Im Kampf wider alle. Roman von Zerdinand Stiller. (22. Fortsczung.) Franz Stein richtete sofort seine Schritte nach der Gegend, wo Tavid wohnte,— es galt für ihn, den seine Braut sicherlich sehnsuchtsvoll erwartete, einen ziemlich weiten Umweg, aber je eher die Sache in der einen oder der andern Weise abgemacht war, desto besser. Er ging sehr rasch. Nach wenig mehr als einer Viertelstunde hatte er die Wohnung seines Schulfreundes erreicht. Dieser war, wie vorauszusehen, nicht zuHaus; in der Tat aber wußte der alte Komptoirdiener, welcher nach und nach zu einer Art Haushofmeister in dem niöglichst großartig eingerichteten Haushalt des Kommerzienrats Tavid avancirt war, wo der junge Herr steckte. Nicht sehr freundlich meinte der Alte: „Wo soll er sein? Im Teater ist er nicht, da wird ein gutes bürgerliches Stück von der klugen Frau Birchpfeiffer gegeben— Jo etwas solides und gefülvolles verhöhnt der Herr Willibald blos; ein Souper gibt er auch nicht mehr in neuster Zeit, weil kr alle seine guten Bckanten so aufgezogen hat und so rücksichts- los behandelte, daß sie ihm aus dem Wege gehen meilenweit. gr wird also sein im Cirkus und da den Herren Offiziers die Kunstreiterinnen wegfischen— das ist das einzige, was ihm noch «paß macht— was aber kostet ein Heidengeld, sage ich Ihnen, wein Herr." . Franz Stein war nicht gewillt, sich auf das indiskrete Ge» Ichwäz des griesgrämigen alten Dieners einzulassen. »jDank für die Auskunft," sagte er und ging. � Nach dem Kunstreitercirkus war ein noch viel beträchtlicheres Stück Weges zurückzulegen, als er vorher gemacht. Er nam wne Droschke und versprach dem Kutscher ein Trinkgeld, wenn kr die Faxt recht beschleunige. . Dennoch verging fast eine halbe Stunde. Die Vorstellung yalte längst begonnen. Stein überflog am Portale des Cirkus oas Verzeichnis der Pläze und ihrer Preise. Der nobelste be- Welt? sich die Fremdenloge und kostete für die Person sechs Mark. Voraussichtlich war Willibald David hier zu finden; wenn wcht, so hatte Franz Stein doch mit dem Billet zu dem teuersten �'bze auch Zugang zu alle» andern. Aber Franz Stein brauchte nicht lange zu suchen. In der tttemdenloge, und zwar auf dem Plaze, wo alle Mitglieder der �bnstrcitergesellschaft, wenn sie kamen und gingen, vorüber mußten, '" nichtig Herr David junior. hrrschte eben große Ausregung im Cirkus. Miß Elena, die schönste und gewanteste Reiterin desselben, fürte ihr Bravour- stück aus. Pfeilschnell wie die Windsbraut galoppirte sie auf schnaubendem, gewaltige Säze machenden Rapphengst eine in- mitten des Cirkus errichtete haushohe Treppe hinauf, wante oben blizschnell ihr Roß und sauste— eine garnicht zu übertreffende Probe tollkühnster Reiterkunst— unter dem Schreckensrufe des auf's höchste überraschten Publikums, da wo sie gekommen lvar, wieder hinunter. Es sah aus, als ob sich Reiterin und Roß jeden Augenblick überschlagen, als ob sie unfehlbar Hals und Beine brechen müßten. Aber wolbehalten waren beide in den nächsten Sekunden unten auf der weichen Lohe des Cirkusbodcns angelangt und Hochauf- bäumend tänzelte das edle Tier nnt seiner so fest, als sei sie mit ihm verwachsen, im Sattel sizenden Herrin, die nach allen Seiten mit Kopfneigung und Kußhand für den frenetischen Beifall dankte, zur Manege hinaus. Aus der Fremdcnloge ergoß sich ein warer Wolkenbruch köst- lichster Blumen über die Kunstreiterin. Das erste Bouquet hatte David geworfen— es war nur mittelgroß, aber von den zu dieser Jareszeit allerseltensten Blumen und mit feinstem Geschmack gebunden. Das lezte warf ein riesenlanger und breitschultriger Kürassieroffizier, in dem Franz Stein sogleich den Grafen Wald- kirch wieder erkante. Es bestand aus nicht minder seltnen und kostbaren Blumen, war wenigstens ebenso geschmackvoll zusammen- gestellt und dabei mehr als noch einmal so groß als das Davids. Der Graf hatte sich in seiner ganzen mächtigen Körpergröße erhoben und das Riesenbouquet mit Kraft und Geschick in hohem Bogen genau so geworfen, daß es nur ein par Zoll seitlich vor dem Antliz Miß Elenas zu Boden ging. Sic neigte sich leuch- tenden Auges tief nach der Fremdcnloge zu— ihr Blick streifte David freundlich und blieb lächelnd an der imposanten Gestalt des gräflichen Kürassiers haften. Im nächsten Augenblick war sie dicht an der Brüstung der Fremdenloge. Sie wante noch einmal den Kopf, um dem immer noch seine Begeisterung nicht Herr gewordenen Publikum Dank zuzunicken. Da beugte sich David, der sich bis jezt von seinem Size nicht erhoben hatte, wie es alle übrigen Insassen der Fremdenloge getan hatten, ein wenig vor, er warf noch einmal etwas— es blizte und funkelte etwas wie Gold und Edelgcstein in der Luft und flog der Kunstreiterin in den Schoß, wo es sich deutlich von dem weißen Atlas des Reitkleidcs blinkend und blendend abhob. Stuttgart. 4. März ,««S. Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljärlich 1 Mark 50 Pfennig.— In Heften ä 35 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. 282— Einige mit scharfen Augen ausgerüstete Zuschauer mußten sofort crkant haben, um was es sich da handle, denn laute?ius- rufe des Erstaunens und der Bewunderung flogen hin und her. Miß Elena selbst war desgleichen nicht einen Augenblick zweifel- hast, weder was und von welchem Wert das sein niöchte, was ihr da in den Schoß geflogen, noch was sie nun zu tun habe. Sie griff mit warer Eguilibristengeschwindigkeit danach und fast im selben Moment funkelte es auch schon an ihrem vollen, tadellos gerundeten Unterarm, den sie dann erhob, um nach dem splcn- didcn Geber hin dankend zu grüßen. Gleich daraus verschwand sie— die lezte Kußhand, der lezte unsagbar feurige, unsagbares verheißende Blick galt Herrn Willibald Tavid. Franz Stein sah, wie Graf Waldkirch rot wurde vor Aerger und seinen Schnurrbart in seinem Ingrimm schier zerbiß, auch von den andern Lsfiziercn in der Frcmdenloge, insbesondere den wcißnniformirten Spezialkameraden des Grafen vernain er mehr oder minder leise Verwünschungen, die sich schwerlich auf jemand anders bezogen, als auf seinen Freund Tavid, doch er kümmerte sich nicht weiter darum, klopfte diesen, der anscheinend ganz gleichgültig das Publikum lorgnettirte, auf die Schulter und be- grüßte ihn. „Teufel— Stein," lachte David verwundert, indem er sich nmwante und erhob,„was will der Mann des Denkens und Arbeitens zwischen uns Vöglein unter dem Himmel, die da weder säen noch ernten, und die unser himlischer Vater dennoch kleidet und närt?" Tavid fragte das so laut, daß die Offiziere jedes Wort ver- standen haben mußten. Sie bezogen denn auch, was er sagte, als unverschämte Malice auf sich mit, und ließen es an verstündlich genug in den Bart gemurmelten Entgegnungen, wie:„Unver- schämter Bursche! Frecher Jude!" nicht fehlen. Franz Stein berürte das, offenbar bis� zum gewaltsamen, skandalösen Bruche gespante Verhältnis zwischen David und den Offizieren äußerst fatal. Er ging daher auf den stachligen Scherz des crsteren nicht ein und bat ihn nur, wenn möglich, ihm irgendwo, wo man ungestört plaudern könne, eine Viertelstunde zu gönnen. „Mit Vergnügen," entgegnete David.„Meine Arbeit ist für hent getan. Elena tritt nicht mehr auf und was sonst noch da ist, les beaux restes, überlasse ich großmütig denen, so mich beleidigen und verfolgen. Sind wir Juden nicht gute Christen, lieber Stein?" Er legte'seinen Arm in den Steins und verließ mit ihm, ein diabolisch-höhnisches Lächeln auf den dünnen, aber feingcschnit- tenen Lippen, die Loge. _„Daß Sie mit Ihrer erbarmungslosen Malice die Offiziere fast zur Verzweiflung bringen, kann ich mir sehr gut denken," sagte Stein, als sie auf dem Korridor, der am Cirkusrestaurant vorbei fürte, angelangt waren. „Pah, was wollen Sie?" Le juif errant s'amuse! Der mit dem doppelten Fluche des ewigen Judentums und der höllischen Blasirthcit Beladene macht zur Abwechslung wieder einmal krampf- hafte Anstrengungen sich zu unterhalten. Wenn der Schmetter- lingssaiulcr sich kein Gewissen daraus macht, tausende von nn- schuldigen Faltern zu seineni Privatvergnügen lebendig zu spießen, wenn hohe Herren gelegentlich cin das, was sie für ihre göttliche Misston halten, ganze Armeen ivagen, weshalb sollte es mir auf ein par gräfliche oder freiherrliche Leibkürassiere ankommen? Mögen Sie verzweifeln— mir macht es vorläufig noch einigen bescheidenen Spaß, diese übrigens keineswegs mit dem Reize der Unschuld ausgestatteten kompakten Tag- und Nachtschmetterlinge zu spießen." „Ich wundere mich nur, daß Sie dabei nicht selbst schon gespießt worden sind!" „Nun, versucht haben die Herren schon verschiedene Späße mit mir- wissen Sie davon?"' Franz Stein schüttelte den Kopf. „Nun,— mit ausfürlichen Erzälungen will ich Sie nicht langwetlen. Es genüge Ihnen die Mitteilung, daß ich mich be- reits zweimal mit Offizieren geschossen habe. Das erstemal wurde ich verwundet, das Pech betraf aber keinen edleren Teil— blos den Kops, und dazu nur ein Streifschuß. Das zweitemal ward die Sache ein klein wenig ernster. Die Kürassieroffizierc hatten mich lange nicht als satisfaktionsfähig anerkennen wollen, bis ich sie so geärgert hatte, daß sie sich nicht anders zu helfen wußten, als mich fein säuberlich um die Ecke zu bringen. Man klügelte sich einen Ausweg zusanimen: ein Preniierlicutcnaut, der eben seinen. Abschied genommen, UNI auf dem von seinem Vater ererbten Rittergute der durch fiebenjärige Militärdienste wolverdienten Ruhe zu pflegen, wurde bestimt, den ans Tod oder Berstümlung durch Erschießen lautenden Urteilsspruch meiner liebenswürdigen Herren Gegner an mir zu vollziehen. Der Gerechtigkeit halber muß ich anerkennen, daß mir der Weg der Gnade nicht ver- schlössen war— denn hätte ich mir die Ohrfeige, welche mir der Herr Prcmierlientcnant a. D. auf offener Promenade vor den Augen von mehr als hundert Menschen, die mich kanten und zumteil an besagter Ataulschule freudigsten Anteil namen, mäuschenstill eingesteckt, so wär' mir weiter nichts passirt und ich hätte als vor aller Welt gekenzcichiieter Menschenhund ein fideles Dasein füren können bis an mein Lebensende. Indessen zog ich dem Herrn a tempo mit meinem zu solchen Zwecken unübertteff- lichen Spazierstocke aus Rhinozeroshaut einen fußlangen Blutigen quer über die Visage und die notwendige Folge war cin ein- maliger Kugelwechsel— der Vorsicht halber jenseits der Grenze ini böhmischen Riesengebirge— da ist die Restauration," unterbrach er sich;„da können wir in fünf Minuten, sobald die Vor- stcllnng wieder begonnen hat, ganz ungestört weiter plaudern." Sie traten ein und Franz Stein fragte: „Und war der Ausgang dieser Affäre unblutig?" „So ziemlich, d. h. ich habe von Blut wenig gesehen. Seine Kugel pfiff so dicht an meinem linken Ohr vorbei, daß ich sie heute noch pfeifen höre, die meine aber traj den häßlich geformten Muskel, den man Herz nent. Mein Herr Gegner warf die Arme gen Himmel, als ob er mich umarmen wollte und stürzte dann rücklings zu Boden, um nie wieder aufzustehen. Seit der Zeit sind mir die Herschaften vom Militär aus dem Wege gegangen und wo sie mich trafen, haben sie mich iguorirt, jezt aber, wo ich ihnen bei den Kapitalfrauenzimmer, der Elena, in's Garn komme, fangen die verschiednen kleinen Vesuve wieder zu speien au. Gestern sogar wurde mir snb rosa mitgeteilt, das; man ans den genialen Einfall gekommen sei, mich im Notfall mittels einer ganzen Suite von Duellen systematisch abzumurksen, indem sich näm- lich mehrere Reserveoffiziere und sonstige Freunde der Kürassiere mit mir schießen und diese Duelle— komme, was will,— fort- gesezt werde» sollen, bis ich um die Ecke bin. Das ist'n Ge- danke— was? Eine kleine Ehampagnerbowle",— rief er der Buffeticre zu.„Sie trinken doch cin Glas mit.