Jfe 37. Jlln striktes UnterhaltungSblatt für das Aolk. Erscheint Ivöchentlich.— Preis vierteljährlich 1 Mark 50 Pfennig.— In Heften u 35 Pfennig Zu beziehe» durch alle Buchhandlniigen und Postämter. Wersch/ungene Lebenswege. Roman von Iran; Karion. (10. Fortfezung.) Ter Wagen hielt vor einem großen Gel'ände, au? dein Maßir B«co eiligst heraussprang und indem er die Wagentlire anfrl,!. �ucien zurief:„Was sehe ich? Sie meine freundliche Reise Öfführtin über ein Endchen des großen Weltmeeres!..- Sn y'er und unter der Obhut der guten Mistreß Stanhope? .Es ist nicht anders. Master Zecco. Sie finden mich sehr ""genehm überrascht, Mistreß Lude von Ihnen gekannt zu sehen.- mehr Bequemlichkeit als hier, wo, wu> Verkehr dies nicht stunden abgehalten werden dürfen, tne> � Hand z» #attet und nnfen EonstaHe: immn#n«. A Mm&m DWMWW DBSSKsÄM asssssp* taufenden ansammelnden Fremden' innn pje Noblesse Ein paar alte würdige Herren, � 1 ansah, saßen in der Nähe einer rotsammetnen Portiöre an einem kleinen Tische mit Schachspielen so emsig beschäftigt, daß auch kein Merkmal von Bewegnng an ihnen zu entdecken war. Leise flüsterte Lucie ihrer tvürdigen Freundin zu:„Wahr- hastig, das sind passionirte Spieler! Sie scheinen garnicht zu wissen, daß auch andere Leute hier sind." „Man darf sie nicht stören," meinte Mistreß Stanhope lachend. „Verstehen Sie Schach zu spielen?" fragte Master Zecco Lucien. „Ein wenig," antwortete sie. „O, dann machen Sie den alten Herren das Vergnügen und sehen Sie sich deren Spiel an." „Nun, wenn Sie meinen, daß man mir das nicht als zu- dringlich ausdeutet." „O, gewiß nicht, sie sind die liebenswürdigsten Herren von der Welt." Mit dieser Beruhigung führte Master Zecco Lucie an den Spieltisch. Der Herr mit der Brille hatte noch König, Turm und vier Bauern, während sein Gegner nur den Springer und einige Bauern besaß. „Und wer glauben Sie wird die Partie gewinnen, Mistreß Lucie?" fragte Zecco. „Je nachdem... ich glaube, der Springer kann das Spiel noch ausmachen." In diesem Moment richteten beide Herren ihre ehrwürdigen Häupter auf und starrten Lucie mit festen Blicken an, als wollten sie sie zur Rede sezen. Sie trat erschrocken zurück. „Keine Furcht, Mistreß, keine Furcht. Die Herren sind Wachsfiguren und dienen so zu sagen als Reklame für das,>vas das Publikum in unsrer Galerie zu erraten hat. Betrachten Sie diese Gesichter, sie sind Meisterwerke eines Franzosen, der noch vor einem Jahre unserem Atelier angehörte, jezt aber i» Wien eine Stellung angenommen hat. Der Eintritt einer Dame, welcher der goldbordirte Portier mit tiefer Verbeugung die Tür öffnete, machte der Erklärung Zeccos ein schnelles Ende.„Kommen Sie, Mistreß," flüsterte er Lucien zu und führte sie und Mistreß Stanhope durch die -'n Wl von ihm in zwei Halsten geteilte Sainmetportiere in das noch mit einer breiten Flügeltüre verwahrte Innere der Galerie. Lucre übersah nicht, daß in Zeccos Gesicht sich ein Ausdruck von Unmut bemerkbar machte, welcher durch den Anblick der Tame bei ihm erregt worden sein mußte, weil niemand anderer zugegen war, der dessen Ursache sein konnte. Der Kassircr eilte schnell aus seiner Loge herbei, um ihr den Mantel abzunehmen. „Kannten Sie die junge Dame, die Signor Zecco in die Galerie führte?" fragte dieselbe.«Nein, Signora, ich sah sie heute zum erstenmale," lautete die Antwort.„Die andere aber.. „Kenne ich... nichts von ihr. Rufen Sic den Lakai, dann wenn er gekommen ist, können Sie zum Frühstück nach Hause gehen." Sie trat in die von ihm verlassene Loge ein. Der von ihr befohlene Lakai ließ nicht lange auf sich warten und postirte sich am äußeren Eingang des Vorzimmers als Schüzer seiner Herrin, denn die Dance, welche jczt den Kassendienst verwaltete, war Marcella, die Gattin Tardinis. Sie war keine Schönheit, wenn- gleich man sie nicht häßlich nennen konnte. Ihr brauner, süd- licher Teint ließ leicht erraten, daß sie der neapolitanischen Rasse angehörte, welche gegen die übrigen italienischen Völkerschaften durch ihre Hautfarbe fast ausfallend kontrastirt; aber es ist Feuer in ihren Augen, aus denen in der Regel ein heftiger Karakter sich kund gibt. Der neapolitanische Typus zeichnet sich un- übersehbar aus, und Frau Marcella trug ihn nicht nur im Aenßern, auch, und das vorzüglich, in ihrem Tun und Lasten. Wer ihren Zorn und Haß einmal erregt hatte, der konnte über- zeugt sein, daß sie ihm eine unversöhnliche Feindin blieb. Wenn auch Mistreß Lucie bemerkt hatte, daß zwischen Mar- cella und Master Zecco keine Höflichkeit stattfand, so nahm sie von dieser Wahrnehmung doch keine weitere Notiz, sie war ihr ja fremd und Zecco geleitete sie eben ohne Säumen durch die Portiöre in die Galerie. Dergleichen hatte Lucie noch nie gesehen. Sie war über- rascht und fand in ihrem Staunen keinen Ausdruck für das Unbekannte, das ihr hier vor Augen trat In mehrere« bedeutenden Sälen fanden sich großartige Szenen teils der biblischen, teils der weltlichen Geschichte alter und neuer Zeiten, in ,köst- lichen Tableanx in langen Reihen aufgestellt. Tie Figuren waren lebenstren, plastisch schön und in reiche kostbare Gewänder ge- kleidet! „Sie äußern ja weder Wohlgefallen, noch Mißfallen, Mist- reß," bemerkte Zecco gegen Lucie.„Sind Sie nicht von dem, was Sie sehen, befriedigt?" O, fragen Sie doch das nicht! Unbefriedigt? Das ist ja ganz unmöglich. Ich weiß nur nicht das rechte Wort zu finden, um mein Staunen über all diese Schönheit auszusprechen." „Ein größeres Lob gibt es wohl nicht. Mistreß Stanhope?" fragte Zecco lächelnd. „Das glaube ich gern... Was könnte man noch sagen!" Sie kamen in den dritten Sal. Seine Schaustellungen ge- hörten dem modernen Familienleben an und boten eine Menge humoristischer wie rührender Pointen. Dieser Verein von all- gemein verständlichen und nieist liebenswürdigen Vorgängen aus den Familienkreisen, reich und arni, lockte besonders die Frauen- N'klt hierher. Zecco sagte halblaut zu Lucie: „Mistreß, ich wage nicht, Sie zu dem großen Schlnßtableau unserer Galerie zu führen." „Warum nicht? „Es wird selten von Damen besucht. Es stellt die berüch- tigtsten Verbrecher Englands dar. Trauen Sie sich de» Mut zu, sie anzusehen?" „O, ich... bin nicht furchtsam," antwortete die Gewarnte. „Uebrigens sind Sie und Mistreß Stanhope ja bei mir... und ich werde mich doch nicht vor Wachsfiguren fürchten!" Master Zecco unterdrückte ein flüchtiges Lächeln und ver- beugte sich.„Bitte, mir zu folgen." Vor der Wand, ivelche den Schluß des Saales bildete, standen einige kolossale Gruppen, Szenen aus der griechischen Mykologie darstellend, auf hohen und gewaltig großen Postamenten. Die Figuren waren sämmtlich über Menschengröße und in herrlichen Stellungen ausgeführt. Man drängte sich nicht an sie heran, weil man von einer gewissen Entfernung aus diese Henrichen Bildwerke besser sehen konnte. Zecco führte die beide» Frauen um die das rechte Eck derselben bildende Gruppe„Plutos Raub Proserpina's." Sie verdeckte in der Wand durch ihre Breite und Höhe eine Tür, welche ihr Führer durch einen unmerkbaren Druck ans einen Knopf geräuschlos öffnete. Sie befanden sich, nachdem Zecco sie wieder geschlossen, unmittelbar vor einer Ge- sellschaft von Leuten, deren Anblick im vollen Sinne des Wortes ein abschreckender war. „Tie berüchtigtsten Mörder und Räuber Englands," erklärte ihr Führer halblaut.„Sic sind lebensgetreu dargestellt." Die Dekoration, welche diese so gerühmten Figuren umgab, stellte einen Kerker vor, an dessen Mauer sich nicht nur das Glizeni von Feuchtigkeit zeigte, sondern auch Fesseln aller Art hingen. Die Erleuchtung dieses Raumes kam von Fenstern her, welche sich in der Höhe, jedoch wie in Nischen versteckt, befanden und das einfallende Tageslicht zu einer halbhellen Däm- nierung umwandelten. Gewährte diese Dekoration schon den Ein- druck des Schauerliche», so wurde dieser noch bedeutend mehr verstärkt durch die Figuren selbst, welche in ihrem Gesichten! alle Rohheit verworfener Karaktere, die starre Gemeinheit der entehrendsten Laster und jene bestialische Wildheit zur Schau trugen, welche sich unter der Maske heuchelnder Bosheit zu bergen weiß. Mehrere dieser mit großer Kunst ihren längst unter Henkershand verendeten Originalen nachgebildete Kopien waren mit Ketten belastet und trugen jenes eiserne Kopfgeschmeidc, das in Gestalt von hoch über sie emporragenden Hörnern ihre häßlichen vertierten Gesichter als Teufelsfrazen erscheinen ließ. Ihre Kostüme wiesen sich von der Art, wie sie die niedrigste Volkshefc trägt, und welche doch immerhin für diese Schaustellung von Wert waren, weil sie den Vorzug der Originalität besaßen, indem ihre Inhaber sie auf dem Leibe trugen, als sie in der Berübung ihrer lezten Untat von der Polizeigcwalt überfallen und gefangen genommen wurden. „Ihnen ist nicht wohl, Mistreß," sagte Zecco, den ein Blick aus Lünens Gesicht dessen tiefes Erbleichen bemerken ließ.„Ich werde sie an die frische Luft führen." Bereitwillig hing sich Lucie in seinen ihr gebotenen An»- Sie gingen einen mit Läufern belegten schmalen Gang hinter den aufgestellten Tableaux des Saales bis zu einer Türe, durch welche Master Zecco die beiden Frauen auf die Straße führte. „Welcher günstige Zufall! Da kommt gerade ein Omnibus, sagte er.