Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljarlich 1 Mark 50 Pfennig.— In Heften ä 35 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. 0 i S J Im Kampf Roman von fZ Am Nachmittage des folgenden Tages sehen wir Herrn Trau- gott Wilhelm Haßler se». in nicht nnbeträchtlicher Aufregung und so raschen Schrittes, als es ihm seine stattliche Leibes- vcichaffenheit und seine Beauemlickkeit erlaubten, durch die Straßen von B. schreiten. Der alte Herr hielt immerfort Selbstgespräche— er brumtc o. grunzte vor sich hin und die nnvcrnieidlichcn, in Freud und var er immer vor sie hingetretcn, um in sich das Gedächtnis vergangener schönerer Tage zu wecken. Ja, es zu leugnen, wäre ungerecht: Haßler sen. hatte viel, sehr viel geliebt. Er machte darin wol keine Ausname von der Regel, der seine Kollegen hinter den Ladentischen der Spezerei- und Kolonial- Warengeschäfte folgen— jedes weibliche Wesen, das den Laden zu betreten oder auch nur an ihm vorbeizugehen pflegte, wenn es nicht gar zu alt und gar zu häßlich war— wurde mehr oder minder heiß, mehr oder minder offenkundig— geliebt. Die Stuttgart, 31. tfjfrnbfe 1881. handfeste Köchin, die er nach Belieben und Bedürfnis und mit allen Leibeskräften in die Backen und Arme kneifen durfte, die junge Frau des Postkondukteurs oder Staatsunterbeamten, der beim Herausgeben von Kleingeld verstohlen die Hand zu drücken nicht versagt war, das Fräulein Tochter des wolhaben- den Rentiers, die es nicht ungern sah, wenn des rotbäckigen langen Jünglings wasserblaue Augen sie auschmachteten und seine riesige dicksingerige Rechte sich bedentnngsvoll aus die Leibes- stelle preßte, wo er unter besonders aufregenden Umständen sein Herz klopfen sülte— alle, alle nacheinander und miteinander hatte Herr Traugott Wilhelm Haßler— wie er meinte— mit der Glut schier verzehrender Leidenschaft geliebt. ?lber auf keine Liebe war er so stolz gewesen, als auf die zu der Gouvernante Fräulein Theodosia Hörauf, wie Frau Krause's Mädchenname gelautet hatte. Fräulein Theodosia hatte in den Augen des guten Häßler überwältigende Borzüge. Sie hatte höhere Schulen besucht, mehrere Examen gemacht, war ganz erschrecklich musikalisch und —— trug eine Brille. Zu jener Zeit— so etwa zu Ende der zwanziger Jare dieses Jarhundcrts trugen die Damen nur sehr selten solche Augengläser, junge Mädchen trugen sie garnicht. Fräulein Theodosia war die einzige Ausname— sie war one Brille nie zu schauen, und die dicke schwarze Hornfassung ihrer Augenbewastnung verlieh ihrem mageren Gesichte einen sonderbar unheimlichen Zug— einen furchtbar interessanten Zug, wie Tran- gott Wilhelm Haßler überzeugt war. Fräulein Theodosia war dazumal überhaupt mager— sehr mager— ein Uebelstand, den des Himmels wunderbare Fügungen im Laufe der Dezennien in sein grades Gegenteil verwandelt hatten. Dieser Uebelstand war in unsres Traugott Wilhelm Augen aber ein mächtiger Vorzug,-- an den Köchinnen wisse er viel Fleisch und festes Fleisch wol zu schäzen, erklärte er zu- weilen dem ihn wie eine Art Orakel anstaunenden, noch jugend- licheren Hausknecht seines Geschäfts, an einer Frau sei die Fülle der Körperfornieu mitunter sogar verdamt hübsch, aber ein Jung- fräulein aus besseren Ständen, besonders eines, das sich durch Bildung auszeichne, müsse zart, äterhast sein. Wie Häßler zu dieser sinnigen Anschauung gekommen war, vermögen wir nicht mit Sicherheit zu sagen, obgleich wir wissen, daß sein poetisches Empfinden fast ausschließlich durch die Clau- ren'schen Mimili-Erzälungen geweckt worden war. Genug, es war das einmal seine Ansicht, und dieser Ansicht verdankte die jezige Jnstitutsvorsteheriu Theodosia Krause den eifrigsten und trene>ten Anbeter. Wir würden sogar kaum zuviel behaupten, wenn wir Herrn Haßler scn. als den einzigen wirklichen Anbeter bezeich- neten. Zwar hatte Häßler der geliebten äterischen Brillenträgerin nie seine Liebe gestanden! bei Dienstmädchen und Nähterinnen war ihm eine Liebeserklärung ein Kinderspiel, und zwar ein desto leichteres, je weniger er von Liebe zu der Betreffenden spürte, bei weiblichen Individuen aber, die er für gebildet zu halten Ursache hatte, oder die den sogenant höheren Ständen an- gehörte», brachte er in seinen jungen Jaren nur dann ein nur einigermaßen vernünftiges Wort über die Lippen, wenn sie in seinem Laden von ihm Zucker oder Kaffee, Kamillen oder Baldrian, Käse oder Hüringe verlangte». Da nun weder der offne, meist von vielerlei Kunden besuchte Laden nicht der passende Ort zur Ausschüttung eines gefülvollen Jünglingsherzens war und da sich auf das abscheuliche dunkelgraue Löschpapier der Düten und Häringenveloppen absolut kein Liebesdrif schreiben ließ, so kam Haßler niemals dazu, seinen Gefülen freien Lauf zu lassen. Bei Fräulein Theodosia hatte die Sache aber»och ihren be- sonderen Haken: sie hatte fast nie etwas in dem Ipezereiladen zu tun. Sie ging nur täglich mehreremale daran vorüber, häusig m Begleitung der Kinder, die ihrer Erziehung anvertraut waren. Im Hause chragüber wohnte sie- am Fenster las sie, schrieb ste, stlckte ste und in der Nähe des alsdann meist geöffneten Fensters spielte sie aus einem alten Hackebrett von Klavier und sang dazu._ Haßler schwelgte monate- und jarelang in dem Ge- danken, daß ste all' das ihm zu Ehren und Vergnügen tat— ihm, der jedesmal an der Ladentür stand, oder in nächster Nähe etwas zu tun hatte, wenn sie sich blicken ließ, der immer aller- untertänigst— mit tiefstem Bücklinge und möglichst melodiöser Stimme— grüßte und eiiiigemale sogar: Schönsten guten Morgen, meine schöne Mademoiselle! zu sagen kühn genug gewesen war! Fräulein Theodosia hatte diese Huldigungen allerdings bemerkt und wußte nichts dagegen einzulvend.'N. Es hatte sogar eine Zeit gegeben, da sie zu Gott flehte, er möge dem liebens- würdigen Jüngling ini Spezereiladen Mut und Kraft leihen, damit er seinen Gefülen in Worten Ausdruck geben könne; aber der liebe Gott hatte es offenbar anders beschlossen: eines schönen Tages war Herr Traugott Haßler verlobt, er wußte selbst nicht recht wie. Es war Sontag Bormittags; der Laden war der Kirche wegen geschlossen und Trangott Wilhelm Haßler allein darin— in dem neusten Clauren'scheu Taschenbuche Vergißmeinnicht lesend. Da pochte es an die Hintertür. Als Haßler öffnete stampfte eine hübsche, sehr robuste, sehr energische Köchin herein. Sie müsse unbedingt Lorbeerblätter. Muskatnuß, Gewürznelken und weißen Pfeffer haben, die Kirche sei ihr ganz egal—'s Essen gehe vor und's wäre ein purer Unsinn, daß die Kausleute ihre Läden schlössen. Traugott Wilhelm Häßler erklärte, es sei ihm streng verboten und werde von einer gestrengen Stadtpolizei schwer bestraft, etwas wärend der Kirche zu verkaufen, aber wenn ihm die Mamsell Susanne etliche Küsse gäbe, da iväre er bereit, sich in diese große Gefar zu begeben. Die Mamsell Susanne muß nicht abgeneigt gewesen sein, diesen Preis zu gewären-- der Kauf jener köstlichen Spe- zereien dauerte recht lange und drohte insofern mit Schrecken zu enden, als plözlich— noch ehe der Austausch von Zärtlichkeiten zwischen dem gefülvollen Kommis und der noch gefülvolleren Köchin beendet war— die unvorsichtigerweise nicht wieder ver- schlossenc Tür geöffnet wurde und die bitterste Feindin der Main- sell Susanne, die bei derselben Herschaft dienende Amme Anne- marie aus der Schwelle erschien und laut aufkreischend ausrief: „So— also deswegen mußte die hochnäsige Prise selber die Gewürze holen— na, und das ist ihre Tugend— am heller- lichten Tage und Sontags dazu, wärend der liebe Herrgott in seiner Kirche zu uns sündigen Menschenkindern koint— na warte, Suse, dir will ich's anstreichen. Wie oft hat mich das Frauvolk geärgert, weil ich Amme wär, one die die Vornemen Leute doch ilberhaupt keine Kinder groß kriegten— und gegen die bin ich doch noch'n warer Engel— Gott steh mir bei!" Traugott Wilhelm Haßler stand da wie ein begossener Pudel — er wäre buchstäblich umgesunken vor Schreck— wenn er sich nicht auf den Ladentisch hätte stüzen können. Die resolute Susanne war aber sofort gefaßt: „Traugott", sagte sie,„da hörst du, wie schlecht die Menschen sind— die sagt's nun meiner Herschaft und wenn du jezt nicht offen und ehrlich bekenst, daß du mein Bräutigam bist uud mich heiraten willst, sobald» nur geht, so werd' ich aus der Stelle mit Schimpf und Schänden fortgejagt und geh' ins Wasser,— das sag' ich dir. Ich bin'n ehrliches und anständiges Mädchen und wenn du kein schlechter Kerl bist— Traugott--" Sie machte eine Kunstpause. Traugott ivar kein schlechter Kerl, aber dafür auch kein tapfrer Kerl,— er hatte eine furchtbare Angst in diesem folgenschweren Augenblicke, eine Angst— wovor wußte er eigentlich nicht recht— die in seinem armen Schädel keine Spur von einem Gedanken, für sein Handeln auch nicht die Probe des Gefüles der Selbständigkeit aufkommen ließ— er zitterte an allen Gliedern und nur stotternd brachte er die Worte heraus: „Ja, ja, beim lieben Himmel, beste— gute— Mamsell Annemarie— die Susanne kann nichts dafür— garnichts— sie ist mein, meine— Braut, ja Braut. Gott verzeih mir die Sünde!" „Und du wirst mich heiraten, auf der Stelle, wenn ich nur will— hörst du?" Traugott Wilhelm Haßler versprach alles. Darauf erhielt er der Amme zum Troz noch ein par derbe Schmäze von seiner so urplözlich in seine Arme geschneiten Braut und Susanne ging stolz bei der Annemarie vorüber und nach Hause, wo sie ihrer Herschaft sofort von ihrer Verlobung feierlichst Anzeige machte. Traugott Wilhelm Haßler ging in der nächsten Zeit herum, wie vor den Kopf geschlagen. Er wagte den Leuten kaum in die Augen zu sehen und noch weniger wagte er sich vor die Ladentür und auch nicht mit einem einzigen Blicke schaute er nach jenem Fenster, von dem aus die brillengeschmückte Theo- dosia hundertmal sehnsüchtig, venvundert und schließlich recht sehr betrübt zu ihm herübersah. Doch auch in Theodosias Verhältnissen trat zu dieser Zeit eine folgenreiche Veränderung ein. 171 Tie Frau des Hauses, in dem sie unterrichtete, starb aMj Schlagflusse, und nun ward die Gouvernante, welche sich die Ach- lung des Herrn und die Liebe seiner Kinder redlich verdient hatte, schier unentbehrlich,— und— nach etivas mehr als Jaresfrist reichte ihr der alternde Hausherr— weil es ja doch so viel ein- fachcr sei, wie er sagte— die Hand zum Ehcbunde. Thcodosia konte gar