargestellten Gegenstände sind M Milzsubftanz einer am Iiups-Milzbrand gestorbenen Maus entnommen. Die Blutkörperchen find dunkel gezeichnet, die stäbchenförmigen Milzdrandpilze dagegen hell, die Glic- öerung derselben ist schwer erkenntlich. Bergr. 70».— Fig. it. Spallpilz des Milzbrand. Derselbe Pilz wie in Fig. l, welcher in der wässerigen Feuchiigteit des Auges zu Mg'» gäben ausgewachsen ist und Sporen gebildet hat. fftach einer Pdotographie. Bergr. 700. Di- Milzbrand-Pilzsporeii bleiben im trocknen Zustand mehr als sstns Jahre->» »icklungsfähig da die Einimpfung derselben regelmäßig Milzbrand verursacht.— Fig. 3. Spirochaete Obermeierii— Spaltpilz des Rückfall-Typhus(eine Art„Hunger- thphus")— undeutlich gegliederte, lange, sehr biegsame, spiralige Fäden mit lebhafter OrtSbewegung darstellend. Sie finden sich nach Cohn ausschließlich im menschlichen Blut °e> rekurrirendem Fieber Einige der in dieser Figur dargestellte» Spirochacten find nach der Photographie des Blutes von einem 22tSbr>gen Man» gezeichnet, das diesem letztere» s." Stunden nach dem zweiten Anfall entnommen wurde.— Fig. 4. Blut aus einer nach zwei Tage» sezirten Crstickungsleiche mit stäbchenförmigen Spaltpilzen(Bacillen), wie "e gewöhnlich zuerst im Blut von Leichen austreten.'Nach einer Photographie. Vergrößerung 700. 284 Zst das Tabakrauchen schädlich? Von Eh-. Karl Resau. Keine Gewohnheit hat sich so eingebürgert, wie der Tabaks- genuß, und wenn die Annahme einiger Volkswirthe, daß der Tabak nach dem Kochsalz der am meisten konsumirte Stoff sei, auch übertrieben erscheint, so ist sein Verbrauch doch immer ein bedeutender. Jolly rechnet z. B. für jeden rauchenden Franzosen 8 Kilogramm Tabak im Jahr, und während in Europa Vorzugs- weise nur die Männer rauchen, finden wir in Indien und China diese Sitte bei beiden Geschlechtern bis auf die Kinder von sechs Jahren herab. Zu den Attributen eines neunjährigen chinesischen Mädchens gehört ein seidener Tabaksbeutel und eine kleine Pfeife. Der Chinese raucht allerdings auch schon viel längere Jahr- hunderte als der Europäer, der diesen Genuß von den ameri- kanischcn Wilden erlernte, denn auf chinesischen Bildwerken aus vorchristlicher Zeit finden sich rauchende Personen mit denselben Pfeifchen im Munde, die heute dort noch üblich sind. Wer weiß also vorauszusagen, wohin es mit der Zeit noch bei uns kommt, wenn der ärztliche Stand kein Veto einlegt und die Grenze an- gibt, bis zu welcher der vernünftige Mensch in diesem Genüsse gehen darf. Fürsten und Priester haben der Ausbreitung des Tabakrauchens nicht zu steuern vermocht. König Jakob von England schrieb vergeblich seinen„Rauchfeind"(Misokapnos), in welchem er das Tabakrauchen als die entsetzlichste Gewohnheit bezeichnete, schädlich für das Auge, ekelhaft für die Nase, ge- x fährlich für die Lunge. Umsonst schleuderte Papst Urban Vlll. seine Bulle dagegen, die den Raucher mit ewiger Perdammniß hedrohte. Vergeblich zeterte die protestantische Geistlichkeit von der Kanzel gegen den Tabakteufel, sie sprach von Hälsen, die man zu einem Schornstein mache, zum rauchenden Schlot der Hölle, worüber man auch zur Hölle fahren werde. Geistliche Drohungen und Strafen nützten so wenig wie weltliche. In Rußland drohte dem Raucher im ersten Falle die Knute, im zweiten der Verlust der Nase, im dritten der Tod. Aber schon der blutige Czar Peter gestattete 1698 den Engländern, als ihm in London das Geld ausgegangen war, die Tabakeinfuhr gegen Zahlung von 100,000 Thalern. Die Lüneburger, deren wohl- weiser Herrscher Todesstrafe auf das„Tabaksausen" gesetzt hatte, weil Feuer dadurch auskommen könne, wurden später durch ganz Deutschland berühmte Tabakfabrikanten, und in der Türkei, wo ein Sultan einen Raucher mit der durch die Nase gestoßenen Tabak- pfeife durch die Straßen Kvnstantinopels führen ließ, ist man heute dem Tabakgenusse mehr ergeben, als in irgend eineni anderen europäischen Lande. Wir stehen also einer Thatsache gegenüber, welche wir physiologisch erklären müssen. Mit Schrecken denkt gewiß mancher an die erste Pfeife oder Cigarre zurück, an jenen der Seekrankheit ähnelnden Zustand, an den mit Schwindel verbundenen Kopfschmerz und die Uebelkeit, an die Betäubung und die Ohnmachtsanwandlungen, an jene böseu Symptome von seilen der Verdauungsorgane, die oft der Cholera ähneln u. s. w., an jene Erscheinungen, die manchem die Lust für alle Zeiten be- nommen haben, dem Tabakgotte zu fröhnen! Wenige haben schon von Hause aus eine gewisse Toleranz gegen den Tabak; sie er- lernten das Rauchen und setzten es fort, ohne besonders auf- fallende und merklich unangenehme Folgen zu verspüren. Die meisten müssen sich diesen Genuß mit Opfern erkaufen und sich allmählich daran gewöhnen, bis ihnen schließlich das Leben ohne denselben undenkbar erscheint, wie eine Speise ohne Salz. Der Tabak ist für Millionen von Menschen das Beruhigungs- und Linderungsmittel geworden unter den kleinlichen und quälenden Sorgen und den tiefer bohrenden Schmerzen des täglichen Lebens, ein Anregungsmittel dem Verlassenen und Verstoßenen so gut als dem, der sich reich fühlt in der Mitte einer frohen Familie und in dem Glück theilnehmender Freundschaft. Den meisten Rittern vom Geiste ist er das Unterstiitzungsmittel bei der Arbeit, .welches den Geist beruhigt, ihn von der Umgebung abzieht und die Gedanken auf einen Gegenstand sich konzentriren läßt, damit sie sich beleben und in die Höhe schwingen gleich den Rauch- wölken. Dem armen Manne aber vertreibt er wenigstens den Hunger. Sämmtliche gesunde Raucher sind wohl in der Ansicht einig, daß dieses„göttliche Kraut" das Gemüth besänftigt und beruhigt. Der Nichtraucher wird z>var hiergegen protestiren; aber Verfasser, seit seinem 22. Lebensjahre Raucher, erklärt offen und ehrlich, daß für ihn— also für seine Individualität— kein Sinnengenuß so angenehm, so ohne Erschöpfung, so wenig er mattend ist, als der Genuß des Tabaks. Und wenn nicht viele das Gleiche an sich erfahren hätten, so wäre es wohl undenkbar, daß der Tabak sich hätte in der Weise einbürgern können, wie es geschehen. Ebenso wie aber die Menschen mit verschiedenartigen Neigungen und Fähigkeiten