ehti Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. № 48. Erscheint wöchentlich. - Preis vierteljärlich 1 Mark 20 Pfennig. In Heften à 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. Herschen oder dienen? Roman von M. Kautsky. " Addio," sagte Friz, Meandro mit einer Geste verabschiedend. Dieser aber bedeutete ihm mit seiner schlauesten Miene, daß er noch etwas vorzubringen habe:" Der Jmpresario läßt Sie zu sich entbieten, ich habe quasi den Auftrag, Sie gleich mitzubringen, er will mit Ihnen heute noch ins Reine kommen, verstehen Sie? Er wird Ihnen seinen Kontrakt unterbreiten, zu dem Sie" Meandro zwinkerte vertraulich einige Zusäze machen werden, er wird sie gelten lassen. Signor, nach Ihrem gestrigen Erfolg dürfen Sie hoch gehen, sehr hoch, und wenn Sie meinen Rat und meine Unterstützung" Er war ihm in Wendungen immer näher gerückt, aber Friz, der einen Augenblick überlegend sich verhalten, unterbrach ihn rasch und determinirt. Sagen Sie dem Inpresario, daß ich erst nach meinem zweiten Auftreten mit ihm abzuschließen gedenke, aber ich nun ich tomme ja heute Abend auf die Büne." Er ließ Meandro, der seine häßlichste Fraze schnitt, stehen, und ging auf seine Stube. Gleich darauf überbrachte ihm Domenika einen Brif. Er besah ihn; eine etwas zitternde Hand hatte die Adresse geschrieben. Er war von Elvira. Friz fülte, wie das Blut in Wogen sich ihm nach dem Kopf und nach dem Herzen drängte. Auch seine Hand, die den Brif hielt, begann zu zittern. Er begab sich nach seinem Zimmer und schloß die Tür ab. Dann sezte er sich auf einen Stul und öffnete den Brif. ,, Gestern noch fand die Unterredung statt," las er, zwischen mir und ihm ist alles gelöst, ich bin frei!" Friz ließ das Blatt sinken. Eine schreckliche Beklemmung kam über ihn, schwer stüzte er den Kopf auf die Hand. Sie hat alles geopfert, alles hintangesezt um meinetwillen, fann ich da noch zurüd, gibt es da noch ein Befinnen? Nein! Er fülte fich erfaßt, von den Ereignissen mit fortgeriffen wie ein Stein, der ins Rollen gekommen: Er mußte mit, und ginge es auch dem Abgrund zu. Fünfzehntes Kapitel. Die Sonne ist hinabgesunken, aber die schweren bleiernen Wolfen, die sie umstanden, erhalten einen Purpursaum, und in der heißen, kaum bewegten Luft entstet ein Flimmern und Weben, ein Säuseln und Singen, der Scheidegruß des Tages, der durch 1881. ( 21. Fortsezung.) die weit geöffneten Fenster dringt, aus denen hinwieder zum Gegengruß Musik und lautes Lachen sich vernemen läßt. Weithin ertönt es über diese Wasserstraßen, auf denen kein Getümmel, kein Wagengerassel diese heitermelodischen Kundgebungen unterbricht. Auch bei Depauli waren die Fenster weit geöffnet. Marie war in das Atelier ihres Mannes gekommen, um, nachdem er es verlassen, als ordnender Hausgeist daselbst ihres Amtes zu walten, nach ihm Palette und Pinsel in die Hand zu nemen, um sie zu waschen. Ihre Augen waren auf einen winzigen Streifen eines fast verkolten Papiers gerichtet, den sie soeben, in ganz mechanischer Weise, nur ihrem Ordnungssinn gehorchend, vom Boden aufgehoben. Ein einziger Blick darauf hatte genügt, ihre Aufmerksamkeit zu erregen: sie hatte französische Worte gelesen. Sie zuckte zufammen. Sie fante nur eine Person, die an Alfred französisch schreiben würde: Juanna. Sie entfaltete den zusammengedrehten Streifen und sie las:„ Ich will Ihrer Bitte nachgebend Sie an dem Orte finden, wo wir uns das leztemal getroffen," am Rande waren die Worte herausgebrant, auf der lezten Zeile stand noch ,, Vigna Sie wissen kampo santo-" Sie starrte lange auf diese Worte, die in der Dämmerung verschwammen, und doch zu einer flammenden Anklage wurden, die den Treubruch des Gatten ihr bestätigten. Keine Träne fiel aus ihren heißen Augen, aber ihr Herz schlug, von Schreck und Harm erfaßt, in doppelten Schlägen. Plözlich preßte sie das Papier zusammen, warf es von sich und ging nach ihrem Zimmer zurück. Vor einer Stunde war er mit frölichen, leuchtenden Augen von ihr gegangen, ganz von dem nahen Glück erfüllt, wärend er ihr gleichgültig bemerkte, fie möge nicht auf ihn warten, er könne nicht bestimmen, wann er wiederkehre. Und dann hatte er ihr kalt die Hand gereicht, und er hatte sein Kind geküßt, den Verrat im Herzen. Šie preßte die Hand gegen das ihrige, das sich krampshaft zusammenzog. Sie empfand in diesem Augenblick die ganze Schmach, die tiefe Erniedrigung, die man ihr angetan. Und sie sollte noch weiter darin leben? Wie eine Leibeigne, wie eine Sklavin, die ihrem Herrn zu dienen hat, für seine leiblichen Bedürfnisse zu sorgen hat, one jedes höhere Anrecht auf seine Liebe, auf seine Treue? Zum erstenmal flamte in diesem guten fügsamen Geschöpf eine wilde Empörung auf, ein heißer, zorniger Schmerz. Sie VI. Leipzig, 27. Auguſt 1881.. wollte ihr Kind nemen und von ihm gehen, ihn jener überlassen, ganz und gar. Aber konte sie das? Ihre physischen Kräfte waren im Abnemen, sie waren aufgebraucht im Dienste ihrer Pflichten; zu ihren geistigen Kräften hatte sie kein Vertrauen, sie achtete sie gleich Null. Ich habe nicht viel gelernt, und ich kenne die Welt nicht, wie soll ich allein mich darin zurecht finden? Hat man mich doch nie daran gewönt, für mich zu denken, für mich zu sorgen; so bin ich unmündig geblieben mein lebenlang; von was sollte ich nun leben, mich und mein Kind ernären!? So war sie also gezwungen, bei ihm zu bleiben und sollte bleiben, wenn er sie auch noch tiefer demütigte, und wenn er es ihr unverhüllt zeigte, daß sie ihm nichts mehr bedeute, nichts mehr sei als eine Last? Aber nein, nein, nein! so viel Elend konte sie nicht ertragen. Sie wollte nicht mehr an seiner Seite leben als eine Verschmähte, als das verwünschte Hindernis an seinem Glücke. Aber sie sah doch auch keine Mögfichkeit, teine einzige Möglichkeit, fern von ihm zu leben. Könte sie denn auch leben one ihn?! Da blizte ein Gedanke in ihr auf, grell und furchtbar, er krallte sich in diesem wunden Herzen fest, in diesem verwirten Gehirn der Gedanke an Selbstmord. Sie will sterben. Aber nicht allein, ihr Kind soll mit. Sie will es ihm nicht zurücklassen, nicht jener Verhaßten! Sie wankt gegen die Wiege des Kindes und sinkt daran nieder. Graue Dämmerung breitet sich über das Gemach, in welchem die Stille nur hier und da durch das Aufächzen eines armen gefolterten Frauenherzens unterbrochen ward. Da dringt mit einem male ein Lärm von Stimmen, Bornesausrufe und lautes Weinen, das aus dem Nachbarhause zu kommen scheint, durch die offenen Fenster. Das ist bei Vitas. Marie hebt ein wenig den Kopf und läßt ihn wieder sinken. Was kümmert sie Leid und Weh der andern, was fümmert sie die ganze Welt! Nach einer Weile erst jagt Domenika, die sich auswärts herumgetrieben, wie dies allabendlich ihre füße Gewonheit war, über die Treppe und stürzt in das Gemach. Sie stuzt, als sie es dunkel findet und totenstill. 578 hängt, sie schob sie etwas bei Seite und sah über das enge Gäßchen hinüber nach dem Nachbarhause. Zwei Fenster waren geöffnet, hier war das Zimmer de Vitas. Kein Licht brante darinnen. Regte sich auch nichts? Sie lauschte nach einem Laut, der zu ihr herüber dringen und ihr verraten würde, was sich hinter diesen Mauern abspielte. Es blieb dunkel und still; sie vernam nur den ungleichmäßigen, oft stockenden Schlag ihres eignen Herzens. Allmälich überschlich sie ein heftiges Uebelbefinden. Ein fader Geruch in Gärung übergehender meist vegetabilischer Reste, die in dem engen Vinolo aufgehäuft lagen, aber auch animalischer Substanzen, die die Ebbe zurückgelassen, strömte ihr entgegen; er brachte in ihr das leere widerliche Gefül eines unendlichen Ekels hervor. Nicht eines physischen allein, auch eines moralischen Ekels. Ihr graute vor all den Jämmerlichkeiten dieses Lebens, das sie nicht mehr weiter leben wollte. Sie wollte wieder fort, aber ihre Glieder waren schwer; trugen sie denn ihre Füße nicht mehr? Ein heftiges Geräusch ließ sie zusammenfaren; die Türe von de Vitas Zimmer wurde aufgerissen und so heftig wieder zugeschlagen, daß die Fenster flirten. Es war jemand in das dunkle Gemach eingetreten. Stimmen wurden laut. Marie, aus ihrer dumpfen Beklemmung emporgerissen, strengte ihre Sinne an, um zu sehen, zu hören. Nur unartikulirte Laute drangen zu ihr herüber, aber in dem Tone dieser Sprecher drückte sich die zornigste Erregtheit aus. Eine große dunkle Gestalt kam hin- und hergehend wiederholt an dem Fenster vorüber. Was ging hier vor? werden sie nicht Licht machen? sie wollte sehen, sehen! Aber alles blieb dunkel. Jezt trat die herkulische Gestalt wieder knapp an das Fenster, sie erfante Ernesto. Seine Geberde war drohend und sie konte nun deutlich die Worte vernemen, die er dem im Fond des Zimmers Befindlichen zurief: Ich werde sie zu finden vissen, sie und ihn, und ich werde Rechenschaft von ihm fordern." Der zweite kam heran und legte ihm die Hand auf die Schulter: Ueberlaß das Um sich zu überzeugen, ob die Patrona anwesend sei, ruft mir; ist alles so wie wir es vermuten, dann ist es an mir, diese fie laut nach ihr. Marie schreckt auf. " Sei ruhig," sagt sie mit schwacher angegriffener Stimme, " geh hinaus." Aber Domenika scheint zu aufgeregt, um diese Aufforderung zu beachten. Signora, Sie wissen noch garnicht was vorget, da drüben ist der Teufel los. Der Patron wütet und der Bräutigam erst wissen Sie der Giuliano der tobt wie ein Besessener. Dem alten Tonio ist der Dienst gekündigt und die kleine Karlina soll augenblicklich fortgejagt werden und das alles wegen Madame Juanna, mit der die beiden im Einverständnis gewesen, und die nun durch gegangen ist, mit ihrem Amante sagen sie! " Wache Licht!" rief Marie in einem heisern Ton, der eine innerliche Angst verriet, als erstünde ihr etwas Unheimliches, vor dem sie sich in dieser Dunkelheit zu fürchten begann. Domenika gehorchte, aber wärend sie die Lampe anzündete, plauderte sie in ihrer lebhaften Weise weiter. Wie die arme Karlina weint und jammert, oimè, es ist abscheulich von dem Patrone, ihr das anzutun, was kann sie dafür? Wissen Sie, die Patrona und die übrigen waren ins Teater gegangen, die Madame wollte nicht mit, weil sie Kopfweh hatte, eh, eh, es war nur eine Finte, der Patron hats wol gerochen; er tomt plözlich zurück und der Bräutigam mit ihm, und sie begehren Madame zu sprechen. Die Karlina sagt, sie sei zu Bette, dio mio, sie mußte es sagen; die Madame hatte es ihr anbefolen, wie sie mir soeben vertraut hat. Der Patron aber läßt sich nicht abfertigen, er will bei ihr eintreten. Karlina stellt sich vor die Tür, er schleudert sie hinweg, er dringt in das Schlafzimmer, der Bräutigam folgt ihm dahin-- das Vöglein war aus dem Neste, Gott weiß wohin geflogen; und nun war der Spektakel fertig, tospetto!" Marie hatte einige Schritte getan, ihr war, als müsse sie ersticken, sie verlangte nach Luft. Bleib!" rief sie Domenika zu ,,, achte auf das Kind!" Sie verließ heftigen und doch wankenden Schrittes das Zimmer, das nach dem Balkon fürte, one sich Rechenschaft von ihrem Tun zu geben, nur einem dunklen Drange gehorchend. Jezt stand sie auf dem Balkon, mühsam nur die schwüle schwere Luft einatmend. Einige Wäschestücke waren hier aufgeSchmach zu rächen und den Elenden zu bestrafen." Ernesto sprang einen Schritt zurück, und gleichsam noch heftiger gestachelt, schrie er:„ Ich bin der am meisten Betroffene, nicht du, sie hätte mich geliebt, wäre er nicht gewesen; und dein Auftreten kenne ich, du wirst ihm deine Zeugen schicken, nachdem er mit ihr bereits auf und davon gegangen!" Ein rohes gellendes Lachen schloß den Saz, ein Lachen, das den desperaten Gemütszustand dieses aufs äußerste gereizten Mannes erkennen ließ. De Vita antwortete ihm mit aller Würde. Wir werden dem zuvor kommen, aber wir haben keine Zeit zu verlieren. Komm, der Zug nach dem Süden get in 15 Minuten ab, wenn wir sie nicht am Bahnhofe treffen, dann finden wir sie sicher." Schon waren sie beide vom Fenster hinweggetreten, Marie fonte das Wort, nachdem ihr Or begierig lauschte, nicht mehr vernemen. Sie hörte nur, wie ein Kasten versperrt wurde; dann öffnete sich wieder die Tür und beide traten auf den gut erleuchteten Korridor hinaus, die Tür hinter sich zuwerfend. Marie blieb einen Augenblick wie betäubt, erschreckt und ratlos. Immer noch sah sie hinüber, immer noch nach der Tür, durch welche die beiden verschwunden waren. Sie kante den Schuldigen, sie wußte ihn zu finden, sie glaubte es wenigstens, und sie waren gegangen, ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Aber da wars eine Täuschung ihrer erregten Sinne wieder öffnete sich die Tür diesmal leise und sie blieb offen. Und in dem hellen Schein, der aus dem Korridor herein drang, sah sie Ernesto zurückkehren. Mit einem Sprung war er an einem Kästchen, er öffnete es, er entnam ihm einen Gegens stand, er hielt ihn in der Hand empor und gegen das einfallende Licht es waren zwei Pistolen. Er steckte sie rasch zu sich und war im nächsten Augenblick aus dem Gemache. Marie fur ent sezt in die Höhe, ihre Arme streckten sich weit aus, als tönne sie sein Enteilen hindern, sie wollte schreien, aber nur ein Aechzen entrang sich der gepreßten Brust, Feuer tanzten vor ihren Augen, dann wurde alles schwarz um sie herum, sie sah und hörte nichts mehr. Als sie wieder zur Besinnung kam, hatte sie die Vergehen ihres Gatten vergessen und die Kränkung, die er ihr zugefügt; sie entsann sich allein der Gefar, die ihn bedrote. Dieser Italiener will ihn töten, und sie lag hier, und sie tat nichts, um ihn zu retten. Aber sie wollte ihn retten! Sie sprang in die Höhe, sie fülte, wie die Kraft ihr neu erstand, wie ihren Gliedern die Spankraft zurückkehrte, und ihr verwirtes, umnachtetes Denken wich einer blizartig überkommenen Klarheit, die in nervöser Ueberreiztheit fast bis zum Hellsehen sich steigerte. Ihr Mann fonte unmöglich daran denken, mit dem nächsten Buge Venedig zu verlassen, er weilte an dem Orte des Stelldicheins. Sie mußte de Vita daselbst zuvorkommen, Alfred warnen, ihn der Gefar entreißen. 