nichts vernünstigeres tun, als einzuwilligen. So ward sie Frau Krause und Mutter dreier schon ziemlich heran- gewachsener Kinder. Herrn Traugott Wilhelm Haßler sah sie als junge Frau zun, erstenmale wieder. Er war bereits nahezu drei Biertcljare in de» Banden der Ehe. Und nun grade zu dieser Zeit ging die Spezereiwaren-Handlung in seinen alleinigen Besiz über. Das machte ihm Mut, sein Haupt wieder frei und kühn zu erheben. Auch zu Thcodosia, welche als junge Frau durch die liebe weibliche l'tcugierde und die nicht minder weibliche Anhänglichkeit an alte Flammen getrieben wurde, sich in Traugott Wilhelms Laden einmal unizusehen. Sie kaufte Kaffee und Zucker in größeren Ouantitäten ein und prüfte die Ware mit anscheinend bedeutendem Sachverständnisse. Traugott Wilhelm, der Prinzipal, bediente sie höchsteigenhändig. Erst wußte der sonst Redselige absolut nicht, was er just zu dieser Kundin sprechen sollte. Schließlich kam ihm aber doch ein Gedanke— er teilte ihr zunächst mit, daß das Geschäft jezt sein Eigentum sei, ein interessanter Umstand, den allerdings schon das Ladenschild für jedermann verständlich ausplauderte. Dann aber fügte er allerlei etwas dunkle An- deutungen hinzu von wunderbaren gewaltigen Begebenheiten, wider die die schwache Kraft des Menschen nicht ankämpfen könne, ob er dabei nun glücklich oder unglücklich würde, ferner von schönen Träumen, die leider so oft in's Wasser fielen— wie er sich in einem etwas sonderbaren Bilde ausdrückte, endlich auch von der schönen Erinnerung, die einem dafür eine Art freilich sehr schwachen Ersazes geiväre. Die junge Frau Theodosia Krause hatte damals Verständnis- innig gelächelt und gesagt, das wären sehr wäre und tiefe Lebens- beobachtungen, welche mit ihren eigenen Erfarungen völlig überein- stiiute»—— und mit diesen Worten und ihrer Frrundlichkeit hatte sie Herrn Traugott Wilhelm einen schweren Stein vom Herzen genommen. Seit dieser Zeit sahen sich die beiden wieder sehr oft— nicht nur im Laden, wo Frau Krause die bestbcdicntc Kundin war und blieb, sondern auch in Konzerte», im Teater, ans Spaziergängen, bei denen sich ihre Wege häufiger kreuzten, als es der Zufall sonst zu fügen pflegt. (Zorlsrzung solgl.) Dir drntschrn Frauen im Zeitalter der Minnepaelle. Bon Manfred Mittich. (>. Forts? zung.) Fürsten neigte» sich gern zur Kultur der Araber, nament- uch die»oriiiännischen Könige Ziciliens und Unteritaliens, welche arabisches Hofceremoiiiell, islamitische Devisen in orientalischen Ratteren, arabische Münzen beibehielten, arabische Poesie und e Vf. i Legten. Bor allem aber ist zu nennen der Kaiser Fried- uch II., der sich von der mönchischen Beschränktheit abivcndend, nch an der höheren Geistes und Tenksrcihcit erfreute, welche bei c» Ainhaininedancrn zu finden ivar. Iii Jernsalem gereichte « den frommen Zionswächtern zu nicht geringem Verdruß, daß " kaiserliche Freigeist dialektische Tispiitationen pflog mit ge- ehrten Moslcmiiicii und den Gesandten Saladins; sie entschä- 'g en sich sue die Gleichgiltigkcit des Kaisers und für seine nellcnweisc unangenehme Zweifclsucht in religiösen Dingen da- iirch, daß sie aussprengten, er habe»luhammedanischc Pagen, Eunuchen, und— schrecklich zu hören— einen Harem, den in ®er-rat gar mancher deutsche Fürst hatte— onc Moslem zu lei»: Als man 1781 Friedrichs Gruft öffnete, fanden sich wirklich arabiiche Inschriften auf dem Aermcl seines Gewändes eingestickt. r rf ll'ar �er rechtgläubigen Christenheit ein Greuel: Fried lchs tapferer und liebenswürdiger Sohn Manfred, den seine Ältlichen Feinde den Sultan von Roma nannten. Sänger, Y-lchtcr und Tonkünstler aus Frankreich, Deutschland, Italien; > rillsche und spanische Araber, welche Wissenschaften und schöne iunftc pflegten, drängten sich an dieser beiden Fürsten Hof. �■cr halbarabischc Hof Friedrichs II. in Palermo ward die {rf.,CKC �ei eigentlich italienischen, d. h. der im Bolksdialckt IchofTeitbcn Dichtkunst Italiens; der glänzende Kaiser selbst, seine �vhne Manfred und Enzio und sein Kanzler Petrus de Bineis eröffneten den Reigen. Lue Berürung und Uebernahme von poetische» Formen, An- lulanuiigsweisen, Bildern und Gedanken kann nun ein so enges .ebeneinanderleben morgenländischer und abendländischer Poesie 'cht möglich und schon damals vereinzelt Goethes Wort berech- "gt gewesen sein: »Orient und Occident sind nicht niehr zn trennen." Wenn wir bei Walter von der Bogelioeide lesen: Was hat die Welt zu geben Lieberes denn ein Weib, Das ein sehnend Herzen mehr erfreuen möge? Was würzet mehr das Leben als ihr werter Leib? Ich weiß nicht, ivas zu allen Freuden höher taugte! klingt uns das Lied des sangeskundigen Mohrenkönigs Ab- vurrahmans II. in die Ohren, worin es heißt: Ist von allein, ivas der Schöpfer Schuf im weiten Welibcrcich Irgend etwas einer schönen, Einer holden Jungfrau gleich? woran sich die schönen Verse schließen: Gerne hängt ich als Geschmeide, Ihr, die meine einz'ge Lust. Dieses Herz und diese Augen Um den Hals und auf die Benst. Von den Versforinen sind namentlich das Zadschal und das Muwaschaha eingedrungen in die wälsche populäre sotvol wie Kunstdichtung; Dante's Zeitgenosse, der fromme Jacopone da Todi preist in demselben Versmaß Weltentsagung und Armut, in welchem die Mosleminen Allah und den Propheten feierten. Die Frau hat in der Tat bei den Arabern schon vor Mohorn- med eine bedeutend hohe Geltung gehabt, namentlich in der Poesie, welche mittelbar und unmittelbar ungeheuren Einfluß ansübte auf unsere abendländische Wertung des anderen Geschlechts. Wir haben bisher nur vom Einfluß des uns heimsuchen- den Islams gesprochen. Ein weiterer Gesichtspunkt wird uns eröffnet, wenn wir die Reaktion dagegen, jene Vorstöße in Rech- nung ziehen, welche die europäisch-christliche Gesellschaft gegen den Orient fürte, die Krcnzzügc. Sie spielen für das Mittelalter dieselbe Rolle, wie in der Neuzeit unsere Auswanderung nach Amerika, sie förderten mich den Amalgainirungsprozeß zwischen abendländischer und morgen ländischer Bildung. Mag die mittel- altcrliche Dichtung immerhin von Türkenhnndcn»nd blinden Heiden reden; darin lebhaft unterstüzt von der christlichen Pfaff- heil, wie damals die Priesterschaft genant wurde: sie sollte doch auch selbst viele Elemente aus der fremden Ferne in sich auf- nehmen. Ja, die abendländischen Dichter nahmen sehr gern niorgcnländischc Stoffe, morgenländische Staffage zu ihren Werken. Die u'underbare fabelhafte Ferne war an sich schon mit so starkem poetischem Schimmer ausgestattet, daß es sehr wunderbar ge- weseu wäre, wenn dies nicht stattgefunden hätte. Die Erweiterung und Durchbildung des Gesüls durch das Christentum hervorgebracht, war durch die spanisch- und sicilisch- maurischen Einflüffe vom Himmel auf die Erde, von der himm- lischen zur irdischen Liebe und Schönheit übergeleitet worden, zwischen Gottesdienst und Herrendienst trat jezt vermittelnd der Fraüendienst, die Frauenminne. Englands Norinannen leuch- teten dem deutschen Norden, die romanisirten Franken— die 172 Franzosen— dem westlichen Mitteldeutschland zunächst als Muster vor. Ein warmer West koste mit den träumenden Blütenkiiospen des deutschen Dichtergenius, so daß sie unter dem linden Hauch sich erschlossen zu Duft und Glanz. Die erste Blüte der deut- schen Literatur, namentlich der Lyrik, trat mit Macht in die Er- scheinung. Den Mittelpunkt bildete, wie bei aller Lyrik, die Geschlechtsliebe; was Maria für den Himmel war, das wurden Frauen und Mädchen für die Erde. Es war eine Verwirklichung jenes Dichterworts: Wir wollen hier aus Erden schon Das Himmelreich errichten. Freilich soll keinen Augenblick in Abrede gestellt werden, daß es sich hier im we- scutlichen um eine bevorrechtete Gesellschafts- klasse handelte, welche für sich allein diesen Himmel auf Er- den baute. Und so kam denn dem Weibe des Volkes die neue Her- lichkeit nur spär- lieh zu gute. Aber einerseits stiegen auch Ritter herab zu„niederer Minne", und andererseits erfaßte die Zeitströmung gewiß auch einen großen Teil der mittleren Gesell- schaftsschichten, warscheinlich aber kamen die neuen Anschau- uugen und Ge- danken allgemach auch in dieTiefen des Volks und beeinflußten die- selben in der an- gegebenen Rich- tung. Siegfried, wie er seine Krieni- Hilde bläut, fing an, dem guten Ton der ritter- liehen Gesellschaft zu widersprechen, und so sank das ganze alte Epos im Geschmack dee Nibelungensagc in der Achtung: die ritterliche Ge- sellschaft schuf sich ihr eigenes, neues Epos, in dem alles fein höfisch hergehen mußte. Auch die Liebe ivard mit emem feinen Mystizismus durchsezt. Parcival starrtauf drei Blutstropfen im Schnee und versinkt in tiefes Minnegrübeln, !£•& cr- errJleillbe"cht achtet, welche auf ihn losschlagen. Ware Parcival Schuler des alten Hildebrand, des Schwertmeisters Dietrichs von Berne gewesen, er hätte jezt etwas derbes hinter die Ohren bekommen! Der ganze neue gute Ton der ritterlichen Gesellschaft fürte den Namen der„Hösischheit", des höfischen Wesens, des Betragens, wie es sich bei Hofe sehen lassen kann. Den Gegensaz dazu bildete die„Dörgeskeit"; deren Träger war der Bauer, jar- TaS Innere einer Wapischianna- Hütte.(Seite 180.)' hundertelang das Lasttier der Gesellschaft. Mit seiner niedrigen Stellung und schweren Arbeit hatte er, der die vornehme Gesell- schaft ernärte, zu dem Schaden auch noch den Spott, eine alte und doch heut noch nicht veraltete Geschichte! Betrachten wir das Leben der Frauen etwas näher. Zu dem altüblichen Erlernen der häuslichen Geschäfte und weiblichen Künste kommen jezt auch die sogenanten geistlichen Fächer, Lesen und Schreiben, auch fremde Sprachen,„Zungen" wie die Zeit es nante. Ferner wurden ihnen von ihren Meisterinnen oder auch von faxenden Sängern und Musikern Lauten-, Eiter- und Harfenspiel gelehrt, auch Singen stand in hohen Ehren. Die obgedachte Kunst irnrn li® des Lesens und Schreibens war in jenen fehde- lustigen Zeiten überhaupt mehr frauliche als rit- terliche Kunst. So konte Wolf- ram von Eschen- bach, der tiefsin- uige Denker und gefeierte Säuger des Parcival, nicht schreiben, »och lesen; er diktirte seine Gedichte einem Schreiber. Auch der deutsche Don- guixote Ulrich von Lichtenstein mußte ein Büch- lein d. i. einen Brif seiner An- gebeteten wochen- lang mit sich herumtragen, one seinen Inhalt zu kennen, bis sein schreib- und lese- kundiger Bote wiederkehrte. Auch desDichtens beflissen sich die Damen; wird doch sogar saren- der Dichtersänge- rinnen gedacht! Genugsam be» kant ist nach der Hymnendichterin Awa die schrift- stellerndc gan- dersheimer Nonne Hros- witha, welche mit ihrenhöchstmora- lisch gemeinten, uns aber überaus anstößigen Dra- matifirungen von Heiligengeschich- ten den lateini- schen Lustspiel- dichter Terenz von dem Repertoir der Klosterschultheater ver- drängen wollte. Im Jare 789 schon wird den Nonnen verboten, rninileod scribere vel rnittere d. h. Liebeslieder zu schreiben und zu senden, eine Tatsache, welche auf weltlich-dichterische Kunst- übungen hinweist. Psalter und dergleichen Schriften wurden immer heimischer in den Behausungen der Frauen und galten rechtlich als zur Gerade, dem eingebrachten Frauengut gehörig. Die großen Heldenlieder, sowie auch die zierlichen Büchlein der Minnesinger fehlten nicht in den Kemenaten(carninato— heizbares Frauengemach) der vornehmen Burgen, die dann zuweilen von besonders dazu gehaltenen Mädchen des Hosstaats vorgelesen Auk der L'lsbllhn.