Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljärlich 1 Mark 50 Pfennig.— In Heften 5 35 Pfennig. Z» beziehen durch alle Buchhandlungen und Postänitcr. A Werfchtungene Lebenswege. Roman von Aranz ßario». (ll. Fortfezung.) Nirgends trat der Unterschied zwischen„Reich oder Arm" überzeugender zn Tage, als in Hannover. Ritterschaft, Geist licher- und Lehrstand besaßen völlige Taxenfreiheit, und hatten es verstanden, sich auch von der indirekten Bestencrung frei zn machen. Tic englische Regierung fand jedoch eine sehr klnge Ausgleichnngsweise ans, nur sich von den armen Untertanen ihres Kurfiirstentnms Hannover, die ihr von dessen hochpreislicher Ritterschaft, de» ehrwürdigen Herrn des geistlichen Standes und unentbehrlicher Lehrerschaft, nicht gezahlten Stenern zu verschaffen. Tic königliche Regierung zu London erließ ein Machtgebot, welches nur den reichen Leuten im hannoverschen Lande das �affeetrinken gestattete, den arbeitenden Ä lassen es jedoch streng verbot, damit nicht der Stand für die Soldatenlverbung ubgeschwächt«verde. Wer die Geldstrafe wegen Uebcrtretnng dieser königlichen Verordnung nicht zahlen konnte, wurde mit Vrvbvrtionirlicher Gefängnis- oder anderer Leibesstrafe„inier bittlich" belegt. Die Regierung aber sorgte mit mütterlichem Herzen für eine Gcnnßentschädignng der Armen, indem sie diese ans den Branntwein hinwies, dessen Verbrauch seitdem auch chini riesigen Aufschwung nahm, während die Bierkviisiimtion auf's Tiefste herabgedrückt wurde. Dergleichen vaterländische Anekdoten gaben drei Männer im -Pavillon des Doktor Philigp'schen Gartens Stoff zu ihrer Unter Haltung. Man hätte meinen sollen, diese Herren seien sehr heiteren Naturells, denn sie lachten nicht selten hellauf, wenn einer oder der andere eines spaßhaften Vorganges gedachte, der unbegreiflicher Weise von der Regierung als eine Heil bringende Beiordnung erlassen worden, welche grade das Gegenteil davon erzielt hatte. Es war aber nicht die Lust am Scherze, wegen deren sie lachten, vielmehr war es ein zorniges Lachen, das keineswegs irgend wen zur Teilnahme zu reizen vermocht hätte. Doktor Philipp, der niemals Neigung zu politischen Umtrieben »ehabt, hatte sich seit jener Zeit, daß er von seiner Frau ge schieden war, hinsichtlich seiner Ansichten gänzlich geändert. Seitdem waren sieben Jahre vergangen. Sein Gretchcn ging iczt jus neunte, und die herzlichste Liebe zu ihr hatte ihm das Herz aufgeschlossen und gleichsam Hand in Hand mit seiner Rcigung zu dem Töchterchen verband sich auch die ausrichtigste Liebe zu seinem Volke. Er war einer Verbindung von ehren- werten Männern beigetreten, von denen er die meisten ans seinen Univcrsitätsjahreu her kannte. Die Erkenntnis, daß es besonders nötig sei, das Tun und Treiben der königlichen Regierung und die Schmach kennen zu lernen, welche dieselbe auf ihr hannöversches Volk gehäuft habe, hatte dessen Vatcrlandsfreunde zn dem Ent schlnß gebracht, kleine zwanglose Hefte, in denen die Ereignisse, welche im Verlaufe einer Reihe von Jahren geschehen und so viel Unglück über das hannöversche Land und Volk gebracht hatten, überall nncntgeldlich zu verbreiten. Das Volk sollte die königliche Mißwirtschaft gründlich kennen lernen, unter der seine Eltern so bitter gelitten. Und dieses wichtige Ziel hielt die drei Männer hier vereint. „Meine lieben Freunde," hob Doktor Philipp rni...„es wird niemand auftreten können, der mit Recht uns zn beschuldigen vermag, daß wir bei diesen kleinen Schilderungen der Wahrheit in s Gesicht geschlagen haben und was England, die gütige für unser Kurfürstentum so vorsorgliche Mutter anlangt, so hat sie ihr Lob durch den berühmten Schriftsteller ihrer Nation, Horace Walpole, hinreichend empfangen. Sczen wir diesen ersten von uns nnter's Volk gesendeten Hcstchen als Motto Walpole's eignen Ausspruch voran: Das Kurfürstentum(Hannover) litt unter der Begehrlichkeit der englischen Krone. So viel Geld als man diesem abpressen konnte, alles floß in die königliche Privatkasse." „Sehr gut, sehr gut," stimmte ein alter weißhariger Herr bei.„Wir könnten unserem Geisteskindc keinen besseren Segen mit auf die Wanderschaft geben." „Das sage ich auch, Philipp hat da einen glücklichen Treffer gefunden! rief der dritte. „Nun aber, lieben Freunde, bleibt uns nur die eine Not- wendigkeit, die man ungestraft nicht vergessen darf," redete der vorige. „Und welche wäre die?" fragten die anderen erstaunt. „Tie lezte unserer kleinen Schilderungen muß gepfeffert sein, ich meine damit, sie muß die ihr vorhergehenden an Schärfe überbieten, damit sie sich in's Gedächtnis des Lesers einprägt und er gelegentlich seinen Freunden und Bekannten davon er zählen kann. Die große Auflage von Exemplaren wird es möglich machen, dasz sie in zahlreiche Hände kommt." Diese Bemerkung des vierten, der noch gar nicht gesprochen, fand allgemeine Zustimmung. „Sie muß dann ein Ereignis behandeln, das den Patriotismus des Volkes wach schüttelt," sagte Doktor Philipp. „Dasselbe ist meine Ansicht," meinte voriger.„Vielleicht habe ich das rechte getroffen. Habt Ihr Lust über mein Ge- schreibsrl zu Gericht zu sizen, so will ich's euch vorlesen." „Versteht sich," stimmten die anderen bei. Ein zusammengerolltes Papier ans der Rocktasche ziehend, begann der Aufgeforderte, nachdem er es so gut wie möglich geglättet, dessen Inhalt abzulesen. „Welcher Grundübelstand eine dreifache Regierung für ein Land sein könne, hat unser Kurfürstentum zur vollen Genüge erfahren, als Napoleon(I.), ivelcher schon seit einem Jahre ge- droht hatte, in unser hannoversches Land einzufallen, seinem Marschall Mortier mit 15000 Mann am 26. Mai 1803 über Bentheim in Hannover einzurücken befahl, nachdem England ihm 8 Tage vorher, also am 18. Mai, den Krieg erklärt hatte. In London glaubte man vielleicht, die Franzosen würden sich genircn, das ihnen so nahe zur Hand gelegene Hannover, dessen Regent, sein Gegner, der König von England war, sofort zu besezen... diese Selbsttäuschung überstieg alle Begriffe, das hannöversche Volk ward also das Opfer einer sinnlosen Re- gierung. Es ist unglaublich, in welcher Verblendung die drei regierenden Gewalten, Hof, Adel und höhere Beamte, sich befanden! Diese ganze vornehme Gesellschaft war unübertrefflich steifleinen. „Als schon die Franzosen zum Einmarsch bereit sich an der Grenze sammelten, hielt sich die Seele des in Hannover rc- gierenden Geheimkabinets, der Geheinic Kabinetsrat Rudloff, nicht für veranlaßt, Bürger und Bauern von der drohenden Gefahr in Kenntnis zu sezen. Ob man sich auf die auf's beste ausgerüstete Armee von 20 000 Mann unter Feldmarschall Graf Johann Ludwig Wallmodcn-Gimborn verließ? Eher ist anzunehmen, daß man gar keinen vernünftigen Plan im Kopfe hatte, denn sonst wäre folgender offizielle Aufruf an Wallmoden's Armeekorps eine vollständige Unmöglichkeit gewesen. In diesem Aufrufe fand sich die sonderbare Weisung: Alles zu vermeiden, was ombrage(Verdacht) oder Aufsehen erregen könnte, ja nicht zu feuern, und nur im äußersten Notfalle das Bajonet, jedoch mit Moderation zu gebrauchen. Eben so lächerlich in des Wortes weitester Bedeutung war der offizielle Befehl an das Volk„bei Strafe sich zu wafsnen." Napoleon verfehlte nicht, diese sonderbare Art, dem han- növerschen Volke die höchste Tugend, den Patriotismus, anzu- befehlen, mit verdientem Spotte zu geißeln. Ter Moniteur, das gelesenste Blatt in Frankreich, brachte die Schande der Hannoveraner mit dem Beisaze in die Oeffentlichkeit, daß unsere Generale und die englischen Prinzen, Cambridge und Cumber- land, davon gelaufen seien. Es war eine Zeit der tiefsten Schmach, die das hannöversche Volk mit dem Kainszeichen der Feigheit brandmarkte. Und immer größer wuchs diese Schmach, sie überwuchs jede Hoffnung des biedern Volkes, mit seinem Blut und Leben sich loszuringen aus der tiefen Erniedrigung, in die es gestoßen worden auf so unverantwortliche Weise, denn schon am 3. Juni, acht Tage nach dem Einmärsche der Franzosen, wurde die be- rüchtigte Konvention von Suhlingen abgeschlossen, der zufolge die hannöversche Armee Pferde und Waffen und alles abliefern mußte, was sie besaß. Nicht darin lag der Schimpf allein, sondern in dem Gebahren der dies Ablieferungsgeschäft besorgen- den Abgeordneten der Stände, die den armen um ihre Krieger- ehre gebrachten Soldaten drohten, ihnen den Lebensunterhalt zu entziehen, wenn sie sich nicht gehorsam in die über sie verhängte Schande fügen würden." „Pfui! Pfui!" rief einer der Herren. „Tie Beute Napoleons war groß," las der Verfasser dieser Schilderung weiter.„Außer 500 Kanonen, 40 000 Gewebren, Patronen und Pulver in Massen, 4000 Kavalleriepferden... und den edcln Rossen des königlichen Marstalls... fiel dem State Frankreich ein deutsches Land zu, das jährlich an fünf Millionen Taler einbrachte. Der zwei Jahre lang dauernde Be- stich der Franzosen kostete dem Hannoverancrlandc an siebenund- zwanzig Millionen Taler... alles das war ohne Schlacht und mit Verlust aller Ehre verloren gegangen. Der Verlust der ungeheuren Summen hätte sich im Verlaufe der Zeit vergessen lassen, die Schmach aber, welche das brave Volk von Hannover durch seinen König und dessen untertänigen Ständen erlitt, bleibt unvergeßlich für alle Zeit." Eine lange Pause folgte. „Das ist ein Schluß, der wie ein Blizstrahl in viele Herzen einschlagen wird!" rief Doktor Philipp. „Und wißt Ihr, lieben Freunde, warum ich diese Schilderung als Schluß unseres Heftchens wählte?" fragte der Vorleser. „Einfach deswegen, weil es unter unserem Volke eine Unmasse Schwachköpfe gibt, welche felsenfest an die königliche Großmut glauben. Georg I., Hannovers lezter persönlich regierender Kurfürst, nahm, als er 1714 den englischen Tron als König bestieg, den hannöverschen Kronschaz, meist in Juwelen bestehend, mit nach London. Seitdem sind über hundert Jahre vergangen; aber... sie blieben jenseits des Kanals. Derselbe Fall wieder- holte sich, als die Franzosen im Jahre 1803 das Hannoveraner- land besezten. Kurz vor ihrem Einmarsch befahl man von Lon- don aus, sämmtliches Kroneigcntum des Kurfürstentums nach England einzuschiffen... es geschah. Mehr als ein fünftel Jahre eines Jahrhunderts sind seitdem vergangen, aber von einer Zurückcrstattung des aus dem Lande entführten Kroneigentums ist noch keine Rede gewesen. Es läßt sich kein.Vcrs darauf machen." Nachdem die vier Männer»och das nötige über Drucklegung und Verbreitung der zwanglosen kleinen Hefte mit einander be- sprachen hatten, begleitete Doktor Philipp sie zum Gartentor, wo sie Abschied von ihm nahmen. Er begab sich dann auf die Terrasse, von wo er die Veränderungen besichtigte, die er in dem Garten angeordnet hatte. Ein bedeutendes Rasenstück war zu einem Spielplaz für Kinder umgewandelt worden. Sich an die Säule lehnend, welche das umfangreiche Pilzdach aus ihrer Spize trug, überschaute er diesen. Wie ernst auch des Mannes hageres, fast kummervoll aussehendes Gesicht war, bei diesem Anblicke wurden seine gespannten Züge allmählich weiter, ihr Ausdruck sanfter, wenn auch nicht heiter. Auf dem Spielplaz tummelte sich eine Gesellschaft junger Mädchen im Alter von acht, neun Jahren in mancherlei Spielen, wie Schaukeln, Ringwerfen, Ball- spielen, unter Absingung fröhlicher Kinderlieber Arm in Arm gehangen, im Kreise umherziehen und andere. „Wie glücklich sind diese Kinder!" sprach er nach ziemlich langem Zuschauen vor sich hin.„Mein herziges Gretchen hat noch keine Ahnung, daß es etwas gibt, um das es recht von Herzen traurig werden könnte... möchte es doch nie davon erfahren! nie! Und doch wird dies Leid ebenfalls an das gute Kind herantreten... ich kann es nicht vor dieser schlimmen Er- fahrung schüzen... ich kann es nicht!" Der Doktor versank bei diesem ihm schweren Kummer ver- ursachcnden Gedanken in trübe Stimmung, aus der er sich nicht eher losreißen konnte, als bis seine schlaff herabhängende Hand von einem par Kinderhändchen ergriffen und von heißen Lippen berührt wurde.„Tu bist es, mein Goldgretchen?" fragte er nicdcrblickend.„Ich hätte es wohl denken können, daß du es seiest, liebes Kind. So wie du liebt mich ja niemand... du bist mein kleiner Hauscngel." „Das sagst du immer, Väterchen, aber du bist gar nicht fröhlich dabei," redete die zierliche Kleine.