Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig.— In Heften ä 30 Pfennig. Zu bezichen durch alle Buchhandlungen und Postäniter. Ein verlorener Posten. Roman von Kudotf Lavant. (Fortsetzung.) Es War eine weitere Folge der vom Kommerzienrath adoptirten Taktik, daß er seinen Damen gegenüber, die er gegen Abend hatte zurückholen lassen und die nur die ersten Anfänge des Krawalls kannten, den ganzen Vorfall auf die leichte Achsel nahm und ihn als eins von den unangenehmen, aber leider unvermeidlichen Vorkommnissen schilderte, die im Leben eines Fabrikbesitzers die Dornen bilden, denen aber ein energischer und humaner Mann, namentlich wenn er von der Pike auf gedient hat, Gott sei Dank, stets gewachsen ist. Er spöttelte sogar ein wenig über den Beamten- cifer des Bürgermeisters, der ohne sein Wissen nach Militär tele- graphirt habe, das sehr überflüssig gewesen sei, und über Wolfgang, der seinen ehrlichen Willen, aber auch seinen Mangel au Auto- rität bei dem gemeinen Volke bewiesen habe, indem er zu intcr- vcniren versuchte, und sowohl Frau von Larisch als Emmy fanden ein solches Mißgeschick in diesem bestimmten Falle so natürlich, daß sie es keinen Moment in Zweifel zogen, während sie andrer- scits die Thatsache, daß auch Wolfgang sich in ein Unternehmen stürzen könne, dem er nicht gewachsen war, viel zu wenig nach ihrem Geschmack fanden, als daß sie Lust gehabt hätten, sich nach Details zu erkundigen. Auch der Kommerzienrath glitt möglichst leicht über die ärgerlichen Vorkommnisse des Vormittags hinweg und berührte dieselben nicht weiter, und so kam es, daß am Theetisch bald von allem andern geplaudert ward, nur nicht von dem Konflikt, der so leicht den gefährlichsten Charakter hätte annehmen können. Nur Martha war nicht ganz frei von Zweifeln. Tie kannte alle Schwächen des Kommerzienraths, sie wußte, daß er stets zu Prahlereien geneigt war, daß er es mit der Wahrheit nicht allzu genau nahm und daß er es niemals über sich gewonnen hätte, zuzugeben, daß er einer Situation nicht gewachsen gewesen sei; sie muthmaßte stark, daß Wolfgang keineswegs die Rolle gespielt habe, die ihm sein Chef andichtete. Aber wo sollte sie sich erkundigen? Sie wußte nicht, wieviel die Kleine Anna gesehen lind gehört und noch weniger, daß sie gewissermaßen mit Wolfgang konspirirt hatte, und hätte sie es gewußt, es ist mehr als fraglich, ob sie es über sich gewonnen hätte, das junge Mädchen Zu fragen. Es würde ihrem Feingefühl widerstrebt haben, durch eine private Erkundigung ein Interesse an den Tag zu legen, das wohl auch die kleine Anna sich richtig gedeutet haben wurde, und sie hätte lieber alle Qual des Ziveifcls und der Ungewißheit schweigend getragen, als sich dazu herbeigelassen, einen Schritt zu thun, der für sie einen fatalen Beigeschmack hatte. Dafür, daß Anna ihrer natürlichen Mitthcilungslust nicht die Zügel schießen ließ, sondern sich, da niemand sie ausforschte, über die Ereignisse des Vormittags ausschwieg, hatte Wolfgang gesorgt. Als er in der Abenddämmerung nach Hause ging, huschte ans dem Schatten der Häuser heraus eine Mädchcngestalt an seine Seite und bemühte sich, mit ihm Schritt zu halten; er war aber so in seine Gedanken versunken, daß er sie nicht beachtete und daß erst ein leises, ein wenig neckisches:„Guten Abend, Herr- Hammer!" ihn erstaunt aufblicken ließ. Es war Anna, die eine leichte Befangenheit unter einem Lächeln zu verbergen strebte, aber sofort sicher ward, als Wolfgang ihr mit einem freundlichen: „Sieh da, meine kleine, kluge, entschlossene Verbündete! Wie hübsch sich das trifft!" die Hand entgegenstreckte. Sic fühlte sich fast gehoben von dem Händedruck Wolsgangs und erwiderte eifrig: „So ganz zufällig ist es doch nicht, daß ich hier bin, aber ich mußte doch wissen, ob ich Ihnen mit meinem Zettel etwas nützen konnte, ob ich es recht gemacht» habe und ob Sie mit mir zufrieden sind." „Wenn Sie wüßten, wieviel das Zettelchcn Werth war! Es hat wer weiß wie vielen Menschen das Leben gerettet und Sie haben mir einen Dienst geleistet, für den ich Zeit meines Lebens in Ihrer Schuld stehen werde. Wenn ich wüßte, womit ich Ihnen eine recht große Freude niachcn könnte!"— „Ach, Herr Hammer, Sie wissen doch, daß ich nie wieder gut machen kann, was Sie schon alles für mich gethan haben. Und was habe ich denn hier besonderes ausgeführt? Ich glaube, jedes andere Mädchen, das nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, hätte dasselbe gethan. Ich hatte gehört, daß Sie nichts von den Husaren wissen wollten und daß man Ihnen eine Stunde Zeit gab.- Sie waren kaum zur Thür hinaus, da ließ sich der Herr Kommerzienrath von dem dicken Bürgermeister, der wie ein erboster Truthahn kollerte, und von dem alten, häßlichen Kerl,-dem ich seine Löcher im Kopfe von Herzen gönnte, beschwatzen und brach sein Versprechen. Das ärgerte mich und ich dachte mir, es könnte Ihnen lieb sein, wenn Sie davon erführen. Darum schlug ich, als sie den jüngeren Polizeidiener mit der Depesche wegschicken wollten, vor, inich gehen zu lassen, da ich doch gewiß leichter durchkäme; und sie ließen sich überzeugen und lobten mich und versprachen mir ein gutes Trinkgeld, und der alte, grauköpfige lH..20, Aprjl lOTp, Mensch wollte mich sogar in die Backe kneipen, aber ich habe ihn tüchtig ans die Finger geschlagen und ihm gesagt, er sollte sich schämen; der Herr Äomnierzienrath und der Bürgermeister lachten herzlich darüber. Ich lachte aber, als ich draußen war, am meisten, denn min konnte ich Ihnen doch lltachricht geben. Das ist alles, nnd nun machen Sie ein solches Aufheben davon!" Wolfgang konnte ein Lächeln nicht unterdrücken; er fragte: '„Also, wenn ich einen Bauch hätte, wie der Herr Bürgermeister, nnd so häßliche, graugrüne Augen, wie der alte Weinlich, nnd die beiden sähen ungefähr so wie ich ans, würden Sie nicht auf Ihren klugen Einfall gekommen sein?" „Aber wie können Sie so etwas sagen? Das ist recht schlecht von Ihnen. Wären Sie denn nicht trotzdem immer noch Herr Hammer geblieben nnd hätte ich Ihnen nicht helfen niüssen, wie ich nur konnte?" Wolfgang nickte begütigend und freundlich, dann aber nahm seine Stimme einen ernsten Klang an und er setzte ihr die Lage, in der er sich befunden nnd den weiteren Verlauf des seltsamen Konflikts genau auseinander. Die Augen der Kleinen hingen an seinen Lippen, Röthc und Blässe wechselten auf ihren Wangen, und als er geendet, gewahrte er am Saum ihrer Wimper ein paar blitzende Thränen, die sie aber rasch mit dem Handrücken wegwischte. „Das war ja ganz schrecklich," sagte sie endlich,„und nun bin ich freilich recht froh, daß ich den guten Gedanken hatte. Davon hätte ich mir doch nichts träumen lassen." „Das glaube ich wohl, aber Sie müssen mir nun auch be- weisen, daß Sie schweigen können. Erzählen Sie niemanden etwas von dem, was ich Ihnen anvertraut habe. Ihnen war ich die Aufklärung schuldig, aber ich möchte nicht, daß sonst jemand davon erführe � auch Ihre Damen nicht." Und nach einigem Zögern fügte er hinzu:„Wenn sie nicht gradezu und ausdrücklich danach fragen." Die Kleine sah ihn offen nnd voll an. als wolle sie ein Ge- lübde ablegen. „Verlassen Sie Sich auf mich; ich müßte doch die ärgste Plauder- tasche sein, getraute ich mir nicht, Ihnen zu versprechen, daß kein Wort über meine Lippen kommen soll." „Brav, meine kleine Tapfre, und nun nehmen Sie meinen herzlichen Dank an, nicht wahr?" Er hielt ihr die Hand hin; sie drückte dieselbe herzlich und dann beugte sie sich blitzschnell nieder, preßte ihren Mund für einen Moment aus seine Rechte und war im nächsten Moment niit einem halb erstickten:„Ich hätte auch mein Leben für Sie hingegeben!" in der Duukelheit verschwunden, als hätte die Erde sie verschlungen. Wolfgang ging ziemlich nachdenklich heim; das Benehmen der Kleinen erschien ihm etwas befremdlich, und er hatte Mühe, sich dasselbe mit einem fast hervorgestoßenen:„Jugendliche Exaltation!" nothdürftig zu erklären. * Es waren wohlthuend stille Wochen, die für Wolfgang auf all' den Sturm und Drang jenes Tages folgten, und er erprobte an sich auf's neue die wunderbare Heilkraft der Natur. Zwischen den Bohnenstangen, an denen die Ranken Tag für Tag höher kletterten, und zwischen den Birken am Waldsaum, die ihre zarte Belaubung lose im Winde fluthen ließen, schlief der Widerstreit zwischen seiner schmerzlichen Sehnsucht und den Vorstellungen seines Verstandes und seines Stolzes oft auf Tage ein und die wenn auch nur halb überwundene Leidenschaft fing an, sich in seiner Seele zur Poesie zu verklären. Er kam selten von seinen Abendspaziergängen heim, ohne ein paar Strophen— hatte sie ihm das Laub zugeflüstert, hatten die Zweige sie auf ihn nieder- fallen lassen?— aufzuschreiben, und es machte ihm ein weh- müthiges Vergnügen, diese neuerwachte Produktivität mit jenem eifersiichtigen Wachen über die Reinheit der Sprache nnd über die Einfachheit und Natürlichkeit des Ausdrucks auszunutzen, die für seine Poesie charakteristisch waren und ihm als der einzige Vorzug derselben erschienen. Vor einem haltlosen Versinken in diese lyrischen Stimmungen behütete ihn die Thätigkcit im Bildungs- verein, die eine um so angestrengtere war, als der lange Alfred so ziemlich sein einziger Kampfgenosse war. Martha Hoher war weit davon entfernt, in diesen Wochen ebenfalls zu einer vergleichsiveisen innern Ruhe zu gelangen, die- selben waren vielmehr für sie in vieler Hinsicht an Aufregungen reich. Die häusliche Thätigkcit der Frauen und Mädchen läßt ihnen ja vollauf die Freiheit, ihren bittersüßen Gedanken nach- zuhängen und dieselben erhalten von keiner Seite ein ausreichendes Gegengewicht an Gedanken, Empfindungen und Sorgen. Immer nnd immer wieder mußte sie an den Abend denken, der so bc- glückend begann und so traurig endete, an die Wandlung, die sich urplötzlich mit Wolfgang vollzog nnd die ihr als ein fast unheimliches Räthsel erschien.„Hatte sie diese Wandlung ver- schuldet? Und womit dann?" Diese beiden Fragen beschäftigten sie unaufhörlich nnd doch konnte sie zu keiner endgiltigcn Beant- wortuug derselben gelangen nnd alles Sinnen und Grübeln blieb fruchtlos. Sie rekapitulirle im Geiste alle Phasen des Gesprächs, sie prüfte streng jede Antwort, die sie gegeben, jede Bemerkung, die sie geniacht, aber sie war unfähig, ein Wort zu nnden, das sie für den grellen Umschwung hätte verantwortlich machen können. Sie wollte sich zuweilen einreden, daß Wolfgang wirklich nur müde und abgespannt gewesen sei, aber mit schmerzlich zuckender Lippe verwarf sie nur zu bald diese trügerische Illusion, die höchstens dann eine Aussicht hatte, Einfluß auf sie zu gewinnen, wenn ihr Wolfgang bei dcr� nächsten Begegnung mit der vollen, fast vertraulichen Herzlichkeit von einst entgegenkam. Jedoch ge- wann es fast den Anschein, als sei auf eine solche Begegnung garnicht mehr zu hoffen. Wie oft sie auch, zaghaft und erröthend und doch mit fast trotzigem Entschluß, in abendlicher Stille durch die kleine Pforte iin Wildzaun aus dem Park in den Wald trat, um endlich langsam den Hohlweg entlang zu wandern, in dem sie Wolfgang kennen gelernt,— nie begegnete sie ihm, und es blieb ihr bald kein Zweifel darüber, daß er ihr mit Geflissentlich- keit ausweiche. Hätte er nur das leiseste Bedürfniß empfunden, ihr eine Ausklärung über jenen verhängnißvollen Abend zugeben, so lag es doch für ihn so nahe, sie da zu suchen, wo sie ihm das erstemal begegnet war, und daß er dieses Bedürfniß nicht empfand, zwang es sie nicht zu der Annahme, daß er innerlich mit ihr gebrochen habe? Es war ihr zuweilen, als müsse sie, wenn dem so war, fort, weit fort, nnd dann wieder sagte sie sich, daß sie sich in der Fremde doppelt einsam und verlassen fühlen und daß ein bittres Heimweh sie nach den Stätten zurückzwingen würde, an denen ihr ein Schimmer von Glück gelächelt. Sic sollte bald in unerwarteter Weise auf die Probe gestellt werden. Leontine beschloß, die Familie ihres Schwagers, die nach Pyrmont zur. Kur ging, zu begleiten, nicht, weil sie ebenfalls eine Kur durch- zumachen beabsichtigte, sondern weil sie auf Umwegen erfahren hatte, daß sie in Pyrmont denjenigen von ihren einstigen Bewerbern treffen würde, der sie am meisten interessirt, den sie aber aus