(Seile 180.) wurden. Frauen traten vielfach als Gönnerinnen und Fürde- rinnen literarischen Strebens auf; so die Schwester des Richard Löwenherz, der selbst in provenzalischer und nordfranzösischer Sprache dichtete. Ihren Gatten, Herzog Heinrich den Löwen, bestiinte sie, das französische Rolandslied nach Deutschland kommen zu lassen, welches vom Pfaffen Ronrad iu's Lateinische und dann in's Deutsche übertragen ward. Und wie sah denn die deutsche Frau im Mittelalter aus? Zeichnen wir sie einem mittelalterlichen Sauger, Dietrich von Glaz, nach: Gelbes Haar, stolz ihre Wänglein, rosenfarb und Lilienweiß darunter, daß ihre Augen sind so klar, so recht wie die beim Adelar; Ihr wolbeschaffenes Nasenbein war nicht zu groß und nicht zu klein, ihr Mund darunter rosenrot: wie selig der, dem Ruß er bot, rund und tveiß das Rinn und licht durchsichtig die Kehle, so daß man den Rotwein durchfließen sah, wenn die Fraue trank, ihre Zähne wie von Elfenbein, und golden schier ihr züngelein, ihre Achseln sehr säuberlich(„a sauber s Deandl" noch heute lebendig!), ihre Hände, ihre Arme ritterlich standen ihr zu Wunsche wol; ihr Herz, das war tugendvoll, ihre Beine, ihre Füße hoferlich, ihre Schuhe standen ritterlich, ihre Güte war so süße, und wären ihre Füße gekommen in des Meeres Flut, die wäre davon worden gut! Tragen wir von anderwärts her noch nach: die Augenfarbe braun oder in verschiedenen Farben spielend wie beim Falken, auch blau war beliebt, groß soll der Zwischenraum zwischen den Augen sein, weiß, voll und fest der Hals, die Statur mäßig groß, schlank und doch voll, in der Mitte„wie eine Ameise" rank und schmal, voll und zart die Hüfte, grade und rund wie eine Kerze die Beine, die Füße schmal, klein und gewölbt,„daß sich ein Böglein drunter verbergen kann," eine Forderung, die sich schon im Schönheitskanon der alten Griechen findet. Daß übrigens der Natur schon sehr frühe durch Schminke nachgeholfen wurde, beweist die Stelle des Nibelungenliedes, wo es heißt: „Gesalschct Fraue» Farbe gar wenig man da fand." Frei wallte das über die Stirn gescheitelte Har herab, am liebsten geschmückt mit Blumenkränzen oder einem einfachen Reif von Edelmetall. Bei den Verheirateten kam zu dem Kranze, auch Schagel(chnpeau= Hut) oder Blumenhut genant, ein Schleier hinzu, der darunter getragen wurde; oder das Gebände, ein haubenartiger Kopspnz, mit einein Kinn und Mund verhüllenden Tuch. Nahm die Dame dies Gebäude von Mund und Kinn ab, so zeigte sie damit an, daß sie den Mund brauchen wolle, und aufgelegt sei zu minniglichen Scherzen. Unvermeidlich war die am Gürtel laug hängende lederne oder gestickte Tasche. Wir verzichten auch hier darauf, unser» Leserinnen einen mittelhoch- deutschen Kleiderschrank vorzufüren mit all seinen Schäzeu au Sammet und Seiden und pelzgeschmückten Gewändern. Wie es noch heute sein soll, liebten die Damen des Mittel- alters eben anch, einen großen Kleidervorrat zu haben. Ulrich von Lichteustein singt: Der Fraue» Sinn ist so gestalt, Sie seien jung oder alt Sic habe» gern Gewände viel. Dazu bemerkt er, diejenige, welche diese Kleider nicht trägt, will wenigstens sagen können, daß sie es wol imstande wäre, wenn sie nur tvollte. Auch die Schleppe ist ein Bestandteil der mittelalterlichen Damengarderobe, sie war sauber gefältelt, gestickt und wurde gepudert, namentlich gern beim Tanze getragen und hieß Frantz. Wie heute wurden auch Klagen laut über diesen Bestandteil der weiblichen Kleidung. 1180 sagt GaufreduS Vosiensis:„Die Frauen schreiten mit ihren langeuKleidern umher wie die Schlaugen" und Etienne de Bourbon kanzelt folgendermaßen:„Die Damen ziehen ihre Schleppen länger als eine Elle hinter sich her und sündigen damit ganz wunderbar, weil sie das schwere Geld dafür den Armen, folglich Christus stehlen, Flöhe sammeln, die Andäch- tigeu in der Kirche stören. Staub aufwirbeln, die Kirche ver- düster», die Altäre gleichsam beräuchern, die heiligen Stellen be- stäuben und entweihen und auf den Schleppen den Teufel faren." Ein anderes Prunkstück an StgatSgewänder» waren die langen Parade-Aermel, die bis zum Handgelenk auch anlagen, dann aber sich erweiterten, so daß sie fast bis zur Erde herabreichten. Selbstverständlich war auch das Reinhalten des Körpers strenge Vorschrift für die Frauen. Gegen das fleißige Baden, welches im ganzen Mittelalter hochgehalten wurde, bildet einen sonderbare» Äegensaz die Gesellschaft der Fromme», welchen diese Zier des Körpers allzu weltlich dünkte und die sich Schmuz und sogar Ungeziefer zum Verdienst anrechneten! Bon der bekannten thüringischen Landgräfin, der heiligen Elisabeth, ivird erzält, daß sie sich einst auf vieles Zureden zu einem Bade entschloß, diesen Frevel aber im lezten Augenblick noch bereute und nur einmal mit einem Fuße ini Badewasser herumplätscherte. Wer auf Heiligkeit keinen Anspruch machte, badete äußerst fleißig; Arme erhielten wöchentlich ein oder mehrere Freibäder in den Städten. (TchliiS lolgl.) Die Religion der Vergangenheit nnd der Zukunft. Von Dr. A. Israet. (2. Fortseziiug.) Auch der denkende Mensch ist eine Erscheinungsform der Sud- stanz; das individuelle Denken und alle psychologischen Phänomene sind Modi der Substanz. Kein Vorgang im Universum one das Wirken entsprechender, der Substanz innewohnender Kräfte oder Ursachen. Das Gesez der Causalität ist allgemein. Der menschliche Wille ist nicht frei; sondern auch er steht, wie jede andere Naturerscheinung, unter dem Gesez der Causa- lität. Der menschliche Wille, oder das Entschließen, ist in der psychologischen Disposition des Moments der Entschließung be- dingt. Was den Menschen zur sittlichen Erhebung und Vollkommen- heit sähig macht, ist die Erkentnis(Warheit). Denn neben den Affekten ist die Erkentnis der psychologische Faktor, welcher das menschliche Wollen regiert. Je mehr nun der Mensch die War- heit erkent, desto weniger steht er unter der Hersckaft der Affekte, desto mehr wird er nach den Grundsäzen der Sittlichkeit leben, weil er erkent, daß nur dadurch das lezte Ziel seines Strebens, die Glückseligkeit, erreicht werden kann. Diese wenigen Säzc bilden nur den Grundriß des herlichen Tempels des Spinozismus, dessen festes Gefüge die massiven Quadern des strengsten logischen Denkens bilden, in dessen Räumen die Friedensluft reinster Seligkeit weht, auf dessen glän- zenden Zinnen das beglückende Banner der Humanität aufge- pflanzt ist. Spinoza stand mit seiner Offenbarung so ziemlich allein; aber seine Schriften übten eine große Anziehungskraft auf alle Denker aus, und wenn sie auch nur von sehr wenigen vollständig begriffen wurden, so war doch mit ihrer Ausbreitung die Morgenröte der naturalistischen Weltanschauung in der civilisirten Mensch- heit angebrochen und immer heller wurde es am Himmel der Kultur. Die spinozistischen Ideen sickerten in alle Gebiete des Wissens und in viele des Lebens, und von späteren Philosophen wurden manche seiner Ideen feiner ausgeschliffen oder neu gefaßt und ihren Systemen einverleibt. Mit Spinoza trennen sich die Pfade der Philosophie und der Teologie, welche im Mittelalter treue Gefärten waren; denn wenn sie auch hier und da eine Fehde mit einander hatten, mitunter sogar derbe Püffe wechselten, so hatten sie sich doch bald wieder ausgesöhnt. Nun aber hieß es: Geh du rechtlvärts, laß mich linkwärts gehn. Ganz bedeutende Hülsstruppen fand die spinozistische Welt- anschauung in den Naturwissenschaften, welche, nachdem die Wissen- schast das Joch aristotelischer Autorität abgeworfen hatte und der von Baco vorgezeichneten Jnduktiousmetode sich zu bedienen be- gann, einen ungeahnten, mächtigen Aufschwung nam. Mit jedem neuen Gesez, das die Naturwissenschaft entdeckte, erweiterte sich die Bresche, welche das Zeitalter in die supranaturale Weltan- schauung gebrochen hatte; jeder Triumph, den jene feierte, war eine Niederlage für diese. Denn sobald die Phänomene der Er- scheinungswelt sich als uaturgesczmäßige Notivendigkeiten dar- stellen, muß die Vorstellung einer unmittelbaren Einwirkung trans- cendenter Faktoren ausgegeben werden*), wie auch der tiefere Einblick, den die Wissenschaft in die physiologischen Prozesse ge- Ivann, die mittelalterliche Antropologie erheblich erschiittern mußte. 