jY» 29. Jllnstrirtes Unterhaltungsblatt für das Noll. Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljährlich 1 Mark 30 Pfennig.— In Heften-r 33 Pfennig flu beziehen durch alle Buchhandlniigen nnd Postäinter. Werschtungene Lebenswege. Roman von Kranj Earion. (2. Fortsezung.) Frau Lnciens Stimmung verbitterte sich immer mehr bei der ihr vou seiner Seite tviderfahrcndcn Beleidigung. Wie konnte der Mann eine ungebildete Person ivie die Amme durch ein Vertrauen bevorzugen, das allein sie, des Kindes Mutter, zu beanspruchen hatte! Warum tat er das? Sie konnte nicht anders, als einen Ausdruck seiner Meinung über sie darin erblicken. Es erschien ihr nicht nur als Zurncksczung, sondern als Demütigung, die er absichtlich gegen sie äußerte... die Folge davon war Empörung... es gab Stunden, wo sie diese ihr angetane Kränkung beweinte.. „Weil ich arm war, als er mich heiratete, bin ich wertlos '» seinen Augen," sagte sie zu sich.„Zwischen der Amme und Ulir findet er nur den einzigen Unterschied, daß er sie bezahlen muß, ich aber.. sie erschrak vor dem, was sie aussprechen wollte und'schlug die Hände vor die Augen. Es war eine Wohltat, dies Weinen, dem sie sich unwillkürlich überließ; aber ks hatte eine Folge, welche sie zu einem ganz andern Gedanken- bereich brachte. Tie Heide lebte in ihrem Gedächtnisse auf... "'cht das aufgebrochene Hünengrab mit seinem kalten Aushanch und seinen Aschengefäßen, sondern der junge schöne englische Eavalicr, Sir Richard Clinton, der so lieb sich mit ihr unter- halte», an den nicht mehr zu denken, sie sich alle Mühe ge beben hatte, ivas ihr auch unter schwerem Kampfe gegen sich selbst gelungen war, denn sie wollte ihrem schuldlosen Kinde gegenüber keine Sünderin sein; aber jezt, wo ihr Herz so schwer- gekränkt war, jezt gewann die niedergeworfene Erinnerung an 'hn neues Leben, neue Kraft. � Gretchen war wieder munter. Es machte dem kleinen Dinge "iel Spaß, den Papa am Barte raufen zu können, und als gingen von ihre» rosenroten Fingerchen wohltuende Lichtstrahlen auf 'hu über, so aufgeräumt ivurde er. Als er die Kleine eines Nachmittags scklafend fand und Frau Lucie zu ihrer Obhut bei 'hr am Bettchen sizend, äußerte er scherzend, daß er in ihr ivvhl "ald auch eine Assistentin für die Bereitung von Kräuter- Med,- j'Ncn in sxjnem Laboratorium bcsizen werde. *#3» mir?" fragte die junge Frau überrascht, indem sie ihn verwundert anblickte.„O, du dürftest dich da sehr täuschen. Ich verspüre gar keine Neigung zur Bekanntschaft mit den Moni- pulationcn in deiner schwarzen Küche." „Nun, ich will nicht grade behaupten, daß mein Labvra- torium durch die Ehre deiner Teilnahme an unfern Arbeiten besonders ausgezeichnet werden würde, denn die Küche, in welcher Frauen walten, ist freilich anderer Art als die eines Chemikers; aber ich glaube, der Verwaltungspostcn über mein Herbariuiu dürfte sich ganz für dich eignen. Tu bist auf dem besten Wege, dir die nötigen Kenntnisse dazu zu erwerben." „Das klingt seltsam," entgegnete die junge Frau.„Ich kann mich doch garnicht entsinnen, daß ich dir durch Fragen nach einer oder der andern Mischung deiner Medikamente lästig gefallen wäre!" „Nein, daß nicht, Kind; aber du studirst in den im Pavillon zurückgelassenen botanischen Werken meines seligen Vaters nnd ich glaubte darin ein Zeichen zu sehen, daß du Neigung zur Kenntnis der Pflanzenkunde hättest," antivortcte Doktor Philipp und fügte scherzend hinzu:„Nur auf Eins will ich dich auf- merksanc machen. Lies die Bücher nicht von hinten nach vorn, das verwirrt im Studircn. Ich fand den lezten Band des botanischen Werkes auf dem Tisch liegen, du hattest ihn in seine alte Ordnung zurückzustellen vergessen." Lucie wurde über und über rot im Gesicht, als ob er sie wegen Nnordnung�ausgescholtcn, und doch>var es nur der Schreck, sich an die von ihr mitgenommene, von seinem Vater zurückgc- lassene Schilderung der Wirkungen des Cytisin erinnert zu sehen. Doktor Philipp wurde von einem seiner Arbeiter in die Apoteke hinunter gerufen, der Gegenstand seines Gesprächs mit Lucie hatte somit ein Ende gefunden. Sie tvar sehr bestürzt, daß er das Blatt vermissen könne, da er aber desselben nicht erwähnt hatte, beruhigte sie sich all- mählich und nahm sich vor, sobald sie wieder den Garten besuche, es an seinen früheren Plaz zu bringen. Wozu sollte es ihr auch nüzen? Das eheliche Zusammenleben des Doktors nnd seiner Gattin blieb dasselbe gleichgiltigc,>vic es bisher tvar. Niemand hätte mit Bestimmtheit sagen können, es sei kein glückliches.... 25.«xril 18«2. Schelt- und Zornworte gab es nicht zwischen ihnen. Doktor Philipp liebte seine Wissenschast viel zn sehr, als sich mit gc- tvöhnlichen Dingen abzugeben, und Frau Lncie gab sich mit Lei- dcnschaft dem Denken an Sir Richard Clinton hin. Dieser schöne junge Cabalier blieb ihr unvergeßlich, er hatte sie unter den andern Frauen ausgezeichnet, sie zum Gegenstand seiner Huldigung gemacht, was ihr ungemein schmeichelte. Was hatte ihre Eitelkeit mehr entzünden können, als daß er bei seiner Ehre versicherte, sie sei überaus liebenswürdig, und wenn sie die Seine wäre, würde er es als seine Lebensaufgabe ansehen, ihr alle nur denkbaren und in seiner Macht stehenden Vergnügungen zu gewähren? Die Wirkung dieses Geständnisses machte einen berauschen- den Eindruck ans sie, es wurzelte unvergessen in ihrem Gedächtnisse wie ein Ton, dessen Widerhall beständig im Ohre des Hörers sortklingt. Freilich verblassen Sonncnblickc, Farben und Töne; aber die junge Frau hielt einen solchen Wandel nicht für möglich und doch gab es etwas, das im Verlaufe der Zeit einen ihr selbst staunenswürdigen Einfluß auf sie auszuüben begann, dem sie sich nicht entziehen konnte und dieser sie sich selbst untren machende, sie gleichsam verwandelnde Zauber war... ihr Kind. Tie Kleine hatte kaum die erste Jahresgrenze erreicht und >var gesund und kräftig, ein heiteres kleines Wesen, das freilich nur erst lallen konnte; aber alle, die in seinen Bereich kamen, kannte und fröhlich anlachte. Auffallend war es, daß Grctchen große Vorliebe für Frau Lncie, ihre Mutter, besaß, welche sich bisher fremd gegen sie in der Voraussicht gehalten, daß die Rmme das Kind ganz an sich gewöhne... und doch war dem nicht so, ja es erwies sich sogar das strikte Gegenteil. Kein Morgen verging, daß die massive Pflegerin der Kleinen diese nicht zum gemeinsamen Frühstück gebracht hätte. Das war dann immer ein Jubel für Eltern und Kind. Die Bäcklein vom ge- sundeil stärkenden Schlafe gerötet wie Pfirsiche, die dicken Acrm- chen nach Frau Lncicns Gesicht ausgestreckt und vom Arme der Amme sich vorneigend, tätschelten die weichen Händchen der Mutter Wangen und das freundliche runde Eligelsgesichtchen drückte sich liebkosend ail diese an, daß es garnicht möglich ge- Wesen sein würde, die Kleine von sich abzuwehren. Solche Hart- Herzigkeit wohnt auch in keinem Mntterherzen. Und ähnliche Liebkosungen empfing Doktor Philipp. Wie sichtbarer Segen ver- söhnte dies heitere Spiel die einander abwendig gewordenen Elternherzen zum Frieden. Frau Lncie hätte nie geglaubt, daß so wenig dazu gehört, uni sich glücklich zn fühlen, jezt hatte ihr Kind dies zustande gebracht, und immer seltener stieg in ihrem Denken die Erin- nerung an Sir Richard Clinton auf, die in ihrem Herzen einen so schlimmen Zwiespalt erregt hatte. War die Kleine in ihrer Nähe, und dies gehörte zu den öfteren Vorkomninissen des Tages, denn Grctchen versuchte unter ihren Augen ihre Steh- und Geh- Übungen an einigen zn diesem Zwecke nebeneinander aufgestellten Stühlen, da Doktor Philipp die Laufkörbe als Verderber der noch weichen Knochenstrnktur des kindlichen Körpers gänzlich ver- warf, so behielt sie auch keine Zeit, um auf anderes ihre Auf- merksamkeit zu richten. So verstrichen einige Monate, ohne irgend eine Störung des friedlichen Einverständnisses in ihrer Ehe. 3. Die Fieife ins Und. Wie sehr Doktor Philipp bestrebt war, den Gesundheits- zustand seiner Familie auf möglichster Höhe zu halten, denn �*®uiter war ein außerordentlich schlechter gewesen, in dessen liiesolgc mancherlei klebel sich mit eingefunden hatten, betätigte sich in der Veränderung ihres Aufenthalts. Er hatte Frau und Wind nach Osterode am Abhänge des Harzgebirges gebracht, wo von ihm mehrere Freunde lebten, von denen er überzeugt war, daß sie treulich für sie besorgt sein würden; indes trozdem wies sich die Gesundheit Frau Lncicns keineswegs gekräftigt und im Juni holte er sie nach Hildcshcim zurück. Es war selbstverständlich, daß im» die Besuche des Gartens in der Vorstadt wieder aufgenominen wurden... Grctchen bedurste den Genuß der frischen Luft. - An einem der nächsten Tage sagte Doktor Philipp, daß sie am Nachmittag nach dem Garten hinaus fahren würden, da der Staub auf den Wegen ein zn arger sei; um unbelästigt davon die ziemlich weite Strecke zu Fuße zurückzulegen. Zn ihrem nicht geringen Erstaunen fand Frau Lncie daselbst manche Ver- ändcrungen, an die sie nicht im entferntesten gedacht hätte. Auf der Terrasse längs der den Garten von der Straße abgrenzenden Mauer spannte ein mächtiger Pilz auf hoher Säule ein weites Dach, vor Sonnenschein und Regenschauer schüzend aus und bot denjenigen, die das Treiben auf der Straße beaugenscheinigen wollten, bequeme Lehnbänke, und Zierstränche waren oben als Einfassung angepflanzt. Es machte sich ungemein schmuck. Und noch freundlicher, obwohl keine Aussicht damit ver- bundcn war, präsentirtc sich jezt das Rondel. Das dürftig und kahl aussehende Wasserbecken war einer zierlich aus Sand- stein gearbeiteten Muschelschale gewichen, in welcher eine Partie Gold- und Silberfische munter sich tummelte. Bei dieser Uni- gestaltnng hatte die Vorsicht für das Kind recht sichtbar ge- waltet. Ein aus einfachem runden, oben in einem Eisenreif fest- genieteten, dicht nebeneinander stehenden Eisenstangenkreis bc- stehendes Geländer umschloß das Becken. Tie Kleine konnte nur mit den Händchen durchgreifen, wenn sie die glänzenden Fische füttern wollte, was sofort zu ihrem größten Jubel ins Werk gesezt wurde, da der Doktor das nötige dazu mitgebracht hatte. Die schmucklose Eisenröhre, welche früher nur einen dünnen Wasserstrahl spendete, war entfernt worden, dafür blies jezt auf einem Felsstück stehend die steinerne Figur eines Triton aus einem Mnschclhorn einen dreifach stärkeren Wassersturz in das Becken nieder. Es war ein hübscher, anheimelnder Plaz ge- worden, überschattet von den sich darüber hinneigenden Baumästen. Während die Amme mit dem fröhlichen Grctchen am Bassin zurückblieb, geleitete der Doktor seine Gattin durch den kleinen Ziergarten, welcher mit einigen neuen, aber sich durch ihre fremdartige Schönheit besonders auszeichnenden Blumenarten vermehrt sich zeigte. „Du hast wohl den ganzen Garten umgestürzt?" fragte Frau Lncie lachend. „Das schon nicht, nur hier und da ihn ein wenig nach den Ansprüchen des jczigcn Geschmacks umgewandelt", antwortete er.