579 Die Worte, die sie auf dem Streifen Papier gelesen, wurden ihr zum Fürer, sie erinnerte sich ihrer genau:„ Ich will, Ihrer Bitte nachgebend, Sie an dem Orte finden, wo wir uns das leztemal getroffen, Vigna Campo santo." Diese zwei Ortsangaben sezten sie in Verlegenheit. Wie war das nur gemeint? Die de Vitas hatten eine Vigna auf Murano, sie hatte davon sprechen gehört, war es nun dort oder auf dem Friedhofe Muranos, wo sie zusammentreffen wollten? Sie wußte es nicht zu beantworten, einige Worte dieses Fragments waren noch herausgebrant, dadurch der Sinn entstellt; aber sie hatte nicht Beit, darüber nachzudenken, und Murano war nicht groß, sie wollte beide Drte aufsuchen, sie mußte ihn finden und sie. Sie biß in Qual die Zähne zusammen, aber sie war entschlossen. Sie rante durch die Sala. Sie dachte nicht daran, ihr Kind Domenika zur besonderen Aufsicht zu empfelen; sie stürzte die Treppe hinab und auf die Straße. Sie eilte durch die kleinen Gäßchen zur Ueberfur. Zwei Gondeln lagen hier bereit, die Gondoliere schliefen in denselben. Sie rief ihnen zu, und als sich diese nicht sogleich aufrafften, sprang sie in das Farzeug und rüttelte sie an den Schultern, und sie gebot ihnen, sie sogleich nach Murano zu bringen. Ein Alter, der hier wol das ausschlaggebende Wort zu sprechen hatte, schüttelte ablehnend den Kopf: No, no, Signora, es ist zu spät zu solchem Ausflug und" er sah prüfend in der Richtung des Meeres es liegt etwas in der Luft, diese aria morta wird plözlich in wilde Bewegung kommen, und dann werden wir eine Garbinada haben." Marie faltete flehend die Hände. Ich muß hinüber, ich bitte euch, und ich zale, was ihr verlangt." Ein Jüngerer stieß in nicht mißzuverstehender Weise den Alten in die Seite: Andiamo!" flüsterte er. Der also animirte fraute sich, den Hut etwas lüftend, in dem ergrauten, dicht geringelten Har und ließ ein ärgerliches " Dada" vernemen, dann fügte er, schon etwas nachgiebiger hinzu:„ Das fönte man nur mit vier Rudern wagen, wir sind unsrer drei, der vierte muß am Plaze bleiben." Eccomi!" rief eine weiche, jugendliche Stimme. Hier ist der vierte, Ihr nemt mich doch mit, Patron, Ihr wißt, ich fann's." Es war Cencio, der auf der Straße auf Domenika gelauert, er hatte die junge Frau aus dem Hause treten sehen und war ihr hierher gefolgt. Sie wendete sich an ihn wie an einen Freund:„ Cencio, wie gut, daß ich Euch treffe, wir müssen eilen, sagt es ihnen, o mein Gott, Ihr wißt nicht, aber jede Minute ist ein Verbrechen!" Ich verstehe alles, Signora, ich weiß mehr, als Sie glauben, ich weiß, wen Sie suchen," seine geschmeidige Gestalt richtete sich auf und seine hocherhobene Hand deutete gegen Norden ,,, er ist dort." Dann zu den Barkenfürern gewendet:„ Dunque al' lavoro, presto!" Marie war auf das Kissen gesunken. Die Gondel drehte sich, die vier Ruder griffen wacker ein und wie eine Schwalbe schoß das Farzeug durch den Kanal. Sechzehntes Kapitel. Friz, von einer Ruhelosigkeit erfaßt, die es ihm nicht gestattete, auch nur einige Minuten auf einer und derselben Stelle zu ver weilen, hatte sich den ganzen Nachmittag auf den Straßen Venedigs herumgetrieben. Was ihn sonst in seiner Eigenartigkeit berürt, durch seine Schönheit entzückt hatte, es übte heute keinen Reiz. Seine Blicke hafteten auf diesen oder jenen Gegenständen, one dieselben auch nur in sein Bewußtsein aufzunemen. In der Merceria, der belebtesten Straße Venedigs, wo Laden an Laden sich reiht und das Geschäft in seinem Feilschen und Abschließen bis auf die Straße sich verpflanzt, wo die Menge der Käufer und Bumler im Verein mit der Unmasse ambulanter Verkäufer, die ihre Waren in melodischem Tonfall ausschreien, sich drängen und stoßen, wandelte er mit dem unaufhaltsam sich fortschiebenden Strome. Das Getümmel und Getriebe in seiner wechselnden Mannichfaltigkeit tat ihm wol, es betäubte ihn, es ließ keine klaren Vorstellungen in ihm aufkommen. Gegen Abend war er wieder nach dem Markusplaz gekommen. Es war die Zeit des Korso und die Arkaden waren bereis glänzend. erleuchtet. Die Menge staute sich vor dem Schaufenster eines Kunsthändlers, wo ein daselbst ausgestellter Gegenstand ihr besonderes Interesse zu erregen schien. Es war die Photographie der Bianca in dem Kostüm der Aïda. Viele der Umstehenden traten in den Laden, um sie zu kaufen. Auch Friz trat herzu, auch seine Augen hafteten auf dem wolgetroffenen Lichtbilde. Es zeigte sie in all' ihrem berückenden Reiz und kam doch in Schöne der Wirklichkeit nicht nahe. Sie nur ihn. schien ihn anzulächeln Die Nebenstehenden begannen zu murren und suchten ihn hinwegzudrängen. Nun ja, wenn da jeder solange gucken wollte, -die ist doch nicht für einen da,- die ist für uns alle!" so hieß es rundum. ( Fortsezung folgt.) Das Teater zur Zeit der französischen Revolution. II. Von B. Sincerus. Das französische Volk schien damals von einem waren Fiebertaumel erfaßt und besessen zu sein. Nirgends in der ganzen langen Geschichte des Teaters findet sich, glaube ich, eine Epoche, in der so viel Torheiten, ja geradezu Tollheiten auf die Büne gebracht worden sind, als in den Jaren 1793 und 1794*). Die Volksrepräsentanten gingen selbst mit dem guten Beispiele voran. So ließ ein Konventsmitglied ein Stück auffüren, mit dem famosen Titel:„ Die Vereinigung vom 10. August, dramatische Sanstulottiade, dem souveränen Volke gewidmet." Man spielt die, ware Republikanerin" und singt darin folgendes hochpoetische Kouplet: ,, daß doch bald ganz Frankreich sich Den Fesseln Hymens unterwürfe; Ein schlechter Republikaner ist, Wer unverehelicht bleiben will;" man spielt: das Innere eines republikanischen Hausstandes, die *) Diese meiner Meinung nach grundirrige Behauptung gibt mir den Anlaß, zu bemerken, daß ich diesem Aufsaze, dem seines interessanten Temas halber bereitwillig die Spalten der„ Neuen Welt" geöffnet worden sind, eine ausfürliche Entgegnung auf dem Fuße folgen lassen werde. Geiser. ( Schluß.) Fortsezung des Innern eines republikanischen Hausstandes, der republikanische Edelmann, die republikanische Amme, die republikanische Gastfreundschaft, der republikanische Pächter u. s. w. Die Republik dominirt auf dem Teater. Im„ republikanischen Ehemann" definirt der Schlosser Franklin den Begriff eines Republikaners: Was ist ein Republikaner? Er ist der Verteidiger der Geseze, one welche keine menschliche Gesellschaft bestehen kann; der Freund der Moral, one welche schamlose Cyniker die ganze Gesellschaft vergiften würden; der Protektor der Gleichheit, one welche einzelne Individuen mit usurpirten Titeln den Rest der Gesellschaft unterdrücken und vernichten würden." Scheint es nicht fast, als hätte sich der republikanische Dichter die berüchtigte Rede St. Just's vom 26. Germinal des Jares II ,, über den waren Revolutionsmann" zum Muster seiner Darstellung genommen? Daß später derselbe biedere republikanische Ehemann und Tugendheld einen Kommissar mit 4 Gensdarmen herbeiruft, um seine eigene Frau Melisse einstecken zu lassen, weil sie mit den Emigranten konspiriren soll, erhöt in den Augen des Publikums noch die Größe und Hoheit des ächt republikanischen Gatten. Pompigny, ein Bürgersoldat der Sektion der Unfelbarkeit, hat dieses herliche Stück auf seinem poetischen Gewissen. In der Eroberung von Toulon, welche im Jare 1794 aufgefürt wurde, wendet sich ein Volksrepräsentant mit folgenden hochpoetischen Worten an die französischen Soldaten:" Wut, meine Freunde! Es strömt und regnet, wir sind bis auf die Haut durchnäßt. Welch' köstliches Wetter zum Kampfe! Vergebens wüten die Elemente, um unser Fest zu stören und uns dem Kampfe zu entreißen. Der Himmel ist immer den Republikanern günstig." Ob sich die armen Soldaten durch diese woltönende Tirade gestärkt gefült, ob sie Sturm und Regen weniger empfunden haben, als der unter einem tricoloren Regenschirm einherschreitende Volksvertreter, das verschweigt des Dichters republikanische Muse. In einem anderen Stücke, welches den Titel fürt die Schönste dem Tapfersten", kündigt Viktor, ein alter Freiheitskämpfer, seiner Tochter Viktorine an, er habe sie im voraus dem Tapfersten zur Gattin bestimt. Auf die vielleicht etwas philiströse, aber immer580 hin leidlich vernünftige Einrede der Tochter:„ Warum mich einem unbekanten Gatten übergeben?"- antwortet der republikanische Vater in seinem patestischsten Tone.„ Einen Unbekanten? Was sprichst du, törichtes Kind? Ein guter Republikaner ist niemals, nirgend und niemand unbekant." Und das klassische Rezept, solch' privilegirte gute Republikaner auszubilden, enthält folgender famose Vers: ,, Um recht zu fassen, was sie( die Republik) sagt, Muß man die Jugend lehren: Die heil'gen Bücher sind erfüllt von dunklen Stellen, Verwirren auch der Kindheit klugen Sinn, Weil sie ihr predigen, es gäbe Warheiten, Die über ihren Verstand hinaus gingen." Und dieser klassische Vers muß sogar mehrfach wiederholt werden, damit seine tiefe Weisheit dem Gedächtnis der guten und schönen Republikanerinnen unauslöschlich eingeprägt bleibe. Tempel des Tschatur Bhodscha.