9. Kapitel. Goethe als Spinozist. Mit der Milch des Spiiiozismus wurde der größte Dichter- genius der Neuzeit genärt, welcher das ganze weite Gebiet der deutschen Geisteskultnr mit seinem Licht überströmte und dessen Werke überall die spinozistische Denkart zurnckstralen. Wolfgang Goethe sah die Welt mit spinozistischem Auge an, betrachtete die Natur und die Menschen sub speeie Spinozismi und diese Welt- anschaunng verleiht seinen Dichtungen und Schriften jene majestätische Objektivität, welche sich allem was ist, dem Ganzen wie dem Einzelnen, dem Größten wie dem Kleinsten, mit nrgesundem WolgefaUen zuwendet, dem alle krankhafte Sentimentalität und Schwärmerei fremd ist und das Spinoza in seiner Sprache amor » ästetischer Hinsicht kein geringer Unterschied, ob man die Natur als etwas Hinfälliges, Verwelkliches betrachtet, als flüchtigen schatten der transcendenten Welt des Geistes, als einen Komplex von Wesen, welche die Willkür des Schöpfers ins Dasein ge- rufen hat und die er„nur anbläst und sie zerstieben", als Grund des sittlichen Uebels, oder gar als Werk der Finsternis; oder ob man die Natur als ewig, sub speeie aeternitatis, betrachtet, als die lebendige, ewig junge und sich neu verjüngende Gebärerin alles Lebens, als die Quelle alles Großen, Schönen und Guten. Mit ganz anderem ästetischen Behagen wird der sein Auge ans *) Die durch Üant in die Philosophie eingesiirte Distinklio» zwischen Aoumena und Phänomen«, welche bei seinen Nachfolger» die sonder- barsten spekulativen Blasen trieb und zulezt dem schopenhaucrschen Un- geheuer, Weltwillen, das Dasein gab, hat dem Deismus eine neue Hintertür geöffnet. Unseres Erachtens ist jenes Fahndeu nach_ dem metaphysische, Substrat der Erscheinungswelt ein durchaus müßiges -seginneu. Unser ganzes Denken operirt überall niit dem Begriff Sein. One diesen Begriff gibt es keinen Gedanken. Wir beziehen unsere �inneseindrücke aus ein Sein und suchen uns die Merkmale des Ge lamtseins und des einzelnen Seins(d. h. wie dasselbe auf uns wirkt) kmr zu machen. Auch die Jchvorstellung ist nichts anderes. Die Vor- stellung Sein aber ist soviel wie Substanz, Stoff, Materie, d. h. sie M one die Vorstellung der Ausdehnung nicht denkbar. Wer dies bc- streitet, der verwechselt das Wort Sei»(die Reproduktion des Gehör- stnns) mit dem Begriff Sei».(Ich habe an einem andern Ort gezeigt, baß der Umstand, daß wir mit Worten denken, um den Denkprozeß zu erleichtern, die meisten philosophischen Irrtümer veranlaßt. Denn das smort(die Reproduktion der Gehörsvorstellung) ist nur die Etiquette des Begriffs, oder das Papiergeld des Gedankens; nicht der Begriff leibst. Solle» spekulative Irrtümer vermieden werden, so muß stets baraus geachtet werden, daß das Wort mit stinem Begriff kongruirt; °enn nur wenn dies außer Acht gelassen wird, können Merkmale kom- huurt werden, deren Kombination in einer Vorstellung ganz unmöglich I'~ Hieraus entsteht das Bedürfnis der Definitionen.— Mit Recht wgt daher Goethe: Denn eben wo Begriffe fehlen Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ei». Mit Worten läßt sich trefflich streiten, ., Mit Worten ein System bereiten und wiederum Gewönlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, Es müsse sich dabei doch auch was denlen lasse». beste Mittel, derartigen Verbalhallucinationen auszuweichen, ist me Umsezung der Verbalvorstcllung in ihre Realvorstellung. Alles mas in unserem Bewußtsein nach gedanklichem Erfaßtwerdcn ringt, will au� bin Sein bezogen und mit den übrigen Seiusvorstellungen in «mklang gesczt werden; damit ist das intellektuelle Bedürfnis hinlang tÄ.t befriedigt. Was sich aber bis jezt von der Wissenschaft mcht em Mein ließ, kann doch nur aus diese Weise enträtselt werden und ge- '" eigentlich in das Gebiet der Naturwissenschaft. der Natur und ihren Erscheinungen verweilen lassen, der sie als ursächlich begreifbar betrachtet, als Inbegriff und Wirkung nie und nirgends gestörter Gesezmäßigkeit, als Manifestation ewiger Kräfte, die überall und immer nach denselben Regeln wirken, als ein immer logisches und vernünftiges Wesen— als derjenige, dein die Natur als Spiel regelloser Willkür, oder als Marionette erscheint, die ein hinter der Coulisse des Himmels verborgener transcendenter Gott nach seiner Laune in Bewegung sezt. Wärend dem Dualisten viele Erscheinungen an sich kein Interesse einflößen, wärend viele sogar abstoßend auf ihn wirken, oder sein Interesse nur fesseln, sofern er sie mit dem Geistes- oder Gefülsleben in Beziehung zu sezen vermag, in seiner Natnrpoesie daher ein re- flektiver und sentimentaler Zug vorherschen wird, ist dagegen der Monist geneigt, die objektive Wesenheit der Natur anzuschauen, aufzufangen und lviederzuspicgetn; alles Verschwommene, Mystische, fieberhaft Exaltirte wird ihm widerstreben; nur das Klare, Be- stimte, Helle sagt ihm zu. Ihm wird auch das Unscheinbare zum Bedeutenden werden, da es einen Teil der ewigen Substanz und ihrer Kräfte repräsentirt, die Reflexe des Universums von ihm ausstralen.— Noch in anderer Hinsicht ist die spinozistische Welt- anschauung auf die Poesie, besonders auf die dramatische, von hohem Einfluß. Zufolge der deterministischen Auffassung der menschlichen Handlungen wird sie sich auch in Bezug auf die menschlichen Karaktere eine ungetrübte Objektivität bewaren; sie wird leichter Menschen schaffen können, wie sie sich auf der Biine des Lebens bewegen und wird eher imstande sein, Karaktere und Handlungen in ihren Wurzeln bloszulege», das innerste psycho- logische Geäder durchschimmern zu lassen und sie wird damit nachhaltiger auf die Masse wirken, als der Subjektivismus und Indeterminismus. Darum aber ist Shakespeare der größte Dramatiker, weil er, obgleich fast ein Jarhundert vor Spinoza lebend, die menschlichen Handlungen, Karaktere und Schicksale als notwendige Resultate ihrer psychologische» Komposition auf- gefaßt hat.(Vgl. hierüber Kuno Fischer, Geschichte der neueren Philosophie, 24. Borlesung. 3.)— 10. Kapitel. Aus Goethes Werken. Wir haben von Goethe gesprochen. Aus„Warheit und Dich- tnng" wissen wir, welchen gewaltigen Eindruck die Werke Spinoza's ans den jungen Dichter machten.„Dieser Geist", heißt es im 3. Theil Buch 14,„der so entschieden auf mich wirkte, und der auf meine ganze Denkweise so großen Einfluß haben sollte, war Spinoza. Nachdem ich mich nämlich in aller Welt um ein Bildungsmittel meines wunderlichen Wesens vergebens umgesehen hatte, geriet ich endlich an die Etik dieses Mannes. Was ich mir aus dein Werke mag herausgelesen, was ich in dasselbe mag hineingelesen haben, davon wüßte ich keine Rechenschaft zu geben, genug, ich fand hier eine große und freie Aussicht über die sinn- liche unv sittliche Welt aufzntuu rc." Und im 16. Buch Th. 4. erzält der Dichter in ergözlicher Weise, wie er später abermals zu Spinoza hingetrieben wurde, und färt dann fort:„Ich erinnerte mich noch gar wol, welche Beruhigung und Klarheit über mich gekommen, als ich einst die nachgelassenen Werke jenes merk- würdigen Mannes durchblättert. Diese Wirkung war mir noch ganz deutlich, one daß ich mich des Einzelnen hätte erinnern könen; ich eilte daher abermals zu den Werken, denen ich so viel schuldig geworden und dieselbe Friedensluft wehte mich wieder an. Ich ergab mich dieser Lektüre und glaubte, indem ich mich selbst schaute, die Welt niemals so deutlich erblickt zu haben u. s. f." Sehen wir uns ein wenig in goethes Werken um. Spinozistischen Pantheismus(um diesen in poetischer Hinsicht berech- ligten Ausdruck zu gebrauchen) atmen die Worte Fausts über den Makrokosmos: Wie alles sich zum Ganzen webt, Eins in den» andern wirkt und lebt; Wie Himmelskräfte aus und niedersteigen Und sich die goldnen Eimer reichen! Mit segendustenden Schwingen Vom Himmel durch die Erde dringen, Harmonisch all' das All durchklingen. und die des Erdgeistes: In Lebenssluten, im Tatensturm Wall' ich aus und ab, Webe hin und her! Geburt und Grab, Ein ewiges Meer, 176 Ein wechselnd Weben, Ein glühend Leben, So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid. Dieselbe Auffassung des Ganzen wie des Einzelnen im Universum findet in einem Verse der„Zahmen Temen" VII. Ausdruck: Wenn im Unendlichen dasselbe Sich wiederholend ewig fliesjt, Das tansendsältige Gewölbe Sich kräslig in einander schließt; Strömt Lebenslust aus allen Tingen, Dem kleinsten wie dem größten Stern, Und alles Drängen, alles Ringen Ist ewige Ruh' in Gott dem Herrn. Den transcendenten Gottesbegriff negirt Goethe mit titanischem Unlvillen in der kraftstrozenden Trozhyinne„Prometheus" und in dem Spruch: Was wär' ein Gott, der nur von außen stieße, Im Kreis das All am Finger laufen ließe! Ihm ziemt's, die Welt im Innern zu bewegen, Natur in Sich, Sich in Natur zu hegen, So daß, was in Ihm lebt und webt und ist, Nie Seine Kraft, nie Seinen Geist vermißt ist dem snpranaturalen Gottesbegriff der pantheistischc gegenüber- gestellt. Schwungvoller wird der leztere durch Faust ausgedrückt. Wölbt sich der Himmel nicht da droben? Liegt die Erde nicht hier unten fest? Und steigen, freundlich blinkend Ewige Sterne nicht herauf? Schau ich einst Aug' in Auge dir, Und drängt nicht alles Nach Haupt und Herzen dir, Und webt in ewigem Geheimnis Unsichtbar sichtbar»eben dir? Erfüll davon dein Herz, so groß es ist, Und wenn du ganz in dem Gesüle selig bist, Nenn es dann wie du willst, Ncnn's Glaube! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen Dafür! Gesül ist alles;! Name ist Schall und Rauch, Umnebelnd Himnielsglut. Wenn Gretche» meint:„Ungefär sagt das der Psarrer auch," so hat es sich eben„au Worte gehalten", wie mancher Literat, der sich au diesen Worten im gläubigen Sin» erbaut, und wie mancher Professor, der Spinoza zum Monoteisten stempelt. In Warheit läßt hier der Dichter seinen immanenten oder monisti- scheu Gott in vollem Glänze leuchten und überstralt damit den andern ganz und gar. Ebenso entschieden spricht er sich gegen die Jenseitigkelt aus; im Faust: Das drüben kann mich wenig kümmern: Schlägst du erst diese Welt zu Trümmern, Die andre mag darnach entstehen. Aus dieser Erde quillen meine Freuden, Und diese Sonne scheinet meinen Leide»; Kann ich mich erst von ihnen scheiden, Dann mag, was will und kann gcscheh'n. Davon will ich nichts weiter hören, Ob man auch künftig haßt und liebt, Und ob es auch in jenen Sphären Ein Oben oder Unten gibt. Und in den Zahmen Tenien VI.: Ein Sadduzäer will ich bleiben!— Das fönte mich zur Vcrzweislung treiben, Daß von dem Volk, das hier mich bedrängt, Auch würde die Ewigkeit eingeengt; Das wäre mir der alte Patsch, Droben gäb's nur verklärten Klatsch.*) (F-rtsczung folgt.) *) Wenn Goethe gegen Eckermann kurz vor seinem Tode sich an- ders äußerte, so haben wir hier eben ein Stimmungswort, welchem, wie dem Faust 2. Teil und den Wanderjaren das Merkmal des hohen Alters anklebt. Im Dorf i Eine Geschichte aus dem „Du bist hier, Helen'" sagte sie,„und nicht da drinnen, wo der Meister Barthold war? Der Meister Barthold weißt dn, der nimmer dableiben mocht und fortgegangen ist, weil dn ihm weh getan———" Ein rascher, blizender Blick, mit dem sie Helene bei diesen Worten ansah, schnitt ihr für einen Augenblick die Rede ab; es lag wie stumme Bitte darin, ihr weiteren Vorwurf zu erspare», und doch zugleich wie ernstes Eingeständnis, daß sie es als War- heit anerkennen mußte, was die Schwester sprach. „O Helen',"— für diese wieder tief aufatmend und gleichsam troz jenes bittenden Blicks neue Anklage wider sie aussprechend fort,_„hast du's denn nie gemerkt, wie treu dich der Meister immer ang'schaut, wie er immer mit dir zu reden g'sucht, und daß ihm etwas in den Augen g'zuckt, das niemand galt als dir?