„Rasch einsteigen, Mesdames, Sic»verde» bald zu-' hause sein. Heute Abend ans Wiedersehen!" Als der Wagen im Abrollen war, sah der Geschäftsführer der tardini'schen Galerie demselben so weit nach, als dieser nur z» sehen war, dann durch die Türe in's Haus zurückkehrend, inurnielb' er vor sich hin:„Sie gefällt mir. Wer sie nur sein mag� Ich denke doch, es von Mistreß Stanhope erfahren zu könne».' 7. Z>er Königin'K'r>?zeh. Tie Bevölkerung Londons befand sich in großer Aufregung- Die die Reise der Königin Caroline betreffenden Nachnchtc» gingen von Mund zu Munde, Hand in Hand mit denselben kursirten diejenigen, welche über den König, seinen Hof»»� seine gegen die Königin, seine Gemahlin, gePlanten Maßnahmen in Umlauf gesezt worden Waren. Man liebte ihn nicht und fa»* es durchaus nicht in der Ordnung, daß ein Monarch, dessen Lebenswandel ungemein„sonnenfleckig" gewesen und der untel den vornehmen Wüstlingen die Rolle eines Häuptlings spielte. dessen Beispiel von ihnen als unübertrefflich angesehen wurde, den Ruf einer Frau vernichten ivollte, einer Königin, die e> schwer durch seine Ausschweifungen gekränkt, sie von sich gestoße» hatte, und die er in den Augen seiner Zeitgenossen als Ehe brecherin mit einem ganz ordinären Burschen, der dem Stalle angehörte und von ihr als Courier ihrem kleinen Hofstaate bei' gesellt worden, hinstellte und man haßte ihn. 467 Man wußte, daß dieser»miiuchnge Känig seiner Gemahlin durch ihre» später durch seine Verteidigung ihrer Rechte berühmt gewordcurn Rechtsanwalt Broughanl die Mitteilung hatte macheu lassen, daß sie gegen Verzicht auf ihren Titel als Königin die größere Pension von 50000 Pfund Sterling genießen, sie jedoch im Auslände verzehren solle. Und dieser Vorschlag, der schnell herumgesprochen worden, empörte alle Schichten der londoner Bc- bölkening. Acngstliche Gemüter erblickte» darin drohende Shmp- turne und das Wiedcrauftanchcn der Radikalrcformer, in den geringsten Spelunken wurde darüber debattirt, nur in etwas gröblicherer Weise, als in den besseren bürgerlichen Clubs. Gegen Mittag des 5. Juni 1820 langte in London die Aachricht an, die Königin sei i» Dover eingetroffen, Ivo sie mit Gntnsiasnius aufgenommen und von Seiten des Kommandanten "'it allen königlichen Ehren begrüßt wurde. Kanoncnsalvcn vcr- tündeten der Üingcbnng der Stadt dies Ereignis und ani nächsten •�agc geleitete ein ungeheurer Zug Volkes sie wie im Triumphe >mch London. Couricrc brachten am 6. Juni Nachmittags wcnigc Stunden vor Ankunft der Königin deren Gemahl die Kunde von ihrer Annähcning. Damit die Peers seines Oberhauses sich für ihn erklärten, fand sich der König bewogen, im großen Kostüm vom Carltonpalast, seiner Residenz, nach dem Parlamentsgebäude sich zu begebe». Auf diesem in glänzender Gala ausgeführten 'jugc hatte der König die vollständigste Gelegenheit, die Er- sahrung zu machen, wie er beim Volke in schlechtestem Kredit stehe. Ans beut ganzen Wege nmgröhltc ihn das Volksgcschrei: � ic Königin für immer!" und mühsam schüztc ihn vor persön- lichcr Beleidigung die seinen Wagen umgebende zahlreiche Dra- gonerbegleitung. Cs war um die fünfte Nachmittagsstiliide, als Frendcnschüssc imb Glvckenläuten im Westend die stille Lust durchhalltcn... vir Königin hielt ihre» Einzug. Sic stieg bei Aldcrnian Wood ob. Wer in ihrer Nähe nicht mit Hnrrah rief, wurde mißhandelt. Ein Taumel schien die Bevölkerung von Westend erfaßt zu haben, wochenlang wurde dies Stadtviertel illnminirt, nur zahl voich aufgestelltes Militär konnte die Kiinigsresidciiz vor drin 'lnstnrni des Pöbels schüzcn, während die Königin mit Glück- Wunsch Adresse» in Menge überhäuft wurde und die Polizei vcr- grbens bemüht war, die ungeheure Aufregung zu dämpfen. �aß ein vom König gegen seine Gemahlin beim Parlament anhängig gemachter Ehebruchsprozeß zur baldigen Verhandlung komme, davon war jede Londoner oder Londoncrin fest über- jongt und diese Gewißheit zog eine ungeheure Menge fremder »ach der gewaltigen Weltstadt.. vielleicht wurde dieser Gesprächsstoff nirgends nnt mehr Lebhaftigkeit besprochen, als bei Mistreß Stanhope. Es war ei» so sicheres Wohnen in diesem Hanse der Milford laue, daß bic llntcrhaltendcii sicher sein konnten, nicht behorcht zu werden, oenn über ihnen gab cs nur Bodenräume und der bewohnte erste Stock unter ihnen machte das Atelier für ein Papeterie- Geschäft aus, in dem nur bis Abends sieben Uhr gearbeitet wurde, dann aber verstummte jedes Geräusch i» diesen der Tätigkeit gewidmeten Räumen, die Arbeiter verließen denselben und kehrten erst am nächsten Morgen wieder, weswegen im Hau,c k'efc Stille herrschte. Die Parterrcräumlichkeitcn wurden vom Geschäftsführer der Fabrik bewohnt, der in der Regel die abendlichen Feierstnnden mit seiner aus Frau und zwei erwachsenen ebenfalls im Atelier, dem ihr Vater vorstand, arbeitenden und daher ihren Lebenserwcrb selbständig verdlenenden Töchter bestehenden Familie in einer der nahen Strandwirt- Aasten zubrachte. Im Hofe wohnte ein Schleiser mit seiner "ran, Jane, und seinem Raddreher Lovel. der Mann war mit dem Amte des Hausmeisters betraut, dessen Verpflichtungen lediglich nur von Frau Jane, zuweilen auch von Lovel besorgt wurden, da der Mann Geschäftsgänge abzumachen hatte, die chm selten Zeit dazu ließen., r SRiW Swnhope stivb fichjezt MoAer* befneW, f war Abends nie allein. Nicht nur. daß Lüne, welche von bei «vou Herzogin Hamilton sehr ausgezeichnet wurde, indem I'e ihr alle die seinen Arbeiten, wie vornehme Damen sie als Puz- gegenstände besonders lieben, ihrer geschickten Hand und ihrem für das Zarte und Schöne in der Hcrstcllnngskunst derselben offenbar überraschend begabten Geschmack, übertrug, sondern auch Master Zeeco»nd einer seiner Freunde, welcher einem Drogucn- gcschäfte vorstand, mit dem er zugleich die Bereitung feiner Parfüms verband, welche bei der vornehmen Damenwelt sehr in Aufnahme waren, fanden sich fast allabendlich ein. An Unterhaltungsstoffen fehlte cs ihnen nicht, denn sowohl Zeeco als sein guter Freund, der Troguist und Parfumeur Sennor Martinez, deren Umgang mit Personen der vornehmen Klasse ihnen vieles kenne» lehrte, was anderen Geheimnis bleibt, wußte von vielem zu erzählen, das die Aufnicrksamkcit und Neugier der beiden Frauen erregte. „Wir habe» jezt mit der bcsondcrn Aufgabe zu tun, einem Gcfchäftsgcnossen mit Mördern»nd Räubern ans der Not zu helfen," sagte Zeeco lachend nach einer Pause. „Behüt»»s Gott, das ist ja ein entsczlicher Auftrag," äußerte Mistreß Stanhope.„Sic haben doch keine Bckanntschast mit solchem Gesindel?" „O doch, so gut wie mit den größten Potentaten der civili sirtcn Welt, ja sogar mit Menschenfressern." „Man möchte sich vor Euch fürchten, Zeeco; aber ich merke schon, wie Ihr das meint... sollt vielleicht für einen Eurer Kunstgcnossen diese liebenswürdige Gesellschaft bossiren?" bemerkte der Spanier. „Erraten, ja. Der Franzose Tussaud, jezt in Edinbnrg. will seine Galerie mit einem kleinen Verbrcchertablcan erweitern, weil eine derartige Schaustellung jederzeit die Schaulust iliigcmcin anregt. Nu», cs ist für uns gleich, was gearbeitet wird." Stach dieser Bcistiminnng Zcccvs folgte eine mehrere Minuten lange Pause, dann sagte Mistreß Stanhope:„Wissen Sic, guter Master, was mich allemal sehr befriedigt hat, wenn ich in Ihrer Galerie die daselbst aufgestellten Räuber- inid Mördcrtableanx angesehen habe? Ich fand keine Frauenfignr darunter." „Das dürfte nur bezeugen, daß in Tardinis ziemlich voll ständiger Galerie die Giftmischerinne» fehle», weil auch der Gist mord leicht genug zu entdecken ist und die Francn fürchten, daß der zur Untersuchung des Magens berufene Arzt oder Chemiker das mineralische Gift unter allen Umständen entdecken werde." Mistreß Lucic hob das ans ihre Näherei niedergesenkte Gesicht zu Sennor Martinez ans und richtete die Frage an ihn: „Ihrer Ansicht nach gibt cs nur Arsenik als Gift?" „Hm, cs mag sei», daß ich darüber im Unrecht bin," nnt wortetc jener.„Ich habe indes kein Stndini» i» diesem Artikel gemacht und glaube auch nicht, daß Sic mich eines anderen werden belehren können." Lncie legte ihre Arbeit vor sich ans den Tisch nieder, erhob sich von ihrem Stuhl und begab sich durch ihr schmales Schlaf- kabinct in ihr Wohnzimmer, aus de», sie nach einer Weile zurück- kehrte, in der Hand ein Papier.„Sennor Martinez, es würde sehr anmaßend von mir sein, wollte ich Sic eines anderen bc- lehre», ich darf mir nur erlauben, Ihnen den Beweis zu stellen, daß cs stndirte Männer gab, welche anderer Ansicht als Sie waren. Da Master Zeeco dentsch z» lese» und zu spreche» ver steht, bitte ich ihn, diese Schrift ins Englische zu übcrsezcn und Ihnen mitzuteilen!" „Da Sic es wünschen, Mistreß, soll cs sofort geschehen," antwortete der Aufgeforderte. Es war jenes Papier, welches Lucic aus einem Bande der Sammlung„botanische Pflanzenkunde" entnommen, die der Vater ihres von ihr geschiedenen Gatten im Pavillon seines Gartens aufgestellt hatte und das in dasselbe Buch wieder einzulegen sie keine Gelegenheit gefunden. Es zu vernichten, fehlte ihr der Mut. Daß sie sich dessen erinnerte, hatte darin seine» Grund, daß es ihr in die Hand kam, als sie vor kurzem bei Mistreß Stanhope eingezogen, ihre beiden Koffer auspackte, um ihre Gar- derobe und Wäsche zu ordnen und cS auf dem Boden des einen von ihr selbst ausgebreitet lag. .Das ist sehr merk- würdig," meinte Sen- nor Marti- nez.