Rücksicht auf seine Jugend und seine Armuth abgewiesen hatte. Aus dem bizarren jungen Manne mit dem halb sanften, halb düstern Wesen war im Laufe der Jahre ein Novellist von Ruf geworden; er war seit Jahren verheirathet, wie man sagte, mit einer äußerst liebenswürdigen jungen Frau; sie wollte ihn in unverfänglicher Weise einmal wiedersehen und erproben, ob ihr Blick noch Macht über ihn habe oder ob er denselben unbewegt anshalte. Es fiel ihr nicht ein, ihn wieder an sich locken zu wollen, sie wollte sich nur die pikante Situation und die kleine Emotion einer unerwarteten Begegnung mit ihm verschaffen und ihn vielleicht einmal eine Stunde lang plaudernd sondiren; es würde ihr geschmeichelt haben, wenn er einen neuen Beleg für die Richtigkeit des alten„on revieut toujours ä ses premiers amours"*) geliefert hätte, wenn ihm auch in der Flucht der Jahre und an der Seite einer aus ächtcr Neigung heimgeführten jungen Gattin die Empfänglichkeit für den eigenthümlichen Reiz und Zauber grade ihres Wesens nicht abhanden gekommen wäre. Seit Fräulein Emmy wußte, daß Leontine mit nach Pyrmont ging, verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand von Tag zu Tag und der Hausarzt ward plötzlich ein viclbegehrter und unermüdlich konsultirter Mann. Der Kommerzienrath, der sich sehr schwer entschlossen haben würde, seinen Liebling von sich zu lassen, wurde durch die Sorge mürbe gemacht, und als der Arzt, der die eigent- liche Ursache der fortwährenden Klagen des Töchterchens natürlich durchschaute, aber keinen Beruf fühlte, den Herrn Papa aufzuklären und es dadurch für immer mit der reiselustigen Kleinen zu verderben, ihm mit ernsthaftem Gesicht vorstellte, daß die rasche Wiederherstellung der sich etwas zu rasch entwickelnden junge» Dame nur von einem längeren Badeaufenthalt zu erwarten sei, verzichtete er nicht nur auf jeden Widerspruch, sondern betrieb sogar die Abreise mit einer gewissen Ungeduld und war sehr zufrieden damit, daß sein Tvchterchen sich Frau von Larisch und den Verwandten dieser von ihm hochverehrten Dame anschließen *) Man kommt immer auf seine erste Liebe zurück. 339 konnte. Es sollte übrigens sehr einsam und leer im Hause, Herrn Reischachs werden, denn Fräulein Enimy bestand mit dem ganzen Eigensinn eines verzogenen und sich über seine Macht klaren Äindes darauf, daß Martha sie begleite, und auch Frau v. Larisch entwickelte zu Gunsten dieser Idee eine Beredtsamkeit, die den Gedanken nahelegte, daß sie ein gewisses geheimes Interesse daran habe, Martha nicht allein in M. zu lassen. Diese war, ganz wider alle Gewohnheit, wenig geneigt, dem vereinten, fast hart- nackigen Drängen und den Bitten, Liebkosungen und Thränen Emmy's nachzugeben, und erst als Frau von Larisch mit einem ganz leichten Anflug von Ironie die Bemerkung himvarf, Emmy möge Martha auch nicht zu sehr bestürmen, da sie doch nicht wissen könne, welche Gründe diese habe, das Zurückbleiben in M. vorzuziehen, willigte sie plötzlich mit kühler Bestimmtheit und in fast trockenem Tone ein; sie fühlte deutlich heraus, daß Leontinc ihr unterschob, sie wünsche zurückzubleiben, weil dann das Feld für sie frei gewesen wäre und sie sich ungezwungen und jeder lästigen Aufsicht ledig hätte bewegen können. Aber je näher der Tag der Abreise kam, desto öfter und desto tiefer bereute sie, der augenblicklichen Aufwallung willfahrt zu haben, und desto schwerer wurde es ihr, sich von M. zu trennen; machte es doch jeder ver- rinnende Tag unwahrscheinlicher, daß sie noch eine Gelegenheit erhalten werde, Wolfgang zu fragen, ivas ihn an jenem Abend so tief verstimmt und so plötzlich von ihrer Seite gescheucht habe. Es fiel ihr auf, daß der Kommerzieurath, als Leontinc ihm ganz beiläufig andeutete, daß es ihr erwünscht sein würde, Wolsgang vorher noch einnial zu sprechen, da sie ihn um einige Bücher bitten möchte, achselzuckend meinte, es werde sich dies kaum thun lassen, da jener eine kleine Geschäftsreise erledigen müsse; ivenn auch Frau von Larisch, die momentan nur ein getheiltes Interesse an Wolfgang nahm, sich mit dieser Antwort begnügte, so errieth Martha, daß dieselbe nur ein leerer Vorwand sei, und daß Herr Reischach Wolfgang nicht bei sich sehen wollte. Hing diese Ab- neigung gegen den jungen Mann vielleicht irgendivie mit dem Ärawall der Fabrikarbeiter zusamnien? Sic fühlte sich versucht, es anzunehmen, aber das war doch eine sehr vage Muthmaßung, und dieses neue Räthsel verschärfte nur die Traurigkeit, von der sie beherrscht ward und die sie nur mühsam den Blicken ihrer Umgebung zu verschleiern vermochte. Der Tag vor der Abreise ließ diese Traurigkeit so übermächtig werden, daß sie ängstlich nach einem Grunde haschte, das Haus wenigstens auf eine Stunde zu verlassen; es war ihr, als müsse sie zwischen den engen Mauern ersticken und als werde es ihr den Abschied erleichtern, wenn sie vorher zum erstenmal einen Blick in Wolfgangs Garten geworfen hätte. Er hatte ihr die Lage desselben so genau beschrieben, daß sie wohl hoffen durfte, ihn zu finden, und das Verlangen, sein kleines, grünes Reich kennen zu lernen, war so unbezwinglich, daß sie sich auch durch die ihr förmlich aufgezwungene Begleitung der kleinen Anna nicht an der Ausführung des Gedankens hindern ließ. Sie ging mit derselben erst zur Schneiderin(in dem Gang zu ihr hatte sie den gesuchten Vorwand gefunden), schützte aber dann Kopfschmerzen vor, die sich vielleicht verlören, wenn sie noch eine Strecke Wegs ginge, und schlug, durch ihre Begleiterin kaum noch gestört, die Richtung nach Wolfgangs Garten ein. Derselbe ward auf der einen, nicht von dem alten Kanal umschlossenen Seite von der Straße begrenzt; ein Einblick mar aber nur au der Thür möglich, da dichtbelaubtes Gesträuch den Zaun entlang eine grüne Wand bildete. Marthas Hoffnung, ein paar Minuten lang das Bild dieses Tuskulums ihrer Seele einprägen zu können, ward vereitelt; sie zuckte unwillkürlich zusammen, als sie sah, daß einem Schwärm von Kindern, die vor der Thür standen, von innen halbverblühte Rosen zugeworfen wurden. Nur die Be- fürchtuug, Anna aufmerksam zu machen, hielt sie ab, dem Impuls einer mädchenhaften Scheu nachzugeben und umzukehren; sie nahm all' ihre Kraft zusammen und ging den Zaun entlang, und die Dämmerung verbarg die Röthe, die ihr in die Wangen stieg. als sie an einer Stelle, wo das Gebüsch weniger dicht war, mit verstohlenem Seitenblick Wolfgang gewahrte, der mit der Rosen- schccre die hochstämmigen Remontanten von den Blumen säuberte, die zu verblühen und zu welken begannen, und die abgeschnittenen in ein Körbchen sammelte, um sie dann den Kindern zuzuwerfen. Anna hatte noch mehr gesehen; der lange Alfred und sein dicker „Bruder" kamen vom Kanal her mit gefüllten Gießkannen, und um von ihnen nicht bemerkt zu werden, beschleunigte sie ihre Schritte fast noch mehr als Martha. Als sie außer Gesichts- iveite waren, verlangsamten sie ihren Gang und bald sahen sie sich von den Kindern eingeholt, die mit ihren Rosen heimzogen und eifrig darüber stritten, wer von ihnen die schönsten habe. Ein kleines Mädchen hatte ihr Schürzchen ganz voll Blumen und ausgefallenen Blumenblättern; Martha blieb unwillkürlich bei ihr stehen und sagte freundlich: „Was hast du da für wunderschöne Rosen, mein Kind! Er- laubst du, daß ich mir eine davon auswähle?" Die Kleine hielt ihr das Schürzchen hin— auf eine Rose kam es ihr bei solchem Reichthum wahrlich nicht an. Martha hatte nicht zu lange zu suchen; überrascht wählte sie eine weder sehr große, noch sehr volle Rose, die aber mit ihrem tiefdunklen Purpur gradezu braun erschien und auf deren Blättern ein weicher Sammethauch lag. Sie hatte nie eine so dunkle, so ernste, fast geheimnißvolle Rose gesehen, und auch der feine Duft hatte etwas Eigenthümliches, das sie von all' ihren weißen, rothen und gelben Schwestern unterschied. Sic drückte der Kleinen ein Geldstück in das magere Händchen und steckte die braune Rose an die Brust, und als sie daheim in ihrem Zimmer war, ruhte ihr Blick lange und nachdenklich auf der eigenartig-schönen Blume. Ihre Lippen zitterten, als sie leise zu sich selber sagte:„Wie ihr Purpur in Braun übergeht, so wird alle Licbesinnigkeit in mir zur Trauer." Und dann streifte ihr kleiner Finger die von der Sonne ver- sengten, des Sammethauchs beraichtcn und wie verbranntes Papier zusammengerollten Ränder der untersten Kelchblätter, und als sie wehmüthig- lächelnd sagen wollte:„Und siehst du, braune Rose, wir fangen beide an, zu verblühen, und wie er dich weggeworfen hat, weil du nicht mehr tadellos frisch und schön bist und morgen vielleicht farblos und ohne Duft wärst, so wirft er auch mich weg und mich wird niemand aufheben, wie die Kinder und ich es mit dir gethan!"— da schössen ihr die Thränen Heiß in die Augen und ein schwerer Tropfen rollte über ihre Wange und fiel auf die braune Rose. Dann aber, wie sich besinnend und der Schwäche sich schämend, sagte sie leise:„Armes, thörichtes Herz, willst du denn nie zur Ruhe kommen und ewig nach den Sternen greifen?" Aber sie nahm doch ein kleines Couvert aus der Schreibmappe, schob die Rose sorgsam hinein und legte es dann in ihren Lena».„Dem melancholischsten Dichter die melancholische Rose,— ich glaube, sie hätte ihn zu einem gedankenvollen Gedicht begeistert." Am nächsten Morgen aber schloß sie den Lcnau mit der Rose in ihren Reisekoffer, und es war ihr, als nähme sie wenigstens einen Abschiedsgruß von Wolfgang mit in die Ferne, ein liebes Pfand der Versöhnung und ein Geschenk, das er ihr nicht ver- weigert haben würde, hätte sie ihn darum gebeten,— trotz alledem!— (Fortsetzung folgt.) ! Die unbewußte Züchtung und Vererbung meulchlicher Charaktere und Phyjiognaiuieu und die Erforschung der Gesetze der menschlichen Znchwahl mittels der photogeneagraphie. Bon Dr. K. Sidtmann. In der deutschen photographischen Abcheilung der wiener Weltausstellung von 1875 hatte ich auf wenige Tage vorüber- gehend Porträtssammlungen ausgelegt, welche ein großes anthro- pologischcs und volkswirthschaftliches Interesse bieten: Porträts, Stammbäume und Ahnentafeln mit den Bildnissen blutsverwandter Menschen. Es sind dieses Stammtafeln, in welchen an Stelle der Namen und Wappen photographischc Porträts in genealogischer Anordnung eingeklebt und die Lücken als Nietenstellen zum Zeichen, daß hier die Porträts fehlten, offen gelassen sind. Eine große Wandtafel daneben gab den erklärenden Text zu diesen Bild- werken. Diese Stammtafeln, welche ich Photogeneagraphie genannt, sollten den Anfang zu einem Bruchstück des Bildstamm- baumes des Menschengeschlechtes darstellen und nach meiner Ab- ficht in Zukunft zu einer statistischen übersichtlichen Porträts- sammlung für die Erforschmig der Deszendenzgesetze des Menschen- gcschlechtes heranwachsen. Bei Betrachtung dieser genealogischen Porträttabellen befreunden wir uns alsbald mit der Grund- anschauung, welche in dem begleitenden Texte ausgesprochen ist: daß nämlich alle sozialen Reformen vorwiegend auf eine lang- same erzieherische Aufbesserung der menschlichen Zuchtwahlsitten zurückgeführt werden müssen. Wir sehen in den geneagraphischen Photogrammen das Naturgesetz von Ursache und Wirkung, das Warum und Wert der natürlichen Erfolge verkörpert. Das Individuum A hat seine und keine andere Gcsichtsbildung, weil bei seinen hundcrttansenden Borfahrcu mindestens eine Linie sich be- fand, welche das Eigenthümliche ihrer Stammes- Physiognomie auf A durch Erbfolge fortpflanzte. Wir erblicken in einer zweiten und dritten Generation zum Beispiel bestimmte Gesichts- und Nackenprofilc vorwalten, nur weil auch schon in den Vorfahren in einer ersten Generation die nämlichen Kie- fer- und Nacken- Winkel zu Tage traten; an den Gesichtern der Kinder, oder Enkel, oder Urenkel be- merken wir die- selbe stcreoskopische Einstellung der Augen, denselben Blickausdruck, den wir an dem Auge der Eltern, der Groß- oder Ur- großcltcrn< wahrnehmen; überhaupt an Stelle einer scheinbaren Willkür und Lau- nenhaftigkeit in der Physiogno- mienvererbung dämmern uns aus den Porträt- Stammtafeln Na- turgesetze größten Stiles entgegen, sobald wir auf die genealogisch ver- ketteten Porträt- gruppen dieser Sammlung einen aufmerkenden Blick werfen. Den Fürsten von Bismarck z. B. lesen wir in unverkennbarer De- szendenz aus dem markirten Porträt seines Urgroßvaters heraus, während des Fürsten Vater und Großvater den v. Bisinarck'schen Familientypus mehr oder weniger latent auf den Urenkel jenes älteren Ahnherrn übertrugen, oder wie Häckel über die Bererbungs- Metamorphosen einiger Thierartcn des Meeres, der Quallen, sagt: A= D= G,t d. h. Fürst von Bismarck ist gleich seinem Urgroß- vatcr.