Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig.— In Heften a 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. Die Schwestern. Roman von M. KautsKy. (19. Fortsetzung.) Der Bürgermeister stammelte etwas, er wollte sie wol ein- laden, sichs an seiner Seite behaglich werden zu lassen, sie achtete seiner nicht, und er, den schweren Kopf etwas zur Seite neigend, bestand nicht weiter darauf. Hellenbach versicherte, wie über alles glücklich er sich sülen würde, wenn er diese Frage ganz nach Wunsch zu beantworten vermöchte. Sie schüttelte den Kopf.„Das ist's nicht, ich will keine Komplimente, ick will keine Galanterien, ich bitte Sie, lassen Sie den Kavalier bei Seite, ich brauche den Musiker. Sie nennen Sich einen Kenner; nun denn, sagen Sie mir als solcher, offen und aufrichtig, habe ich Talent, habe ich Stimme?" Er wollte rasch entgegnen, sie unterbrach ihn mit einer Ge- berde.„Urteilen Sie nicht vorschnell, ich bitte Sie; bedenken Sie, es hängt von diesem Urteil, von dem Wort, daß Sie in diesem Augenblick mir sagen werden, vielleicht meine ganze Zu- kunft, vielleicht das Glück und Unglück meines Lebens ab; darum machen Sie mir nicht Hoffnungen, die sich nicht erfüllen können, geben Sie mir nicht Mut und Zuversicht für eine Sache, die eine verlorene sein könnte; seien Sie war, ich frage Sie auf Ihr Gc- wissen, Herr Baron." Ihre Stimme hatte einen heißen flehenden Ausdruck ange- nommen. Er lächelte befriedigt, so gefiel sie ihm; wie leidenschaftlich konnte das ZAädchen sein, es schien ihm, als umwehe es bereits der sinnbestrickende Reiz der Künstlerin, und er sagte daher voll Ucberzeugung:„Die Natur hat Ihnen alles gegeben, um eine — ängcrin, um eine bedeutende Künstlerin zu werden, ja, Sie sind es gewissermaßen schon. Sie haben Stimnie, Temperament, Seele, jenes unbeschreibliche Etwas, das vom Herzen kommt und zum Herzen geht, das entzückt, das uns rürt und begeiftert— Sie haben Wirkung in Ihrer Stimme." Elvira's Lippen zuckten, ihre Augen vergrößerten sich.„Ist das war, ist das möglich, schmeicheln Sie mir nicht?!" „Haben Sie doch etwas Vertrauen zu mir," bat er inständig, „ich werde übrigens veranlassen, daß Sie von andern gehört werden; Autoritäten in diesem Fache werden Sie beurteilen, sie tvcrden Ihnen dasselbe sagen, und dann n erd n Sie endlich auch mir glauben." Sie reichte ihm die Hand, ihre schönen Augen baten um Ver- nun für ffir. Qirmiffit 9lffi ich würde zu glücklich sein," gebung für ihre Zweifel. flüsterte sie. „Aber erlauben Sie mir, es Ihnen zu sagen," für er fort, „nicht die Kirche, nicht der Konzertsal ist der Ort, wo Sie be- rufen sind, Ihre Lorbeern zu pflücken, es ist die Büne. Dort- hin gehören Sie mit Ihrer Stimme, mit Ihrer ganzen Er- schcinung." „Ja, die Büne!" sagte Sie, und ein Sträl der Begeisterung brach aus ihren Augen.„Ich will zur Büne, all mein Sinnen, all mein Sehnen und Streben geht ja dahin, von Kind- heit an." „Und was könnte Sie denn hindern, dieselbe zu betreten, das schöne Ziel zu erreichen?" Er sah sie lauernd an, sie senkte die Wimpern. „Meine Mutter ist dagegen, sie wird über meinen Entschluß sehr unglücklich sein." „Sie wird, sobald sie Ihren Erfolgen beiwont, schnell anderer Meinung werden." „Das glaube ich auch, das hoffe ich," rief Elvira, ihre Augen wieder erhebend. „Uebrigens haben ja fast alle bedeutenden Künstler Schwierig- leiten zu überwinden gehabt und die meisten, die sich der Kunst vermält, haben auf den elterlichen Segen verzichten müssen." Elvira nickte beistimmend und erwiderte rasch:„Weil sie eben wirklich Berufene waren, weil alles in ihrem Innern sie dazu trieb, und weil dadurch jene Energie enfftehen muß, die alles besiegt und alles überwindet.— Ich darf mich jenen noch nicht anreihen, aber gewiß ist's, auch ich füle etwas von diesem un- widerstehlichcn Drange in mir, der mich allem Widrigem zum Trotze vorwärts reißt, dem längst ins Auge gefaßten Ziele zu. Nichts und niemand hat mich bisher gefördert, alles war mir entgegen, von kleinauf schon; inein Vater hat mich bestraft, ge- züchtigt selbst, für jede noch so kindische Aeußerung des Dar- stellungsvermögcns. Meine Tante allein hat eine Anung von dem. was die Natur in mich gelegt und das sich nun zu äußern strebt, aber aus Pflichtgefül und weil mein Vater sie einst be- schuldigt hat, sie sei es, die sein Kind verfüre, will auch sie mein Vorhaben nicht begünstigen. Sie will mich wol zur Musikerin heranbilden, doch nicht für die Büne, und so stehe ich denn allein. so ganz allein mit meinen Trieben und meinen Hoffnungen, aber ich verzage nicht; ich süle, daß ich all den Mut haben werde und all die Energie, der ich bedarf, um meine Pläne zu ver- wirklichen, sobald ich nur erst von der Gewißheit meines Ta- lents durchdrungen bin. Ich glaube daran, und doch überfällt � äebruai 1881, mich manchmal ein Zweifel, der vernichtende Gedanke, ich könne mich täuschen, und alles sei nur Einbildung und Zelbstbetrug. Dann forsche ich aufgeregt und gierig nach der Meinung an- derer, und traue dann auch dieser wieder nicht, und so werde icli mich denn erst voll und ganz befriedigt fiilen, sobald ich auf.der Büne stehe, vor dem Publikum, und bis dieses selbst zu meinen Gunsten entschieden haben wird." Hellenbach hatte seine Augen nicht von ihr abgelvendeN er sah in ihre erregten Züge, die so viel geistiges Leben ausdrückten, er hörte auf dieses klangvolle Orgaw, das sich leidenschaftlich steigerte, und der Mann, der so viel gelebt und genossen, der an nichts mer glaubte, er fülte sich von diesem ihin geoffenbarten Stürmen und Drängen einer Mädchenseele, von diesem plötzlichen Hervorbrechen künstlerischer Individualität mächtig interessirt und mit erregt. Er glaubte an ihre Begabung, er wollte sie fördern und gleichzeitig seinen Absichten näher kommen. Er wollte in ihren Augen an Bedeutung gewinnen, er wollte sich ihr unentberlich machen. „Und welches sind Ihre Pläne und Aussichten, um ein Auf- treten zu ermöglichen und einen Erfolg herbeizufüren?" fragte er sie. „Ich werde mich engagiren lassen." Er lächelte. „Das ist nicht so leicht, mein Fräulein." „Ich werde nach Wien oder Berlin reisen, mich dem Opern- direktor vorstellen und Probe singen." „Ach, mein Fräulein, Sie keimen die Teaterverhältnisse, wie . es scheint, noch gar nicht. Sie haben keine Idee, wie schwer es einer Unbekannten, einer Anfängerin, die noch dazu aus der Provinz kommt, die von keinem berümten Meister gebildet, die keine hohe Protektion aufzuweisen hat, wie schwer es einer solchen fallen würde, auch nur zu einem Probesingen zugelassen zu wer- den; und selbst wenn dieser Fall einträte, und selbst wenn Sie gefielen, man würde Sie nicht engagiren. Ein Hosteatcr allerersten Ranges engagirt keine Anfänger, nicht einmal für den Chor." Elvira für unwillig auf. „Dann werde ich an kleinen Bünen anfangen." „Dafür brauchen Sie ein Repcrtoir und Routine, Sie müssen einspringen können, wenn eine erste Sängerin unpäßlich wird." „Wie machen es dann andere, um anzukommen?" „Die meisten Sängerinnen liefern die Konservatorien, wo sie eine für das Teater berechnete Ausbildung erhalten." „Und die Talente aus der Provinz, diejenigen, die onc Ver- mögen und one Protektion nicht im Stande sind, für merere Jare die teure Pension in der Residenz und die Kosten hervor- ragender Meister zu bestreiten?" „Sie erliegen, noch ehe sie den Kampf um ihre Existenz be- gönnen haben; oder wenn sie besonders zäh und zu allem bereit sind, schlagen sie sich in den jämmerlichsten, warhaft erbarmungs- würdigen Verhältnissen jarelang auf kleinen Bünen herum, diese bilden das Teatcrproletariat. Es finden sich unter demselben oft erstaunliche Begabungen, aber das Elend, die Vagabvndage, das ganz zigeunerhafte Leben, der Umgang mit Leuten voll Un- bildung und Liederlichkeit, dazu die Ausbeutung der Direktoren, ihre Paschagelüste ihren weiblichen Mitgliedern gegenüber, dies alles korrumpirt, erstickt den künstlerischen Funken und allen Ehr- geiz und jedes höhere Streben. Man taglönert nur mer um sein tägliches Brod und findet sich sehr häufig, ganz one sein Verschulden one Brod, sobald der Direktor nicht mer die Gage zalt und sein Teater schließt, was er tun kann, sobald und so oft es ihm beliebt, one dafür zur Verantwortung gezogen zu werden." Elvira preßte in heftiger Erregung die Hände ineinander. „Und das wäre nicht zu grell gemalt und so wäre es wirklich? Aber das ist ja abscheulich, und wie könnte man einem ehrlichen Mädchen raten, einen solchen Weg zu gehen?" „Auch rate ich Ihnen nicht, diesen Weg einzuschlagen, mein Fräulein, gewiß nicht; Ihr Talent muß in einem andern Boden, unter anderen, günstigeren Umständen zur Entfaltung kommen. Auch gilt ja das Gesagte nur für die Armut." Wieder trat der lauernde Zug in seinem Gesichte hervor.„Wie bei allen Lebens- stellungen so ist auch in der Kunst, und ganz besonders beim Teater, die Armut ein unüberwindliches Hinderniß. Die größten Talente fallen ihr zum Opfer." „Aber auch ich bin arm," rief Elvira, und Scham, Un- willen und Empörung spiegelten ihre Züge wieder.„Ich bin arm, ich habe kein Vermögen und das geringe, das� meine Tante für mich und meine Schwester bei Seite legt, das steht mir jezt nicht zur Verfügung. Ich müßte also meine Pläne aufgeben, all meine Fähigkeiten, mein Talent ungenützt lassen, oder dem Tcaterpöbel mich in die Hände liefern? Es gibt kein drittes." Er sah ihr fest und bedeutungsvoll in die Augen.„Es gibt ein drittes," sagte er langsam. Atemlos, mit großen Augen, starrte sie ihn an. In dem Augenblick stürzte ein junger Mann herein und auf den laut schnarchenden Bürgermeister los. Er weckte ihn und schien ihm in hastiger Eile etwas Dringendes mitzuteilen. Der Bürgermeister erhob sich taumelnd.„Was hat sie denn schon wieder für Mucken!" rief er erbost.„Warum hat sie denn nicht soupiren wollen? Ich habe zweimal nach ihr geschickt." „Sie scheint sehr aufgebracht, die gnädige Frau," berichtete init besorgter Miene der Adjunkt. „Das ist mir ganz egal, aber sie soll mich wenigstens in Ruhe lassen." „Aber sie will ja fort, sie will den Ball verlassen, Herr Bürgermeister sollten da doch mit einem Wörtchen—" „Ja, ich will ihr ein Wörtchen sagen." Er trank den Rest seines Glases aus und rappelte sich dann, die Beine, etwas streckend, auf. Hierauf versuchte er einen Bückling gegen den Baron. „Herr Baron, Sie werden gütigst entschuldigen, wenn ich Sie verlasse, ich tue es nur ungern, aber meine Frau, meine Ritter- Pflicht— Sie verstehen, aber wenn sie sich besänftigen läßt, so komme ich wieder." „O, ich bitte," versicherte der Baron lachend,„tun sie ihr keine Gewalt an." Der Bürgermeister war mit dem Adjunkten hinausgegangen, Hellenbach war mit Elvira allein. Draußen kratzten die Biolinen in gräulichen Dissonanzen und dazu ertönte das' taktmäßige Auftreten der tanzenden Pare. Elvira stand jezt am Fenster und schien ihre heißen Wangen an der erftischenden Lust zu kühlen. Er trat auf sie zu, ergriff ihre Hand und fürte sie respektvoll wieder an ihren vorigen Platz. zurück. „Sängerinnen dürfen sich nicht einem raschen Temperatur- Wechsel aussetzen," sagte er schmeichelnd, in liebenswürdiger Sorgfalt das Tuch fester um ihre Schultern schlingend.