Wa-Nunuiltt. Kbinmtmtnts-Kedingungen: «bonnementS- Pret» vrSnumerand«: vierleljährl. Z,Z0 Ml., monail. l.lv Ml., v>öche»lUch 28 Pfg.(Tti WS Hau«. «tnjelne Nummer 6 PIg. Sonnlag». Nummer mtl illuftrirler Tonnlag», Beilage»Die Neue Well" 10 Blg Boft- lllbonnemenl: 3/30 Marl uro Quanal. Eingeiragen In der Post- ZellungS- PretSliN« für 1SSS unter Qr. 7S7ö Unter Kreuzband für Teullchland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland Z Marl oro Monat. Srschrinl ka glich außer wontag». Nevlinev VolKsblstt. 15» Jahrg. Die Insertwns- Gebühr betrSgt für die lechSgelpaltene itolonek» «eile oder deren Raum 10 Pfg., für verein»- und verlammlungS-Anzeigen. lowte ArbetlSmarli 20 Pfg. Jnferale für die nächste Nummer müssen bt» » Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend». an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vorinttlag» geöffnet. Fernsprecher!»ml I, Bt. 1808, Telegramm-Adresse! ..«»lialdrmokral»irltn". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LW. 19. Veuth-Stratze 2. Montag, den Ä. Mai 1898. Expedition: 19, Beutlz-Straße 3. Der Erste Mai ist, wie aus den Telegrammen des In- und Auslandes erhellt, überall glänzend verlaufen und unter einer Betheiligung, wie noch niemals zuvor. Zum theil ist dies unzwcisel- hast dem Doppel-Umstande zuzuschreiben, daß das Fest diesmal auf einen Sonntag fiel, also von den Unternehmern nicht gestört werden konnte, und daß es wunderbar von dem Wetter begünstigt war. Es war echtes Maiwctter— das heifit das Wetter des Mai, der in Wirklichkeit nur ein sehr seltener Gast auf der Erde ist und für gewöhnlich nur in in der Phantasie der Dichter lebt. Nachdem tags zuvor schwere Regengüsse henncdcrgefallcu waren, fing am Morgen des 1. Mai die Sonne an hervor- zubrechen— sie schob den Wolkenschlcier zurück und enthüllte die Natur im herrlichsten Lenzes- und Frühlingsschmuck. Und so begann denn schon um die achte und neunte Stunde überall eine wahre Menschenwallfahrt— eine Wall- fahrt stöhlicher, festlich gekleideter Menschen, die sich nach den Punkten ergossen, die das klassenbewnfite Proletariat sich zum Stelldichein ausgewählt hatte. Von allen Orten her die gleichen Berichte: überall massenhafter Andrang, überall begeisterte Festfreude, überall aber auch das Bewußtsein des Ernstes der Stunde: ruhige Entschlossenheit Und das ist daS dritte und wesen!''chste Moment. welches dem ersten Mai dieses Jahres sein grofi- artiges Gepräge verliehen hat. In den meisten Kulturländern Europa's. und namentlich in Deutschland und Frankreich holt die kapitalistische Reaktion zu einem letzten, entscheidenden Schlag aus. um sich der Sozialdemokratie zu erwehren. Und in Frankreich, Belgien und Deutschland finden unmittelbar nach dem ersten Mai dieses Jahres allgemeine Wahlen statt. in denen die Sozialdemokratie auf Leben und Tod mit den vereinigten Gcldsacksparteicn zu kämpfen hat. Das erhob das Wcltfcst der Arbeit dieses Jahr über die Höhe eines Festes hinaus und machte den ersten Mai 1898 zu einer großen Heerschau vor der Schlacht. Dieser Gedanke beherrschte die Feier und Millionen haben am gestrigen Tage den heiligen Schwur gethan, vor und in der kommenden Wahlschlacht jeden Muskel und jede Sehne an zuspannen, um den Feind niederzuwerfen. Und die Frauen haben zugleich mit den Männern den Schwur geleistet. nach Kräften mitzuhelfen in dem Kampf, der für ihr Geschlecht ja in zwiefachem Sinne der Befreiungskampf ist. Ueberall brach der Gedanke der internationalen Solidarität durch. Und erhöht wurde die Festweihe noch durch die Erinnening an die Revolution des Jahres 1848, deren Jubel- jähr Heuer begangen wird, und deren Todte an die Lebenden die Mahnung richten: zu vollenden, was sie unvollendet gelassen, und der Sache des Proletariats treu zu sein bis z u ni Tode. Millionen haben das gestern geschworen, und das Volk schwört keine Meineide. HochdieinternationaleSozialdemokratie! Die Maifeier in Berlin. Vom Eise befreit find Strom und Bäche Durch deS Frühlings holden, belebenden Blick; Fm Thale grünet Hoffnungsglück! Der alte Winter in seiner Schwäche Zog sich in rauhe Berge zurück Fast über Nacht hatten Busch und Baum ihre grüne Pracht er- schloffen. Die Sonne lachte vom blauen Himmel und es war ein Frühlingsfomitag. wie er uns in unserem nördlichen Klima nicht oft zu theil wird. Dazu eine jubelnde Bollsmenge, daS Herz noch mit stolzen Erinnerungen an glorreiche Siege deS Volkes und wiederum auch mit neuer Siegeszuversicht erfüllt: das war die Signatur des gestrigen Maifestes— doch wohl des schönsten, daS wir in Berlin bisher erlebt haben. Daß die Betheiligung an der Feier diesmal, wo die Wahlen vor der Thür stehen und eine sicgessichere Kampfesstimnmng die Arbeitermassen durchdrungen hat. wo uns der herrlichste Frühlingstag bescheert ward und die Feier noch dazu auf einen SonMag fiel: daß unter so günstigen Vorbedingungen die Betheiligung an der Feier allej früheren Jahre übertreffen mußte, ist leicht er- klärlich. Eine Kraftprobe im Kampf mit dem Unternehmcrthum war das Maifest diesmal nicht, weil die Werkstätten und Geschäfte infolge der Sonntagsruhe ohnedies geschlossen waren und die Räder der Fabriken nicht erst zum Zweck der Maifeier still gestellt zu werden brauchten. Die Bedeutung lag lag diesmal in dem demonstrativen Massenaufgebot der Arbeiter. Und wenn das Lürgerthum Augen und Ohren hat, zu sehen und zu hören, dann wird es �gestern mit Staunen und mit Grauen wahrgenommen haben, bis in wie weite Volksfteise hinein die Ideen der modernen Arbeiterbewegung eingedrungen sind, Schon seit dein ftühen Morgen stand Berlin unter den erkennbaren Zeichen der Maifeier. Es bedurfte keines besonders geschulten Auges, um zwischen den gewönlichen Stratzenpassanten die Mai- demonstranten zu erkennen, die sich einzeln oder in kleinen Trupps zu den vorläufigen Sammelstellen begaben, um sich dann im Zuge oder doch in größeren Gruppen in die für die einzelnen Industrie- zweige veranstalteten Versammlungen zu begeben. lind es waren Massenversammlungen, wie wir sie bisher in Berlin am 1. Mai nicht gehabt haben. Mehrfach wurden die Säle infolge von Ucberfüllung polizeilich geschlossen. Die zu spät ge kommenen mußten, ohne eingelassen zu werden, in andern Versamm lungen unterzukommen suchen, oder sie fanden auch Platz in den die großen Lokale umgebenden Sommergärten, wo man— wie beispielsweise im Garten der Brauerei Friedrichshain— lausende nicht Eingelassene den Schluß der Versammlungen erwarten sah. Ueber die einzelnen überall mittags 12 Uhr abgehaltenen Geweikschaftsversanmiluttgen berichten wir kurz folgendermaßen: In der Brauerei Friedrichshain war der Saal von den Arbeitern der Holzindustrie Kopf an Kopf dicht gedrängt voll und ebenso viele Besucher mußten draußen im Garte» Platz nehmen, da der Saal bald überfüllt war und abgesperrt werden nmßte. DaS Referat hielt Rober tSchmidt. Siehend sangen die Theilnehmer am Schluß die Marseillaise und mit einem begeisternden Hoch trennten sich die zahlreichen Besucher. Die Gruppenversammlung der im Verkehrsgewerbe beschäftigte» Arbeiter, welche i» Feuersteins Fcstsälcn tagte, war von etwa 400 Personen besucht. Das Referat des Parteigenossen M o h§ sirciste auch den Posadowskh'schen Erlaß und klang in der Auf- fordenmg aus. mit ganzer Kraft für die Stärkung der Organisation einzutreten. In der Diskussion ersuchte B r i n s ch. auf die Jnter- essen der organisirlen Händler etwas mehr Rücksicht zu nehmen. Va er hob die Bedeutung des I.Mai für die Bnreauangestellten hervor, die bis jetzt von der Gesetzgebung völlig vergessen worden seien. Nachdem noch ein Parteigenosse die erheiternde Mittheilung gemacht hatte, daß ein paar Spitzel hätten„hinansgegrault" werde» müssen, ivurde die von der Geiverkschastskommission vorgeschlagene Resolntion einstimmig angenommen. In der Anzahl von 550 Personen waren die Lederarbeiter im Lokal Marienbad zusammengekonnnen. D u p o n t hielt in dem gedrängt vollen Saal einen agitatorisch wirksamen Vortrag, worauf die bekannte Resolution einstimmig Annahme fand. Die Buchdrucker, Steindrucker, Lithographen und Schriftgießer, sowie die in Buchdruckereien be- schäftigten Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen waren aus dem Bock versammelt. Etwa 2000 Personen füllten den prachtvoll dekorirten Saal. Die Feier wurde von Mitgliedern der raphischen sGesangvcreine mit dem Bölkerfrciheitslied eingeleitet. ieraus hielt Genosse Dr. L. Arons das Referat über die Be- dcutimg des 1. Mai. Seine fesselnden Ausführungen wurden wieder- holt von stürmischem Beifall unterbrochen und fanden am Schlüsse ungetheilte begeisternde Aufnahme. Eine Diskussion fand nicht statt. Nach Annahme einer vom Bureau vorgeschlagenen und von der Versammlung einstimmig angenommenen Resolution, traten die Sänger nochmals zusammen und sangen das Arbeitcr-Vaterlandslied. Den Schluß der Versammlung bildete ein dreifaches Hoch aus das fernere Wachsen, Blühen und Gedeihen der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen. Die in der Bekleidungsindustrie beschäftigten Personen tagten in überfülller Versammlung in Cohn'S Fcstsälen. DaS Referat des Genossen T ä t e r o w war von begeisternder Wirkung. Nach dem Vortrage wurde die Resolution der Gewerkschaftskommission angenommen. Etwa 200 Stuckateure waren bei BnSke in der Grenadierstraße versammelt. Koblenzer legte die Nothwendigkeit des Achtstundentages und eines genügenden Arbciterschntzcs dar und wies auf die Bedeutung der kommenden Reichstagswahlen hin. Sodann wurde die Resolution der Gewerkschastskommission ein- stimmig angenommen. Die Versammlung der M ö b e l p o l i r e r bei Stecher!, Andreasstr. 21. war von über 600 Personen besucht. Die Feier wurde durch zwei trefflich vorgetragene Lieder der Sänger des Ver- bandes eingeleitet. In etwa einstündiger Rede legte alsdann der Referent, Dr. Zadel, den Versammelten die Bedeutung des Tages dar, und insbesondere die Bedeutung der diesjährigen Feier als Generalprobe für den Aufmarsch ani 16. Juni. Heut wie vor 50 Jahren gelte es die Niederwerfung der immer dreister auf- kretenden Reaktion, den Kampf gegen Absolutismus und Bureau- tratie, gegen Junker und Pfaffen. Nach einem weiteren Gesangs befteicnde Sozialdemokratie. Die Gewerkschaftsversammlung der Zimmerer tagte im Elysium an der Landsberger Allee. Etwa 1000 Personen, darunter viele Frauen, waren anwesend. Nachdem Genosse Keßler in anderthalbstllndigcr Rede über die Bedeutung des l. Mai gesprochen und auf den nothwendigen Ausbau der Arbeiterschutz- Gesetze>vie auf die Anschläge der reaktionären Parteien hingewiesen hatte, beschloß die Versammlung, im nächsten Jahre den 1. Mai durch völlige Arbeitsruhe zu seiern. Ebenfalls fand die Resolution der Gewerk- 'chafts-Kommission einstimmige Annahme. Die Versammlung der S ch m i e d e im Englischen Garten war stark besucht: es mochten wohl 400 Personen zugegen gewesen sein. Millarg hielt einen der Bedeutung des Tages würdigen Vortrag. Besonders interessant war das iLild der Versammlung noch dadurch, daß eine stattliche Anzahl Studenten alsZuhörer zugegen waren. