m: &u. Jlliistrirtes Unterhaltungsblatt für das Noll. Erscheint ivvcheiitlich.— Preis vierteljährlich 1 Mark öO Pfennig.— In Hefte,, a 35 Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postäniter. Werscbtungene Lebenswege. Roman von Kranz Larion. (14. Fortsezung.) 1. Der Dreikonigstag. �ie Reujahrszeit bringt den Londonern lustige �.age, namentlich der Dreikönigstag, der lezte. mit dem die geheim- uisvollcn.Zwölfnächte' zu Ende gehen, ein Feiertag im vollen «'"»e des Wortes, ein wahrhafter Volksfeiertag für ganz Eng- jjchd und besonders für dessen riesengroße Hauptstadt. A» dn'sem �age regiert der Twelfth-cakr Iber Zwölft- oder Königskuchen), e>n uralt berühmt Gebäck, in welchem sonst eine Bohne für die Königin und eine Erbse für den König cingcbacken wurde, wae. zur der jungfräulichen Königin Elisabet der Fa jvar, aber in der langen Zeit von damals bis ans nnsere-�agc Mst ganz abgekommen ist........ Der jezige Königskuchen(twelfth-cakc) ist. der Regel und weiß und mit mehr vdcr weniger geschnölkelten nnd gezackten farbigen Papierkränzen eingefaßt. Auf seiner �ber- stäche befindet sich gewöhnlich ein hoher gotischer Dom, von oben "'s»»teil durchsichtig aus Kandiszucker gearbeitet, und um dies architektonische Meisterstück präscntiren sich eine Menge kleiner Konditorkunstwerke in den ivillk.irlichste» Zusamnienstellungen. Uvn denen jeder Gast sich etwas zur Erinnerung mit nachHanse »nnint. Nur der eigentliche Kuchen wird gemeinschaftlich vcr- zehrt, ßm Königspalast, in den Häuseni des hohen Adels und aller Vornehmen und Reichen, wie in den bürgerlichen Onar- ''eren. wo man behäbig lebt, ist der Königskuchen heimisch. gehört nicht unter die Seltenheiten, wenn der Welfth-cake f."' Pfund Sterling zu stehen kommt. Der Königskncheii st'r die königliche Familie in Windsor ist nicht selten 5 Fuß hoch und 100 Pfund schwer. .. Alle Kuchen-, Pfefferkuchen-, Zucker- und Schweizcrbacker stnd am Dreikönigstage schon lange vor Morgensanbruch be- ichäftigt, ihre Schaufenster so glänzend als möglich aufzupuzen a»d zu beleuchten, um ihre des Süßen und Schmackhaften in Menge bietenden Schaustellungen»ach Möglichkeit zu empfehlen. Noch in tiefer Morgendänimening, die mit eincm gewöhnlichen Frühnebel, der als grauer, dichter Vorhang über die ungeheure Stadt niederhängt, alles Grau in Gran überhaucht, hat sich der Haupttrupp der Neugierigen eingefunden... es ist dies die liebe Stultgatl, 8. 3 Uli 1888. Straßenjugend Londons, deren jeweiliges Gebahren freilich nicht zu den Annehmlichkeiten der gewaltigen Themsestadt zählt. Von dieser Straßcnjngcnd kann niciiiand mit Recht sagen, sie sei zu- geknöpft, im Gegenteil, sie ist sehr- lebendig und ihre Späße und Wize haben jederzeit den Beigeschmack kerniger Grobheit. Am Dreikönigstage belagern sie förmlich die Kuchenbäcker- laden, und wo diese maulfertige Gesellschaft sich eingefundrn, sammeln sich gewöhnlich Gleichgesinnte zu dichten Haufen und es würde nicht möglich sein, daß Käufer in oder aus Läden treten könnten, ohne behelligt zu werben, wenn nicht Konstabler hier auf freien Weg nnd Ordnung hielten. Damals... man schrieb das-Jahr 1821... enthielt das Parterre des großen Eckhauses, welches an der Passage Strand sich befindet nnd mit einer ziemlich langen Fensterfronte in die kleine Straße Brdford vorläuft, eine Schweizerbäckerei ersten Ranges. Es war nur natürlich, daß ein Geschäft von so großem Renommäe, in dessen Anslagefenstern wahre Wunderwerke der Back- nnd Konditorkunst prangten nnd dessen drei große Vcr- kaufsräume von außerordentlicher Lichtfülle strahlten, eine Menge Neugieriger herbeizog. Plözlich brach ein allgemeines Gejohle, ein wieherndes Ge- lächter los. Man jubelte wie toll und schrie ans Leibeskräften Bravo. Ein Stoßen und Zerren machte den Menschenhaufen bald nach rechts bald nach links hin schwanken gleich einer Scholle Treibeis, die zu beiden Seiten ihres Fahnvassers an fest gesrornem Packeis aiikantct. Die Ursache dieses wüsten Ge- Kahrens fand sich in dem gemeinen Spaße„eine Anzahl Leute zusammen zu nähen". Mit meisterhafter Geschicklichkeit und Schnelligkeit waren Rockschöße und Frauenkleider einer Anzahl Personen, ehe sie sich dessen versahen, mit Zwirn oder Steck- nadel zusammen geheftet worden, nnd die Urheber dieses Juxes warteten in aller Stille des Augenblicks, wo einer oder der andere der wie aneinander hängende Glieder einer Kette sich fortbegeben wollte und seine Nebenbcute mit sich riß, ivas na- türlich Schreien und Schimpfen vcranlaßte, aber mich gleich- zeitiges Halloh der Täter hervorrief, das lveit in die kleine Bed- fordstraße hineinhallte. „Verdamintc alte Hexe!" rief eine zornige Mäuucrftiminc. I» immii 1 M —■ ___ mmtmmmtmm ■*' v"- „Was hältst du meinen Mantelkragen mit deinen Krallen fest? | Last los, sage ich dir!" „Was? Was? Eine Hexe wäre ich und meine Hand nennst dn eine Kralle, Halunke?" schrie ein langes dürres Weibsbild mit sehr gelbem Gesicht und gellender Stimme.„Daß dein' kurzer Hals dafür in einem der schmucken Halsbänder stecken möchte, wie mein Schwiegersohn sie seinen guten Freunden um- legt, wenn sie sich die Lunipenbrut ans Erden aus der Höhe ansehen sollen." Die Tllte hatte diesen Wunsch so laut geäußert, daß alle, die nicht zu fern von ihr standen, ihn sehr deutlich verstehen konnten. „Die Lilli! Die Lilli! Henkers Schwiegermutter... Teufels Untcrsuttcr!" schrie ein Teil der gottlosen Gesellschaft, für die es kein größeres Vergnügen gebe» konnte, als die Alte in Zorn zu bringe», die einmal in Aufregung vcrsezt, ohne Anstoß ein ganzes Register von Fluch- und Schimpfwörtern loszuvrgeln verstand und jezt die Gelegenheit dazu für sehr geeignet zu halten schien. Während dieses widrigen und durch Gejohle in allerlei Ton- arten zum Skandal aufgewachsenen Auftritts trat der Konstabler, welcher die Ordnung aufrecht zu erhalten hierher befohlen worden war, an den Mann heran, dessen Mantelkragen noch mit Lillis Kleid zusammen geheftet war und flüsterte ihm zu:„Master Zecco, hier haben Sic mein Taschenmesser, schneiden Sie den Nähfaden durch und dann eilen Sie so rasch als möglich fort... 's ist kein guter Umgang mit dem alten Ungetüm." Dieser Weisung zufolge war Zecco eben im Begriffe, den in Rede stehenden Faden mittels eines Schnittes von dem Kleide Lillis zu trennen, als diese so nahe Verwandte des Henkers eine zufällige Wendung machte und ihn in dieser Beschäftigung überraschte. Ein wilder Schrei entflog ihrem Munde.