— Und du hast immer die stolze Dam' g'spielt und ihm den Rücken zugedreht,—'s war unbarmherzig,'s war schlecht, Helen'!" Und die Stimme des braven Mädchens bebte im tiefsten Mitgefül für den, von dem sie sprach, und auch ihr waren die Tränen nahe, als es jezt der Schwester in heißem Strom wieder aus den Augen über die Wangen schoß und sich dieselbe laut auf- schluchzend ihr an den Hals warf. „Ja, nun komt das Weinen und Geschluchz'!"— sagte die Äleiite mit einer ihr reizend stehenden klugen Miene weiter, und man hörte den kleinen Stolz über die Verständigkeit, mit der sie ihrer Meinung nach sprach, aus ihren Worten heraus.„Wenn's nun nur nicht zu spät ist!... Der Arme,— möcht' wissen, wie 's jezt in seinem Herzkämmerlein aussieht!... Lauf', Helen', lauf,— du glaubst nicht, wie bleich er ausschaut',— lauf', ich denk', er geht drunten im Wald, und mir bangt, daß er sich ein Leids antun könt'!" Sie stieß diese lezten Worte mit außerordentlicher Hast heraus, als sei sie in der Tat besorgt, daß Jakob Barthold etivas Uebles r Schmied. lsaß von Mar Vogter.(13 Forsezung) mit sich Vornemen könte. Und sie hatte es kaum gesprochen, als Helene schnell die Arme von ihrem Halse löste und sie mit weit offenen Augen erschreckt ansah. „Wenn er sich ein Leid antät'!" schrie sie mehr, als sie sprach, beide Hände angstvoll auf die Brust pressend und das Haupt in die Höhe werfend. Und im nächsten Augenblick hatte sie sich auch schon von der Schwester abgewant, lief auf dem kleinen Steg über den Bach und drüben durch die offene Bretter- tllr nach dem Busch, der sich unmittelbar an die Obstbaumgruppen des Gartens anschließt und in. ganz geringer Entfernung von dem lezteren mit dem größeren und dichteren Gehölz zusammen- stößt. Nanuette aber eilte in die Ichenkstube zurück. Roch strich der Wind, die grünen Zweige gegen einander peitschend, mit hartem Gepfeif durch die Sträucher und Bäume, und graue Wolkenschleier bedeckten den Himmel; aber im feuchten Grunde duftete der blühende Waldmeister, und tief ans dem Ge- hölz tönte lockender Kuckuckruf. Helene ging eilig, und bald stand sie unter den breiten, schattigen Aesten der Buchen, die über ihr zusammenrauschten. Es war dämniriges Dunkel ringsum, und das schöne Mädchen sah nach allen Seiten um sich, ob sie den Gesuchten nicht zu erspähen vermöchte. Da stand er wirklich, an einem der alten, epheuübersponnenen Stämme gelehnt, und starrte unbeweglich in die wogenden Baum- krönen hinauf. Als sie ihn bemerkte, lief sie noch schneller als bisher; dann aber blieb sie in kurzer Enffernung von ihm wieder stehen. Das Herz klopfte ihr laut, und ihre Wangen glitten; sie faltete noch einmal tief atmend die Hände über der Brust, als suchte sie ihre Erregung zu bemeistern,— es war eine lezte Scheu und zage Furcht, die sie überwand. Run stürmte sie, beide Hände vorgestreckt, nach ihm hin. Wie er das Geräusch in seiner Nähe hörte und sie in ihrem hellen Kleide auf sich zukommen sah, für er aus irren Gedanke» aus. Er glaubte seinen Augen nicht trauen zu dürfen; denn so zuversichtlich er vorhin auf eine tröstliche Anttvort aus ihrem Munde gehofft, so gänzlich unerwartet kam es ihm, daß sie ihn jezt hier aufsuchte, zumal er sich nicht sogleich zu erklären wußte, wie sie überhaupt erfaren hatte, daß er seine Schritte an diese Stelle gelenkt. Doch er fand nicht viel Zeit zum Ueberlegcn und Staunen, schon hatte sie das lichte niedrige Buschwerk, das sie noch von ihm trente, rasch zurückgebogen und stand mit fliegendem Atem, in den Augen noch die Spuren ihrer Tränen, vor ihm da. »Jakob Barthold," rief sie voll Leidenschaft, indem sie ihm beide Hände bot,„ich tat nicht recht, daß ich euch im Zimmer allein ließ, und Hab' ein zornig Wort von euch verdient,— wollt ihr mir's sparen,— fönt ihr mir's verzeih'»?" Ter junge Meister starrte sie sprachlos an, als könte er es nicht fassen, daß sie, so innig und leidenschastlich bittend, zu ihm sprach, der Hut, den er bisher in der Hand gehalten, entsank derselben, und der Wind strich kühl durch sein krauses Haar; aber doch schwindelte ihm die Stirn, und es war gut, daß er hastig ihre dargebotenen Hände ergriff,— er hätte sich sonst am Baum- stamm halten müssen, um nicht ins Wanken zu geraten. Aber was seine Lippen nicht zu jagen wußten, das sprachen wieder die dunklen, glänzenden Augen aus, zärtlich in die ihren hinein- funkelnd und die ganze trunkene Seligkeit seines froh vcrwun- dcrtcn Herzens kündend. _„Jungser Helen'!" brachte er endlich, im höchsten Glück ihre Hände innig fest zwischen den seinen drückend, hervor. Sie schauerte, wie sich diese Worte seiner Brust entrangen und sein heißer Atem über ihre Stirn strich, zusammen bis ins innerste Herz. „O sagt, daß ihr» könt!" rief sie wieder drängend.„Sagt, daß ihr mir's auch nimmer gedenken wollt, was ich euch sonst ge- tan,— o, es war nicht recht von mir, Meister,'s war bös!" Und die Tränen zwängten sich ihr aus's neue in die Augen, wie sie noch immer unter dem frischen Eindruck der Worte ihrer Schwester so sprach. Und ivie die seinen fort und fort auf sie gerichtet waren, so sahen auch ihre Augen ihm glänzend und leuchtend ins Gesicht,— nur daß eS in ihnen wie heißer Schmerz zuckte, eine rürende, demütige Bitte darin lag, wärcnd ihr aus K»en noch immer selig frohes Staunen, herzinniges Entzücken entgegenglüte. „Helen'!" rief er endlich überlaut, daß es in die windbeivcgten Baumwipfel ausjubelte und ein Bogel, der in den Zweigen saß, erschreckt von bannen flog.„Ihr sprecht war,— ihr wißt, was >hr mir seid, ihr habt mich crkant und wollt nichts mehr haben wider mich?"— Er bebte an allen Gliedern vor Freude und Wonne und preßte in überschäumender Glückesempflndung ihre beiden Hände fest auf seine Brust, wärend sein heißer Blick sich wieder tief hineinborte in den ihren. „Wider euch!"— entfnr es nicht minder leiden, chaftlich, aus dem innersten Herzen heraufkommend, ihren Lippen, und sie ueigte ihr Haupt gegen das seine und sah mit ihren großen flainmcnden Augen zu ihm empor.„Wider euch?" wiederholte Iw.„O Jakob Barthold, wenn ich's nicht wüßt', wie brav, wie edel, wie gut ihr seid,— laßt mich's sagen, denn es ist cine verdiente Beicht'!... Seht, wie ich euch manchmal so traurig und still sah, wen» ihr so stumm und trüb saßet, als quält euch e>« tief Herzweh,- da hat sich's mir innen zusamnlengekrampsl, u»d ich Hab' ein innig Mitgefül mit euch gehabt,- aber ich Asb's euch nicht sagen können, weil mir's war, als dürft» nicht win,— und auch wie ihr vorhin zu mir aufgeschaut und so warm und herzig zu mir g'redt und ich meine Hand in eurer sult', da ist mir's wieder gar heiß aus der Brust heraufgekommen, und ich hätt' euch noch länger anblicken mögen und Hütt gern ein gutes Wort zn euch gesagt,— aber da kam's wieder wie w/lder Druck auf's Herz, und die Zung' war mir gelähmt, da,; ich nichts reden kvnt'! lind ich bin zum Garten gegangen, und e6 schnitt mir durch die Seel', daß ich nicht wiißt'. wie mir war und ich hingesunken bin nnd geweint Hab',— mich dünkt, aus Berdruff, daß ich mir garnicht sagen kont, ivas mir s Herz ,o selffam zusammengedrückt.— Aber wie die Baunette gekommen ig und gemeint hat/ ihr wärt bleich und traurig»nd töntet euch ein Ucblcs tun im Wald, da riirt' mir» den Fuß, als wär's von Migeni Schlag— und es riß mich fort—» nd ich wüßt, Q ch euch lieb'!" � v., ... s>e hatte immer lebhafter nnd erregter gesprochen und ihre ippen dicht gegen sein Ohr geneigt. Bu» koutc sie nicht weiter nb sank, überwunden von der Leidenschaftlichkeit ihrer Empsin- dung, willenlos an seine Brust. Unter dem hellen, dünnen Kleide pochte es laut, wogte es ihm warm entgegen, in atemlosem Entzücken beugte er sich zn ihrer Wange und sog jedes Wort, das sie sprach, selig in sich hinein. Jezt vermochte auch er die stür- mische Glitt, die in seinem Herzen drängte, nicht länger zurück- zuhalten; ihre Hände, die er bisher noch immer auf seiner Brust uinklamniert gehalten, faren lassend, riß er sie an sich und um- schlang sie mit beiden Armen, nnd als sie noch einmal rasch das Haupt erhob und mit einem kurzen, leuchtenden Blick zu ihm aufsah, preßte er in überwallende»! Gefül heißer Zärtlichkeit seine Lippen auf ihre Stirn und auf ihren Mund. So standen sie minutenlang, und lauter noch rauschte es auf im lenzgrüncn Wald, daß sich die ivogenden Zweige weit auf die beiden Glück- lichen herniederbogen, und draus flog wieder ein munterer Buch- sink auf, tiefer in das Dunkel hinein, um dem Specht, der dort drinnen laut an den Stämmen hämmerte, zu künden, ivas er gesehen, man konte sie gleich darauf mit einander schwazen hören.... Und dann wurde es auf einmal ganz still, der Wind hatte sich plözlich gelegt, nnd auch die Bögel schwiegen, und durch die Laubkronen brach, schier zum erstenmalc an diesem Tag, ein ivarmer, blizender Sonnenblick herein,— ja, der Sturm>var aus, der so lange die Seelen der beiden durchtobt, vorbei der Kampf, den sie gegeneinander und mit sich selbst gekänipst, nach langem. Ungewissen Fragen und Zweifeln und peinvollem Hin- nnd Herschwanke» des Empfindens kam Glück und Klarheit. Auch für Helene. Das Rätsel, ivas sie sich wärcnd der lezten Monate selbst gewesen, nun ivar's gelöst Es wurde wieder heiter und licht in ihrem Herzen, all' ihre Unzufriedenheit schivand; denn das heiße, unerklärliche Gefül, dieses Hangen und Bangen in schwebender Pein,— denn was war es anderes gewesen?