„Wo wir jezt hinkommen, ist alles geblieben, wie es ge wesen. Ich wollte nicht die Hand an meines selige» Vaters Licblingsanfenthalt legen." Seine Rede bezog sich auf den Pavillon; Frau Lucie ver stand ihn und ein leichteres Atmen war die Folge davon. Un willkürlich griff sie mit der Hand nach der Tuchnadcl, welche die beiden Hälften ihres Longshaivl's unterhalb des Halses zu sammenhielt, ein leises Knattern, wie von Papier kommend, drang zn ihrem Ohr, Doktor Philipp hörte es nicht, er hatte sich nach der entgegengesezten Richtung gewendet, um nach seinen abseits stehenden botanischen Pflanzen zn sehen. Das kleine alte Gebäude hatte in der Tat keine Verändc- rung aufzuweisen, doch aber eine Neuerung, denn statt der ge- wichtigen, in schwerfälligen Einbänden, wie sein Vater sie hinter lassen, standen auf den beiden Wandbrettern jezt eine Anzahl hübsch eingebundener, handlich bequemer Bücher, die Titel in Golddruck auf den Rücken tragend. Luciens erster Blick war auf sie gerichtet, sie wurde blaß bei diesem Anblick, denn sie erkannte die Unmöglichkeit, das unter ihrem Busentuche mitge- brachte Blatt in das Buch zu legen, dem sie es früher cnt nommen. Ihr Gatte hatte ihren erschrockenen Blick bemerkt, aber er war weit von der Ahnung ciitfcriit, was demselben zu gründe liege. Er erklärte ihr, daß er für den Fall eines un angenehmen Regenschauers, der sie nötige, für sich, das Kind und die Amme ein schnzcndcs Obdach zu suchen, er auch fiw' eine ihr gewiß zusagende Unterhaltung Sorge getragen habe. „Ich habe diese Veränderung gleich beim Eintreten be ; merkt", sagte Lucie und sezte lachend hinzu:„Du fürchtetest , wohl, ich möchte zn gelehrt werden?" »Nein, dciS ist nicht das Richtige", lautete des Doktors Antwort.„Tic Botanik ist ein erhabenes Studium, dessen Ernst eine bedeutende Vorbildung bedingt. Tu, meine gute Lude kannst sie nicht besizen. Für dick) ist belehrende Unter- Haltung eine Geisteserfrischung. Ilnd daß du eine solche von »»» an hier findest, hat seinen guten Grund." „Welchen?" „Du leidest seit kurzer Zeit an Brustbeschwerden, ich be- fürchte, daß sich bei dir eine Kachexie ausbilden will. Kachexie nennen wir Aerzte einen Übeln Gesundheitszustand. Man muß da bei Zeiten entgegenwirken. Ich verordne dir außer dem Gebrauch einer von mir in solchem Falle als sehr wirksam gc- snndenen Mixtur den Genuß der warm von der Kuh kommenden Milch. Sic ist eines der gesündesten natürlichen Heilmittel. Tu bekommst sie von unserer Gärtnerfrau, welche das von mir bestimmte Quantum, durch sorgsame Verpackung gegen Abküh- lung geschüzt, des Morgens in unsrc Wohnung schickt und des Rachmittags genießest du sie hier sozusagen frisch an der Quelle. Tu machst dir dabei Bewegung nach Gutdünken. Im Falle du Müdigkeit fühlst, findest du hier im Pavillon die nngcstör- teste Ruhe. Tie Bücher werden dir eine angenehme und er- heiternde Unterhaltung gewähren. Sollte auch dieser Versuch »icht anschlagen, nun, so bleibt uns Ncnndorf mit seinen wunderbar heilenden kalten Schwefelquellen, die zu allen Zeiten, im Altertum wie in unsem Tagen, ihren großen Ruf bewährt haben, der mit vollem Rechte ein weltknndiger genannt werden kann." Er hatte sich ivarni geredet, über sein hageres Gesicht breitete sich der Anflug einer leichten Röte und Frau Luciens Gesichts- «usdnlck zeigte eine Rührung, die ihm nicht unbemerkt blieb. „Wie sehr du um mich besorgt bist!" äußerte sie laut, als �ige ihr das Bekenntnis, daß sie nicht immer daran geglaubt, fchtver auf dem Herzen. «Habe ich denn was Teureres ans der Welt als dich und unser liebes Kind?" fragte er mit einer Herzlichkeit, welche durch seine gewöhnlich etwas gedrückte Stimme einen sympathi- scheu Anhauch empfing. Sic standen eine Weile schweigend Nebeneinander. Vielleicht war es der erste Augenblick in ihrer �be, in welchem Lucie sich von dem Bewußtsein erschüttert lnhlte, daß sie einer so aufrichtigen, zärtlichen Zuneigung nicht Würdig sei. Was war der diesem bicdcrhcrzigcn Manne an- bebende Mangel an den Acußcrlichkcitcn des Wclttrcibcns, des dnischenden Umgangsschliffs gegen seine ehrliche Empfindungs- lähigkeit, von der er nur selten Zeichen kund werden ließ? Tie chni anerzogene Schweigsamkeit glich dem Schnee, unter dessen .�-ecke die vor eisiger Kälte und Swrmeswehen geschiizte Pflanze ' bch stärkt und zum Wachstum emporhebt. Er hatte gegen Lncie "Kcs ausgesprochen, was er empfand, und das lvar ehrlich wahr. fühlte, daß dieser Mann die ungehcuchcltc Liebe eines 'Nattenherzens verdiene und daß sie an ihm eine Sünderin in Rdaiikcii sei. Tas überlud sie mit Scham vor sich selber. Er ging mit ihr zu den Gärtnerslcutcn... und von die- >."n Tage an fand sie sich alle Nachmittage daselbst ein, um �Ichgemolkene Milch zu trinken. Auch die Amme mit dem udchen bürgerte sich bei ihnen ei», weil es da ein Knäblein •'ub, nur um ein par Monate älter, mit dem das Hcrrentöch- i nch«i gern spielte. Wie glücklich war die Kleine! Bis jezt 'Ul auf Bater, Mutter und die Amme beschränkt, konnte sie mit einem Altersgenossen spielen. , Hatte früher Frau Lucie sich durch den Argwohn, sie»verde urch Amme beaufsichtigt, schwer gekränkt gefühlt, so wich "selbe jezt gänzlich von ihr... Sie erkannte, daß sie sich Rtäuscht hatte; die Eva blieb nun nicht allein des Kindes wegen .'fl den Gärtncrslentcn, wo es seinen Spielkameraden hatte, Indern auch ihrer selbst willen, denn mit der Schwiegertochter ,CS alten Gärtners, einer Wittwe, die mit ihrem Knaben bei sl? Schwiegereltern wohnte, hatte sie große Freundschaft gc- �wssen. Frnn Lucie wandelte demnach fast immer aNein, bald ch dem Pavillon, wo sie eine Weile lang las, bald nach dem schattigen Baunirvndel mit dem neuen hübschen und durch sein Plätschern gleichsam musikalisch gewordenen Bassin, in dessen klarem Wasser die Gold- und Silberfische so lustig umher- schwammen, oder sie begab sich nach der Terrasse unter den schirmenden Pilz, wo sich ihr der Straßenverkehr zur Schau bot, ein immer bewegliches Bild. Tas Alleinsein lastete trozdem recht drückend auf der jungen Frau. Sie konnte nicht in Abrede stellen, daß ihr Gatte alles in seinen Kräften Stehende getan hatte, um ihr den Aufenthalt im Garten angenehm zu machen; aber die Einsamkeit, diese schlimme Feindin, vermochte er nicht zu bannen; alles das, was er getan, nm Luden Freude zu bereiten, verlor durch sie seinen Wert... die Ocdc nahm den Reiz von ihrer Umgebung. Taufende von Frauen würden sich in ihrer Lage glücklich gefühlt haben, sie... vermochte es nicht, obwohl sie sich Mühe gab. die Ucberzeugung in sich festzustellen, daß ihr nichts zum Glücke Gehörende mangle. Sic war nicht imstande, die erkäl- tcndc Empfindung der Leere aus ihrem Herzen zu tilgen. Zu- iveilcn stieg dann die Erinnerung an die Heide in ihrem Ge- dächtnisse auf, sie wußte sich vor derselben nur durch Flucht im ivahren Sinne des Wortes zu schüzen. So»veiträumig auch der Garten»var, so besaß er doch nur z>vei Oertlichkeiten, »vo lebensvolle äußere Eindrücke stattfanden... bei den Gärt- nersleuten und auf der Terrasse,»vo der Straßenverkehr fast immer Ablvcchslung bot. Eines heißen Nachmittags hatte sich Lncie unter das Schatten spendende Dach des Pilzes zurückgezogen. Hier ans der Höhe »var die Lust nie ganz ohne Bclvegnng und daher auch bei heißen Tagen der Aufenthalt erträglicher als im tiefer gelegenen Garten,»vo die Temperatur keine geminderte sein konnte. Heute»var die Straße ziemlich leer von Passanten, denn die Sonne brannte zu heiß, augenblendend auf sie nieder. Lucie hatte sich ein Buch mit herauf gebracht, dessen feine Kupfer- stich-Jllnstrationcn sie besonders anzogen. In dieser ruhigen Beschäftigung»vurde sie durch ein fenihcr dringendes Gelächter gestört. Sic legte das Buch beiseite und stand auf, zu sehen, »vas zu so großer Lachlust anrege. Einige Reiter kamen in voller Earriere daher gesprengt. Sic schienen an dem Garten vvrüberzuflicgen, der Schivciß stand den angestrengten Tieren in dicken Tropfen auf der Haut. „Er holt uns nicht ein... Kein Gedanke daran!" rief einer von ihnen und jubelnd verschwanden sie da,»vo die Straße eine Biegung machte. „Unsinnige Tierquälerei in solcher Sonnenglut!" schalt Lucie empört über diese Hcze. Und nach dem Waldsaume hinsehend, aus dem sich die Straße hcrauslvand, erblickte sie einen sehr langsam nachzügclnden Reiter, der jedenfalls zu denen, die am Garten vorüber gerast waren, gehörte. „Ich glaube es selbst, daß dieser sie nicht einholt", sagte Lucie lächelnd vor sich hin. Es»vurde immer sichtbarer, daß er sein Tier absichtlich langsam gehen ließ, um es nicht unnötig anzustrengen. In größerer Ferne folgte ihm ein zweiter Reiter in ebenso gemes- jenem Schritte und Lucie urteilte ganz richtig,'daß dieser sein Reitknecht sein müsse, denn er trug einen roten Rock, der im Sonnenlichte weither leuchtete. Ter erste Reiter präsentirte sich dadurch deutlicher erkennbar. Er schien ein schlanker Herr zu sein, seine Haltung zu Pferde»var eine sehr edle; aber»vas bedeutete das? Je länger Lucie ihm entgegen sah, desto mehr kam eine Unsicherheit über sie, welche garnicht mit ihrer gewöhnlichen ruhigen Körper- Haltung übereinstimmte. Ihr Arm, dessen Hand das Glas hielt, zitterte sichtbar. „Er ist es... er muß es sein... ich täusche mich nicht", redete sie vor sich hin.