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung der Schuhmacher, welche im Lokal Köuigsbank. Große Frankfurterstraße, tagte, war sehr gut besucht. Das Referat hatte Schuhmacher Menzel übernommen, der in treffender Weise die Bedeutuno der Maifeier für das klassenbewußte Proletariat darlegte. Die Resolution fand einstimmige Annahme. In der von 300 Personen besuchten Versammlung der B ö t t ch e r referirte Kiesel. Die Resolution fandeinstimmig Annahme. Außer- ordentlich groß war der Werth der Versammlung für die Agitation, denn es traten sofort 30 Kollegen dem Zentralverein bei. Vor den Bildhauern, welche in der Anzahl von 250 Personen im Englischen Garten versammelt waren, referirte Gen. Dr. Friede- bcrg. Der Redner wies auf die Bedeutung der internationalen Maifeier hin, die zugleich ein prinzipieller Ausdruck der Forderung des klassenbewußten Proletariats sei, bei der Festlegung des Arbeits- Vertrages als selbständiger, gleichbcrcchttgter Faktor mitzuwirken. Gerade um diesen Punkt hätten sich die großen wirthschastlichen Kämpfe der jüngsten Zeit gedreht, die auch noch durch die immer stärker hervor- tretenden� Koalitionsbestrebuligen des Unternehmerthums ein be- sonderes Gepräge bekommen hätten. Dies müsse aber ganz be- sonders das Proletariat zur Organisation anspornen. Redner weist noch daraus hin, von ivic ungeheurer Wichtigkeit es sei, das im wirthschastlichen Kampfe Erru-igcne gesetzlich festzulegen und wie das Proletariat alle Kräfte zusammenraffen müsse, um durch ge- waltige Kraftentwickelung bei den unmittelbar bevorstehenden Wahlen die drohende Verkünunerung der wichtigsten Vollsrechte abzuwehren. — Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat erfolgte einstimmig die Annahme der von der Gewcrkschaftskonlmission vor- geschlagenen Resolution. Die Maler hatten sich im Louisenstädttschen Klubhaus ver- sammelt. Nach einem Vortrage von M. Mark nahmen die 300 An- wescnden die Resolution einstimmig an. Die Versammlung ging unter Gesang auseinander. Die Buchbinder-Versamnilung tagte unter der außer- ordentlich starken Betheiligung von 600 Personen in den Arminsälen. Nachdem T i l g n e r die Bedeutung des Tages in zündender Rede gewürdigt hatte, fand die Versammlung durch den Gesangsvortrag des Buchbinder-Männerchors einen erhebenden Abschluß. Die Re- solution wurde einstimmig angenommen. Die Maschinisten und Heizer waren 900 Mann stark in Eohws Festsälen versammelt. Der von Millarg gehaltene Vor- trag war von bedeutender agitatorischer Wirkung. Die vorgeschlagene Resolution sand ohne Widerspruch Annahme. Die Volksfeste des Nachmittags. Wie alljährlich, so waren auch diesmal von den Genoffen der einzelnen Wahlkreise in Berlin ebenso wie in der Umgegend große Sommerfeste arrangirt worden. Und, wie schon oben berichtet, zeigte sich bei diesen Festen so recht, wie tief verwachsen die Mai- feier bereits mit den weitesten Volkskreisen ist. Wer gestern in den ftühen Nachmittagstunden die Hauptverkehrs- straßen, die nach der Peripherie der Stadt hinausführen, entlang ging, der konnte, besonders wenn er in die eigentlichen Arbeiter- viertel gekommen war. aus den Querstraßen mit ihren end- losen Reihen von Miethskasernen die Menschenmasten förmlich her- vorquellen sehen. Ja. in de» Straßen, die nach dem Gesundbrunnen, nach dem Friedrichshain, nach der Hasenhaide, nach dem Kreuzberg hin- aus führen, bildeten sich stellenweis wahre Völkerwanderungen. Es war wie bei Frnists Osterspaziergang: Aus niedriger Häuser dumpfen Gemachem, Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, Aus dem Druck von Giebeln und Dächem, Aus der Straßen quetschender Enge. Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht Sind sie alle ans Licht gebracht. Ja wahrhaftig, wir glauben, auch„aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht"! In den großen Sommergärten, wo sich die maifeiemden, jubelnden Volksmassen zusammendrängten, sahen wir neben den kernigen Gestalten unserer sozialdemokratischen Arbeiter, neben den Berliner Arbeiterfrauen, die sich längst in die Ideen der Arbeiter- bewegung hinein gelebt haben, so manches alte Familienmütterchen, das vielleicht an anderen Sonntagen noch mit dem Gesangbuch unter dem Ami in die Kirche humpelt,— so manches schmucke, blondbezopfte Mägdlein. das wohl noch zu Ostern durch die Konfirmation ihren Bund mit der Christenheit bestätigt hat. Gerade daran aber, daß so alle buntgemischten Schichten der Volksinassen auf unserm Maifest vertreten sind und daß sich mit jedem neuen Jahre das Treiben bei der Maifeier volksthllmlicher gestaltet, daran sieht man, welchen Einfluß die sozialdemokratische Bewegung gewonnen hat und wie unsere Partei ihre Fäden immer tiefer auch in solche Fa- Milien hineinspinnt, die der modernen Arbeiterbewegung bisher viel- leicht sehr fem gestanden haben. An dem Heranholen solcher breitesten Volksschichten zeigt sich der propagandistische Werth unseres Maifcstes. Daß im übrigen alles in Ruhe und Frieden verlief, versteht sich bei unseren Festen von selbst. Trotzdem überall ohne Ausnahme Gedränge und fast Ueberfllllung herrschte, fügten sich doch die Massen willig den Anordnungen der von den Festkomitees aufgestellten Ordner. Ein besonderes Hervorfteten der Polizei haben wir nicht bemerkt, wie auch bei den Vormittags- Versammlungen die Polizei nicht stärker vertreten war, als es bei gewöhnlichen Ver- sammlnngen der Fall zu sein pflegt. Wir glauben, mit dieser Zurückhaltung unnöthigen Polizei-Aufgebots können alle Theile wohl zuftieden sein. Auch daran zeigte sich so recht die mächtige Ausdehnung unserer Bewegung in Berlin, daß gestern fast in allen in der. Stadt oder vor den Thoren gelegenen Sommerlokalen„Maifeier" war. Die Bockbrauerei, die Neue Welt, die Brauerei Friedrichshain, Keller's Festsälc, Sanssouci, die Arminhallen, der Prater, die großen Brauereigärten Moabits, die Gärten vor dem Oranienburger Thor, meherre Lokale des Gesundbrunnens, die größten Etablissements der Vororte.— allts war. um nur einige heraus- zuHeben, für die Maifeier mit Beschlag belegt worden. Und eS dürfte gestern einem ordnungsliebende» Spießbürger, der sich in seinem ehrbaren Privatleben so fern wie möglich von der„rothen Rotte" zu halten pflegt, recht schwer geworden sein, diese Berühmng zu vermeiden,— wenn er etwa an dem schönen Sonntag das Be- dürfnih hatte, mit seiner besseren Hälfte den Sonnenschein und die milde Mnienlnft im Freien zu genießen. lieber die einzelnen Festveranstaltnngen liegen uns die nach- stehenden kurzen Berichte vor: Die Parteigenossen des 1. Wahlkreises hatten smnmtliche Räume der„A rminh allen" belegt. Der geschmackvoll dekorirte Garten war schon am frühen Nachmittage gefüllt. Während hier eine Konzertkapelle ihre Weisen spielte, war für die Jugend im oberen Saale schonGclegenheit geboten, daSTanzbcin zu schwingen. In, Saale wurde den gesanglichen Vorträgen der„Thpographia" reicher Beifall der Zuhörer zu theil; großen Beifall fanden auch einige schwungvoll vorgetragene Deklamationen des Genossen Türk. Den Höhepunkt der Feier bildete die vom Genossen August Bebel gehaltene Festrede, der die dichtgedrängte Menge mit großem Interesse folgte und die einen wahren Beifallssturm hervorrief. Erst in später Nachtstunde trennten sich die Parteigenossen mit dem Vorsatz, in den kommenden Wahlkampf mit gleicher Begeisterung einzutreten. Die Bockbraucrei war von den Genossen des 2. Wahl- kreise s bis auf den letzten Platz gefüllt worden. Bereits am frühen Nachmittag strömten sie in endloser Folge in die riesigen Räumlichkeiten. Bald mußten Bierfässer als Tische und Stühle bc- nutzt werden und doch drängten sich noch Ungezählte in den aufs engste beschränkten Gängen. Kopf an Kopf gedrängt lauschte die Menge den Gesängen mehrerer Vereine vom Arbeiter-Sängerbund, die, ebenso wie das Orchester ihr bestes, ja, an einzelnen Stellen sogar vorzüg- liches gaben. Der Turnverein„Fichte" erntete reichen Beifall mit seinen Ausführungen. Die Glanzpunkte des Festes aber waren die lebenden Bilder. Das erste stellte die Freiheit dar, das zweite war nach dem Titelbild der Berliner Maifest-Zcitung gestellt. Namentlich waren die Kindergruppeu sehr schön angeordnet. Als nach 3 Uhr die Festrede gehalten werden sollte, stürzte alles»ach dem großen, mit rothen Bannern und Dekorationen geschnnicktcu Saal. Doch nur cinZchntcldcr Anwesenden konnte der große Raum aufnehmen, trotzdem sie sich eng zusannuenpreßten. Genosie R. Fischer ermahnte, daß die Arbeiter nie vergessen sollten, welch' prächtiges Werbemittel das Maifcst sei. Und als er ausführte, daß wir die in der heutigen Gesellschaft rechtlose Frau zu unserer Mitkämpferin machen müßten. denn die Frau sei die Erzieherin der Jugend, unserer Zukunft, jubelte es ihm brausend entgegen. Noch lange blieben die Genossen bei fröhlicher Unterhaltung und Tanz bis tief i» die klare Nacht bei- fammen, die ein würdiger Nachkonune des herrlichen Maicuiagcs war. Der dritte Wahlkreis hatte seine Maifeier in der Neuen Welt. Der Andrang war so groß, daß die vorhandciie» Billets — 15 000— nicht ausreichten. Annähernd 18 000 Personen passirtc» sin Laufe des Rachinittagcs die Kassen. Der festlich geschmückte Riesrngarteir>var überfüllt; ununterbrochen strömten die Masfcn auf und ab, die keinen Sitzplatz fanden. Für Unterhaltung sorgten Zivil- mnstkrr, Turner- und Arbeiter- Gesangvereine. Genosse Wolfgang Seine hielt sin großen Saal vor dichtgedrängter Znhörerschaar die Festrede: kurz, aber inhaltsreich und angepaßt der Zeit des KnmpfcS. Stürmischer Beifall der Veisammctfcu bewies ihre Ueberein- stimnunig mit dein Aufrufe zu energischer Thätigkcit im Sinne des Sozialismus. Die Parteigenossen des v i e r t c n K r e i s e S Süd-Ost hatten drei Lokale belegt. In Sanssouci hatten sich etwa 1200 Personen eingefunden, die sich an den hier gebotene» Schaustellungen, den Darbietungen niehrem Proletarier- Gesangvereine und der von einem guten Orchester ausgeführten Musik erfreuten. Die Festrede hielt Genosse Dr. Bernstein. In das zum Schlüsse ausgebrachte Hoch auf die die Völker einigende und besteiende Eozialdeiuo- krntie stimmten die Anwesende« begeistert ein. worauf die Marseillaise stieg.