. Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. ti»),----------------f QQO Erscheint wöchentlich.— Preis vierteljärlich 1 Mark 50 Pfennig.— J,, Heften k 35 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. Werschtungene Lebenswege. Roman von Iran; ßarion. (». Fvrtsezniig.) ejna,,d" r ��ersca-Brncke, welche die Ufer der Themse mit �tros/� ��rbindet, führt zur Linken eine breite wohlgebaute schatte, � den zur Stadt als Borstadt gehörenden Ort- Peefei'",n und Fnlham hin. Es herrscht daselbst kein großer llkwiib,1/ �'r die Beivvhner des clintonschen Landhauses Beekes,, /"ww Straße den Vorzug, daß die Aussicht auf den Zeilen- Vviirfc unverbaut geblieben ist und somit eine zu- te>is>,. L"' Stunden, Ivo die Landleute hereinkommen, nnterhal- Schau bietet. sührt�",' Straße am Landhause und am Park hart vorüber- bei v'ü-''c J1U' Belebung und Sicherheit dieser Gegend M)miirf"C,m� �'�"llemach bestand in dem Eckzimmer des kleinen i'l'crf'V" däudcs, von wo aus sie die Brücke zu einem Teile fliiiulirf1." /""ntc' lün�'hu Einsamkeit in etwas minderte. Tie send � Unkenntnis der Ursache, Richards Fern bleiben bctref- nidft ihre Stimmung traurig. Sie.selbst vermochte es bertr'n darüber zu trösten und wem hätte sie in diesem Hanse lich."-1"'"üen? Sie wußte und sah es ja, daß alle ihr feind- hfinii, �re». Warum? Tas blieb ihr freilich ein Gc- „„d J: 1!"r Ruth konnte die Urheberin dieser Abneigung sein �vch sann sie vergebens darüber nach, ans welchem Grunde. ei»e. HQ�C lange in dem Eckzimmer zugebracht, doch ohne blickte ��"."�rrung in ihrer tniben Stimmung zu empfinden. Sie SJorm'H �,c®0,n,e hatte sich in den ersten Stunden dieses oirfop.v 1193 n.0{h goniicht gezeigt, es war stark neblig vom Flusse fvfj. ,.'�ei1;. srzt in wenig Augenblicken ward es licht, der Dunst- und'v.? wie von Blizen durchzuckt, in flatternde Streifen Bar unter dem siegenden Zauber der Sonnenstrahlen. Regiin' hätte der Frühling eben jezt sein leuchtendes Friim Zugetreten? Ter Februar war seinem Ende nahe, der leiten i! h�tte dem Verlaufe seines gewöhnlichen Erscheinens im voxs,. Littel des März bedeutend vorgegriffen und dem ihm Mitaet�'s Februar als guter Kamerad von seiner Milde Ücher j)- �'"it dieser den Erdbewohnern ebenfalls als freund- '"ch51' erscheine. Uebersloß auch das Sonnengold den Noch"""b seine noch kahlen Ufer, so harte doch die Luft immer Und b ne �"briugliche Kühlung, welche an den Winter erinnert K �wegcn begab sich Lucir, welche ihrer Gewohnheit nach | einen Gang in den Park zu machen beabsichtigte, in ihr diesem zugewendetes, also ans der Rückseite des Hanfes belegenes Schlaf- zimmer, um sich einen Shawl zum Schuze des Halses zu holen. Sie fand, wie das stets bei gutem Wetter gebräuchlich war, die beiden Fenster offen. Der Shawl war bald um den Hals geschlungen und schon wollte sie das Zimmer verlassen, als sie unter den Fenstern sprechen zu hören glaubte. Auf dem den ganzen Fußboden überdeckenden dicken Teppich war ihr Schritt nicht zu höre», sie trat also an eins der Fenster, ohne von den unten Sprechenden bemerkt zu werden. Wer sie waren, blieb ihr nicht unbewußt, sie erkannte sie an ihren Stimmen. Die männliche mit dem grölzcnden Tone gehörte dem ehemals ruhmreichen Preisboxer, die andere war eben so unschwer zu erraten. Miß Ruth besaß ein etwas hohes Organ, an das, wenn man es einmal gehört hatte, man sich sofort wieder erinnerte. Beider Sprechen war hin und wieder fast leise, indes das, lvovon sie redeten, mußtc sie sehr lebhaft beschäftige», denn sie sprachen dann verständlicher und dies ward die Ursache, daß Lucie über den Gegenstand, den beide mit- einander verhandelten, ins Klare kam. John nannte ein parmal Sir Richards und der jungen Lady Bally Rainen, wobei Ruth zu kichern sich veranlaßt fand. In diesem Gekicher lag nichts Gemütliches, vielmehr etwas Ge- meines, Schadenfrohes. Daß aber auch sie, Lucie, dabei be- teiligt sein inüssc, erfuhr sie zu ihrer keineswegs srendigen Nebrr- raschung. John hatte ihren Namen„Mistreß Philipp" genannt und Ruth äußerte laut anflachend bei dessen Wiederholung: ,,tliis German how slie will wunder!" Unrzc Wochen früher würde Lucie kaum einzelne Worte dieses Zwiegesprächs verstanden haben, aber der Unterricht, den sie durch Mistreß Stanhvpe genossen und der Eifer, den sie selbst bei Erlernung der englischen Sprache angewendet, hatten es ihr möglich gemacht, die Besprechung der beiden Personen so ziemlich richtig aufzufassen, und war ihr das Hauptverständ- nis dessen, was gegen sie im Werke sei, auch entgangen, weil die beiden anfänglich leise miteinander gesprochen, so entnahm Lucie doch ans Ruths spöttisch lachender Bemerkung, die im Deutschen nichts anderes heißen würde, als:„Diese Deutsche wird sich wunder»!" das! sie etwas sehr Unangenehmes zu er- warten habe. Und heftig erregt von der Furcht, das; ihr Schlimmes bevorstehe, verließ sie, da die unten Sprechenden an der Haus- wand entlang gegangen und in einer der Hintertüren cingc- treten waren, ebenfalls ihr Schlafzimmer und schritt dem Parke zu. An der Haustür gesellte sich ein Freund zu ihr, der es herzlich treu mit ihr meinte. Das war der Limor, die große Dogge, welche Sir Richard in Ruhestand versezt und zur Obhut des Landhauses und des Parks dem zugleich als Gärtner fun- girenden Nachtwächter übergeben hatte. Der Hund unterließ es niemals, Lude zu begleiten, und wenn sie in ihre Wohnung zurückkehrte, sie bis an die Treppe zu bringen, als mäste er sich die Ucbcrzcugung verschaffen, daß ihr kein Leid zugestoßen sei und man ihm den Vorwurf leichtsinniger Führung nicht machen könne. Von diesem rechtschaffenen Vierfüßler geleitet, ließ Lude sich, nachdem sie einen Spaziergang unter der Kiefern Pflanzung gemacht hatte, auf dem Rückwege»ach dem Hause auf eine Bank nieder, wo die Sonne ihr nicht unmittelbar ins Gesicht schien. In der frischen Lust schien ihr die Brust leichter zu werden, deinohngeachtet aber konnte sie sich nicht von der sie bedrückenden Ahnung eines Unheils frei machen, das sich ihr gewaltsam aufgedrängt hatte. Die Einsamkeit im Park war wohl beruhigend; das ängstende Denken aber, dessen Grund ihr unbekannt geblieben, verlor sich nicht. Tie große Schelle am Gartcntore ließ weit in den Park hinein ihren Klang vernehme», er regte sie jedoch nicht an, sich von der Bank zu erheben. Der vor ihr liegende Hund hob zwar ein wenig den Kopf, legte ihn aber gleich wieder auf seine Vorderpfoten nieder... ein Zeichen, daß der Einlaßbegehrende ihn nicht sehr interessire. Noch keine Viertelstunde war verflossen, als sie mehrerer Schritte nahen hörte und der Hund sich auf- sezend, ein kurzes Gebell erhob. „Mein Himmel, wer kann das sein?" fragte sie sich. Wäre es Richard, Limor würde freudevoll ihm entgegen springen." Sie brauchte nicht lange auf die Lösung dieses Rätsels zu warten; aber zu ihrem größten Schrecken... Lord Clinton, Sir Richards Onkel, den sie am Hünengrabe in der deutschen Heide gesehen hatte, kam von einigen Dienen« begleitet, lang- samen Schrittes des Weges daher. Tie Korpulenz dieses vor- nehmen Herrn hatte zugenommen, sein Gehen war ein sehr lang- sameS, schwerfälliges. Lude war bei seinem für sie sehr un- erfreulichen Anblick schreckhaft überrascht, denn er wäre gewiß der lezte gewesen, den sie hier envartet oder auch nur mit einer Shlbe seiner gedacht hätte. Sein Erscheinen bedeutete ihr llebles. Sei» fleischiges Gesicht, dessen Augen so zornvoll auf sie gerichtet waren, dessen Züge so gespannt sich wiesen, als wären sie aus unbeweglichem Stein geformt, prophezeiten ihr Schlim- nies, daß sie sogar die unumgängliche Höflichkeitssorn« vergaß, sich von ihren« Sizc zn erhebe». Sic befand sich im Banne jener Angst,«velche der Sage nach, die kleinen Vögel überfällt, sobald eins der großen Schlangenungeheuer»ach ihnen züngelt. Der dicke Lord blieb vor ihr stehen und blickte sie mit tiefster Verachtung an.„Sie gehören nicht hierher," hob er dann in einem mühseligen Deutsch a», denn mm« hatte ihm wahrscheinlich gesagt, daß sie das Englische eben so schlecht ver- stehe als sprechen könne, ein Umstand, der den edlen Herrn jedenfalls höchlich empörte; aber es ging aus dieser deutschen Anrede auch hervor, daß er sie kenne.„Ich habe bereits den Befehl gegeben, daß man Sie von hier entfernt. Ihr Hiersein ist ein cchimpf fiir den Namen Clinton. Ich als Haupt der hvchangcsehencn Familie dieses Namens dulde Personen Ihrer Art nicht." „Herr... Herr!" fuhr Lucic empört auf.„Wenn es Ihrer Lordschaft beliebt, mich zu beleidigen, so«veiß ich jemand, dem Sie dafür werden Rede stehen müssen... Sir Richard, Ihren« Neffen." Der Lord blickte sie überrascht an, dann lief ein böses Lächeln über sein fleischiges Gesicht und er brach in die zoniige Ent- gegnung aus:„Sind Sie toll?... Sie müssen es sein, wie könnten Sic sich sonst fiir beleidigt halten,«vcil ich Weiber Ihres Schlages verachte! Auf«velche Art von Ehre sind Sic 2- stolz? Vielleicht, daß Sie Ihre», Manne entliefen und Ihrem Kinde eine nichtswürdige Mutter waren?... Pfui! Pfui!" „Mylord!" stammelte Lucic totenbleich und krampfhaft nach der Banklehne greifend, um sich vorn« Umsinken zu wahren. „Schlvcigcn Sie!" befahl Lord Clinton, ihr somit jede Weiter- rede abschneidend.