„Daß dich der Bliz erschlage, schäbiger Schurke! Mein Kleid willst du zerfezen?" kreischte sie wütend und riß ein unter ihrem linken, von einem kleinen Umschlagetuch verhüllten Arm getragenes Päck- che» hervor, streifte dessen Papierhiille mit einem raschen Strich ihrer dürren Finger ab und schwang ohne Zögern ein paar zu- sammcn gebundene noch neu aussehende Stricke in der Luft, als wolle sie Zecco einen Hieb vcrsezen. Tie rüde Gesellschaft- prallte voll Entsezcn auseinander. Sie kannte diese Waffe des alten Weibes, vor der sie Scheu cm- Pfand. Es waren Halsschlingcn, welche Lillis Schwiegersohn, der Henker, den zuni Strang verurteilten Delinguenten als lczten Schmuck, den das Leben ihnen bot, um den Hals gelegt hatte und welche nach der gesezlichcn Zeit, da man den Tod dieser „Abgetanen" als erfolgt annimmt, ihm als Eigentum zufallen, mit denen ein immerhin gut rentirender Handel betrieben wird. Seit uralter Zeit herrscht der Aberglaube, daß alles, was ans Henkers Händen kommt, gewisscrmaßer gefeit sei und Glück bringe, und deshalb haben Spieler, Betrüger, Abenteurer und dergleichen vom Stegreif oder Zufall Lebende sich solcher Hilfs- mittel bedient... von diesen Stricken, die unter den leztcn Zuckungen der Verbrecher sich gedehnt hatten, ein kleines Endchen bei sich getragen, verbürgt... so glaubt man... den sichern Erfolg bei schlechten Taten, so wie man sich auch überzeugt hält, daß ein Schlag mit dieser Henkcrlvaare den davon Berührten als dcreinstigen Galgenkandidaten bezeichnet, weshalb jeder sich einem solchen möglichst entzieht. Wer hätte sich also einer derartigen näheren Bekanntschaft mit der alten Lilli aussezcn sollen, da man sie als halb verrückte böse Sieben kannte? Um so größer war die allgemeine Vettvunderung, als man sah, daß sie ihre gefürchtete Waffe im Schwünge plözlich zurück- hielt, statt sie auf Zecco niederfallen zu lassen, dessen Gesicht leichenbleich geworden, während über das häßliche Gesicht der Alte» ein feixendes Lachen hinglitt. „Hast Angst, Zuckerkind? Nein, keine Angst... ich schlage dich nicht... gewiß nicht," sagte sie.„Gehörst ja so zu meines Schwiegersohns Sippschaft... sehe dir's an... und ich bin viel zu sashionabel wie eine hochgcborne Lady, um seine guten Freunde zu beleidigen." Sie ließ dieser eigentümlichen Tröstung ein halblautes Gekicher folgen. Unterdes hatte der Konstabler aus Zcccos herabhängender Hand das Messer genommen und rasch den Faden durchschnitten, welcher dessen Mantelkragen und Lillis Kleid noch zusammen geheftet hielt. Die Alte machte ihm keine böse Miene darüber und zupfte mit großer Ruhe das Stück herunterhängenden Faden ans ihrem Gewände, hob dann die auf den Boden gefallene Papierhülle auf, in die sie die Stricke wickelte und dann Zecco wie einem Herzensfreund zunickend, schritt sie unbekümmert Irnich die kleine Bedfordstraße hin, wo sie bald verschwand. „Nun, Master, hat Ihnen die alte abscheuliche Vogelscheuche nicht Spaß gemacht?" fragte der Polizeimann.„Weil Sic in Ihrer Galerie eine Sammlung Räuber und Mörder haben, glaubt sie, Sie gehören auch zu dieser säubern Sippschaft. Ist das nicht lustig?" „Ja wohl... sehr lustig." In dem Tone, in welchem er diese Beistimmung äußerte, klang aber nichts heraus, was sich ans Heiterkeit hätte deuten lassen.„Wie mag sie mich nur haben kennen lernen? Ich habe sie nie gesehen." „Sie haben das alte Gespenst nur nicht beachtet, wollen Sie wahrscheinlich sagen. Wie Hofbediente, Kammerherren und solche vornehme Gesellschaft es nicht unterlassen, Ausstellungen zu be-'3 suchen, wo die Portraits großer Potentaten zu sehen sind, gerade so denkt auch die Sippschaft des Henkers, wenn seine Galgen- zöglinge so täuschend nachgeahmt, Wiedas in Ihrer Galerie der Fall ist, von ihr beaugenscheinigt werden können. Das ist jedenfalls..."-i Der Konstabler mußte seine Erklärung unterbrechen, um Ordnung unter der Menge zu stiften, die vom Strand in die Bedfort- Street herein drängte, die Herrlichkeit der Schweizer-; bäckerei anzustaunen; Zecco erblickte einen Omnibus, der die Tour nach der Endstation des Strandes Charing croß befuhr; es gelang ihm einen Siz darin zu erhalten und so verließ er denn den Plaz, wo er eine Bekanntschaft gemacht, bei deren Erinnerung ihn ein Schauer dnrchfröstelte, als fühle er den An- j zug eines kalten Fiebers. War es der feuchtkalte Nebel, dem er sich vor der Schweizer- bäckerei ausgesezt, welcher ihn so eisig durchdrungen, daß selbst sein Mantelkragen, den er dicht um sich gezogen, ihn nicht er- wärmen konnte? Nein, der Nebel hatte das nicht getan, wohl aber, daß die alte Lilli in ihm einen von ihres Schwicgcr- sohnes Sippschaft erkannt und ihm dies einfach mit den Worten „sehe dir's an" versichert hatte. Wie? trug er das Zeichen eines Verbrechers an seiner Stirn,' gleich Kam, dem Bruder- mörder? In tiefes Schweigen versunken durchfuhr er die nicht allzulange Tour bis zur Station Charing croß, wo er mit Bc- stimmtheit wußte, ein Cab zu finden, das ihn zur Galerie am Hydepark corner bringen würde. Trafalgar Square, der große schöne Plaz, dessen Mitte Nelson's Monument trägt, während sein nördlicher Teil durch die National- galcric begrenzt wird, wurde damals, also vor sechzig Jahren, i noch von einer Menge winklicher Straßen bestanden, welche König Georg der Vierte entfernen ließ, wodurch der sehr umfangreiche Flächcnraum frei von verhunzenden Gebäuden wurde und Licht i und freie Luft empfing. Der südliche Teil des großen Plazes heißt Eharing croß, von einem vor langen Zeiten von König Eduard I zum Andenken an seine Gemahlin Eleonore errichteten, Kreuze, das im Verlauf der Zeit entfernt wurde, der Name aber ist geblieben. Hier endigt der Strand und Omnibusse(von- den Engländern nur„Bus" genannt), Cabs und andere Wagen haben hier ihre Stationen. Troz des sich tief senkenden dichten Nebels, der den Gc- J brauch von Fahrgelegenheiten nötig machte, hatte Master Zecco| doch Glück genug, um eins der leichthin rollenden zweirädrigen: Cabs für sich zu finden. In einem kleinen halben Stündchen' befand er sich vor dem großen Eingang in die Galerie, deren. Tor ihm der Portier auf sein Klingelzeichen öffnete. „Wir haben die Lampen noch brennen lassen müssen, Master; Zecco," berichtete der Mann diensteifrig.„Die Dunkelheit in den j Sälen ist zu groß." ,]cccü nickte ihm zu und schritt ins Kasseiiziniincr vorcin. «La würde vielleicht gnt sein, Muster, ivenn Sic eine Tasse Miwarzcn Kaffee zu sich nehmen wollten," äußerte jener.„Der 'I)cnliche Nebel hat Sie zu sehr angegriffen, Sie sehen ganz rrsroren aus." ich bin einen Teil des Weges bis zur Bedfvrdstraßc tfufjc gegangen, weil ich weder ein Cab noch einen Omnibus um'n �cm i''r""ch ein Plaz übrig gclvesen wäre. Bei solchem edel kann man nicht mit Gewißheit darauf rechnen." % i �oGcn Sic ein tüchtiges Stück Wegs gemacht, von ilsord lanc bis Bedfordstraßc ist grade kein Kazcnsprung. Ich '""de den Kaffee bestellen." .»�ber rasch... und ein Glas Cognac dazu, diese Mischung wird mir wohltun, glaube ich." - rf» � keine Frage, MastcrZecco," bejahte der Portier.