„Wissen Sic das noch nicht?" „Sie höncn mich." sagte sie leise und bitter,„ich bin keine Sängerin, ich habe kaum die Aussicht, eine zu werden." Er sezte sich neben sie und ergriff ihre Hand. Sie entzog sie ihm wieder. Er ließ es geschehen, one eine Bewegung zu machen, ihrer aufs neue habhaft zu werden. Er lehnte sich in den Sessel zurück und betrachtete sie, die mit niedergeschlagenen Augen vor ihm saß, mit kaum verhelter Beftiedigung. „Hören Sie, mein Fräulein," Hub er dann sehr gelassen an, aber mit jenem distinguirten Ton, der nur ein zartes, edles Interesse verraten will;„ich sagte vorhin, es gäbe noch ein drittes, und ich bitte Sie, dasselbe ins Auge zu fassen. Es ist noch nicht allzulange her, da nur in dieser Weise Künstler ge- bildet, Talente gefördert wurden. Die größten Geister und die edelsten Herzen haben es nicht verschmät, sich einem Gönner anzuvertrauen, der zugleich ein Kenner war. Oft'geschah es auch, daß dieser den Schatz, den sie oft unbewußt in sich bargen, zuerst erkannte, und nun eine Ere und seine Freude darein sezte, ihn zutage zu fördern, ihn der Allgemeinheit zu übergeben. Heut- zutage will die Welt demokratischer sein, das Mäcenatum ist aus der Mode gekommen, man hat eine Unmasse von Bildungs- anstalten gegründet, um angeblich jedermann die Möglichkeit zu geben, seine Fähigkeiten auszubilden. Lächerlich! Um diesen Zweck zu erreichen, müßten all' diese Bildungsanstalten unentgelt- lich sein, so sind sie aber nur für die Reichen. Das Talent also, das nicht zugleich über einen Geldsack verfügt, ist gegenwärtig viel schlimmer dran, als je. Aber immer wird es erlaubt sein, daß ein Künstler, der das Talent eines andern erkannt hat, ihn ermuttgt und ihn nach Kräften unterstützt. Run wol, mein Fräulem, ich selbst bin Künstler, ich bin Musiker, wenn auch mcht in öffentlicher Ausübung; ich setze das größte Berttauen m Ihre Begabung, setzen Sie nun auch einiges in meine Er- farung. Ich kenne das Teater und die Verhältnisse deffelben wie wenige." Eugen mußte bei diesen Worten selbst ein Ivenig lächeln, obwol er sich alle Mühe gab, ernst und würdig zu sein. 235 „Lassen Sic mich es Ihnen sagen, alles hängt von der Art und Weise des Auftretens einer Künstlerin ab, nicht allein auf der Bnne, sondern auch in der Gesellschaft. Die Hauptsache ist, daß man imponirt. Ueberlassen Sie mir nun nicht allein die Sorge für Ihre künstlerische Ausbildung, gestatten Sie mir auch, dieses Auftreten vorzubereiten." Elvira atmete kaum; sie legte die Hand auf das Herz, das stürmisch klopfte.„Ich verstehe Sie nicht," sagte sie gepreßt. Hellenbach für noch eindringlicher fort:„Ich bin mit den größten musikalischen Kapazitäten bekannt, mit vielen befteundet, ich werde Sie denselben vorstellen. Sie werden Ihre Stimme, Ihre künstlerischen Anlagen prüfen, und auf dies hierauf gefällte Urteil werden Sie Sich verlassen können. Sie werden dadurch all' die nötige Energie und all' den Mut gewinnen für Ihre weitere Ausbildung. Ihre Koloratur bedarf noch der Schulung, sie ist nicht perlend, nicht hinlänglich geschmackvoll; dann müssen Sie auch ein Repertoire haben. Sie werden eine Anzal Opern- Partien unter der Leitung eines geschickten Kapellmeisters studiren und dabei noch den Rat und die Aufsicht einiger Fachgrößen genießen. Bon diesem Augenblick an werden Sie schon der Kunst- welt angehören, stehen Sie schon unter der Aegide unsrer Meister; sie werden Ihre Fortschritte beobachten und registriren, und in weiteren und immer weiteren Kreisen wird man von Ihnen hören, von Ihnen sprechen, wird man sich für Sie interessiren. Richts leichter, als nun auch die Journalistik für die reizende, begabte Kunstnovize einzunemen, und so werden Sie bereits einen Namen haben, Sie werden bereits eine bekannte Persönlichkeit geworden sein, noch ehe Sie die Bretter betreten haben, und so mit allen Mitteln und einigein Raffinement vorbereitet, wird Ihr erstes Austreten sich sogleich zu einem Triuniph gestalten. Die Direktoren iverden am Tage nach der Borstellung zu Ihnen stürzen, um Ihnen glänzende Engagenicntsanträge zu machen, und einer wird den andern überbieten; die Zeitungen werden Ihres Lobes voll sein und das Publikum wird in seiner Ueberschivenglichkeit Sie vergöttern; mit einem Wort, Sie werden eine Primadonna sein." Er beugte sich vor ihr in graziöser Huldigung. Sic preßte die Hände gegen die Brust, als könne sie dadurch das stürmische Pochen ihres Herzens zurückdrängen. Ihre Augen glänzten in einem dunklen Feuer. Alles was sie geant, erträumt, ersehnt, er hatte es klar und deutlich vor ihre Seele gestellt: Ruhm, Reichtum, Beivundcrung, alles war ihr erreichbar, sie brauchte nur zu wollen. „Wie, wäre es möglich?" stannnelte sie.„So, so, könnte sich meine Laufban gestalten?!" „Gewiß," versicherte er,„und so gestaltet sich die Karriere jedes änlichen Talents, das zugleich über die Mittel verfügt, iiber die ausreichenden pekuniären Mittel, sein Talent zu fördern und dies alles in Szene zu setzen." „Aber ich besitze nicht diese Mittel," rief sie auffarend, mit einer fast empörten Heftigkeit;„ich besitze sie nicht und werde sie nicht besitzen; ich habe es Ihnen schon gesagt." „Und ich habe Ihnen meinerseits bereits darauf geantwortet. Sie besitzen diese Mittel nicht, aber da Sie in Ihrem Talente selbst einen Schatz besitzen, so können Sie jede beliebige Hypotek darauf aufnemcn; oder wenn wir die Sache etwas idealer auf- fassen, lassen Sie mich diesen Schatz erschließen, ihn heben, ihn an die Sonne bringen; nemen Sie mich als Freund, als Fürer, als Gönner an, mit einem Wort, machen Sie mich zu Ihrem Schatzmeister." „Halten Sie ein, Baron, sagen Sie kein Wort weiter, Sie könnten mich beleidigen." Sie hob den schönen Kopf und sah ihn mit ihren großen, dunklen Augen an, voll Stolz und Würde. „Ihre Absichten mögen die besten sein, ich hoffe es, Ihren Rat. Ihre Erfarung und diejenige Ihrer Freunde, kann und will ich auch gern annemen, und ich werde Ihnen dankbar dafür sein, aber diese gebotene Unterstützung an Geld—", sie für unwillkürlich schaudernd zurück,—„niemals, o gewiß, niemals!" Wie abwerend streckte sie ihm die Hand entgegen. „Es ist eine Unterstützung, die jeder Künstler von einem Kunststeund annemen darf," entgegnete Hellenbach begütigend, fast bittend,„und wenn es Ihnen ernst ist mit Ihrer Kunst, und wenn Sie Ihre Kunst lieben—" „Gewiß, ich liebe sie," sagte Elvira voll Gefül,„aber"— ihre Stimme wurde schärfer, fast schneidend,—„noch wer liebe ich meine Freiheit, meine Unabhängigkeit, meine— brechen wir ab, Herr Baron, ich bitte Sie darum, ich kann Ihren Antrag nicht annemen, ich muß ihn ablehnen— und ich lehne ihn ab." Er verbeugte sich, das liebenswürdige Lächeln schwand nicht von seinen Zügen, insgeheim aber bedauerte er diese Wen- dung, bedauerte er, daß dieses Mädchen die Gefar so gut erriet. Sie war also nicht wer so ganz unschuldig?— Um so besser, dachte er dann wieder, und vielleicht wurde sie ihm durch diese Schwierigkeiten, die sich ihrer Eroberung entgegensezten, nur um so pikanter, um so begerenswerter. Laut sagte er aber: „Ich will nicht weiter in Sie dringen, gewiß nicht; ich möchte Ihnen durchaus nicht lästig fallen, ich sehe nur zu meinem Be- dauern, daß Sie mich mißverstehen." Sein Ton wurde edler, er legte ettvas von dem Schmerz der Kränkung hinein.„Sie fügen mir eigentlich ein schweres Unrecht zu. Sie sehen in mir nicht den Kunststeund, der selbst Künstler ist, und der nun einer Höherbegabten voll warmem Enthusiasmus die Hand entgegen- streckt, Sie erblicken in mir nur den gemeinen Egoisten. Ich muß es hinnemen, aber mir bleibt die Hoffnung, daß Sie viel- leicht, wenn Sie mich einmal besser kennen, zur Einsicht und von diesem Irrtum zurückkommen werden. Niemals könnte es mir einfallen, Ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit anzutasten, gewiß, niemals, und so achte ich denn auch jezt die Freiheit Ihrer Eni- schließung und will nicht weiter in Sie dringen. Ich werde mich begnügen mit jener Stellung, die Sie mir selbst anweisen werden, zu glücklich, wenn ich nur überhaupt in irgendeiner Weise mein warmes Interesse für Ihr Talent betätigen darf und Ihnen irgendwie nützlich sein kann, ich Iverde—" Er sprach nicht weiter. Im Vorhause war Lärm entstanden. Man hörte ein Durch- einander von Stimmen und Ausrufen, ein Kommen und Gehen; auch in das kleine Zimmer kamen merere Personen, um von hier aus durch die kleine Tür nach dem Borhause zu eilen, und zu sehen, was sich daselbst ereignet hatte. Der Baron sah ein, daß dies interessante töte a töte zu Ende war. Sie hatten sich beide erhoben. „Geben Sie mir Gelegenheit, Sie wieder zu sehen und zu hören," flüsterte er ihr noch rasch und dringend zu. „Ich singe nächsten Sonntag in der Kirche," antwortete sie in gleicher Weise. „Gut, und die Proben?" „Beim Schulmeister; die letzte mit der Orgel." Er drückte ihr die Hand. Dann trat er eben so rasch von ihr hinweg, und nach dem Vorplatze hinaus, gleich den übrigen. Elvira wollte nach dem Sal zurück, in der Tür traf sie mit ihrer Mutter zusammen, die ihre Töchter suchte. „Wo ist Marie?" fragte die besorgte Frau. „Ich habe sie in die Garderobe geschickt, mir ein Tuch zu holen," erklärte Elvira, aber es fiel ihr nun ein, welch' geraume Zeit seitdem vergangen war, und Marie wollte doch gleich wie- derkommen; sie äußerte dies Bedenken zwar nicht gegen ihre Mama, aber diese rief erschreckt:„In die Garderobe? aber dort- hin eilt ja alles, es soll dort etwas vorgefallen sein." „Ja, hast du's denn nicht gehört?" In dem Augenblick vcrnam man von draußen einen halb unterdrückten Ausbruch von Heiterkeit und den von Mund zu Mund gehenden Ruf:„Die Bürgermeisterin!" Frau Weiß und Elvira drängten ebenfalls nach den: Bor- platze.— Was war geschehen? Wärend Elvira und Hellenbach ihre Ansichten tauschten, war das große Zimmer des Wirtes, in dem die sämmtliche Garde- robe der Ballgäste deponirt worden war, der Schauplatz gewor- den, ans dem sich, wie in Obcrons Hain, verschiedene Pärchen tummelten, und wenn auch nicht ganz so poetisch wie jener, war er doch kaum minder dazu geeignet. Wir kennen bereits den Raum, den die breiten praktikablen Kleiderrechen— in diesem Augenblick mit Mänteln und langen Ueberwürfen nur allzureichlich beladen— fast in zwei Hälften teilten. Diejenige zunächst der Tür war von den flackernden, stark niedergebrannten Kerzen, die vor dem Spiegel standen und ein trübes, rötliches Licht ausstralten, fast gar nicht er- leuchtet, Wände und Winkel in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt. Auf der anderen Seite befand sich ein niederes Fenster, durch welches der Mond guckte und es auf dem Boden des Zimmers licht abzeichnete. In dem Bereich dieses Fensters, das halb offen stand, war alles zarte, bläuliche Helle. Bon außen drang das Rauschen des jäh vorüberbrausenden Stromes durch die stille Nacht, indes von der Tür her in un- deutlichen, abgerissenen Tönen die Musik des Tanzsales wie aus weiter Ferne herüberklang.(Fortsetzung folgt.) 236 Cartelms und Spinoza. Ihr Verhältnis zur modernen Wellanschauung. Von Dr. Ärtkur Müköerger. Die Weltanschauung des heidnischen Altertums ist ihrem innersten Wesen nach„monistisch", d. h. Religion und Politik, Geist und Natur, Gott und Aiensch sind innerlich eins. Da der Dichtung zauberische Hülle Sich noch lieblich um die Warheit wand— Durch die Schöpfung floß da Lebenssülle Und, was nie empfinden wird, empfand. An der Liebe Busen sie zu drücken, Gab man höhern Adel der Natur, Alles wies den eiugeweiteu Blicken, Alles eines Gottes Spur. „Aber der Mensch im Heidentume", sagt Ludwig Feuerbach, „war nicht der Mensch schlechtweg, sondern der nationell bestimte Mensch: der Grieche, der Römer, der Aegypter, der Jude, folg- lich auch sein Gott ein nationell bestimtes, besondres, dem Wesen oder Gotte andrer Völker cnt- gegengeseztes Wesen— ein Wesen also im Widerspruch mit dem Geiste, welcher das Wesen der Menschheit und als ihr Wesen die allgemeine Einheit aller Völker und Menschen ist." Diesen Gegensatz zwischen dem besonderen Geiste und dem allgemeinen Geiste sucht die heidnische Philosophie zu zer- brechen. Es gelingt ihr, wenig- stens teilweise, aber nur im Reiche des Gedankens, im Reiche der Lüste, hoch oben über der Wirklichkeit.