— Der Poiizcizeusor hatte geglaubt, zeige» zu müssen, daß die Herbeiführung des Völkern, ai noch der lufttgstrn Kämpfe bedürfe, und hatte den Vortrag des schon hundertmal unbeanstandet gesungenen„Der kvtenschhett Envachen", verboten. In» Lokal der„Urania", Wrangelstraße. ivar der Bc- such, wohl des schöne» WctterS wegen, nur ein mittelmäßiger. Das Programm war gleich den in anderen Lokalen. Daö Konzert der Z i v il- Bc rn fsnmsi kcr, die Gcsnngsvorträge von Mitgliedern des Arbeiter- Sängerbundes, die turnerischen Ausführungen sowie ein „Ulk-Trio" sorgten für eine ansgicvige Uuterhaltnng. Die Festrede. die lebhaften Beifall fand, hielt hier Genosse W a l d e ck M a» a s s e. In I ac o b'F Parkrestaurant in Treptow konnten sich zahlreiche Genossen mit ihren Familien im Freien der Maifcst-Frendc hingeben. Schon um 4 Uhr, die Zeit, als der Beginn des Festes angesagt wurde, Ivar kein Stuhl in den geräumigen Lokalitäten ans- zutreiben und doch strömte es»och stundenlang zu dem Fcstplatz' Die Stimmung der Genossen ivar eine gehobene und für die kouuuenden Wahlen siegcszuvcrsichtlich. Für den vierten Kreiö(Osten) fand die Feier in der Brauerei Friedrichshain und in Kcller'S Festsälen statt. In dfer Brauerei Friedrichshain gestaltete sich die Feier, begnasttgt durch daS herrliche Wetter, zu einen, Volksfeste i», wahren Sinne deS Wortes. Bereits um vier Uhr nachmittags war der Riesengarten völlig besetzt und immer neue Schaaren strömten zu, so daß die Zahl der Fcsttheilnehmer, die sich in diese», Eta- blissement eingefunden hatten, auf»lindestcns 10 000 Personen geschätzt werden kann. Das stark besetzte Orchester unter der Leitung des Musikdirektors Graß, bot sein bestes. Den Gesangs- aufführungen von Mitgliedern des Arbeiter-Sängcrbmidcs wurde berechtigte Anerkennung und auch den Vorträgen der Gesellschaft Strzelewicz Beifall gezollt. In oem geräumigen Saal, der aller- dings nur einen Theil der Festbesucher zu fassen vermochte, hielt nach g Uhr der RcichStagS-Abgeordnete Geyer eine vorttessliche Festrede, die in einen» Hoch auf daS Bündniß der Arbeiter aller Länder nusklang, in das tausende von Frauen und Männern begeistert ein- stimmten. Bei Keller, Koppenstraße, war der große, mit rothen Fahnen dekorirte Saal dicht besetzt. Ein reichhaltiges Programm wurde auch hier den Festtheilnehmern geboten. Außer den Konzertstücken wurde insbesondere den einzelnen Gcsangspiecen allgemeine Anerkenming zu theil. Im weiteren waren es eine Abtheilung des Turnvereins„Fichte", die durch ihre exakten Leistungen, und der Theaterverein„Proletariat", die erheblich zur Unterhaltung bettrugen. Den Höhepunkt der Feier bildete auch hier die Festrede des Genossen Geyer, der die Bc« deutung des 1. Mai für das Proletariat aller Länder in kernigen Motten erläutettc und(mit dem Hinweis auf die bevorstehenden RcichstagSwahlen eiiidringlich zur regen Bethätigung aller Genossen aufforderte. Beendet wurde der offizielle The,l des Programms mit dem alten feurigen Kampflied, der Marseillaise, worauf der Tanz in seine Rechte trat. Die Maifeier des fünften Wahlkreises erfreute sich eines über alles Erwatten starken Besuches. Weit über 3000 Personen füllten Garten und Säle der„Brauerei Königstadt", die dargebotenen Genüsse: als Konzert der Zivilmusiker. Vorträge der Sänger, turnerische Anfführnngen und lebende Bilder, wechselten in schneller Folge ab. Die Festrede des ReichstagS-Abgeordnetcn Schmidt wurde mit brausendem Jubel aufgenommen der Saal mußte wäbrend derselben von Tischen und Stühlen geräumt werden. Zum Schluß erklang die mit Begeisterung aufgenommene Arbeiter-Marseillaisc. Der Verlauf der Feier verheißt ein gutes Gelingen der künftigen Wahl- schlncht. In, s e ch st e n Wahlkreise waren, entsprechend der Größe des Kreises, zwölf Lokale gcmiethet. Für die Genossen derSchönhauserVorstadt waren vier Festlokale bestimmt, die zusammen von etwa 13 000 Personen besucht waren. In Wer» au's Saal in der Schwedterstratze hielt Genosse Graßhold die Festrede, im Berliner Prater. wo ein so starker Besuch stattfand, daß wohl kein Platz leer geblieben war, sprach Stadtverordneter Borgmann, im Jägerhaus, Schönhauser-Allee refetttte Augustln und in dem nebenan ge- legenen Schönhauser Vo lksgarten wurde die Festrede vom Ge- Nossen Liebknecht vor einer ungemein zahlreichen Zuhörerschaft gehalten. In allen vier Lokalen kam ein reichhaltiges Programm von Musik- und Gesangaufführungen zu», Vortrag, außerdem wurden den Festtheilnehmern lebende Bilder und Vorführungen eines Turn- Vereins geboten. Die Jugend machte von der Gelegenheit zum Tanz Gebrauch, auch für d,e Unterhaltung der Kinder war gesorgt. Die Feier verlief ivürdig und ohne Störung. Der schöne laue Frühliugsabcnd hielt die Genossen bis zu später Stunde beisammen. Für den Gesundbrunnen waren die Lokale„Matten- bad",„Viktorin-Garten" und„Deutsches Klubhans" als Sammcl- punkte für die Festtheilnchmer gewählt worden, in deren Gärten und Sälen, die geschmackvoll mit rothen Fahnen und Bannern mit sinnreichen, freiheitlichen Inschriften dekorirt waren, sich bereits in den frühesten Nachmittagsstiinden ein äußerst reges Treiben bemerk- bar machte. Auch bicr waren die Büsten der Vorkämpfer des Sozia- liSmns entsprechen) plazirt ivordcn und gut besetzte Orchester sorgte» für die nmsikalische llnterhaltniig der schließlich nach Tausenden zahlenden Menge, die bald sämmtliche Lokale bis auf de« letzten Platz füllte. Die von Genossinnen und Genossen gestellten lebenden Bilder, die Bedeutung des 1. Mai de» monstrireno, wurden überall mit stürmischem Applaus begrüßt. In„M a r i e n b a d", dem größten Lotnle, tvarei, cS die Ge- sangvereine„Eichenkranz",„Glück zu" und„Zündholz", die das Fest durch Absingen voi, FreiheitSlicdern verschönern halfen. Tic Festrede hielt Genosse Brinck manu, dessen Aussührungeii mit reichen, Beifall aufgenom»,en wurden. I», Viktoria-Gartcn refetttte Genosse Kiesel über die Bedeutung dcS Tages; für gesangliche Unterhaltung sorgte der Verein „Nord"."Ii, Z imm e rn, a n>,' s Klubhaus hatte Gen. Leibi das Referat übernommen, dessen Ausführungen gleich denen dcS GesanaucrcinS„Rothe Nelke" sich des Beifalls der Versammelte» zu erfreuen hatten. Daß daS Gros der Bevölcruug dcS Gesundbrunnens gestern seinen Feiertag halte, dafür legte daS Gelvoge der Massen, die von einem Lokale zun» andern sich drängten, sehr beredtes Zcngntß ab. DaS Weddingviertel hatte seine Maifeier In drei Lokalen veranstaltet. Der lounderbare Frühlingstag, der auf die Fcstfteude des Proletariats mit seinem blauen, ungetrübten Himmel lächelnd hinuntersah, schien diesmal alles auf die Beine gebracht zu haben, so daß mm, an allen drei Orten sagen durfte, daß„kein Apfel mehr zur Erde fallei," konnte. In der Norddeutschen Brauerei mochten etiva 2000 Personen versammelt sein. Genosse Dr. Frendenberg� hielt die äußerst beifällig anfgciionlmcnc Festrede. Besonders verschönt wurde noch das geschmackvoll ausgewählte Konzertprogramm durch die Vorträge der Gesangvereine„Weddinger Harmonie",„Nordwacht" und„Sleimielke". Seinen Höhepunkt aber erlangte der Abend durch die Marmorgnippe», welche von den Milglicdcm des Turn- Vereins„Fichte" dargestellt wurden. C'.tch in, Wcddingpärk nah», der Festtag einen ungetrübte» nnd heiteren Verlauf. Hier mochte» etiva 000 Personen aiitvesend gctvesen sein. Auch hier sorgten, die Gesangvereine„Oranienburger Vorstadt".„Alpenröslcin". und„Sanaeslnst" für cme reichhaltige Abwechselung in dem an und für sich schon so werthvollen Konzert- Programm, welches„och durch Gedichtsvorttäge des Gen. W. Kiesel besonders verschönt wurde. Die Festrede wurde in kurzen und treffenden Worten vom Genossen Dr. Be n t I e r gehalten.— Die größte Mcnschenzahl, wohl an 7— 8000 Personen, hatte das Feldschlößchen in der Mnllcrstraße anszmvrisen. Der Gesangverein„Maiglöckchen 11" hatte durch Vortrag angemessener Lieder die würdevolle Ans- fchmückung deS Programms übernommen. Der Festrede des Genossen Dr. W e y I folgte mm« mit Aufmerksamkeit und enthnsiastikchen Kundgebungen. Für die Festtheilnchmer ist dieser Tag— wie man„ach der„llgemeinen Stimm, mg wohl annehmen darf— ein Tag geworden, der Znsaminengehörigkcit»nd Klassen- bewußt sein der Arbeite« vo» neuem gestärkl und gescsiigt hat, auch im Hinblick ans die kommenden Wahlen.— Die Moabiter Genosse» beginge» die Maifeier in zwei Lokalen:„Ahrcnd's Drancrci" nnd„Kroncnbraucrei". Die Zahl der Thcilnchmer betrug ivohl an 4— 5000, welche die sämmtliche» Nänm- lichkcitcn der beiden Lokale schon vom frühen Nachmittag ab besetzt hielten. Nichts störte die herrliche Feier, nicht einmal die Thatsachc. daß die Polizei den Vortrag des Liedes„Der Menschheit Erwachen" verboten hatte. Ebensowenig vermochte es die Festesfreude zu stören, daß, ebenfalls auf polizeiliche Verfügimg. in dem zur Anssührung gelangten Theaterstück die beiden Polizeibcantten nicht in der ilniforn, der königlichen Polizei auftreten durften. Im übrigen leisteten die Gesmigvemne:„Moabitcr SangeSbrüdcr",„Unverzagt" und„Liedcrlust II.", sowie der Turnverein Fichte ihr bestes, nn, die Feier zu einer würdigen zu gestalten. Die Festrede in beiden Lokalen hielt Genosse Vogtherr. Auch hierbei ging es Nicht ohne polizeiliche Beschränkungen ab, indem angeordnet war, daß die Fest- rede, ebenso die Aufführung der Theaterstücke, nur in den rcsp. Sälen stattfinden dürfen. Auch das dürfte die Wirkung nicht ab- geschwächt habe». Slus den Vororte». In der Schöneberg er Hauptstraße, dem Boulevard der millionenschweren Landausschlachter, zog schon seit Mittag ein cnd- loser Strom von Genossen mit ihren Angehörigen nach dein schattigen Garten der Schloßbraucrei, in dem die Arbeiter von Schöneberg ihr Maifest feiette». Der anbcrordentlich starke Besuch zeigte, daß auch im geldschwcren aristokratischcnWesten imsereIdeen vorwärts drängen, auch hier treten die Arbeiter mit dem ruhigen Selbstbewußtsein auf, das nur ihnen eigen ist. Auch hier wurden Gesangs» und Musikvortrüge geboten, die sehr gut ausfielen. Die Rede mußte in dem sehr kleinen, aber außer- ordentlich mit LassallebUdorn und rothen Emblemen geschmückten Saale gehalten werden, sodaß auch hier nur der allergeringste Theil der Fcstgcnossen die anfeuernden Wotte von A. Borchard, der über die Bedeutung des Wcltfcicrtagcs sprach, hören konnten. Tanz und Musik hielt noch viele Genossen in kameradschaftlicher Weise bei- samnien. Die Patteigenossen Charlottenburgs leiteten ihre Mai- feier durch zwei Versa,»», langen ein. In der„GambrinuS- Brauerei" sprach F l e n, m i n g, in. Lokal„Bismarckshvhe" Richard C a l w e r vor 800 Personen. In beiden Versammlungen wurde die von der Berliner GewerkschaftS-Kon, Mission vorgeschlagene Resolution angenommen.