„Unser Herr Kantor hat uns erzählt, daß, wem ein Engel erschiene, der allemal recht fröhlich sein könne. Warum bist du es denn nicht, wenn ich dir als Hausengcl erscheine?" „Kind, ich bin auch fröhlich, gewiß recht sehr; aber ich muß gar zu viel denken... die Apoteke, das Laboratorium und alles andere, was dazu gehört... das macht mich ernst und dabei vergeht's Lachen. Wenn du zum Beispiel deine Schulausgaben zu machen hast, kannst du dabei lachen?" „Nein, Viitcrchc», ich möchte dabei manchmal lieber weinen. Ich studire nicht gern, das mag'S am Ende wohl fein." Gold- gretchen seufzte bei diesem Geständnis ihrer Abneigung vor dem Gelehrtentum recht von Herzen, so daß ihr Vater sich des Lächelns nicht vertvehren konnte, weil ihre Klage über die Mo- lcstcn des Studircns gar zu komisch klang. Sie war, wie schon erwähnt, ms neunte Lebensjahr eingetreten, ihr Geist aufgeweckt, munter, und zeigte sich ihr Wuchs auch nicht besonders vorgeschritten, so entschädigte doch die Schlankheit und Zartheit der Formen ihre kleine Figur, welche ihrer Erscheinung den Reiz des Lieblichen verliehen. Ein freund- liches, sanft gerötetes Gesicht, ans dein ein par rehbraune Augen alles so gutmütig und klug anschauten, was ihr vorkam, machten auf jeden, der mit ihr in Berührung trat, einen herzgewinnenden Eindruck. Ihr wohlgeformtcr Kopf, von hellbraunen natürlichen Locken umgeben, vervollständigte ihr hübsches, einnehmendes Aeußerc. Räch einer Weile, in welcher der Toktor sein zierliches Töchtcrcheu mit sichtbarem Wohlgefallen betrachtete, fragte er i-s:„Du willst mich wohl um etwas bitten, oder hast eine Frage an mich, daß du deine Freundinnen deswegen verlassen hast?" „I nn..." „Warum stockst d», mein Goldmädcl? Hast du Furcht vor mir? Nun, sage nur, es wird wohl etwas gar so Erschreckliches nicht sein... das kann ich mir nicht denken." „Ach, Väterchen, dcuks immer, es ist wirklich etwas gar Er- schreckliches. Werde nur nicht böse auf mich, sonst kann ich dir's ganiicht sagen." Der Toktor antwortete lachend:„Nein, mein Kind, ich vcr- spreche es dir, ich werde gut bleiben." Was Gretchcn ihm mitzuteilen hatte, gehörte in der Tat zu dem Schweren, das nicht allein auf ihr kindliches Gemüt, sou- der» noch tiefer und eingreifender auf das seinige wirkte. Bis jezt hatte weder er, noch die Amme, welche er als ihre treue Pflegerin im Hause behalten, noch sonst jemand von ihrer Mutter anders als von einer Gestorbenen zu ihr gesprochen. Gretchcn dachte darüber nicht nach, sie wußte nur von Hören- sagen, das Gestorbene in den Himmel kommen und weil es in diesem so schön sei, nicht wieder auf die Erde zurückkehren. Dieser Glaube hatte also garnichts Betrübendes für ein Kinderherz. Jezt hatte sie jedoch unerwartet eine ganz andere Anschauung über diesen höchst wichtigen Gegenstand gewonnen, wenn man überhaupt eine Kenntnis, welche die Seele mit Schrecken durch- schauert, als einen Gewinn bezeichnen kann. Eine ihrer Schul- freundinnen, der sie besonders zugetan war, hatte ihr vertraut, warum sie, Gretchen, keine Mutter habe. Durch die Jahre daher verlor sich das damalige Stadtge- spräch, die philipp'sche Ehescheidung betreffend, von der Tages- ordnung der Gegenwart, man sprach zulezt selten oder garnicht mehr davon und die Folge davon Ivar, daß dies Ereignis fast ganz vergessen wurde, wenigstens schien dies der Fall zu sein, obwohl in Gesellschaftskreisen dasselbe immer noch zuweilen Er- wähnuug fand, wenn es au Uuterhaltungsstoff mangelte. Gret- chens Freundin, deren Vater ein renommirtes Weingeschäft mit von wohlhabenden Bürgern viel besuchter Weinstube besaß, hatte diese Geschichte gelegentlich von den daselbst Anwesenden bc- sprechen hören. Die Leute beachteten das still im Winkel des großen Gastzimmers sizcnde Mädchen zu wenig oder garnicht, um ihren Reden eine Rücksichtnahme aufzuerlegen und so erfuhr Gretchen von dieser stillen Ohrcuzeugin das ihr bisher vcr- schwiegen gebliebene Geheimnis. „Mein gutes Kind," hob Doktor Philipp an...„ich be- klage aufrichtig, daß du Kenntnis von einem so traurigen Vor- gange erlangt hast, den ich dir zu verschweigen, so lange dies nämlich möglich sein würde, entschlossen war." Ihre Wangen streichelnd, sprach er weiter:„Es ist wahr, daß ich mich von deiner Mutter scheide» ließ. Tic Ursache, warum dies geschah, dir jezt mitzuteilen, würde unverantwortliche Torheit von mir sein... du bist zu jung, um schon einen Einblick in Tinge tun %- zu könne», welche Unglück und Traner über Menschen zu bringen imstande sind. Später sollst dic alles erfahren." „Später?" redete die Kleine vor sich hin, dann hob sie den Kopf zu ihm auf und fragte:„Dauert das noch lange?" „Erwarte es, Kind." Eine Pause folgte, dann fragte Gretchen recht vertraulich: „Hatte meine Mutter mich lieb?" ..Ja." „Ja? Oh, daß du mir das sagst, macht mir Freude!" „Gehe nun zu deinen Freundinnen, mein kleiner Hausengel, spiele, sei fröhlich. Ich freue mich, wen» ich dich heiter und glücklich sehe. Und rede nichts von dem, was ich dir jezt gesagt habe... Hörst du?" „Kein Wort, Väterchen... kein Wort! Ich folge dir ja immer." Nach einem Kusse auf seine Hand eilte dic Kleine die Terrasse hinunter dem Spielplazc zu. Doktor Philipp schaute ihr nach. Aus seinen Zügen schwand der Ausdruck von Freude, wie er ihn Gretchen gegenüber gezeigt hatte, dann spazierte er eine lange Zeit in Gedanken versunken auf der Terrasse hin und her. Er durchlebte jezt einen Rückblick in jene traurigen Tage, wo das Urteil der Scheidung von seinem Weibe ihn zum alleinstehenden Manne gemacht hatte. Gretchcns Frage regte dic traurige Erinnerung in seinem Ge- dächtnis an jenen dämmerigen Morgen, wo er Lucio zum Wagen geleitet hatte, so mächtig ans, daß ein Zittern ihn befiel und er sich mit beiden Händen an die Brüstung der Terrasseninaner festhalten mußte, um nicht zu wanken.?luf der Straße nuten fuhr eine Post vorüber, der Postillion blies das altbekannte: „Was kommt dort von der Höh'"... es stimmte nicht mit dem Denken und Empfinden des Doktors, er ging nach dem Pavillon. Da war es still wie an jenem Morgen, wo Lucie ihn hatte verlassen müssen, heute war er von seinem Gretchen daran crin- nert worden und es>var seltsam genug, daß es ihn bekümmerte, seit der Abreise der von ihm Geschiedenen nichts mehr von ihr gehört zu habe». Für ihn war sie verschollen, niemand wußte etwas von ihr. War sie glücklich auf ihrem neuen Lebenswege und>vo be- fand sie sich jezt? Das waren Fragen, die ihm unbeantwortet blieben, obwohl er in aller Stille die Jahre daher nach ihr gc- forscht hatte. Als sie im frühesten Morgengrau von Hildesheim fortfuhr, >var es so düster in ihrem Geiste, daß sie wie gebrochen in der Wageneckc zusammengesunken lehnte. Konnte es anders sein? Sie hatte ein zertrümmertes häusliches Glück zurückgelassen, alle Hoffnungen ihrer Zukunft schienen von ihr verschwunden, an allem war sie arm geworden. Es durchrieselte sie der Schauer, vor der Welt dic Schmach der Unehre zu tragen. Sie wagte es nicht, aus dem Wagen zu schauen, in der Furcht, von einem oder dem andern der die Straße Passirenden erkannt zu werden, die Scham verwirrte ihr Denken, es hatte sich zum ungeregelten Durcheinander gestaltet. Erst als das Morgengran durch das Licht des jungen Tages verdrängt wurde und über die Gegend, welche sie durchfuhr, den Schimmer des ersten Sonnengoldes breitete, beruhigte sich auch das ungestüme angstvolle Leid in ihrer Seele, obwohl sie sich keinen Trost zu geben wußte. Und doch blieb ihr ein solcher nicht fern. Ruhiger geworden, sann sie über die ihr zu Gebote stehenden Mittel nach, sich eine Stellung zu gründen, um sich durchzu- bringen. Der Zwang, arbeiten zu müssen und Entbehrungen zu tragen, die sie wohl früher kannte, an die sie aber in dem behaglichen Leben an der Seite eines wohlhabenden Gatten nicht mehr gedacht hatte, machte sie zittern... ach, ihr Broderwerb als Arbeiterin feiner weiblicher Arbeiten war damals schon ein ziemlich kümmerlicher gewesen, wie sollte er jezt ein besserer sein, wo die Frauen und Mädchen ihres Heimatsstädtchens jedenfalls gegen sie eingenommen, sich von ihr abwenden würden? „Mein Himmel, ivas fange ich an?" stöhnte sie vor sich hin:„Meine wenige Barschaft hält mich nur auf einige kurze Monate aus, ivas dann?" Eine unwillkürliche Handbcwcgiing veranlasste das Herunter- fallen des ihr vmi Teller Philipp kurz vor der Abfahrt auf halt sich gesichert wußte, und diese Entlastung gewährte einer Flut den Schoß geworfenen Brieses, der, von einein der weiten Acrincl Gedanken die Möglichkeit, sich zu überstürzen und in ihrem Geiste des Mantels überdeckt, so vollständig ihrem Blick entzogen blieb, daß sie ihn nicht be- merken konnte. Jezt griff sie dar- nach. Das Eonvert trug keine Adresse, auf der Rück- seile aber sah sie Doktor Philipps Petschaft mit seinem Na- inen in rotem Siegellack abgedruckt. Sie schien nicht Willens, ihn zu öffnen und besah ihn un- schlüssig. Endlich cnt- schloß sie sich dazu. Tie Ueber- raschnng, welche die Anlage ans sie bewirkte, war groß... ohne jede schrift- lichc Beilage fand sie fünf Hundert- taler-Scheine darin liegen. Ihr Erstannen glich in den ersten Momenten einer Erstar- rung. Die Großmut des von ihr so schwer betrv- genen Man- nes erschüt- terte siejedoch so sehr, daß sie in einen Tränenstrom ausbrach. Ihre Rühr- nng überwältigte lange jedes andere Denken bei ihr; aber als ihr Weinen �, nachließ, kam das leztere an die Reihe. Jezt war sie der Sorge eine große Veränderung hervorzurufen. Bis jezt war die Neigung um ihr Fortkommen wenigstens in so weit enthoben, daß sie auf' zu Sir Clinton in ihrem Gedächtnisse abgeblaßt, sie war zu ein oder zwei Jahre lang vor Kummer um ihren Lebensuntcr- tief niedergedrückt gewesen, um sich mit irgend welchen Hofs- mmgcn an eine Wicdcraiiknüpfiing ihres zerstörten Licbesvcr- durch einen Zauber venveht aus ihre» Sinnen, sie um che sich hältnisses mit ihm zu beschäftigend im Besizc des Mittels, nach Landau fahren zu können und eut- schwß sich, diese Reise zu unteruehiueu. Die gewaltsam zurückge drängte Leidenschaft trug den Sieg da- van. ZudenVe günßiguugen einer See reise, ab sie lang oder kurz sei, gehörtes, die wallende Flnt in ihrer Herrlich krit zu sehen und dies ist der Fall zur Bvllmvud .5 zeit, wenn c tieseRnheden S Wagengang £ müßigt. Der A unendlich sich � ausbreitende Lichtglanz, M der das leichte g. Wellcugc- kränsel überfließt, gleicht brennendem Silber, es ist ein Zauber, der durchs p) Auge ins c Herz dringt �5 und nie vergessen werben kann. Wie die Meeres- wagen sieh unter der Windstille glätten, so sollte man meinen, müßte» sieh auch die Ge- danken beruhigen, welche das Menschen herz feindlich berühren, dies aber schien sich nicht zu bewahrheiten bei einer jun- Wie hätte sie nur das Wiedersehen mit ihm ermöglichen| geu Fran, welche in der Mitternachtsstundc auf dem Deck des guten fallen'-je.„ittelles er ein' vornehmer Cavalier und in Hamburger Schiffes:„Teutschlands, das für die Tour zwischen drin großen Landau' Tie Unmöglichkeit aber schwand jezt wie, Hamburg und London und umgekehrt bestimmt war, ßch nieder- dem g 4ü(j gelassen hatte. 5ie sah sehe ernst und nachdenklich ans die van blendendem weißen Glänze iibeeflasseiic Flache der sa still>vie schlafend erscheinenden See. Es befanden sich auf Deck nur eine kleine Anzahl Passagiere, die sich den Anblick dieses reizenden Seelichtbildcs nicht e»t- gehen lassen wollten... vielleicht lag die gleiche Anzahl schlafend in ihren Kojen... und deshalb ging es ziemlich still her. „Wo sind wir jezt, Herr?" fragte die junge in einen dunkeln Mantel eingehüllte Frau einen Herrn, der an ihr vorüber spa zieren ging. „Vor Margate, Miß," lautete die Antwort. Tic eng lischen Kreidefelsen machen uns ihr Kompliment, sie haben ihr bestes Fcierklcid an. Ein Endchcn iveiter und wir fahren in die Themse ein." „So nahe schon London?" fragte jene. „Ei nun, Miß,'s ist immer noch eine hübsche Strecke, wo man links»nd rechts manches zu sehen bekommt; aber interessant ist die Fahrt... Sie werden mir beistimmen, wenn wir sie durchmachen." „Tie haben sie durchgemacht sicher mehrmals?" „So ist es, Miß," antwortete der Gefragte. Ich gestehe Ihnen, daß meine jezige Fahrt auch zugleich meine angenehmste ist. Als ich zum crstenmalc hier an Margate vorübersnhr, hielt ich mich überzeugt, daß ich London nicht sehen würde." „Warum, mein Herr?" fragte die junge Frau.„Hatten Sie Unglück... fielen Sie über Bord?" „Das nicht. Miß... nein. Bei stürmischem Wetter steht es mit der Begrüßung der englischen Kreidefelsen gewöhnlich übel. Tie wenigsten Reisenden sind imstande,»ach einer so unruhigen stürmischen Rächt, wie ich mit meinen Mitpassagieren sie damals überstand, sich am Morgen mit Behaglichkeit ans das Verdeck zu begebe». Elend, krank wagt man es nicht, sein Lager zu verlassen, man hat keinen andern Sinn, als die aufgeregte Halbmenschlichkeit in uns wieder in Ruhe zur Gesammtheit zu sammeln. Tie Seekrankheit ist ein ganz abscheuliches llebel, des gestörte» Selbstbewußtseins ist man kaum zur Hülste mächtig. (Zortsczuug folgt.) Der Unfug der Depofltwn und des pennnlismns auf den deutschen Universitäten. Ein Sittenbild aus dem 17. Jahrhundert, von A. M.(Schluß.) Taß in Zeiten, wo Tausende der Kriegsfurie erlagen, das einzelne Menschenleben wenig galt, ist natürlich, und so sehen wir denn auf allen Universitäten Mord und Todtschlag im Gange, sowohl der Studirenden unter sich, als auch zwischen Studenten und Richtstudenten. Ermordete doch sogar am 22. Jan. 1631 ein Rostocker Student Jakob Barmeycr den Kommandanten der kaiserlichen Besazung, den Obersten Heinrich Ludwig vv» Haß- feld.— Wie weit an solchen Mord- und ähnlichen Gewalttaten der Unfug der Pennale schuld war, zeigen vielfache zeitgenössische Berichte. Wie das Beispiel wirkte, das sie täglich vor Augen hatten, zählt ein Programm der Universität Gießen auf:„Taß die jungen Studiosi, als welche es von den Alten gesehen und gelernet, sich einander mit solchen häßlichen, unzüchtigen und leichtfertigen Beschimpffungen, e.xagitationilms, Schlägen und barbarischen, mehr als hcydnischen, ganz teusfclischcn Gcbahrungen und Ueppigkeiten vexiren und beschweren.".... Und irgend einen Ersatz, eine Entschädigung für die Verläugnnng seines ganzen Selbst mußte der Pennal haben, die eben, traurig genug, darin bestand, nicht nur seine Mitpennäle, sondern auch andere Leute zu vexiren und zu verhöhnen. Vornehmlich aber— und dies möge man wohl beachtet,, weil es das größte Hindernis für die Beseitigung des Pennalismus abgab— hielt den Pennal die Aussicht und Gewißheit aufrecht bei Duldung der cntwür- digcndcn Behandlung, daß er nach überstandcner Pennalzeit Jüngere ebenso wieder plagen könne, als ihm geschehen. Von ihren Peinigern wurden die Pcnnälc förmlich zu allen Bös- Willigkeiten angehalten: In der Kirche störten sie die Besucher durch allerhand Narrensposscn, den Frauenzinimcrn stellten sie beim Hinausgehen ein Bein, küßten sie auf offener Straße und führten die unflätigsten Reden; den Bauern stahlen sie das, was diese zu Markte brachten, drangen den Bürgern, die sie „Bechen" nannten, in die Häuser, um dort Unfug zu treiben, zogen in die Borstädte und auf die umliegenden Dörfer, um dort die leichtfertigste» Händel anzufangen, und machten sich überall so unnütz als sie nur konnten. Der schon erwähnte Magister Wolsg. Heidcr nennt einen solchen„Studentenjungen" jener Zeit„einen Bube», von dem du mit gutem Grunde der Wahrheit sage» kannst, der Tenffel habe ihn in der Hellen gchecket und nach seinem Ebenbilde erzogen, ncmlich einen unstetigen, fluchende», diebische», schmähhafftige», unruhigen Jungen." Hatten sie nun endlich ihre Pennalzeit überstanden, so er- hielten sie die Absolution, d. h. sie wurden zu wirkliche» Stu- deuten gemacht. Ties geschah in feierlicher Versammlung der Nation ldc? National- Colleginms) durch den Senior derselben, vor dem sie kniend im Namen der heil. Dreifaltigkeit losgesprochen wurden, nachdem sie gelobt hatte», den Neulingen gerade so mitzuspiele»,»sie ihnen mitgespielt worden. Sie empfingen so- dann die Erlaubnis, den Degen zu tragen und sich mit Federn, Schärpe und andern modischen Zierraten zu schmücken. Daß unter solchen Verhältnissen trozdem die Univcrsitäts- zeit damals 4—5 Jahre dauerte, an ein wirkliches Studiren kaum gedacht werde» kann, leuchtet ein. Die Fürsten, sowie die akademischen Behörden erkannten auch ganz lvohl, daß ein der- artiges Treiben den Ruin der Hochschulen herbeiführen müsse, und erließen daher mannigfache Verbote und Verordnungen gegen das Pennalwesen, die Teilnehmer mit harten Strafen bedrohend, und auch die Geistlichen eiferten von den Kanzeln gegen das Unwesen. Auf dem Reichstage zu Regensburg traten 1654 endlich auf Befehl der protestantischen Kurfürsten deren Räte und Gesandte zur gemeinschaftlichen Bekämpfung des Uebels zusammen und verglichen sich zu einer allgemeinen Verordnung vom 1. Mai 1654, ans welcher wir Folgendes hervorheben:.....