„Ihnen steht kein Recht der Verteidigung zu." Nach einer Pause, in welcher der edle Herr sich von der Erschöpfung, in«velche ihn der große Aerger über den Wider- spruch, den er bei Lucien fand und die Anstrengung, sich in deutscher Sprache auszudrücken, versezt hatte, einige Augenblicke lang erholt, sprach er gereizt:„An meinen Neffen haben Sie keinen Anspruch... Sie haben keine schriftliche Aufforderung von ihm, hierher nachzukommen... ich«uaiuc Sic daher vor jeden« Versuche, ihm nochmals zu nahen. In wenigen Wochen ist er der Gemahl seiner Cousine Lady Vally Wolllvorth, inerten Sic sich das. Tie geringste Störung durch Sie in dieser Ehe würde auf meinen Antrag Sie der Polizei in die Hände liefern. Auch dürfen Sic nicht hoffen, daß Sir Richard noch die gc ringste Neigung für Sic hegt, in seinen Augen sind Sic das, «vas Sie in den meinigen sind." Mit der Lcichenbläffc in Lnciens Antliz mischte sich ein schlvankender Zustand, sie sank auf die Bank nieder. Ueber- Häufung von Kränkungen und Schande«virkt nicht selten«vie moralischer Todschlag auf denjenigen, der sich zu verteidigen un- fähig fühlt und in diesem Falle befand sich Lucie. Vielleicht «vllrde der eben geschilderte Austritt sie nicht so tief niederge- schmettert haben,«venu sie sich daran erinnert hätte, daß die Seine Herrlichkeit umstehenden Diener troz ihrer sie anglozendcn Blicke keine Sylbc deutsch verstanden, doch an diesen wichtige» Umstand dachte sie nicht. Nach einer Weile ließ Lord Clinton in ctivas milderen« Tone venichmcn:„Gehen Sie nach dem Festlande zurück, ver- suchen Sie dort Ihr Glück... vielleicht ist es Ihnen dort gü» stiger als hier zu Lande. Ich habe den Befehl�gegeben, Sie noch vor Abend von hier fortzubringen. Am Strand«verde«« sich Ihnen genug Gelegenheiten zur Ueberfahrt bieten." Nach dieser schweren Anstrengung, sich verständlich zu machen» «vandte er sich zur Rückkehr, indes eine Erinnerung veranlaßtc ihn, nochmals sich zu ihr zu kehren, bei welcher Bewegung er ein Papier aus der Tasche zog und es auf die Bank«vars, vv» der es jedoch herunterfiel. Einer der zunächst stehende«« Diener «vvllte es aufheben, jedoch der Hund kam ihm zuvor und sezte seine Pfote darauf. Seine Lordschaft lachte über dieses den« Livreemenschen von den« Vierfüßler gespielte Prävenire, da«»« gab er seinen Leuten einen Wink ihm zu folgen. Ihre Schritte waren schon lange nicht mehr zu hören, als Lucic sich miF der Letargic erholte, in«velche dieser für sie st' schinipslichc Vorgang sie versezt hatte. Sic fühlte sich«vie voi» Fieber durchschanert, als sie in ihre Wohnung zurückschritt. Iezt kannte sie die Bedeutung der vom schadenfrohen Lachen begleiteten Rede Ruths: Diese Deutsche«vird sich wundern. Diese und der ausrangirte Preisboxer hatten also darum gewußt,«va- geschehen sollte und schon im Voraus darüber gejubelt. Als sie in ihr Zimmer trat,«var sie so sehr erschöpft, daß sie sich kau«» ausrecht halte» konnte, sie siel abgespannt in's Sopha, denn sie bedurfte der Erholung. Es«var kein Schlummer, der sie fest seltc und ihr die Augen schloß, die Wirklichkeit dessen,«vas sie erlebt, hatte den Zustand der Unfähigkeit, klar zu denken, übee ihr Fassungsvermögen gebreitet. Erst als dieser allmählich 5» weichen begann, konnte sie«vicdcr ihre Gedanken sesthaltcn,»»4 und nach ordnen. Sie bemerkte nun,«vas sie ganz unbeachtet gelassen, dal» Limor, ihr vierfiißiger Freund, an der Türe saß und ei»«' seiner breiten Vorderpfoten auf ein«veißcs Papier gestellt hatte. Sie«vußte, daß das Tier gern apportirte, es hatte das stetgetan, ivenn sie es dazu aufforderte. Ohne zu glauben, davon ihm bewahrte Papier könne eine Bedeutung haben, rief sie- „Bring s!"... es«var ein wohltuendes Beivußtsei», ein treu e «nit ihr meinendes Geschöpf in ihrer Nähe zu sehen, in diese»' Hause gab es für sie ja nur Feinde. 443 Vimor bedurfte keine? nochmalige» Befehls, das Papier mit den Zähnen fassend, trat er zu ihr an's Sopha... sie nahm rs ihm ab. Es war ein Eouvcrt ohne Adresse und ohne Siegel, mir durch eine Oblate geschlossen. Das erregte troz ihrer schweren Gemiitscrschütterung ihre Neugier, besonders da sie zwischen Daumen und Zeigefinger es nehmend, zu bemerken glaubte, daß inwendig etwas Verschiebbares liegen müsse. Sie öffnete das Convert und eine zusammengelegte Fünfzig-Pfnnd- Note, dem ein kleiner Zettel von Postpapicr beilag, kam zum Vorschein. Auf leztercm fanden sich die beiden Worte in beut- scher Sprache:„Ans Nimmerwiedersehen!" Sie erkannte Richards Handschrift. Mit einem halberstickten Schrei fiel sie an die Lehne des Sopha's zurück. Ter bitterste Hohn, die sie in den Schninz der tiefsten Er- nicdrigung hinabstoßendc Verachtung sprach sich in diesen Ab- lchiedsworten ans und er, an dessen Liebe sie so fest geglaubt hatte, konnte ihr diesen Schimpf der Verworfenheit antun? Sie zitterte wie von Krämpfen durchrast, lind als ihre Augen ans öar Banknote hafteten, verzerrten sich ihre Gesichtszüge zum Ausdrucke wildester Leidenschaftlichkeit, die bis zu», Gelächter l'ch steigerte. Eine größere Demütigung als das Darbieten dieser Ablohnnngssunimc hätte sie nicht treffen können... Hierin lag der Sammelpunkt aller auf sie möglichst zu häufenden Schmach. %»Vergeltung! Vergeltung!" stöhnte sie fast in Zorn erstickend. 3" ihrem Hirn stieg ein Entschluß auf. den sie, wie es schien. Ausführung bringen rvollte. Die Fünfzig- Pfund- Note in wiiic Fczcn zerreißen und diese im Zimmer umher streuen er- Ichw" ihr als vollgiltigster Ausdruck ihres Hasses, und schon war sie im Begriff, das Wertpapicr auf diese Weise zu vcr- 'achten, was, wie sie in ihrer Verblendung meinte, eine Ant- Wort für ih„ �in würde, deren Sinn er sich leicht ausdeuten w""c; aber zur rechten Zeit erhob sich der Zweifel in ihrer �t'rle, ob er auch gewiß Kenntnis von ihrem Tun erhalten werde? Dieser Zweifel gewann in ihrer Ueberlegung bald so viel cbrrinacht, daß sie von ihrer Absicht abstand... Die ikstwfz'b' Pfund-Note blieb nnzcrrissen und wurde von ihr zusammen mit °c»i Papier, das die beiden Abschiedsworte trug, in ein neues Unvert eingeschlossen und dies auf den Boden eines Kastchens in dem sie ihre wenigen Schmuckgegenstände verwählte, t"' sie mit herüber nach England gebracht hatte._ . Nachdem sie dieses kleine Geschäft beendet, ttberließ lic ,ich k'nem langen Sinnen, welches sie jedoch so viele Ruhe gelvinnen daß deren Einwirkung insofem von wohltätigen folgen für 'w war. um ihr eine Selbstbeherrschung möglich zu machen. 'wch welche sie frei von Aufregung über ihre Zuknnsr nachdcn en wnnte. Ein heiteres Denken Ivar es freilich nicht, weil da?, ihr heute widerfahre», zu jenen Erlebnissen gehörte, für es kein Vergessen giebt. England zu verlas, en, wurde zum >-s->z bei ihr. in Deutschland hoffte sie m.t Znveri.cht,„ch % Ä-Lk» 3;:;; �'""e sie mit Sicherheit den besten Rat für„eh erwarten. W I .-flufc, aus dem sie nach wenigen Stunden hmausge i s ■Ü binde störte sie in dem traurigen Denken. Er meldete ihr, daß er nach Verlauf einer Stunde kommen werde, um ihr Gepäck auf's Schiff zu bringen. Sic antwortete nur mit einem Kopf- nicken, worauf der Meldende sich rasch zurückzog. Lucic bedurfte Zerstreuung, die Einsamkeit, in der sie sich befand, machte sie schauern. Sie eilte in das Eckzimmer, aus dessen Fenstern man die Aussicht auf die Battcrsca-Brücke hatte, welche vor Einbruch der Abenddämmerung stets lebhafteren Ver- kehr zeigt. Stach einer langen Weile rief sie lachend:„Sind alle diejenigen Glückliche, welche da auf der Brücke so eilig her- über- und hinüber fahren und laufen?" Nach kurzer Pause gab sie sich selbst die Antwort:„Nein, nein, gewiß nicht Alle, die Wenigsten nur... sie wollen sich nur nicht die Nacht über den Hals kommen lassen. Mir geschieht ganz dasselbe, freilich in anderer Weise. Es ist bei mir eine Sache, die sich nicht vcr- gcssen läßt." Und wieder ließ sie eine Pause ihren Worten folgen, ein Ausdruck düstern Ernstes überlagerte ihr Gesicht »nd sie redete vor sich hin:„Wer kann's bestreiten, daß mir ein Tag kommen wird, an dem ich werde vergelten können!" Und diese Hoffnnng erhob ihren erschütterten Mut. Als der Kommissionär mit ein par Tagearbeitern erschien und ihre Koffer an die Gartenpforte hinabtragen ließ, folgte sie ihnen mit fester Haltung aus dem Hanse und durch den Vor- garten. Der Limor hielt sich immer vor dem Hause auf und begrüßte sie jezt mit größter Freundlichkeit. Von ihm begleitet schritt sie durch die Pforte, aber der Saum ihres Oberkleides blieb am untere» Riegel hängen. Um ihn loszuniachen, mußte sie einige Sekunden verweilen und als sie sich aus der nieder- gebeugten Stellung aufrichtete, fiel ihr Blick univillkürlich ans die Front des Landhauses. Aus einigen dessen Fenstern schaute die wenige männliche und weibliche Tienerschaft ihr nach, wel- cher es ein ganz besonderes Vergnügen zu gewähren schien, die so bitter Gedemütigte zu guterlczt noch zu verhöhnen. In dieser Kunst zeichnete sich Ruth vor Slllen ans... ihr Gelächter er- reichte Llicicns Ohr. Als wäre dies nicht der Fall gewesen, begab sich die Schei- dcndc mit ruhigen Schritten, von ihrem vicrfüßigen Freunde begleitet, ohne sich umznsehen, zu dem vor der Pforte stehenden Handwagen, auf welchen die Arbeiter eben die Koffer mit Stricken befestigten. War es nicht gerade, als nähme sie Abschied von dem treuen Tier, dessen mächtigen Kopf sie zwischen ihre Hände nahm und ihn zur höchsten Bcrlvnnderung des ehedem rühm- reichen Preisboxers liebkoste»ud wenn dieser würdige Mann noch durch etwas in Staunen vcrsczt wurde, so bestand dicS in dem heitern Lächeln, welches in dem blassen Gesicht der Aus- gewiesenen sichtbar erschien. John vermochte nicht sich zu erklären, wie es möglich sein könne, daß jemand, der hilflos in die Welt hinausgestoßen werde, noch ein Lächeln übrig habe... in einem solchen Mo- mente!... das verwirrte ihn fast, obwohl er durchaus nicht zu den weichherzigen Leuten gehörte. In ihrer Heimat kursirte der Aberglaube, daß, wenn man beim Verlassen eines Hauses, in dem man Hebels erfahren, Beleidigungen, Mißhandlungen, durch irgendwelchen Zufall am Ucberschreitcn der Tür- oder Torschwclle gehindert werde, dies die Bedeutung habe, mit dem zurückgebliebenen Feinde oder Be- leidiger später wieder zusammen zu treffen, um an ihm Rache nehmen zu können. Es war gewiß sehr begreiflich, daß ein der- artiger Aberglaube in einem so heftig empörten Gcmüte, wie das Luciens, leicht Wurzel schlug... und sie lächeln konnte. So rasch wie die Arbeiter mit dem Handwagen und der ihnen zur Seite schreitende Kommissionär den Weg nach dem zur Abfahrt bereit liegenden Schiffe zurücklegten, eilte Lucie mit ihnen vorwärts. Mit keinem Blicke hatte sie sich nach dem Land- hause umgewendet. Sie war froh, von einem Orte fortzukvm- mcn, der, wie sie glaubte, ihr noch mehr Verderben bringend gewesen sein würde, wenn sie sich nicht in das über sie verhängte Geschick so ergebungsvoll gefügt hätte. „Wo wollen Sic aussteigen, Mistreß?" fragte John, als sie das Schiff betraten._ 444 „Billingsgatc", antwortete die Gefragte. John hatte den Auftrag bekomme», Alles diese Fahrt Be- treffende in Richtigkeit zn bringen. Tie rasch eintretende Dämmerung machte den Abend sehr