A°8. ■» Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint wöchentliche— Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig.— In Heften n 30 Pfennig. Zu beziehen dnrch alle Buchhandlungen und Postämter. 1880. [18*3] Dem Schicksal abgerungen. Novelle von Akudotph von ZZ. (Fortsetzung.) Herr Schnieder ließ den Dienstmann nicht lange warten. »Also, Willisch, hören Sie aufmerksam zu. Es handelt sich uni die jedenfalls wichtigste Mission, die Ihnen je anvertraut worden ist. Kennen Sie einen Herrn Alster?" „Alster? Ist das der Stadtverordnete Alster? Ein reicher Herr,— ich glaube, er wohnt—" Willisch besann sich. „Er wohnt im Thal— ganz in der Nähe der Stadt� verordnete Alster,— in der That, ihn meine ich. lieber dessen häusliche Verhältnisse, seine Gewohnheiten und Freunde, über seine kleinen und großen Schwächen— kurz, über alles, was diesen mir interessanten Mann angeht, möchte ich ausführlichst unterrichtet sein. Es ist das ein Auftrag des höchsten Vertrauens, Willisch, und wenn Sie Sich mir nicht öfter schon als ein zu- verlässiger und verschwiegener Mann bewährt hätten, würde ich garnicht daran denke», auf diesem Wege Auskunft zu suchen." „Ehrensache, gnädiger Herr, Ehrensache!" bcthcncrte Willisch mit Nachdruck.„Bis wann befehlen Sie den Rapport?" „Nun, sobald als möglich möchte ich ihn haben, aber— auch so genau und gewissenhast als möglich. Lieber gar keine Mit- theilung, als eine falsche oder auch nur zweifelhafte." Ter Dienstmann machte Miene, zu gehen. „Noch eins, Willisch. Einige Anhaltspunkte für Sie. Herr Alster ist heute verreist,— er hat einen Diener— Ohschüßt nennt sich der übrigens wahrscheinlich äußerst geriebene Patron—, August heißt er also jedenfalls; mit dem Menschen ist vermuthlich alles zu machen, wenn man seine guten Dienste zu lohnen weiß. Wie Sie ihn sich kaufen, Willisch, das ist Ihre Sache,— hier ist Geld für etwaige Auslagen." Er nahm ein halbes Dutzend Thalerstückc aus dem Vorrathsmagazin in der Westentasche und drückte sie dem ob solcher verheißungsvollen Splendidität höchlichst erstaunten und entzückten Dienstmann in die Hand.„Sie sehen, mir liegt viel an der Sache,— ich mache Ihnen gegenüber kein Hehl daraus, und wenn Sie mich gut bedienen, würde Sie Ihr Profit über die schlechte Geschäftslage im ganzen nächsten Monat vollauf zu trösten im stände sein. Aber lassen Sie Sich nicht übertölpeln, lassen Sic besonders den schlauen August nicht merken, iu wessen Auftrag Sie ihn ausholen." „Garnichts soll er merken, darauf können Sie Sich felsenfest verlassen, gnädiger Herr. Den wollt' ich sehen, der mich, wenns darauf ankommt, übertölpelt. Befehlen Sie sonst noch etwas, gnädiger Herr?" .Borläufig nichts. Morgen früh um 8 Uhr tu meiner Wohnung zum ersten Rapport. Länger als drei Tage dürfen Sie nicht Zeit brauchen, bis übermorgen Abend zahle ich Ihnen auf alle Fälle taxmäßig für täglich fünfstündige Verwendung. Finde ich, daß Sie Ihre Sache gut gemacht haben, so dürfen Sie Sich heut über acht Tage bei mir ein Extrahonorar abholen, mit dem Sie zufrieden sein iverden. Sie kennen mich, Willisch, und nun— Adieu!" Willisch drehte sich stramm, wie ein Soldat auf das Kom- mando Kehrt!, auf seinen Hacken um und marschirtc in der Richtung nach der Thalvorstadt ab. „Ein verflucht nobler Kerl— dieser Herr Schweder," brummte er in seinen ziemlich großen und gepflegten Vollbart.„Und mit den Thalern wirft er um sich, als wenn's Pfeffernüsse wären; braucht aber vielleicht noch etwas mehr als er hat. Was er nur mit dem Herrn Alster wollen mag?— Halt, da geht mir schon so etwas wie ein Licht auf— der Alster hat ja eine junge und schöne Tochter! Und reich ist die Tochter des reichen Herrn natürlich auch. Das ist der Fisch, nach dem der Mädchcnfischcr, der Herr Schweder, jetzt seine Angel auswirft, und hier hat er zur Abwechslung einmal reelle Absichten— ha, ha! Glaub» gern, daß'n vorsichtiger Mann, wie der Herr Alster wohl sein wird, nicht so mir nichts dir nichts auf einen so flotten Schwieger- söhn, wie der Herr Schweder, hineinfallen möchte. Muß schlau angefangen werden, so etwas. Vielleicht gelegentlich so ein bischen Entführung mit den unumgänglichen Folgen, der Herr Papa ist dann der Bien', der muß, und das Glück ist gemacht. Ja, so wird die Geschichte sein. Aber das Ding muß doch noch seinen Haken haben, sonst wäre ich höchstens zur Schlußszene— etwa als Kutscher auf dem Abfuyrkarren"— Willisch belachte seinen Witz wohlgefällig—„von Nöthen, und nicht als Kundschafter. Nun, werden schon sehen. Vielleicht will die Jungfer auch nicht so recht und Herr Schwcdcr fürchtet einen Nebenbuhler,— das wär'nc Erklärung, die sich hören läßt." Willisch war am Ausgange des Stadtparks angelangt, schon wollte er nach der Hauptstraße im Thale zu einbiegen, da kam ihm ein Bedenken.„Wenn ich vor den Ohschüßt als Dienstmann hintrete, werde ich ihm nicht sehr imponiren. Die Bedientensippe sieht meistens auf unsereins furchtbar hochnäsig herunter. Als feiner Herr Hab' ich jedenfalls leichter, den Kerl tanzen zu lassen, wie ich pfeife,�— als Reisender, wahrhastig, als Stadtreisender für das große Eigarrengeschäft von Schulze und Kompagnie! Haha— famos! Da muß ich mich natürlich erst iu Wichs V. 2* iUntaAmfiar 1 werfen und mir einen Probekasten anschaffen. Ten pumpt mir mein Nachbar Schulze, der Dütenkrämer, mit größtem Vergnügen, besonders, wenn ich ihn versichere, daß ich einen Menschen kenne, der dumm genug ist, ihm ein Viertelhnndert von seinen sogenannten Groschencigarreu abzunehmen. Da kann ich mir auch gleich Schulze's neuen Cylinder und den Spazirstock mit der großen Hornkrücke dazu borgen,— dann seh' ich aus wie der feinste Kerl auf der Welt. Na, der Ohschüßt soll sich freuen über die pikfcine Bekanntschaft!" -i- * Den nächsten Morgen hatte Herr Schweder wirklich einen ganzen Sack von interesssauten Mittheilungen über Herrn Alster von seinem Kundschafter Willisch übermittelt erhalten. Willisch hatte Nachmittags um drei Uhr in der Villa Alster vorgesprochen als Reisender des großen Tabak- und Cigarrengeschästs von Schulze und Kompagnie. Kein Mensch, der ihn als Dienstmann zu sehen gewöhnt war, würde ihn in dem Cigarrenreisendcn wiedererkannt haben. Nicht genug, daß er in seinem sonst sehr selten in Gebrauch kommenden besten Anzüge, einem dunklen Tuch- rocke und ditto Hosen modernsten Schnittes, dazu der schulzesche Cylinderhut und Elfenbeinstock— nach seines Besitzers Behaup- tung war die Krücke nämlich nicht von Horn, sondern von ächtem Elfenbein— wirklich ganz anständig aussah, er hatte sich auch den Barl stutzen und am Kinn ausrasiren lassen und einen Nasen- klemmer mit bläulichem Fensterglase ans die Nase gcguetscht; so- daß ihm Herr Schweder mit vollem Recht das Kompliment machen konnte, er verstehe es, mit ganz einsachen Mitteln einen neuen Menschen anzuziehen. In der Villa Alster angelangt, hatte er dem durch ihn aus seinem Mittagsschläfchen aufgescheuchten und darum anfänglich sehr ungnädigen August mitgetheilt, er komme mit vorzüglichen Empfehlungen an Herrn Alster und habe den Austrag, diesem gediegenen Kenner ächtcr Havannahs einige der ausgezeichnetsten Sorten dieses transatlantischen Fabrikats zur Probe vorzulegen. Erst Ivollte ihn August mit der Bemerkung, der gnädige Herr wäre verreist, kurz und bündig abfertigen. Aber der frischgebackne Cigarrenreisende ivar nicht so leicht abzuschütteln. Er nahm ganz kaltblütig eine Cigarre aus seinem Kasten, ftagte August mit gewinnender Kordialität, ob er ihm für eine Manila ein paar Streichhölzer ablassen wolle— sein Feuerzeug habe er irgendwo liegen gelassen—, und als August, einen„vernünftigen Menschen" in ihm witternd, eine gemüthliche Miene zu machen begann, fügte er beim Cigarrenanzllnden an der Hausthür hinzu, er sei heute schon weit herumgekommen und ziemlich müde, ob nicht in der Nähe eine anständige Kneipe wäre, wo man ungestört irgendeinen guten Tropfen zu sich nehmen könne. Das war nun allerdings Wasser auf Augusts Mühle. Da drüben bei der Witwe Rösicke hätte es ein ausgezeichnetes Glas Grog,— da könne er den vernünftigsten Menschen von der Welt hiurekommandircn,— der Herr brauche nur da links um die Ecke herumzugehen und da hinein, wo er gleich vorn die rothe Laterne sehen würde. Der„Herr" fand aber nun menschlicherweise ein dringendes Bedürfniß nach„vernünftiger" Gesellschaft, und da er sich zu diesem Zwecke an keine passendere Adresse, als an den gemüth- lichen August wenden und dieser einer so schmeichelhafte» Ein- ladung unmöglich widerstehen konnte, so war es nicht mehr als natürlich, daß am fraglichen Tage, nachmittags um 4 Uhr, der Cigarrenreisende Herr Schneider, von der Firma Schulze und Kompagnie, und des Herrn Alster getreuer August im Hinter stübchen der Witwe Rösicke bei einem Glas„Steifen" vom ältesten Eognac— wie der feine Herr Schneider ausdrücklich bestellt hatte— in trauter Eintracht beisammen saßen. Aus diesem ersten Zusammensein war eine schwere Sitzung geworden! der Cigarren- reisende Schneider entwickelte einen fürchterlichen Grogdurst, und so geübt auch August in der Vertilgung dieses Getränkes war, so mußte er doch um 7 Uhr abends,»ach heldenmüthigem Kampfe, die� Waffen strecken. Der hartnäckig seßhaft bleibende Cigarren- reisende Schneider bestellte zwar„noch zwei Gläschen", aber August ging, oder taumelte vielmehr, nach zärtlichem Abschied in die Villa Alster zurück und flugs in seine Kammer und noch geschwinder in sein Bett, während die gute Rose— die Be- Herrscherin der alsterschen Küche, eine Dame, die für die Schwächen ihrer Kollegen und Kolleginnen allezeit den Mantel der christlichen Nächstenliebe bereit hielt,— der Frau Doktor schmerz ergriffen berichtete, der arme August wäre auf dem Wege von der Leihbibliothek, wohin er um 4 Uhr zu gehen unternommen, von einem Anfall,„so einem Anfall— Sie wissen schon, Frau Doktor" heimgesucht worden, und nun läge er—„ganz wie weg"— unten in seiner Kammer. Die Frau Doktor, welche seit der letzten Choleraepidemie überall Choleraanfällc witterte, war ans das ärgste erschrocken, verordnete dem Patienten sofort große Quantitäten Kaffee, wollte Eis holen lassen und ein paar Aerzte dazu, und verbot allen Hausgenossen, mit einziger Ausnahme der Rose, die sich frei- willig zur Krankenpflege erboten hatte, sich in der Nähe von Augusts Kammer blicken zu lassen. Glücklicherweise genas August so rasch,—„er hat eine furchtbar gesunde Natur"— versicherte die Rose, daß weder Arzt noch Eis nöthig waren, und die Ruhe, welche man dem Kranken gönnte, zur völligen Wiederherstellung Augusts genügte. Der Cigarrenreisende Schneider hatte nun Zeit und Grog vor- trefflich anzuwenden verstanden. Er war Augusts intimster Freund geworden und hatte von diesem alles zu hören bekommen, was er nur irgend hören wollte. Freilich war von dem, was August seinem Freunde mitgetheilt hatte, nur ein kleiner Theil für Herrn Schweder interessant. Dazu gehörte vor allem die Kunde, daß Herr Alster zwei noble Passionen habe, die er bor der Welt sorgfältig zu verbergen suchte: eine große Vorliebe für feine Weine, die ihn oft übermäßig mittheilsam und allen erdenklichen Be- einflussungen zugänglich mache,—„um'n Finger könne man dami den Alten wickeln," hatte August betheuert,— und noch eine viel größere Vorliebe für schöne Frauen, er wäre„ganz verrückt auf 'ne hübsche Larve", behauptete August: und daher kämen auch zu allermeist die„Reisen" des Herrn Alster. Bald besuche er in einer nicht gar fern gelegenen größeren Stadt eine junge Witwe, deren Kinder er bevormunde; bald mache er eine Gebirgspartie mit diesem oder jenem Freunde, auf der sie so ganz zufällig mit hübschen Damen, Schauspielerinnen ic., zusammenträfen, bald entrire er ganz heimlich ein kleines Souper zu vier oder sechs Personen in dem feinsten Hotel von P., u. s. w. Als Herr Schweder diesen Theil des Berichtes vernahm, nickte er befriedigt:„Habe also den alten Bonvivant doch richtig erkannt. Vortrefflich, vortrefflich!" Von den übrigen Mittheilungen seines gewiegten Kundschafters war ihm noch eine sehr wichtig. Eine solche bärenmäßige Knei- perei, bei der unsereiner mit trocknen Lippen— der Teufel soll's holen!