„Lb- gedachtcs alles wollen wir von einem jeglichen, der sich auf un- scren Universitäten anjetzo befindet, oder inskünftigc aufzuhalten gedenkt, auf's genaueste abscrviret haben, so lieb ihm ist, die Straff des Gefängnisses und nach Gestalt des Verbrechens der Relegation cum infamia zu vermeiden, welche ein jeder, so hicwieder am geringsten zu freveln sich erkühnen wird, dergestalt ungesäumt zu cnvarten haben solle, daß, wann er dieses so hoch verbotenen Pennalisircns:c.:c. halben in die obangedeutctc Straff verfallen zu sein declarirt worden, der oder dieselbe als inalac notae subjecta zu keinen Ehrcn-Acmtern oder Diensten in un- fern Kurfürstenthumcn und Gebieten, in geist- oder weltlichen Stand, berusfcn noch befördert, sondern als Lenthe, welche ihre Jugend in Laster und Aergerniß zugebracht und alles Favors unwürdig allenthalben geachtet werden sollen"...... Außerdem ward noch bestimmt, daß die auf der einen Universität Rele- girtcn, aus keiner anderen Aufnahme finden sollten, es sei denn, daß sie sich mit der vorigen Universität„verglichen und aus- gesöhnt" und ein Zeugnis darüber beigebracht. Doch auch dieser gemeinsame Schritt unterdrückte das Un- Wesen noch nicht, denn schon 1655 erläßt Landgraf Wilhelm von Hessen wieder eine scharfe Verordnung gegen die Ausschrci- hingen zu Gießen; 1656 die Universität Leipzig, 1659 und 1661 Frankfurt a/L. 1661 ist einer zu Leipzig rclcgirt wor den, der auf der nanmbnrger Pctcr-Pauls-Messe„in einem grän- lichcn Narrenhabit auf einer langen Stange herumgeritten und sogar der Kirche nicht geschonet." Auf dieser Messe, die von 407 II den Studenten aus Jena und Leipzig stets stark besucht war, scheint es überhaupt in gedachtem Jahre toll hergegangen zu sein, worüber der obengenannte Christian Schöttgen folgendes erzählt:„Daß die Studenten in Naumburg etwas recht enormes borgenommen, wissen viele Leute zu sagen, worin es aber cigcnt lich bestanden, ist weniger bekannt. Einer von meinen alten Präceptorcn, der selber»och ein Pennal sehn müssen, hat mir folgendes crzehlet i Die Studenten hätten eine ordentliche Leiche bestellet, mit dem Vorgeben, es wäre einer aus ihrem Mittel Todes verblichen, deswegen auch die Geistlichkeit, Schule, Kirche und alles bezahlet. Als man nun unter ziemlicher Begleitung die Leiche auf de» Gottesacker gebracht und daselbst den Sarg gevssnct, so habe ein Hering drinne gelegen. Andere sage», als eine benachbarte Fürstin, wegen eines großen Schwarmes derer Pennale in ihrem Wage» still halten müssen, hätte ihr einer den Hut, den sie auf dem Kopfe gehabt, herum gedrehet mit denen Worten: ,Jch gebe einen Dreher und drehe einmal/ Tag man sich an einer sürstlichen Person vergriffen, kommt mir aus der Ursache wahrscheinlich vor, iveil bald darauf Fürsten und Herren sich einen Ernst sein lassen, dieses Unwesen mit Stumpf und Stiel auszurotten." In demselben Jahre findet der große schon ertvähnte Aus- stand in Jena statt. 1661 rottet die Universität Gießen daS Pennalwesen gänzlich aus; am 24. Mai wird zu Leipzig und Wittenberg ein kurfürstliches Patent angeschlagen. Nach Ver- üstentlichung des Mandats aber rotten sich zu Wittenberg über -00 Pennäle zusammen, die sich verpflichten und verschworen »über dem Pennalwesen zu halten und es nicht abschassen zu lassen." Am hartnäckigsten sträubten sich die Pennäle selbst gegen die Abschaffung des Pcnnalismus, und doch liegt dies in der Menschlichen Natur: man wollte, wie ich schon oben andeute, u>cht umsonst ein Jahr lang alle Peinigungen ertragen haben und sodann nicht selbst als Herren der Jüngeren austreten zu können. Schwer hielt es namentlich die Ablegung der so nn- würdigen Pennalkleidung durchzusezen. Da zu Wittenberg die Pennäle in dieser Richtung de» Gehorsam verweigern und viele die Universität deshalb verlassen, ergeht ein landesfürstliches Reskript„daß wer sich weigern oder die sächsischen Univcrfitätui aus Twz verlassen würde, der sollte, dafcrn er ein Landeskind, >'ch keine Beförderung in kur- und sürstlich sächsischen Landen iu getrosten haben, wären es aber Fremde, solle es ihren Lbrig- reiten gemeldet und sie deshalb zur Strafe gezogen werden."— Wersen wir noch einen kurzen Blick auf das Duellwesen, � Streitigkeiten und Schlägereien der Studenten zu jener Zeit. �chon auf der pariser Universität war nach dem Zeugnis von U'mnous das offene oder heimliche Tragen von Waffen verboten. u»d nach diesem Vorbilde auch auf sämmtlichen deutschen Um- dersitatc». Allein trvz dieser Verbote war das Tragen von Raffen unter den Studenten allgemein, und daß sie rasch zum Schwert griffen, infolge dessen kein Wunder. Daß außer andere» Bibeln auch die Rauflust durch den dreißigjährigen Krieg neue bchm, iß ganz natürlich. Gah doch W itudirenk Jugend �°—«n.r;—„ta N�inilemum an, das g veram, hl ganz nariiuiu,...., u x'�ra9cn öon Waffen als ein Privilegium an, das Wöff1'1 Bürgern und Handwerkern, denen das Tragen von es x!" ebenfalls streng verboten war, auszeichnete. So kani lind% kchi aus jener Zeit eine Unzahl Fälle von Duelle» üchen �eien der Studenten unter einander, häufig mit tödt- M'cht s.llange, gemeldet wurden. Daß dergleichen Kämpfe -j»e qz w am Tage, sondern auch Nachts stattfanden, lehrt uns . t sMnü.irXcn in flenfl vom 7 Juni iiic R 05 am sondern auch vcaa)rs iruli,u.,v>...,.vV....... 0)3-, eror�nun9 der akademischen Behörden in Jena vom 7 Juni ordert welcher der Herausforderer mit allgemeiner, der Gens t C �c' Annahme der Forderung mit privater Relegation �"üore oder kürzere Zeit bedroht wird. Spätere Berord- Md 1","och schärfer, sie belegen die Duellanten mit drei- kin-j jähriger Gefängnisstrafe, ewiger Landesveriveisuiig und ö/Oung. des vierten Teils des Vermögens; bei tödtlichcm täf(e ,Üe sollte der Gefallene vom Nachrichter auf der Nicht- "erd oingeschtirrt, der Täter aber mit dem Schwerte gen'cktet Sekundanten hatten eine sechslvöchentliche bis einjährige Gefängnisstrafe zu gewärtigen, Studentenjungeu aber, welche „insgemein zu dergleichen Bosheiten geneigt und begierig," sollten für ihre Beihilfe bei einem Duell vom Büttel im Gefängnis mit Ruten gestrichen werden. Derartige Verordnungen zeigen uns, wie schlimm es in dieser Beziehung auf den Universitäten bestellt gewesen sein mag, beiden helfen sie nicht viel, und die blutigsten Raufereien und Konflikte sind während des ganzen 17. Jahrhunderts an der Tagesordnung. Aus vielen Fällen nur einen einzigen:„Am 4. Oktober 1682 wurde Joh. Christoph Wexens, geheimen Rats und Kanzlars zu Merseburg uff der Universität Jehna studircnder einziger Sohn, Nahmens Johann Georg, des Nachts in der Johannis-Gassen von einer ihm ent- gegenkommenden tuinultirenden Kompagnie angefallen, ihm an- fangs die Nase, sammt einem Stücke von der Lefspen(Oberlippe) abgehauen, hernach aber uff der linken Seite der Brust von oben herein dergestalt gestochen, daß er alsobald darniedergefallen und des Todtes blieben, welchen tödtlichen Stoß Joh. Adolf von Wangenheim, ein adlicher Studiosus, von Buchheim bei Sonneborn, in dem Fürstentum Gotha bürtig, verübt, und darauff sich sobald aufs die Flucht begeben." Daß auch die von den adlichen Studenten beanspruchten Vor rechte häufig Veranlassung zu Händeln und Raufereien gaben, zeigt uns ein Vorfall in Jena vom Jahre 1607. Ein preußischer Adliger Kaspar Frvbner hatte seine adlichen Kommilitonen gegen ihre bürgerlichen Mitbrüder dergestalt aufgehezt, daß es zu einem förmlichen Kampfe mit Degen und Schießgewehr zwischen beiden Parteien kam; nur mit Mühe konnte durch das Zwischentreten des Professors Arumäns und des schon wiederholt genannten Rektors Wolfgang Heider, der bei dieser Gelegenheit verwundet wurde, die Ruhe wieder hergestellt werden.— Man fragt sich billig, wie es möglich sein konnte, daß unter den Augen der Professoren und Lehrer derartige Rohheiten ge- trieben werden durften und sich der Pennalismus so lange er- halten und solche Ausdehnung annehmen konnte, trvz aller Ber- Ordnungen, Mandate und Drohungen? Wenn auch die Wirre» des verheerenden Krieges es oft schwer machten, den gegebenen Verordnungen den nötigen Nachdruck zu verschaffen, und es den Uebeltäteni erleichterten, sich den verhängten Strafen zu ent- ziehen, so wirkten doch noch andere wichtigere Faktoren mit, die Unterdrückung des Nebels zu verhindern. Es war nicht selten, daß während des dreißigjährigen Kriegs die Professoren keine Besoldung erhielten, wodurch sie sich gezwungen sahen, um sich und ihre Familien ernähren zu könne», Studenten in Woh nnng und Verköstigung zu nehmen. Da dies eine sehr gute Einnahmequelle für sie wurde, so bewiesen sie sich gegen die Vergehen und Ausschweifungen ihrer Haus- und Tischgenossen sehr nachsichtig, um diese nicht zu verlieren, ja sie nahmen die selben bei jeder Gelegenheit in Schuz und halfen ihnen durch, so daß schließlich diejenigen Professoren angewiesen werden mußten abzutreten, über deren Konviktualen jeweilig im Senate ver handelt wurde. Ter schon genannte Dr. Joh. Matthäus Meyfarth legt ganz offen den Rektoren und Professoren einen großen Teil der Schuld zur Last, indem er in seinen„christlichen Erinnerungen" sagt: „Sie haben dazu große Ursache gegeben durch unbedachte Strengig keit, durch schädliche Lindigkeit, durch verhaßte Ungleichmäßig keit, durch verfluchte Geitzigkeit, durch schnöde Betrüglichkeit. Denn obwohl viel Rectorcs aus den Umständen tvohl merkten, welche Parthy recht, welche unrecht hatte: jedoch wußten sie die Karte klüglich zu vermischen, mit Vorwenden der Beweiß müßte klärer sehn, die Sache wäre noch zweifelhastig:c.:c. Oftmals waren die leichtfertigen Agenten den Rektoren, Professoren, Dok torcn und Magistern verschwägert, vervettert und sonst verwandt..... Andere Professorcs auf manchen Universitäten haben große Ursache dazu gegeben, wenn sie mit akademischer Jugend gefressen, gesoffen, grspielet, gejauchzet, gefluchet, kniend gesoffen, geblöckct, geschwermet:>ve»» sie Unter dem Fressen und Sanffen die Geiger und Trompeter holen und die Feldstücke zum Fenster hinaus blasen lassen: wenn sie neben der akademischen Jugend thcils auf offenen Plätzen, theilS in Stuben, auf Sälen, in 408 Giirtt'», in Hvfcn, in Vorwerckeni, in Wiesen gehiipfet, getmchet, flfflcifct. Dieses hnt iiisonderlieit gezieret die Dhcnloge», wmi» sie entweder in langen Röcken, oder langen Mänteln, oder ge- stichtcn Hartzlvppen daher gehilpfet wie die Elstern, oder wie die Israeliten um das Aronische Kalb".....„Gleichwie viele Evangelische Fürsten und Regenten", fährt er fort,„bei ihigen Länfsten slttZK) verfolgte» ihre eigene Priester und Pix biger mit Armuth und Hunger; also haben in nächsten Jahren viel Evangelische Fürsten und Agenten ihr eigne ToktvreS und Professores fast mit Gewalt genöthigct die Barbarei) auf Uni- versitäte» zu befördern. Denn als die Taktores und Pro- fessores keine Besoldungen ans den Rcntereyen erheben konnten, und doch mit Weib und Kindern in grossem Mangel fasten, »instten sie der Wirtschaft sich gebrauchen, Tischgänger annehmen und denen ein sattes Fressen, ein volles Sanffen, ein stetiges agiren, tribnliren, vexiren und martern der jungen Studenten gestatten, reichlichen an die Tastet schreiben und den lösesten Gesellen die süssesten Worte geben, ihnen fuchsschiväntzen, in den Uiiflätherric» das gröbeste verschweigen, das mittelste längnen, das geringste bekennen und entschuldige». Reben diesem haben Fürsten und Regenten große Förderung zu dem Unwesen ge- geben, wenn sie mit Trost befohlen, geboten diejenige wieder an- zunehmen, die von den Universitäten aus regelmäßigen Ursachen sehn fort geschafft worden; und solches auf ungestümes Anhalten der Eltern, Verwandten und Frennden, die vorgeschüstet, der uralte, adeliche, ehrbare und berühmte Stamme käme in äußerste Verachtung."..... Ein eigentümlicher Umstand ist noch zu berühren: Es findet sich nämlich das Pennalwesen nur ans protestantischen llniversi täten und nur in Deutschland, während auf den katvlischen nichts davon zu entdecken ist. Ter oft erwähnte Meyfarth— Prediger zu Erfurt— läßt sich darüber vernehmen:„Es ist zu fragen, ob agch die Patres der Societät Jesu solche Barbareyen bei den Universitäten und Akademien dulden, da sie lehren? Ich kann es nicht glauben, den» es ist wieder alle Regel ihres Srdcus", und Georg Schröder ruft ans:„Ch, wie wohl sind die Ealvi nischcn und Päbstlichen Universitäten, Reiche und Länder, da man dies nicht duldet, in diesem Falle bestellet!"