„Seine wirkliche Lösung", fart Fcuerbach fort, „fand dieser Widerspruch erst im Christentum; denn in ihm wurde der Logos sarx (das Wort Fleisch), d. h. die allgemeine Vernunft, das alle Völker und Menschen umfassen- de, alle feindseligen Differenzen und Gegensätze zwischen den Menschen auflösende, allgemeine und reine, deshalb mir dem göttlichen Wesen identische We-, sen der Menschheit Gegenstand unmittelbarer Gewißheit-- Gegenstand der Religion. Christus ist nichts andres, als das Bewußtsein des Menschen von der Einheit seines Wesens mit dem göttlichen Wesen, em Bewußt- sein, welches, als die Zeit gekomnien war, weltgeschichtliches Be- wußtsein zu werden, sich als unmittelbare Tatsache auszusprechen, in eine Person sich zusammenfassen, zunächst als ein Jndivi- duum sich verwirklichen und der ganzen, noch in der Finsternis des alten Widerspruchs der Bolkspartikularitäten liegendeii Welt als Schöpfer eines neuen Weltalters entgegensezen mußte." So wurde denn im Christentum Gott als Geist, als der schlechthin allgemeine, alles umfassende Geist gefaßt, der jede Besonderheit und Beschränktheit ausschließt. Ter Geist kann aber nur im Geiste, nicht im Fleische begriffen iverden, und so kommt im Christentum das Verhältniß zwischen Geist und Fleisch, lieber- sinnlichem und Sinnlichem, Mensch und Natur als Widerspruch zum Bewußtsein. Im Lauf der Geschichte steigert sich mit der wachsenden Entwicklung der christlichen Kirche dieser Widerspruch bis zum vollen Gegensatz. Die Natur selbst wird allmälich zu einem dem Leben im Geiste, d. h. dem einzig wirklichen Leben, feindseligen Prinzip. Nur das Geistige, das Ueber- sinnliche, das Göttliche ist würdig, gedacht und empfunden zu iverden, das Leibliche, das Sinnliche, das Natürliche dagegen ist des menschlichen Denkens unwert, unwürdig. Die Geschichte lehrt, wie weit die Menschheit auf dieser Ban gekommen ist: Blut und Tränen bezeichnen ihren Weg. Wenn also das Christentum nicht überhaupt das lezte Wort des menschlischen Geistes war, so mußte dieser eine andre Ban einschlagen, und diese Ban konnte nichts andres sein, als Rück- kehr zur Natur oder zu seinem eigenen Wesen. Die Natur ist aber nicht blos die Lust, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, das Brot, das wir essen, sondern sie ist auch das uns vordem befreundete Wesen, in dem sich der menschliche Geist eins und glücklich fülte. Und so erwachte er wieder aus der dumpfen Gefangenschaft, in welche ihn der Glaube geworfen, er fülte sich wieder selbst und wurde Philosophie. Das fünf- zehnte und sechzehnte Jarhundert komt und mit ihnen die ganze Reihe jener großen Denker, Gelehrten und Künstler, in deren Fußstapfen zu wandeln, wir noch heute stolz sind. Wenn das Christentum ge- lehrt, Gott ist ein Geist und alle unsere Geister sind nur durch ihn Geist, so erhebt sich die Philosophie und verkündet durch den Mund des Cartesius: Ich bin ein Geist. Oogito �Dubito), ergo surn: Ich denke, ich bin. Und so erfaßt sich in Cartesius der denkende Geist in seinem Unterschied von der Natur. Eben dieser Un- terschied ist es, der nach ihm das Wesen des denkenden Gei- stes bildet.„Die Erkenntnis Ciogito, ergo surn: Ich denke, ich bin, ist die allererste und gewisseste Erkenntnis." Pri- rnurn priucipiurn est, färt Cartesius fort, quoll anirna nostra existit, quia nihil est, cujus existentia sitnobisnotior. Zu deutsch: Das erste Prinzip ist, daß nnsre Seele existirt, weil nichts ist, dessen Existenz uns bekannter wäre. Ich denke, ich bin, ist ununterscheidbar, ist eins. Die Existenz des Geistes ist also das allergewisseste, das allerrecllstc Prinzip der Philosophie. es ist die vom Körper abstrahirende Beziehung des Geistes auf sich selbst. Die Existenz des Geistes ist nach Cartesius somit das Ein- zige, was durch sich selbst gewiß ist. Alles andere aber ist weit davon entfernt, gewiß zu sein. Der seiner selbst gewisse Geist muß also, wenn er zu andern Gewißheiten weiterschreiten will, zunächst an allem, außer seiner eigenen Existenz zweifeln. Für die Erkenntnisteorie ist das erste und wichtigste Prinzip demnach der Zweifel, aber kein Zweifel, wie man gewönlich glaubt, an diesem oder jenem Ding, sondern ein Zweifel, der von allem, was außer der Existenz meines Geistes ist, abstrahirt, der alles negirt, was von ihm verschieden ist. Denn nur deswegen, sagt er, sei es den Menschen so schwer, das Wesen des Geistes zu erkennen und sich von der Warheit seiner Gedanken zu über- zeugen quia mentem a corpore nunquarn satis accurate llis- tinxerunt—„weil sie den Geist vom Körper niemals hinläng- lich genau unterschieden haben." Und so spricht er, schon in der Einleitung zu seinen Meditationen, sehr viel von den Vorur- teilen, denen der Geist auf seinem Suchen nach Warheit immer begegne.„Das hauptsächlichste Vorurteil", sagt er,„ist aber das von der Existenz sinnlicher Dinge."„Da ich," sagt er kurz nach- her,„in und durch die Abstraktion von allem Sinnlichen und Körperlichen, durch die Verneinung ihrer Existenz mein Wesen gefunden, erkannt habe, daß ich allein nur vom Denken nicht ab- strahiren kann, es folglich mein Wesen ist, so erkenne ich daraus, daß die Erkenntnis meiner selbst als Geistes oder denkenden Wesens, das ist eben die Erkenntnis des Geistes, durchaus nicht Eh«millo.(Seite 2i2.) 237 abhängen kann von der Erkenntnis der sinnlichen Tinge, von denen ich ja noch gar nicht weiß, daß sie sind und daß nichts von allem dem, was ich vermittelst der Imagination d. i. der sinn- lichen Vorstellungen fassen kann, nichts von allen sinnlich vor- stellbaren Dingen zum Begriffe des Geistes oder meiner selbst gehöre."„Ter Geist kann daher für sich allein vollständig und deutlich erkannt werden, one irgend eine von den Formen oder Attributen, die zum Körper gehören; sein Begriff enthält nichts von dem, was zum Begriff des Körpers gehört." Dieser seiner selbst gewisse und in der Abstraktion von allem außer ihn: existirende Geist des Cartesius fült sich in seiner luf- tigen Behausung nicht behaglich; es drängt ihn zu dem, was nicht er selbst, zu den Dingen außer ihm, zur Natur. Aber wo soll er beginnen? Stehen ihm denn nicht blos die Sinne zu Ge- bot, um die Eigenschaften der Natur zu ergründen? Und wie so trügerisch sind die Sinne! Es ist kein Schritt, wo der Geist nicht strauchelt, wenn er sich auf dieselben verläßt. Auch die Natur also darf nicht mit den Sinnen, sondern mir mit dem Intellekt begriffen werden; warhaft objektiv in ihr kann nur das sein, was von dem objektivsten Prinzip, vom Denken begriffen werden kann. Was für eine Anschauung der Dinge ist nun die dem Verstand, dem reinen Denken angemessenste? Doch nur die, welche von allen qualitativen, greif- und fülbaren Eigenschaften absiet und die Dinge nur quantitativ oder, was dasselbe ist, matema- tisch erfaßt.„Das Wesen der Materie," sagt dah« Cartesius, „oder des Körpers überhaupt, bestet nicht darin, das; er hart, farbig oder gewichtig ist, oder auf andere Weise die Sinne affi- cirt, sondern allein darin, daß er in die Länge, Breite und Tiefe ausgedent ist. Gewicht oder Schwere, Farbe und alle anderen an der körperlichen Materie warnembaren Qualitäten können Hippopatamus im jjambffi.(Seite 243.) one Verletzung ihres Wesens aufgehoben werden, von keiner dieser Qualitäten hängt ihre Natur ab."„Alle sinnlichen Eigen- schaffen sind nur gewisse in unserem Bewußtsein vorhandene Ge- füle."„Das Wesen der Körper ist allein die Ausdenung." Die Welt aber, färt Cartesius weiter fort, oder der Inbegriff der körperlichen Substanz habe keine Grenzen der Ausdenung. Im ganzen Universum existire blos eine und dieselbe Materie. Alle Mannigfaltigkeit derselben oder die Verschiedenheit aller ihrer Formen hänge von der Bewegung ab. Die Ursache der Be- wegung sei teils eine allgemeine, teils eine besondere.„Die all- gemeine Ursache," sagt er,„ist Gott."„Weil nun Gott," sagt er weiter,„die Teile der Materie bei ihrer Erschaffung verschie- dentlich bewegte und diese ganze Materie auf dieselbe Weise und in demselben Verhältmß, als er sie erschuf, erhält, so ist es ver- nünstig, anzunemen, daß er auch immer dieselbe Größe der Be- wegung in ihr erhalte." Es ist hier nicht der Ort, den Gottesbegriff des Cartesius eingehender zu untersuchen. Wir begnügen uns �mit einigen flüch- tigen Bemerkungen. So wichtig und bedeutend die Rolle ist, welche Cartesius seincin Gotte zuteilt, so schwach und schwankend ist die innere, begriffliche Begriindung der Gottesidee. Des Car- tesius Gott ist ein eigentlicher Dens ex machina. Denn der Denker, der den Zweifel an allem zum Prinzip seiner Philo- sophie erhoben hat, sollte er nicht von vornherein an der Gottes- idee zweifeln? Sollte er nicht gerade für sie die tieffte, die inner- lichste Begründung fordern? Cartesius hat es zwar versucht, seinen Gott zu beweisen(der sogenannte ontologische Beweis für das Dasein Gottes), tatsächlich aber behilft er sich eben mit ihm und zält ihn schließlich zu den sogenannten eingeborenen Ideen. Was ist nun aber das innerste Prinzip seiner Naturphilosophie? Cartesius fült, daß die Materie allem zur Erklärung der Welt nicht ausreiche, nicht einmal im Gebiet der körperlichen d. h. außer seinem Geiste existirenden Dinge. Sie braucht noch ein anderes Prinzip— die Bewegung; diese hat sie aber nicht von sich selbst, dieselbe ist nicht identisch mit ihr, sondern sie ist ihr von Gott eingepflanzt. Die von Gott bewegte Materie ist also die Natur des Cartesius. Dieser Akt Gottes ist ein ursprüng- sicher, identtscher. Die Folge ist also, daß die tatsächlich be- stehende Natur in allen ihren Erscheinungen von der toten un- organischen Welt bis hinauf zum Körper des Menschen Materie und nur Materie ist, die ihre Bewegung von Gott erhalten. Die Naturphilosophie des Cartesius ist sonach innerlich durchaus materialistisch; die Pflanzen, die Tiere, der menschliche Körper sind ihre Automaten, bewegte Maschinen, und entberen eines 238 geistigen lebendigen Prinzips. Ter schroffe Gegensatz zwischen Geist und Natur kommt natürlich Cartesius als ein Mangel seiner Philosophie zum Bewußtsein. Er ringt sich nnisam ab, eine Vereinigung beider zu Stande zu bringen, aber nirgends sind seine Aussprüche dunkler, unbestinimter, widerspruchsvoller. als über diesen Punkt. Dem mußte so sein, denn der von aller Wirklichkeit abstrahirende, nur sich auf sich selbst beziehende Geist der cartesianischeu Philosophie ist eben tatsächlich mit der Natur unvereinbar und selbst sein Gott bringt eine Verschmelzung nimmermer fertig. Ist es zu verwundern, wenn der menschliche Geist aus tiefer Grabesruh erwachend, sich zuerst und insbesondere in seinem Gegensatz zur Natur erkennt? War nicht die Heraus- und Gegen- übcrstclllliig seiner selbst im Vcrhältniß zur Natur eine form- liche Vorbedingung freier, unbefangener Prüfting? Und darin liegt des Cartesius unsterbliches Verdienst. Er ruft den Geist wach aus dem dumpfen Schlafe des Glaubens, bringt ihm Sclbstgewißheit und Zuversicht, flößt ihm wieder Vertrauen ein zur menschlichen Vernunft. War diese Philosophie doch, wie einer ihrer damaligen Bckämpfcr, Huetius sagt, so frech, zu behaupten, daß die Evidenz ebensoviel Gehorsam vom Menschen zu fordern berechtigt sei, als der Glaube. Auch ist bekannt, daß die Statur- wissenschasten selbst, insbesondere die Matematik, dem Cartesius manche Errungenschaften verdanken. Ja, es ist vollkommen war, was Feuerbach im Jare 1833 sagt:„Die Staturwissenschaften, besonders aber die Physik, standen bis auf die neuesten Zeiten im wesentlichen und allgemeinen, d. h. dem metaphysischen oder laturphilosophischcn Teil nach, auf dem Standpunkt der Philo- sophie des Cartesius, obwol die meisten Physiker keine Cartesianer waren, sondern im Gegenteil mer dem Atomismus huldigten, der aber im wesentlichen selbst nicht von der Naturphilosophie des Cartesius verschieden ist, da er ebenso wie diese auf bloßeni Mechanismus und Materialismus berut. Denn die allgemeinen Prinzipien der Naturphilosophie des Cartesius, seine Anschauung von der Natur als einer bloßen Materie, von der Belvcgung als einem äußerlich oder unbegreiflich mit der Materie Verbun- denen, von den Poren, von der Indifferenz der Materie blieb auch die Grundlage der späteren Physik." Die Philosophie des Cartesius enthält die E l e m c n t e Spinoza's.(Fortsetzung folgt.) Ein flandrischer Hund. Aus dem Englischen von chuida. Für die„?!. 38." mit Erlaubnis der Verfasserin übcrsezt von L. v. d. wieseck. (Schluß.) Ein Schleier legte sich Nello über die Augen, sein Kopf schwindelte, die Beine knickten fast unter ihm zusammen. Als er seine Sehkraft wieder erlangt hatte, schaute er. nach dem auser- wälten Bild— es war nicht seins! Eine klangvolle Stimme verkündete laut, daß der Sieg dem Stephan Kießlinger, geboren in der Stadt Antwerpen, Ion eines Hafenbeamten daselbst zuerkannt worden sei. Als Nello wieder znni Bewußtsein kam, lag er draußen aus den Steinen und Patrasche gab sich alle mögliche Mühe, ihn ivieder ins Leben zu rufen. In der Entfernung sah er eine Schar von antwerpener Jungen, die sich um ihren glücklichen Genossen drängten, und ihni mit Jubclrufen das Geleite nach seiner Wonung im Hafen gaben. Der Knabe richtete sich auf so gut es ging— er hatte seit dem Morgen des vorhergehenden Tages nichts gegessen— und wanderte nach dem Dorf zurück. Palrasche schritt mit gesenktem Kopf neben ihm her, die alten sonst so starken Glieder schwach durch Hunger, Sorge und Alter. Der Schnee fiel in dichten Flocken; ein schneidender Nordost peitschte ihn den Wanderern ins Gesicht; es war tätlich kalt auf der Ebene, die keinen Schutz gegen den unbarmherzigen Wind bot. Es war schwer vorwärts zu kommen und die Turmur schlug schon vier, als sie, halb erstarrt, sich dem Dorf näherten. Plötz- lich blieb Patrasche stehn; eine Spur im Schnee hatte ihn auf- gehalten. Er kratzte winselnd den Schnee mit den Pfoten weg, und zog mit den Zänen einen kleinen Lederbcutel hervor, den er Nello hinreichte. Es war stichdunkel. Aber in der Nähe stand ein Cruzifix, vor deni ein Oellämpchen brannte. Der Kwabe hielt mechanisch den Beutel ans Licht: der Name Baas Copez war darauf gestickt, und in dem Beutel waren sechstausend Francs. Der Anblick erweckte den Knaben einigermaßen aus seiner Betäubung. Er steckte den Beutel in sein Hemd über den Gürtel, streichelte Patrasche und zog ihn vorwärts. Der Hund sah ihm traurig ins Gesicht. Nello ging geradewegs nach der Mülc und klopfte an die Haustüre. Die Müllersrau öffnete ihm laut weinend, wärend die kleine Alois sich an sie anklammerte. „Du bist's? Du armer Junge?" fragte sie liebreich durch ihre Tränen.