— Es ist vorzüglich— ich habe selbst das Rezept dazu geliefert." „Ein Glas, aber nicht mehr— ich suchte Sie wegen einer Sache auf, die ebenso eine ernste, als eine alberne Seite hat und die merkwürdigerweise mit ihren ebeuerzälteu Erlebnissen eine frappante Aehnlichkeit zeigt, nur daß ich absolut nicht enträtseln kann, wie gerade mir so etwas passiren konte." Sie ließen sich in einer Ecke des weiten Restaurationsraumes nieder und Franz Stein erzälte, was ihm mit Guido von Frank begegnet war, one zunächst dessen Namen zu nennen. „Wie hieß der Mensch?" war die erste Frage Davids, der aufmerkiam, aber one ein Zeichen besonderer Teilname, seine Cigarrette behaglich rauchend und rasch ein par Glas der duf- tigen Champagnerbowle leerend zugehört hatte. „Guido von Frank." „Guido von Frank— der? Dann ist die Sache ernst. Der gesürchtetste Schläger, der gefärlichste Pistolenschüze der Universi tät und dermalen der als der Gescheiteste und in Disputatorien und auf Studentenversamlungen als der schlagfertigste und geist- reichste Redner bewunderte und beneidete, geliebte und gehaßte, gescheiteste Student allhier." Franz Stein zuckte die Achseln. „Was ihn nicht verhindert hat, toll zu werden!" David erwiderte darauf nichts. Er sah nachdenklich in sein frischgcfülltes Glas und leerte es dann in einem Zuge bis auf den Grund. „Und womit kann demgegenüber ich Ihnen dienen, Freund Stein?" „Sie sollen in kürzester Frist auszukundschaften suchen, was hinter dieser Straßeuattacke steckt und den p. Frank entweder zur Abbitte zwingen, oder, wenn das Risiko eines Menschenopfers ans deni Altare der menschlichen Narrheit nicht anders und den her- schenden Begriffen von Ehre entsprechend zu umgehen ist, die sogenantc Genugtuung einleiten." „Ich danke Ihnen, Stein", sagte Tavid, indem seine Stimme eine ungcwonte Spur von Wärme aufwies,„das ist etwas für mich. Sie sollen in jeder Beziehung mit mir zufrieden sein. Miß Elena wird cin par Tage vergeblich nach mir schmachten � 283 — denn wenn ich ja einmal etwas ernstes vorhabe, last" ich all' die Narretei faren, und die Kürassiere mögen glauben, ich fürchte mich vor der Duellsuite— bis ich wieder unter sie trete und fürchterlich Musterung halte— Ihr Wol, Stein— das Leben soll leben. Aber glauben Sie nicht, daß ich auf dein Wege bin, ein vernünftiger Mensch zn werden in Ihrem Sinne, mir ist alles Wurst auf der Welt, auch wenn ich es zuweilen leben lasse." Franz Stein Ivvllte nun gehen; es war sehr spät geworden, schon zu spät, als daß er noch hätte seine Frieda aufsuchen können. Und morgen früh zwangen ihn seine Geschäfte zeitig abzureisen, — es blieb ihm wieder nichts andres übrig, als ihr auseinander- zusezcn, daß ihn allerlei höchst uliivillkoininne Zwischenfälle ab- gehalten hätten, das zu tun, was ihm gegenwärtig die einzige Freude und Erguickung war,— zu ihr zu eilen. Er nain sich vor, ihr diesmal ausfürlich die Hinderungsgründe darzulegen,— der Schlaf, das fülle er, kehrte heute doch nicht früh bei ihm ein. „Noch eins, Freund Stein," rief David, als sich der andre erhob,„sie erzälten, das Rencontre habe auf der G...straße statt- gesunden. Darf man wissen, wo Sie vorher waren?" „Gewiß— ich war im Hause des Rentiers Specht." „Des Rentiers Specht? Haben Sic mit ihm selbst zu tun gehabt." „Ich hatte mit ihm zu tun. Er war aber nicht anzutreffen. Weil mir aber daran lag, eine sich schon längere Zeit hinschlep- Pende geschäftliche Schwierigkeit zu heben, wollte ich ihn erwarten, doch auch das umsonst. Mein Warten trug mir nichts andres ein, als eine höchst sonderbare und Peinliche Szene mit seiner Tochter." „Was Teufel, Sic haben doch nicht ctlva heut ein Tete-ä-Tcte genossen mit Elfriede Specht?" Davids Worte trugen den Ans- druck lebhaften Erstaunens. „Nolens volens war ich mit ihr über eine Stunde allein in. ihrem Salon, eine— kann ich Ihnen sagen, Freund David,— so aufregende Stunde, wie ich nicht allzuvicte erlebt habe. Elsricde Specht ist ein interessantes und der Teilname wertes Weib." David wollte auiworten, aber eben trat die Büffetiöre heran, welche zu glauben schien, Herr David wolle die bereits geleerte llcine Äoivle von frischem füllen lassen. Sein scharfer Blick er- kante, daß die Frau dem Gespräche mehr Interesse entgegenbrachte, als ebenso aufmerksamer als diskreter Bedienung zukam,— er unterdrückte daher vorläufig die Antwort, gab der Frau ein Geld- stück und sagte, die Rechnung stimme so. „Ich werde noch ein par Straßen lang mit Ihnen gehen oder faren, Freund Stein, wie Sie wollen, erzälen Sie mir nur ge- sältigst näheres von der Affäre mit der eben genanten Dame,— Sie können sicher sein, daß Ihre Geheimnisse bei mir gut be- wart sind." „M e i n Geheimnis ist nichts von dein, was heut geschehen 'st; kommen Sie, ich ivill Ihnen erzälen, was ich erzälen kann." Des andern Morgens war Friederike Haßler frühzeitig auf,— stc hatte fast garnicht geschlafen in der Nacht und ihre Augen "errieten, daß sie geweint hatte. Bis spät in die Nacht hinein hatte sie geharrt und geharrt «us ihren Franz. Er hatte ihr geschrieben, daß er zur Stadt 'äiiic und sofort nach Abmachung eines ihn jedenfalls nicht allzu- kangc aufhaltenden Geschäftes zn ihr eilen würde. Er hatte ihr ""bei geschildert, wie sehnsüchtig er sei, sie wieder in seine Arme schließen, wie seine Geschäfte ihm täglich fataler würden und !'ur die Hoffnung, sie bald für immer an seiner Seite zu haben, % getrost ausharren ließe in all' den Schwierigkeiten und Un- ""nemlichkeiten seiner jezigcn Lage. Ter Brif war so tvarm und herzlich geschrieben gewesen, daß t* zugleich erfreut und erfrischt hatte. Beides tat not. Auch stc sehnte sich aus ihren für sie immer fataler werdenden Verhält- "issen heraus, auch sie sezte all' ihre Hoffnung auf die baldige %liche Verbindung mit dem Geliebten. Im Hause war sie vereinsamt, kein Mensch kümmerte sich in w�rhaft reilnehmender Weise um sie. Die Nachbarin machte sich zwar oft mehr, als Frieda lieb war, mit ihr zu schaffen. Sie war eines von jenen Duzendivei- °°ni, denen Geschwöz und Geklätsch über alles geht. Im Grunde �'»e ebenso gutmütige als unbedeutende Frau fand sie ein beson- deres Vergnügen darin, ihre Nebeninenfchen mit guteü Rat- schlägen zu verfolgen und jenen besonders da mit ihrem Beistände beizuspringen, Ivo diese sie absolut nicht gebrauchen konten oder wollten. Ward sie mit ihrer aufdringlichen Hülfswilligkeit direkt oder indirekt, grob oder zart abgewiesen, so fülte sie sich belci- digt und suchte sich durch allerlei kleine und mitunter auch große Klatschereien zu rächen, häufig auch dadurch, daß sie die, über welche sie sich geärgert hatte, durch Sticheleien und unliebsame Mitteilungen wiederzuärgern suchte. Frieda Häßler war dieser Nachbarin nun immer ein Dorn im Auge gewesen. Denn Frieda, das alleinstehende Mädchen hätte nach der Meinung der Iran Zampel— so hieß die Nach- barin— selbstverständlich nichts Verständigeres und Anständigeres tun können, als sich ihr, der vielgeprüften, die Welt bis auf's T'Z kennenden Frau aus das engste und unterwürfigste anzuschließen. Aber Frieda Haßler war viel zu hochmütig dazu— so meinte Frau Zampel. Frieda zeigte weder Interesse für alt' die hundert Geschichtchen, welche die Nachbarin stets aufzutischen be- reit war, noch kümmerte sie sich um die guten Ratschläge der Frau. Ja sie hatte die Rücksichtslosigkeit sogar sviveil getrieben, die Teatcr-, K onzert- und Cirkus-Freibillets, über die Frau Zam- pcl beständig zugunsten ihrer Bekantschaft verfügte, zurückzuweisen. Da» leztere verzieh Frau Zampel niemanden, denn gerade auf ihre Beziehungen zu solchen Vcrgnügnngsgelegenheitcn war sie besonders stolz. Frau Zampel hatte einen Bruder und dieser Bruder war Restaurateur, in früheren Zeiten sogar Teatrrrcstaurateur. Ans dieser schönen Zeit stamten noch seine und seiner Schwester weit- verzweigten Bekantschaftcn mit Souffleuren, Logenschließern, Tcater- dienern, Chortänzern und Chorsängern, ja selbst mit einigen Schauspielern, die die süße Gewonhcit des Kneipenpumps an den ehemaligen Teaterrcstaurateur so gefesselt hatte, daß sie ihm von Kneipe zu Kneipe, wo er Herr war, nachfolgten. Augenblicklich verwaltete Herr Zampel die Restanration eines größeren Konzertsals, die aber nicht besonders viel Prosit ab- ivarf und ihn veranlaßt?, sich nach mancherlei Nebenverdienst nm- zusehen. So hatte er diesmal auch die Restauration des Kunst- rciterzirkus in Pacht genommen und dort seine Schwester als weibliche Oberbchörde eingesezt. Wie schon gesagt, war Frau Zampel sehr stolz darauf und sah es gerne, wenn sich ihre Bekanten mit den Freibillets beglücken ließen, welche sie sich oft duzendiveise verschaffen konte. Frieda Häßler-- das arme Kind, wie sie sie gern nante,— war von ihr förmlich bestürmt worden, nur ein einzigesmal mit- zugehen, sie verkomme ja ganz in Langeweile, sie sähe ja auch rein garnichts von der Welt, sie versieche und versaure reineweg und im Teatcr und noch vielmehr im Zirkus sei es so wunder- schön und es koste sie keinen Pfennig, ja es käme garnicht dar- ans an, Frau Zampel würde es sogar ein Vergnügen sein, sie mit einigen Gläschen feiner Bowle und einem Abendessen, wie das alles nur die ganz reichen Herrschaften sich leisten könten, zu bewirten, aber nein!— Frieda Häßler war, nach der Ansicht der guten Frau Zampel, verblendet genug, für alt' diese Güte, und all' diese Herlichkeitcn zu danken. Und was tat sie statt dessen? Sic saß zuhause und stndirte oder stickte, stickte für ihren Liebste», ihren sogenanten Bräutigam, der doch, wieder nach der Ansicht der Frau Zampel, vor allen Dingen die Pflicht und Schuldigkeit gehabt, selber dafür zu sorgen, daß' seine Braut nicht Abend für Abend zuhause hocken mußte. Freilich war dieser Herr Stein garnicht in der Stadt— aber warum war er nicht in der Stadt? Er gründete eine Fabrik, er hatte viel zn tun! Nun, das war ja eben die Duinheit! Herr Stein war ein reicher Mann, wie Frau Zampel ganz genau wußte, und er hätte ganz giü one Fabrik und one daß er irgend was täte, leben können. Statt nun aber selber sein Leben zu genießen und besonders das arme Ding, seine Braut, recht viel vom Leben genießen zu lassen— und. das war gewiß nötig, so- lange sie Braut war, nachher nämlich, wenn eine verheiratet ist und die Kinder kommen— eins nach dem andern— da ist es mit deni Lebensgenuß gewißlich vorbei,— mußte er sein schönes Geld in Maschinen, und wer weiß was sonst, verpulvern und hatte selten einmal eine Stunde Zeit für sein Mädchen und ging niemals irgendwohin mit ihr, wo sie sich hätte amüsiren können.— cgortsezung solgU 284 Die Berufstätigkeit der Juden in Deutschland und Rußland. Von E. Lübeck. (2. Fortsezung.) Aicm tönte es bei dieser Sachlage befremdend finden, daß der Zorn der Bauern sich nicht in erster Reihe gegen den Adel richtete, von dem doch die Hauptausbentung ausging. Tatsäch- lich geschah dies auch. Die Bauernaufstände in Rußland sind seit der Einfürung der Leibeigenschaft überaus zalreich gewesen. Kein Jar und keine Regirung verging, one daß Bauernaufstände oder agrarische Morde zu verzeichnen gewesen wären und noch in diesem Jarhnndert bis in die neueste Zeit hinein haben sie von sich reden gemacht. Vom Jare 1818 bis 1825 z. B. haben allein folgende Bauernaufstände stattgefunden: 1818 in den Gouvernements: Woronesch, Tula, Saratow, Orenburg, Minsk, im Donaland, in Tambow, Simbirsk, Wittebsk, Twer, Grodno, Kaluga, Kursk, Nischninow-zorod Wolhynien, Kostroma, Kurland, Livland, Esth- land, Ukraine, Smolensk und O. Nowgorod. 