— dabeistehen muß, hatte August erzählt, habe erst am vorletzten Abend stattgesunden. Da seien zwar blos der Justizrath Wichtel und dessen Sohn dagewesen, aber gekneipt sei doch worden bis spät in die Nacht hinein, und soviel, als ob's eine große Gesellschaft gewesen wäre. Da hätten die beiden Wichtels seinen Herrn zu irgendwas'rumgekriegt, wie er schon ordentlich eins in der Krone gehabt,— es wäre von einer Fabrik die Rede gewesen,— daß es höchste Zeit sei, loszugehen. Der Alte hätte sich immer noch besinnen wollen, am Ende hätte er aber was unter schrieben, und da wären die beiden Wichtels ungeheuer vergnügt geworden und der alte Wichtel hätte einmal übers andre Alfter seinen besten Freund genannt, und zum Abschied Hütten sie sich umarmt und sich Strebens- und Kampfgenossen für ewig genannt. Herr Schwcder gestand sich, daß er mehr Erfolg von der diplomatischen Sendung des Willisch entschieden nicht verlange» könnte. Er entließ ihn daher mit anerkennendem Lobe und be- stellte ihn auf Mittag Punkt 12 Uhr zu weiterer Beauftragung. Als er dann allein war, hielt er das, was er soeben gehört, mit dem, was er bereits gewußt oder gestern Nachmittag selbst erst erfahren und beobachtet hatte, zusammen. Er war nämlich, während Willisch in seinem Auftrag sein Kundschastertalent spielen ließ, auch nicht unthätig gewesen. Wichtel junior war ihm, wie wir aus dem Gespräche mit seinem Freunde Senkbeil vernommen haben, genauer bekannt. Er war mehrfach mit Wichtel in Berührung gekommen, der einmal sogar bei einem Kampfe um die Gunst einer hübschen Tänzerin iibei� den im Bewußtsein seiner Unwidcrstehlichkeit allzu siegessicheren Herrn Schweder die Oberhand behalten. Deswegen und wohl auch wegen der wirklich geringen Liebenswürdigkeil des jungen Herrn, war Schweder unserm Freunde Wichtel junior nichts iveniger als gewogen. Herr Referendar Wichtel seinerseits' vergalt übrigens Abneigung mit Abneigung, ja, ihm war der mit unerschütterlicher kühler Ucberlcgenheit gewappnete ältere Lebe mann, wo er ihm begegnete, immer auf das höchste unbequem gewesen; hatte Herr Schweder es doch fertig gebracht, ihm an jenem glorreichen Abend, an dem er sich mit bestem Rechte der 87 unzweifelhaften Bevorzugung seitens jener Tänzerin rühmen konnte, anscheinend ganz aufrichtig zu gratnliren und ihm seinen wärmsten Dank abzustatten, daß er ihn, Schweder, der Blühe überhoben hätte, ein Berhältniß aufrecht zu erhalten, welches ihm bei seineu übrigen zahlreichen Engagements schon angefangen hätte, lästig zu werden, ehe es noch ernstlichere Gestait angenommen hätte. Wichtel junior war zwar scharfsichtig genug, den Acrger Schwcders über die unerwartete Niederlage auch durch die Maske dieser Gratulation hindurch zu erkennen; aber die Gesellschaft junger Leute, vor der Herr Schwedcr seine Theilnahme an dem wichtel- schen Erfolge zu dokumcntiren für gut fand, gönnte dem Freunde Wichtel Vieh eher eine gelinde Blamage, als einen Triumph, und nahm daher Schweders Genngthuung mit großem Behagen als baare Münze hin. So war denn der Herr Referendarius Wichtel keineswegs erbaut gewesen, als er an dem mehrerwähnten Nachmittage den fatalen Schwedcr in dem Cafe anwesend fand, wo er, Wichtel, mit einer größeren Anzahl bunt zusammengewürfelter Leute fast allnachmittäglich zusammenzukommen pflegte. Das Cafe Hede- busch war das Rendezvous der Schachspieler von P., und Wichtel junior war ein gefürchtetcr Kämpe auf den 64 Feldern des könig- lichcn Spiels. Nur ein Schachspieler in P. hatte früher unbestritten als ihm überlegen gegolten, und dieser eine war wieder kein anderer als Herr Schweder. Schweder war in allen Spielen Meister. Im Earambolagespicl auf dem Billard gab er dem geübtesten Billard- kellner wenigstens 30 Point auf 100 vor und siegte fast immer. In jedem der beliebteren deutschen Kartenspiele— ini Whist und L'hombre, Solo und Preference, und vor allem im Skat, jenem Kartenspiel, das in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland allen übrigen bedeutendes Terrain abgewonnen hat und das herrschende Spiel geworden ist,— galt er als Autorität, deren Rath und Urtheil man in zweifelhaften oder schwierigen Fällen gern einholte, mit der aber nur wenige zu spielen liebten, da man trotz aller Glückschancen des Spiels so ziemlich sicher sein konnte, zu verlieren. Herr Schweder wußte, daß man ihn als Spieler fürchtete, und spielte deswegen nur, tvcnn man ihn darum bat; das Schach- spiel hatte er in den letzten Jahren fast ganz aufgegeben, und das Cafö Hcdcbusch pflegte er spöttisch eine Stümperkolonie zu nennen, wo um die Palme des schlechtesten Spiels gestritten würde. Es entstand daher einige Aufregung im Cafe Hcdcbusch, als Herr Schtveder eintrat, freundlich, wenn auch vornehm, nach allen Seiten grüßte und sich mit der ihm eigenen liebenswürdigen Ungenirtheit, ganz, als wäre er ein täglicher Theilnehmcr an den Schachzusammenkünsten, mitten zwischen zwei nahe bei ein- ander stehenden Tischen, an denen gespielt wurde, niederließ. Einer der Spieler konnte sich nicht enthalten, seiner Ver- wunderung über den seltenen Besuch Ausdruck zu geben. Herr Schweder antwortete auffallend verbindlich, die Sehnsucht nach dem langentbehrten geistvollen Spiel habe ihm keine Ruhe mehr gelassen, und so wolle er denn heute wenigstens wieder einmal ein paar Partien spielen sehen. Den scharfblickenden und spottsüchtigen Schwedcr zum Zu- schauer zu haben, war aber keineswegs nach dem Geschmack der Schachspieler im Cafä Hedcbusch. Daher hatten sie ihm eifrig zugeredet, er möge doch lieber selbst zeigen, was mit dem sechzehn Köpfe starken Heere der Schachfiguren geleistet werden könne. Herr Schweder war aber nicht so leicht dazu zu bewegen ge- Wesen. Nach einer raschen Umschau im ganzen, ziemlich geräu- migen Rauchzimmer hatte er erklärt, er habe viel zu lange nicht gespielt und müsse sich erst wieder gründlich in's Spiel hineindenken. „Nein, nein, verehrtestcr Herr Schwedcr," hatte ein jovialer, alter Herr darauf geantwortet,„so ungerupft sollen Sie diesmal nicht davonkommen; wir sind zwar hier alle viel zu schwache Spieler, als daß wir verlangen sollten, ein Meister, wie Sie, sollte sich mit uns begnügen. Ucbcr ein kleines aber wird unser jugendlicher Matador erscheinen, dann müssen Sic vor die Klinge, da kann Ihnen kein Gott helfen." Dieser jugendliche Matador war nun eben der Referendar Wichtel junior, dem es ein leichtes gewesen, sich znni nnbestrittc- neu Herrscher im Schachreiche des Cafe Hedcbusch aufzuschwingen, seit Tchwcder daselbst nicht mehr verkehrte. Man hielt ihn all- gemein für einen Spieler, dessen Stärke im letzten Jahre infolge theoretischer Studien ungemein gewachsen sei, und er selbst theilte diese Meinung. Er hatte sich daher gerade wegen seiner Abnei- gung gegen Schweder, als er dann wirklich bald gekommen war, zu einer Partie auch bereit finden lassen— war er doch in be- ständiger Uebnng, während Schwedcr sicher sehr viel verlernt hatte und deshalb ein nicht mehr gefährlicher Gegner sein konnte. Bestärkt hatte den Herrn Wichtel in seiner Meinung das Sichsträuben Schweders, der schließlich, wie es seinem Gegner schien, nur aus Bcsorgniß, seinen alten Schachruhm gänzlich ein- zubüßen, das von allen Seiten unterstützte Anerbieten angcnom- men hatte. Unter den Augen fast aller übrigen Anwesenden, die sich im Kreise um die beiden Kämpen versammelt hatten, war nun der Strauß ausgefochten worden. Schwedcr hatte bei jedem Zuge lange nachgedacht und trotzdem, wenn auch erst nach anderthalb- stündigem Streite, die Partie verloren. Wichtel hatte viel rascher gespielt und zum Schlüsse eine ungemein sicgcssichere selbstbe- wußte Haltung angenommen. War er doch nun der festen Ucbcr- zeugung, daß er sich nicht getäuscht— Schweder war ihm nicht mehr gewachsen. Er wurde von den Zuschauern lebhast beglück- wünscht. Schweder verlangte eine Revanchepartie. Diese währte noch länger als die erste, wieder spielte Schweder sehr langsam, auf einmal leuchtete es auf seinem Gesicht triumphircnd ans, er machte auffällig rasch, nachdem Wichtel gezogen, seinen Gcgenzug, dann»och rascher die folgenden und kündigte Schachmatt in drei Zügen an. Alle waren außerordentlich überrascht— Wichtel mehr, als jeder andere. Er wollte nach längerem Ni Minnen schon vornehm lächelnd die Achseln zucken— da mußte er«irklich zugeben, daß Schweder recht hatte. Nun gratulirten die Zuschauer Herrn Schweder nicht minder herzlich, als vorher seinem Gegner. Wichtel ärgerte sich gewaltig. Er wollte unter allen Umständen der Held des Tages bleiben; sicherlich hatte er auch nur irgend ein grobes Versehen begangen — sonst hätte Schweder nicht zu siegen vermocht. Er stellte also ohne weiteres die Figuren zu einer dritten— der sogenannten Meisterpartie, die ja selbstverständlich gespielt werden müsse, in Schlachtordnung. Die Zuschauer aber, von denen die meisten lange über ihre gewöhnliche Zeit im Cafv ans- gehalten hatten, waren ganz begeistert, sie versicherten so inter- essante Spiele lange nicht mit angesehen zu haben. Und das mußte man unsren Schachducllantcn lassen, sie spielten jetzt beide anscheinend mit Aufbietung all ihrer Kräfte. Herr Wichtel wurde pnrpurroth vor Aufregung, und dicke Schweiß tropfen rannen ihm von der Stirn. Schweder schien ganz ruhig, aber die Art, wie er spielte, unverwandt den Blick ans das Schach- brctt gerichtet, ohne die Spur einer andern Bewegung als dazu nöthig war, die Figuren hin und herzubewegen,— dieses offen- bare Konzentriren aller Gcistesfähigkeiten auf den einen Punkt— bewies zur Genüge, wie sehr auch ihn das Spiel fesselte. Lange wogte die Schlacht unentschieden hin und her— cnd- lich eroberte Schwedcr einen feindlichen Bauern und die günstigere Stellung. Die Zuschauer wollten bereis wetten, daß ihm auch diesmal der Sieg werden müsse. Da glitt übe-r Schwcders Lippen schattenhaft flüchtig das gewohnte sarkastische Lächeln und er spielte wieder rascher als zuvor. Diesmal folgte jedoch dieser seiner Beschleunigung des Spiels nicht die rasche und gewaltsame Niederwerfung des Feindes, im Gcgentheil, Schwedcr machte plötzlich ein Versehen, das ihn uni den gewonnenen Bauern und den Angriff brachte. Wichtel, der sich vor Aergcr und Erregung die Lippen beinahe blutig gebissen hatte, athmete hoch auf und ließ alle Kunstgriffe und Kniffe spielen, um den Sieg an seine Fahnen zu fesseln. Aber trotzdem Wichtel ini weiteren Verfolge des Schwcderschcn Fehlzuges gar noch einen Offizier eroberte und augenscheinlich das stärkere Spiel bekam, vermochte er das Schach- matt nicht zu erzwingen. Schweder hatte wieder mit erstaunlicher Hartnäckigkeit und Ruhe gespielt� und den Gegner gezwungen, sich selber derart zu schwächen, daß die Partie endlich als unent- schieden abgebrochen werden mußte. Der Kampf hatte im ganzen fast sechs Stunden gedauert. Viele von den Zuschauern waren zu ihrem Leidwesen gezwungen gewesen, das Ense zu verlassen, bevor die Schlacht entgiltig entschieden war. Die wenigen, welche standhaft ausgeharrt, lud jetzt Herr Schweder, der„entsetzlich fatiguirt" zu sein behauptete, und eine Auffrischung seiner Lebensgeister zu bedürfen, zu„einem Gläschen Champagner". Besonders ritterlich klang die Einladung, welche er an seinen sicbrisch erregten Gegner Wichtel richtete, der nicht einen Augenblick zögerte, sie anzunehmen. (Fortsetzung folgt.) I '- 88- Eigenthumliche Freund schaflsbeziehungen in der Thienvett. Naturgeschichtliche Skizzenbildcr von Or. Iacaßy. Freundschastliche Verhältnisse solcher Art, welche die Grund- läge der menschlichen Gesellschaftsorganisatiou bilden, wie staat- lichc Gemeinschaften, Ehebündnisse, Bereinigungen zum Behuf des Lebensunterhaltes oder auch der Geselligkeit, sind unter den Thicreu eine bekannte Erscheinung. Alle diese Verhältnisse der Zuneigung, des Zusammenlebens und Zusammenwirkens haben iudeß das natürliche Merkmal, daß sie stets aus das Einzelwesen einer und derselben Thierart beschränkt sind. Es gibt aber in der Thierwelt einzelne Fälle von Freundschaftsbeziehnngen, die nicht nur zwischen verschiedenen Arten und Gattungen, sondern Christian Daniel Ranch.