Zllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk Im Kamps wider alle. Roman von Ferdinand Stiller. (11. Fortsezung.) Fräulein Elfriede beinnhte sich nicht, ein verächtliches Lächeln a» unterdrücken. »Sie hörten also— was'?"»ragte sie. ."So etwas von.kämpfen und erobern' hörte ich, aber ich cv1.1"""r eigentlich gar nicht denken, daß in dieser Nähe des o ledens— nicht war, hi, hi, des Friedens, meine Gnädigste?— ! lriegerische Worte, veiba bellicosa, wie Cicero sagen würde, sallen können, hi, hj." i» war ihr Verehrer nie alberner vorgekommen, als n 7�0 Augenblicke, und es kostete ihr ernstliche Mühe, so wenig >br sonst auf eine Portion Heuchelei ankani, ihn das nicht erken zu lassen. Aber sie bezwang sich heroisch und ihre Stimme °"g auf einmal sogar mild und freundlich, als sie erwiderte: „iiann man nicht auch känipfen, um sich den Frieden zu de- »aren, und— um— ," sie zögerte, als ob sie verlegen wäre •Nd nicht wüßte, ob sie mehr sagen dürfe,„um sich— sich nicht erobern zu lassen? «ie hatte die lezten Worte nur noch geflüstert und als sie geendet, traf Herrn Gabriel Haßler ein blizschneller feuriger Blick au» den schönen Augen seiner Angebeteten. Es war dies eine ziemlich plumpe Koketterie, aber Fräulein �hfiede wußte offenbar genau, was sie ihrem Galan bieten durste. g. Herr Gabriel ward ganz rot vor lauter Entzücken. Seine �erinutung war richtig gewesen, daß sie an ihn gedacht hatte. flt.1'onte � auch anders sein, hatte sie doch sogar nach ihm g�Ichickt. Sie konte es offenbar one ihn schon gar nicht mehr ushalhen. Es galt also nur noch einen Sturm, dann ivar sie— �gefeiertste Schöne in ganz B.— sein. Daß Fräulein Elfriedc hjfdW die gefeiertste Schöne vor zehn Jarcn gewesen, und as wärend diesen zehn Jaren die bösen Zungen— und im genommen auch die guten— alles über dieser gefeierten �u>onheit Leben und Treiben zu erzälen gewußt hatten,— lnn°" t'd) nicht zu erinnern, gab sich der gute Gabriel schon seit gern die erfolgreichste Mühe. Äo tapfer darauf und daran zum lezten Sturm! Tkj e ein Mehlsack, dem sich urplözlich die ihn auftechthaltende biJC �zieht, fiel EhrewGabriel in die Knie und die dicken de nach dem geliebten Gegenstand ausstreckend rief er: geben Sie diesen Kampf auf. meine süße, angebetete nach dem geliebten Gegenstand Alfried- Kie diesen Kampf auf,........ ,_p.,_ j, e. la||en Sie«ich erobern von Ihrem Gabriel!" ihren%.�mische der Situation half Fräulein Elsriede Specht -�'denvillen gegen diesen Anbeter zu überwinden— ein jj Widerwille, der übrigens heute durch die trüben Erinnerungen und Betrachtungen der Dame zu außergewönlickier Stärke ge� närt worden war. Sie unterdrückte mit einiger Anstrengung das laute Lachen, zu dem sie sich geneigt fülte, reichte dem steif wie in einem lebenden Bilde seine gezwungene Position beibehaltenden Gabriel die eine ihrer weißen Hände und flüsterte: „Lieben Sie mich denn wirklich für ewig, Gabriel?" Ter glückliche Gabriel bedeckte die dargebotene Hand mit wenigstens einem Duzend Küsse und schwor dabei Stein und Bein, daß ers zum erstenmal in seinem Leben empfinde, was Liebe sei, und daß er diese Liebe dereinst gewiß in aller ihrer „kolossalen" Stärke mit in's Grab nehmen würde. „Dann will ich dein sein— dein für immer, Gabriel," Iis- pelte die anscheinend auch hochbeglückte Schöne. Und Gabriel sprang auf und schloß seine glorreiche Eroberung— etwa so graziös wie ein junger Bär, der sich an einem Baumstamm ejn porreckt— in seine dicken Arme. Elfriede überließ sich dieser Zärtlichkeit nicht lange. In schein- bar zaghasten Worten machte sie ihrem Gabriel klar, daß es sich für den Geliebten eines ehrsamen Mädchens zieme, bei dem Vater in aller Form um die Hand des Töchterchens anzuhalten. Jung- Haßler sah das auch sofort ein und beteuerte, es würde einer der glücklichsten Momente seines Lebens sein, wenn Papa Specht segnend die Hände auf seiner Elfriede und sein— Gabriels— Haupt legen würde. Elfriede lächelte ihm süß zu und meinte nur, dabei dürfe er aber nicht sehr stürmisch sein, er müsse auch bedenken, daß sie doch der guten Sitte halber wenigstens ein Jar verlobt sein müßten, das würde z. B. Papa sicher verlangen. Diese Eröffnung regte den guten Gabriel entsezlich auf, ein Jar, ein langes Jar sollte er warten, bevor er seine Elfriede heim- füren durfte— unmöglich, rein unmöglich. Kein halbes, kein Vierteljar, nein, so grausam werde Papa Specht nicht sein und wenn Elfriede ihren Gabriel wirklich liebte, so recht innig und leidenschaftlich, wie er dies hoffe und wie er sie selber liebe, so müsse sie dafür sorgen, daß die peinvolle Zeit des Brautstandes auf das Minimum, wie der Lateiner sagt, beschränkt würde. Solcher gewaltigen Liebe konte Elfriede natürlich beim besten Willen nicht widerstehen. Sie acceptirte daher ihrerseits das Minimum und versprach, vor dem gestrengen und auf die gute Sitte erschrecklich viel haltenden Papa ihre Bitten mit denen des geliebten Gabriel zu vereinen. Und auch Herrn Spechts Liebe zur guten Sitte zeigte sich 17. atfttwin 1881. Erscheint wöchentlich.— Preis vicrteljärlich 1 Mark öu Pfennig.— In Heften a 35 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. L{ � 146 überwindlich. Der feierliche Moment dts ZegnenS� seiner Kinder kam zivar nicht, als ihn Elfriede und Gabriel Hand in Hand gelebt in seinem Zimmer aufgesucht und ihm die— ungemein überraschende— iiiinbe von ihrem Herzensbunde gebracht hatten—, das Segnen vergaß der würdige Herr vermutlich vor lauter Rürung, denn gernrt war er so, daß er das Taschentuch gar nicht von Mund und Nase wegbringen konte; dafür machte er aber gegen die möglichste Beschleunigung der Heirat viel weniger Einwendungen als sein Töchterlein Elfriede vorausgesezt zu haben schien. Er sagte nur, sein Friedchen— dabei klopfte er die Tochter zärtlich auf die Backen— werde ihm freilich schrecklich fehlen, sie sei wirklich ein einziges gutes Mädel, das würde Gabriel schon merken, na, aber daß sei einmal das Geschick der Alten, daß sie schließlich mal auf die Kinder verzichten müssen, und er, Specht, werde seine Vereinsamung als Mann zu tragen wissen. Damit war denn alles zu allseitiger Befriedigung geordnet. Herr Specht ließ die beiden„Kinder" zarter und diskreter Weise allein und ging zu Hübner und Sohn, um sich nach den aufregenden Erlebnissen dieses Tages wieder möglichst zu kräftigen. Auch wir sind diskret genug, die Verlobten für den Rest ihres heutigen Beisammenseins sich selbst zu überlassen. Franz Stein war in der jüngsten Zeit eine ganze Kette von Unannemlichkeiten begegnet, unter denen das beleidigende Verbot seiner Besuche in dem sonst aller Welt offenstehenden sürstlichen Parke lange nicht die schlimste war. Schon vorher war ihm unter der Hand mitgeteilt worden, daß sich der Fürst von Waldkirch-Buchenfels sehr ungünstig über den Nachbar, dessen Rittergut er erstanden hatte, geäußert habe. Er hatte das anfänglich garnicht glauben wollen; ein par Tage darauf aber war ihm aufgefallen, daß der Fürst, dessen Equipage er bei einem seiner Spaziergänge begegnet war, seinen artigen Gruß— schwerlich zufälliger oder unabsichtlicher Weise— übersah. Und nun ging ihm gar am Tage nach der Ausweisung aus dem Park schriftlich die sehr kategorisch lautende„Bitte" seitens des fürstlichen Generaldirektors zu, Franz Stein möge seinen Leuten verbieten, bei ihren Wegen nach und von der Fabrik- insbesondere bei dem Transport der Rohmaterialien und Waren von und nach der Bahn den großen Farweg, welcher mitten durch die dem Fürsten gehörigen Waldungen fürte, zu benuzen, widrigen- falls der Fürst sich genötigt sehe, die Wege, den Park und die Wälder dem Publikum überhaupt zu schließen. Franz Stein befand sich also plözlich mit dem Fürsten und seinem Generaldirektor in einem förmlichen Kriege. Die Erlaub- nis, den dem Fürsten gehörigen Farweg zu benuzen, war ihm anfänglich in der zuvorkommendsten Weise und sogar one sein Zutun gemärt worden. Dieser Farweg war zwar länger als der am Gute des Weidenbauern vorbei, und daß er Privateigen- tum sei, hatte Stein von vornherein gewußt, er ivar sogar bis- lang irgendwelchem öffentlichen Frachtverkehr garnicht geöffnet gewesen und deshalb hatte ihn Herr Stein bei seinen Kalku lationen auch garnicht in Rechnung gezogen, aber er war viel besser gehalten, überhaupt breiter, grader und damit in jeder Beziehung� bequemer, als der kürzere Weg, daruin war jene Er- laubnis Franz Stein und seinen Leuten sehr angenem ge- wesen. Abgesehen von der fortgesezten Beleidigung, welche diese Maß- regel des Fürsten Franz Stein zufügte, schien sie ihm freilich von keinem erheblichen Belang. Jener kürzere Zarweg müsse nun eben benuzt werden, und daß dieser auch Privateigentum sei, davon hatte er keine Ahnung. Er nam sich vor, mit dem Gemeindevorstand von Seifersdorf, an dessen Spize ein ihm seit lange bekanter, gutmütiger alter Mann als Dorfschulze sunklio- nirte, ein Abkommen zu der sehr notwendigen Ausbesserung des Weges zu treffen und war überzeugt, alsdann in dieser Be- ziehung für die Zukunft jeder Chikane überhoben zu sein. Er sollte aber bald einsehen, wie sehr er sich täuschte. Der Schulze eröffnete ihm, die Herstellung dieses Weges ginge die Gemeindebehörde nichts an, das sei Sache des Weiden- denbauers, dessen Vorfaren den Weg angelegt und in Privat- cigentum behalten haben. Darauf begab sich Stein noch ziemlich zuversichtlich in Person zum Weidenbauer, der allerdings allgemein als schwer zugäug» (icher, bockbeiniger Mensch bekant war. Der Weidenbauer war kurz angebunden wie immer. Wenn er, Franz Stein, den Weg ausbessern lassen wolle, so möge er's nur tun, ihm, dem Weidenbauer, siele es aber nicht im Traume ein, auch nur einen roten Heller dazuzugeben, für feine Zwecke sei der Weg grade gut genug. Im übrigen würde sich in der nächsten Zeit manches ändern, habe sich eigentlich schon geändert. dann würde sich die Sache vielleicht anders machen, das ginge ihn— den Weidenbauer— aber nichts an Ueber diese allge- meinen, mysteriösen Andentungen ging der Bauer nicht hinaus und Franz Stein mußte, one iveiter etwas ausgerichtet zu haben, seines Weges gehen. Selbstverständlich wies er seine Leute an, den Weg zu benuzen, beschränkte sich aber ans die allernotwen- digsten Maßnamen zu seiner Wiederherstellung, da er auf Grund von Erkundigungen, zu denen ihn die direkten Hinweise des Weidenbauern auf gewisse Aenderungen der Sachlage veranlaßten, erfur, daß der Weidenbauer sein Gut entweder zu verkaufen im Begriff stehe oder schon verkauft habe. Da er nun über die Person des mutmaßlichen Käufers nichts sicheres zu erfaren ver- mochte, so blieb vorläufig nichts besseres zu tun übrig, als ab- zuwarten, was da kommen würde.