1819 in den Gouvernements: Sim- birsk, Kurland, Livland, Pensin, Petersburg, Rjäsan, Woronesch, Or- low, Tambow, Kaluga, Perm. Im Jar 1819 wurde die Leibeigenschaft in den Ostseeproprovinzen aufgehoben; seitdem gab es dort keinen Aufstand mehr. 1820 in den Gouvernements Olo- netz, Woronesch, Minsk, Tula, Jeka- teriuoslaw, Donaland, Grodno, Mo- hilew, Rjäsan, Kasan, Tambow, Twer und Perm; 1821 in den Gonvernenients Sim- birsk, Orlow, Minsk, Cherson, Jaros- law, Petersburg, Woronesch, Kasan, Jekaterinoslaw, Pensin und Rjäsan; 1822 in den Gouvernements Kursk, Smolensk, Twer, Kostroma, Saratow, Witebsk, Wladimir, Perm und Wo- ronesch; 1823 in den Gouvernements Saratow, Ukraine, Kasan, Astrachan, Kiew, Wladimir, Twer, Cherson, Ka- luga, Perm, Minsk und Tambow; 1824 in den Gouvernements Simbirsk, Podolsk, Minsk, Moskau und Wladimir; 1825 in den Gouvernements Jaroslaw, Nischninowgorod, Simbirsk, Kiew, O. Nowgorod, Saratow, Kostroma, Tschernigow, Perm. Diese Bauernempörungen fallen in die Zeit Alexander I., der sich auf das ernstlichste mit der Aufhebung der Leibeigenschaft beschäftigte, jedoch zu keineni energischen Entschlüsse gelangte. Das vorstehende kleine Verzeichnis, das einen winzigen Bruch- teil aller in Rußland vorgekommenen Banernrevolten wiedergibt, zeigt einzelne Gouvernements eigentlich in permanenter Auf- lehnung gegen das schreckliche Joch der Leibeigenschaft. Es ge- mint dieser Umstand an Bedeutung, wenn man weiß, aus wie entsczliche Weise die Regirung und der Adel derartige Revolten zu rächen pflegten. Da wurde one Unterschied des Alters und Geschlechts geprügelt, gefoltert und gemordet, nach Sibirien ver- schickt, Acker und Gärten vernichtet, Häuser verbrant u. s. w. Es muß die Ausbeutung der Bauern durch den Adel, gegen welche diese Aufstände sich richteten, warlich eine entsczliche gewesen sein, wenn die Bauern immer und immer wieder in verzweifelten Kämpfen eine Erleichterung ihres Schicksals zu er- streben suchten. Daß der Groll der Bauern sich auch gegen die Juden rich-' tete, das ist begreiflich. Je größer das Elend, um so empfindlicher werden stets die Nadelstiche sein, welche im heutigen Klein« verkehre unvermeidlich sind. Daß der Jude sie ihm zufügt, der I gesellschaftlich tief unter ihm stand, der ein Feind seiner Religion war, das war das Empörende für den Bauern und das machte die Nadelstiche ihm fast noch empfindlicher als die Keulenschläge, welche der adlige Herr ihm versezt. Hermann von Schlagintweit-KaKünliinsKi.(Sene 2»«.) Es dürste nach all' diesen Ausfürungen klar sein, von welcher Seite die eigentliche Ausbeutung der Bauern erfolgte, jedermann wird auch einsehen, daß am Elende derselben die Juden die ge- ringste Schuld tragen. Man wird es übrigens auch begreiflich finden, daß dem Adel sowol als auch der„Krone" sehr viel daran liegen mußte, einen Sündenbock zu haben, einen Prügel- jungen, der sie selber vor Prügel schüzte. Dieser Sündenbock war in dem religiös tief verhaßten und durch Jarhunderte lange Mißhandlungen entwürdigten Juden leicht gefunden. Ihn konte man one Zögern und one Gewissensbisse für die unglückliche Lage der Bauern verantwortlich machen, one auf starke Zweifel zu stoßen. Man weiß, wie man den Juden in Rußland herumgestoßen, von einer Grenze des Reichs zur andern gehezt, und wie man für alle Mißhandlungen, die man ihm zuge- fügt, die Ausbeutung der Bauern als Grund angegeben. Systematisch ist so dem Volke die Uederzeugung vom Ruin der Bauern durch die Juden beigebracht worden, und diese Ansicht ist schließlich zum Dogma geworden, das auch im übrigen Europa viel- fach Glauben gefunden hat. Man wundere sich also nicht, wenn Judenhezen vorkommen. Die Saat des Hasses und der nichtsnuzigsten Verdächtigung, die man mit vollen Händen ausgestreut, sie konte keine anderen Früchte als diejenigen der jüngst verübten Barbareien zeitigen, deren Schrecknisse noch frisch in der Erinnerung leben. Ganz ist die systematische Ab- lenkung, wie man aus den Bauern- aufständen ersehen, indes nicht ge- lungen. So wüteten die Bauern denn auch in jüngster Zeit, wo sie zwar frei aber materiell sehr übel daran sind, in einzelnen Gonvernenients wieder sehr heftig gegen ihre alten Herren, von denen sie sich betrogen glauben und in deren Händen sie ihren uralten Gemeindebesiz wänen. Dieser Erscheinung gegen- über sind die Judenhezen durchaus nebensächlicher Natur. Man wird nun daran erinnern, daß die Juden auch Brant- iveinhändler sind und daß die Judenhezen wesentlich in diesem Umstände ihren Ursprung gehabt hätten. Wir haben schon zu- gegeben, daß die Juden, wie so vielen niedrigen Gewerben, auch dem Brantweinhandel sich zugewendet haben, oder ihm sich zu- wenden mußten. Weniger richtig ist, daß dieser Brantweinhandel den Anstoß zu den schmachvollen Judenhezen gegeben hat, denn es sind Ortschaften zerstört oder aus ihnen die jüdische Bevolke- rung vertrieben worden, in denen es keine einzige jüdische Schänke gab. In den Judenhezen äußerte sich vielmehr neben dem alten religiösen Haß auch die Nachwirkung der bereits geschilderten künstlichen Verhezung der Juden. Wir haben den jüdischen Branttveinhandel im neurussischen Gebiete bereits in einem vorausgegangenen Artikel kennen ge- lernt und namentlich erfaren, daß dort der Edelmann zur Aus- beutung der Bauern noch eine»vettere Schraube in Beivegung sezte und daß diese ivirkungsvolle Schraube die auf de» adligen Besizungen sehr schwunghaft betriebene Brantweinfabrikation >var, bei der namentlich die Juden die dem Adel willkommenen Mittelspersonen waren, welche den Kleinverkaus des Brantweins in den Gutsschänken u. s. w. an die Bauern zu besorgen hatten- In Großrußland besorgte das Brantweingeschäsi die„Krone". sie besaß das Brantiveinmonopol und Hunderte und Tausende von Millionen Rubeln hat sie dabei dem Volke ausgesogen. Wie das Kapitel der Leibeigenschaft, so gehört auch das de* Brantweinmonopols der Regirung zu den trostlosesten der n# schen Entwickelnngsgeschichte. Es ist ein Abgrund tiefster sittliche� Verkommenheit, in dem wir hier den russischen Staat antreffen. Das Streben nach sittlicher Hebung des Volkes, nach Milderung und Veredlung seiner Angehört- gen scheint ihm nicht nur größten- teils verloren ge- gangen zu sein, als Monopolin- haber macht er auch den Eindruck eine» direkten Gegners der Atildernng n»d Veredlung der Voltssitten troz vielfacher Ver- suche, den Bit- dungsgrad der Massen zu heben. Je tiefer wenig- slens die Kultur- stufe des Volkes, je größer seine Roheit und Bar- barei, um so leichteres Spiel hat der Braut- Weinteufel, und um so blühender wird das Braut- weingeschäst der Krone sich ge- stalten. Drei Jarhun- derte hindurch hat die russische Krone das Brantwein- Monopol besessen, ungeheure Sum- inen daraus ge- zogen, das Volk aber ist dabei tief ins Elend gesun- ken, materiell und geistig ruinirt und in einen Zustand versezt worden, der es weit hinter den Kulturvölker Europas zurück- bleiben und im übrigen reif wer- den ließ— für jeden Absolutis- mus. Es liegt uns lern, damit sagen zu wollen, daß ein solcher Zweck der russischen »Krone" bei Ein- siirung des Mo- "opols vorge- schwebt habe. Einen Vorwurf aber muß sie sich unter allen Um- ständen gefallen äffen, den näm- sich, daß sie im Augenblick. alS sie da» Brantwcingcschäst zu ihrem Monopol erhob. du höheren sittlichen Aufgaben, die ihr gestellt waren, total ubersah. °bwol die verhänanisvollen Folgen des Brantweingenu>,es da- '»als schon klar zu Tage lagen. Ihr Gedanke war allem der finanzielle, dem gegenüber alle anderen Rücksichten und selbst die schreiendsten und dringendsten schweigen mußten. Die Aussichten, ivelche sich ihr in finanzieller Richtung erschlossen, waren aller- Vings versürerisch genug. Bei der großen Beliebtheit des Brant- Weingenusses ver- hieß das Mono- pol ganz bedcu- tende Emnamen und diese mußten sich in demselben Maße steigern, in dem der Brant- weinkonsum wuchs. Indem die„Krone" das Brantwein- Monopol einfürte, erwuchs ihr von selbst die Pflicht, alleszu tun, was seine Ergibigkeit erhöhen konte. Eswar eine schiefe Ebene, auf welche sie mit dem Mo- nopol sich begab; sie mußte notwen- digerweise mehr und mehr den sittlichen Boden unter den Füßen verlieren und zur Steigerung des Brantwein- geschäfts zu Mit- B teln greifen, die mit der Sittlich- keit und den g höheren Staats- tSf zwecken unverein- e bar sind. g Wasursprüng- ~ lieh vielleicht nicht beabsichtigt— der Appell an die "5 niedrigsten B Triebe, er mußte erfolgen, die Staatsinteressen erheischten ihn und zwangen, demselben eine ganz spezielle Pflege zu wid- men. Die leztere mußte sich zn einer besonderen Kunst entwickeln und die Rcgi- rung in den schärfsten Gegen- saz zu allen Be- streb nn gen bringen, die auf die Bekämpfung des Brantwein- genusses gerichtet waren. Wir sehen sie auch direkt diesen Bestrebun- gen auf das feindlichste begeg- nen*). So mußte Die Krone schließlich zur ersten Ausbeuterin des Volkes werden und der Ausbeutung die Pflege der Moral und Sittlichkeit des *) Es gibt Befehle von Nikolaus und Alexander ll., welche die Bestrebungen der Temperenzler als liberal und staatsgefärlich signali- fiten und ihre energische Bekämpfung den Behörden zur Pflicht machen. 286 Volkes völlig unterordne». Dadurch schon, daß sie den Braut- weingenuß förderte, trug sie natürlich viel zum Umsichgreifen der Demoralisation, zur Barbarei und Berwilderung der Massen wie auch zur Vergrößerung des materiellen Elends derselben und speziell desjenigen der Bauern bei. Man weiß, daß aus lltazarct zuweilen doch auch Gutes kommen kann und man wird es uns deshalb nicht verargen, wenn wir ans ein sehr verdienstliches Buch verweisen, das in dem historisch denkwürdigen Plötzensee bei Berlin seinen Ursprung hat, jedoch nicht etwa aus der Feder des Herrn Tessendorf stamt, sondern ans der des Sanitätsrats und Oberarzt Ur. A. Bär. Es ist in Berlin 1878 erschienen und fürt den Titel:„Der Alkoholismus, seine Verbreitung n. s. w." Herr Dr. Bär macht uns mit dem Monopolgeschäft der russischen Regirung bekant. Sie verkaufte alljärlich und zwar im Frühjar das Recht des Brantweinbetriebes und des Verschänkens in eigentümlicher Weise zu geheim gehaltenen Preisen. Die Fabrikation selbst wurde nur unter der Bedingung gestattet, den fabrizirten Spiritus zu einem bestimten Preise an die Krone auszuliefern, die ihn dann weiter verkaufte. Der Finanzminister sezte im voraus, vor der Ernte, den höchsten Preis für den Spiritus aus, über den hin- ans ein Angebot überhaupt nicht angenommen wurde. Je n alledem nun die Getreideernte ausfiel, gestaltete sich das Geschäft für die Käufer günstig oder ungünstig. Für diese bildete er den Gegenstand großartiger Spekulationen, bei denen oft ungeheure Summen verdient, aber auch ebensogut verloren wurden. Die Krone selbst hatte ihre Einnamen von vornherein festgestellt; ein Hauptinteresse besaß sie auf alle Fälle daran— daß recht viel Brantivein getrunken ward, denn je größer der Konsum, um so sicherer ein ihrem Preise entsprechendes Angebot. Dr. Bär zitirt aus„Reids Cyclopedia" p. 289 f. die Angabe,„daß dem Adel in Großrußland daran lag, seine große Anzal von Leibeigenen zufrieden zu stellen und dies ließ sick am ehesten erreichen, wenn sie dem Trünke verfallen waren. Wärend die Regirung die größere Zal der Schänkwirtschaften gerne duldete, sorgte der Edelmann für die Bauersleute und er- munterte sie zum Trinken." „Daher konten", bemerkt Dr. Bär,„in Rußland nie Mäßig- kc itsgesellschaften entstehen, sich vermehren und halten. Die Regirung, der Adel, die Pächtersgescllschaflen und die mit ihr Hand in Hand gehende Menge von Beamten wirkten ein- trächtig zusammen, um den Brantweinkonsuni zu steigern und jede Belehrung und Aufklärung des Volkes geflissentlich fern zu halten. Hier liegt der Grund zur stetigen Zuname der Trunk- sucht in Rußland, durch die das Volk, das kein anderes Zcr- streuungsmittel kennt, brutalisirt wird. In Großrußland, sagt Röhl in seinem Reisewerke über Rußland, werden in einzelnen Provinzen die Landleute zum Trinken verfürt, in andern dazu gezwungen." Krone und Adel, Käufer und Pächter sind also nach Kräften bemüht,— es ist gewissermaßen ihr Lebensinteresse,— die Trunksucht des Volkes auf jede Weise, sogar gewaltsam, zu stei- gern, um daraus den größten Gewinn zu erzielen. Was die„Krone" nach Aufhebung des Monopols aus der Brantweinsteuer für fabelhafte Summen gezogen, das lehrt die folgende Zusammenstellung: 18ßG: 121518 857 Rubel, 18fi8: 133 384 468 Rubel, 1870: 163 859 514 Rubel, 1872:172 878 006 Rubel, 1873: 179 296 144 Rubel. 