trübe, über der rollenden Themseflnt legte sich ein Nebel, der glücklicherweise nicht zu den dichten, undurchsichtigen gehörte, welche der Schifffahrt oft so viel Hindernisse bereiten, daß sie feiern muß. Das Kommandowort erscholl und das gut mit Lampenlicht erleuchtete Fahrzeug glitt mit den abwärts rollen- den Wellen wie ein rüstiger Schwimmer die lange Wasserstraße dahin ins Herz der englischen Kapitale. e ic» (onb übermittelten, worauf allerlei Sagen hinweisen, wie i. il. von dem Eqyptcr Kekrops. dem die Gründung der Burg(Kckrop.a asiatischen Kultus der Menschenopfer ergeben und m den ältesten cmanzipirten sich die Griechen von dem Einfluß der- OrienG, schafften ihren Moloch- Kronos ab und sezten an dessen Stelle einen Kreis freundlicher Gott- licite», welche nichts anderes waren, als Ideale des Schön- Menschlichen. Tie Menschenopfer sielen und auch die der Ticropfcr traten, je höher die Sonne gei- siigcr Kultur am hellenischen Him- wel cmporrückte, mehr und mehr zurück gegen einen edlen, ästhc- tisch- moralischen Kultus. Der Kultus der Schönheit wurde zur Religion erhoben und er übte seine Wirkung nach zwei Richtungen: als Schönheit der sichtbaren Welt in der Kunst, als Schönheit des Sühlens und Handelns in Gcsin- "ung und Sitte. Ter den Grie- fym innewohnende Drang zur Schönheit offenbarte sich nicht blos als das der Kunst lebengebendc Prinzip, sondern ergoß sich auch über alle Verhältnisse und Zu- stände des Lebens und wurde überall das maßgebende und ord- ncnde Gesez. Tic Schönheit ist jedem Dinge die völlige Bcfrie- dsgnng und Gemäßheit seiner selbst, die fchladculost Abrundung seiner Existenz, die Schönheit ist Ruhe, Glück und Friede, sie ist Tugend und Sitte, sie ist auch Gesez und Sreiheit, denn nur in der Frei- hcit kann die Schönheit reifen*). Swh zu sein, sich des Lebens zu sreuen und diese Freude auch an- dern zu gönnen, das Dasein sich und andern heiter zu gestalten, Alphornbliifer. war den Griechen Gottesdienst. Tie Bewunderung sinnlicher Schönheit der Form veredelt fich zu d"n Gefühl sittlicher Schönheit menschlichen Handelns und d.c Kalokagatie(harmonische Vereinigung von Schönheit und Gute) "scheint als das Ideal menschlicher Vollkommenheit So wurde Hellas die Wiege der Kunst, der Poesie und Phikfofihic. Mit einer fortschreitenden Knltur läuterten auch andere �r lkcr wm *) S. Mündt, die GöttcNvelt der alten Volker. koinincne poetische Gestaltung erfahren, als in Goethes wunderbarer Dichtung Iphigenie auf Tanris. In Iphigenie, der Tochter des zivilisirten Hellas, hat Goethe, der moderne Hellene, diesen Humanismus personistzirt. Der höchste sittliche Lldel ist in ihr verkörpert und von einer sanften jungfräulichen Hoheit und heiligen Milde ist ihr ganzes Wesen umflossen und verklärt. Damit bildet sie einen scharfen Gegensaz gegen ihre Umgebang, die Halbbarbaren in Tauris, und dieser Gegensaz macht sich vorzugsweise in der Art der Göttcrverehrung geltend. Denn während die Taurier ihrer Göttin Menschenopfer darbringen, ehrt Iphigenie die Göttin durch ein reines Herz und Weihrauch und Gebet und durch ihren Einfluß sagen sich auch die Taurier von den Men- schenopfern los. Wir haben ge- sehen, daß die Lossagung von den Menschenopfern einen bcdcut- samen Umschwung in den Kultur- Verhältnissen der alten Völker bc- zeichnet; denn mit ihm vollzieht sich der Uebergang aus einer nie- deren Kulturepoche zur höheren, aus der Religion der Barbarei zur Humanität. Es ist viel darüber gestritten worden, ob und wiefern Goethc's Iphigenie ein griechisches Produkt sei. Schlegel nannte sie ein Echo griechischen Gesanges. Andere preisen sie als das schönste mo- derne griechische Drama. Die Korrektur, welche dieses Urteil sich gefallen lassen mußte, ließ es später in sein Gegenteil umschlagen und das Stück als ein deutsches, selbst christliches(G. Schlosser) bezeichnen. Lewes will das Grie- chische blos im langsamen Fort- schritt, in der Einfachheit der Handlung und der Sättigung mit mytischem Stoff erblicken. Das sind jedoch Aeußerlichkeiten, die für den Geist eines Kunstwerks nicht maßgebend sein können. Was uns aber als griechisch aus dem Stück cntgegenweht, ist der von religiöser Weihe getragene schöne Humanismus der Heldin, welcher freilich mit manchen Elementen moderner Bildung verfeinert ist. Er _. istein untermilderemÄulturhiinmcl '' ausgereiftes griechisches Gewächs. Die Art, wie Iphigenie den starren Sinn des Schien zu brechen sucht, gehört zu den schönsten Zügen der Dichtung. Der mißversteht die Himmlischen, der sie Blutgierig wähnt; er dichtet ihnen nur Die eignen grausamen Begierden an spricht sie zu Thoas und da dieser den Kanon aller Konserva- tivcn im Munde führt: Es ziemt sich nicht sür uns, den heiligen Gebrauch mit leichtbeweglicher Vernunft Nach unserm Sinn zu deuten und zu lenken und sich auf das alte Gesez beruft, erklärt sie ihm: Wir fassen ein Gesez begierig an, Das unsrer Leidenschaft zur Waffe dient. Ein andres spricht zu mir, ein älteres, Mich dir zu widcrsezen, das Gebot, Dem jeder Fremdling heilig ist. In dem Verhalten Jphigcniens zu Thoas spiegelt sich so eine kulturhistorische Wahrheit. Wie Iphigenie den rauhen Sehten, so hat die griechische Bildung den Geist der Völker 446 veredelt und jenem Humanismus die Welt erobert, der uns in den Werken der griechischen Weisen, Dichter und Mnstler cnt- zückt. Iphigenie reprasentirt die hellenische Kultur als lieber- winderin der Völker durch die Ideen der Humanität. Einen Gegcnsaz anderer Art bilden die Untaten der Tan- taliden. Die Gräuel, welche diese verüben, entspringen nicht, wie die Mcnschenschlächtcrci der Taurier, aus religiöser Verirrung, sondern aus ihrem ungestümen, leidenschaftlichen Temperament, das nicht durch Besonnenheit und Selbstbeherrschung gczügelt ist: Zwar die gewalt'ge Brust und der Titanen Kraftvolles Mark war seiner Söhn und Enkel Gewisses Erbteil, doch es schmiedete Der Gott um ihre Stirn ei» ehern Band. Rat, Mäßigung und Weisheit und Geduld Verbarg er ihrem scheuen, düstren Blick; Zur Wut ward ihnen jegliche Begier, Und grenzenlos drang ihre Wnt einher. Bei Thoas wurzelt das Verwerfliche im allgemeinen Wahn, hier in der individuellen Leidenschaft. Tort ist der Intellekt nmdüstert, hier ist der Karakter nngebändigt. Dem in der Person Jphigenien's personifizirten hellenischen Hnmanitätsidea! sind ans diese Weise die beiden Hanptfaktvren seines Gegenteils gegen- übergestellt. Einen ergänzenden Kontrast zu Iphigenie bildet Orestes. Sie, die„von Menschen abgesondert, der kindlichen Beschäftigung, des heil'gen Feuers Glut zu nähren," lebte, bebt vor Menschen- opfern, auch den ihr aufgezwungenen, zurück und bittet Diana: O enthalte von Blut meine Hände! Rimmcr bringt es Segen und Ruhe; Und die Gestalt deS zufällig Ermordeten Wird auf des traurig unwilligeu Mörders Böse Stunden lauem und schrecken. Orestes wird durch seiner Mutter Schuld ein solch' traurig- unwilliger Mörder und die schrecklichen Folgen, die Iphigenie fürchtet, verwirklichen sich an ihm. Die Erinnyen verfolgen ihn, und diese bedeuten bei Goethe nichts anderes, als die schreckliche, nicht zu verscheuchende Erinnerung an die unter dem Mordstahl des Sohnes sterbende, vergebens um Schonung flehende Mutter, ivelches Bild seine Phantasie ihm fortwährend vor die Seele gaukelt,„die ewige Betrachtung des Geschehene»," der sich„der Zweifel und die Reue" zugesellen. Durch Jphigeniens Anblick, tvelchc manche Züge der Mutter trägt, wird das schreckliche Phantasiebild noch lebhafter: Tu siehst mich mit Erbarmen an? Laß ab! Mit solchen Blicken suchte Klytämnestra Sich einen Weg nach ihres Sohnes Herzen: Doch seiir geschwungner Arm traf ihre Brust--- und er wird von Raserei und Wahnsinn erfaßt. Aber dieser Anblick heilt ihn auch wieder. Denn in Iphigenie nehmen die Züge der Mutter eine andere Gestalt an. Das entsezliche Pha»- tasiebild der sterbenden Klytämnestra weicht dem liebevolle», milden der Klytämnestra-Jphigenic. Die Genesung vollzieht sich psychologisch ganz natürlich. So prägt sich auch in der Figur des Orestes der sittliche und humane Geist Griechenlands ans, der das Leben des Individuums heilig hält und selbst den nn- freiwilligen Mörder einer furchtbaren Strafe preisgibt, die aus der Natur des gesitteten Menschen entspringt. Tie mannigfaltigen Schönheiten der großartigen Dichtung, in tvelche der deutsche Dichter mit Enripides um die Paliuc gerungen und ihn überwunden hat, eingehend in's Licht zu sezeu, ist nicht die Aufgabe dieses Artikels. Ten Wunsch aber könne» wir nicht unterdrücken, eS möchte das weibliche Geschlecht der Gegenwart schon früh mit dieser hvchsittlichen Dichtung bckanul gemacht werden und überhaupt sich mehr als es bisher geschah, mit der klassischen Literatur vertraut machen. Mädchen, welche eine Iphigenie, eine Rausikaa, Frauen, die eine Andromachc, Arete oder Pcnelopeia zu schäzen wissen, die diese edlen Frauen- bilder in einer Nische ihres Geistes aufgestellt haben, werden nicht leicht in die Abwege einer falschen Sentimentalität und . Schwärmerei, noch in die Sümpfe eines trivialen Modelnxrrs- und Gcnnßniatcrialisinus sich verirren, sondern an diesen herrlichen Gestalten zu einem gesunden iuist weiblichen Idealismus sich erheben. Religiöses Leben und Treiben bei den Inden der Gegenwart. Von Marimilian Dittrich. (Forts, statt Schluß-) Neben dem Genüsse des Mazzes wird alles, was mit dem Gesäuerten sonst in Berührung war,„wie Gift", gemieden. Geschirr,„von der Schüssel bis zum Taschenmesser", oft selbst die Schnupftabakdose wird für die Osterfeier erneuert, respck- tive das Jahr über dazu aufgespart, besonderer Zucker, selbst besondere Cichorie tvird angeschafft, das für gewöhnlich im Gebrauch gehaltene Geschirr tvird sorgfältig in einen abgelegenen Raum eingeschlossen oder womöglich für die Osterzeit scheinverkauft, und sogar angeblich„gebildete" Rabbiner der brcslancr Richtung empfehle» in der Synagoge diesen frommen Schacher- schwindet, mit dem man dem Herrgott einen Gefallen zu tun meint. Soll alles mit rechten Dingen zugehen, muß der Mazzes- böcker mit seinen Gesellen, der Müller, der das Mazzesmehl mahlt, wie überhaupt jeder, der bei ihrer Herstellung irgend etwas zu tun hat, eine Menge kleinlichster Vorschriften befolgen, nicht einmal der Schnitter, der die dazu auserlesenen Nehren schneidet, bleibt verschont. Ein furchtbares Unglück ist es, wenn das Oftergeschirr mit irgend etwas Gesäuertem in Berührung kommt, etwa mit einem rn einer Henne verborgenen Nahnmgsbröcklein, das ja Gesäuertem entstammen könnte,— dann müssen sofort die entheiligten Küchen- geschirre, am besten alle Geschirre ohne Ausnahme, durch neue, völlig unschuldsreine ersezt werden. Man sieht, die fromme Torheit ersteigt so ziemlich den Gipfel des Unsinns beim jüdischen Hauptfeste Pesach. Das nächste der jüdischen Hauptfeste ist Sukkoth. Pffngsten, dieses leztere abstammend vom griechischen Pentekoste, d. h. der fünfzigste Tag von dem dem Ostersabbat folgenden Tage a» gerechnet, auch Cliag liascliabnotb, das Wvchenfest gcnauut, weil es nach 3 Mos. Kap. 23, V. 15 sieben Wochen nach dci» genannten Tage als Erntedankfest gefeiert werden soll. Dagegen feiert es das jczige Judentum als Fest der Gesezgebung,„weil nach dem 2. Buche Mosis am 3. Monat nach dem Auszug aus Aegypten die Offenbarung am Sinai geschah." Bezüglich dieses Festes selbst wäre hier nichts besondere- zu erwähnen, wenn nicht der Talmud auch diese Gelegcnheil zur Offenbarung seines pfiffig-dnmmcn Jesuitismus benuzt hätte- Dr. Rubens schreibt darüber:„Es ist am Festtage erlaubt, solche Handlungen zu verrichten, welche unmittelbar zur �c- reitung von Speisen gehören; also auch das Schlachten des Tieres, von dem man am Festtage essen will. Wenn nun eine Kuh z.