— DcS Nachmittags fanden die Festlichkeiten zur Mai- feier ebenfalls in beiden genannten Lokalen statt, jedoch war in der„Gambttnus-Brauere," der Besuch ein gettnger. da die Direttion den Gatten nicht hergettchtet hatte, unseren Genossen daher mit der Saal zur Verfügung stand. Dagegen waren auf„Bismarck- höhe" 1200 Personen anwesend. Die Feier nahm einen harmonischen Verlauf. In Wilmersdorf hatte der Zudrang zur Maifeier, welche in Klingenberg's Volksgarten stattfand, im Laufe der Nachmittags- stunden, m geheure Dimensionen angenommen; es hatten sich gegen 1500 Personen zusammengefunden. Reichstags-Abgeordneter Wilhelm Liebknecht hielt die Festrede, welche kurz und zündend auf die Bedeutung des ersten Mai, als Weltfeiertaaes und als Sammlungstages für die bevotttchcndcn Reichstagswahlen hinwies. Die allgemeine Stimmung war eine äußerst gehobene. wozu die Mitwirkung des Gesangvereins„Vereinigte Sänger Wilmersdorfs" ihr wesentliches beitrug. Auch lebende Bilder, mit syncholischer Bezugnahme auf die Bedeutung des Tages, fanden eine äußerst günstige Aufnahme bei dem dankbaren Publikum. Erst in später Abendstunde trat man den allgemeinen Heimweg an, erfüllt von der freudigen Genugthuung, selten einen so schönen Tag erlebt zu haben. Die Feier in Groß-Lichterfelde verlief in schönster Weise. Die Versanimliing, welche mittags 2 Uhr abgehalten wurde und in der Genosse Kunert referirte, war sehr stark besucht. Während des Nachmittages blieben Saal und Garten von Festtheilnehmern dicht gefüllt. Die öffentliche Gewerkschaftsversammlung in Steglitz, welche im«Schwarzen Adler" tagte, war von 150 Personen besucht. Referent war Genosse Lankow-Berlin. Auch hier wurde die Resolutioi, eiilmüthig angenommen. Das gemüthliche Beisammensein am Nachmittage bildete einen schönen Beschluß der Maiseier. Die Maifeier für M a r i e n f e I d e. M a r i e n d o r f und Tempelhof war von ungefähr 200 Personen besucht. Eine amerikanische Auktion brachte für den Wahlfonds 9,81 M. ein. Die Parteigenossen von Treptow hatten sich mittags V/2 Uhr zu einer Festversammlnng vereinigt. Die Feier wurde durch Gesang eingeleitet. Sodann referirte Genosse Görcke über die Bedeutung des 1. Mai als Festtag für das Volk. Nachdem die Berliner Rc- solntion angenommen war, ging die von 200 Personen besuchte Ver- sctmmluiig unter Absingen eines Arbeiterliedes auseinander. Die Parteigenoffen und Genossinnen von Rixdorf hatten sich in unübersehbarer Menge in dem weiten und schönen Gatten der „VereinSbrancrei" zum Maifest zusammengefunden. Die Betheiligung wird auf 10 000 Personen geschätzt. Arbciter-Turn- und Gesang- vereine, sowie auch radelnde Arbeiter trugen zur Verschönerung des Festes bei. Die Turner, Herren und Damen, machten sich besonders bei der Jugend beliebt, welche zur Ausführung von Jugend- spielen bcrniilaßt wurde. Von einer Festrede hatte man Abstand ge- nommen. Die Feier nahm einen würdigen Verlauf. In Britz vollbrachte die liebe Polizei gleich zu Beginn der von 300 Personen besuchten Versammlung eine agitatorisch recht wirk- same That. Der Arbeiter-Gesangverein wollte zur Einleitung ein Lied singen, welches jedoch als nicht angemeldet verboten wurde. Es soll Beschwerde eingelegt werden. Der Vortrag des Partei- genossen D u p o n t wirlte begeisternd. Für die Wahl unseres bis- her! gen Rcichstags-Abgeordneten Genossen Znbeil herrscht am Orte eine vorzügliche Stimmung. In Stralau-Rummels bürg hatten sich nachmittags Uhr etwa 350 Mann versammelt, tvclche dem der Bedeutung des Tages entsprechenden Referat des Genossen Kotzte vegeistertcn Beifall spendeten. Sodann wurde die vctannte Resolution cm- stimmig angenommen. Hierauf fand ein Konzert mit Tanz und Gesangsvortrnaen statt, welches unter auperordentlich zahlreicher De- thcilignng in ichonstcr Harmonie verlief. In A d l e r S h o f war eine Versammlung anberaumt, in welcher Genosie L an ta u- Berlin in begeisternder Weise über die Bedeutung deö Mnifcstcs sprach. Mit einem Hoch auf den Achtstundentag schloß der Borsitzendc die Versammlung. In Köpenick wurde die Maifeier am Morgen durch einen Spaziergang nach Pfcrdebucht begangen, an welchen, 1500 Personen thelsiiühme». Nachmittags wurde im Gatten des Slndttheaters sowie im Wilhclmsaartcn Konzett abgehalten. Die Zahl der Fest- genossen wird ans 4000 geschätzt. Im Hirschgarten bei Köpenick feietten ungefähr 60 An- archisten der Richtung„Neues Lebet," die Maifeier. FriedrichShagen. An der Frühpattie betheiligten sich ungefähr 300 Personen. Bei der Nachmittags- Festlichkeit waren ca. 900 Personen anwesend. Die Festrede hielt Genosse Sonnen- b u r g. Der Verlnuf des Feste« ging ohne Störung von statten. Zur Verschönerung der Feier trug namentlich der Gesangvereu, „Maien grüß" bei. In F r i e d r i ch s f e l d e waren am Sonntag 700 Pattei- genossen und Genossinnen bei Bube, Prinzen-Allee 30, zugegen, um die Maifeier durch Konzert, Votträge und Tanz zu begehen. Vor der Feier fand eine Versammlung statt, in lvelcher Geuosse Wohler auf die Bedeutung des Tages hinwies. Eine rettende That. tvclche die Stimmung der Anwesenden außerordentlich hob. vollbrachte der Amtsvorsteher des Ortes dadurch, daß er sowohl aus dem Saal wie au« den, Garten sämmtliche rothen Fahnen entfernen lieh. Daß unsere Gegner immer noch nicht«wseheu, wie sehr der- artige Maßnahmen geeignet sind, uns in der Bevölkerung Sympathien zu verschaffen! In FriedrichSberg drängten sich 500-500 Persouen zu der Versammlung, die in imposanter Weise verlief. In W e i ß e n s e e bethciliaten sich etwa 3000 Personen f das Lokal war überfüllt, so daß mele keinen Einlaß erhalten konnten. Die Festrede hielt Genosse Arthur Stadtbagen. der in eindrucksvoller Weise die Bede.'Mg des 1. Mai für daS kämpfende Proletariat hervorhob. Die Po.izei machte Schwierigkeiten tvcgcn der Dekoration des Gartens mit rothen Fahnen. Auch die Vor- mitlagsverjammlnng war überfüllt. Die Versamlung in Reinickendorf war von zirka 500 Per- sonen besucht. Der Vottrag des Genossen getdler wurde mit Begeisterung aufgenommen. Das Fest am Nachmittage verlief in harmonischster Weise. Da die Tegeler Genossen ein Lokal zur Abhaltung der Mai- feier nicht erhalten konnten, hielten sie dieselbe in Hakenselde ab; es betheiligten sich etwa 150 Personen. In N o w a w e s hielt Genosse S i l l i e r die Festrede im über- füllten Saal. Die Spandauer Pnttelgenossen hielten am Vormittag ein« Versammlung in P i ch e l s d o r f ab, die von etwa 300 Personen besucht war. Der sich hieran schlichende festliche Theil verlief bei einer Theilneh,„erzähl von etwa 2000 Personen ut der harmonischsten Weise. In O r a n i e njb u r g sprach nachmittags der Genosse Rein- Weißensee vor gutbcsnchter Versammlung. Die Feier nahm einen glänzenden Verlauf. Provinz Brandenburg. In Velten hatten sich an 700 Personen in dem Gattenlokal cingefnndcn, vor denen Bruno Pörsch die Festrede hielt. In W r i e z e n verlief die Feier äußerst befriedigend. Die Nachmittags- Versammlung in L a n d s b e r g a. W., in der P ä tz e l- Berlin sprach, inußte wohl die Bcsorgmß des Herrn Polizei- Inspektors ans die Spitze gctttcben haben, denn ans der Versammlung mußten die Franc» entfernt werden. Sämmtliche Gendarmen der Ilmgegend sowie die gcsammte Polizeimannschaft von LandZberg mit dem Polizei-Jnspcktor an der Spitze waren ans den Beinen, wahrscheinlich um den dräuenden Schlag gegen die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung abzuwehren. Und gewiß hat das Polizei- anfgcbot erleichtert aufgcathmet, als von dem geplanten Ausflug Abstand genommen wurde und die Genossen im Gatten dcS Parteilokals bei Gesang und Spiel znsaniinenblieben. Die Partei- genossen in Oderberg hielten eine Versammlung unter freiem Himmel ab. die gut besucht war und in der Genosse Thierbach, der Kandidat des Kreises, unter lebhaftem Beifall sprach. Eines starken Zuspruchs erfreute sich die Maifeier in Eberswalde. Bruns hielt die Festrede. In Spremberg und K o t t b u s hielt Genosse A» t r i k die Festrede und schätzt man in Kottbus die Bethciligung auf etwa 2000 Personen. Das industriereiche Forst hatte eine imposante Feier zu verzeichne!,. Ueberaus zahlreich war die Betheiligung an der Versammlung, in der der RcichStagS-Abgeordnete Klees über die Bedeutung des 1. Mai sprach. Die Gubener Parteifreunde begingen die Feier bereits am Soiinnbend Abend. Unter genügendem polizeilichen Schutz— wie aus Friedeberg berichtet wird— unternahmen hier die Arbeiter einen Ausflna nach einem nahegelegenen Ver- gnüaungSort. Eine günstige Stimmung zur Wahl bekundete die Versammliing in N e n- R u p p i n, in der Genosse A p e l t referirte. Die Genossen hoffen diesmal bestimmt in die Stichwahl zu kommen. In Rathenow sprach am Sonnabend ReichstagS-Abgcordncter P e u S vor einer Versammlung, die von 500 Personen besucht war. Der Ausflug am 1. Mai fand»nter starker Thcilnahme statt. Brandenburg zeigte eine mächtige Demonstration. Am Vormittag nahmen wohl an 10 000 Personen an einem Ausflug theil, während an. Abend in 5 Lokalen Festlichkeiten arrangirt waren. In N e u- M ü h l« war der Zudrang zu dem Lokal, in dem die Versammlung einberufen war, so stark, daß Tische und Stühle eitt- fernt werden mußten. Die Versammlung verlief, von begeistetter Stimmung getragen, in imposanter Weise. In Bernau hielt Reichstags-Abgeoroneter S t a d t h a g e n ein Referat vor 400 Ver- sammlungsbesuchern. Sfm Abend zeigte das Fest eine rege Theil- nähme. Mit gutem Erfolg verlief die Feier in Wittenberge — und auch die Versammlung in Jüterb ogk, in der Tabert aus Luckenwalde sprach, war gut besucht. In Naundorf fand in diesem Jahre die erste Maifeier statt, an der S00 Personen theil- nahmen. Provinz Preuße«, In D a n z i g hatten die Parteigenossen nur ein kleines Lokal zur Verfügung, sodajj zur Versammlung am Vornnttag hunderte umkehren mußten. Am Abend war die Betheiligung über Erwarten groß. Die Genossen in Königsberg hatten mit demselben Ucbel zu kämpfen, da auch hier imr in drei kleinen Lokalen die Versamm- lungen abgehalten werden konnten, die natürlich stark überfüllt waren. AmRachmittag zogen die Theilnchmer nach dem Stadtpark hinaus, wo in ungezwungenem Zuge wohl IS 000 Menschen auf- und abwogten. Provinz Tchlefien. In Breslau war der Andrang zu der Versammlung, in der Genosse Schoenlank sprach, so stark, daß lange vor Be- ginn derselben das Lokal abgesperrt werden mußte. Tanscnde fanden sich Nachmittag ein, nm an dem Fest im großen Garten des„Tivoli" theilzunehmen.