ausgestattet sind, ebenso verschieden sind auch die Wirkungen des Tabaks bei den einzelnen Individuen. Dieselben hängen theils von der Qualität des Tabaks ab, resp. von den in demselben enthaltenen giftigen Stoffen, theils von der Quantität des täglich gerauchten Tabaks. Wir finden Personen, bei denen die Wirkung auf das Gehirn in der Vordergrund tritt, und zwar ist diese Wirkung entweder beruhigender oder auf- regender Art. Bei anderen treten die Erscheinungen von Seiten des Herzens mehr hervor; sie bekommen Herzklopfen und be- schleunigten Pulsschlag. Bei dritten sind die Verdauungsorgane die vorzugsweise ergriffenen Theile: Unterdrückung des Hungers, Vermehrung des Durstes, oder eine gelinde Wirkung auf den Stuhl. Manche vertragen in nüchternem Zustande das Rauchen nicht, andere können nur leichten Tabak und leichte Cigarren rauchen; dritten ist der schwerste Virginientabak Bedürfniß und jeder andere Tabak Stroh. Endlich wechselt auch die Empfind- lichkeit gegen Tabak in der Weise, daß Personen, die an das Rauchen desselben gewöhnt sind, nicht nur vorübergehend das Behagen daran verlieren, sondern auch nach wenigen Zügen Brustbeengung, Kopfschmerzen u. s. w. bekommen. Besonders häufig ist dies der Fall, wenn man mit dem Gebrauch einer bis dahin gewohnheitsmäßig gerauchten Tabakssorte wechselt und zu einer anderen, nicht genügend getrockneten oder schwereren greift, oder wenn deni Genuß der ersteren über die Gebühr gefröhnt wird. Wir haben hier denselben Fall vor Augen, wie bei Völlerei im Essen und Trinken. Die Natur ist mit wenigem zufrieden. Selbst der unschädliche, weil gewohnheitsgemäß ge- nossene Nahrungsstoff kann sich, in großen Mengen in den Körper eingeführt, zuni fürchterlichsten Gifte gestalten. Wir erinnern an das gewöhnliche Kochsalz. Auch dieses ist ein Reizmittel für die Verdauung, dessen Zusatz eigentlich nnnöthig wäre, weil die von uns genoffenen Pflanzen- und Fleischstoffe Ernährnugssalze in hinreichender Menge enthalten. Die Gewohnheit hat uns dazu gebracht, dasselbe als ein nothwendiges Bedürfniß zu betrachten und der daran nun einmal gewöhnte Mensch würde erkranken, wenn man es ihm entzöge; ebenso aber würde er noch bedenk- licher krank werden, wenn man ihn zwänge, 1 Pfund davon an einem Tage zu genießen. Der Kochsalzgenuß steht also iu den Augen des Physiologen auf derselben Stufe, wie der eines anderen Reizmittels: mäßig genossen für den daran Gewöhnten unschädlich, ja nützlich, im Ucbermaß schädlich und giftig. Auch die Tabak- pflanze enthält ein solches Gift, welches für den Raucher das anregende Reizmittel, für manchen aber leider auch ein Gift ist. Der Chemiker stellt es als eine farblose, klare Flüssigkeit� dar, welche in der Kälte nicht, beim Erwärmen schwach nach Tabak riecht und ätherartig scharf schmeckt. Er hat diese Flüssigkeit Nikotin genannt, und ihr kommt, neben einigen anderen noch im Tabak vorgefundenen Pflanzenbasen, dem Pyridin, Collidin, Pyrolin, Lutidin u. s. w. der Hauptantheil an den narkotischen Wirkungen desselben zu. Das Nikotin ist einer der giftigsten Stoffe, den wir kennen, denn es genügt schon der Bruchthcil eines Milligramms, um Vergistungserscheinungen hervorzurufen, und wenig mehr, so ist der Tod ziemlich sicher. Aber auch an das Nikotin kann sich der Mensch gewöhnen, wie wir dies an den Tabakrauchern sehen, selbstverständlich nur bis zu einer gewissen Menge; darüber hinaus treten eben die Nikotinwirkuugen hervor. Auch an Thieren wurden Versuche in dieser Beziehung an- gestellt. So spritzte Professor Traube einem Kaninchen Vz« Tropfen Nikotin ein und erzielte dadurch sofort die diesem Gifte eigen- thümlichen Herzwirkungen. Am folgenden Tage aber ivar schon ein ganzer Tropfen nöthig, nach vier Tagen sogar schon fünf Tropfen, um dieselben Wirkungen zu erzielen. Die Wirkungen des Nikotins sind nnn aber ziemlich bekannt, und man kann aus denselben schon auf Tabakswirkungen im allgemeinen schließen. In mäßigem Grade treten dieselben Wirkungen ein, wie bei dem Rauchen der ersten Cigarre: Unruhe und Angst, Unbehagen, Schwindel, Uebelkeit und Ohnmachtsanivandlungeu. Bald darauf — nach stärkeren Gaben sogar schon in wenigen Minuten— ver- schlimmert sich der Zustand� es tritt allgemeine Kraftlosigkeit ein, 285 Erbrechen, Kolikschmerzen im Unterleibe, die Haut wird blaß und kühl und bedeckt sich mit klebrigem Schweiß, der Herzschlag un- regelmäßig, die Stirn wird von heftigem Kopfschmerz eingenommen, die Pupillen werden enge, die Ohren brausen oder klingen, der Schwindel wird stärker und die Gedanken fangen an sich zu vcr- wirren. Hierauf finden sich Krampfanfälle ein; der vorher betäubte Kranke stößt mitunter einen Schrei aus; schließlich stellt sich all- gemeine Lähmung ein, der Blick wird starr, die Pupille weit, die Empfindung zum Theil aufgehoben, das Athmen wird immer schwerer, der Herzschlag schwächer, der Puls unfühlbar, und be- wußtlos oder in einem Krampfanfall hört der Kranke ans zu leben. Zuweilen treten neben dem Erbrechen auch Speichelfluß, schwärzliche, stinkende Stuhlentleerungen, oft' sogar vermehrte Harnausscheidung ein. Auch findet sich mitunter die Lähmung und der Kräfteverfall ganz plötzlich, ohne vorausgegangene Krampf- Periode. Ebenso bleibt manchmal soviel Besinnung, daß Fragen ziemlich gut beantwortet werden können. Geht die Vergiftung in Genesung über, so tritt mehr oder weniger tiefer Schlaf ein, nach welchem in der Regel nur Kopfschmerz, Zerschlagenheit der Glieder und großer Ekel vor Tabak einige Tage zurückbleiben. Das Nikotin ist nicht in allen Tabaksarten in gleicher Menge vorhanden. So enthält der virginische Tabak 6—7 Prozent, der Elsässer 3'/», der Kentucky 6, der Pfälzer der edle Havannatabak noch nicht 2 Prozent. Von bic)ent ganzen Prozentsatze gelangen aber beim Rauchen nur minimale Bruchtheile in den menschlichen Körper, denn eincstheils wird dem Tabak bei seiner Verarbeitung ein großer Theil Nikotin entzogen, andern- theils kommen aber wieder die übrigen Alkaloide des Tabaks bei der Verbrennung desselben zur Geltung, beim Pfeifenrauchen be- sonders das ebenfalls betäubende und giftige Pyridin, beim Cigarrenranchen das nicht minder