(Seite 95.) selbst zwischen weit auseinanderstehenden Ordnungen, Klassen, ja sogar Urstämmen des Thierreichs zutage treten. Von ihnen wollen wir im Nachfolgenden in kurzen Umrissen dem Leser Kunde geben. Es sind die Fälle dieser Art bisher nur zum Thcil aufgeklärt und von den Forschern, die sich eifrig mit dem interes- sauten Gegenstände beschäftigten, auf uns verständliche Ursachen zurückgeführt worden. In der Mehrzahl haftet ihnen noch viel Räthselhaftes an, und es könnte hier vor allem auch ein nicht gelehrter Naturfreund und Liebhaber, der Zeit und Gelegenheit zu sorgsamen und andauernden Beobachtungen hat, der Wissen- schaft durch Aufschlüsse wcrthvolle Dienste leisten. Den Uebergang von den zuerst genannten gesellschaftlichen Beziehungen zu unserem Thema bilden die Fälle cigenthümlichcr Gastfreundschaften in der Thierwelt. Sie finden sich ausgeprägt bei einem staatenbildcnden Thier, dem intelligentesten nicht allein unter wirbellosen, sondern selbst unter der Mehrzahl der höheren Thiere, bei den Ameisen. Zunächst sehen wir diese Gastfreundschaft geübt an fremden Arten ihrer eigenen'Gattung. Es kommt in dein Nesthaufen der großen, rothen Waldameise oder Hügelanicise(Forrnica rnfa) als Gast eine kleine, glänzend gelbe Art vor, zu den Knoten- ameisen gehörend— der Hinterleibsstiel derselben ist zweifach 89 geknotet— welche man noch niemals selbständig in eigenen Nestern Fischlein von fast kegelförmiger Gestalt mit stumpfer runder gefunden hat. Man nimmt daher an. dast das Leben dieses Gastes Schnauze, bläulich- weiß, mit drei dunkelblauen Querbinden auf- von seinem Wirthe abhängig sei, in welcher Weise jedoch, das ist fallend und prächtig gezeichnet. Er gehört zu den Makrelen, uns bisher noch völlig unbekannt. Ter Hngelameise sehr ähnlich ist die blutrothc Raubameise(?. sanguinea), ein in seinen Kämpfen und Raubzügen gegen andere Ameisen höchst grausames, jähzorniges Thier, in dessen Nestern mau nichtsdestoweniger eine andere, viel kleinere, gelbe Art vorfindet, die sich bei ihr als Gast eines ungestörten Daseins erfreut. Wenn man bedenkt, daß im allgemeinen die Ameisen gegen andere Thiere, die in ihre Gewalt kommen, eine unerbittliche gnadenlose Feindschaft hegen — wer hätte nicht schon bei einem Waldspaziergang be- obachtct, wie selbst große Käfer unter verzweifelter Gegen- wehr von ihnen bewältigt und in das Nest geschleppt wurden— wie sie insbesondere über alles, was in ihre Wohnung geräth, wüthend herfallen, dem muß eine fernere Thatsach'e ganz erstaunlich vorkommen. Man findet näm- lich in dem Nest bestimmter Ameisen Käferlarven, die bis zu ihrer Entwicklung, und ausgebildete Käser in einer ganzen Anzahl von Arten, die oft ihr ganzes Leben lang als Gäste dort verweilen und bei ihren Wirthcn Schutz und Pflege genießen. So findet sich die Larve des sehr bekannten Gold- oder Rosenkäfcrs(Cetonia aurata) gewöhnlich in den tieferen Nesttheilcn der vorgenannten rothen Waldameise, Ivo sie sich von den vermodernden Holzstückchen nährt, die ihre Gastgeber zusammengetragen. Es gibt unter den Käfern eine Abtheilung, Stutzkäfer, oder Kurzflüglcr genannt(Siapli�Iiniaäae), sehr leicht erkennbar dadurch, daß die sehr verkürzten Flügeldecken den Hinterleib zum größten Theil frei lassen. Von dieser Familie leben verschiedene Arten, die deshalb Ameisen- freunde heißen, in den Nestern kleinerer Ameisen. Was das Verhältniß für den Forscher noch anziehender macht, ist der Umstand, daß mehrere dieser Käfergäste infolge ihres dunkeln Aufenthalts— gerade wie die Käfer der Grotten und Höhlen— im Laufe der Zeit die Augen verloren haben und blind geworden, somit ans liebevolle Gastfreundschaft besonders angewiesen sind. Und diese wird ihnen in vollem Maße zutheil. So lebt der gelbe Keulcnkäfcr(lllaviger fovealatus) unter Steinen in den Nestern der kleinen gelben Ameise(Formica flava), deren Biß ganz besonders schmerzhaft und gefürchtet ist. Wird der Stein aufgehoben und das Nest beunruhigt, so sieht man, wie die Ameisen den Käfer gradeso wie ihre eigenen Puppen anfassen, emporheben und tiefer in das Innere des Baues hineintragen. Welches Motiv die Ameisen bei solcher Gastsreundschaft leitet, ist bisher noch durch- aus unaufgeklärt. Wenn, wie wir annehmen müssen, die Wirthe von der Anwesenheit ihres Gastes einen Bortheil haben, so ist dieser also ein gegenseitiger und es waltet somit wirkliche Freundschaft ob zwischen beiden so vcrschie- denen Thicren. Anders geartet ist das bekannte Freund- schastsverhältniß der Ameisen zu den Blattläusen. Tie letzteren werden wegen ihres süßen LeibcssafteS, der für die Ameisen ein besonderer Leckerbissen ist, von den schlauen Thieren geradezu als Melkkuh benutzt und zu solcher Bestimmung zwangsweise in die Nester getragen. Bon einer gegenseitigen, freiwilligen Freundschaft kann hier füglich nicht die Rede sein und deshalb fällt dies Verhältniß nicht in unser Thema. Wir müßten sonst auch die Sklaven der Ameisen hier vorführen, welche in regelrechten Kriegszügen, Schlachten und Belagerungen — so modern vorgeschritten in der Kultur sind diese Thiere— aus fremden Nestern geraubt und daheim gezwungen werden, alle Arbeiten siir ihre Herren zu verrichten. Wir wenden uns zu einer anderen, merkwürdigen Freundschaftsbeziehnng, welche in der Klasse der Fische stattfindet, zwischen zwei Fischarten aus ganz entfernt stehenden Ordnungen. Es ist das Verhältniß zwischen dem Haifisch und Lotsenfisch. Ueber den sogenannten Menschenhai und seine sprüchwörtliche Raubgier und Ge- fräßigkeit wäre es überflüssig, hier Näheres anzuführen; weniger bekannt dürste sein munterer Begleiter sein. Es ist dies der Lotsenfisch, auch Pilot genannt(I?eu- crates ductor), ein etwa neun bis zwölf Zoll langes 90 in dieselbe Familie, wie der Thunfisch, lebt im Mittclmeer und im Süd Atlantischen Ozean und kommt, iviemohl nicht gcrnde häufig, auf den Fischmarkt zu Trieft, wo man ihn, da sein Fleisch überaus wohlschmeckend ist, sehr thcuer verkauft. Wahrscheinlich ist dieser Fisch derselbe, den Aristoteles irrthümlich als den Bc gleiter des Delphins anführt, und unzweifelhaft identisch mit dem Pompilus der Alten, einem Fisch, der treu den Schiffen im Meere durch die weitesten Strecken folgt und sie erst bei An- Näherung der Küsten verläßt. Das Freundschaftsverhältniß des Lotsenfisches zum Hai ist vielfach angezweifelt worden, es hat sich aber nach allen Beobachtungen der Neuzeit durchaus bestätigt. Philipp Commerson, ein ausgezeichneter französischer Arzt und iliaturforscher des vorigen Jahrhunderts, der eine Reise um die Erde machte und ein geschätztes Werk über die Fische des Mittel- nieeres schrieb, berichtet:„Ich habe immer die Erzählung von dem Lotsen des Haifisches fiir eine Fabel gehalten, nun aber mich doch durch den Augenschein überzeugt, so daß ich nicht mehr au der Wahrheit zweifeln kann. Daß die Lotsen die Brocken verzehren, welche der Hai fallen läßt, begreift man, aber daß er sie nicht verschlingt, wenn sie ihm immer um die Nase schwim- men, begreift man nicht. Ost habe ich gesehen, wie ein Lotsen fisch nach dem ausgeworfenen Specke schwamm und dann zurück zum Hai ging, worauf dieser sogleich selbst kam. Fängt man den Hai, so folgen ihm seine Lotsen, bis man ihn emporwindct, und erst dann fliehen sie. Finden sie aber keinen anderen Hai, so halten sie sich an das Schiff selbst und folgen diesem oft mehrere Tage lang, bis sie wieder ihr Glück gemacht haben. Ter englische Forscher Bennet versichert, daß man die so hurtigen und gewandten Lotsenfische einzig und allein dann fangen könne, wenn man vorher einen Hai geangelt habe. Tie kleinen, treuen Begleiter wollen sich von ihrem Beschützer nicht trennen und um schwimmen ihn, wenn er aus dem Wasser gezogen wird, bis er verendet ist. Und da sie hierbei der Oberfläche mehr als sonst sich nähern, so hält es nicht schwer, sie mit einem langgesticlteu Hamen aufzufischen. Daß die Lotsen den Haifisch auf gute Schiffsbeute, ausgeworfene Köder u. dcrgl. aufmerksam machen, wobei sie ihm freilich ivider ihren Willen oft einen sehr schlechten Freundschaftsdienst leisten, ist wiederholt gesehen worden.' So erzählt der Berliner Naturforscher Meyen in der Schilderung seiner Reise um die Welt, daß der Lotsenfisch dem Hai gc wöhnlich vorausschwimme, sich in der Regel in der Nähe seines Rachens halte oder unter eine seiner Brustflossen begebe, zuweilen auch»ach rechts und links schieße, als ob er auf Entdeckungen ausgehe und darauf eilig wieder zum Hai zurückkehre. Eines Tages wurde von dem Schiffe des Beobachters eine geköderte Angel auSgeivorfcn, da ein Hai in einer Entfernung von etwa zivanzig Klaftern folgte. Mit Blitzesschnelle schoß der Lotsenfisch auf die Lockspeise zu, schien sie sogar zu versuchen, kehrte darauf zum Hai zurück, umschwamm denselben zu wiederholten Malen, peitschte daS Wasser mit dem Schwänze und trieb es so fort, bis sich der Hai unter seiner Leitung in Bewegung setzte und wenige Minuten später richtig ein Opfer seiner Freßgier geworden war. Und ganz ebenso meldet der berühmte Gcofsroy St. Hilairc, der naturwissenschaftliche Begleiter der napoleonischen Expedition nach Aegypten:„Auf unserer Fahrt kam während einer Windstille ein Hai gegen das Schiff geschwommen, nebenher zwei Lotsen fische, welche immer eine gewisse Entfernung hielten, bei ihrer Ankunft das Schiff zweimal von einem Ende zum andern unter suchten, und da sie nichts für ihren Gaumen fanden, weiter zogen, ihren Hai mit sich nehmend. Inzwischen hatte ein Matrose einen Haken mit Speck geködert und warf ihn ins Meer. Tie Fische waren bereits ziemlich weit entfernt, hörten jedoch das Plumpen, kehrten um, und begaben sich, sobald sie den Speck ausgekund schaftct, wieder zu ihrem Freunde, welcher sich währenddessen an der Oberfläche deS Wassers durch Umwälzen u. dergl. belustigt hatte. Sogleich kehrte er um, auf jeder Seite begleitet von einem seiner kleinen Kundschafter, wurde von diesem förmlich auf den Speck, welchen er nicht gewittert zu haben schien, ge stoßen, biß zuerst ein Stück des Köders ab, schnappte noch ein mal zu, hing an der Angel und ward an Bord gezogen. Zwei Stunden später fing man auch einen von den Lotscnfischcn, welche das Schiff noch nicht verlassen hatten." Es offenbaren uns die vorgeführten Thatschen aufs unzweideutigste ein gegenseitiges freundschaftliches Bcrhältniß zwischen beiden Thieren. Die Er klärung reicht entschieden nicht aus, die man gegeben, daß der Lotsensisch deshalb dem Hai folge, weil er in der Nähe dieses großen Räubers vor den Nachstellungen aller anderen Raubfische geschützt sei, während seine Gewandtheit ihn davor bewahre, von diesem seinem Beschützer gefressen zu werden. Noch nie ist beobachtet worden, daß der Hai auch nur den Versuch macht, seinen kleinen Freund sich einzuverleiben, während er sonst nach allem gierig zuschnappt, was ihm vor Augen kommt. Der Lotsen fisch ist eben das einzige lebende Wesen, das der Hai um sich und in seiner nächsten Nähe duldet.