„Ich kenne viele Pflanzen, brauche ja auch eine Menge in meinem Geschäft; aber von einem Goldregen habe ich noch nichts gehört und ebenfalls auch nicht eine Silbe davon, daß es eine in allen ihren Bestandteilen gleichmäßig so zerstörend wirkende Pflanze gibt."„In Deutschland ist der Gold- regen keine Seltenheit, man findet ihn als Zierde auf Gräbern und Prome- nadcn," er- klärte Master Zccco.„Er präscntirt sich sehr schön, hat viele hun- dertc kleiner Blüten, die im Sonnen- lichte wie Gold glänzen. Doch halt, was fällt mir cin l Im vo- rigen Jahre machte ich einen Ans- slug über Gravcrsend nach Rochester und was bei mir zur Gc- wohnhrit gc- hört, ich be- suchte dort auch den To- tcnackcr. In den kleinen und Mittel- städten findet man oft sehr hübsche Grabmonnmcnte... die Leute lassen sich es oft viel Geld kosten, und dergleichen zeichne ich gern in meinem Rotiz- buche ab. Tort sah ich auch einige Gvldrcgcnbüsche, von denen Eine Strnssc m(Lifiis. Nach der heftige Wind eine Unmasse Blüten über die Nachbargräbcr abgeweht hatte. Ich freute mich wahrhaftig, alte Bekannte aus meiner deutschen Heimat zu sehen." dvn Somit luai' dieser Ge- spriichsgcgeii- stand, der für die Frauen nichts An- ziehendes haben konnte, 'abgeschlossen. SennorMar- tinez, von Zecco beglei- tet, tvolltc noch einen Freund in einer dei�gro- ßen©tränt»- rcstanra- tionen aufsuchen, der dort in der Regel des Abends zu Verkehren Pflegte.„Ich verspreche den Danien, unfern Sennor nach Mög- lichkeit zu be- hüten, daß er nicht ans Ab- wegc gerät." Damit ver- abschiedcte sich Zecco lachend. „O hören Sie nur, wie allerliebst mein Schuz- geist schwazt!"rief der Spanier. „Um bei den Damen nicht in den übel» Verdacht zu kommen, daß es eine Sen- nora sei, die meiner dort wartet, so sehe ich mich ge- nötigt, Ihnen zu erklären, daß es nie- mand anders alsderSckre- tär der kgl. Kammer, Herr Dhist- Wood, ist, der die sämmt- lichcn Par- fümlieferun- gen, welche m[j. jrf, vitte.| die Hofhaltung Sr. Majestät bedarf, aus meinem Geschäft ent- Önfi"'l'''c�'lcr Freund, dahin sichre»" L' nimmt. Sie begreifen, daß man einen solchen Freund hoch V!'' �r Wort?" fragte der Spanier. halten niuß. Ich glaube mich vollständig gerechtfertigt zu haben »Gut, ich sagx zu." Theodor Horschelt.(Seite 475.) 470 und cnipfchle mich den Tmucn, ihnen eine gute Nachtruhe wünschend." Im Straßengewirr am„Strand" verfolgten die beiden Männer die stillen Laues(Gassen) ans dem Wege zu der))ie- stauration, von welcher der Spanier gesprochen. Da Zeeco ein auffälliges Schweigen beobachtete, alo denke er über eine Cache von höchster Wichtigkeit nach, fragte jener:„Goddam, ich möchte wissen, weswegen Ihr heute ein so maulfauler Kamerad seid? Heraus mit der Sprache! Habt Ihr an mir Aergernis' genommen? Sagt's!" „Ich denke nicht daran," lautete die Antwort. „Was ist's dann?" „Das, was ich vorgelesen... von dem Gifte," sagte der Gefragte leise. Der andere blieb unwillkürlich stehen, weshalb Zeceo das- selbe tat.„Hm, wollt ihr jemand einen Liebesdienst damit er- weisen?" fragte ersterer. „Wcnn's ginge, warum nicht?... Ursache dazu hätte ich... verstehe mich aber nicht aus die Bereitung und darum unter bleibts,»ins; eS unterbleiben." Coovljcjuiig(olgl.) Sommer und Winter. Eine Studie aus dem deutschen Bvlksliede. Bon F. Volkmar. (Schluß.) An einer anderen Stelle der nämlichen Abhandlung schreibt Uhland weiter, daß die Darsteller der Singgespräche(wie er die Lieder itteser Gattung nennt) je ihrer Rolle gemäß aufgepnzt waren, läßt sich allgemein voranssezen, wie es von diesen Spielen in der Schweiz und in Bayern ausdrücklich gemeldet wird. Je mehr der Streit in Handlung gesezt und den, bloßen Wortgefecht enthoben war, um so weniger durfte die Bermnmmnng fehlen. Stach Seb. Franks Weltbuch war der Sommer mit Singrün oder Epheu, der Winter mit Moos angetan. Nun gibt es Gesprächslieder, in welchen die Gewächse, statt nur dnS bezeichnende Beiwerk herznleihen, selbst uns persönlich die Gegner sind.— Jni Folgenden geht dann Uhland auf die Feier dieser Sitte in Altengland über. Dort ist es, abweichend von dein deutschen Gebrauche, die Zeit der Wintersonnenwende, des christ. Weihnachtsfestes, wo Hülst und Epheu einander im Wettstreite begegnen; Hülst, die glänzend grüne Stechpalme als der Ber- treter des Sommers, während die dunkle Epheuranke wieder im Gegensaz zu deutschen Spielen dieser Art, das winterliche Wesen ist. Epheu ist weiblich, Hülst männlich. Hnlst steht in der Halle, lieblich anzuschauen, Epheu steht vor der Tür und friert gewaltig. Hülst und seine lustigen Leute tanzen und singen, Epheu und ihre Mägde weinen und ringen die Hände, Epheu hat eine Frostbeule, so wird es allen angewünscht, die zn Epheu halten; Hülst hat Beeren, rot wie eine Rose, Förster und Jäger hüten dieselben vor den Raben, Epheu hat Beeren, schwarz wie eine Schlehe, da kvninit die Enle und ißt sie auf. Hülst hat Vögel, eine gar hübsche Schaar: die Nachtigall, den Papagei, die artige Lerche. Guter Epheu! was für Vögel hast denn du? leine», als das Käuzchen, das schreit hn hu! Der Kehrreim fordert Epheu auf, dem Hülst gebührend die Meisterschaft zn lassen. Das Absingen dieses Liedes, das durchaus für den Hnlst Partei nimmt, mochte mit einer mimischen Vorstellung verbunden sein, wobei die Hauptpersonen in entsprechender LaubbeNeidung. die Gestalte» der zugehörigen Vögel vorweisend austraten; Hülst mit seinen lustigen Gesellen in der Halle tanzend und singend, Epheu mit ihren frierenden Mägden vor der Türe stehend ic. Noch näher dem deutschen Liebe vom Felbinger und Buchs- bäum stehen andere altenglische Lieder, von denen das eine leider nur unvollkommen erhalten des Inhaltes ist: Hnlst und Ephen führen großen Wettstreit mit einander, wer die Herrschaft haben solle„in Ländern, wo sie gehen"(dies als Kehrzeile). Hülst rühmt sich, frisch und hübsch zu sein, Epheu nennt sich kühn und stolz. Jedes will Meister sein, dann läßt Hülst sich auf's Knie nieder:„ich bitte dich, Epheu, sage mir keine Schmach in Ländern, wo wir gehen." Auch Felbinger und Buchsbaum ziehen mit einander durch das Land und streiten sich, wie Hülst und Epheu, um die Herr- schaft. Soweit, sagt Uhland, zeigt sich allerdings noch der alte Gegensaz, im besonderen aber wird nicht sowohl die Verschieden- heit der Jahreszeiten, als die mannigfache Verwendung der beiderlei Holzarten hervorgehoben und der herkömmliche Rahmen ist dazu benüzt, eine Reihe ansprechender Lebensbilder aus Stadt und Haus, Feld und Wald rasch vorüberzuführen. Von den beiden Fassungen, in welchen das Lied bei Uhland steht, lasse» wir hier die zweite, dem Hochdeutschen näher stehende, folgen. Beide Lieder beginnen mit der nämlichen Anfrage an die Zu Hörerschaft, ob sie„neue Märe" hören wollen, und»nterscheiden sich von de» bisher genannten durch die mehr epische Art der Erzählung, welche an die Stelle des streng dramatischen Vor- träges getreten ist.„Der Buchsbaum oder Felbinger sprach" ist die ständige Einführung jedes Gesäzes(d. h. Strophe), woraus hervorgeht, daß das Lied von einem Sänger zum Vortrag ge bracht wurde, der sich, so gut es gehen wollte, in die Rolle der beiden Gegner teilte,»nd abwechselnd den, einen und dann den» anderen Geberde und Stimme lieh. Doch hören wir das Lied selbst: Nun wölt ir hören ncwe inär Vom BnchSbanm und vom Felbinger? sie zngen mit einander aber seid, und kriegten wider einander. Der BuchSbaum sprach:„bin ich so fi'rn, ich bleib den Sommer»nd Winter giiin, das tust dn leider Felbinger nit, du verlierst dein beste zweige; Felbinger, wie gesellt dir das?" Der Felbinger sprach:„bin ich so sein, auß mir macht man die langen zein, wol nmb das korn und umb den wein, davon wir uns erneien; Buchsbanm, wie gesellt dir das?" Der BuchSbaum sprach:„bin ick so sein, auß mir»lacht man die krenzelein, mich tregt auch manche schöne junksrau mit sreuden zu den» tanze; Felbinger, wie gesellt dir das?" Der Feldinger sprach:„bin ich so sein, auß mir macht man die musterlein, mich tregt manch schöne junksrau, dem mejiger zu dem danke, BuchSbaum, wie gesellt dir das? Der Buchsbaum sprach:„bin ich so sein, auß mir macht man die löffelein, mit silber und rotem gold beschlagen, tet mich für die geste tragen: Felbinger, wie gesellt dir' das? Der Felbinger sprach:„bin ich so sein, auß mir macht man die seßelein, in mich tet man die besten wein, reinesal und malvasiere: Buchsbaum, wie gesellt dir das?" Der Buchsbaum sprach:„bin ich so sein, auß mir macht man die becherlein. auß mir trinkt manche schöne junksrau mit ihrem roten munde; Felbinger, wie gesellt dir das?" Der Felbinger sprach:„bin ich so fein, aus mir macht man die settelein. auf mir rennt mancher guter gesell, wol durch den grünen tvalde; Buchsbaum, wie gesellt dir daS?" - 4 Ser Buchsbaum sprach:„bin ich so fein, nuB mir macht mau die pfeiselei», «'ich Pfeifet mancher qnter qesell, ,e''' und in den friegen; Selbmger, wie gesellt dir das?" Der Felbinger sprach:„bin ich so brat, Jch|te dort mitten in der mat, lind halt ob einem Brünnlein kalt, biiraufj zwei herzlieb trinken; Buchsbanm, wie gesellt dir das?" ®er Bnchsbnnm sprach:„bist du so grecht, [u bist mein Herr und ich dein knecht, der hoch gib ich dir aller recht das spil hast du getviinne», doch bleib ich grün Winter und fummer." ibeit�"' ju seinem Verständnis keiner Erklärung i-t/s Zulezt hält der Biichsbanin dem Felbinger tapser wälir V rühmt er sich seines nnzerstörbaren Grün, biisi"-r.. felbinger seine besten Zweige zur Winterzeit ein- fm.,'■'V' lrüge manche schöne Jungfrau zum Tanze und ihr roter Ii T,»' s r ous dem Becher, den man ans ihm verfertige. Ünirff t�en Frühlingsbilde, von welchem der Felbinger zulezt Reclii'.bcrma0 er">chts gleichwertiges entgegenznsezen. Mit iln,\.raum� rr daher dem Felbinger den Sieg ein, indem er (eri(r'/11'�errn u"d sich seinen Knecht nennt. Mit dieser Urs,," �"0 kehrt das Lied auch äußerlich wieder zu seinem von, l96' �eni breite zwischen Sommer und Winter, zurück, vclchem unsere Betrachtung ausgegangen: wie seit ewigen Erdentagen der Winter kämpft mit dem Mai. vor u"'iteren Zusammenhang der beiden Stücke zeugen aus"b �'e �e�en �es Felbinger, wenn dieser sich rühmt, daß Gefon• �'e®äftek gefertigt werden, auf denen manch guter ie„ a-i"' grünen Wald reite; besonders aber spricht dafür Wendung am Schlüsse: ich ste dort mitten in der mat, und halt ob einem Brünnlein kalt, � darauß zwei herzlieb trinken. L.