„Margarit fV ch" OWch bereiten, sie versteht sich prächtig darauf, nnsre c>gc Signora Marcella war in den« Punkt immer sehr zu- en mit ihr." Er lies eiligst zur Tür der Kassenlogc. .Wohin wollt Ihr?" .Ei nun Master, in dem kleinen Closct hinter der Kassen- �vge. ivo Signora ihren Kaffee einzunehmen pflegte, will ich de» �hnstuhl an den Tisch rücken." .Margarit soll mir den Kaffee in den Saal bringen. Eilt!" Mit ein paar Schritten verschwand der redselige Mann aus cm Kassenzimmcr; Zecco ging dem Saale zu. Ehe er dessen ur vssnete, überkam ihn ein Zucken, daß wie ein Blizstrahl wmc kräftige Gestalt durchfuhr. Unwillkürlich wendete sich sein 1"bi nach der Kassenlogc zu, hinter der die verstorbene Signora ' jlc �chaalc Kaffee zu trinken pflegte. Er atmete schwer auf, Mangle es ihm an Atem... dann fuhr er mit der Hand er die Augen, wie man tut, wenn das, auf was sie trafen, �liieu erschreckenden Eindruck bewirkt hat. Dieser konnte jedoch mr von sehr kurzer Dauer sein, denn von innen drückte jemand nftig die Türklinke nieder. �Vorsichtig!" rief Zecco. e Heraustretende war einer seiner Arbeiter, der mit großer N Ui f"t um Anschuldigung bat und ihm sogleich den von, •� durchfeuchteten schwer gewordenen Mantelkragen abnahm. Säninitliche Leute seines Ateliers waren versammelt, um w'-If■ICUC �"blcaux aufstellen zu helfen, ivelchc mit der biblischen ."laichte dieses Tages in engstem Zusammenhange standen und �"gleich als eine besonders gute Spekulation in Beziehung auf Schaulust des londoner Publikums berechnet ivar. Tic An- "'Mg der drei Könige aus dem Morgcnlandc, ein plastisch- "'"es Figuren- und farbenreiches Bild, das ausnahmsweise ' die englischen Herzen ergreifen mußte, welche ja, wie allgemein bekannt, religiösen Betrachtungen ungemein zugetan sind. Das zlvcitc Bild bot, wenn auch nicht so farbenreich, als jenes, doch eine Beranschaulichnng eins der erhabensten Ereignisse aus der Kindheit Jesu: seinen Besuch in seinem zwölften Lebens- jähre im Tempel zu Jerusalem. Alles war zur Aufstellung beider Tableaux vorbereitet, und man legte, nachdem Zecco den Fiebcrfrost durch den Genuß des starken heißen mit Evgnac gc- mischten Kaffees aus seinem Blute verdrängt hatte, Hand an die Arbeit. Die Blässe verschwand rasch aus dem Gesichte Zcccos, es wurde rot von dem heißen, starken Tranke.„Das ist ein probates sicheres Mittel" sagte er leise zu sich...„es nimmt Furcht und Angst weg und ist billig. Ich werde es allemal in Anwendung bringen, wenn mich ein solcher abscheulicher Zu- stand wieder überfällt... es hilft schnell." Das Ende der zwölften Stunde, als die Galerie um die beiden schönen Tableaux bereichert worden, ivar herangekommen. Zecco entließ die Leute, nur zwei Aufwärter blieben bei ihm, um die Fußteppiche in Ordnung zu bringen und die Ruhcstühlc für das Publikum aufzustellen. Nachdem auch dies geschehen, war Master Zecco eben im Begriff, die Galerie zu verlassen, als ans den Hinteren Sälen ein dumpfes Gepolter hörbar wurde. „Was ist das?" fragte er nach seinen beiden Leuten sich umsehend. „Ja, Master, wer kann's wissen?" entgegnete einer.„Da muß etwas gefallen sein." „Kommt! müssen sehen, was es gewesen sein könnte." Sie schritten aufmerksam in den Sälen zurück... nirgends in den Tableaux war nur das Mindeste zu erspähen, was außer der Ordnung gewesen wäre. „Das ist doch seltsam!" äußerte der Vorangehende.„Ja, wenn ihr das Gepolter nicht auch gehört hättet, wollte ich glauben, ich hätte mich getäuscht." „Nein, wir beide haben es ja auch gehört," meinte einer der Leute und sein Kamerad sagte:„das muß in der Vcr- brcchcrkammer gewesen sein, ich kann mir's nicht anders denken." Während Master Zecco einige Augenblicke stehen blieb und in den Saal zurückschaute, den sie eben durchschritten, gingen die beiden Aufwärter voran und bald horte er ihre Stimme»... sie schienen die Ursache des Gepolters entdeckt zu habe». Nu» erst eilte Zecco ihnen nach. r. solche Vermittlungen wurde es möglich, auch die ,!'C1' 111 den literarischen Prozeß hineinzuziehen. Im 17. J hundert waren es fast ausschließlich Fürstinnen gewesen, die sich daran beteiligt hatten, während im 18. die Frauen überhaupt, sofern sie schön und gebildet oder auch nur das lczterc waren, Einfluß gewannen. Moliöre hatte die Kartcsiancrinncn des Hotel Rambouillet noch in seinen ,,Pr6cieuses ridicnles" verspottet, aber nun wurden die Frauen ein Hauptelcment bcr literarischen Bewegung, indem sie sich mit Bewußtsein an die Spize der Salons stellten, in denen Kritik über alles geflogen ward, oder indem sie die Bestrebungen eines Autors Jahre lang mit ihrer vertrauten Teilnahme förderten, wie Voltaire von Frau v. Chätelet, Rousseau von Frau v. Warens, Frau Dnpin und der Marschallin v. Luxcmbonrg, Diderot von Sophie Voland, d'Alembert von Frl. v. Espinasse, Marmontel von Frau Groffrin angeregt und nnterstüzt wurden. Tie Königinnen Frankreichs hatten sich nicht nni Literatur gekümmert, aber Frau v. Pom- padour tat es. - 51 In Paris konzentrirtc sich damals nicht blas die französische, sondern auch die europäische Gesellschaft; hier vereinte sich nicht nur der Adel aller europäischen Stationen, die Blüte aller Schau- spiclcr, Sänger, Tänzer und Musiker, ein Heer von wizigen Abbes, eine Legion von reizenden Hetären, sondern auch eine Auswahl aller Talente, die in der Wissenschaft empor strebten. Diderot, d'Alcmbert, Rousseau, Marmontel und viele andere| arbeiteten sich von unten nach oben empor. Talent, Schönheit, Wiz, Bildung machten gesellschaftsfähig. Die Aristokratie der Geburt wie die des Geldes dursten nicht mehr als solche allein auf Anerkennung rechnen. Wenn man reich, aber dumm war, so mochte man wizigen Schmarozern gute Diners geben, respek- tirt ward man deshalb nicht. Reiche Finanzmänncr, wohlhabende Schauspielerinnen, verschwenderische Tänzerinnen, vermögend gc- wordene Mannfakturisten u. a. fingen an, ein Haus zu machen und die Berühmtheiten des Tages bei sich zu sehen. Ter Reiz der geistigen Erregung, der guten Unterhaltung, der wizigen Plauderei, der Neugierde, der Kritik der Tagesereignisse überwog die Rücksichten, die man früher genommen hatte. Die Stände fingen an sich in der Gesellschaft zu mischen. Angesehene Fremde, englische Lords, Gesandte, kleine deutsche und italienische Fürsten brauchten sich ohnehin nicht an die Etikette zu binden und suchten gerne die Stätte» auf, wo sie unter Künstlern, Gelehrten, Staats- männern, Philosophen sich auf die Höhe der damaligen Bildung vcrsezen konnten. Ter Salon wurde einer der gewichtigsten Hebel des damaligen Bildnngs- und Literaturlebens; an ihrer Spize standen meist Frauen, welche, wie Voltaire scherzend sagt, eine» oder zwei Schriftsteller als Minister zur Seite hatten. Doch wußten auch einzelne Schriftsteller selbst, wie Holbach und Hclvetius, durch glänzende Bermögensverhältnisse begünstigt, treff- lich den Wirt zu machen. Tie eigentliche Schöpferin