„Aber wie ist das nur mög- »ich? Ich begreife es nicht." «FoXstjung solgt.1 368 Kel'gc Xnc- kleine Felseneiland, welches sich so steil aus dem Meere empor hebt und seine phantastischen Klippen- und Grotten- luldnngen in den wogenden Fluten der Zlordsce spiegelt, ist l>c- kanntlich im Bcsize England's, an welches es im Jahre 1814 von Dänemark abgetreten wurde. Helgoland, auch wohl Heiligeland genannt, liegt gerade den Mündungen der Elbe und Weser gegenüber, und wie England es verstand, sich überall meerbeherrschende Pläze anzueignen— es sei nur an Gibraltar und Malta erinnert,— so hat es auch ans dieser Insel feste» Fils; gefaßt und beherrscht von hieraus die Mündungen der beiden wichtigsten Ströme Deutschlands und deren Schiffahrt. Außer der eigentlichen Insel gehören zu Helgoland noch das sandige Vorland, die„Düne", sowie mehrere Risse und Felsen, von denen nur noch zwei einen besonderen Namen erhalten haben, nämlich der„Mönch" und der„Stein". Tic Insel ist etwa eine viertel Meile lang, und die Breite beträgt nur etwa den dritten Teil der Länge. Man kann annehmen, daß diese kleine Inselgruppe nur die Reste sind einer größeren Insel, welche nach und nach von der nie rastenden Flut zu dem gemacht wurde, was heute noch vor- Händen ist. Immer noch dauert der Kampf fort zwischen Fels und Wasser; noch immer unterwäscht und benagt die brausende See das kleine Stückchen Erde, immer enger wird der Kreis, den das wogende Meer zieht, und fast kann man berechne», wann die Insel ihrem Feinde verfallen, wann sie verschwunden sein wird. Jene schwermütigen Sagen aber, denen wir so häufig an den Küsten der See begegnen, und die erzählen von unter gegangenen Wohnpläzcn der Menschen, welche sich auf dem Grunde des Meeres befinden, und von denen herauf manchmal dein Glückskindc noch das Leuten der Kirchglocken ertönt, wird vielleicht um eine vermehrt sein, welche Nachricht gibt über das untergegangene Helgoland.— Ter Eindruck, den der Reisende empfängt, wenn er zum ersteninale die Insel im Soninierschmucke' erblickt, ist recht hübsch in einem Verse eines alt- friesischen Gedichtes geschildert. Es heißt da: „Road es dct Lunn, Wvöii es de Mant Witt' es de Suim; Datt es de woager vant Helligeland". Die Farben von Helgoland sind denn auch grün, weiß und rot und noch heute erblickt man auf Flaggen und Schildern obigen Vers in deutscher Sprache: „Rot ist die 5t tippe, wriin ist das Land, Weih ist der Sand— Das sind die Farben von Helgoland". Tic gewöhnliche Route nach Helgoland geht über.Hamburg, von wo wöchentlich rnehreremale ein Dampfschiff dahin abgeht. Tic Fahrt dauert 8 Stunden; doch werden etwa nur 3 Stunden auf der See zugebracht, während die übrige Zeit von der etwas einförmigen Fahrt elbabwärts in Anspruch genommen wird. Für diejenigen, welche Interesse daran haben, zu wissen, wie einem Seekranken zumute ist, sei hier bemerkt, daß das Schiff bei etivas unruhigem Wetter schon recht„schaukelt" und schon ein großer Teil der Touristen hier dem Neptun das bewußte Opfer dar- bringen mußte.— Der erste Eindruck von Helgoland erinnert an nichts mehr, als an eine Szene aus der Oper„Ter fliegende Holländer". Dieselbe glänzende See. die dunklen Klippen wid das sandige User. Und derselbe lange, ans Baumstämmen gefügte Hasen dämm ragt aus den blauen Fluten hervor, dieselben Gruppen derber, kräftig- schöner Nordseefischer bedecken ihn. Auch die weiten Hosen, die hellblau gestreiften Matrosenhcnidcn, die blau- oder rotwollcncn Müze», mit denen die Männer bekleidet sind, machen einen teatralischen Eindruck, der noch erhöht wird durch Caxxb. die Kleidung der Frauen, welche aus hellen, rot oder gelb ein- gefaßten Unterröcken, leichten Obcrkleidcrn und schivarzcn Sonnen- hüten besteht.— So klein auch die Insel ist, so kann sie doch zwei Ort schaften aufweisen, die eine auf dem Untcrlande, nahe am Strande, die andere ans dem Oberlande, auf der Höhe des Felsens. Der Höhenunterschied zwischen beiden ist etwa 170 Fuß und der Besucher des Oberlandes muß 203 Stufen emporklimmen, um dasselbe zu erreichen. Hier befindet sich das Regierungshaus, die Kirche und die Batterien nebst den Militärinagazincu, und alles überragend der berühmte Leuchtturm, dessen Laterne sich 257 Fuß über den Meeresspiegel erhebt. Ter Leuchtturm dient nicht nur als Warnung vor den Felsen, auf denen er steht, sondern auch als Merkzeichen für die Fahrzeuge, welche die Mündungen der Elbe und Weser, der Jahde und Eider zu gc- wiunen suchen. Die Zahl der Häuser beträgt etwa 450, in denen einige tausend Bewohner leben, und sie sind es, die dein Plazc sein eigentümliches Gepräge geben. Sehen sie mit ihren dunklen Mauern und roten Tüchern doch so sauber und niedlich aus, als hätten Kinder sie soeben ihrer Spielzeugschachtel ent nommen und sie hübsch in Gassen und Pläzcn geordnet auf gestellt. Ein sehr eigentümliches Gebäude ist die Kirche und noch sonderbarer ist die innere Ausstattung derselben. Bon der Decke herab hängen eine Anzahl Cchisssmodelle, die im vollen Schmuck der Segel prangen, und welche als Geschenke an die Kirche sehr in Ehren gehalten werden. Erwähnensivert ist auch der Tauf- stein, der durch zwei Figuren gehalten wird, von denen Kenner behaupten, daß sie von einem heidnischen Altar herrühren. Wie angeblich italienische Räuber, ehe sie auf Raub mW- gehen, ein brünstiges Gebet zur Mutter Maria einporschicken, um sich ihre Hilfe bei ihrem Unternehnicu zu sichern, so ist es auch noch nicht allzulange her, daß in der Kirche zu Helgoland der Prediger von der Kanzel herab ein Gebet zum Himmel schickte, daß der Gemeinde doch das Wrack eines gestrandete» Schiffes als Beute gesandt»Verden möchte. Und wenn während des Gottesdienstes die Nachricht kam, daß der heulende Stur»» ein Schiff auf die Klippen der Insel gesczt hatte, so klappte wohl der Prediger seine Bibel zu, ergriff die lauge, bcil artige Picke, die für solche Fälle i» Bereitschaft stand, und schritt seiner Heerde voraus, sie zu ihren Booten führend. Es ivae nicht die Besorgnis um Menschenleben, welche diese Leute hinaus trieb, sondern die Gier nach Erwerb, das materielle Interesse, die Strandräuberei. Erachteten sie doch das, was das M'ee» an ihre Küsten warf, auf Gruud des sogenannten Strandrechtals ihr Eigentum. Seit Generationen hatte jeder männliche Bewohner der Insel sich an diesem Enverb beteiligt, der Braum Ivar gewissermaßen geheiligt durch sein Alter, und als endl'äi von außen her ein Druck auf die Beivohncr der Insel ausgeul» wurde, jenen Brauch abzuschaffen, da»vurde derselbe»vohl hei»» l icher geübt, als vorher, aber erhalten blieb er doch. Ta>»> niemand Kunde von dem Geschehenen bringen konnte, vcrschww» die Schiffsmannschaft,— das Meer deckte das Opfer und dm' Geheimnis; niemand kehrte zurück und berichtete, welcher das Willkommen war, das ihnen geboten wurde von diesen»» barmherzigen Felsenbewohner». Erst dem vorlezten Gouverneur der Insel ist es gelung� der Strandräuberei einen Tamm entgcgenzusczcn. Aber»» er mußte einsehen, daß Gcseze uralten im Bolle wurzelnde Bräuchen und Ansichten gegenüber ohnmächtig sind, und»»'». man heute nichts mehr von Strandräuberei vernimmt, so ist wohl»veniger den eingeführten Repressivmaßregcln, der F»™, vor Entdeckung, als vielmehr den durch die steigende K»chL veränderten Ansichten der Inselbewohner zuzuschreiben.®.| erwähnte Gouverneur hat eine Strandwächtertruppe, i1""! aus Bewohnern der Insel, zumteil aus Engländern bestehe'»' 369 errichtet. Kvmnit jczt Nachricht, das; ein Schiff gestrandet ist, aufsuchten, und nicht den Menschen, sondern der Ladung ihre Auf- sv eilt diese Schar mit ihren aus England eingeführten Rettungs- mcrksamkeit widmeten, bieten sie jezt zur Rettung Unglücklicher bauten den Unglücklichen, die die Mannschaft bilden, zur Hilfe.! ihre Kräfte auf und trozen der tosenden Brandung, dem heulen- »zährendI früher diese Leute nur zu ihrem Borteil das Wrack den Sturme und dem blendenden Hagel- und Schneegestöber� Pfahldorf. � manches Opfer ist bei dieser Rettungsarbeit schon von der Zusenden Flut verschlungen worden. Toten, welche an die Insel antreiben,— und wie Seeleute finden nicht hier ihr Grab— werden auf dem (Seite 3T5.) kleinen Kirchhof auf der Düne zur Ruhe gebettet. Jedes Grab ist mit einem kleinen schwarzen Kreuze versehen, auf dem der Name des gestrandeten Schiffes und das Datum des Unglück- tages, soweit dieselben zu bestimmen sind, verzeichnet werden. 370 Auch ein Raketeuappamt befindet sich mif der Insel, und schon oft ist derselbe mit Erfolg angewandt und durch ihn eine Verbindung zwischen Insel und Wrack herbeigesührt worden. Ein schmaler Meeresarm trennt die Düne von Helgoland. Beide Inseln sind nur dünn mit Erde bedeckt und schwerlich liegt dieselbe irgendwo höher, als 4 Fuß ans dem Felsen. Doch sind Weideplüze fiir Rindvieh und Schafe vorhanden und im Sommer wird eine ganz hübsche Ernte an Gerste und Hafer eingeheimst. Das hauptsächlichste Einkommen der Insel entquillt dem Fischfang, dessen Ertrag nach Hamburg, und von dort zum- teil sogar nach London verschickt wird. Außerdem wird noch eine große Austerbank ausgebeutet, die sich in der Nähe der Insel befindet. Mit außerordentlicher Kühnheit wagen sich die Helgoländer mit ihren kleinen Fahrzeugen auf's Meer hinaus, und schon lange, ehe noch Land zu bemerken ist, begegnen die dem Hafen zu- eilenden Seeschiffe den weißen Segeln der helgoländer Fischer, welche ihnen gleichsam die Botschaft bringen, daß die Reise bald zurückgelegt, die Gefahr bald überstanden sein wird. Seit etwa 50 Jahren dient Helgoland als Seebad, und be- sonders sind es deutsche Familien, die von Inn! bis September dort ihren Aufenthalt nehmen, und durch das schöne, ungenirte Leben im Freien ist es ein Lieblingsanfenthalt vieler geworden. Tie Badegäste werden durch Boote nach der Düne übergesezt, wo der Badeplaz für Herren ist. Tie Damen baden an der entgegengesezten Seite der Insel, doch werden die Pläze ge- ändert, da sie sich nach Wind, Flut und Ebbe richten. Eine Kapelle gibt des Tages über zwei Konzerte, und zur Unter- Haltung der Gäste ist ein kleines Teater errichtet, auf dessen Bühne eiiv'. ganz gut geschulte Truppe spielt, deren Repertoir meistens aus kleinen Lustspielen besteht. Pferde gibt es auf der Insel nicht, und dem Verfasser dieser Skizze sagte einmal eine alte Helgvländerin von 70 Jahren, daß sie es als das höchste Glück ihres Lebens betrachten würde, wenn sie nur einmal ein solches Tier, von dem sie so viel ge- hört habe, sehen würde.