$■ am Festtage in eine Grube fällt, und der Besizer befürchtet, sie möchte zugrunde gehen, so darf er sie heraufbringen unte/ der Bedingung, daß er sie schlachtet und noch am Festtage selbst ein Stückchen(eine Olive groß) davon ißt. Wie aber, we»» zwei Kühe hineinfallen, da doch geiviß eine für den Festtag reicht?! Da empsiehlt der Talmud folgende List: man bringt zuerst die eine herauf, um sie zu schlachten. Ist sie oben, ff' sage man: ach, die ist mir nicht fett genug, ich will lieber die andre schlachten, und bringe dann die andre herauf." Man sieht, für wie dumm der Talmud seinen Herrgott halten muß, daß er glaubt, man könne ihn mit einer solchen„List nicht einmal, sondern immer wieder, solange es Juden gM hinters Licht führen. 417 . 3,» 7. mw IM(@Mbc September über%„> �auptfeße,_ Chag hassneoth ober Chag haasiph b j ba» Oktober»nsres Jahres) feiern die Juden das dritte ihrer Fest des �m,ammelns ober da- tzerbstfest."r,prungl.ch e.n if) i 19 SS «S a <3 S « T ffn.tecrtrnas dann, Volt nicht in festen Häusern, sondern in Hütten ober Zelten m.rf Jcit"ach Einheimsung des gesummten �'»�cht i wohnte, so soll deswegen das Fest auch heute noch das Laub- .'ch Erinnerungsfest an den Zug"> Ls jüdische I hüttenfest genannt und in Laubhiitten gefeiert werden. Früher * Aegypten. Da nun während des Wisttenzug. wohnten die Juden sieben Festtage hindurch in den Hütten, jczt wird nur noch darin gegessen, und nur besonders fromme Leute schlafen auch noch zuweilen darin. Rubens vermutet, daß Laubhütten einfach den klimatischen Verhältnissen Palästinas ihren Ursprung verdanken und die Be- ziehung zu der Wüstenwanderung Israels pure Mache oder vielleicht irrige Deutung ist. Was Rubens über die Art, wie uusre Juden das Laub- hüttensest in ihren Synagogen feiern, sagt, ist zu kostbar, als daß»vir es hier nicht»viederholcn sollten. Im dritten Buch Mosis 23, 40 heißt es:„Nehmet euch schöne Baumfrüchte, Palmzlvcigc, Ziveige dichter Gebüsche und Bachwcideu und freuet euch damit vor dein Herrn." Daran knüpft Rubens au:„Das heißt mit andern Worten: Schmücket den Tempel mit allerlei Zivcigen, stellet Körbe mit allerlei Früchten darin auf, um den Segen des Feldes zu vergegen- »värtigen. Ter Talmud hat vier besondere Gattungen heraus- gctiftelt, und auch dabei fehlen die minutiösen Vorschriften nicht, ivovon der Traktat Sukkoth eingehend handelt. Nach ihm heißt ferner: ,Jhr sollt euch nehmen': jeder Jsraclite muß einen solchen aus den vier Gattungen bestehenden Feststrauß in die Hand nehmen(einen Palinzweig mit drei Myrtenzweigen und zlvci Wei- dcnzweigcn zusammengebunden in der einen Hand und einen söge- nannten Cederapfel— eine Citronengattung— in der andern Hand). „Damit nicht zufrieden ordnet er ferner an, jeder»mißte während des Gebetes damit schütteln(Spektakel muß sein!) und zlvar nach auswärts,»»ach abwärts und nach allen vier Welt- gegendcn, nin böse Winde und schädliche Taue damit zu bannen. „Noch jczt kannst du, lieber Leser, an jedein der ersten 7 Tage des Hüttenfestes die gläubige Schaar der Stammesge- nosscn Spinoza's, Mendelssohn's und Heine's mit solchen Palm- zivcigen(selten sind es frische, sondern meist abgestorbene, Jahr- zehnte alte, häßliche Ziveige) und Zubehör gleich gerüsteten Kriegern mit Speeren und Lanzen in die Synagoge ziehen sehen, und»venu du dem Gottesdienste beiwohnst, so erinnert dich vielleicht dieses Stoßen nach allen Seiten an den köstlichen Ton Quixote,»vie er gegen, Windmühlen ficht im Glauben, es seien furchtbare Riesen. „Auch ein Parademarsch»vird in vielen Synagogen an die- fem Feste aufgeführt. Voraus jemand mit der„Torschlvclle" — den Büchern des mosaischen Gesezes— nach ihm der Direktor und hinter ihm sämmtliche Palmztveigc tragenden Frauen, nm die mitten in der Synagoge befindliche Tribüne»narschirend, am siebenten Tage»vird diese Parade siebenmal aufgeführt und zum Schlliß klatscht man ivomöglich mit einem Landweidcn- ziveige an die Bänke, zum großen Gaudiun» der hoffnungsvollen Jugend. Diese Sitte,»velche übrigens in vielen Synagogen zum großen Aergernis der Ortodoxie abgeschafft ist, ist nach dem Talmud, Brauch der Propheten'(eine würdige Vorstellung von den Propheten.)" Indes das kirchliche Jahr der Juden mit dem Monat Nisan, um den 20. März unserer Zeitrechnung herum, beginnt, fängt das bürgerliche Jahr mit dem Monate Tischri an, eben jenem siebenten Monate, in den das Laubhüttcnsest füllt. Der erste Tag des Tischri, der»vie jeder jüdische Tag mit dem Abend des vorhergehenden Tages anhebt,»vird als Neu- jahrsfest, als Tag des Gedächtnisses oder Fest des Blasens gc- feiert. Nach dem Talmud sizt an diesem Tage„Gott zu Gericht und bestimmt das Schicksal des Menschen für das koinmende Jahr." Von Neujahr bis zum 10. Tage des Monats Tischri, dem Versöhnungsfeste, dauert die Zeit der Buße, durch die der Jude durch Reue und Besserung den Geist Gottes gewinnen und die Strafe für seine Sünden von seinem Haupte abzulenken bemüht sein soll. Läßt man die Religion überhaupt als kulturhistorisch berechtigt und in der geistigen Schwäche und Hülfsbedürftigkeit des Menschengeschlechts begründet zn,—»vogegcn kein ver- nünftiger und gebildeter Mensch etivas einzuwenden haben»vird —, so»vird man sich eine solche Bedeutung»nid eine solche Feier des Neujahrsfestes und der Bußezeit, als der Zeit der Einkehr jedes Juden bei sich selbst und die Zeit des Versuches, sich sittlich zu reinigen und zu erheben, sobald sie in»vcihe- voller, ernster Stimmung begangen»vird, gelviß gefallen lassen. Unsere Leser wissen nun aber vom Talmud schon genug,»»>» zu vermuten, daß er auch dieses Fest nicht mit seinen kniffig- psifffgen Narrheiten verschont haben wird. Die Bibel nennt das Neujahrsfest:„den Tag des Blascns", und an andrer Stelle spricht sie von der„Erinnerung des Blasens." Geben»vir wieder Rubens das Wort: „Worauf soll geblasen»verde»»? Vermittelst wunderbarer Spizfiudigkeitcn und Versverdrehens findet der Talmud heraus: auf einem Widderhorn, Schosar. Wiederum eine Menge minutiöser Vorschriften über die Beschaffenheit des Hornes, die Zahl, Art, Ordnung und Länge der Töne, die geblasen werden müssen,»vie das heute noch in fast allen Synagogen geschieht. Der Talmud macht das Gehöre des Schofarblasens männiglich zur Pflicht und Wöchnerinnen und Kranke lassen sich daher einen Blaser in's Haus kommen und die 30 Töne vortuten. „Nun hat aber der Talmud dieses Blasen mit dem Worte begründet: ,Es soll dadurch der Satan(der am Gerichtstage als Oberstaatsanwalt des Universums die Menschen vor Gott anklagt) verwirrt»verde»»' und hat damit einem sinnlosen Aber glauben Tor und Tür geöffnet,»vie sich jedermann überzeuge» kann, der sich die Mühe geben»vill, die Gebete durchzulesen, »velche ii» den Gebetbüchern für Neujahr für den Blaser»«>» die Hörer abgedruckt sind. „Die oben angeführten Bibelstellen erklärt der Talmud st- Fällt das Neujahrsfest auf einen Werktag, so ist es ein Tag des Blasens; wenn aber auf einen Sabbath, so darf nicht gs' blasen»verde«, es sollen nur Bibelstellen über das Blasen rezi tirt»verde»», es ist da»»» nur Erinnerung des Blasens. „Erklären»vir nun die Stelle vernünftig: Im 4teil Buch Mosis 10 ist die Rede von silbernen Trompeten,»velche z» nächst zu Signalen für das Lager Israels in der Wüste bc- stimmt sind; auch soll auf ihnen im Kriege, bei den Opf� und besonders an Festtagen geblasen»verde», auf daß sie euch in Erinnerung bringen, Jehovah, eurem Gotte. „Es ist nur Scherz, daß wenn die Bibel sagt, der erst' des 7. Monats sei ein Tag des Blasens, diese Troorpeten mit gemeint sind, und wenn es heißt:„Erinnerung des Bla sens" eben jenes In- Erinnerung- Bringen bei Gott durch das Blasen zn verstehen ist. „Will man sich also strikte an das Bibellvort halten— da- ja allerdings einer sehr kindlichen, unreifen Anschauungswcm Ausdruck gibt, aber vom Standpunkte der in jedem Falle gcist'g Unreife dokumentirenden Religionsvvrstellungen der christlich� »vie der jüdischen Vorfahren immerhin»vcder ganz unsinW noch lächerlich ist,— so sei es wenigstens eine feierliche BleV musik mit anständigen Trompeten und Hörnern, nicht aber je» Getute auf einen» primitiven Widderhorn, das sich anhört,»" »venn der Kuhhirt oder der Nachtwächter bläst." „Uebrigcns meinen»vir, täte es die Orgel auch." � Auch für den Abend des Neujahrsfestes hat der Tal»»»' noch einen seiner unfreiwilligen Scherze bereit. Er nötigt n»»' lich die Juden, einen Süßapfel in Honig getaucht zu esse» 11,1 dabei zu sprechen:„Möge es dein Wille sein, Eiviger u. s.