(Fortsetzung folgt.) Das neue Rech! im neuen Reich. Bon D. II. Tie allgemeinen Grundsätze des Strafprozesses und Civilprozrssrs in ihrer Gegensätzlichkeit und Gemeinsamkeit. ») Tie Offizial- und Berhandlungsmaximc. Ter Strafprozeß und der Civilprozcß dienen beide der Ber- wirklichung des materiellen Rechts. Tic Strafprozeßordnung und Civilprozeßordnuiig stellen die Normen auf, in denen ein Rechts- streit seiner Entscheidung cntgegengeführt werden soll. Boraus- setzung eines jeden Eivil- oder Strafprozeßvcrfahrens ist eine Rechtsverletzung. Indem der Staat Gesetze über das Civil- und Strafprozeßvcrsahreu erläßt, kommt er der ans dem Recht der Justizhoheit fließenden Pflicht nach, für Wiederherstellung des gestörten Rechtszustandcs Sorge zu tragen. Tie Natur der Rechte aber, deren Schutz Aufgabe des Strafprozesses einerseits und des Civilprozesses andrerseits ist, bedingt aber eine viclfache�Berichie denhcit der Gestaltung des Strafprozesses und Civilprozesses selbst. Im Strafprozeß wird der Strafanspruch des Staates, im Civilprozcß irgendein bestrittener Anspruch eines einzelnen, einer Privatperson verfolgt. Im Strafprozeß steht das öffentliche Recht, im Civilprozeß das Privatrccht in Frage. Tort ist der Kläger der Staat, hier eine Privatperson. Es greift also der ivescntlichc Unterschied zwischen dem öffentlichen und privaten Recht Platz, welcher vorwiegend darin zu finden sein wird, daß das öffent lichc Recht der Disposition den einzelnen Individuen entzogen, während ein privates Recht dem Verzichte des Berechtigten unter- worsen ist. Alle Privatrcchte sind ganz oder theilweise veräußcr lich, das öffentliche Recht ist unveräußerlich, keinem andern Willen, als dem Willen des Staates unterthan, und letzterem auch nur insofern, als der Staat als gesetzgebender Faktor Gesetze ab und neu schaffen kann. Solange ein Gesetz, z. B. ein Strasgctz, besteht, sind nur die Organe des Staates gezwungen, dasselbe an zuwenden: sie können nicht nach Belieben ein Gesetz in diesem Falle ignoriren, in jenem zur Anwendung bringen. Aus diesem grundsätzlichen Gegensatz zwischen öffentlichem und privaten Recht basirt ein grundsätzlicher Unterschied zwischen dem Strafprozeß und Civilprozcß. In der Wissenschaft ivird derselbe folgendermaßen ausgedrückt. Der Strafprozeß steht unter der Herrschaft des Offizialprinzips, der Civilprozeß unter der Herrschaft der Verhandlungs- oder Dispositionsmaxime. Das erste Prinzip bedeutet: das Verbrechen ist ein nicht wieder gut zu machender Rechtsbruch, welcher dem Staate zur Gcnugthuung und dem Verbrecher zur Strafe verfolgt werden muß. Aus diesem Prinzip« folgt, daß der Staat Organe für die Strafverfolgung— die Staatsanwaltschaft— bestellt, welche die Klage kraft Gesetzes zufolge ihrer amtlichen Pflicht zur Verfolgung des Verbrechers zu erheben haben, und welche sich dieser Pflicht ebensowenig entziehen können, als der Verbrecher der Strafe aus eigenem Willen sich entziehen kann. Weiter stellt sich als eine Konsequenz dieses Prinzips, ivelche allerdings erst die modernen Strasprozeßgesetze gezogen haben, das Streben nach materieller Wahrheit, die Befreiung des Richters von allen bindenden Beweis- regeln bei der Frage nach dem Vorhandensein einer Schuld dar. Weil in früheren Jahrhunderten das Verbrechen nicht als Ver- letzung des öffentlichen Rechts, vielmehr als eine Private Rechts- Verletzung aufgefaßt worden ist, der Anspruch auf Strafe daher nicht als ein Recht des Staates erschien, sondern jedem andern Privatrechtsanspruch, z. B. jedem Eigenthumsanspruch, gleich- geachtet wurde, so war es Sache des Verletzten, den Verbrecher zur Strafe zu ziehen, sei es, wie dies in den ersten historischen Zeiten der Fall war, im Wege der Blutrache, sei es dadurch, daß er selbst als Ankläger vor Gericht erschien. Der Staats- anwalt unsrer Zeit ist den Zeiten des Mittelalters unbekannt. Weil aber nach der modernen und unzweifelhaft richtigen Ansicht das Verbrechen als öffentliche Rechtsverletzung bestraft werden muß, so kann natürlich auch nur das zur historischen Gewiß- heit erhobene, das erwiesene Verbrechen bestraft werden. Bei diesem modernen Charakter der Verbrechensverfolgung kann natürlicher- und billigerweise auch allein die freie richter- liche lieb--zeugung über die Schuldfrage, über die Beweisfrage entscheide!.. Dieser freien richterlichen Ueberzeugung dürfen, soll nicht ein abscheulicher Gewissenszwang ausgeübt werden, unter keinen Umständen durch etwaige gesetzliche Beweisregeln, denen zufolge er beim Vorhandensein gewisser, gesetzlich anerkannter Beweisgründe, z. B. des Geständnisses, die Schuldfrage bejahen muß, Schranken gesetzt werden. Es ist fast selbstverständlich, und es hieße unserm Jahrhundert einen Schlag in das Gesicht geben, wenn es nicht so wäre, daß die Reichsstrafprozeßordnung das Offizialprinzip und dessen Konsequenzen in sich aufgenommeü hat. Paragraph 152 derselben sagt:„Zur Erhebung der öffent- lichen Klage ist die Staatsanwaltschaft berufen." Dieselbe ist, soweit nicht ein anderes gesetzlich bestimmt ist, verpflichtet, wegen aller gerichtlich strafbaren und verfolgbaren Handlungen einzuschreiten, sofern zureichende thatsächliche Anhaltspunkte vor- liegen. Das Prinzip der fteien Beweiswürdigung findet hingegen leine Anerkennung im Paragraph 260 der Strafprozeßordnung, wo es heißt:„Ueber das Ergebniß der Beweisaufnahme entscheidet das Gericht nach seiner freien, aus dem Inbegriff der VerHand- lung geschöpften Ueberzeugung." Der Eid der Verletzten oder Angeklagten, oder gar sogenannte Eideshelfer, wie dies im alt- deutschen Prozeß möglich ivar, sind nicht, ebensowenig das Ge- ständniß, als Beweisgründe anerkannt. Ein Angeklagter muß, auch wenn er des Verbrechens geständig ist, freigesprochen werden, sofern Grund zu der Annahme vorhanden ist, daß er das Ge- ständniß wider die Wahrheit abgelegt hat, ein Fall, der zwar unwahrscheinlich, aber doch in der Praxis wiederholt vorgckoinmcn ist. Wie anders gestalten sich aber diese Dinge im Civilprozeß, wo allein Privatrechte, veräußerliche, dem Verzichte der Parteien unterliegende Rechte in Frage stehen. Zwar hat auch der Civil- bpozeß, und dies ist eine der wichtigsten Neuerungen, welche die Civilprozeßordnung getroffen hat, das Prinzip der fteien richter- lichen Beweiswürdigung anerkannt. Der ftühere gemeine deutsche und sächsische Civilprozeß insbesondere hatte eine Unzahl von gesetzlichen Beweisregeln aufgestellt, durch welche der Richter, waren die Voraussetzungen dieser Regeln gegeben, gezwungen Beweis als ganz oder halb erbracht anzusehen, ohne Rücklicht ans seine eigene Ueberzeugung, und gleichviel, ob die -i-hatsach? in Wirklichkeit wahr oder unwahr war. So waren z. B. zum vollen Beweis zwei klassische Zeugen nothweudig. War nur ein, wenn auch völlig glaubhafter Zeuge vernommen, durch dessen Aussage die bestrittene Thatsache für jeden Menschen als wahr erwiesen wurde, so mußte dennoch, zufolge der Beweis- regel, daß nur zwei Zeugen vollen Beweis geben, der Richter der einen oder andern Partei noch einen Reinigungs- oder Bestärkungseid auferlegen, welcher noch abgeleistet werden mußte, ehe die Thatsache für juristisch erwiesen, für formell wahr an- gesehen werden konnte. Die Folge davon war, daß einerseits vielfach überflüssige Eide geschworen werden mußten, daß andererseits gewissenlose Parteien durch Leistung von Glaubenseiden die Wahrheit von Thatsache» ablehnten, für welche ein hoher Grad von Wahr- scheinlichkeit erbracht worden war. Es würde zu weit führen, alle die gesetzlichen Beweisregelu aufzuführen. Es sei darum blos konstatirt, daß die materielle Wahrheit durch dieselben oft die empfindlichste Einbuße erlitt und das gute Recht durch das formelle Beweisprinzip oftmals gebeugt ivurde. Ein Sieg der materiellen Wahrheit ist es daher, wenn Z 259 der Civilprozeßordnung bestimmt: Das Gericht hat unter Berücksichtigung des gesammten Inhalts der Verhandlung und des Ergebnisses einer etwaigen Veweisausnahme nach freier Ueberzeugung zu entschei- den, ob eine thatsächliche Behauptung für wahr oder nicht wahr zu erachten sei. Ist durch diese Bestimmung dem Uebelstand, daß die mate- riclle Wahrheit in den schreiendsten Widerspruch mit der formellen juristischen Wahrheit tritt, ein Riegel vorgeschoben, so bedingt doch die Natur der im Civilprozeß zu verhandelnden Rechte eine gewisse Beschränkung des Grundsatzes der fteien richterlichen Be- weiswürdigung, wie sie der Strafprozeß nicht kennt. Es existiren daher auch nach der Civilprozeßordnung gesetzliche Beweisregeln, z. B. in Beziehung ans den Beweis durch Urkunden und durch Eid. Bezüglich der Regeln des Urkundenbeweises muß hier aus die Bestimmungen der Civilprozeßordnung verwiesen werden. Bei Würdigung der Beweiskraft des Eides muß selbstverständ- lich das richterliche Ermessen ausgeschlossen sein. Eine beschwo- reue Thatsache muß der Richter als wahr erachten, so lange der- jeuigen Partei, welche den Eid geleistet hat, eine Verletzung der Eidespflicht nicht nachgewiesen ist. Ebenso muß der Richter diejenige Thatsache als erwiesen ansehen, in Beziehung auf welche der Eid verweigert oder erlassen worden ist. Eine weitere Konsequenz der den Civilprozeß be- herrschenden Dispositionsmaxime ist, daß das gerichtliche Geständ- niß im Civilprozeß eine ganz andere Bedeutung hat, als im Strafprozeß. Im letzteren gilt es nur insofern, als es einen Grund für die Ueberzeugung des Richters von der Schuld d-- Angeschuldigten in sich trägt. Im Civilprozeß trägt das' ständniß den Charakter eines Verzichts an sich, und zwar gellt es hier einen Verzicht auf den Beweis einer Thatsache dar, welche letztere infolge dessen eines Beweises nicht mehr bedarf. Das Gestäudniß der Partei sowohl als ihres Vertreters ist deshalb auch unwiderruflich, ausgenommen die geständige Partei beweist, daß ihr Geständniß der Wahrheit nicht entspräche und durch einen Jrrthum veranlaßt sei. Am prägnantesten wird aber der Charakter des Civilprozesses im Gegensatz zum Strafprozeß durch die einfache Thatsache dargestellt, daß ini Civilprozeß der Kläger die ihr persönliches Recht verfolgende Privatperson, nicht der durch den Staatsanwalt vertretene Staat ist, daß, soweit der Staat als Kläger oder Beklagter im Civilprozeß auftritt, er jeder anderen ihr Recht suchenden Partei gleichgeachtet wird und er kein größeres oder geringeres Maß von Rechten und Pflichten als jeder andere Kläger oder Beklagte hat. Zwar gilt auch im Strafprozeß der Grundsatz, wo kein Klä- ger, auch kein Richter; jedoch liegt bei dem Vorhandensein eines Verbrechens der gesetzliche Zwang für den Staatsanwalt zur Klage vor und ist auch das Gericht vielfach gezwungen, von amtswegen ohne Antrag der einen oder anderen Partei thätig zu werden. Soweit es sich hingegen um im Wege des Civil- Prozesses vcrfolgbare Rechte handelt, steht es jedem, dessen Recht verletzt ist, frei, Klage zu erheben oder nicht. Er kann jederzeit auf sein Recht verzichten und dadurch den Rechtsstreit gegenstands- los machen. Er ist auch innerhalb gewisser Schranken befugt, die einmal erhobene Klage zurückzuziehen. Es steht überhaupt jeder Partei, dem Kläger sowohl wie dem Beklagten, frei, welche der im einzelnen Falle gegebenen Angriffs- und Vertheidigungs- mittel sie geltend machen will. Die schwerstwicgende Konsequenz dieser sogenannten Verhandlungsmaxime liegt aber darin, daß der Richter außer den Prozeßkosten der Partei nie etwas zu- sprechen darf, was nicht beantragt ist. Ueber dem Willen des Richters steht in Bezug auf das Streitobjekt der Wille der Partei. Gewiß sind die Offizial- und Verhandlungsmaxime diejenigen Grundsätze, durch welche der Strafprozeß und Civilprozeß in den entschiedensten Gegensatz treten. Doch wird keiner der Prozesse von einer jeden so ausnahmslos beherrscht, daß nicht auch die Offizialmaximc ihre Wirksamkeit im Civilprozeß und umgekehrt die Verhandlungsmaxime im Strafprozeß zeige. In letzterer Beziehung muß vor allem auf die im Wege der sogenannten Privatauklage verfolgbaren und Antragsverbrechen hingewiesen werden. Es gibt gewisse Vergehen, z. B. Beleidigungen, Körper- Verletzungen, Verletzung des Briefgeheimnisses, Diebstahl und Unterschlagung unter Verwandten in auf- und absteigender Linie und andere, deren Verfolgung entweder ganz dem Verletzten überlassen ist oder aber bei denen die Verfolgung durch den Staatsanwalt erst dadurch bedingt ist, daß der Verletzte Strafantrag stellt. Hinwiederum wird der Staatsanwalt im Civilprozeß thätig, so im Eheprozeß und im Entmündigungsverfahren. Der Grund für diese Ausnahme liegt offenbar darin, daß in diesen Fällen das öffentliche und private Interesse ineinander überfließt, -- 92- daß da, wo eigentlich nur Privatrechte, wie eben in Ehe- und maxime noch die Civilrechtspflege ohne die Verhandlungsmaxime Entmündigungssachen, in Frage kommen, immerhin ein öffentliches aufrecht erhalten werden kann. Ein Aufgeben der Lffizialmaxime Interesse mit berührt wird, daß hingegen in den Fällen der An- im Strafprozeß würde schneller oder langsamer die Rechtsord- tragsvergchen das Interesse des Staates an der Strafverfolgung nung in ein Chaos verwandeln und als Rechtsmittel schließlich von Verbrechen nicht von der Bedentiing ist, daß er es dem Ver- nur die Blutrache übrig lassen. Eine Beseitigung der Ver- letzten überläßt, die Strafverfolgung zu' veranlassen. Doch diese Handlungsmaxime im Zivilprozeß würde die Grundveste der bür- Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Beide Prinzipien sind gerlichen Rechtsordnung, die Freiheit der Person und ihres Ver- eben derart, daß weder die Strafrechtspflcgc ohne die Offizial- � mögens erschüttern. Johann Wolfgang Goelhe. Von Dr. Mar Vogter. (Fortsetzung.) In der