„Aber", fügte sie traurig hinzu,„das wird mir wohl nicht bescheert sein." Wer sich daher die Insel von allen Seiten betrachten will, muß, wenn er nicht vorzieht, ein Boot zu nehmen, seine Füße anstrengen. Ter schönste Spaziergang ist der Bestich des Nordendes der Insel, woselbst ein eigentümlich gebildeter Fels sich, abgesondert von der Insel, aus der blauen Flut erhebt. Die Klippen sind voller Höhlen und Grotten, die das Meer ausgewaschen hat. Zur Unter- Haltung der Badegäste werden dieselben jährlich zweimal durch bengalische Flammen beleuchtet, was bei stiller See, wenn der farbige Schein sich weithin im Wasser spiegelt, ein prachtvoller Anblick sein muß. Ein hohes Vergnügen ist solch ein Bad in dem hellen, klaren Wasser der Nordsee, und umgeben von einer Lust, wie sie würziger, frischer nicht gedacht werden kann. Wenn mau danach ein sogenanntes„Sonnenbad" nimmt, und sich auf dem kleinen Sandhügel, durch die überhängenden Felsen vor dem Winde geschüzt, zu„süßem Nichtstun" niederlegt, so überkommt jeden, der nur einen Funken poetischen Gefühls in sich hat, jene eigentümlich schwermütige Stimmung, die jede großartige Erscheinung im Menschen hervorruft; und wahrlich, wohl nichts kann großartiger sein, als dieses ewige, weite Meer, wenn es, nnbeeinslußt von Wind und Wetter, jenes gleichmäßige Heben nnd Senken seiner Fläche zeigt, welches man so schön das „Atmen des Meeres" genannt hat. Cder: wenn der Sturm es bis in seine Tiefen aufwühlt, der weiße Gischt am Felsen zerstiebt und das Brüllen der Brandung das Heulen des Sturmes übertönt.— Uebcrall auf der Insel bemerkt mau Spuren verunglückter Schiffe, deren Ueberreste aus dem Sande hervorragen, welcher zugleich das Grab manches Sohnes, manches Gatten ist, dessen Angehörige nie wieder von ihm gehört, und von dem es nur heißt: er ist„geblieben zur See." Tie im Sommer auf Helgoland anwesende» Gäste mögen sich auf 300— 400 Personen belaufen. Eine Spezialität der Insel bilden die Hüte, Muffe, Kragen und manche andere Artikel, die ans den Gefiedern der grauen Seemöve nnd an- derer hier zwischen den Klippen nistenden Seevögeln, an den langen und kalten Winterabenden von den Einwohnern verser- tigt werden. Geflügel ist auch der einzige Wildstand; dieses ist aber so reichlich vorhanden, daß es für Jagdliebhaber bc- sonders angenehm sein muß, hier ihrer Leidenschaft nachhängen zu können. Die Lumme brütet in ungeheurer Anzahl zwischen den romantischen Felsen der Westküste nnd im Herbste landet hier die Waldschnepfe, wenn sie ihre Reise nach Süden antritt. Doch nicht nur diese einheimischen Vögel werden hier gefunden. Auch Geflügel, welches fremden Zonen angehört, wurde hier geschossen, und die ornitologische Sammlnng, die der Sekretär des Gouverneurs der Insel angelegt hat, zeigt Exemplare von Vögeln, welche ihre Heimat in Afrika, am Himalaja, ja selbst in Australien haben, und die auf ihrer Wanderung hier ihr Ende fanden. Während des Winters werden die Felsen geradezu mit wildem Geflügel überschwemmt, und die Schwäne, Gänse nnd Enten, welche bis in das Frühjahr hinein buchstäblich die Klippen bedecken, machen zu dieser Zeit einen solch ohrzerreißenden Lärm, daß nichts denselben übertönt. Natürlich fallen große Schaaren den Bewohnern zum Opfer. Vor etwa 12— 15 Jahren machte Helgoland sehr viel von sich reden. Diese Insel war damals der Schrecken der See- Versicherungsgesellschaften geworden. Lag sie doch für jene Schiffseigentümer und Kapitäne so gelegen, welche ihre„Sarg- schiffe" verschwinden lassen wollten, und dann die hohe Ver- sicherungssumme einzustreichen. Die Schiffe, die einmal auf die Riffe Helgolands gerieten, waren verloren, und das Schiffsgut, was geborgen wurde, ging meistens auf für das sogenannte Bergegeld, dessen Höhe von der Vorsteherschaft der Insel, also gewissermaßen beteiligten Personen, bestimmt wurde. Mehrere Staaten erhoben damals Einspruch gegen die Höhe dieses Bergegeldes, was eine Aeudc- rung der betreffenden Bestimmungen zur Folge hatte. Ter Reisende, der es möglich machen kann, einen Ausflug nach der lieblichen Insel zu unternehmen, wird sich in allen Fällen, mag er nun gutes oder schlechtes Wetter finden, be- friedigt finden. In dem einen Falle wird ihm die ganze Majestät des ruhenden Meeres offenbar, während er im an- dem Fall den Sturm auf dem Meere und die ganze Groß- artigkeit einer erregten See niemals vergessen und sich stets mit Freuden erinnern wird seines Besuches von Helgoland. H. Schlüter. Das Neichsgefundheitsamt und die Wissenschaft der Zukunft. Von Bruno Geiser. (Schluß.) Den Embryo einer Organisation der wissenschaftlichen Ge- sammtarbcit nannte ich am Schluß des vorigen Artikels das Reich?gesnndheitsamt..—— v— z» nmyini,— ciiiuuu«uanvnen zm Ta-. Programm desselben, wie es in der Denkschrift vom Untersuchung der Nahrungs- und Genußmittel, der Gebrauchs- Februar 1878 niedergelegt ist. gipfelt in dem Hinweis, daß gegenstände, des Trink- und Nuzwassers und der Luftbeschaffen- zwei Nezc amtlicher Organisation über Teutschland gespannt werden müßten, um das Volk nach wissenschaftlicher Möglichkeit vor Gcsundheitsschädigung zu wahren,— einmal Stationen zur 371 I)cit in Schulen und allen vssentlichen Lokalen, zum andein vlesundheitsausschüsse, welche den Staats- und Gemeindebehörden mit 5Hnt und Tat bei der Pflege der öffentlichen Gesundheit an die Hand zn gehen haben würden. Die Untersnchnngsstationen sollen bestehen aus je einem Chemiker, einem Arzte und einem Tierärzte, die Gesundheit�- ansschüsse wiederum, abgesehen von dem den Vorffz führenden Berwaltungsbeamten, aus je einem Arzte, einem Chemiker, einem Tierarzte, einem Bauverständigcn und noch etlichen anderen Per- foiicn, über deren spezielle Stnalisikation dem Bedürfnisse die Entscheidung vorbehalten ist. Nehmen wir nun an, daff den umfassenden und schwierigen Zwecken, welche jene Ilntersnchungsstationen wie die Gesundheits- ansschüsse zn dienen hätten, genüge geschehen könnte, wenn ans jeden Kreis oder jeden entsprechen- den Kommnnalverband im deutschen Reiche je eine der genannten In- stitutionen errichtet wird,— was allerdings sehr zu bezweifeln ist, da auf jeden solchen Bezirk durchschnittlich weit über 50 000 Einwohner zu rechnen sind und sich dementsprechend eine ungeheure Fülle von Arbeiten ergeben werden für die par Menschen, aus denen Ikntersuchungsstationen und Gc- sundheitsausschüssc bestehen—, so würden immerhin in ganz Deutsch land beide Einrichtungen stimmt Kontrolstationcn und Unter- stüzungsabteilungen gegen 2000 Aerzte, 2000 Chemiker, gegen 2000 Tierärzte, nahe an 1000 Bauverständige u. s. w. umfassen, und diese 2000 Aerzte würden etwa 17 o,o aller Angehörigen des ärztlichen Standes in Deutschland, die Chemiker wahrscheinlich einen viel höheren Prozentsaz und die 2000 Tierärzte sogar ungefähr Sll'/sO'o ihrer gesammten Bcrnfs- genossenschast ausmachen. Dieses gelehrte Heer ist so groß, daß wir den mit aller mög- l'chen Sicherheit vorauszusezenden Umstand der völligen Unzuläng- Kchkeit des bei obiger Bercch- uung in Betracht gezogenen wissen- jS Die verunglückte Medizin.(Seite Sic;.) das Reichsgesundheitsamt doch wohl angesehen werden darf, treffen. Die Teologen— wenn mau sie, die Diener der Kirche, die Verfechter des Glaubens, höstichkeitshalber auch heute noch zn den Männern der Wissenschaft, diesen Erziehern und Hütern des vorurteilbefreiten Denkens, zälen will— die Teologen jeder der beiden wichtigern religiösen Konfessionen, sage ich, sind von dem Bande einer Organisation umschlungen, dessen eines Ende von den Händen der Reichsregierung festgehalten wird. Die Juristen sind staatlich organisirt und ihre wissenschaftliche wie politische Unabhängigkeit bewegt sich in äußerst engen Grenzen,— abgesehen davon, daß die Jurisprudenz in nicht viel höhrem Maße als die Teologie auf den Namen einer modernen, oder, deutlicher, einer wirklichen Wissen- schaff Anspruch besizt. Die dritte unsrer universitären Fakultäten, die philosophische, umschließt drei Hauptkategorien von Gelehrsam- keit, die Philologie, die Natur- Wissenschaft und die Anfänge der modernen StaatSwissenschaft. Von den Jüngern und Meistern dieser drei finden sich die Philologen in der unmittelbar oder mittelbar dem Einflüsse der Regierungen, in oberster Instanz durchweg der Reichsregierung, untergeordneten Organisation des höheren Unter- richtswesens beisammen und haben ebenso wie die Staatswissenschaft- ler im wesentlichen nirgend an- ders ihre Zukunft und ihr Heil zu suchen, als in einem Abhängig- keitsverhältnisse zu staatlichen Be- Hörden. Die Angehörigen der natur- wissenschaftlichen Abteilung der in scholastischer Zopfigkeit noch immer für ein zusammengehöriges Ganze ausgegebenen philosophischen Fa- kultät sind es allein, die sich auf die Freiheit ihrer Wissenschaft und die Unabhängigkeit ihrer Personen noch im Ernste etwas zugute tun könnten. Sie teilen diesen Vorzug mit dem größten Teile der zur vierten und lezten der Universttätsfakul- täten gehörigen Gelehrten, die, -------%j' J~~~ ij''/' �flftlicheii'P�rffiid� feer'�Uiitniiichuiigsftntiiiiien und Gesund-, wenn Vernunft und Wissenschaft allein in den Universitätsein öffentlichen Gesundheitspflege in diese den Schwerpunkt der be- jüglichen wissenschaftlichen Tätigkeit-legen müßte. Selbst den 17 Prozent aller Aerzte in Deutschland, welche vwit unter den großen Reichshut gebracht werden würden, würde die Geschlossenheit der Organisation, das zielsichere, ein- 'Kitliche Streben, die weitentwickelte Arbeitsteilung und Arbeits- »nterstüzung, welche durch die Organisation hergestellt und ge- vstegt werden müßte, ganz unzweifelhaft das Uebergewicht über v'e außerhalb der Reichsorganisation stehenden, vereinzelten Fach- genossen gewähren, zumal das Programm des Reichsgesundhcits- »mtes. wie ich es im ersten meiner Artikel wiedergegeben habe, jfit schon ausgesprochener oder unausgesprochener Maßen ziem- «ch alles umfaßt, wonach die medizinische Wissenschaft sammt Gc- Ichwistern und sonstiger Sippe bis zu der entfernten Verwandt- '?ast der Staatswissenschaftcn in allen ihren Haupt- und Grund �gcn heute streben können und sollen._ Und nun erwäge mau, welchen Teil der Wissenschast die Wslisationßpläne der Reichsregierung, als deren Mundstück Unverstand historischer Ucberlieferung den Vorrang lassen