schädliche Collidin, sowie die weiteren Berbrennungsprodukte: Kohlensäure, Cyanwasserstoff, Schwefelcyan, Essigsäure, Ameisensäure, Mctaceton, Buttcrsäure, Baldriansäure, Carbolsäure, Kreosot, Sauerstoff, Stickstoff, Kohlen- oxyd und Kohlenwasserstoff,— also Stoffe, welche die reinen Nikotinwirkungen mehr oder minder beeinträchtigen, sodaß die chronische Tabaksvergiftung nicht überall gleiche Nicotin- Krankheitsbilder liefert. Außerdem kommt die Art des Rauchens in Betracht: ob die Cigarre direkt bis auf das letzte Stümpfchen aufgeraucht, ob sie im Munde sehr durchfeuchtet wird? ob der Raucher eine Spitze benutzt und ob er dieselbe reinlich hält? ob er leichten oder schweren Tabak aus einer langen oder kurzen Pfeife raucht? ob er nach türkischer Manier den Rauch verschluckt oder eine türkische Wafferpfeife— von allen Rauchrequisiten die beste und unschädlichste— benutzt? Die Folgen des Tabak- rauchens können also theils solche sein, welche dem Rauch, der eine lokale Wirkung auf die Organe der Vorverdaunng— Mund- höhle u. s.>v.— oder auf die Schleimhaut der Athemwege aus- übt, zuzuschreiben sind—, also katarrhalische Erkrankungen der- selben, die wir bei vielen Rauchern antreffen und die sich auch einstellen würden, wenn der Betreffende keinen Tabak, sondern Papier oder Stroh rauchte, theils sind sie direkte Wirkungen der in dem Tabak enthaltenen giftigen Substanzen und ganz befonders des Nikotins. Wir finden mitunter bei starken Tabakrauchern sehr hartnäckige, jeder Diät und jedem Medikament trotzende Magen- und Darnikatarrhe, die wahrscheinlich durch Verschlucken des mit Tabakssaft durchtränkten Speichels entstehen und welche sich bessern, wenn der Tabaksgenuß beschränkt oder ganz unterlassen wird. Viel schlimmer und trotzdem im Volke wenig bekannt ist eine ganze Reihe von Nervenerkrankungen, welche man als direkte �Nikotinwirkungcn aufzufassen berechtigt ist, falls sie sich bei starken Rauchern einstellen. Dieselben treten unter verschiedenen Formen auf, und wir sehen dabei ab von jener Verstimmthcit und Un anfgelegtheit zu geistigen Anstrengungen, welche sich häufig bei Tabaksrauchern findet, die in diesem Genuß sich eine Art von Betäubung und Weltvergessenheit zu verschaffen suchen, wie der Opium- und Haschischraucher. Schwerere und nicht selten vorkommende chronische Erkrankungen sind dagegen: Augenaffektioncn, Nebelsehen mit Besserung des Sehvermögens in den Abendstunden, Unmöglichkeit kleine Gegenstände zu unterscheiden, Farbenblindheit mit besonderem Mangel an Empfänglichkeit für die rothe Farbe; in höheren Graden Blindheit infolge Absterbens des Sehnerven(die so- genannte Tabaksneurose) und Uebercmpfindlichkeit des Gehörnerven gegen laute Geräusche, besonders gegen Musik. Dann Rücken- markaffektionen; Nervcnzuckungen; Nervenschmerzen, besonders aber die als Brustbräune bekannte Erkrankung des Herznervensystems, welche in Anfällen von heftigen, zusammenschnürenden, bohrenden und brennenden Schmerzen in der Herzgegend oder am unteren Ende des Brustbeines besteht, die nach verschiedenen Richtungen, namentlich nach der linken Schulter und dem linken Arm hin ausstrahlen; Herzklopfen bei der geringsten Veran- lassung; lästige Athcmnoth, besonders in den Abendstunden; Impotenz u. s. w. Selbstverständlich können die vorgenannten Erscheinungen auch bei Rauchern mitunter andere Ursachen haben. Man wird aber felten fehl gehen, wenn man sie auf chronische Tabaksvergiftung bezieht, falls sie sich bei Rauchern einstellen, die über Tabaksgeschmack im Munde klagen, selbst wenn sie stundenlang nicht geraucht haben, oder wenn zeitweise Ekel vor Tabak eintritt. Beide Symptome sind gewissermaßen ein Zeichen der Sättigung mit Nikotin, eine Warnung vor beginnender Tabaks- Vergiftung; sie fordern dringend zur Enthaltsamkeit auf. Wir kommen zum Schluß. Mäßiges Tabakrauchcn kann für diejenigen, welche tolerant gegen das Nikotin geworden sind, ein anregendes, das geistige und leibliche Befinden hebendes Mittel sein, wie das Salz zum Brode; auf der anderen Seite kann es aber auch zum gefährlichsten Gifte werden, theils dadurch, daß ungenügende Toleranz gegen das Nikotin besteht und trotz sich einstellender Vergiftungserfcheinungen weiter geraucht wird, oder daß der gegen Nikotin tolerant Gewordene zuviel raucht oder zu einer nikotinreichen Tabakssorte greift. Der Tabak wird daher nach wie vor seine Lobredner und Verehrer, wie feine erbitterten Gegner finden, und zwar deshalb, weil viele nicht die goldene Mittelstraße innehalten und weil sich eines nicht für alle schickt. Garnicht rauchen sollten aber zu Katarrhen der Vcrdauungs- und Athmungsorgane Geneigte, sowie junge Leute vor dem 21. Lebens- jähre, deren Körper noch in der Enttvicklung begriffen ist. Man sollte ferner nicht rauchen in engen und kleinen, nur mangelhaft gelüfteten Lokalen oder wenn man sein Stimmorgan anzustrengen genöthigt ist. Mit Unwillen sieht man mitunter in Volksversamm- hingen den ganzen Saal von Tabaksqualm erfüllt, während der Redner sich abmüht, Aufklärung und Fortschritt zu verbreiten, ein Beginnen, welches vom chemischen und physiologischen Stand- punkte aus gerade so aussieht, als wenn einer Reinlichkeit predigt und in einer Kloake fitzt. Noch seltsamer geht es mitunter in Gesangvereinen her. Die biederen Sänger legen die Cigarre aus dem Munde und singen von Freiheit und anderen schönen Dingen, und kaum ist der letzte Ton verklungen, so führt der freiheits- begeisterte Gewohnheitssklave den Cigarrcnstummel wieder in den Mund. Die beste Stimme kann durch solch unsinniges Thun zu Grunde gehen. Stellen sich die oben angedeuteten Erscheinungen ein, so ist aber der Tabaksgenuß unbedingt zu meiden oder zu beschränken. Manchem wird es schwer ankommen. Bei einiger Selbstübcr- Windung gelingt es jedoch, am leichtesten dadurch, daß man sich auf einige leichte Pfeifen oder Cigarrcn pro Tag beschränkt und bei unüberwindlichem Drang zum Rauchen ein aromatisches Kau- mittel, z. B. ein Stückchen Ingwer, in den Mund steckt. Ans den Erinnerungen eines Commnnarden. Von W. Megg. (Schluß.) Wir sagten es schon: Die Julimonarchic warf den Samen Der Jndustrialismus entfaltete seine