( Seite 587.) Mit diesem überaus einfachen Unterrichte in den bürgerlichen, politischen Tugenden, welche das Revolutionsteater bietet, verbindet sich weiter ein nicht minder gründlicher Unterricht in der sogenanten gewönlichen Moral. Nähert euch, ihr verständigsten Menschen, die wir in Toulon gefunden! Bittert, Tyrannen, mit solchen Männern im Bunde wird man nie besiegt," ruft der Volksrepräsentant in der Eroberung von Toulon- den unerschrockenen Galeerensklaven zu, diesen„ reinen und gefülvollen Seelen, die one Zweifel mehr unglücklich, als schuldig sind." Aus den„ Opfern der Klöster von Monvel" dagegen lernt man, daß ein Kloster ein Ort sei ,,, in welchem alle Verbrechen und Schändlichkeiten, die Heuchelei, Frechheit und Schamlosigkeit hervorbringen können, zu Hause und im Schwange seien;" und im„ Geiste der Priester" des Bürgers Prévost- Montfort spricht der Schauspieler folgendes Distichon: Hier schickt sich endlich an die Freiheit zu erscheinen, Ja warlich doch nicht eh'r, als mit dem Tod des lezten Priesters." ,, Ach wenn das Volk nur den gerechten Grimm Befragen wollt, es würde freudetrunken sich zu rächen Den ganzen Adel bald von Frankreich niedersäbeln." Also spricht der Deputirte Dorante, ein sehr bedächtiger vorsichtiger Mann, der nur zuweilen, wenn die Umstände es gebieten, ein wenig hizig und heftig wird. Was sollen wir aber gar zu dem elenden Stücke das lezte Urteil der Könige von Silvain Marechal" sagen? Der Vorhang get auf und die Szene zeigt uns das Innere einer vulkanischen Insel. Auf einem weißen Felsen stet mit Kole geschrieben folgende Inschrift: ,, Besser ist's zum Nachbar einen Vulkan, als einen König zu Freiheit- Gleichheit!" haben; Ein Greis, von einem Despoten auf diese Insel verbant, erklärt patetisch, er würde lieber auf dieser vulkanischen Insel sterben, als auf den elenden Kontinent zurückkehren, der in Despotismus und Sklaverei verkomme. Da erscheinen plözlich ein, zwei, drei, vier, fünfzehn Sanskülotten. Sie befinden sich auf der Reiſe, Und änlichen liberalen und republikanischen Freundlichkeiten be- um Inseln zu suchen, auf denen sie Könige absezen können. Dieſe gegnen wir in dem Lustspiele der Herr Marquis": Insel, meint ein französischer Sanskülotte, scheint vulkanischer Natur gewesen zu sein und noch zu sein. Man fragt den Alten, den„ biederen verehrungswürdigen Greis", und erfärt von ihm, daß sich der Krater des Vulkans bedeutend erweitert habe und daß in nächster Zeit eine gewaltige Eruption bevorzustehen scheine. „ Um ihn für diese herliche Belehrung genügend zu belonen, gibt man ihm eine getreue Definition des waren Sanskülotten" und reist in heiterem Vereine ab, um die Könige zu suchen und her zuholen. Sie kommen nach mehrfachen Frrfarten wieder und landen an der feurigen Insel mit den gefundenen Königen, deren jeder eine Kette am Halse trägt. Die armen Könige zunächst werden sie von den lieben biederen Sanskülotten beschimpft und schließlich auf der vulkanischen Insel gelassen. Doch noch ziehen sich die schändlichen Beiniger nicht zurück, sie wollen sich aus der Ferne an dem Hunger der Könige ergözen." Aber auch das 581 genügt noch nicht. Nachdem sich die armen Schelme um ein Stück Schwarzbrot untereinander weidlich gestritten haben, rollt man ein Faß Schiffszwieback unter sie. Hier, ihr Schurken, da habt ihr Futter. Freßt!" Unterdessen steigt aus dem Bulkan glühende Lava und nähert sich den Königen. Das Stück endigt mit einer allgemeinen Feuersbrunst und die Könige stürzen verbrant in die Tiefen der geöffneten Erde hinab. Fast alle diese Stücke datiren aus den Jaren 1793 und 1794. Und wie in der Geschichte der Revolution selbst mit dem Ende der Schreckensherschaft eine neue Epoche eintritt, so auch in der Geschichte des Teaters der Revolution. Einige Stücke, unter welchen das berühmteste den Titel ,, das Innere der Revolutionscomités" fürt, bezeichnen die wenigen Monate der Dauer der Reaktion vom Thermidor. Allein da der Konvent nichtsdestoDer Bienenvater.( Seite 588.) weniger allmächtig blieb, grassirte die Krankheit vorläufig weiter. Wir fönten uns zum Beweise dafür auf die Ceremonie der Uebertragung der Asche Marats in das Panteon berufen, welche nach der Hinrichtung Robespierres stattfand; doch liegt ein anderes schlagendes Beispiel unserem Gegenstande näher. Als am 21. Jan. 1795 der Konvent den Jarestag der Hinrichtung Ludwigs XVI. feierte, ließ sich im Orchester Gemurmel vernemen. Ein Deputirter nam das Wort und fragte die Musiker, ob sie sich über den Tod des Tyrannen freuten oder ob sie ihn etwa beklagten. Worauf der Komponist Gossec an die Schranken treten mußte um, folgen dermaßen seine musikalischen Intentionen zu interpretiren: es möglich, daß sich ein so beleidigender Zweifel über die Intentionen der Künstler erheben kann, welche gewürdigt sind in diesem Sale zu spielen? Wir überlassen uns den süßen Gefülen, welche gefülvollen Seelen das Glück, von einem Tyrannen befreit zu sein, einflößt, und aus diesen melodiösen Tönen sind wir zu mänlicheren Klängen friegerischer Musik übergegangen.... Bürger repräsentanten, wir werden die Tyrannen stets vernichten, niemals aber sie beklagen." ft Wenn nun wärend einiger Monate der Konvent gezwungen war, die Veränderung der öffentlichen Meinung zu ertragen, wenn er den Reveil du peuple fingen und das Volk„ Nieder mit den Terroristen, nieder mit den Jakobinern" schreien lassen mußte, ja wenn er sogar die im Foyer des Teaters aufgestellten Büsten Marats in die Kloaken geworfen sehen mußte; so ließ doch das Direktorium die tyrannischen Prozeduren der Schreckensherschaft wieder aufleben. Am 4. Januar 1796 erließ es folgendes Dekret: Alle Schauspieldirektoren, Unternemer und Eigentümer von Paris, sind unter ihrer eigenen persönlichen Verantwortung gehalten, jeden Tag von ihrem Orchester vor dem eigentlichen Beginn des Stücks, die teueren Weisen der Republikaner, wie die Marseillaise, Ça ira, Le chant du départ u. ij. w. spielen zu lassen. Zwischen zwei Stücken aber wird man stets den Hymnus der Marseiller oder ein anderes patriotisches Stück singen." Und der Polizeiminister Merlin hielt streng auf die Eines Abends wurde im Teater Ausfürung dieses Dekrets. Feydeau das patriotische Lied von einem so linkischen und verlegenen Sänger vorgetragen, daß sämtliche Zuschauer in lautes 582 Gelächter ausbrachen. Sofort ergriff der Herr Minister die Feder und schrieb an das Centralbureau der Polizei:„ Ich fordere Sie auf, streng darüber zu wachen, daß änliche Misstände niemals wieder vorkommen." Leider war das Teater Feydeau nach den Berichten der Polizei stark aristokratisch gesint und der Minister mußte zu Gewaltmaßregeln greifen, wie folgender Brif vom 21. Februar an den General Buonaparte beweist:„ Bürgergeneral, ich fordere Sie auf, jeden Abend gegen sechs oder sieben Uhr ein Picket Dragoner in die Zugänge dieses Teaters stellen zu lassen. Ich bezweifle nicht, daß der bloße Anblick dieser Verteidiger der Freiheit den Royalismus zum Schweigen bringen wird." Dazu verbot man allen Frauen one Nationalkokarde den Eintritt in die Teater; man schloß das Teater der Straße Louvois, weil die Direktrice Fräulein Raucourt königlich gesint sei; man dekretirte die Unterdrückung der Worte Monsieur und Madame in allen Stücken, die nicht vor dem Jare 1792 geschrieben waren; und was dergleichen törichte Anordnungen weiter waren. Auch die Censur fürte ihr willkürliches Regiment weiter fort. Das Stück ,, Mitternacht" wird verboten, weil man sich in demselben um Mitternacht zum neuen Jare beglückwünschen und weil ,, es mindestens unpassend ist, anf der Szene einen durch den revolutionären Kalender abgeschafften Gebrauch wiederherzustellen." Bei einem Stücke von Hoffmann Léon oder das Schloß Montenero" macht der Censor folgende weise Bemerkung: Warum heißt der Liebhaber Laura's Louis? Dieser Name darf in unsern Teatern schlechterdings keiner tugendhaften Person beigelegt werden." Die Oper ,, Heinrich von Bayern" wird dem Censor eingereicht; er läßt sie passiren, weil der darin auftretende Kaiser Friedrich II. one jeden demonstrativen Pomp als ein gemütlicher bürgerlicher Papa erscheint, der zuerst seinen ungehorsamen Son abstraft und ihm schließlich ob seiner Reue Verzeihung angedeihen läßt." Allein der Minister ist anderer Meinung, die milde Kritik des Censors gefällt ihm durchaus nicht. Die Oper Heinrich von Bayern" wird vom Minister verboten, weil der Vater dem Sone verzeit und viele Bürger denken könten, es sei das eine Anspielung darauf, wie man mit Rücksicht auf die Emigranten handeln müsse." Man siet, daß auch das Direktorium jenes terroristische Prinzip, das Teater und durch das Teater die öffentliche Meinung zu republikanisiren keineswegs aufgegeben hatte. Allein die Autoren suchten sich mehr und mehr davon zu emanzipiren. Darob vielfache Klagen der Polizeispione. Die Direktionen sind gern bereit, den Intentionen der Regierung zu folgen und ihren Darstellungen republikanischen Karakter zu verleihen; allein die Autoren folgen leider nicht denselben Brinzipien und tun garnichts zur Hebung und Besserung des republikanischen Sinnes. Das Departement hat ein Dekret beschlossen, welches sie um ihres eigenen Interesses willen zwingen wird, in republikanischem Sinne zu arbeiten." Ein anderer Polizeibericht klagt über die Todesstille in den Teatern, die garnichts täten, um den republikanischen Geist zu entflammen. Das heilige Feuer sei erloschen." Ja, das republikanische Feuer war allerdings erloschen. Zwar gab man noch hin und wieder patriotische Stücke vor leeren Bänken und gelangweilten Zuschauern. Die Farce und die Tragödie verdrängten im Verein mit dem neuerfundenen Melodrama, dessen König Pirerecourt wurde, die langweiligen und langweilenden republikanischen Musterstücke in Drama und Oper troz aller Dekrete und Verordnungen des republikanischen Departements. Der 18. Brumaire war nahe, der mit der Republik auch das republikanische Teater wegfegte. Die Kunst, auch die dramatische Kunst, hat ihre eigenen selbständigen Geseze. Tritt sie in den Dienst irgend welcher politischen, kirchlichen, sozialen Tendenzen, so erniedrigt sie sich selbst und wird der Mätresse gleich, die wol eine zeitlang mit erborgtem fremdem Flitterstaat ein lustiges Leben füren kann, aber schließlich an ihrer eigenen Unnatur elend zugrunde gehen muß. Uebrigens verstehe ich angesichts der trivialen Tollheiten, welche die dramatische Muse der Revolutionszeit aufgefürt hat, recht wol jenen originellen Badeunternemer, welcher wenige Jare später außer seinen gewönlichen Bädern auch medizinische Bäder aukündigte, um die Geistesverrücktheit zu furiren, von welcher eine Anzal Individuen beider Geschlechter wärend der Revolution befallen seien." Und jener geistvolle Humorist hat wirklich nicht so ganz Unrecht, wenn er schreibt:" Ich kann zur Stunde noch nicht begreifen, warum die Alten statt des pedantischen geistlosen Pferdes nicht lieber den Esel zum Symbol der dichterischen Begeisterung genommen und zum Pegasus gewält haben, was um so treffender erscheinen müßte, wenn man auch noch die übrigen Eigenschaften vieler Dichter in Betracht zöge." Aus Deutschlands schlimster Blut- und Eisenzeit. III. Historische Novelle von Carl Cassau. Das war ein blutig Schlagen wol auf dem blachen Feld, Man wollt' Quartier nicht geben und nam fein Lösegeld." ( Altes Lied.) Zwei Monate später sehen wir unsere Freunde sämtlich in das Feldlager Gustav Adolfs, Königs von Schweden, in Kurland einreiten, wo damals, wärend des Krieges mit Sigismund, König von Polen und Kurfürst von Sachsen, sich das schwedische Hauptquartier befand. Schon in Holstein hatten die Reisenden diesen Umstand erfaren, und waren dann an der Küste der Baltischen See entlang gezogen, unbehelligt von allen kriegerischen Scharen, die damals unter Waffen standen, bis sie das Heer des Schwedenkönigs fanden. Von einer Streifwache gefürt, betraten unsre Bekanten das schwedische Lager und wurden direkt bis zum Zelt des Königs, zu welch' lezterem Hoyer begehrte, gefürt. Gustav Adolf war ein noch junger Herr und schlank gewachsen; blaue Augen, blondes Har und blonder Spizbart, wie man ihn damals trug, gaben ihm das Zeugnis seiner nordischen Abstammung. Ein blanker Panzer bedeckte die Brust des Königs über dem Üniformrock von schwarzem Sammet, denn es stand ein heißes Gefecht bevor. Gustav Adolf musterte die Herankommenden mit seinen etwas furzsichtigen Augen forschend und begegnete den Augen Hoyers. Auf die leutselige Anrede des Königs: ,, Was wünschet ihr, Freunde?" entgegnete Hoyer, leicht das Knie beugend: " Haben Majestät die Gnade, uns unter Ihre Soldaten aufzunemen. Mein Name ist Graf Hoyer von Mansfeld; ich bin des Mansfelders Son und bitte, von meinem Herrn Vater ( 2. Fortsezung.) dieses Schreiben huldreichst entgegenzunemen." Dabei zog er das Schreiben aus dem Wams und überreichte es dem Könige. Gustav Adolf überflog es schnell:„ Obrist Staelhandske!" „ Majestät!" Ein straffer, schwedischer Obrist trat vor. " Ich empfele Euch hier den Herrn Lieutenant, Graf Hoyer von Mansfeld, der gewiß mit Auszeichnung unter Eurer Fürung dienen wird." ,, So Gott will, mein König!" Er hieß Hoyer willkommen und reichte ihm die Hand. Werbener ward als Wachtmeister in das steenbocksche, v. Hilten als Freikorporal in das zenkersche Regiment, Tauscher aber als Korporal bei den Arquebusiern eingestellt. Noch war Fuchsner übrig; schnell trat er hervor: " Gestatten Majestät allergnädigst, daß ich bei meinem Herrn Grafen verbleiben fann und als Gemeiner in das staelhandskesche Regiment eintrete." " Wie ist's, Obrist?" „ Er kann, Majestät!" Die Freiwilligen wurden in Eid und Pflicht genommen lernten den schwedischen Dienst. Vier Wochen darauf fand ein Treffen statt. Hoyer kämpfte an der Seite und unter den Augen des Königs wie ein Löwe. Da drangen polnische Söldlinge auf das königliche Gefolge ein; ein sächsischer