„Mache, daß du fort kommst, ehe der Baas dich sieht. Wir sind in großer Angst heute Abend. Er sucht draußen auf dem Weg nach einer großen Geldsumme, die er bei der Heimfart ans dem Wagen verloren hat. Ach Gott! in diesem fürchterlichen Wetter wird er sie nicht finden/ und da sind wir so gut wie zu Grund gerichtet! Das ist die Strafe des Himmels für das Unrecht, das wir dir getan!" Nello überreichte ihr den Lederbcutel und winkte Patrasche ins Haus.„Pallasche hat das Geld vorhin gefunden," sagte er rasch. „Sagen Sie das dem Baas Copez; ich hoffe, er wird dem Hund nun ein Obdach und Narung für seine alten Tage nicht ver- weigern. Geben Sie acht, daß er mir nicht nachläuft, und bitte, seien Sie gut gegen ihn." Ehe die Frau oder der Hund wußte, was er tat, hatte er sich niedergebeugt und Pallasche geküßt, dann rasch die Türe zu- geschlagen und war im Düster der schnell niederfallenden Stacht verschwunden. Die Frau und das Kind standen sprachlos da vor Freude und vor Angst. Patrasche stürmte vergeblich gegen die eisenbe- schlagene Eichenholztürc. Sie wagten die Tür nicht aufzumachen und ihn fortzulassen; sie versuchten alles mögliche, um ihn zu beruhige». Sie brachten ihm süße Kuchen und saftiges Fleisch; sie boten ihm das beste an. was sie im Haus hatten; sie lockten ihn nach dem warmen Herd— es war alles umsonst. Patraschc wies jeden Bissen, jede Freundlichkeit hartnäckig zurück und war nicht von der Türe wegzubringen. Es war sechs Ur Äbcnds, als der Müller durch eine andere Tür hereintrat, müde und gebrochen.„Es ist für immer ver- loren," sagte er mit dumpfer Stimme, die Wangen aschgrau. „Wir haben mit Laternen überall gesucht— es ist fort— die Aussteuer des Mädchens und alles!" Sein Weib hielt ihm den Leder beutet hin und erzälte, wie sie ihn wiederbekominen. Der starke Mann sank zitternd auf einen Stul und bedeckte sein Gesicht mit den Händen, beschämt und fast erschreckt. „Ich bin gegen den Jungen grausam gewesen," murmelte er endlich,„ich habe es nicht verdient, daß er mir Gutes tat" Die kleine Alois faßte Mut, näherte sich dem Vater und legte ihr blondes Lockenköpfchen schmeichelnd an seine Brust. „Nello darf jetzt wieder herkommen. Papa?" flüsterte sie;„er darf morgen wieder kommen, wie sonst?" Der Müller schloß sie in seine Arme. Sein hartes, sonnen- verbranntes Gesicht war sehr bleich und sein Mund zuckte. „Gewiß, gewiß, mein Kind! Er soll am Weinachtstag hier fern, und jeden Tag so oft er will. In meiner Geldgier habe ich geflindigt und der Herr hat mich milde gestraft. Mit Gottes Hülfe Ivill ich's an deni Burschen wieder gut machen. Ich will's wieder gut machen." Die kleine Alois küßte ihn voll Dankbarkeit und Freude, schlüpfte dann von ihm weg und lief zu dem Hund, der fort- wärcud an der Tür auf der Lauer stand. „Und heut Abend kann ich Pallasche ein Fest geben?" rief sie mit kindlicher Heiterkeit. Der Vater nickte ernst:„Ja, ja; der Hund soll das Beste haben." Der alte Mann war tief bewegt und bis ins innerste Herz hinein erschüttert. Es war heiliger Abend und das Haus des Müllers war ge- füllt mit Klötzen von Eichenholz und Torfftücken, mit Milch und Honig, mit Aleisch und Brod— und an den Balken hingen Guirlanden von Immergrün und der Kalvaricnberg und die Kukuksur blickten aus einem Wald von rotbcerigen Stechpalmen hervor. Auch Papierlampen waren da für Alois, und Spiel- ,teug der mannichfaltigsten Art und Zuckerzeug in buntbemaltem Papier. Ueberall war Licht und Wärme, und Ueberfluß, und das Kind hätte es so gern gehabt, wenn der Hund, als geerter Gast, sich an dem Ueberfluß und der Wärme gelabt hätte. Aber Patrasche wollte sich weder ans Feuer legen, noch von den Speisen annehmen. Ausgehungert und kalt wie er war— one Nello wollte er von Narnng, von Wärme nichts wissen. Er wider- stand jeder Versuchung und drängte sich dicht an die Türe, auf eine Gelegenheit lauernd, wo er entrinnen könne. „Er will zu dem Jungen," sagte Baas Copez.„Guter Hund! Guter Hund! das erste, was ich am Morgen tun werde, ist zu dem Jungen zu zehn." Denn niemand außer Patrasche wußte, daß Nello und er nicht mcr in der Hütte wonten; und niemand außer Patrasche wußte, daß Nello ihn bloß deshalb hier gelassen hatte, um allein dem Hunger und Elend die Stirn zu bieten. Die Küche in der Müle war sehr warm; große Holzklötze knisterten und flammten auf dem Herd; Nachbarn kamen zu einem Glas Wein und einem Stück von der fetten Gans, die zum Abendessen gebacken wurde. Alois war lustig und guter Dinge; war sie doch sicher, daß ihr Gespiele morgen zu ihr zurückkommen werde. Sie hüpfte und sang und warf ihr goldenes Haar über- mütig in den Nacken. Baas Copez, mit dem eine wunder- bare Veränderung vorgegangen war, und dessen Auge von Tränen feucht war, lächelte dem Liebling zu, und sprach davon, wie er ihrem Gespielen sich dankbar und freundlich bezeigen werde. Die Mutter, in deren Gesicht sich die seligste Zufriedenheit abspiegelte, saß still am Spinnrad; der Kukuk in der Ur hatte nie so frölich die Stunden ausgerufen. Und Patrasche wurde mit tausend schmeichelnden Worten und Liebkosungen eingeladen, als Erengast an der Freude teilzunemen— er blieb fremd und blickte ängstlich und ausgeregt nach der Tür. Nichts konnte ihn halten, wo Nello nicht war. Als das Abendessen auf dem Tisch dampfte, und die Stim- inen am lautesten und lustigsten klangen und das Christkindchen der Alois die ausgesuchtesten Geschenke brachte, da benutzte er die lang ersehnte Gelegenheit, als ein neuer Ankömmling d?e Tür nicht fest zugemacht hatte, und lief davon, so rasch seine alten, müden Beine ihn tragen wollten, hinaus in den Schnee in die bitterkalte Nacht. Er hatte nur einen Gedanken: Nello zu folgen. Ein Mensch würde dem köstlichen Mal, der woltuenden Wärme, dem labenden Schlummer nicht widerstanden haben- die Freundschaft des Hundes Patraschc war über solche Lockungen erhaben. Er erinnerte sich der vergangenen Zeit, da ein alter Mann und ein kleines Kind ihn, den zu Tod kranken, im Graben am Wege gefunden hatten. Den ganzen Abend war frischer Schnee gefallen; es war jezt beinahe zehn Nr; die Fußtapfen des Knaben waren verwet. Es kostete Patrasche viel Arbeit, ehe er die Spur gefunden hatte. Und kaum hatte er sie gefunden, so war sie wieder verloren, und nochmals gefunden, und nochmals verloren, hundertmal und öfter gefunden und wieder verloren. Es war eine sehr stürmische Nacht. Die Lämpchen der Kreuze am Weg waren ausgeblasen; undurchdringliche Finsterniß lagerte über dem Land, kein lebendes Wesen war draußen. Das Vieh>var unter Obdach, und in allen Wonungen der Menschen herrschte festlicher Jubel. Nur Patrasche war in der grausamen Kalte draußen— alt, halbverhungert, von Gliederschmerzen ge- foltert, aber mit der Stärke und Geduld der ihn erfüllenden Liebe, die ihn aufrecht erhielt und nicht ruhen, nicht rasten ließ. Die Spur Nellos fürte auf der gewollten Straße nach Ant- wcrpen. Es war Mitternacht, als Patraschc sie bis in die Stadt und in die winklichen engen Straßen verfolgt hatte. Alles war dunkel in der Stadt. Nur hier und da schimmerte ein Licht- stral durch die Spalten der Fensterladen, oder zog ein Trupp Menschen mit Laternen nach Haus, Trinklieder singend. Die hohen Mauern und Giebeldächer ragten schwarz zu dem schwarzen Himmel empor und stachen ab von dem Weiß der schnee- und eisbedeckten Straßen, durch welche der Sturm heulte, an den Hausschildern rüttelnd und an den Gaslaternen, deren Flammen längst ausgelöscht waren, seine Kraft erprobend. Es fiel aber kein Schnee mer, der Himmel fing an sich aufzuhellen. So viele Leute waren schon durch de» Schnee gegangen, und so viele Fußtapfen hatten einander schon gekreuzt, daß es für den Hund sehr schwer war, die Spur zu behalten. Aber er ar- beitete sich vorwärts, nicht müde, obgleich die Kälte ihm in das Mark drang, und das scharfe Eis ihm in die Füße schnitt, und der Hunger, wie ein Rattenzahn, ihm die Eingeweide zerbiß. Aber er arbeitete sich vorwärts,— das arme, abgemagerte, hin- fällige Ding, in der eisigen Nacht, dessen sich keine Seele er- barmte; und mit seiner unermüdlichen Geduld kam er allmälich auf der geliebten Spur in das Herz der Stadt— zu den Stufen der Katedrale. „Er ist zu dem bunten Zeugs gegangen, das er immer so gern hatte," dachte Patrasche. Er verstand es ja nicht, und die Leidenschast zur Kunst, welche ihm unbegreiflich und doch so heilig war, verursachte ihm nun Sorge und Kopfzerbrechen. Die Portale der Kirche waren nach der Mitternacht-Mcsse offen geblieben. Einer der Wächter hatte in seiner Hast, nach Haus zur festlichen Tafel zu kommen,— vielleicht auch in der Schlaftrunkenheit den Schlüssel nicht richtig umgedret und eins der Tore unverschlossen gelassen. Dank diesem Zufall waren die Füße, deren Spuren Pattasche suchte, in das Gebäude ge- langt, und hatten sich auf den schwarzen Steinen weiß abge- zeichnet. Der dünne weiße Faden von Schnee fürte Patrasche durch das unheimliche Schweigen, durch den ungeheuren Raum des Gewölbes— fürte ihn zu den Pforten des Allerheiligsten - und dort auf den Steinen ausgestreckt, lag Nello. Er schlich nch geräuschlos hin und berürte das Antlitz des Knaben. Träumtest du, daß ich dir untreu werden und dich verlassen ivürde? Ich— ein Hund?" sagte die stumme Liebkosung. Der Knabe erhob sich mit einem leisen Ausruf der Freude und umarmte ihn zärtlich. „Komm, wir wollen uns niederlegen und zusammen sterben," murmelte er,„die Menschen brauchen uns nicht, und wir sind ganz allein auf der Welt." Als Antwort drückte sich Patrasche noch näher an ihn heran und legte den Kopf auf die Brust des Knaben. Dicke Tränen standen ihm in den Augen— nicht um sich-- er war glücklich. Sie schmiegten sich dicht aneinander in der schneidenden Kälte. Die Nördoststürme, welche voni Meer her über die flämischen Deiche brausten, waren gleich Wogen von Eis, und wehe allem Lebendigen, das sie berürten! Das Innere des ungeheuren Stein- gewölbes, in welchem die beiden lagen, war noch markdurch- dringender kalt als die schneebedeckten Ebenen draußen. Dann und wann huschte eine Fledermaus im Dunkel vorbei, dann und wann traf ein Lichffchimmer die Reihen der geschnitzten Holz- bilder. Sie lagen unter den Rubensbildern, sie lagen ganz still — durch die betäubende Kälte eingelullt in einen traumreichen Halbschlummer. Sie träumten zusammen von den schönen Tagen, da sie auf den blumenbesäeten Wiesen des Sommers mit einan- der Haschens gespielt oder in den hohen Binsen am Wasser ge- sesscn hatten, dem Lauf der Schiffe folgend, die im Sonnenglanz mecrwärts glitten. Kein Streit hatte sie je veruneinigt, keine Wolke sich je zwi- scheu sie gelegt; keine Roheit auf der einen, keine Treulosigkeit auf der andern Seite hatte je ihre Liebe und ihr Vertrauen ge- ttübt. Ihr ganzes kurzes Leben hindurch hatten sie, one zu murren, ihre Pflicht getan, wo und ivie sie sich ihnen darbot, und waren glücklich gewesen in dem einfachen Genuß des Lebens, und hatten weder Mensch noch Tier je etwas mißgönnt, und waren ganz zufrieden gewesen, weil sie ganz unschuldig waren. Und in die Mattigkeit des Hungers und des erkälteten Bluts, das sich langsam und träg durch ihre Adern wälzte, träumten sie von diesen, so glücklich niit einander verlebten Tagen in jener langen laugen Christnacht. Plötzlich strömte ein weißer Sttalenkranz durch die Finsternis und erfüllte das Gewölbe: der Vollmond hatte die Wolken durch- krochen, sein von dem Schnee zurückgeworfenes Licht verbreitete Morgcnhelle, und er schien zwischen den Pfeilern hindurch, ge- radc auf die beiden Gemälde oben, von denen der Knabe beim Hereinkommen den Schleier weggezogen hatte: die„Kreuz- erhöhung" und die„Kreuzabname" waren einen Augenblick ficht- bar wie am Tag. Nello sprang auf und streckte die Arme nach ihnen aus: die Tränen leidenschaftlichen Entzückens glänzten auf seinem toten- bleichen Gesicht. „Ich habe sie endlich gesehen," sckrie er laut;„o Gott, es ist genug!" Die Kräfte ließen ihn im Stich— er sank in die Kniee, un- verwanten Auges nach der Majestät schauend, welche er an- betete. Einige knrgc Momente beleuchtete der Zlollmond die gött- lichen Visionen, die dem Knaben so lange versagt gewesen— es war als strömte das Licht hell, klar, mild und doch mächtig, von dem Trone des Himmels. Dann plötzlich war es verschwunden; und wiederum bedeckte undurchdringliches Dunkel das Antlitz Christi. Die Arme des Knaben umschlangen wieder den Hals des Hundes. „Wir werden Sein Antlitz dort schauen," flüsterte er,„und Er wird uns nicht trennen, glaube ich; Er wird Erbarmen init uns haben." IV. Am folgenden Morgen fand man sie am Allerheiligsten. Sie waren beide tot; die Kälte der Nacht hatte das junge Leben und das alte mit eisigem Hauch verlöscht. Als der Weinachtsmorgen anbrach und die Priester den Tempel betraten, sahen sie den Knaben und den Hund zusammen aus den Steinplatten liegen. Die Vorhänge waren von den großen Visionen des Meisters weggezogen, und die ftischen Stralen der Sonne küßten das dornengekrönte Haupt des Gottes. Später am Tag kam ein Mann mit harten Zügen, und weinte wie Weiber weinen. „Ich war grausam gegen den Burschen," schluchzte er,„und jezt wollte ich's an ihm wieder gut machen— ich wollte ihm mein halbes Vermögen geben und er sollte mein Son sein!" Als der Tag weiter fortgeschritten war, kam ein Maler— ein Mann, dessen Namen die Welt kannte und der einen unab- hängigen Geist und eine offene Hand hatte. „Ich suche einen, der von Rechtswegen den Preis gestern gewinnen mußte," sagte er zu den Leuten.