— Hiergegen zeigt sich in den photogencagraphischen Por- träts der Luther- Familie, von alten, zeitgenössischen Oelgemälden kopirt, mit sprechender Aehnlichkeit im männlichen Stamnie ver- erbt, A— B, Luther gleich seinem Vater. Die Genesis jedes persönlichen und Flkiniliencharakters, die Genesis ganzer Volkscharaktere, die bestimmte soziale Denk- und Bacharach.(Seite 347.) Gefühlsrichtung jeder Generation im einzelnen wie im großen ganzen liegt hauptsächlich begründet in den Zuchtmahlsitten der Aszendenten, der Voreltern; Pädagogik, gesellschaftliche Sitten und Gebräuche, Religion und konfessionelle Erziehung erscheinen neben dem überwältigenden Bildungseinflusse unserer monogamen, wie der versteckten polygamen Zuchtwahl, nur als untergeordnete Faktoren der fortschreitenden Entwicklung des Menschengeschlechts. Diese Wahrheit steht bei der Aufzucht unserer Nutzthierc längst als allgemeines biologisches Gesetz aller Lebewesen in Ansehen und Kraft; der Pferdekenner weiß genau, aus welchem Stalle, aus welcher Pferdefamilie allein er eine edle, leistungsfähige und verträgliche Pferdcgeneration erwarten kann; niemals erhofft er von einer nachhelfenden Dressur das, was die Geburt, die Erb- folge, das„Blut" dem Fohlen ver- sagt hat. Der Staat erkennt das- selbe Prinzip an, denn er wirft z. B. in Preußen jährlich mehr als 150,000 Mark Prämien nicht etwa für Pferdeerziehung, für Pferdedressnr, sondern mit Recht nur für die Zucht- wähl und für die aus Zuchtwahl ge- gründete Berede- lung der Pferde- generationen für Landesgestüte aus. So führt uns die vergleichende Betrachtung der photogeneagraphi- schen Porträt- Stammtafeln auf ein neues Ele- ment des Volks- erziehungswesens; und ich hätte da- her auf der wiener Weltausstellung meine lehrreichen Znchtwahl-Wand- tafeln viel lieber in der Ausstcl- lungsgruppe für Erziehungsivesen, als in der Abthei- lung photographi schet Erzeugnisse untergebracht; denn die Photo- graphische Kunst als solche bietet der anthropologi schen Photogenca graphie nur die technische Möglich keit der Ausfüh- rung und der Materialbeschaffung.— Es ist gradezu unbegreiflich, wie man bei Besprechung der sozialen Frage jenem Grundgesetze aller sozialen Borkommnisse, dem Gesetze der Zuchtwahl und Ver- erbung, bisher noch keinen Platz in der volkswirthschaftlichcn Presse angewiesen hat. Wohl tauchen in unserer illuftrirten Wochcnliteratur hin und wieder die Vorzeichen eines beginnenden Verständnisses für Vererbungswirthschaft auf; man schreibt nämlich bereits Biographien der„Mütter berühmter Männer",— eine thatsächliche Anerkennung des Antheils, den die Ahnen an der Gestaltung des Sprößlings haben. Die Lebensbeschreibungen der Mütter berüchtigter Männer, großer Verbrecher und Narren, dürften als Schlagschatten dieses Material eigentlich noch ver- vollständigen, und wenn es uns erst gelänge, mit der Lebens- ■ „Darum keine Feindschaft nicht."(Seite Z47.) berühmter"nb üetrufcncr, n�nfl � in toen und die„Väter', die„Großmütter" und die.Großväter» be- und tchwachcr rüh.ntcr l>ochedler Pferde(Renner) zu beachten und einzelne dann hatten wir zu dm Zuchtwahlstndlen M Koininentar.„Geschlechter» von Rennern in ihren Zuchtwahllei, tungen zu be- scheu SammelweM den beredte lci bwg ph ,1.> wundern. Diese bescheidenen Anfänge von damals wurden zuerst Ganz genau so w.e man-etzt"'t beginnt, das� �even ver wu � � � hippologischer Spielerei betrachtet; und doch an�die� O�ntlichke�zu ziehen, so hatte n.an schon in den> bildeten sie nach wenigen Jahrzehnten schon den Ausgangspunkt 342 jener rationellen Landes-Pferdezucht, wie sie heute mit steigendem Erfolge in allen eivitisirten Ländern im Interesse des Nationalwohlstandes gepflegt wird. Nur auf Grund jener genealogischen Pferdestndien war es allmählich gelungen, allen Pferdebesitzern bis in das kleinste Dorf hinab ein klares Berständniß der wundervollen und mächtigen Bererbungsgesetze beizubringen. Aehulichcs ist zu erhoffen, von der noch in ihren Anfängen stehenden Wissen- schaff der Photogeneagraphie und von dem veredelnden Ein- fluß, den ihr Studimn erzieherisch auf die künftige Zuchtwählung der einzelneu Menschen zu Nutz und Frommen der Gcsammtheit auszuüben berufen ist. Wir schauen in den ausgelegten Stammtafeln neben den Stammbäumen Luthers und Bismarcks auch die Deszendenten gesunder Arbeiterehepaare und finden überall dasselbe große Naturgesetz der Physiognomienvererbung, sei es, daß dieselbe als un- unterbrochene oder als überspringende Vererbung austrete. Das Porträt des bekannten Malers La Roche in meiner Sammlung verräth uns sofort seinen natürlichen kaiserlichen Vater in dem Schöpfer jenes bekannten französischen Gesetzes, des Code Napoläon, welches selbst der Vaterschaft nachzuforschen verbietet. Ein anderer Porträtstammbaum läßt uns das geistreiche Bild eines elfjährigen, talentvollen Knaben in dem Taguerreotyp seiner mütterlichen Großmutter wiedererkennen. Wie beim Pferde die„Kruppe", das Sprunggelenk, ja selbst die Farbeabzeichen, als konservative Erbstücke in den Enkel- und Urenkel-Fohlen mit Variationen sich wiederholen, so lassen sich in einzelnen Enkel- und Neffen-Porträts unserer eben erwähnten geneaaraphischen Porträttafeln sogar der Körperwuchs und die natürliche Scheitelung des Kopfhaares, der Nasensattel, die Kinn- und Wangengrübchen, sogenannte Doppel- kinne, ja die Hand und Fingerknöchelung als ererbte Eigentümlichkeiten irgendeines Vorfahren wiedererkenne». Selbst auch patho- logische Hantgebilde treten als Erzeugnisse der„konservirenden" Sprossenvererbung bei einigen Stammbäumen in die Erscheinung. So begegnen wir dem Porträteyklus einer Familie von mehr als zwanzig Köpfen in drei Generationen; der Stammvater dieser Familie, ein Italiener von Geburt, heirathete eine Norddeutsche und brachte einen bohuenförmigeu Hautauswuchs an seiner linken Hand mit in die Ehe; dieses kleine Hautgewächs, welches schon bei seineu Geschwistern in Italien ebenfalls als rudimentäres Erbstück früherer Sechsfingerigkeit vorhanden war, ist auf der photographischen Abbildung jenes Herrn deutlich zu unterscheiden. Dieses plastische„Muttermal" des Stammvaters sehen wir in den Photographien aller seiner Söhne und Töchter sich wiederholen, und zwar bald in kongruenter, bald in spiegelnder Uebererbung, d. h. bald von links auf links(korrespondirend), bald von links auf rechts(alternirend), aber stets ans demselben Punkte der Hand, wo der Stammvater es hatte, nämlich in der Gegend des Mittel- Hand- und Kleinfingergelenkes am äußeren Rande der Hand. Die Vererbung wird an diesem Familienbeispiele zu eiuer' konstanten insofern, als sogar alle Kindeskinder ohne Ausnahme dieses selbige Muttermal mit Variationen an derselben Handstelle zeigen.— Im vorliegenden Falle hat also die gerinanisircnde Kreuzung weder in den männlichen noch in den weiblichen Linien das angeborne Familienmal des Stammvaters romanischer Ab- kunft zu löschen vermocht. So geringfügig dieses eine Beispiel von Beständigkeit einer pathologischen Vererbung auf den ersten Blick scheinen mag, so wichtig dürfte dereinst eine Statistik ana- loger Vererbungsfälle für die Feststellung neuer und für die Be- reicherung feststehender Vererbungsgesetze werden, besonders da in Zukunft jede nachwachsende Generation durch die Fortschritte der photographischen Porträtaufnahmen massenhafte Beiträge zu den geneagraphischen Porträt-Stammtafeln liefern kann, und so das klein begonnene Sammelwerk für die anthropologische Forschung statistisch in die Breite wachsen wird. Zu dem oben erwähnten photogeneagraphischen Beispiele von konstanter, spiegelnder Vererbung finden wir ein merkwürdiges ethnographisches Seitenstück in der Herrscherfamilie eines süd- arabischen Volksstammes. Diese Familie begründet nämlich ihr Sonvcränctätsrecht nicht ans Gottes- oder Volkes-Gnaden, son- dem merkwürdigerweise auf ein anthropologisch-mystisches Prinzip, auf den Nachweis eines erblichen Sechsfingerthnms. Durch künstliche Zuchtwahl, durch strengste Inzucht gelingt es dieser Dynastie, auf jedes Mitglied der Familie, mit der Verläßlichkeit eines Naturgesetzes, 24 Finger und Zehen zu vererben. Die so- genannte Homologie, die Gleichmäßigkeit in der vererbten Ent- Wicklung des ganzen Menschen und aller anderen Lebewesen, läßt uns schon jetzt mit Sicherheit annehmen, daß nach demselben Naturgesetze, nach welchem sich ein beständiges Sechsfingerthum züchten läßt, sich auch mit einer gewissen Beständigkeit Gehirn und Physiognomien nach Qualität und Quantität vererben, gleich- sam züchten lassen. Wir fühlen aus diesen wenigen Beispielen und aus den bis jetzt aufgestellten Tafeln meiner geneagraphischen Porträtsammlnngen schon heraus, wie die Photogeneagraphie berufen ist, uns durch Bildurkunden zu belehren, daß jede Gene- ratio» in gewissen Grenzen die gesellschaftlichen Qualitäten der nachfolgenden Generationen schon in sich birgt und gleichsam voraus bestimmt. Die jedesmaligen Zuchtwahlgebräuche, die durchschnittlich herrschenden Zuchtwahlmotive eines Volksschlages in Bezug auf dessen �eheliche Zuchtwahlen bestimmen in ganzen Völkern wie in den Familien unfehlbar die erblichen Charakter- züge, die Physiognomie der nächsten Generationen. Wenn ich oben von einer gründlichen Aufbesserung der mensch- lichen Zuchtwahl, mit anderen Worten, der Verheirathungssitten und Verheirathungshindernisse, als von einer der größten sozialen Aufgaben unserer Zeit gesprochen, so wollte ich unter dem Aus- druck Aufbesserung der Zuchtwahl einerseits eine qualitative, andrerseits eine quantitative Veredlung der Menschenzüchtung, bei der Auswahl, unbeschadet der Civilstandsgebräuche verstanden wissen. Wersen wir nur einfen Blick auf die Statistik der zunehmenden Selbstmorde und der feigen Art von Verbrechen, bedenken wir das wachsende Bedürfniß nach Irrenanstalten und Asylen für Blödsinnige, sehen wir z. B., daß trotz der vielen modernen Einschränkungen der Mcnschenzüchtnng in England allein schon mehr als 60,000 blos einregistrirter Geisteskranker leben, dann kommt uns nach den Analogien der Entartung von Pferderassen schon aus diesen oberflächlichen Betrachtungen die Vermuthung, daß in erster Linie in der Züchtung, in der Fortpflanzung des Menschengeschlechtes bei einzelnen Völkern irgendetwas nicht ganz in Ordnung sein müsse. Mit der schauerlichen Statistik der ver- erbten Geistesschwäche scheint die der vererbten Charakterschwäche, der Gefügigkeit für Kriegszwecke und andere Zuchtwahleingriffe überall Hand in Hand zu gehen, und wenn die Völker sich unter unerschwinglichen Opfern hinter Bergen von Bajonetten und hinter Panzerplatten verkriechen und diese ihre epidemische Massen- feigheit Heroismus nennen, so ist nach allen Analogien der Thierzüchtung auch diese Völkerschwächung, wie wir gleich sehen werden, vorwiegend das Ergebuiß der Züchtungseingriffe grau sanier Staatsmänner voraufgehender Jahrzehnte und Jahrhunderte. Diese Warnzeichen der Zeit dürften schon hinreichen, uns aus große Züchtungsfchler und auf die dringende Nothwendigkeit einer Zuchtwahlverbesserung im Menschengcschlechte zu verweisen. Wer den Einfluß der Charaktervererbung bei den Thiereu und beim Menschen studirt hat, der hält nicht viel von den Experimenten der blos erzieherischen Volksveredelung, wenn nicht mit der Dressur eine Bererbungsverbessernng, eine Blutveredelnng durch naturgemäße Zuchtwahl Hand in Hand geht.