müßten, mit ihnen in eine und dieselbe wissenschaftliche Abteilung ge- hörte— mit den Medizinern. Naturwissenschafter und Aerzte bilden die in jeder Beziehung unabhängigste aller Kategorien von Gelehrten, und-- grade die Aerzte und Naturwissenschafter sind es, über die das Reichs- gesundheitsamt das Nez staatlicher Organisation werfen will. Man wende mir nicht ein, daß es sich ja bei der vor- liegenden Frage zwar um die Aerzte im allgemeinen, bei weitem aber nicht um alle Naturwissenschafter handelt, sondern eben nur um die Chemiker, welche doch nur einen verhältnismäßig bescheidenen Teil von jenen bilden. Diese Beschränkung kann nämlich ganz offenbar nur eine vorläufige sein, denn fast aus allen naturwissenschaftlichen Spezial- fächern werden sich die Untersuchungsstationen und die Gesund- hcitsausschüsse Succurs holen müssen. Die Meteorologen sowohl, als die Mineralogen, Botaniker und Zoologen, die Physiker nicht weniger als die Psycho-Physiker, selbst die Geologen und Astronomen werden zu Rat und Beistand bei den sich sofort als notwendig und unerläßlich herausstellenden Arbeiten heran- gezogen werden müssen. Und nun mache man sich einen schwachen Begriff von dem ungeheuren Zuwachs an Umfang und Niacht, welchen die Organi- sationen zur Pflege der öffentlichen Gesundheit gewinnen inüßten, und denke sich dazu einen auch diese wissenschaftlichen Organisa- tivncn leitenden Staatsmann,— er mag so klug sein, als er will — sc klüger, desto eiserner wird er vermutlich sein,—— ist da auch nur im entferntesten daran zu denken, das; die Wissen- schaff sich auf diejenige Hohe hinausschwingen oder sich darauf erhalten könnte, auf der sie stehen soll zum Heile der Mensch- heit— die nichts erhabeneres bcsizt, als die Wissenschaft und ihre Zwillingsschwester die Kunst--, auf der sonnigen Höhe absoluter Freiheit von allem, tvas außer ihr selbst ist!?? Nein— so nötig die Wissenschaft die Organisation braucht, eine alle ihre Meister und Jünger umspannende und einende Organisation, damit sie, wie es ihrer würdig ist, rasch und nach den am meisten Erkenntnis und Segen bringenden Zielen fort schreiten könne,— so sicher ist, daß diese Organisation ihren Boden und ihre Bande, ihre Orgauisirten und ihre Organisatoren, ihre Mitarbeiter und Leiter nur in den Reihen der Männer der Wissenschaft selbst finden darf. Die Regierung rege zu solcher Einigung und einheitlichen Arbeit nach Kräften an, sie räume ihr alle politischen und wirt schaftlichen Hindernisse auS dem Wege,— soweit es in ihrer Macht steht,— sie hole sich bei ihr möglichst oft Auskunft und Rat, sie suche die Gesezgebung mit den Resultaten der Wissenschast in Einklang zu bringen,— aber sie überlasse die Berufung der Mitglieder der Untersuchnugsstationcn und Gesundheitsausschüsse der freien Wahl der beteiligten Berufskreise, sie verzichte auf den Vorsiz in den Gesundheitsausschüsscn für ihre, ihr bc Eines schonen Tages fand sich Frau von G...... bei Adriennens Mutter ein und hielt ohne alle weiteren Borberei- tnngcn für ihren Sohn uni die Hand der Tochter an. Frau von V..... wies die Besucherin in reservirtcr Freundlichkeit direkt an Adrienne. Diese lehnte kurz und entschieden ab. „Als ich zum erstenmale in Ihr Hans trat, brachte ich Ihrer ganzen Familie die wärmste Sympatie entgegen, insbesondere auch Jhrenr Herrn Sohne, der mir stets in wirklich liebcns- würdiger Weise entgegentrat. Aber nur zu bald begann meine Zuneigung zu schwinden, als ich wahrnahm, daß man mit mir ein Spiel trieb, durch das ich mich beleidigt und gedemütigt fühlen mußte——" Frau v. G. machte eine Bewegung, als wollte sie Adrienne einzuhalten nötigen. Aber Adrienne wollte ihr Herz ausschütten und ihrem Zorne über das, was sie als Schmach empfand, freien Lauf lassen. Deshalb fuhr sie fort: „Ich war Ihnen nur lieb und wert als die Erbin von Reichtümern,— das ließen Sic mir nur zu deutlich fühlen und das war es, was mir unerträglich werden mußte. Auch war es mir, als wenn Sic wähnten, über mich irgend eine geheim- iiisvolle Macht zn besizcn, als seien sie der Uebcrzeugung, daß Sic mich im lezten Falle zwingen könnten, zu tun, wie Ihnen beliebt. Das entfremdete mich Ihnen und Ihrem Sohn vollends und darum kann und werde ich niemals ihm nahetreten--" Frau von G....... die gewandte, nie um Worte und Mittel verlegene Frau, stand ratlos diesen offenherzigen Erklärungen gegenüber, sie biß sich schweigend auf die Lippen. Sic wollte sich erheben, um wortlos zu gehen.— „Bleiben Sie noch," sagte Adrienne,„vielleicht finden wir grciflicher Weise sehr am Herzen liegenden Vorsteher der Poli- zeiverwaltuug und beweise die echter Wissenschaft gebührende Achtung dadurch, daß sie das Reichsgesnndheitsamt nicht zu einem Anhängsel der obersten Reichsbchörde mache, sondern ihr bereitwillig den Rang einer völlig autonomen Körperschaft gewähre, welche sich weder um Kanzler noch Reich, sondern allein um die Wissenschaft zu kümmern braucht. Der Verfasser weiß sehr wohl, daß die Zahl der ordcns- und auszcichnungslustigen Gelehrten noch immer ungemein groß ist,— er weiß, daß es viele Männer der Wissenschaft gibt, welche sich in abhängigen Stellungen außerordentlich behaglich fühlen und mit ihrer Abhängigkeit prunken und prahlen, wie es z. B. der weltberühmte berliner Naturwisienschaster Dubois-Rey- mond tat, als er sich stolz zur geistigen Leibgarde seines Herrscherhauses zählte— derselbe, dem der deutsche Kaiser einmal nach einer an Begeisterung Außerordentliches leistenden Anrede gesagt haben soll: Dubois noch ein Wort mehr und ich wäre hinausgegangen!— er weiß also auch, daß sich übergenug Aerzte, Chemiker u. s. w. finden würden, welche in die staatliche Or- ganisation des öffentlichen Gesundheitswesens eintreten würden ohne langes Besinnen und die meisten sogar ohne das Bewußt- sein, daß sie damit der Wiffcnschast irgend etwas vergeben, aber er ist auch der Ueberzeugnng, daß der weitaus größte Teil aller Gelehrten, gleichwie ein beträchtlicher Bruchteil des ge- sammten Volkes bei reiflicher Ucbcrlcgung erkennen und vielleicht auch zugeben tvird, daß die der Wissenschaft der Gesnndheits- pflege nötige Riesenorganisation,— ans der zum guten Teil die Zukunft der Wissenschaft überhaupt erwachsen kann,— besser, würdiger und gedeihlicher in voller— ich möchte sagen— olym pischcr Freiheit von aller RcgicrungSbccinslussung sich gestalten müßte. (Schluß.) einen Ansgleichungspunkt.—„Bedürfen Sic der Hülfe, so bin ich bereit dazu, sie zn gewähren; ich habe augenblicklich ein Kapital von 10 000 Talern zur Verfügung——" Jezt erhob sich Frau von G...... in höchster Entrüstung- „Pfui!" unterbrach sie Adrienne,„so niedrig von seine» Bekannten zu denken und ohne allen Grund, dies dachte ich, wäre bei Ihnen unmöglich! Genug der beleidigenden Worte. 3�) kenne Sic fortan nicht mehr, aber ich sage Ihnen, Sie werde« Sich dereinst der schnöden Abweisung erinnern, die Sic wagte», mir und meinem Sohne zuteil werden zu lassen." Ohne Abschied zu nehmen eilte sie hinaus. „10 000 Taler," murmelte sie, als ihr kleiner Fuß da» Trittbrett ihrer Equipage berührte,„warum nannte sie nicht da- Fünffache— und es wäre gut gegangen.— Aber nein! icJ: ist's vorbei!— Rache, Rache das sei mein einziger Gedanke Bald soll es aus sein mit dcincni Stolze, Adrienne, ans immer.—" Einige Zeit nach dieser Unterredung tauchte in den Sale»' ein Fremder auf, der binnen kurzem die Augen der gwG" Damenwelt auf sich zog; es war ein gewandter, sein gebildeter- dazu schöner und reicher Mann aus gräflichem Geschlecht, der um die Welt kennen zu lernen, seine ungarischen Besiziw?� verlassen hatte und eine Reise durch alle größeren Städte Europa- zu vollenden im Begriffe war.—' Adrienne lernte ihn bald kennen— beide fühlten Zuncig»� zu einander.— Das war der Mann, wie ihn Adrienne b'j gedacht und erträumt;— was sie auch nur mit ihm H'rW. mochte, er war nicht nur imstande auf das angeschlagene �r» einzugehen, er erweiterte auch Adricnncns Blick für die 2» Der(Eltern Sünde. Eine Skizze nach dem Leben von M.. B... 373 durch Erörterungen, die sein reicher Geist stets interessant zn machen vermochte. Er war der Mann, der sie aufnehmen und aufleben lassen konnte in dem Bereich seines Geistes, der einen strengen und stolzen Karakter hatte, so daß sie an ihm eine Stiize finden konnte in allen Wendungen des Lebens. Er war schön, jung, reich, von edler Geburt gleich ihr— und wie die Harmonie des äußeren war, so war auch die innere, die ihrer Seelen.— Ter Graf von A...... hatte nur ein Vorurteil,— eine Schwäche, wie sie bei seinen Standesgenossen häufig und erklär- lich ist,— er glaubte sich hocherhaben über alles, was nicht vor- nehmer Geburt war. Ihm erschienen alle iliichtadligcn wie die Angehörigen einer niedrigeren, weit in Geist und Gesittung zu- rückgebliebenen Menschenrace,— zu dieser Ueberzeugung hatte man ihn von frühester Jugend an erzogen,— seine Eltern und Lehrer hatten ihn mit ängstlicher Sorgfalt von jeder intimeren Berührung mit den niederen, minder von Glück begünstigten Leuten ferngehalten, ans den Universitäten und in der Armee hatte er ausschließlich mit Standesgenossen verkehrt,— so war cs ihm nicht möglich geworden, fiir das Leben und Treiben, das Denken und Fühlen des Volkes auch nur eine Spur von Verständnis zu gewinnen. Dazu kam, daß eine sogenannte Mesalliance, eine Mißheirat, die sein Bruder mit einem bürger- lichen Mädchen geschlossen, von den übelsten Folgen gewesen war, indem dieses in kurzer Zeit den reichen Gemahl durch Leichtsinn und Untreue an den Bettelstab gebracht und zum Selbstmorde getrieben hatte.— Er war der einzige Bruder des Grafen gewesen und er hatte ihn über alles geliebt.— Seit jener Zeit haßte der Graf das gesammte bürgerliche„Pack". Für ihn war eine Mesalliance nunmehr ungeheuerlich und undenkbar, und daß Adrienne von altem Adel war, erschien ihm nicht als der kleinste ihrer Vorzüge. So entschloß er sich denn, um ihre Hand anzuhalten, und Adrienne v. V. fühlte sich beseligt, die Seine zu werden. Die Familie von G...... war über die Verlobungsanzeige, ob- schon sie vorauszusehen gewesen, betroffen und erbittert.— Sie hatte sich während der leztcn Zeit mit aller Kraft der Ver- zweisluug gegen den Ruin gewehrt, jczt war ihm nicht mehr auszuweichen.