— das so heftig in ihrer Brust gerungen, es hatte seine Befriedigung gefunden. Und ivie sie nun mit ihm aus dem Walde schritt, durch das niedrige Gehölz, ivelches unmittelbar mit dem Garten des Hauses„zur goldnen Traube" zusammenhängt, war es ihr, als wäre es immer so gewesen, als hätte es nie anders sein können: daß sie ihm selig im Arme hing und ihn in freudiger Glückseligkeit mit stralenden Augen anlachte, wärend er ihre Hand in der seinen hielt und sie immer und immer wieder zärtlich drückte und mit beredtem Munde zu ihr niederflüsterte.... War das plözlich ein hcrlichcr, schöner Sontagsmorgen gc- worden. Die Wolken droben hatten ihre kalte, starre Umarmung gelöst, die ganze, volle, lenchtende Sonne ivar sieghaft hindurch- gedrungen, ein weite», farbengesättigtes Stück blaudnftigeii Himmels sah wieder herab, nnd die Lerchen stiegen jubilirend aus den jungen, frischgrüncii Saatfetdern da hinauf. Hinter dem seligen Par aber, das langsamen Schritts zivischen rankendem Gesträuch und lichten Maien hinging, erscholl iezt im vollen Chor aus dem Walde vicltönig aufjanchzender Bogclgesang, und die Glocken der Dorfkirche, deren dicker Turm zur Hälfte zivischen den Ulmen und Birken des Gehölzes und den Obstbäume» des Gartens in die klare, sonnige Luft vor ihnen anfragte, hallten festlich nnd feierlich drein. Helene mußte eilen; denn das Glockengeläut kündete den Ausgang der Frühmesse, und sie wollte wieder im Hause sein, wenn der Batcr ans der Kirche zurückkam. Sie hatte schon vorher das Stränßlein von blauem Vergißmeinnicht, das sie zwischen den iveißen Spizen an der Brust trug, hinweg- genommen und es Jakob in's Knopfloch gesteckt, nun riß sie rasch vom duftenden Fliederbaum, der sich neben der Bank, auf der sie vorhin gesessen, über den klaren, plätschernden Bach her- niederbenate, eine vollbliimige rote Blütentraube und reichte sie ihm niit seligem Lächeln über den nieder» Zaun hinüber. Mit freudiger Hast hatte er sie ergriffen; dann reichte ihm das schöne Mädchen noch einmal zärtlich ihre Rechte und neigte sich vor, um sein Haupt gegen das ihre zu ziehen und einen schnelle», heißen Kuß ans seine Lippen zu drücken,— und nun verschwand ihr helles, zierlich geblümtes Kleid zwischen den hohen, breitästigen Bäumen, unter denen sie rasch dem Hause zuschritt, nnd der junge Meister stand am murmelnden Bach nnterm Fliederbaum neben der steinernen Bank, im heitern Sangesgewoge lustig flat- tcrnder Bögel und schmetterndem Lerchengejubel, unterm blauen Hiinmcl, in den Ivarmen, spielenden Wellen blizendes Sonnenlicht, umweht von milder, weicher Luft, die bebende Hand auf's dank- bare Herz gelegt,— einer, der alles hat, des Glücks und der Wonne in Fülle, und nichts mehr begehrt auf Erden...... Roch an demselben Tage redete Jakob Barthold mit dem Traubenwirt. Ob der etwas dagegen einzuwenden hatte, als der junge Meister um Helenens Hand anhielt? Es war ja Ivar, auch er hatte zuerst Jakvb Barthold, als er wieder in's Dorf gekommen, mit Mißtrauen und einigem Unmut angesehen, auch er war sehr kalt und noch wortkarger, wie man's überhaupt an ihm gewohnt, gegen ihn gewesen. Konte er doch die bittere Stinimung, in die auch ihn die Folgen des Krieges versezt, nicht so schnell überwinden, mußte er doch immer wieder schmerzvoll den herben Verlust, den ihm dieser durch den Tod seines einzigen Sohnes zugefügt, empfinden,— aber den wilden Fanatismus der meisten anderen Dorfbewohner, denselben Fana- tismus, der auch das Herz Helenens so sehr eingenommen, hatte er nie geteilt. Er war eine jener Vaturen, die sich in jede Lage fügen lernen, wenn sie einsehen, daß nichts daran zu ändern. Helenens heißen Schmerz um den Bruder, den der Kamps in der Blütezeit seines Lebens hinweggerissen, wußte er zu ehren, es tat ihm wol, sie an dem Kummer, der sein eigenes Herz er- füllte, so tief teilnehmen zu sehen, und er verstand auch den be- sonderen Haß, der in ihrer Brust gegen die Feinde glüte. Wenn sie sich mit Friz Kolin, in welchem sie die gleiche Erbitterung fand, hätte verbinden wollen, so würde er nichts dagegen gehabt haben; war doch sein Vater vermögend und die Heirat darum nach landläufigem Ermessen eine vorteilhaste und günstige. In demselben Grade aber wie der Tod des Holzbauern und der Anteil, den jene an der Ursache desselben gehabt, ihn mit Abscheu gegen sie erfüllte, in dem gleichen Maße fühlte er sein ehrliches Herz sich in aufrichtigem Mitgefühl Jakob Barthold zuwenden, und er war schon lange völlig mit ihm ausgesöhnt, bevor der heiße Drang ihres Empfindens Helene'n denselben Weg gezeigt. Und wenn der Meister nun seine Tochter zum Weibe begehrte, und wenn diese ihn plözlich liebte, so war ihm dies gewiß nur gerade recht. Soviel er Jakob Barthold kante und ihn besonders in der lczten Zeit beobachtet hatte, konte er sich keinen bravern, fleißigeren Eidam wünschen, als ihn. Und besaß er nicht jezt auch die Schmiede und noch manches dazu, was in gutem Ver- hältnis zu der Mitgift, die seiner Tochter zufiel, stand,— war nicht also diese Heirat auch in jenem, zumeist den Ausschlag gebenden Sinne eine vorteilhafte zu nennen?— So sprach denn der Traubenwirt mit Freuden seinen Segen über die Beiden. Daß das der Holzbauer nicht mit erlebt!— dachte Jakob Barthold gerührt bei sich selbst, wie Helenens Vater mit ernstem Gesicht ihre Hände ineinanderlegte und ihm sein Mädchen selig in die Augen nickte. Und an einem der Fenster in der Wohnstube des Meisters stand in blank geschliffenem Glase ein üppiges Zweiglein rot- blühenden Flieders und ein zierlicher Strauß klarblaner Vergiß- meinnicht daneben; der Schmied hatte sie selbst in's Wasser ge- stellt, und die gute Marie war nicht wenig erstaunt, wie sein erster Gang am andern Morgen in der Frühe nach dem Fenster war, wie er die Blumen sorglich herausnahm und ihnen am Brunnen frische Nässe gab,— dann sah er so still beglückt aus sie nieder, lange, lange, und sie mußte ihn zweimal bitten, dag er, vom Fenster zurücktretend, an den Tisch kam, drauf der Morgen- kaffee dampfte. Sie hatte ihm ja so oft schon Blumen ans Fenster und auf den Tisch gestellt und zulezt einen großen Strauß von Maiblumen, schlanker, lichter Maiblumen mit einer grünen Ein- fassung frischer, glänzender Blätter, und er hatte nie danach hin- gesehen, wie sie es erwartet, sondern ivar immer gleichgiltig daran vorübergegangen,— ach, jede Freude, die sie ihm zu bereiten dachte, wurde von ihin verschmät. So meinte sie wenigstens jezt, wie sie die Blumen betrachtete, die aus einer andern Hand ge- kommen, als der ihren. Und wenn das ihr einziger Kummer an diesem Tage geblieben wäre!... Sie mußte an demselben auch die große Botschaft von des Meisters Verlobung hören,— freilich glaubte sie zuerst nicht daran, so unmöglich dünkte ihr ein solches Geschehnis; aber es gab ihr doch einen heftigen Stich durch's Herz und sie hatte sich fragen müssen, wie sie's tragen wollte, wenn sie's für Warheit hielt, ivas man ihr gesagt.... «choii in den nächsten Tagen freilich blieb ihr kein Zweifel mehr übrig. Die Hochzeit wurde rasch vorbereitet, und es war ein gar festlicher Tag im Dorfe, als man sie hielt: im Augusttag. Die Eltern des Meisters hatten aus dem Ichwarzwald dazu herüberkommen müssen, und die alten Leute waren froh verwun- dert, überall anheimelnd deutsches Wesen zu finden; von den wcißgetünchten schwäbischen Häusern und der ihrer eigenen ver- wanten Tracht an, bis auf die Sprechweise der Beivohner, aus deren Munde ihnen die trauten allemannischen Laute der Heimat entgegenklangen,— und selbst aus den offenen Fenstern der Dorffchule heraus hörten sie, wie drinnen die Kinder in deutscher Zunge buchstabirten und dem Lehrer ihre Antwort gaben. Sie hatten sich das alles ganz anders gedacht, da der Sohn bei Heimkunft aus dein Dorfe, am Beginn des Kriegs, ihnen gesagt, daß„drüben" alles„wälsch" und„französisch" sei. Nun fanden sie auch die meisten der Beivohner, mit denen sie zusammen- kamen, gar herzig und liebenswert; und in der Tat war im ganzen die Stimmung unter denselben Jakob Barthold gegenüber wärend der lezten Monate viel günstiger geworden, denn das gerechte Geschick, welches die beiden Kolin ereilt,— sie waren zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt— hatte die erbittertsten seiner Widersacher verstummen oder doch zurückhaltender werden lassen und viele andere, die ihm nun mit einemmale so lange Unrecht getan zu haben glaubten, auf des Meisters Seite gebracht. Sah man doch in dem, was sich in der jüngsten Zeit alles ereignet, gleichsam eine durch höhern Willen herbeigefürte Wendung, bestimt, den waren Menschenwert der zunächst dabei Beteiligten zu zeigen— und da mußte auch das allgemeine Urteil notwendig in demselben Grade zu Gunsten des stillen, fleißigen, unschuldig verdamten Schmiedes umgestimt werden, wie man in einem großen Teile der Dorfbewohner jezt über die beiden Mörder, und zumal der alte Kolin war ja schon von jeher manchem, der sich vor seinem im Orte erlangten gewichtigen An- sehen nur widerwillig duckte, im Stillen verhaßt gewesen, wärend der auf so schmähliche Weise ums Leben gebrachte Holzbauer sich fast allgemeiner Beliebtheit erfreut hatte— one Scheu und one Furcht den Stab brach,— und dies um so unbedenklicher und entschiedener, als man ja nun auch das unsaubere Mittel, das ihnen zu so schnellem Wolstand oerholfen, kante. Das war ein stattlicher Hochzeitszug, welcher dem junge» Pare zur Kirche folgte. Auch Helene hatte sich aus Anlaß dieser Feier ländliche Festgewandung herrichten lassen und allen Braut- schmuck, den der Familienschaz von ihrer Mutter, Großmutter und von länger her barg, angelegt; sie war bestrickend schön in all' dem glänzenden Geschmeid und buntem Tücherschmuck, und auch Jakob Barthold nam sich in der roten Weste, dem steifen, hohen Halskragen, dem langen, mit blanken Knöpfen gezierten Rocke und dem breiten schwäbischen Hute, den er heute auf dem Haupte trug, sehr vornem und achtungheischend aus. Unter der großen Linde neben der Kirche hatten sich die Bläser und Streicher aufgestellt, die mit Würde einen heiter tönenden Marsch bliesen; zur Seite standen größere und kleinere Bursche, das Brautpar mit knatternden Ehrensalven begrüßend, und Meister Barthold mußte seinen Hut schier fort und fort über dem Haupte halten, um mit seligem Lächeln auf dem ganzen Gesicht hier hinüber und da hinüber den ilopf neigend für all' die ihm und seiner Braut erwiesene Aufmerksamkeit zu danken. Und die leztere wußte kaum noch, wie sie alle die großen und kleinen Sträuße, mit denen man sich von allen Seiten an sie herandrängte, be- wältigen sollte; auch ihr Antliz glüte und stralte vor Glück und Freude. Wie die Kirchtür, so war auch das Innere des Gottes- Hauses mit frischen Kränzen und Guirlanden reich geschmückt, und als die beiden in all' dem Duft und festlichem Gewoge zum Altar schritten, wie die Mütter ihre Kinder emporhoben, um ihnen das schöne Par zu zeigen, und wie dieses endlich an den Stufen des lezteren niederkniete und der Priester unter feierlichem Wort die Hände auf beider Häupter legte,— da kam es wol manche junge, blühende Diru' süß und wundersam und selig bange an, wie die mit dem Hochzeitskranz geschmückte jungfräuliche Braut selber, daß sie sich still und heimlich vornam, ehestens nach St. Ottilien hinunter zu faren und das Wagnis, dessen lieber- stehung die Hochzeit binnen eines Jares verbürgt, zu versuchen: das Wagsuis nämlich, neunmal den schmalen gefärlichen Pfad hinauf und hinunter zu schreiten, welcher dorten zu der auf dem äußersten Rande des Felsensprungs gelegenen Eugelkapelle hin-. fürt.... (ZchluB soigl.) Heinrich V. Kleist.