|1'. daß du mir ein gutes und süßes Jahr vergönnst." F�U rät der Talmud an, an diesem Tage von Fischen und andt Tieren den Kopf zu essen und dabei den Wunsch auszusprech� „Mögen»vir zum Kopf und nicht zum Schweif»verde»»." Und nach dem Vespergottesdienste ziehen die Schäflci» raels gemeinsam an ein fließendes Gewässer und sagen etWr Lustgebete her und„werfen in die Wellen alle ihre Sünde»;, Diese ohnehin etwas gar zu naive symbolische Handlung, schon hart an die Grenze des Lächerlichen streift, entbehrt noch bei vielen frommen Juden auch des symbolischen Ker». und diese meinen denn ganz, ernsthaft, die Sünden»verde»» diese höchst ruhige Weise»virklich ins Wasser geivorfen und l" mutlich auch zu Ruz und Frommen des auscrlvählten B''' ersäuft.(-ch.,.ß 449 �iitr urur Entlarvung spintiSischru Hnmdngs. � Ucbcrnattirlichar»on Ju liuS Ztindt(Bom FtlS zum Uten) 1882, II. 5,% wN-P. e äs NN hp>. F?�wnform nur dadurch befreit werden kann, daß man leztere nbfoliit kineS Messers abtrennt, und deshalb muß eine deuten er'e''rte 50rm nuf Borgänge durchaus ungewöhnlicher Natur den nun �nr i>cm Medium ein Sack von Tüll oder Gaze über die npirnl r fr Lyogen wird, damit es seine eignen Hände nicht in fcflnLnvm®n''e ,nU(�en kann, so läßt sich, wenn dennoch eine des 11..�,"l" Ifk- die Anfertigung derselben nur mit Hilfe der Physik itann K. t r''tn �kklären. Das Einschmuggeln einer bereits fertigen wird-.""dedingt ausgeschlossen, da das Medium genau untersucht nbimlr bestimmen gewisse Leute das Gewicht der Paraffin- HoblfnL""!"�chem nach der Sizuug nur so viel fehle» darf, als die und L; m'e3t- Natürlich kann nur ein Geist seine Hand eintauchen 'chlcicr hl"'"' da das Medium erstens seine Hände unter dem Tüll- dritten i � ��'kens keine unverlezte Form zuwege bringen kann und die für.■j'e dcimliche Unterschiebung einer bereits fertigen Form durch «c�chtsfontrolle völlig ausgeschlossen ist. ixäbint.u P��affinhände gelten bis jezt als ein fester Beweis für die veninKrll Deister, sich vermittels des Perisprils eines Medium zu den in a,-""d sind eine kräftige Stiize der wundersamen Lehre von als fnin.."w" �pstenzen, die sich eines wesenlosen Stoffes— des mehr das f.ia r1'�" Perisprils— bedienen, um aus dem Wesenlosen in �flenhaste überzugehen. noch„,C,,"P'e'""ch die Physik des Uebernntürlichen; Ans Nichts und «An* Vichts wird Etwas, so hatte für mich der alte Spruch: tistiim- Nichts" mehr logische Kraft in sich, als der spiri- Müiifn''"uatins, und ich sagte mir daher: Die Geisterhandformen mittlim irgend einen Kniff hervorgebracht werden, aus dessen Er- maten« r JL""kDmnit, um den Schwindel, der seit Jahren mit den 'nciner t! �e11 Geisterhänden getrieben wird, zu entlarven. Einer desi-,'�ennde, der außerordentliches Geschick zum Komödienspielen des M v ghut na frischen Verrenkungen geübt ist, übernahm die Stelle gros,- ,u denn zu dem Erperiment der Geisterhände gehört eine «'Geschwindigkeit des Körpers. traiic««�. �hungsraum war ein leeres Eßzimmer, in dem sich eine genni, spanische Wand und ein Tisch befanden, auf dem die gewogene Parasfinschüssel, ein Gefäß mit kaltem Wasser und eine Her"rennende Lampe standen. Für die Zuschauer wurden erst kurz staub f,9m" der Sizuug Stühle in das Zimmer gestellt. In einer Ecke "iscfip»ld v™ mie dasselbe zu Boden fiel. Nun wurde Licht gebracht und Wand entfernt. Das Medium lag bewußtlos auf der Erde Pnr«i? den, mit kaltem Wasser gefüllten Gesäße-- schwamm die das.ni nhohlfonu einer riesig großen Geisterhand. Nur langsam kam und b»!.wieder zu sich. Die Tüllumhüllung, die Siegel, die Schnure llupserdraht waren unversehrt. Daß die Hohlsorm in Wirk- lichkeit auS dem vorhaudnen geschmolznen Paraffin gewonnen worden war, ergab die Wage. Auf welche Weise war es nun dem Medium möglich gewesen, mit gefesselten Händen, in Tüll eingehüllt, der bei jedem Befreiungsversuche zerreiße» mußte, die Form einer Hand zu erhalten, welche einer wahren Teufelskralle glich? Die Erklärung des , Experimentes ist folgende: lieber eine von einem Bildhauer model- lirte Teufelshand mit langen Nägeln, Runzeln und Warzen war eine elastische Leimform genommen worden, in die ich sogenanntes Leder- kollonium, eine Mischung von zähem Kollonium und etwas Ricinusöl, derart goß, daß nach dem Trocknen ein Kollodiumhandschuh erhalten wurde. Ein dünnes Holzröhrchen wurde dort angesezt, wo der Ann anfängt, und luftdicht mit Seidenfäden umschnürt. Diesen Handschuh, der im aufgerollten Zustande sehr wenig Raum einnimmt, verbarg das Medium unter dem Gummizug seines Stiefeletts. So genau nun auch daS Medium untersucht ward, dachte doch niemand daran, daß die Geisterhand in dem Schuh versteckt sein könne, und das wichtigste Re- quisit zum Spuken entging der Kontrolle. Damit das Medium ungestört blieb und niemand unberufner Weise hinter die spanische Wand schauen konnte, wurde die„Kette" geschlossen und vor dem Unterbrechen derselben dringlich gewarnt. Es wäre auch zu komisch gewesen,-dem Medium bei seiner Arbeit zuzusehen, denn kaum fand es sich allein, als es sich auf den Boden sezte und den Kollodium- Handschuh mit dem Munde Hervorholte. Die dünne Tüllhülle ersthtverte diese Operation, ohne sie jedoch unmöglich zu machen! die Hauptsache aber war, daß das Medium hinreichende Geschwindigkeit und gymna- frische Gewaudheit besaß, um Kopf und Fuß noch genug aneinander zn bringen. Das Wimmern diente nur zur Erhöhung des Effekts, wo gegen der laute Aufschrei nur als Zeichen galt, daß es dem Medium gelungen war, nicht nur den Handschuh zu gewinnen, sondern denselben auch mittels des Holzröhrcheus auszublasen. Ten aufgeblasenen Hand- schuh tauchte das Medium abwechselnd in Paraffin und Wasser, bis es eine Form hatte, die fest genug war, um das Auslösen der Kollodium- Hand durch Schütteln, Saugen und Spülen in dem kalten Wasser zu gestatten. Der zweite laute Schrei zeigte an, daß die Form gelungen und der Handschuh entfernt worden war. Das Medium hatte denselben aus Beguemlichkeitsrücksichten in eine dunkle Ecke geschleudert, wo es . denselben später unbemerkt aufnahm, denn die Verwunderung über die Geisterhand war so groß, daß niemand an eine nochmalige Untersuchung des Schauplazes dachte, an dem die Geister sich manisestirt hatten. Um den an der Sizung Teilnehmenden Gelegenheit zu geben, ihren eignen Scharssinn zu üben, wurde die Erklärung des Experiments aus eine spätere Zeit verschoben. Ties Versprechen ist nun hier eingelöst und zwar Schtvarz ans Weiß. Somit wäre ein Phänomen der übernatürlichen Physik auf höchst natürlichem Wege hervorgebracht, das in den Kreisen der Gespenster gläubigen bisher den Geistern zugeschrieben wurde und die Annahme, day umherreisende Medien, die snr Geld Geister citiren, sich zu ihren ! Zwecken schlauer Taschenspielerkniffe bedienen, hat eine weitere Bestä tiguug erhalten. von rinkm Zaunkönig erzählt ein Vogelliebhaber in der„Gefiederten Welt" folgende interessante und schier rätselhafte Geschichte: Lange lange Zeit schon war ich dem kleinen Groß-Jache» Freund und hatte oft den Wunsch, den winzigen Kerl zu besizen, fürchtete jedoch stets, ihn im Bauer nicht auf längere Zeit erhalten zu können, und mochte ein so zartes Tierchen nicht gern meiner Liebhaberei opfern. Nachdem ich mir jedoch vor 2 Jahren eine Voliäre mit vielen Schlupf- winkeln, hohlen Aesten:c. eingerichtet, schritt ich, angespornt durch den ■ Rat meines Freundes L. dazu, mir meinen Herzenswunsch zu erfüllen, und nach einigen Tagen emsigen Suchens bei allen Berliner Bogel- händlern war denn auch ein Zaunkönig in meinem Besiz. Es war ein recht kleines schlankes Weibchen und verschwand sofort, nachdem ich es in die Voliere gesezt, in einein der vielen Schlupfwinkel. Damit es durch Futterneid andrer Insassen nicht notleide, sezte ich noch ein kleines Versaudtbauerchen mit auseinander gebognen Drahtstäben, reichlich mit frischen Ameiseneiern gefüllt, in die Voliere und i hoffte nun, daß es sich bald heimisch fühle» würde. Solange ich oder ; jemand von der Familie sich in der Nähe befand, sah mau den Vogel | nicht, doch kaum hatten wir uns entfernt, so kam er hervorgeschlüpst, sogleich hatte er das Bauerchen entdeckt und ließ sich durch die neiiki- scheu Blicke feiner Mitgefangenen durchaus nicht in feinem Schmause stören. Das mar recht nett und lieblich anzusehen und machte uns allen viel Vergnügen; allein die Kehrseite der Medaille war eine überaus unangenehme. Die Voliere stand, da ich damals etwas beschränkt wohnte, in nn- fcnn Schlafzimmer und müd und abgespannt, legten wir uns Abends 10 Uhr zu Bett; doch grausam sollten wir gestört werden. Gegen ein Uhr wurde ich von einem sonderbaren Geräusch geweckt!'"ein erster I Gedanke war: haben die Kinder Maikäfer mitgebracht? Doch dazu war es schon zu spät im Jahre. Aber das Geräusch ist ganz ähnlich; ich zünde Licht an— bnrr! summt es an meinem Kopf vorbei gegen den Spiegel. Was war das? Jezt wurde es mir klar: der Zaunkönig war aus der Voliere entkommen und mußte nun, sobald wie möglich, wie- der eingefangen werden, da meines jüngsten Kindes wegen Nachtlicht brannte und der Vogel durch heranfliegen an dasselbe leicht zu Schaden kommen konnte. Indes dies fangen war leichter gesagt als getan. Ich errichtete mir 2 Gerüste, auf dem Bett und auf dem Sophatisch, doch stets schlüpfte der Vogel mit der ihm eignen Geschwindigkeit an mir vor- über. Das ging also nicht. Jezt versuchte ich es mit einer improvi- sirten Fahne, um ihn durch Ermatten zu bekommen— husch, war er hinter dem Lfen, wo viel Papier lag. Behutsam nahm ich einen Bogen nach dem andern hervor, untersuchte auch das Ofenrohr, allein dort war kein Loch zu bemerken. Wo steckte der Vogel? Nochmals wurde das Papier durchsucht, und da inzwischen meine Frau erwachte, so mußte sie helfen. Plözlich, nach einer halben Stunde emsigen Suchens, sehe ich ihn wohlgemut an der Gardine sizen. Mit lautlosen Schritten näherte ich mich ihm, steige aus den Tisch, fasse— aber, o weh, an die Karaffe hatte ich nicht gedacht: den Vogel erhaschte ich nicht, wohl aber siel ich, sammt Wasserflasche und Tisch zu Boden. Hätte Wilhelm Busch diese Scene mit angesehen, er hätte wohl nicht seinen„Hans Huckebcin" geschrieben. Denken Sie sich das Bild: wir beide im tiefsten Negligee beim traulichen Schein der Nachtlampe in allen möglichen und unmöglichen Stellungen, verlacht von dem flinken Vogel— wahrlich für