„Einen Knaben von seltenen Anlagen, ein Genie. Ein alter Holzhacker, des Abends auf einem gefallenen Baum sitzend, das war sein Gegenstand— nichts weiter. Und doch liegt in dem einfachen Bild das Vcr- - sprechen künftiger Größe. Ich möchte ihn gern finden, und zn mir nemen und ihm die Kunst lehren." Man zeigte ihm den toten Knaben.— � Und ein kleines Kind mit hellem lockigem Haar jammerte und rief, an den Arm ihres Vaters sich klamniernd:„Oh, Nello, komm! Wir haben alles bereit für dich. Christkindchen hat die Hände voller Geschenke, und der alte Flötenbläser wird uns auf spielen; und die Mutter sagt, du sollst bei uns bleiben und die ganze Christwoche Nüsse und Mandeln rösten— ja, ja noch länger, bis znni heiligen Dreikönigstag! Und Patraschc wird es so gut haben! Oh, Nello, wache auf und komm." Aber das junge bleiche Gesicht, noch mit einem seligen Lä- cheln nach dem Lichte des großen Rubens gekehrt, antwortete ihnen allen:„Es ist zu spät!" Munteres Glockengeläute tönte über die eisige Landschaft, der Sonnenschein vergoldete die Schneeflächen, und das Volk wogte in heiterer Feststimmung durch die Straßen— aber Nello und Patraschc baten niemand mer um eine Kruste Brod. Was sie jezt noch brauchten, gab Antwerpen ihnen ungebeten. Der Tod war barmherziger mit ihnen gewesen, als längeres Leben gewesen wäre. Er hatte den einen in der Treue der Liebe, den andern in der Unschuld des Glaubens von einer Welt genommen, welche für die Liebe keine Betonung und für den Glauben keine Erfüllung hat. Ihr ganzes Leben lang waren sie zusammen gewesen und im Tode wurden sie nicht getrennt. Als man sie fand, waren die Arme des Knaben so fest um den Hals des Hundes geklam- wert, daß man sie one Gewalt nicht losmachen konnte; und die beschämten und zerknirschten Bewoner ihres Dörfchens legten sie beide in ein Grab. Brasilien und die de Diejenigen Kulturgewächse, für welche Brasilien überhaupt sich besonders geeignet erwiesen hat, werden natürlich auch in den Südprovinzen angebaut,— nämlich Kaffee, Zuckerror und Baumwolle; doch hat sie Canstatt in den deutschen Kolonien nicht in größerem Maßstabe angebaut gefunden. Unsere euro- päischen Gemüse sind erst recht spärlich vertreten; sie zu pflanzen und zu Pflegen würde mer Zeit und Mühe in Anspruch nemen, als man sich dortzulande die Feldbestellung kosten läßt. Neulich verhält es sich da mit unseren Obstsorten und selbst mit dem Wein, der sehr wol trefflich gedeihen könnte, vorläufig aber und im ganzen nur ein recht mnngelhaftes Getränk liefert. Statt der europäischen Obstbäume finden sich in großer Ber- breitung Orangenbäume, deren verschiedene Arten alle jene bei uns unter den verschiedensten Namen bekannten„Südfrüchte" tragen, Limonen oder Citronen, Orangen oder Apfelsinen, und auch Pomeranzen und Peretten. Ganze Haine von Orangenbäumen umgeben manch' eine von den deutschen Kolonien und machen das Land rings um sie her zu einem herrlichen Parke. An der Küste der Provinz Santa Catharina gedeit der Pisa ng, dessen Früchte, die Bananen, im Geschmacke sich unterscheiden wie die Früchte des Orangenbaums, vom herb Säuerlichen bis zum völlig Süßen. Die Bananen können auf die mannichfaltigste Art als Narungsmittel dienen, in rohem sowol als in gekochtem Zustande, geröstet, in Butter gebraten u. s. w. Auch die Knospen am Ende des Blütenkolbens und die Blätter sind nutzbar zu machen; erstere als Gemüse, leztere, die einen mächtigen Umfang haben und sehr widerstandsfähig sind, als Material zur Waren- Verpackung, sowie als Sonnenschirme, Fliegenwedel, Teller und Tischtücher; selbst zur Deckung der Dächer sind sie zu verwenden. Durch Gärung der Früchte kann nian außerdem noch eine Art Wein bereiten, wärend man durch Abkochung ein nicht spirituöses, killendes Getränk gewinnt. Im Gegensatz zu unfern Obstbäunien verlangt der Pisang nur sehr wenig Pflege. Nach der Fruchternte hat man nichts weiter zu tun, als den alten Stamm abzuhauen und dadurch tsche Auswanderung.(Schluß.) die Entwicklung der Stockknospen zn fördern; drei Monate danach kann inan wieder Ernte halten. In den mit Laubwäldern bedeckten Hügeln von einigen hundert Fuß Meereshöhe wächst der Strauch llex parnssn-ryonsis, dessen Blätter das außerordentlich beliebte Tcegetränk Mate liefert. In den Monaten März bis September wird„Mate gemacht", d. h. man bricht von den Sträuchern die Zweige ab, ziet sie durch's Feuer, um die Blätter leicht anzusengen, pflückt die Blätter als- dann ab, röstet und zermalmt sie darauf zu feinem Pulver, stampft sie in Ochsenhäute und bringt den Tee)o zu Markte. Der Auf- guß desselben, der dasselbe Alkaloid enthält, lvie unser Tee und Kaffee, nämlich das Theln oder Coffein, strömt balsamischen Geruch aus, hat einen bittern Geschmack und wirkt in geringen Quanti- tüten appetitreizend und magenstärkend, in größeren aber erregt er leicht Uebelkeit und übt purgirende Wirkung. Unter den vielverbreiteten Bäumen der brasilianischen Süd- Provinzen ist die zu den Koniferen gehörige Araucarie einer der geschätztesten. Sie wächst in Riesenstäminen, von denen mancher zwölf Duzend Breter gibt. Ihr Holz ist frei von Knoten und Aesten und dabei härter, als das der Kiefer. Ganz vortrefflich nutzbar weiß man sich auch die Riesengräser des Bainbusrors zu machen. Das Bambusror wird hier 15 bis 20 Fuß hoch und sein Stamm hat einen Durchmesser von 9 bis 15 Eentiineter. Aus einer Wurzel entwickeln sich zehn bis hundert solcher Stämme, aus deren sehr leichtem und biegsamen, dennoch aber harten und zähen Holze man die verschiedensten Gerät- schaften anferttgen kann. In Brasilien macht man aus den Roren hauptsächlich Gefäße und aus schmalen Streifen derselben allerlei gröbere Flechtereien für den Hausbedarf. Die Blätter werden zuweilen als Arznei gebraucht, wichtiger aber ist ihre Verwendung als Pferdefutter. Von den wilden Tieren gilt für die Südprovinzen im allge- meinen dasselbe, was wir mit Bezug auf ganz Brasilien mit- geteilt haben. Die größern Raubtiere und die Schlangen werden den Ansiedlern, wenn diese sich nur einigermaßen vorsehen, nicht gcsärlich. An der Küste von Santa Catharina und in Parana 241 machen sich die Moskitos oft ziemlich unangenem bemerklich, in Rio grande dagegen sollen sie nicht lästiger sein, als unsere Mücken, die uns in gewissen Gegenden des deutschen Vaterlandes, z. B. in Leipzigs nächster Umgebung, im Hochsommer allerdings auch schon in gelinde Verzweiflung sezen können. Sehr verdient um die Kolonisten macht sich der Ameisen- bär, der in Südbrasilien in zwei Arten Verbreitung gefunden hat, nämlich als der bis zur Größe unsrer Fleischcrhunde gedeihende großz Ameisenbär und der Tamandua oder mittlere Ameisen- bär, der nur etwa halb so groß wird, als der erstere. Bei der ungeheuren Ameisenbevölkerung Südbrasiliens ist die Liebhaberei der Ameisenbäre, jene dem Äckerbauer feindlichen Insekten auf- zuspeisen, von größter Bedeutung. Der große Ameisenbär ist zwar träge und langsam, er klettert auch nicht, wie die übrigen Mitglieder seiner Familie, aber er hat das auch nicht nötig, um sich seinen Lieblingenuß zu leisten und möglichst viele Ameisen zu verzeren. Er vertritt nämlich den in großen Heerzügen wandernden Ameisen einfach den Weg, hält ihnen seine Zunge, die er bis zur Länge von zwei Fuß aus dem Maule hervor- strecken kann, entgegen und fängt damit immer die vordersten Reihen der Ameisenheerscharen auf, bis schließlich die ganze Armee den Weg in seinen Magen gefunden hat. Leider erweisen die Kolonisten dem Ameisenbär die zweifel- haste Ere, sein allerdings schmackhaftes Fleisch mit großem Wol- behagen zu verspeisen, und jagen ihn darum eistig, statt ihn seiner Ameisenfeindschaft halber vernünftigerweise zu schonen. Noch einen andern Jnscktenfeind essen die südbrasilianischen Ansiedler mit großer Vorliebe, nämlich eine bis drei Fuß lang werdende Eidcchsenart, deren Fleisch änlich dem unsrer Hüncr schmeckt. Wie schon oben gesagt, bestet die Arbeit des Ansiedlers Haupt- sächlich in Ackerbau und Viehzucht. Mit der Urbarmachung des Bodens beginnt und überwindet sie ihren schwierigsten und auch gefärlichsten Teil, schwierig, weil der urwaldbestandene Boden nicht gar leicht von allen Hemnissen der Beackerung befreit werden kann, und gefärlich, weil der vielfach sumpfige Boden des Ur- Wäldes gcsundheitsividrige Miasmen aushaucht und leicht das mal cU terra genannte Sumpf- oder Waldfieber erzengt, dem schwächere Konstitutionen leicht zum Opfer fallen. Die Kolonisten niachen es sich freilich mit der Ausrodung des Urwaldes so leicht, als nur möglich. Sie legen zunächst alle Bäume und Sträucher nieder— eine natürlich nicht grade bequeme Arbeit!—, lassen dann das Gewirre von Holz und Laub, dem glühenden Sonnenbrand ausgesezt, ungefär sechs Wochen lang liegen und zünden es, sobald es gründlich gedörrt ist, an. Die zurückbleibende Asche dient dann gleich als Dünger, und so wird nun flott drauflos gesät und geerntet, im Jare zwei- bis dreimal, und wenn der Boden, was erklärlicherweise sehr bald geschiet, nicht mer reiche Frucht trägt, get man von neuem dem Urwald zulcibe und läßt den ersten Acker einfach brach liegen. Es wird behauptet, daß der deutsche Ansiedler seinen Acker doch etwas besser behandle, als der bequeme und leichtfertige Brasilianer den seinen, ein großer Unterschied bcstet aber nach dieser Richtung hin zwischen beiden warscheinlich nicht, und wenn die deutschen Kolonien überall von üppigen Feldern, bestanden mit Mandiocca, Mais, Hafer, Roggen, Gerste, Zuckerror, Flachs, Klee und Kartoffeln umgeben sind, so haben sie das sicherlich mer der Gunst der Natur, als der Sorgfalt und Umsicht der Bebauer des Bodens zu danken. Auch in Bezug auf die Viehzucht stellt man hie und da dem deutschen Besicdler südbrasilianischen Landes ein günstigeres Zeugniß aus, als dem einheimischen. Wolgenärte Pferde und Rinder, woltuend abstechend von dem dürftigen Vieh der brasiliani- schen Züchter, ganze Herden stattlicher Schweine und Scharen von Geflügel sollen in crfteulichster Weise das Gehöft des deutschen Einwanderers beleben. Auf die Ansiedlungen der einsichtigeren und insbesondere auch der wolhabenderen deutschen Kolonisten mag solche Beschreibung in der Tat passen, dieselben pflegen auch ihr Vieh besser, als es der Brasilianer tut, und füttern es z. B. mit Palmblättern und Maiskörnern, Wärend es sonst nichts weiter zu fressen hat, als die magere Narung, die ihm die Campos bieten. Im allgemeinen bleibt aber auch hier noch sehr viel zu wünschen übrig. Der ärmere Kolonist, wie der, welcher von der Viehzucht nicht viel verstet, macht es