— Ein Prinzip, welchem der Staat mit Recht so große finanzielle und administrative Mittel zur Verfügung stellt, wie das der Hebung und Veredelung der Pferdedeszendenz, muß eine gewaltige und zwar eine erprobte wirthschaftliche Wahrheit in sich tragen, und es dürfte unserem Jahrzehnt geziemen, die>e öffentliche Recht- fertignng der Deszendenzpraxis, wie sie in der Landespferdc- züchtung zum Ausdruck kommt, auch für eine Massenveredclung der Meuscheuzuchtwahl als erzieherische Richtschnur zu nehmen. Es drängt sich uns dabei die Frage ans: sind die Vcrerbungs-, die Deszendeiizgesetze, welche in den Stammbäumen der Pferde- Züchtung so wunderbar zu Tage treten, nur ein Naturspiel dieser und wenig anderer Thiergattungen? Oder ist die nachgewiesene qualitative Deszendenz der Individuen ein allgemeingiltiges biologisches Naturgesetz aller Lebewesen? Did Charakter- und Physiognvmienvererbung ist allerdings für alle Lebewesen innerhalb der Grenzen einer Gattung ein Natur- gcsetz, dessen geheimnißvolles Walten von vernünftiger Seite nirgend mehr bestritten wird.— Nun spricht ein Staatsökonom sich über den volkswirthschaft- lichen Nutzen einer rationellen Pferdezucht in folgenden treffenden Worten aus:„Der Staat hat ein hervorragendes Interesse an der Hebung der Landespferdezucht. Die qualitative Hebung der- selben bewirkt eine bedeutende Steigerung des Nationalwohl- staudes. Schließlich kann unsre Armee nur durch eine gute Landespserdezucht anderen Armecen nicht allein ebenbürtig, son- dem überlegen hingestellt werden. Die Wehrkraft des Staates steht also mit der Landespserdezucht in unzertrennlicher Wechsel- 343 Wirkung: die Hebung der Landespferdezucht erhöht die Macht und Sicherheit des Staates, die Vernachlässigung derselben der- mindert sie." Stellen wir die eben zitirten Sätze unter das allgemeine Naturgesetz der qualitativen Deszendenz oder der Vererbung, so steht nichts entgegen, das Wort„Landespserdezucht" mit den Worten„Züchtung(oder Zuchtwahl) des Menschen" zu vertauschen und demgemäß die obigen Behauptungen in das Menschliche übersetzt in folgenden Worten buchstäblich wieder zu geben: „Der Staat hat ein hervorragendes Interesse an der Hebung der Zuchtwahl. Dieselbe bewirkt eine bedeutende Steigerung des Ratio- nalwohlstandes. Schließlich kann unsere Armee nur durch eine gute menschliche Zuchtwahl anderen Armeen nicht allein ebenbürtig, sondern überlegen hingestellt werden. Die Wehrkraft des Staates steht also mit der Zuchtwahl der Nation in unzertrennlicher Wechselwirkung: die qualitative Hebung der Zuchtwahl im Volke erhöht die Macht und Sicherheit des Staates, die Vernachlässigung vermindert sie." Wir sehen, die Parallele zwischen Landespferdezucht und Zucht- wähl der Staatsbürger läpt nichts zu wünschen übrig. Ter Schlußsatz des Citats wird in der Gegenwart sprechend illustrirt durch die französische Nation. Ein Volk, welchem schon unter Napoleon I. ans den blutgetränkten Schlacht- und Würgseldern dieses Despoten das beste männliche Vcrcrbungsmaterial im Massenaufgebot der Llrmee weggenommen wurde; ein Land, welches stets bereits war die„Blüthe", d. h. die Zuchtwahlträger der ganzen Nation in beispiellosem Leichtsinn erst über die Grenzen führen und dann millionenweise im Auslände abschlachten zu lassen; ein Land endlich, welches die moralische und soziale Zucht- wahlpest des berüchtigten„Zweikindersystems" im Volke epidemisch. gemacht hat und durch dieses System nicht nur quantitativ, son- dern auch qualitativ die Menschenzüchtung untergräbt: ein solches Land ist einzig infolge dieser Zuchteingriffe unwiderruflich für ein Jahrhundert dem Naturfluch jeder krankhaften Menschen- züchtnng, dem Rückschritt, verfallen.— Wer so wie ein Alexander, ein Cäsar oder ein Napoleon als Welteroberer würgend in die natürliche Zuchtwahl der Völkerschaften einzugreifen sich vermißt, der begeht die abscheulichste Herostratosthat am ganzen Menschen geschlecht; denn er legt die Axt nicht nur an die besten zeit- genössischen Individuen, sondern an den lebendigen Stammbaum nngeborener kräftigster Volksgcnerationen, welche zu einem großen Znknnftslebcn berechtigt und bestimmt, nun nie das Licht der Welt erblicken werden.— Alte und neue Staaten altern, sie siechen dahin, nicht, wie allgemein geglaubt wird, nach einem natürlichen Lebe- und Vcr- schlcißgesetz der Völker, sondern einzig dadurch, daß ehrgeizige Staatsmänner mit sträflicher Rücksichtslosigkeit durch blutige Kriege in das natürliche erhaltende Gesetz der menschlichen Zuchtwahl jätend eingriffen.— Gleichwie in einem Lande ein Pferdeschlag, ja der ganze Pfcrdebcstand dann qualitativ entarten muß, wenn. das allerbeste Züchtungsmaterial nach System und mit Raffine- ment zum Abschlachten ausgehoben wird; geradeso müssen die- jenigen Völker entarten, in welchen der beste Thcil der menschlichen Zuchtwahlträgcr zu dcni blutigen Cölibat der Schlachtfelder verurtheilt wird. Man braucht nur die bekannte Fortpflanzungs- Progression eines einzigen Elcphantenpaares und seiner spärlichen Nachkommenschaft auszurechnen, um einen Maßstab zu gewinnen für den qualitativen und quantitativen Ausfall, den das„Auf- reiben" eines einzigen gesunden Elitebataillons Soldaten in der Schlacht nach 100 oder 2(X> Jahren im Gefolge hat. Diese blutigen akuten Massencingriffc in die natürliche Zucht- wähl der Menschheit, welche ich soeben andeutete, sind es übrigens nicht allein, welche aus staatsökonomischen Gesichtspunkten die Rückkehr zu besseren Sitten in der Menschenzüchtung verlangen, denn eine großartige chronische Unterwühlung der natürlichen Zuchtwahl des Menschen liegt tief in allerlei gesellschaftlichen Alltagszuständen begründet und sie und ihre Folgen entziehen sich unserer Beobachtung mehr als die Folgen der Mißgriffe der Pfcrdezüchtnng. J(Schluß folgt.) Aeber Nrnmer-Ägmirieu. Die in früheren Nummern der„Neuen Welt", besonders in Nr. 22, enthaltenen Artikel über Zimmeraquarium und dieserhalb an die Redaktion gerichtete Zuschriften beweisen, daß viele Leser dieser Zeilen an dieser naturwissenschaftlichen Spielerei ein nicht geringes Interesse nehmen. Gestatten Sie deshalb auch einem alten Praktikus auf diesem Gebiete, theils einiges in früheren Artikeln Uebersehene nachzuholen, theils seine eigenen Erfahrungen darüber zu veröffentlichen. Die äußere Form und die innere Einrichtung des Aquariums, wie sie der Verfasser des Artikels in Nr. 22 beschreibt, mag un- angetastet bleiben, denn sie ist nicht unzweckmäßig. Viel wichtiger aber und nicht genügend berücksichtigt ist die Bevölkerung des Aquariums und die Pflege seiner Bewohner. Wir müssen, ivcnn wir einem Thiere seine Freiheit rauben und es in der Gefangen- schaft gesund erhalten wollen, vor allen Dingen ihm solche Ver- hältnisie bereiten, welche mit den Eigcnthümlichkeiten seines freien Wohnortes möglichst übereinstimmen. Daß dies der Mensch bei seines Gleichen nicht einmal thut und tausende seiner Genossen in Elend und Roth verkümmern oder in Zuchthäusern halb ver- hungern läßt, ist bekannt. Dies darf uns aber, die wir, unbeirrt durch die Träger jenes Ausbeutungssystems, eine Besserung der- artiger Zustände herbeizuführen suchen, nicht verleiten, blos gegen Menschen menschlich und gegen Thiere grausam zu sein. Säuge- thiere und Vögel sind leichter gefangen zu erhalten, als Wasser- thiere, sie gewöhnen sich leichter an gewisse Mißhandlungen in Bezug auf Wohnung und Nahrung, Licht und Luft, an dieselben Mißhandlungen, die sich auch der Mensch nnbeivnßt gegen sich, bewußt gegen seines Gleichen erlaubt, denn ihre Lebensgewohn- heiten ähneln den unseren. Anders ist es bei den Wasserthieren, denen manche Aquarien- besitzer mehr zumuthen, als die Natur ihnen bietet. Denn zwei der wichtigsten thierischcn Thätigkeiten, das Athmen und die Bc- wegung, sind bei den Fischen ganz andere als bei uns. Ebenso sind bei den Wasserthieren die Temperaturempfindungen andere, als bei den Luftthieren, denn das Wasser hat andere Temperatur- kigenschasten als die Luft und ist namentlich niemals einem so grellen Temperatnrivechscl unterworfen als diese. Können wir nun verlangen, daß ein in einem Teiche, Tümpel, Bache oder Flusse gefangener Fisch ohne weiteres gedeihe, wenn wir ihn in einen engen Raum sperren mit Wasser, welches wir einem kühlen Brunncn oder der Wasserleitung entnehmen? Gewiß nicht. Die ein? Fischgattung wühlt gern im Schlamni, die andere, wie die Forelle, hält sich gern in klarem Wasser mit kiesigem oder steinigem Grunde auf u. s. w. Es gibt zwar einige Wasserthiere, die eine so geschmeidige Natur haben, daß sie sich allen Bodenarten an- passen; aber man wird gut thnn, bei Anlage eines Aquariums dafür zu sorgen, daß es, wenigstens� in einem Theile, einen moorigen Untergrund hat und über diesem erst eine dünne Kies- und Sandschicht trägt, schon deshalb, weil die unbedingt hinein- zusetzenden Wasserpflanzen, ohne deren Anwesenheit die meisten Fische nicht gedeihen, in demselben wurzeln. Man siebt zu diesem Zwecke Torf aus oder entnimmt den Schlamin einem Teiche, trocknet ihn und bedeckt damit den Boden des Aquariums zwei Centimeter hoch. � Zweckmäßig ist das Aufschütten dieses Moor- grundes im Hintergrunde, sodaß vorne nur Kies und nach hinten die mit Kies bedeckte Moorschicht liegt. Zwar ist das später auf- gegossene Wasser einige Tage lang undurchsichtig, aber später wird es rein und klar. Die Muscheln, mit denen man über der Kiesschicht den Grund dckorirt, müssen stets sorgfältig ausgekocht werden, denn häufig enthalten sie noch Reste des Thieres, welches sie bewohnte, die im Aquarium in Fäulniß übergehen und einen ekelhaften Geruch verbreiten. Von Wasserpflanzen, die man in den Grund einpflanzt, mache ich namentlich aus Ranunculus uquaticus, mit seinen schönen weißen Blüthen, auf Froschlöffel und Pfeilkraut aufmerksani. Auch die schöne Nymphaea alba(weiße Teichrose) gedeiht in größeren Aquarien recht gut und erlangt merkwürdigerweise nie die Größe wie im Freien, sondern bleibt eine Miniatnr-Nymphäe. Das Aquarium muß bis zu Zweidrittcl seiner Höhe gefüllt sein, wenn man es haben kann mit Wasser aus einem klaren Bache, andernfalls mit klarem Brunnenwaffer. Ist man dasselbe aus einer Wasserleitung zu nehmen genöthigt, wo es häufig durch Eisenoxyd und dergleichen getrübt ist, so siltrire man es, denn das Eisenoxyd lagert sich in Form eines röthlichen Standes nach einigen Tagen ans dem Grunde ab. Wir gelangen nun zu der wichtigen Frage der Bevölkerung des Gefängnisses. Der Goldfisch gedeiht von allen Bewohnern am besten und ist auch der widerstandsfähigste, am wenigsten unter Mißhandlungen leidende. Denn er geht in der Regel nicht zu Gründe, wenn man ihn aus 10 Grad R. warmem Wasser in 15 Grad warmes oder umgekehrt versetzt; auch kann man ihn tage-, ja wochenlang in einem mäßig großen Wasserbehälter ans- bewahren, wenn derselbe nicht direkt den Sonnenstrahlen aus- gesetzt ist, ohne ihin frisches Wasser zu geben. Anders ist es bei anderen inländischen Wasserthieren. Sie erfordern die aufmerk- samste Pflege, resp. bei ihrer Versetzung aus der Freiheit in die Gefangenschaft die nöthigen Vorsichtsmaßregeln, zunächst aber die Gewöhnung an das Wasser, in dem sie künftig leben sollen, wenn man dasselbe nicht aus demselben Teiche oder Bache, aus dem sie stammen, entnehmen kann. Voraus sei bemerkt, daß größere Raubfische im allgemeinen für das Aquarium nicht taugen, denn Barsche, �Hechte u. s. w. stehen sehr bald darin ab, sie fressen die andern Fische an ic. Dasselbe ist mit dem Tauchkäfer(Dytiscuo sulcatus) und dem Drehkäfer(Gyrinus natator) der Fall, welche kleineren Fischen die Augen ausnagen. Lebensfähig erweist sich gewöhnlich die scheue und prächtige Rothfeder(Cyprinus rutilus), die Schleie(C. tinca), der prächtige Schlammpeitzger(Goditis kossilig), das Rothauge(Cyprinus erytrophthalmus), der Döbel (C. dobula), der Weißfisch(C. leuriscus), der Bitterling(C. amarus), der Orfe(C. orfus), der Schmerl(Cobitis basbatula) u. a. m., vor allem aber der reizende Stichling(Gasterostens pungitius), jenes 3— ä�Centimeter lange Fischchen mit seitlichen Schildern und neun Stacheln auf dem Rücken. Das Männchen ist oliven- oder spangrün, am Bauch silbern, an den Seiten herauf gold- glänzend, in das Olivengrün übergehend: das Weibchen am Rücken mehr grauschwarz. Dieser kleine Stichling baut, im April iich größerer Menge eingefangeu, sich im Aquarium aus Pflanzen- resten ein förmliches Rest am Boden, von Hühnereiergröße, mit tiefer Höhlung und engem Schlupfloch, welches letztere, während das Weibchen darin laicht, eifersüchtig von dem