folgenden Zeit beschäftigte sich Goethe nur mit kleineren dichterischen Arbeiten, als ob er sich erst für große Schöpfungen wieder sammeln und vorbereiten wolle. Schon wie er am„Werther" thätig war, hatte er sich mit einem vielversprechenden Drama „Mahomet" getragen, von welchem aber nur ein kleines Bruch- stück vollendet wurde. Daneben und darnach entflossen eine Reihe dramatischer Scherze,„belebter Epigrainme", darunter ein Angriff gegen Wieland, seiner unermüdlichen Feder, und unter die Reihe dieser Skizzen und rasch hingeworfenen Kleinigkeiten kann füglich auch das nach dem Memoire Beaumarchais geschaffene, durch sein Verhältniß zu Anna Sibylla Münch entstandene und im Jahre 1774 veröffentlichte Drama„Clavigo" gerechnet werden, welches innerhalb des kurzen Zeitraums von noch nicht einmal acht Tagen vollendet wurde und als Stück an sich wohl regelmäßiger und bühnengerechter als der„Götz", aber sehr ivenig selbständig ge- arbeitet ist und an innerer Bedeutung sehr gegen die vorher- gegangenen beiden großen Werke absticht. Von weiteren Ent- würfen und kleineren Produkten sind neben seiner zweifelsohne ebenfalls in diese Zeit fallenden Beschäftigung mit dem„Faust" gleich hier noch zu erwähnen der Plan zu einem Drama„Pro- metheus", die Schauspiele mit Gesang„Erwin und Elmira" und„Klaudine von Nilla bella", das Bruchstück des epischen Gedichts„Der ewige Jude" und das die lange verkannten Meister- sänger wieder zu allgemeiner Geltung bringende Poem„Hans Sachsens poetische Sendung". Weittragenden Einfluß übte auf den Dichter das Zusammen- treffen mit Männern ivie Joh. Kaspar Lavatcr, dein frommen Schwärmer und herrschsüchtigen pfäffischen Heuchler(1741— 18l)1), Basedow, dem begeisterten Anhänger Rousseau's und seiner Er ziehungslehre(1724—1790), welche ihn beide in Frankfurt be- suchten, und mit denen er dann die bekannte Nheinrcise unternahm, und vor allem mit Friedrich Heinrich Jakobi(1743— 1819), mit dem er auf dieser Reise zusammentraf, und mit dem ihn seine durch den jüdischen Philosophen Spinoza geweckte und genährte religiös philosophische Schwärmerei in fast leiden- schaftlicher Weise verband. Welch' einen bedeutenden Eindruck der Dichter auf alle, die mit ihm in Berührung kamen, hervor- brachte, geht wieder aus den Worten hervor, in welchen sich Ja- kobi und Joh. Jak. Wilh. Heinse(1749—1803), der Verfasser lebendig geschriebener Kunstromane, zu dem Goethe damals eben- falls in Beziehung trat, über ihn aussprechen.„Je mehr ich's überdenke," schrieb Jakobi au Wieland—„je lebhafter empfinde ich die Unmöglichkeit, dem, der Goethe nicht gesehen noch gehört hat, etwas Begreifliches über dieses außerordentliche Geschöpf Gottes zu schreiben. Man braucht nur eine Stunde bei ihm zu sein, um es im höchsten Grade lächerlich zu finden, daß er an- ders denken und handeln soll, als er wirklich denkt und handelt. Hieraus will ich nicht andeuten, daß keine Aenderung zum Schö- neren und Besseren in ihm möglich sei; aber nicht anders ist sie ihm möglich, als so wie die Blume sich entfaltet, wie die Saat reist, wie der Baum in die Höhe wächst und sich krönt." Und Heinse berichtet an Gleim:„Goethe war bei uns, ein schöner Junge von fünfundzwanzig Jahren, der vom Wirbel bis zur Zehe ein Genie und Stärke ist. ein Herz voll Gefühl, ein Geist voll Feuer mit Adlerflügeln; ich kciiuc keinen Menschen in der Geschichte, der in solcher Jugend so rund und so voll von eigenem Genie gewesen wäre wie er".... Ferner empfing Goethe nach seiner Rückkehr von der Rheinreisc in Frankfiirt u. A. noch die Besuche Klopstocks und Joh. Georg Zimmermanns(1728—1795), des Autors der berühmten und einen gesunden Geist athmenden „Betrachtungen über die Einsamkeit"*)(Zürich, 1856), denen sich im Dezember von 1774, als der wichtigste und folgereichste noch der des Hauptmanns Karl Ludwig von Knebel anschloß, welcher sich als der Lehrer des Prinzen Konstantin von Weimar mit dieseni und dem Erbprinzen Karl August auf einer Reise nach Frankreich befand und ihn mit den Prinzen, von denen der eine, Karl August, gerade den„Götz" gelesen hatte, bekannt machte. Goethe war darauf, zum großen Mißvergnügen seines demokra- tisch gesinnten Vaters, der den Sohn am liebsten von allen Hof- kreisen fern gehalten hätte, mehrere Tage mit den sürstlichen Personen in Mainz zusammen und hatte so Gelegenheit, seinen späteren edlen Freund Karl August näher kennen zu lernen. Ein neues Liebesverhältniß, in das er sehr bald nach der Rückkehr von Mainz verwickelt wurde, wirkte ebenfalls bestimmend auf seine nächsten, für sein ganzes Leben so bedeutungsvollen Pläne und Entschließungen ein. Der Gegenstand dieser, sogar zu einer Verlobung führenden Neigung, war die sechszehnjährige, durch Anmuth und Reichthum gleich verlockende Anna Elisabeth Schönemanii, die wir unter dem Namen„Lili" in seinen Ge- dichten besungen finden. So glücklich Goethe in seiner süßen Tändelei und holdem Selbstbetrug sich anfangs in dieser Leiden- schaft auch gefühlt zu haben scheint, so hatten doch die großen Charakterunterschiede zwischen der graziösen, leichtlebigen, koketten Tochter der Bankiers-Witwe und dem jetzt selbstbewußt den höch- sten künstlerischen Zielen zustrebenden Dichter nicht minder wie das kühle Verhältniß der in ihrer Anschauung?- und Lebensweise sich durchaus entgegengesetzten Fanulien, sowie gleicherweise das Unbehagen, welches Goethe in den rauschenden, allen erdenklichen Prunk und Pomp entfaltenden und dabei euffetzlich geistlosen Gesellschaften des reichen Handelshauses empfand, bald tiefe Ver- stimmungen zur Folge, die im Verein mit den heftigen Einwänden der nunmehr als Gattin Schlossers zu Emmendingen lebenden Schwester Cornelia und dem Freunde des Dichters, wie vorher gegen die Verlobung, so nun vollends gegen eine Heirath, Goethe zu dem ernstlichen Versuche, sich von dem allerdings bestrickenden, von der ganzen Poesie zarter Mädchenschönheit umflossenen Ge- schöpf loszureißen bewogen. Mit den Grafen von Stolberg und Gras Haugwitz, in deren und Fr. Maximilian Klingers(des Verfassers von„Sturm und Drang") Gesellschaft er erst in der Umgebung Frankfurts um- herschweifte, trat er gegen Ende Mai 1775 eine Reise nach der Schweiz an und traf in Karlsruhe wieder mit dem Erbprinzen Karl August zusammen, der ihn dringend einlud, einige Zeit am Weimarer Hose zu verleben. In Zürich besuchte er neben Lavater auch den greisen Bodmer und erhielt mannichfache Anregungen; aber was er vor allem von der Reise erwartet, Zerstreuung und Erlösung von der ihn noch immer gefangen haltenden Leiden- schaft zu Lili, fand er weder in dem toll genialen Treiben, dem sich die unruhigen jungen Schöngeister hingaben, noch im An- blick der unvergleichlichen Bilder der alpinen Natur, und so sehr ihm auch sein Vater die Fortsetzung der Reise nach Italien ein- pfohlen hatte, so sehr ihn selbst ein eigenes Verlangen nach diesem Wundergarten der Schönheit und Lust hinüberzog, er wendete doch den Schritt und kehrte, von der Sehnsucht nach dem an- muthigen Mädchen bezwungen, nach Frankfurt zurück. *) Bon diesem trefflichen, später(Leipzig, 1784 ff., 4 Thle.) erweiterten Werke erschien vor kurzem bei Edwin Staude in Berlin ein das wesentlichste wiedergebender Auszug nebst einer kurzen Biographie Zimmcrniann's, die wir bei dieser Gelegenheit allen Lesern warm em- psehlen(Preis: 1 Mark). Der Berf. 9-' Hier verlebte er zunächst unruhige und unglückliche Tage! da er sidj trotz alles Veruunftgründe doch nicht von Lili loszureißen vermochte und diese selbst, ungeachtet der von anderer Seite unternommenen Bemühungen, eine Trennung der beiden herbei- zuführen, treu bei dem Geliebten ausharrte, den sie, nach ihrem eigenen Gcständniß,„als den Schöpfer und Unterhalter ihrer ganzen moralischen Existenz" erkennen gelernt hatte. Nur die Beschäftigung mit der Poesie gewährte ihm wieder einigen Trost und einige Beruhigung, und nachdem bereits noch das sehr schwache Drama„Stella" beendet worden war, begann er jetzt i die erst viel später vollendete Tragödie„Egmont". Endlich wurde die Verlobung mit Lili aufgehoben: ihr Bild verließ ihn aber nicht, sondern' folgte ihm auch nach Weimar, wohin wir ihn nun zu begleiten haben werden. Der Erbprinz von Weimar, welcher, erst achtzehnjährig, am 3. September die Regierung angetreten hatte, kam nämlich auf der Rückreise von Darmstadt, wo er sich am 3. Oktober mit der Prinzessin Luise von Hessen-Tarmstadt vermählt hatte, am 12. des zuletzt genannten Bionats abermals nach Frankfurt und wiederholte noch dringlicher seine Einladung, daß Goethe nach I Weimar kommen möge. Trotz alles Widerstrebens von Seiten des Baters erklärte er sich, von dem lebhaften Verlangen, vor allem Frankfurt den Rücken zu kehren, geleitet, jetzt bereit, dieser Einladung zu folgen. Durch das Eintreten von Umständen, die hier nicht weiter erzählt zu werden brauchen, erfolgte die Reise »ach der kleinen großherzoglichen Residenz von Heidelberg aus. I Welch einer bedeutungsvollen Periode seines Lebens und Schaf- fens er in Weimar entgegenging, konnte er jetzt noch nicht ein- inal ahnen, und seiner Heidelberger Wirthin, die ihn für die Reise nach Italien zu bestimmen suchte, rief er, wie er am Schluß von„Wahrheit und Dichtung" erzählt, bezeichnend genug die Worte Egmonts zu:„Kind, Slind! Nicht weiter! Wie von un- sichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch, und uns bleibt nichts, als muthig gefaßt die Zügel zu halten und bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Stege da, die Räder abzulenken. Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam!..." „Die lustige Zeit in Weimar" hat man die ersten Jahre, die Goethe in Weimar verbracht, genannt, und man mag dieser Bc zeichnung im ganzen zustimmen. Es war eine wunderlich bunt zusammengewürfelte Gesellschaft, sowohl was Rang und Stand wie Meinung und Lebcnsanschauung anlangt, die sich hier zu einem zwanglos gemüthlichen Kreise vereinigt hatte, dessen ein- zelne Glieder hingegen in ihrem schöngeistigen Streben, in der Vornehmheit ihrer Geister den besten gemeinsamen Berührungs- punkt besaßen. Die hervorragendsten Persönlichkeiten dieses Kreises wenigstens müssen wir uns etwas genauer ansehen. Da ist vor allem der junge Herzog Karl August selbst, ein Mensch, der sich durch mancherlei innere Kämpfe und Wandlungen jene Selbständigkeit des Charakters, jene Festigkeit des Willens erwarb, die ihn einmal vorgesteckte Ziele, unbeirrt durch gegen- theilige Stimmen, kamen sie, woher sie wollten, mit eiserner Konsequenz erreichen ließ, ein Feind alles äußerlichen Cerenioniells und leeren Formenkrams, kurz und bestimmt in seinem Auftreten, von einem rastlosen Triebe nach Thätigkeit beseelt, die dem von ihm regierten Volke galt, wie bei selten einem, die das Szepter führten, ein Mann, der das edelschöne Wort Friedrichs des Großen:„Der Fürst ist nur der erste der Unterthanen" in seinem ganzen Thun und Lassen verwirklichte, und von dem Merck, den mau wahrlich nicht der Liebedienerei zeihen darf, in einem Briefe an Nicolai mit Recht sagen konnte:„Das Beste von allem ist der Herzog, den die Esel zu einem schwachen Menschen gebrand- markt haben, und der ein eisenfester Charakter ist. Ich würde aus Liebe zu ihm ebendas thun, was Goethe thut____ Ich sage Ihnen aufrichtig, der Herzog ist einer der respektabelsten und gescheitesten Menschen, die ich je gesehen habe,— und überlegen Sic, dabei ein Fürst und ein Mensch von zwanzig Jahren____" Dann die Mutter des Herzogs, Anna Amalia, eine Frau, die eben infolge ihrer hohen Bildung� und ihres lebhaften Kunst- sinncs in gleichem Maße, wie ihr Sohn, sich den Fesseln gehalt- loser Etiquette enttvand und durch die Heiterkeit und Gutmüthig- keit ihres Naturells in freundlichster Weise auf ihre hohe und niedere Umgebung einwirkte.