hier, nicht minder wie beim Ackerbau, ganz so oder ganz änlich wie der Brasilianer: er über- läßt zu allen Jareszeiten Pferde, Rindvieh, Schweine und Ziegen einfach sich selbst; ob im Sommer reichlicher Grasvorrat da ist oder im Winter das Gras verdorrt, oder vom Nachtreif zerstört und zur Viehätzung nichts weiter vorhanden ist, als das sehr wenig narhafte Bambusror, das ist ihm gleichgiltig; die Tiere mögen sehen, was sie zu fressen finden und wo sie in der Nacht unterkommen; er kümmert sich nur um sie, wenn er ein Stück braucht. Dann treibt er es mit anderm Vieh in die mit Steinen eingezäunte Viehtrift, sondert es hier von dem übrigen Vieh ab und treibt es in den Hof, wo er es mit dem Lasso fängt. Zum Teil infolge dieser Vernachlässigung stet auch das beste Vieh Iüdbrasiliens hinter dem unsrigen nicht nur in seinem kleineren und magern Körperbau, sondern auch in dem Wolgeschmack und der Narhaftigkeit des Fleisches weit zurück; es gilt für das Vieh eben, was so ziemlich von allen Nutzerzeugnissen der brasiliani- schen Natur gesagt werden muß, nur etwa mit Ausname der gleichfalls oben bereits gerümten Maultierzucht: es könnte viel aus ihm gemacht werden, wenn seine Zucht mit Eifer betrieben und von allen in Europa längst zur Anwendung gelangenden Hülss- Mitteln verständnisvoller Praxis und Teorie getragen würde. So ursprünglich und mangelhaft wie Ackerbau und Viehzucht sind auch die Häuser der Ansiedler. Der ganze Jnnenraum derselben umfaßt kaum irgendwo mer als zwei Stubenräume mit notdürftigster Möbelausstattung. Ein Anbau bildet die Küche— damit ist die Zal der geschlossenen Won- und Aufenthaltsräume auch der wolhabenden Ansiedler erschöpft. In auffälligem Gegen- satz zu der Einfachheit der Häuser und Zimmer, gleichwie der Formen der darin befindlichen Möbel, stet oft das Material, aus welchen die lezteren angefertigt sind. Tische aus kostbarem Cedernholz, Stüle und Waschtische aus Jakaranda, d. i. das bei uns gewönlich Palisander- oder Polixandcrholz genannte, sind nichts seltenes in südbrasilischen Kolonistenwonungen— all' dieser in seinem Stoffe prächtige Hausrat präsentirt sich aber one Politur wie one jeden sonstigen künstlerischen Schmuck. Auf Ackerbau und Viehzucht beschränken sich die Deutschen, die in den südbrasilischen Städten wonen, natürlich nicht. Sie treiben vielmer alle möglichen Gewerbe, sind als Techniker und Lehrer tätig und haben sich in besonders hervorragendem Maße des Handels bemächtigt. Unter den brasilischen Deutschen soll das Gefül der Stammverwantschaft und Zusammengehörigkeit so ! stark sein, daß sie alle Ware», die sie zu kaufen genötigt sind, sich aus deutschen Händen verschaffen. Diese konsequente Bevorzugung des deutschen Handels durch die zalreiche deutsche Bevölkerung half elfterem erklärlicherweise auf das beste, die Konkurrenz von Händlern anderer Nationalitäten aus dem Felde zu schlagen. So ist denn jezt der erheblichste Teil der kaufmännischen Geschäfte, insbesondere der Engrosgeschäfte in den größeren Städten, wie Rio grande, Porto Allegre, San Desterro u. s. w., in deutschen Händen, und alles, was man bedarf, kann man aus ihnen empfangen. Selbst der dem südlichen Amerika eigentümliche Poncho, ein großes Tuch mit einem Schlitz zum Durchstecken des Kopfes in der Mitte, der in allen Farben, vorzüglich aber in Dunkelblau und Scharlachrot, üblich ist und von jedermann getragen wird, beziehen die Deutschbrasilianer aus deutschen Fabriken. Nicht minder die riesigen Sporen an den langen Stulpeustifcln und das dolchartige, lange Messer, die Faca, welches zu den verschiedensten Zwecken gebraucht wird, zum Brot- und Futterschnciden, zum Wegbanen im Urwalde und zur Verteidigung. Das deutsche Kapital hat sich übrigens Mühe genug gegeben, mit den deutschen Kolonien in Brasilien in prositbringender Ver- bindung zu bleiben. Von Hamburg gehen järlich 50 Schiffe mit deutschen Waren nach der Provinz Rio grande do Sul ab, und ungefär ebensoviel findet noch über Brasiliens Hauptstadt Rio de Janeiro Eingang in die Südprovinzen. Ferner haben deutsche Handelsfirmen in Brasilien große Käufe in Grund und Boden abgeschlossen, so hat sich z. B. die eine mächtige Kolcnlager in der Nähe von Porto Alegre erworben, ivärend selbst ein Ver- treter des hohen deutschen Adels, der Fürst von Schönburg- Waldenburg, unternemend genug war, in der Provinz Santa Catharina ein Stück Land von 0000 Morgen anzukaufen, das er ganz gemütlich brachliegen läßt, bis der Fleiß der Ansiedler ringsum den Boden jener Gegend insgesamt erheblich im Preise in hie Höhe getrieben haben wird. Gewiß eine praktische und bequeme Art, sein Geld„arbeiten" zu lassen! Eine besondere Art des Handels wird noch von Deutschen der Provinz Rio grande getrieben. Dieselben sammeln die in großer Menge zu findenden Opale und Achate, verkaufen sie an bemitteltere Landsleute, welche sie ihrerseits dann in ganzen Schiffsladungen nach Europa bringen, um sie größtenteils in Oberstein an der Nahe, im oldenburgischen Fürstentum Birken- selb, zu bringen, wo die Achatschleiferei großartiger betrieben wird, als sonstwo in der Welt. Das von Deutschen im Verhältnis zu den übrigen süd- provinzen noch am wenigsten bevölkerte Parana ist auch die- jenige von den dreien, in welche die deutsche Einwanderung zulezt eingedrungen ist und welche auch als Provinz die neueste ist, indem sie erst vor garnicht langer Zeit aus Teilen der Provinz Sao Paolo gebildet worden ist. Trotzdem macht die Bevölkerung von noch unverwischler europäischer Abkunft die Merheit der Be- völkerung ans, und in dieser Merheit ist dem deutschen Element bereits das Uebergewicht zugefallen. Die Hauptstadt von Parana ist Curitiba, das jezt etwa 12 000 Einwoncr hat und mit dem Dom-Pedrohasen durch eine 104 Kilometer lange Eisenban verbunden ist, welche in neuester Zeit wol dem Verkehr übergeben worden sein wird. Südwestlich von Curitiba liegt Lapa, welches unter den deutschen Kolonien eine hervorragende Stelle einnimt. Außer der großen Zal deutscher Ansiedlungen in der Nähe der Hauptstadt liegen näher an der Küste, um die Hafenstadt Paranagna herum, die Kolonien Alessandria und Euphrasina, und nordwestlich, in schöner frucht- barer Gegend, von Paranagua so etwas wie eine Tagereise ent- sernt, die 1858 von der brasilischen Regierung angelegte, nach dem an ihr vorbeiströmenden Flusse Ara?ungi benante Kolonie. Die Industrie Paranas ist noch im Ausblühen. Ihr Haupt- sächlichstes Produkt sind gröbere Wollenzeuge. In einigen gleich- falls von der Regierung angelegten Jndianerdörfern hat man in Zuckerfabriken und auch einigen andern industriellen Etablissements versucht, die Indianer an ein kulturmodernes Arbeiterleben zu gewönen. Ob das die rechte Art ist, iu den roten Menschen Sympatie für unsre Kultur zu erwecken, mag hier ununtersucht bleiben. Die nächste der südbrasilischen Provinzen, Santa Catharina, Wird von vielen als die schönste unter den dreien hervorgehoben. Besonders soll die Lage der Hauptstadt S. Testerro auf der 35 bis 40 Quadratmeilen großen Insel Santa Catharina un- gemein malerisch gelegen und mit herrlichem, lungenstärkenden Klima bedacht sein. Der Hafen von S. Desterro zeigt sich rings von Bergen eingerahmt, welche den Blicken die schmalen Wasserstraßen nach dem Meere im Norden und Süden verdecken. Aus den Abhängen liegen zalrciche Landhäuser verstreut, umgeben von den in allen Nuancen der Goldfarbe schimmernden Früchten des Orangenbaums. S. Desterro ist beinahe 2'/, Jarhunderte alt, aber erst seit 50 Jaren in den Rang der Städte erhoben worden. Auch heute wird es noch kaum 10000 Einwoner haben, unter denen sich die Verbrecher aus den dunkelfarbigen Rassen bemerklich genug machen, für welche die brasilische Regierung die Stadt seit längerer Zeit als Deportationsort benutzt. Dieser Umstand trägt jedenfalls nicht dazu bei, das Leben in der Hauptstadt von Santa Catharina angencm zu machen, und die ziemlich zalreichen deutschen Kauf- leute, Lehrer, Handwerker werden trotz der schönen Gegend schwer- lich um das Leben in dem sehr unregelmäßig und schlecht gebauten Orte zu beneiden sein. Nicht weil von der Insel Santa Catharina liegt auf dem Festlande S. Jzabel, wohin von der Regierung im Jare 1846 etwa 80 Deutsche gebracht wurden, denen es nach vieljärigen harten Kämpfen mit der eigenwilligen südtropischen Natur gelang. eine Reihe von Kolonien zum Gedeihen zu bringen, die heute gut bevölkert sind und unter denen die an dem schiffbaren Küstenfluß Cnbatao gelegenen Cederbach, Theresiopolis und Angelina hervorzuheben sind. An dem ebenso breiten und tiefen als schönen Jtajahy, dem nach Norden zu nächsten der Küstenströme, liegt die einst vielgenante Kolonie Blumenau, 1852 gegründet von dem reichen Braunschweiger gleichen Namens, der sie acht Jare später, nachdem sein ganzes Vermögen in der Gründung aufgegangen war, an die brasilische Regierung abtrat. Gegenwärtig befinden sich die Blumcnauer im allgemeinen in guten Verhältnissen; über ein halbes hundert Brauereien, Brenne- reien und Zuckermülen und fast ebensoviel Windmülen sind im Gange, daneben bestehen Cigarrcnfabriken und Bierbrauereien, und demzufolge vermehrt sich auch die Bevölkerung rasch. Durch gute Landwege nach dem Meere hin wie ins Gebirge hinaus zeichnet sich Blumenau vor den anderen deutschen Kolonien sehr zu seinem Vorteile aus. Der eigentliche Mittelpunkt deutschen Lebens in der Provinz Santa Catharina ist das etwas nördlicher als Blumenau gelegene Donna Francisca, mit dem anmutigen Gartenstädtchen Joinville. Bon Donna Francisca fürt eine mit allen Borteilen ausgestattete Wasserstraße nach dem nahen, äußerst geräumigen Seehafen, vor dem eine Insel mit dem Handelsplatze S. Francisco liegt. �Zwei Meilen landeinwärts, durch wolbestellte Felder, fürt eine Straße nach der Kolonie Annaburg; Brennereien und Möbelfabriken gibt es eine erkleckliche Zal in dem gewerbfleißigen Kleindeuffchland, das sich da gebildet hat. Auch eine deutsche Buchhandlung sorgt für die geistigen Bedürfnisse der Bevölkerung. So entwickelt deuffches Leben und Treiben in den beiden eben behandelten Provinzen des südlichen Brasiliens auch ist, so wenig kann es sich doch mit dem in der dritten Provinz, iii Rio grande do Sul vergleichen. Hier spielt in jeder größeren Stadt, wie in fast allen Teilen des Landes das deutsche Element eine Hauptrolle. Schon in der Stadt Rio grande, die in der unheimlichen Sandwüste an der Lagoa dos Patos liegt, ist das deutlich zu bemerken. Ueberall trifft man auf Deutsche; deutsche Vereine sind in Menge vorhanden, und neben dem an Größe den berliner Vorstadtteatern gleichen brasilischen Dealer traf Ca»statt auch ein deuffches Liebhaberteater, bei dem der merkwürdige Brauch bestand, daß jeder Deutsche, mochte er sein, wer er wollte, und war er selbst der Teatergesellschast gänzlich unbekannt, an den Vorstellungen als Schauspieler teilnemen konnte, falls er nur Lust dazu' hatte. Zerstreuungen, wie sie Unierhaltungsvereine und Liebhaber- teater bieten, können übrigens die Riograndenser sehr wol brauchen. Die unmittelbare Umgebung der Stadt ist in der Tat trostlos, und ihr Charakter als reine Handelsstadt trägt zum Behagen der Einwonerschaft sicherlich auch nicht bei. Einwoner hat Rio grande einige zwanzigtausend, und seine Bedeutung erhellt schon daraus, daß es an dem einzigen Hafen liegt, den die ganze, nahe an hundert deutsche Meilen lange Küste der Provinz Rio grande do Sul aufzuweisen hat. Mittels einer Dampfschiffart durch die ganze Lagoa dos Patos und einen Teil des Jakuhy gelangt man nach der Provinzial- Hauptstadt Porto Alegre. Größere Unterschiede in der Lage zweier Städte, als sie zwischen Rio grande und Porto Alegre bestehen, sind kaum denkbar. Letzteres liegt außerordentlich schön. Mitten in lachendem Grün auf hügliger Halbinsel gelegen, zu Füßen den mächtigen Strom, im Hintergrunde die malerisch schönen Berge der Serra Geral, ist Porto Alegre so schön, wie das wegen seiner prachtvollen Umgebungen berühmte Rio de Janeiro, dabei aber im Innern nicht den zehnten Teil so schmutzig, als dieses. Porto Alegre ist regelmäßig gebaut, seine Bauwerke sind architektonisch lange nicht so geschmacklos, als sonst in brasilischen Städten, und es hat merere stattliche, mit reich ornamcntirten Brunnen geschmückte Plätze. Daran, daß keine Rose one Dornen ist, erinnert in Porto Alegre am meisten das jämmerliche Straßen- pslaster. Unter den 25 000 Einwoner» befinden