1874: 200 792 573 Rubel, 1875: 186 185300 Rubel, 1876; 191 787 700 Rubel, 1877: 192 544 100 Rubel u. s. in. Heute erreichen die Einnamen aus dem Brantweingeschäft, die nach L. v. Stein den Schwerpunkt aller Staatseinnamen und sogar die Hauptstelle in dem Gebiet der ganzen Besteuerung einnemen, über 200 Millionen Rubel. Sie machen fast ein drittel der Totaleinnamen des ganzen Bud- gets aus. Das Steigen der Erträgnisse ist nach Dr. Bär auf das Um- sichgreifen und die Steigerung des Konsums zurückzufüren, und der leztere wiederum findet in der kräftigeren Handhabung deS Regirungs- und Adelsapparats, in dem auch die zu Brantwein- Händlern entwürdigten Juden stecken, seine Erklärung. Und nun wagt man es, die Schuld an der Brantweinpest, an der Demoralisation und dem materiellen und geistigen Ruine den Juden aufzubürden! Das ist fürwar eine große Künheit und Gcwissenlofigkeit, wenn von einem Gewissen, dem Bewußt- sein moralischer Verantwortlichkeit, dem Tribunale der Geschichte der Menschheit gegenüber in Rußland überhaupt noch gesprochen werden darf. Verfolgte Diebe rufen stets, um die Verfolger von sich abzu- lenken:„haltet ihn", auf einen andern deutend. So geschieht es auch hier. Um den Zorn des zur Besinnung kommenden Volkes, das sich auf das schändlichste betrogen ficht, von sich abzulenken, wird die Heze gegen die Juden in Szene gesezt, von denen eine Anzal der Krone und dein Adel in ihrem Ausbeutungswerke gute Dienste geleistet, Wärend die große Menge der Juden kein anderes Verbrechen begangen hat als das, daß sie von jüdischen Eltern geboren und in der jüdischen Religion aufgewachsen ist.— Die jüdischen Brantweinhändler sind jedenfalls zu ent- schuldigen, nicht aber die Regirung und ebensowenig der Adel, der entweder, wie in Großrußland, den Brantwein zur Betäubung der Bauern, oder wie in Zteurußlaud zur eigenen Bereicherung und zum Ruine derselben fabrizirt oder fabriziren läßt. Indem das Volk übrigens voller Erbitterung sich gegen die jüdischen Brantweinhändler wendet, gibt es doch auch der Er- kentnis Ausdruck, daß das Brantweingeschäft ein verächtliches, hassenswertes überhaupt und eine zum Unheile und Verderben der Gesellschaft geschaffene fluchwürdige Institution ist. (Forlsczung folgt.) Meine erste Gotthardfnrt. Reiseskizze von Hart Stichler. (2. Fortsezung.) Längs der Straße war hier das umfangreiche Wasserrohr, das dem Turbinenhause bei Göschenen die nötigen Kräfte zu- fürte, noch auf eine kleine Strecke hin zu erblicken. Je höher die Straße bergaufwärts in dieser Felscnge fürt, desto schmaler wird der Raum zwischen den Felsenwänden, und an manchen Stellen hängt die Felswand drohend über der dicht am Abgrunde hinfürenden Straße, ein sicheres Zeichen, daß nur durch Spreu- gungcn k. 2C. diesen Felskolosscn der für die Straße nötige Raum abgerungen werden konte. lieber die Sprengibrücke und somit über den Abgrund und über die in dessen Tiefe tobende Reuß hinweg füren wir wieder an das unke Reußufer, um dauernd bergausfarend die höheren Partien oieics scheinbar gänzlich gesperrten Felsschlundes zu er- reichen. Auch hier oben zeigt sich die zerstörende Macht der Lawinen Brüggwald, die genante ziemlich breite Strecke, war in früheren Zeiten bewaldet. Stcmgeröll und Schneestürze beseitigten die stämmigen und widerstandssähigeu Bäume mit allem Erdreich jedoch derartig, daß schließlich nur noch das nackte Felsterrain und hie und da in besonders gcschüzter Lage ein einsames Bäumchen übrig blieb. Endlich verlieren sich auch die Tannen ganz, selbst die Leg- söhre wird seltener, und nun fährt unsere Wagenreihe um den Borsprung des Teufelsbcrgcs, d. h. um dessen steile und scharfe Felsenecke herum, um gleich darauf bei der weltberühmten Ten- felsbrücke anzulangen. Die Reize dieser Felsschlucht sind zumeist nur für abgehärtete Nerven recht zu genießen. Die Teufelsbrücke passirten wir bei scharfem Luftzuge und bei schönster Witterung. In einer Höhe von 32 Metern über- wölbt in kühngeformten Bogen die im Jare 1830 aufgefürte neue Teufelsbrücke den Abgrund, dessen Tiefe von den Sturz- wellen und schäumenden Wogen der Reuß gefüllt wird. Ober- halb der Brücke bildet der genante Gebirgsfluß einen mächtigen Wassersturz, dessen zu Nebelbläschen aufgelöste leichtere Wasser- teilchen bis zur Brücke empor geschleudert werden und in der Tagcsbeleuchtung effektvolle Licht- und Farbenspiele in überraschend buntem Wechsel bieten. Dicht unter dieser Brücke überwölbt die seit dem Jare 1830 "'cht mehr frequentirte alte und kleiuc Teufelsbrücke die Waffer- masse der Reuß. Sie mündet jezt an einer hohen, steilen Bö- ichungsmauer der neuen Straße aus und hat demzufolge keinen Wert mehr. Ehemals iiiarschirte das gefürchtete Kriegsvolk der Urkantonc über diese Brücke zum Gebirgspässe hinauf und über diesen hin- weg zum sonnigen Süden, um dort in mörderischen Schlachten das trügerische Waffenglnck zu erproben und mit reicher Beute beladen wieder über die Brücke hinweg zur Heimat zurückzu- kehren. In dem großen Tllpenkricgsdrama, das im Jare 1799 das Gotthardterrain nord- und südlvärts der Ucbcrgangshöhe mit furchtbaren Gräuel- und Mordscenen heimsuchte, bildete dieses unscheinbare Brücklein mehrmals einen Punkt von hervorragend strategischer Bedeutung. Hier tobten die mörderischsten Kämpfe zwischen den französischen und zwischen den mit dem bewaffneten urnerischen Landvolke vereinten österreichischen Heeresteilcn, denen später gräßliche Bravour-Mezeleien zwischen französischen und russischen Truppen folgten. Trüben jenseits, also oberhalb der neuen Brücke, befindet sich ein primitives Gasthaus, dessen feuchte Segcnsspcndeu an der Außenseite des Gebäudes empfolcn stehen. Vor der Brücke aber zeigt sich an steiler Felswand die über- mütige Reklame, die dem großartig Erhabenen das Moment des Niedrigen und Lächerlichen hinzufügt. In respektablen Dimen- fionen sind einige große Satansfiguren an die Felswand gepin- seit und in mehreren Kultursprachen verkünden beigefügte In- schriften in großen Lettern, daß an gewissen Tagen nach Ein- bruch der Dunkelheit hier eine bengalische Beleuchtung der Was- sersälle und Felsen nebst splendidem Feuerwerke stattfinde. Selbst- verständlich auf ftosteii der herbeieilenden Schaulustigen. Bei späteren Gotthardfarten habe ich diese Scenerie als Winterlandschaft bei Tage und dei Nacht bewundert und fand dabei, daß außer der Tagesbcleuchtung selbst für hyperromantisch geartete Naturen nur noch das bleiche Licht des Mondes den vorwaltenden Effekt des Pittoresk-Schauerlichen steigern kann. Nur wenige Minuten färt unsere Wagcnreche noch bergauf- >värts durch diesen vegetationslosen Schlund. Tann nimt ein Felsentor uns auf und der Widerhall des Pferdegetrappels und Rädergerassels wird auch in diesem Stein- gewölbe durch das Geräusch gigantischer Wasserstürze übertönt, die draußen am Felsen vorüber über abschüssige Wände und Klippen zur Tiefe stürmen. Ein kleines Nebcnportal bietet die Aussicht in den lärmcrfüllten Abgrund und erhellt zugleich diesen 'leinen Tunnel, der Generationen hindurch gleich einem Welt- Zunder angestaunt wurde. Schärfere landschaftliche Gegensäze als sich hier unmittelbar sch den Ausgängen dieser nur 54 Meter langen Felsengallerie d'etcn, findet man selten so nahe beisammen. . Hat man die schauerlich öde HöUenschlucht der Schöllinen "ut ihren engen und schroffen Felsenklüften soeben verlassen, so vetritt man sofort nach dem Passiren dieses Felsentores ein weites, mllcs Hochtal, das troz der umgebenden großartigen Hochgebirgs- Kenerien einen anmutigen, freundlichen Eindruck macht. Tie aus- gedehnten grünen Wieseuflächen dieser Talgegcud, zwischen denen 'ragen Laufes und still die Reuß dahinfließt, gewären ciuen whllischen Anblick und man vergißt bei diesem Landschaftsbilde vur z« oft, daß diese weite Talgegend 4500— 6000 Fuß über dem Meere liegt, daß hier in der Regel der Winter 7 Monate "»dauert� und daß nur wärcnd 5 Monaten im günstigsten Falle »uf ein Ausbleiben des Schnec's gerechnet werden kann. . Vier Dörfer erheben sich in dieser Hochebene: Andermatt, Vospental, Zum-Tors und Realp lauten die Stamen derselben,»nd °'e Gesamtbevölkeruug dieses zu einem Bezirke vereinigten, un- gefär 6 Stunden langen, baumlosen Hochtales beträgt ca. 130t» Anwohner. ß. Zumeist von Walliser Abkunft beweisen die Bewohner dieser Irgend mehr Saugeslust und Lebensfreude als die gewonlich nnstrr dreinschauenden und ernster gestirnten Urner aus dem Nied- r,8et und nördlicher gelegenen, tieseren Reußtale. Schiller bezeichnet im Tell diese Gegend als ein»�itrcv 4al der Freude", was bis dahin so ziemlich stlmte. Mit der Öffnung des großen Gotthardtunnels und noch mehr i>"ch der elriebseröffnnnq der Gesamtstrecke der Gotthardbahn wird hier ehestere Stimmung einen argen Stoß erleiden, denn ein Haup Ortung der Reisenden-c.-c., wird lahmgelegt fem und Uns- "liei. zu lösen. In Andermatt wurde Halt gemacht nnd ausgestiegen, denn hier fand wieder eine Reisepause statt, die der Malzeit, vnlgo dem Mittagessen gewidmet wurde. Drinnen im engen nnd vielleicht aus klimatischen Gründen etwas sehr niedrigen Stübchen, wurde in bunter Reihenfolge jeder, der das betreffende Verlangen bckiindete, an der Tafel Plazirt; es gab von allem etwas und in Summa von jedem nicht viel, nnd dafür wurden schließlich von jedem Teilnemer drei Frauken erlegt. Daun kletterte jeder wieder in die eidgenössischen Postkutschen hinein, um rechtzeitig auf seinen Plaz zu gelange». Droben am St. Annaberge zeigte sich in der klaren angenemen Witterung der kleine Bannwald, die gcsezlich geschüzte Waldung, der an- gehende Lawinen von Andermatt fern hallen und abwehren soll; weiterhin erglänzten die Firnfeldcr des Blaubergcs(9240 Fuß Meeresfläche) als Illustration der hier im Winter und noch mehr im Früling drohenden Gesaren. Das Gotthardterrain hat außergewönlichen Reichtum an Lawineubahnen, d. h. an solchen Rutsch- und Ienkflächen, die in jedem schneereichem Winter von stürzenden Eis- und Schneemassen mit Gebirgstrümmern heimgesucht werden. Der schweizerische Oberfvrstinspektor Coaz crwänt beispielsweise in seiner diesbe- züglichen Statistik(Die Lawinen der Schweizeralpen 1880), daß es einzig am St. Gotthard nicht weniger als 518 Lawiueuzüge gibt, durch die 69 Forsten, resp. Waldteile, 118 Straßenpartien und 53 Gebäude direkt gefärbet werben. 256 dieser als Lawinenzüge erlvänten unheimlichen Stätten gehören diesem zur Sommerszeit so idyllischem Hochtale an. Das mittelaltcrliklic Andermatt wurde z. B. ebenfalls durch eine Lawine zerstört. Am Fuße des Kirchberges, Ivo sich jczt noch ein uraltes Türmchen neben anderen Gebäuden zeigt, stand in der Vorzeit diese Ortschaft, Wärend das heutige Dorf bedeu- tcnd südlicher ausgesürt wurde. Wir hatten an diesem Tage(18. Oktbr. 78) von Lawinen nicht das Geringste zu befürchten, das weite, stille Tal prangte troz der vorgerückten Jareszcit noch im grünen Schmucke au- mutiger Bergmatten und Talwiesen, und hie und da gewarte man die breitgestirntcn Rinderheerden in stiller Tätigkeit, d. h. beim Abweiden der grünen Wiescnflächcu. Einige Prachtexemplare dieses herlichen Viehschlages unter- brachen wol auch beim Nahen des Posttrains ihre Malzeit, nin- sterten nachdenklich die vorübereileude Wagenreihe und seztcn dann im kurzen, gravitätisch gemessenen Schritte ihren Rund- gang fort. Ter Anblick einer weidenden Rindviehheerde im Hochgebirge gewärt in der Regel einen stimmungsvollen Reiz. Das Geläute der Schellen, der Kuhreigen der Hirten und ähnlich melodischer Zubehör bilden das poetische Element einer derartigen Landschafts- staffage. Es mag ein Vorurteil oder eine Täuschung sein, wenn man anuimt, daß das Gebirgsvieh von der Rasse dieser gehörnten Wiederkäuer bedeutend intelligenter sei als das phlegmatische Hornvieh der Ebene. Mehr Ausdauer und Künheit beweisen diese Tiere jedenfalls, und wenn Schiller in seiner Dichtung äußert:„wie schön der Kuh das Band am Halse steht, und nämt ihr's ihr, sie hörte auf zu fressen", so bewies er damit hinreichend, daß er diesen Sommergästen der Hochgebirgsmatten sogar mensch- liche Schwächen zumutete. Uebrigens hat Schiller die Lokalitäten, die er im Tell so naturwar und warheitsgetren schildert, nie erblickt, d. h. nie be- sucht. Die malerischen Geschichtsschilderungen eines Johannes von Müller.(1752—1809) bildeten für seine genial-poetische Schilderungsgabe die genügende Quelle. Auch Johannes von Müller hatte bezüglich der hier zunächst in Betracht kommenden historischen Landschaftsschildcrungen bei einem früheren Geschichts- schreiber seinen Stoff entlehnt. Wer heute mit dem aufgeschlagenen Textbuche von Schillers Tell in der Hand, vom Vierwaldstättersce angefangen bis zur Uebergangshöhe des St. Gotthard hinauf alle historischiutcressanten und in dem erwänten Meisterwerke angefürten'Stätten besucht, wird und muß sich wundern, daß Schiller in allen Einzelheiten die landschaftlichen Szenerien und Karaktere so bestimt und zutreffend schildern konte, onc dieselben jemals besucht zu haben! Von Andermatt nach Hospental eilten unsere eidgenössischen Poslfurwerkc auf fast ebener Straße beim munteren Trabe der vorgespanten zalreichcn Gäule schnell durch das Tal; dann ging es aber bedächtig beim Dorfe Hospental bergaufwärts, denn nun bewegten sich die Wagen ans der im Zickzack ansteigenden Post- straße dem eigentlichen Gotthardpasse entgegen. 