** �rünnlein unter einem Banme hervorsprudelnd, ist ein ihm'"Üfßrgrnflnnb der Volkspoesie. Ter Felbinger„hält" über frei' ll"r nDt� heute von einem Reiter sagen, daß er aus dies?!" m�de ehalte", d. h. eigentlich sein Pferd halte. Bilder sehr s-- dem Reiterleben entlehnt, waren der alten Zeit Beb,"f'ß'"�as sehr natürlich erscheint, wenn man die große und ß �i�ikens für jene Tage erwägt, in denen Weg Web ,3 wenig geebnet waren. So konnte auch der Brii h'er, gleich einem stolzen Reitersmann, ob dem tritt"" l'" hnlten, gleichsam die Wache halten; an seine Stelle ritte t'ü häufiger die Linde. Im Volksliede, wie in dem »n ,,-t 1' � der Minnezeit aus den Haus- und Kinder- BoriW? eine gleichmäßig beliebte, ost wiederkehrende sw; J 0. Von der Königstochter in Grimms reizendem � ichen vom„Froschkönig und dem eisernen Heinrich" heißt Link, � mit ihrer goldnen Kugel am liebsten unter einer m. e am Waldessaum gespielt habe, zu deren Füßen sich ein «ef,fr"en f!efimden, in den hinein dann eines Tages die Kugel nm"• ,'e'"• w.; Held Siegfried wird an einem Brunnen m ,/.,/i"rr Linde erschlagen und in einem der tiefsinnigsten er V?fr befragt der gute Gesell sich bei dem Mädchen, dem """wbe werbend nachgeht: Junksrewlein, sol ich mit euch gen In etoreu rofengnrtcii? und da die roten röslein stau, die seinen nnd die zarten. und auch ein bäum der bfiiet, von esten ist er weit, und auch ein kalter brunne, der auch danmber(eil u. f. w. we t e-'nem""deren, nicht minder poesievollen Volksliede, er- f(f,'f!rt. f'äh der einzelne Baum zu einem ganzen Walde, des ein /xt• �'b�l sich des kahlen Brünneleins unter ihm wie lei,." �wbten freuen, ja diese wird geradezu als das Brünn- bedacht, über dem der gute Gesell der grüne Wald sein möchte: fl- Und war mein Sieb ein Brunnlein kalt, und sprang aus einem Stein, und war ich dann der grüne Wald, mein Trauern das war klein u. s. w. Daß Liebende ferner aus einem Brünnlein oder Quell tranken,>vie der Felbinger dessen erwähnt, Ivird vielfach in Schrift und Lied berichtet und ist im Grunde ein sehr natür- (icher Vorgang. DaS Trinken aus de» Brunnen war hauptsächlich im Früh- jähr beliebt, da man ihnen um diese Zeit eine besondere Heil- kraft zuschrieb. So beginnt ein altes, vielbesungenes Trink- liedchen: Man sagt wol, in dem Maien, Da sind die Brünnlein gesund K. Man wallfahrtete zu ihnen, wie zu heiligen Stätten und in der Tat läßt sich in dieser Verehrung der Quellen und Brunnen Wiederilm ein Zug jenes altheidnischen Naturdienstes erkennen, wie er dem germanischen Wesen nun einmal ent- spricht; und wenn auch der wilde Stamm sich durch das hu- mauere Christentum eine Veredlung hat gefallen lassen müssen, der zu Liebe auch mancher seiner saftreichsten Zweige gekappt wurde, so schössen aus seiner Wurzel doch immer wieder Triebe empor, die von der alten Art Zeugnis ablegten, während in seinem Wipfel längst, statt der heidnischen Nachtigall der rö- mische Dompfaff sein Liedlein pfiff. Im vorigen Jahrhundert, wo mit dem wieder erwachenden poetischen Geiste der Nation auch der Sinn für die Natur wieder erweckt wurde, erhielten auch der grüne Wald und mit ihm die Quellen und Brünnlein darin ihren frühem poetischen Glanz wieder. „Horch! der Hain erschallt von Liedern, Und die Quelle rieselt klar" so klang es von den Lippen des Dichters und fand tausendstimmigen Widerhall. Und wenn auch der wiederkehrende Lenz nicht mehr mit Gesang nnd Spiel freundlich begrüßt wird und die Lieder von dem Streite des Sommers mit dem Winter verstummt sind, so fehlt es doch der Poesie der Neuzeit nicht an Zügen, die an die liedcrreiche alte Zeit erinnern und an frischer Unmittelbarkeit mit ihr wetteifern. Dem Bilde von dem Brünnlein,„darauß zwei Herzlieb trinken," möge hier ein gleiches aus„Hermann und Dorothea" gegenüber treten und den freundlichen Beschluß dieser Zeilen bilden. In dem Ge- sänge„Dorothea" trifft Hermann die Geliebte mit Krügen be- laden auf dem Wege zum Brunnen, des„Wasser von beson- derer Kraft und lieblich zu trinken" ist, wie der Dichter aus- drücklich bemerkt. Ans seine Frage, woher sie komme und warum sie gerade zu diesem Quell gehe, antwortete die Jungfrau mit freundlicher Bereitwilligkeit, dann heißt es weiter von ihr: Also sprach sie und war die breiten Stufen hinunter Mit dem Begleiter gelangt; und auf das Mauerchen sezten Beide sich nieder des Quells. Sie beugte sich über und schöpfte Und er faßte den andern Krug und beugte sich über. Und sie sahen gespiegelt ihr Bild in der Bläue des Himmels Schwanken, und nickten sich an, und grüßten sich freundlich im Spiegel. Laß mich trinken, sagte darauf der heilere Jüngling, Und sie reicht ihm den Krug jc. Das nun folgende Gespräch endigt Dorothea mit der Mah- nung zum Aufbruch: Laßt uns, fuhr sie nun fort, zurücke kehren! Die Mädchen Werden immer getadelt, die lange beim Brunnen verweilen, Und doch ist eS am rinnenden Quell so lieblich zu schwäzen. Also standen sie auf und schauten beide noch einmal In den Brunnen zurück, und süßes Verlangen ergriff sie. Und damit scheiden auch wir von dem lieblichen Paar, und zugleich, wie mancherlei auch noch zu sagen wäre, von dem freundlichen Leser. Fast müssen wir fürchten, seine Geduld schon zu lauge in Anspruch genommen zu haben. Die Mädchen nicht nur, die lauge beim Brunnen verweilen, werden leicht getadelt— und doch ist es am frisch rinnenden Quell der Volkspoesie so lieblich zu schwäzen. D i e I n Eine etnogra Die Häuser der Falascha sind rund, haben einen Durch- messer Vvn 12— 20 Fuß und eine entsprechende Höhe. Je nach Vermägensuniständen sind sie kleiner vder größer. Tie Häuser der Reichen haben eine Steininauer, die der Aerineren blas eine Wand von Reisern und Aesten, die h'z Fuß tief in die Erde eingegraben und etwa G Fuß hoch ist. 3—4 Reifen werden um die ganze Runde mit Lederriemen oder Bast stark zusammen- gebunden. Diese Wand,„Kitkita" genannt, wird inwendig mit Lehm ausgeworfen, um das Haus gegen das Eindringen von Wind und Kälte zu schüzen. Bricht in einem solchen Hause Feuer aus, so ist in der Regel die ganze Habe verloren. Das Feuer greift mit Blizesschnelle um sich. Während Flads Auf- enthalt in Djenda brannten einmal in kaum einer halben Stunde so viele Häuser ab, daß 20 Falascha-Familien obdachlos wurden. Einige Falascha in der Nähe von Gondar besizen feuerfeste Häuser. An diesen ist nichts verbrennbar als das Dach, welches an allen abyssinischcn Häusern aus Holz und Rohr besteht und mit Stroh bedeckt ist. Diese feuerfesten Häuser haben eine Ringmauer von 15— 20 Fuß Höhe, in welcher ein Quadrat aufgemauert ist; dieses wird mit Balken und Brettern belegt und 1— 2 Fuß hoch mit Erde überschüttet. Aus diese Weise ist das Eindringen des Feuers in die Wohnung verhindert. Flad berichtet von einigen Fällen, wo die Familienglieder bei gut verschlossenen Türen im Innern des Hanfes weilten und nachdem der Brand das Dach verzehrt hatte, unversehrt aus dem Hause heraustraten. Der Vollständigkeit halber sei an- gefügt, daß ein gewöhnliches Reiserhaus 12—30 Mark kostet, ein Steinhaus 45— 90 Mark, feuerfeste Häuser kommen auf 240— 450 Mark zu stehen. Die Häuser der Falascha wie der Eingeborenen überhaupt, haben keine Fenster, hie und da bemerkt man einige runde Löcher. Die meisten haben nur eine einzige Oefsnung, die Türe. Arbeiten, welche Helligkeit erfordern, werden im Freien verrichtet, und die Falascha sezen sich dabei niemals in den Schatten, vor dem sie eine große Furcht haben, sondern in das brennendste Sonnenlicht und zwar niit entblößtem Haupt und Nacken. Mehr noch aber als den Schatten von Gegenständen fürchten sie den Schatten des Menschen und wenn jemand, der nicht zu den Hausgenossen gehört, unangemeldet ins Haus tritt, (was schon als große Unart angesehen wird), so wird gewiß jedes bedeutendere oder unbedeutende Mißgeschick, das sich im Laufe des Tages ereignet, und wäre es auch nur das Miß- lingen eines häuslichen Geschäftes, dem Schatten des Besuchers in die Schuhe geschoben. Ter Schatten spielt bei ihnen eine ähnliche Stelle wie das böse Auge bei den Arabern*). Daher tragen sie auch nicnials irgend etwas, das zum Essen, Trinken vder zur Medizin bestimmt ist, unbedeckt über den Weg, aus Furcht vor dem Schatten. Die größte Geheimtuerei aber beo- dachten sie bei ihren Mahlzeiten. Da wird die Türe troz der ohnehin herrschenden Finsternis im Innern noch verhängt und es gilt als große Unart, in ein Haus einzutreten, während die Hausgenossen beim Essen sind. Alle Arbeiten, welche sich auf die Zubereitung von Speisen beziehen, werden ebenfalls im Dunkel des Hauses verrichtet. Der Hausrat der Falascha ist ziemlich dürftig. Eine höl- zenie, mit Lcderriemen geflochtene Bettstelle,„Alga" genannt. ein oder einige Stühle, gleichfalls niit Riemen gepflochten, ein aus Rohr geflochtener Tisch, der zusammengelegt an der Wand hängt und nur bei Mahlzeiten brnüzt wird, einige tönerne Krüge, *) Oder auch bei vielen der heutigen europäischen Juden. Mir sind zahlreiche Fälle bekannt, wo einem hübschen Kinde Zettel, mit Bibel- versen beschrieben(Amulette), angehängt wurden, um das Kind gegen den bösen Blick zu schüzen. Die sogenannten Zehngebotschreiber � von welchen solche Pergamente bezogen werden, lassen sich in der Regel gut dafür bezahlen. lascha. h i s ch e S k i z z e.