Schwingen, der Kapitalis- zu der Saat aus, welche unterm zweiten Kaiserreich so schauerlich mus hatte freie Tage. Die Projekte schössen wie Pilze aus dem emporwuchs. Die. erdrückenden Schranken, welche die alte Boden. Der Bau von Eisenbahnen und Kanälen, die Ver- Monarchie zu Gunsten ihrer Bevorrechteten aufrecht erhalten, werthung neuer Erfindungen, Finanzoperationen, Einführung von fielen, die Bourgeoisie saß jetzt im Rohr und schnitt Pfeifen. Maschinen zur Hebung der Industrie und Landwirthschaft:c. ic. — das alles waren fieberhaft besprochene und fieberhaft zur Ausführung gebrachte Traktanden. Beslay, der als Industrieller bereits einen Namen besaß, errichtete in Paris eine große Maschinenfabrik, beschäftigte sich daneben ganz gern mit Volks- wirthschaftlichen Studien und Plänen zur Besserstellung der ar- bettenden Klassen. Sein Streben blieb nicht unbeachtet. Er wurde 1842 zum Inspektor der Kinderarbeit in den Fabriken er- nannt, signalisirte als solcher muthig die bestehenden Mißbräuche — aber es kam dabei nichts heraus und zuletzt setzte man ihn unter Berdankung geleisteter Dienste ab. Reich werden wollte ja alles, wie Louis Philipp, der trotz seiner ungeheuren Reichthümer eines Tages die Unverschämtheit besaß, Guizot vorzujammern: „Ich sage Ihnen, mein lieber Minister, meine Kinder werden nicht genug Brod haben..." Als Mitglied einer bretonischen Deputation mußte Beslay einst vor dem Könige erscheinen. Auf ein Kompliment des Monarchen erwiderte er, daß er der Oppo- sition angehöre.„Immer Opposition," sagte jener,„ich verstehe das garnicht mehr."—„Sire," versetzte Beslay,„ich verstehe mich selbst gut genug. Wenn Sie uns das„Huhn im Topfe" zugestanden haben werden, so bin ich der erste, welcher dazu eine Bouteille Bordeaux verlangt. Immer Fortschritt." Lächelnd reichte ihm der Monarch die Hand mit den Worten:„Wir werden uns schon noch verstehen." Er täuschte sich. Aus dem Liberalen und Fortschrittler wurde 1848 ein Demokrat. Das lumpige Bürgerkönigthum ward sammt dem berühmten Regenschirm von der Februarrevolution über den Haufen ge- warfen; sehr gegen den Willen der Oppositionshäupter. Die 1200 Barrikaden, welche in Paris in einer Nacht aufgeworfen wurden, waren das Werk des Volkes, revolutionäre Energie ver- spürten die Führer nicht. Dem Königthum hatte seine Dumm- heit den Tod gebracht. Auf dem Hotel de Bille ward die Republik unter großem Jubel proklamixt,„republikanische" Hände ergriffen die Kurbel der Centralisationsmaschine; die Freiheits- bäume wurden von den Pfaffen eingesegnet.?lls die Männer der neuen Ordnung sich von der Ueberraschung erholt, redeten sie sehr viel von der Republik und begannen sie mit großer Sachkennwiß zu ruiniren. Das Volk von Paris war wieder um eine Täuschung reicher. Die„politischen Tartuffes" führten das Steuer so, daß das Schiff im Hafen des Staatsstreiches ein- laufen mußte. Die honnette Bourgeoisie leckte die Finger nach der Rettung. Der Abgrund zwischen ihr und dem Proletariat klaffte in Bälde. Es kam die Junischlacht— die erste imposante blutige Abrechnung—, das flammende Frühroth der Commune von 1871. Beslay verfolgte ernsthaft den Gang der Dinge. Die re- publikanischen Phrasen bestachen ihn nicht. Während des Juni- kampfes suchte er unter Lebensgefahr zu vermitteln. Die Arbeiter kannten ihn als braven Mann, aber was hat der einzelne im wilden Klassenkampf zu bedeuten? Seine Anstrengungen waren vergeblich und zu diesem Fiasko kam noch persönliches Unglück. Sein großes, blühendes Etablissement war von der Insurrektion zu ihrem Hauptquartier ausgewählt worden; nach dem Kämpf stand es ruinirt und Beslay auch. Als die Kammer die höchste Gewalt dem General Cavaignac übertrug, stimmte einzig Beslay dagegen. Von dem ihm persön- lich befreundeten General über das Motiv dieser Stimmgabe be- fragt, antwortete er:„Es liegt in meinem Prinzip, in politischen Angelegenheiten niemals für einen Militär zu votircn."—„Und warum denn?"—„Weil die Soldaten nie für die Freiheit sind." —„Sie haben recht," versetzte Cavaignac, und einige Tage später traf die furchtbare Bestätigung ein. In seiner Proklamation an die Insurgenten standen die schönen Worte:„Ich sehe in Euch nur verirrte Brüder, Fluch treffe meinen Namen, wenn Ihr Opfer werden solltet!" Die Transportationen ohne gerichtliches Urtheil illustrirten die Phrase seltsam. Um diese Zeit machte Beslay Freundschaft mit Proudhon und gründete ein Comptoir d'Kchange et de Commission, das den Interessen der Kleinbürger und Arbeiter dienen sollte, jedoch den offenen und versteckten Jntrignen der Banque de France erlag. Er hätte wohl ohnehin sterben müssen! Interessant ist, was Beslay über die französische Administration und deren Verständniß für national-ökonomische Fragen sagt; es gilt übrigens auch für andere Administrationen. Der„wirth- schaftliche' Aufschwung" der jüngsten Tage hat wunderbare„Fach- männer" gezüchtet. Mit der Republik ging es abwärts, man sah es an der wachsenden Frechheit der Reaktion. Das„rothe Gespenst" fing an zu arbeiten, man predigte eine„römische Expedition im Innern", und ein Blatt rief schwärmerisch:„Nur der Säbel, und sollte er aus Rußland kommen, wird uns retten! Man brauchte nicht so weit suchen gehen. Der Herr Präsident Louis Napoleon kaufte sich in der Nähe Säbel und Bajonette, und dann ging's los. Beslay eilte, als in Paris der Belagerungszustand erklärt worden, nach seiner Heimath, um in der Provinz eine Erhebung zu bewirken. Er wandte sich daselbst au einen hervorragenden legitimistischen Landjunker, Monsieur de la Rochejaquelin, in der Meinung, man sei auf dieser Seite gewiß zum Kampf gegen den schmutzigen Paryenü bereit. Aber diese Sorte von Edelmännern ist nicht unversöhnlich, wenn die Gewalt über die Freiheit siegt. Monsieur de la Rochejaquelin zuckte die Achseln und— trat später in den Senat ein. Während des Staatsstreiches begab sich Beslay in eine Privat- Versammlung und war beim Eintreten in's Zimmer erstaunt und zornig zugleich,— unter den Anwesenden erblickte er Jerome Bonaparte, den rothen Prinzen. Da erhebt sich aber Jules Favre und bemerkt mit überlegener Bornirtheit:„Der Prinz ist ein ebenso guter