— Und die Sache kam auch gar bald anders. Franz Stein war einige Tage verreist gewesen. Als er eines Abends zurückkehrte, traf er seine Leute, ja fast das ganze Dorf, in großer Aufregung an. Am Morgen desselben Tages hatten seine Kutscher, als sie, wie fast täglich, nach der Eisenbahnhalte- stelle faren wollten, einige hundert Schritte von der Fabrik ent- sernt quer über den Weg eine Sperrstange angebracht gesunden und dabei eine Warnungstafel, welche die Benüzung dieses Pri- vatweges streng untersagte. Die Kutscher waren über diese voll- ständig unerwartete Maßregel nicht nur aufs höchste erstaunt, sondern auch sehr aufgebracht gewesen und sie hatten kurzen Prozeß gemacht, weil sie sich mit vollem Rechte sagten, daß ein anderer, einigerinaßen praktikabler und nicht gar zu weiter Weg nach der Eisenbahn für sie garnicht vorhanden sei— sie rissen die Sperrstange samt Warnungstafel fort und besuren den Weg grade wie vorher, als wäre garnichts Störendes geschehen. Wärend des Vormittags hatte man sie auch nicht weiter daran gehindert; am frühen Nachnuttage aber war der neue Besizer in Begleitung des Dorfschulzen und Gensdarmen erschienen und hatte zwei von den zur Fabrik zurückfarenden Lastwagen angehalten. Der Dorf schütze konstatirte auf Verlangen des neuen Gutsbesizers, daß die Kutscher von dem Verbote Kentnis gehabt und die Sperr- stanze gewaltsam beseitigt hätten. Der Schulze hatte dann dem Gutsbesizer zugeredet, er möge nur wenigstens dieses einemal noch die beiden Gesärte unbehelligt zur Fabrik zurückfaren lasten, aber dieser ließ sich auf keinerlei Zugeständnis ein. Der Weg sei verboten, und es müßte gegenüber so grober Eigentumsver- lezung und Nichtachtung, wie sie hier an ihm verübt worden sei, durch äußerste Konsequenz ein Exempel statuirt werden. Die Leute mußten eben einfach zur Eisenbahnhaltestelle zurückfaren und dann sehen, wie und aus welchen! Wege sie nachhause kämen. Und da halfen denn auch weder Drohungen noch Bitten— der „verdamte Dickbauch", wie der berichterstattende Werksürer den neuen-Gutsbesizer»ante, blieb bockfteif auf seinem Verlangen stehen und der Dorfschulze konte nichts tun, als achsclzuckend er- klären, in seinem Rechte sei der Mann schon, er freilich, der Schulze, hätte in seinem ganzen Leben nicht so mit seinem Neben- menschen oersaren können. Sehr erklärlicher Weise waren die Kutscher schließlich in gewaltige Aufregung geraten, es waren Worte gefallen, welche Stoff zu mehr als einer Jnjurienklage lieferten. Der neue Gutsbesizer war aber auch dadurch nichk aus der Fassung zu bringen gewesen,— im Gegenteil— er hatte ganz vergnügt sein Notizbuch aus der Tasche geholt und sich alles, was an beleidigenden Aeußerungen wider ihn zutage kam, mit größter Gewissenhaftigkeit aufgeschrieben. DaS alles würde er ihnen und ihrem Herrn schon eintränken; der hätte p seine Leute hübsch erzogen, na, vor Gericht sprächen sie sich wieder und der Schulze mit seinem Gensdarmen würde da Zeugnis ad zulegen haben. Am Ende hätte der Dicke sogar selbst noch ei»- mal mit lauter Stimme sämtliche beleidigende Redensarten vor gelesen, damit die Zeugen ja auch nicht auf eine einzige vergessen sollten. Franz Stein beruhigte seine Leute nach Kräfte». Sie hätte» unrecht getan, sagte er ihnen, als sie das Verbot mißachteten• und nicht minder, als sie sich zu Beleidigungen hinreißen ließe» j -A f 147 — freilich sei beide» verzeihlich genug und er näme die Folgen dieser Fehler one weitere» auf sich. Mit einem neuen Gutsbc- sizer— meinte und sagte er— werde sich schon reden lassen, wenn sich der Aergcr über die ihm widerfarene Unbill erst gelegt hätte. Aber mit deni neuen Gutsbesizer ließ sich nicht so leicht reden. Franz Stein sah das schon ein, ehe er noch ein Wort mit ihm gesprochen hatte. Als er sich nach dem Namen des Mannes erkundigte, antwortete man ihm, der heiße Specht und sei ein reicher Herr aus der Hauptstadt; niemand könne sich erklären, was der eigentlich hier auf dem Dorfe mit so einein Gute an- fangen wolle. Herr Specht war Franz Stein in neuester Zeit par renommäe wol bekant geworden. Mit ihm in Beziehungen zu treten, ihn sogar um etwas, was er nach Belieben gewären oder verweigern konte, angehen zu müssen, war dem jungen Fabrikdirektor ab- scheulich unangenem. Aber was blieb ihm übrig? Er sah über- Haupt keinen Ausweg— er mußte sich von Specht die Erlaub- nis zur Bennzung des Weges im Notfall erkaufe». Doch»ein — sagte er sich— nicht erst im Notfalle; im vorhinein beschloß er dem Käufer des Weidengutes eine annembare Entschädigung zu bieten. Und so tat er es auch. Herr Specht war des andern Mor- gcns auf seinem Gute nicht zu finden. Ter Weidenbauer war noch nicht fortgczogen, hatte aber jenem zwei Zimmer eingeräumt, in welchen er die Nacht verbracht hatte. Aber in aller Frühe, um vier Uhr morgens schon, also zu einer Zeit, wo man unmög- lich Besuche machen konte, war er bereits wieder nach B. ab- gereist. Für Franz Stein ivar keine Zeit zu verlieren; mit dem Mit- tagzuge für er dem Nachfolger des Weidenbauer nach in die Stadt. lieber Spechts Wohnung gab das Adreßbuch Aufschluß. Aber anzutreffen war er auch hier nicht sogleich. Er sei in Geschäften aus, sagte das uns schon bekante Mädchen, welches Franz Stein empfing und sehr zuvorkommend, oder, wie es ihm scheinen wollte, allzu eutgegenkommend, einlud in den Salon eintreten und auf Herrn Specht warten zu wollen. Ziemlich kurz lehnte er das ab; er werde wiederkommen und bäte vorläufig nur, Herrn Specht seine Karte zu überreichen. Als er gegen Abend wiederkam, teilte ihm die Zofe mit, Herr Specht sei zuhause— der Herr möge nur freundlichst in den Salon eintreten. Im Salon war aber der Herr Specht vor- läufig noch nicht— er kam auch nicht sogleich. Franz Stein hatte sich eben niedergelassen, als sich die Tür öffnete und nicht der Erwartete, sondern eine Dame eintrat. (gorN«,ung solgt.) Man und die Mngals-Höhle. Fünfter Reisebrif aus Schottland von L. Viereck. lDie Haupttourcn im Hochlande. Tie Behilel des Touristen. Loch �athrine und die litcrariichcn Rcminiscenzen. Fehlendes Lokal-Kolorit der deutschen Romane. Oda» und der Atlantik.— Eine Exkursion zur Fingals-Höhle auf Staffa.) Wenn man von Stirling aus über Kallandcr mit der Kalc donien Eisenbahn nach Obau färt, durchschneidet man die Gram- Pians in ihrer ganzen Breite und hat zu beiden Seiten die in- tecessantestcn und beliebtesten Punkte des Hochlandes. Hier hat man zur Linken das idyllische Tal der Trossachs, die dicht vor dem Loch Kathrine liegen. Dieser See und der vierzig Kilo- Meter lange und bis zu neun Kilometer breite Loch Lomaud werden im Sommer täglich von Dampfern befaren. Jnverary liegt großartig schön am Loch Fyne und nördlich fürt das schon krwänte, exemplarisch öde und schauerliche Tal von Glencoe nach dem mit Recht so gefeierten Ballachulisch. Obau selbst endlich mit seiner Umgebung und den Inseln, die davor und südlich bis zur Mündung des Clyde zerstreut liegen, enthalten die Summe dessen, was man mindestens gesehen haben muß, um sage» zu dürfen, daß man im Hochland war. Dabei hat man über noch zwei weitere Hauptstrecken unberücksichtigt gelassen und daß sind„. � 1) Tie Dampsschifftour von Obau durch den Kaledonien- Kanal nach Jnverneß und 2) Die Ueberlandtvur der Kighland- Railway(Hochland Eisenbahn) von Jnverneß durch den Paß von Killiekraukie nach Perth und der jüngst so traurig ausgezeichneten Stätte der zu Mmmengebrochenen Tay-Brücke. Bede Strecken, die wir in unser Programm eingeschlossen hatten, mußten„schottischen Wetters halber" zu den Akten gelegt werden. Der geneigte Leser wird daher von mir keine schil- derung erwarten dürfen, da ich nur aus eigener Warnehmung berichten möchte. Ich gebe nur einige Bemerkunge».-deren Un- lerlassung eine merkliche Lücke in dem Gesamtbild angeben wurde. Die Tour von Obau»ach Jnverneß ist etwa 1öl> englyche Meilen lang und dadurch besonders nierkwürdig, daß sie die Maffcrverbindung zweier Meere— des Atlantik und der Nord- we— quer durch ein ganzes Land bildet, das man durchreisen k°»n. one einen Fuß aus das Land zu sezen. In dem einschnitt Zwischen den eben gedachten beiden Endpunkten befinden sich, wie 'm vorigen Bris geschildert, eine Kette von großen seen und es bedurfte nur der Anlage von vierundzivanzig Meileii Kanal- bauten, um von Meer zu Meer eine Verbindung für schiffe bis � tausend Tonnen Tragkraft herzustellen. Ter Kanal kostete seiner b'elen Schleusen halber eine Million Pfd. st. und wurde schon im 4are 1822 eröffnet. Die Tour Oban-Jiivernes, wird gepriesen, in schottischer Ausgabe die Schönheiten einer Rheinreise vorzufüren und dabei an Bergen wie den mehrerwänten Ben-Nevis,— der übrigens auch nicht an die Schneelinie heranreicht— vorbeizukommen. Ich überlasse es jedem, ob er es glauben will. Ich gehöre zu den Ungläubigen und meine, daß John Bull sich nicht in so zalreichen Exemplaren alljärlich am Rhein Präsentiren würde, wenn er es auf seiner Insel ebenso schön haben könte. Etwas hätte er onehi» hier voraus, und dieses Etwas hat in Schottland eine ganz eminente Bedeutung und das ist der„Ben- isicvis-Thau," wie inan hier ciiphemistisch den schottischen alten — Whiskey»ent. Ja wol, schottischer Whiskey! Dies Thema hat aber eine zu weittragende Bedeutung für Schottland, als daß ich es hier so zu sagen in Parcntcse erledige» könte. Werfen wir jezt noch einen Blick auf de» Jnverneß-Perth. Landschaftlich ist diese Gebirgs-Eisenbahn ausgezeichnet, daß sie sich beinahe fortwärend in ganz engen Flußtälcrn bewegt, indem sie das Spey- Tal bis zur Wasserscheide hinaufklimt, die Wasserscheide zwischen Talnaspidal und Dalwhinnie überschreitet und mit dem Tay in die Ebene hinabsteigt. Historisch erinnern uns zwei Punkte namentlich an die Geschichte der Stuarts. Es ist dies der Paß Killickrankie,»ach welchem die Schlacht vom Juli 1689 be- nant worden ist. In diesem für die Stuarts siegreichen Ren- kontre wurde der englische General Mackay, der für Wilhelm III. koinmandirte, geschlagen. Der Sieger Wiskourt Dundee verlor aber selbst das Leben und erreichte nichts für seinen Prätendenten. Noch schlimmer endete die Affaire von Culloden, einem Flecken fünf englische Meilen von Jnverneß am Moray Firth. Hier versuchte der leztc Stuart, Prinz Karl Eduard, im Jare 1746 mit französischer Hilfe das Schlachtenglück gegen die herschende Dynastie Hannover. Aber selbst die