Männchen bewacht und mit wahrer Wnth gegen jedes sich nahende Lebewesen verthcidigt wird. Doch zieht man selten die junge Brut auf, sondern hat nur mitunter Gelegenheit, diese kleine Ehestands- komödie im Aquarium zu beobachten. Von anderen Aquarien- bcwohncrn, welche nicht, wie der Laubfrosch, häufig desertiren und verstaubt und zur Mumie vertrocknet nach Jahresfrist in irgend einem Winket des Zimmers aufgefunden werden, seien endlich noch genannt: die zu den Salamanderarten gehörigen Tritonen(Lacerta palustris), welche im Frühling massenhaft in Teichen vorkommen, vier Schwimmfüße, einen Fischschwanz und einen stark gezähnten Kamm haben und das wunderbarste Farben- spiel zeigen. Der Bauch ist gelb, der Rücken schwarz getüpfelt, dazwischen aber strahlen sie in allen Farben, blau, grün, röth- lich u. s. w. Ferner junge Exemplare der europäischen Schildkröte(Emys europaea),[die der Verfasser des Artikels in Nr. 22„ amerikanische" nannte]. Dieselben dürfen nicht größer als ein Mark- stück, höchstens wie ein Zweimarkstück sein, denn größere Exem- plare belästigen die übrigen Aquarienbewohner. Sie werden ganz gut überwintert, wenn man sie etwa Ende August, wo sie aus Italien herüberkommen, iw's Aquarium setzt und eine breitere Muschel so an dem Tropfstcinfclsen befestigt, daß die Thierchen auf derselben ausruhen und leicht in's Wasser steigen können, und wenn man ihnen täglich einige male einige in Wasser ge- quellte Ameiseneier anbietet. Die meinigen wurden in der Regel so zahm, daß sie dieselben von der Spitze eines Federhalters an- nahmen. Kann man sie nicht dazu bringen, daß sie fressen, so krepircn sie im Herbst. Außerdem muß man sie bis zum Eintritt des Frostes wöchentlich einmal in lauwarmem Wasser baden; von da ab rühre man sie etwa zwei Monate lang, wo sie ihrem Winter- schlafe' verfallen und nur mitunter den Platz wechseln, nicht an. Bekommt man die obengenannten Flußfische, so setze man sie nicht ohne weiteres in's Aquarium, sondern in ein anderes, zu diesem Zwecke vorhandenes Glas mit frischem Wasser, welches nicht wärmer als 12 Grad R. sein darf. Dieses Wasser muß täglich zweimal zur Hälfte mit einem als Heber benutzten Gummi- schlauch abgezogen und durch Zugießen frischen Wassers erneuert werden. Das Herausnehmen der Fische mit einem Netze bekomwt denselben in der Regel nicht, und namentlich stehen die kleineren Fische, wie die Stichlinge, in den ersten Tagen oft massenhaft ab. i Krepirte Tbiere entfernt man sofort. Ebenso ist es zweckniäßig, i diesem Wasser pro Liter etwa soviel wie eine Kaffeebohne Kochsalz zusetzen. Erst nach 5 bis 6 Tagen bringt mau die gesund ge-| bliebenen in das Aquarium. Ich kann diese Vorsichtsmaßregel nicht dringend genug—> I auch bei Goldfischen— anrathen, denn mit der sprüchwörtlichen Gesundheit der Fische ist es oft schlecht bestellt. Mehrere, einem Teiche entnommene Fische, die ich sofort hineinthat, haben mir einmal mein ganzes Aquarium verpestet. Dasselbe starb inner- halb 3 Tagen vollständig aus, und zwar durch den Schimmelpilz Saproleguia monoica, der die Schuppen:c. an allen Fischen durchwucherte. Die zweite wichtige Frage ist die Nahrung. Da die oben- genannten Fische nicht zu den Raubfischen gehören, so kommt man in der Regel mit Ameiseneiern aus. Je frischer dieselben sind, desto besser. Man füttere aber nicht öfter als täglich ein- mal und rechne auf jeden Aquarienbewohner durchschnittlich fünf Stück. Das Mehr bleibt meist unberührt, finkt zu Boden und verfault dort. In? Winter füttere man nur einen Tag uui den anderen. Jedes andere Futter, kleine Regcnwürmer oder Mehl- Würmer ausgenommen, ist von Nachtheil. Die Schildkrötchen fressen auch ein kleines Stück geschabtes rohes Rindfleisch. Die letzte und wichtigste Frage endlich ist die Versorgung des Aquariums mit Wasser und Luft und die Erhaltung des Wassers in der geniigenden Temperatur. Der Mensch athmet die aus 79,150 Theilen Stickstoff, 20,810 Theilen Sauerstoff und 0,040 Theil Kohlensäure bestehende atmosphärische Lust ein, während die von ihm ausgeathmete Luft aus 79— 80 Theilen Stickstoff, 15 Theilen Sauerstoff und 4,25—6 Theilen Kohlensäure besteht: Der physiologische Vorgang des Athmens besteht also in der Aufnahme von Sauerstoff und in der Abgabe von Kohlensäure durch die Lungen. Die Fische aber haben keine Lungen, sondern Kiemen, welche bei den meisten Familien derselben nahe am Kopf an knöchernen Bögen befestigt sind und erst nach Wegnahme des Kicinendeckels sichtbar werden. Die Kiemen selbst sind kämm- oder büschelartig nebeneinandcrliegende Blättchen und Fasern, mittels deren aus dem Wasser, welches der Fisch verschluckt, ge- ringe Quantitäten Sauerstoff abgeschieden und ausgenommen werden. Nach Beendigung dieses Vorganges, der beim Fisch sehr schnell erfolgt, wird das kohlensäurereich gewordene Wasser nach hinten durch die Kiemenöffnung ausgestoßen. In den Kiemen vcrtheilen sich, ebenso wie in den Lungen der Säugethiere, die Blutgefäße bis in die feinsten Aeste und aus ihnen wird das sauerstoffreich gewordene Blut wieder in den Körper des Fisches vertheilt. Was dem Menschen also die Luft, daseist dem Fische das Wasser; dasselbe muß eine genügende Menge Sauerstoff ent- halten. Im Fluß und Bach ist' das Wasser in steter Bewegung. und es nimmt daher atmosphärische Luft und mit ihr über- schüssige Mengen von Sauerstoff auf; auch ist der Fischreichthum der Flüsse kein so großer, daß übermäßige Mengen von Sauer- stoff von deren Bewohnern absorbirt werden könnten. Anders ist es in Tümpeln, Teichen und stehenden Wässern. Die Ober- f fläche derselben ist zwar in steter Berührung mit atmosphärischer Lust und wird vom Winde bewegt. Das würde aber nicht allein genügen, wenn Mutter Natur nicht noch einen weiteren Ausgleich schaffte dadurch, daß sie in stehenden Gewässern massenhaft Pflanzen gedeihen ließe. Die Ernährung der Pflanzen ist be- kanntlich eine andere als die der Thierc; sie nehmen am Tage Kohlensäure auf und geben Sauerstoff ab und erhalten auf diese Weise das Wasser sauerstoffrcich und frisch, ganz abgesehen davon, daß sie nicht geringe Mengen von gewissen im Schlamme befind- lichen organischen und anorganischen Theilen zu ihrem Aufbau und Wachsthum brauchen. Dem Leser wird es nun gewiß mit einem male klar, warum in einem Aquarium, welches im Zimmer steht und nicht mit der frischen atmosphärischeu Luft in Berührung kommt, die Fische besser gedeihen, wenn auf seinem Grunde Pflanzen wuchern. Das Bepflanzen des Felsens, das Hineinhängen von Topfpflanzen an Drähten ist zwar eine das Auge des Menschen erfreuende, an- genehme Zugabe, aber unsere Wassergefangenen haben nichts davon. Wir müssen aber noch mehr thun, denn das Wasser in einem Aquarium, welches vielleicht 30 Liter faßt und 20 Fische beherbergt, wird nach 8 Tagen nicht mehr so athmungsfähig sein, wie zu Anfang, selbst wenn die Manzen die von den Fischen abgegebene Kohlensäure zum größten Theil für sich verbrauchen. Eine Besserung dieser Verhältnisse läßt sich auf zwei Wegen erreichen: durch Zuführung entweder von frischem Wasser oder von atmosphärischer Luft. Der erstere Weg ist wohl der ge- bräuchlichere, namentlich bei den Besitzern von kleineren Aquarien; er ist aber leider auch derjenige, wo am meisten gesündigt wird. Da werden die Fische herausgefischt und in ein anderes Gefäß gebracht, das Aquarium wird gereinigt und mit frischem Wasser versehen, und wenn es dann recht rein und blank ist, so glaubt man, daß auch der Fisch sich ebenso wohl darin fühlen müsse, wie ein Mensch, der sich Sonntags von Kopf bis zu Fuß ge- waschen und ein reines Hemd angezogen hat. Letzteres ist jedoch leider nur bei den Goldfischen der Fall, die sich eben vieles ge- fallen lassen; unsere einheimischen Fische gehen bei dieser Miß- behandlung zu Grunde. Am meisten leiden sie, neben unbeab- sichtigten Verletzungen beim Herausfischen, durch die schnelle Versetzung in Wasser von anderen Temperaturgraden. Das Zimmeraquarium hat eine mittlere Temperatur von 10—13 Grad R. im Sommer; seine Abkühlung erfolgt über Nacht ebenso all- mählich, wie am Tage die Temperaturerhöhung. Bringt man den Fisch nun in 4—5 Grad kälteres Wasser, so muß er sich noth- wendigerwcise unbehaglich fühlen, und das an die mittlere Zimmer- temperatur gewöhnte Thier steht sehr leicht ab. Man muß also die Fische nur in frisches Wasser bringen, welches niindestens einen halben Tag in der Stube gestanden hat. Garnicht anwendbar ist diese Manipulation auf große Aquarien mit Schlammgrund und bewachsenen Boden. Hier ziehe man entweder— im Winter jeden 3. Tag, im Sommer täglich— den dritten Theil des Wassers mit einem als Heber verwandten Gummischlauch ab und Einem schlummernden Kinde. Im Schlummer ruhst du, holdes, süßes Kind, Unschuldig Lächeln spielt um deine Engelszüge, Dir wob ein Traumgott leise wohl und lind Ein duftig' Feeenbild um deine Wiege. Du holdes Wesen! Deine reine Stirn Noch trübt' sie nicht die Welt mit ihren bittren Schmerzen, Noch nicht— doch abgeschnellt vielleicht schon schwirr'n Die Pfeile, die gesandt nach deinem Herzen! Des heitern Traumes schillernd' Zauberband Hält noch die unschuldvolle Seele dir gefangen, Noch streifte nicht des Schicksals rauhe Hand Den Blüthenhauch von deinen Wangen! Wär' ich ein Gott, hätt' ich dazu die Macht— Bewahren wollt' ich dich allzeit und sorglich hüten, Nicht straucheln solltest du, ich hielte Wacht, Umsäumte dir den Pfad mit Rosenblüthen! Ich schützte dich mit meinem starken Arm— Der Sonne Gluth wehrt' ich in heißer Mittagsschwüle, Den zarten Leib ich deckte dir ihn warm Wohl vor des Abends frostig rauher Kühle! Von deinem Haupte sollte wahrlich nicht Ein einzig Härlein je zur Erde niederfallen, Nicht eins von allen, die so voll und dicht Blondlockig, fluthend dein Gesicht umwallen! Ein eitler Wunsch!— Dein Schicksal kann ich nicht Am Firmanent dort lesen in dem Heer der Sterne, Ob düster dein Geschick, ob hell, ob licht— Das birgt der Zukunft Schoß in grauer Ferne. Moritz»ioscnstcin. Weltausstellungsbriefc. I. Paris Anfang April 1878. Die vielbesprochene große Weltausstellung(expositiou uuiversoUe) wird am 1. Mai dieses Jahres auf dem Marsseld in Paris eröffnet werden. Als zuerst im Jahre I87(! die Idee dieses Unternehmens auftauchle, gab es eine Menge Menschen, selbst in Fraickreich, welche dieselbe als eine unpraktische und unzeitgemäße zu bekämpfen suchten. Selbst in maßgebende» pariser Kreisen war eine lebhaste Opposition rege, aber zwei Motive waren es, ein patriotisches und ein politisches, welche alsobald Anklang und Beifall im Volke, vornehmlich auch in der republikanischen sogenannten liberalen Presse, fanden. Nirgendwo wird dem falschen Patriotismus, d. h. demjenigen, dessen Bestandtheile wcjent lich Eitelkeit und blinder Chauvinismus sind, mehr gehuldigt als im Schöße der Bourgeoisie. ES ist deshalb leicht erklärlich, daß der Wunsch, fülle vorsichtig das gleiche Quantum frischen Wassers auf, wobei man sorgfältig vermeiden muß den Grund aufzurühren; oder man muß Luft imprägniren. Die Anlage eines Apparates für letztgenannten Zweck ist wenig kostspielig— 15—20 Mark, und werde ich gelegentlich eine Zeichnung von einem solchen bringen. Hat man einen solchen Apparat, so braucht man das Wasser im Aquarium selbst gar- nicht zu erneuern, vorausgesetzt, daß dieses nicht einmal einer gründlichen Reinigung unterzogen werden muß; aber auch die Reinigung läßt sich mit einer an einem Stiele befesfigten kleinen Bürste an den inneren Flächen des Glasbehälters vornehmen, ohne das Wasser zu entfernen. Es erübrigt nun noch, einige Worte über den Ort des Fisch- behälters zu sagen. Viele stellen denselben an's Fenster, direkt in die Sonne. Obgleich dies im Winter den meisten Fischen nicht unangenehm ist, so kann man doch im Sommer'mal eines schönen Tages das Unglück haben, daß die gesammten Bewohner des Aquariums infolge übermäßiger Erwärmung des Wassers ab- sterben. Im Freien wird nur die Oberfläche des Wassers von den Sonnenstralflen getroffen, der Grund bleibt meist kühl und ihn suchen die Fische an warmen Tagen auf. Dies können sie in deni auch seitlich dem Sonnenlichte ausgesetzten Aquarium nicht, und man muß daher einestheils verhindern, daß das Aquarium