Republikaner wie wir." Nun, den Vergleich mit Favre und der gesammten blauen Brüderschaft hielt er schon aus. Bezeichnend ist die Anekdote jedenfalls. Das Kaiserreich war„der Friede". Man sah, daß es ein fauler war, aber die„guten Bürger" besaßen„im Innern" Ruhe und Ordnung, man konnte brillante Geschäfte machen. Beslay kehrte ebenfalls zur Arbeit und zu seinen sozialisttschen Grübeleien zurück. Er gründete ein Geschäftsbureau, eine Art Volksbank. Sie sollte den kleinen Leuten zu billigem Gelde ver- helfen. Diese Institute können eine Weile prosperiren, Krisen sind sie aber nicht gewachsen; früher oder später werden sie eine Beute des Ruins. Neuer Wein gehört nicht in alte Schläuche. Die„kaiserliche Demokratie" fand indeß Beslay für gefährlich. Die Polizei schloß sein Bureau; dergleichen Akte türkischer Justiz war man gewöhnt. Kein Wunder, daß Beslay immer weiter nach links getrieben wurde und es andern überließ, in dem. Sumpfe der Korruptton weiter zu stampfen. Er sah, daß Frei- sinn und Grundsätzlichkeit nur in den Arbeiterkreisen noch eine Heimstätte besaßen und trat, um den vorgeschriebenen Eid nicht leisten zu müssen, von der Stelle eines Generalrathes von Morbihan zurück. Oberst Charras hatte erklärt:„Die Pforte des Eides ist zu niedrig, ich gehe nicht durch dieselbe." Beslay theilte diese Anschauung,— nicht so der süße Sckleicher Jules Simon, der anfänglich pathettsch sich gegen den Eid aussprach und ihn sodann ablegte. Bekanntlich war er auch eine Zeitlang Mitglied"der Internationale. Er bereute es nachher bitter. Die Internationale war 1864 in's Leben gerufen worden. Einer der Hauptgründer, Tolain, machte 1871 ganze Wendung und sank zum Senator hinauf., Beslay arbeitete mit Feuereifer an der Konstttuirung der Assoziation und warnte die Arbeiter zur Wachsamkeit.„Sobald ehrgeizige Streber aus den Reihen der Bourgeoisie in Eure Reihen sich einzudrängen wissen, seid Ihr geliefert," sagte er den Arbeitern. Die Sache machte Fortschritte, welche dem Kaiserreich Angst einflößten und an die es wohl auch ein klein wenig dachte, als es den Krieg erklärte. Es ist wahr, Thiers hat sich gegen den Krieg ausgesprochen— aber nur, weil ihm der Moment ungünstig gewählt schien,— und die übrige Opposition sperrte sich ebenfalls ganz und garnicht aus grundsätzlichem Abscheu vor dem Völkermord. Der Chauvinismus steckte ihnen allen in den Knochen. Die rothen Hosen brauchten_ nur zu siegen und die Begeisterung für den Ruhm der französischen Waffen hätte auch die bürgerlichen Republikaner hingerissen. Wie sodann eine Schlappe furchtbarer als die andere ausfiel,— da freilich tobte die moralische Entrüstung in hochgradiger Weise. Beslay nur gibt der strengen Wahrheit die Ehre, wenn er behauptet, daß allein der Kern der Arbeiterschaft den Krieg nicht wollte; er be- ruft sich auch mit Recht auf das Memorial, das die französischen Delegirten zum genfer Arbeiterkongresse mitgebracht hatten. Als bezahltes Pack durch die Straßen von Paris grölte:„�Berlin!" riefen die Arbeiter:„Vive la paix!" und wurden wegen dieser Ruhestörung von der Polizei angefallen. Beslay zählte bereits fünfundsiebzig Jahre, als die Katastrophe hereinbrach. Er war einer der ersten, welche die Absetzung der Dynastie verlangten, und sah mit eignen Augen, wie lahm sich die'wortreiche Opposition(Gambetta inbegriffen) bei der Ueber- nähme der Gewalt benahm. Es war das Vorspiel zu der Komödie. Die Vertreter der Stadt Paris, die Favre, Picard, Ferry w. richteten sich ein in den Sesseln, sorgten, daß das Volk keine Repräsentanten bekam, simulirten einen gewaltigen Kriegs- eifer— Trochu saß als Null obenan und schwatzte von dem Plan, den er nicht hatte— und dachten dabei unablässig an die Kapitulation. Unter volltönigen Phrasen verbarg sich eine Feig- heit, die man in gewissem Sinne wohl Verrath nennen durste und die die Wuth des Volkes herausfordern mußte. Beslay sprach seine Ansicht in zwei offenen Briefen scharf und deutlich aus. Als der Friede mit Deutschland geschlossen war und die Wahlen für die Nationalversanimlung ausgeschrieben wurden, lehnte er ein Mandat ab, ermahnte jedoch die Arbeiter ein- dringlich, ihre Stimmen nicht für Soldaten, Jesuiten, ehrgeizige Streber, Schönredner, Advokaten, Verwaltungsräthe, Mono- polisten 2C. abzugeben, überhaupt von Leuten der alten Parteien abzusehen. Die Ereignisse, welche in jäher Hast hereinbrachen, sind zu gran- dios, als daß sie in einem Buche, das den Titel„Erinnerungen" führt, auch nur halbwegs erschöpfend dargestellt werden könnten. Beslay erzählt vorwiegend seine persönlichen Erlebnisse während der Commune und sucht diese sowohl'als sich selbst zu rechtfertigen. Geholfen hat's ihm wenig. Die Lüge verfolgte ihn gleichwohl Beffroi. Zu Gent ein Thurm heißt Beffroi, Der Flanderns Mühlen überschaut, Er steht allein, dran hat kein Herr Sein Schloß, kein Pfaff' die Kirch' gebaut. Ihn richtet' auf der Bürgertrotz, Und eine Glocke hängt im Thurm, Die läutet nicht Sanktus, nicht Requiem, Und wenn sie läutet, so läutet sie Sturm. Die Steuer hat der Graf erhöht, Er hat die Zünfte nicht befragt. Gebt Acht, Herr Graf, die Glocke tönt, Gebt Acht, daß man euch nicht verjagt! Wer zog den Strang der Glocke an? Ein Bürger. Welcher? Fragt nicht lang. * Und jeder munter in den Stahl, Als wär's zu einem Fest, sich zwang. Aus allen Häusern kommen sie, Durch alle Straßen Haus zu Haus, Des Grasen Knechte weichen schon. So hebt man seine Steuern auf! Das war ein gutes Budgetrecht, War einfach, kurz und handlich, traun! Man sollte einen Beffroi ,Hn jedem Königreiche bau'n! Theodor Curti. Dornrösche« an der Spindel. Unser Bild(Seite 281) führt uns in den blüthendustigen, sangesreichen deutschen Märchenwald. Das Dornrösche» ist eine der poetischsten Gestalten, denen wir da begegnen können.