Männer aus deni Klan Macdonald wankten, die es vorher noch als ihr altes Recht reklamirt hatten, auf dem rechten Flügel zu kämpfen. Voller Todesmut forderte jezt der Lord Elcho den Prätendenten auf, sich selbst an die Spize seiner Truppen zu stellen. Der Prinz zögerte und— lehnte ab. Die Geschichte des Hauses Stuart endete mit diesem Tage, dem 16. April 1746. Außer den vorstehenden kurz skizzirten beiden Linien haben wir im Hochland keine größere Eisenbahnstrecke, wie denn die Länge der gesamten schottischen Eisenbahnen noch keine dreitausend englische Meilen ausmacht. Der Verkehr ist demnach auf andere Vehikel angewiesen und sind diese: Dampfschiff und Kutsche(coach). Auf den Haupttoureu ist ein steter Anschluß vorhanden und kann inan Billets erhalten, die nach- und untereinander und in häufiger Abwechslung für Eisenbahn, Schiff und Kutsche gelten. Wir fuhren z. B. in einem Tage mit der Bahn nach Eallander, nahmen -- 148- bort die Kutsche durch die Trossochs nach dem Loch Kathrine, Lomand, von dessen einem Ende zum andern mit dem Damps- Dampfschiff über diesen, dann mit der Kutsche nach dem Loch böte, bis wir bei der Haltestelle des Zuges landeten, der uns Abends nach Glasgow brachte. Hat man sich jeden lästigen man sieht Berg und Tal. Wald und See, und hat mit einem- Gepäcks entschlagen und ist vor allem das Wetter günstig, gibt mal ein Bild von der Hochlandsszeuerie Wer freilich nichts es kaum eine interessantere und abwechslungsreichere Tagesreise; weiter sehen würde, als diesen Kreisausschnitt würde nicht de» 150 richtigen Eindruck mitnemen von den karakteristischen Momenten des Ganzen. Es liegen diese Partien noch zu sehr im Bereiche menschlicher Civilisation und namentlich der Waldbestand erinnert noch zu sehr an kontinentale Gebirgspartien. Es ist fast das Verhältnis, als ob man von dem Besuche des Rigi und Bier- waldstättersee's einen Eindruck gewinnen wollte von den Gebirgen der Schweiz. Die„coaches" sind für diese Touren ein sehr an- gemessenes Beförderungsmittel. Im niedrigen Wagen selbst sind keine Size, nur Raum für Gepäck und Pferdefutter. Sämtliche Size sind auf dem Verdecke des Wagens, wo dann vier bis sechs Reihen Bänke, jedesmal für vier bis fünf Personen berechnet, angebracht sind. Man hat auf diese Weise den denkbar freiesten Ueberblick über die ganze Gegend, freilich unter Verzicht auf jedweden Schuz gegen Wind und Wetter. Die Kutschen werden von vier bis sechs Pferden gezogen, die dann in einer außeror- dentlichen Geschwindigkeit Berg auf und Berg ab rasen. Zivi- fchen den Seen ist jedesmal eine Wasserscheide und oft von ganz ansehnlicher Höhe. Hat man diese erreicht, so schwindelt häufig das ungewohnte Auge, wenn es in die steile Tiefe nach dem See zu herabschweift. Tie Pferde sind indessen an die Wege gewöhnt und traben sehr sicher. Es würde diese Skizze ungebürlich verlängern, Ivenn ich auf die Schilderung einzelner Szenerien und Rundblicke eingehen wollte. Das Interesse knüpft sich vielfach auch nur an die literarische und historische Denkwürdigkeit des Plazes. Die Reise- fürer berichten fast allenthalben von Begebenheiten der Sage oder Geschichte, die hier vor sich gingen. Fehlt es an beiden, so ist es gewiß ein Roman von Walter Scott oder ein Gedicht von Robert Bnrns, welchem die betreffende Lokalität als Basis dient. So ist der Loch Kathrin?, abgesehen davon, daß er die Wasser- leitung für Glasgow speist, sicherlich nur durch W. Scott's Poesie „Lady of tbe lake"(„die Jungfrau vom See") zu einer gewissen Berühmtheit gelangt und die ständige Frage der Reisenden geht nach der„Ellens-lsle"(„Ellens Insel"). Dem Böotier, der diese Dinge nicht einmal aus seinem Bädecker kennen sollte, bietet der schottische Geschäftssinn eine praktische Hilfe. Wie in Amerika auf den Schnellzügen sind hier allenthalben aus den Dampf- schiffen fliegende Buchhändler, welche außer den Abbildungen auch jedesmal die bezügliche klassische Literatur zu einem billigen Preise feilbieten. Diese Industrie ist sicherlich eine sehr nachamenslverte. Was könte in Deutschland z. B. nicht für die Verbreitung der Literatur auf diese Weise erzielt werden? Es müßten allerdings unsere Schriftsteller die Unsitte ablegen, meist fingirte Namen für die Lokalitäten einzufüren und womöglich noch außer dem fingirten Namen, um ja den Leser von der richtigen Färte abzubringen, erdichtete Züge dem Lokalkolorit einzufügen. Die Engländer und namentlich die Franzosen denken darin weit vernünftiger. Die meisten Romane spielen in Paris resp. London, ereignen sie sich aber in der Provinz, so bringen sie erst recht eine konkrete Orts- schilderung. Der im lezten Winter in Paris verstorbene Gustave Flaubcrt z. B. war in Ronen gebürtig und tat meiner Ansicht nach sehr gut daran, seinen ersten Roman, der ihn zum berühmten Schriftsteller machte,„Madama Bovary'', in Rouen und Um gebung spielen zu lassen. Seine Schilderungen haben dadurch außerordentlich an konkreter Gestaltung gewonnen und der Leser ist in der angenemen Lage, jederzeit die Warscheinlichkeit der Vorgänge nach Ranm und Zeit prüfen zu können. Was die ge- schilderten Gegenden dabei gewinnen, liegt auf der Hand und ist im Interesse einer unzweifelhaft dadurch erhöhten Reiselust. Aber ich weiß in Deutschland verhältnismüßig nur wenige Punkte, an welche siäi allgemein bekante literarische Reminiscenzen knüpfen. Zum Unglück hat noch dazu der bekanteste Fall in dieser Art sehr schlimme Früdste gezeitigt. Ich meine die Vcrherlichung der guten Seestadt Leipzig im„Faust". Seitdem hat sich sehr vielen Be- wonern dieser guten Stadt ein Lokal-Größenwahn bemächtigt, der allerdings bedenklich ist, aber trozdem die Richtigkeit des von mir vertretenen Grundsazes keineswegs beeinträchtigt.— Ein sehr geeigneter Plaz für Hochlandreisende ist das Städtchen Oban, in einer Lage an der Küste des atlantischen Ozeans, die ihres Gleichen sucht. Eine halbrunde Bay mit krystallklarem Wasser ist von allen Seiten durch eine Hügelkette eingeschlossen, die in Terrassen zur Küste herabsteigt. Erreicht man Obau von der Wasserseite, so Übersicht man auf einmal sämtliche Häuser des Städtchens, in denen fid) wärend der Reisesaison in einer Woche häufig mehr Fremde ansammeln, als sie ständige Bewohner zälen(gegen 3000). Die größeren Hotels liegen meist in be- vorzugter freier Lage von Gärten umgeben. Wir walten nns das höchstgelegenste aus, zu dem der Aufstieg ziemlich anstrengend war. Wir wurden aber durch die Herlid)kcit des Panoramas von unserem Fenster aus für alle Anstrengungen mehr wie ent- schädigt. Bor der Bay von Oban hat man eine ganze Anzal größerer und kleinerer Inseln, die Hebriden, deren Felsen sich aus dieser Art Vogelperspektive wirklich prächtig ausnemen. Nack) Südwest genießt man aber den Durchblick auf den Atlantik selbst. Tausende von Meilen könte man in dieser Richtung fort- eilen, one Land zu begegnen und das schnellste Schiff würde mehr wie eine Woche brauchen, um in New-Foundland die nächste Küste Amerikas zu erreichen. Wenn man auf hoher See weilt, gewint man nicht die volle Empfindung von der gewaltigen Größe des Ozeans. Sehr natürlich, denn es fehlt der dritte Gegenstand, mit dessen Maßen man die Meeresfläche vergleichen könte. Be- findet man sich dagegen auf einem Aussichtspunkte an der See, der zugleich den Ueberblick über ein großes Stück Land gewärt, dann wird eine viel mächtigere Vorstellung von den ungeheueren Dimensionen des Ozeans sich unzweifelhaft uns einprägen. Un- vergleichlich schön hat Shelley den Empfindungen Ausdruck gegeben, wie sie in Momenten, wo ein ungestörter Genuß des Meeres vergönt, das Menschenherz erfüllen! TJnfathomable Sea, whose waves are years, Ocean of Time, whose waters of deep woe, Are brackish with the Salt of human tears; Thon shoreless flood, which in thy ebb and flow, Ciaspest the limits of mortality, And sick of prey, yet howliug on for more, Vomitest thy wrecks on its inhospitable Shore; Treacherous in Calm, and terrible in Storm. Who shall put forth on thee, Unfathomable Sea. Zu Deutsch etwa: Unermeßliches Meer, dessen Wogen Jare sind: Ozean der Zeit, dessen Gewässer vom tiefen Weh der Menschenherzen salzig sind: du gestadeloses Gewässer, das du mit deiner Ebbe und Flut einschließest die Grenzen der Sterblichen: schon übersättigt zwar von der reichen Beute, begehrest du doch stets noch mehr und speiest aus deine Schiffstrümmer auf deren ungastlichen Strand: verräterisch in Ruhe und schrecklich im Sturme, wer soll sich auf dich wagen, unermeßliches Meer?— Von all den zallosen Touren, die von Oban aus zu Wasser und zu Lande unternommen werden können, ist keine interessanter und origineller, als der Ausflug zur Fingalshöhle auf der Insel Staffa. Das Dampfschiff braucht etwa 5 6 Stunden, um die Insel Mull zu umschiffen und durch eine Kette schauerlicher Klippen bis in die Nähe von Staffa zu gelangen. Die Fart bietet genügende Gelegenheit, die Küstenbildung' im Detail zu studiren. Die Gestaltung der Felsen ist eine zu verschiedenartige, als daß man eine allgemeine Schilderung versuchen könte. Eins schien mir besonders mcrklvürdig, daß nämlich die Gewässer stets ziemlich unvermittelt von bedeutender Höhe, teils in einzelnen Kaskaden, teils auch in einem einzigen Fall ins Meer stürzen. Aenlich wie an der Küste von Mull habe ich diese Erscheinung nirgends wargenommen. Beim Loch Lomand z. B.. in den eine Reihe von Bächen münden, findet man allemal, daß das Wasser sich ein Bett gegraben hat. Geikie. dessen illustrirtes Werk, „Szenerie von Schottland" in wissenschaftlicher Hinsicht völlig zuverlässig sein soll, und der auch geologische Kartenskizzen mitteilt, belehrt uns, daß die Hebriden vulkanischen Ursprungs sind und daß ihre Basaltfelseu der Miocän- Periode angehören. Ich bin nicht Geologe genug, um zu wissen, ob darnach durch die Terrainbeschaffenheit diese Erscheinung genügend erklärt ist. Wie dem auch sein möge, diese Wasserfälle tragen bedentend dazu bei, den Reiz der Küste zu erhöhen, die sonst durchgängig aus öden Felsenmassen besteht. Das genante Werk belehrt uns ferner, daß die weiter nördlich belegene kleine Insel Eigg, die ebenfalls zu den Hebriden gehört, das auffallendste Beispiel von dem Nicht- Vorhandensein einer Vegetation unter sämtlichen britischen Inseln sein soll. Mir komt das fast so vor, als ob man von einem Weniger an Bekleidung sprechen wollte, als sie eine Venus Ana dyomene aufweist. Meiner Phantasie ist wenigstens die Vorstellung einer noch größeren Oede nicht möglich, als sie diese Küsten schon bieten. . � Iustl