— In L i e g n i tz hielt B r u h n s aus Breslau in einem Lokal, das überfüllt war, einen bei- fällig aufgenommenen Vortrag. In P e n z i g tagte eine Versamm- lung, die von 300 Personen besucht war. G o l d b e r g wies gleich- falls eine lebhafte Thcilnahme auf. In Sagau hatten die Arbeiter kein Lokal bekommen, es fand deshalb ein Ausflug statt. Ebenso hatten die Genossen in Grünberg einen Ausflug veranstaltet. In Wald he im fand am Vornnttag eine Versammlung statt, die einen ivürdigcn Verlauf nahm. Am Nachmittag Ausflug. Die Arbeiter inT icfenfurt begingen die Feier durch einen Spaziergang. Nachmittags fanden sich die Genossen zu emem Gartenfest zusammen. Aus O b e r s ch l e s i e n ivird uns geschrieben: Eigentliche Maifeiern waren bei uns infolge der hier Herr- schcndeu Polizeiherrschaft nur an einzelnen Orten möglich, in denen die Partcibcwegung schon seit mehreren Jahren festen Fuß gefaßt bat. Durch eine öffentliche Versammlung konnten nur die Neu- st ä d t c r Genossen den Mai feiern, aber auch die von R a t i l> o r, Gleiwitz, Neisse und Beuthen feierten diesen Tag durch Zusammenkünfte in größeren oder kleineren Kreisen. Die Glciwitzer und Ratiborer Genossen bekundeten ihre Solidarität mit der gesammten deutschen Sozialdemokratie dlwch Telegramme an die Breslaucr Genossen und an unser Zentralorgan. Im Jndustrie- ortc tvaren, wie alljährlich, auch Heuer an verschiedenen Punkten rothe Fahnen bemerkbar, oie trotz scharfer Aufmerksamkeit der Polizei in der Nacht aufgepflanzt worden waren. Die Grenzbewohner der Kreise Lcobschütz und Ratibor feierten zum theil gemeinsam mit den gut orgamsirten Genossen jenseits der österreichischen Grenze den Maitng. Provinz Pommer«. Im Kreis Nandow-Greifen Hagen fand am Morgen ein Ausflug durch die Orte Ziillchow, Bredow, Grabow, Nemitz nach Witsfoio statt, an welchem sich über 600 Personen be- thciligten. An mehreren Orten sah man rothe Fahnen lochen, welche die Polizei später beseittgte. Am Stach- mittag fanden vier Versammlungen statt, in welchen die Gcnosteit Alwin K ö rjst e n, Berlin, A p e l t und K ä m i n g. Stettin, rcferirten. Alle Versammlungen waren gut besucht und wurde die Resolutton der Berliner Gcwerkschastskontmission von den zirka 2000 Thcilnehmcm einstimmig angenommen. Den Parteifreunden in Stralsund stand nur ein kleines Lokal zur Verfügung. Provinz SchleSwig-Holstein. Die Parteigenossen von Elmshorn hatten ein Frühkonzert veraltstaltet, das trotz strömenden Regens sehr gut besucht war. Des Nachmittags wechselten Konzert und theatralische Aufführungen mit einander ab. RcichStagS-Abgeordneter v. Elm hielt die Festrede, die mit großer Begeistermig aufgenommen wurde. Die Feier in Ottensen wurde eingeleitet durch eine Vcrsmnmlung am Vor- mittag, die von etwa 500 Personen besucht war; Genosse Förster- Hamburg refcrirte. Das Volksfest am Nachmittag verlief bei zahlreicher Bcthciligung in der besten Weise.— In N e u m ü n st e r bcthciligten sich an der Vonnittagsversammlung gegen 1000 Personen; der Vor- trag des Genossen Ströbel- Kiel lvurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Nachmittagsvcranstaltungen nahmen bei dem herrlichsten Wetter den schönsten Verlauf. Provinz Sachsen. Die Maifeier in Magdeburg nahm einen glänzenden Vcr- lauf. Am Abend des 30. April fanden vier sehr gut besuchte Volks- Versammlungen und am Morgen des 1. Mai ein Ausflug nach dem einige Stunden entfentten Schönebeck an der Elbe statt. Bei dem Jnszcniren des Ausfluges war natürlich Rücksicht auf die eigenartigen hiesigen Polizeiverhältnisse genommen. Deshalb war das Ziel nicht bekannt gegeben, sondern nur ein Ausflug nach WolkcnlulukShcim angekündlgt wordeit. Wer theilnehnien lvollte an diesem Alisfluge, sollte nur um 6 Uhr morgens auf die Straße gehen und sich dem Menschenstrom anschließen. So geschah es denn auch. Mit dem Glockcnschlage 6 Uhr wurde es aus einmal lebendig. Viele Gclvcrk- schaften und sonstige Vereine hatten sich in ihreir Vereinslokalen ge- sammelt und verließen dieselben um 6 Uhr. Die Hanptsttaße lvar bald bedeckt von Menschen, welche sich alle in einer Richtung fortbewegten, und je weiter der Menschcnstrom wanderte, desto mehr schwoll er an. Taufende waren auf den Beinen, und als die Spitze des Zuges das Weichbild der Stadt schon lange verlassen hatte, lvar noch kein Ende abzusehen. Bis der ganze Zug Magdeburg verlassen hatte, mögen ungefähr gut zwei Stunden vergangen sein. Die Polizei war rathlos. Als die auf der Straße poslirten Schutz- leute sahen, welche Richtung der Zug emschllig, wurden sofort einige Sttaßenbahnwagen voll Schntzleutc in der Richtung diriairt, welche vcrnmthlich der Zug einschlug. Die Demonstranten machten aber der Polizei einen Strich durch die Rechnung, sie schlugen einen anderen Weg ein, und so kam es denn, daß die Ordnungshüter an einer ganz verkehrten Ecke landeten. Als man dann schließlich merkte, wohin der Zug ging, war es zu spät, denselben aufzuhalten oder ihm eine andere Richtung zu geben. So mußte denn dieses Jahr die Maade- burger Polizeibehörde die Arbeiter ruhig gelvähren lassen bei ihrer Maifeier. Wie außerordentlich der gelungene Koup dazu beitrug, die Sttnnnuitg der Feiernden zu erhöhen, läßt sich leicht denken; über die Stimmung unserer Polizeigewalttge» aber sind wir nicht genügend orientirt. Vermuthlich war sie die gegeitthcilige wie bet den Arbeitern. In Burg betheiligten sich 1000 Personen ait der Versammlung. Die Arbeiter in Naumburg hatten eine Versammlung arrangirt. Am Abend sprach Frau Ihrer in einer gutbesuchlen Versamnilung. In W e st e r h ii s e n referirtc Genosse Gerlach, der Kandidat des Krctses, in einer gut- besuchten Versammlung. In Aschers leben nahm die Versammlung, sowie die Fcstarrangemcnts am Abend einen be- friedigenden Verlauf. 3000 Personen, darunter viele aus ländlichen Distrikten, fanden sich in der Versammlung der Halber st ädtcr Arbeiter ein. Aus Neu Halden Sieben w,rd berichtet, daß 400 Personen am Ausflug theilnahmcn. Weißenfels und Zeitz wiesen gut besuchte Versammlungen auf. In Halle fanden am Sonnabend Abend zwei Versammlungen statt und am Sonntag früh zogen wohl 12—14 000 Menschen nach der vom Vcr- trauensmaim gepachteten Wiese. Die Besucherzahl wurde später wohl auf 25 000 geschätzt. Die Gendarmen ritten wiederholt auf den Fcstplatz umher, worüber natürlich eine gewisse Er- regung entstand. Die Versammlung in Wittenberg, in der Genosse Rohrlack refcrirte, verlief sehr gut. In Delitzsch hatten sich 500 Personen zu der Versammlung eingefunden, in der der Kand,dat des Kreises A. Weißmann refcrirte. Ueberaus zahl- reich hatten sich die Erfurter Arbeiter am Ausflug nach Roda betheil, gt, der wohl 2000 Theilnchmer zählte. Das Volksfest am Abend fand unter großarttger Betheilignng statt. Hannover und Oldenburg. Die Parteigenoffen und Genossinnen von Hannover und Linden begingen ihre Maifeier in zwei Lokalen. Der Besuch der Feier in Bella Vifta wird auf 26 000 Personen geschätzt; in der Neuen Welt mochten 7500 Theilnchmer anwesend sein. Eine so imponirende Feier war bisher nicht abgehalten worden. Die Festvorttäge wurden von den Genossen Meister, Lrnd und Thielhorn gehalten. Alles verlief bei herrlichstem Wetter in groartigster Weise. In Peine begann die Maifeier morgens 8 Uhr mit einen, Aus- fluge der Parteigenossen. Auch hier konnte die Polizei sich eine rettende That nicht versagen. Zum AuSfluge war die Erlanbniß eingeholt worden und der Ausmarsch ging auch ohne Störung von statten. Bei der Rückkehr jedoch widerfuhr dem Zuge auf dem Markt- platz des Ortes das Schicksal einer polizeilichen Auflösung. Est st Protest eingelegt worden. Die abgehaltene Versammlung nahm den besten Ver« lauf. In Alfeld nahmen an der Feier, welche in bester Ordnung verlief, 200 Parteigenossen theil. Aus Münden in Hannover wird uns be- richtet: In einer gutbesuchten Nachmittagsversammlung refcrirte Genosse W e s e m e» e r- Braunschwcig über die Bedeutung deS Tages. Abends fanden stark besuchte Theatervorstellungen statt. In der zu Güttingen abgehaltenen Volksversammlung refcrirte der Kandidat des Krelses, Genosse Heymann- Brannschweig über die Bedeutung der Maifeier. Das Fest am Abend war anßerordent- lich gut besucht. In Bramsche wurde die Maifeier mit dem 25iährigen Jubiläum der Partcifahne verbunden. Das Fest verlief glänzend, wenn auch das LandrathSamt die Eni- falttmg der Fahne verboten hatte. Ebenfalls nahm die Früh« Versammlung, in der S ch r a d e r referirte, einen guten Verlauf. In Verden fand am Sonntag Morgen ein Spaziergang statt, an welchem sich 250 Personen betheiligten. Die Nachmittags- versammlnng, welcher ein gcmllthliches Beisammensein folgte, war von 300 Personen besucht. Es referirte Genosse R ü g e r. In Celle nahmen an dem Spaziergang morgens 6 Uhr 100 Personen theil; eine gleiche Zahl betheiligte sich nachher an dem geiniithlichen Bcisannncnsein. D,e Festversamnilung am Abend, ,n welcher B e h l e- Hannover referirte, war überfüllt. In Norderney feierten am Sonntag 50 Parteigenossen mit ihren Fannlien zun, ersten Male das Maifest der Arbeit. Solvohl der ÄnSflug am Morgen, wie die am Abend abgehaltene Festlichkeit nahm den besten Verlauf. Die Maifeier in Harburg fand unter außerordentlich zahlreicher Bcthciligung statt. Die im Freien abgehaltene Versammlung war von über 8000 Personen besucht. In Achim war zur Feier des Tages am Morgen eine Volksver- sammlung, in welcher Genosse F a u r e n- Bremen referirte. Eine entsprechende Resolution sand einstimmigen Annahme. Der Kommers an. Abend fand im überfüllten Lokale statt. In Bant, Heppen und Wilhelmshaven nahm die Maifeier den besten Verlauf. Vonnittags fand im Vercinshanse zur Arche eine im- posantc Versammlung statt, in welcher der ReichStagSkandidat, Ge- nasse Paul Hu g referirte. Am Abend wurden m der Arche zu Bant wie im Tivoli zu Heppens zwei zahlreich besuchte Versamm- lungen abgehalten. Rheinland-Westfalen. In D ü s s e l d o r f ist die Maifeier in noch nie dagewesener Großartigkeit verlaufen. Unser Korrespondent schreibt: Trotzdem die Polizei cuicn öffentliche» Umzug verboten hatte— im Interesse der„Ord- nung"— sammelte» sich morgens in einem dutzend Lokalen die Arbeiter mit Weib und Kind, um von dort in gemeinschaftlichem Spaziergang durch die Stadt, jedoch so, daß sich die einzelnen Trnsips der Reihe nach anschließen konnten, und hinaus gen Golzheim zu wandeln. ticr sammelten sich die Massen und zogen dann, nach einigen tnndcn köstlichen Beisammenseins in drc, großen Ausflugslokalitätcn, in geschlossenem Zuge mit Sang und Klang wieder hinein in die Stadt. Ich habe die Menge oberflächlich gezählt und kann s, e ohne lk ebertreib ung auf 7vm) Per- s o n e n schätzen. Schwarz voller Menschcn waren die Straße», durch die sich der Zug bcwcgie, und ebenso schwarz voller Menschen waren säimntlichc Fenster, an denen wir vorüber kamen. Mitten hinein ging es dann in die Hauptpro», enadcn der Stadt— von solcher Masse Sozi hatten die Spießer wahrlich nicht gcträmnt. Im Herzen der Stadt löste sich dann der Zug ans; Zwischenfalle absonderlicher Art sind nicht zu melden. Die Polizei begleitete die Mai- dcnionstrnntcn tvohl in Masse, provozirte jedoch ver- nünfttgcrcise nicht. Am Abend fanden in sechs Lokali- täten Vcrsannnlnngen und Festivitäten mit Reden, Vokal- und Jnstnlmental-Konzert statt; daß alle diese sehr großen Lokale überfüllt waren, versteht sich von selbst. Auch in den, ultra», ontanen Köln ist der I.Mai von einer stattlichen Personenznhl gefeiert worden. Am Nachmittag wurde ein Spaziergang unternommen und abends in dein Vorort Nippes eine Volksversammlung abgehalten, die von 2000 Personen besucht war. Das Lokal war überfüllt. Essen a. d. Ruhr. Am Somiabcnd wurde eine gut besuchte BolkSvcrsammlnng abgehalten, wo S ch a a I ans Wald bei Solinge» sprach. Sonntag friih»lachten mehrere hundert Genossen einen Ausflug, wobei die Polizei störend austrat. Sic hatte an, Endpunkte des AnSflngS alle Lokale gesperrt, so daß unsere Genossen durstig und hungrig weiter ziehen mutzten. An, Soimtag Abend wurde i», GcwcrkschastShaus ein stark besuchter Kommers abgehalten. Die Maifeier in I s c r l o h n war von ungefähr 1000 Personen besucht und verlief gut wie immer. Die Festrede hielt K n n i s ch aus Düsseldorf. Bemerkt sei noch, daß die Polizei die Erlanbniß zu einem öffentlichen Fest versagt hatte, iveShalb der Sozialdemokratische Verein die Feier als geschlossene Festlichkeit abhalten muhte. Remscheid. Am Vornnttag sprach Ä e>v ch r ans Elberfeld in einer gut besuchten Versamnilung, Nachmittag wurde bei herrlichem Wetter ein AnSflug nach Burg gemacht. Am Tage vorher war das Wetter noch sehr unfreundlich. In Wermelskirchen und Lennep ivurden Nachmittag Volksversammlungen abgehalten, wo Dr. Rubonson und Gräser ans Elberfeld rcferirten. An die Versammlungen schloffen sich Festlichkeiten. In Barn, cn sprach in gut besuchter Versa,„nilmig an, Morgen ReichstagS-Abgeordnetcr Harn, und nachmittags waren in drei Lokalen Festlichkeiten arrangirt, die sich alle guten Besuches erfreuten. M ü n st e r. Die von der Partei geplante Feier war verboten worden; die dann von dem Gcwcrffchasts-Knrtcll arrangirtc Festlichkeit war für die hiesigen Verhältnisse gut besucht. 