— Ferner die in sich gekehrte und wortkarge, aber nichtsdestoweniger von allen den bedeutenden Geistern, die in ihre Nähe kamen, hochverehrte Gemahlin des Herzogs, Luise, die selbst einem Napoleon I. zu imponiren wußte,- der ihr in Bezug auf sein wenig mittheilsames Wesen ähnliche � Prinz Konstantin,— Knebel, Wieland, der seit zwei Jahren den „Deutschen Merkur", eine der einflußreichsten Literaturzeitschriften von damals, herausgab, der Märchendichter Musäus, der Uebcr- setzer des„Don Quixote" und geheime Kabiuetssekretär des Herzogs F. I. Bertuch, der Komponist goethe'scher Lieder Kainnier- : Herr Freiherr von Seckendorfs, der mit dramatischem Talent be- ! gabte Hildebrandt von Einsiedel, denen sich im Oktober 1776 noch Herder, der durch Goethe's Vermittlung als Generalsuper intendent nach Weimar berufen wurde, anschloß,— die kleine und verwachsene Hosdame der Herzogin Amalia, Thusnelda von Göchhausen, die, seit 1778 freilich erst in Weimar anwesende und ! ebenfalls durch den Dichter herangezogene schöne Hoffängerin Korona Schröter, die Gräfin von Werther,— und unter diesen Frauen endlich und vor allen Charlotte von Stein. Wie groß der Eindruck der goethe'schen Persönlichkeit gleich von Anfang an in Weimar gewesen ist, dafür sind zunächst die Briefe Wielands ein beredtes Zeugniß.„Goethe, den wir seit neun Tagen hier besitzen,"— schreibt der letztere u. a.— „ist das größte Genie und der beste liebenswertheste Mensch, den ich kenne."—„Ich lebe nun neun Wochen mit Goethe und lebe, seit unsre Seelenvereinigung so unvermerkt und ohne allen effort nach und nach zu Stande gekommen, ganz in ihm. Es ist in allen Betrachtungen und von allen Seiten das größte, beste, herrlichste, menschliche Wesen, das Gott geschaffen hat."—„Heute mar eine Stunde, wo ich ihn erst in seiner ganzen Herrlichkeit, der ganzen schönen, gefühlvollen, reinen Menschheit sah. Außer mir kniet' ich neben ihm, drückte meine Seele an seine Brust und betete Gott an." Und ein anderes mal wird er zu der Ucberschwänglichkeit gedrängt, daß er sagt, er hätte„Goethe vor Liebe fressen können____" Der geniale junge Dichter wurde schon in der ersten Woche seiner Anwesenheit in Weimar der vertrauteste Freund des Her- zogs, der ihm gegenüber seine fürstliche Würde völlig vergaß, mit ihm zusammen speiste, oft in demselben Zimmer schlief und sich brüderlich mit ihm„Tu" nannte, und es war noch ein Stück kraftgcnialischer Tollheit, welches die beiden, allen andern voran, während der ersten Monate ihres Zusammenlebens zum Entsetzen des ehrsamen Weimars und zum nicht geringen Erstaunen auch weiterer Kreise in Deutschland mitsammen aufführten. Die wil- desten Reitervergnügungen, Jagd, Trinkgelage, Schlittenfahrten, Schlittschuhlaufen(welches letztere seit Goethe's Ankunft auf dem Jchwancnteiche der kleinen Residenz„zur Wuth" wurde), Tanz, Maskeraden u. s. w. waren an der Tagesordnung, und es ist bekannt, daß Goethe im Mai von 1776 über dieses ausgelassene Treiben selbst sich in einem Briefe an Merck äußerte:„Ich trcib's hier toll genug und denk' oft an dich. Wir machen des Teufels Zeug." So schlimm schien dem guten Älopstock dieses„Teufelszeug", daß er sich zu einem ernsten Briefe der Mahnung und Warnung an Goethe genöthigt sah, in welchem er beispielsweise sagt:„Der Herzog wird, wenn er sich ferner bis zum Krank- werden betrinkt, anstatt, wie er sagt, seinen Körper dadurch zu stärken, erliegen und nicht lange leben. Es haben sich wohl starkgebornc Jünglinge, und das ist denn doch der Herzog gewiß nicht, auf diese Art frühe hingeopfert." Goethe antwortete darauf u. a.:„Verschonen Sie uns künftig mit solchen Briefen, lieber i Klopstock! Sie helfen uns nichts und machen uns immer ein I paar böse Stunden." Durch die Schroffheit, mit welcher der allzu besorgte Sänger des„Messias" diesen Brief beantwortete, wurde übrigens ein vollständiger, nie wieder geheilter Bruch zwischem ihm und Goethe herbeigeführt. Nun hat aber Goethe an dem tollen Wirbel solcher Zer- streuungen, in welchem er in diesem Falle vor allem wohl seine, wie gesagt, noch immer heimlich in seiner Seele fortwebeude Neigung zu Lili ersticken und vergessen wollte, niemals lange Gefallen gefunden; er suchte in der idyllischen Umgebung Weimars und Jenas wieder den Umgang mit der Natur, und wie sehr er das Bedürfniß nach Ruhe und Sammlung empfand, spricht sich ergreifend in dem am 12. Februar 1776 am Hang des Ettersbergs gedichteten„Nachtlied" des„Wanderers" aus, welches, eben weil es so charakteristisch für seine damalige Stimmung ist, trotz seiner formellen Mängel hier eine Stelle finden mag: „Der du von dem Himmel bist, Alles Leid und Schmerzen stillest, Den, der doppelt elend ist, Doppelt mit Erquickung füllest, Ach, ich bin des Treibens müde! Was soll all' der Schmerz und Lust? Süßer Friede, Komm, ach komm in meine Brust!..." Als Goethe diese Verse schrieb, hatte die Liebe zu Frau von Stein, an die sie auch gerichtet sind, schon sein ganzes Wesen ein- genommen, und wir müssen jetzt das Verhältniß des Dichters zu dieser ebenso durch ihren Geist wie durch den Zauber ihrer Per- sönlichkeit vrrführerischen Frau kurz berühren. Kein weibliches Wesen vielleicht ist von Goethe mit solcher Gluth, so tief, mit einer derartigen, seiner innersten Seele entstammenden Leidenschaft geliebt ivorden wie Charlotte von Stein; das aber ist gewist, dast keine andere einen so großen und überaus heilsamen Ein- sluß auf sein dichterisches Schaffen geübt hat, wie sie. Sie war Hosdanie und die Gemahlin des Oberstallmeisters von Stein, dem sie, als Goethe ihre persönliche Bekanntschaft machte, 33 Jahre alt, damals bereits sieben Kinder geboren hatte.„Die beste unter allen"-- sagt Schiller einige Jahre später über sie—„war Frau von Stein, eine wahrhaftig eigene interessante Person und von der ich begreife, dast Goethe sich so ganz an sie attachirt hat. Schön kann sie nie gewesen sein, aber ihr Gesicht hat einen sanften Ernst und eine ganz eigene Offenheit. Ein gesunder Ver- stand, Gefühl und Wahrheit liegen in ihrem Wesen." Und Lewes spricht sich so über sie aus:„Wir können die Gewalt ihrer Per sönlichkeit ahnen, wenn wir ihr Bild betrachten und uns diese feinen koketten Züge mit dem Reiz der Sinnlichkeit, der Heiterkeit und der Weltbildung beseelt denke». Sie konnte gut singen, spielen, zeichneu, sie sprach gut, wußte Poesie zu würdigen und behau- delte Gefühlssachen mit dem zarten Takt einer Frau von Welt." Diese Frau wurde bald die nächste Vertraute seines Seelenlebens, und nicht nur, daß die glühende Leidenschaft, die der Dichter bald nach der ersten Begegnung schon zu ihr empfand, ihm eine Reihe seiner schönsten lyrischen Poesien eingab, sie wirkte auch direkt auf sein ganzes künstlerisches Schaffen ein und spornte ihn zur Fort- setzung und Vollendung der bereits begonnenen größeren Werke an. Zehn Jahre lang hat die Neigung zu ihr, bald glühend emporlodernd, bald durch den Zwang der Umstände vorübergehend gedämpft und dann wieder in mächtigen, gefährlichen Flammen aufschlagend, den Dichter in Fesseln gehalten, und sein Briefwechsel mit ihr(1848— 5l) durch A. Schöll herausgegeben, 2. Aufl. 1857) gehört zu den wichtigsten Quellen für die Geschichte der Enttvicklung seines Charakters und seines Geistes.(Fortsetzung folgt.) Russen und Engländer in Asien. (Forllitzung.) Wie wir im vorigen Artikel eine Handvoll Freibeuter von einem Lande von 240,000 Quadraimeilen Ausdehnung Besitz nehmen sahen, so wollen wir heute den Lesern das politische Wunder schildern, wie eine Handvoll Krämer, die sogenannte Republik der Leadcnhall-Straße, deren Firma die Ostindische Kompagnie heißt, ein Land von 100 Mill. Einwohnern erworben hat. Die schlauen Spekulanten der Londoner City nahmen sich nicht einmal die Mühe, den Seeweg nach Ostindien zu suchen. Dieses beschwerliche Wagstück vollführte der Portugiese, Basco de Gama, der im Jahre 1498 nach der Umschiffung von Afrika in dem ostindischen Hafen von Kälikat an der Malabarküste landete. Hätten sich die Portugiesen mit Anknüpfung von Handelsverbindungen begnügt, so wäre die Annektirung des Landes nur eine Frage der Zeit gewesen; sie wollten aber die Jndier über Nacht in den Pferch der „allein seligmachenden Kirche" bringen und schickten zu diesem Zweck die Gerichtsvollzieher der Inquisition, acht Jesuiten hin, welche bald das Schwert eifriger als die Bibel handhabten, es aber auch dahin brachten, daß die Portugiesen zum Lande hinausgeworfen wurden. Das Mißgeschick der Portugiesen hatte die Bildung von vier europäisch- ostindischeu Handelsgesellschaften zur Folge: der niederländischen 1594, der englischen 1600, der dänischen 1616 und der französischen 1664. Ihr Wirken kann im großen und ganzen als Wohlthat für Indien nicht betrachtet werden, weil die Triebfeder ihrer Verwaltung die Fül- lung des Geldbeutels war. Die niederländischen und dänischen An- siedelungcn gelangten niemals zur Bedeutung, der Franzose hat über- Haupt kein Talent zum Krämer, folglich auch nicht zum Kolonisten in Indien, der sich weniger mit Ackerbau, als mit Handel befassen muß. Nur die Engländer verstanden es, in dem von Gewalthabern wimmelnden Lande durch Unterstützung des einen Gewalthabers gegen den andern zu günstigen Verträgen zu gelangen. Gern gesehen waren auch diese Fremden nicht, aber sie brachten keine Soldaten und keine Priester mit und so konnte man ihrem Erpressnngssystem wenigstens Duldsamkeit in religiösen Dingen nicht absprechen. Auch den National- charakter, die Sitten und Vorurtheile ließen sie unbehelligt. Kein Land der Welt vereinigt in sich so sonderbare Gegensätze, wie das britische Indien, und doch hat kein anderes, anfänglich erschlichenes und später erobertes Land seinen Nationalcharakter so rein, seine Sitten und Bor- urtheile, aller Aufklärung und Civilisation zum Trotze, so ungestört behalten. Ganz unverkennbar ist dies eine Folge des toleranten Ver- sahrens der Ostindischen Kompagnie, wie die Engländer überhaupt in allen Verhältnissen zu den Angeborenen ihrer Niederlassungen es ge- wöhnlich halten. Zufrieden damit, ihren Besitz sich zu wahren und die größtmöglichen Handelsvortheile aus demselben zu ziehen, zwingen sie die Eingeborenen nie zu einer Aenderung ihrer Sitten oder Gewohn- heilen, so daß diese nur als Zeugen, nicht als Unterthanen der fremden Berbcsserungcn, den Wechsel ihrer Herrschaft wahrnehmen. Und infolge dieser scheinbaren Nachlässigkeit, die aber in der That vielmehr die allergeschicktestc Taktik ist, regierte in kurzer Zeit eine Handvoll Krämer, ohne irgend Widerstand zu finden, eine Bevölkerung, deren Gesammt- zahl bald aus hundert Millionen anwuchs, und bildete im Berkehr zwi- scheu Asien und Europa das vermittelnde Glied. Mit dem 3l. Dezem- ber 1600, an welchem Tage die Englisch-Indische Handelskompagnie ihren ersten Freibrief erhielt, begann für Ostindien die Aera der Wandlung. Mit dem Jahre 1624, in welchem der Kompagnie in ihren Faktoreien die Ausübung der peinlichen Gerichtsbarkeil verliehen wurde. wodurch sie sich als politische Regierung installirte, wurde auch der Keim zur Großmachtstellung Englands gelegt. Bis zur Gründung der Französisch-Ostindischen Handelskompagnie(1664) verschlang der eng- lische Moloch ungestört eine indische Provinz nach der andern, bis sei- »cm unerschütterlichen Appetit der französische Minister Colbert durch seine obeuangesllhrte Schöpsung, wenn auch nur auf kurze Zeit, Grenzen setzte. Europäische Taktik und wilder Ungestüm der Eingeborenen, Schlauheit und Grausamkeit setzten ein verzweifeltes Ringen in Szene, welches hundert und sechs Jahre dauerte, bis im Jahre 1770, in wel- j chem sich die Französisch-Ostindische Kompagnie auflöste, England keinen europäischen Nebenbuhler ans indischem Boden mehr zu fürchten hatte. Von solcher Machtgewinnung einer Handelskompagnie hat weder die alte noch die neue Zeit ein zweites Beispiel auszuweisen. Im Jahre! 