einen Dritten ein Anblick zum Todt- lachen. Doch weiter. Wir oder vielmehr meine Frau erhaschten schließlich doch den kleinen Burschen, und er mußte wieder hinein in die Voliäre. Am andcm Morgen wurde das Bauer abgerückt, unter Hinzuziehung eines Tischlers untersucht, jede Drahtstange nachgesehen, alle irgend denkbare Ausgänge verwahrt. Auch blieb der Zaunkönig, trozdem die Fenster sogar Tags über geöffnet waren, ruhig in der Voliere und be- ruhigt konnte ich mich am nächsten Abend zu Bett legen. Allein ich hatte die Rechnung ohne den Zaunkönig gemacht; wieder derselbe, doch noch viel komischere Auftritt von gestern. So ging es 8 Tage, täglich wurde die Voliere abgerückt und untersucht, Abends dicht mit Tüchern ringsum verhängt, und doch war der Zaunkönig stets in der Nacht draußen, wenn nicht zweimal in jeder Nacht, so doch sicher einmal. Die Ruhe der ganzen Familie war dahin. Doch ich eile, um Sie nicht zu langweilen, zum Schluß. Es war die lezte Nacht, die der Zaunkönig bei mir verlebte; ich hatte mir große und starke Bogen Papier mitgebracht, dieselben wurden rings um die Voliere mit Reißstiften befestigt, und stillvergnügt vor mich hinlachend, wünschte ich meiner, wie ich, recht ermüdeten Ehehälfte eine geruhsame, gute Nacht. Da Nachts um die 3tc Stunde verläßt der Zaunkönig sein Haus. Die Ruhe war vorbei; ich sänge auf's Neue die Jagd an, denn das Nachtlicht mußte des jüngsten Schreihalses wegen brennen bleiben; ich kriege den Knirps nicht, er entwischt mir, als ich die Tür öffne, aus den Flur und von da in die Küche. So das ist recht, da bist du un- gestört. Fenster und Abzugklappe werden fest geschlossen, reichlich Futter und Wasser bereit gestellt, und nun, gute Nacht Hänschen, hier kannst du toben. Wir mochten 2 Stunden geschlafen haben, als das verwünschte Geräusch schon wieder begann. Ade für heute Nachtruhe! Der Vogel war während unsrer Vorbereitungen für sein leibliches Wohl wieder ins Zimmer geschlüpft. Nach langem Jagen und Suchen war er end- lich eingefangcn. In aller Frühe eilte ich zu meinem Freunde L. und überließ ihm den Zaunkönig. Dort lebt er noch heut ein angenehmes Dasein, und jedesmal betrachte ich ihn mit verhaltenem Grimm. Wie der Vogel aber immer nur Nachts durch das 8 mm. weite Drahtgitter entkam, während er bei Tag ruhig in seiner Behausung verblieb— das weiß ich bis zu diesem Augenblick noch nicht. Neue Funde j« den schmizer Zlfahtbaute«. In Nr. 29 brachte die„N. W." die Illustration eines ehemaligen Pfahldorfes im Züricher See. Durch den Niedern Wasserstand der schweizer Seen begiinstigt, haben nun neuerdings verschiedene Forscher Untersuchungen auf dem Seegrunde angestellt, die reiche Beute ergeben haben. Jakob Messikommer, der schon seit mehr als zwanzig Jahren den Untersee inbezug auf Pfahlbauten untersuchte und aus einer Stelle allein 800 Steinbeile gefunden, erhielt den Austrag, wiederum in diesem See oberhalb dem Städtchen Steckborn Nachforschungen anzustellen, deren Resultat er in einem größeren Artikel in Nr. 19 des„Ausland" zum besten gibt. Verkohlte Gegenstände fand er nicht, da das am be- treffenden Ort einst gestandene Pfahldorf nicht durch Feuer zerstört wurde, welches Malheur einer solchen vorzeitlichen Wohnstätte in der Nähe— nach Ansicht unseres Gewährsmannes— zweimal passirt sein soll. Dagegen war der Fund an andern Gegenständen um so reichhaltiger. Er bestand auf einer Stelle in einer reichen Zahl von Stein- und Knochcnwerkzcugen, Zierraten, Harpunen, unzerbrochenen Töpfen, Körbchen aus Weidengeflecht, Keulen, Bastgeflechte, Reste vom Bison, Biber, Murmeltier, Wild- und Torfschwein, Torstuh zc. An einer andern Stelle fand man eine Masse Gersten- und Weizen- körner, Feldhacken von Hirschhorn, Stein- und Knochenwerkzeuge, eine Harpune von Hirschhorn, die sich durch ausgezeichnete Schönheit aus- i zeichnen und die alles übertreffen soll, was dem genannten Forscher bei seinem 25 jährigen Suchen vorgekommen. Außerdem wurden hier gleich- falls Zicrraten und neben obigen tierischen Resten solche vom Hirsch, Reh, Schaf, Ziege u. a. gefunden. Räch Beendigung ihrer Forschungen | vereinigten sich die Sucher von Steckborn und Feldbach zum fröhlichen Trünke, den sie aus einem soeben bei Fcldbach gefundenen und 4>/2 Liter fassenden Topfe zu sich nahmen. Interessant und von kulturhistorischer Bedeutung ist aber die Angabe unseres Gewährsmannes, daß derselbe in diesem Jahre gleichfalls an Stelle eines früheren Pfahlbaues ge- , musterte und einfache Gewebe, Fransen, Geflechte, Schnüre, Bändchen, Fäden, Aehren von Gerste und Weizen, Messer von Eibcnholz(Taxus), Holzschüsseln u. s. w. gefunden habe. Diese oben genannten Gewebe und Geflechte gehören jedenfalls mit zu den ältesten nordischen Lei- stungen der tcxtilen Kunst, die heute, allerdings mit den vorzüglichsten Hilfsmitteln, so großartiges leistet. Herr Messikommer ist daher auch der Meinung— und darin stimmt er mit namhaften Kunsthistorikern überein— daß die Kunst des Webens sowohl der gemusterten als auch ' der einfachen Stoffe, lange vor der Kenntnis des Metalls bekannt war und daß sie selbst älter ist wie die Pfahlbauten selbst und er wirft daher die Frage auf:„Wo waren diese Kolonisten vor der Er- stehung der Pfahlbauten?"— Bei Steckborn hat er dann später seine Forschungen sortgesezt und einen Schmuckgegenstand aus Quarzit, durch- bohrte Eberzähne, kleine Töpfchen von 1 Liter Inhalt, Geflechte u. a. zutage gefördert.— Der Pfäffikonsee hat heuer einen Niedern Wasserstand wie noch nie. Tie Pfähle der alten Pfahlbauten Robcnhausen ragen deshalb meterhoch über den Wasserspiegel empor und man ist in der Lage, die unterste und ergiebigste Fundschicht auszubeuten. Die bis- i herigen neuesten Funde sind: Armdicke Stangen, verkohlte und unver- kohlte Geflechte, Seile, Geflechte mit breiten Maschen, Fcucrsteinsägen in durchbohrtem Holzschast und zahlreiche Reste von den obengenannten Tieren. Aber auch auf dem Grunde deS Bodensees glaubt man noch viele und interessante diesbezügliche Funde zu machen und man nimmt aus verschiedenen Erscheinungen sogar mit Bestimmtheit an, daß sich noch gegenwärtig bei Konstanz tief unterm Wasser Pfahlbauten besin- den, die längst da waren vor den andern schon entdeckten und zwar noch bevor sich der Rhein in daS Becken des Bodensees ergoß. Ja, ein eifriger Forscher, Herr Leiner, ist sogar überzeugt,„daß in großem Bogen in der konstanzer Bucht Pfahlbauten exisliren und die Ver« bindungslinien dieser Pfahlbauten zu denen im Uebcrlingcrsce und Unter- see sich weiter ziehen." Der Forschung bleibt also bei allen bisherigen Erfolgen auf diesem Gebiete immer noch ein ergiebiges Feld ihrer Tätig- keit, um das Leben und Treiben unserer alten Vorsahren der Gegen- wart und Zukunft zu erschließen. Und so viel alte Kultur(das See- gartenmuseum zu Konstanz besizt allein 800 Nephritbeile!) schon vom Grunde dieser Seen zutage gebracht wurde, immer weiß man noch nicht, ivelch ein großes Stück Kulturgeschichte dort unter dem Wasser der Befreiung durch den nie rastenden Menschengeist harrt. ort. ________ Dklltlchks Rtichsgeld, kchtkg und falsches. Troz deS seinerzeit viel gerühmten Reichsgeldes ist in lezter Zeit ein recht hartnäckiger Streit entbrannt, ob Beibehaltung der Gold- Währung einerseits und für Einführung der Doppelwährung andererseits. Wer in dem Streit recht hat ist noch nicht entgiltig klargestellt und soll dies hier auch nicht entschieden werden. Bei aller Bedeutung nun, welche das zirkulirende Geld als der den Warenaustausch vermittelnde Faktor hat, ist die Erledigung dieses Streites nicht von so großem Wert für das wirtschaftliche Leben, wie manche glauben wollen, und zwar auch dann nicht, wenn Heine recht hätte, indem er sagt, daß der, welcher nichts(d. h. kein Geld) hat, ein Lump ist. Ebenso einseitig ist aber auch der Ausspruch,„das Gold ist nur Chimäre"— das sollen ivenigstens folgende Zahlen beweisen, über die seit Einführung des Reichsgeldes von den verschiedensten staatlichen Prägeanstalten veraus- gabten Summen. Im Ganzen waren bis Ende 1880 in Reichsgoldmünzen ausgeprägt 1 747 239 095 Mark, und zwar 1 270 509 920 Mark in Zwanzigmarkstücken, 448 759 250 Mark in Zehnmarkstücken und 27 969 925 Mark in Fünfmarkstücken. Unter Zugrundelegung, der auf Grund der Zählung vom 1. Dezember 1875 ermittelten Bevölkerungszahl von 42 727 000 Seelen wurden an Silbermünzen ausgeprägt bis Ende 1880 pro Kopf 10 Mark, d. i. in Summa circa 427 Millionen Mark, an Nickelmünzen rund 35 Millionen und an Kupfermünzen O'/z Millionen Mark. Eingezogen wurden an alten Landesmünzen bis Ende 1880 1 080 486 138 Mark und wurde das darin eilt- haltene Silber teils verkaust, teils den deutschen Münzstätten als I Prägematerial überwiesen. Beim Verkauf dieses Feinsilbers ergab sich ! für die Reichsregierung ein Verlust gegenüber dem Selbstkostenpreis von 125 797 574 Mark. Durch den bei der Ausprägung des neuen r 451 'ltf'.ergebenden Bruttomünzgewinn wurden jedoch %*4%«Äft'ptsawanste ftiirfpn"k gesezllches Zahlungsmittel in Umlauf befindlichen Taler-, Silfip?«•• nur&0Pf gerechnet, ein Mehr von auszuprägenden circa 25 Millionen Mark nötig. Man ist nun aber reickp» Überzeugung gekommen, daß die 10 Mark pro Kopf nicht aus- GinL* baß mindestens 12 Mark nötig wären, mithin würden mit alei*i?n-"� circa 75 Millionen österreichischer Vereinstaler, die 345 min- c���chcn und durch neue Münzen zu ersezen wären, noch Turrfif,*"6". i, prägen und zu verausgaben sein, um die chtuhrung des Zieichsgeldes perfekt zu machen. 'c«Hgemem bekannt, bemängeln nun nicht nur die die Vortreff- häuiip»arichsgeldes, welche gewönlich keines haben, sondern auch damit. lemgen— und das ist das sonst seltsame— welche reichlich �ifpfn segnet sind. Da waren erst die bekannten von den 10-Pfennig- aroi-pp m"?. unterscheidenden 50-Pfennig-Stücke, ferner die sich mit krie*�»!. ben Falten der Taschen und Portemonnaies vcr- lufripSp �Plenniger, schließlich sind die durch den Uebcrfluß un- Gold Reichsbürger auch noch gegen die 5-Markstücke aus Skcirfipa- ffP'rr und Silber, so daß die Kommissarien des deutschen unter„ Im-"cn bieses auf der pariser Münzkonferenz sogar erklärten, in dpS/?'