400 Personen waren anwesend. Die Mairesolutio» wurde einstimmig angenommen.— — Minden i. W. Am Konzert betheil, gten sich 400 Personen; die Festrede hielt Genosse H o ff m a n n aus Bielefeld, der Reichs- tags-Kandidat deS Kreises. Für den Abend war von den organi- sirten Tabakarbcitcrn ein Ball veranstaltet.— In Herford unternahmen früh 250 Personen einen AuSflug. Nach- mittag sprach in einer Volks- Versammlung Redakteur Hoffmann aus Bielefeld. Die Frauen und Minderjährigen wurden von der Polizei a»S den, Saale gewiesen; die Bersaminlung beschloß, darüber bis zur letzten Instanz Beschwerde zu führen. Den Schluß der Maifeier bildete eine Festlichkeit am Abend. In den, kleinen Ort Herne, dessen Bevölkerung größtentheil«„schwarz" ist, war die Maifeier, die hier der Bolksbildungsverein veranstaltet hatte. dennoch äußerst stark besucht. Zirka 200 Personen waren zu der Versammlung erschiene». Am Nachmittag machten zahlreiche Fest- theilnchmer einen AuSflug. Provinz Hessen. In Höchst war die Versammlung von 500 Personen besucht und trotz des Verbots des Festzuges fanden sich auf dem Fcstplatze an, Nachmittag wohl 10000 Personen zusammen. Hansestädte. Hamburg. Am Sonnabend herrschte hier echt„Hamburger Wetter"— der Regen floß in Strömen, auch am Sonntag friih regnete es noch, aber je näher die Stunde rückte, wo der große Demonsttattonszug der Hamburger Arbeiterschaft seine Aufftelluug nehmen sollte, je mehr heiterte sich das Wetter auf, und als um die Mittagsstunde aus allen Vororten und allen Bezirken der Alt- und Vor- stadt die Proletarier und Proletarierinnen herbeiströmten nach den Villen- j besetzten breiten Straßen am linken Ufer de? Auhenalster- Beckens, wo nach polizeilicher Anordnung die Aufstellung des Zuges statt- finden sollte, da wölbte sich wolkenloser blauer Himmel über Ham- burgs gewalttgem Städtegebiete. Punkt 1 Uhr setzte sich die Spitze des ZugeS in Bewegung. Es war eine Arbeiter-Radfahrerabtheilung. Vier mit rothcn Bändern umwundene Räder machten den Beginn. Deren Fahrer trugen auf den Achseln eine mit Blumen und Tannen- grün geschmückte Tragbahre, auf deren Mttc auf einer Empore die mit rothen Schärpen und Blumenkränzen geschmückten Büsten von Karl Marx und Lassalle standen. Dann kamen die drei sozialdemokratischen Vereine in Stärke von etwa 6000 Personen unter Voranttitt der alten rothcn Parteifahnen und Banner und einer ans rothem Atlas ge- fertigten großen Acht, von der breite Bänder herabhingen mit der Inschrift: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit I An die Vereine schloß sich eine Abtheilung von etwa 600 Frauen und Mädchen, die eben- falls einer mit Maien geschmückten rothen Fahne folgten. In der darauf folgenden zweiten und dritten Abtheilung des Fest- zuges hatten die 71 Gewerkschaften Hamburgs Aufstellung genommen. Allen wurden Vereinsfahnen und Banner vorangettagen, und in allen Reihen gingen Frauen, Mädchen und Kinder Seite an Seite mit den Gatten und Vätern. Im ganzen zählten wir in, Festzuge etwa 90 Fahnen, Banner und Embleme, wovon die letzteren zun, theil recht charakteristische Formen und Sprüche auftvicsen. Die„Acht" war in großen Dimensionen mehrfach im Zuge vertreten. Etwa 20 Musikkapellen waren über den Festzug vertheilt, die säinmtlich Arbeiterweisen spielten. Und mm noch einige Worte über die Größe des DemonstrationSznges. Ilm 2 Uhr war die Spitze desselben auf dem Festplatze, der im Vorort Barmbeck liegenden Victoria-Fcftwiese angekommen, aber erst wenige Minuten vor 4 Uhr ttafen die letzten Gewerkschaften ein, und nun füllten ca. 50 000 Per- sonen den gewaltigen Platz. Gegen 5 Uhr drängte sich alles nach der gewalttgen mit Blumen, Tannenaewinden und den vom Hamburger f arteitag hier wohlbekannten schönen Fahnen festlich geschmückten ribllne, wo von zlvci mit rothem Tuch verbrämten Rednertribünen Wilhelm P f a n n k u ch aus Berlin und Herm. Molken- b uhr-Hamburg daS Maifest der Arbeiter feierten und die ge- waltigen Massen zum bevorstehenden Ricscnkainpfe der Reichstags- wähl begeisterten. Von mehreren Podien herab ließen sodann die Musikkapellen Volksweisen ertönen und die gewaltigen Massen, die auf den, Platze versammelt waren, vergniigten sich bei herrlichstem Wetter in einfacher Weise bis in die spätesten Slvendstunden. Die Polizei benahm sich nuisterhaft. ES kam nirgends auch nur zu dem allergeringsten Zwischenfalle. Der Polizeihauptmann und der Chef der politischen Polizei waren persönlich auf dem Platze und ebneten dem Zuge die Wege. Auch im Hamburger Landgebiet ist des Weltseiertngs der Arbeiter würdig gedacht worden. So waren in Geesthacht, einem etwa 8500 Einwohner zählenden Orte, die Straßen mit Guirlanden geschmückt und fast alle Hänser hatten ge- flaggt. Ein Demonstrationszug mit minoestens 300 Theilnehmern, dem die rothe Fahne vorangettagen wurde, bewegte sich durch sänunt- liche Straßen des Ortes. Um 5 Uhr war Versammlung bei Mosel, wo Stenz ele aus Hamburg referirte. Das Wetter lvar prächtig. Die Maifeier in Lübeck ist bei herrlichem Wetter ebenfalls großartig verlaufen. An dem Fcstzug, der sich unter Betheiligung von fiinf Musikkapellen nach dem eine Dttmde entfentten Dorfe Moisling bewegte, nahmen 36 Gewerkschaften und sonstige Vereine theil. Die Feier in Moisling selbst war von 15» bis 18 000 Personen besucht. Die Festrede hielt der ReichstagS-Kandidat des Kreises, Theodor Schwartz. Mecklenburg. In Doberan fand eine sehr stark besuchte Versammlung statt, in der Genosse Starosson- Rostock über die Bedeutung der Maifeier für da« Proletariat sprach. Die Stimmung der Theilnchmer lvar eine vorzügliche. Brauuschweig. Einen glänzenden Verlans nah,,, die Feier in B r a u n s ch w e i g. Vormittags um 11 Uhr waren zwei Versammlungen anberaumt, in denen K ö l l e- Hamburg und A. H o f f m a n n- Berlin sprachen. Die Versammlungen und die vier Fcstlokale waren überfüllt; im Ganzen mögen gegen 12 000 Personen sich an der Feier bethciligt habe». Der geplante Festzug war polizeilich verboten worden.— In Blankenburg an, Harz waren 800 Genossen zur Feier ver- einigt. Königreich Sachsen. Die Maifeier in Chemnitz ist großartig verlaufen. Schon die Versammlung am Sonnabend war überfüllt. Am Sonntag waren Festlichkeiten in Chemnitz, Gablonz, Grüna, Hilbersdorf, Kappcl und Borna. Die Thcilnch», erzähl ist auf weit über 10000 Personen zu schätzen. In E r i m m i t s ch a u waren die drei größten Lokale, wo die Feier abgehalten wurde, säinmtlich überfüllt. Die Parteigenossen in, Amtsgcricbtöbczirk Burgstädt veranstalteten ge- ineinsam mit den WittgenSdorser Genossen amNachmittag einen AuSflug nach dem nahen HartmannSdorf. Dort hielt in stark besuchter Versamm- lung der ReichStagsknndidat des KrciscS, Pin kau auS Leipzig. cinci, ivohldurchdachtcn Vortrag über die Bedeutung deS ersten Mai. Nach der Versammlung war in demselben Lokal zwangloses Bei- snmmcnsciil, gewürzt durch GcsangSvorträge von Sängern aus Burgstädt, HartmainiSdorf und WittgcnSdors. Am Abend wurden „och in fast allen Orten lokale Maifcstlichkeiten abgehalten. Würzen. Bei prachtvollem Wetter ist die Maifeier glänzend verlausen. 5—600 Personen betheiligten sich, darunter viele Franc,,. Die Festrede hielt der ReichStagSkandidat deS Kreises, Richard Lipinski aus Leipzig. Großenhain. Am Spazier- gang bethriligten sich 400 Personen, die.Kinder nicht gerechnet. Die Versammlung am Abend, wo der Reichstagskandidat G o l d st ei n einen vorzüglichen Vortrag hielt, lvar' ausgezeichnet besucht. Reichen dach i. V. Mit zubelnder Begeisterung wurde dem Acht- stundentag gehuldigt. Margens wurde ein AuSflug unten, ommen, am Nachmittag wurde eine'Volksversammlung, abends ein Ball ab- gehalten. Die Polizei legte wenig Hindennffe in den Weg. G r ii» a. Betheilignng mindestens 1000 Personen. Aus- gezeichneter Verlauf. Stadtverordneter Lorenz hielt unter großem Beifall die Festrede. Die Arbeiter von Wilkau und Umgegend feierten de» 1. Mai bei Betheilignng von zirka tausend Perionen in Haara. RcichStagS-Abgeordneter Hofmann schilderte die Bedeutung deS Festtags in einem sehr gut durchdachten Vorttage. Limbach. Bormittag Versammlung von 400 Personen, Referent Karl P i n k a u aus Leipzig. Nachmittag Konzert, Betheilignng von 600 Personen. Abends KommerS von 1000 Personen, Festredner S ch ö p f l i n ans Burgstädt. Große Begeisterung. Zwickau. In der Volköversammsimg im Belvcdcre, wobei das Lokal sammt Nebenräumen und Garten dicht besetzt war, hielt am Vormittag Wilhelm Stolle unter rauschendem Beifall das Referat. Nachmittag war bei prächtigem Wetter in zwei großen Gartenlokalen Freikonzert, abends in den Sälen Kommers. Theil- »chmerzahl abwechselnd ca. 3000. Die Lokale waren zu klein, nm alle Maidenioiistraiitcn zu fassen. Hohenstein-Ernst- t h a l. Vormittags sprach in überfülltem Saale auf der Zeche ReichstagS-Abgeordnetcr Schippet. Nachmittag war großes Gesangs- Konzert. Lichten st ein- Callenberg. Bei herrlichstem Wetter sprach im Garten des.Grünthal" Abg. S ch i P P e l. Eine Anzahl rothcr Fahnen wurde von der Polizei heruntergeholt, aber während der Rede Schippells sah man auf einem Wipfel im nahen Gehölz abermals ein solches polizeiwidriges Abzeichen auftauchen. Lohmen in der Sächsischen Schweiz. Das Früh-Konzert in Border-Jessen war von 800 Personen, die Ver- sammlung am Nachmittag von 1000 Personen besucht. Großartiger Verlauf der