(1. Fortseznng.) Kochtöpfe, hölzerne oder tönerne Schüsseln, ein Backapparat, eine Mühle zum Fruchtmahlen, eine Fencrstelle, wo gebacken und ge- kocht wird, ferner vvn Stroh geflochtene Brodkörbe, Kleider- und Schmuckkörbchen, Siebe und Getreidemaße, endlich ein oder mehrere aus Lehm und Teffstroh bereitete, an der Sonne ge- trocknete große Behälter zum Ausbelvahren des Getreides— das ist ziemlich alles, lvas die Falascha wie auch die eingeborenen Christen an Möbeln besizen. Kann jemand unter den Haus- genossen lese», so sieht man auch wohl ein oder mehrere auf Pergament geschriebene Bücher in Ledertaschen an der Wand hängen. Bei den Falascha herrscht der seltsame Brauch, daß, wenn ein Christ in den Hof eines Falaschahauses tritt, beziehungs- weise sich auf einen Stein sezt, der ganze Plaz auf's sorgfäl- tigste gekehrt und wenn tunlich gewaschen wird. Die Falascha sind meist wohlgewachsene, kräftige Leute. Ihre Hantfarbe ist wie die der Abyssinier stark braun, die der Frauen ist etwas heller. Ihr Haar ist ohne Ausnahme schwarz und gekräuselt, desgleichen der Bart, der nie rasirt, aber von Zeit zu Zeit mit der Scheere gekürzt wird. Die Kopfhaare aber werden bei beiden Geschlechtern zeitweise rasirt. Selten sieht man auch Falascha von schwarzer Farbe und aufgeworfenen Lippen, was auf Negerblut hinweist. Tie Falascha halten nein- lich, wie die übrigen Eingeborenen, Sklaven, welche sie sogleich beim Eintritt in ihre Familien zu Juden machen. Sie gelten dann als Familienmitglieder, werden nicht wieder verkauft und überhaupt viel milder und nachsichtiger behandelt als bei den Muhamedanern. Die Kleidung der Falascha, aus einheimischem Baum-- wollenzeug verfertigt, besteht bei den Männern aus einem Paar langer weiter Hosen und einem Ueberwurf(„Schamma" im Wert von 9— 18 Mark, oder„Gabi" im Wert von 3— 6 Mark). Die Frauen tragen ein sehr weites baumwollenes Hemd von doppeltem Stoff, das um die Lenden mit einem 5 Ellen langen Streifen von demselben Zeug sestgegürtet wird. Bemittelte tragen darüber ein Gabi oder Schamma. Reiche Frauen haben mehr oder weniger kostbar gestickte Kleider, silberne Halsketten, Finger- und Ohrringe, Arm- und Fußspangen rc. Auch tragen die Frauen kleine rote Glasperlen in einer Schnur um den Hals; anders gefärbte Perlen zu tragen ist ihnen von den Mönchen verboten. Tie Falaschafrauen verschleiern sich nicht. Ihr kräuse- ligcs Haar tragen sie meist kurz geschnitten; zuweilen wird es auch— aus guten Gründen— ganz abrasirt. Die abyssinischr Damenfrisur ist eine komplizirte und zeitraubende Sache. Um das feine Geflecht,, die vielen Zöpfe aus einander zu machen und die neue Frisur zu vollenden, ist beinahe ein ganzer Tag notwendig. Darum frisireu sie sich auch nur alle 6— 8 Wochen- Damit sie aber nicht mit Ungeziefer geplagt werden, schmieren sie sich häufig mit Butter ein, was allerlei Uebelstände mit sich führt; denn die Butter fließt in ihre Kleider und verursach! eine widerliche Ausdünstung. Auch bei verschiedenen Perrich' tungen, namentlich aber beim Kochen macht sich diese Unsitte höchst nachteilig geltend. Tie Gewohnheit der Falaschafrauen, das Haar kurz zu tragen, ist daher eine löbliche. Von Kopfbedeckung wie von Schuhen wissen die Falascha nichts. Reisende bedienen sich häufig der Sandalen. Die Hauptnahrung der Falascha ist Tess-Brvd oder richtiger Teff-Küchen mit irgend einer Pfessersuppe,„Woz" ge' z nannt. Fleisch wird seltener gegessen. Aermere essen Knche» von Schimbra, einer Art Erbse, oder auch von Maschella, einer kleinen Mais-Art, oder von Tagusa, einer senfkornähnliche» Frucht, die sehr schwer zu mahlen ist. Das davon bereitete Brod schmeckt, als ob Sand darunter gemischt wäre. Diejenigen, welche keine Ackersleute sind, kaufen ihren Frucht-; bedarf auf dem Markt. Auf dem Rücken de» Esels, häusiges. r 478 11 11 dl) der Frau, nachhause gebracht, wird es Vvn der Hausfrau, Magd oder Sklaviii gereinigt, gemahlen, gesäuert und gebacken. �ie Mühle besteht aus einem 2 Fus; laiige» und 1 Fnst breiten Tand- oder Trachitstein. Auf diesem wird das Getreide� ver- niittclst eines kleinen aber ziemlich schweren Steins derselben Art gemahlen. Tic Müllerin hält den kleineren oberen Stein mit beiden Hände» und treibt ihn vor- und rückwärts, während dessen sie immer wieder eine Hand voll Getreide auf den großen �lein zulegt. Das hieraus gcivonnene Mehl wird so fein wie Griesmehl.' Dasselbe wird geliebt, in hölzernen oder irdenen Schüssel» mit Sauerteig und Wasser zu einem sehr dünnen Teig vermengt, hierauf in einen großen Krug oder eine Kürbisflasche geschüttet, zum Säuern der Wärme ausgcsczt und dann zu dünnen Kuchen von ziemlichem llmfang vermittelst einer tönernen Platte auf Reiserfeuer gebacken. Diese Dcsskuchcn mit einem tüchtig gepfefferte»„Woz" nebst Sauermilch ist das Lieblingsessen der �vlascha, wie der Eingeborenen überhaupt. Der Woz wird a»'.' gerostetem Schimmbra. mit sehr viel rotem Pfeffer und einer �tnge anderer Gewürze bereitet, mit Butter oder Cef geschmalzt und heißt dann„Schirro." Sic bereiten aus Schimmbra und Linsen mancherlei Arten von Woz; so verschiedene Namen su demselben aber auch geben, so ist doch der Hauptgcschmack be. allen der des roten Pfeffers. Auch Leinsamen wird von allen lRngebornen viel gegessen. Derselbe wird auf dem Backofen ge- Äfftet, dann gemahlen und mit etwas Wasser, Salz und nach blieben mit' rotem Pfeffer und anderen Gewürzen vermengt ""d bildet alsdann ein schmackhaftes, kräftiges Nahrungsmittel. 1 Tie Zubereitung des Fleisches ist etwas unsständllch. Es wird in kleine Stücke zerschnitten und so oft in reinem �.ager gewaschen, bis sich keine Spur von Blut mehr zeigt, dann gc- lacht und mit Butter und Pfeffer bereitet. Das Essen wird in demselben Geschirr aufgetragen, m dem es gekocht Ivurde. Von einem Dienstboten oder einem Kinde wird Wasser zum Händewaschen gereicht, zuerst dem Hausvater, dann etwaigen Gästen, hieraus der Frau und den Kindern und endlich den Dienstboten. Eine Lederhaut wird auf dem Boden ausgebreitet, der Tisch von der Wand herabgeholt und aus- einandergcfaltet. Man sezt sich und der Hausvater spricht in der Falaschasprache ein Gebet, auf dessen einzelne Säze die übrigen Amen antworten. Hierauf gürtet sich ein Diener oder Haus- genösse, d. h. er nimmt sein loses Oberkleid von den Schultern und wickelt es um seine Lenden, so daß der Oberkörper völlig nackt erscheint*). Run reißt er große Lappen von dem Teffbrod ab und holt damit eine Hand voll aus dem Topf, der bisweilen noch siedend heiß ist. Dem Hausherrn wird zuerst vorgelegt, dann den übrigen Teilnehmern nach obiger Rangordnung. Wollen sie recht freundlich gegen einander tun, so füttern sie sich gegen- scitig, d. h. sie nehmen einen Lappen Brod, wickeln etwas Speise hinein und stecken es einander in den Mund. Dasselbe tun auch Mann und Frau, wenn sie recht zärtlich gegen einander sein wollen.— Ist grade geschlachtet, so erscheint als Nachtisch ein auf Kohlenfeuer geröstetes Stück fettes Fleisch, das vor dem Rösten niit Salz, Pfeffer, Tetsch(Honigwein) und Galle ein- gerieben wurde. Brundo, d. h. rohes Fleisch, zu essen, wird von den Falascha als eine barbarische Sitte verabscheut, bei den Christen dagegen gilt dies als großer Leckerbissen. Ein ähn- liches Gebet wie vor der Mahlzeit wird auch nach derselben verrichte�. *) Das Gürten ist eine AnstandS- oder Höslichkeitsbezengnng. Jeder Geringere muß sich vor einem Höherstehenden gürten', ebenso wer am königlichen Lagerplaz oder an königlichen Zelten vorbeigeht u. Vgl. tZortsczimg(ofgl.) Im Kamps wider alle. Romau von Ferdinand Stiller. (85. Fortsezung.) ist wachen noch einen kleinen Umweg, Haßler. Der Morgen fu 1•n' Sinben Sie nicht mich?" ab ist. �viel Häßler fand das im Grunde garnicht. Es fror ihn in f'rU'— c'"c i>Kale Naßkälte umwebte sie und drang dem R" o Beziehung äußerst empfindlichen Gabriel bis auf die sind''» er hütete sich zu widersprechen, das„Haßler, Sie em altes Weib!" gellte ihm immer noch ins Ohr. M,»-"0"' I"gte er,„ganz recht, hü, hü. Wunderschöner tfltp9f"'~ sD angenehm— hü, hü hü— ," der Frost schüt- kiibi rr"1 �ie Worte ordentlich über die Lippen,„so angenehm ruf"1'0* s"r 9�"he»d Liebende, solcher Morgen, hü, hü, hä." »Eluhe>,d und glücklich Liebende, das ist ja Ihr Fall, Haßler." der, berührte dabei das Pferd mit der Peitsche, daß dieses und V�r Anregung ungewohnt einen gewaltigen Caz machte mit r eine AWle in langem Galopp auf dem nicht besonders a"en Landwege dahin jagte. „Um Gotteswillen," schrie Gabriel, der beinahe von seinem das niI§ �fm A�agen gefallen war.