staffa nimt sick) aus der Entfernung änlick) aus, wie die Felsenformation im Norden und Nordosten von Born- Holm. Auch aus Bornholm findet man eine große Höhle, in die man vom Meere aus mit einem Boote hineinfaren kann. Man merkt indessen sehr bald, daß der Atlantik an der als stürmisch und gefärlich verschrienen Küste der Hebriden denn doch ein an� deres Gewässer ist als unsere gemütliche Ostsee. Das Schiff kann nur mit großer Vorsicht sich nahen und wirft schon in ziemlicher Entfernung Anker. Ehe man es sich versieht, sind eine Anzal Rettungsboote beim Schiff, die von der Dampferkompagnie für die Passagiere bestellt sind. Ein par kräftige Matrosenfäuste packen zu und nach einem Augenblick zwischen Himmel und Meer, sizt man völlig sicher in dem starkgepanzerten, sehr soliden Ret- tungsboote. Wir hatten einen für Schottland phänomenal schönen Tag- die Sonne schien; der Wind, der des Morgens etwas geweht hatte, war ganz eingeschlafen und jedermann glaubte, daß der angedliche Normalfall vorläge d. h. die in der Ankündigung ge- machte Zusage,„bei gutem Wetter" mit dem Boot in die Höhle einzufaren. Tie Lootsen belehrten uns, daß so ruhige See bei- nahe nie vorkäme, um diese Fart riskiren zu können. So mußten wir denn mit dem Boote an dem der Höhle cntgegengesezteu Ende der Insel landen und den Marsch durch deren ganze Ausdehnung erst vornemen. Ter Anstieg und der Weg über das Plateau lassen an romantischer Wildheit nichts zu wünschen übrig. Zur Erhöhung des Genusses diente weniger die Feuchtigkeit der oberen Wiesenschicht— man versank hänsig bis über die Knöchel— als eine stattliche Heerde von schottischem Rindvieh, welche meines Wissens die einzigen Bewohner der Insel Staffa aus der Fa- milie der Säugetiere sind. Sie schienen von unserm Besuche keineswegs erbaut und bei einigen der durchaus nicht gutmütig hreinschauenden Stiere regten sich offenbar Gelüste, mit uns Ein- dringlingen den Strauß aufzunemen. Wir marschirten indessen mit allen Kräften und waren denn auch nach 20 Minuten bei der großen und steilen Treppe angelangt, die zur Ostküste herab- fürt. Man befindet sich unten am Eingange der Clam- Shell- Höhle, die indessen nicht zugänglich ist. Der Fürer treibt zur größten Eile und so stolpert man denn über eine Anzal von Felsblöcken der Fingals-Höhle zu, getragen von dem Bewußt- sein, daß ein Fehltritt genügt, um sicher jede Wiederholung dieses Abenteuers unmöglich zu machen. Der Besuch der Höhle ist es aber wirklich wert, daß man eine gefärliche Kletterei ihretwegen unternimt. Der Eingang präsentirte sich wie ein riesiges Portal mit gigantisch hohen Säulen. Diese sind in Wirklichkeit nicht höher wie 30- 40 Fuß, da die Decke der Höhle im Innern nirgends mehr wie 20 Meter über die Wasserfläche sich erhebt, und reichlich ein Drittel der Portalhöhe einzeln aufgetürmte Felsblöcke sind. Die Höhle selbst geht nun über 200 Fuß weit in das Innere, und kann nur auf einer in den Felsen befindlichen natürlichen Gallerie, an der man eiserne Geländer angebracht und die zum Teil auch mit Holzbrettern bekleidet ist, in das Innere hineingehen. Den Boden der Höhle füllt das Meer aus, die Brandung zischt empor und die feuchte Beschaffenheit der Gallerien verrät, daß bei stürmischer Witterung die Wogen über sie hinweggehen. Man hat ein Natnrerzeugnis ersten Ranges vor sich, dessen voller Genuß aber sehr empfindlich dadurch beein trächtigt wird, daß man im großen Haufen hineingetrieben wird und dann auf Kommando des Fürers wieder fort muß. Wer es irgend einrichten kann, sollte in der benachbarten Insel Jona sich einquartieren und von dort aus mit dem. Segelboot den Besuch vornemen. Zum richtigen Eindrucke gehört auch eine feierliche Stille, wie sie außer dem Heulen des Windes und dem Brausen der Wogen auch stets auf Staffa vorhanden ist. Zwei salbungs- volle Reisegefärten kanten sich aber nicht enthalten, in der Höhle einen Psalm anzustimmen und mit ihren nichts weniger als melodischen Stimmen die ganze Gesellschaft zu behelligen. Eine gute Orgel könte dagegen großartig wirken in diesem natürlichen Dome. Grade der Unistand, daß alles, was man sieht, von der Natur selbst hervorgebracht ist, scheint mir unbedingt das Merk- würdigste dieser Höhle. Die einzelnen Säulen und Felsblöcke sehen aus wie von Bildhauers Hand gemeißelt und das Ensemble würde bei einem menschlichen Bauwerke sicherlich keinen gemeinen Geschmack bezeugen. Zehr karakteristische wirkt, daß die Felsblöcke nicht quadratische sondern mit einer einzigen Ausname fünf oder sechseckige Seitenflächen haben. Auf diqe Weise wird das Ganze außerordentlich belebt, was vielleicht unsere Baumeisters in Er» ivägung ziehen sollten. Die inneren Wände der Höhle bestehen nicht von oben bis unten aus einer soliden Masse, sondern aus Würfeln, die in ziemlich gleichen Distanzen auf einander gehäuft sind. Eine vortreffliche Beschreibung in Versen gibt Walter Scott. Da mein Bris aber schon sehr lang geworden ist, verzichte ich auf deren Wiedergabc, indem ich hoffe, mit Vorstehendem schon die Vorstellung geweckt zu haben, daß hier die Natur ein wun- derbares und großartiges Stück geleistet hat.— Die Religion der Vergangenheit und der ZuKunst.*) Von Dr. A. Israet. Borwort. Zwei Weltanschauungen stehen sich gegenwärtig kampfgegürtet gegenüber, der Monismus*) und der Supranaluralismus. Um geben von den stattlichen Gruppen, welche die Naturiviffenschaften ihm liefern, tritt der erstere mit der ganzen Vollkraft, dem Feuer und llebermut eines jugendlichen Kämpfers gegen ven ältere» �upranaturalismns auf, gewiß, ihn aus seiner Position, die er üfele Jartausende inne hatte, zu verdrängen und seine Burgen, mc Kirchen, zu zerstören. Dieser dagegen weist auf die mannig faltigen Woltaten hin, welche er der Menschheit gcwärte und deren sie, nach seiner Behauptung, unter der Aegide des Monismus verlustig gehen müsse. Mit dem erstcrcn halten es gewönlich die Männer des konsequenten Denkens, die alle Argumente, welche uichr die Prüfung strenger Logik bestehen, unerbittlich veriversen; mit dem andern die, welche um die idealen Güter besorgt sind, d>e sie vom Monismus gefärdet glauben. Es hat sich immer an neueren Ideen bitter gerächt, wenn sie *) Die philosophische Lehre von der Einheit und Natürlichkeit alles össsen, was da ist; wärend der Supranaturalismus der Glaube an die Existenz eines Uebernatürlichen ist, das seine Spize in dem chnst llchen Gott hat. ihre kulturgeschichtlich bedeutsamen Gegner geringschüzig behandelt und, den Maßstab der Logik allein anlegend, mit den mannig- faltigen psychologischen Faktoren, denen jene entsprungen waren, nicht gerechnet haben. Nicht ganz mit Unrecht wurde ihnen von gegnerischer Seite der Vorwurf gemacht, daß sie zerstören, one wieder aufzubauen und die Fundamente der idealen Kultur er- schüttern. Auch der Monismus ist in vielen seiner Vertreter in diesen Fehler verfallen. Er übersah, daß die supranaturalistische Reli- gion, speziell das Christentum, auf so manche Dissonanzen des Daseins versöhnend wirkte und insbesondere die sittliche Entwicklung durcki kräftige Motive förderte. Es sind zwar schon mancherlei Versuche gemacht worden, die Moral aus monistischer Grundlage aufzubauen. Soweit wir die- selben jedoch kennen, bestehen sie mehr in einer Aufstellung von moralischen Grundprinzipien, als in einer zureichenden logischen Zurückfürung derselben auf den Glückseligkeitstrieb. Bei der Moral handelt es sich aber vorzugsweise darum, daß Beweg- gründe geschaffen werden, welche als lebendige Macht den Willen zu regieren imstande sind. Das Ungenügende solcher Begründungen fülend haben manche Vertreter des Monismus sich dahin resignirt, daß diese Lehre sich nur für die Gebildeten eigne; die Massen aber sollten vor- erst dem Supranaturalismus nicht entzogen werden. Ein be- *) Wir bitten unsere Leser, dieser äußerst populär gehaltenen philosophischen Arbeit one Vorurteil, aber scharf prüfend zu solgen; f� bietet nngewönlich reichen Stoff zum Nachdenken, und zur Aufklärung. Soweit sie von unserm zur Genüge bekanten Standpunkte einer Beantwortung bedarf, wird sie dieselbe finden. D. Red. d.„N. 28. fanter Darwinianer soll sogar den Wunderglauben fiir die Massen vom„praktischen" Gesichtspunkte enipfolen haben, weil er von der Berzweiflung und vom Selbstmord abhalten könne. Wir können den Verfechtern des Supranaturalismus die scharfen Bemerkungen über derartige Windungen warlich nicht verdenke»*). Ist der Monismus eine Warheit und vermag er allen psychologischen Bedürfnisseu der„Gebildeten" vollkommen zu entsprechen, so muß er auch zur Volksreligion werden können. So weit ist warlich die Kluft nicht zwischen Volk und Gebildeten, daß man einer solchen Distinktion beistimmen fönte, welche überdies eine höchst unsittliche Hypokrisie und eine Geistesaristokratie begünstigen würde, welche sich gegen das demokratische Christen- tum kläglich ausnimt. Das vorliegende Buch, das den Monismus in seiner Eni- Wicklung und seineni Verhältnis zum Supranaturalismus zu be- greifen und von manchen neuen Seiten zu beleuchten sucht, ist besonders bestrebt, zu zeigen, wie derselbe die Lücken vollkommen ausfüllt, welche im menschlichen Seelenleben durch die Aufhebung des Supranaturalismus entstehen müssen. Zugleich aber wird zwischen den beiden hadernden Geistesmächten der Frieden zu vermittlen gesucht; nicht durch einen schwächlichen Kompromiß, der hüben und drüben Halbheiten fordert, sondern dadurch, daß das geschichtlich nicht zu umgehende Prinzip der Entwicklung geltend gemacht und als Brücke vom Alten zum Neuen ausge- schlagen wird. Unsere Erörterung fürt zu dem praktischen Re- sultat, daß der Monismus keineswegs eine feindselige Haltung gegen das Christentum einnemen sollte; was er von dem lezteren fordern darf, ist nur, daß es nicht stabil bleiben will, sondern redlich und marheitsliebend seine Hallen den Straten der Wissen- schaft erschließt, den sicheren Ergebnissen redlicher Forschung nicht halsstarrig den Rücken wendet, sie vielmehr in sich anfnimt und seinen idealen Kern, den auch der Monismus anerkent, von dem- selben durchdringen läßt. Ist der Monismus eine Warheit, so wird es auf diese Weise allmälich sich zu ihm transsormiren, one seinen edlen Gehalt, seinen Dust und seine Farbe einzubüßen. Erster Abschnitt. Die Weltanschauung des Altertums, des Wittekalters und der Zleuzeit. 