Feier. Thüringen. In Greiz sprach am Vormittag im großen Saale deS Tivoli vor überfüllter Versammlung Alwin G e r i s ch aus Berlin unter großem Beifall. Die Abendunterhaltung nahm einen glänzenden Verlauf. In dem Dorfe Judenbach bei Sonneoerg, das ettoa 2000 Einwohner zählt, war früh Reveille. In der Volks- Versammlung hielt P a u l S e i g e aus Pößneck den Vor- m Sl' Nachmittag wurde ein Festzug veranstaltet, abends ein Wetter war wunderschön. Die klassenbewußten Arbeiter der Universitätsstadt Jena machten früh in Stärke von 700 bis 800 Personen einen Ausflug nach Löbstedt Bei der Abendfeier m der Turnhalle war das Lokal überfüllt. Es herrschte große Begeisterung. Apolda. Am Festzug nahmen über 400 Per- >onen thcil; abends war im Parteilokal großer Festkommers. Die zündende Ansprache August Baude rt's wurde begeistert auf- genommen._ Das Wetter war herrlich. Auch in Arnstadt ist die Maifeier glänzend verlaufen. Die Versammlung am Nachmittag, Ivo G u l d e n b e r g aus Erfurt sprach, war gut besucht, und noch besser die Feier am Abend. Ferner wurde im schwärzesten Winkel des Kreises am 1. Mai eine Wahlflugschrift in starker Auflage verbreitet, die überall freundlich cntgegengenommen worden ist. K o b u r g. Früh Ausmarsch mit Musik durch die Stadt nach dem IVe Stunden entfernten Orte Oberlauter. Betheiligung zirka 450—500 Personen. Ruckmarsch durch die Mitte der Stadt. Das Landraths- amt hatte das Singen und die Rede am Morgen verboten. Der Kommers am Abend ging unter kolossaler Bctheiligung vor sich. Die Arbeiter von Hütten st einach und Köppelsdorf und Umgegend betheiligten sich in Stärke von zirka 1000 Personen an der Maifeier, die großartig verlief. Es wurde ein Festzug ver- anstaltct, ferner drei Konzerte� am Nachmittag und abends zwei Ballfestlichkeiten. Hesse, i-Dnmstadt. In der Residenz Darmstadt verlief die Maifeier, zu der sich 500 Parteigenossen versammelt hatten, unter großer Begeisterung. Genosie Friedrich hielt die Festrede. In Griesheim bei Darnistadt sprach vor 300 Personen Genosse V e r t h o l d. vor ebensoviel Genossen referirte in T r e b u r bei Großgcrau Landtags- Abgeordneter Philipp Müller. In P f u n g st a d t referirte vor einer sehr gut besuchten Festversammlung Genosse Georg R a a b. In der Stadt O f f e n b a ch a. M. fanden zwei Versammlungen, ein Umzug von über 2000 Personen und ein Waldfest niit 15 000 Personen statt. Im ländlichen Theile des Wahlkreises fanden Maifeiern statt in Bieber, B ür g e l, Rump en h ei m, Mühlheim, Sprendlingen, Eaelsbach, Kl. Krotzenburg, Hainstadt, Urberach, Isenburg, Langen, Heusenstamm, Dietesheim, Oberroden, Obertshausen. Alle Versammlungen waren überftillt. In Urberach fand ein Fcstzug statt, an dem sich 300 Ar- beiter betheiligten. Ucbcrall herrschte musterhafte Ordnung, nirgends kam em Zwischenfall vor. Vaster«. M ü n ch e n. Bei herrlichster Witterung erreichte die Maifeier der Münchcner Genossen einen bisher noch niemals erreichten Besuch. Bereits in den Vormittagsstunden bewegten sich die Massen in mi- unterbrochenen Zügen auf den Sttatzcn nach Holzapfclkrcuth. Die Zahl der Fcsttheilnehmer, die sich aus allen Thcilcn der Münchcner Bevölkerung rckruttrten, betnig über 50 000. Acht am Sonnabend Abend abgehaltene Versammlungen waren überfüllt. Die Maifeier in Nürnberg nahm einen großartigen Verlaus, wozu das Verbot des Maife st- Umzuges durch den freisinnigen Magistrat auch etwas mitgewirkt hat. In zwei massenhaft besuchten Versammlungen sprachen die Genossen O e r t e l und S e g i tz über die Bedeutung des Achtstundentages und einer wirksamen Arbciterschutz-Gesetzgebung. Zur nachmittägigen Feier versammelten sich etwa 15 000 Personen auf dem langjährigen Festplatze, dem Schützenkcller. Polizei war massenhaft aufgeboten, trotzdem kam ein Zwischenfall nicht vor. Aus Würzburg wird gemeldet: Die Maifcst-Versamnilung am Morgen des 1. Mal war großarttg besucht. Genosse Eitzinger referirte. Eine kräftige Resolution wurde einstimmig angenommen. Mit einem Hoch auf die internattonale Arbeiterbewegung schloß die Versammlung. Das Kellerfest am Nachmittag war großarttg besucht und verlief ausgezeichnet. Genosse E i tz i n g er- Nürnberg hielt eine Ansprache über die Bedeutung deS 1. Mai, welche allgemeine Zustimmung fand. Die Bamberger Maifeier war vom schönsten Wetter be- günsttgt und hatte überaus zahlreichen Besuch aufzuweisen. Am Abend wurden im Saale lebende Bilder aufgeführt, die allgemeinen Beifall fanden. Während die Arbeiterschaft sich vergnügte, muhte das Militär zu Hause bleiben und die Kaserne hüten, um cocutucll mit ihren„Kleinkalibern" Probe machen zu können. Die Vorsorge war aber unnöthig. Noch nie ist in Bamberg eine Maifeier so herrlich verlaufen wie diesmal. In S ch w e i n f u r t fand ain Vonnittag eine stark besuchte Versammlung im Saalbau statt, in der Genosse Sokler referirte. Am Nachmittage fand ein Festzug der Gewerkschaften durch die Straßen der Stadt statt, an dem 1100 Per- sonen theilnahmen. Auf der Schadschanze fand ein Gartenfest statt, auf dem Genosse Siebert aus Nürnberg die Festrede hielt. Dann blieben die Parteigenossen bei trefflichen Musik-, Gesang- und turne- rischen Aufführungen noch lange zusammen. Die Haltung der Ar- beiterschaft war vorzüglich. Aus Speyer wird uns gemeldet: Die Maifeier ist herrlich verlaufen bei großer Begeisterung, gutem Besuche unter der Gunst des Wetters. Landtags-Abgeordneter Ehrhardt hielt die Festrede mit Hinweis auf die Wahl, die uns sehr schöne Aussichten bietet. Die Genossen von Neustadt in derRhein Pfalz unternahmen zur Feier des Tages einen Spaziergang nach dem erinnerungsreichen Hambacher Schloß. Gut besuch: war die an, Nachmittag abgehaltene Versammlung, in der Genosse Profis referirte. Am Abend fanden sich die vereinigten Gewerkschaften bei Konzert und Tanz zusammen. Baden. Großartig war der Verlauf der Maifeier in Mannheim. Im Rheinpark, wo Genosse Dreesbach in seiner Festrede auf die be- vorstehenden Reichstagswahlen das Hauptgewicht legte, waren min- bestens zehntausend Personen versammelt; die Begeisterung war groß. In O f fe n b u r g i. B. wurde in letzter Stunde der Umzu verboten. Der Ausflug und die Abendfeier sind gut verlaufen. Die von den Triberger Genossen in St. Georgen veranstaltete Versammlung unter freiem Himmel wurde aufgelost, als der Refe- rent die offiziellen Wahlmanöver bei den FaschingSwahlen vom Jahre 1887 Schwindel nannte. Die Feier in K a r l r u h e i. B. nahm einen imposanten Verlauf. Elsaft-Lothringen. An dem Straßburger Maisest in der Markthalle betheiligten sich 5—6000 Personen. Be: der Feier, die den schönsten Verlauf nahm, referirte der Kandidat des Wahlkreises, Genosse Bühle. Die außergewöhnlich starke Betheiligung an dem Festtage des Proletariats ist die günsttgste Vorbedeutung für die Wahl. Schweiz. Die Maifeier ist im ganzen Lande bei prächtigstem Frühlings- Wetter verlaufen. In Zürich, wo Greulich sprach, wurden im Festzuge 6000. auf dem Festplatze 8000 Personen gezählt. In Winterthur sprach vor 3000 Personen Müller aus Bern, in Genf waren 1500, ebensoviel in Lausanne, in C h a u x d e Fonds 1000, in Bern, wo Dr. Schmidt referirte, 4000 Per- sonen anwesend. Aller Orten war der Verlauf ein großartiger.— England. Anläßlich der Feier des 1. Mai fanden in London großartige Kundgebungen statt. Ein Massenmeettng wurde hier veranstaltet, an welchem mehrere tausend Personen theilnahmen. Die Kuichgeber durchzogen die Straßen, durchschritten die Trafalgar-Quai und be- gaben sich alsdann nach dem Hydeparl, woselbst Ansprachen in allen Sprachen gehalten wurden. Die auf der Tagesordnung stehenden Beschlüsse'wurden angenommen. ---r— Portugal. Die Mauifestatton zur Feier deS 1. Mai verlief in außer- ordentlich erhebender Weise in allen Industriestädten des Landes. Berichte liegen hierüber vor aus Lissabon, Oporto, Coimbra, Braga, Thomas, Evora, Almada, Barreiro zc. ec. Lissabon hatte einen herrlichen Festzug mit Allegorien darstellenden Wagen, Fahnen und Blumen- schmuck. Feste aller Art schloffen sich an den imposanten Zug durch die Straßen an. Die Betheiligung an dem Weltfest des Proletariats war noch nie so stark wie in diesem Jahre.— Bulgarien. Das Zentralkomitee der bulgarischen Bruderpartei sandte uns den folgenden Festgruß: Im Namen der klassenbewußten Arbeiter Bulgariens senden wir allen Kämpfern für Beftciung der Arbeitssklaven brüderlichen Gruß. Es lebe der erste Mail Whtrze xolikifchv Die programmatische Erklärung der Regierung zu den Wahlen dürfte aus dem Munde des Kösters erfolgen, der den Reichs- tag am Freitag selbst zu schließen beabsichtigt. Für den Abend des gleichen Tages sind die Rcichstags-Abgeordneten zur Abendtafel ins aiserliche Schloß geladen.— Nuscr Verhältnis? zu Rußland. In einem unzweifelhaft offiziösen Artikel zur internationalen Lage weist die„Kölnische Zeitung" die Gerüchte über eine angebliche Abkühlung in den'deutsch-russischen Beziehungen als gänzlich unbegründet zurück. In bezug auf Transvaal hebt die„Kölnische Ztg." hervor, jemehr die Bocren die berechtigten Interessen der dortigenAusländer und Gewerbe» treibenden vernachlässigten und schädigten, umsomehr bereiteten sie den Gegnern der Ilnabhnngigkeit des Landes den Boden. Der Artiiel schließt:„Die deutsche Politik giebt Rußland nicht den geringsten Anhalt, an der altüberlieferten deutschen Zuverlässigkeit zu zweifeln. Sie hindert ein gutes Zusammengehen mit England nirgends, wo die deutschen Interessen ein solches Wünschens- Werth machen. Sie hat allerdings aber auch jeden Zweifel darüber beseittgt, daß sie sich nicht zum englischen Vorspann hergeben wird, wo'leine entsprechend wichtigen deutschen Interessen mit in Frage kommen. Die deutsche Polittk wird eben niemals aus dem Auge lassen, daß ihre wesentlichsten Interessen in Europa liegen und daß es ihre wichtigste Aufgabe ist, für Deutschland in Europa in Ehren den Frieden anfrcchtzncrhaltcn und zu sichern." Der Kölner Rheiuhafe» ist am 1. Mai eröffnet worden. Der Polenklnb desö st erreichischen Abgeordneten- hausejs enst'andte seinen Obmann Jaworski zum Minister des Aeußcrcn Goluchowski, um sich über die massenhafte Ausweisung polnischer Arbeiter aus Preußen zu beklagen. Bei den Wahlen im Kanton Bern wurden sieben Partei- genossen gewählt, außerdem stehen mehrere unserer Kandidaten in Sttchwahlen. Die der Volksabstimmung unterlegten Vorlagen wurden sämmtlich angenommen.