— Hier seine wehmüthig-schöne Geschichte: Es war einmal ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag: Ach, wenn wir doch ein Kind hätten! und kriegten immer keins. Endlich aber bekamen sie ein so schönes Mädchen, daß der König vor�Freude sich nicht zu lassen wußte und ein großes Fest anstellte. Dazu wollte er auch die weisen Frauen einladen, deren dreizehn in seinem Lande waren; aber da er nur 12 goldrte Teller hatte, konnte er eine nicht einladen. Die zwölf geladenen nun beschenkten das Kind mit ihren Wundergaben— mit Jugend, Schönheit, Reichthum und allem sonst, was das Herz begehrt. Doch grab als die elfte ihren Wunsch gesagt, trat die dreizehnte herein und rief:„Die Königstochter soll sich in ihrem fünfzehnten Jahre an einer Spindel stechen und todt hinfallen." Um den bösen Ausspruch zu mildern, den sie nicht ganz aufheben konnte, sagte nun die zwölfte: „Es soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertjähriger Schlaf, in den die Königstochter fällt." Um nun sein Kind gegen den schlimmen Zauber zu schützen, ließ der König alle Spindeln im Reiche abschaffen; aber grade als es fünfzehn Jahr alt wurde, war das zu einem reizenden Jungfräulein emporgeblühtc Mädchen im Schlosse allein und schaute sich in allen ihm noch unbekannten Stuben und Kammern des Schlosses um. Da kam es auch in einen alten Thurm, stieg eine enge Treppe hinaus und gelangte zu einer kleinen Thür, in deren Schloß ein goldner Schlüssel steckte. Als es den umdrehte, sprang die Thür auf und das Mädchen schaute eine alte Frau, die emsig ihren Flachs spann. Da in's Exil. Gegen seinen Willen in die Commune gewählt, da er sich für zu alt fühlte, eröffnete er die erste Sitzung als Alterspräsident und entwickelte in der Rede sein Programm. Es ist gut gemeint, revolutionär ist es nicht; Beslay glaubt mit De- centralisation, Abschaffung des Kultusbudgets, Einführung von Volksbauken und derlei Mittelchen das Reich des Sozialismus begründen zu können, und diese Illusion, an der er hartnäckig festhält, wird er wohl mit in's Grab nehmen. Daß er in seiner Eigenschaft als Delegirter der Commune die Banque de France beschützte und dadurch den Gegnern eine ihrer größten Sorgen abnahm, hat ihm von Seiten Lissagaray's bittern und gerechten Spott eingetragen. Beslay ist indeß heute noch felsenfest über- zeugt, daß er ein gutes Werk vollbracht hat. Er gehört eben zur Klasse jener Revolutionäre, welche man die„gemüthlichen" nennen möchte: grundbrave Leute, die aber auf der Revolutionsbühne nicht selten zu komischen Figuren werden. Sie haben den revo- lutionären Instinkt, nicht aber die revolutionäre Energie. Beslay beurtheilt die alten Parteien durchaus richtig, seine Manifeste, namentlich das gegen Thiers gerichtete, üben eine vortreffliche Kritik, den Uebergang zur„neuen Welt" faßt er zu idyllisch auf, mit einem Wort, über das Ziel der sozialistischen Bewegung hat er höchst unklare Ideen; das Herz treibt ihn vorivärts— die Logik läßt ihn im Stich. die Königstochter noch keine Spindel gesehen hatte, so rührte sie sie neugierig an, stach sich damit und so ging die Verwünschung der bösen Frau in Erfüllung. Das Mädchen fiel in einen tiefen Schlaf und auch der König und die Königin, der ganze Hofstaat und alles im Schlosse fing an, mitzuschlasen. Die Pferde schliefen, die Hunde, die Tauben, die Fliegen an der Wand und auch das Feuer auf dem Herde schlief mit. Um das Schloß aber wuchs eine Dornhecke, die es endlich ganz umzog und überwucherte. Die Sage aber von dem Dornröschen breitete sich überall hin aus, und es kamen Königssöhne, die durch die Hecke zu dem schlafenden Mädchen hindurchdringen wollten. Die Dornen aber ließen sie nicht wieder los und alle starben so jämmerlich. Nach langen Jahren kam wieder ein Königssohn, den das Schicksal seiner Borgänger nicht abschreckte und der das schlafende Dornröschen von dem bösen Zauber befreien wollte. Da aber grade die hundert Jahre um waren, so waren aus den Dornsträuchern lauter herrliche Blumen geworden, die den Jüngling widerstandslos hindurch ließen. Und als er in's Haus kam, schliefen die Fliegen au der Wand und die Pferde und der Koch und der König und die Königin. Als er in den Thurm trat, schaute er auch das Dornröschen im Schlafe, das so wunderhold war, daß er seine Augen nicht abwenden konnte und einen Kuß aus den kleinen Mund drückte. Da schlug das Dornröschen die Augen aus und alles übrige erwachte auch. Nun wurde die Hochzeit des Dorn- röschen mit dem Königssohn geseiert und sie lebten vergnügt, bis sie gestorben sind.— Das ist das Märchen vom Dornröschen, seinem hundertjährigen Schlaf und seinem Erwachen. Der Handel mit Menschenhaarcu in Frankreich. In den Monaten April und Mai pflegen die pariser Haarschneider alle Märkte, besonders in der Bretagne, Auvergne und der Normandie, zu besuchen. Dort sammeln sie jährlich über hunderttausend Kilogramm Haare, welche sie auf dem Kopse mit 5 Francs das halbe Kilogramm bezahlen. Diese Haare, welche sonach ein Kapital von einer Million Francs repräsen- tiren, werden in Paris und den übrigen großen Städten mit 10 Frcs. das halbe Kilogramm bezahlt, sind also in den Magazinen schon auf das Doppelte gestiegen. Nachdem sie gereinigt worden, gelangen sie in die Hände der Haarkünstler, welche für das halbe Kilogramm 40 Frcs. zahlen, sodaß das Kapital sich schon auf 8 Millionen Francs erhöht. Nimmt man nun an, daß alle diese Haare zu Perrücken verarbeitet werden, so gibt dies mindestens eine Million derselben, die, im Durchschnitt mit 25 Francs berechnet, eine Summe von 25 Millionen Frcs. ergeben. Viele Haare werden jedoch zu werthvolleren Arbeiten verwendet, sodaß die Einträglichkeit dieses Schachers eine ganz enorme ist. Dr. B.-R. Aerztlicher Briefkasten. Bannen. K. Die sicherste Methode zur Ermittelung des Arsenik gehaktes gefärbter Kleiderstoffe, grüner Tapeten u. s. w. ist die mittels des Apparates von Marsh. Sie gründet sich darauf, daß Arsen Wasserstoff mit Wasserstoffgas gemengt beim Verbrennen Arsenik und Wasser gibt. Das aus dem Apparat herausströmende Gasgemisch zündet man an und hält in dasselbe ein Stück kaltes, weißes Porzellan, an welch' letzterem bei Arsengehalt der untersuchten Stoffe der sogenannte � Arsenikspiegel, ein dunkelbraunschwarzes, spiegelndes Sublimat, er- scheint. Uebrigens verräth sich der Arsenikgehalt von Tapeten auch i durch den beim Verbrennen derselben sich entwickelnden knoblauchartigen Geruch. 