Wachtmeister legte schon das lange Feuerror auf den König selbst an, als Hoyer ihn, heransprengend, mit seinem Pallasch zu Boden streckte. Noch auf dem Schlachtfelde ernante Gustav Adolf den jungen Helden zum Rittmeister, von Hilten aber, der ebenfalls mit Bravour gekämpft, zum Lieutenant. Es war im Frühjare 1625, als die Wachen ins schwedische Lager einen alten, grauen Reitersmann mit verbundenen Augen einbrachten, der zum Grafen Hoyer von Mansfeld verlangte. Hoyer befand sich mit Hilten, Werbener, Tauscher, dem Obrist Staelhandske und Steenbock, die dem jungen Rittmeister die Ehre antaten, im eignen Zelte, wo man den Namenstag des Grafen beging, als der Bote eingefürt war. Die Binde fiel von seinen Augen. " Helchner, alter Helchner!" schrie das Festtagskind freudig auf. " Woher komst du heute?" Helchner war des Mansfeldes alter Reitknecht, der schon dem Grafen Peter wärend seiner Statthalterschaft in Luxemburg gedient hatte. " Direkt aus Niedersachsen, gräfliche Gnaden, von des Herrn Vaters gräfliche Gnaden! Und hier ist meine Kommission." Damit zeg der Alte ein großes, nach der Sitte der Zeit mit Wachs versiegeltes Pergament hervor und überreichte es Hoyer. " Entschuldigt, Kameraden," meinte der Rittmeister und zog sich in einen Winkel zurück, die Botschaft seines Vaters zu lesen, die Sorge für seine Gäste Hilten empfelend. Auch dem alten Helchner ward sein Recht. Der Rittmeister aber las nassen Auges die herzlichen Worte des Vaters. In London hatten die money bags*) und mercantile princes**) die Börsen aufgetan, Frankreich aus Eifersucht gegen das Haus Desterreich große Summen bewilligt; die geizigen Mynheers in Amsterdam, die Pfeffersäcke der Generalstaaten, hatten Vorschüsse geleistet, sodaß der Graf wieder zu Anfang 1625 mit einem 20 000 Mann zälenden Heere im Osnabrückschen auftreten konte. Jezt war der Vormarsch auf die Weser angetreten und, falls man Tilly geworfen, war es des Grafen Absicht, durch Schlesien nach Siebenbürgen zu dem Fürsten Bethlen Gabor zu stoßen, um mit demselben gemeinschaftliche Sache zu machen, in Ungarn und von dort in das Herz der österreichischen Erbstaaten einzudringen. Schließlich lud Graf Ernst seinen Son ein, wenn er Neigung hätte, wieder zu ihm zu stoßen, obwol er ihm keine gewisse Zukunft bieten könne. Das sei aber einmal des Kriegers Los, für den es kein Morgen gäbe, nur ein Heute, und der eben da bliebe, wohin ihn der rauhe Kriegsbesen kehre. Schließlich gratulirte der Vater zum 21. Geburtstage des Sones in aller Herzlichkeit und forderte ihn auf, durch den alten, treuen Helchner sofort Nachricht zurückzusenden. Der junge Rittmeister kam wieder aus seinem Winkel hervor, um mit seinen Gästen anzustoßen, dann fragte er den Alten: " Wann gedenkst du wieder aufzubrechen?" " Morgen früh, gräfliche Gnaden!" " Schön. Bis dahin ist mein Brif auch fertig. Jezt sei frölich mit uns!" Die Becher kreisten fleißig; man trank auf das Wol des Königs und der Königin Maria Eleonore, einer brandenburgischen Prinzessin, dann wurde gespeist und schließlich wieder potulirt, wie es die Sitte der Zeit forderte. Das Gelage dauerte an, bis die Trompete zum Schlafengehen rief. Indes hatten alle Zecher fast, was man damals einen Stiefel nante, denn des Becherns war kein Ende. In des Schwedenkönigs Lager jedoch ging's im übrigen gar ernst und strenge her; solche Manneszucht bei solcher Tapferkeit hatte Hoyer nie gekant. Wie ein Stein war es ihm vom Herzen gefallen; hier ward nicht um Raub und Plünderung gekämpft, sondern um eine gerechte Sache.„ Armer Vater," dachte er, wie tontest du so verblendet sein, za denken, daß dein System keine Folgen tragen werde? Da ist der Waldsteiner; er hat von dir gelernt, aber er übertrifft dich!" so rief Hoyer auch an diesem Abend schmerzlich aus, als er daran ging, des Baters Schreiben zu beantworten, denn er hatte sich bei der damals allgemein bei solchen Gelegenheiten üblichen Becherei nüchtern zu halten gewußt. Stille hatte sich inzwischen über das Lager gelegt; schon waren Stunden unter dem gegenseitigen Anrufen der Wachen dahingeflogen, als Hoyer seinen Brif schloß. Derselbe lautete: " Teuerster Herr Vater! ,, Euren Brif habe ich mit tiefer Rürung heute an meinem 21. Geburtstage gelesen und den alten Helchner vor Freuden umarmt, da er als Euer Bote zu mir kam. Ich werde, bester Vater, Euch gewiß stets Ehre machen; in der Armee Gustav Adolfs get es strenge, aber gerecht zu. Helchner wird Euch er*) Geldsäcke. ** Handelsprinzen. 583 | zälen, daß ich schon bis zum Rittmeister gestiegen bin. Laßt mich, teuerster Herr Vater, nur in der schwedischen Armee, zumal ich, aufrichtig gesagt, Euer System der Unterhaltung einer Armee nicht gut heißen fann. Zürnt mir nicht, Herr Vater, aber ich mußte dieses, das ich schon lange mit mir herumtrage, vom Herzen los sein; ich weiß, Ihr werdet meine Bitte berücksichtigen und die Sache anders einrichten, wenn Ihr irgend könt, denn zu sehr schon hat das arme Vaterland gelitten! Ich wünsche Euch, bester Vater, viel Glück zu allen Euren Unternemungen und bleibe unter tausend Küssen Euer dankbarer und gehorsamer Son Hoyer, comte de Mansfeld*). Jaroslaw, den 14. März 1625. Müde war des Schläfers Haupt auf seine Schrift herabgesunken; das blonde Lockenhar breitete sich über die feine und doch kräftige Hand aus; das Licht war weit heruntergebrant und drote in der Zugluft des Zeltes das schöne Lockenhar zu ergreifen, und müde schlummerte Helchner auf Stroh und Decken in seiner Nähe: da ertönte das Frühsignal. Einige Zeit darauf trat eine hohe Figur in weißem Mantel und langer Feder am goldbordirten Hut an das Zelt hinan, wie sie auch bei den andern getan, schob neugierig den Vorhang beiseite, trat ein, sah den Schläfer über der Schrift liegen und beugte sich über die leztere. Sie schob das drohende Licht beiseite, zog die Schrift leise unter der Hand des Schläfers weg, las sie mit Interesse und murmelte:„ Wackerer junger Mann!", nam dann die Feder, strich das Wort_ ,, Rittmeister" aus und schrieb dafür ,, Obrist". Dann zog sie aus dem Wams einen Streifen Pergament und schrieb darauf die Worte hin: Wir ernennen den bisherigen Rittmeister, Grafen Hoyer von Mansfeld hiermit zum Obristen des blanen Umea- Dragonerregiments. Da wir die Equipirung des Herrn Obristen auf uns genommen haben, so wolle derselbe sich bezüglich derselben von Ünsrer Armeekassa fünfunddreißig Dukaten ausfolgen lassen. Hauptquartier Jaroslaw, den 15. März a. d. 1625. Gustav Adolf, Rex." Diesen Zettel schob der geheimnisvolle Besuch unter den Brif, legte jenen wieder auf den Tisch und entfernte sich lächelnd. Bald darauf ertönte das Frühsignal zum zweitenmale und Hoyer flog schlaftrunken auf. Dann besann er sich und fing an, den Brif nochmals zu durchfliegen. Bei dem Worte Obrist", das eine fremde Hand geschrieben, ward er unwillig über den dummen Spaß", wie er vermeinte. Er griff zur Feder und starte wie das Haupt der Medusa die eigenhändige Ordre des Königs an. Stumm faltete er die Hände, dann gab er dem Brife einen Nachtrag, siegelte ihn, weckte den alten Helchner, sorgte für seine Rückreise und entließ ihn mit tausend Grüßen an den Vater. * * Zwei Jare waren vergangen.- Jm königlichen Schlosse zu Stockholm saß am Fenster nach dem Mälarsee hinaus ein schwedischer Obrist, dessen Schönheit und Jugend, wie die bleiche, leidende Gesichtsfarbe jedermann auffiel. Er trug die einfache, hellblaue Uniform der Umea- Dragoner und die Obristenschärpe in den schwedischen Farben, blau- gelb. Beides stand ihm vortrefflich; der silberbordirte Schlapphut dagegen mit blaugelber Feder lag auf dem Fenstergesims; den linken Arm trug er in schwarzer Binde. Vor ihm stand ein Page in violett gekleidet, mit langen seidenen Bändern in den schwedischen und brandenburgischen Farben auf der linken Achsel und hierin als im Dienste der Königin stehend kentlich. Ist Euch besser?" " Ich danke Euch." Der Verwundete war Hoyer von Mansfeld, der nach einem Streifschuß am linken Arm vom Könige als Rekonvaleszent mit Depeschen zu seiner Gemalin nach Stockholm entsant wurde. Dort hatte sich aber die Wunde so erheblich verschlimmert, daß die Aerzte die Rückkehr zum Heere verboten, wogegen die Königin den hübschen Obristen an ihren Hof gezogen hatte. Der Page fur zutraulich fort: *) Die französische Sprache sing damals eben an, sich zur Hofsprache in Europa zu erheben. D. V. " Mein Name ist August Leubelfing, Page Ihrer Majestät der Königin. Wie gern wäre ich in Eurer Lage, mein Herr Obrist! Ich höre, Ihr seid erst 23 Jare alt und habt es schon durch Eure Tapferkeit bis zum Obristen gebracht; ich selbst bin nichts nur zwei Jare jünger und bin nichts, als ein Page!" " Seid darüber nicht böse, mein Freund," erwiderte Hoyer tröstend; Ihr sehet heute, was so ein Soldat ist: heute rot morgen tot!" " 1 Aber der Ruhm, Herr Obrist, und die Weiber!" Hier zuckte es im Gesichte des jungen Offiziers rot auf: " Ich muß Euch gestehen, Herr Page," entgegnete er mit Zurückhaltung, daß ich davon wenig weiß; habe noch keine Zeit dazu gefunden, Minnedienst zu üben. Bin rauh wie ein alter Kriegsknecht, ungelenk wie ein polnischer Bär!" Leubelfing ficherte vor sich hin, dann meinte er: " Wie, Ihr hättet es nicht bemerkt, daß die schöne Gräfin Swenson nur noch Augen für Euch hat?" " Wol bemerkt, Herr Page, aber doch nicht erwidert!" Der junge Mann biß sich auf die Lippen. Warum mußte er seinen Nebenbuler auch noch aufmerksam auf sie machen? Konte der Obrist nicht für die Reize der Schönen empfänglich werden? Aber nein, der war grade und ehrlich, und so behandelte ihn der kluge, junge Mann auch. Der Page war eine Schönheit ersten Ranges, aber brünett, wärend Mansfeld blond war, und Gräfin Erna Swenson hatte sich nun einmal grade auf blond kaprizirt. Erna stamte aus Schlesien. Graf Swenson hatte sie gelegentlich der Hochzeitsreise des Königs in Berlin kennen gelernt, und der schon alternde Mann hatte von der neunzehnjärigen koketten Erna das Jawort bekommen. So blieb sie in Maria Eleonorens Gesellschaft als deren erste Hofdame, in welchem Verhältnisse sich auch nichts änderte, als schon ein par Monate nach der Hochzeit Gräfin Erna ihren Gatten verlor. Nur die dringendste Trauerzeit blieb sie daheim, dann sah man sie wieder am Hofe, eine üppige, eben aufgeblüte Rose. Dazu kam, daß Erna reich, sehr reich war und begehrt von allen Kavalieren des Hofes. Aber dann folgten die dummen Kriege; zuerst der dänische, dann der nicht enden wollende polnische, welche die jungen Ritter dem Hofe entfürten. Aus purer Langerweile fing darauf die schöne Erna mit dem Pagen ein Liebesverhältnis an, bis Hoyer am Hofe als neuer Stern auftauchte und die kokette Erna ihre Neze auswarf, um auch ihn an ihren Triumphwagen zu spannen. So lagen die Sachen, als über weiche Teppiche hinweg der Fuß Hoyers durch die Korridore schritt, bis der Page die Türen eines hohen Gemaches öffnete mit den Worten: " Obrist Graf von Mansfeld!" " Ach, Ihr machet Euch rar, Graf!" lachte die Königin auf stehend, wärend Gräfin Erna Swenson sich das Ansehen gab, als sei sie vollständig verwirt. Der junge Obrist küßte die Hand der Königin galant, gegen Erna machte er eine selbst für einen Soldaten fast zu steife Verbeugung, denn noch immer flangen ihm die Worte des Pagen in den Ohren:„ Sie gewärte mir schon mehr als eine Zusammen kunft." Worte, die unterwegs in den Vorzimmern gesprochen wurden und von denen Hoyer unklar blieb, ob der Ton auf eine oder Zusammenkunft zu legen sei. " Majestät scherzen," erwiderte er." Ich bin, wie Hochdieselben wissen, sehr stark Rekonvaleszent, und daher nicht immer im stande, dahin zu gehen, wohin mich sonst mein Herz ziehen würde." Die Königin lächelte über den jungen Deutschen, der die Hofsprache mit soviel Talent und so schnell erlernte, und dabei doch ein echt soldatisch eckiges Benemen behielt. Sie sezte sich und winkte Hoyer zu, ebenfalls Plaz zu nemen, und begann dann, heiter Erna vorstellend: " Hier, Herr Obrist, stelle ich Euch zugleich meine Gesellschaftsdame und beste Freundin, die Gräfin Erna Swenson vor. Wir beiden," sezte sie hinzu,„ werden Euch zu unserm Ritter erwälen!" Gräfin Erna ſchien vor Scham in die Erde sinken zu sollen, und Hoyer, dem die Künste der Koketterie noch neu waren, glaubte faſt, daß ihn der geschwäzige Page aus