1. Kapitel. Die drei Weltalter. Sein und Werden in den beiden ersten. Die moderne Kulturepoche hebt sich von der früheren in sehr markanter Weise zunächst durch die reichere Einsicht ab, welche der Mensch in die geheime Werkstätte der Natur erlangt, durch die Ausdehnung, welche seine Herschaft über ihre Kräfte errungen cm"Vro r�-er einerseits seine Bedürfnisse mit immer geringerer Muhe zu befriedigen vermag, indem er die Geister der Natur m sein Joch spant und ihnen einen Teil der Arbeit aufbürdet, die er sonst selbst im Schweiße seines Angesichts verrichten mußte — und wodurch er anderseits dem Leben neue, reichlich strömende Quellen des Behagens, der sinnlichen und intellefmellen Freude, ossncte. �tiese vorwiegend materiellen Errungenschaften des zu iintner höherer Vollkommenheit sich entwickelnden Menschengeistes werden aber vielleicht an Bedeutung in den Schatten gestellt durch eine andere, welche zwar an sich rein intellektueller Natur ist, Pfiff/ Ueber den Einfluß des Darwinismus auf unser staat- liches Leben. Im Dorf i Eine Geschichte aus dem Jezt waren sie da. wo jener Pfad vorüberfürte, wärend es 1 steh lenseits desselben in schroffem Absturz wieder zu einem wüsten Felde zackiger, von wildem Gesträuch überwucherten Steintrümmer hinabsenkte. Das Gesicht vorsichtig um die scharfe Kante eines großen Felsblocks gewendet, spähten sie den in mäliger Steigung sich emponvindendenden schmalen Weg hinunter. Noch hörten und sahen sie nichts und sekundenlang kam ihnen die Befiirchtung, aber doch das ganze Kulturleben beherscht, weil sie Ideen betrifft, welche das Centralfeld der Gedankenwelt beherscht und das ganze Getriebe des Denkens und Handelns regnliren. Die Vorstellungen, welche der Mensch über die Entstehung der Welt und ihrer Er- scheinungsformeii sich bildete und weit noch mehr diejenigen, welche die Faktoren seines Schicksals, oder die lezten Ursachen betreffen, von welchen sein Glück und Unglück, sein Wohl und Wehe abhängt, endlich jene, womit er das Rätsel seiner selbst, sein Leben und seine Bestimmung, zu lösen glaubte, übten zu allen Zeiten den größten Einfluß auf das, was man Kultur nent, auf die Sitten, die Lebenseinrichtungen, die gesellschaftlichen und staat- liehen Beziehungen, auf das leibliche und geistige Wohl des ein- zelnen und der Gesamtheit. Ueberblicken wir die Kulturgeschichte von diesem Gesichtspunkt, so ergibt sich eine Gliederung, welche mit den drei großen Ge- schichtsperiodrn: Altertum, Mittelalter und Neuzeit, fast zusammen- fällt.— Das Altertum, womit wir hier vorzugsweise das griechische, als die Blume des antiken Weltalters, ins Auge fassen, ließ die Welt und ihre Geschöpfe durch übernatürliche ewige Wesen, Götter, ins Dasein treten und gab die Zügel der Welt- regierung in ihre Hände. Hierin stimte das Mittelalter mit ihm überein, nur daß es die himlische Oligarchie in eine Monarchie, beziehungsweise in ein Triumvirat verwandelt hatte und die Her- schaft der Gottheit über die Natur und das menschliche Geschick noch weiter ausdehnte, stärker betonte.„Bei Gott ist kein Ding unmöglich" und„Es fällt kein Sperling vom Dache one den Willen meines Vaters im Himmel"— diese Worte kenzeichnen den mittelalterlichen Gott als absoluten Herrn des Schicksals und der Natur. Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit, Ueberfluß und Mangel, Reichtum und Armut, Gewinn und Ver- lust, Ehre und Schande. Krieg und Frieden, Sieg und Nieder- läge, Glück und Unglück der Personen wie der Völker, wie nicht minder die bunte Mannigfaltigkeit im Wechsel des Naturlebens, sind Wirkungen eines planmäßigen Waltens der Vorsehung, Willensakte des weisen und gütigen, aber in seinem Ratschluß unerforschlichen Weltregenten. 2. Kapitel. Der Kultus. Waren die beiden älteren Kulturperioden darin einig, daß sie übernatürliche, im menschlichen Ebenbild vorgestellte Mächte als Faktoren der menschlichen Geschicke sich dachten, so waren sie es auch darin, daß sie es in die Hand des Nienschen selbst stellten, auf die Entschließung der Gottheit einzuwirken; über die Mittel hingegen, durch welche auf den, das Menschengeschick be- stimmenden, göttlichen Willen gewirkt werden kann, gingen sie ziemlich auseinander. Die Bewohner des Olymps, die vermöge des noch wenig entwickelten etischen Bewußtseins des Zeitalters mehr sinnlicher Natur und egoistischen Karakters waren, ließen sich vorzugsweise durch Opfer, die der Mensch ihnen darbrachte, bewegen, dessen Schicksal günstig zu gestalten. Erst bei den spä- teren Dichtern und Philosophen zeigen sich die Knospen und Blüten einer etischen Gottesverehrung. Im Kultus des jüdisch- christlichen Gottes hingegen behaupten die sittlichen Ideen den Vorrang, wenn auch in der Praxis ein dem Opferwesen ver- wanter Gebet- und Zeremonienkult sich vordrängte und jenen das Feld streitig machte. In der Teorie ließ sich die Gottheit vor- zugsweise durch ein sittliches Leben der Individuen und der Völker bestimmen, die Wage ihres Geschicks nach der angenemen Seite zu belasten, Leid und Mißgeschick von ihnen abzuwenden und ihnen Segen zu spenden. (Fortlezung solgt.) T Schmied. ilsaß von Mar Bogter.(11. Forsezung.) der Erwartete könne schon vorübergeschritten und weiter in's Gebirge hinaufgegangen sein. Gleich darauf aber sagten sie sich, daß ihnen das Glück besonders günstig gewesen; denn durch die Stille der Nacht hallten Schritte und die breitschultrige hohe Gestalt des Holzbauern, im vollen Mondlicht deutlich erkennbar, kam herauf. Er schritt langsam, tief in Gedanken; denn das, was ihm Jakob Barthold, dem er vor kaum zehn Minuten die Hand zum Abschied gedrückt, so treuherzig ossenbart, beschäftigte ihn noch weiter und mit so kräftigen Worten er ihm auch, als sie sich trenten, Zuversicht empfolen, empfand er doch ein heim- liches, fast mitleidsvolles Bangen, wenn er sich alle Umstände zum Bewußtsein brachte und bei sich überlegte, welche schweren Kämpfe der junge Meister dieser seiner Liebe zur Tochter des Traubenwirtes wegen vielleicht noch zn überstehen haben würde, um nur je— und das schien ihm, wie er jezt weiter darüber »achdachte, immer ungewisser— zu einem erwünschten Ziele zu gelangen. Was er freilich zu Gunsten Jakob Barthold's zu tun vermochte, wiederholte er bei sich selbst, das sollte geschehen. Ganz mit diesen Gedanken beschäftigt, hätte der Holzbauer, . auf dem steilen, monderhellten Pfad aufwärts schreitend, jezt am allerwenigsten daran gedacht, daß in seiner unmittelbaren Nähe, ihn als Opfer heischend, das Verderben lauere. Nun kam er am Versteck Beider, die die Hand wider ihn er- heben wollten, vorüber; er schritt langsam und sicher wie bisher, nicht rechts, noch links blickend, sondern die Augen sinnend auf den schneebedeckten, glizernden Boden gerichtet. Schnelleren und lauteren Schlags wol ging den Lauernden das Herz, als sie ihn nichtsahnend so an sich vorüberschreiten sahen, aber kein Gedanke an die �Nichtswürdigkeit des Anschlags, dem sie in den nächsten Augenblicken die Tat folgen lassen wollten, zuckte auch nur flüchtig hindurch, keine Empfindung der bubenhaften Feigheit, deren sie sich dadurch schuldig machten,— nichts hätte ihren Entschluß zum Wanken bringen können, er stand unabänderlich fest. Vorsichtig krochen sie hinter dem Granitblock hervor und traten auf den Weg, in welchem man jede Fußtapfe des eben Vorüber- gegangenen zu erkennen vermochte, hinaus,— nur wenige leise Schritte, wärend welcher sie den Atem gewaltsam zurückdrängten,— ein gegenseitiger, verständnisvoller Blick, den sie rasch miteinander wechselten,— und das heitere Licht des Mondes sah auf frevel- haften, an dem bravsten und besten der Menschen heimtücklsch voll- fürten Mord herab. Friz Kolin hatte ihn von hinten mit festem Griff an der Kehle gepackt, und der Alte war es gewesen, der mit scharfem Beil einen gut gezielten wuchtigen Hieb nach seinem Haupte ge- fürt; der tätlich Getroffene hatte nicht einmal Zeit gehabt, sich nach den Elenden umzuwenden oder auch nur den Versuch zu machen, sich zur Wehr zu sezen,— mit einem kurzen, rasch der Brust entfliegenden Seufzer war er in unmittelbarer Folge dieses Schlags zusainniengebrochen. Nun lag er, lang ausgestreckt, völlig bewußtlos am Boden. One viel Besinnen machten sich die Mörder daran, seine Taschen zn untersuchen und sie zu plündern,— der alte Kolin hatte sich nicht getäuscht, wenn er gehofft hatte, sich durch de» Raub zu einem beträchtlichen Teil wenigstens für den durch den miß- lungenen Schmuggel erlittenen Verlust zu entschädigen; man fand eine ziemlich bedeutende Summe baren Geldes, die der Getötete bei seinen Geschäftsfreunden auf der Reise eingezogen. Ebenso rasch wie die Plünderung geschehen, wurde das Geld zujich genommen and nicht minder schnell durch einen kräftigen Stoß die Leiche über den Rand des schmalen Wegs in den tiefen, steinigen Abgrund hinuntergeschleudert. Und nun freuten sich die beiden Ehrlosen der gelungenen Tat. Tief unten zwischen den Dornen und Felstrümmern mochte nun der Verhaßte liegen— und wer ihn fand, denken� daß ihm irgend ein Ungemach zugestoßen, das seinen tätlichen Fall in den Ab- grund hinabverfchuldet. Schnell waren sie wieder im Walde ver- schwunden, in welchem sie nun, wenn auch etwas weniger weit von jenem Pfade entfernt, als auf dem Heimwege, rasch heim- wärtS eilten. Sie glaubten, von niemand gesehen morden zu sein; daß jener Holzfäller, dessen Aussage sie dann vollends so schwer belasten sollte, wenige Schritte weiter droben im Gehölz ue bemerkt und dann ivieder rasch in das tiefere Dunkel des lezteren zurückgetreten war, hatten sie in ihrer Erregung, mtt der sie möglichst schnell hinwegzukommen strebten, durchaus nicht war- äenomnien, wie sie denn an die Möglichkeit einer Entdeckung über- Haupt nicht dachten. Nun hatten sie erreicht, was sie wünschten: alle Gefar, wegen ihres Schmuggels verraten zu werden, war beseitigt, der ihnen feindlich gesinte Holzbauer aus dem Wege geräumt und ihnen überdies noch die erwartete, sehr betrachtliche Beute geworden. Kein anderer Gedanke außer diesem, der sie ?vf dem Heimwege beschäftigte. Und als dann die Verhaftung Jakob Barthold's erfolgte, sahen sie selbst jenen andern auf ihrem Bivrdgange, als sie diesen in der Begleitung des Holzbauern beiiiertten, erst nur leise gehegten Wunsch erfüllt. Es war ihnen dann, als hätten sie diesen Verlauf der Dinge geahnt, und, wie gesagt, vor allem der Jüngere empfand darüber besondere Be- friedignng,— hatte es ihn doch auf das tiefste erzürnt, als er wenige Tage vorher aus der„goldenen Traube" heimging und an der Schmiede vorüberkam,— wie er Jakob Barthold am Feuer ein munteres, ausgelassenes Lied singen hörte; denn es war ihm kein Zweifel gewesen, daß es in