288 Leipzig. H. B. Gegen alle„Unreinigkciten" der Haut können die Abreibungm mit feinem, feuchten Sande nicht helfen, ja bei eiternden und nässenden Ausschlägen würden sie das Uebel eher verschlimmern, als bessern. Der Sand wirkt hier rein mechanisch, ähnlich wie die früher vielfach gebrauchte Bimssteinseife; er entfernt aufgelagerte, ver- hörnte und verdickte Oberhautzellen. Sie werden dieselben also nur bei gewissen trockenen Schuppenausschlägen, bei harter und spröder Haut, wie sie sich häufig an den Borderarmen skrophulöser Kinder findet, anwenden können, wenn keine Entzündung der Grundfläche dabei besteht. «gberlangendielau. W. W. Ihr Leiden ist kein chronischer Gelenk- rheumatismus, sondern wahrscheinlich eine Rückenmarkserkrankung, die sich nicht aus der Ferne behandeln läßt. Vielleicht würde Ihnen, wenn Sic die nöthige Unterstützung zum Gebrauch eines Bades finden, ein Wildbad nützlich sein lWarmbrunn, Teplitz). Berlin. B. B. Was wir von den Äuyot'schen Theerkapscln halten? Nicht viel, am allerwenigsten aber soviel, als deren Erfinder davon in den Zeitungen Geschrei macht. Daß der Theer, innerlich ge- »ommen, bei gewissen katarrhalischen Erkrankungen der Athemwege, namentlich aber den sogenannten trockenen Katarrhen mit Emphysem, ivelche mit hochgradiger Athemnoth verbunden sind, einen bessernden Einfluß haben kann, ist eine längst bekannte Thatsache. Wahrscheinlich verdankt er diese Wirkungen seinem Naphtalingehalte, denn das reine sublimirte Naphtalin, im Berhältniß von 1: 50 in Weingeist gelöst und täglich 2 mal 5 Tropfen auf Zucker genommen, hat ganz dieselben Wirkungen und bringt die sogenannten asthmatischen Anfälle oft sehr schnell zum Schweigen, hat außerdem aber auch den Vorthcil, die Verdauungsorgane nicht zu belästigen. Den Theer gegen alle derartigen Leiden als Univcrsalmittel und zu konsequentem täglichen Gebrauch zu empfehlen, ist Unsinn, denn der beste Magen kann dadurch mit der Zeit zugrunde gehen, ganz abgesehen von den Nebenwirkungen, die er in anderen Organen des Körpers äußert. Unter allen Ilmständen fragen Sie in jedem Falle, in dem Sie jene t Heuren Kapseln anwenden wollen, zuvor den Arzt und trauen Sie nicht ohne weiteres den bc- zahlten Zeitungsannoncen. Dr. Resau. cjRcdaklisns-Aorrespondenj.-> Clumnifc. R. S. Die eingelendeten Proben Ihres poetilchen Talents zeigen, daß Sic zum Dichter nicht geboren wurden. Das Verlangen, Ihnen umgehend briesliche Austuntr zu geben, ob wir Ihr Keines Gedicht„Freiheit" ausnehmen wollen oder nicht. tonnten wir Iroh der beigelegten Postmarke nicht erfüllen. Unsere Zeit ist nicht wohlseil genug, um die Besriedigung solcher Dichterlaunen zu gestatten. Gloitenthul(Schweiz). W. W. Ihre„losen Blätter" gelangen demnächst zur Prülung. Barmen. Abonnent K. Verschaffen Sie Sich den Leitsaden von Ahn. Ein Inhalts- verzeichnih wird den Heften der„N. 48." neuerdings zugesügt. Auch bei den einzelnen Rummern wird es sich vielleicht machen lasten. Petersburg. I.»— w. Das Porträt Alexander des„Siegreichen"— so wird er soria» do« heibeu!— bringt die„ N. W." nicht. Aber es ist nicht unmöglich, dag wir zu Ehren des milden Väterchens gelegentlich einmal eine Illustration bringen i wir lhun uns bereits nach einer Abbildung des Strickes um, mit weichem die kriegSgesangenen türkische» Aerzle gehangen wurden, deren einziges Verbrechen ihr polnischer Rame war. Uebrigens, im Vertrauen gefragt, Sie haben Sich wohl in der Adresse geirrt, Sie meinten nicht die„Neue Welt"— Sie meinten die„Gartenlaube", nicht wahr? Breslau. E. R. Dag der Satz, bezüglich dessen Sic fragen, ob er sich zu einem Rebus verwenden laste, sür diese» Zweck geeignet sei, glauben wir schon darum nicht, weil wir ihn nicht verstehen.— 0. u. Warum die„N.W." nicht auch der„Breslauer Niorgenzeitung" beigelegt wird? Nun, dafür gibt's mehrere Gründe, von denen der eine indeg schon völlig genügt: von der rothen„N.W." würdeaus die blaffe„Morgen- zeitung" und ihre Gelehrten ein röthlicher Schimmer sollen, der die Exdemokrale» Elsner, Semrau und Konsorten in den ganz ungerechtfertigten Verdacht bringen möchte, Sie könnten noch roth werden.> Stockholm. P. S. Gibt es im hohen Norden auch so gefühlvolle deutsche Ising- linge? Nun, ausnehmen werden wir allerdings keines Ihrer Poeme: zu dem einen möchten wir Ihnen jedoch einige gleichsalls tiesgcssihlte kleine Berbefferungen vorschlagen. Sie singen;„Wenn ich zn dir geh'— Jn'S Aug' dir seh'— Boll Luft und Weh— Denk' ich, du zartes Reh— Theile der Liebe See— Mit deiner Arme Schnee!" Wir sind für solgende unscheinbare, aber, wie uns bedünkt, recht wirkungsvolle Erweiterung dieser schönen Strophe: Wenn ich zu dir geh'— Jn's Aug' dir seh'— Boll Lust und Weh— Ach herrjeh! Ach Herrjehl— Den!' ich, du zartes Reh— Theile der Liebe See— Mit deiner Arme Schnee— O weh! O weh! O weh! Zürich. C. St. Ihre Arbeit soll bald geprsist werden. Die Photographien hat uns L., der während der Reichstagisession noch mehr als gewöhnlich in Anspruch ge- nommen ist, zur etwaigen Verwendung übergeben. Der für den B. bestimmte Artikel wird wohl bereits erschienen sein, wenn Sie diese Zeilen lesen. Braunschwcig. M. Vm. Wenn Ihnen das betreffende Blatt nicht intereffant genug ist, und wenn es Ihnen weniger aus die Tendenz eines Blattes ankommt, als aus die amüsante Unterhaltung bei der Zeitungilektüre, so müssen Sie eben ein anderes Blatt wählen. Die an uns gerichtete Bitte zeigt, daß Sie au» ganz unerfindlichen Gründen uns einen Einfluß zutrauen, den wir nicht im entserntesten besitzen und besitzen möchten. Mittweida. E. I. L. Ihr Gedicht„Eine Kaisenhat" ist weder sür die„N. W." noch den„V." zu verwenden. Wir verherrlichen keinen Herrscher, auch nicht einen, der bald Hunden Jahre todt ist und, mit Rücksicht aus seine Standesgenosscn, bemerken?- Werth gute Geistes- und Charaktcranlagcn bewiesen hat. Die Thorheit des Volkes, weiches allezeit bereit war und grvsientheili noch ist, jede Spur von Pstichtbewusitsein und Edelsinn bei Hochgeborncn mit Bewunderung,„Liebe" und„unverbrüchlicher Treue" zu lohnen, darf nicht genährt, sie mub mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Meißen, W. A., Schwabing, Ein alter Freund, und Hos, Frau L. E. Dankend abgelehnt! San Francisco. Frau A. J.