Eifersucht belogen. Er verneigte sich diesmal etwas respektvoller und meinte: 11 Wenn Majestät und die Dame, welche Hochdieselbe Ihre Freundin zu nennen geruhen, mit den Diensten eines invaliden Ritters von der traurigen Gestalt fürlieb nemen wollen, so lege ich Euch meine schwache Kraft ganz ergebenst zu Füßen." Dabei sah er Erna an, als wolle er ihr bis in die Seele 584 | dringen. Aber Erna schlug die Augen scheu zu Boden und erglüte wie eine Mohnblume. Daran mußte Hoyer unmittelbar denken; er, in der blauen Uniform die Kornblume, Erna die Mohnblume und die Königin in der gelben Seidenrobe das Kornfeld; Mohnblume und Kornblume aber gehören naturgemäß zu einander. Dabei lächelte er leicht. Das machte der jungen Witwe Mut, und ihre Befangenheit wich schnell, und ebenso schnell wußte sie durch ihr geistvolles Geplauder die Königin wie den jungen Obristen zu bestricken. Mit Geschicklichkeit verstand sie das Gespräch auf den König zu leiten, um ihrer hohen Freundin zu schmeicheln, indem sie fragte: " Es get wol sehr fromm im Lager zu, Herr Obrist? Seine Majestät sind darin, ich weiß das aus eigener Erfarung, sehr strenge." " Jawol; jeden Morgen findet Frühgottesdienst, jeden Abend gemeinschaftliches Gebet statt. Man hört kein Fluchen und kein Geschrei; unter Gustav Adolfs Augen muß selbst der roheste Troßknecht sittsam werden und sich fügen lernen. Kein Heer, so versichern die Gefangenen, soll solche Disziplin besizen, wie das unsrige." " Das freut mich!" warf die Königin ein. fort. „ Aber wo wurdet Ihr eigentlich verwundet, Graf?" fur Erna Hoyer errötete leicht und zauderte mit der Antwort; als aber die Königin sich auf Seite der schönen Fragerin schlug, mußte er wol Farbe bekennen: Es war bei Jaroslaw, Gräfin," begann er;„ die Polen hatten einen Hügel dicht mit Geschüz befaren, das Tod und Verderben in unsre Reihen spie; da ward ich beim Stürmen dieses Hügels verwundet." " Ja," bemerkte hier die Königin, mein Gemal hat es mir zufällig mitgeteilt, welch' einen Helden wir hier unter uns haben; Obrist Graf Mansfeld war es, der mit seinem Dragonerregiment Hügel und Geschüz nam und bei dieser Gelegenheit durch eine Kanonenkugel vom Pferde gerissen ward." Hoyer lehnte alle Lobeserhebungen bescheiden ab und erzälte weiter. Nach und nach ward der Ton ruhiger, vertraulicher. Der Page Leubelfing brachte auf Befel der Majestät Wein, warf aber eben nicht liebenswürdige Blicke auf Hoyer, der davon jedoch nichts ahnte. Dann mußte der Obrist mit Maria Eleonore eine Partie Schach spielen, von der sie endlich in den Staatsrat abgerufen ward, nicht one jedoch Erna als Stellvertreterin bei ihrem Gegner zu belassen. Hoyer war zum erstenmale so dicht in der berauschenden Nähe eines jungen, schönen, üppigen Weibes, dessen Augen ihn liebeglühend anblickten, dessen Hauch fast sein Har berürt, und gab sich unter dem Einflusse dieses Eindrucks süßen Empfindungen hin. Der Page, der geschwäzige, hatte entschieden gelogen: dieses Weib war ein Engel! Er spielte dabei herzlich schlecht. " Schach!" Schnell rochirt und die Gefar beseitigt! Was sie doch für köstlich blondes Har hatte, und dieser schelmische Mund! Küssen? Um Gott nicht! Süssen, nein, nein! Aber bewundern durfte er sie, die Liebliche! „ Schach! Matt!" Besiegt, und von einer Frau!- Der junge Obrist sprang auf; Erna lehnte, ihr Opfer triumphirend ansehend, nachlässig im Fauteuil, wobei der schlanke, weiße Arm über die Lehne herabhing. Obrist Mansfeld konte nicht länger widerstehen. Wie die Fliege an den Honig get, gehen muß, so zog es ihn zu dieser schmalen, weißen, hübschen Hand hin. Er nam sie, one Widerspruch zu finden, zwischen seine eignen Hände, er füßte sie leidenschaftlich. Nun„ Schach" und va banque! Erna sah ihn liebeglühend an." Ich liebe dich!" hauchten ihre Lippen, wie selbstvergessen träumend. Und geschehen wars: über sie beugte sich der junge Obrist und brennende Küſſe bedeckten ihren Mund, ihre Wangen, ihren Schwanenhals, sodaß sie sich ihm vergebens zu entziehen versuchte, was auch wol kaum ihr Ernst war. Dann fniete er vor ihr, der stolze Mann, und tat ein Geständnis seiner heißen, tiefen, ersten Liebe! Erna, schämtest du dich nicht vor der Natürlichkeit dieſes Mannes, den du fingest, wie die Spinne eine Mücke? Und sie? Sie hörte ihn wolgefällig an, streichelte sein ſeidenweiches Lockenhar, tüßte ihn wild und schmeichelte ihm, dem schönen Manne. In ihrem Liebesrausche bemerkten beide nicht, wie sich die Flügeltüren ein wenig öffneten und August Leubelfing hindurchsah, finstere Blicke auf das Par warf und drohend die Hand emporhob. Dann schlossen sich die Türflügel ebenso leise. " Darf ichs der Königin sagen, Hoyer?" " Nein, o nein, Liebite, tue das noch nicht; laß unser Glück noch eine furze Weile verborgen bleiben, ich fönte ja nicht mehr bei dir sein, sondern müßte zur Armee; hieße es sonst nicht, ein Blicke in die Gewerbe- und Industrieausstellung zu Halle a/ S. Die auf die erste Anregung des Halleschen Handwerkermeistervereins hier in der freundlichen und vom Reiz mannichfacher historischer Erinnerungen umwebten alten Saalestadt ins Leben gerufene, am 15. Mai dieses Jares eröffnete Gewerbe- und Industrieausstellung get, was den Reichtum an ausgestellten Objekten anbelangt, weit über den Karakter einer gewönlichen Provinzialausstellung hinaus, sodaß es uns wünschenswert erscheint, einiges aus dem überaus bunten und fesselnden Bilde, das sie bietet, für die Leser der ,, Neuen Welt" auch hier wiederzugeben. Es verstet sich dabei von selbst, daß wir aus der Menge der ausgestellten Gegenstände nur diese und jene von den Gruppen herausheben können, welche, vermöge ihrer sachlichen Bedeutung an sich schon, selbst wenn sie der Leser nicht mit eigenen Blicken schaut, ein hervorragendes Interesse für sich in Anspruch nemen dürften. Immerhin aber seien, um dem Leser eine Vorstellung von der Reichhaltigkeit der Ausstellung zu vermitteln, die 21 Gruppen mitgeteilt, innerhalb welcher die einzelnen Gegenstände untergebracht sind. Wir finden vertreten: Land- und Forstwirtschaft, Narungs- und Genußmittel, Bergbau, Hütten- und Salinenwesen, BauChemische Industrie, und Ingenieurwesen, Maschinen- und Transportwesen, Metallindustrie und Armatur, Porzellan-, Ton-, Stein- und Glaswaren, Holzindustrie, Leder- und Gummiwaren- und Papierindustrie, Kurzwaren, Textilindustrie, Bekleidungsindustrie, Frauen arbeiten, Haus- und Zimmereinrichtungen, Polygraphische Gewerbe( Buch, Stein-, Del-, Lichtdrucke, sowie die bei denselben verwendeten Maschinen, Werkzeuge, Materialien 2c.), Wissenschaftliche Instrumente, Schulwesen, GesundKunstgegenstände aller Art, heitspflege, Feuerlösch- und Rettungswesen. Schon der Eindruck, den das Arrangement der Ausstellung hervorruft, darf als ein nahezu großartiger bezeichnet werden. Auf einem 10 Hektare( 40 Morgen) umfassenden, einen großen Garten darstellenden Terrain erheben sich neben dem, einen zusammenhängenden Bau von ca. 18 000 Quadratmeter bildenden, durch hohes Seitenlicht beleuchteten Hauptausstellungsgebäude mit seiner imposanten Kuppel und den für Zwecke des maschinellen Betriebes in einzelnen Gruppen sich daran anschließenden Annexbauten eine bedeutende Anzal anderer Gebäude, Pavillons, Hallen und zalreiche Restaurationslokale. Von den ersteren erwänen wir insbesondere die gedeckten und halbgedeckten Hallen für Land- und Forstwirtschaft, landwirtschaftliche Maschinen, für Lokomobilen zum Zwecke elektrischer Beleuchtung, allerhand andre Pavillons für die Ausstellung der verschiedenartigsten Maschinen und eiserner Gegenstände von Produkten des Kunstgusses, von Apparaten zur Herstellung des zur Erleuchtung der Restaurationslokale erforderlichen Delgases, einen Pavillon, in welchem die Eisfabrikation vorgefürt wird, ein Krankenzelt, ein Gewächshaus, den Pavillon der ,, Magdeburger Zeitung", die Gemäldehalle und last not least der ganz aus Stein auf gefürte, mit massiven Wänden und feuerfester Dachung versehene Tempel für kunstgewerbliche Altertümer. In den hier und da mit alten Bäumen besezten Gartenanlagen finden wir dann noch in einer Menge kleinerer Pavillons eine große Zal von Wind und Wetter vertragenden Ausstellungsgegenständen verteilt; inmitten des ganzen aber steigt aus einem umfangreichen Teiche ein 35 Meter hoher und 4 Centimeter starker Wasserstral empor, der von einer Dampfmaschine mit dreißig Pferdefraft getrieben wird, und nicht blos einen imposanten Anblick gewärt, sondern auch wesentlich zur Erfrischung der Luft auf dem großen Ausstellungsplaze beiträgt. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen, durch welche wir dem Leser eine ungefäre Vorstellung von dem Gesamtkarakter der Ausstellung gegeben zu haben hoffen, gehen wir zur Betrachtung einzelner Gruppen über, unter denen fraglos diejenige, welche die Leistungen des Kunstgewerbes in sich begreift, hier die erste Stelle beanspruchen darf. I. Das Kunstgewerbe und die Kunstindustrie. Eine Ausstellung von Gegenständen des Kunstgewerbes und der Kunstindustrie soll vor allem den Zweck haben, nicht blos Zeugnis von dem besondern Streben der leztern abzulegen, sondern vor allem belebend und bildend auf den Aussteller sowol wie auf den Beschauer zu wirken, Anregung und Förderung zu bieten. Es ist grade, wie in dieser Zeitschrift schon gelegentlich der Besprechung der Ausstellung der Drechsler und Bildschnizer Deutschlands und Desterreich- Ungarns zu Leipzig( vgl. den vorigen Jargang, S. 371, 443, 480, 492 der ,,. W." nachdrücklich hervorgehoben wurde, in dieser Hinsicht in Deutschland jezt viel zu tun. Was früheren Geschlechtern spielend gelang, was sie, ihrem von Haus aus besonders begünstigten, aber vor allem auch durch 585 Weib hielte mich hier fest, nicht meine Wunden? Holde, du bringst mir dieses Opfer?" Nicht war, Erna fand dieses Opfer allerdings etwas sonderbar, aber einem solchen Liebsten mußte man schon etwas zugute halten. Sie fand sich leicht in die neue Rolle und hielt auch gegen die Königin reinen Mund. Inzwischen erschien Maria Eleonore, und Hoyer verabschiedete sich; in ihm tobte es, er mußte hinaus. ( Fortsezung folgt.) die ganze Art der Erziehung und des öffentlichen Lebens gepflegten Schönheitssinn folgend, großes und schönes one außergewönliche Anstrengung schufen, das kann in unseren Tagen nur als Frucht berechnender Klugheit und umfassender Einsicht, eiserner Beharlichkeit und angestrengter Bemühung in die Erscheinung treten. Vor allem komt es darauf an, die Kunst und das Verständnis für ihre Schöpfungen überhaupt in allen Schichten des Volkes zu pflegen, die Massenerziehung zum Kunstsinn und Stilgefül, als integrirenden Teil der allgemeinen Bildung, ins Auge zu fassen. Es hat hier also ganz besonders die Erziehung eine ernste und wichtige Aufgabe zu erfüllen. Denn solange man der Ansicht huldigt, die Kunst sei Kaviar für das Volk, solange werden jene Forderungen unerfüllt bleiben, und die Kunst, für eine bevorzugte Klasse von Individuen berechnet und von dem gesunden Boden der Volkstümlichkeit losgerissen, wird niemals in der Lage sein, einen ausgeprägten, aus dem geistigen Karakter der Zeit herausgebildeten Stil zu schaffen. Grade unser Kunstgewerbe aber nun leidet unter dem Banne jener aristokratischen und gradezu frivolen, gewissendenn es ist ein Elend für ein Volk, ein an diesem losen Auffassung, begangenes Unrecht, wenn ihm in seinen breitesten Schichten nicht das Verständnis echter Kunst vermittelt wird, nicht allenthalben die Bedürfnisse der lezteren in Berücksichtigung gezogen werden; man hat unter ,, Kunstgewerbe" gemeinhin die ,, Luxusindustrie" zu verstehen sich gewönt, und läßt dabei ganz außer acht, daß überhaupt jedes kunstgewerbliche Produkt, mag es teuer oder billig sein, schöne Formen und Linien erhalten kann und muß. Jedes gewerbliche Produkt muß als in das Bereich des Kunstgewerbes fallend betrachtet werden, sobald die technische Ausfürung in geschmackvoller Auffassung erscheint, d. h. sobald sein von Zweck, Technik und Stoff nur in allgemeinen Zügen vorgeschriebenes Grundschema den formbildenden Trieb des Menschen in einer einen ausgeprägten Schönheitssinn befriedigenden Weise weiter entwickelt ist. Es erhellt daraus, daß der Begriff eines kunstgewerblichen Produkts keineswegs an ein kostbares, d. h. durch gewisse Vorzüge ausgezeichnetes