— Da gellte es grimmiger als je vorher„Rache, Rache" in den Ohren der„gnädigen Frau"; hatte doch Adrienne sie retten können und es nicht gewollt—— ——— Es waren wenig Tage nach Adriennens Ver- lvbung, als Herr von A...... einen Brief mit unbekannter Handschrift erhielt. Er öffnete und las: „Hochgeborner Herr Graf! Es tut meinem Herzen weh, Ihnen über Ihre Braut un- nebsame Ausschlüsse geben zu müssen, aber ich weiß, daß Sie hicl zu sehr Edelmann sind, um nicht lieber die Wahrheit voll und ganz wissen zu wollen, als in alle Zukunft getäuscht zu sein:— Adrienne von V..... ist mütterlicherseits von sehr zweifelhafter Abkunft;— ihr Vater, ein Offizier, lernte eines Abends, »der vielmehr eines Nachts in einer jener undefinirbaren Lokali täten Berlins, wo schandbarer Lust gefröhnt wird, ein junges. schönes Mädchen kennen, das ihn durch ein wenig erheuchelte Bescheidenheit sehr zu fesseln wußte.— Er faßte den Gedanke», die Arme aus dem verderblichen Kreise zn ziehen und lud sie ä« diesem Zwecke ein, ihn zu besuchen.— Erlassen Sie mir alles Rähere, kurz und gut: dieses Mädchen wurde die Mutter ihrer Braut, allerdings nachdem Herr von V..... sie geheiratet hatte. Sie war die Tochter eines Schusters aus der Residenz, der sich seiner hübschen Töchter, sobald sie er- wachsen waren, dadurch entledigte, daß er sie an die erwähnten Häuser gleichsam verkuppelte.— Ungefähr drei Monate nach ihrer Heirat sag Herr von V..... mit meinem Gemahle in der Weinstube, sie hatten sich über ein Kartenspiel erhizt, cs kam zum Wortwechsel— mein Gemahl mochte etwas erregt sein, er spielte etwas unsanft auf die Frau des Herrn von B...,. an, nannte cs unfein, daß er als entlassener Offizier— denn er wäre vom Regiment entfernt worden, wenn er nicht vorge- zogen, selbst seinen Abschied noch vor der Hochzeit zu nehmen — noch den Mut habe, seine Kameraden aufzusuchen— Herr von V..... forderte meinen Gemahl; und der Vater Ihrer Braut fiel ini Duell.— Das sind die Familicnnotizen der gräflichen Braut.— Da die Duellaffaire von den Sekundanten sowohl, als von den Duellanten nur dem einfachen Ausgange nach bekannt gemacht werden durfte, wozu sie eidlich verpflichtet wurden, und als einzige Anwesende in der Weinstube nur allein von den Motiven etwas wußten, so ist die Sache geheim ge- blieben;— und um die Beteiligten nicht zu kompromittiren, bitte ich Sie, dem ich cs nur aus reinem Interesse für seine eigene Person mitgeteilt, für immer darüber zu schweigen.— Bezüglich der Eröffnungen betreffs der Vergangenheit von Adri- ennens Mutter ist jedoch Verschwiegenheit zn gebieten ohne Zweck, da das Geheimnis in allen Kreisen durch mich bekannt gemacht worden, die da ist Ihre warnende Freundin v. G... Graf von A...... war wie betäubt, als er den Brief gelesen— sofort, nachdem er sich erholt, eilte er zu der Mutter seiner Braut, um ihr offene Mitteilung von dem Briefe zu machen,— und im Falle, daß cs keine Lüge war, was ihm geoffenbart wurde— für immer Adrienne zu verlassen.— Frau von V..... konnte den Brief nicht zu Ende lesen, — denn als sie las, daß sie wirklich die Urheberin des Todes ihres Gatten war, stürzten Tränen hervor aus ihren Augen und wankend verließ sie das Gemach. Ter Graf eilte nach seinem Hotel zurück, ratlos, ob er mit Adrienne reden solle oder nicht.— Aber wozu?— Was hatte er mit ihr zu tun, er hatte keine Braut mehr. Am Abend empfing er von Adrienne einen langen Brief, in welchem sie ihm mitteilte, daß die Eröffnungen über ihre Mutter wahr seien, und daß sie ihm, lvenn er sie dennoch über alles liebe, was sie nicht verlangen könne und wolle, hiermit für e>vig lebewohl sage. Der Graf dankte in kalten Worten für ihre Offenheit und envidcrte das Lebewohl— er hätte sie geliebt, und sie möge suchen ihn zu vergessen. Am folgenden Tage war der Graf, ohne Vvn jemand Ab- schied zu nehmen, Vcischlvundcn.— Adrienne verließ mit ihrer Mutter die Stadt— und trauerte in der Einsamkeit eines an der Ostsee gelegenen Gutes um ihr entschwundenes Lebensglück; zwei Jahre nachdem sie verlassen worden, erlag sie einem schweren Nervenleiden. Ihre Mutter folgte ihr bald.— Frau von G...... gelang cs, ihrem Sohne eine andere reiche Partie zu verschaffen und ihr Raffinement, sowie die Routine ihres Gemahls vermochten es, sich nach wie vor noch auf der Höhe ihrer gesellschaftlichen Stellung zu behaupten;— ans der sie noch lange herrlich und in Freuden lebten. Im Kampf wider alle. Roman von Kerdinand Stiller.(28. Fortseznng.) . Als Franz Stern fort mar, ließ sich David, ivie vorher, in und Scelenschmerzcn zu empfinden.— nicht blvs Widerwillen leinen Lehnses cl�uiedcr und brannte sich eine Cigarrette an. und Ekel,— darum vermag er auch noch um sein Glück, um eine -.Glücklicher Mensch— dieser Stein! Wie ihn das Ver- Zukunft zu kämpfen—— Zukunft!! Bah— ich habe Ichwinden seiner Braut gepackt hat! Er vermag noch Unglück, auch eine— und eine viel bessere— die beste sogar,— so wahr ein Schopenhauer gelebt hat, schade nur, daß er eines sogenannten natürlichen Todes— Lnngenschlag— wie ordinär! — gestorben ist." Er stieß mächtige Dampstvolken von sich und fuhr dann fort: „Aber ist nicht die blaue Bohne auch ein ordinäres Mittel, durch die Ausgangspforte des, Leben genannten, stiicfwciscn Sterbens zur Nirvana einzugehen? Und wie ordinär? Ter Banquicr, der die ihm anvertrauten Gelder verschuldet hat, rafft sich zur einzigen vernünftigen und anständigen Handlung auf, deren solch' ein Uerl fähig ist, und vollzieht an sich das Urteil: Tod durch Erschießen. Ter Lieutenant, dem die Schulden bergehoch über die uufruchtbarc Tiefebene seiner Schädclbedachung emporge- wachsen sind, der hoffnungsvolle Gefreite, welcher in seinem Stolze auf die blanken Knöpfe seiner Uniform durch die feierliche Versichrung seines Kompagniechefs, daß er ein unverbesserlicher Schmicrpetcr sei, bis zum Verzweifeln gekränkt worden ist,— sie und all' das übrige Gesindel der am Gcldc, am Verstände und am Karakter Bankerotten greift zu dem Universalheilmittel für alle Schmerzen— zur Kugel oder ihren in Gift, Strick u. f. w. bestehenden, noch weniger fashionablcn Surrogaten. Jämmerlich — daß unsereiner auch da, wo er am guten Ende des elende» Lebens angekommen ist, solcher Sippe nicht entrinnen kann,— unsereiner, der nicht deshalb der Welt den Rücken kehrt, weil er kein Geld hat, sondern weil er zu viel hat, nicht weil sein Verstand und sein bischen Karakter beim Teufel ist, sondern grade weil er an Verltand und Karakter über die ihn umwim- melndcn zweibeinigen Kriechtiere emporragt, wie der Chim- borasso über den Kreuzberg. Aber was ist da zu tun? Nichts weiter, als daß man sein seliges Ende etwas dramatischer und pikanter gestaltet, als es gemeinhin zu geschehen pflegt. Aberwie?" Er machte eine Pause, warf das Mundstück der verrauchten Cigarrette mitten ins Zinimer, zündete sich eine frische an und Hub von neuem langsam und halblaut vor sich hinredend an: „Der Gedanke an Elfriede will mir seit den leztcn Tagen nicht aus dem Kopf,— wenn ich ihr eine lezte, größte Ehre enviese——? Aber was wird dann aus Frank, dessen Bc- glcitung im Grunde auch nicht übel wäre? Eine Lektion, eine derbe Lektion hat er sich redlich durch die gewalttätige Ein- Mischung in die Angelegenheiten Steins verdient,— aber wäre das eine Lektion?" Er sprang auf und warf die kaum angebrannte Cigarrette weit von sich, um einigemale rasch im Zimmer auf und ab zu schreiten. „Nun— wollen ja sehen! Vorerst an die Arbeit! Endlich einmal wieder etwas zu tun und— insoweit ich dem Stein den tollen Frank vom Leibe halte, solange jener nach seiner Ge- liebten sucht und um sie kämpft.— auch etwas nüzliches zu tun. Tas ist ein würdiger Abschluß der Komödie, und es ist ganz in der Ordnung, wenn der Vorhang endlich fällt." Er begab sich in sein Anllcidezimmer und machte sich binnen kurzem zum Ausgehen fertig. Gleichzeitig hatte er sein Eab anspannen lassen und nun fuhr er, mit eigner Hand kutschirend. einen sehr jugendlichen Tiener hinter sich in sausendem Trabe durch die Straßen der Stadt nach einer großen Restauration weit draußen in einer der Vor- ftädte, das wegen seines mehrere tausend Personen fassenden, mit prächtigen Baumpartien geschmückten Gartens im Sommer ein vielbeliebter Aufenthaltsort für die Bewohner der Haupt- stadt war und in seinen großen Salräunllichkeiten von früh bis spät jii die Nacht zalreich besucht war. X-Hiie die windschnelle Gangart seines edlen Pferdes im geringsten zu mäßigen, fuhr Tavid an deni stattlichen Portale de!.' Restaurants vor, hielt es dann mit einzigem kraftvollen Ruck au dem Zügel an und sprang von seinem hohen Size so verwegen und gewandt zu Boden, als wäre er selbst ein Kunstreiter und Equilibrist. Mehrere Studenten, die eben im Begriffe waren, in das Lokal einzutreten, wandten sich neugierig und ein wenig erstaunt nach ihm und und seinem Gefährt um. „Ah der!" flüsterte der eine und der andre, während er mitten durch sie hinschritt, ohne ihnen die mindeste Beachtung zu schenken. Ter eine der Studenten fügte hinzu, als Tavid sich außer Hörweite befand: „Wie ein Modell für einen Mephisto ist mir dieser Mensch immer vorgekommen. Die scharfen Züge des Gesichts mit den dunklen, fast unheimlich starren und stechenden Augen, diese dünnen Lippen mit dem unverschämten, stereotypen Lächeln darum, während auf dem ganzen übrigen Gesichte abstoßende, menschen- feindliche Kälte lagert, diese mitunter zutage tretende tigerartige Gewandtheit der Bewegungen bei der gesuchten Ruhe, oder besser, der übertriebenen Pomadigkeit des gewöhnlichen äußeren Verhaltens,— alles ganz so, wie ich es mir nur bei einem Stück Gottseibeiuns in Menschengestalt denken kann!" „Na— na, Schleiermachcr," erwiderte einer der andern Studenten,„das heißt dem da doch gar zuviel Ehre antun. Ein Gemisch von Plutokrat und Aristokrat, oder noch treffender von Börsenjude und Gardclieutenant— weiter nichts, ein ganz unschädliches Individuum, den man blos nicht anzusehen braucht, wenn man sich nicht ärgern und in seinem allgemeinen Bier- behagen gestört sehen will." „Ob du das Zeug zu einem berühmten Menschenkenner und Psychologen hast, biedres Faß, möchte ich mir zu bczioeifcln er- lauben," antwortete der erste Sprecher.