sich 3—4000 Deutsche, die sich fast sämtlich wolbefinden sollen. Unter den zalreichen Unterrichtsanstalten sind auch deutsche Schulen. An Gesang- und Turnvereinen, wie an deutschen Festlichkeiten felt es natürlich erst recht nicht. Von Porto Alegre nach der deutschen Stadt San Leopoldo ist es nur wenige Meilen>veit. Dieselbe ist der Mittelpunkt einer größeren Zal von Kolonien, welche so recht eigentlich die deutsche Welt der Provinz Rio grande ausmachen. Des Sonn- tags strömen tausende von deutschen Ansiedlern aus nah und fern hier zusammen. Man kann von Jan Leopoldo aus auf den, hauptsächlich bei ungünstiger Witterung, schauerlich schlechten Land- wegen durch die wildromantische Gegend tagelang reisen, ehe man anders als deutsch sprechen hört. Selbst die Neger, denen man begegnet, schwäbeln oder sprechen das reinste Sächsisch, wie man es sonst nur zwischen Pirna und Meißen zu hören gewönt ist. Auch die Namen der meisten Orte, Berge. Täler sind deutsch! von San Leopoldo IV- Meilen weit liegt der Ort Hamburgerberg oder Neuhamburg; ehe man dorthin kommt, pasfirt man u. a. drei Täler: das Bonental, das Kontzlertal und das Holländer- tal und einen Berg, den Petersenberg. So lautete denn alles so günstig für die deutsche Auswan- derung nach Brasilien, als man es nur verlangen kann; trotz- alledem aber bleibt das Aufgeben der Heimat ein außerordentlich bedenklicher und auf das reislichste zu überlegender Schritt, dessen Gefaren und Schwierigkeiten wir in einem nächsten kleineren Arttkel beleuchten werden. Zum hundertjiirigen Geburtstage Chamisso's. (Porträt Seite 236.) Ein Mann one Baterland; ein Franzose, der zu den Klassikern der deutschen Literatur zält; ein preußischer Offizier, der die deutsche Festung, zu deren Besatzung er gehört, seinen preußischen Kameraden nicht an die französischen Feinde verraten half, trotzdem er doch selbst Franzose war: ein Mann von altadeliger Abstammung, dem die Revo- lution von 1789 alles genommen hat, was einen Menschen seiner Geburt über die breite, besitz-, recht- und ehrberaubte Volksmasse von damals erhob, die seine Eltern in die Verbannung getrieben, das Schloß seiner Bäter dem Erdboden gleich gemacht hat, und der dennoch dieselbe Re- volution und die, die ihr nachfolgten bei seinen Lebzeiten, in hohem, begeisterungsvollen Andenken hielt; ein Heimatloser, der die innigste Heimatsliebe fülle und dessen Herz doch warm und groß für die ganze Menschheit schlug; ein guter Soldat, der ein großer Naturforscher wurde; ein großer Gelehrter, der ein großer Dichter war— dieser Chamisso— alles in allem eine Erscheinung, wie sie die Menschheit bisher nicht viele aufzuweisen gehabt und auf die sie Ursache hat, stolz zu sein.— Louis Charles Adelaide de Chamisso, gewönlich Adelbert von Chamisso genannt, wurde am 27. Januar des Jarcs 1781 aus Schloß Boncourt in der Champagne geboren. Von seinem neunten Lebensjare an befand sich Chamisso mit seinen Eltern auf der Wanderschaft, eine neue Heimat suchend. Die Niederlande, in denen sie sich meiere Jare aufhielten, boten ihnen keine dauernde Wonstätte, 179S Wanten sie sich nach Süd- deutschland und von da zwei Jare später nach Berlin. Hier fand die vertriebene Aristokratenfamilie vielseitiges Entgegenkommen und in der sranzösischen Kolonie ein Häuflein Landsleute, das ihnen wenigstens zu einem kleinen Teile das Vaterland ersezte. Chamisso ward Page der Königin, besuchte das französische Gymnasium, wurde 1798 als Fändrich in die preußische Armee aufgenommen und avancirte 1801 zum Lieutenant. Diese Stellung bildete nicht, wie es bei den meisten andern, den minder willensstarken Geistern, geschiet, den Schlußstein seiner allgemein menschlichen Bildung, im Gegenteil, jezt erst begann er seine reicher bemessenen Mußestunden auf ein tieferes Studium der Sprache und Literatur des Volkes zu wenden, dem das Schicksal den Heimatlosen in die Arme getrieben hatte. Und so wie er in der deutschen Sprache und über sie zu denken begann, dichtete er auch in ihr, und zwar mit einem so entschiedenen und liebenswürdigen Talente, daß sich bald ein Kreis junger, gleich schaffellslustiger und begabter Männer um ihn schaarte. Mit diesen, insbesondere mit dem noch vier Jahre jün- geren Varnhagen von Ense, gab er 1801 ein Musenalmanach heraus. Sein Umgang mit hochgebildeten Deutschen regte ihn zu neuen Studien an und diese warfen sich neben der Beschäftigung mit den griechischen Klassikern ans die Naturwissenschaften. Die Zeitereignisse raubten ihm indes bald die wissenschaftliche Muße. 1895 nahm er mit seinem Re- giment von Berlin Abschied und 1896 sollte er in der Festung Hameln in Hannover den Siegeslauf des übermütigen Corsen aufhalten Helsen. Aber er konnte an dem untergeordneten Platze, den er in der preußi- schen Militärhierarchie einnam, nichts besseres tun, als dem Festungs- kommandanten, dem sich der größte Teil seiner Offiziere in gleicher Jämmerlichkeit anschloß, bei der verräterischen Uebergabe des Platzes nicht Helsen. Selbst wärend des Kriegslebens hatte Chamisso nicht aufgehört zu studiren und zu dichten; aber er hatte doch nicht vermocht, soviel zu leisten, als ihm Bedürfniß war. Zudem mußte ihn die Schmach, mit der sich das preußische Heer bedeckt hatte, aus dessen Reihen vertreiben. Vorläufig freilich bannte ihn noch die Kriegsge- fangenschaft in die Uniform. Auf sein Ehrenwort erhielt er einen Paß nach Frankreich, wo er seine Eltern aufiuchen wollte, welche im Jare 1891 von dem damaligen ersten Konsul Bouaparte die Erlaubniß zur Rückkehr in die Heimat erhalten hatten. Aber er fand nur das Grab seiner Eltern; ein rascher Tod war zwischen ihn und sie getreten. Es gelang den Geschwistern nicht, ihn an Frankreich zu fesseln, unwider- stehlich zog es ihn zurück in das Land seiner Erziehung. Als er nach Friedensschluß, im September 1897, aus der Kriegsgesangenschast er- löst wurde, begab er sich nach einem kurzen Besuche auf dem Gute seines Freundes Fouquö wieder nach Berlin. Hier ward ihm die ge- wünschte Entlassung aus der preußischen Armee, aber nicht so rasch die geistige Wiederausrichtung, deren er dringend bedurfte.„Irr an mir selber, ohne Stand und Geschäft, gebeugt, zerknirscht, verbrachte ich in Berlin die duftere Zeit", schreibt er selbst. Er wußte aber, wo allein für ihn Rettung aus der schweren Not ver Zeit und der eigenen Ge- Mutszerrissenheit zu suchen war. Mit neuem Eiser warf er sich aus das Studium. Hatte er schon früher mit Barnhagen griechische Sprach- studien getrieben, so legte er sich jetzt mit allem Fleiße aus das Latei- nische, dann auch auf die spanische mid italienische Sprache und verband damit, soweit das möglich war, das Studium der bezüglichen Literaturen. Trotzalledem wollte die„Zerknirschung", wie er das Gefül nannte, welches damals den Grundton seines Wesens angab, nicht völlig weichen. Eine Natur, wie er, brauchte einen bestimmten Lebenszweck, eine ziel- sichere Tätigkeit, und diese vermochte er in Berlin sich nicht zu schaffen. Daher war ihm der Ruf zur Uebername einer Professur am Lyceum zu Napoleonville in Frankreich, den ein alter Freund seiner Familie an ihn ergehen ließ, willkommen. Er reiste im Februar 1819 nach Paris; aber ehe er noch den Ort seiner Bestimmung erreicht hatte, traf ihn die Nachricht, daß die für ihn bestimmte Stelle aufgehoben sei. Die Hoffnung, eine andere feste Anstellung zu finden, hielt ihn in Paris. Sie erfüllte sich nicht, dafür aber vermochte er eine zeitlang ungestört seine spanischen Studien fortzusetzen und konnte mit Helmine von Chezy, der an den sranzösischen Orientalisten gleichen Namens verheiratheten Enkelin der deutschen Volksdichterin Karschin, an die Uebersetzung der Borlesungen August Wilhelm Schlegel's über die dramatische Literatur gehen. Schlegel, das geistige Haupt der deutschen Romantiker und selbst der größte Uebersetzer, den die Literatur aller Kulturvölker aufzuweisen hat, lebte zu jener Zeit vereint mit Anna Louise Germaine von Stael- Holstein, der genialen Tochter Necker's, des letzten Finanzministers Ludwig XVI.' Chamisso kam daher in die Kreise dieser wunderbar be- gabten Frau, die, von Napoleon aus Paris und dessen vierzigstündigem Umkreise ausgewiesen, aus dem Schlosse Chaumont oder aus ihrem Landgute Coppet in der Schweiz wohnte. Napoleon führte einen förm- lichen Ktieg mit der Stael, deren großer Einfluß, beruhend auf einer starken Individualität und berauschend-geistvoller Schreibsähigkeit, ihm verhaßt war. Gerade zur Zeit als Chamisso sich ihr angeschlossen hatte und mit ihrem Sohne August von Stael ein inniges Freundschasts- bündnis eingegangen war, ließ sie der französische Gewalthaber von einem Ausenthaltsorte zum anderen jagen. 1812 nam Chamisso teil an ihrer Flucht aus Frankreich und blieb bis zum Herbste dieses Jares bei ihr in Coppet. Als die unnachsichtige Feindschaft des Imperators sie auch aus der Schweiz bis nach Rußland vertrieb, ging Chamisso nach Berlin, um auf der eben gegründeten Universität die in Coppet mit gewontem Fleiß ausgenommenen naturwissenschaftlichen, besonders botanischen Studien fortzusetzen.(Schluß folgt.) Hippopotiimus im Sambesi.(S. Jllustr. S. 237.) Einer der größten und bedeutendsten Ströme des südöstlichen Afrikas ist der Sambesi. Unter 11° 39' südl. Breite und 22>/z0 östl. Länge in den Sümpfen Dilolo in einer Höhe von 1459 Meter entspringend, fließt er gegen Süden und ergießt sich, 2299 Kilometer lang, ein breites Delta bildend, in 7 Armen in den indischen Ozean. Wie verschiedene andere Flüsse Afrikas ist auch er wenig zur Schifsarl geeignet, wegen seiner Stromschnellen und vielen Katarakten, deren größter, der Viktoriafall, bei Sescheke(17° 39' südl. Breite) in einer Höhe von 799 Meter her- abstürzt, seine mächtigen Dampfwolken gen Himmel sendend. Menschliche Kultur ist an seinen durch die Sommerregen mit üppiger Bege- tation bedeckten Usern wenig oder fast gar nicht zu finden und die Eingebornen leben dort noch in tiefster Barbarei. Dieser Urzustand macht denn auch die Existenz eines Bewoners erklärlich, der überall, wo er früher lebte, durch die Civilisation verdrängt wurde und heute nur noch als ein Rest der vorweltlichen Riesentiere existirt: der„Be- hemot" der Bibel(siehe Buch Hiob) dessen Knochen nach dieser Quelle „wie Erz und dessen Gebeine wie eiserne Stäbe sind, der von den Bachweiden gedeckt, den Strom in sich schlucke und sich dünken ließe, als wolle er mit seinem Maule den Jordan ausschöpfen": das Nil- oder Flußpferd(Hippopotumus arnphibius, H. australis) wie wir das ungeschlachte Tier nennen. Es ist der einzige noch lebende Vertreter einer besonderen Familie, der man auch den Namen Plump- oder Feist- tier gegeben, das aber nach seinen Gewonheiten am richtigsten von den alten Egyptern mit dem Namen„Flußschwein" bezeichnet wurde. Aeußeclich unterscheidet sich dieses ein Gewicht von ca. 2599 Kilogr. erreichende, mit seinem 45 Ctm. langen Schwanz 4V-,~4l/z Meter in der Länge und ungefär l'/a Meter Schulterhöhe messende plumpe Vieh durch seinen viereckigen Köpf mit den kleinen Oren, sowie den schief gegeneinander gestellten großen Augen und schlitzförmigen Nasenlöchern von allen andern Säugetieren. Dazu kommt noch die unförmliche Schnauze, der kurze kräftige Hals, der gestreckte, aber über alles Maß verdickte Leib, der ihm sein plumpes Aussehen verleit. Der Bauch ist so voll unb rund, daß er damit auf schlammigem Grunde den Boden berührt. Seine unverhältnißmäßig kurzen Beine haben breite, hinten und vorn vierhufige Füße, deren Zehen mit Schwimmhäuten verbunden sind. Der kurze dünne Schwanz ist der einzige Körperteil, der am Ende mit kurzen dratänlichen Borsten bedeckt ist, denn sonst bemerkt man aus der 2 Centimeter dicken Haut nur spärlich kurze borstcnartige Haare. Dagegen ist die Haut durch sich kreuzende Furchen in schuppen- artige Felder geteilt; sie ist kupferbraun, auf der Oberseite mer schmutzig dunkelrot und aus der Unterseite hell purpurbräunlich. Durch die ziem- lich regelmüßig aus der Haut verteUten bräunlichen und bläulichen Flecken wird eine gewisse Abwechslung erzeugt. Die Gesammtfärbung ändert sich jedoch je nachdem es naß oder trocken ist. Sein Gebiß be- stet aus 49 Zänen, von denen die Eckzäne des Uuterkiesers riesige Hauer sind und ein Gewicht von 4—6 Kilogr. erreichen. Das Fluß- pferd ist jetzt in Egypten und Nubien gänzlich ausgerottet und ist fast nur noch im Innern Afrikas zu finden. Es lebt meistens im Wasser und get nur