„Was macht denn fin r erb, bester David, das wird doch nicht scheu werden? �> ha, hü?" lnff" behüte, lieber Haßler. Auf das Tier kann man sich ver- bivr' �'s' lammfromm. Gefüllt es Ihnen?" Und wieder "'htte er es mit der Peitsche. n» r""gezeichnet!" Haßler Uamnierte sich mit beiden Hünden w vor dem Herausfallen sicher zu sei»..Aber lim,""".�hreii Sie nur eigentlich so schrecklich ra— rasch. Wir keiii"' rtoch Zeit— und wir brauchen— hü, hü—, ja e" llwwcg— llmiveg ,ii machen." „Grade weil wir den Umweg machen mußten, müsse» wir auch fahren, was das Pferd laufen kann, guter Haßler. Wir wollen die Ruhe der Peterwizer nicht so früh stören, die würden neugierig werden und das könnte eine Störung geben. Und das tväre doch schade, Haßler, nicht wahr?" „Gewiß, allerdings. Es geht aber wirklich kolossal rasch— ko— kolossal." In der Tat sauste der leichte Wagen mit riesiger Geschwin- digkeit den Weg entlang. David lenkte in einen Seitenweg ein, der noch schlechter war, als der erste und auf dem der Wagen förmlich Luftsprünge machte. Jeden Augenblick glaubte Gabriel, derselbe müsse nmschlagcu oder in tausend Stücke zerschellen. Die hellen Tropfen des Angstschweißes liefen ihm die dicken Backen hinab und er bebte am ganzen Leibe. Dabei fielen ihm seine Träume ein. Sic erschienen ihm jezt wie ernsthaft zu nehmende üble Vorbedeutungen. Gewiß, ihm ging es an's Leben. Es war rein unmöglich, so schien es ihm, daß bei solch' einer wahnsinnigen Fahrt über Stock und Stein nicht ein großes Unglück geschehen sollte. Und daß er dann der erste und wahr- scheinlich auch der einzige war, der den Hals brach, gerädert wurde oder vom Pferde bei lebendigem Leibe in sausendem Galoppe Kilometerweit davongeschleist ivurde,— das schien ihm sicher. Gabriel hatte in seinem ganzen Leben nicht so ungeheuer- liche Todesangst ausgestanden. Zu allem Ueberflnsse fing eS noch an zu regnen; keiner vvn ihnen hatte einen Regenschirm und der Wagen hatte kein Verdeck. Wenn ich nun, dachte der geängstigte Gabriel, wirklich durch ein Wnirlder davor bewachet werden sollte, Hals und Beine zu brechen, dann erkälte ich mich unfehlbar zu Tode. Ach, was wird mein armer Vater sagen, daß ich so seinen klugen Rat in den Wind geschlagen, keinen Shawl, keinen Schirm, keine Gummischuh. Vor Kälte und Angst klapperten ihm die Zähne. „Sie scheinen ja sehr vergnügt," sagte David ernsthaft. „Das ist so ein Wetter, wie wir's brauchen." „Hu, hu," klapperte Gabriel.„Hu— sehr richtig. Warum sollt' ich nicht— hu, hu, hu, vergnügt sein, hu!" „Jezt sind wir im peterwizcr Walde. In einer Viertel- stunde an der großen Eiche. In 20 Minuten beginnt der Tanz. Nehmen Sie Sich zusammen, Haßler, Sie müssen aus- sehen wie ein Held." „Hu, hu— Held," echote Gabriel, der nur noch mit äußerster Mühe einen andern Ton über die Lippen brachte, als hu— hu. In einer Viertelstunde waren sie in der Tat in der Nähe der großen Eiche. David nahm Gabriel bei den Schultern und hob ihn aus dem Wagen. Als Gabriel wieder festen Boden unter den Füßen hatte, stöhnte er tief, aber doch ein wenig er- leichtert ans. Eine Gefahr wenigstens war vorüber. Er mußte sich an einem Baum halten, um nicht umzufallen, so erschöpft tvar er. David war mit der ihm eigenen Raschheit und Gewandheit aus dem Wagen gesprungen und zu dem Pferde getreten. Zu Gabriels größter Verwundnmg schirrte er es auS und band ihm die Stränge auf dem Rücken zusammen. Gabriel hätte gern gefragt, warum das geschehe, aber er konnte noch nicht, die Zähne klapperten ihm immer noch aufeinander und kein zusam- menhängendes Wort wollte über seine Lippen. David klopfte jezt das Pferd liebkosend auf den Nacken. „Geh nachhaus, Cora, du hast deine Schuldigkeit getan— immer hast du sie getan. Jezt ist es genug. Du sollst hier in dcni Hundewetter nicht vergeblich warten." Das edle Tier wieherte wie fragend und zweifelnd und schaute seinen Herrn an. Tann, als dieser ihm noch einen leichten Schlag mit der Hand auf den Rücken gab und„Fort" rief, sezte es sich in leichten Trab. Als es sich frei fühlte von der gewohnten Last des Wagens wieherte es wieder hell auf, sah noch einmal nach rückwärts und jagte dann im Galopp heim- wärts. David sah ihm unvcnvandt nach bis es im Nebelgrau des Regenwetters vollends verschwunden war. „Vorwärts, Haßler. Hier den Pistolenkasten müssen Sic tragen. Sie erinnern Sich doch noch aller Instruktionen? Noch eins! Hier ist ein Brief, den nehmen Sie— sollte ich ver wundet werden, so übergeben Sie ihn sofort— hören Sie— sofort! auf dem Tuellplaze dem Sekundanten meines Gegners, — zur sofortigen Eröffnung." Gabriel nahm den Brief. Er zitterte dabei wieder, so daß eS ihm kaum gelang, den Brief in die innere Scitentasche seines Rockes zu schieben. „Sie venvundet— hu, hu— bester David— Sie werden doch nicht." David sah ihm starr ins Gesicht ohne zu antworten. „Vorwärts," wiederholte er nur und ging voran mitten in Sumpf und Dickicht hinein. Die Stiefeln blieben dem guten Gabriel beinahe im Moraste stecken und die Zweige des Gebüsches zerkrazten ihn und zer- sausten ihm die dünnen Haare. In wenigen Minuten waren sie indes schon an der kleineu Lichtung, in deren Mitte die riesenhafte Eiche ihre kolossalen Aeste nach allen Seiten hin er- streckt, welche weit und breit zur Auszeichnung vor all' den andern zum große» Teil auch recht gewaltigen Eichenstämmen des Waldes, die„große Eiche" genannt wird. Die Studenten waren bereits am Plaze. Sie waren zu Fuße gekommen, hatten aber für den Fall eines ungünstigen Ausganges einen zweispännigen Wagen auf Punkt 6'/* Uhr an einen Kreuzweg in der Nähe bestellt— denselben, wohin David seine Equipage beordert hatte. Außerdem hatten sie ihren Paukarzt, einen alten Herni ihrer Verbindung nu'tgebracht, der schon bei Hunderten von Duellen assistirt und ein paar Duzend selbst ausgefochten hatte. Heute sah der noch ziemlich junge Mann ernst und düster drein, ernster und düstrer als sonst. Wie er die Duellanten kannte,— auch David kannte er par renommäe ziemlich genau— und was er von der Art wußte, wie das Duell zustande gekommen war, deutete ihm mit ver- zweifelter Gewißheit auf einen schlimmen, vielleicht sehr schlimmen Ausgang. Er hatte sich vorgenommen, alles zu tun, was er nur vermöchte, um noch im leztcn Augenblicke das Duell zu verhindern. Weislich hatte er von diesem seinen Vorhaben nie- manden außer seinem Bundesbruder Becker eine Silbe gesagt. Von seinem Coulcurbruder Frank war kein Nachgeben, nicht einmal das leiseste Entgegenkommen zu verlangen. Frank war nach den gang und gäben Ehrbegriffen tötlich beleidigt,— nur David konnte zurück, wenn er wollte. Der Doktor trat zu Gabriel und begrüßte ihn ebenso Höf- (ich, als ernst. Er hatte zu den Studenten gesagt, er wolle Davids Sekundanten fragen, ob die Herren selbst auch dafür gesorgt hätten, daß ein Arzt zu etwaiger Hülfe in der Nähe sei. Wenn nicht, wolle er sich im vornhinein für den Fall einer Verwundung dem gegnerischen Zeugen zur Verfügung stellein Aber nachdem er Haßler begrüßt und sich vorgestellt hatte,— was der fürchterlich Aufgeregte zu erwidern völlig vergaß,— überließ er diesen dem gleichfalls sehr förmlich grüßend herangetre- tenen Teologen Becker, dem er einen leisen Wink gab, infolge dessen sich Becker mit Gabriel so postirte, daß die übrigen Stu- deuten, welche unter den dicken Acsten der Ricseneiche einige» Schnz wider den strömenden Regen gesucht, nicht sehen konnten, wie der Doktor an David herantrat. Auch diesen begrüßte er aus das höflichste und achtnngS- vollste, obgleich er im Innern über die Art, wie David das Duell vom Zaune gebrochen, aus das höchste erbittert war. „Herr David," sagte er,„ich hatte vor mehreren Jahren bei einem Börsenballe die Ehre, Ihnen vorgestellt zu werden. „Wohl möglich," antwortete David kalt. „Ich möchte mir heute erlauben, Ihnen nur wenige Worte dringend— so dringend, als es ein Mensch vermag, an's Herz zu legen. Das Duell, welches Sie aus mir gänzlich unbegreis- licher Ursache provozirt haben, muß seinen Bedingungen cnt- sprechend werden— ein Mord, vielleicht ein Doppclmord. Ich halte Sie nicht für fähig zu morden, Herr David——" Der Arzt sah David in gespanntester Erwartung ins Ge' ficht, David antwortete dem Blicke kalt und prüfend, durch' bohrend,— er wollte dem Manne, der so sprach, die geheimste» Gedanken aus dem Kopfe lesen. Dann sagte er langsam und gedämpften Tons: „Ich werde Ihnen erwidern, wenn Sie mir Ihr Ehre»' wort geben, von dem, was ich Ihnen sage, in der nächste» Viertelstnnde keinem Menschen eine Silbe irgendwie zu über- mitteln oder anzudeuten und jeden weiteren Versuch aufzugebevl auf das Duell auch nur eine Spur von Einfluß anszuiibe»- Ihr Ehrenwort, Herr!" Ter Doktor runzelte die Stirn.. „Mir Ehrenpflichr wäre es, dieses Duell zu verhindern- „Ihr Ehrenwort, Herr!" wiederholte David gebieterisch. „Nun denn— dem Ehrenmannc, der über dem Verdach� Mörder werden zu können, erhaben ist, mein Ehrenwort!" der Arzt dann langsam und feierlich. „ Gut! Run mein Wort: Ihrem Freunde Frank n»1 das Duell nicht mehr sein als eine Leklion. Sind Sic)» frieden?" J Jezt war die Reihe an dem?lrzte, sein Gegenüber»� einem Blicke anzuschauen, der ins tiefste Innere des Herzt» zu dringen bestimmt war. „Und für Sie?" fragte er._. I „Für mich wird der Ausgang so günstig und angenehm K'"' wie nur möglich," sagte jezt David leichthin.