— Bei einiger Kenntnis der damaligen Verhältnisse kann dies kaum Wunder nehmen. Tie widerwärtigen und kleinlichen Streitigkeiten, das ekelhaste Gezänk und das unwürdige Schiinpse» protestantischer Geistlicher in Wort und Schrift, konnte unmöglich dazu beitragen, die Achtung vor den Teologen und ihren Einfluß auf die Jugend z» erhöhen. Kam es doch vor, daß die geistlichen Herren zu tätlichen Angriffe» ans ihre Gegner schritten! Tic Plumpheit, Derbheit, ja Roheit der protestantischen Teologen bildete eine» anffallenden Gegensaz zu der Gewandtheit, den feineren llm gaiigsformeu und dem weltmännischen Takte der die katolische» Universitäten beherrschenden Jesuiten. Ter Geist des Hnmanis »ins, von de» Jesuiten ans ihren Bildnngsnnstalten gepflegt, beschämte mehr als einmal ihre protestantische» Gegner und ver! fehlte seinen Einfluß auf die Bildung der Jugend nicht. War es doch ein Jesuit Fr. von Spe», der bereits 1631 in seiner Cantio criminalis gegen die scheußliche» Hexenprozesse eiferte. während die protestantischen Geistlichen noch eifrige Förderer des Herenglaubens und der Hexenverfolgnngen waren. Räch dem Zeugnis sämmtlicher Schriftsteller, die gegen den Pcnnalismus austraten, beteiligten sich an dieser Roheit am meisten die Studenten der Teologie, während Juristen und Med! einer sich mehr davon fern hielten. I>r. I. Matth. Meyfarth, der es aus eigenem Augenschein wissen mußte, schreibt:„An de» Studenten der Rechte» und der Aichney ist zu loben, daß sie mit dem schändlichen und teuflische» Unflat des Pennalisirens nicht sonderlich ihre Seelen beflecken. Hat es einer oder der andere getan, wie kann ich solches wissen? Aber die leichtfertigen Gesellen, welche verlogener Weise sich Studenten der heil. Schrift nennen, haben sich großen Teils, meines Ei inneins, bei dem Wesen gebrauchen lassen......" Bestätigt wird dies durch Schnppins(Marburg«, Böeler in seiner hidliograiiliia critica (Straßburgh Fabrieins lHelmsladtl. Das scharfe, ernstliche und gemeinschaftliche Vorgehen der Fürsten und Universitäten hatte endlich, wie wir gesehen, wenig-, stens dem öffentlichen Auftreten des Pennalismns ein Ende ge macht(1662— 1667), innerhalb der National- Collegic» aber! wucherte das Uebel, wenn vielleicht auch mit etwas weniger Roheit, weiter. Bei den Zechgelagen und Schmansereien kamen die verschiedensten Ausschreitungen in dieser Beziehung vor, söi daß z. B. der Kurfürst von Sachsen, Johann Georg III. sich. in einem Reseript vom 18. Aug. 1682 bewogen sah, die Ratio nalverbindnngen ans der Universität Leipzig zu verbieten. Auch aus Jena vernehmen wir von Nachwehen des Pen- nalismus in den Nativnalverbindnngcn. Tic älteren Studenten j verlangten von den jüngeren mit Ehrerbietung gegrüßt zu wer- de», und wer sich diesem Verlangen nicht fügte, geriet in Händel! und Kvnflikte, die zu Zweikämpfen führten. In einem Mau- datc des Herzogs Bernhard Vom 22. Juli 1675 wurden die in Jena organisirten 4 Rationen oder Landsmannschaften ver- 1 boten, allein ohne den gehvssten Erfolg. Auf ander» llniversi' täte» wird es ähnlich gewesen sein, wie das Fortbestehen der I Landsmannschaften mich im 18. Jahrhundert bezeugt. Wenn mich die allmälich milder werdenden Sitten die Scheußlichkeiten| des Pennalismns nicht wieder aufkommeu ließen, so bestand I doch noch länger als ein Jahrhundert eine strenge Unterscheidung| der Studenten nach der Zeit(den Semestern), die sie ans der I Universität zugebracht, was sich besonders durch den innerhalb I dieser lmidsmaiiiischastlichen Verbindniigen herrschenden Ton be j merklich machte. Selbst noch bis in die neuere Zeit ist auf| den Universitäten, namentlich bei den Korps oder Landsmann- j schaften ein Unterschied zwischen den älteren Studenten und de» s Reueiutretenden(Füchsen— wie sie von den in der Zeit des| Pennalismns angehefteten und von den Schönsten abgeschnittene» i Fuchsschwänzen genannt wurden), besonders in dem„pro pöna| Spinnen" der lezteren(d. h. im Austrinken verschiedener, oft k nicht geringer Quantitäten Biers aus Geheiß der älteren) z»I erkenne». Tie„Fnchstanfen" und„Fnchshazen" erinneni noch 1 an pemialistischc Gebräuche, und wir stehen nicht an zu be( hanpten, daß der Vers eines Studentenliedes: Sauerkraut und Stiefelwichse ist das Leibgericht der Füchse ze. je. wenn mich vielleicht nnbewiißt, eine Reminiseenz aus älterer| Zeit enthält. Werfen wir, nachdem wir das Erlöschen des Pennalismns I geschildert, am Schluß noch einen Blick auf das Ende der Te Position. Bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts tat sich in der Ansicht über den Wert der Tcposition ein Um- schwiing kund, der vorzüglich durch die Äusschrcitungen des Pe»_ 1 nalismus hervorgerufen ward. Man sing an, einzusehen, daßi die Einrichtung unzeitgemäß, n»r die allgemeine Roheit besör dertc und dem Pennalismns einen Schein der Berechtigung ver i lieh. Bereits in den Straßbnrger Senats-Protokollen von 1 63»| wird darüber verhandelt und in den Jenaer Visitation� Akte» spricht sich Herzog Ernst von Gotha über die„possenhaste n»s bedeutungslose Eereinouie" aus. Da aber besondere Bezüge s»> den Dekan der philosophischen Fakultät damit verbunden wäre». dauerte es noch längere Zeit, bis die gänzliche Beseitigung er folgte. In Halle ward die Depositivn gleich bei Gründung der Universität 16(14 unterdrückt, in Königsberg ward sie 171' amtlich abgeschafft und an ihre Stelle ein Eraiiien vor dei» Dekan der philosophischen Fakultät gesezt! Wittenberg besei tigte sie 1733, nachdem in diesem Jahre der zeithcrige Tepo sitor Bulisius, gestorben war. In Erfurt hörte sie in de» dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ganz von selbst a»h; trvzdcm sie noch gesezlich bestand, ebenso in Jena. Ans beide» leztgeiianiiten Uuiversitäte» erhielt sich längere Zeit mir noch de>- Brauch, de» neu Angenommenen durch den Pedell die Tep» sitions Instrumente vorzeigen und deren Anwendung erklären K1 lassen.„Dieses Vorzeigen", sagt O. Schada a. a. O.„war de> lezte Rest des einst so allgemeinen Brauches, der sich da»» auch nach»»d nach vollends verlor und mir in der Sprache, in del Redensart: die Hörner ablaufen, eine Erinnernng hinterlassen Ii»1, 409 Eine Säkular- Erinnerung an Schiller. Von Ur. A. Israel. (Schlich.) Zu den merkwürdigsten Gedichten der Antologic zahlen in erster Linie die Laura-Oden. Liest man dieselben mit lugend- lichen Augen, so ist man geneigt, zu glauben, hier K>„gel cm' PI aus tiefer Brust dcS Liedes Flammenborn." Auch hat man schon versucht, aus den zerstreuten Farbcntönen der Laurage> i e eine Lauragestalt zusammenzumalcn, welche Schiller leidens in- lich geliebt haben soll. Tic biographische Wahrheit mich aber dieses Nebelgebilde bei Seite schieben; denn Laura war ledig- >ich ein Phantasicbild. Und prüft man sie genauer, so karaltcri- siren sich die Laura-Oden eben als dichterische Ergüsse an eine Lustgestalt. Troz ihres starken Aufwands von sinnlichen Vil- dcrn sind sie ohne alle sinnliche Vegreislichkcit, nicht Produkte des tatsächlich Erlebten, sondern der Erwartung, der Erwartung eines Jünglings, dessen glühende Einbildungskrast nicht nur die unbekannte Geliebte vor Augen, sondern auch sich selber schon in ihren Armen sieht, trunken vor Wonne, stammelnd vor Entzücken. Ties wird auch von Karoline v. Wolzogcn behauptet:»Tie Laura- grdichtc, schreibt sie, scheinen mehr das Erzeugnis eines ihm bis jezt unbekannten cxaltirtcn Gefühls, ols wahrer Leidenschaft für einen destimmten Gegenstand entsprun- gen." Aber so eine gegenständ- lose Schwärmerei— sagt Scherl hat immer etwas Hohles, innerlichst Kaltes und ich bekenne mich gerne zu der Kczerei, daß mich die Laura-Oden an das gc- backene Eis der Chinesen ge- mahnen, welches den Gaumen derbrennt und den Magen ver- kältet.— Schiller war indes nicht der Mann, sich über sich selbst in täuschen. In einer Selbst- Rezension äußert er u. A.:„Die KWIW WWWW uage aus: Alpenblumen.(Seite 41.1.) Mensch! Ich bitte, guck heraus! Kicken nicht zwo Stunden, Steh' ich so vor deinem Haus, Stehe mit den Hunden. S'rcgnet was vom Himmel mag, S'gwittert wie zum jüngsten Tag, Pudelnaß die Hosen! Platschnaß Rock und Mantel eh, Rock und Mantel nagelneu Alles dieser Losen. Draußen, draußen Sauß und Brauß! Mensch! Ich bitte, guck heraus. Eh, zum Teufel! guk heraus! Höre mein Gesuche! Beten, Singe» geht mir aus, Willst du, daß ich fluche? Muß ich doch ein Hans Dampf sei», Fror ich nicht zu Stein und Bein Wenn ich länger bliebe! Liebe, das verdank ich dir, Winterbeulen machst du mir, Du vertrakte Liebe! Draußen, draußen Kalt und Grauß! Eh zum Teufel guck heraus! Von geringerem Werte als die erotischen Gedichte sind die bacchische». Tas ansprechendste derselben ist wohl das folgende von epigrammatischer Kürze: Der Württemberger. Der Name Wirtcniberg Schreibt sich von Wirt am Berg: Ein Wirtemberger ohne Wein Kann der ein Wirtemberger sein? Ueberhanpt ist das epigram matische Talent Schillers reich- lich vertreten. Er übt sich an der Sittenlosigkcit der Zeit, an dem ärztlichen Beruf und an li- terarischeir Antipaticn. Auch ans Spinoza findet sich ein Epigramm in der Sammlung, obgleich Schiller diesen Philosophen damals wohl schwerlich studirt hatte; tvcnig- stens lassen die Briefe an Körner dies vermuten. TaS Epigramm lautet: Spinoza. Hier liegt ein Eichbaum umgerissen, Sein Wipfel tat die Wolken küssen, Er liegt am Grund— warum? Die Bauern hatten— hör ich reden, Sein schönes Holz zum Bau'n von- nöten, Und rissen ihn deslvegcn um. Ein anderes, über K top stock und W i e l and(als ihre Silhuetten bei einander hingen), lautet: Gewiß! bin ich nur iibcr'm Strome drüben, Gewiß ivill ich den Manu zur Rechte» lieben Daun erst schrieb dieser Mann für mich. Für Menschen hat der linke Mann geschrieben, Ihn darf auch Unsereiner lieben; Komm', linker Mann, ich küsse dich! Bon Schillers abgeneigter Stimmung gegen den seraphischen ,»«.°.ch mc Religion beschenkte dies Gedicht. Auch umgekehrt?— Das fragt mich nicht. wogegen der junge Dichter sich zu Wiclands glänzendem Stil und seinem griechisch feinen Geiste lebhaft hingezogen fühlte. Eines der bedeutendsten Gedichte der Antologie ist das über Tie schlimmen Monarchen. Es erinnert lebhaft an manches neuere Produkt der politischen Poesie und ist vermutlich von Schnbarts„Fürstengruft" inspirirt und aus der gereizten Stim- mung gegen den Gründer der Karlsschule hervorgegangen, der sich bekanntlich den Produkten unseres Dichters sehr abhold zeigte und durch seine Zwangsmaßregeln den jungen Brausekopf auf's Höchste gegen sich aufbrachte. Es ist maßlos in Gedanken und Ausdruck und so persönlich, daß es zu verwundern wäre, wie es nur die Erlaubnis zunl Druck erhielt, wenn man nicht wüßte. daß zu jener Zeit nach stärkere Tinge durch den Druck ver- vffentlicht werden durften. Im lczten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts jedvch kann man die Veröffentlichung eines solchen kraftstrozendeu Oöedichts nicht mehr riskiren. Dafür»vollen»vir unsere Leser mit dem lczten Gedicht der Antologic zu entschädigen suchen. Die Winternacht. Ade! Die liebe HergottSsonnc gehet, Grad' über tritt der Mond! Ade! Mit schwarzem Rabenflügel»vehct Die stumme Nacht nm's Erdenrund. Nichts hör ich mehr durch's»vinternde Gefilde, Als tief im Felsenlvch Tie Murmclquell', und aus dem Wald das»vildc Geheul des llhu's hör ich noch. Im Wasserbette ruhen alle Fische, Die Schnecke kriecht in's Dach, DaS Hündchen schlummert sicher unterem Tische, Mein Weibchen nickt im Schlafgemach. Euch Brüderchen von meinen Bubentagcn Mein herzliches Willkomm! Ihr sizt vielleicht mit traulichem Behagen Um einen deutschen Krug herum. Im hochgefüUten Dcckelglase malet Sich purpurfarb die Welt, Und aus dem goldnen Traubenschaumc strahlet Vergnügen, das kein Neid vergällt. Im Hintergrund vergangner Jahre findet Nur Rosen euer Blick; Leicht,»vie die blatte Knastenvolkc, schivindct Der trübe Gram von euch zurück. Vom Schaukelgaul bis gar zum Doktorhüte Stört ihr im Zeitbuch um, Und zählt nunmehr mit federleichtem Mute Schiveißtropfcn im Gymnasium; Wie manchen Fluch— noch mögen unter m Boden Sich seine Knochen dreh»!— Tcrenz erpreßt, troz Herrn Minelli's Rote», Wie manch' verzogen Maul geschn; Wie ungestüm dem grimmen Landexamen Des Buben Herz geklopft; Wie ihm, sprach jezt der Rektor seinen Rainen, Der helle Schiveiß auf's Buch getropft. Wohl red't man auch von einer-- e— gewissen, Die sich als Frau nun spreizt, Und Manches»vill der Lecker baß nun wissen, Was doch ihr Mann baß— gar nicht Ivciß.— Nun liegt dies All im Nebel hinter'm Rücken, Und Bube heißt nun Mann, Und Friedrich schlveigt der»vciscren Perrücken, Was einst der kleine Fritz getan.— Man ist— poz gar! zum Doktor ausgesprochen, Wohl gar— beim Regiment! Und hat vielleicht— doch nicht zu früh, gerochen, Daß Pläne— Seifenblasen sind. Hauch immer zu— und laß die Blasen springen; Bleibt nur dies Herz noch ganz! Und bleibt mir nur— errungen mit Gesängen— Zum Lohn ein deutscher Lorbeerkranz. Hoffmeister sagt in seinem größeren Werke, daß ihm die Rezension Schillers über seine Räuber beinahe besser gefalle, als die Räuber selbst. In gewissem Sinne könnte man das auch von der Selbstrezension Schillers über die„lyrischen Räuber." >vie die Antologic schon genannt ivurdc, behaupten. Diese vor- treffliche Rezension, welche zeigt, daß die Selbstläuterung des Dichters bereits große Fortschritte gemacht hatte, stand im württembergischen Repertorium und lautet:„Schon»vieder eine wiirttembcrgische Blumenlese?— Sie»vachsen nach wie die Köpfe der Hydra! Kaum haben wir einen Kopf von den Schultern gespießt, husch! springt schon ein zweiter, größer und trozigcr, aus dem Rumpfe.