„Ich will dir nur wünschen, daß du mit dem nie etwas Ernstliches zu tun hast, damit dein allgemeines Bierbchagcn nicht empfindlich gestört werde." Indessen waren die Studenten in den größten der Nestau- rationssälc eingetreten und gingen nach der Ecke, wo mehrere im rechten Winkel aufgestellte Tische ihren Stanimsiz für den Frühschoppen bildeten. „Lächerlich!" brummte das Faß.„Dem Kerl wollt' ich lehren, was ein bemooster Bursche, wie ich, für eine Klinge schlägt— So'n Hasenfuß von Teologc freilich——" Der Kellner brachte eben eine ganze Menge gefüllter Bier- gläser geschleppt, von denen Faß mit möglichster Beschleunigung eines anncktirte, um es sofort bis aus den leztcn Tropfen zu leeren. Willibald David hatte bereits Plaz genommen— nicht weit von dem Stammtische der Studenten, die er durch sein gold- gefaßtes Piucenez der Reihe nach musterte. „Von dem Frank keine Spur," brummte er gähnend vor sich hin.„Es wäre verteufelt, wenn ich ihn nicht gleich hier er- wischte. Kellner!" Ter Kellner, welcher der Sitte des Lokals folgend, ohne zu fragen ein Glas Bier vor Tavid niedergestellt hatte und sich bereits wieder entfernte, kehrte zurück: „Der Herr befehlen?" „Kennen Sie den Studenten von Frank?" Ter Kellner sah Tavid verwundert an: „Ten Herrn Baron von Frank, der Erste von den Suevcn— ich habe die Ehre." „Kommt Frank täglich zum Frühschoppen?" „Ter Herr Baron sind allerdings fast jeden Tag bei uns, aber oft nur auf einen Schoppen— er tut, was er will, während die andern Sueven den Frühschoppen nicht schwänzen dürfen und auch nicht einzeln weggehen sollen. Doch da. sehen Sie, mein Herr, dort kommt der Herr Baron von Frank schon— das ist ein patenter Student— der nobelste auf der ganzen Universität und sehen Sie nur den herrlichen Leonberger, den er sich vor kurzer Zeit angeschafft hat— ein Prachthund, wie ich in meinem ganzen Leben noch keinen Hund gesehen habe—" „Gut,— gehen Sic," sagte Tavid so kalt und verächtlich, daß der Kellner rot wurde vor Aerger über diese Art, die Unterhaltung zu beendigen, und leise vor sich hin räsonnircnd von dannen ging. Frank, der raschen, elastischen Schrittes daher kam, wurde von seinen Bundesbrüdern lebhaft begrüßt. „n" Morgen Thor! s' ist famos, daß du heut so zeitig kommst — du hältst hoffentlich auch wieder'mal'n ganzen Frühschoppo" über bei uns aus!" rief der eine. „Soßt ihn mir, den Liebling der Ffvtuna und der Venus!" rief der andere.„Ter hat bessres zu tun, als mit uns Früh- schoppen zu zeche». Tenkt euch, als ich gestern Vormittag zu ihm ging, kam mir ein bildhübsches, reizend unternehmend aus- sehendes Mädchen auf der Treppe entgegen, das ihm wie ich eine Mvrgenvisite machen wollte und schon zum zwcitenmale, wie mir seine in gewisser Beziehung riesig tolerante Wirtin sagte, vergeblich zuhause gesucht hätte. „Thor, ich komm dir n Ganzen aufs Spezielle," rief Faß dazwischen.„Alles, was du liebst, soll leben." „Alles, was ich liebe!" sagte der Angeredete achselzuckend Zum ßapitkl Weltsprache schreibt der berühmte Sprachforscher Max Müller in Rodenbergs „Deutscher Rundschau" folgendes ganz besonders Beherzigenswerte i Was will die Sprache? Sie will gar vieles, und vieles hat sie vollbracht. Ja alles, was wir sind und was wir haben, nennt es, wie ihr wollt: Denken, Wisse», Schaffen, ohne die Sprache wäre es nicht. Was wollte aber die Sprache vor allem, als sie hervorbrach i» Tönen und die Worte auf Flügeln des Gesanges herausflogen in die weite Welt. Sic wollte die fremden Menschen rufen wie der Vogel den Vogel ruft, sie wollte die dunkeln Nebel zerstreuen, welche den Nächsten vor den Blicken des Nächsten verhüllen, sie wollte die alten Freunde wieder versammeln aus Weit und Fem. Millionen wollte sie umschlingen und das erste Wort tvar der erste Grust, der erste Kilh der ganzen Welt. Aber was die Sprache gewollt, das haben die Sprachen zerstört. Die Sprachen vereinigen die Menschen nicht, sie trennen sie, mächtiger als Meere und Berge. Die Vögel im Walde verstehen noch immer ihren alte» Ruf;— die Menschen verstehen sich nicht mehr. Wie ein Vogel im»Ksig, so ist der Meuschcngeist in seiner eigenen Sprache ge- saugen. Er strebt hinaus in die frische, freie Lust, aber die eisemen «täbe der Sprache treiben ihn zurück, bis er endlich den alteil Traum der Menschheit vergißt, und die Menschen, die in anderen Uäfigcn leben, Schiväzer(Mlt-kkha), Stumme(Njemtz), wenn nicht Barbaren nennt. Da gibt es nun sehr weise Leute, die sagen uns, es müßte so sein, es konnte gar nicht anders sein. Es war keine Strafe, sagen sie, daß •die Sprachen verrückt wurden, so daß keiner des andern Sprache ver- uahni": es war ein Segen, daß die Menschheit sich trennte, denn nur >v konnte in vielen kleinen Kreisen der ganze Reichtum der Menschen- natur�vcrwirklicht werden. Schön! schön! Es gibt eine Weisheit, die meint, daß alles, ivas wirklich ist, vernünftig ist. Es gibt aber auch eine andere Weisheit, die dafür sorgt, daß etwas wenigstens von dem, was vernünftig ist, wirklich werde. Die etwa tausend Sprachen der Menschheit sind die reine Unvcr» '""'st, denn was sich selbst widerspricht, ist und bleibt troz aller Philo- wphie unvernünftig, und daß eine Brücke ein Graben sei, das wider- 'bricht sich selbst.' Run ist aber das Reich der Unvernunft gar groß und mächtig und läßt l'ch nicht auf einmal über den Hausen Wersen. Auch sind seine Minister •Wr kluge Leute. Niemand spricht so vernünftig als diese Priester der heiligen Unvernunft. Wollen sie etwas recht Schlechtes verteidigen, so i'ehen sie in Mönchskutten einher. Wenn sie etwas recht Dummes ■i" lagen haben, legen sie den akademischen Talar an. Gibt es ctivaS wahrhaft Gcmcinnuziges zu hintertreiben, so sehen sie die phrhgische ""uze auf, oder schmücken sich mit vaterländischen Farben und Fahnen. So haben sie unter der Maske des Patriotismus die Völker bc- dag es nicht» Unantastbareres, nichts Heiligeres gebe, als ihre wcuttersprache und daß ei» Volk aufhöre ein Volk zu lein, wenn cS wine Sprache ausgibt. Tie Walliser sollten nur immer wallisisch, die Ballonen wallonisch sprechen und schreiben, sonst begingen sie Hoch- «errat an sich und au ihren Vätern. Iezt gibt es kaum eine Sprache, '»um ein Volk, klein oder groß, daS nicht zu dieser Lehre bekehrt wäre. q Japan allein macht eine Ausnahme und beschämt die ganze Welt. s,!-' dieses Volk von gegen 35 Millionen, mit einer Zivilisation und '-"eratur älter als die meisten Europas, aus seinem Schlummer er- wachte und eine Welt um sich sah, in der es fremd und unverstanden ftUand, fühlte es, daß es mit seiner Sprache, wie mit einer Kugel am etUge, nie in den Wettlauf der Menschheit eintreten könne. Und die vahren Patrioten des Landes, denen das Wohl der Nachwelt mehr j," Herzen lag, als die Bequemlichkeit ihrer Mitwelt, beschlossen, daß in Schulen des Landes Englisch gelehrt werde, damit das heran- ""chtende Geschlecht in geistigen Verkehr treten könne mit dem Volke T"1 England und Amerika, ja mit den Pflanzstätten der ganzen Welt. j-0ll ojj Muttersprache deshalb ausgerottet werden? Nein, sie loll '«den und wird bleiben für lange Zeiten, als die heimliche und ver- '«Wiche des Hauses und des HcrdeS, der Liebe und deS Leides, so wie Luthers und Goethes ebenso kräftig zu schwingen wipen, wie AWaben und Baicm. und kühl.„Tas wäre nicht übermäßig viel— wenigstens der Zal nach. Und was den bildhübschen Besuch anlangt, so will ich ihn der Couleur schenken, wenn ihr wollt; ich brauch' ihn nicht, ich>var der Kleinen nur ei» halbes Tnzcnd Flaschen Champagner schuldig für einen Tienst, mit dem weder Venns noch Fortuna etwas zu schaffe» haben, viel eher Ens, die Göttin des Streites—" • Cr spricht in Rätseln, wie so oft," ineintc Schleiermacher, „laßt ihn nur. Seine Wege sind nicht nnsre Wege und seine Gedankeil sind nicht nnsre Gedanken——" David hatte kein Wort von alledem verloren. _ iFortsezung folgt.) H'oetisclie Aetzrentese. Es klopft des Frühlings— Es klopft des Frühlings grüne Hand Au Herzen jezl»ud Türen, Und wer dies Klopfen recht verstand, Läßt gerne sich verführen. Ter Schnee zerfließt im tiefen Tal Bor seines Ldcnis Wunder; Wcr'S redlich meint, folgt mir zumal Zur Laube von Holluudcr. Ten vollen Becher an den Mund, Bei heitern Frühlingsstimmen Seh' ich in seinem goldncn Grund Des Liebchens Bildnis schwimmen. Wenn Sorge mir das Herz zerreißt, Heut ivird sie flugs vertrieben, So sühl' ich erst, was Leben heißt, Was Frömmigkeit und Lieben. De»t Winke der Pedanten taub Schwelg' ich in Lenzesgaben, Und will mich statt im Büchcrstaub Im Blütenstaub begraben. Adolf Böttgcr. Pfahldorf.(Jllustr. S. 303). Am Schlüsse des größereu Artikels: Die Urkunden des Menschengeschlechts in Nr. 25 und 2V ist jener Wohnungen unserer Borsahrcu gedacht worden, die auf im Wasser eingerammtem oder versenkten Pfnhlwerk errichtet waren. Unser Bild bringt nun die Rekonstruktion eines solchen Pfahldorfes im Züricher See, wo man bekanntlich in den fünfziger Jahren eine große Anzahl von Spuren dieser eigentümlichen früheren menschlichen Behausungen gefunden. Um die Szene zu beleben, teils wol auch uin unsere Anschauungen über jene längst entschwundene Zeil zu bereichern, hat der Zeichner uns auch zugleich im Vordergründe die Bewohner jener Hütten, wie sie mit ihrer Beute von der Jagd heimkehren, geschildert. Daß das Wohnen und Leben damals nicht besonders schön und heiter ge- Wesen sein mag, lehrt das stumme Bild in sehr beredter Sprache und überhebt uns so jeder weiteren Auseinnndersezung.— Von Pfahlbauten hat man schon seit alten Zeiten gewußt, und schon die altgriechischen Schriftsteller erzählen davon. Aber seit jeuer Euldeckung im Tee bei Zürich durch Dr. Ferdinand Keller wie in anderen Seen der Schweiz hat man auch an anderen Orten Europas nachgeforscht und Uebcrreste von solchen Pfahlbauten bei Wismar, in mähriichen Flüssen und Seen, in den Seen des bairische» Hochlandes, im Gardasee und andern ober- italischen Seen, bei Pyritz in Hinterpommern und im Rykflusse Neu Vorpommerns, aufgefunden. Aber auch in anderen Weltteilen trafen die Europäer aus solche in Flüssen und Seen erbaute Pfahlwohnungen. Andere Völkerschaften wie z. B. die Insulaner Lstasiens wohnen auch auf dem Lande in Hütten, die von hochstehenden Pfähle» getragen werden. Was bei den alten Völkern Veranlassung gewesen sein mag, diesen Brauch einzuführen, ist wol noch nicht genügend erkannt worden, so bedeutend auch das Material ist, welches die Pfahlbauten für die Vorgeschichte der Menschheit geliefert haben. Zum Schluß teile» wir unfern Lesern noch mit, daß der Entdecker der schweizer Pfahlbauten am 21. Juli 1881 im Alter von 81 Jahren gestorben ist. Anfangs hielt man die Mitteilungen über seine Entdeckung für ein Märchen und erst als man sich der Pfähle im Neuenburger und anderer schiveizer Seen erinnerte und nähere Forschungen anstellte, fing man an, seine Behauptungen glaubwürdig zu finden. Aber auch erst dann besauneu sich die Philologen auf die Stellen in den alten Schriftstellern, welche gleichfalls von solchen Pfahlivohnungen berichten. urt. 376 Tie verunglückte Medizin.