ausnamsweise ans Land, und dies geschiet, wo der Strom nicht reich an den seine Narung bildenden Pflanzen ist, des Nachts, ausnamsweise auch des Tages an menschenleeren Stellen, um sich auf den Sandbänken zu sonnen oder sich im seichten Wasser im Schilfe, änlich den, Schweine, einem traumhasten Halbschlummer hinzugeben. Am leichtesten entdeckt man das unheimliche Individuum an den Fluß- stellen, wo Felder oder reiche Waldungen am Ufer liegen oder wo das Bett des Flußes als Weide dienen kann. Befindet es sich im Wasser, so bekommt man nur den Kopf zu sehen. Es schwimmt ser behende, taucht auch öfters unter, jedoch nur auf einige Minuten und legt in engeren weniger tiesen Gewässern auf dem Grunde Gruben an, die 244 untereinander verbunden sind und in denen es sich bei der Verfolgung verstecken kann> Obgleich man das Tier nicht in größeren Gesellschaften antrifft, so siet man es auch nicht einzeln. Um das Treiben um sich her kümmert es sich wenig, nur wenn sich sein Hauptseind oder einziger Feind nat, nimmt es sich in den Gegenden, wo es die Wirkungen des Feuergewers kennen lernte, in acht. Es frißt Wasserpflanzen, Lotos- blumen, unter Umständen auch Schilf, Ror, Melonen, Gras, Feld- fruchte zc. und zwar, wie seine ungeschlachte Schnauze schon andeutet, in großen Mengen. Seine Stimme ist ein Brüllen, das entfernt mit dem des Büffelstiers verglichen werden kann. Auf seinen Weidegängen wird es allein Lebenden, auch dem Menschen, gesärlich. Es zermalmt mit seinen furchtbaren Eckzänen bequem ein Rind, und man erzält, daß einst ein Nilpferd vier Zugochsen in der Weise vernichtete. So greift es mit diesen Waffen auch Boote an und zertrüinmert dieselben. Das Schlimmste für den von solch einem Ungeheuer Angegriffenen ist, daß eine Büchsenkugel in der Haut des Tieres stecken bleibt, one tätlich zu wirken, und von einem Afrikareisenden wird ein diesbezüglicher Fall angcfürt, wo 25 Flintenkugeln, in unmittelbarer Nähe aus das Unge- tüm abgefeuert, dasselbe nicht im entferntesten bestimmen konnten, von seinem Angriff auf das Boot abzustehen: erst 5 Kugeln aus einem Standror in einer Distanz von wenigen Metern, von denen der Kopf total zerschmettert wurde, fürten seinen Tod herbei. So lange das Feuergewer nicht als die gefärliche Waffe sich geltend machte, hatte es denn auch keinen beachtenswerten Feind— die Kämpfe mit dem Kro- kodil, Löwen, Nashorn und Elefanten weist Brehm in das Reich der Fabel— und der Mensch, dem es am gcsärlichsten war, indem es die Früchte seiner Arbeit, seine Herden oder ihn selbst vernichtete, suchte sich durch große Feuer, die man an de» Flußufern anzündete oder einen durch Trommeln erzeugten Lärm zu schützen. Außerdem machte man auch mit Harpunen und Lanzen aus diesen gefärlichen Feind Jagd und verspeiste das Fleisch desselben. Die Zunge gilt geräuchert für einen Leckerbissen. Aus der Haut schneidet man Riemen zu Reitpeit- schen oder verfertigt daraus Schilde. Noch gcfärlicher, namentlich wenn sie Junge— die sie mit großer Sorgfalt schützen— haben, sind bie Flußpferde auf dem Lande. Das Junge sitzt der Mutter, wenn diese sich mit dem Männchen im Wasser befindet, aus dem Rücken und die Alte taucht, wie merere Reisende übereinstimmend berichten, stets so auf, daß das Junge mit dem Kopf aus dem Wasser ragt, wärend ihr Kopf unsichtbar bleibt. Das Junge säugt sie zugleich im Wasser. Eingesangen wurden sie schon von den Römern, wenigstens zeigten römische Aedilen sie ihrem Volke. Wie die Gefangenname damals geschah, weiß man nicht, heute wird sie nur dadurch ermöglicht, daß man die Alte, wenn sie ein Junges hat, aus dem Lande tödtet und das Junge, welches ihr überall hin folgt, an einer weniger empfindlichen Stelle harpunirt und es einsängt. Dieses soll, wenn es mit Milch gepflegt wird, bald dem Menschen folgen. Es gebraucht jedoch zu seiner Sättigung die Milch von 2, 3 und 4 Kühen oder 8—12 Ziegen. Werden sie paarweis unter- gebracht und erhalten sie einen Ausenthalt, wo sie sich bald im Wasser, bald aus dem Lande bewegen könne», so pflanzen sie sich auch in der Gesangenschasl fort, nur lassen sie ihr Junges meist umkoinmen. Man vermulet, daß das Nilpferd schon mit dem 2., sicher aber mit dem 3. Lebensjare sortpflanzungsfähig ist, über sein Alter ist nichts sicheres be- kannt. Bei den Eingeborncn ist dieses gefärliche Ungeheuer, das sich selbst nicht durch religiöse Beschwörungsformeln in seinem Treiben stören läßt und auch den betenden und beschwörenden Menschen unbarmherzig zermalmt und zerstampst, immer als ein teuflisches und nicht von „Allah" erschaffenes Wesen betrachtet worden und haben sich deshalb mancherlei wunderliche Sagen an sein Dasein geknüpft. Doch der Geist der Neuzeit ist mächtiger als die frommen Sprüche und eine seiner mächtigen Waffen, das Schießgewer, welches schon so manchen Feind des Menschengeschlechts vernichtete, ist nicht nur ein wirksames Schutzmittel, sondern wird, wie Brehm mittheilt, neuerdings von abenteuernden Reisenden u. dgl. vielfach dazu verwant, um aus purer Mordlust das Tier zu vernichten, so daß seine Ausrottung auch nur eine Frage der Zeit ist. url. bringen, obgleich er voll Wasser gepumpt wurde. Die Lustkammern sind an den Seiten des Schiffes angebracht und berühren erst dann das Wasser, wenn das Fahrzeug Ladung hat; dadurch soll die Tragkraft der Schiffe erhöht werden. Long will mit seinem mit Luftkammern ausgerüsteten kleinen Dampfer demnächst eine Reise nach New-Dork wagen.-z- Die Bevölkerung Nordamerikas beträgt nach den vorläufigen Ergebnissen der Volksz'älung vom 1. Juni 1880: 50152 559, wärend die Zälung vom Jare 1870 nur 38 925 598 Einwoner ergab. Der Staat New-Dork hat eine Bevölkerung von 5 083 173,(die Stadt allein: 1206 590), Pennsylvanien 4 282 738. Nach New-Rork sind die größten Städte Philadelphia mit 846 934 und Brooklyn mit 566 689 Einwonern. Daß ein großer Teil des Bevölkerungszuwachses auf die Einwände- rung zurückzusüren ist, erhellt daraus, daß vom I.Juli 1879 bis da- hin 1880 nicht weniger als 457 257 Einwanderer in den Vereinigten Staaten anlangten. In den Jaren 1871—1875 wanderten dagegen durchschnittlich jährlich nur 348 015 Personen ein.-i-- Die Toren sterben nicht aus. Eine verkrachte„Dachauer Bank" in Boston ist von der Polizei mit Beschlag belegt worden. Sarah Howe, die Präsidentin, und Julia Gould, die Kassirerin des Schwindelinstituts, sind auf die Anklage, Gelder unter falschen Vor- spiegelungen erlangt zu haben, verhastet und behufs ihres Erscheinens vor Gericht unter 20 000 Dollars, resp. 10 000 Dollars, Bürgschaft gestellt worden. Nach einer Schätzung betragen die Verbindlichkeiten des Instituts nicht weniger als eine halbe Million Dollars. Mit solchen Lappalien habe ich mich garnicht abgegeben, wird Adele Spitzeder sagen. U. rftiis allen cJKinkeln der Leitlileralur. Das Sinken der Schisse wird durch die Entdeckung eines englischen Mariue-Jngenieurs, Namens Long, unmöglich gemacht, so daß allem Anschein nach für die Zukunft das alte Sprichwort, daß das„Wasser keine Balken" habe, außer Gebrauch gesetzt werden muß. Das bis jetzt fast nur bei Rettungsboten aiiqewante System der Lustkammern ist von Long auch aus größere Fahrzeuge übertragen worden; dieselben würden dadurch unbedingt vor dem Sinken bewahrt werden— bei den stattgesundenen Versuchen war der Modclldampser nicht zum Sinken zu QZledaKlionKßsrrespondeni. Berlin. Frau B. B. Gesroreues Obst kann man allerdings wieder acniebbar machen und zwar dadurch, daß man es in Master legl, welche» man mir schnee»er- mischt bat, und es darin etwa vier Stunden liegen lästt. Taraus gießt man da» Master ab, trocknet da» Obst mit einem Tuche ordentlich ab und bringt e» an einen Ort, wo e» vor erneutem Gefrieren geschüßt ist. Auch bei ersrorenem Gemüse ist diese» Ber- saren anzuwenden; dastelbe sezt man nur, statt e» abzutrocknen, an einem lustigen Orte zum Trockenwerden aui.— Weiße Seinen von seiner Qualität können Sie aus sol- gende Art waschen: Sie trennen die Spitzen von den Garnituren, wickeln sie in grader Richtung um eine kurze, dicke Flasche, legen ringsum ein Stück Gaze darüber und besten es mit weiten Stichen zusammen, iodaß sich die Spitze nirgends verschieben kann. Dann süllen Sie die Flasche mit Master und verschließen Sie mit einem sauberen«ork, damit sie nachher im Masser nicht schwimt. Darauf legen Sie dieselbe in ein Gefäß mit kaltem Reaenwaster, sodaß es überstet: dann reiben Sie die Spitze ringsum reichlich mit weißer Seise ein und lassen sie in dem Regenwaster bis zum andern Tage liegen. Nun lösen Sie in klarem Regenwaster soviel geschabte weiße Seise aus, da« es eine gute Lauge wird, legen die Flasche hinein, setzen sie kalt ans» Feuer und lasten sie, nachdem sie langsam zum Kochen gekommen, noch etwa zehn Minuten darin, woraus sie in kaltes klare» Master gelegt werden muß. Tarin wird durch sanstes Drücken die Seife hinaus- gespült und dann die Flasche zum Abtrocknen in die Sonne oder Lust gestellt. Stärken und blauen dars man gute Spitzen, besonders ächte, nicht: sie würden dadurch ein schlechtes Aussehen bekommen. Manche ziehen sogar acht leinene Spitzen durch ver- dünntes Teewaster, um ihnen den gelblichen Schein wiederzugeben, den sie neu haben. Beinah trocken geworden, wird die Gaze entfernt, die Spitzen abgewickelt, ohne sie dibei zu verziehen, in grader Richtung aus ein reines gute» Bügeltuch gelegt— die linke Seite nach oben— und mit einem säubern, nicht zu heißen Gisen der Breite nach darüber geplättet. Diese Art zu waschen, erhält den Spitzen einigermaßen das neue Aussehen, und die kleine» seinen Lesen(besonders bei Frivolitäten) verlieren so noch am wenigsten ihre ursprüngliche Form. Stuttgart. R. v. B. Ihr kleines Gedicht„Ans dem Friedhos sam Allerseelen- abend" zeugt von poetischem Gesül und ist recht hübsch. Bielleichi bringen wir ei gelegentlich zur Beröfientlichung. Florenz. Einsender der biographische» Skizze„Zwei Zarenbräute". Freundlichen Dank! Wird baldigst durchgesehen und dann umgebend Nachricht! Elberfeld. Frl. A. K. Ihre Verse sind sehr rürend, z» rürend für die„N. W.", liebes Fräulein! Z. B.: Ich habe dich schon drei Tage nicht gejehn, Wie kann das, mein Geliebter, wie kann da» nur zehn? Wenn ich dich nicht bald kann wiederschn, Tann müßt' ich wirklich von hinnen gehn. Ich müßte sterben, ich weiß es besttmmi. Daß dann mich der Himmel zu sich nimmt. O web, o weh mir Armen, Ach. hab', Geliebter. Erbarmen! Solche Lieb- muß sehr groß und solch' ein Geliebter sehr grausam sein- aber auch von uns wäre es ein Akt der Grausamkeit, wenn wir mer Proben Ihres noch allzu jugendlich sich äußernden Talentes verösteatlichten. Lassen Sie uns daher mit dem lies- gesül, en Wunsche scheiden, der Liebste möchte wenigstens am vierten Tage sich haben sehen laste». �' �"lin. Wem Wunsche, wir möchten in der„Reuen Welt" statt der d-utlchen die latemitchen«uchitaben einsuren, können wir nicht willsaren. Stoßen sich do-b schon manche Leser, die uch»UN einmal nicht vom Altgewohnten- sei es auch so verkehrt wie ntoglich. trennen k Minen, daran, daß wir mit der Reinigung unsrer übermäßig ver- zwickten, sogenannten Orthographie einen sehr bescheidenen Anfang gemacht haben!! Wamnlon(Missouri, Nordamerika«. G. B. E» hat uns gefreut, wieder von Ihnen ein LebenSzelchen zu erhalten. Ihre Aieinuiigsäußerung über die Jndianersragc gelangt baldmoglrchst nn„sprechsal" zum Äbdruck. Wir rechnen darauf. bald wieder etwas von Ihnen zu hören, z. B. über die Ansiedlungsverhältniste für deutsche Ein- wanderer in dem Ihnen näher bekannien Teile der Beremigieii Staate». Frdl. Gr.! Mahrisch-chondcrg H. Al» Adreste sür die Redaktion ces..Menschentum" genügt vollkommen: Hr. August spcchi. Redakteur des„M____" Gotha. �nhult. Die Schwestern, Roman von M. Kautsky(Fortsetzung).— Cartesius und Spinoza. Ihr Berhältniß zur modernen Welt- anschauung. Von vr. A. Mülbcrger.— Ein flandrischer Hund. Aus dem Englischen von Quida. Für die„N. W." übersezt von L. v. d Wicseck (Schluß).— Brafilien und die deutsche Auswauderung(Schluß).— Zum lOOjängc» Geburtstage Chamisso s(mir Porträt).— Hippopotamus im Sambesi(imt Illustration).— Aus allen Winkeln der Zeitliteratur: Das Sinken der Schiffe. Die Bevölkerung Nordamerikas. Die Toren sterben nicht aus.— Redattionskorrespondenz. Verantwortlicher Redakteur: B runo Geiser in Leipzig(Südstraße 5).— Expedition: Färberslraßc 12. II. in Leipzig. Druck und Verlag von Franz Goldhausen in Leipzig.