— Und eine Antologic aus Tobolsko! Auf was doch die Herren Entrcpreneurs nicht alles verfallen! Auch den Norden verschonen sie nicht und beschmuzcn das schuldlose Sibirien niit ihrer poetischen Tinte. Warum der Antologist sein Vaterland verleugnet, mag er wiffcn. Sonst trompetet er sich mit einem ziemlich brutalen Motto voraus, wenn es anders nicht Anspielung ist: ,Tum primura racliis gelidi incalucre trioncs.' In der Vorrede wird verhoffcntlich über die anderen Museiisammluiigen(doch hie und da nicht mit Unrechts geschimpft, und auf den schwäbischen Almanach, als den Amtsbruder, spöttisch geschielt. Der Herausgeber mag dem Herrn Stäudlin nicht hold sein und zupft ihn,»vo er kann; mag er Recht haben oder nicht, uns mißfällt diese beiderseits läppische Zänkerei. Das Buch »vird dem Tod zugeschrieben und der Autor verrät sich, daß er ein''Arzt ist.— Die Gedichte selbst sind nicht alle von den gewöhnlichen." Hier folgt die bereits angeführte Kritik der Laura- gedichte und eine kurze Beurteilung einiger anderer Gedichte, »vorauf der Rezensent fortfährt:„In einigen, als z. B. dem Fragment an einen Moralisten, vorzüglich den Kastraten und Männern, der Bergleichung und einigen Sinngedichten fällt ein schlüpfriger Wiz und petronischc Unart auf. Einige darunter sind launisch und satyrisch. Doch sehr oft ist der Wiz auch ge- zwungcn und ungeheuer. Im ganzen sind sast alle Gedichte zu lang und der Ken» des Gedankens wird von langiveiligcn Ver- zierungen überladen und erstickt. Die meisten der Sinngedichte scheinen mehr da zu sein, die Lücken zwischen größeren auszufüllen und sagen nichts..... Viele Stellen sind vo» edlen» Freiheitsgeiste belebt, und feile Lobreden findet man hier nicht. Eine strengere Feile»väre indes durchaus nötig gewesen und überhaupt unter den Gedichten selbst eine strengere Wahl•— aber das Buch mußte eben dick»verde»» und seine achtzehn Bogen haben;»vas kümmert es den Aiitvlogistcn, ob er unter die Narzissen und Nelken auch hie und da Stinkroscu und Ganse- blumcn bindet? Dessen ungeachtet hat diese Sammlung manche ihrer Schwestern in Schalten gestellt, und zu lviinschcn»väre es immer, daß Teutschland mit keiner schlechten» heimgesucht würde. Möchten sich doch unsere jungen Dichter überzeuge». daß Ileberspannung nicht Stärke, daß Berlezung der Regeln des Geschmacks und des Wohlstands nicht Kühnheit und Originalität, daß Phantasie nicht Empfindung und eine hochtrabende Ruhm- redigkcit der Talisman nicht sey, von welchem die Pfeile der Kritik splitternd zurückprallen;— möchten sie zu den alte» Griechen und Römern wieder in die Schule gehen und ihrc» bescheidenen Kleist, Uz ui»d Geliert wieder zur Hand nehm»'» — möchte»» sie— doch was sollen sie nicht alles mögen! Unsere � modischen Scribcnten wissen gar zu gut,»vas sie dem gegen' »värtigen Geschmack auftischen müssen, um Entree zu bekomme»- — Diese Antologic scheint sich jedoch,»ven» sie die Absicht hätte. jedermänniglich zu gefallen, schlimm betrogen zu finden: de»» der darin herrschende To» ist durchaus zu eigen, zu tief zu niännlich, als daß er unseren zuckersüßen Schiväzern»»� Schwäzerinnen behagen könnte."— In der Tat gefiel die A»' tolvgie nicht„jedermänniglich" und die lyrischen Räuber»nachte» nicht so viel Glück als die dramatischen. Stimdlin war ebe»' falls nicht zu zermalmen,»vas Schiller, nach Scharffenstei» Mitteilung, beabsichtigt hatte, er tauchte sogleich nach dem@tu»5 bad wieder auf und z>var mit einem Band Gedichte, eins,„das Kraslgenie," eine giftige Karrsikatur Schiller s g»' Das»vürtteinbcrgische Repertorium antwortete mit einer derbe» Abfertigung, ganz in Schillers Ton. Stäudlin erlebte nvch � vollen Ruhm seines Gegners. Aber»venu die sibirischen Blui»e der Welt nicht gefielen, in einen Kerker zauberte ihr Duft b' Frühling hinein, einem gefangenen Dichter brachten sie he>i stärkende Erquickung. Schubart, der Gefangene des Asperfi fand die Antologic so sehr nach seinem Geschmack, daß et I Sommer 1782 an seine Frau nach Stuttgart schrieb:„64', ist ein großer Kerl— ich lieb' ihn heiß— grüß' ihn!"». in ein dithyrambisches Tankpoein an Schiller ausbrach, wel� begann: 411 Dank dir, Schiller, für die Wonne, Tie deinem Gesang entquoll!— Meines Berges Genius, der Riese, Ein Schäzer hohen Sang's, Lauscht' dir, daß der Kolbe von Stahl Entsank seiner wolkigen Rechte. Auch ich schlang deinen Gesang, Wie der Langdurstendc Mit wollüstig geschlossenem Ange Schlürft aus des Baches Frische. Sah' nicht des eisernen Gitters Schatte», Ten die Sonne malt Auf meines Kerker» Boden! Hörte nicht Fesselgeklirr am wunden Arm, Denn du sangst! Schiller, du sangst! Deiner Lieder Feuerstrom Stürzte tönend nieder vor mir, lind ich horchte seinem Wogensturze; Hoch empor stieg meine Seele Rtit dem Funkengestäube Seiner Flut.— Von guter Frauen Trinken. Von M. Wittich. Bei meinen Wanderungen durch die deutschc �ittengeschichte mußte mir, wie jedem, der diese-Z Gebiet durchlauft, m» ch altväterliche Tugend des gewaltigen Trunkes begegnen. genötigt gesehen haben. Aber: Eenes Mannes Rede Ist keene Rede:.. Man mich sie billig hören beere. � bachs Parcival weiß das schon die Königin Ginevra. Für die Königin man do trug, Das Trinken, trunken sie genug, @i:,. ««(» rat m llicö im Si-d-rbuch d» W"" ! Augsburger Nonne um 1470): Trink gut Kätterlein(Kätchen), Machst rote Wängelcin! ##@0# jielend erteilt werden: courtoisie, beauto, savoir ne peut Dame yore en soi ai Fi de la Dame qui s'enyore, eile n'est pas digne de vnre. ist verdollmetscht: ..... Sic ist nicht würdig mehr zu lebe». ■ Kopf ein Zettel geheftet worden mit der Aufschrift„Versoffene Krugurschel"(Krug-Ursula, d. h. eine Ursula, die immer den Krug in der Hand hat.) Heinrich von Neuenstadt, derselbe, der über den gericht- lichen Zweikampf zwischen Mann und Frau berichtet(um 1300), klagt über das Völlerleben in der schon damals sehr genußfreudigen Wienerstadt: Fraßheit(Fresserei) hat genommen überhand Und allermeist in Osterland(Seftreichl, Trunken voll und übersatt Ist mancher Mann in Wiener Stadt Und etlich' Frauen auch allda. Eifert doch auch Berthold, der berühmteste Prediger des Mittelalters, daß die Frauen oft ihren Schleier vom Kopfe verzechten wie die Männer das Schwert! Trinklust der Frauen bezeugt auch jenes Kneiplied aus dem Kloster Blaubeuren, wo es heißt: bibit bera, bibit herus bibit ille, bibit illa, bibit servns cum aucilla bibit soror, bibit trater bibit anus, bibit inater... Wir wollten den lateinischen Tezt nicht missen wegen seines fröhlich übermütigen Klanges der Worte. Er lautet deutsch: Es trinkt die Herrin, trinkt der Herr, Es trinkt jene, trinket jener, Es trinkt der Knecht mitsammt der Magd Es trinkt die Schwester, trinkt der Bruder Großvater trinkt, es trinkt die Mutter. Das ward durch die Reformation nicht besser. In v. Zimmerns Chronik heißt es, daß die Mägde(d. i. die Kammerfrauen) der Gräfin Barbara von Wertheim„feindlich gesoffen" hätten, und der gelehrte Buhbach berichtet in seinem Reisebuche, daß holländische Frauen zu dritt oder viert an einem Tage eine Tonne Bier bewältigt hätten! In der Schwäbisch-Haller Chronik von Herold findet sich folgendes feuchte Histörchen:„Anno 1532 sind drei adelige Geschwistrig, die Friderichin genannt, von Eltershofen bärtig, nach Johannestag im Sommer gen Untertürkhcim von Hall in des Mühl-Michels Hauß kommen, allda des besten Weins 32 Maas ohn die Kost ausgetrunken, die Zech bezahlt und seien ruhig vor Nachts wieder mit einander gen Hall gangen." Das Märlein ist überschrieben:„Drei wohlbesoffene Weiber", das Wort: wohlbesoffen, was man der Sprache des derben 16. Jahrhunderts auf Rechnung sezen mag, heißt so viel wie: gut eingetrunken, im Trinken geübt; und das müssen sie wahrlich gewesen sein, die wackren Drei! Der scharfzüngige Humorist Fischart(f 1590) bemerkt auch, „die Frauen sollten nicht über den Wirtshausbesuch ihrer Gatten schmählen, während der Zechzeit säßen sie eben daheim, aber auch beim Zapfen." Dies Gerücht ging sogar über Deutschlands Grenzen hinaus und Heinrich IV. von Frankreich wird die ungalante Aeußerung gutgeschrieben, er wollte keine Deutsche ehelichen, er könne sich nicht entschließen in ihr immer eine Weinkanne um sich zu haben. 412 Auf Schloß Ambras führte man ein Trinkbuch, iu das sich alle einzeichneten, welche den 3 Maß haltenden Willekumbechcr schwangen und die Reihe der Frauen eröffnet niemand anders als die bekannte Philippine Welserin(1557); ihr folgen eine stattliche Reihe fester Trinker weiblichen Geschlechts. Vielfach angezogen und deshalb weit bekannt ist die Trink- ordnnng Ernst des Frommen von Sachsen-Gota vom Jahre 1648. Ta heißt es:„Zum Untertrnnck vor unser Gemahlin soll an Bier und Wein, soviel dieselbe begehren wird, gefolget werden. Vors gräfliche und adelige Frauenzimmer aber 4 Maß Bier und des Abends zum Abschenken 3 Maß Bier; vor die Frau Hofmeisterin und zwo Jungfern und vor die Mädgen wird gegeben von Ostern bis Michaelis Vormittags um 9 Uhr ans jede Person 1 Maß Bier und Nachmittags 4 Uhr ebenso viel." Tie Teilnahme der Fräulein an Studentenkncipereien ist belegt durch die Entscheidung, daß einem Studenten seine Räch- barin helfen dürfe, wenn er nicht floricos auszutrinken vermöchte; floricos trinken heißt: das Gefäß mit den Lippen um- schließen und mit einem Sturm das Getränk iu die Gurgel gießen, daher denn aus Wiedertrieb des Atems kleine Bläschen auffahren, welche die Unfern Hores, zu deutsch Blümlein nennen. Tiefe Sitte des Mittrinkens mag denn die Trinkfertigkeit der Damen wohl ausgebildet haben. 1737 erschien in Halle noch eine gelehrte Abhandlung: ilo cbrietate raulierum: über die Trunksucht der Frauen. Aus gleicher Zeit datirt wohl ein Schwank, iu welchem eine Frau auf dem Grund des Bechers, aus dem sie stets trank, Gott den Herrn bilden ließ und ihrem Manne, der sie schalt, erwiederte, mau müsse immer den Herrn vor Augen haben. Der aber läßt einen Satan dahin prägen, und nun meint die immer noch trinklustige fromme Frau, dem Teufel müsse man soviel als möglich Abbruch tun. und— trinkt weiter!. Um unsre deutschen Frauen aber wieder zu versöhnen, wen- den wir unsre Blicke wieder ins Ausland. Das Liqueurchen spielte in Frankreich eine große Rolle: Marianne von Bour- bon soll ihm geradezu zum Opfer gefallen sein und Katarina II. von Rußland liebte das gebrannte Wasser mit moskowitischem Entusiasmus. Das Altertum ist voll von Belegen für die hohe Bacchus- Verehrung durch leistungsfähige Priesterinnen. In den Ruinen Tebens finden wir auf einem Wandgemälde, ein Zcchgelag darstellend, eine bedenklich angegriffene ägyptische Dame, und der weise Jesus Sirach muß deren beim Volke Israel auch kennen gelernt haben, denn er warnt:„Ein trunken Weib ist eine große Plage." Bei den Römern befolgten nicht alle, namentlich nicht die Damen der lüderlichcn Kaiserzeit, die Vorschriften der alten Sitte. Ja schon Horaz beklagt das arme Weiblein, die nicht Amors Spiele spielt und das Herzcnsweh mit Wein vertreibt. Auch von allzu reichlich dem Bacchus opfernden jungen und alten Weibern weiß er ein Liebchen zu singen. Auch die pompejauischen Wandgemälde belegen dasselbe. Auf einem der- selben stehen zwei Mädchen in einer Kneipe und die Kellnerin spendet ihnen Getränke.„Ist das mein?" fragt die eine; die andre entgegnet„Mein ist's nicht!" Die Kellnerin bemerkt dazu„Trink wer will! Komm Oceane, komm und trink!" Unsre Leserinnen werden uns dieses ungalantc Kapitelchen hoffentlich nicht für ungut nehmen: wir trinken selbst gern ein gutes„Schöppeli" und wissen nicht, ob dereinst uns nicht auch ein Text ans diesem Kapitel gelesen werden wird. Des- halb wollen wir bei Zeiten vorbeugen! Im Kampf und er alle. Roman von Ierdinand Stiller. (3). Fortsezung.) Franz Stein war von David fortgeeilt, um sich zur Post zu begeben. Möglich, fast wahrscheinlich dünkte es ihm, daß er da Nachricht über den bisherigen Aufenthaltsort seiner Frieda zu erhalten vermöchte. Er hatte erst in den lezten Tagen au sie geschrieben; jeder seiner Briefe trug die Adresse des Ab- senders, also hätte ein Schreiben, das seineu Adressaten nicht zu erreichen vermocht hätte, iu seine Hände zurückgelangen müssen. Die immerhin nicht sonderlich zuverlässige Hoffnung beflügelte seine Schritte; er stürmte so rasch vorwärts, daß viele der ihm Begegnenden stehen blieben und ihm verwundert nachschauten. Sein Weg führte ihn am Weißen Adler vorüber. Er gc- dachte den Portier im Vorübereilen zu verständigen, daß viel- leicht jemand nach ihm fragen werde und daß er vorläufig direkten Weges nach der Post gegangen sei, woher er sofort wieder in das Hotel zurückkehren oder Nachricht senden werde, wo er in den nächsten Stunden aufzusuchen sei. Der, für den diese Mitteilung hauptsächlich bestimmt war, brauchte sie nicht erst aus zweiter Hand in Empfang nehmen,— er stand schon seit einer halben Stunde an der Hoteltür und wartete sehnsüchtigst auf den nobelsten Menschen, der ihm jemals in seiner Schuldienerlaufbahn vorgekommen war. „Ah, gnädiger Herr, da sind Sie ja," rief er Franz Stein schon auf zwanzig Schritt Entfernung entgegen,— anders als durch die Anrede„gnädiger Herr" wußte er seiner riesigen Hochachtung nicht den ihm unbedingt nötig scheinenden Ausdruck zu gebe»,„ich warte schon wer weiß wie lange——" „Bringen Sie jczt schon Nachricht, Mann?" fiel ihm Stein ins Wort.