Rohmaterial, wie Marmor, Gold, Elfenbein, Ebenholz u. dgl., deren hoher Preis die aus ihnen gefertigten Produkte nur einer bevorzugten Klasse der menschlichen Gesellschaft zugänglich macht, gebunden ist, und wenn wir heute die unerreichten Erzeugnisse des hellenischen Geistes bewundernd und neidvoll betrachten, so ist der Ursprung der lezteren jener Auffassung des griechischen Volkes zuzuschreiben, die von dem Grundsaz ausging, daß jedes Gebilde der Menschenhandvon vornherein ein künstlerisches selbstredend in verschiedenem Grade der jezt fast zu etwas selbstverständlichem sein und werden kann, gewordene, so schädliche und verhängnisvolle Gegensaz zwischen ,, Gewerbe" und ,, Kunstgewerbe" war ihm in demselben Grade fremd, wie es einen Unterschied zwischen Gewerbe" und Kunst" überhaupt nicht fante. Je weniger der moderne Mensch, und vor allem der vom Glück nicht begünstigte, im harten Kampf ums Dasein, im aufreibenden Getriebe des alltäglichen Lebens, der alltäglichen Arbeit, Muße zu stiller Samlung, zu veredelnder Einkehr in sich selbst, zu weihevoller Erhebung findet, je mehr die reifere Erkentnis unseres Zeitalters die phantasievollen Träume vergangener Kulturepochen nicht blos ihres poetischen Schimmers und ihres gemütlichen Zaubers entkleidet, sondern ihnen notwendig damit auch ihre objektive Geltung, ihren Einfluß auf die etische Bildung genommen, desto mehr haben wir uns zu bestreben, dem Volke den Sinn für den Reiz der Schönheit wieder zu erschließen, den lezteren mit allen Formen und Hülfsmitteln des Lebens unmittelbar zu verweben, damit uns dieses in vollstem Maße, wie es die Kulturentwicklung der Zukunft gebieterisch erheischt, selbst genug werde. Dieses aber: die Ausbildung des Geschmackes, des Formensins, der Fähigkeit, das Schöne zu empfinden, die Erziehung zur waren Schönheitsbegeisterung, und durch diese zu sittlicher Freiheit und veredelter Menschfann nur erreicht werden, wenn wir dahin wirken, daß auch lichkeit das einfache Gerät des täglichen Gebrauchs schön und edel gestaltet werde, und dafür sorgen, daß auch dem kleinen Gewerbetreibenden Gelegenheit geboten wird, an den neuen Bestrebungen nach seinen besten Kräften teilzunemen. " Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, den wir gerade in dieser Zeitschrift gern noch näher beleuchten möchten, wird uns die Vertretung des Kunstgewerbes und der Kunstindustrie, wie wir sie auf der Halleschen Ausstellung finden, nicht in allen Teilen zu befriedigen vermögen: man wird indessen derselben das Zeugnis nicht versagen können, daß uns hier herliche und an sich hervorragende Blüten deutschen Kunstgewerbfleißes dargeboten werden. Namentlich ist dies bei der Kollektivausstellung der magdeburgischen Kunstgewerbetreibenden, die wir hier zuerst betrachten, der Fall. Der Entwurf zu dem Podium, auf dem derselbe untergebracht ist der Dekoration, sowie zu den sämtlich darauf befindlichen Gegenständen rürt mit Ausname der Entwürfe zu den Malereien, von Kiefhaber in Magdeburg her. Die Rückwand des Podiums ist als ein denkmalartiger Aufbau behandelt; wärend die drei übrigen Seiten durch Balustraden, in welche schmiedeeiserne Gitter und Tonbalustres eingefügt sind, abgeschlossen werden. Aus zwei Säulen mit Gebälk und darin befindlichem schmaleren Aufsaz bestehend, reich ornamentirt, in brauner Holzfarbe und in matter Goldbronze gestrichen, trägt diese im Stil der Renaissance vom Tischlermeister Lier in Kiefernholz ausgefürte Rückwand im Fries, die in blinkenden Metallbuchstaben vom Klempnermeister Vahlberg angefertigte Inschrift: Kunst. Handwerk", und in der Füllung des Auffazes das Wort: ,, Magdeburg." Zwischen den beiden Säulen ist als Füllung eine vom Maler König mit feinem Geschmack entworfene und auf grauem Rips prächtig gemalte Gobelinmalerei eingespant eine Arbeit, die in Anlehnung an Raphaels und Giulio Romanos reizvolle Vorbilder den Zauber der Farbe mit dem einer glücklichen Komposition von Masken, Basen, Früchten, Kindergestalten, fein geschwungenen Arabesken und Festons vereinigt. Zur Hälfte wird diese Gobelinimitation durch eine von Heller ausgefürte, prächtig in Falten gelegte Draperie von bronzefarbenem Sammet verdeckt. In der Kunst der Drapirung, in der farbigen Zusammensezung, wie sie hier durch die Verbindung des bronzefarbenen Sammet mit einem stumpfblauen Rande und einer schmalen geknüpften Bordüre stattgefunden, hat der Dekorateur ein Meisterstück geliefert. In derselben schönen Weise wie die Rückwand ist die Balustrade behandelt worden. Zwischen den vom Tischlermeister Fleck in schwarz gebeiztem Holze ausgefürten Postamenten, die mit hellgelben, etwas unexakt gearbeiteten Ahornintarsien( eingelegte Arbeit) geschmückt sind, hat man an der Vorderseite, rechts und links von dem dreistufigen Zugange, zwei schmiedeeiserne Gitter von Beck eingelassen; an der Seite des Podiums mehrere bunt glasirte Brustlehnen von Duvigneau, dann zwei schmiedeeiserne Gitter vom Schlossermeister Brüggemann, und schließlich wiederum Brustlehnen in Biskuitmasse von Duvigneau. Von dem leztgenanten Herrn rüren auch vier farbig glasirte Vasen her, welche die vier Postamente der Vorderseite krönen. Die Idee, die Balustrade zur Einfügung schmiedeeiserner Arbeiten und farbig glafirter Brustlehnen zu benuzen, ist eben so originell wie schön. Die beiden beck'schen Gitterfüllungen zeigen zwischen einem Quadrat von vier vernidelten Rundstäben eine ovale, blattförmige Eisenverzierung, in deren Mitte zwischen einer vergoldeten Umrahmung der Name des kunstvollen Schmiedemeisters in ausgeschnittnen vergoldeten Buchstaben angebracht ist. Der leere Raum zwischen der Eisenverzierung und den Nickelstäben ist durch schön geschwungenes Rankenwerk, durch Akantusblätter und volle Blumen ausgefüllt. Alles ist bis ins Feinste getrieben, jedes Blatt in der vollen Eigentümlichkeit seines Nervensystems und seiner krausen Oberfläche unter völliger stilistischer Begrenzung wiedergegeben. Kräftiger sind die mehr barod gehaltenen, etwas ausgebogenen Balustradengitter von Brüggemann behandelt. Die schöne, in technischer Beziehung trefflich ausgefürte Arbeit, an der besonders die gleichmäßige Verteilung zwischen Ornament und leerem Raum auffällt, komt leider durch einen Goldbronzeanstrich, der etwas ins Bläuliche schimmert, nicht zur vollen Wirkung. Warum ein prachtvolles Material wie das Schmiedeeisen in dieser Weise verkleistern? Warum über die Natur des Materials den Beschauer täuschen? Es sollte das erste Gesez bei allen unseren schmiedeeisernen Arbeiten sein, die schöne Farbe des Materials zum Vorschein kommen zu lassen. Leider wird gegen dieses Prinzip in einer Weise gefündigt, die geradezu harsträubend ist. Wir erinnern nur an die eigentümliche Marotte unserer Geldschrankfabrikanten, die schönen Stalplatten der Geldschränke mit einem Anstrich à la Tannenholz zu versehen, oder an den merkwürdigen Geschmack vieler Schmiedemeister, Gitter, besonders solche, die in Bandeisen ausgefürt sind, mit grauer Farbe zu streichen. Zu dem Schönsten der Kollektivausstellung gehören die Erzeugnisse Duvigneaus. Sowol die Vasen wie die Brustlehnen sind Meisterwerke in ihrer Art. Kiefhabers unerschöpfliche Phantasie hat, wie schon bemerkt, auch die Zeichnungen zu diesen prächtigen Arbeiten geschaffen. Die farbig glasirten und vergoldeten Brustlehnen, die durch Rundbogen mit einander verbunden sind, schimmern in zarten gelben, rotbraunen, grünen und weißblauen Glasurtönen, welche hier und da durch schmale Goldstreifen, die auf der Glasur eingebrant sind, gehoben werden. Die feine Gliederung dieser Arbeiten, die reizenden Kinderfiguren, welche zur Seite des sich verjüngenden vierkantigen jonischen Säulchens herauswachsen, die zarten geschwungenen Ornamente, welche auf dem mattgelben Grunde der Seitenflächen aufliegen, das schöne, hellgrüne Lorbeergewinde des Bogens, und endlich die reizenden Wappenschildchen in den Bogenzwickeln bezeugen den vollendetsten Geschmack. Blizenden, funkelnden Edelsteinen gleich, sind hier und da kleine runde und ovale Buckel in Gold, Weiß u. s. w. angebracht, die farbige Wirfung aufs höchste steigernd. In änlicher Weise sind die Vasen behandelt. Die unglafirten Brustlehnen entsprechen in Form und Ornamentirung genau den farbig glasirten. Ihr hellgelber, elfenbeinartiger Ton harmonirt vortrefflich mit dem zarten Blau der gerauten und vertieften Füllungsflächen, von denen sich die feinen, geschwungenen, weißgelben Ornamente mit ihrem spielenden Rankenwerk wirksam abheben. Füren wir noch ferner an, daß der Boden des Podiums mit einem in blaugrünen Farben dekorirten Brüsselteppich belegt ist, so wäre der Rahmen, innerhalb dessen die übrigen ausgestellten Gegenstände placirt sind, genügend skizzirt. Den Mittelpunkt des Podiums nimt eine koſtbare Arbeit Kiefhabers, ein sogenantes Kabinet, welches seit der Zeit 586 Heinrichs II. in Frankreich vielfach in Aufname kam, ein. Alle Hülfsmittel der Dekoration, Schnizerei, Intarsia( der Kunst, eingelegte Arbeit mit vielfarbigem Holze oder Perlmutter herzustellen), Malerei, Metalltechnik u. s. w. sind bei diesem prächtigen Möbel in Anwendung gekommen. Die Staffelei, mit welcher Kiefhaber seiner Zeit bei der von dem deutschen Kunstgewerbemuseum zu Berlin ausgeschriebenen Konkurrenz den ersten Preis gewann, ist ebenfalls ausgestellt. Von den übrigen Tischlerarbeiten erwänen wir in erster Linie den von Tischlermeister Wurmstich in imitirtem Ebenholz ausgefürten Schreibtisch und Sophatisch, dessen Dekoration mit Bronzereliefs sich an die änliche Behandlung der kiefhaber'schen Staffelei anlehnt und durch die Verbindung des tiefschwarzen Holzes mit dem rotbraunen Ton der Bronze anscheinend galvanischer Niederschlag- die reizvollste Wirkung hervorbringt. In dieser effektvollen Kombination des Metalls mit edlen Holzarten erinnern diese Möbel an die ersten glänzenden Zeiten Ludwigs XIV. Gebrauchsmöbel sind es nicht- nur Parademöbel. Möchte unser Handwerk, wie wir schon eingangs hervorgehoben, volkstümlicher denken und auch den gewönlichen Hausrat einer künstlerischen Veredlung für würdig halten! ( Fortsezung folgt.) Tempel des Tschatur Bhodscha. Was an dem Gebäude, welches die Illustration auf Seite 580 darstellt, zunächst auffällt, ist der verschiedene Karakter des Stils. Wärend wir in einigen Gliedern alte Bekante aus dem Auslande erkennen, die von der nie rastenden Woge der Völkerbewegung nach dem üppigen Indien gespült wurden, zeigt uns der von den Arabern mit Vorliebe angewante Zwiebelbogen den Einfluß dieses heißblütigen Volkes, und endlich erblicken wir in den zuckerhutförmigen Kuppeln einen starren Repräsentanten der Hinduarchitektur. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir annemen, daß in demselben Grade, wie sich hier äußerlich die Mischung der Kulturen aus den verschiedenen Landen ausprägt, auch der Zweck, dem dieser in Centralindien gelegene Tempel dient, mit Sitten und Gebräuchen aus der Heimat seiner architektonischen Formen untermischt ist. Um die Herschaft haben ja die Fremden in Indien weidlich gerungen, und es darf daher nicht Wunder nemen, wenn dies oder jenes Stück fremden Brauchs hängen blieb und von den Hindus zu Nuz und Frommen ihres Da seins assimilirt wurde. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß die Inder, und gerade in unserem speziellen Falle, dessen bedürftig gewesen wären. An Phantasie hat es ihnen warlich nicht gefelt, sie haben im Gegenteil, wie ihre Literatur sprechend zeigt, darin wol alles bisher dagewesene übertroffen. Dafür zeugen aber auch die fast unzälbaren Götter dieses übermäßig frommen Volkes und durch vorstehenden Umstand veranlaßt die vielen Tempel, welche den Schirmern und Schüzern des leiblichen Hindudaseins als Wonung und als Stätten der Verehrung erbaut werden. In Großstädten zält man deren nach hunderten und tausenden, die nicht allein dem Kultus der großen Nationalgötter der Hindus errichtet sind, sondern auch den Lokalgöttern, an denen in Indien kein Mangel ist und von welch lezteren einem auch der unsrige dient. Aber auch mit diesen Göttern untergeordneter Bedeutung ist der Kreis der indischen Götterfamilie nicht abgeschlossen. Jede als Aeußerung des göttlichen Willens genommene Erscheinung wird verehrt, sobald sie durch Legenden beglaubigt wurde oder denselben Wert erlangte durch die Furcht vor Beschädigungen, welche ein Mensch davor empfand. Dabei ist es ganz gleich, ob man den Gegenstand in der Gestalt eines teologischen Gottes, Holdheiligen, oder einer unpersönlichen Naturerscheinung, eines nüzlichen Werkzeuges und dgl. personifizirt und ihm göttliche Ehren erweist. Und so komt es denn, daß meist jede Familie noch ihren Hausgözen hat. Neben mangelnder geistiger Bildung, starker Hineigung zur Phantasterei und manch andern Eigenheiten des indischen Lebens und Volkskarakters hat wol auch die Religionslehre der Inder selbst ihr gut Teil zu diesem grassen Aberglauben beigetragen. So scheiden sich schon äußerlich um schon hier ein Kuriosum anzufüren die drei großen Konfessionen durch weiße und rote Abzeichen auf der Stirn und zwar geschiet dies seitens des Büßer, Kleriker und Laien. Wagerechte Striche bezeichnen die Anhänger des Siwa, senkrechte die Wischnuiten und Ringe die Saktas. Als Material zur Herstellung dieser Signatur benüzt man talkhaltigen Ton, oder Asche aus Kuhdünger. Die Kuh wird in Indien überhaupt mit religiöser Ehrfurcht betrachtet; dieselben Vorzüge genießt auch ihr Kot. Als Grundlage der Religion der Hindus gelten die Schriften der unterscheidet, von denen der Rigweda der älteste und reichhaltigste ist Weda( vermutlich von 1800-1500 v. Chr. entstanden), deren man vier und 1017 Lieder mit 10 580 Versen zält. Unter Weda verstet man ursprünglich ein Wissen, angewant auf teologische Erfentnis, welche ein zelnen auserwälten Männern vom höchsten Wesen durch zu Worten gewordenes Geräusch mitgeteilt wurde. Dadurch erhielten die Wedas den Karakter von Offenbarungen, welche einzelne Seher" niederge schrieben oder dem Volke mündlich mitteilten, wodurch sie sich von Mund zu Mund und von Generation zu Generation forterbten, wobei sie aber durch die große Einbildungskraft*) des Volkes bedeutende Erweiterungen " *) Wie die Phantasie der Inder wirkt, zeigt schon der Versreichtum des Rigweda. Aber um noch einige Beispiele anzufüren, bemerken wir, daß von den beiden berühmtesten epischen Gedichten der Jnder das Mahabharata 24 000, das Ramahana 100 000 Berie, und das Burana jogar 800 000 Doppelverie, also 1600 000 Berszeilen, enthalten soll. Ja, die Einbildungskraft dieses Boltes berechnet sogar die Durchschnittsbauer des Lebens eines Heiligen oder Frommen auf 80-100 000 Jare, und der erste König, ein Einsiedler und Heiliger, hatte das Bergnügen, 8 400 000 Jare unter den Sterblichen als Lebender 587 erlitten. Ihre Gesänge sind Verherlichungen der als Personen gedachten Naturkräfte. Dabei ist die Götterlehre der Wedas verschieden von dem später von den Brahmanen aufgestellten teologischen System, in dem jedoch die Grundanschauungen immer noch Geltung behalten. Das Religionsprinzip der Wedas ist ein Panteismus und fent feinen persönlichen Schöpfer, der den Menschen als Mittelpunkt der Schöpfung schafft und für diesen alle Dinge zweckmäßig einrichtet. Urgrund alles Seins ist Brahma, der nach einem Teil seiner jezigen Anhänger die Welt zum Zeitvertreib aus purer Langeweile machte, nach anderen ist er das allein Bestehende und die Welt bloße Täuschung. Brahma, wörtlich das Große, die ewig in sich vollendete Einheit, die nicht durch menschliche Begriffe bezeichnet, und auch nicht als reine Einheit personifizirt werden kann, schwebt über und wirkt in allem, durchziet als das Bleibende die Natur, ist mit einem Worte die Weltenseele. Von ihm, dem Vollkommenen, strömt die Schöpfung aus; aus einer entstandenen Kraft entstehen andere, aus diesen wieder neue u. s. f., bis die unendliche Reihe der Wesen vorhanden ist. Dabei sind die Dinge mit allen ihren Eigentümlichkeiten schon im Weltenkeime, also in Brahma, vorhanden, bevor sie in die Welt der sinlichen Erscheinungen traten. Wie wenig aber die Lehren der indischen Teologen mit der Religionsphilosophie der Wedas übereinstimmen, zeigt eine Hymne des Rigweda, aus der wir nur die beiden Schlußstrophen hierhersezen: ,, Wer weiß es denn, wer hat es je verkündet, Woher sie tam, woher die weite Schöpfung? Die Götter tamen später denn die Schöpfung Wer weiß es wol, von wannen sie gekommen? Nur Er, aus dem sie kam, die weite Schöpfung, Sei's, daß er selbst sie schuf, sei's, daß er's nicht tat, Er. der vom Himmel her herabschaut Er weiß es warlich! Oder weiß auch er's nicht?" Die Antwort auf die lezte Frage hat der alte indische Dichter, dessen Werk vor mehr als 3000 Jaren erstand, in seiner Bescheidenheit, die auch den christlichen Teologen als Muster dienen könte, nicht gegeben, aber seine Meinung, daß Liebe überkam zuerst das Eine, Der geistigen Inbrunst erster Schöpfersame." ist jedenfalls viel schöner wie die oben angefürte und von den heutigen Teologen in Indien vertretene Philosophie der Weltwerdung. Die Brahmanen waren es denn auch, die aus diesem unbestimten Etwas, das ,, hauchte hauchlos in sich selbst", ihr Religionssystem zurechtbauten. Andererseits tam ihnen dabei die Unwissenheit der Volksmassen, denen der Panteismus der Wedas ein Buch mit sieben Siegeln war, entgegen. Der Ernteertrag hing in dem heißen Klima lediglich von den aus dem indischen Ozean heranziehenden feuchten Winden ab und andererseits, wenn die Feuchtigkeit überhand nam, war es wieder die Sonnenwärme, welche den Ernten und der Vermehrung der Herden den woltätigsten Einfluß brachte. Es entstand daher ein Naturdienst, der Regen und Dürre, Hize und Kälte personifizirte. Oberster Gott wurde Indra, als Herscher über den leuchtenden und regenspendenden Himmel; unter ihm stand Waruna, der Herr der Gewässer, der Nacht und des Westens; dann Agni, der Gott des woltätigen Feuers, und neben diesen vornemsten Göttern stehen dann noch die Lichtgötter, voran der der Sonne, und Rudra, der Windgott. Eine unzälige Schar von Genien, Helfern und Geistern schüzen daneben noch den Menschen und seinen Besiz. In diesem Volksglauben war aber kein System; jeder Inder gab dem Gotte, von dem er am sichersten Schuz erwartete, alle Namen und betete zu ihm. Die Teologen fnüpften deshalb bei Gründung ihrer Lehre an Opfer und Gebet an. Als Vermittler zwischen Menschen und Göttern mußten diese auch gewinnen, je mehr ihre Notwendigkeit und Kraft betont wurde. Gebet und Andacht, das Brahman, wird nun als oberster Gott, der Schöpfer der Welt, persönlich genommen und mit der genanten Allseele identifizirt. Da nun Brahman in der mänlichen Geschlechtsform auch den Priester bezeichnet, den Brahmanen, der das Opfer leitet und die Gebete verrichtet, und das Brahman als der Mund der Götter erklärt wurde, so war der Herschsucht der Priester ein sicherer Grund gelegt*). Die alte Schöpfungsteorie wurde wol insofern beibehalten, als alles aus Brahma ausströmt, aber es wird, um Gründe für die Ungleichheit der Menschen, für Tugend und Laster, für Fähigkeiten, Vermögen, Beschäftigung, Reich, Arm, kurz für die gesellschaftliche Stellung das Kastenwesen zu finden, behauptet, daß das Ausströmende um so unreiner werde, je weiter es sich von Brahma entferne. Da Brahma das Vollkommene war und außer ihm nichts existirte, so machte sich diese Lehre eines logischen Schnizers schuldig; Logik ist jedoch nie die Stärke der Teologie gewesen. Nach dieser verschmizt schlauen Lehre gingen die Brahmanen bei der Schöpfung, wie selbstverständlich, aus Brahmas Munde, die Krieger aus seinen Armen, die Ackerbauer aus den Schenkeln und die dienende Kaste, die Sudra, aus seinen Füßen hervor. Aber auch die Götter vollbringen ihre Taten nur durch Brahmas Kraft. An seiner Unreinheit kann das zu wandeln. Nach Scherr find selbst ihre Geseze, Lehrbücher der Grammatik, Geschichte, Matematik, Medizin und Geographie meist in Versen abgefaßt, wärend ihre Philosophie gradezu Lehrdichtung ist. *) Siehe die treffliche Abhandlung über die Religion der Hindu in ,, Indien in Wort und Bild" von Emil Schlagintweit. Individuum, so lange es lebt, nichts ändern; es kann jedoch durch Ausdauer für das Leben nach dem Tode die Wirkungen derselben aufheben. Gänzlich beseitigt wird die Unreinheit nur durch Wiedervereinigung mit Brahma, die jedem Inder zur Pflicht gemacht wird. Sie wird ermöglicht durch Einsicht in das Wesen der Dinge, durch Forschung und Benüzung der in den heiligen Büchern niedergelegten Weisheit. Die Ergründung dieser Bücher der Wedas!- ist jedoch Vorrecht der Brahmanentaste. Diese wendet aber auch andere Mittel an, wie Askese, Opferspenden, Nachsinnen über die Gründe des Seins und eifrige Gebete. Nach dieser Religionslehre ist das Leben eine Strafe, denn die menschliche Seele ist nur durch die irdische Gestalt bekleidet, weil sie in einem früheren Dasein sich nicht zu der nötigen Reinheit aufgeschwungen. Daher hängt auch von dem Verhalten des Menschen im Leben die Form ab, in der die Seele wiedergeboren wird: ob reich, arm, als Mensch oder Tier, Pflanze oder Stein; und dan bestimt sein Lebenswandel in der neuen Form hinwiederum sein Leben für die Zukunft. Kann also die Seele schon nach einem Dasein zu Brahma zurückkehren, so können auch Jartausende unter den größten Qualen vergehen, ehe sie dieses Ziel erreicht. Aus alledem get hervor, daß dieser Brahma nie volkstümlich werden konte, denn den niederen Volksklassen ist demnach das Zurückkehren zu dem Urquell nach einem Dasein geradezu unmöglich gemacht. Bedenkt man nun noch, daß ein Opfer nur dann Wirksamkeit hat, wenn es richtig vollzogen wird, und daß der Arme nicht die Mittel besizt, um den Priester zur richtigen Durchfürung genügend zu be= solden, so ist, abgesehen von der hochgradigen angebornen Unreinlichteit seines Wesens, gar kein Gedanke, daß die Erlösung für den Paria in Indien praktisch eintrete. Außerdem opfert der Inder nicht aus Dank oder um die Götter zu versöhnen, sondern um irgend welchen Wunsch erfüllt zu sehen. Diese Umstände waren es auch, die den Buddhismus*) hervorriefen, der gegen das starre Kastenwesen nebst Zubehör ankämpfte und auch seine Erfolge wesentlich den Misständen, die das BrahmanenHelfer in menschlicher Gestalt zu den Menschen, ganz gleich ob reich tum herbeigefürt, zu verdanken hat. Die Lehren Buddhas, der als oder arm, herabstieg, gaben aber auch die Veranlassung, daß meistens da, wo man nicht sein Glaubenssystem annam, nach einem Erlöser verlangt wurde. Die Aufgabe des Erlösers erhielten Siwa und Wischnu. Ersterer wurde infolgedessen im Süden, lezterer im Norden Indiens Volksgott, durch welche Spaltung im indischen Mittelalter die fanatischsten Bekämpfungen zwischen den beiden Konfessionen stattfanden. Jezt soll jedoch Toleranz vorherschen. Ist nun Siwa ein schrecklicher, so ist Wischnu ein gnadenreicher Gott, der auf die Erde niedersteigt, um die gestörten Geseze und dgl. wieder herzustellen. Neunmal hat er sich dieser lobenswerten Aufgabe bereits vollzogen und die Sage, welche seine Gestalt für diese Gelegenheiten mit dem romantischen Zauber umstricte, karakterisirt wieder den Karakter des indischen Volkes. So tam er als Fisch, Schildkröte, Eber, Mannlöwe, Zwerg und in verschiedenen anderen, warscheinlich historischen Gestalten. Dabei sind die Taten, welche er verübte, oft ganz ungeheuerliche, so nimt er sich um nur eins anzufüren gelegentlich seines achten Besuchs nicht weniger als 60 000 Frauen! Zum neuntenmale soll er als Buddha dagewesen sein, um die Lehren des gleichnamigen Reformators auszurotten und die zehnte Wiederkehr hat sich noch nicht erfüllt. Einzelne Reformatoren traten nun auf, namentlich im 14. und 15. Jarhundert, aber sie vermochten nicht die Ausartungen aufzuhalten. Das starre Regiment der Brahmanen einerseits und der indische Volkskarakter andererseits mußten sie beschleunigen; wie viel der Einfluß der fremden Eroberungen dazu beigetragen, mag dahin gestellt sein. Kurz, man machte dem Volksaberglauben die weitgehendsten Konzessionen; unanständige, ausschweifende Handlungen kommen in der Wirklichkeit und bildlich in den Tempeln und bei den Religionsfesten zur Dar stellung und die Götter vermehren sich derart, daß die Hinduliteratur deren 300 millionen angibt. Dann versuchte man im 15. Jarhundert Wischnu und Siwa mit Brahma unter dem Namen Trimurti zu einer Einheit zu vereinigen. Brahma ist der Schöpfer, Wischnu Erhalter und Siwa Zerstörer. Aber auch diese oberflächliche Manipulation nüzt nichts. Der entartete Brahmanismus wird nun Hinduismus genant, dieser spaltet sich in Konfessionen und diese wieder in Sekten. Jede Unterabteilung hat ihre besonderen Götter und Tempel, wie wir bereits eingangs angefürt. Neuerdings, in diesem Jarhundert, sind jedoch einige Religionslehrer aufgestanden, die radikaler vorgehen sollen. Ob sie Erfolg haben werden, bleibt jedoch abzuwarten. Jedenfalls ist dieser erst dann sicher, wenn man die Kultur überhaupt in Indien ernsthaft fördert, vor allem aber geistige Bildung im Volke verbreitet. Das Christentum, welches von den Europäern immer jo gern als Heilmittel angewant wird, kann es jedenfalls nicht tun oder kann doch erst dann wesentlich helfen, wenn im wirtschaftlichen und politischen Leben die nötigen Grundlagen gegeben sind. Aber auch dann dürfte dem phantasiereichen Indier diese Lehre schwerlich genügen. Und so dürfte es denn am Ende wol kommen, daß man schließlich wieder mit den Grundideen begint, nur daß man diese den Verhältnissen der Jeztzeit gemäß zur Anwendung wird bringen müssen. nrt. *) Wir verweisen hier auf die Abhandlung: ,, Tschunkus, das Reich der Mitte" Nr. 8, S. 95 d. Bl., welche eine Darstellung der Lehre Buddhas enthält. 