„Aber noch — und mein leztes Wort: wenn ich Grund bekomme zu leisesten Verdachte, daß Frank mich irgendwie schont, wenn** nicht redlich mit Auswand aller seiner Schüzenkunst nach 475 H�zen zielt, dann— gilt mein Wort van vorhin nicht, dann schieße ich ihn— darauf gebe ich anch mein Ehrenwort— Über � Haufen, wie einen tollen Hund." Der Doktor schüttelte den Kopf. »Frank denkt nicht daran, Sie schonen zn wollen, weil er bv" Ihnen keine Schonung erwartet. Aber es wäre ein ver- hängnisvoller Irrtum, wenn Sie glauben sollten, daß Frank ">cht träfe, wonach er zielt." »Gut. gehen Sie. Doktor. Ich habe Ihr Ehrenwort. Sie haben das meine. Wir sind fertig miteinander." Er wandte sich ab und winkte Haßler heran, dem Becker in- dessen seine Vorschläge bezüglich der Formalien des Duells gewacht hatte, nicht ohne mehrfach nach dem Doktor und �.avid hwnberznschiclen. Der Arzt ging kopfschüttelnd und tief nachdenklich zu der Gruppe der Studenten. Als er an Becker vorüber kam. raunte [x diesem zu dessen freilich nicht unerwartet kommendem Schrecken d>e Worte zu: »Tue deine Pflicht. Schleiermacher. Einmaliger Kugclwcchsel W nicht zu verhindern." Daß der Doktor von einmaligem Kugelwcchsel sprach, druckte C"i Tcologen einen Angenblick lang wie Hofsnüngsschimmer. ckber bald schwand dieser ihm wieder:„Die beiden verstehen zn schießen und wollen sich treffen," sagte er sich. David mußte den armen Gabriel zu allem, was er tun sollte, ordentlich stoßen. Nicht daß dieser des guten Willens entbehrt hätte, seine Sekundantenpslichten zu tun, aber er vergaß "."wer von neuem, was ihm eigentlich oblag, und es wurde ihm emmal über das andere immer ganz schwarz vor den Augen, tonu er daran dachte, daß es nun bald blizcn und knallen wurde und— hu, hu, hu— die Leiche, die Leiche— der arme der Frank, eigentlich eine famose Figur iu seiner knappen �ammepeckesche und der hohen, stolzen, schönen Figur! Die Tistanze war bald ausgemessen, die Pistolen geladen, � Becker mußte beide laden. Gabriel bat ihn dringend darum er hätte dieses Geschäft im Leben nicht fertig gebracht,— dann stellten sich die Duellanten einander gegenüber auf. ... David hatte seine» Plaz so wählen lasse», daß er dicht an der; G'che stand. 1 Ter Unparteiische— David hatte seinem Gegner dessen Wahl überlassen— zählte: „Eins—— zwei——— Beide standen hochaufgerichtet einander gegenüber— bei keinem zuckte auch nur eine Wimper,— Fraukes Augen blizten mutig und stolz, aber seine Gesichtsfarbe war doch um einen Schatten bleicher, als sonst. Er hatte, im ersten Augen- blicke, wie man es beim Schießen zu tun pflegt, eine etwas schräge Stellung eingenommen. Jedoch er sah, daß ihm David die volle Breite seiner Brust zukehrte und so wandte er sich denn auch in ganzer Front nach ihm hin. Der Unparteiische hatte ungewöhnlich lange gezögert, jezt sagte er: „—— Drei!" Blizschnell erhoben beide Duellanten die Pistolen, zwei Blizc schössen aus ihren Mündungen,— aber nur ein Knall,— der Pulverdampf umhüllte einen kurzen Moment beide Schüzen,— als er sich lichtete, sah man Frank wanken,— man sah, daß er sich auf das gewaltsamste anstrengte, sich ausrecht zu halten, — Becker und der Doktor sprangen ihm bei— er fiel ihnen in die Arme. David dagegen lehnte, wie gänzlich unversehrt, an der großen Eiche,— so schien es von weitem. Seine Lippen lächel- tcn, seine Züge hatten die unheimliche Starrheit verloren— aber seine Augen waren geschlossen und als der Schuß gefallen war, hatte er Haßler noch schneidend und scharf zugerufen: „Haßler den Brief— sofort." Als- Häßler zusprang,— er sah, daß das die anderen bei Frank taten,— so bemerkte er, daß David nicht an der Eiche lehnte, sondeni hing, er hatte den linken Arm über den einen ties zur Erde nicderhäugenden Eichenzweig geschlagen und ans diesem ruhte die Last seines Körpers. Dieser tvar steif und starr. David antwortete Haßler nicht, atmete nicht mehr. „Um Gotteswillen, er ist tot,—" und in demselben Augen- blicke fiel ihm der Brief ein, auf den sich der lezte Wille des Toten bezog.„Der Brief, Herr Becker, Herr Becker— er ist tot— der Brief." (goMMimg folgt.) d zewt f r#fc in Tiflis.(Illustration s. S. 4C8 u. 469.) Unser faiMp,, nt'e �iraßc der malensch gelegenen Hauptstadt des tranS- snien(S» TifliS und zwar den meist von Asiaten be- linn, sJo Zweirädrige mit Büffel bespannte Karre», mit den e» � Orients bepackte Kameele, Esel und Maultiere füllen die en N dazwischen die mit langen Kaftaus und den bekannten -n.iVr�" dekleideten Perser und Armenier, dann russische Sol- i eurn«».0fnfei1 und allerhand sonstige interessante Figuren au-Z hando.,/-. orientalischen Völkergemisch, da? hier tvie sonst nirgends Afjnsr Dazu die auf der offenen Straße ihre Waaren feilbieten- uffer � in den offenen Buden arbeitenden Färber, Bäcker, der J.1' Goldarbciter, Schmiede, Kupfer- und Waffenschmiede, chend dieser Werkstätten sich mit dem des Straßenlebens ver- sri,»« wan hat ein Bild für Auge und Ohr von dem Treiben htbam, /tt'' Kyrosstadt."— Tiflis ist in einer schönen, höchst ei,,-.» irgend gelegen und amphiteatralisch auf mehreren Hügeln Vit Kesseltale zu beiden Seiten des durchströmenden Kur z uegt 360 Meter über dem Meeresspiegel und besteht auS k>rei Zitadelle, der eigentlichen Stadt, dem Stadtteil Kala nste ,5, Utädten, die von Syriern und Kurden bewohnt sind. Der »e r eil ist der neuere, Garath-Uban genannt, er hat breite Gm,,,.' große Pläze und schöne Gebäude. Tiflis ist der Siz ej,,.,.rururs, des Bischofs von Gnisien, eines annenischen Bischofs iscki»-."rischcn Efendi, es hat 42Kirchcn: 23 armenische, 15 griechisch- Inrfi-a rvnüsch-katolische und 2 tartarische. Außerdem besizt es ein Franziskanerkloster und eine Missionsanstalt, wie auch ein atimZr 0Eet' verschiedene russische Schulen: Gymnasium nebst 2 mni Militärgymnasium, Lehrerseminar:c. und viele christliche wiÄdanische Lehranstalten: eine wertvolle öffentliche Bibliotek sika r?Tf'liche Bcrciue, ein Raturalienkabinet, Münze, Theater und "Iches Observatorium, mehrere Karavaniereis und einen große» 1 Bazar. Es hat eine lebhaste Industrie, welche namentlich Tapeten, ' baumwollene und wollene Zeuge, Waffen und Silberarbeiteu erzeugt. Bedeutend ist der Handel mit Persien und sind deshalb auch stets viele persische Kaufleute zur Stelle, Außerdem aber anch Handelsleute aus Rußland, Europa, vor allem ans Frankreich. Bedeutend wurde der Hckkdel gehoben durch die Kunststraße über den Kaukasus und durch die Eisenbahn, welche von Tiflis nach Poti am Schwarzen Meere führt und somit, wenn auch noch ungenügend, die Verbindung mit Europa her- stellt. Nahe bei Tiflis liegen die deutschen Kolonisteudörfer Nentiflis — das 1819 von Württembergern begründet wurde und dessen Bewohner sich die echte Schwabensilte bewahrt haben— Katharinenfeld, Alexandersdvrf und Etisabettal. Auf den Ruinen des 1795 zerstörten Residenzschlosses der georgischen Könige ist der prachtvolle Palast des kaukasischen Stadthalters erbaut worden Besonders wichtig sind die schönen Bäder in TifliS, worunter 10 heiße, die einen eigenen Stadtteil bilden, denen von Tepliz gleichen, nur stärker in ihrer Wirkung sind, und in neuerer Zeit viel benuzt werden. 1877 hatte Tiflis 91 610 Einwohner ohne die 13 140 Mann starke Garnison. Es soll um 450 von« König Wachtang Gury Aslan gegründet worden sein und lvurde 1395 j von den Mongolen erobert. Im 16. Jahrhundert bereits von den Türken belagert, war es anfangs des 17. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Türkei, wurde von einem georgischen Könige wieder erobert, kam aber anfangs des 18. Jahrhunderts von neuem unter türkische Botmäßigkeit. 1735 wurden dann wieder die Türken von Schah Medir i vertrieben, und 1795 vertrieb der Perser Aga Mohammed Khan den um die Verschönerung der Stadt verdienten König von Georgien, Jrakli, und schleppte 30 000 Menschen in die Sklaverei. Seit 1802 ist es nun unter russischer Herrschast.»rt. 47« Aus allen Winkeln der Zeitliteratur. WiderstandSsähikkeit der Trichinen gegen das Einsalzen deS Fleisches. Nach einer Mitteilung in der Sizung der pariser Akademie der Wissen- schaftcn vom 24. April d. I. verursachte trichinöses Fleisch, das volle >5 Monate in Salz gelegen hatte, bei Mäusen, die man davon fresse» liesj, sehr heftigen Ausbruch der Trichinenkrankheit. xz. Literarische Umschau. 