heimlicher Schaden- freude über die Deniiitigung, die er so eben durch den Holzbauer erfaren, aus Hohn für ihn geschah,— der leztere hatte ihm wol, wie er die Schenke verließ, stehenden Fußes das Vorgefallene mitgeteilt und er hatte dem Schmied damit eine willkommene Botschaft gebracht,— er ballte die Fäuste heimlich für sich, wie ihm der helle, frohe Gesang bis weit in's Dorf hinab nachschallte er hätte dem verhaßten Sänger auf der Stelle die Kehle zu- schnüren können vor Beschämung und Zorn..... Aber dann vollends, als er in dunkler Zelle saß, wärend er Jakob Barthold frei wußte, Jakob Barthold— er knirschte die Worte in sich hinein,— der sich jezt vielleicht des heitersten, ungezwungensten Umgangs mit Helenen erfreute, hätte er sich das Haar zerraufen und an den Wänden rütteln können vor Wut. Es konte nicht dabei bleiben, ivie es jezt war,— s uchte er sich dann znivcilen zu besänftigen,— auch er mußte wieder aus der Haft entlassen werden, dann ivollte er sich bitter rächen für alles, ivas er jezt erduldete,— wußte er doch, daß gerade die Mit- teilungeil des Schmieds sein und seines Vaters Einlieferung in's Gefängnis zur nächsten Folge gehabt hatten— dann sollte der verabscheute, hinterlistige Nebenbuhler, wie er jezt Jakob Barthold nie anders bei sich nantc, seine Fäuste fühle». Doch es kam alles anders, als er erwartete,— als er immer »och glauben wollte. Peter Kolin empfand die einsame Haft noch schwerer und quälender als der Sohn. Denn der Wecker und Mahner in der eignen Brust, der nie sür immer schweigt, begann in dunkler, dumpfer Kerkerzelle sein ernstes Amt, erst ganz leis und sacht, wie oft ein Windhauch anhebt am stillen Tag, um dann zu mächtigem, ungestümen Sturme anzuwachsen, vom kühlen Ueberlegen immer ivieder zurückgewiesen, im jähen Troz der Bosheit spöttisch belächelt und verhöhnt,— aber um so ein- dringlicher dann und lauter seine Stimme erhebend, und schließ- lich stiegen dann aus dem Dunkel in voller Deutlichkeit Gestalten vor ihm auf, Gestalten mit schwerem, bitteren Vorwurf und ernster Anklage im Blick der Augen, und er konte sie nicht hin- wegbannen, sie wollten nicht wieder weichen, sondern wurden immer bewegter und belebter und neigten sich zu einander, als hielten sie Gericht über ihn. Und auch des Holzbauern markige Gestalt stieg dazivischen empor mit drohend erhobenem Arm,— er sah sich wieder auf dem Wege zu der blutigen Tat, in der stillen, mondhellen Nacht, neben den wunderlichen Felstrüininern. — das Heilandsbild am schwarzen, schattenumschivebten Stein,- ja, er schien es jezt zu wissen, Keffer als damals, daß es ihn mahnend zurückhalten, zur Einkehr bei sich selbst stimmeil wollte, — und er hätte es lieber nicht so deutlich gesehen, wie es sich' ihm immer und immer wieder darstellte, daß er es gewesen, der den mörderischen Hieb nach dem Kopfe des Holzbauern gefürt, und daß sie ihn dann zusamme» in den tiefe», felsigen Abgrund hinuntergeivorfen..... Wie ihn Bilder dieser Art fort und fort beschäftigten, fültc er seine Widerstandskraft mehr und mehr erlahmen, unter der Wirkung der Kerkerhaft begannen selbst seine an sich so gehärteten physischen Kräfte nach und nach zu sinken, und mit dem ivilden, finsteren Troz, der ihm sonst eigen, ging es zu Ende. Die Aussage jenes Holzfällers, daß er sie in der verhängnisvollen Nacht in der Nähe des Tatorts gesehen, versezte dem lezteren vollends den vernichtenden Schlag,— der Alte konte nicht mehr leugnen, und hätte er's getan, so würde die totfahle Blässe, die, als man ihm diese Mitteilung vorhielt, auf sein Antliz trat, seinen Worten widersprochen, ihn verraten haben. Die langwierige Untersuchung und die einförinige Haft waren ihm zudem immer peinlicher und unerträglicher geworden,— mochte deun kommen, ivas da ivollte: und obgleich es ihm war, als müßten seine Knice dabei breche» und als sänke alles um ihn her zusamme», so legte er doch mit stammelnden Lippen und bebend ani ganzen Leibe endlich ein Geständnis ab. Der Sohn hätte rasen können und wahnsinnig iverdeu, als er es vernam. Denn er klammerte sich noch mit allen Kräften fest an den Gedanken, daß man sie nicht überfüren können, daß man sie frei lassen werde,— und, o die Freiheit, nie>var sie ihm so süß und schön und brünstigeren Verlangens wert er- schienen Ivie jezt!... Und wenn er»nn der sühnenden Ge- rechtigkcit versallen, wenn er etwa sterben sollte,— das Blut schien ihm in den Adern gerinnen zu wollen, wie er's dachte,— sterben, wo er noch so viel, so viel zu genießen verlangte und vor allem noch eine süße Rache an Jakob Barthold, dem ver- ruchten Rebenbuler, zu nemen begehrte,— er glaubte nicht, daß es möglich sein könte, und es schien ihm schier undenkbar, daß sein Vater die Tat und alle damit zusammenhängenden Umstände dem Richter offenbart. Aber schließlich, als man ihm diesen— und er konte dem Sohne dabei mit keinem Blick in die Augen sehen— selbst gegen- überstellte, mußte er's doch begreifen, und wie er ruhiger wurde, begann er einzusehen, daß ihm nun doch kein Leugnen mehr nüzen und daß man über ihn beschließen würde, er möchte sich zu dem Geständnis des Vaters verhalten, wie er wollte. So meinte er denn selbst, daß ihm nichts übrig bliebe, als, wenn auch mit äußerstem Widerstreben, das leztere zu bestätigen,— und er tat's..... Es war ein Sontag im Biai. Wer aber nun etwa glaubte, es müsse klar und sonnig und der Hinimel blau gewesen sein und eine inilde, weiche Luft hätte allum geweht, der würde nicht die richtige Meinung haben. Denn es lag schwer und trüb und dumpf über der blühenden Erde, graue Wolken hatten den ganzen Himmel überzogen, und manchmal für es gar wild und nnsanft durch die Bäume, daß sie ihren Schmuck faren ließen, als wär's im Herbst. Und die Ulmen und Birken im Tal und an den Berghängen trugen doch ihr frisches, junges Laub, die Saaten sproßten grün, und die Wiesen glänzten bunt, und die gelben, leuchtenden Rapsfelder blüten rings herum,— es>var, als ging ein übelgelaunter, widerstreitender Geist durch die Natur, der der Welt ihre selige Frühlingslust, den süßen, heiteren Traum von Landbrifträgers Weihnacht. (Räch eincr waren Begebenheit.) „Bleib', Bater, bitte, bleib', mir graust, Bist heute schon so weit gegangen; Tu niußt, wenn du auch böse schaust, Mit uns den Weihnachtsman» empfangen; Hu, wie der Nordwind eisig braust, Noch ganz erstarrt sind deine Wangen; O bitte, bleib, hör' aus mein Flehen, Tu darfst heut' nicht mehr von uns gehen!" „Laß, Mütterchen nur, laß mich geh», Mögt' ihr vom Weihnachtsbaume träumen; Ich darf troz wildem Sturmesweh'n Mein Amt auch heute nicht versäumen; Wol blieb ich gern, es war so schön Mit euch in unsrer Hütte Räumen,— Doch mir darf vor dem Sturm nicht bange»-- Will endlich bessern Lohn erlangen."— Sein Amt ist hart und karg der Lohn; In Sommers und in Winters Tagen Muß er seit manchem Jare schon Sich kümmerlich durch's Leben schlagen. Auch heute schreitet er davon, Jn's ferne Tors die Post zu tragen, Hinaus auf lies verschneiten Wegen, Kann friedlich nicht der Ruhe pflegen. Sein Weib schaut ihni betloinmen nach, Ihr Herz in banger Sorge zittert, Als g rade jezt das morsche Dach Ein Windstoß durch und durch erzittert. Dann schleicht zurück sie in's Gemach Fast ist ihr Duldersinn verbittert, Und bei der Lampe trübem Leuchten Will brennend sich die Wimper feuchten.— Fern über die Felder i» flimmernden Flocken Hinab und hinaus wie der Nordwind ihn treibt Wallt rieselnd der Schnee, der in Wolken erschrocken Hier hastig hoch über die Hecken hinstäubt. Woiine uild Glück nicht gönte, all' ihre lichte Schönheit fortzu- wehen und mißfarbene, schwere Schleier darüberhin zu decken sich mühte. In dem weiß blinkenden, freundlichen Hause, das das Schild- „zur goldnen Traube" trug, stand des Wirtes älteste Tochter am Fenster und ordnete die klarblauen Vergißmeinnicht, die da in milchweißer Schale auf dem breiten Simse im Waffer blüten, zum Kranz; sie sah garnicht heiter und freundlich dabei aus, und selbst ihre Wangen waren nicht so frisch und rosig wie sonst. Es war noch ziemlich früh am Tag, der Vater befand sich in der Kirche und auch die jüngere Schwester>var nicht daheini. In vertraulichem Gespräch saßen nur zwei fremde Gäste vor'm Glas; Helene wante sich manchmal nach ihnen um, aber da eö nicht schien, als hätten sie ihrer nötig, bog sie sich wieder und lehnte sich zum offenen Fenster hinaus. Juiveile», wenn draußen wieder ein heftiger Windstoß die Straße heraufkam, für sie schnell zurück und wehrte mit einer raschen Bewegung der Hand de» aufwirbelnden Staub von sich ab. Sie war in der lezten Zeit sehr unzufrieden gewesen mit sich selbst,— sie wußte nicht recht, warum. Das Leben in dem stillen Dorf schien ihr wieder einmal sehr eintönig und traurig, obgleich schon manch' heiterer, frölichcr Lenztag über die Erde gezogen: es war ihr fast einsam, und manchmal wollte sie sich sagen, daß ihr etwas fehlte, was sie lange gewünscht und begehrt, wonach sie ein heißes, stilles Sehnen empfand, und was sie sich doch nicht zu nennen wußte: aber etwas Großes, Schönes und Höhres, was die Oede und Leere in ihrer Brust ganz erfüllen und sie erlösen mußte von all' dem heimlichen, unerklärlichen Leid, das darinnen plözlich aufstieg, und ihr das Herz so wuudersani weich machte, daß ihr schier eine Träne ins flimmernde Gesicht trat... (Forpezung fclgt.) Wer weilt dort am Weg, wo die Weiden sich neigen, Bezwungen zur Erde mit Zweige und Ast? Wer schmiegt an den Stamm sich in düsterein Schweige», Wer gönt troz des Schneesturmes Tobe» sich Rast? Der Landbote ist es. Nicht länger mehr können Tie Füße ihn trage», zu tief ist der Schnee; Die Briestasche drückt ihn, die Augen sie brenne» Wie Feuer, und flimmern in stechendem Weh. Hinaus und hinunter die Schneeslocken hasten, Bald schimnier» sie bläulich, bald scheinen sie rot. „Ein Weilchen nur ruhen, ein wenig nur rasten, Bin müde und matt, ach, bin müde zum Tod." Kalt stechen scharfkantig die eisigen Sterne Deni Ruhenden rnh'los das düstr'e Gesicht; Er fühlt es fast nicht mehr, er starrt in die Ferne, Dort flackert»nd winkt ihm ein freundliches Licht. Hell sieht er erleuchtet die eigene Hütte, Frei schaut er hinein in den schimmernden Raum, Da sieht er sein Weib in des Wohnzimmers Mitte, Sie schmückt für die Kinder den festlichen Baum. Berweht schnell der Spuk nun; er weilt bei de» Seinen, Wie ist ihm so wol in dem warmen Gemacht Warum nur die Seinen so bitterlich weinen, Sein Töchterchen traurig zum festlichen Tag? Und still jezt der Atem, die Pulse sie stocken. Erstarrt hält die Tasche des Sterbenden Hand; Schnell breitet der Schnee ihm in flimmernden Flocken, Beim Klag laut des Windes sein Leichengewand. ' Schon wich die sturnigepeilschte Nacht, Bon nah und fern ertönt Geläute; Die Welt ringsum vom Sch'af erwacht Zum Jubel und zur Festesfreude: Schon glänzt des Weihnachtsbaumes Pracht, Ja Weihnacht, Weihnacht, ist es heute! Zu Frohsinn locken und zu Scherzen Der grünen Zweige bunte Kerzen. 