288 Hvspental mit seinem auf einem romantisch gelegenen Felsen errichteten Longobardenturme, liegt bald tief unter uns und gewärt einen recht malerischen Anblick. Schon vor einem halben Jartausend errichtete hier in der rauhen Vorzeit edle Humanität ein Hospital, ein Asyl für notleidende Reisende, und gab damit Veranlassung zur späteren Benennung der nach und nach sich entwickelnden Ortschaft. Die Reuzeit etablirte Hotels mit Telegraphen und sonstigen in dieser Höhe noch anwendbaren Verkehrseinrichtungen, um den deutlichsten Beweis zu liefern, daß der Mensch zu Zeiten nicht blos mit„seiner Qual", sondern auch mit seinen stets Steigerung erfarenden Ansprüchen bis zu dieser Höhe in„guter Gesellschaft" und damit auch zugleich in Massenschwärmen vordringt. Hoch über dem linken Reußufer zieht sich, an abschüssigen Felswänden entlang die über den St. Gotthard fürende Post- straße empor. Unten in der Tiefe des öden Felstales erblickt man die Spuren des alten, Wärend eines halben Jartausends vielbegangenen Saumpfades. In der Entfernung von einer Stunde passiren wir eine Zu- fluchtshütte und nach Verlauf einer weiteren Stunde erreichen wir eine zweite, die damals von einer Familie dauernd bewohnt wurde und die elegante, bei 1976 Meter Meereshöhe einen humoristischen Eindruck machenden Benennung:„Cafä föderal" führte. Weniger humoristisch erschien uns, daß unsere hochgetürmte Postkutsche begegnenden Lastfurwerken auf etwas eigentümliche Weise gewisse Begünstigungen einräumte. Wärend derartige Vehikel den an das Gebirge lehnenden TW der Straßenbrcile behaupten durften, zogen unsere Karossen am Straßenrande und somit dicht über dem Abgrunde, dessen Tiefe vor uns ausgebreitet lag, dahin. Trozdem wir den 18. Oktober schrieben, war wenig Schnee in dieser Höhe zu erblicken, wärend einen Monat vorher ganz gewaltige Schneestürme hier oben gehaust hatten. Jezt rollte unsere Wagcnreihe auf eine felsige, beinahe ebene Einöde hinaus, die die Benennung„campa"(das Feld) fürt. Hier ist die Paßhöhe, ferner die Grenze zwischen den Kantonen Uri und Tcssin und somit auch die Sprachgrenze zwischen dem heißblütigen Süden und dem besonneneren Norden. Das „Schwyzerdütsch" und der„Dialetto ticinese", die sich hier be- geguen und begrenzen, haben an stilwidrigen Auswüchsen und an unschönen, unrichtigen Formen sich durchaus nichts vorzu- werfen; bei beiden ist die Grammatik schließlich überflüssig und mit beiden gelangt man nicht weit in der Welt. Das„Feld" bietet an sich wenig Benicrkenswertes; Felsblöcke und Geschiebe, dazwischen morastige Stätten und spärliche Schnee- reite illustrirtcn diese Schreckensstation manches armen Wanderers. Wir rollten auf der noch schneefreien Straße zwar mit ziemlicher Eile und mit relativer Sicherheit dahin, aber der bloße Augen- schein bewies schon hinreichend, welcker Summe von Gefarcn hier der vereinzelte Reisende ausgesezt ist. Hier senken sich im Winter bei Tauwetter und noch mehr im Frülinge die gewaltigsten Lawinen von den nahen, das„Feld" begrenzenden Höhen hernieder. Roch gefärlicher sind aber in dieser Wildnis die entsezlichen Schneestürme, die hier oft plözlich hervorbrechen und jaraus jarein zalreiche Opfer hinwegraften. Wenn diese gräßlichen Schneestürme, auch xuxeteu, tor- menta u. s. w. benant, tosen, ist selten für vereinzelte Reisende an Rettung zu denken. Die ungeheuren, fast urplözlich in rasend- schnelle Bewegung geratenden Schneemassen verdecken im Augen- blick die Straße samt den sie markirenden Pfälen. Die scharfen, stechenden Eisnadeln blenden den Unglücklichen schließlich, der hier vielleicht mit dem lezten Rest seiner Lebenskräfte gegen das entfesselte Element und gegen die Gewalt des Unwetters ankämpft, und schließlich wärt der ungleiche und ermüdende Kampf nicht lange, die Kräfte sinken und zulezt sind es leise niederrieselnde Schneeflocken, die ein dichtes Leichentuch über den ausbreiten, der hier den Schrecken und Gefaren des Hochgebirges zu trozen wagte. Ueber diese gefärliche Straße zog sich jarhunderte hindurch ein Teil des Weltverkehrs. Zwischen einigen Seen hindurch und an mehreren dicht entlang, füren wir auf der hier ziemlich ebenen Poststraße dahin, die regelmäßig wärend neun Monaten im Jare unter dichten und zumeist steinharten Schneelagen vergraben liegt. Nebelschleier wogten über den Seeflächen sowol, als auch über den felsigen Partien dieses ebenfalls mit gigantischen Gebirgs- trümmern übersäeten Hochtales; hier befindet sich nicht blos eine Sprachscheide zwischen Süd und Nord, sondern auch eine Wetter- und Wasserscheide zwischen den erwänten Himmels- und Erd- strichen. Südwärts eilt der Tessin zum Stromgebiet des Po und zwar zunächst zum Flußgebiet des Lago maggiore hinab; nordwärts senkt sich die Rcuß zum Bierwaldstättersee, um später in die Aare mündend, mit dieser zum Vater Rhein zu eilen. Besonders interessant sind die meteorologischen Verhältnisse des St. Gotthard, dessentwegen genießt auch die in seinem hoch- gelegenen Hospiz etablirte Beobachtungsstation eine außerordent- liche Beachtung. Am Ufer des Lago grande(Großen See), der ca. 40 Fuß Tiefe hat, hielt unsere Wagenreihe plözlich, und wir gcwarten, daß wir die Paßhöhe schon hinter uns hatten und uns jezt vor dem Gotthardhospiz befanden. Circ. 600 Meter nördlich vom Hospiz befindet sich die 2114 Meter Meereshöhe erreichende Paßhöhe, wärend das Hospiz bei 2093 Meter Meereshöhe schon auf dem Gebiete des Kantons Tessin sich befindet. Der Höhenlage entsprechend, trägt die ge- samte nähere Umgebung des Zufluchtshauses den Karakter der Polarlandschast, indem weder Strauch noch Baum, noch eine sonstige geringere Vegetation von hier aus dem spähenden Blicke sich zeigt. Feuchte Nebelmassen mit zudringlichen Tröpfchen und Wasser- bläschen wogten hier oben im[öden Hochtale bei dem Kämpft der wechselnd die Oberhand gewinnenden kälteren nördlichen Lust- strömungen mit den von Süden herandringenden etwas schwülen Winden. Daher war unsere Rundschau beim Verlassen uuscrcr Postchaise eine beschränkte und wendete sich demgemäß mehr de» hier befindlichen Gebäuden als der Landschaft zu. (Tchlui lolgt.) Die Mederzweige. Eine einfache Geschichte von H. Hrehter. Eine schmucklose Mansarde. Hell und luftig zwar und in ihrer einförmigen Stille hoch erhaben über dem geräuschvollen Getriebe der Weltstadt, aber sehr einfach und bescheiden, fast dürftig möblirt. Sonst schien das Haus von solider Eleganz, und jener Ausbau, der so wenig mit der prächtigen Fayade, den hohen Spiegclfenstern harmonirte, wol eine seltsame Laune des Erbauers gewesen, oder auch eine Anwandeluug von Humanität, welche die hellen Dachstübchen im Mittelpunkte der Stadt gelegen, fleißigen, strebsamen Menschen für geringen Zins zum Asyl gab und ihnen dadurch die zeitraubenden Wege nach einer billigeren Wohnung der entfernteren Stadtteile ersparte. Bis zum dritten Stockwerk hinauf klare hohe Spiegelscheiben, hinter denen, umhüllt von gestickte» Tüllgardinen, farbenprächtige Topfgewächse Hüten und sich auch sonst wol Luxus oder doch ! Komfort vermuten ließ. Dann mit einenimale jener seltsaiP Giebel, von dem man nur durch kleine, viereckige Scheiben die Welt sehen konte, und daher diese spärliche Ausschau»i# durch faltige Vorhänge noch verengerte, vielleicht auch entbehrt?- um das Licht voller einströmen zu lassen. Eins jedoch hatte i»' Mansarde mit den unteren Stockwerken gemein— den duftig� Blumenschmuck. Und jene unparteiischen Lieblinge der Menschheit, die sich � Ann und Reich gleich gern finden lassen, Hüten hier oben üppig� vielleicht als ihre Schwestern in den unteren glänzenden Räume»- die aber doch einen Kerker für sie bedeuteten. Die anmutige» Gewinde und Rauken dort oben,— von den kleinen blaus» Veilchen, den farbenprächtigen Rosen, bis zur spätesten HerW »ster— atmeten nicht Stubenatmosphäre, sondern frische, rem 289 Gottesluft; nicht hinter den Scheiben schauten sie sehnsüchtig ins Freie, sondern kühn schlangen sie sich und kletterten sie draußen um die Mauer, bestralt von dein heißen Sounenblick wie dem sanften Schimmer der Sternenaugen, und sahen lustig hinein in das Mansardenstübchen, den fleißigen kleinen Händen, welche ihnen da oben auf die Dachfirste ein par Maß der mütterlichen Erde hinaufgetragen, dankbar ihre schönsten Blüten hinreichend. Jener schwebende Blumenflor hoch oben war aber solch ein Unikum in der belebten Straße, daß manches Auge wol eher die Mansarde streifte, als die eleganten nnteren Etagen, und ein sinniger Mensch vielleicht die traurige Entdeckung machte, daß auch mitten im lärmenden, nüchternen Weltgetriebe die Poesie doch noch hier und da ein Pläzcheu finde. Wie nun die dort oben leuchtenden Bluniensterne zu den schönsten ihrer Art gehörten und bei festlicher Gelegenheit vor dem verivönteste» Auge mit Ehren hätten bestehen können, so waren auch die Bewohuerinneu der bescheidenen Mansarde eine Zierde ihres Geschlechts, und obwol in bedrückten Verhältnissen lebend, und mit ihren kleinen fleißige» Händen sich den Lebensunterhalt erwerbend, würden sie doch in jedem Salon ihren Plaz ausgefüllt haben. Denn Jugend, Schönheit und Anmut, gepart mit sanfter Würde, sind die mächtige» Feengaben, die ihnen schon in die Wiege gelegt wurden, und welche nur des Zaubcrstabes des Glückes oder einer günstigen Gelegenheit bedurften, um allen sichtbar zu glänzen. Aber einsam und freudlos standen die beiden jungen Mädchen da, nicht ein zärtliches Vater- oder Mutterange wachte über sie, ihnen die dornenvollen Wege des Lebens ebnend, sie gehörten zu jenen taufenden von Waisen in der Residenz, die allein den Kampf nms Dasein unternemen müssen, der schwerer noch, wenn man in glücklicher Kindheit nicht für ihn gestählt irurdc, sondern das Leben wie einen goldenen Sonimcrtraum ansah, in ivelchcu dann das Schicksal mit unbarmherziger Hand griff mit der rauhen Mahnung:«Rieht Träumen, sondern Handeln.-— Einen merkwürdigen Kontrast zu der ärmlichen Ausstattung der Mansarde bildeten verschiedene Oelgemälde an den Wänden, - Frucht- und Blumeustücke. Nicht Oeldrucke, sondern treffliche Originale, die auf eine geübte Künstlerhand schließen ließen. Doch ei» weiterer Blick auf die Staffelei am Fenster, vor der ein junges Mädchen saß und eiftig die holden Kinder Floras in idealer Schöne aus die Leinwand zauberte, erklärte den Luxus der Oelbilder. Ja, es war das Heim einer Malerin, doch kein Atelier im günstigsten Sinne des Wortes, nicht jenes hohe weite Gemach, welches man sich darunter denkt, mit dem künstlerischen Ehaos von Kunstschäze» und Requisiten, den elegantesten Ruhe- pläzen, von denen sich die Werke des auerkanten Genies— be- guemer bewunderil lassen, sondern die Werkstälte eines jener Talente, das, wenn auch bedeutend, doch one Freunde und Gönner dastehend, die es auf den Schild heben, mit dem Schicksal um jede Staffel des Ruhmes in hartem Kampfe ringen muß, härter uoch, wenn auch die Existenzfrage als eine der hauptsächlichsten sich aufzwingt. Hedwig Born hatte bisher nur die Schattenseite» einer Künftler- lausbahn kenne» gelernt, und die trüben Wolken vielleicht das Licht, welches in ihrer für die Kunst begeisterten Seele leuchtete, erdrückt u>it ihrer Schwere, hätte es nicht in so hehrem Feuer gestralt. 