(Schluß.) Tas erquickende Leben auf dieser einsamen Insel dauerte jedoch nur zwei Monate; schon im Juni erkrankte Kleist und mußte diesen Aufenthaltsort verlassen. Schließlich kam seine Lieblingsschwester, pflegte ihn und nam ihn im Herbst mit nach Teutsch- land. Aus dieser Reise besuchte er Schiller in Jena, Goethe in Weimar und weilte dann längere Zeit bei Wicland in Osmannstedt, dort förmlich als ein Glied der Familie betrachtet und behandelt. Schiller empfing Kleist sehr freundlich: Goethe konte sich mit ihm jedoch nicht befreunden:„Mir erregte Kleist, bei dem reinsten Vorsaz einer aufrichtigen Teilname nur Schauder und Abscheu, wie ein von der Natur schön intentionirter Körper, der von einer unheilbaren Krank- heit ergriffen wäre" So schrieb der Weimarer Altmeister deutscher Kunst gelegentlich einer Besprechung der ticckschen„Dramaturgischen Blätter" noch nachträglich über den Dichter des„Zerbrochenen Krugs". Dieses Stück hatte er als Direktor des Weimarer Teaters auch ver- stümnielt ausgejürt, die„Penthesilea" gänzlich verworfen— das alles und dann noch der heiße, sehnsüchtige Wunsch Kleists, Goethe und Schiller zu überflügeln, veranlaßle schließlich offene Feindschaft zwischen beiden ersteren, wenigstens machte Kleist, der sich, wenn auch nicht ganz mit Grund, beleidigt sttltc, in stachlichen Epigrammen gegen Weimar und Goethe seinem Herzen Lust. Wieland, an den er von dessen Sohn aufs Wärmste empsoleu war, halte ihm dagegen nicht nur, als er ersur, in welch materiell be- drängter Loge er sich in Weimar befand, in der freundschastlichsten Weise seine Gastsreundschast angeboten, er ermunterte ihn auch zum poetischen Schaffen. Lezteres gelang ihm zwar erst dann, als er mit Mühe und Not, von dem betreffs seines poetischen Tuns sehr schweig- samcn Kleist erfaren, daß er mit der Abfassung eines Dramas, den „Guiskard" beschäftigt sei, von dessen einzelnen Bruchstücken, die lezterer seinem alten Gastgeber aus dem Gedächtnis vortrug, Wieland aller- dings begeistert war. Außer der Teilname und der Freundschaft, die man ihm in dieser Familie entgegenbrachte, wurde ihm das Bleibe» bei diesen braven Leuten wol um ein Bedeutendes angenemer durch die Zuneigung, welche er für die schöne Tochter des Hauses hatte und die auch Erwiderung gesunden. Er hoffte wieder einmal eine zeitlang mit seiner Familie aus eine glückliche Wendung seines Geschicks, aber trozdem trieb ihn die innere Unruhe, die Jagd nach seinem Ideal, auch hier wieder nach kurzer Zeit fort, zunächst nach Leipzig, von dort nach Dresden. Und er ließ die osmannstedier Freunde nicht allein one jede Nachricht, er war auch später nicht mehr zu bewegen, den an «hu ergangenen Einladungen Folge zu leisten. „Wenn die Geister des Aeschylos, Sophokles und Shakespeares sich vereinigte», eine Tragödie zu schaffen, sie würde das sein, was Kleists Tod Guislardö des Normannen, sofern daS Ganze demjenigen entspräche, chas er mich damals hören ließ," schrieb Wieland am 10. April 1804 Über das mehrerwänte große Drama und der Dichter desselben hätte mit diesem Urteil zufrieden sein könne». Jeden andern hätte es auch zun« neuen ausdauernden Schaffen ermutigt und angespornt, nur Kleist nicht. Dieser hatte die krankhafte Idee, ein ihm wol auch nur dunkel vor- schwebendes Ideal zur Wirllichkeit zu gestalten und ging daran zu- gründe. Hätte er sich wie andere mit dem Kleinen begnügt und seinem bedrängten Innern durch Produktionen, die er zu schaffen die Kraft hatte, Lust und Erleichterung geschaffen, so wäre alles gut geworden und er wol am Ende auch mit seinem Lieblingswerke zustande gekommen. So aber kam bei seinem eigenwilligen Borhaben seine lebbaste Phan- tafle, wie sein gereister Geist mit seinen praktischen Erfarungen, d. h. mit seinem hierzu mangelhaften Können in Konflikt— die Ausfürung vermochte dem kühnen Fluge der Phantasie nicht zu folgen, und daran scheiterte sein geträumter dichterischer Berus. Zweimal hatte er den „Robert Guiskard" bereits vernichtet, aber nimmer ließ ihm sein Ehr- fleiz Ruhe, immer wieder begann er daran seine Arbeit, sorthezte es 'hn von Ort zu Ort, um die Ruhe, die Muse zu finden, deren freundliche H»se zur Gestaltung seines Werkes ihm so nötig war. Dieses Werk ward ihm zur fixen Idee und sterben wollte er nach seiner Vollendung. Aber als ihm dann ein Versuch»ach dem anderen mißglückte, ward er irre °n sich und seine Kräfte verzehrten sich mit der zunemenden Berzwei,- >ung und er ging seiner völligen Auslösung mit sicheren Schritten entgegen. ., In Dresden war sei» Zustand wirklich bedenklich und einer einer besten Freunde, Psuel, bcwog ihn zu einer Reise, die er m seiner Gesellschaft nach der Schweiz machen sollte. Die Abwechslung, die Ratur, so hoffte der»ncigennüzige Freund, würden in Gemeinschaft M't, einem Einfluß schon das ihrige tun und dem krankenden Gemüt "leiste Gesundheit und Liebe zum Schaffen bringen Sie gingen meiff W, zunächst„ach der Schweiz, wo Kleist in Bern und Thun der Glücklichen Stunden seiner Muse gedachte und auch kurze Ruhe und zur Arbeit fand. Bon da gingen sie durch die Täler der Schweiz »is nach Mailand, wo aber Kleist von solcher Scheu vor de» Mensche» �griffen wurde, daß er uicht einmal eineu alten gute» Freund auf- suchte. Nachdem die Reisenden»ach Bern und Thun zurückgekehrt waren, gingen sie durch das Waadtlaud»ach Gens. Wie em.Bns vom r; Oktober beweist, kam hier seine Verzwcislung zum völligen Aus. bruch Er sah CllI/ �ß seine Kräfte zur Verwirklichung seines Ideals unzulänglich waren, und verzichtete für immer aus den lange und heiß s�huten Ruhm. Sie reisten von Gens über Lyon nach Paris, IN 2? Erbitterung entzweite er sich dort mit Psuel, verbrante alle seine �pwre und entfloh-ne Paß aus Paris. Der Freund dachte nicht anders, als er habe sich in die Seine gestürzt und suchte ihn unter de» aufgefundenen Toten. Mit dem sesten Willen jedoch, sich als gemeiner Soldat anwerben zu lassen, war dieser wciler und weiter gegangen und wurde durch einen zufällig getroffenen Bckanten auf die Lebens- gefar aufmerksam gemacht, in welche derjenige damals geriet, der one Paß in Frankreich zu reisen wagte. Er erhielt dann eineu Paß voni preußische» Gesantcn ausgestellt, der aber direkt nach Potsdam lautete. Auf der Rückreise wurde er jedoch in Mainz von einer gesärlichen Krankheit befallen, aus der er nur durch die liebevolle Pflege seines Arztes gerettet wurde. Sechs Monate lang erfnr keiner seiner Auge- hörigen und Freunde eine Silbe von ihm über sein Befinden und seinen Aufenthalt und er soll in dieser Zeit sogar die ernste Absicht gehabt haben, sich in Koblenz bei einem Schreiner zu verdingen. Im Juni 1804 stand er eines Abends plözlich vor Psuel, der von Paris zu seinem Regiment nach Potsdam zurückgc'ehrt war, und bei dem Er- scheinen deS verschollen geglaubten bereits im Bett lag. Kleist, der völlig geknickt war, gab, willenlos wie ein Kind, dem Verlangen der herbeigeeilten Schwester nach und versprach das Dichten zn lassen und nun in den Staatsdienst zu treten. Er bedauerte zwar bald, der Schwester nachgegeben zu habe», hielt jedoch Wort und bereitete sich z» einer Stellung vor. Nachdem sich verschiedene Projekt« zerschlagen und er gelegentlich seiner Gesuche beim Hose manche Teniütigung er- fare», und er außerdem in Berlin die Bekanlschast Barnhagens, Chamissos, FouqueS und anderer gemacht, trat er die Stellung eines Diätars der Domaineilkammer in Königsberg an. Tort fand er wenigstens Psuel, der gleichfalls in Ostpreußen Stellung genommen ha te und auch seine frühere, von unS erwähnte Braut, die dort verheiratet war. Durch Berniittluug eines Verwanten bekam er in dieser Zeit von der Königin Luise eine Pension. Aber auch das Bedürsnis zum Dichten erwachte wieder in ihm. Er schrieb»eben kleineren Gedichte» die Novelle:„Die Marquise von O....", übersezte und bearbeitete den„Amphitryon" des Moliere, vollendete den„Zerbrochenen Krng" und legte wol auch schon den Grund zur„Penthesilea" und zum „Michael Kohlhaas". Er konte es jedoch nicht auf die Tauer überwinden, unter Borge- sezten zu arbeite», die geistig tief unter ihm standen und so nam er 1800 seinen Abschied und ging im Januar 1807 nach Berlin. Hier wurde er aber von den Franzosen verhastet und nach dem Schlöffe Joux bei Pontarlier als Gefangener gebracht. Tort war er vom 5. März an internirt, später in Chalons, von wo ans er im Jnli entlassen wurde, lieber Berlin ging er nun nach Dresden. Unter anderen machte er hier die Bekantschast mit Körner, dem Bater des Dichters, später auch die des L. Tieck und mit Adam Müller, der ihn für seine frömmelnden Zwecke benüzen wollte und mit dem er auch die Zeitschrift„Phöbus" herausgab. In dieser Zeitschrist veröffentlichte Kleist mehrere seiner bereits früher begonnenen Arbeiten, schrieb neue dafür, wie». a. auch das Stück des„Guiskard", das auf uns gekommen ist. Sein Vermögen war aufgezehrt und so lebte er von dem Geld«, das er sich als Schriftsteller verdiente. Ein Liebesverhältnis zu einem Mädchen, das er aber durch seinen Eigensinn auslöste, gab ihm die Veranlassung zu seinem.Fätchen von Heilbronn"; außerdem vollendete er die„Penthesilea", auf die er große Stücke hielt, waricheinlich, weil er darin seine Herzensstürme dargestellt. Schon in Königsberg hatte er die Niederlagen seines Vaterlandes vorausgesagt, jezt, wo der Unabhängigkeitstrich und die Opposition gegen Bonaparte allmälich erwachte, gehörte sein Denken und Fülen ganz der Befreiung seines Volkes. Diese Empfindung mag ihn auch veranlaßt haben, nach Oesterreich zu gehen, wenigstens hossie er von dort die Errettung und wollte durch eine patriotische Zeitschrift,„Ger- mania", die er in Prag herauszugeben beabsichtigte, sein möglichstes tun. Später ging er nach Berlin und dichtete dorr seine„Hermanns- schlacht" und den„Prinz von Homburg". Jezt atmete seine Poesie, namentlich das ecstgenante Stück und die vollendete Novelle vom „Kohlhaas" nur Rache gegen den fremden Usurpator, den er sogar durch ein Altentat beseitigen wollte— meist ist jedoch diese Stimmung nicht zu Gunsten deS Kunstwerks, doch kann dies hier nicht untersucht werden. Mit dem Ungestüm, das ihn sein Leben lang beherschte, hatte er auch ivieder seine patriotischen Arbeiten begonnen und das„Alles oder nichts", das früher immer sein Gruiwsaz gewesen, kam auch hier bei ihm wieder zur Gellung. Tic Nichterfolge, die er auch wieder mit seinen vaterländischen Werken hatte— man fürchtete die.Hermanns- schlacht" wegen ihres sreisinnigen Geistes aufzufüren!