155 Hast du den Jubel voll geschaut? O komm' mit mir nur wenig Schritte Und horch', welch tiefer Jammerlaut Erschallt aus dieser nied're» Hütte! Tort steht die Leiche aufgebaut, Daneben in der Kammer Mitte Trückt an ihr Herz, mit bitterm Weinen, Ein Weib die vaterlosen Kleinen. j. A. Heinrich von Kleist.(Fortsczung.) Solche lästerlichen Au- sichten waren den» allerdings in dem Munde eines Preußischen Offiziers etwas bedenklicher Natur und so war es denn am Ende wol auch für beide, für die Arme wie für Kleist, bester, sie trenten sich. Sein erster Biograph*) meint nun zwar inbczug aus die eben mitgeteilte Stelle,„die Spizfindigkeiteu, mit denen er(Kleist) ein vermeintes Disharmoniren der Menschen- und Standespflichten des Soldaten dartun will, zeigen jedoch, wie früh er die schneidend einseitige Beistandes- richtung gewonnen hatte, die uns später in seine» reifsten Geistes- werke» stört" und Wilbrandt**) sagt darüber:„Wie jugendlich war es freilich, wenn Kleist auf den militärischen Berus die ganze Gehässigkeit der Konflikte übertrug, die fast in jedem Berufe wiederkehren:" aber meiner Meinung nach tun beide dem Kleist unrecht. Denn die von ihm geschriebene Stelle zeugt weder von„einseitiger Verstandesrichtung"— im Gegenteil offenbart sich in dem ganzen Brise eine überquellende Fülle von Gemüt— noch waren diese Argnnientationen so jugendlich ivic der lcztere Schriftsteller meint, der zudem in dem folgenden selbst den Beweis antritt, daß Kleist nur allzu recht hatte. „Dem gebildeten Manne mußte doch vor der russischen Barbarei dieses gstnzen kriegerischen Wesens schaudern,"„wenn er die scheußliche sklavenjagd der Werber sah;"„wie mau den Geineine» stieß, mit Füßen trat, bei jedem elenden Anlaß fuchtelte und entwürdigte oder >h>i durch die Spicßrutengasse trieb; und wie die Masse der Offiziere noch immer an den rohen Sitten ans Friedrich Wilhelms l. Zeit und aa der allen harsträubenden Ungelehrtheit, an der Verachtung alles Wissens festhielt: da konte es nicht schwer und»och weniger eine zim- Perliche Schwäche sein, sich mit Widerwillen gegen das entadelte zu er- stillen."— Also doch!-- Kurz, Kleist glaubte sein gutes Recht zu haben, einen ihm widerwär- i'lst11 Stand den Rücken zu kehren und er tat dies denn auch. Zu Ostern L'iü' kam er in seiner Vaterstadt an, wo er seine Studien, zunächst alte Sprache» und Philosophie, sortzusezen gedachte. Allgemein wird behauptet, dag Kleist hier nun die aiizenemste Zeit seines Lebens verlebt hätte imd 'o fleißig er auch studirte, so verlebte er mit seinen Geschivistcrn und Be- kanten, zu welch lezteren namentlich die Familie des Generals von Zenger gehörte, seine freien Stunden recht vergnügt und heiter. Er gab den »»igen Damen den ihnen sehr bedürftigen Unterricht in der Muttersprache, verschaffte ihnen Lektüre und las auch selbst vor und als er einst die -lb ficht hatte, Professor zu werden, ließ er sich ein Kateder bauen und Welt der Gesellschaft Vorlesungen über Kulturgeschichte. Dabei aran- girte er ihnen auch Spiele»nd sorgte sonst für Vergnügungen. Be- londers wird aber schon aus damaliger Zeit seine große Zerstreutheit "wänt, die sich auch später noch, z. B. als er bei Wieland zum Besuch svar, an ihm des öfteren zeigte. So soll er, wenn er auch in seinen Studien noch so verlieft war, sobald sein Bruder eine Melodie zu singen vegann und in der Mitte aushörte, dieselbe weiter gesungen haben. lmiial kam er aus dem Kolleg, wollte zu Hause seinen Rock wechseln, jivg sich aber in der Zerstreutheit bis aufs Hemd aus und wurde mir vvn seinem dazu kommenden Bruder unlcr schallendem Gelächter abge yalten, ins Bett zu steige». «US diesem gesellschaftlichem Umgang entspann sich zwischen ihn, u»d Wilhelmine von Zenger ein Liebesverhältnis, das uns eine Anzal von Brisen hinterlassen hat, die am»leisten geeignet sind, über das senken und Fülen sowie über den Entwicklungsgang der eigenartigen -'°tur Kleists Ausschluß zu geben. Schon bei seiner Verlobung zeigte I>ch in seiner ganzen Eigentümlichkeit. Gegen die in seinem Stande übliche Konvenienz hatte er sich bereits iruher ansaclcbm.-»» leinen Brieien an die Braut wirft er aal»-,. Ü�üelehiit. I» seinen Briefen an die Braut wirft er seinen ».it* �"d weg. So schreibt er ihr den l3. November lS8<1:„Weg gute qv?vrurleileu, weg mit dem Adel, weg mit dem Stande— die wollen wir sein und uns mir der Freude begnüge», dar»„.. vr uns schenkt. Lieben wollen wir uns und bilden, nnd g.n.„5h°rt nicht viel Geld,"——„Also ich wünsche es mit meiner Stand«£"nd entsage dem ganze» prächtige» Bettel von Adel, d.'.rbte find Reichtum, wenn ich nur Liebe bei Dir finde."— lind will(s. leinen und ihren Unterhalt mit Unterrichtgeben verdienen zu" fort:„Lächle nicht, und bemühe Dich nur, alle Vorurteile iuwerl™«!• 94 bin fest entschlossen, den ganzen Adel von mir ab- Viele Männer habe» geringfügig angefangen nnd könig- �irl»/ Lyjy � �ülow: Heinrich von Kleists Leben und Brise' lRgg) Heinrich von Kleist. Bon Dr. Adolf Wilbrandt. Nördlingen, lich ihre Laufbahn geschlossen. Shakespeare war ein Pferdejungc und ist die Bewunderung der Nachivelt. Wenn Dir auch die eine Art der Ehre entgeht, wird Dir doch vielleicht einst eine andere zu Teil, die höher ist." Mau darf nun nicht etwa denken, daß solche Geringschäzung gegen seinen angeborne» Adel lediglich der Ausfluß seines Verliebtseins gewesen sei— man hat in seinem Verkehr mit der Braut vielmehr wieder den einseitigen Verstandesincnschen entdeckt!— es ist wol mehr der Ein- fluß der Zeit, namentlich aber der von Frankreich herübergekommenen Ideen. Mit seiner Braut unterhielt er sich öfters über Rousseau, er hatte ihr de»„Emil" zu lesen gegeben,»nd so geht man wol nicht fehl, wenn man annimt, daß es auch die Lektüre dieses Schriftstellers ge- wesen, die seine Anschauung über Welt nnd Menschen bchimte. Später werden wir noch greifbarere Anhaltspunkte finden. Daraus wird nun aber auch sein Verhalten bei seiner Verlobung erklärlich. Er meinte nämlich, daß, wenn zwei Liebende sich für einander bestirnt hätten, so sei dies lediglich ihre Sache und die Eltern brauchten davon garnichts zu wissen, da für ihn auch außerdem ein solches Ver- hältnis allen Reiz verliere, wenn erst die Basen und Oheims sich hinein- mischten.. Das mag zu weit gegange» sein, aber so ganz unrecht hat er doch nicht. Tie Schwester seiner Braut war Milwisserin und auch lllrike, Kleists Schwester, übrigens das einzige Glied seiner Familie, dcni er seine Geheimnisse ganz anvertrauen konte und die ihn auch verstand. Man hat nun andererseits auch bemängelt, daß er in den Brisen seiner Braut wieder zu sehr als trockner Pädagog aufgetreten sei. Er schreibt ihr nämlich über Pflicht Eigennnz nnd dergleichen und zwar oft in etwas trocknem Ton. We.nn nia» aber bedenkt, daß das Mäd- che» eine anspruchslose nnd genügsame Natur war, die aber Kleist durch ihr liebevolles Wesen fesselte, erhob und anspornte, so daß er gerade durch ihre Liebe begeistert und ,zur Tätigkeit angeregt wurde, so ist es nur zu erklärlich, daß er ihr seine liebsten Pläne und Gedanken, alles was ihn selbst beschäftigte, mitteilte. Man darf nur die Stellen, >vo er ihr die Pflichten des Weibes nach seiner Anschauung klar»lacht, lesen, wo er sein Ideal in dem einen Gedanken, in der voriiemsten Ausgabe der Frau sieht: Mutter zu werden und ihre Pflicht als solche zu erfüllen, und man wird gern die Passagen, die er im Kate- derton geschrieben, vergessen oder mit in den Kauf nenien. Seiner Schwester Ulrike hat er übrigens auch solche belehrende Brise ge- schrieben. Im Sommer 1800 siedelte er nach Berlin über, um einesteils seine Studien sortzusezen»nd um wol auch andererseits sich bei der Regierung nach einer Stelle umzusehen. Ernsthaft um die lezterc war es ihm nicht zu tun, aber er mag sich den Anschein gegeben haben, um seine werdenden Schwiegereltern günstig zu stimmen, die schließlich doch mit seinem Geheimnis bekant geworden lvaren. Hauptsächlich be- schästigte er sich in Berlin mit der kantschen Philosophie; er hatte außerdem den Plan, nach Sudfrankreich zu gehen, dort Unterricht in der deutschen Sprache zu erteilen und, wenn er der sranzösischen genügend mächtig, die Philosophie des großen königsberger Denkers dort zu verbreiten. Vorläufig machte er aber erst eine Reise nach Würzburg, über Dresden und Balircuth nnd zwar in Gemeinschaft mit seinem Freund Brockes. Der Zweck dieser Reise wurde sehr geheim gehalten, lveder die Braut noch die Schwester erfur ihn und auch der Nachwelt ist kein sicherer Anhaltspunkt geblieben, da eine Schrift, die er in Berlin verfaßte unter dem Titel„Die Geschichte meiner Seele" und die bestimte Angaben enthalten haben soll, verschwunden ist. Wilbrandt schließt ivol nicht ganz init Unrecht ans den verschiedenen geheinmisvollen Andeutungen in seinen Brisen, daß er aus dieser Reise nichts weiter gesucht habe als die Dichtkunst..Hatte er anfangs seine Bestimmung zur Poesie nur dunkel geahnt, so war ihm der Tichterbernf allmälig zum Bewußtsein geworden und um ihn zum ersteiimale mit Erfolg üben zu können, trieb es ihn hinaus ans dem Gewül der prosaischen märkischen Wirklichkeit in die freie, schöne Natur, deren Mannigfaltigkeit ihn denn auch derart entzückte, daß alle seine Brise von dieser Reise von poetischem Hause durchweht sind. Wenn er aber einen solchen Zweck seinen pedantischen Angehörigen verschwieg, so hatte er guten Grund, denn diese wären ganz sicher von Entsezen ergriffen worden, wenn sie in Erfarung gebracht, daß er nun nicht einmal ein Brotstudinm ergrissen. Er mag daher den Plan gehabt haben, vor seiner Familie erst mit einer vollendete» Tatsache, d. h. mit einem Werk hinzutreten, das seinen dichterischen Ruhm unwiderruslich begründete. Aus diesem Grunde mag er später auch seine Stücke nicht unter seinem Namen haben drucken lassen. Durch das Studium der kant'scheu Philosophie war er, der so eifrig nach Warheit gesucht, zu der Uebcrzcugung gekomme», daß wir Menschen diese nicht finde» können und er schreibt nach dieser ihn nieder- schmetternden Entdeckung der Braut:„Mein einziges, mein höchstes Ziel ist gesunken, nnd ich habe keines mehr."