1670 beschränkte sich die Besitzung der Kompagnie auf die drei Fak- I toreicn in Surat, Masulipatam und Arbogum. Die etlichen hundert Europäer waren kaum im Staude, sich gegen Piraten und Straßen � rauber zu vertheidigen, geschweige denn sich in einen Krieg mit den Fürsten des Landes einzulassen und heute beherrschen 140,000 Weiße I (wovon 59,000 nicht zum Militär gehören) hunderte von Millionen Jndicrn. Die 13 Provinzen und 8 Aussichtsbezirke(Vasallenstaaten) I des ungeheueren Dreiecks zwischen Kashmir, Assam und dem Kap Co- I worin, der südlichsten Spitze Hindostans, zahlen jährlich einen Tribut von 3 Millionen Pfund Sterling, 20 Millionen Thaler indirekter Steuer, Kalkutta, vor hundert Jahren noch ein Dorf, ist die Hauptstadt des Ostens geworden; Bombays Handel ist größer, als der des alten Tyrus in seiner berühmtesten Zeit und Madras darf das Indische Karthago genannt werden. Selbstverwaltung der Gemeinden war das Regierungsprinzip der Kompagnie, die aber trotzdem den inner» Ausbau der Regierungsmaschine nicht vergaß. Man könnte einen Folian- ten mit der Erzählung der blutigen Hcldenthaten füllen, welche die Engländer unter der Führung von Clive, Warwen, Hostings, Minto, Hardinge vollführten. Leider klebt diesen nwdernen Spartanern nur zu deutlich der Schandfleck persönlicher Geldgier an, zu deren Befriedigung die besiegten Fürsten und Völker unsäglichen Bedrückungen und Mißhandlungen unterworfen wurden. Zur Ehre der Direktoren der Ostindischen Kompagnie sei es gesagt, daß ihnen diese bluterkausten Eroberungen nicht angenehm waren. Dies wohl der Grund, daß, als am 30. April 1854 der Freibrief der Kompagnie erlosch, dieselbe um dessen Erneuerung bei der britischen Regierung nicht nachsuchte. Der! Krone von England wurden durch das neue ostindische Kolonialgesetz vom 4. Mai 1854 erweiterte Ausfichtsrechte zuerkannt. Bis zum 10. Mai 1857 erfreute sich Indien seit Menschengedenken zum ersten mal eines ungetrübten Friedens. An diesem Tage begann aber leider das grauenhafte Schauspiel der Ermordung aller Christen und Europäer in Mirat, Delhi und Cawupore. Die Veranlassung dazu gab die von der englischen Regierung geplante Einführung der Enfieldbüchsen und deren mit Rindertalg und Schweineschmalz(ersterer den Hindu, letzteres den Mohamedanern ein Greuel) bestrichenen Patronen. Diese un- überlegte Mißachtung althergebrachter Sitte und Abneigung führte einen blutigen Ausstand der eingeborenen Regimenter herbei, der erst nach Jahressrist gedämpft wurde. Mit der Proklaniation vom 1. Nov. 1858 übernahm Englands Königin, Viktoria, die Regierung von Ostindien. Neuer Ländererwerb hörte jetzt auf; Hauptbestreben ward, das weite Gebiet zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen, die Staatsverfassung auszubaucu und die Verwaltung so zu ordnen, daß ein einheitlicher Wille sich Geltung zu verschaffen im Stande ist. (Schluß folgt.) Ein Gcdenkblatt zum Schillertage. Das deutsche Volk beging am 10. November 1879 den 120. Geburtstag eines seiner ruhmreichsten Söync, des edelsten deutschen Dichters Friedrich Schiller. Sowie in keinem deutschen Hause Schillers Werke fehlen dürfen, sollte auch keine deutsche Stadt, welche eine solche äußere Betonung ihres innigen Zu- sainmenhangcs mit dem nationalen Geistesleben erschwingen kann, ein Schillerdenkmal entbehren. Wie es kam, daß gerade Schiller bei seiner Nation diese ungeheure Volksthümlichkeit erwarb? Die kurze Antwort aus diese Frage müßte ein Zauberwort sein, welches das ganze Wesen von Schillers Charakter und Genie erschöpfend definirte. Als in der zweiten Halste des vorigen Jahrhunderts die tausend, seit dem Mittel- alter schlummernden Keime deutschen Empfindens, nachdem ihre ge- heimnißvolle Brutzeit abgelaufen, plötzlich mit jugendlicher Schwellkraft in Halm und Blüthe schössen, da vereinigten sich zn diesem einen Geist die Keime, welche in dem deutschen Volksherzen zunächst empfangen und gereift waren. Das neue volksthümliche Empfinden gelangte in ihm am klarsten und verständlichsten zum Bewußtsein. Volkes Blut pochte in seinen Adern und Volkes Hirn dachte in seinem Kopse. Er war ein volksthümliches Gefäß, in das sich der kaum errungene, gemein- same Geistesgewinn noch mächtig sortgährend ergossen hatte und sich zum reinen Trank heranklärte, zur allgemeinen edelsten Menschenlabe. Was von Leibnitz bis aus Kant Menschliches gedacht worden, und was die von Westen her ausgehende Sonne europäischer Gcistesfreiheit Neues und Kostbares beschien, das alles verschmolz in seinem Genius harmo- nisch und menschlich zugleich. Er wurde der populärste Ausdruck der Renaissance(Wiedergeburt) des Volksgeistes. Er war der Subjektivste unter den neuen Geisteshelden. Sein eigenes Blut röthete alle seine Gestaltungen, sein eigenes Herz setzte ihre Pulse in Bewegung und schlug mit ihnen im gleichen Takte. Zum„Sentimentalischen" ver- mochte er sich niemals zu erheben, wie er selber zugesteht. Er blieb naiv, wie das Volk in der edelsten Bedeutung, und was er schuf, hat in dieser Hinsicht Thcil am Charakter einer edelen Volkspoesie. Und das millionenköpfige Volk erkannte mit richtiger Witterung in dem Dichter sich selbst mit all seinem Wesentlichen zur höchsten Polenz er hoben. Selbst für die weniger gebildeten Klassen wurde Schiller zum Propheten des Schönen, indem er ihnen die Ahnung eines, wenn schon unbegriffenen. Höheren vermittelte, was einst die Religion zu bewirken hotte. Obgleich Schiller eigentlich nicht zu den zünftigen Freiheitssängern der Literaturgeschichte gezählt wird, steht er doch an der Spitze in den Besreiungskämpsen des menschlichen Geistes. Es gibt keine eigentlichere Freiheitspoesie, als die seinige. In fast allen seinen Werken ist der Drang nach Freiheil das Grundmotiv, nach Frei- heit in ihre» verschiedensten Formen, den berechtigten und unbcrechtig- len, den verworrenen und den klaren. Tie„Räuber" mit ihrem un- reisen Angriff auf die gesellschaftlichen Mißbräuche und der„Tell" mit seiner herrlichen, wirklichen Befreiungsthat, sie beginnen und schließen einen langen, heldcnmüthigen Freiheitskrieg, und wenn Schiller in seiner Einleitung zur„Geschichte des Absalls der Niederlande" den „großen und beruhigenden Gedanken" preist, daß alle Pläne„an der menschlichen Freiheit zu Schanden werden", so ist auch lvicdcr beinahe all sein Dichten der Genuß dieses Gedankens und der Kamps um diesen Genuß.„Durch Schillers alle Werke", sagt Goethe,„geht die Idee der Freiheit und diese Idee nahm eine andere Gestalt an, so wie Schiller in seiner Kultur weiter ging und selbst ein Anderer wurde. In seiner Jugend war es die physische Freiheit, die ihm zu schaffen machte und die in seine Dichtungen überging. Tann aber in seinen reiferen Jahren, wo er der physischen Freiheit genügt hatte, ging er zur ideellen über, und ich möchte fast sagen, daß diese Idee ihn ge- tödtct hat; denn er machte dadurch Anforderungen an seine physische Natur, die für seine Kräfte zu gewaltsam waren." Er glänzt vor uns, wie ein Komet entschwindend, Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend. So urtheilte Goethe in seiner objektiven Kühle über den wesentlich- sten Charakterzug des Volkshelden, über den Kamps um die Freiheit. Schiller fand keinen Raum für solche Erwägungen. Er wendete die Blüthe höchsten StrebcnS, Das Leben selbst, an dieses Bild des Lebens. Damit aber hatte Schiller das Einzige erreicht, was ihm noch fehlte, um den ersten Platz im Gemüth seines Volkes zu gewinnen, de» Strah- lenkranz des Märtyrerthums. Schiller ist aus der Walstatt gefallen, im siegreichen Kampfe für die höchsten geistigen Güter der Menschheit. Der Held als Schriftsteller! Das schriftstellerische Hcldenlhum Schillers ist aus den angegebenen Gründen der Gesammlhcit des Volkes weit unmittelbarer zur Empfindung gelangt, als das irgend eines anderen Poeten. Mit keinem Dichter sonst verbindet das Volk so den Begriff des Heldenthums auch in gewöhnlicherem Sinne; ihm ist die Borstel- lung eines unwiderstehlichen, siegreichen Schwunges, einer alles mit sich sortreißenden, feurigen Begeisterung unzertrennlich von Schillers Gestalt. Das Volk verknüpft mit seinem Bilde nachgerade traditionell den Charakter eines Drachenbezwingers Siegfried, eines Herakles als Lichtgottheit, wie er in uralter Götterzeit gedacht worden. Er gewann das Herz des Volkes aus dem sichersten Wege, indem er dessen Pyan- tasic beschäftigt und beherrscht des Volkes Geist, indem er die Zwing- bürg desselben, des Volkes Gemüth in seiner Macht hat. Schillers Verhältniß zum Ideal hat de» Werth einer Formel für das Verhältniß zwischen seinem Volke und dem, was wir das Ewige »ennen. In diesem Sinne ist die Slrauß'schc Hypothese vom„neuen Glauben" nicht einmal so gewagt, wie sie aussieht, und wenn bei irgend einem Dichter der Welt, so trifft bei Schiller die höchste Fichte'sche Aussaffung des Dichters zu, als eines Priesters, der die Menschen zu lehren habe, daß alle Erscheinung nur eine Einkleidung der göttlichen Weltidec ist, d. h. des geistigen Inhaltes und Wesens des All. Schillers Ausspruch:„Fühle den Gott, den du denkst", traf bei ihm um meiste» zu und gewann ihm durch die magiielische Kraft, die allem Echten innewohnt, das Herz der Gesammtheit. Das ist der Unterschied zwischen starrer Doktrin und lebendiger Empfindung. Weil Schiller einen unausgesetzten Kamps geführt, bald für Frei- heit innerhalb des Gesetzes und bald für das Gesetz innerhalb der Freiheit, hat ihn das Volk nach seinem Tode als Märtyrer der Frei- heit heilig gesprochen, und langsam, aber sicher, läßt ihn die Zeit heranreifen zu einem Element in der interkonfessionelle» geistigen Re- legion des Volkes. So feiert ihn, denn was dem Mann das Leben, Nur halb ertheilt, soll ganz die Nachwelt gebe». Dr. M. T. Christian Daniel Rauch, der Altmeister der deutschen Bild- Hauer.(Bild Seite 88). Arolsen, die Hauptstadt des Fürstenthums Waldeck, mit ihren 2381 Einwohnern, hat den seltenen Ruhm, daß zwei große Männer, der Bildhauer Rauch und der Maler Kaulbach, in ihren Mauern das Licht der Welt erblickten. Beide haben von Jugend aus niit des Lebens Roth und Drang gekämpft und beide die Unstcrb- lichkeit errungen. Wie Jemand, der von Jugend aus in behaglicher Wohlhabenheit dahingelebt hat, wohl verwundert aufschaut, wenn ihm, dem ruhig Genießenden, die Erinnerung an die beinahe vergessene Mühe des Er- werbs entgegentritt, so mögen die Generationen, denen die heutige Zeit gehört, sich angemuthet fühlen, wenn sie das Auge rückwärts wen- den und, das Damals und Jetzt vergleichend, die bedeutsame Entwick- lung unserer plastischen Kunst sich vergegenwärtigen, die, zwar von an- deren Meistern eingeleitet, doch erst durch die umfassende Thätigkeit des Mannes aus dem Volke, des Christian Dapicl Rauch, ihren dauernd gesicherten und wahrhast fruchtbaren Boden gewann. Am Leitfaden seiner Lebensgeschichtc wollen wir den mühsamen Weg verfolgen, den er einschlug, um die Wiedergeburt der Kunst durch die Antike zu be- werkstelligen und die Errungenschasien seines Strebens in jenen monu- nrentalen Werken niederzulegen, die ihm ein volles Aurecht daraus geben, sür immer den epochemachenden Meistern zugezählt zu werden. Wie oben angedeutet, am 2. Januar 1777 in Arolsen als Sohn eines sürstlich Waldeckffchen Kammerdieners geboren, hatte er einen spärlichen Schulunterricht genossen. Die frühzeitigen Versuche des lebhaften Christian im Modelliren von Thonfiguren bewogen seinen Vater, de» Arolsener Bildhauer Valentin wegen der Wahl des Lebensberuss sür seinen Sohn zu fragen. Infolge dessen trat Cbristian bei Meister Valentin in die Lehre. Nach zurückgelegter Lehrzeit arbeitete er bis z» seinem zwanzigsten Jahre bei dem Kasseler Hofbildhaucr Ruhl. Ei» natürliches Ercigniß hätte Deutschland beinahe um einen seiner besten Künstler gebracht. Der Tod seines älteren Br.uders, der als Kastellan in dem preußische» Lustschloß Sanssouci bei Potsdam angestellt war, rief ihn dahin, und die Tradition der Familie zwang ihn, den ihm als Gnadcnbezeugung angebotenen Dienst am preußischen Hofe annehme» zu müssen. Tag und Nacht mar er hier bemüht, die Lücken seines Wissens durch Lektüre auszufüllen. Seine künstlerische Bervollkomm- nung war damit zwar keineswegs völlig unterbrochen; es vergingen aber sieben Jahre, bis sich endlich sein sehnlichster Wunsch erfüllte, die Stellung des Dieners mit einem der Kunst gewidmeten Leben ver- tauschen zu dürfen und sich seinem innersten Beruf in voller Freiheit hinzugeben. Wohlgemuth griff er zum Wanderstab und eilte nach dem Mekka der Kunst, nach Rom, um im Anschauen seiner Herrlichkeiten seinen künstlerischen Gesichtskreis zu erweitern. So kam er in bereits vorgerücktem Aller, gereist und nicht ohne mehrseitige Borbereitung, nach Rom, wo sich im Kreise des wissenschaftlich gebildeten Staats manncs Wilhelm von Humboldt, im Umgang mit dem dänischen Phi diaS und dein italienischen Praxiteles, den Bildhauern Thorwaldsen und Canova, seine Anschauungen ebenso erweiterten und vertieften, lvie sein künstleres Können wuchs. Hatte