„Sprechen Sie, schnell!" „O s'ist wenigstens was, was ich raus Hab, wenn auch nicht alles, aber ich wollt' es Ihnen doch gleich melden. Wir haben nämlich eine Muhme, die hat für's Fräulein Haßler immer ge- waschen und auch Wäsche genäht und die wohnt ganz in meiner Nähe. Tic Hab' ich also gestempelt, daß sie zu unsrcr Frau Direktorin gegangen ist, und der gesagt hat, sie müsse das Fräu- lein notwendig was fragen, wo sie sich da hinwenden solle. Und unsre Frau Direktorin hat auch garnichts gemerkt und hat ja gesagt, da müßte sie schon schreiben, denn's Fräulein Haßler wäre verreist und käme nicht bald wieder. Den Brief brauchte sie aber nicht auf die Post zu geben, sondern sollte ihn bei unserm Herrn Konsistorialrat abgeben,— der würde das Nötige ver- mittelu. Franz Stein atmete hoch aus. „Sic lebt— sie lebt wirklich!" drängte es sich leise über seine Lippen und laut fügte er hinzu:„Wie heißt dieser Konsi- storialrat?" „Kölle— Sr. Hochwürden der Herr Konsistorialrat Kölle." „Dieser— ein Ortodoxer reinsten Wassers,— ah, ganz richtig— auch Ihre Direktorin ist ja eine ganz außerordentlich fromme Dame." Ter Schuldiener sah sich vorsichtig um. Dann nickte er. „Na und wie die fromm ist— zum Davonlaufen manchmal, Herr, rein zum Davonlaufen." „Nun sauge ich an zu begreifen," sagte Franz Stein laut zu sich selbst,„es galt eine Seele zu retten,— was die Frau Krause zu ihrem Hasse gegen mich treibt und den Konsistorialrat zu ihrem Bundesgenossen zu machen geeignet ist, erscheint klar genug. Aber Frieda selbst,— sie, sie kann doch nicht so schwach sein, sich ans solchen Beweggründen von mir entfernen zu lassen——" Er sah einen Augenblick düster sinnend vor sich hin. Ter Schuldiener redete ihn wieder an: „Ich denke Ihnen heute noch mehr melden zu können, gnä- diger Herr. Vielleicht kann die Muhme—" „ Senden Sie Ihre Verwandte sogleich zum Konsistorialrat,— "c'ÜH bort nun dein Konsistorialrat selbst oder seinem Hans- Personal, koste es, was es wolle, zu erfahren suchen, wohin man riefe für Frieda Haßler zn senden hat. Sic kann einen über -kchche oder dergleichen ganzlich harmlose Angelegenheiten han- elnden Brief mitnehmen und bitten, man möchte ihr die Adresse lagen oder draufschreiben,— nur muß das Schreiben so ein- �richtet sein, daß es scheint, als ob die Sache große Eile habe. strengen Sie Ihren Scharfsinn an,— Sie wissen, wie Sie gelohnt werden— hier indessen eine Abschlagszahlung." -rer Tchnldiener wurde feuerrot vor Freude. �„Werd'S besorgen, wcrd's ganz sicher besorgen. In ein par stunden hat der gnadige Herr bestimmt die Nachricht." Er rannte von dannen, als ob es hinter ihm brennte, lind »hundert Taler— hundert Taler," sagte er immer von neuem Uor sich hin, bis er vor der Pforte des Schulgebäudes angc- 'angt war. Franz Stein begab sich ins Hotel. Er wollte sich nur er- uubigc», ob irgend welche Nachrichten für ihn angekommen seien, was er für nicht unmöglich, aber doch nicht wahrscheinlich hielt. . Mit dieser seiner Meinung sollte er sich jedoch getäuscht laben. Ter Portier übergab ihm ein Telegramm. Es kam von lunem� Buchhalter aus Seifersdvrf. Derselbe teilte ihm mit: »vMt der Fabrik große Aufregung. Gearbeitet wird fast garnicht. Arbeit soll noch heute ganz eingestellt werden, wenn '"cht schriftliche Verpflichtung unter bisherigen Lohn niemals hinunterzugehen und keinen der jezt beschäftigten Arbeiter inner- Jahresfrist zu entlassen. Was tun?" «tein behielt die Depesche offen in der Hand und ging in 1!" Zimmer. Er mußte einen Augenblick allein sein, um über Knie Situation und die notwendigen Maßregeln klar zn werden. er widern Umständen, als die waren, welche ihn seit heut wrgen beschäftigten, würde ihn eine Nachricht, lvie er sie soeben rhalten, aufgeregt und entrüstet haben. vMi diesem Augenblicke aber fühlte er sich gegen solche Fata- > aten,— mochten sie für seine materielle Lage so bedrohlich üm, als sie wollten,— gefeit. Nur die Sorge um Frieda ging v, �/�wrzcn— tief, allertiefst zu Herzen, alles andre bc- u)Ue ihn zwar, es regte ihn zum Widerstände an, aber es h merzte, es beängstigte ihn nicht. sok'*'4.— über die Folgen der ihm gemeldeten Tatsache— Eni es sich wirklich um eine Tatsache handelte— war er von vii, hercj,, mit sich einig,— sein ganzes Etablissement, der weit- flrößte Teil seines Vermögens stand ans dem Spiele,— "u? einet Karte. Aber was war ihm sein Vermögen, wenn er Frieda verlor. » wenn er sein Mädchen wieder hatte, wollte er gern auf "'es Besiztums größten Teil verzichten. Aber wenn er seine .'eda wieder fände, sich wieder eroberte in dem Augenblicke, r ihm an materiellem Hab' und Gut alles, rein alles raubte, wa» ex je besessen? Mußte er nicht dann auf Frieda verzichten, durfte ein Bettler c freien, er als Bettler, dem sie die Hand gereicht zur Zeit, n mit Recht als wohlhabender, ja reicher Mann galt? i, �ber er dachte troz allem, was vorgefallen und was er sich A lange nicht vollständig zu erklären vermochte, dennoch zu kö' Uon.. feiner Frieda, als daß er hätte für möglich halten �»neu, sie würde auf ihn verzichten, ihn verschmähe», weil er ». schuldet arm geworden wäre, und dann dachte er auch nicht y,? genug von sich, um zu bezweifeln, daß es ihm selbst nach ." härtesten Schicksalsschlägen schwer fallen würde, sich und ihr �' eigener Arbeit wenigstens das tägliche Brot zu verdienen >ich allmälich wieder zu einer bescheidenen bürgerlichen Exi- rnz emporzuschwingen. Zudem vermochte er sich in die lieber- Eogung, daß das materiell Schlimmste, der totale Bankerott "wv Etablissements ihn treffen könne, denn doch nicht so recht "ein zu denken. bn- Schlimmste trifft ebenso selten ein, als das Beste,— nah Elück und das furchtbarste Unglück sind seltenste Ans- .-j»b"'esälle,— wie die meisten Menschen Durchschnittsmenschen ""b sein müssen, so trifft die meisten auch ein Durchschnitts- loos,— und in jedem Unglücksfalle ist nichts gefährlicher, als sich von der Angst vor dem Schlimmsten einschüchtern zn lassen, — allem, was da kommen kann, kühn in's Auge schauen, dem Unglück ein Paroli biegen und handeln, das ist die Art, mit dem Leben und den Leuten fertig zu werden. So hatte er sich gesagt, als er in seinem Zimmer ein par- mal auf- und abgeschritten war. Handeln, aber wie handeln? Sollte er seinen Arbeitern nach- geben? Aber wäre das nicht Schwäche gewesen, Schwäche, für welche die Blamage der verdiente Lohn wäre? Und gab er sich dann nicht auf Gnade oder Ungnade in die Hände einer unselbständigen, leicht beweglichen, leicht gegen ihn einzunehmenden und gänzlich unberechenbaren Menge? Das ging unmöglich, selbst wenn er sich entschlossen hätte, für das ganze nächste Jahr mit einem Verlustsaze zu produziren, der ihn langsam, aber darum nicht minder sicher, zum Ruin geführt hätte. Dem so sicheren langsamen Untergang war der rasche jeden- falls als der bessere und schmerzlosere vorzuziehen. Also mußte er die streikenden Arbeiter einzig sich selbst über- lassen,— abgesehen davon, daß er sich sofort an die Behörden wenden konnte, um die Arbeiter zu zwingen, wenigstens die gesezlichc Kündigungsfrist von vierzehn Tagen einzuhalten..Viel leicht machte sein entschiedenes Vorgehen und der Appell an ihr Gesezlichkeitsgefühl auf die Arbeiter einen günstigen Eindruck. Er entschloß sich daher sofort seinem Buchhalter zurückzu- telegraphiren, er möge die Arbeiter in ruhiger, aber von jedem Anschein der Nachgiebigkeit freier Weise auffordern, die durch die Gewerbeordnung bestimmte Kündigungsfrist zur Vermeidung empfindlicher Unannehmlichkeiten für sie selbst einzuhalten,— nach 14 Tagen könnten sie alle gehen, ihre Forderungen würden ihnen auf keinen Fall erfüllt, weil die Lohnrednktion nicht eine Maß- regel der Willkür und zum Zwecke der Bereicherung ihres Arbeitgebers geschehen sei, sondern einfach ein Gebot nnumgäiiglicher Notwendigkeit. Beständen die Arbeiter dennoch darauf, ans der Stelle die Arbeit niederzulegen, so habe sich der Buchhalter unverzüg- lich an die Gemeindebörden»in die gesezlichc Hülfe zu wenden. Gleichviel, was dieses Vorgehen fruchten konnte, erschien es Franz Stein außerdem geboten, sich gleichfalls ohne alles San- inen nach andern Arbeitern nmzusehe». Er hatte sich in der jüngstvergangenen Nacht bereits brieflich an alle ihm bekannten Commissionäre und Arbeitsvermitt lungsbnreaus gewandt,— jezt wollte er sie nun im Fluge sämmtlich anfsnchen, um sie ivomöglich mit pekuniären Opfer» in sein Interesse zu ziehen. Dabei erinnerte er sich des Tech- nikers Faber und seines Anerbietens bezüglich der Herbcischaffnng von Arbeitern. Der Mann war ihm zwar von Anfang seiner Tätigkeit in der Fabrik an nicht sympatisch gewesen und durch die zudringliche, den Stempel egoistischen Interesses zn deutlich an der Stirn tragende Dienstfertigkeit noch mehr antipatisch ge- worden. Aber in einem Kriege, in dem den Feinden alle Mittel recht sind, ist ein Tor, wer nicht die Bundesgenossen und Werkzeuge nimmt, wo er sie findet. Es erschien ihm also geraten, de» Techniker Faber ebenfalls telegraphisch hieher nach B..... zu bescheiden und ihn durch die Aussezung einer für seine Verhältnisse glänzenden Beloh- nung nebst einer dauernden Gehaltserhöhung zn höchstem Eifer anzuspornen. Franz Stein schrieb eiligst die ziemlich nmsangreich aus- fallende Depesche und verließ daraus wieder sein Zimmer. Einen kurzen Moment trat er in den Speisesaal des Hotels, aber nicht um zu essen, obgleich er den ganzen Tag so gut wie garnichts Zkahrhaftes zu sich genommen hatte, sondern nur um ein Glas kräftig anregenden Rotweins in einem Zuge zu leeren. Dann erteilte er dem Portier einige Weisungen, auch in- bezug auf David, den er um drei Uhr im Hotel treffen sollte, und ließ sich eine Droschke herbeiholen, um zunächst die Rund fahrt bei den Arbeitsvermittlern, Commissionäre» u. s. w. an zutreten. (Fortsezung folgt.) Iltinrbf Fuchs. El II!' literar-historische Skizze von Fr. Nauert. (Schluß.) Die ältesten bekannten Gestaltungen der Tierfabeln zu größeren Gedichten sind drei in lateinischer Sprache abgefaßte Werke: die„Ekbnsis", deren Entstehung man im 10. Jahrhundert vermutet, der„JsengrimuS" aus dem Ende des elften oder dem Anfang des zwölften Jahrhunderts und„Reinardus", der nach übereinstimmenden Urteilen zwischen I IIS und l UiO versaßt wurde und zwar, wie einige behaupten, von Magister Nivardus, der im nördlichen Flandern gelebt haben soll. Sein Gedicht enthält in 6596 Versen 12 Abenteuer und behandelt in bald wörtlicher bald verkürzter Wiedergabe dieselben Fabeln wie der Jsengrimus, der in der schon angegebenen Zeit in Südflandern entstand. Die erste hoch- deutsche epische Bearbeitung der Tiersabcl stammt aus dem 12. Jahrhundert und zwar ist der Verfasser Heinrich der Glichesacre(Gleißner), als dessen Heimat das Elsaß, aber auch die Schweiz und Baden be- zeichnet wird. Von seinem Gedicht hat man jedoch nur ein Brnchstück aufgesunden und ist es nur durch eine Ueberarbeitung bekannt geworden.„Reinhart Fuchs", wie das Epos hier genannt ist, hat 10 Gesänge mit 2226 Versen. Einen kolossalen Umfang hat die Gestaltung dieses Gegenstandes in Frankreich angenommen. So enthält die Sage des„Renart" in dem von Meon aus angeblich zwölf Handschriften zusammengestellten „Roman du Renard" allein 30 362 Verse, die aber mit den noch unge- druckten zu der respektabel» Zahl von 80 000 anschwellen. Die ältesten davon sind vermutlich in der zweiten Hälfte des 12. oder in der Mitte deS 13. Jahrhunderts versaßt. Die einzelne» Abschnitte dieses Gedichts erscheinen hier in der Gesammtbearbeitung nicht in dem Zusammen- hange wie in den vorher genannten. Den vielen späteren Bearbeitungen in deutscher Sprache liegt aber der niederländische„Reinaert" zugrunde, von dem die erste Handschrift, die so- genannte Komdurger, sich in Stuttgart befindet und 3474 Verse hat, die zweite wird in Brüssel aufbewahrt und die dritte ist ein von einem Holländer aufgefundenes Fragment mit 1038 Versen. Alle drei zu- stimmen herausgegeben umfassen gegen 8000 Verse, lieber die Zeit der Entstehung und den Namen des Verfassers sind mancherlei Hypotesen aufgestellt worden. Jnbczug auf die Zeit schwanken die Angabe» von dem lezten Drittel des 12. bis zur zweiten Hülste des 14. Jahrhundeits. Verschiedene niederdeutsche Umwandlungen des„Reinaert" in„Reineke," die viele Ausgaben und große Verbreitung fanden, wollen wir hier nicht erst näher bezeichnen. Aber später erfuhr der niederdeutsche Reineke auch manche Uebersezung, und unter anderen auch die von Gottsched in Prosa verfaßte:„Heinrichs von Alkmar Reineke der Fuchs," welche der jedenfalls bedeutendsten dichterischen Behandlung der Tiersage in neuerer Zeit als Hauptquelle diente: Goethes Reineke Fuchs. Durch dieses Werk angeregt erschienen mehrere Bearbeitungen deS- selben Gegenstandes, keine reicht jedoch an die Schöpfung unseres Dichter- sürsten heran; wir unterlassen es daher auch darauf einzugehen. Ebenso müssen wir eS uns versagen, aus dem reichen Schaz der Tiersagc ein- zelne Beispiele anzuführen, so verlockend dies auch ist. Wir beschränken uns vielmehr darauf, einiges über Goethe's Tierepos anzuführen und empfehlen dem Leser dieses Werk selbst zu lesen, sind wir doch von vorn- herein überzeugt, daß keiner das Buch unbefriedigt aus der Hand legen wird. Es ist Goethe vielfach verübelt worden, daß er an den großen politischen Ereignissen zu Ende des vorigen Jahrhunderts, wie an der politischen Bewegung zu Anfang des jezigcn in Deutschland nicht ge- nügenden Anteil genommen, und daß er anstatt sich für die Juli-Rcvo- lution zu begeistern, den naturwissenschaftlichen Streit zwischen Cuvicr und Geoffroy Saint Hilaire, der bereits die moderne Naturwissenschaft- liehe, den Namen Darwin tragende Bewegung und Weltanschauung ankündigte, viel aufmerksamer verfolgte und sür viel wichtiger hielt. Aber man tut ihm unrecht, wenn man ihn deshalb einen Aristokraten schilt, denn seine Schriften bewähren allerwegen eine so seine Kenntnis des Menschen und Volkslebens und sie betonen eine so große und edle Liebe zum Volke, zur gesammten Menschheit, daß jeder Vorwnrs der Volksfeindschaft oder der Gleichgiltigkeit gegen das Wohl deS Volkes daran zerschellen muß. Schon der Inhalt seines Faust und seines Wil- Helm Meister doknmentirt seine eifrige und verständnisvolle Anteilname an allen die Menschheit berührenden Fragen hinreichend. Wen» er aber nicht am großen politischen Treiben aktiv teilnahm, so mag einerseits daran schuld sein, daß sein Geist von Haus aus nicht darauf hinge- leitet wurde, andererseits daß seine harmonische, weit über den betäu- benden Länn des politischen Parteilebens emporragende Natur ihn hinderte, sich den Wirren der Zeit hinzugeben und statt sür eine größere Zukunft zu schassen, sür eine jämmerliche Gegenwart sich aufzureiben. Wie sehr ihm diese Gegenwart aber zu Herzen ging, zeigte sich auch, als er 1793 an die Dichtung seiner„nnheiligen