3» ihren bleichen, edlen Zügen aber stand es geschrieben, daß sie gekämpft und gelitten und es auch schmerzlich überwunden, daß d» schöne Traum von Ruhm und Anerkennung sich ihr wol nie erfüllen werde... Ihr gegenüber am anderen Fenster saß ebenfalls ein junges Mädchen, anscheinend jedoch sechs bis sieben Jare jünger als Vedwig, eine eben erst erblütc Mädchenknospe, über deren lachende Züge noch kein verheerender Sturm gefaren. , Ein anmutiger Anblick, diese beiden Mädchengestalten! Die altere, hoch, schlank, mit geistvollen, feinen, iveun auch ein wenig blassen Zügen träumerischen, blauen Augen und einer durchsichtig weißen Stirn untcr flimmerndem Goldhar; die jüngere, eher von "einer Figur, doch graziös gebaut, mit einem rosigen Kinder- gesicht, in' dem mutwillige braune Augen leuchten und das dunkle Pocken umrahmen. Auch teuere war beschäftigt. Blumen nachzubilden, wenn ?uch in anderer Weise und nicht so künstlensch vollendet, als Hedwig es tat. «ie war Blumenmacherin und arbeitete für eins der erften Magazine Berlins, und die feinen Kränze und Sträuße, welche ihren geschickten kleinen Händen hervorginge», wurden ftercolyp für französische ausgegeben, die ja doch nun einmal den Ruf haben, und denen jene warlich nicht nachstanden. Soeben hatte sie einen entzückenden Mosrosenkranz vollendet. Prüfend hielt sie ihn in die Höhe und legte ihn dann seufzend und gerade nicht sehr zart in einen leeren Karton: „Ich wollt', es wäre der lezte," murmelte sie mißmütig,«o wie müde bin ich es, ewig diese Blumen zu fabriziren, welche andere schmucken sollen.-— Tann ausspringend,»am sie plözlich den Kranz wieder aus der Ichachtel und drückte ihn sich vor dem kleinen Spiegel aus die dunklen Locke». Sie lächelte ihr reizendes Spiegelbild an und wante sich darauf der jungen Malerin zu: „Was meinst du Hedwig, steht er mir gut? Sehe ich hübscher aus, als es die kleine Banquierstochtcr mit ihrem dicken roten Gesicht, für die er bestimt ist, je darin sein wird?" Hedwig, in das rosige Gesichtchen mit den dunklen, leuchtenden Augen und dem schalkhasten Ausdruck sehend, mußte sich wol ge- stehen, daß die Rosen kaum einen hübscheren Kopf schmücken möchten, aber eine direkte Antwort vermeidend, sagte sie ernsthaft: „Was nüzt das, Gerta? Lege ruhig die Blumen wieder fort und denke nicht an Dinge, die sich schwerlich erfüllen Iverdeu. Wir müssen uns mit der Arbeit begnügen und andern das Vcr- gnügen überlassen.- Hcftig das Gewinde aus den Locken reißend schmollte Gerta: „Ich bin aber jung und möchte vom Leben mehr haben als das tägliche Sizen über den langweilige» Blumen in diesem elenden Zimmer. Du freilich kanst dir nicht vorstellen, daß man sich nach Licht und Luft sehnt wie ein gefangener Vogel! Ich habe dich noch nie über dies armselige Gefängnis klagen hören und glaube fast, du bist noch zufrieden mit unserm niederen Lose." Ein melancholisches Lächeln zuckte um Hedwigs Mund. „Meinst du?- entgegnete sie leise,„ich neme mir nur nicht die Zeit zu uuuüzen Klagen; mein Leben hat von jeher der Pflicht gehört und darum söhnte ich mich wol eher mit unser» Verhält- nissen aus. Doch du irrst, wenn du glaubst, daß man nur Wünsche habe, wenn man sie ausspricht.- Zu ihr eilend und sie mit beiden Armen umschlingend, flüsterte Gerta jezt beschämt: „Vergib Hedwig! ich Iveiß es ja, für mich hast du gesorgt und gelebt, mir deine liebsten Hoffnungen geopfert und ich bin so undankbar. Aber zuweilen komt eine so unzufriedene Stimmung über mich, wie eben jezt, die ich dann nicht so leicht unterdriickeii kann.— Sieh, ich bin gewiß nicht für die Arbeit allein geschaffen; tausend Wünsche durchkreuzen meinen Kopf, wen» ich so Tag für Tag hier sizc, und ich beneide alle jene, die nicht hübscher, klüger und doch so viel reicher und glücklicher sind, als ich. Das mag sehr egoistisch sein— aber ich kann nicht sagen, wie ich dies fabrikmüßige Blumenmachen hasse. „Du hattest troz deiner Begabung keine Lust zum Lernen, Gerta, und wolltest nicht Erzieherin werde», wie ich es so sehr wünschte. Gewiß hättest du mehr Befnedigung in diesem Beruf gefunden, und wärest auch in andere Verhältnisse gekommcn.- „llm Gotteswillen Hedwig, erinnere mich nicht an jenes un- glückselige Projekt. Ich mit meinem ungeduldigen, reizbaren Temperament ungezogene Minder erziehen? Ich hätte den armen Geschöpfen die Bücher an die dummen Köpfe geworfen, natürlich nicht aus Hartherzigkeit, sondern purer Ungeduld. Man hätte mich in den ersten acht Tagen fortgejagt. Rein, mein Schaz, das war nichts. Ich will dir etlvas sagen, ich habe nur ein Talent— nämlich, eine reiche, bewunderte Dame zu werden. Durch Geld kann man alles erlangen, alles in der Welt.- „Wirklich? auch Liebe?- versezle Hedwig träumerisch.„Sieh,- sur sie lebhafter fort,„ich sage dagegen: Geld ist Ehimäre.- „Wer wird in unserm praktischen, nüchternen Jarhundcrt noch an eine wirklich romantische Liebe glaube»,- erwiderte Gerta altklug.„Pah, das ist Einbildung. Ich bin keine Jdealistiu und meine, für Geld kann nian recht viel Reelles haben.- „Ach Gerta, ich hätte garnicht geglaubt, daß du ein so ma- teriell gesintes Geschöpfcheu wärest, troz deiner poetischen Be schäftigung.- „Wo bleibt da die Poesie, wenn ich wie jezt in Wind und Wetter hinaus muß, um für dieses blumige Produkt meiner Hände klingende Münze einzutauschen? Ist es nicht natürlich, daß ich mich lieber mit meinen Blumen schmücken und im bequemen Wagen durch diese Sintflut faren möchte?- scherzte Gerta. „Also willst du noch fort? ja, das ist heute kein Vergnügen, armes Kind. Wollte Gott, ich kön'e meine Bilder verkaufen, 290 dann solltest du es nicht mehr, armes Herz," sagte Hedwig, zärtlich der Kleinen dunkles Har streichelnd. „Oder schicke mir der Himmel bald einen reichen Herrn Genial," erwiderte diese lachend im Gehen,„dann brauchtest du nicht deine lieben schönen Augen bei diesen unglückseligen Pinseleien zu ver- derben," sezte sie mit der naiven Rücksichtslosigkeit eines Kindes hinzu. Mit liebevollem Blick ihr nachsehend murmelte die ältere: „Ich wünsche ihr von Herzen ein besseres Los. Die arme Kleine! sie ist so hübsch und sollte unbekant und ungesucht hier in der Dachstube verwelken? Mein armer Bruder, du dachtest auch an ein anderes Geschick für dein Kind, und doch habe ich getan, was in meinen Kräften stand." � Dämmerung schwebte hernieder und umzog mit dunklen Schatten das kleine Gemach. Das zum Malen nötige Licht schwand, so lehnte sich Hedwig in den Stul zurück, die von der Arbeit er- müdeten Augen schließend. Im monotonen Tropfeufall rauschte leise ein warmer Regen; Frütingslust zog durch das halbgeöffnete Fenster und die Veitchen und Narzissen draußen auf dem Gesims hauchten süße Düfte über die weiße, gesenkte Mädchenstirn. Läßt es sich schöner träumen und denken als im Dämmerlicht, in jener geheimnisvollen Stunde, wo das Licht flieht und die Nacht auf gespenstisch schwarzen Fittigen heranrauscht? Auch Hedwig empfand die Zaubermacht, vergaß die ärmliche Mansarde, die Misere ihres einsamen Lebens und an ihrem geistigen Auge zogen in Tageshelle die Bilder einer glücklichen Kindheit, der wonnereichen ersten Jugendjare vorüber, in denen sie geglaubt, die ganze Welt gehöre ihr— Jare reichen Glückes und doch auch so voll Tränen. Sie lebte einst in besseren, ja glänzenden Verhältnissen. Ihr Vater, ein geachteter, sehr wolhabender Kaufmann, der mit über- schwänglichcr Zärtlichkeit ihre Kindheit zu einer der glücklichsten gemacht, und den sie leider nur zu früh verlor, hinterließ bei seinem plözlichen Tode der Gattin und zwei Kindern ein be- trächtliches Vermögen. Ter Sohn von hervorragender körperlicher Schönheit und übersprudelnder Lebenskraft, wollte, den Kauf- mannsstand nicht liebend, durchaus Offizier werden, was er auch durchsezte nach einigem Kampfe mit der Mutter, welche ihn zwar abgöttisch liebte und jeden seiner Wünsche zu erfüllen suchte, aber auch eine gewisse Pietät für die alte ehrenwerte Geschäftsfirma ihres Gatten besaß, die der Sohn zu noch höherem Glänze erheben sollte, wie sie gehofft. Und ein sehr stattlicher Offizier war er geworden, der seine viele s:eie Zeit mit recht kostbaren Vergnügungen ausfüllte. Der kostbarste, törichtste Zeitvertreib war jedoch die Ehe mit | einer, wenn auch durchaus respektablen, so doch an Luxus ge- wönteu Schauspielerin gewesen. Da seine Frau der Büne nicht zu entsagen vermochte, mußte er natürlich den Dienst quittircn ! und versuchte es mit der Laufbahn eines Ingenieurs. Leider hatte er kein Glück in diesem Berufe, oder vielleicht nicht die nötige Fähigkeit und Ausdauer, und so war er bald ' gezwungen, die Existenzmittel allein von seinem Erbteil zu be- ziehen, das bei den luxuriösen Gewonheiten seiner Frau, denen die seinen nichts nachgaben, in einigen Jaren ausgezehrt war. Schulden folgten. Tie Mutter trat sür den geliebten und doch so leichtsinnigen Sohn ein, so lange sie die Mittel besaß, selbst , Hedwigs Erbe wurde angegriffen. Sie war bedeutend jünger als der Bruder und hing mit der zärtlichsten Liebe an dem schönen, immer heiteren Manne, dessen Hauptfehler eine allzugroße Gutmütigkeit und eine an Leichtsinn streifende Unbekümmertheit um das Morgen waren, Eigenschaften, die aber in den Augen eines Kindes, das den Ernst des Lebens nicht kent, am wenigsten als Fehler erscheinen. Und als dann auch die Mutter nach kurzer Krankheit verschied, übertrug sie alle Liebe ihres reichen Kinderherzens auf den einzigen Bruder, dessen Haus dann für mehrere frohe Jare ihr zur Heimat wurde. Welch heiteres Leben herschte dort, und wie wenig ahnte sie, daß es nur auf den Grundpfeilern des Scheins gebaut war, die jeden Tag zusammenbrechen tonten. (Fortsezung folgt.) Frucht und Sunt. Pöbel wagst zu sagen! wo ist der Pöbel? Ihr machtet, Ging es nach eurem Sinn, gerne die Völker dazu. Goethe. An die Gesetzgeber. Sezet immer voraus, daß der Mensch im ganzen das Rechte Will, im einzelnen nur rechnet mir niemals daraus. Schiller. Man lernt nicht die Irrwege durch den rechten Weg, sondern den rechten Weg durch die Irrwege kennen. Lessing. Jede Fertigkeit der Vernunft, auch im Irrtum, vermehrt ihre Fertigkeit zur Empfängnis der Warheit. Schiller. Wer irgend noch etwas fürchtet im Universum, und wäre es die Hölle,— der ist ein Sklave. Jean Paul. Einheit des Allgemeinen und Einzelnen ist das Wirkliche. Die Erkenntnis dieser Einheit ist Wahrheit. Die Acußerung dieser Einheit im Handeln ist Tugend. Joh.. Jako by. Ter ist in allem der Beste, der selbst sich Alles zurechtlegt; Tüchtig ist dann auch jener, der weiser Rede Gehör gibt; Doch wer selber nicht denkt, noch, andrer Rede vernehmend, Selbe im Herzen erwägt, der ist ein völliger Nichtsnuz. He s i o d.(Stahr's Uebersezung). Sein wildes, wüstes Brausen kann nicht dauern, Denn hesl'ge Feuer brennen bald sich aus; Ein sanfter Schau'r hält an, ein Wetter nicht, Wer frühe spornt, ermüdet früh sein Pferd Und Speis' erstickt den, der zu hastig speist. Shaiesspea re, Rich. IL Ein kurzes Lied, das wirklich Leben sprudelt, Das wirklich trägt an seiner Stirn die Weihe, Kommt mehr zulezt in aller Menschen Hände Als hundert starke, dick geklexte Bände. Verlangt ihr Großes, hebt den Blick nach oben, Denn nicht herunter steigen die Poeten, Und selten wird euch schmeicheln ihre Strenge: Die Kunst ist keine Dienerin der Menge. Plate». Hermann von Schlagintwcit Sakünlünski.(Porträt S. 28 l.) Wiffenschastliche Untersuchungen des Forschers in fernen Ländern in Verbindung mit Beobachtung der dort sich bietenden neuen Er- scheinungen in allen Gebieten der Natur und des Lebens, verdiene» vor allem hohe Anerkennung. In de» Arbeite», welche Hermann Frei- Herr von Schlagintweit-Sakünlünski anszufüren gegönt war, liegt solche Forschertätigkcit uns vor. Hermann Schlagintweit, geboren zu München 13. Mai]8zG, hatte srüh begonnen in verschiedenen Teilen der Alvcn wiffenschastliche Arbeiten auszusürcn. und es hatte daran sein nächster, damals noch sehr jugendlicher Bruder Adolph, geboren S. Jan. 1823 (ermordet 1867 in Ostturkestan von einem ausständischcn Häuptling), mit regem Eifer teilgenommen. Von ihren zwei Bänden der„Unter- suchungcn über die physikalische Geographie und die Geologie der Alpen" war der erste 1860 erschienen; sie hauen schon damals die Ansmcrk- samkcit Alexander v. Humboldt's gewonnen und die stete Förderung ihres Bestrebens möglichster Ausdehnung solch wichtiger Arbeiten sich gesichert Die Bermrttlung des Königs Friedrich Wilhelm lV. ermög- lichte, daß schon 18o4 sowol Hermann als Adolph von England aus ör y j'i m't e'ner großen wissenschaftlichen Sendung i>n Anschlüsse a» die schon begonnenen magnetischen Beobachtungen in Indien betraut wurden; sie durften dabei auch Robert, den vierten der Brüder, lanj"* ü?