er sich in Berlin als Schüler des deutschen Bildhauers Schadow betrachtet, so übten nun Tyvrwald scn und die antike Kunst ihren mächtigen Einfluß und bereits die erste Arbeit seiner Hand, das 181 l in Berlin modellirte und dann in Jta- lien vollendete vielbcwundcrte Grabdenkmal der Königin Luise im Charlottenburger Mausoleum, zeigte die ideale Schönheit der Formen und die überzeugende Wahrheit der individuelle» Aussaffung in jener innigen Vermählung, die eben sür das gcsammte Schaffen Rauchs in erster Linie bezeichnend ist. Schwieriger als hier, wo der Gegenstand selber der bildenden Hand gleichsam freiwillig entgegenkam, gestaltete sich die künstlerische Aufgabe, als es galt, die Bilder der Feldherren Scharnhorst und Bülow in ungetrübter Wahrheit ihres inneren Wesens und ihrer äußeren Er- schei? ung wiederzugeben und dabei doch, wie es der Standpunkt Rauchs gebot, die Idealität des Eindrucks zu erzielen, die ein im Studium der Antike geschultes Auge erheischte, um im vollen Maße befriedigt zu sein. Mit dem unbedingten Gelingen der beiden in Berlin ausgestellten Statuen � that Rauch einen weiten Schritt über die Leistungsfähigkeit Schadoiv's hinaus. Rauch hat damit Schadow, Thorwaldsen und die Antike vereinigt. Die durch Thorwaldsen wieder gewonnene edle Rein- heit der Form konnte ebenso wenig geopfert werden, wie fernerhin auf die von Schadow erreichte Schärfe und Bestimmtheit i» der Aussaffung der individuellen Gestalt verzichtet werden durste; es galt vielinchr beide Elemente mit einander zu versöhnen und aus der innigen Ver- 96 schmelzung der feinen Klassizität Thorwaldscns mit dein herben Rea- lismus Schadutt) s die reife Frucht einer wahrhast lebenskräftigen mo- dernen Monumentalkunst zu erzeugen. Die glückliche Lösung dieses Problems ist es, wie oben gesagt wurde, die das Verdienst und die Bedeutung Christian Rauchs bcgründot, der jetzt in die geschichtliche Entwicklung eingriff und als Nachfolger Schadow's das von diesem Angebahnte seiner allseitigen harmonischen Vollendung entgcgenführte, um dadurch für die gesammte deutsche Plastik bis aus unsere Tage hin einen bestimmenden und gesetzgebenden Einfluß zu gewinnen. Christian Rauch hat der modernen Porlrätstatue das Recht und die Pflicht histo- rischer Treue und dadurch zugleich die sichere Grundlage ihrer allge- meinen Verständlichkeit für das Volk zurückgegeben, ohne die sie ihrem Zweck und ihrer Bedeutung nimmer zu entsprechen vermag, weil er durch das Abstreifen der gespreitzten Unnatur des Zopfes die edle Ein- fachheit der Griechen zu Ehren brachte. An jene ersten Werke, die das erfolggekrönte Wollen des Künstlers sofort in das klarste Licht setzen und bereits deutlich die ihm gebüh- rende kunstgeschichtlichc Stellung anzeigten, reihten sich fort und fort neue Aufträge, und jedes jener weit und breit bekannten Monumente, von der Blüchcrstatue in Breslau bis zu dem berliner Friedrichs-Dcnk- mal und den letzten Arbeiten seines späten Alters, den Standbildern Thacr's und Kant's, befestigte immer sicherer die von Rauch von An- sang an klar ausgesprochenen Prinzipien seiner Kunst. Seitdem er im Jahre 1818 dauernd sein Atelier in Berlin aus- geschlagen hatte, wirkte und schuf er dort ununterbrochen, von einem iveiten Kreis von Schülern umgeben, in jugendlicher Frische und Rüstig- keit, bis der Tod dem arbeitsreichen Leben des achtzigjährigen Greises am 3. Dezember 18S7 ein Ziel setzte. Ueberblicken wir im Geist die stattliche Reihe aller seiner Monu- mentalwcrke und rechnen wir zu ihnen die Menge charaktervoller Büsten und die Fülle sein empfundener idealer Arbeiten hinzu, unter denen nur an die in Berlin und in der Walhalla bei Regensdurg zur Auf- stellung gelangten, in Auffassung mannichsach wechselnden Viktorien (Siegesgöttinnen) besonders erinnert sein möge, so ersüllt uns der stauiienswerth reiche Inhalt dieses Künstlerlebens mit ungctheilter Be- wunderung. Aber fast wunderbarer noch erscheint uns die harmonisch in sich beruhigte, nirgends in ihrer heitern Klarheit getrübte Stim- mung, die uns aus allen diesen Schöpfungen in gleichem Maße ent- gegenlcuchtet. Und doch erklärt das eine sich durch das andere. Von nüchterner Kälte wie von schäumend überquellendem Empfindungsdrang gleich weit entfernt, bewahrt das Wesen Rauchs durchweg jenes edle und sichere, wie in seinen Werken, so in seinem schlichten Leben und in seiner würdevollen äußern Erscheinung plastisch ausgeprägte Gleichmaß, jenen Zug einfacher, in sich geschlossener Bornehmheil, der den Menschen in gleichem Grad auszeichnete, wie er den Schöpfungen seiner Hand und seines Geistes eigenthümlich ist. Nirgends vcrräth sich auch nur die leise Spur einer hastenden Uebereilung: in jedem Zug aber tritt uns der unverrückbar auf das Ganze gerichtete Blick, das unvcrwan- delbar seines Ziels bewußte Streben und eine gleichsam selbstverständ- liche, nie sichtlich sorcirte, dabei aber nahezu unermüdbare Ausdauer der Arbeit und eine sie stets treu begleitende, sorgsam erwägende und messende Selbstkritik entgegen. Damit ist aber die Grenze der Begabung Rauchs ebenso an- gedeutet, wie die seltene Intensität, mit der sich sein Talent innerhalb derselben zur Geltung brachte. Er war eine glücklich angelegte Künstler- natur ohne Extravaganzen. Der kühne, geniale Schwung einer mühe- los leichten, in unerschöpflichem Reichthum schwelgenden Erfindung war ihm versagt; damit blieb er aber auch vor dem Mißlingen bewahrt, das nur die zwecklose Vergeudung der ausgewandten Krast bedauern läßt. Es war nicht die Art seiner ächt germanischen Natur, das Ziel im ungestümen Anlauf zu nehmen, sondern mit ruhigem Schritt ging er ihm fest und sicher entgegen; das einmal Errungene aber wußte er mit vollster Klarheit zu umfassen und zu durchdringen, und vor allem war er gewohnt, sich selber über sein Thun die genaueste Rechenschaft zu geben und seiner seltenen Gewissenhaftigkeit in nimmer rastender Vollendung zu genügen. Es ist klar, daß grade diese Eigenschaften ihn in ganz außerordentlicher Weise zum Lehrer befähigten und es ihm ermöglichten, durch die von ihm herangebildeten Schüler Rietschel, Drake u. a. in. das von ihm selber Erworbene nachhaltig zu wahren und in seinem Sinne sich fortentwickeln zu lassen. Wie für die Werke, die er uns gegeben hat, so haben wir ihm für das lebendige Beispiel zu danken, das in seinen Schülern weiter wirkte und noch heute seinen segensreichen Einfluß übt. Dr. M. T. Der Rattenfänger von Hameln.(Bild Seite 8S.) In der hannöverschen, im Jahre 712 entstandenen Stadt Hameln spielt die Sage, welche den Vorwurf unsers Bildes, einer sogenannten Silhouette, abgibt. Zu seiner Erklärung diene folgende, natürlich nicht authentische Begebenheit. Am 26. August 1284 erschien in Hameln ein Pfeifer (herumziehender Musikant), welcher sich anheischig machte, gegen eine gewisse Summe alle Ratten aus der Stadt in die Weser zu treiben. Dies gelang ihm auch mittels Blasens aus seiner Pfeife. Da man dem Manne hierauf seinen Lohn vorenthielt, lockte er am nächsten Sonntage während des Gottesdienstes durch sein Pfeifen alle Kinder aus den Häusern in den nahen Kuppelberg. Nur eines der Kinder hatte sich verspätet, sodaß sich der Berg bei seiner Ankunft schon wieder geschlossen halte. Zur selben Zeit berief der ungarische König Geisa »iedersächsische Ansiedler zur Urbarmachung Siebenbürgens. Die Sage spann den Faden der Geschichte weiter und erzählt, der Rattensänger wäre mit den Kindern unterirdisch bis nach Siebenbürgen gekommen und hätte dort die Sachsenkolonie gegründet. Wahrscheinlich hat eine mißverstandene Inschrift an einem Denkmal aus dem Kuppclberge zur Entstehung der Rattenfängersage Anlaß gegeben. In neuester Zeit haben der Dichter Albert Wolf und der Musiker Neßler den Sagenstoff mit großem Geschick zu einem Epos und einer Oper verwerthet. Was die oben erwähnt« Bezeichnung Silhouette anbelangt, so ist sie das Schattenbild eines Menschen, welches dadurch entsteht, wenn der Umriß deffelben mit schwarzer Farbe ausgejüllt ist, in welche die inneren Linien zuweilen mit weißen Strichen leicht hineingezeichnet zu werden pflegen. Der leider viel zu früh in Verlin verstorbene Konewka. hat den Silhouetten-Ausschnitt zur größten Vollendung gebracht. Der Name rührt von dem sranzösischen Finanzminister Etiennc de Silhouette her, der sich um 1757 durch seine Finanzmaßregeln so verhaßt machte, daß man ihn überall lächerlich zu machen suchte und namentlich alles ärmlich aussehende ä la Silhouette nannte, womit denn auch die Schattenbilder, die damals in Paris Mode waren, als armselig erscheinende Porträts bezeichnet wurden. Dr. M. T. Literarische Umschau. „Reue Welt-Kalender", Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei zu Leipzig. Der Neue Welt Kalender ist ein in prachtvollem Farben druck prangender Wandkalender, der nicht nur die Dienste eines solchen, wie icder andere seiner Art verrichtet, sondern auch den anspruchvollsten Schönheitssinn beftiedigt. Tie mit kostbarem Festschmucke angethane Bulgarin, für welche der eigentliche Kalender den harmlosen Rahmen abgibt, ist bildschön und dürste in mancher fühlenden Jünglingsbrust ein recht lebhaftes Bedauern rege werden lassen, daß sie mit ihren Glutaugen ihm nur aus dem Bilde entgegenschaut. Der Preis— J 75 Pfge.— ist für soviel Schönheit spottwohlfeil. „An den Verfasser von ,Der Spiritismus in Leipzigs" ! Leipzig, Druck und Kommissionsverlag der Genossenschastsbuchdruckerei. i Ein sonderbares Schristchen das, höchst sonderbar! Der Verfasser will nachweisen, daß der Schreiber eines später als Broschüre erschienenen Artikels der Zeitschrist„Im neuen Reich" unrecht hatte, als er den Professor Zöllner beschuldigte, durch seine spiritistischen Experimente und deren öffentliche Besprechung den wissenschaftlichen Ruf der Uni- versität Leipzig geschädigt zu haben. Der„Herr Anonymus"— so redet der anonyme Verfasser der hier zur Rezension vorliegenden kleinen Schrift den anonymen Verfasser des„Spiritismus in Leipzig" gleichfalls an— der Herr Anonymus glaubt diesen Beweis dadurch führen zu können, daß er in seiner Weise die„Prinzipien, Theorien, Vor- stcllungen und Meinungen der Astronomie vorführt". Das ist nun schon höchst wunderlich— denn es ist nicht leicht zu begreisen, und der Verfasser versucht auch garnicht, es begreiflich zu machen, was die wissenschastliche Astronomie mit der unwissenschaftlichen Geisterklopferei! des Spiritismus zu thun hat, wenn auch zehnmal der Spiritist, resp. i der Entdecker der vierten Dimension, Zöllner nebenbei Professor der Astronomie ist; noch viel wunderlicher aber ist die Art und Weise, wie der Verfasser wissenschastliche Theorien zc.„vorführt". Als Borreiter schickt er ihnen nämlich eine ganze Schwadron von Beschuldigungen wider die Gelehrten, welche sie versechten, und wider ganze groge und bislang für sehr wichtig gehaltene Zweige der Wissenschaft selbst vor- aus. Diesem Schwadroniren folgt eine wüthende Attake auf das kopernikanijche Sonnensystem, das den Verfasser deswegen ärgert, weil danach die Sonne als den Planeten gegenüber feststehend betrachtet werden müsse, obgleich sie unzwciselhast auch, für sich betrachtet, nicht minder als andere Weltkörper, in Bewegung sei. Das scheint dem Verfasser ein grober, unverzeihlicher Widerspruch, über den er wiederum allerlei redet, ohne den geringsten Versuch einer verständlichen Ent- Wicklung seiner eigenen Ansicht zu machen. Wie der Verfasser nach alledem zu der Meinung kommt, sein Gegner werde durch ihn zu der Einsicht gebracht sein, er— der Gegner— habe unrecht, ist unerfindlich. Inhalt. Dem Schicksal abgerungen. Novelle von Rudolph von B......(Fortsetzung)._ Eiaentbümlickc �reundlckiaftsbeiiebunaeN in der Thterwelt. Naturgeschichtliche Skizzenbi.der von Dr. L. Jacoby.- Das neue R-chi im?teuen �- JoSa SoJ, gang Goethe von Dr M. Vogler(Fortsetzung).- Russen und Engländer in Asien, von Dr. M. Trausil(Fortsetzung�.- Ein itzcdcnkblatt zum schillertage.— Christian Daniel Rauch(mit Porträt).- Ter Rattensänger von Hameln(mit Illustration).— Literarische Umschau. Verantwortlicher Redakteur: Bruno Geiser in Leipzig(Südstraßc 5).— Expeditton: Färberstraße 12. II. Truck und Verlag der Genossenschastsbuchdruckerei in Leipzig.