Weltbibel", wie er den Reineke Fuchs nennt, ging. Die Ereignisse hatten ihn so ergriffen, daß er sich nach einer Tätigkeit umsah, welche seinem Gemüt Erholung von dem täglich Erlebten bringen konnte. Da fiel ihm das alte Tiercpos in die Hände, und so schreibt er denn selbst:„Hatte ich mich bisher an Straßen-, Markt- und Pöbelaustritten bis zum Abscheu übersättigen müssen, so war es nun wirklich erheiternd, in den Hof- und Regenten- spiegel zu blicken? denn wenn auch hier das Menschengeschlecht sich in seiner ungeheuchelten Tierheit ganz natürlich verträgt, so geht doch alles, wo nicht musterhaft, doch heiter zu, und nirgends fühlt sich der�gute Humor gestört." Sehr erklärlich ist, wenn der Dichter in dieser Stim- niung, die politischen Verhältnisse vor Augen behaltend, in seiner Dich- tung manche Ausartung geißelte und verspottete: die oft nicht mißzu- verstehende Satyre wird manchem, der obigen Vorwurf erhebt, besser belehren, als wir dies hier zu tun vermögen. Einige Proben werden dies zeigen. „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen" und Nobel, der König des Tierstaates, versammelte alle seine Vasallen zur Abhaltung eines Hoftages. Niemand sollte fehlen! Alle kamen. ------- Und dennoch fehlte der Eine, Reineke Fuchs, der Schelm, der viel begangenen Frevels talben des Hofs sich enthielt. So scheut das böse Gewissen icht und Tag? es scheute der Fuchs die versammelten Herren. Alle hatten zu klagen; er hatte sie alle beleidigt." Zuerst tritt Jsegrimm vor und erhebt seine Anklagen, die so mannig- stich und schwerwiegend sind, daß sie allein genügen, um den Frevler an den. Galgen zu bringen. Dann kommt Wackerlos, das Hündchen, ihm folgt der; Panther, die Klagen vervollständigend. Grimbart, der Dachs, ein Freund des Angeklagten, verteidigt seinen abwesenden lCheim sehr beredt, muß: aber verstummen als Henning, der Hahn, mit seinem Hühnergeschlecht angezogen kommt,— eine Henne auf der Bahre tragend, welche der[ schlaue Bösewicht erwürgte. Diese stumme Anklage, die auch von der I Rede der Leidtragenden kräftig unterstiizt wird, macht jede weitere Ver-, teidigung unmöglich, und so wird denn Braun, der Bär ausgesandt i nach Malepartus, der Burg des Reineke, mit diesen vor Gericht zu laden. Der Angeklagte, die Schwächen des Boten kennend und schlau nüzend, verspricht diesem reiche Beute an Honig aus einem Bauernhof, klemmt aber den Kopf des Räschcrs in den Spalt eines Baumstammes j und verhöhnt ihn als er von den Bauern fast totgeschlagen worden. Natürlich herrscht bei Hofe große Entrüstung über den neuen Streich.! Jezt wird Hinze, der Kater abgesandt, um ihn zu holen. Doch dieser, läßt sich durch seine große Vorliebe sür einen Mäuseschmaus verleiten mit nach des Pfaffen Scheune zu gehen, wo er aber in einer Schlinge< hängen bleibt und gleichfalls wacker durchgeprügelt wird. Da sich die: Entlüftung bei Hose steigert, so geht nun Grimbart und bringt durch; sein Zureden den nichtsnuzigen Ohm soweit, daß er mitgeht. Höchst| crgözlich sind dann die Streiche beschrieben, die er unterwegs dem Dachs i beichtet. Bei Hofe zum Tode durch den Strang verurteilt, weiß er sich, be- j reits aus der Leiter zuni Galgen stehend, durch eine unverschämte Ver-, teidigung— die aber sehr schlau auf die Schwächen deS Königs Rück- ficht nimmt— wieder von diesem Gnade auszuwirken und bringt es, soweit, daß seine ärgsten Gegner, Bär und Wolf nicht nur gefangen gesezt werden, sondern daß auch noch der ersten: ein Stück Fell zu einer Reisetasche, der leztere seine Schuhe sür den Sünder hergeben muß Dem König hat er vorgelogen, er stände unter dem Bann des Pabstes und wolle nach Rom pilgern, um sich zu befreien. Bellyn, der Widder- und Beichtvater des Königs, muß ihm den Segen geben und begleitet ihn nebst Lampe, den Hasen, nach seinem Schlosse, wo er den lezter» heimlich erwürgt und dessen Fell in seinem Ranzen durch Bellyn de»' Könige schickt, dem harmlosen Bote» wcißmachcud es seien wichtige Briese darin. Lezterer durch diese wichtige Mission sehr geschmeichelt,: läßt sich sogar noch zu der Aussage übertölpeln, er habe an deren Ab- fassung geholfen und verliert bei Hofe angckonimen sein Leben jU> Strafe. Scheinbar Morgengcbelc lesend und wie ein Pilger gekleidst vor seiner Tür sizcnd, spielt Reineke bald darauf wieder den harmlos daher kommenden Kaninchen einen Streich und auch der Krähe. Als diese ihre Klagen beim Könige vorgebracht, wird beschlossen, die Burg deS Friedensstörers kriegerisch zu überfallen. Grimbart geht aber noch' mnls und holt ihn. Unterwegs beichtet Reineke wieder seine früher Wolfe verübten Streiche. Seine Beichte, die er mit den Worten beginnt, „Durch die Welt sich zu helfen, ist ganz was Eignes; man kann sich! Nicht so heilig bewahren als wie im Kloster; das wißt Ihr." ist aber zugleich eine Verteidigung, die alle von seinen Gegnem'"f Hofe verübten Schlechtigkeiten auszählt, um schließlich jesuitisch mit gendcm Saze zu schließen: „Nimmt ein armer Teufel wie Reineke irgend ein Hühnchen, Wollen sie Alle gleich über ihn her, ihn suchen und fangen; Und verdammen ihn laut mit einer Stimme zum Tode. Kleine Diebe hängt man so weg, es haben die großen Starken Vorsprung, mögen das Land und die Schlösser verwalten� Zu derartigem Mvralisiren hat nun wohl der schlaue Fuchs si� wenig Berechtigung, aber er ist unter den Tierhelden der einzige,£ solche Einsicht besizt und sich offen ausspricht. Spekulirt er mit»r Beichte auch nur aus eigene Vorteile, so verteidigt er damit doch F gleich die Volksmasscn gegen daS schädliche Treiben der Mächtigen> Tierstaate. Dafür zeugt auch folgender Ausspruch: —---------„Es macht die Geburt uns Weder�edcl noch gut, noch kann sie zur Schande gereichen. Aber äugend und Laster, sie unterscheiden die Menschen." Die böse Wirtschaft der Klerisei kommt nicht minder schlecht und so ruft schließlich der Dachs:„Oheim ich find es besonders, beichtet fremde Sünden" und deshalb kommt derselbe denn"w i schließlich zu der Ansicht: 415 „Niemand schickte sich besser zum Psaffen. Ich käme mit andern Schafen, zu beichten bei Euch und Eurer Lehre zu horchen, Eure Wck'hcit zu lernen."—— Doch genug; die Verteidigung bei Hose, Ivo man in höchster Wut über den frechen Roten ist, ist nicht minder geschickt wie unverfroren, wodurch er es so weit bringt, nicht wie ein Sünder abgeurteilt zu wer- bfu, sondern mit dem Wolfe einen Zweikampf zu bestehen, den er so, wffinirt führt als von ihm zu erwarten und aus dem er auch als i Zieger hervorgeht. Die höchste Gunst des Königs, die Ernennung zum «onzler desselben, ist der Lohn für alle seine Streiche. So zieht er denn heim, von seinen Feinden gefürchtet, bewundert von seinen Freunde», ?uf Befehl des Königs hochgeehrt von jedermann, und erzählt seinem Weibe Ermelyn triumphirend seine Erfolge.. Dieses Moment nun führte uns unser Bild vor, das den«chlun >C»er meisterhaften Leistung W. v. Kaulbachs bildet. Welchen von den vielen Bildern des ganzen Eyclns man den Vorzug geben soll, ist schwer Ki sagen: die wunderbare Auffassung des Gegenstandes wie die freie Beobachtung des Lebens und den gelungenen Humor ersieht man auf den ersten Blick auch aus der dargebotenen Illustration. Wie im Tierepos selbst, bewegen sich auch seine Gestalten so unge- zwungen natürlich, das; wir jede ihrer Bewegungen und Handlungen inr durchaus selbstverständlich halten. Rechts oben aus das Postament, vnt sich der Meister selbst gestellt, die mächtige Rute, welche er sich um dsn Hals gehängt, spricht nur zu deutlich von der G ei siel der Sochre, d'e er über die Mängel und Ausartungen der menschlichen Gc|clljchast geschwungen. der Tierfabel film■'}, mo.S nun verurteilen, dasi die Satyre in. t.!. dMufsen, jedenfalls war dieser Umstand unvermeidlich. Denn sobald '— fimvniätmiijiä fWjJjWfKu, jedenfalls war dieser umjtano wnuiimwvw»,.------- oic Menschheit aus ihrem naive» Zustand herauswuchs, mulite auch we Fabel ihres naiven Karakters verlustigt gehen. Mißverhaltnisse im �vsellschastsleben reizten teils zur Belehrung, wie sie in den.lesopischcn kabeln zutage tritt, oder zum Spott, ivic in dem deutschen Remeke Fuchs. Diese Umwandlung liegt auch zu nahe. Hatte man erst den-iieien j>Uis ,rrende am kindlichen Spiel gewisse menschlichen Eigenschasten ver- qa sie naive, unschuldige Handlungen begehen lassen, so war vs'ein Zunder, wenn der später einlretende Ernst des nienichlichen Lebens "ch auch j» diesen tierischen Helden widerspiegelt. Und fo ist es denn auch sehr erklärlich und natürlich, wenn Goethe in seiner Dichtung— �'S-' X»..,» SiM ö? CgTkZ 5%;� chungen vom alten Gedicht auch seiner Zci Iw!....-~.' den Spiegel vorhielt und 1°} Jahrhunderten hätte ein Dichter dieses gesungen? das möglich? Der Stoff ist ja von gestern und heut.— eoeuiendjte russische Maler nno vei tmu.......... .. e'flen= und großartigeres Genie wie dieser, wenn man die Wir- leiner bedeutendsten Arbeiten, seine Kriegsbildcr, inbetracht zieht. 'an auch»icht allseitig einig im Lobe derseiben, so stimmen doch alle dann überein, daß ihr Schöpfer von allen Schlachtenmalern der "'.--»e Mission ganz anders ausfaßt, als alle andern seiner Kol- '|t Kainpscsbegeisierung, nicht Sicgesjubel, nicht jenes absichtlich tzuge Hervorheben einzelner anführenden Heipen, nein, der Krieg feinen Greuel» und Scheußlichkeiten wird in seinen Bildern dem »er vorgeführt oder ihm doch durch einzelne Szenen»ngedeulet. ßchts seiner Darstellunaen vom rnssisch türkischei.......... iveggclassen.— Folgende Züge ans dem Leben des Künstlers illustriren übrigens seinen Karakter auf's beste. Sein epochenmachendes Gemälde „Die Gefangenen", das mit erschütternder Naturtreue das Loos der armen türkischen Soldaten in Schnee und Eis schildert, hatte de» damalige» Tronsolger und jezigen Zaren zu einer starken Acußerung veranlaßt. Trozdem wurde Wereschagin zu einer Audienz in's Palais berufen, mußte aber zur sestgesezten Stunde lange warten und erhielt schließlich den Bescheid, daß der Tronsolger zu dieser Audienz keine Zeit habe, der Künstler solle am andern Tage ivieder kommen. Am andern Tage hatte jedoch dieser keine Zeit und reiste einfach ab. Da er selbst fürchtet, dieses Werkes wegen nach Sibirien geschickt zu werden, so meidet er auch sein Vaterland. Einen Orden von Alexander II. lehnte er ab zum Entsezen der denselben überbringenden Hofbeamten. Dasselbe Schick- sal hatte auch ein gespendeter Orden des Fürsten von Montenegro und der goldene Georgssäbel, welch lezteren er vom Großfürsten Nikolaus für seine hervorragenden Dienste im lezten russisch-türkischen Kriege gc- schenkt erhalten sollte. Ja sogar den Titel eines Professors, den ihm die Akademie der bildenden Künste zu Petersburg verlieh, lehnte er ab. „Die freie Kunst braucht keine Grade, man»uiß den jungen Leuten, die auf uns sehen, nicht mit solchen Beispielen vorangehen. In der Kunst gibt es keine andern Ehrenposten als diejenigen, die man sich dürch seine Arbeit erringt, als der Name, den man sich erwirbt. Und Ehrenposten verpflichten. Als Professor der Akademie würde ich offiziell den Rang eines Majors bekleiden: aber ich könnte vielleicht, gelänge mir ein bedeutsames Werk, eines Tages den Rang eines Ge- ncrals, eines Marschalls gewinnen,— wenn die Kunst überhaupt einen solchen zu verleihen hätte." Das ist deutlich und allen Künstlern zur Beachtung zu empfehlen. Dabei ist Wereschagin noch garnicht so alt. Am Lv. Oktober 1R42 zu Tscherepovets im Gouvernement Nowgorod als der Sohn eines Gutsbesizers geboren, zeichnete er schon als Kind alleS auf's Papier, was er sah. Für den Seedienst bestimmt, besuchte er die Seekadettenschule und diente dann als Offizier auf der russischen Flotte. 1860 wandte er sich jedoch der Malerei zu und besuchte die Petersburger Akademie. Dann ging er nach Paris und London, von dort nach dein Kaukasus; 1864 war er Schüler der Ecole des Beaux.- Arts in Paris, bald darauf bei dem pariser Maler Geräine. 1867—1870 »ahm er an der Expedition des Generals Kaufmann in Turkestan teil, 1870 bereiste er die Gebirge an der chinesischen Grenze, 1874— 1876 Indien, und machte dann, wie schon erwähnt, den russisch-türkischen Krieg mit, wo er an der Donau schwer verwundet wurde. Nach diesem Kriege, der die Veranlassung seiner berühmtesten Bilder geworden, ging er nach Paris, wo er heute»och lebt und schafft. Die Eindrücke, welche er aus seinen weiten Reisen gewonnen, hat er in seinen Bildern ver- ewigt, und zeugen seine ca. 90 Gemälde, teils von riesige» Dimensionen, am besten für seineu Fleiß. Auch unser Bild verdankt der Beobachtung des orientalischen Lebens seine Entstehung und spricht trefflich für die naturalistische Aufsassungs- und Darstellungsgabe des Künstlers. Jede Physiognomie der singende» Mönche ist treffend karakterisirt, alle aber prägen auf's schärfste den Karakter des orientalischen Bcttelniönchs aus. Tie gedankenlose Frömmelei, wie das betend bettelnde Nichtstun kann man schwerlich eindringlicher schildern und— lächerlich machen. Die Eigenart des Künstlers macht sich auch an diesem harmloseren Objekt geltend. Anders wirkt freilich seine„Apoteose des Krieges," welche er allen„Siegern der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft" ge- widmet. Eine Pyramide aus Totenschädeln erbaut, von Raben um- ■A�hegesührt oder ihm doch durch einzelne«zemm....... I einer Darstellungen vom russisch liiikischen Kriegsschanplaz r!\ alle Schauder der großen MenschenschlLchterei durch, deren . l'.eit den Beschauer bis in seine Träume verfolgt." so schreibt zensent. Wcreschaains naturalistische Tarstellungen sind daher ein -------- si,.c..r Wptdcien '>e»,,a.. ü. schauer bis in seine Träume verfoigr, ;iocr>r.?ereschagiuS naturalistische Tarftcllungen sind daher ein » gegen den Krieg, er, der Augenzeuge dieser Mezelcien '»irfuÄ-i1"ad, ein ehrlich human denkender Mensch, ver- Iis. cei» Pinsel zaubert die Leiden und den Jammer der —„!,.»