der Salons war d'Alembert's geistreiche, aber zugleich leichtfertige und hartherzige Mutter, Frau v. Tcncin; in ihrem Salon verkehrten hauptsächlich Fontcnclle, Marivaux, Montesquieu und Bolingbroke. Mit Schmerz mußte sie aber sehen, wie ihr das Sccptcr von Mad. Gcvfsrin entwunden wurde; diese eröffnete ihre» Salon 1768. Tic>var von bürgerlicher Geburt und heiratete einen Obersten der Rationalgardc, der die erste deutsche Spiegelnianufaktur er- richtete, ein Privilegium darauf erwarb und einen bedeutenden Gewinn daraus zog, welcher e? seiner Frau möglich machte, Ge- lehrte und Künstler zu nnterstüzen und jeden Montag und Mitt- woch ein großes Diner zu geben. Montag für Künstler und Kunstfreunde, Mittwoch für die Philosophen und deren Anhänger. Es war nicht der Luxus der Bewirtung, welcher anzog, sonder» der Reiz der lebhaften Unterhaltung; nie aber durste diese das Maß leichter Anmut überschreiten; erhob sich irgend etwas Schroffes und Bcrlczcndcs, so rief die Gebieterin mit einem lächelnden:„Meine Herren, es ist genug" die Streitenden so gleich zur Ordnung. Später, außerhalb des Salons, wurden die Fragen dann Ivohl wieder aufgenommen; Morellet erzählt in seinen Memoiren, wie d'Alembert, Raynal, Hclvetius, Galiani. Marmontel, Diderot nach deni Diner in der großen Allee des Tnileriengartens ans und ab ivandclten, einem Gespräche sich überlastend, so belebt und frisch,>vic die Luft, welche man einatmete. _ Es zeugt von der Bedeutung und dem Einfluß dieses Salons, daß, als Mad. Geofstin im Jahre 1766 ihren Schiizling, de»' Höing Stanislaus von Polen, in Warschan besuchte, sie der polnische Adel völlig im Triumph empfing. Auch am Hofe in Wien erhielt sie die größte Auszeichnung, und die Kaiserin Katharina zu Petersburg beehrte sie mit einer Einladung zur -iafcl. D Alembert, Morellet, Marmontel, empfingen von ihr nicht unbedeutende Jahrgeldcr und ehrten sie. als sie 1777 starb, jeder durch eine kleine ihrem Andenken geividmetc Schrift. Eine liebenswürdige Erscheinung war Julie de l'Espinasse, die Freundin und Bertraute d'Alembert's und, wie dieser selbst, ein Kind der Liebe. Bon ihrer Mutter, der Gräfin d'Albiom niemals anerkannt, aber von derselben als armes Waisenkind erzogen, war sie, 22 Jahre alt. als Gesellschaftsdame zu Mad. - 11 du Dcffans gekommen, von dieser aber, nach zehnjährigem j Aufenthalt bei ihr, in eifersüchtiger Leidenschaftlichkeit entlassen worden. Seitdem wurde sie der Mittelpunkt der angrrcgtcsten Geselligkeit. Ohne Vermögen, ohne Geburt, ohne Schönheit war es ihr nichtsdestoweniger gelungen, in ihrer Wohnung eine sehr zahlreiche, mannigfaltige und geistreiche Gesellschaft zu versammeln; es war ihr im höchsten Grade die so schwere und köstliche Kunst angeboren, den Geist anderer anzuregen und ihn fruchtbar zu machen. Da sie nicht reich genug war, sich auf eine kostspielige Bewirtung einzulassen, entschloß sie sich von aller Bewirtung, ein Glas Znckerwasscr ausgenommen, abzusehen. Diese ökono- mische Neuerung tat aber der Geselligkeit nicht nur keinen Ein- trag, sondern steigerte sie und ihr Salon war der glänzendste, was den geistigen Gehalt betrifft. Das gute Esten und Trinke» war überhaupt Nebensache; die Diners und Soupers sollten nur die Gelegenheit für das Gespräch sein. Bei den Soupers der Frl. Quin ault z. B. stand in der Mitte des Tisches ein Tinten-: saß, damit jeder der Gäste sogleich seine Gedanken niederschreiben konnte und hier wurden viele pikante Brochürcn verfaßt. Epochen- j weift herrschten verschiedene Temata vor; zwischen 1740—50 j matcmatischc und physikalische; zwischen 50—60 philosophische; j zwischen 60— 70 ökonomische; zwischen 70— 80 Politische; mo-| ralische und ästhetische waren immer gleich sehr kultivirt. Die Anzahl der Personen, welche sich in den Salons bewegten, war übrigens nicht sehr groß; 20 Personen scheint schon das Maxi-| niunl gewesen zu sein; Massen, wie sie heutzutage ohne allen geistigen Gehalt und Austausch die Zimmer füllen und jede Individualität schon in der quetschenden Enge des Raumes sich erdrücken, existirten noch nicht. Freier noch als diese Damensalons war der Salon des Baron Holbach, wo sich das höchste philosophische Interesse konzentrirtc, Ivo die extremsten Meinungen gleiche Berechtigung hatten, sich rücksichtslos allen Konsequenzen hinzugeben, wenn man nnr die Toleranz gegen Andersdenkende bewahrte. Mit unbefangenster Freiheit besprach man alle Fragen der Religion, Philosophie und Politik. Derselbe Kreis versammelte sich bei Hclvetius, nach besten Tod(1771) seine Frau sich nach Auteuil zurückzog, wo sie mit Morellet, Laroche, Cabanis, sowie mit dem in dem nahe« Pasty wohnenden FranNin bis zur Revolution in glücklicher Harmonie lebte. Eine geistreichere, gcdankcntätigcre, freimütigere Geselligkeit, in welcher die Würde ernster Forschung mit der Anmut gefälliger Einkleidung sich paarte, hat selten existirt. Es war eine schöne Zeit für die Glücklichen, besonders in Frankreich. Zersprengt schienen die Festcln des Aberglaubens, der 17 Jahrhunderte die Menschheit knechtete. Tic Sonne des schönsten Tages erleuchtete und cnvärmtc die geistige Welt, während jenseits des Occai's* eine Morgenröte der Bölkcrfreihcit und Menschenwürde anbrach» Der Despotismus in Staat und Kirche erbebte unter täglich? P kecker wiederholten Schlägen, denn noch hatte Cazotte's Prophe-\ zeiung*) nicht ihren blutigen Schatten über diesen glänzende«' lebensfrohen Kreis geworfen. Es galt als ein Zeichen der Bojj nehmheit, ungläubig und freisinnig zn sein. Der Adel deklainiste � g gegen den Despotismus, der Abbs gegen den Fanatismus. J J leichtert atmete mair auf mit der Entdeckung, daß kein über-»-- weltlicher Gott existire, man brauchte keinen Scharfsinn wchrz st aufzubieten, eine Gottheit wegen einer solchen Welt voll Mängr und Nebel zu rechtfertigen; man mußte mit ihr wie sie w>ü eben zufrieden sein. Natur, Natur, das war das große Bedürfnis der 3C*1 st alle Prädikate, welche man seither Gott vorbehalten hatte,>vu�§ den nun der Natur beigelegt. Sie wurde das Absolute, lstj» Z den Ursprung und das Ende der Welt kümmerte inan sich nifV» g mehr, denn nur die Materie existirt ewig; man brauchte Ü g nicht wegen der Zukunft nach dem Tode, mit der Vorstell««- vvn ewigen Höllenstrafen und ähnlichen religiösen Phantasie«, j ♦) Ein Dichter und Mystiker, welcher im Jahre 1788 in ein� lustigen Gesellschaft die Revolution und den blutigen Tod der nieist�I Anwesenden prophezeit hatte; was übrigens damals keine Kunn nie?, war. Cazotte selbst wurde am 25. September 1792 gnillotinir». 518 hcrumzuängstigen, denn bcv Mensch hnttc gcir feine Zukunft mehr nach dem Tode. Mau fühlte sich erlöst von dem Glauben au eine Erlösung durch die unbegreifliche Vermittlung von Reliquien, Heiligen, Saerameuteu u. dgl. Die Materie wurde als das einzig wahrhaft Seiende erkannt. Der abstrakte Gott des Deis- mus, das sog.