— Die HnngcrSnothprcise in der Schweiz. An der Züricher Börse stieg der Preis für Gctteide aus Bcssarabi'e» plötzlich um 2l/2 Franken per Zentner, von 28 auf 30,50 Franken, und der amerikanische Weizen stieg sogar um 3>/2 Franken, von 26 auf 20,50 Franken und noch stärker schnellte der Mchlpreis in die Höhe, nottrte doch an der Züricher Getreidebörse von Freitag Halbwciß- mehl 48 Franken gegenüber nur 42 Franken vor 14 Tagen; in zwei Wochen trat eine Steigerung um 12'/* pCt. ein, und selbstver- ständlich steht uns auch eine entsprechende Vertheuerung des Brotes bevor. Der Sprung vom Jahrs 1896 bis 1898"ist ein ganz gewaltiger; die Erhöhung beträgt volle 55 pCt. des früheren Preises, und die Theuerung muß vom Konsum deshalb tiefer empfunden werden als im Jahre 1�91, weil die Preisschwankungen vcrniöge des schon relativ hohen Preisstandes der Vorjahre damals nicht so rapide waren. Die HnngerSnothprcisc haben in Italien eine hochgradige fast revolutionäre Aufregung erzeugt. Der Ministerrath beschloß heute die Inangriffnahme neuer öffentlicher Bauten, um dem Arbeitcrelende zu steuern. Die Unruhen wegen der Brotvcrtheuerung dauern fort. Aus Aversa, Rimim und Neapel werden ernste Unruhen gemeldet. Die Polizei mußte einschreiten, wobei eine Anzahl Pertonen erheblich verletzt werden. Die Regierung hat die nöthigen Maßregeln getroffen, und weitere Unruhen zu verhindern. Aus Rimni wird gemeldet: In der Vorstadt und in benach- harten Dörfern wurden einige Plünderungen verübt. In dem einen Kilometer entfernten Santa Cargelo wurde ein Pachthof ge- plündert. Die Polizei eilte herbei und verhaftete acht Schuldige. Als die Verhafteten nach der Kaserne abgeführt wurden, wurde die Polizei mit Steinen beworfen; es entspann sich ein Handgemenge, bei dem zwei Karabinierie verwundet und ein Bürger getödtet wurden. In Neapel durchzogen kleine Gruppen, namentlich aus Frauen und Kindern bestehend, mehrere Stadttheile. Auf dem Platze Mercato Maggiore kam es zu einem Zusanmienstoß mit der Polizei, bei welchen: einige Personen leicht verletzt wurden. Die Ruhe wurde schließlich wiederhergestellt. In Neapel kam es, dem„Verl. Tagebl." zufolge, zu peinlichen Straßenszenen,, die von Frauen ausgingen. Eine große Menge Weiber zogen lännend und schreiend vor die Präsekttw. Eine Frauenkommission begab sich zum Präfetten, welcher Abhilfe versprach. Andere Weiber hielten auf dem Platz Vottsreden. Von da zog die Menge nach den: Rathhaus. Schließlich machte Militär dem Lärn: ein Ende. Fast alle Geschäfte der Stadt wurden geschlossen. Mehrere Personen sind verwundet worden, darunter drei Polizisten. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. Schließlich wurde die Stadt militärisch besetzt. Auf der Piazza Plebiscito und dem Bahnhofplatz für Artillerie mit Kanonen auf. Auch in Benevcnt kam es zu Tumulten, die jedoch rasch unterdrückt wurden. Die Garnison wurde verstärkt. Die HuuaerSnoth- Preise in Frankreich. Den Annen- kommissioncn einzelner Städte müssen außerordentliche Kredite er- öffnet werden wegen der Steigerung der Brotpreise.— Krieg im Frieden. Aus Marseille wird telegraphirt: Während eines Manövers stieß eine Kompagnie Infanterie mit einer attackirenden Husarenschwadron zusammen. Durch Sturz vom Pferde wurden 17 Soldaten verletzt.— Der Kongreß der Delcgirten des nationalen Syndikats der ftanzösischen Esteubahnarbciter hat gestern mit 53 gegen 13 Sttmmen den allgemeinen Ausstand beschlossen. Die ftanzösischen Eisenbahnarbeiter sind ihrer Mehrzahl nach Allemaniften, diese beschließen programmgemäß auf jedem ihrer Kongresse den allgemeinen Ausstand. Prattische Bedeutung hat dieser Beschluß nicht.— Der portugiesische Minister deS Auswärtigen ist zurück- getteten.— Zur jungtürkischen Bewegung. Nach Ansicht der türkischen Regierungskreste haben die Jungtürken neuerdings die westlichen Küstenftädte Kleinasiens zum Stützpunkt ihrerUnternehmungen gewählt. In S m y r n a wurden dieser Tage vier angesehene Mnhamedaner verhaftet, welche die Thättgkeit der Sendboten unterstützt haben sollen; desgleichen beschlagnahmte die Polizei in den Häusern zweier türtt- scher Arbeiter 250 neue Gewehre, welche vor kurzem durch ein italienisches Segelschiff eingeschmuggelt sein sollen.— Einen entscheidenden Sieg haben die Amerikaner zu zeichnen. Die Seemacht der Spanier in den Häsen der Philippinen ist vernichtet. Offiziell wird ans Madrid gemeldet: Das Marine-Bureau auf Manila theilt folgenden Bericht des Kontte- AdmirakS Montojo mit: Um Mitternacht gelang eS dem amerikanischen Geschwader, die Einfahrt in den Hafen zu erzwingen; vor Tagesanbruch wurde daffelbe vor Cavite, 8 Schiffe in einer Linie gesichtet. Um'/s8 Uhr fing das Vordertheil der„Reina Christi na" Feuer, bald daraus brannte auch das Hinter- theil. Ich begab mich mit dem Stabe um 3 Uhr an Bord der„Isla de Euba. Die„Reina C r i st i n a" und der Kreuzer„Castilla" sind voll- ständig verbrannt Die anderen Schiffe, welche Beschädigungen erlitten, zogen sich in die Bacolor- bucht zurück. Mehrere von ihnen mußten in den Grund gebohrt werden, damit sie nicht dem Feinde in die Hände fielen. Unsere Verluste sind erheblich. Unter den' Tobten befindet sich ein Kapitän und ein Schiffsgeistlicher. Der Kommandant und der größte Theil der Bemannung deS Kriegsschiffes!„Reina Crtstina" sollen ums Leben gekommen sein. Das Telegramm hebt am Schluß noch den Muth der Amerikaner hervor, deren Schiffe in den Hafen eingelaufen seien, trotzdem dieser durch einen Ring unterseeischer Minen und Torpedos geschützt ist.„Reina Cristtna" faßte 3400 Tons und war mit 22 Geschützen ausgerüstet. Amtlich wird gemeldet, daß die Amerikaner das spanische Transportschiff„Argonata" mit Truppen und bedeutendem Kriegsmaterial abfingen. Das amerikanische Torpedoboot„Foote" erbeutete den spanischen Küstendampfer „Nascota". Eine offizielle Depesche aus H a v a n a meldet, ein amerikani- sches Schiff beschoß die Batterie am Eingänge des Hafens von Cienfuegos und verursachte geringe Schäden, wurde jedoch durch drei aus dem Hafen kommende Kanonenboote vertrieben. Andere Schiffe bedrohen die Küste bei Mariel. Es gehen Truppen zur Vertheidigung dorthin. Vor Havaua ist daS feindliche Geschwader noch immer sichtbar. Eine Depesche des Marschalls Blanco aus Havana meldet, die Schiffe, welche Cienfuegos blockiren, hätten einen spanischen Kauffahrer aufgebracht und einen Oberst, einen Arzt, sechs Offiziere und drei Unteroffiziere gefangen genommen, die Zivilpassagierc aber freigelassen. Der früher Peru gehörige amerikanische Kreuzer„Topeka" ist heute in New-Dork eingetroffen. Zwölfhundert von Amerika mit Waffen und Ansrüskmg ver« sehene Kubaner werden unverzüglich von Key West nach Kuba abgehen/ andere werden folgen. Der deutsche Botschafter in Washington hat infolge erhaltenen Auftrags in Gemeinschaft mit seinen Kollegen gegen die be- absichtigte Erhöhung der Tonnengelder Vor- stellungen bei der amerikanischen Regierung erhoben. Der Senat beschloß darauf, zunächst die Vertreter der ftemden Schifffahrts- Gesellschaften zu hören. Der österreichische Rammkreuzer„Maria Theresia" hat Befehl erhalten, zum Schutze der österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen und der Interessen der Monarchie sofort nach Kuba in See zu gehen. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus New-Dork telegraphirt. daß der nawralisirte Spanier Jglesias, der, wie gemeldet, die Sprengung des MunittonSmagazinS des„Puritan" versucht hatte, standrechtlich erschaffen worden ist. Der Friedensvertrag zwischen Chile und Peru ist unterzeichnet worden.— S UoltÄlles. eineS Trauerzuges. In Charlottenburg ward am QJMitag Nachmittag 4 Uhr unser Parteigenosse Zimmerer Karl Marthel zur letzten Ruhe bestattet. Leider sollte die dem Tobten dargebrachte Ehrung nicht ohne rettende Polizeithat vorübergehen. Als der Trauerzug von der Bismarckstraße aus abmarschiren wollte. sprengte ein Polizeilieutenant mit Schutzleuten in das Gefolge m:d verbot das Tragen der Kränze mit rothen Schleifen. Es ist be- greiflich, daß dieses Vorgehen das peinlichste Auffehen erregte und daß die Menge in nicht mißzuverstehenden Worten ihren Unwillen zu erkennen gab. Endlich konnte sich dennoch der aus 1200 Theil- nehmern bestehende Zug unter den Klängen eines Trauermarsches in Bewegung setzen. Auf dem Friedhofe verbot der Inspektor unseren Genossen das Halten längerer Reden. Von anderer Seite wird zu dem Vorfall noch berichtet: Schon vor dem Trauerhause theilte der den Straßendienst überwachende Polizeilientenant dem im Zuge anwesenden Reichstags-Abgeordneten Z u b e i l mit, daß er das Nachttagen der Kränze nicht erlauben und nöthigenfalls den Leichenzug inhibiren werde, s!) Trotzdem nahmen die Leidtragenden Aufstellung und gegen'ZI Uhr setzte sich der Zug unter den Klängen eines Chorals in Bewegung. Als sich der Zug etwa 200 Meter vom Trauerhausejentfernt in der Wilmers- dorserstraße befand, sprang plötzlich der Polizeilieutenant und mehrere Schutzleute in die Menge hinein, um dem Abgeordneten Zubeil den von ihm getragenen Kranz der Partei- genossen des Teltower Wahlkreises zu entteißen. Es entstand nun- mehr eine tumulwarische Szene. Der Leichenzug war gesprengt und die Männer umringten die Polizeibcamten und suchten diese zurück- zudrängen. Schon drohte der Polizeilieutenant, von der blanken Waffe Gebrauch machen zu lassen, als es Zubeil gelang, die Menge zu beruhigen. Er zeigte sodann dem Lieutenant seine Mitgliedskarte als Reichstags-Abgeordneter und erreichte auch, daß ihm der Kranz wieder ausgehändigt wurde und der Leichenzug sich dann weiter b«. wegen konnte. Der peinliche Zwischenfall erregte bei den Straß«- Passanten natürlich ungeheures Aufsehen. jT Rudolf Elcho feierte am Sonntag unter zahlreichen EMngen sein 25 jähriges Schriftsteller-Jubiläum. Zum Morde in der Hafenhaide wird berichtet, daß die Ver« nehmung deS von Dresden hierher transportirten Fleischeraesellen Burckhard kein positives Resultat ergeben habe. Die in vettacht kommenden Zeugen keimen den Mann nicht. Der große Krahn, der sich aus dem Gelände der englischen Gasanstalt am Planufer befindet, ist heute Mittag gegen 12 Uhr gerissen. Das kolossale Eisenwerk fiel dicht an zwei Arbeitern vorbei m den am Ufer lagernden Kahn hinein, so daß das Fahrzeug sofort zum Sinken kam. Als ein Wunder muß es bezeichnet werden, daß die Arbeiter unverletzt blieben. Ein schwerer Fahrrad- Unfall ereignete sich am Sonntag Nachmittag gegen 20» Uhr in der Köpenickerstraße in Friedrichs« Hagen. Der Betroffene, ein Kaufmann Fahnkow auS Berlin, jagte auf einem Halbrenner durch die genannte Sttaße und stürzte dabei so miglllcklich, daß er mit der rechten Schläfe auf das Pflaster auf- schlug und blutüberströmt, mit einer klaffenden Wunde, vom Platz gebracht werden mutzte. Das Rad war bei dem Unfall in Stücke gegangen. Tie Bahnlinie Lichtenberg— Friedrichöfelde—Wcrnenche» wurde Sonntag Morgen eröffnet. Der erste Zug ging 4 Uhr 44 Minuten von hier ab. Den ersten„Unfall" erlitt dle Bahn- strecke gestern früh durch die scheugewordenen Pferde eines Fuhrwerks, die an der Chaussee bei Ahrensfelde die Barriere zer» trümmerten. Berantwvttlicher Nedalieur: August Jacobey in Berlin. Mr den Jnferateutheil verantwortlich- Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.