�" Bedingungen werde man die goldenen Fünfmarkstücke in dp,- r-t uon 2T3/4 Millionen Mark, die Reichskassenscheine a 5 Mark Fünf», ,.cbc von 40 Millionen Mark einziehen und die silbernen stwpim I,.-t�ckc>m Betrage von 71 Millionen Mark und die silbernen leaiin��, �"cke in der Höhe von 101 Millionen Mark unter Zugrunde- nuirK, i'neö scheren Wertverhältnisscs umprägen An goldenen Fünf- Mark q-""""den bisher geprägt» 5 59.3 985 Stück= 27 969 925 5 0I' bcn Zwanzigpscnnigstücken sind bereits eingezogen für scheint!*"�" �uck; der zirkulirende Rest von 30 Millionen wird wahr- schliktp.t'? Verkehr bleiben bis— sich die einzelnen Stücke so abge- den tpr, x �ben, daß diese so schon untcrwcrtig geprägte Münze noch be- uoer an Wert verliert. sehen*" Dresden stattgehabte Münzforschcrkongreß hat nun, abge- Vienn!*- �iuziehung der goldenen Fünfmark- und der Zwanzig- be!pi*�.cke, uls wünschenswerte Abänderungen in der Münzprägung Rwpi �i Uebcreinstimmendes Gepräge der silbernen Mark- mit den Uanip..- Junfmarkstücken; Ersczung des Reichsadlers von den Fünf- d ovnpi� � stti cken abwärts durch eine Reichskrone und Beseitigung des die iL- Münzzeichens. Für notwendig hielt die genannte Gesellschaft des t,'�""9 des jezigen Zehnpsnnigstücks durch ein neues in der Größe Pten»,�- üblichen Fünfpfennigstückes und die Herstellung eines Fünf- Cb h]Vi Bronze in der Größe des früheren Dreipfennigstücks. ReimI�� Forderungen sämmtlich berechtigt sind und ob man ihnen von nachkommen wird mag dahingestellt bleiben. ..Dem U derselben Quelle, der mir diese Zahlen entnehmen, dem '�abl, �u Handelsblatt", haben nun in den leztcn Jahren eine große Meiitp Nachahmungen von Reichsmünzen stattgefunden. Sie werden Forn, hergestellt indem sie in von echten Stücken abgenommenen resv> gegossen und dann oft noch auf galvanischem Wege versilbert taa'. cgoldet, oder mit nachgeahmten Stempel» aus unedlen Me-, sie n„*: silberarmen Leginingen geprägt werden. Dann bestehen iiuvtP r" cinem Mctallkern(Kupfer oder Messing), auf welchen man Noii,,,� cn, die auf galvanischem Wege von echten Stücken abge- bestpfi"""den und versilbert oder vergoldet sind, auflötet, oder sie Cg hcn aus einem unechten Metallkern/ auf den die mit einer feinen ge abgeschnittenen Platten echter Münzen aufgelötet wurden. Stö�aup'säch-ich gefälscht werden Silbermünzen und kommen vor falsche ftürfp 3cbcn leicht zu Vcnvechslungen Veranlassung an Zweimark- sind l't � aus Zinn mit Beimengungen von Antimon bestehen. Sie Qoifp.. 3Ut und in von echten Exemplaren abgenommenen Formen ge- verkiin'r'"3�" ziemlich hell und sind galvanisch versilbert, oft auch erst vor s"nd dann versilbert. Bedeutendes Mindergewicht zeichnet sie verkilk cchten Stücken aus. Ferner Einmarkstücke aus Messing und Gubn �kenntlich sind diese an den runden Konturen, an kleinen wo"•*?"""d an den mcssingfarbcnen Stellen, die da zutage treten, MfjJy die Versilberung abgeschliffen hat. Dann gibt es noch Zwanzig- 2tp».!.�/"cke, aus Neusilber resp. Messing auf ziemlich gut ausgeführten, ff) v HA geprägt und dann meist versilben. Neben kleinen Abwei- lein," der Gravirunq von den echten Stücken sind die Erkennungs- m bei den falschen Einmarkstücken. wno,- tf) den Bestimmungen des Bundesrats sollen aber auch die ge- Wer5 �schädigten Münzen dem Einliefercr eingeschnitten zurückgegeben kurs''0 daß der leztere dieselben nur noch als Metall zum Tages- leint Erkaufen kann. Welche Nachteile dem Verkäufer dadurch erwachsen, n»? h daß z. B. ein silbernes vollgewichtiges Fünfmarkstück in diesem Falle Won, 80 Pill- gilt. Zu den gewaltsam beschädigten Münzen rechnet fafiv k°lche, die überfahren wurden, oder auch durch andere Be- »m ll?""gcn ein verändertes Aussehen erhielten, selbst wenn sie nichts wp.'p~«cht verloren haben; 2. die mit Quecksilber in Berührung ge- neu Münzen. "t-w falschen Stücke erkennt man am leichtesten am Gewicht und zwar auch die Silbermünzen bis zum Fünfzigpfcnnigstück herunter. Ferner verschafft man sich am leichtesten über die Echtheit oder Unecht- heit Gewißheit durch den Probirstein und Salpetersäure, resp. Salzsäure. Die Säuren müssen jedoch ganz rein sein. Der Probirstein ist ein matt- geschliffener Kieselschiefer, auf den man mit dem Rande der Münze mehrercmale und stark nebeneinander hin- und herstreicht, bis eine circa )/, cm. lange Metallfläche entsteht, die man, bei Gold, mit einem in die Salpetersäure(spez. Gew. 1,30) getauchten Glasstab solange betupft bis die fragliche Stelle ganz bedeckt ist. Ist die Goldsiäche nach einer Minute unverändert, so ist die Münze echt, verschwindet aber die Metall- fläche unter Bildung kleiner Bläschen, so kann man sicher annehmen, daß die Münze nicht aus Gold besteht. Bei der Prüfung von Silber- münzen verfährt man genau so, nur fügt man, nachdem die Salpeter- säure die Metallfläche aufgelöst, einen Tropfen verdünnter Salzsäure oder einen Tropfen Kochsalzlösung hinzu. War die betr. Münze echt, so bildet sich sofort ein käsiger Niederschlag von Chlorsilber, während bei unechten Münzen die Lösung auf dem Probirsteine nach dem Zusaz von Salzsäure oder Kochsalz unverändert bleibt. Wir wünschen jedoch unseren Lesern— namentlich denen, die nicht an Reichsmünz-Ueberfluß leiden— daß sie nie in die Lage kommen mögen, auf dem Probirstein zu konstatiren, daß sie von irgend einem, welcher der Reichsmünze gewerbsmäßig in's Handwerk pfuscht, angeführt wurden. nrt. Alphorubläser.(Illustration siehe Seite 445.) Es gibt Dinge, die von Sage und Dichtung mit einem poetischen Schleier umwoben in der Nähe betrachtet aber recht prosaisch erscheinen. Aehnlich ist's mit dem Alphorn, dessen melancholische Töne das Heimweh in der Brust jedes echten Schweizers erwecken sollen. Man lese nur das darauf von Kerner verfaßte Gedicht: Tönt es aus wald'gcn Hallen? Tönt es aus blauer Lust? Tönt es von Bergeshöhe, Aus blumenreichem Tal? Wo ich nur geh' und stehe, Hör' ich's in süßer Qual... und betrachte nun die Szene auf unserem Bilde. Vorn der Bub mit dem zum Gaben-Empfang bereiten Hut, der echt prosaische Alpenmusikant mit seinem keineswegs zum Entzücken reizenden Instrument und dann die troz allem Nebel sichtbare im Hintergrund anrückende Gesellschaft, die mehr aus Langeweile und der Mode gemäß, wie zum Zwecke deS reinen, schönen Naturgenusses ihre Zeit in den Alpen totschlägt, ganz gemäß dem Prinzipe:„Meine Mittel erlauben mir das." Das ist die schalste Alltagsprosa, die um so drastischer hervortritt, weil sie von der großartig erhabenen Natur der Alpenwelt umrahmt ist. Darum hinweg mit uns von diesem Plaze, wer den poetischen Reiz der hier herrschenden herrlichen Berg- und Baumwelt genießen will, suchen wir uns ein lauschiges Pläzchen, fern von den Pfaden, auf denen die langweilige Ge- sellschaft aus aller„Herren Länder" sich breit macht. Hier wollen wir uns laben an dem großen Anblick in der Nähe und in der weiten Ferne, und wenn dann durch die heilige Stille, die hier auf den Wipfeln der Bäume und auf den mächtigen Bergen lagert, die weichen Klänge des Alphorns zu uns dringen, bald leiS wie Bienensummen, bald brausend wie Orgelton, dann erst werden wir die Verse des Dichters verstehen und auch die Sehnsucht deS von seinen geliebten Bergen fern wohnenden Landsmanns der Alpen. nrt. Palmenwald auf den Samoainsel».(Illustration siehe Seite 447.) Die Unterhandlungen und Debatten betreffs der Erwerbung der Samoa- inseln und Umgestaltung derselben zu einer Kolonie des deutschen Reichs sind noch in aller Gedächtnis. Unser Bild führt uns nun einen Palmen- wald vor, der einst zu den zur deutschen Reichs-Kolonisation auser- sehenen Besizungen des Hamburger Kaufhauses Godeffroy gehörte. Dieses hat namentlich dort einen bedeutenden und einträglichen Handel mit den Erträgnissen der Kokuspalme getrieben, die in dem von Korallenkalksand gebildeten Boden der Insel, namentlich am Strande vorzüglich gedeiht. Sie braucht in ihrer Entwicklung bis zur ersten Ernte 7 Jahre und wird dann 60—70 Jahre alt. Anfangs wurde das Oel an Ort und Stelle gewonnen, später wurde jedoch, da sich dasselbe in die Poren der Holz- süsser einsaugte und viel verloren ging, die ungeöffnete Frucht verschickt. Schließlich trocknete man aber den Kern der Nüsse und versandte ihn in diesem Zustande, um dann das Oel in einem Kulturlande, wo die nötigen Hilfsmittel zur Verfügung standen, auszupressen. Hatte man nun anfangs die Kokusfrucht von den Eingebornen bezogen, so zog man sie später selbst und nahm Arbeiter aus den angrenzenden Inselgruppen zur Hilfe, die sich auf eine bestimmte Zeit kontraktlich verpflichten mußten und unter der Aussicht von mitgebrachten oder bereits längere Zeit im Dienst der Faktorei tätigen Arbeitern standen. Die Oberaussehcr sind Europäer. Die unverheirateten Arbeiter bewohnen große Baracken, die Verheirateten Hütten. Die dort herrschende üppige Vegetation und Er- tragsfähigkeit zeigt unsere Illustration, und liegt hierin jedenfalls die Schuld nicht, daß sich seinerzeit das deutsche Kolonisationsprojekt zerschlug. Auch wir können heute nicht auf die Gründe eingehen, welche schuld waren, daß Deutschland nicht der Nachfolger von Godeffrop wurde. urt. 152 Aus allen Winkeln der Zeitliteratur. Muhamcdanische Propheten der Gegenwart. Ter Muhamedanis- »ins hat das Vergnügen und den Vorzug vor allen unseren curopäi- schen Religionen, heute noch lebendige Propheten ausweisen zu können. Im August vorigen Jahres erklärte sich Fattis Mohamed im ägyp- tischen Sudan als Prophet? zugleich empörte er sich gegen die ägyp- tische Regieruifg, deren Vertreter er war, besezte die Insel Aba im Weißen Nil und schlug die gegen ihn ausgesandten Regierungstruppcn aufs Haupt. Daraus brachte er die Araber zivischen dem Weißen Nil und der Südgrenze von Kvrdosan unter seine Herrschast und vermehrte durch sie seine Armee aus die Zahl von mehreren lausend Reitern, welche mit den 450 Mann Soldaten, die im Verein mit 50 Schiauk- negern im Dezember vom Gouverneur von Faschoda gegen ihn geführt wurden, leicht fertig wurden. Am 8. Dezember wurden die ägyptischen Truppen am Berge Gedir bis aus drei Mann in die Psanne gehauen und 450 Remingtongewchre mit dem gesammten sehr beträchtlichen Munitionsvorrat erbeutet. Tie ägyptische Regierung hat nun in aller Eile soviel Truppen