�?ber 1833, als Begleiter sich wälen. Am 20. Scpibr. *. �ttcn,"e Europa sich eingeschifft; am 26. Oktober landeten ESF ch gleichmaßig verteilt. Es mußte den meisten Richtungen enilang das Land von einem Hauptpunkte zum andern auf den schlechten aber direkten Verbindungslinien des Verkehrs der Eingebornen durchzogen werden. Von Eisenbahnen gab es anfangs 1855 nur die kleine Strecke I von Kalkutta bis Ranigandsch, 132 engl. Fuß(40,3 Meter) ansteigend; vielfach waren dagegen selbst den Verkehrswegen des Handels entlang j' auch den Reisenden Kameele und Elephanten nötig. In Hochasien hatte Hermann aus der indischen Seite des östlichen Himalaya zunächst die Gebiete von Bhutan und Sikkim und später auch Nepal allein durch- zogen; 1856 war er mit seinen Brüdern im Nordwesten zusammenge- troffen, und hatte dann, aus jenen Wegen von Robert begleitet, von Kaschmir durch West-Tibet bis Oft-Turkestan, mit nicht unbedeutender Veränderung der Marschlinien wärend des Vordringens und Wärend der Rückkehr, die Gebiete des westlichen Hochasien durchforscht. Es war dabei möglich geworden, was bis zu jener Zeit noch keinem Europäer || gelungen war, die chinesischen Grenz- und Zollwachen zu umgehen und j[ verkleidet sowol die Karakorumkette als die Aünlünkette gegen Norden zu überschreiten. Sogleich nach der Rückkehr nach Europa im Juni 1857, wurden die Vorarbeiten zur Publikation in einem Prachtwerke mit ausschließlich wissenschaftlichem Texte und großem Folio-Atlas begonnen. Es sind bis jezt unter anderm die Tabellen und Kurven des Magne- tismus, die Ortsbestimmungen, Höhcnmessungen, klimatischen Verhält- nisse und Temperaturtabcllen erschienen. Erst als diese in objektiver Bearbeitung vorlagen, erschien auch von Hermann deutsch der beschrei- bende Reisebericht. Unter den geographischen Ergebnissen ist das wich- tigste, daß dabei, wie soeben genant, zwischen dem Himalaya und dem Kllnlün die centrale Karakorumkette sich zeigte, und daß sich diese, nicht der Künlün, als die wasserscheideude erkennen ließ, die zugleich gegen Westen an die Kette des Hindukusch sich anschließt. Für das westliche Tibet ist die Ucbergaiigsstclle nach Ost-Turkestan der Karakorum Paß, 18 345 engl. Fuß(5592 Meter) hoch, und es ist auch in den Um- gedungen gegen Westen und gegen Osten desselben ein weniger hoher Paß bis jezt noch nicht bekam geworden. Die ganz unerwartetcn Effekte starker Auswaschung in Hochasien, mit welcher auf der indischen Seite des Himalaya der Mangel an Wasserfällen und Seen, bei den in Tibet noch erhaltenen Seen der Uebergang aus Süßwasser in Salzwasser sich ver- bindet, sind für die topographischen Verhältnisse gleichfalls neue Daten. Mit den Reisen war auch die Anlage großer Samlungen verbunden, und es sind dabei nicht nur die naturgeschichtlichen Fächer vertreten, sowie Etnographie von de» Gegenständen der Kunsttechnik und Waffen- sormen bis zur einfachen Bekleidung, sondern es finden sich für Antro- Pologie speziell Skeletc und Schädel, sowie hunderte„plastischer Raren- typen", die, ungeachtet schwieriger Aussürung, Gegenstand der Publi- mtion wurden und vielfach in den Museen ersten Ranges jezt ausge- stellt sind. Der Heimgekehrte wurde nebst seinem Bruder von Maxi- wilian II. von Bayern in den Adelsstand erhoben; 1864 erhielt er den Beinamen Sakünlünski, 1866 mit dcni Comthurkrcuz des mexikanischen wuadeloupe-Ordens de» Frcihcrrntitel. Er ließ sich dann, ausschließ- stch mit der Bearbeitung seiner asiatischen Forschungen beschäftigt, als Mitglied der königlich bayerischen Akademio in München nieder mit teniporärem Aufenthalt aus Schloß Jägersburg, bei Forchheim in Ober- stanken, dessen Besiz anfangs zur Ausstellung und Bearbeitung der samlungen sich nötig zeigte. Sein Tod erfolgte am 23. Jan. d. I. 'n München. Ter Schwertertanz.(Siehe Illustration S. 285.) Ter erste und eigentliche Teil des Festmales ist vorüber und die Tcilnemcr gehen jezt iu der nicht minder wichtigen Fortsezung über, zum lustigen Gelage. «Iber hierbei soll nach allgemeinem Brauch nicht nur der Gaumen ge- ateßen, auch Auge und Ohr sollen teilncmen. Und so tritt er denn her- sf»,»m sein Teil zur Erhöhung der Feststimmung beizutragen, der Mfs der kleinen Künstlertruppe, die aus einer reizend schönen Tön- i�in, einem mit dieser an Anmut und Schönheit wetteifernden Knaben ltstd einer Flötenspielerin besteht. Die Tanzweise ertönt und in gra- iwsen Bewegungen vollsürt die Schöne den Tanz, dabei mit einer An- ial Reisen ein ebenso reizendes wie gewantes Spiel treibend, wärend sie in den Pausen von ihrem jugendlichen Begleiter, der in dieser Kunst nicht minder bewandert ist, abgelöst wird. Aber sie begnügt sich in thren Produktionen nicht mit dem graziösen Tanze allein, sie verbindet barnit auch schwierige und mit Gesar verbundene Leistungen. Ein gro- P'1 Reifen wird gebracht, der rings mit Schwertern besteckt ist und deren stharsc Spizcn nach oben gerichtet sind. Und da mitten hindurch mit !stNi Kopf voran vollsürt sie ihre» Tanz mit einer Geschicklichkeit, die ste vor jeder Berlezung bewart und die mit ihren reizvollen Bewegungen "n Tanze weiteijert. Oder sie steckt die Schwerter in geringe» Enifer- «ungen auseinander mit den Griffen in den Boden, die feingeschliffencn «p'i'n nach oben gekehrt und vollsürt nun aus den Händen gehend � so die zarte Last des Körpers im Tanze» fortbewegend, ihre Awierige Kunst, von den Zuschauern bewundert und mit Beifall und �ben belohnt. So war es wenigstens üblich bei den kunstliebenden -übenden Griechen, wie uns Xenophon in seiner Schilderung des �»stmals des Kallias erzält. Und diesen Brauch, der wie wir beilaujig .'werken wollen, noch von andern Kunststückche» begleitet oder abge- 0" wurde, hat Siemiradzki zum Vorwurf seines viel Aus, ehe» machen- Gemäldes benüzt, das wir heute in einer Holzichnitl-Reproduk ivn Lesern vorsüren. Man sieht, die ganze Szenerie des Bildes den anliken Karakter, ist aber sonst frei behandelt. Ter ingend- ' lichc männliche Kunstgcnosse fehlt, der Tanz ist gleichfalls anders aus- gefaßt und zu der einen Flötenbläscrin haben sich noch zwei Kunstge- nossinnen mit Tamburin und Leier geiellt. Die zuschauende Gesellschaft ist mit den Opfern des Bacchus beschäftigt wie die alten griechischen Weisen auch. Was anderes ist es, ob sie diesen, Spiel mit demselben naiven Gemüt zuschauen wie die wirklichen Griechen, unter denen einer und zwar Sokrates, an diesen Künsten bei dem genanten Male keinen Gefallen finden wollte, sondern es lieber sah, wen» er beim steißigen Zuspruch des Bechers geistiger Beschäftigung in lebhafter Rede und Gegenrede Pstegen konte. Aber mir däucht als hätte unser Künstler diese beim griechischen Gastmale übliche Erheiterungs- oder Belusti- gungsszene nicht mit den Augen angesehen wie diese an das Nackte von Jugend aus durch Erziehung und Brauch gewönten Männer, und dadurch dürfte denn auch ein Unterschied in der künstlerischen Auffassung entstehen, ein Unterschied, der sich nicht zum Vorteil seines Werkes äußert. So blendend schön und reizend auch das hier vorge- fürte Bild erscheint, so wird man seinen Wert doch erst dann richtig beurteilen können, wenn man das Original vor sich sieht, denn im Kolorit liegt die Stärke und die hervorstechendste Eigentümlichkeit Siemi- radzkis, liegt richtig gesagt der Reiz seiner Bilder. Und hierin ist er eine für unsere Zeit so karakteristische Erscheinung, daß es der Mühe lohnt, ein par Worte darob zu verlieren. Henri Siemiradzki wurde 1843 als Sohn eines russischen Generals, dem Sprossen einer lithani- schcn Adelsfamilie, und einer Polin in Charkow geboren, wo er studirtc und sich den Toktortitel erwarb. Hierauf(1864) ging er nach St. Petersburg, wo er in die Akademie der bildende» Künste eintrat, die er nach vier Joren mit zwei Medaillen ausgezeichnet verließ, um aus Staatskosten sechs Jare lang im Auslande zu verweilen. Nachdem er in München unter Piloly seine Studien fortgesezt, ging er nach Rom, wo er sich später dauernd niederließ. Hier malte er mehrere seiner Bilder, welche großes Aussehe» erregten, vor allem aber seine „Lebenden Fackeln Neros". Es ist genügend bekant, wie dieses ärgste Scheu- sal unter den römischen Kaisern die Christen verfolgte und welch grausame Kurzweil sich derselbe mit den armen Anhängern der christlichen Lehre erlaubte. Eine der gräßlichsten Szenen hat Siemiradzki aus seinem Kolossalbilde dargestellt. Man kann nun bei dem Ruf, de» dieser Künstler als Historien- inaler genießt, mit Recht ans die Aussürung gespant sein.— Der histo- rische Stil wird sich immer darin äußern, daß der Künstler aus der großen Fülle von Erscheinungen das wesentliche zur Darstellung bringt und daß er den Kern, den seinem Werke zugrunde liegenden Gedanken einfach und groß, das Ganze beherschend und durchdringend vorträgt. In der Einfachheit zeigt sich erst der Meister, sie groß und erhaben zu bilden, das haben uns gerade zurgenüge die Meister der Antike gc- lehrt. Anordnung und Aussürung des Stoffs muß derart klar sein, daß der Beschauer beim Anblick nicht von einzelnen Szenen, womög- lich gar von der Staffage gefangen genommen wird, sondern von der Idee, vom ganzen Werke. Dominirt die Idee derart im Kunstwerk, dann mag die Karakterisirung noch so fein, scharf und ticssinnig, die schöne Gestaltung noch so großartig sein, sie wird uns leiten und sesscln und uns allmälich das Geheimnis des künstlerischen Genius klar und rein vor die Seele füren. Ist das nun der Stil Sicmiradzkis? Wie löst er seine Aufgabe? Vom„Goldenen Hause" des Nero haben unsere Leser wol schon gehört. Es war ein Komplex von prunkvoll und überreich ausge- statteten Marmorpalästen mit Portiken, vielarmigen Freitreppen, inner- lich in der luxuriöseste» Weise mit Gold und Marmor geschmückt, und so ein sprechendes Bild von der Uebersättigung und Wollust des römischen Cäsarentums gebend. Inmitten der Front dieses Baues erhob sich aus riesigem Postamente die vergoldete Kolossalstatue Neros. Auf dem Bilde links im Bordergrunde steht das Picdestal aus weißem Marmor mit einem Hautrelief geschmückt, die ganze enorme Höhe des Bildes einnehmend, so daß oben noch die Zehen der Statue sichtbar sind. Natürlich dominirt nun auf zwei drittel der Bildfläche die Fassade des grandios blendend geschniücktcn Hauses selbst als Hinter-, richtiger aber gesagt Vordergrund. Ein Wasserbassin ist vor dem genanten Postamente, zu dem breite Stufen bis zur Hälfte hinausfüren. Tie riesige große Frei- treppe und die eben so große Säulenhalle des Palastes, die goldver- zierten Geländer, die Sphinxen u. dgl.