„höchste Wesen" versank vor der Gegenwart der sich stets aus sich selbst verjüngenden Materie wie ein markloser Schatten. Tie Empirie suchte als exakte Forschung die Gesczc aufzudecken, die in der Natur mit matematischer Unfehlbarkeit regierten und einen Gott vollkommen überflüssig machten. Das Newton'sche Gesez der Attraktion stand oben an; alle Geseze, welche Galilei, Torieelli, Harvey, Huyghens, Maupcrtuis u. a. entdeckten, kamen zulezt immer auf die Schwere und die Vc- wegung zurück. Die Wissenschaft enthüllte aber auch die Form- seite der Natur. Buffon in seinen„Epoques de la natura," welche die Geschichte der geologischen Formation unseres Planeten erzählen, nahm sich zwar noch die Mühe, die Bildnngsepochen der Erdschichten au die mosaische Schöpfungsgeschichte anzuknüpfen, aber der schlieszlichc Eindruck blieb auch hier die so zu sagen ateistischc Arbeit der sich selbst metamorphosirenden Materie. Ter Deismus, welcher noch eine» Gott voraussczt, wurde als ein Wahn bekämpft, denn der Materialismus konnte außer der Materie inid ihrer Bewegung nichts mehr anerkennen; ein Gott war für ihn überflüssig und so bekannte.er sich folgerichtig zum Ateismus. In Ansehung des Staates verglich man mit den korrupten und unhaltbaren Zuständen des damaligen Frank- reich das Ideal der Gesellschaft im natürlichen Zustand und wendete sich zum Republikanismus, weil mau fand, daß von Natur alle Menschen gleich seien. Derjenige, welcher diese ganze Welt der pariser Philosophen und Salons beherrschte, lebte weit entfernt von diesem aufregen- den Treiben in Fcrney au den Ufern des Geufersecs. Es war Voltaire, dessen unerschöpfliche Vielseitigkeit und unermüdliche Tätigkeit nicht nur Paris, sondern ganz Europa beschäftigte. Grade dadurch, daß er seit der Mitte des Jahrhunderts nicht in Paris lebte, daß er der pariser Gesellschaft fern stand, wurde ihm eine Herrschaft erleichtert, aus welche er eifersüchtig war. Vor wenigen Jahren, 1879, hatten wir Veranlassung, das An- denken Voltaire's und Rousseau's, ohne Frage der beiden bedeutendsten unter allen diesen Philosophen, in diesen Blättern zu feiern und begnügen uns deshalb auf jene Abhandlung zurück- zuweisen*), dagegen werden wir ans die übrigen„Encyclvpädisten" und ihre Werke etwas näher eingehen. *)„Neue Welt" 1879. und Rousscau's. Zum hnndcrtjährigen Todestag Boltaire's Gibt es Gespenster? Bon Dr. Richard Ernst. (Schluß.) Mehrere merkwürdige Fälle ähnlicher Art, wie der Nikolai's, führt Huxley an in seinen„Grundzügen der Physiologie." Hier war cinc Frau die Geisterseherin, glücklicherweise eine äußerst gebildete Dame, Frau A., die sich so wenig wie der Berliner Aufklärungsapostel von den Herrn Gespenstern foppen ließ. An eineni Dezembertag, gegen 4 Uhr Nachmittags, betrat Frau A. ihr Wohnzimmer und sah ihren Mann, der kaum cinc halbe Stunde vorher spazieren gegangen war, am Kamine stehen, mit dem Rücken nach dem Feuer gekehrt. Uebcrrascht fragte sie ihn, wcßhalb er so bald heimgekehrt sei. Sic erhielt jedoch keine Antwort. Fran A., welche glaubte, ihr Mann sei in Gc- danken versunken, sczte sich auf einen Sessel. Nach Verlauf einiger Minuten, während welcher die Augen der Erscheinung fest ans sie gerichtet blieben, fragte sie: Warum sprichst du nicht? Da bewegte sich die Gestalt nach einem Fenster am äußersten Ende des Zimmers, behielt aber die Augen fest ans sie gerichtet und kam so dicht an ihr vorbei, daß sie betroffen war, keinen Schritt und kein Geräusch zu hören, ja nicht einmal ein An- streifen der Kleider oder eine Bewegung der Luft zu verspüren. Frau A. war nun überzeugt, daß sie es mit einem Gebilde der Augentäuschung zu tun habe und kaum war sie hierüber im Reinen, als die Gestalt das Fenster erreichte, wo sie verschwand. — Fünf Tage später Abends 10 Uhr ereignete sich in Gegen- wart des Herrn A. ein anderer Fall. Frau A. glaubte in der Nähe ihres Mannes eine Kazc sizen zu sehen, die sonst fast nie ins Wohnzimmer kommen durfte. Obgleich ihr Mann behanp- tetc, daß nichts da sei, rief sie die Kaze, griff nach ihr und glaubte sie unter einen Stuhl kriechen zu scheu. Vergebens ver- sicherte Herr A. seiner Frau, daß sie sich täusche. Als er aber den Stuhl aufhob, war die Erscheinung verschwunden. Das Alibi der Kaze wurde sofort festgestellt.— Einen Monat später hatte dieselbe dann wiederum ciuc Vision. Als sie Abends gegen 11 Uhr nach einer Ausfahrt vor ihrem Toilettenspiegel saß und mit ihrem Haar beschäftigt war, sah sie plözlich im Spiegel das Bild eines Verwandten, welcher damals in voller Gesundheit in Schottland lebte. Die Erscheinung schien hinter ihr zu stehen und ragte über ihrer linken Schulter hervor; die Augen derselben begegnete» im Spiegel den ihrigen. Die Ge- stalt war in ein Leichengewand gehüllt, das um den Kopf und unter dem Kinn dicht zugesteckt war und Frau A. bemerkte so- gar die Einzelheiten im Muster des Leichengewaudcs. Die Augen des Phantoms standen offen, die Gesichtszüge waren ernst und düster. Frau A. erzählte später, daß sie sich unter dem Banne eines Gefühls befunden habe, das sie zwang, eine Zeit lang auf diese traurige Erscheinung zu blicken, die so lebhaft und deutlich gewesen sei, als das Spiegelbild eines leibhaftigen Men- schen nur immer sein kann, und daß das Gesicht hell von dem Lichte einer Kerze, die vor dem Spiegel stand, beleuchtet tvar. Nach einigen Minuten drehte Frau A. sich um, um die wirk- liche Gestalt hinter ihrer Schulter zu betrachten, sah aber nichts und als sie wieder nach dem Spiegel blickte, war auch hier die Erscheinung verschwunden.— Im März desselben Jahres, als Frau A. im Begriff Ivar, zu Bett zu gehen, erblickte sie vor sich in einem Lehnstuhl die Gestalt ihrer verstorbenen Schwägerin. Dieselbe war sauber und nett gekleidet, wie bei Leb- zciten, trug aber ein Kleid von besonderer Art, wie es Frau A. niemals an ihr gesehen hatte, das jedoch genau der Bc- schreibung entsprach, welche Fran A. über das Kleid ihrer Schwägerin vernommen hatte. Frau A. betrachtete mit Aufmerksamkeit die Gestalt, die in bequemer Haltung im Sessel saß und in einer Hand ein Taschentuch hielt. Sie versuchte, dieselbe anzureden, brachte dies jedoch nicht zu Stande. Nach ungefähr drei Minuten war die Erscheinung verschwunden.