1848—1871 Geschichte der Nenzeit. Bon Eorvin. Leipzig, Grefsner und Schramm. In Lieferungen zu 30 Pfg. Von diesem Werke, welches als ein Volksbuch austritt, liege» die ersten S Lieferungen vor uns. Tie Grundsäze, von denen der Verfasser ausgeht, legt er, ivie folgt, in der Vorrede dar:„Der Hauptfehler der Geschichtswcrke, die von Ge- lehrten geschrieben werden, ist der, dag die Verfasser darin mehr als Geschichtsforscher, denn als Geschichtsschreiber austreten. Der Ge- schichtsforschcr hat die mehr oder minder verborgenen Fäden auszusuchen, durch welche die Figuren bewegt werden, die auf der Weltbiihnc handelnd auftreten, er hat die verschiedenen Berichte und Erzählungen von Zeit- genossen aufzufinden und deren Glaubtviirdigkeit kritisch zu untersilchen, kurz das Material für den Geschichtsschreiber anzusammeln und vorzu- bereiten, bei welcher höchst mühseligen, verdienstlichen Arbeit gar leicht der lieberblick über das Ganze verloren geht. Der gelehrte Forscher vertieft sich oft in das Detail, legt unwichtigen Dingen, weil ihre Er- sorschung viel Mühe machte, größere Wichtigkeit bei, als ihnen zukommt, und kann es sich nicht versagen, mit seinem Scharssinn»nd seiner Ge? lehrsanikcit Parade zu machen. Dadurch werden die Geschichtswerke ge- lehrter Forscher für den gewöhnlichen Leser meistens zu breit, verwirrend und oft langweilig, obgleich sie höchst interessant und wichtig für andere Forscher und namentlich für den Geschichtsschreiber sein mögen.-- Der Geschichtsschreiber hat das Facit aus den Forschungen der ge- lehrten Geschichtsforscher zu ziehen und die Ereignisse und Tatsachen einfach so zu erzählen,>vie sie ihm nach Prüfung aller ihm vorliegen- den verschiedenen Darstellungen wirklich stattgefunden zu haben scheinen. — Zu den besonderen Eigenschaften, die ich von einem Historiker ver- lange, zu dessen Werk das Volk Zutrauen fassen kann, gehört auch absolute Unabhängigkeit. Gelehrte von Fach, Professoren, sind selten unabhängig; sie sind meistens von der Regierung angestellt, weil ihre Gesinnungen und ihr Wirken mit den Bestrebungen dieser Regierung hannoniren. Das Volk, welches nicht selten Grund zu haben glaubt, seiner Regierung zu mißtrauen, wird daS Mißtrauen auch auf Werke ausdehnen, welche von Gelehrten oder anderen von der Regierung angestellten oder abhängigen Männern geschrieben sind, denn„Wessen Brod ich esse, dessen Lied ich singe/' Daß Corvin wegen seiner Teilnahme an der Revolution von 48—49 eine Zuchthausstrafe von sechs Jahren im Zellengefängnis zu Bruchsal abgesessen hat, werden unsere Leser wissen, über seine heutige Lebensstellung schreibt er:„Ich bin durchaus unabhängig in jeder Beziehung, strebe nach keinem Anit oder Orden und brauche weder die Gunst irgend eines Fürsten noch des Volkes und habe keinen anderen Ehrgeiz alS den, mir selbst bis an mein Lebens- ende treu zu bleiben und für Wahrheit, Freiheit und Recht zu wirken und zu kämpfen." Allgkincinwisienschastliche Auskunft. Berlin. Tischler P. Nach einer Mitteilung im„Polytechnischen Journal" kann man Holz vor Schaden durch Feuchtigkeit schüze», indem mau es mit einer Mischung aus 5 Teilen erhiztem Terpentin, 10 Teilen Harz und 1 Teil Sägemehl bestreicht. Bochum. A. Br. Ihre Angaben sind viel zu ungenau, als daß sich dadurch mit einiger Sicherheit auf Ihr Leiden schließen ließe. Sie sagen nicht einmal, ob Sie Appetit haben oder nicht, ob Sie nach ge- ivissen Speisen oder Getränken irgend welche Beschwerden empfinden, ob Sie während der langen Dauer Ihres llebelbesindens einen Verlust an körperlicher Kraft empfunden haben, ob Sie an Erbrechen leiden, ob Sie vor und während des Stuhlgangs Bauchschmerzen und Aus- Ireibung des Bauches fühlen und dergleichen mehr. Erst wenn Sie uns nach den hier nugedeuteten Richtungen hin genaueste Auskunft ge- geben haben werden, können wir bei Berücksichtigung dessen, was Sic über Ihre früheren Ärnnkheiten und die gegenwärtigen Beschwerden bereits geschrieben haben, beurteilen, ob Sie an einem chronischen Magen- katarrh, resp. Darmkatarrh leiden. Das von Ihnen angewandte Mittel — ein Teelöffel Flußsand zur Beseitigung der„Magenverschleimung" — lassen Sie Sich nicht zum zweitenmale einreden. Auch die Winter- scheu Gichtapparate würden Sie nur um Ihr Geld und nicht um Ihre .«rankheit bringen. In jedem Falle halten Sie Sich ausschließlich an leichte Speisen, insbesondere an Milch. Augsburg. R. F. Von den Bädern, welche Ihnen„erfahrene Leute" geraten haben, paßt kein einziges für Hautausschläge, Ge- schwüre und Knochenfraß. Dagegen ist Stachelberg in der Schweiz (Kanton Glarus) zu empiehlen, dessen mildes Klima Ihnen auch zusagen wird. Juni bis Anfang September ist die beste Besuchszeit. Ratgeber für Kesundheitspflege. Kanjbeure». E. Tr. Bei einer derartigen innerlichen Verlezung ist zur Begründung eines nur irgend verläßlichen Urteils die ein- gehendste Untersuchung, hier am besten seitens eines Spezialarztes für t.hrenleiden, notwendig. Wenn Sie die Mittel dazu haben, zu diesem Zwecke mit ihrem Kinde nach München zu reisen, so wird cS Ihnen nicht schwer werden, dort einen geeigneten Arzt zu fiudeu. Redaktious> Korrespondenz. Breslau, gra» Anita B. Ta Sie. wie bereits mehrere andere imler»nsre» Lesern, danach fragen, wie man die Pflege der vluineniwiebcln am denen einzurichten hat. so geben wir eine von einer dcriilimtcn haartemer HanSeisgärincrei der- rührende Borschrist wieder. Danach soll man die Hyazintcn im Monat Oktober oder November, in Zoll hohen Töpscn in aller Landcrdc. vermischt mit allem Dünger vom vorigen Jahre, oder in gewöhnliche Gartenerde, vermischt mit ein wenig Sand, da Spize der Zwiebel ungesähr>, Zoll unter der Oberfläche der Grde, die nicht zu sehr zu- sammengcdrückt werden soll, auibewahrc». Man»ergräbt die Döpsc zwei bis drei Zo» unter der Erde an ziemlich Irockner Stelle und schiizt sie gegen Fron durch Bcdcrknng. Etwa nach S Wochen, wenn die Wurzel» gut ausgewachicn sind, sezt man die tSgi*' entweder im Mistbeet oder Treibhaus dem Lichte aus oder bringt sie ins Zimmer und stellt sie an ei» Fenster, damit sie täglich einige Stunden von der Sonne deichiene» werden. Abends und besonders auch wenn es stiert, stelle man den Biumenständer>r. mit den Töpfen mehr in die Mitte des Zimmers, aber nicht zu nahe an den Osem Die Töpfe werden wöchentlich S—»mal beleuchtet. Den Stengel, wenn er eine gewiiis Höhe erreicht hat, binde man an ein Tlöckche».— Zieht man vor. die Hvazintcn aus Gläsern mit weichem Wasser zu treibe», so achte man daraus, dajj der Unterteil der Zwiebel ftclS mit der Walicroberfiächc in sast gleicher Höhe bleibt. Beim Füllen der Gläser bringe man eine Prise Salz ins Wasser, damit leztercS nicht trübe werde. E- ist am besten, wenn man die mit Zwiebeln dcslciile» Gläser zuerst während einiger Wochen an einen trorlncn, sinstcrn Ort stellt, damit die Zwiebeln schneller Wurzelt bilden können. Dann sezt man sie ans Fenster und, um den Stengel aufbinden t» können, befestigt man eine» geraden Eiscndrat an das Glas. Alle Sorte» von Hhä' ztntcn können nicht auf Wasser getrieben werden, daher ist es gut, wenn man bei«e- stcllungcn der betreffenden Gärtnerei in dieser Beziehung seine Wünsche kundgibt. Zur besseren Bildung der Blüten ist es gut, die Zwiebeln nicht zu früh zu treiben. Du ans Gläsern über Wasser getriebenen Hhazinten sind nach dem Blühen unbrauchbar zu weiterer Bcrwcndung geworden, während Tops- und Gancnhhazintc» immer auss»eur zu verwerten sind. Nimmt mau statt des bloßen Wassers eine Nährsalzlösung. 1° können auch die auf Wasser gezogenen Hhazinten, nach gehörigem Ausruhen. N'icdcr bcnuzt werden. Ei» solche« Stährsalz besteht auS: S» GewichtSteilen«alknitra»,"J Teilen Chlorlalium, 28 Teilen Kaliumphosphat, 6 Teilen Magnesium, ülsat. 4 Teile» Eisenchlorid. In 1000 Teilen Wasser löst man von dieser Nährsalzmischung, die•» jeder Apolckc bereitet werden kann, einen halben SewichtSleil auf und füllt damit du Hhazintcngläser.. Baltimore. P. P. Sie wünschen, daß wir Sie als„ständigen Korrespondenteu anstellen und Ihnen„ein anständige» monatliches Fixum bewilligen," dafür versprecht» Tic un«„entsprechende Arbeiten, Schilderungen von Land und Leuten, Reiseabenteuern. Amcricana aller Art" einzusenden. Wir haben nicht das Bergnügen Sie zu kenne»- Sie berufen Sich aus niemand und eine Probe Ihrer schrislitellcrische» FähigkeUcn verschmähen Sie uns zu geben. Run— entschuldigen Sic srenndlichst. vielleicht isi amerikanisch, die Lazc und die Korrespondenten im Sacke zu kausen, deutsche Titte>» das nicht. Oder sollte es nur amerikanisch sein, die Leute zu verlocken, daß sie du Kaze im Sacke kaufen?- ,. Heidelberg. M. B. Einsendung erhalten. Urteil bald. Wünsche der Erpe» tion mitgeteilt. F. dl. Gruß. Sprechjaal für jedermann. Ausrus. Die Herren Withelm Gierspeck, Gärtner auS Zerdst, sein Sohn Otto Gierspcck iverden hiermit siebele», der Unterzeichnete» durch die Redaktivn der„Renen Welt" baldigst Nachricht zugehen L* lassen. Auch jedem Dritten, der über den Verbleib der Genannten, lvelG 1879 nach Amerika auswanderten und sich zuerst nach Philadelphia lu' geben ivolllen, der nnterzeichneten Pflegetochter des Ersterwähnte» Aw nmft geben wollte, würde dieselbe aufrichtig dankbar sei». Berlin, 27. Mai 1882. Marie Krüger. Inhalt: Benchlungene Lebenswege. Roman von Franz Canon.(Forts.)— Sommer und Winter Eine Studie aus dem deutiäü Bolksliede. Von F. Volkmar.(Schluß.)— Die Falascha. Eine etnographische Skizze.(Forts.)— Im Kamps wider alle. Roman mm tffr binand itiller.(Forts.)— Eine Straße in Tisli».(Mit Jllnstration.)— Aus nUcit Winkeln der Zeitliteratni: Widerstandssähigkeik der 7�' diineu gegen das Einsalzen des Fleisches.— Lilerrnische Nmschau: 1848-1871 Geschichte der Neuzeit. Bon Eon'in.— Allgemeinwissenschafll'� Anstunst.— Ratgeber snr Gesundheitspflege.— RedaktionS Korrespondenz.— Sprechsaal für jedermann. Verantwortlicher Redakteur Bruno Geiser in Stuttgart. Redaktion: Nene Weinsteige 23.— Expedition: Ludwigstraße 26 in SlnttgaA. Druck und Verlag von I. H. W. Dich in Stuttgart.