übermäßig erwärmt wird— über 16 Grad können schon nachtheilig wirken—, anderntheils aber durch Hineinsetzen einiger Stücke Schiefertafel den Fischen ein schattiges Plätzchen schaffen. Dr. G. P. allen Völkern zu beweisen, Frankreich weit entfernt, durch die Nieder- lagen 1870—71 gedemüthigt zu sein, vielmehr marschire es noch immer an der Spitze der Industrie-, Kunst- und Handelsvölker, bei den Fran- zosen mehr und mehr heimisch wurde. Und kann dieser Beweis nicht am schlagendsten und schnellsten durch eine grandiose Ausstellung, durch eine aus engen Raum zusammengedrängte kolossale Concurrenz aus allen Gebieten geboten werden? So denken die liberalen Franzosen; es lohnt sich auf diese Anschauung weiter unten zurückzukommen und zu untersuchen, ob sie eine gerechtfertigte ist. Eng verbunden mit dem patriotischen Motiv ist das politische; es gipfelt in dem noch beizubringenden Beweis, daß nicht Könige und Kaiser allein ihre Völker reich machen, sondern daß auch ein durch die republikanische Staatsform scheinbar sich selbst regierendes Volk reich, ja noch reicher sein kann als ein durch Despotismus niedergehaltenes. Die Ausstellung soll die beste Propaganda für die Republik sein. Jeder wirklich Gebildete, der wahrhaft, nicht nur scheinbar liberal gesonnen ist, wird gewiß mit mir in der Ansicht übereinstimmen, daß wohl kaum eine Weltausstellung dazu nöthig sei, um die segensreichen Folgen einer freieren republikanischen Staatsverfassung gegenüber der Despotie in Helles Licht zu setzen. Die Sache versteht sich eigentlich von selbst nach den vielen politischen und sozialen Erfahrungen, die das Volk gerade hier in Frankreich gemacht hat. In hohem Grade auf- fällig wird es aber jedem, der außerhalb dieses Landes lebt, erscheinen, daß bei einem Volke, welches sich mit Vorliebe eine„politische" Nation nennt, der politische Sinn sich in so kindlich naiver und längst an- tiquirter Weise ausspricht. RepublikanismuS und Despotie bilden schon seit Beginn dieses Jahrhunderts nicht mehr jene krassen Gegensätze, welche uns der Schullehrer in der Geschichtsstunde z. B. bei der Dar- stellung der römischen Geschichte auseinanderzusetzen Pflegte. Man thäte Napoleon III. unrecht, wenn man ihn einen Despoten oder Tyrannen a la Nero nennen wollte, er sowohl wie selbst sein siegreicher Onkel mußten der Aufklärung, der Bildung, dem politischen Sinn des Mittelstandes weitgehende Concessionen, die hier nicht weiter zu erörtern sind,»lachen und mit dem Liberalismus in gewisser Weise pactiren, uni überhaupt den Thron behaupten zu können. Ebenso sehr wie sich der Despotismus dem Liberalismus, der jetzt in Frankreich das Banner der Republik hochhält, genähert, so ist auch der letztere in der Einrich- tung seiner Regierungsmaschine dem monarchischen Muster ziemlich treu geblieben. Alle Welt könnte, die Leser dieser Blätter werden es wissen, daß auch in der Republik Despotie und Tyrannei giftig und voll aufblühen können. Statt des Einen mit seinen Günstlingen und Maitreffen herrschen Einige, deren Anzahl im Vergleich mit der Menge des Volkes eine verschwindend kleine ist. Der Name„Republik" wird in unserm Jahrhundert geradezu mißbraucht, um den Bourgeois ein bequemes Nüttel in die Hand zu geben, sich„liberal" nennen zu können. Seit den Tagen des blauen Schreckens im Jahre des Unheils 1871, als die Republikaner die Communarden hinineuchelten, werden selbst dem gutmüthigsten Menschenfreunde die Augen aufgegangen sein bezüg- lich des Liberalismus im republikanischen Frankreich. Das„politische" Motiv zur Weltausstellung erscheint demnach als eine Fansaronade. Soviel ich mich hier auch in. den Kreisen der„Ge- bildeten" umgehört, so fleißig ich auch in Broschüren, Erlassen, Zei tungeu lc. geblättert habe, nirgendwo habe ich bemerkt, daß die „Liberalen" irgendwie die soziale Frage mit der Weltausstellung in Berührung gebracht haben. Es ist als ob die Arbeiter, welche alles das, was später auf dein Marsfelde bewundert werden wird, verfertigen, in ihren politisch-sozialen Forderungen ignorirt würden. UeberaU spricht man nur von dem Glanz, der Arbeit, der Kunstfertigkeit, dem Unternehmungsgeist derjenigen, die mit großem Kapital ausgerüstet erstaunliche Dinge leisten werden. So scheint es fast, als ob die Welt- ausstellung, vornehmlich für die Franzosen, nur den Beleg liesern soll, wie kolossal die Macht der Kapitalisten in der Republik ist und wie sie dieselbe verwenden, um den letzten Schweißtropfen der Arbeiter zu ihren Gunsten auszupressen,— wenigstens soweit die Industrie in Betracht kommt. Aus dem Gesagten erhellt, daß es sich bei dieser Ausstellaug nicht darum handeln kann, Lorbeeren für ein„freies Volk" zu sammeln; das Volk ist in Frankreich ebensowenig frei wie einst unter Napoleon III., damals und jetzt herrscht und knechtet„König Mammon". Kommen wir jetzt noch einmal auf das Eingangs erwähnte„patrio- tische" Motiv zurück, loelches in allen liberalen Kreisen und Zeitungen mit Begeisterung beschwatzt wird. Also Frankreich will der Welt zeigen, daß die kolossale Zerrüttung der sozialen Verhältnisse, welche die Invasion der Deutschen und der Communardenaufstand zeitweise her- vorgerufen, vollständig gehoben sei, daß fünf Milliarden Francs spur- los im Haushaltungsschatze verschwinden können, ohne dadurch Volk und Land ärmer zu machen, daß endlich die alte bewährte soziale Ordnung(wie sie auch schon unter Napoleon existirte) wiederum fester als je zusammengefügt sei und Früchte ernte, die au Macht, Solidität und Eleganz alles bis dahin Dagewesene übertreffen. Angenommen, daß dieser Beweis wirklich geliefert wird, so lohnt es sich wohl der Untersuchung, welch' große und eigenthümliche An- strengungen in Frankreich innerhalb der letzten sieben Jahre gemacht worden sind, um jenes glänzeuoe und überraschende Resultat während der pariser Weltausstellung zu erzielen. Nicht iilit Unrecht steht Frankreich in dem Ruf, ein großes und reiches Land zu sein, es ist aber ein allgemein verbreiteter Jrrthum im Auslande, daß die Wohlhabenheit ziemlich gleichmäßig vertheilt sei. Im allgemeinen kann mau getrost behaupten, daß die Unterschiede und Gegensätze zwischen Reich und Arm weit größer und krasser sind als in Deutschland. Adel und der bürgerliche Mittelstand sind reicher als in Deutschland, deshalb finden Industrie- und Luxusproducte hier größeren Absatz, dazu kommen in Paris, sozusagen dem Centralmarkte Frankreichs, die Fremden, ivelche aus aller Herren Länder herbeigereist, ihre goldgefüllte Börsen auflhun, um zu unverhältnißmätzig theurem Preise die Erzeugnisse der pariser Kunstindustrie zu kaufen. Das Geld fließt meist in die Kassen der Großindustriellen. Die kleineren Handwerker, die Arbeiter, die Männer der Intelligenz, welche den Plan des Ganzen entworfen, also z. B. Ingenieure, die Meister in den Fabriken, die Organisatoren rc. partizipiren an dem Gewinn nur mit verschwindend kleinen Prozenten, wenigstens hier in Paris, in Lyon, Marseille, Bordeaux und andern größern Städten. Die großen Ver- dienste sind hier vielleicht mehr noch als in Deutschland in den Händen einiger Großkapitalisten, die natürlich mit Muße und Behaglichkeit das „schöne pariser Leben" genießen können. Sie, in Gemeinschaft mit unzähligen reichen Ausländern, die hier ihr Geld durchbringen, sind es, welche Paris in den Ruf der Schwelgerei, der Ueppigkeit und des unermeßlichen Reichthums gebracht haben. Was den sranzösischen, speziell pariser Mittelstand betrefft, so ist er wohl wohlhabender als der deutsche im allgemeinen, aller das hat nicht darin seinen Griind, wie man häufig meint, daß hier das Geld auf der Straße liegt, sou- dern in der rastlosen Energie und Nüchternheit, in dem ascetischen Jndifferentisulus des Franzosen gegen die kleinen Freuden und Bequem- lichkeiten des Lebens, denen sich der weniger sparsame, lebensfrohere Deutsche williger wld häufiger hingiebt. Der sranzösijche Bourgeois spart im Großen und im Kleinen soviel er kann, und nur dadurch ist es ihm möglich ein kleines, vielleicht geerbtes oder sonst ihm zugäng- liches Kapital soweit zu vergrößern, daß er das letzte Sechstel seines Lebens von seinen Renten billig und schlicht leben kann. Sein Streben ist von jeher Geld, Geld und wieder Geld gewesen und so sehr berechtigt dieses Streben sein mag in andern Fällen, bei dem in der Wolle gc- färbten pariser Geschäftsmann und zukünftigen Rentier artet dies Streben in Habsucht aus, die jedes Interesse für große soziale Fragen, solange sie ihm nicht Hoffnung geben, seine persönlichen Verhältnisse durch prak- tische Discutirung derselben zu verbessern, ausschließen. So haben wir gesehen, daß bis jetzt das Ende einer jeglichen Revolution, bei welcher sich der Bürgerstand wohl oder übel, dem Drange der untern Hände nachgebend, betheiligen mußte, seinen Ausgangspunkt in der Wieder- Herstellung der hergebrachten Geld- und Älasscuwirthschast fand. Das lebhafte Naturell der Franzosen veranlaßt sie in den Zeiten despotischen Druckes sich Hoffnungen auf beffern Erwerb zu machen, welche, wenn nicht sogleich erfüllt, alsbald den lockenden Vorspiegelungen zum Opfer fallen, mit denen die adlichen und geldaristokratischen Vertreter des Volkes nicht zu sparen Pflegen. Den pariser Bourgeois uud dessen provinzielle Vertreter kann man mehr noch als den Deutschen, der einen Rest von Scham zu besitzen pflegt, einen rücksichtslosen, allen höheren Gesellschafts- ideen abgeneigten Egoisten nennen. Nun denke man sich das Laos derjenigen, die ohne Besitzthum uud nur mit mühsam erworbenen, oft sehr bedeutenden Kenntnissen und Fertigkeiten ausgerüstet sind, in dieser Gesellschaft von rücksichtslosen Geldaristokraten und Bourgeois! Ach das Bild, welches sich uns dar- stellt ist ein schaudererregendes, doppelt deshalb, weil die Gegensätze nach jeder Richtung hin so außerordentlich grelle sind. Sprechen wir von Paris, weil Paris Frankreich ist. Wenn>vir den günstigsten statistischen Resultaten Glauben schenken toolleu, so arbeiten immer noch SOO/o Besitzlose für 20% Besitzende und zwar ohne Aussicht aus endgültigen Erwerb, ohne Hoffnung aus eine Versorgung im Alter, da Honorar und Lohnsätze so uiedrig sind. daß von Sparen gar keine Rede sein kann, dagegen die lebenslängliche Entsagung jeglicher Behaglichkeit und oft nothwendiger Lebensbedürs nisse geboten ist. Aus der einen Seite Geld und Arbeit, aber mit der Hoffnung aus persönlichen Erwerb, auf der andern Seite Armuth und stete Arbeit für andere. Kopf- und Handarbeiter, sie haben beide das- selbe Loos. Und nun die moralischen Gegensätze. Nur mit mein paar Worten will ich sie erwähnen, uin nicht von dem eigentlichen Thema der Welt ausstellung abzuschweifen. Den Besitzenden steht hier jeder Luxus zur Versügung, obgleich er theurer als in Deutschland ist und vielleicht ebendeshalb, weil die Anhäufung des Kapitals bei einzelnen hier auch größer ist; die Besitzlosen sind nicht einmal in der Lage des Armen, von dem die Bibel erzählt, daß er die Brosamen vom Tische des Reichen esse. Diese„Brosamen" werden von dem Mittelstande zusammen gescharrt, um sparsam zu leben, die Besitzlosen produziren die Gegen stände des Luxus und des menschenwürdigen behaglichen Lebens und der Rest heißt— anstaunen und anstarren, wie herrlich der Mensch auf dieser schönen Welt leben kann, wenn er auch nur sür's ganze Leben eine einzige Tageseinnahme des Barons von Rothschild hätte! Wahrlich, wie grenzenlos hoch inuß man die sittliche Kraft derjenigen Menschen schätzen und bewundern, die solchen Gegensätzen gegenüber nicht zu Dieben, Räubern, Verbrechern werden, die im Gegentheilc in der Nächstenliebe soweit gehen, daß sie mit unendlicher Geduld an eine Kraft des Guten und Edlen glauben, sich in der Disziplin der Menschheit tagtäglich üben, um dermaleinst würdige Bürger eines wahrhaft freien Volksstaates zu sein. In Elend und Sorgen kaum denkbarer Art lebt hier das Proletariat, nirgendwo, selbst nicht in London und Berlin, findet man Garküchen und Nachtlogis so primitiver, so verabjcheuungswerther Natur, wie hier. Und doch übernachten und speisen in diesen Eloaken, die schlimmer sind als unsere deutschen Bettler Herbergen und Arbeitshäuser, tausende und abertausende tagtäglich, die Tagsüber