588 Der Bienenvater.( Seite 581). Wenn das erwachende Leben des Frühlings den eisigen Winter verdrängt und die ersten Blütenknospen auf der Haide sich zeigen, dann macht sich auch der Bienenvater Lüneburgs mit seinen kleinen Pfleglingen auf den Weg, um diesen als Entschädigung für die Winterkost das Suchen besserer Narung auf den ersten Blütenfelchen zu ermöglichen. Satweide und Heidelbeere spenden in reichem Maße das, was die kleinen fleißigen und sparsamen Leckermäuler suchen und später siedelt die kleine, durch unser Bild veranschaulichte Kolonie über nach den Gegenden, wo der Blütenreichtum des Buchweizens prangt. Dabei schafft die kleine Gesellschaft so emsig, daß schon im schönen Monat August ihr wolgekanter treuer Pfleger für seine Mühen reichen Lon findet in dem süßen Honig, den das Bienenvölkchen unterdessen in den Waben aufgespeichert hat. Und wie hoch der Wert des Ertrages ihrer Tätigkeit ist, zeigen am deutlichsten die statistischen Erhebungen, welche 1873 in der Provinz Hannover aufgenommen wurden. Man zälte auf einen Flächenraum von 6983/4 Quadratmeilen 216 759 Stöcke, davon kommen in der lüneburger Haide allein 470-500 auf die Quadratmeile. Der Wert sämtlicher Stöcke wurde auf 4 740 000 Mark abgeschäzt; der Ertrag an Honig und Wachs pro Jar im Durchschnitt auf 3 792 000 Mart. Freilich ist die Bienenzucht dort auch von ganz Preußen die bedeutendste, aber trozdem zeigen uns diese Zalen, welchen Nuzen dieselbe zu bringen vermag. Ist doch der Bienenfleiß sprüchwörtlich geworden. So interessant nun die Bienenzucht von ihrer nüzlichen Seite ist, so interessant ist das Leben der kleinen Tierchen. Man nimt an, daß die Familie der Bienen 2000 Arten zäle. Sie gehören zu den Insekten mit vollkommener Verwandlung, denn ihre Larven haben weder Füße noch Aftern. In ihrer Metamorphose werden sie von den Weibchen in eigens für sie von diesen gebauten Nestern gefüttert. Bei der Honigbiene besorgen jedoch dieses Geschäft die hier vorhandenen Arbeiter. Die sehr mannig fachen Arten haben ebenso mannigfache Gewonheiten des Nesterbauens: in der Erde, im Mauerwerk, im Holze 2c. werden von ihnen ihre Zellen in den verschiedensten Formen mit großer Geschicklichkeit ausgefürt und die verschiedensten Stoffe dazu verwendet. So flebt die sogenante Tapezirerbiene sogar ihre fingerhutänlichen Zellen mit Blättern aus und schließt die Oeffnungen mit einem rundgeschnittenen Blattsegment. Betrachten wir jedoch das Leben und Treiben der Honigbiene, auch Grasbiene genant. Sie zeigt drei Formen: Mänchen, Weibchen und Arbeiter und lebt gesellig beisammen. Ungefär 6-800 Mänchen oder Drohnen, 10-30 000 Arbeiter und ein Weibchen bilden einen Stock oder Schwarm, den man auch einen monarchischen Staat zu nennen beliebt. Nun ist aber der Monarch dieses Staates das einzige Weibchen, das sich in demselben vorfindet und in der Bienensprache Königin, Mutterbiene, Weisel, Weiser, Heidherr genant wird. Diese ihre hervorragende gesellschaftliche Stellung im Bienenstaate hat sie sich denn auch redlich zu verdienen, denn sie ist es, von der die Existenz des Bienengeschlechtes abhängt. Sie wird nur einmal im Leben begattet und zwar hoch in der Luft gelegentlich ihres Hochzeitsfluges", von einer Drohne, welche aber bei dieser Gelegenheit ihren Tod findet. Darauf belegt das Weibchen im Stock zunächst die Arbeiter, dann die Drohnenzellen mit je einem Ei und zulezt die am Rard der Waben befindlichen Weiselwinzen mit Eiern. Die ausschlüpfenden Larven werden von den Arbeitsbienen gefüttert und diese ziehen auch die Insassen der Weiselwinzen durch bessere Narung zu Königinnen heran. Zugleich halten sie aber auch Wache an den Zelten der jungen Weisel und verhindern, daß die alte Königin ihre jungen Rivalinnen umbringt. Sobald aber eine derselben durch einen ihr eigentümlichen Ton zu erkennen gibt, daß sie im Begriff ist, ihren bisherigen Aufenthaltsort zu verlassen, macht sich die Landesmutter des Bienenreichs mit einem Teil seiner Bewoner auf und verläßt den Mutterstaat von den, Bienenvätern" das Vorschwärmen genant- sezt sich mit ihren Begleitern an einen Baumast und dgl. fest, von wo aus man den Schwarm in einen andern Korb bringen kann. Aber auch die junge Königin ziet zu ihrem Hochzeitsflug" aus und kehrt in den Stock zum Zweck des Eierlegens zurück. Berläßt jedoch noch eine junge Königin die Weiselwinzen, so das get auch sie mit einer Schar von Arbeitern aus dem Stock eigentliche Schwärmen und sucht sich eine neue Niederlassung, ihrer jüngeren Schwester das alte Reich überlassend. Und so vollziet sich dieser Brauch von Jar zu Jar. Die Bienenkönigin wird bis zu fünf Jare alt und ist sehr fruchtbar. Sie legt manchmal täglich 3000 Eier, welches Geschäft vom Frühjar bis Oktober dauert, und man nimt an, daß sie wärend ihrer fünf Lebensjare mehr als 1 million Eier legen tann. Dabei hat sie die Gewonheit, die Eier, aus denen die Drohnen hervorgehen sollen, nicht aus ihrer Samentasche zu befruchten; nur die Eier, welche die Arbeitsbiene und Weisel fortpflanzen, genießen diesen Vorzug. Gewissenhafte Forschungen haben ergeben, daß dies in der Willkür des Weibchens liegt, und daß Drohnen auch von einer jung- fräulichen Königin hervorgebracht werden können, oder von einer flügellahmen, die wegen ihres Gebrechens ihren ,, Hochzeitsflug" nicht unternemen kann. Die Arbeitsbienen sind verkümmerte Weibchen und unterscheiden sich unter anderem einmal dadurch von den Drohnen, daß sie fleiner wie diese und ferner im Besiz einer Waffe, des Stachels, sind. Bekant und sprüchwörtlich ist, daß die Drohnen Müssiggänger sind, ein Schlaraffenleben füren und nur bei warmem Wetter ausfliegen. Ihre ganze Tätigkeit bestet in der Begattung der Königin. Sind sie dieser Pflicht nachgekommen, so sind sie überflüssig geworden und werden als unnüze Glieder des Bienen- Gemeinwesens aus dem Stocke gejagt oder einfach umgebracht. Ja, die Biene hält so sehr auf Ordnung und Arbeitsamkeit, daß sie sehr eifrig bestrebt ist, alles Unnüze und Schädliche zu beseitigen oder sich dagegen zu schüzen; sogar verkrüppelte Junge werden aus dem Stock geworfen.- Aus alledem get hervor, daß die manchmal angestellten Vergleiche zwischen den Bienen und den menschlichen Gemeinschaften nicht zutreffen, und unter Umständen sogar die Dinge auf den Kopf stellen. Als Vorbild der schönsten bürgerlichen Tugenden, der Arbeitsund Ordnungsliebe können die kleinen unscheinbaren Insekten gelten, und will man denn wirklich eine Paralelle herausfinden, so dürfte diese lediglich zu Gunsten unseres schönen Geschlechtes ausfallen denn das ,, stärkere" stellt sich eben, wenn es nichts mehr leistet, als seine Vorbilder im Die Honig Bienenstaat, kein besonderes günstiges Zeugnis aus. biene ist über ganz Europa, Afrika und den größten Teil Asiens ver breitet. Sie stamt aus Syrien und wurde bereits 1675 in Nordamerika eingefürt, wo sie im Durchschnitt järlich 40 Meilen vorrückend, weit verbreitet ist, sich sehr stark vermehrt, aber verwildert lebt. Eine Varietät von ihr, die italienische Honigbiene, seit 1843 in Deutschland eingefürt und seit 1853 verbreitet, spielt gegenwärtig in ganz Europa eine bedeutendere Rolle als ihre Stammmutter, da sie fleißiger und minder stechlustig ist. Nur erreichen die Königinnen kein so hohes Alter wie die der ersteren. In Anbetracht der großen Nüzlichkeit der Bienen hat man sich in neuer Zeit vielfach mit der Pflege derselben beschäftigt und auch viele Fortschritte erzielt. Es gibt in Deutschland einen Verein der Bienenwirte, dessen Organ ,, die Eichstädter Bienenzeitung" ist. Außerdem sind arch eine große Anzal von Schriften über die Bienenzucht erschienen. Ob unser Bienenvater" Mitglied des genanten Vereins ist und ob er sich um seine Fachlektüre fleißig kümmert, wissen wir nicht zu sagen, aber aus seinem Eifer ersehen wir, daß er seine kleinen Lieblinge so gut pflegt, als sie es redlich verdienen und das tun tausende von kleinen Landleuten, die nur 5-10 Stöcke befizen, hauptsächlich aus Liebe zu den rastlos tätigen Tierchen. nrt. " Redaktionskorrespondenz. Leipzig. Frau P. 1) Anfang September sollen die, Pensées genanten, Stief= mütterchen mit großer Blüte gepflanzt werden, wärend die Blumenzwiebeln der Krokus, Hyazinthen, Lilien, Narzissen, Tulpen und Schneeglödchen Ende September oder Anfang Oktober zu legen sind. Die zu Zimmerpflanzen bestimten Zwiebeln müssen in mit jandiger Misterde gefüllten Blumentöpfen eingepflanzt und mindestens 6 Zoll unter die Erde gebracht, und diese muß, falls sie troden ist, begossen werden. Von Gemüsen wird im September Wintersalat gepflanzt, sowie Spinat und Radieschen eingepflanzt. Bei trocnem Wetter ist tüchtig zu gießen. 2) Die Symptome der Trichinen erkrankung sind zuerst Brechen und Durchfall, dann Fieber, Schweiß, Salaflosigkeit, Anschwellung des Gesichts und der Glieder. Diese Krankheitsäußerungen verlieren sich später allmälich, lassen aber eine langwierige Schwäche und Steifigkeit der Muskem zurüd, wenn nicht gar der Tod eintritt durch Lähmung der Atemmuskeln oder durch Hinzutritt der Lungenentzündung, oder eine Art von Hungertod durch rämung der Kaus und Schlingmuskeln. Je nachdem mehr oder weniger Trichinen dem Körper durch Genuß trichinösen Fleisches einverleibt worden sind, richtet sich die Schwere der Erkrankung und die Art, wie sie sich äußert, entweder nur wie em heumatismus, oder wie ein leichtes Nervenfieber oder endlich anfänglich ähnlich wie die Cholera und dann in einen nerven fieberähnlichen Zustand übergehend. In den Anfangsstadien der Krankheit soll man durch Abfür und Brechmittel, durch Einnemen von Del oder Salzwasser noch möglichst viel von den kleinen aber gefärlichen Schmarozern unschädlich zu machen suchen. Boizenburg. M. B. Das, was Sie von dem Inhalte des Gedichts sagen, nach dessen Wortlaut Sie forschen, scheint uns noch am ehesten mit folgenden Bersen Ludwig Seegers übereinzustimmen: Mein Lieber, soll dir's gelingen, Was heute nicht vielen gelingt, In Sphären dich auszuschwingen, Wo man Gold und Weihrauch dir bringt. Dann biege deinen Rücken Und huldige jedem Dunst, Schlag' nicht nach allen Mücken Und trachte vor allem nach Gunst. Was die Welt, die böse, auch munkle, Sag' nie, schwarz sei ein Ding: Es spielt nur etwas ins dunkle; So gewinst du hoch und Gering. Und komt dein Verstand in Bedrängnis, Glaub' nur, und begreifst du auch nicht, An die unbefledte Empfängnis Und Eurepas Gleichgewicht. Der Freiheitstraum, der tolle, Sei ferne dir auch im Schlaf, Wer fizen will in der Wolle, Muß werden ein frommes Schaf. Inhalt. Herschen oder dienen? Roman von M. Kautsky( Fortsezung). Das Teater zur Zeit der französischen Revolution, von V. Sincerus( Schluß.) Aus Deutschlands schlimster Blut- und Eisenzeit. Historische Novelle von Carl Cassau( Fortsèzung). Blicke in die Gewerbe- und Kunstausstellung zu Halle a/ S. Tempel des Tschatur Bhodscha( mit Jllustration). Der Bienenvater( mit Illustration). Redaktionskorrespondenz. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Max Vogler in Gohlis- Leipzig( Mödernsche Straße 30d). Drud und Verlag von Franz Goldhausen in Leipzig. Expedition: Färberstr. 12. II. in Leipzig.