(Jllustr. S. 371). Unierm Steneu geht eS ähnlich wie jenem Bekannten, der die Stase furchtbar hoch trug und sich in alle Himmel irdischen Ruhmes träumte, dabei aber über einen Stein stolperte und so mit seinem Riechorgan in eine Pfiize fiel— ein Vorfall, der ihn eindringlich genug ermahnte, wie schwierig es selbst bei der lebhaftesten Phantasie wird, die gemeine Anziehungstrast der Erde zu überwinden. Nur hat Stessen keine hochfliegcnden Pläne und geizt nicht nach billigem Ruhm und Ehre. Er hat nur auf dem ganzen Wege von der Stadt nach seinem Heiyiatsdorfe die Säcke Korn und Kartoffeln und sonstige Erträgnisse seines Fleißes überzählt, welche ihm die heurige Ernte bringen soll und dabei ganz vergessen, daß ihm die Life, seine beste Kuh im Stalle schwer erkrankt ist, daß er sich, um sich dieselbe am Leben zu erhalten, aus Anraten des Tierarztes in die Stadt begeben, um eine große Flasche Medizin zu kaufen und endlich daß er dieses Heilmittel in einer der mächtigen hinteren Taschen seines leinenen Kittels geborgen hat. Sinnend und träumend ist er dahin gewandelt, bis mit einemmale das Schild eines Wirtshauses an der Landstraße ihn freundlichst zur Einkehr geladen. Wer wird es ihm verargen, daß er dieser Einladung nicht genügenden Widerstand ent- qegenzusezen vermochte? Ein„Bittrer" nach so beschwerlichem Marsche stärkt, denkt er und tritt ohne langes Besinnen ein. Das Packet Pfälzer „Kanaster" sammt Sacktuch wird vorsichtig und gewohnheitsgemäß aus der andern hintern Rocktasche hervorgesucht, auf den Tisch gelegt und nun in Ertvartung der Dinge, die da kommen sollen, sich fest auf die mächtige Holzbank gesezt. Aber o weh, was war das! Ein verdächtiges Krachen und Knistern, ein Handgriff nach der gefährlichen Stelle und jezt wird dem Steffen die Situation voll und ganz klar. Was er her- vorzieht, sind nur noch die Scherben jenes GeiüßeS, von dessen Inhalt das Leben seiner„Life" abhängen sollte. Was nun? Wir tvisseir's nicht und es ist auch höchst gleichgiltig wie sich Steffen aus dieser Patsche hilft; für uns genügt die lebenswahre Darstellung dieses Mo- nientes vollkommen.— Adolf Lüben, dem wir dieses reizende Genre- bild verdanken, wurde 1867 als Sohn deutscher Elten, in Petersburg gc- boren, begann 1853 in Berlin seine künstlerische Ausbildung und scztc dieselbe 1860 in Antwerpen fort. Hieraus widmete er sich eine zcitlang der Landwirtschaft, kehrte dann aber in Berlin zur Malerei zurück und »ahn, 1876 in München seinen Wohusiz. Sein Lieblings- und Haupt- fach ist das Genre, und was er darin zu leisten vermag, zeigt vor- stehendes Bild. Naturwahrhcit und feine Karakteristik spricht aus allem, und nian betrachte nur das Gesicht des Bäuerleins und die Aufmerk- samkeit seines„Ami", um die echte künstlerische Leistung zu erkennen. Vielleicht findet man dann auch heraus, wer von den beiden das Mal- henr mit größerer Philosophie erträgt als der andre. ort. Literarische Umschau. Ans der Höhe. Internationale Revue, herausgegeben von Leopold von Sacher-Masoch. Leipzig, Verlag von E. L. Morgenstern. Diese sich in einem sehr stattlichen Gewände präsentirende, in großem Stile angelegte Zeitschrift will sich durch ihren Titel karakterisiren:„wir wollen uns in jeder Beziehung„auf der Höhe" halten", heißt es in dem dem ersten Heft vorausgeschickten Programm,„wir werden über den Parteien stehen". DaS ist gewiß ein sehr vernünftiges und sehr ehrenwertes Vorhaben, welches allein für sich schon©rund genug gibt, das Erscheinen dieser neuen Revue in der Reihe, oder vielmehr außer der Reihe der in den lezten Jaren mehrfach entstandenen Monatschriften freundlich willkommen zu heißen. Es ist leider nicht zu leugnen, daß die lczteren alle, ohne Ausname, in ihrem Rahmen nicht das völlig treue, alle einzelnen Momente umfassende Spiegelbild des gesamten modernen Kulturlebens und-strebens bieten, welches man von einer derartigen Revue verlangen darf. Welch' eine hohe Aufgabe sich demgegenüber die neue Zeitschrift gestellt, geht weiter aus den Worten des Programms hervor:„Wir werden uns nicht damit begnügen, auf politischem wie auf nationalem, auf religiösem wie aus wissenschaftlichem oder litera- rischem Gebiete jede Einseitigkeit, jede Gehässigkeit auszuschließen; was wir anstreben, ist viel mehr, unsere Revue soll ein neutraler Boden werden, auf dem keine Interessen gelten alS jene der ganzen Mensch- heit, auf dem sich die bedeutenden Geister aller Nationen und Richtungen offen und gleich, aber stets würdevoll aussprechen sollen". Wenn das Blatt diese Ausgabe erfüllt, dieses Ziel immer und unverrückt im Auge behält, dann kann es in der Tat Großes leisten und von höchster Be- deutung �werden, dann ist eS die Pflicht aller warhast Gebildeten und --.gebenden, von ihm Keutnis zu nemen und ihm an ihrem Teile Verbrcituug, Gewicht und Einfluß verschaffen zu helfen. Schon das 160 Seiten Oktav umfassende erste Hest bietet uns volle» An- las!, an den Ernst des Herausgebers zu glauben. Ein schwungvolles, kraftiges Gedicht Heruiann Linggs, eines der wenigen modemeil Dichter, die der Zeit an den Puls sülen und sie zu verstehen und im guten Sinne zu beeinflussen suchen, ist ihm als weihevoller Prolog voraus- geschickt.„Die Genien der Menschheit" lautet seine Uebcrschrift— „.Ich', sprach der Hellste dann,.ich gründe Für ein künftiges, besi'res Geschlecht Menschlichkeit, aller Völkerbünde Höchstes Gesez und erstes Recht. All' der Kühnen wird froh gedacht, Die des Eises Beste gebrochen, Die des Polarmeers ewige Nacht, Felsen und trennendes Land durchstochen Und die Wüsten fruchtbar gemacht. Allen auch, die Blut und Leben Gegen Willkür und Uebermacht TodeSfrcudig dahingegeben.' Also die Genien, und heiligen Mutes Ueber verwüstender Heere Zug, lieber den Strömen vergossenen Blutes Schwingt sich der Zilkunst entgegen ihr Flug"— heißt es darin. Das Arrangement dcS Inhalts muß man als ein sehr geschicktes bezeichnen. Außer belletristischen Beiträgen(darunter einer vom Heraus- geben„Ter Judcnraphacl") enthält das Heft u. a. folgende gediegene Arbeiten:„Oesterreich- ungarische Zustände und Gefaren" von einem verabschiedeten Staatsmann,„lieber den Ursprung des organischen Lebens" von Karl Vogt,„Prisenrecht und Prisenrechtsrage" von dein leider zu früh verstorbenen Bluntschli,„Spracheigentümlichkeiten bei Lesfing" von Daniel Sanders u. s. w. DaS MitarbcitervcrzcichniS weist eine große Anzal sehr klangvoller Namen auf, was an sich wenig sagen will,— es sind aber wirklich sehr gute, die Rainen sehr tüchtiger Männer darunter. Indes auch junge Talente sollen„auf die Höhe" kommen dürfen,— sonst läßt man sie bckantlich im dunklen verhungern. „Nicht der Mann, nicht die Person wird bei uns in'S Gewicht fallen, immer nur die Sache, die Leistung",— das ist eine sehr schöne Be- merkung des Programms. Vielleicht gelingt es dem Herausgeber, für politische und volkswirtschaftliche Aufsäze noch einige gediegene Mit- arbeiter zu finden, damit möglichst, wie eS das Programm ja ivill, alle Richtungen vertreten sind. Besonders gefallen will uns auch, daß man in der Zeitschrift eine ehrliche literarische Kritik zu üben— eS fehlt derselben dazu freilich eine besonders sehr zu wünschende Rubrik— und gegen die„Herschaft der Clique" die Waffe zu füren beabsichtigt, vor allem gegen die„Clique der Mittelmäßigkeiten in Berlin", die„die Kritik beim deutschen Publikum vollständig in Mißkredit gebracht und hinter der sie nur ihre eigene Unfähigkeit zu maskiren versucht hat". Sachcr- Masoch hat bekantlich eine sehr geharnischte Broschüre„über den Wert der Kritik" geschrieben. So wünschen wir denn dieser internationalen Revue guten Weg; möge sie recht viele„auf die Höhe" geleiten! Itr. M. V. Redaktions- Korrespondenz. Ratibor. S. H-n. Tai sraalichc.Schmuhmachc»' vcrstillt srrilich straf- acsczlichcr Ahndung. In solacndcn Reymondschen Gcdächtiiiivcricn wird der de- jnglichc§ 150 dci RcichsstiasgeseMchi hechsl cuidructivatl in Pocstc lidcrlragcn: Wcr Gcld beschneidet oder feilt lind sonst iin Wert verringert, eilt Ter rächenden Justiz entgegen, Wenn solche Münze er verwegen Als voll zu Marlic bringen will, Ob wenig fcble oder viel— Sriegt et Gcsängnii nicht, so zahl er Ein Strasgcld blS zu lausend Taler. Gut ist c», wenn er nicht vcrgiht. Tab auch Versuch schon strajbar ist. Auch wer die Münz' nicht selbst beschnitt, Jedoch im Einverständnis mit Tem«linstler. der die Tat vollzogen, Sie weiter gibt als vollgcwogen, iBiclleicht auch au- Gewohnheit mir!) Verfällt der gleichen Prozedur. In beide» Fällen obgenant, Wird ojt auch Ehrverlust crlannt. Frankfurt a M. Frau P. füllen, dcmcrken aber im vorhinein, Wir weiden uns bemühe», Ihre Wünsche zu er- daß das garnicht leicht ist, da wir solchen sjwelken, der einet» Blatte, wie die R. W., notwendigen Rcichhaillglcit dcS Inhalts willen,»»r eine» sehr hcschränllcn Vi an in zumessen lönnen. 3iih alt: Pcr|ck)(uugene Lebenswegs. Roman von Franz Carion.(Forts.)— Helgoland.— Das ReichSgesundhcitsamt und die Wissenschaft der Zukunft.(Schluß.)— Der Eltern Sünde. Eine Skizze nach dem Leben von M.. B....(Schluß?)— Im Kampf wider alle. Roman von Ferdinand stiller.(Forts.)— Zum Kapitel Weltsprache.— Poetische Achrenlese.— Pfahldorf.(Mit Illustration.)— Dir verunglückte Medizin.(Mit Illustration.)— literarische Ilmschau: Aus der Höhe.— Redaktionskorrcspondenz. Beranlwortlichcr Redakteur Bruno Geiser in Stuttgart.(Reue Weinsteige 23.)- Expedition: Ludwigstraße 26 in Stuttgart. Druck und Verlag von I. H. W. Di est in Stuttgart.