mit Kops und Hand von früh bis spät arbeiten. Gebildete und Ungebildete und leider auch moralisch Jntacte und Verbrecher und Dirnen der gemeinsten Art. Ich will nicht weiter ausmalen, wie verheerend die Epidemie der moralischen Vergislung, meist hervorgerufen durch die Luxussucht und sinnliche Wollust der Wohlhabenden und Reichen, im hiesigen Proletariat wüthet und wie großartig die mora lische Widerstandskraft jener wenigen ist, auf welchen die Hoffnung eines menschenwürdigeren Zukunstsstaates beruht. Diesen letzteren, die in jeder sozialistischen Bewegung den Kern bilden, unsere größte Hoch achtung! Wie kläglich und heuchlerisch nimnit sich nun angesichts dieser Ver' Hältnisse das„patriotische" Motiv zur Weltausstellung aus! Die süns Milliarden, welche die Deutschen hinweggenommen, der Kriegsschaden, sind im Verhältniß zu dem Reichlhum der wohlhabenden Klaffen nur unbedeutende Summen und ivenn ein jeder der Besitzenden ein Viertel jähr seine gewohnten Ausgaben um eine Kleinigkeit, deren Ausfall er kaum fühlen würde, zu Gunsten des Staates eingeschränkt hätte, wäre das reiche Frankreich schon nach einem Jahre in der Lage gewesen, sage» und zeigen zu können, daß sein Reichthum unerschöpflich ist. Statt dessen zahlreiche indirekte Steuern auf unumgängliche Bedürs nisse des Volkes, statt dessen Preissteigerung der Fabrikate und Still stand in der Lohnerhöhung! Dulden uud Sorgen des Proletariats aus der einen Seite, auf der andern Seite die sich stets gleichbleibende, vielleicht immer rasfinirter werdende Habsucht der Bourgeois und das wollüstige Genußleben der Reichen. Die Besitzlosen fast ohne Für sprecher in der öffentlichen Meinung, die Besitzenden gehätschelt und belobhudelt von der conservativen, monarchischen und liberal- republikani scheu Presse, die sich in langathmigen Tiraden ergehet über die Energie, Opfersreudigkeit und den Unternehmungsgeist der Kapitalisten, die es in sieben Jahren so herrlich weit gebracht haben! Und das Volk muß schweigen, hungern, dulden, sich Physisch und moralisch prostituiren lassen und— arbeiten,„travailier pour le rui de Prasse" wie das sranzösische Sprüchwort sagt! Im nächsten Briese werde ich daraus zurückkommen, welch' hohe Bedeutung trotz des Gejagten die Weltausstellung für das arbeitende Volk hat. Kade. Ikon possamus. Geheimnißvoll und langgesponnen sind die Fäden des ausgleichenden Geschickes. Die Menschenschicksale begegnen sich in dem gemeinsainen Grabe gleicher Demüthigung. Das Plus und Minus der italienischen Einheit stürzte der Sensen- mann säst zu gleicher Zeit ins dunkle Nichts; den König„Ehrenmann" von dem Schild, auf welchen ihn die Wellgeschichte gehoben und den „Unfehlbaren" von der transcendentalen Höhe der Unangreisbarkeit, zu welcher ihn die vertrauensselige Dummheit ex cathedra unseres „ausgeklärten" Jahrhunderts emporgeschraubt. Beiden Gewaltigen mußte man Quecksilber in die Halsadern spritzen, um ihre verblichene Hülle vor Wurmftaß zu wahren. Ihr wahnbethörten Eintagsfliegen! Hat sich eure Thatenspur nicht in des Volkes Herz gesenkt, so seid ihr morgen vergessen und wenn sich Pyramiden über eurer Asche thürmten. Glaubt ihr, daß das Häuflein Erde im Pantheon, welches einst Raphael Sanzio hieß und aus welchem der beste Töpfer nicht eine Schüssel mehr zu drehen vermag, sein Andenken aufrecht er- hält?— Seine Madonnen sind es, welche das Christenthum überdauern werden, ebenso wie Homers Gesänge den Olymp überlebten. Wenn Raphaels Trabanten, Papst Leo X., Cardinal Lembo e tutti quanti, längst verschollen sind, wird noch iiilnier sein Ruhm wie ein Sirius von den Wänden der sixtinischen Capelle auf die spätesten Geschlechter her- niederstrahlen. Wie lange wird noch die Reaktion, diese Wunderdoctorin für die Einrenkung freiheitlich verstauchter Regierungsorgane, die Mensch- heit zum eigenen Schaden mit ruhmestruukcllen Phantasien der Welt- verwüster berücken? Das größte Unglück der Menschheit besteht darin, daß sie liebgewordene Jrrthümer nicht gerne aufgibt. Zwei, in unserem verschwoiiunenen Jahrhundert unschätzbare Eigen schaften besaß Viktor Enunanuel tvie auch Pins; Beide waren kernhaft und rücksichtslos. Daß Pius nicht gehalten, was Mastai Feretti ver- sprachen, kommt aus das Kerbholz der„allcinjeligmachcudeu" Kirche. Aus den Jsolirschemel der Unfehlbarkeit gesetzt, ist jeder Papst dem Contact der elektrischen Zeitströniung entrückt. Der römische Pontifer Maximus wie der schismatische Papst, der Czaar, mit sortschrittlichen Maximen— ist gleich dem fliegenden Elephanteu eine Unmöglichkeit, weil er damit anfangen müßte, seinen Thron in die Lust zu sprengen. Pius der Neunte war ein kluger Feldherr der scolesia rnilitans und nahm aus dem gegnerischen Lager alle Erfindungen herüber, die er brauchbar fand. Und was hat er mit seiner strategischen Leistungsfähigkeit im Streite der Geister bewerkstelligt?— Neue Dogmen! Der französische Naturforscher Buffon sagt mit Recht:„Le style, c'est l'hürnme."(Der Styl kennzeichnet den Menschen). Zwei Aussprüche genügen um den Vater des„Xou possiuuus", dieser Devise des geistigen Bankerottes, zu charakterisiren. Im Jahre 1846, kurz nach seiner Inthronisation, nahm er, wie so viele seiner Vorgänger einen kühnen Anlauf zu Reformen und be willigte dem pfaffenverpesteten Kirchenstaate eine Consulta, eine Art Volksvertretung. Aber aus den Ruf des vor dem Quirinal versam melten Volkes nach einer Constitution, antwortete er mit geradezu kindischem Trotz:„Xou voglio, non debbo, non posso!"(Ich will nicht, ich mag nicht, ich kann nicht.) Als ihn, im Jahre 1870 Cardinal Guidi an den Widerspruch der päpstlichen Unfehlbarkeit mit der deino- kratischen Tradition des Christenthums erinnerte, rief der vom Jesuiten- general beeinflußte Greis entrüstet:„Die Tradition bin ich!" Der ausrichtige Grundsatz der Rechtsgleichheit, sowie alle humanen Einrichtungen, welche den Völkern Erleichterung vom geistigen und materiellen Joch bringen sollen, wurde immer von den Baalspriestern auf Pctris Stuhl bekämpft, ist aber auch in der katholischen Genteiude zur Mythe geworden. Die Mission, Pflegerin des christlichen Gleich heitsgedankens zu werden, ist der Kultur aus sozialdemokratischer Basis zugesallen, welche dem Syllabus für ewige Zeiten den Fehdehandschuh hinwirft. Mastai Feretti's Nachsolger, der Dichter und Alterthumssorscher Gioachino Pecci, mag von den redlichsten Absichten beseelt sein, aber nach der Adoration(Anbetung), dem heidnischen Kniefall vor einem Menschen, transfigurirt sich Leo XIII. zum Dalai-Lama, d. h. der götl lichen Verkörperung auf Erden. Wie alle anderen„Statthalter Gottes" wird er sich mit dem letzten Rest der schwindenden Kraft an den Speichen des rollenden Rades festzuklammern suchen. Aber vergebens! Ihn be- rührt zwar die rasch wechselnde Gestaltung des Lebens in dem Schneckenhaus der Unantastbarkeit nicht, aber die stählerne Spannkrast des Lind Wurms, der über tausend Jahre auf päpstlichen Befehl das Erdenrund mit blutigen Krallen umsangen hielt, ist gebrochen. Der absterbende geistliche Cäsarismus ist der Vorbote zum Heimgang des weltlichen Cäsarismus. Vivat sequeusl Dr. Max Trausil. Bacharach.(Bild Seite 340.) Philosophen und Physiologen mag es überlassen bleiben, die wissenschaftlichen Gründe für die Thatsachc zu ermitteln, daß ein jeder geistige oder seelische Genuß Hunger- und dursterregend wirkt. Die Richtigkeit dieser Thatsakhe dürfte wohl jeder an sich selbst erfahren haben, der den Rhein bereist hat. Die ruinen- gekrönten Rebenhügel, die de» stattlichen Strom umrahmen, sehen noch einmal so schön aus, wenn sie sich im vollen Weinpokale spiegeln. Nicht umsonst reimt sich Rhein aus Wein. Das zierliche, aber düstere Bacharach, das trotz seines Alters wie eine züchtige Maid im Bade mit den hochgegiebelten Häusern aus den Rebenranken lugt, erfreut sich zwar nicht der Genugthuung, die Wiege eines so berühmten Tropfens, wie seine Nachbavorte Rüdesheim und Aßmannshausen zu sein, aber an jeder Straßenecke„streckt unser Herrgott den Arm aus", um dem Fremden ein gemüthlichcs Wirthshaus zu weisen; und der Muskateller, der hier wächst, ist verführerisch genug, wenn er auch seinen alten Ruf, zu den besten Rheinweinen zu gehören, nachgrabe verloren hat. Den engen Gassen des Städtchens und den windschiefen, altersschwachen Häusern sieht man ein respektables Alter an, und in einem Stein, der während sehr trockener Zeit im Rheine bei Bacharach sichtbar wird, soll eine zu Römerzeiten dem Weingotte Bacchus geweihte Opserstätte, ei» Bacchusaltar— Baccbi ara—(daher angeblich der Name der Stadt) erhalten sein. Der dreißigjährige Krieg hat Bacharach schwere Leiden gebracht. 1632 fielen die Schweden, 1639 die Truppen Bernhards von Weimar, 1644 die Franzosen darüber her; nicht weniger als achtmal ward es belagert und geplündert. Auch zu Ende des 17. Jahrhunderts, 1689, fanden sich hier französische Kriegsvölker sengend und raubend ein. Ende des vorigen und Ansang dieses Jahrhunderts— am 26. März 1793 und am 1. Jan. 1814 unter Blücher— überschritten die Preußen bei Bacharach den Rhein, um ihrerseits in Frankreich einzubrechen. Darum keine Feindschaft nicht.(Bild S. 341.) Ein altes Sprüchwort sagt:„Mit dem Hut in der Hand, kommt man durch's ganze Land", aber nachgerade kann man sich aus die Unfehlbarkeit der alten Sprüchwörter auch nicht mehr verlassen, wie unser Bild zeigt, denn den Bruder Leim, einen ehrsamen Tischlergescllen, hat der Hut in der Hand" ins Loch gebracht. Wegen Mangel an jeglicher landeS üblichen Scheidemünze zum Fechten gezwungen, wurde„er von dem stets wachen Auge der„Gerechtigkeit" auf srischer That ertappt und nach Hochnothpeinlichem Verhör zum vier-und-zwanzigstündigen Brummen verdonnert. Da es nun sehr heiß ist und Bruder Leim sich zwischen Basel und Freiburg einige sehr unangenehme Fnßblasen gelaufen hat. kommt ihm der kühle Kerker mit Naturalverpflegung nicht unerwünscht. Bor seiner gähnenden Pforte bietet er mit freundlichem Kopsnicken dem Cerberus eine Priese. Dieser stutzt und schwankt, denn er ist ein passionirter Schnupser, schon krümmt sich Daumen und Zeigefinger zur Entgegennahme der prickelndduftigcn Prise— doch endlich siegt die souveräne Beamtenwürde über die sinnliche Begehrlichkeit und sich mit einem barschen„Danke" in die Brust werfend lehnt er ab und rasselt bezeichnend mit dem'Schlüsselbunde.„Darunr keine Feindschaft nicht" erwidert Leim mit feinem diplomatischen Lächeln und verschwindet in dem kühlen Düster des Gefängnisses. T. Rösselspruiifl von A. Fr. �erjtticher cJkriefkasten. Bockenheim. A.D. Die Ursachen des Wechselfiebers kennt man bis zur Stunde nicht genau, sondern man vermuthet nur, daß giftig wirkende Zersetzungsproducte vegetablischer Substanzen(das sog. Malaria gift), welche eingcathmet werden, dasselbe hervorrufen. Diese Zer- sctzungsproducte entwickeln sich besonders in der warmen Jahreszeit in feuchtem, sumpfigen Boden,— daher das häufige Auftreten des Wechsel- fiebers im Frühling und Herbst, so wie der Volksglaube, daß Fieber kranke nicht an's Wasser gehen sollen. Das beste Heilmittel ist schwefel- saures Chinin, welches Ihnen jeder Arzt verordnet. Verschwindet das Fieber dadurch nicht, so thun Sie am besten, in eine gesunde, fieber- freie Gegend zu reisen und sich dort einige Zeit aufzuhalten. Leipzig. F. A. Was wir von den„Wasserdoctoren" halten? Dieselben können unter Umständen dem Kranken eben so viel nützen, als schaden. Daß manche Krankheitsprocesse durch den vernünftigen und curgemäßen Gebrauch von hydrotherapeutischen Proceduren geheilt und besser geheilt werden können, als durch Arzneimittel, steht fest, nament- lich>vcnn damit eine entsprechende diätetische Behandlung verbunden wird. Von einem intelligenten und erfahrenen Manne ausgeübt, selbst wenn derselbe kein Arzt von Fach ist, kann deshalb die Wasserheilkunde viel 348 Nutzen bringen, besonders wenn der Wasserdoctor nicht so verbohrt und verbissen ist, jeden Arzt, der nicht zu seiner Fahne schwört, sür einen Esel zu halten. Es führen eben mehr Wege nach Rom. Von einem Pfuscher ausgeübt, der wenig Erfahrungen besitzt und all' und jede Krankheit mit Wasser curiren will, steht die Wasserheilkunde tief unter der Arzneiquacksalberei. Buckau. B.C. Das Wundscin der Kinder ist häufig eine Folge von Unreinlichkeit. Waschen Sie die wunden Stellen fleißig und belegen Sie dieselben mit der in jeder Apotheke käuflichen, entselteten Watte. — Gegen Migräne ist recht starker Kaffee oft nützlich; ebenso eine Dosis von'I2 Gramm salicylsaurem Natron. Hamburg. U. R. Herzklappenfehler sind unheilbar. Nur bei sorgfältiger Pflege und Lebensweise erreichen derartig Kranke ein höheres Alter. Jeder Arzt instruirt Sie über das von Ihnen zu beobachtende Verhalten, welches nicht bei jedem Herzkranken dasselbe und daher auch nicht Gegenstand der Berathuug im Briestasten sein kann.