— alles aus kostbarstem Ma- teriale hergestellt, blendet den Beschauer. Tie unteisten Stufen der Treppe wie der Plaz vor dem Hause sind mit einem wüst komponirtcn Haufen Menschen besezt, aus deren Gesichtern und Haltung die totale sittliche Verdorbenheit jener römischen Zeit nur allzudeutlich zu lesen ist. In der oberen Halle und Treppe stehen römische Große, unter denen sich manches feiste Gesicht befindet, das au die Pfaffe:, des heutigen Rom erinnert, die dem Schauspiel gierig lauschen. Im Mittelpunkt der Treppe be- findet sich Nero selbst oder vielmehr seine von acht nubischcn Sklaven getragene Sänfte, denn ihn mit einem seiner Weiber sieht man kaum darin. Rechts auf dem leztcn Trittcil des Bildes sieht man in die kaiserlichen Gärten, und hier sind hohe starke Baumstämme in die Erde geramt, an deren oberen Enden die armen Christenopser i» leicht brennbare Stoffe bis an den Hals gewickelt, mit Stricke» befestigt sind. Nur die Gesichter von zweien, einen, Greise und-einem jungen Mädchen sind zu erkennen, dagegen umsobcsser die der Henkersknechte, welche unten das Feuer schüren und eben im Begriff sind, vermittels Fackeln die„lebenden Fackeln" zn entzünden. Ilmsobesser»nd klarer ausgedrückt ist auch der Blumenschmuck an den Opferstämmen. Aber 292 nun sage uns einer, ob in dieser Komposition der zugrunde liegende Gedanke, also der Kampf des in Fäulnis begriffenen Römertums mit dem vermeintlich wellerlösenden Christianismus würdig und entsprechend erhaben ausgedrückt ist? So wie es Sicmiradzki schildert, sicher nicht. Einmal doininirt der verkommene Plebs des ncroschen Kaiserpalastes viel zu sehr, die verfolgten Christen werden zur Staffage und dann hat auch das frivole zuschauende Publikum viel mehr Interesse an der Sänfte Neros wie an dem gransigen Vorgang selbst. Und so geht es auch dem Beschauer des Bildes. Ihn fesselt zunächst die allerdings mit meisterhafter Technik gemalte Architektur, vor ollem aber auch die prunkvoll ausgestattete Sänfte im Mittelpunkt. Ihr Schmuck aus Perl- mutter, köstlichen Steinen, Gold, Silber, kostbaren Webstoffen, den vergoldeten Schnizereien ist von üppiger, orientalischer Pracht. Und hat man dann das Auge von diesem Luxus abgewant und wirklich eins von den wenigen mitleidigen oder entsezten Gesichtern im Publi- fiini gesehen, so wird dasselbe wiederum von den kostbarsten Stoffen abgezogen, die ein bacchantisch dreinschauendes Frauenzimmer schmücken. Ucberhaupt ist Sicmiradzki in der Darstellung von gold- und Purpur- durchwirkten orieiltalischcu Prachtgcwändern wie auch andern kostbaren Stoffe» groß. Aber gerade dadurch wird man vom eigentlichen Kern der Sache abgelenkt, die Dekoration wird zur Hauptsache des ganzen Stücks. Hier nemcn die das Feuer schürenden Henkersknechte unser Interesse vielmehr in Anspruch wie die Opfer. Alle die Details, na- mcntlich die die Sinne reizenden drängen sich hervor und das wesent- liche, das auch schon räumlich in den Hinlcrgrnnd gedrängt worden, tritt zurück. Das Bild ist sonach nichts weiter als eine Orgie am Hofe Neros und ob diese eine mit solchem Aufwand in Szene gesezte Dar- slellnng verdieick, ist fraglich. Abgesehen davon, daß dieser grobsinnliche Na- turalismus keine Kunst mehr ist, würde auch dann noch dem Bilde die leitende Idee fehlen. Mir fiele», als ich es sah, alle die Berichte ans Petersburg ein, welche gelegentlich der Ausrcgniig ob der dort vorge- kommenen politischen Schauerjzenen die Zeitungen füllten, und das was dorr über die innerlich verkommene, aber äußerlich elegant mit der leichten französischen Bildung angestrichene russische Gesellschaft gesagt wurde, gewinnt angesichts solcher Vorkoinnisse nur zu sehr an War- scheinlichkeit. Aber auch in dieser Art Kunst spricht sich ein ähnliches Wesen aus und so sehen wir wieder, wie in Zeiten gesellschaftlicher Auslösung selbst das edelste, was des Menschen Geist erschafft, die Kunst, davon ergriffen wird. Die Kunst sollte uns aus diesem mate- rialistische» Schlamm erheben und sie zieht uns nur tiefer hinein. Zum Glück sür die Menschheit sind es aber nur einzelne hervorragende— von den viehen Stümpern des seichten Naturalismus abgesehen— Künstler, die aus diesem falschen Wege wandeln. Wir haben diese Bc- merkungen an dieses Werk geknüpft, weil es das hervorragendste des genanten Künstlers ist und weil wir auch genügend Muße hatten, das Original zu betrachten. Sie gelten aber auch für das von uns heute vorgesürte. Tie Gesanitkomposition ist beim„Schwertertanz" cntsckxeden glücklicher, der leitende Gedanke ist klarer ausgedrückt, aber man kann hundert gegen eins wetten, daß das Kolorit sicher genau so prunkend und finneberauschend wirkt wie bei den übrigen Werken Siemiradzkis. Dazu liegt diesem auch kein hervorragender historischer Gedanke zu- gründe und es erhebt sich deshalb nicht über das historische Genre So sehr man allgemein die technische Geschicklichkeit dieses Malers rühmt, so macht man neben dem Borivurf der Frivolität ihm auch im ollgemeinen de», kleine Gedanken in lebensgroßen Menschen nebst Zu- behör darzustellen. So in dem„Weib oder Base?", wo ein junger Mann zwischen beiden ihm zum Kauf angebolcnen Sachen, einer Base und einer Sklavin, zu wälen hat. Für ein Genrebild im kleinen For- mat wäre dieses sür einen geschickten Künstler gewiß ein reizendes Sujet. I» Lebensgröße genialt wird aber eine dazu gehörende Staffage — namentlich wie die des Siemiradzki— den Grundgedanken unter Kleidern, Teppichen und sonstigem Gerät verschwinden machen und zwar zum Schaden der Kunst. Wenn wir daher eingangs den Unterschied zwischen dem antiken und modernen Anschauen hervorhoben, so wollten wir damit andeuten, daß dieser Gegensaz auch zwischen antiker und moderner Kunst existirt. Und das zeigt uns gewiß ans de» ersten Blick ein antikes Kunstwerk und ein Gemälde des Russisch Polen Siemi- radzki. Fr. Nanert. Aür F>aus und Löf. Ein neues Gemüse liefern die Blätter der Schwarzwurzel. Tieselben müsse» im Keller oder Freien gebleicht werden und haben zur Winters und Frühjarszeit als Salat oder Gemüse einen vorzüglichen Geschmack. Um Pflanzen zu raschem und üppigen Gedeihen zu bringen empfielt Prof. Rapp zu je 2 Pfund Begietzwasser 0,5 Gramm Bittersalz, 1,5 Gramm Kalisalpeter, 4,0 Kalksalpeter, 10,0 dreibasisch-phosphorsauren Kalk zuzuseze». Zur völligen Lösung dieser Salze lasse man sie 10 bis 14 Stunden in dem Wasser stehen. Schlingpflanzen für Garten- und Zimmcrkultnr. Als Schling- pflanze für den Garten zur Bedeckung von Maliern oder Lauben eignet sich neben wildem Wein, den man sehr zweckmäßig mit Geisblatt oder hartem Clematis verbindet, insbesondere die Hargurke(Sycios angulata), ein kürbisartiges Gewächs, das 40 bis 50 Fuß hoch rankt und schon bis Mitte Sommers eine große Laube oder Wandsläche voll- ständig deckt, wenn es im April ausgesät wurde. Für die Zimmer- kultur trefflich zu gebrauchen ist Pilogyue suavis, die ganz außerordentlich rasch wachsende schönste aller Guirlandenpflanzen. Ihre leichte aber üppige Belaubung ist von fahler dtinkelgrüncr Färbung und strömt gleich den anspruchslosen Blüten einen zarten heliotropähnlichen Wol- gcruch aus. Noch ein Vorzug der Pilogyne ist, daß sie frei von In- Ickten bleibt. .Änhfleisch wird vielfach für Lchsrnfleisch verkauft und dafür ein höherer Preis genommen, als das minder uarhaste und verdauliche Fleisch des weiblichen Rindes zu beanspruchen hat. Daß dies ein Betrug und strasbar ist, dürfte jedermann bekant sein. Nach einer neuerlichen Reichsgerichtsenlscheidung ist aber auch dann der Berkaus des Kuhflcisches als Ochscnfleisch straffällig, wenn der Bcrkänfcr dafür nur den ortsüblichen Preis des Kuhslcischcs nimt. �flssgcmeinwtflenschasiiiche Auskunft. B. Lehramtstandidat S. Sie Wen ganz recht, wenn Sie meinen, daß Tentsch» land sebr gut ein freisinnige» Reich»- Nnterrichtsgelez gebrauchen tönte. Solch' ein Nnterrichlsgelez ist iogar eine vebenoirage sür die deutsche Kultur. Ihre Frage, ob Aussicht vorhanden sei, daß solch' ein Gesez bald von der Re chsregirung eingebracht und von den gesezgebenden Faltoren aceeptirt werden würbe, tonnen wir leider nicht besahen. Tie Geschichte der Zsorbe' eitung aus ein Unterrichtsgesez in Preußen»ersprich» weder rasche» noch sruchtbringende» Handel» in dieser Richtung-- so rasch und so prodnltiv die maßgebenden Behörden auch in manch' andrer Beziehung zu Handel» sich läbig gezeigt Wen. Wir wolle» Ihnen hier einen Äbiiß geben von dieier Vorgeschichte mit der Einleitung uud Nebersichl einer im Iure 1876 erschienenen Schrift, welche wir schon früher in der„N. SB." erwänt haben, betitelt:„Geschichte de» preußische» Unter- richlsgeseze». Mit besonderer Berücksichtigung der Boltsschule. Bon L. Clausiiiverl Berlin, nilolaische Berlagsbuchhandlung." Tort heißt es:„Seil 75 Jaren liegt das Vaterland leben das preußisches mit einem Unterrichleaeseze in den Gedurlewehe»,— aber weder die Aerzie des SlbsolutiemuS noch die des«onisitutionalisrnns habe» es bis jezt vermocht, dieses Schmerzenslind ins Leben zu befördern.— Am 10. Februar 1801 überreichte der Ehe! des cberschullollegiums, Minister von Maffow, dem Könige Friede. Wildelm III ein Schriltstück, die Grundlinien zu einer gesezlichen und einheitlichen Regelung des Schulwesens in Preußen betresjend. Ter König ließ infolge dessen Erhebungen anstellen: Ta lameu die Jare 1806 und 7 und der Entwurf— wanderte zu den Alten.— Aus Befehl desielbe» Königs arbeitete eine Kommission in den Jare» 1817 bis Ii) den Entwurf eines allgemeinen Unterrichlsge'ezes aus; über denselben wurden bereit» Verhandlungen mit den Provinzialregirungeu gepflogen: aber die herein- brechende Realtio» der zwanziger Jare machte die Arbeit stocken, und der Entwurf— wanderte zu den Alten!— Ter Minister E chhorn suchte das Ziel aus dem Wege pronvinzieller Gesezgebung zu erreichen. Schon war 1845 die Schulordnung sür die Provinz Preußen sanltionirt, schon war die lönigliche Genemigung erteilt, die Entwürfe sür die übrigen sieben Provinzen den betreffenden Provinziallandtagen vorzulegen: Da brachen dre Wogen von 1848 herein und die siehe» Eutwürse wanderten zu den Alten. Ans Grund des Art. 26 der reWirten Versaffung vorn Jare 1850 stellte der Minister von Ladenberg nach eingehenden Konserenzen und Beratungen mit Sach verständigen in demselben Jare einen Unterrichtsgesezenlwurs aus. Tai Werl schien endlich z» gelingen: Ta tarnen Herr v. Manteussel und die Reallion, und der laden- dergsckie Entwurf wanderte zu den Alten.— Herr von Betdmann.Hollweg begann die Sishhpdusardeit von neuem: nur mit Mühe umiegelte sein Entwurf die Klippen im Staalsministerium,— und als nun der Militärlonflilt ausbrach und die neue Aera 1862 de» Weg alles Fleisches ging,— da wanderte auch mit ihr der Entwurf z» den Alten.— Tie neue Ordnung der Dinge nach 1866 drängte auch Herrn Mühler zu gesezgeberischen Taten. Nachdem er 1867 und 68 mit Spezialgesezen peiaslo gemacht, trat er 1869 mit einem vollständigen Unterrichtsaeseze in die parlamentarische A e a.. Ta» Gesez, das seinen Meisler. wenn auch nicht lobte, so doch leuzeichnete, wurde schon als Totgeburt in de» Kommissionsderawilgen behandelt: die Session ward geschloffen und der Entwurf wanderte zu den Alien.— Seit 1872 arbeitet da» Ministerium Fall an einem Unterrichligesez, es wird, so hoffen wir, über lurz oder lang vorgelegt werden, »nd---" So, nur noch mit einer ganzen Zeile voll Gedanlenstriche» mehr, schließt Elansnitzer die Einleitung j» seinem sehr lehrreichen Buche: indesie» ist das Ministerium Fall one Sang und«lang und auch o»e UnterrichlSgesez vorübergegangen und Falls Nachfolger unterscheidet sich von ihm dadurch, baß aus ihn die freisinnigen Freunde der Bollsschule leiiie hochgespaoten Hoffnungen gese» Wen. Im clausniflerlchen BuäK finden«ie übrigen» all' die Belehrung, welche Sie von uns W!____ W:„ r».fr �... 1.*.«»II liiaf NW.*IMT1 sl elrt II( Vi T* 1 T r" WDMMWWMI die an dieser Stelle zu erteilen gar zu viel Raum beanspruchen würde. Qflcdclktiönskömspöndcn). H. B. in Nobitl b. Altenburg. Der Lorsizende oder Präsident eines Verein» muß vernünstigerweise allerdings das Recht haben, sich a» der Abstimmung zu beteiligen, den» dadurch, daß ihm die Gesellscha>t, deren Mitglied er ist, aus diesen Posten beriel, lann ihm lein der Gesamtmitgliedschast gehörendes Recht geraubt werden. So ist" auch im Reichilage. Tie Geschäftsordnung desselben erwänt diese Angelegenheit nur im 8 56, welcher vom sogenauten„Hammelsprung" handelt und der am Schlüsse des vor- lezte» Absazes sagt:„nur der Präsident und die diensttuende» Schristsürer geben ihet Stimmen nachträglich ib. h nach dem„Hammelsprung") öffentlich ab." Run ton» s- aber oft vor. daß Personen, die als Präsidenten von Bersamlungeu sungiren, aus dieses ihr Recht verzichten und nur dann ihre Stimme in die Wagschale Wersen, wenn dieselbe ausschlaggebend ist, wie bei Stimmengleichhiit. Iiih-lU. Im Kamps wider alle. Roman von Ferd. Stiller.(Forts.)— Die Berufstätigkeil der Juden in Teutschland und Rußland- Bon C Lübeck.(Forts.)— Meine erste Gotthardfan. Reiseskizze von Carl Stichler.(Foris.)— Fliederzweige. Eine einfalle Geschichte von C Dreßler.— Hermann von Schlagintweit- Sakünlünski.(Mit Porträt.)— Der Schwerlertanz.(Mit Illustration.)— Für HauS>"> Hos: Ein neues Gemüse.— Um Pflanzen zu raschem Gedeihen zu bringen.— Schlingpflanzen für Garten- und Zimmerkullur.— Kuhfleisch wir» vielfach für Ochsenfleisch verkaust.— Allgemeinwiffenschaftliche Auskunft.— Redaklionskorrespondenz�____ Verantwortlicher Redakteur Bruno Geiser in Stuttgart.(Nene Weinsteige 23.)— Expedition: Ludwigstraße 26 in Stuttgart. Druck und Verlag von I. H. W. Dich in Stuttgart. J