« kMhiiicies unerbittlich hertuicht nichts und, ein ehrlich human oemnu-w----- in. Sein Pinsel zaubert die Leiden und den Jammer der V o•'>'c leaurigen Vorkommnisse eines Feldzuges unerbittlich ,/ jnwand, wie er die Ereignisse selbst gesehen. Dafür ein >!v iT schein seiner eindruckvollsten Bilder hat er den Zaren c> II.»or Plcwna dargestellt. Der Kamps znnschen den an- ---- WAt.fmiirifä&flU ivie bic SÜlüCll «uf einem seiner eiudrnckvvUsten Bilder YUI n ■' jl. vor Plcwna dargestellt. Der Kampf zwischen den an- 'e» Russen und de» sich'in ihrem Maulwurfsbau wie die Löwen »enden Türken tobt grauenhaft, aus 600 Äanoiicnschliinden kracht's '"pft's, daß die Erde erdrönt, der Tod hält zähnefletschend reich- ; l'e und— der Zar sizt am sichern Ort auf einem-stuhle. Hinter .'»rvftsürst Nikolaus mit den, glänzenden kaiserlichen General- ivürde in diesem Falle ein anderer Maler, wie es deren 'v'ele gibt, getan haben? Nun, zunächst hätte er den mächtigen llller Russen aufs Schlachtroß gese.zt und dann mit sammt �-tabe a» die Spize seiner Armee gestellt, Granaten krepirend ud u», ihn, kurz, er hätte ihn gemalt an der Stelle, wo ein .Kampfe wirklich sein muß, wenn er auf den schönen Namen a Tfi aa.,«fAnnin bat es aber mit eigenen Augen so �-r4-«%• rt ilffl IUI Olllfl. IJ CilllLlkSK-»»»» V V» V*V| V**-«.>■ V f freist nnd bevölkert, einige Schädel NM Boden liegend— das ist seine Widmung für die Sieger.— Jezt arbeitet Wereschagin in seinem pariser CtTiJ S« UI t S....... k«.« Sl}.% t ,1« Snv XölÖMUNg yill Vit wivvjwi««xjtgt ilxwivv-v Atelier an 20 großen Wandbildern, welche die Phasen der Geschichte Indiens darstellen, und für den englischen Tronsolger bestimmt sind. nrt. Alpenblumen.(Jllustr. S. 409.) In der respektablen Höhe von 5500—7000 Fuß, wo die wenigen Glieder der Pflanzenwelt nur ein kümmerliches Dasein fristen, da lachen dem aufsteigenden Wanderer die munteren, bunten und schönsten Kinder der Alpenwelt entgegen: Alpenrosen mit ihren schönen roten Blüten, das lila blühende Alpenveilchen, das allenthalben geliebte und als Wunderbliimlein verehrte Edcliveiß, Enzianen, Silenen, Ranunkeln, Achilleen, Anemonen, Ehren- preis und wie sie»och alle heißen mögen. Auf unserem Bilde hat sie eine kundige Hand zum Strauße gebunden,»lögen sie so vereint den freundlichen Leser zum Besuche der Alpenwclt einladen. Ihre Gestaltung gemahnt freilich schon an die Natur, die in den Regionen herrscht, wo sie ihr bescheiden Dasein fristen. Der lange Winter mit seinen Stürmen hat ihnen allinälich ein wolliges Kleid angezogen, das vor seinen Un- bilde» schüzt. Auch hat dieser grimme Feind es vermocht, daß die liebliche Gesellschaft nicht so üppig und hoch emporschießt wie ihre reizenden Geschwister in unseren Gärten und Feldern, wen» die Sonne des Lenzes sie hervorlockt. Kurze, knurrige Stengel sind's, aus denen sie hervorwachsen. Aber gerade dieser Ilmstand, ihr heiterer Anblick in diesen unwegsamen nur von wenigen Menschen betretenen Höhe», dazu '*'------- S„„ T ml rifh-n tinrfl vielen iuiiulj3|u........................... *h,w V"441*"7—•" inh s lu l?®* Wereschagin hat es aber mit eigenen r~ in r• l,ll,''e er es auch so. Und bei alledem ist er noch der!, jeiiieiit„Helden", denn den Tisch mit Champagner- gieichsalls in unmittelbarer Nähe des Zaren stand, hat er erkenntlich für das herrliche Bouquet, das er unS auS icncn Hohen zum Präsent gemacht._______"rt- 416 Aus allen Winkeln der Zeitlitcratur. Auf dem 2. deutschen Keoftraphentag, abgehalten am 12. April d. I. in Halle, sind von Prof. Dr. Wagner in Göttingen folgende beherzigens- werte Tescn befürwortet worden: 1. Ter deutsche Geographcntag erachtet es an der Zeit, die deutsche Meile zu 15 auf 1 Grad des AcguatorS und die ihr entsprechende deutsche Quadratmeile zu Gunsten der Durch- siihrung des metrischen Mahshsteins aufzugeben. 2. Ter deutsche Gco- graphentag sieht in der Aufnahme des Myriametcrs(10 Kilometer), für den sich auch der Name der metrischen Meile eignet, für größere Strecke», svivic des Quadratmyriameters oder der metrischen Quadratmcile für Flächen, kein Bedenke». 3. Der Gevgraphentag beschließt, daß eine zu diesem Zweck zu erwählende Kommission die aus obligatorische Anwen- dung des metrischen Maßes im geographischen Schulunterricht abzielen- den Wünsche des Geographen tages mit kurzer Motivirung zur Kenntnis der deutschen Unterrichtsministerien und der obersten Schulbchördcn bringe.-- xz. Tie Freiheitskämpfe der Boeren(Buren, Bauer»» in Transvaal haben Erscheinungen zu Tage gefördert, welche lebhaft an die schmci- zcrischc Bcfreiungsgeschichtc erinnern. So teilt eine größere AbHand- lung in den„Preußischen Jahrbüchern"(1881, Heft V) u. v. a. de» Wortlaut des Bundeseides mit, de» eine Versammlung der angesehensten Boeren in Vonderfontain 1879 einhellig beschworen hat:„In der Gegen- wart des allmächtigen Gottes, des Ergrllnders der Herzen, dessen gnä- digen Beistand wir erflehen, haben wir Bürger der südafrikanischen Republik feürlich beschlossen für uns und unsere Kinder zu einem hei- ligen Bunde uns zu einen, den wir mit einem feierliche» Eide bckräf- ligeu. Es sind seht 40 Jahre her, daß unsere Väter die Kapkolonie verließen, um ein freies, unabhängiges Volk zu werden. Wir haben Natal gegründet, den Orange-Freistaat und die südasrikanischc Republik und dreimal hat die englische Regierung unsere Freiheit unter die Füße getreten. Unsere Flagge, getauft mit dem Blute und den Tränen unserer Väter, ist niedergerissen worden. Diese 40 Jahre waren 40 Jahre der Sorge und des Leidens. Wie durch einen Dieb in der Nacht ist unsere freie Republik uns gestohlen worden. Wir können und wollen dies nicht dulden. Es ist der Wille Gottes, daß die Einigkeit unserer Väter und die Liebe zu unseren Kindern uns verpflichte, unfern Kindern unbefleckt das Erbe unserer Väter zu überliefern. Ans diesem Grunde vereinigen wir uns hier und geben einander die Hände als Männer und Brüder, feierlich versprechend, unserm Lande und Volke treu zu bleiben und aus Gott blickend bis in den Tod zusammenzuwirken für die Wiederherstellung unserer Republik. So wahr uns der allmächtige Gott helfe!" Wen möchte dieser Schwur der afrikanischen Boeren nicht an den Schwur der Schweizer Bauer» aus dem Rütli gemahnen, und daß die Boeren diesem Schwur mit nicht minderer Energie treugeblieben sind, als dereinst die Schweizer, haben ihre siegreichen Kämpfe gegen die englischen Soldaten genügend bewiesen. Daß sie mit ganzer Seele und tieferem Gciuüte, als man ihnen gewöhnlich zuzuerkennen geneigt ist, für ihre gute FrciheitSsache einstchen, zeigen auch folgende Strophen, welche einem ihrer Schlachtgesänge angehören: Tu bist uns eigen, teures Land; Es hat der Väter fleiß'gc Hand Die Wüste und die Wildnis dort Gemacht zu einem trauten Lrt. Wir wollen es, als freies Vaterland Als unser Erbteil dieses schöne Land. Und heil'ger Boden sei's durch Väter Blut, Durch treuer Mütter Tränenflut, Geweint aus tiefstem Herzensgrund. Was wird aus uns zu dieser Stund"? Wir werden wie die Väter geh'» Und für die Republik eiustchn. Der Väter Erbteil ist kein Traum; Tief wurzelt unsrer Freiheit Baum, Den fällt ihr nie und nimmermehr. Er wächst zu einem Blättermeer, Er wird nicht rasten, nicht ermüden Bis er gedeckt Afrikas Süden. Zerschmettert uns, wcnn's euer Will', Ihr habt die Macht, wer tot, ist still— Macht nur zur Wüste unser Land Wie Natal einst- uns ist's bekannt. Doch hütet euch, daß nicht einmal erwache Für Landslawanas Mord die Rache. Vom Joch befreit— für alle Zeit! Uns steht zur Seit' Gott selbst im Streit. xz. Allgemeinwifsenschaftlichc Auskunft. Zürich. Stud. H. liebet den Ursprung und den Kern der Rvlandssagc sagt Vi l mar, dieselbe„beruhe aus einem historische», »och dazu sehr untergeordneten, ja unbedeutenden Ereignisse der Jahre 777 und 778." Nirgends könnte man besser sehen, als bei ihr,„in welchem Verhältnisse die Sagcnpoesie zur Geschichte steht; wie die Sage,' wie die Poesie das historische Ereignis ganz fallen läßt oder es will-- kürlich ausdehnt und weitcrgestaltet, dafür aber den Geist der Zeit, die Gesinnung, die dem Ereignis zum Grunde liegt und dasselbe begleitet, die Stimmung des Volkes, welche zunächst durch diese Begebenheit be- i rührt wird, und mit einem Worte das Ideal des Jahrhunderts in vollem Glänze und mit einer Wahrheit und Sicherheit, die keine Geschichte erreicht, aus demselben hervortreten läßt. Läßt sich doch kaum mit Sicherheit behaupten, daß Roland eine historische Person ist. Es erzählt nämlich Eginhard, es sei im Jahre 777 eine Gesandtschaft des Statthalters von Eäsaris Augusta nach Paderborn zu Kaiser Karl dem Großen gekommen, ihn um Hülfe gegen den Emir Abdurrahman zu bitten; Karl sei im folgenden Jahre nach Spanien gezogen, aber schon nach der Eroberung von Saragossa durch einen inner» Aufstand der Sachsen zurückgerufen worden; auf diesem Rückwege habe das Heer durch den Ueberfall eines Bergvolkes in den Pyrenäen einen nicht ganz unbedeutenden Verlust erlitten, und dabei sei den», wie manche Hand- schristen hinzusezen, Hruodlaudus geblieben." Aus dieser farblosen Mit- teilung, sährt Vilmar fort, hat im Verlause der Jahrhunderte die Sage „ihre goldnen Fäden zu einem der glänzendsten Gewebe gesponnen, welche die romanische Poesie aufzuweisen hat." Ob Vilmar mit seiner Be- geisterung für das Rolandslied als durckjaus vorurteilsloser Beurteiler betrachtet werden kann, lassen wir dahingestellt und wollen nur hin- zufügen, daß diese seine Auffassung mannigsach bestritten worden ist. Berlin. Junger Streber. Bombus ist der wissensdiastliche Name einer der gemeinhin Hummel genannten Gattung der Blumcnbicnen, von der man in Europa nicht weniger als 40, in Amerika 25 und i» Indien 13 Arten kennt. Dieselben zeid>nen sich durch ihre Größe und die Plumpheit ihrer Körperform, wie durch starke Behaarung und kraft tige Brummstimme aus. Tic bauen ihre Nester in die Erde oder in Mauern, bedecken dieselben mit Moos und sammeln nickst viel, aber genießbaren Honig. Bei der Befruchtung einer Reihe von Pflanze» spielen diese Hummeln als Samcntransporteure eine wichtige Rolle. Ratgeber für Gefundheitspflege. Berlin. Tischlermeister G. Sie dürfen allerdings Ihre Kinder m>> dem räudigen Hunde nickst in Berührung kommen lassen, da die Räude nicht nur unter Tieren ansteckend, sondern auch auf Mensche» übertragbar ist. Den Hund können Sic kurircn, indem Sie die räudige» Stelle» mit gewöhnlicher Schmierseife bestreichen, den Hund— nachdei» die Seift einige Stunden gewirkt hat— in warmem Wasser baden»»" dann die betreffenden Stellen täglich zweimal mit einer Mischung vo» 1 Teil Karbolsäure und 20 Teile» Baumöl bestreichen. RedaktionS- ttorrcfpondenz. Chemnitz. A. St. I. In welchem Staate zuerst geprägte Münze cingeii»»' worden ist, ist»nircs Wissen- noch völlig unbclannt. Tie Cdincskil solle» sie Ich" 2000 Jalirc vor unsrer Zeitrechnung besehen haben, und bei den Griechen, welche° Münzlnnst von den Phöniziern übernommen haben sollen, findet sich schon zu Solo- Zeit, also umä Jahr ooo vor Christi Geburt, geprägt» Geld, 2. Grand ouvcrt» 4 Matadoren— schwarz angesagt— wird sehr verschieden berechnet und zwar aut'' 120 oder 102 Point». je nachdem man dab Ausdecten der Karten als einsachcn ob», der Crhöhung des Spieklvcri» betrachtet, gleichwie jeden der Maladoren, oder» Schneiden und Schwarzmachcn, oder od man es höher— soviel als zwei Malabo oder auch als den ganzen sonstigen Spielbctrag verdoppelnd— taxirt. 220 lann a. lonsegucnterwcisc dieser Grand ouvcrt niemals gerechnet werden, weil darin die v». des Grundwertes vom Grand, die 12, nicht ausgeht, 3. Ihr Rösselsprung cig sich nicht zur Bcrösscntlichung; die Verse der Lösung sind in gorm und Inhalt maiig hast,— über das locitcrc Halde dnzciid Fragen bei späterer Gelegenheit.„ Tonaueschingcn. A. Sch. Sic haben den sragliche» Saz in KolbS NW», gcschichle sicherlich mißverstanden, Tas. was heutzutage unter RcchtSpslcgc zu„ greisen ist, wird dcnnirt als die Gesammtlätiglcil der Gerichtsbehörden zur Ver» iichung oder Wiederherstellung ein» deftrillenen oder gestörten Rechts; während». Recht im juristischen Zinne als eine aus äußeren Sazungen der Völler beruhende" deren Lebensverhältnisse normirendc Regel des Verhaltens(des Tuns und La- seilen» der Angehörigen der bezüglichen Völler anzusehen ist, Onersnrl. Frl. P. S. Gegen die Blattläuse, unter denen Ihre Rose» � vorigen Jahre so arg gelitten haben, wenden Rosenzüchter u. a. eine Ablochung 120 Gramm Quassiaipäncn in 4— b Liter weichem Wasser, dem fic nach 10 wii»" langem Kochen 120 Gramm seine Seife zusezen. Die Flüssigkeit wird, nachdem M teiltet ist, gut umgerührt, und dann beiprizt man mit ihr die Rosen. Nach ftwa»" einer Vicrlelstunde müssen die cntiocder schon toten oder doch meist schon»''"'ILg, Jnseltcn durch starlcS Besprizcn mit reinem Wasser von den Rosen abgespült»y Eilensen. P. Th, Wir haben Ihre Zuschrift unserem Mitarbeiter Herrn Ernst, aus dessen Arbeit sie sich bezieht, zur gefälligen Beantwortung übergeben. - v Inhalt: Verschlungene Lebenswege. Roman von Franz Carion.(Forts.)— Ter Unfug der Teposition und des Pennalisw aus den deutschen Universitäten. Ein Sittenbild aus dem 17. Jahrhundert. Von A. M.(Schluß.)— Eine Säkular- Erinnerung an Sch>f*' Von Dr..». Israel.(Schlusj.)— Von guter Frauen Trinken. Von M. Wittich.— Im Kamps wider alle. Roman von Ferdinand St>». (Sort);)- Amecke Fuchs. Eine literar- historische Skizze von Friedrich Nauen.(Schluß.)- Singende Derwische. Von Basil Werescheg'� (Mit Illustration.)— Alpenblumen.(Mit Illustration.)- Aus allen Winkeln der Zeitliteratur: Auf dem 2. deutschen Geographentag. � Die Frelheitskampse der Boeren(Buren, Bauern) in Transvaal.- Allgemeinwissenschnftliche Auskunft.- Ratgeber für Gesundheitspflege. Redaktions-Korrespondenz. �' Verantwortlicher Redakteur Bruno Geiser in Stuttgart.(Neue Weinsteige 23.)— Expedition: Lndwigstraße 28 in Stuttgart. Druck und Verlag von I. H. W. Diep in Stuttgart.