— Bei Fingergeschwüren würde» wir Ihnen in jedem Falle ärztliche Hülse anrathen, denn wenn das von Ihnen beschriebene Verfahren nicht exact und der Einschnitt an der unrichtigen Stelle gemacht wird, so geht das Nagel- glied verloren. ZNagdcburg. A. W. Ein rohes Ei kann sür Kinder, welche der Mutterbrust entwöhnt find, ganz zweckmäßig sein und wesentlich zu deren Kräftigung beitragen. Solchen Patienten aber süßen Ungarwein in der gleichen Absicht verabreichen, das nennen wir gradezu ein Ver- brechen, obgleich wir wissen, daß nicht wenige Aerzte mit diesem „Kräftigungsmittel" nicht allzu sparsam umgehen. Denn das, was in Deutschland unter dem Namen„Tokayer" oder„Rüster Ausbruch" verkaust wird, ist weiter nichts als ein Gemisch von herbem ungarischen Landwcin, Spiritus und Zucker, und mit demselben Rechte könnten Sic daher Ihrem Kinde etwa Kümmel- oder Pfefferminzliqueur zu trinken geben. Alkoholische Getränke sind niemals Krästigungsmittel, sondern stets Reizmittel. Ihre zweite Frage beantworten wir schriftlich, wenn Sie uns Ihre Adresse angebe». Glauchau. Friedrich S. Wenn die sogenannten Sommersprossen im Hochsommer bereits in voller Blüthe stehen, so lassen sie sich in der Regel nicht vertreiben, sondern der damit Behaftete behält sie bis zum Winter, wo sie erblassen. Im Frühling läßt sich eher etwas dagegen tyun, wenn man sein Gesicht nicht den direkten Sonnenstrahlen aussetzt und es abends mit kaltem Wasser wäscht, welchem man auf ein Liter zwei Theelöffel voll konzentrirter Glaubersalzlösung zusetzt.— Lungenkrank scheinen Sie nicht zu sein, denn„Hustenkrankheiteii mit gelblichem Auswurf" pflegen, wenn das Lungengewebe gleichfalls erkrankt ist, nicht so lange Jahre zu bestehen. Gewöhnen Sie Sich an das Schlafen bei offenen Fenstern und waschen Sie jeden Morgen mit kühlem(nicht kaltem) Wasser den ganzen Oberkörper. Dies wird Ihr Leiden bald erträglicher gestalten. Chligs. A. B. M. Der Genuß von Kaffee ist für Erwachsene, welche keines Anregungsmittels bedürfen, sehr oft von Nachtheil; sür Kinder ist er ein Gift. Verlin. P. R. Bestreiche» Sie Ihre Leberslecke mit schwarzer Schmierseife; letztere lassen Sie zehn Minuten lang einwirken, dann waschen Sie die Seife mit warm«» Wasser ab und betupfen die Flecke mit einer zweiprozentigen spirituösen Karbolsäurelösung. Dieses Ver- fahren, in einem Zeitraum von 4— 6 Wochen vielleicht zehnmal an gewandt, wird die Leberflecke beseitigen, wenn dieselben, wie dies sehr häufig der Fall, einem mikroskopischen Pilze(Mtzrosporou fiirfur) ihre Entstehung verdanken. Sind diise Flecke dagegen durch Pigments- ablageruug in den Zellen der Schleimschicht der Oberhaut entstanden, womit sich in der Regel eine Wucherung der Papillen der Lederhaut verbindet, sodaß sie über die Hautoberfläche hervorragen, so nützt dieses Versahren nichts, sondern Sic können sie nur dadurch zum Erblassen bringen, daß Sie Sich in einer Apotheke eine schwache Actzkalilösung (im Vcrhältniß von 1:500) anfertigen lassen und damit täglich, aber vorsichtig, die Flecke betupfen.— Alter Abonnent der„Berliner freien Presse". Ueber Leiden, wie das Ihrige, kann im offenen Brieskasten nicht verhandelt werden. Geben Sie Ihre genaue Adresse an.— E. S. Verwenden Sie zum Verbände in sünfprozentiges Karbolöl getauchte Charpie, darüber eine Lage entfetteter Watte und über dieser Listee's Silk Protective. Der langwierige Eiterungsprozcß wird dadurch bald geheilt sein. Sie bekommen diese Dinge in jeder Apotheke. August T. in Glauchau erhielt directe Antwort; P. M. in Ueurode desgl.; Clara H. in Verlin wolle sich entweder au einen dortigen Arzt wenden oder den Fall genauer beschreiben; das Leiden von Frau A. W. in München erheischt genaue Mittheilungen bezüglich der Lebensweise, etwaiger früherer Krankeiten ,c. Frl. Marie D. in Hamburg wolle ihre genaue Adresse angeben und ihren Zustand nochmals genau beschreiben, dabei auch erwähnen, wie sich die übrigen Körperfunktionen(Verdauung, Reinigung«.) ver- ! halten.— Tie übrigen bis zum 8. April eingegangenen Korrespondenze» i wurden direkt beantwortet, wenn die genaue Adresse(Straße und Haus- 1 nummer) angegeben war. Wer keine Antwort auf seine Privatanfragen � erhielt, weil er die letzteren Angaben unterließ, wolle deshalb noch- mals schreiben. Dr. Resau. LZiiedaklions-Aorrespondenj. BrauniMweig. H. F. Ihr lepteingtianbtet RössellPrung litt an ein paar kleinen Mängeln, doch waren dieielben leicht zu heben. Wir haben ihn, da dai gewählte Svjet uns qesällt, zu baldiger Verwendung bereit gelegt. Wüftegiersdors. Ein junges Mädchen. Od die Berlasieri» der Bedichte in Nr.>l und 32 des..Vorwärts" verheirathet ist oder nicht, darüber können wir leider keine Auskunst geben. Breslau. Ein ehrlicher Liberaler. Im Norddeutschen Reichstage hat der jetzige Minister I)r. Friedenthal ebensowohl gegen die Bewilligung von Diäten sür die Reichs- tagsmilglieder gestimmt, als im konstituirenden Reichstage und später. Der Antrag ans Tiätenbewilligung ging im Norddeutlchen Reichstage von Waldeik und im konstituirenden von Weber-Thünen aus.— F. Tn. Sie drohen uns sür den Fall, daß wir Ihr Bedicht „Posaunenklängc am Tage des jüngsten Berichts" nicht gut finden, mit einer ganzen Sammlung,„die Frucht zehnjähriger Arbeit"?— Herr, so du kannst, lab diesen Kelch an uns vorübergehen I Crimmitschau. A. Th. Eine Bedichtiammlung, die Ihrem Zwecke Benüge leiste» möchte, kennen wir nicht. Aber der ganze Schiller ist gegenwärtig ja so billig zu haben, daß er fich zu Beschenken der beabsichtigten Art auch Minderbemittelten empfiehlt. Sie werden allerdings gut thun, ansangs die Auswahl der Lektüre seitens der beschenkten jungen Leute zu überwachen.— R. H. Der letzte schweizerische Krieg war der gegen dm Souderbund, der von den sieben unter dem Einfluß der Jesuiten stehenden Kon- tone Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und Wallis gebildet warten war. Eine Armee von gegen 100000 Mann, unter dem Befehle des eidgenössischen Ldeift Dusour von Bms, trieb die ausrührcrischen Kantone nach hartnäckiger Begenwehr zu Paaren und sicherte die kapitaliftisch-liberale Herrschast in der Schweiz gegen die llwsturz- versuche der ultramontan-reaktionären Partei. Rosenthal(?). H. I. Bon Ihrer sreundlichen Erlaubnis, an Ihrem Bedichte „Das Mcnschcnrecht" Veränderungen vorzunehmen, machen wir leinen Bebrauch, Nehmen sie uns die Erinnerung nicht übel, das das deutsche Volk sich in erster Linie der Be- Zeichnung als„Volk der Denker" würdig machen soll, und erst in zweiter Linie als „Volk der Dichter" gerühmt wird. Genua.„Deutscher in der Fremde." Der Konvent der ersten sranzösischm Re- publik hat nicht das„Recht" gehabt, Bott abzusetzen, sagen Siel Run, da muß der Bischos von Paris, Gobet, sammt seinen Vikaren anderer Meinung gewesm sein, denn sie schworen aus Brund dieser Absetzung vor dem Konvent seierlich den christlichen Blauben ab. Wissen Sie übrigens auch, daß im Jahre Sgl) nach Chr. ein anderer„gesetzgebender Körper", der römische Senat unter Theodosius, dem sogenannten Broben, die alten römi- schm Bötter absetzte und dasür die Herrschast des„Gottes der Ehristtaner" proklamirte? Hat der römische Senat dazu das„Recht" gehabt? Wien. K. Lb. Die Terzine bildet dreizeilige Sttophen, in denen entweder der 1. und 3. Vers des ersten Terzett» mit dem 2. des nachfolgenden, oder der 2. de» 1. mit dem ersten und drittm de» solgendcn reimt. Dort sinkt, hier steigt die Wirkung. Apropos Sie wollen doch nicht etwa welche macheu? Kolberg. L. N. B. Der deutsche Philosoph Johann Bottlieb Fichte war sreilich ein Kind aus dem Volke, und zwar der Sohn eines Leinmweber» zu Rammenau in der Oberlausitz � sein Geburtstag war der IS, Mai 1762. Fahrnbühl(Schwei z>. L. v, Z. Während Ihres Erholungiausenthalt» in der Schweiz beschSstigen Sie Sich mit der Poesie und singm unter anderm t„Soll ich mit dem Beschick nicht hadern?— Ich Hab' Besühl, ich habe Adern,— In denen wallt ein stürmisch Blut!—" Wir glauben Ihnen, daß Sie Adern haben,— glauben Sie uns, dasi die poetische nicht darunter ist:— und wählen Sie eine andere Beschästtgung. Wilsdruff. O. H. Wir freuen uns Ihres wackeren Strebens und wünschen Ihnen immer steigenden Ersolg. Hos. I. T. Ihr Wunsch bezüglich eingehender Auskunst über Freimaurerei wird in einer der nächsten Nummern Erfüllung finden. Bünde. L. Die Gedanken in Ihrem Gedichte„ Der Invalide" lasten wenig zu wünschen übrig, aber die Form, in der dieselben zum Ausdruck gelangen, ist nicht schön. Beherzigen Sie die Beibei'sche Strophe:„Fließend Master ist der Gedanke,— Aber durch die Kunst gebannt,— In der Form gediegne Schranke— Wird er blitzender Demant." Langenbiclau. B. I. Ihre Verse sind auffallend sprach- und reimgewandt, aber die Gedanken sind nicht greisbar genug. Was haben Sie sür eine Schulbildung genosten und was sind Sie? A. Gerichtsvollzieher Z. Wir haben Ihre Zuschrift an unsern Mitarbeiter Herrn E. S., den Bersaster der Erzählung„Exekution", gesendet und sind überzeugt, daß er Ihrem verletzte» Ehrgesühl bereitwilligst Genugthmmg geben wird. Daß Vorkommniste und Einrichtungen, wie sie die erwähnte Erzählung berichtet, dem Richteramt der Oeffent- lichkeit nicht entzogen werden dürfen, geben Sie gewiß zu. Dabei dars aber natürlich nur die Absicht vorliegen, ein verdammendes Urtheil gegen die sehlerhasten Einrichtungen und gegen solche Menschen zu provoziren, welche der ersteren Mangelhastigieit zu egoistischen, inhumanen Zwecken ausbeuten. Wir können Sie übrigen» versichern, daß wir in unserer eigenen politischen Praxis, die uns w vielsältige Berührung mit Gerichten und Beamten aller Art gebracht, unter andern auch sehr achtungiwerthe Exekutoren getroffen baden. Kopenhagen. B. H. Sie sind uns als Mitarbeiter willkommen. Die eingesendete Uebersetzung ist recht gelungen, aber mit dem Originale verhält es sich ähnlich, al» Sie sürchteten. Ueber diesen Punkt nächstens Näheres. Schilderungen ikandmavischer Gegenden und Verhältnisse sind uns desto lieber, je eher sie eintreffen. Bamberg. F. T. Die Sache scheint interestant und wichtig, Sorgen Sie sür Beweise. Mannheim. E. T. Sie würden es sür sehr gut halten, wenn die„R. W." jedem ihrer Leser„jährlich ein gutes Oelgemälde, aber nicht etwa einm schlechten Oeldruck als Prämie gäbe"? Aus diesen samvsen Bedanken wären wir ohne Ihre gütige Mitwirkung ! wirklich nicht gekommen! Nun haben wir uns aber auch gleich an die Aussührung gemacht und einem gewandten Maler den Austrag gegeben, von irgendeinem Meisterwerk— vielleicht„die'Nacht de« Corregio" oder so etwas— 50000«opieen anzusertigen. So- bald die sertig sind, bekommen Sie weitere Nachricht, Paris. E. B. Skizzen erhalten. Wünsche erfüllt. Frdl. Gr. Quersurt. Bäckergesell A. R. Woher habe» Sie da» Material zur Blocksberg« geschichtc? Ueber die Steno- Tachhgraphie haben wir kein Urtheil. Wa« sür ein Werk CorvinS meinen Sie? (Schluß der Redaktion: Sonntag, den 7. April.) Anlsatt. Ein verlorener Posten, Roman von R. Lavant(Forts.).— Die unbewußte Züchtung und Vererbung inenschlicher Charaklere und Physiognomien und die Erforschung der Gesetze der menschlichen Zuchtwahl mittels der Photogeneagraphie, von Dr. H. Oidtmann.— Ueber Zimmer-Aquarien, von Dr. G. P.— Einem schlummernden Kinde, Gedicht von Rosenstein. Weltausstellunasbriese, l. Nem posaumus. Bacharach 'mit Illustration).„Darum keine Feindschaft nicht"(mit Illustration). Rösselsprung. Aerztlicher Briefkasten. Redaktionskorrespondenz. Verantwortlicher Redakteur: Bruno Geiser in Leipzig(Plagwitzerstr. 20).— Druck und Verlag der Genossenschastsbuchdruckerei in Leipzig.