— Abschen ergreift ihn gegen die Wissenschaft»nd er faßt den Entschluß, eine Reise zu machen nnd zwar nach Paris. Seine Lieblingsschwester, der er längst das Versprechen gegeben, nur mit ihr ins Ausland zu reisen, geht mit, zwar gegen seinen Wunsch, er schwankt, ob er noch reisen soll, aber endlich treten sie beide in Gemeinschast eines Dieners im April 1801 ihren Spaziergang, wie Kleist die Tour»ante, an.(Schluß folgt.) 156 Krausharige Antilope.(Illustration Seite 148.) Ein sonderbares Bieh! wirv inanchcr ausrufen und ungläubig den Kopf schütteln, daß dieses Jndividium zu derselben Familie gehören soll, dem auch die wegen ihre» zierlichen und leichten Bewegungen sprüchwörtlich gewor- deue Gazelle zugeteilt ist. Aber auch der lierkundige Brehm ist der Meinung, daß es gerade unter den Antilopen Tiere gibt die der Laie keineswegs beim ersten Anblick als zu dieser Familie gehörend betrachte» würde und könne, indem viele wegen ihrer Plumpheit und ihr schwer- fälliges Acußere viel eher Aculichkeit mit den Rinder» hätten. Namcnt- lieh sind es die Husen, Hörner und der Schwanz, die an Gestalt am ineisten variirc». Bei einigen ist der lezterc kurz, bei andern ver- länger! wie beim Rind. Bald biegen sich die Hörner gleichmäßig, bald winden und drehen sie sich nach allen Seiten, bald sind sie grade, bald gewunden wie eine Schraube; bald sind sie rund, bald gekantet, und bei einer Sippe besteht das Gehörn sogar ans vier Stangen. Sic bewohnen Mittel- und Südeuropa, Nordamerika, ganz Afrika, Mittel- und Südasien. Tie meisten bewohnen die großen Steppen warmer Länder, aber die gleichfalls ein Glied dieser Gesellschaft bildende Gemse verschmät bekantlich auch die Gletscher der Alpenwelt nicht. So ver- schieden sie sonst sind, so verschieden ist auch ihr Geschmack und jede Art hat ihr Licblingsfutter. Daher ist auch ihr Ausenthalt verschieden: in den Tälern sowol wie aus den höchsten Gebirgen, in den Sümpfen wie im Buschwerk und gelichtetem Walde ist ihr Aufenthalt. Die grö- ßeren Arten leben in Rudel» und sind oft in sehr zalreicher Anzal bei- sammen, die kleineren leben parweis oder doch nur in kleineren Gesell- schasten. Mit ganz wenigen Ausnamea sind sie alle behend und leicht beweglich. Sie besizen scharfe Sinne und sind, da ihr Fleisch schinack- hast, ihr Gehörn brauchbar und ihr Fell gleichfalls gut zu verwenden, für den Menschen nüzliche Geschöpfe. Da die Zal ihrer Glieder so groß ist, so ist es auch schwer, sie natürlich zu gruppiren und man teilt sie deswegen nach ihrer Aenlichkeit ei», die sie i»it Hirschen, Ziegen, Stieren?c. haben, oder uinit auch die Hörncr als Maßstab zur Klassifikation. Das sehr seltene Tier, welches unscre Abbildung bringt, lebt in Japan, ist dort unter dem Name»„Nik" bekant, und wird auch, aber höchst selten in sehr hohen Gebirgen angetroffen. Von der Seile gesehen, ist es Einzelheiten abgerechnet,»nscrer Gemse änlicher als maii glauben sollte, Wärend es von vorn wegen der dichten Mähne von dieser Aenlichkeit allerdings keine Spur zeigt. Es besand sich bis 1876 im kölner zoologische» Garten, ist etwa von der Mittelgröße unserer Hausziege, das grobe zottige Har ist am ganzen Rumpf hellschiescr- und eisengrau gefärbt. Die plumpen und starken Beine, wie Schwanz, Rücken und Nacken sind schwarz, die Hare über den Augen nach der Stirn, an den Wangen und an der Kehle sind schniuzig-weißgra». Das Innere der Ohren ist lang und dicht behart. Die Iris in den knapp mittel- großen Auge» ist dunkelbraun; die kurzen,»ach hinten gebogene» Hörnchen sind fast ganz im Har versteckt. Das Tier wird, weil es meist nur in Japan vorkamt, auch„japanische Gemse" genant. Ueber seine Lebensweise in der Wildnis, über seine Fortpflanzung u. s. w. ist ma» nicht unterrichtet. Unser Exemplar ging im Frühjar 1876 zugrunde gelegentlich einer Ueberschwemmung, von der der Hintere Teil des zoolo- gischeu Gartens zu Köln heimgesucht wurde. ort. Germanischer Zweikampf. Unser Bild aus Seite 14p ist eiu mal für uns von Jiilcresse, weil es uns unsere kräsligcn Altvorderen in ihrem originellen kriegerischen Kostüm vorsürt und uns andererseits eine Szene schildert, die aus dem Leben der allen Germanen unmittel- bar hervorgegangen ist. Mut und Tapferkeit war, wie männiglich be- kant, bei den alten Deutschen erste Pflicht und erste Tugend, Manu- hastigkeit und Kampfcslust stand im höchsten«»sehen. Waffe» schenkte als das höchste Gut die Jungsran dem Jüngling bei ihrer Bennälung und dieser wußte sie daun auch bei de» verschiedensten Gelegenheiten zu füren und daß auch die germanischen Frauen Kampfeslust und Kampfesmut besaßen, ist an anderer Stelle in diesem Blatte auseinan- dergcsezt worden. Kampf gab es bei unseren Vorfaren daher auch bei den verschiedensten Gelcgenheilen: im Heerbann und im Volkskrieg, bei den Raubzügen zu Lande und zu Wasser, im Fehdegang wegen Blut- räche und in, gerichtlichen und außergerichtlichen Zweikampf. Leztcrer mag wol manchmal entstanden sein, wenn der Metbecher ctivas zu fleißig die Runde gemacht und die mutigen Zecher angeheitert und an- geregt über dies und das in Streit gerieten, der dann im blutigen Kampfe entschieden ward. Vielfach war auch bei den Germanen der Zweikanipf für die Edlen eine Art Gottesurteil, de», sie sich in ir- gtnd welchen Streitfälle auf Grund richterlicher Entscheidung zu unter- Wersen hatten. Daß die Leibeignen in solchen Fällen nicht so leicht wegkamen, ist eine alte Geschichte, denn die Feuer- und Wafferprobc halte doch ihre noch unangcnemeren Seiten. Was nun auch für die streitenden Parteien aus unserem Bilde die Veranlassung gewesen sei» mag, genug, der Kamps fand statt und daß er ein recht grimmiger war, zeigen die zerfezten Schilde, die da an den Seiten herumliegen. Als Kampsplaz wälte man immer gern eine vom Meer, Strom oder von einem Flusse umschlossene Insel, im Norden Holm genant— daher auch sür Zweikampf der Name„.holmgaiig"— und aus einer solchen öden und sandige» Fläche war man so recht sicher, daß nicht dieser oder jener Anverwamer mit Macht dem Streite wehrte und so den Laus der„Gerechtigkeit", denn uni diese handelte es sich auch damals, hin- derte. Gekämpft wurde oft bis einer der Streitenden tot am Boden lag, doch soll dies nicht immer der Fall gewesen und der Streit auch ost beigelegt worden sein, wenn einer der beiden Kämpsenden ver- wundet, und dieser sich sür besiegt erklärte, oder wenn einer der Kampf richter sich dahin entschieden hatte. Einen solchen Plaz hat nun auch der Künstler Johannes Gehrts. dem unser Bild seine Entstehung ver- dankt, gewält. Hinten die See. darüber flattern die Möven und die dürren Gräser wie die frostige Oede bürgen schon dafür, daß wir uns in keinem Paradies befinden. Jeder Kämpfer ist von zwei Zeugen be- gleitet, die die Kampffläche abgesteckt haben; der Kanipfplaz selbst ist von Schnuren umzogen und mit einem Tuche bedeckt. Jeder Tritt über dies genau abgegrenzteTerrain hinaus seitens eines derbcidcnKämpfenden bedeutet Unterliegen. Doch man hat sich wol gehütet, um eine solche „schimpfliche Niederlage" zu erleben und hat drein geschlagen, daß buch stäblich die Stücke davon flogen. Schon haben die Zeugen neue Schilde herbeibriugen müssen, besonders hat der jezt Besiegte das seines Wider- varts in Feze» zerhauen,— ein wuchtiger Schlag seines Gegners, der Schild zersplittert und hindurch dringt das mächtige Schwert und schmettert den Krästigen zu Boden. Der Streit ist„gesühnt," die„Ehre" gerettet und sehnsüchtig blickt der Sterbende empor zu Walhalls Hallen, Ivo ihm für den Heldentod der schönste Lohn, die schönste Freude winkt. Fus allen Q8in&e(n der ZeiMleratur. Gehörschwäche als Ursache vermeintlicher Unaufmerksamkeit der Schulkinder. Ein stuttgarter Ohrenarzt schreibt in Reklams „Gesundheit:" Im Laufe der lezten Zeit halte ich Gelegenheit, 4500 Kinder im Alter von 7—14 Jaren ans ihr Gehör zu untersuchen, darunter Knaben und Mädchen aller Stände. Die Ergebnisse der Unter- suchung sind, soweit sie sich heut schon übersehen lassen, folgende: 1) Das normale Ohr hört auf 20— 25 Meter Entfernung Flüstersprache mittlerer Intensität bei genügender Ruhe in der Umgebung. 2) Die Gehörstörungen sind ungemein verbreitet: in den Volks schulen hören bis zu 30»/o der Kinder aus einem oder beiden Ohren mangelhast; nicht normal hörte ein noch größerer Prozentsaz. 3) Die Kinder aus wolhabenden Familie» bieten bessere Verhält- niffe als die Kinder aus armen Familie»; so fand ich z. B. im Kala- rinenstift blos etwa 10"„ mangelhast hörende Schülerinnen. 4) Der Prozentsaz der Gehörstörungen steigt mit dem Alter. 5) Die Landschulen— wie ich das nach den 400 Heßlacher Kindern schließen darf— biete» verhältnismäßig gute Verhältnisse. WaS die einzelnen Befunde bei Besichtigung der Ohren anbelangt, so finden sich z. B.: Durchlöcherung des Troinmeljells mit Eiterung bei 20»/» der Kinder;— Ohrenschmalzpsröpse oder Beginn von solchen(es werden nur solche Fälle iiotirt, wo schon ein zieinlich großes Segment des Trommelfells durch die Ansamlung verdickt war) bei etwa 13»/» Hintere Falte bei beinahe 5»/». Die meisten von den Erkrankten waren nie in Behandlung gewesen; viele hatten gar keine Ahnung von ihrem Leiden; nicht wenige waren sür unaufmerksam gehalten und warscheinlich darnach behandelt worden. Das leztere ist ein Beweis sür die Richtigkeit eines von mir schon früher ausgestellten Sazes: jedes unaus merksame Kind sollte aus sein Gehör untersucht werden.- Viele unausmerkjame Kinder sind eben nur scheinbar unaufmerksam, in der Tat aber schlecht hörend. Daö Erträgnis der Perlenfifcherei in der Torres-Straße zwischen Nordküste Australiens und Neu-Guineas betrug im vergangenen der Jare 449'/, Tonne Perlmuscheln, die einen Werl 1 200000- Mark repräientircn. Der Preis einer Tonne schwankt zwischen 2400 und 5600 Mark. Die Taucher, welche neben einigen Eingebornen meist KanakaS, Maoris und Malaien sind, sollen bei dieser allendings wol nicht besonders leichten Bejchästigung järlich 4000—6800 Mark verdienen. . SichaU. Im Kamps wider alle. Roma» von Ferd. Stiller.(Forts.)— Obau und die Fmgalshöle. Fünfter Reifebrief von k- �5'. Vergangenheit und der Zukunft. Von Dr. A. Israel.- Im Tors der Schmied. Eine Geschichte ans dem Elsaß von Dr. Max Vogler.(Forts.) La»dbn,lrägers Weihnacht.— Heinrich von Kleist.(Forts.)— Kransharige Antilope.(Mit Verantwortlicher Redakteur Bruno Geiser in Stuttgart.(Neue Weinsteige 23.)- Expedition: Ludwigstraße 26 in Stuttgart. Druck und Verlag von Franz Goldhau sen in Stuttgart.