— dann wol auch seine miserable materiellc Lage raubten ihm vollends jeden Halt. Er gab in Berlin die„Abendblätter" heraus, jedensalls um sich sein Tascin zu fristen, aber der Slreit. den er mit v. Raumer wegen Subvention seiner Zeilschrift hatte, zeigt uns, daß er seine Selbstän- digkeit vollends eingebüßt, wenigstens spürt man in seinem Betragen nicht die Spur mehr von dem Kleist, der die Armee verläßt und sich gegen eine Stellung im Staatsdienst sträubt. Zu seinein Unglück lernte er noch ein mit Selbstmordgedanken umgehendes Menschenkind kennen und damit war sein Untergang besiegelt. Mit Selbstmordgedanken ivar er schon osl umgegangen,»amentlich aber seitdem er an sich und seinem Dichterberus verzweifelt. Berschie- 1 dene seiner Freunde hatte er ausgefordert, sich in Gemeinschaft mit ihm das Leben zu nemen, keiner hatte ihm diesen FreundschastSdienst er- wiesen, ihn im Gegenteil immer wieder zur Vernunft zurück gebracht - 180 — aber jezt sand er ein Ncje». welches ga»z seiner unheimlichen Tas Alter entschädigt sich für die Tücken dcS Winters wol mit der Neianna cntqeaenkanu Henriette Vogel, die an einem unheilbaren Leide» warmen Stube, der Landmann»ut seiner Philoiophie, die herausge- -» kranken glaubte, das aber, wie sich nach dem Tode herausstellte, tüslclt, daß der Winter eine Gabe der„Vorsehung" lei, um ihm eine garnicht vorhanden war. Am 21. November 1811 fürten beide am gute Ernte zu schenken— aber unser Bild zeigt uns an cmeni em- Wansee, ein Meile von Potsdam, ihr schreckliches Borhaben aus— fachen, aber überall wo es friert und schneit zu beobachtenden Moment. zwei»li'tleidlge Kugel» machten dem Leben zweier Unglücklichen ein Ende. wie sich die junge Welt mit dem rauhen Gast abfindet.— Hans Tahl, Ein unerlaubtes Verhältnis zwischen Henriette, der Ehesrau eines der Schöpser des Bildes, ist Norweger, 184» geboren, und sollte soldat andere», und Kleist, hat nicht stattgefunden. Aber ganz abgesehen davon werden. Er quittirte jedoch de» Mitltardlenst und wurde Maler. Er wurde das gewaltsame Ende Kleists doch verschiedentlich verurteilt. Wenn studirle dann in Karlsruhe und Tüsseldorf, machte Reisen nach Nor man sein Leben jedoch genau verfolgt, so ist dieser traurige Abschluß ivege». Berlin, London und Paris und lenkte bereits>878 durch seine die notwendige Folge. Großartig beanlagt und in seiner Jugend durch ausgestellten Bilder die Ausmcrksamkeit aus sich. Im Landschasts- und hergebrachte Gewonheiten in eine seinem Naturell widerstrebende Lebens- Genrebild leistet er das bedeutendste. Von seinen hervorragendsten bahn geworsen, von Jugend aus nicht in den Sphären, die seine Ta- Arbeiten sahen wir jedoch nur das treffliche Bild:„Ein«picl der lenke in das richtige Gleis zu bringen vermochten, außerdem von einem Wellen", auf das wir auch unsere Leser hier aufmerksam machen wollen. Ehrgeiz beseelt, der das Unerreichbare erreichen wollte,»lit einer Phan-_ vrl. tasie begabt, die in stolzem Fluge um Jarhunderte vorauseilte, ihren Träger, den schwachen Menschen seiner Zeit, weit hinter sich zurück- Das Innere einer Wapischianna-Hütte. Die äußere» Forme» lassend, mußte er schließlich mit seinem ganzen Sein in Konflikt kommen der ursprünglichen Bauten, die der Mensch aussürte, um Schuz vor und allen Halt verlieren. Inwieweit er diesen gefunden hätte, wenn Wind, Kälte, Regen und Sonnenschein zu finden, sind wol allenthalben ihm seine Fanlilie das nötige Verständnis entgegengebracht hätte, läßt einander änlich gewesen. Mehrere Stangen um einen im Zentrum in sich heute allerdings schwer nachweisen. die Erde gegrabenen Baum im Kreise kegelförmig aufgestellt und oben lieber den Wert seiner Werke zu spreche», können wir uns hier an der Spize der mittlcrcn Stüze festgebunden, das Ganze mit Zweig«, nicht einlassen. Sczen wir abgekürzt hierher, was Gervinus über ihn oder Bast durchflochte» und mit Blättern oder sonst zur Hand liegenden schreibt: Unter allen dramatischen Talenten, die in diesem Jarhundcrt Stoffe» überdeckt, so mag wol niehr oder weniger der wohnliche Raum auftauchen, hat Kleist bei weitem die meiste Berechtigung auf den»nsercr Borjaren vor tausenden von Jaren sich äußerlich präsentirt Tichternamen. Gewaltige Auswüchse findet man auch bei ihm, aber haben. Jedensalls war damit schon ein bedeutender Fortschritt von man läßt sich das Ausjchweisciide und Phantastische gefallen, wo es der Hölenwohnung ausgemacht, und so primitiv sich diese Gebilde auch Jugendcigcnschaft ist und die Hoffnung srei läßt, daß das Alter davon gegenüber unseren modernen architektonischen Leistungen ausnemen, so befreit ist; läßt es sich gefalle», wo es Begleiter des waren Talents haben wir doch gar kein Recht, mit großer Verachtung daraus zu blicken, und wirst es weg, wo es das mangelnde Talent ersezen»nd verbergen wenn man bedenkt, daß nach dem Gesez der Entwicklung sich erst aus soll. In„Familie Schroffenstein" ist die tragische Dosis im lezten Akt dieftm Unscheinbaren die großartige» Werke der Baukunst unserer Tage unmäßig stark;„Amphitryon" ist verzerrt;„Penthesilea" grenzt an die allmälich herausgebildet haben.— Unser Bild aus Seite 173 gibt uns nun Tragikomödie. Was ihn von den anderen Tramalikern feiner Pe- die Ansicht des Innern einer Hütte der Wapischianna Indianer. So einjach riode unterscheidet, ist. daß er reich ist und nichts aus anderer Hand �ch die Ausstattung derselben ist— das Gerät wie der Schmuck belehren zu kaufen braucht. Er ist selbständig in seinem Schaffen und er ist uns, daß seine Jusaffe» das edle Waidwerk mit Vorliebe pflegen— es. der die verfinsternde Hülle von seinem Haupte geworsen. wenn er sg)eig( unS doch das Ganze, namentlich aber der knppelförniige sau- die Besreliing des Vaterlandes erlebt hätte. Er hielt»edoch nach seine» hexe Ausbau der Hütte, daß ihr Erbauer von der Zivilisation schon Erfarungen die Zeit nicht sur gekommen und starb am gebrochneu manches profilirt hat. Nach der Beschreibung von Reisende» haben Herzen über d.c Leiden seiner Zeit.- Es ist unstreitig ein schönes diese Hütten 10-1.1 Meter Durchmesser und durchschnitllich 13-17 Meter Denkmal, das der edle Versa, ser der Geschichte der deutschen Literatur£Öhe. Der Eingang ist die einzige Öffnung, welche des nachts mit dem unglücklichen Dichter m dieser, wenn auch strengen, Beurteilung einer aus Palmblättern gefertigten Tür versperrt wird. Gewönlich gesezl hat. wird eine dieser Hütten von mehreren Stämmen bewohnt, welche sich ___ or- Aauert. in den Raum teilen, one daß sie deujelbcn besonders abgrenze». Nur _ fand unser Gewärsmann das Fleckchen, welches jede einzelne Familie Auf der Eisbahn.(Bild S. 174.) So sehr auch der grimmig bewohnte, durch Steine, die de» Heerd bilden, bezeichnet. Ob die kalte Winter für uns Menschenkinder hinter dem blumenreichen Lenz, Schilderung aus Warheit beruht, nach der die genante» Jilsassen„schlanke, dem srüchtespeiidenden Herbst und selbst seinem Gegensaz, dem heißen schöne Leute mit edlen, regelinäßigen Gesichtszüge» und großen, römischen Sommer zurücksteht, so lassen sich ihm doch auch manche angeneme oder griechischen Nasen" seien, vermag ma» leider auf unserem Bilsc Seiten abgewinne». Und wenn wir uns das Großmüttcrlcin im Kreise nicht zu erkennen. Nach ihrer Kleidung und ihrem Schmuck zu schließe» ihrer Lieben im warmen traulichen Stübchcn Märchen erzäleud denken, sind sich die Wapischiannas dieser ihrer Schönheit wol bewußt, denn wärend draußen der eisige Sturm an den Fensterladen rüttelt oder erstere bestand oder besteht nur in einem Schurz. Die Männer tragen die Schneeflocken spielend und tanzend zur Erde fallen, oder wenn wir einen die Hare kurz geschoren; in dem durchbohrten Najenknorpel glattge» Tannenwald geschmückt von im Mondschein glizerndem Eis und Schnee schliffe»? und breitgeschlagene Kupser- oder Silbermünzen und in der in seiner märchenhaften Pracht anschaue», dann gewaren wir wol sogar ebenfalls durchbohrte» Unterlippe entweder eine» kleinen Zilinder oder ein gut Stück Poesie an diesem starren Gast und sind gern geneigt, ein glockensörmiges Gcbild aus Äuoche».— Früher bewohnten die uns mit seine» Härten auszusöhnen. Am liebste» ist der Winter aber Wapischianna Indianer brasilianisches Gebiet, wurden dort aber derart der lebensfrohen Jugend, die bei der Schlittensart, beim Schneeballe» vcrlolgt, daß der größte Teil von ihnen sich nach dem angrenzenden und Schnccmäiincrbaucn ihr lustiges Wesen treibt, oder auf der Eis- Gebiet von Britisch-Guyana flüchtete. Ob sie sich dort ihren Stamm bahn, wo sie mit Schlittschuhen angetan dahinsaust oder indem sie aus in der Zukunft werde» erhalte» können, ist fraglich wenigstens sind in „Schusters Rappen" auf glizernder Eisfläche von der leichten Anhöhe neuerer Zeit wieder eine Anzal Stimmen laut geivordc» welche u»r herabrutscht. Eine Szene leztcrcr Art hat der Künstler ous unserem in einer Ausrottung die Lösung der Jndianerjrage erblicken Auf alle Bilde dargestellt. Man sieht den derben ländliche» Dirnen das Fälle steht aber eine solche Anschauung im grellen Kontrast zu de» Vergnügen des Spiels an. man merkt es an der ausgelaffenen Freude. Schilderungen, deren wir oben eine mitgeteilt und die sich auch betreffs die unmittelbar aus dem Herzen hervorbricht und sich lebendig auf ihren anderer Stämme ansühren ließen. ff. breiten Gesichtern ausprägt, daß dies Amüsement kein alltägliches ist. —_________ Franz Ofoldhansrn. Verantwortlicher Redakteur Bruno Geiser in Stuttgart.(Reue Weiusteig. 23.)-«xp�ition: Ludwigstraße* in Stuttgart." Smef und Berütg von Franz Gokdhausen in Ttutigart.