— Etwa sieben Monate später, im Oktober, sah dieselbe Dame, als sie in ihrer Wohnung am Kamin saß, die Gestalt einer andern verstorbenen Freundin, welche sich von einem Fenster am Ende deS Zimmers zu ihr hinbewegte und sich dann nahe dem Kamin ihr gegenüber auf einen Stuhl sczte. Es waren noch mehrere Personen im Zimmer und Frau A., die sich bc wüßt war, daß sie es mit einem Trugbild zu tun habe, ffch aber gleichwohl gedrungen fühlte, die Erscheinung anzublicken, befürchtete, die Anwesenden möchten ihren starren Blick ins Leere mißdeuten und glauben, ihr Verstand sei gestört. Sic nahm daher ihre ganze moralische Kraft zusammen, schritt auf die Gestalt zu und sezte sich auf denselben Stuhl, auf dem die Gestalt saß, so daß sich Frau?l. gleichsam in deren Scho� sezte, worauf die Gestalt verschwand. Es muß hervorgehoben werden, daß Frau A. zwar von Natur eine sehr lebhafte Einbildungskraft besaß, aber zu jener .seit in Bezug auf ihre Gesundheit nur über einen gewöhn- lichen Luftröhren-Katarrh und über etwas Verdauungsschwäche zu klagen hatte. Tagegen hatte Frau A. gewöhnlich var ihren Visionen eine eigentümliche Empfindung in den Augen, die aber »ach Aufhören der Täuschung verschwand. Frau A. sah zwcifcl- los das, was sie beschrieb, ihr Sehnerv, ihre Nczhaut, waren genau in derselben Weise erregt, als es der Fall gewesen wäre, wenn die Anwesenheit ihres Mannes, ihrer Freunde, oder einer �azc die Ursache des ans ihr Sehorgan ausgeübten Reizes ge- Wesen wäre, nur war es im vorliegenden Falle eine innere Ur- fache, welche die Reizzustände hervorgerufen hatte. Einen ähnlichen Fall berichtet von sich der große Denker Spinoza.„Als ich", schreibt er in einem seiner Briese,„an einem Morgen, da es bereits tagte, aus einem sehr schweren Traum erwachte, schwebten mir die Bilder, die ich im Traume gesehen hatte, so lebendig vor Augen, als ob es wirkliche Ge- genstände wären, besonders das Bild eines schwarzen und aus- säzigen Brasilianers, den ich nie vorher gesehen hatte. Dieses Bild verschwand größtenteils, wenn ich, um mich durch etwas anderes zu zerstreuen, die Augen ans ein Buch oder ans etwas anderes heftete; sobald ich aber die Augen wieder von einem solchen Gegenstände abivendete und sie ohne Aufmerksamkeit auf etwas richtete, erschien mir dasselbe Bild des Mohren mit der- Gottsched. Götze. Svi„"'k'gfeit öfters, bis es nach und nach ganz verschwand." j}.-.- Ü�rt fschA dies als Beleg dafür an, daß alle derartige �w» nichts als Täuschungen seien. tu n r- �'C®a'c90r'c der Illusionen scheint dagegen die Vision nnrfi sLnC11'- �chr Goethe auf dem Weg von Sesenheim hatte, 'iiMf£m'�werzlichen Abschied von Friederike Brion. Er er- L �dcn Hergang mit folgenden Worten:„Nun ritt ich auf s,.»ußpfadc gegen Dniscnheim und da überfiel mich eine der d-> �dariten Ahnungen. Ich sah nämlich, nicht mit den Augen Wc'. pudern des Geistes, mich mir selbst, denselben Pferde wieder entgegen kommen, und zwar iu einem m ,lsc' tok ich es nie getragen: es war hechtgrau mit etwas di> rü.�dald ich mich aus diesem Traum aufschüttelte, war Gewalt ganz hinweg." ben ter®COtt' sobald er des Morgens sich lebhaft an sei» JtIc�er Lord Byron erinnerte, sah diesen regelmäßig vor em Bette stehen. sich fx""geführten hinlänglich beglaubigten Beispiele, welche weis"�"d vermehren ließen, mögen genügen, um zu be- nicht e'n 9rrBcl' Teil der kursirenden Gespenstergeschichten A,/ r- � �'sche Täuschungen, wie sie auch dem normalen ■9*"ei mangelhafter Beleuchtung vorkommen kann, sich erklärt, dk« � �"6 ein wenn auch nur flüchtiger abnormer Zustand Sehnervs die Erscheinung bewirkt haben muß. fta- f � In �ede stehende physiologische Phänomen wird den aein-t. Wunderbaren ganz verlieren, wenn wir die aller- j."Wichsten Vorgänge in unserem Geistes- und Empfindungs- . en näher ins Auge fassen. Was ist das Gedächtnis an- '"ls die Fähigkeit, Eindrücke, welche von äußern Objekten herrühren, auch dann wieder hervorzurufen,(zu reprodnziren, wie die Psychologie sich ausdrückt,) wenn die betreffenden Ob- jekte aufgehört haben, auf die Sinne zu wirken. Gesichtszüge und Gestalt der Bekannten wie überhaupt alle möglichen Ob- jekte kann sich Jeder mit dem inneren Auge sehr leicht vor- stellen, wie man auch eine gehörte Melodie mit dem inner» Ohr reproduziren kann. Ja der ganze Denkprozeß geht dadurch vor sich, daß der Geist mit dem Papiergeld gedachter Worte (statt mit der spartanischen Münze der realen Begriffe) operirt. Auch bei den übrigen Sinnen finden Reproduktionen statt, wenn sie auch minder lebhaft sind als bei dem Gesicht- und Gehörs- sinn. Die Sinneseindrücke hinterlassen also ihre Spuren im Ccntralorgan des physischen Lebens, im Gehini, so daß sie be- liebig wieder erweckt werden können. Weil die Reproduktionen aber nicht im Sinnennerv selbst, sondern im Gehini ihren Siz haben, sind sie weit blasser als die eigentliche Empfindung. In- dessen haben die Reproduktionen im Traum fast dieselbe Leb- haftigkeit wie die Empfindungen selbst, weil vermutlich im Traum die Reproduktionen bis zu den Sinnesncrvcn selbst Vordringen. Halliizinationen sind nun aber nichts anderes als äußerst leb- hafte Reproduktionen, die nicht sowohl im Gehirn als vielmehr in den Sinnesnerven selbst vor sich gehen. Du weißt somit, lieber Leser und schöne Leserin, was von den Gespenstern und Gespenstergeschichten zu halten ist und wenn sich je einmal ein Gespenst den Spaß machen sollte, dir zu er- scheinen, so denke an Herrn Nikolai und Frau A. Schreite beherzt auf die Erscheinung zu und das Phantom wird alsbald Reißaus nehmen. Gespenster sind nur denjenigen fürchterlich. die sich vor ihnen fürchten. 520 Im Kampf m i d c r alle. Roman von Ferdinand Stiller. (38. Fortsezung.) Tie Baronin zeigte sich anfänglich sehr erstaunt und entsezt über die so plözlich auftretende Abneigung Frieda Häßlers gegen de» Konsistorialrat und deren Wunsch, mit dem sonst ja allgemein verehrten und hochbewunderten Riaiin Gottes nie wieder zu- samnien zu kommen. Aber Frieda erklärte, keine Silbe von dem, was sie gesagt habe, zurücknehmen, aber auch keine hinzusezen zu können. Ucbri- gens hoffe sie, daß der Herr Konsistorialrat—— sie mußte einige Augenblicke nach dem passenden Ausdrucke suchen— die bei ihr zur Geltung gelangte Scheu, beinahe hätte sie Abscheu gesagt, begreiflich finden würde. Die Baronin schüttelte offenbar recht unmutig ihr Haupt, und als sie mit Frieda an der Schwelle von deren Schlafzimmer angelangt war, verabschiedete sie sich kurz und sehr viel weniger freundlich von ihr, als sie sich bisher unausgesezt erwiesen hatte. Frieda sank matt ans einen Sessel nieder und schlug die Hände vor ihr hochgerötetes, die Spuren heftiger seelischer Er- regung tragendes Gesicht. Was war ihr alles in wenigen Tagen geschehen! Den Heißgeliebten— den Mann, welchen sie wegen seines cdclen, hvchstrebenden, von jedem Makel freien Karakters, seiner sichern, starken und doch so zartsinnigen Männlichkeit angebetet hatte, war ihr verloren gegangen— verloren aus ewig! Heiße Tränen entstürzten ihren Augen— verloren auf ewig — und warum? Weil man ihr gesagt hatte, er sei ein Un- würdiger,— weil niau ihr Dinge mitgeteilt hatte, die wenn sie genau so geschehen wären, den Beweis geliefert hätten, daß sie sich ganz und gar in ihm, in dem Geliebten getäuscht und einen