-Ps. Wir werden Ihnen bald briesi. Nachricht zu- komme» lagen. Berlin. Hn. S. So rasch können wir uns bei der großen Menge der uns zur Prüfung zugehenden Mspte nicht entscheiden. Haben Sie freundlichst Geduld.— Frl. R. R. Wenn wir Ihr Schreiben nicht, wie Sic gewünscht habe», unscrm ärztlichen Herrn Mit- arbeitcr übergeben haben und es selbst beantworten, so geschieht das, weil Ihr Leiden, darin bestehend, daß Sie„sichtlich dahinschwinden", seitdem Ihnen„die Grausamkeit der Eltern" den Verkehr mit dem Geliebten wehrt, unserer heiligen Uebcrzeugung nach nur durch zwei Aerzte gehoben werden kann, nämlich durch den Geliebten selbst oder— die Zeit! Da die Grausamkeit Ihrer Eltern vermnthen läßt, daß dieselben Sie dem ersten der Aerzte auch sernerhin nicht zur Behandlung anvertrauen werden, so bleibt Ihnen nur der erwähnte zweite Helser, aber der gewiß. Berichten Sic uns Ende Mai oder Ansang Juni, ob er inzwischen seine Schuldigkeit gethan hat. Hamburg. K. R. Wir sind Ihnen für Ihre frdl. Mittheilungcn dankbar. Lassen Sie mebr von sich hören! Tchöncnwcrb(Schweiz). E. U. Sie haben ganz recht. Der Herr Pastor aus dem Unnrutthale hat nicht mehr gemuckt. Selbst Maulhelden sind die frommen Herren nur da. wo sie die Freidenkenden mit Maulkörben versehen wissen. Reudnitz. Schlosser F. M. Zur Beantwortung der Frage nach der Entstehung der Redensart„Der Bien' muß" Folgendes: Es gibt eine alte Anekdote, die bereits in einer Sammlung von Lügenmärchen, einem Anhang zur l. Ausgabe des„Lalenbuches" von 1537, deren einzig bekanntes Exemplar sich aus der wiener Hosbibliothet befindet, serner in Melanders loevrum alque serionirn eenturiae aliquot, Nr. 115(Frank- surt, 1603), dann in des Olorinus Bariskus blthno�ra�ibia muncki, T. 1, Magdeburg 1610, und im„Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 117, unter„Ausschneidereien" erwähnt wird, wonach ein lügenhafter Reisender, der im Auslande Bienen von der Größe eine» Schafes gesehen zu haben vorgab, während die Bienenkörbe nicht größer gewesen seien als die in der Heimat, auf die Frage, wie die Bienen denn hineinkämen, die Antwort gibt: Dafür laß ich sie selbst sorgen. Andreas Achenbach hat die Anekdote in den„Düsseldorfer Monatsheften" illustrirt, aber einem sür sein Vaterland begeisterten Russen in der volksthümlich gewordenen Form:„Der Bien' muß" beigelegt. (Schluß der Redaktion: Sonnabend, den 2. März.) Zur Beachtung. In einer mittelgroßen Stadt Süddeutschland» bietet sich zwei jüngeren Partei- genossen, einem Mediziner und einem Juristen, gegenwärtig günstige Gelegenheit, sich zu etabliren. Die etwaigen Reflektanten, namentlich der Arzt, müßten sich schnell entschließen, da die vorhandenen Lücken voraussichtlich bald ausgesüllt sein werde». Näheres durch die Redaktion. Aufruf zur Bildung eines Jacoby-Preßfonds. Die Unterzeichneten sind zusammengetreten, um durch Beiträge, einmalige oder jährliche, von Freunden und Gesinnungsgenossen einen Preßsonds zu stisten, der den Namen Johann Jacoby's führen soll. Der große Volksmann, der jüngst dahingeschieden, hat sür das Recht der freien Meinungsäußerung, als die Grundlage aller Freiheit, sein Lebenlang tapfer gekämpft und gelitten: durch das Werk, das wir beginnen, wird sein Andenken am besten geehrt. Der Preßfonds soll dazu bestinimt sein, verfolgte Schriftsteller zu unterstützen, ihnen den Rcchtsbeistand zu sichern, im Falle ihrer Hast die Angehörigen vor Roth zu schützen, der freisinnigen Presse beizustehen, die Entwicklung von Bolksblättcrn zu fördern. Die Geschäftsführung wird einem Ausschusse anvertraut, der durch die Beitragenden gewählt ist, sür das erste Halbjahr werden die niitunterzeichncten königsberger Genossen die Konstiluirungsarbeit übernehmen. Kann die Thätigkeit dieses Fonds in reichlicher, dauernder Weise geübt werden, so wird damit ein gut Stück Arbeit zur Erringung des freien Staates geleistet, und in diesem Streben fühlen wir alle uns einig, stehen wir Schulter an Schulter. Beitrittserklärungen und Beiträge sind an Herrn L. Braun, Buchhändler, Königsberg i/Pr., Französischestr. 22, zu richten. Sämmtliche sreisinnige Zeitungen und Zeitschriften werden um kostenlose Aufnahme dieses Aufrufs ersucht. Heriuaim Arnold, Kaufmann(Königsberg i Pr.). Reichstagsabgeordneter Bebel(Leipzig),.lob. Ph. Becker(Gens). Leopold Braun, Buchhändler(Königsberg i/Pr.). Eli Behrend, Kaufmann(Königsberg i/Pr.). Borowsky, Gärtner(Königsberg i/Pr.). Reichstagsabgeordneter Beiiiinler(Schwerin). Dr. Albert Dulk(Untertürkheim bei Stuttgart). Gutsbesitzer Ebbardt(Komorowen, Ostpreußen). Eichelsdörfer, Redakteur d.„R. Bad. Landesztg."(Mannheim). Rechtsanwalt Freitag(Leipzig). Buchhändler Geib(Hamburg). Gutsbes. Max llcrbig-(Maraunenhof bei Königsberg i/Pr.). Reichstagsabgeordneter Carl Holtbof(Frankfurt a/M.). Ad. Harisx- Bcmbe(Mainz). Xaver von Hasenkamp, Red. d.„Beobachter"(Stuttgart). Carl Hirsch(Paris). Konditor Xallina»»(Königsberg i/Pr. G. Fr. Kolb (München). Ad. Kroeber, Holzhändler(München). Reichstagsabgeordneter Dr. Ferdinand Kronaivetter(Wien). Dr. L. Kugclinann (Hannover), v. d. Leeden, Hauptmann a. D.(Herzogswalde bei Böhmischdorf).>1. Levy, Rentier(Berlin). Liebknecht, Reichstagsabg. (Leipzig). Gutspächter Lnce(Junkerkeu, Ostpreußen). Justizrath Martini(Danzig). Carl Mayer(Stuttgart). Dr. Meilitz(Berlin). Dr. jur. August Oppenheim(Köln). Gutsbesitzer Prager(Littauen). Rechtsanwalt Payer II., Reichstagsabgeordneter(Stuttgart). Justizrath Dr. Reinganum(Frankfurt a/M.). John Reitenbach(Plicken). Maler Rekitzky(Königsberg i/Pr.). Rittinghausen, Reichstagsabgeordneter(Köln). Paul Singer, Kaufm.(Berlin). Leopold Sonnemann(Frankfurt a/M.). Ludwig Walesrode(Stuttgart). Dr. Guido Weiss(Berlin). Jos. Zervas(Köln). Der Mann, aus dessen Namen dieser Preßsonds gegründet wird, ist des schönsten Monuments würdig, und ein schöneres, edleres konnte ihm nicht gesetzt werden, als hiermit geschieht. Wer von unsren Lesern ein Scherflein übrig hat sür eine gute— für die beste Sache, der zögere nicht mit dein Beitritt. Redaktion der„Neuen Welt". Verantwortlicher Redakteur: Bruno Geiser in Leipzig(Plagwitzerstr. 20).— Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckcrei in Leipzig.