zusammengerafft, als sie verfügbar fand und unter dein Kommando deS aus Deutschland stammenden Giegler Pascha gegen den Propheten abgesendet. Dieser besizt aber eine vorzügliche Position in schwer zugänglichen, von dürreil Steppen umschlossenen Bergen und wird nach seinen bisherigen Erfolgen unter allen benachbarten Stämmen Bundesgenossen in hellen Mengen finden. Daher dürste dieser Pro- phetenkrieg noch nicht sobald sein Ende erreichen und vielleicht für Aegyptens Machtstellung gefährlich werden. Finanzielle Ergebnifie der Ausstellungen von 1881. Die meisten der zahlreichen Ausstellungen des verflossenen Jahres haben finanziell ungünstig abgeschlossen. Nur ein par sind so glücklich gewesen, lieber- schüsse zu erzielen; bei ein par anderen werden Erträge und Kosten sich etwa die Wage halten, während die übrigen mit Unter-Bilanzen zu kämpfen haben. Ohne sür die Genauigkeit der folgenden Zahlen eine Gewähr zu übernehmen, bringen wir— nach verschiedenen Quellen— die folgende bezügliche Zusammenstellung: Günstige Abschlüsse haben erzielt: Die internationale Elektrizitätsnusstellung in Paris, welche einen Ueberschuß von etwa 400 000 Fkrs. lieferte und die württembergische Lau- desgewerbeausstellung in Stuttgart; leztere soll einen Ueberschuß von 300 000 Mark geliefert haben. Die Reihe derjenigen Ausstellungen, bei welchen Kosten und Einnahmen sich ausgleichen oder doch das Defizit nur gering ist, bildeten die schlesische Industrieausstellung zit Breslau, die badische Kunst- und Industrieausstellung zu Karlsruhe, die bauge- werbliche Ausstellung zu Braunschlveig. Anzufügen ist dieser Reihe auch noch die allgemeine Jagdaussiellung zu Eleve. Mit Unterbilanzen haben geschlossen: Tie sächsisch- thüringische Ausstellung zu Halle (100 000 Mark Defizit) und die Allgem. Patent- und Mustcrschuz-Aus- stellung zu Frankfurt a. M.(ca. 500 000 Mark Defizit). Wir reihen diesen Daten, die im Augenblicke erst bekannt werdenden genaueren Ergebnisse der internationalen Pariser Ausstellung von 1878 an: Man hatte sür dieselbe ein Defizit von 10 000 000 FrkS. in Anschlag gebracht; dasselbe hat sich indessen mehr als verdreifacht, indem die Ausgaben teils beträchtlich höher und die Einnahmen erheblich niedriger ausge- fallen sind, als man geschäzt hatte. Es steht demnach der Summe der Ausgaben von 55 775 000 Frks. nur eine Gesammt- Einnahme von 24 350 000 Frks. gegenüber, so daß ein Defizit von nicht weniger als 31 425 000 FrkS. heraus kommt. Interessant werden insbesondere die beiden Posten: Einnahme an Eintrittsgeldern 13 379 638 Frks. und Einnahmen aus den Verkauf der Baulichkeiten ic. 3 440 000 Frks., welche um 620 362 Frks. und bezw. 560 000 Frks. hinter den Voranschlägen zurück blieben. Neuentdecktcs Homermanuskript. Bor kurzem ging die Nachricht durch die Blätter, daß ein Gelehrter Herr Kokkos in Athen ein Homer- Manuskript entdeckt habe, welches über manches Dunkle und Zweifelhafte in Bezug auf den großen altgricchischen Dichter volles Licht verbreite und daher von unschäzbarem Werte sei. Die internationale Revue„Aus der Höhe" publizirt nun einen Brief des Herrn Kotkos an Sacher Masoch, dem wir folgende interessante Stelle wörtlich entnehmen. „Vor einiger Zeit hatte ich mich nach Athen begebe», um einige aus die Werke des Photius bezügliche Notizen zu sammeln. In der Schazkammer eines Klosters entdeckte ich eine ganz alte Papyrusrolle, aus welche die Verse Homers von Thcophrastus dem Athener aus der Olympiade während der Dauer deS Archontenamtes deS Simonides ge- schrieben sind. Deutlich kann man darin lesen, daß der göttliche Dichter in einer ganz anderen Stadt und keiner der sieben Städte, welche sich um die Ehre seiner Geburt streiten, geboren wurde; er wurde in Jthaka geboren und war ein Zeitgenosse Lykurgs, welcher aus seinen Reisen die Dich- tungen Homers fand und nach dem eigentlichen Griechenland brachte. Inhalt: Verschlungene Lebenswege. Roman von Franz Carion.(Forts.)— Iphigenie aus Tauris. Von Dr. Richard Ernst- iSchluß.)— Religiöses Leben und Treiben bei den Inden der Gegenwart. Von Maximilian Dittrich.(Fortsezung statt Schluß.)— Eine neue Entlarvung spiritistischen Humbugs.— Von einem Zaunkönig.— Neue Funde in den schweizer Pfahlbauten.— Deutsches Reichsgeld, echte» und falsches.— Alphonibläser.(Mit Jllustr.)— Palmenwald aus den Samoainseln.(Mit Jllustr.)— Aus allen Winkeln der Zcitliteratnr- Muhamedanische Propheten der Gegenwart.— Finanzielle Ergebnisse der Ausstellungen von 1881.— Reuentdecktes Homermanuskript.— Ucbc> den Einfluß der gewerblichen Beschäftigung aus das Gehirn des Menschen.— Für Haus und Hos: Billige und gute Bettmatrazen.— Ratgeber sür Gesundheitspflege.— Redaktions- Korrespondenz. Verantwortlicher Redakteur Bruno Geiser in Stuttgart.(Neue Wcinsieige 23.)— Expedition: Ludwigslraßc 26 in Stuttgart. Druck und Verlag von I. H. W. Dieß in Stuttgart. Räch dem Papyrus hieß der Vater des Dichters Philomenos und seine Mutter Grysais. Man liest außerdem auch noch in dem Manuskript, daß Homer die Erzählung des Zuges gegen die Trojaner in den Archiven der Insel Jthaka gesunde» hatte, wie auch den des Kataloges, welche» er am Ende des Buches der Jliade erwähnt. Prinz Andronikus, der Sohn Manuels und Bruder des lezten Kaiser von Byzanz, Johann und Konstantin Paläologos, brachte es im Jahre 1428 nach Christi Geburt dorthin. Auf der Rückseite des Papyrus ficht man viele alte und moderne Namensunterschristen, unter welchen man die des Adronikus deutlich erkennt." lieber den Einfluß der gewerblichen Beschäftigung aus da» Gehirn de» Menschen veröffentlichen englische Zeitungen eine interessante Statistik. Hiernach mußten im lezten Jahre von 5234 Ingenieuren 24 ins Irren haus gebracht werden, während von 5804 Malern und Bildhauern nur 16 einen solchen Schicksal verfielen. Von etwa 32000 Architekten und Kontraktoren wurden nur 25 in solcher Weise betroffen, während von 20 694 Geistlichen 35 den Verstand verloren. Am günstigsten stellt sich das Verhältnis bei Schriftstellern und ähnlichen Gewerben. Von 139 143 mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigten Personen, wie Jour nalisten, Reportern, Uebersezern u. dgl. wurden nur 12 irrsinnig. Einen bedeutenden Beitrag zur Zahl der Geisteskranken liefern die Maurer und Steinhauer, bei denen von 234 778 nicht weniger als 145 dem Wahnsinn verfielen. Noch höher ist der Prozenffaz, den die Anstreicher, Weißer und Tapezirer zur erwähnten Kategorie liefern. Aus 106 824 kommen nämlich 132. Von 205 624 Zimmerleuten erlitten 174 Störung ihrer Gehirnfunktionen. Leider ist, wie es scheint, diese Statistik nicht auf Gewerbe mit Fabrikbetrieb ausgedehnt. Von großem In- tercsse wäre es, zu erfahren, in welcher Weise das Lärmen und das monotone Einerlei der Fabrikarbeit aus das Gehini einwirkt. Gewiß eine dankbare Ausgabe sür einen Forscher!— Für Haus und Hof. Billige und gute Bettmatrazen. Eine der vorzüglichsten Füllungen für Matrazcn, des Strohsacks, den in Ermangelung von Springfeder- rahmen der größte Teil der schlafenden Menschheit zu benüzen gezwungen ist, ist der sogenannte cornhusk, die Blätter deS Mais, welche unmit- tclbar die Fruchtkolbcn einhüllen. In den Vereinigten Staaten wird dieses cornhusk allgemein zu dem genannte» Zwecke benuzt, und wenn in Deutschland der Anbau von Mais auch verhältnismäßig gering ist, so dürste es manchem doch leicht sein, genanntes Material in genügendem Maße erhallen zu können, da es in der Landwirtschast doch wohl nur als Streu zu benuzen ist. Das Cornhusk zeichnet sich dadurch vor- teilhast vor Stroh, Seegras und dergleichen aus, daß es stets locker und trocken bleibt, nicht stäubt, und sich nicht zerreibt. Bor dem Ge- brauch ist dieses Maisstroh an der Lust zu trocknen und man tut gut, jedes Blatt vermittelst einer Gabel auszusplitten, wodurch die Lockerkeit der Matrazc gesteigert und eine öftere Ausschüttclung nötig wird. Ratgeber für Gesundheitspflege. Berlin. O. O. Der Arzt, welcher Ihnen sagte, daß es mit Ihne» leider nichts aus sich hätte, befand sich jedenfalls im Recht. Medi- j kamente, Bitterwasser und dergleichen lassen Sie ruhig beiseite. Fahre». Sie fort, mäßig und Ihren Bedürfnissen gemäß zu leben. Redaktions- Korrespondenz. Leipzig. N. H. Geschichte» wie die, welche Tic uns zur Aufnichme in die j N. 83. cinäcscndel habe», sind gul gemeint, aber zeugen doch von einer! gar zu jugend. tichen Auffassung von Weil und Leben. Brest»«. Sl. G. Genügend als Adresse de- betreffenden brasilianischen ttorrc I spondcnten u. 831. ist: A. Tchncider, Curilida. Provinz Parana. Brasilien. Zwickau, Lina Z. Die Paragraphen der sächsischen Gesindeordnung, welch', aus Ihren Fall in Anwendung kommen, sind solgeude.§ 74; Wenn ein Tiensiboie i wählend des Dienstes erkranll. so ist hinsichtlich der Berbindlichtcit zur Kiantenvflcä' und zu Bestreitung der llurtosten zu unterscheide»; 1. ob die Krantheit lediglich au» nalllitichen Ursachen, oder 2. durch eigene grobe Berichuldung des Dienstboten, ober); durch grobe Berichuldung der Tienstherrschast entstanden, oder e. od sie eine unminel-| bare Folge der Tiensiverrichtungen sei. Bleibt zweisclhasi, ob die Kransheil als ein'_ Verschuldung des Dienstboten oder der Dicnstherrschast oder der DienstvcrrichtungcN. anzusehen sei, so streitet die Vermutung dastir, daß die Krankheit durch eine nalüellä;' Ursache entstanden sei.§ 75. Im ersten Falle dal bis zu dem Zeitpunkte der wirb tichen Aushebung des Tienstvcrtrages(§ 83) die Herrschast sür die Kur und Pflege de» Dienstboten zu sorgen, dars ihm auch solchensalls die daar verwendeten Kosren, nicht aber die Bezahlung eines Stellveitreteri aus das Lohn- und Kostgeld anrechnw-, Lczteres findet auch nicht statt, wenn die Tienstherrschast den Dienstboten zwar»ich) ganz cutlassen, sondern nur der Kur halber einstweilen aus dem Hause entscrnen will- Äiit der Aushebung des Dienstes hört dagegen der Anspinch aus weiteres Lohn- uu» Kostgeld aus.§ 83. Krankheit, von welcher der Ticnsibote während des Dienstes be sollen wird, ist aus beiden Teilen nur dann ein Grund, den Dienstvettrag auszuhcbc»- wenn selbige entweder an sich zum Dienste unsähig macht, oder länger als 14 TaS' ohne Aussicht aus baldige Genesung dauert.