erbärmlichen Karakterschwächling, einen Sklaven wilder Sinnlichkeit, einen Verräter an beschworener Treue für der besten einen unter den Menschen gehalten hätte. Hätte! Konnte sie sich wirklich so getäuscht haben? Und konnten sich die Menschen, die ihn bei ihr angeklagt, nicht schmäh- lich im Irrtum befinden? Freilich,— es war eine ganze Anzahl Menschen, welche die Beweise für seine Schuld zusammen- getragen hatten, Menschen, denen gegenüber kein Zweifel aus- kviumeu konnte, daß sie selber glaubten, was sie gesagt. Aber halte Frieda nicht eben eine Scene erlebt, welche sie, so überzeugend als nur irgend denkbar, dessen überführt hatte, daß auch die aufrichtigste Ucbereinstimmung des Urteils vieler, außerordentlich vieler Leute über einen ihrer Mitmenschen einen tieswurzelnden, nngeniein schwenviegcnden, gefährlichen Irrtum in sich bergen könne? Wer hätte diesen Mann Gottes, den hochgestellten Geistlichen, den berühmten Kanzelredner, den von tansenden und besonders von Frauen und Mädchen aller Stände fast abgöttisch verehrten llt. Präsentanten und Inbegriff aller christlichen Tugenden, aller menschlichen Bvllkoiumenheiten für fähig gehalten zu dem Ber- such, ein soeben vom schwersten Schicksalsschlage getroffenes, sich trostlos vereinsamt fühlendes, in dem gegebenen Augenblicke seiner Sinne kaum mächtiges, anscheinend völlig wehr- und hilj- loses Mädchen förmlich z» vergewaltigen? Niemand— sicher niemand—, kauni einer seiner erbittert- sten Feinde, wenn er deren hatte. Und dennoch— dennoch war dieser Alaun solch eines Ber- brrchens, es gäbe keine Verbrechen, sagte sich Frieda, wenn das keines wäre!— fähig— So konnte das Urteil von taufenden im Dunkeln tappen, so vermochte es die tiefsten Abgründe im Karakler einer allbe- kannten Persönlichkeit gänzlich zu übersehen.— Warum sollten nun die par Menschen, welche ihr von Franz Stein Böses erzählt, nicht auch in schwerem Irrtum befangen sein, so sehr sie auch von der Richtigkeit ihrer Beobachtungen, von der Logik ihrer Schlußfolgerungen überzeugt waren? Diese Möglichkeit war wenigstens sicher nicht ausgeschlossen. —— Was hatte sie getan, um sich zu überzeugen, ob diese Möglichkeit nicht Wahrheit und das. was man ihr erzählt, nur Schein, Mißverständnis, Mißdeutung war? Nichts— gar nichts—, zusammengebrochen war sie unter der Wucht der auf sie eindrängenden Unglücksbotschaft, schwach, elend schwach, kleingläubig, kindlich haltlos und widerstandsunfähig hatte sie sich erwiesen,—— O daß sie das beschämende Erlebnis der lezten Stunde erst an ihre Schwäche und an die Möglichkeit, daß diese Schwäche eine große Schuld in sich trage, hatte mahnen müssen! Sie hätte prüfen sollen die Zeugnisse, die sich gegen ihn erhoben hatten, sie hätte den angeblichen Tatsachen mit Aufge- bot all ihres Karaktermutes in das Angesicht sehen sollen,— gleichviel ob es ihr auch anfänglich noch so abschreckend erschienen wäre. Aber war es dazu denn schon zu spät,— konnte sie keinen Schritt mehr zurück,— hätte sie in ihrer Schwäche einen Fehler begangen, der nie mehr auszugleichen wäre. Nein— nein, das war nicht so— das konnte nicht sein. Also— auf,— schauen, prüfen-- sie griff nach dem Busen, dort hatte sie seine lezten Briese venvahrt gehalten, sie hatte sich nicht von ihnen trennen können und trennen wollen— Sie fand sie nicht mehr,— sie mußten ihr entfallen sein, vielleicht als sie ohnmächtig wurde. Sie sprang auf vom Sessel, ihr Herz pochte laut, als wollte es zerspringen,— sie mußte die Briefe suchen, die lieben Schrift- züge sehen, sie an ihre Lippen drücken. Sie eilte nach dem Zimmer, wo sie der Konsistorialrat auf den Divan niedergelegt IjßttC— Aber keine Spur war hier zu entdecken von den ihr so teure» Blättern. Ohne sich Rechenschast davon zu geben, was sie eigentlich tun oder sagen wolle, ging sie nach dem Salon, in dem sie mit der Baronin und ihrem Gaste soupirt hatte. An der Tür des- selben blieb sie stehen wie festgebannt,— sie vernahm Worte, die sich unzweifelhaft auf sie selbst bezogen und dieselben wurden gesprochen in einem Tone, wie ihr hier bislang unbekannt geblieben war. Unter heftigem, fast überlauten Lachen sagte die Baronin- „Enßn, teuerster Freund, sind wir, oder vielmehr bist du, sehr, ganz über alle Maßen unvorsichtig gewesen. Die Kleine ivar z» erobern, wie jede andere-- aber ob eine Festung im Stur»' zu nehmen ist oder eine langsam fortschreitende, alle Bcrteidigungs- Möglichkeiten erwägende Belagerung verlangt, das muß ein wahrhaft genialer Stratege stets mit vollkommener Sicherheit voran? beurteilen können,— ist's nicht so, geliebter Freund?" lind die Stimme des Konsistorialrats antwortete also: „Es ist die schwerste Aufgabe, die berechnender Klugheit gestellt werden kann, sie solle mit der Leidenschast Wette laufe». diese nicht zügeln,— denn nur im zügellosen Walten mächtiger Leidenschaft ist voller höchster Lebensgenuß—, und sie doch auch keinen Schritt zu früh und zu weit, nicht rechts n"5 nicht links wcgab komnien lassen. Ich darf mich rühmen, ei» Meister zu sein in der Beherrschung und Benuzung der Umstände, in der Lenkung und Unterwerfung der Menschen und glaubte diesmal weniger als je zuvor an einen Mißerfolg,»»- plözlich muß ich fühlen, daß ich der Vorurteilsbesessenheit eine-' Kindes gegenüber machtlos bin,— mich wie ein liebetrunkener, blindlüsterner Narr heillos kompromitirt habe——" „Mon ckieu!" meinte die Baronin leichthin;„das ist N'ch gefährlich, eher ami! Ich gebe der übermäßig tugendhafte» Kleinen in der Linionade, die sie während ihrer unruhigen Nach�' zu trinken Pflegt, meinen viclbewührten Schlaftrunk,— ein wensg mehr, als nur zur Ruhe nötig, dann schläft sie nicht nur d>e Nacht, svndc.u auch morgen den ganzen Tag, und wen» sie»»'' h\-lami er'Mncrt f'e sich schlimmstenfalls dessen, was ihr eu geschehen, wie eines Traumes,— die Kopfschmerzen, welche H dieser Schlaf bescheeren wird, werden vollends dafür sorgen, sie an die krankhafte Ueberreizung ihres Hirns glaubt,— e Kleine ist überhaupt zu kräftig,— körperlich und geistig— "'"fsen sie ein wenig krank mache», ihre Nerven etwas > � weich eu,— dann ist sie leichter zu lenken und—, was meinst u> freund, dessen gewaltige Leidenschaft heute wieder einmal < U' inen besseren Gegenstand angewiesen ist, als mich, auch dichter zu lieben——" (lüHc genug gehört. In fieberhafter Eile— das Em- Schamröte übergössen, und in tiefster sittlicher jun",*.�c�cn� giug sie nach dem ihr eingeräumten Zimmer hrJ?'e nicht lange, sie war nicht einen Augen- - zweifelhaft, was sie zu tun hätte,— fort ans diesem Hause, »von diesen Menschen, ohne Abschied fort und auf Nimmer- miedersehen. i na�m sich nicht einmal Zeit ihre Sache» sorgfältig zu- Shien Hut sezte sie sich auf, ohne auch nur die ßjJ* i'ck in den Spiegel zu werfe», den Mantel warf sie über rnfrf. rU�ern'. bann griff sie noch nach dem Regenschirm und e!»>l'cl völlig geräuschlos schritt sie durch den Korridor und Treppe hinab und war im Freien. den svi ll)ar"'ch' 9nr dunkel in der Tvrfstraße und sie kannte war% 9C]Ifl", der zu dem einzigen Gasthause fiihrte. Bald spielt•— Menschen traf sie dort nur wenige, der Wirt e mit ein paar Stammgästen ein volkstümliches Kartenspiel. iuiine l~Ull1r"'cs)t wenig erstaunt, als er so spät Abends die Broli» Vtame'.w�6 auf dem Schlosse zum Besuch war, ohne hörte' Una s'4 eintreten sah und den Wunsch aussprechen sie mÖ3C''•,l sofort einen Wagen anspannen lassen, der bei 1"ächsle» Eisenbahnstation brächte. Da sich indessen Uh' t ��'geuheit ein gutes Stück Geld verdienen ließ, so In,.,1 e �ri Gastwirt keinen Augenblick, dem überraschende» Ber- m."achzukommen. war �"anzig Minute», die Frieda unendlich lang wurden, � angespannt, und da»n ging eS, wie sie verlangte, in scharfem e auf der holperigen Landstraße hin zur Bahnstation. ** * Fraii"""� �em besuche bei dem Schuhmacher Schwarz hatte sich war �. lvieder ungesäumt auf de» Bahnhof begeben und loa T-bem"ächste» Zuge in der Richtung, wo Greifensteiu stat'i''��iahren. Spät in der Nacht langte er auf der Kreuzungs- de- von der er zu Wagen nach dieseni von de» Straßen Von»-��risehrs entfernten Gebirgsvrte fahren mußte. Eine � I Verbindung zwischen-der Bahnstation und Greifenstein gab »icfit"'! 0m �age, auch ein Lohnwagen war auf dem Bahnhofe zu finden. »oft$®tci" i'eß den Posthalter wecken und begehrte Eztra- q Der Posthalter war verpflichtet, solchem Verlangen zu der ce?' er tat es nicht ungern, denn bei dem teuren Preise Extrapost fiel ei» tüchtiges Stück Geld für ihn ab. ES dauerte nicht lange, so fuhr Stein unter dem lustigen -?niettern des Posthorns die mondbeschienene Landstraße gen Eisenstein. >va ta9 Zurückgelehnt in die Kissen des geschlossenen Post- ei.* Unb dachte an seine Frieda. Dann und wann tat er p ut �lick durch das herabgelassene Wagenfenster zu seiner um, Die Straße war und blieb still und tot; nur einmal ki» 11 Pferdegetrappel und das Rollen eines rasch daher- Menden Wagens die Ruhe der Nacht. an Ül0IIi Stein faßte, ohne besondere Absicht, das an seinen n9eii im Vorüberfahren fast anstreifende Gefährt genau ins ifm9e- war eine ziemlich schwerfällige Landkutsche, deren »�.zugekehrtes Fenster heraufgezogen und mit hellen Leinwand- Zangen verhüllt war. Der Insasse der Kutsche mußte es gleichfalls recht eilig haben: die kräftigen Pferde dampften und der Kutscher gebrauchte in kurzer Zwischenpause immer wieder die Peitsche, um sie zu stets erneuter Kraftanstrengung anzu- spornen. Stein neigte sich»»willkürlich vor, um dem Wagen nachzu- sehen,— im selben Augenblicke aber erschien ihm das als müssige Neugier, und so unterließ er es. Noch ehe der Morgen graute, wurde der Gastwirt durch lautes Klopfen an seiner Haustür geweckt. Was seit Menschengedenken hier nicht vorgekommen war, geschah,— ein Reisender, und zwar ein offenbar sehr wohl- habender nobler Reisender, der sich den Luxus einer Extrapost erlauben konnte, begehrte Einlaß und Aufnahme in das Dorf- Wirtshaus. Halb ärgerlich über so frühe Störung, halb erfreut über solch' siirnehmen Zuspruch öffnete der Mann unter vielen Kraz- süßen und ungeschickt höflichen Begrüßungsworten. Der merkwürdige Gast bestellte sich eine Flasche Wein vom besten, die der Wirt im Keller hätte. Das gewann ihm sofort dessen ganzes Herz. Trefflich aufgelegt zu vergnügtem Gespräche kam er mit einer Flasche Rotwein, die keinen geringeren Tropfen als die purpurnen Perlen des herrlichen Chateau Lafitte ent- halten sollte, aus dem Keller herauf. Der gnädige Herr hätte wohl noch weiter gewollt und sei blos so im Vorüberfahren in Greifenstein eingekehrt, fragte er schon auf der Schwelle seiner Puz- und Prunkstube, die er Franz Stein ohne Bedenken eingeräumt hatte. „Nein, ich will morgen in der Frühe hier auf dem Schlosse einen Besuch abstatte»," antwortete Stein. „Ach so, auf dem Schlosse. Sta, dann sind der gnädige Herr- gewiß ein Verwandter oder guter Bekannter der gnädigen Frau Baronin?" „Der Baronin nicht, aber der jungen Dame, die jezt bei der Baronin zum Besuch ist?" „I du meine Güte," rief er der Wirt darauf verwundert aus,„da kommen der Herr aber um'n Posttag oder wenigstens um'n paar Poststunden zu spät— die ist ja grade abgereist! — mit meinem Wagen abgereist!" „Abgereist?" Auch Franz Stein rief das laut und sogar erschreckt.„Sagen Sie, Mann, abgereist und mit wem und wohin?". „Mit wem?" Ja— das>var ja eben das Merkwürdige— mit keiner Menschenseele— in finsterer Nacht ganz mutter- seelenalleiu— denken Sie Sich nur, gnädiger Herr, so ein junges und bildschönes Mädchen,— ich kann rein die gnä- dige Frau Baronin nicht begreifen, die hat doch selbst Pferde und Wagen, überflüssig viel, sage ich Ihnen, und läßt die junge Dame, die bei ihr zum Besuch ist, ohne Begleitung und in meiner alten Karreete,— das heißt mein Wagen ist immer noch der beste in unsrer ganzen Gegend, wenn man die Herrschaft- liche» abrechnet—" Franz Stein war aufgestanden und unterbrach den Red eligen. „Wohin ist die junge Dame gefahren?" fragte er noch ein- mal und so nachdrucksvoll, als nur möglich. „Wohin— ja, du meine Güte, halt»ach der Eisenbahn, — weiter weiß ich natürlich nichts." „Nach der Eisenbahn— ah," Franz Stein schlug sich vor die Stirn,—„da war sie, sie in der Landkutsche, die an mir vorüberfuhr—— Mann— der Postillon soll sofort wieder einspannen, ich fahre auf der Stelle zurück— hier haben Sie fünf Taler für den Wein und die Störung, welche ich Ihnen verursacht, sagen Sie dem Postillon, er bekäme gleichfalls fünf Taler, wenn er mich so schnell als es nur irgend denkbar zur Bahnstation zurückbefördert— gehen Sie, Herr, rasch, nur rasch———" (Sotlffjimj folgt.) 522 Gottsched, Götze, Hessing. Ein Stück Kulturgeschichte. Das vorige Jahrhundert hat der Welt die französische Re- Volution gebracht,— der gesammten Menscheuwelt, denn wel> ches Kulturvolk wäre nicht im Gange seiner politischen und materiellen, seiner intellektuellen und moralischen Entwicklung durch die politischen und sozialen Umgestaltnngen, die revolu- tionären Gedanken und die sittlichen Anregungen, welche der französischen Nation seit der Mitte des achtzehnten Jahrhun- derts zu danken sind, beeinflußt und befruchtet, angespornt und gefördert worden? Tasselbe vorige Jahrhundert hat derselben gesammten Kul- turwelt eine andere Revolution geschenkt, welche darum nicht unbedeutender ist als jene, weil sie bis heute lange nicht so gewürdigt wurde, bei weitem nicht so leicht Verständnis fand und finden konnte, eine Revolution, welche in der Art, wie sie sich vollzog, für den wahren Kulturmenschen unfraglich viel höher zu achten ist, als jene, weil sie sich vollzog ohne Pulver und Blei, ohne Blut und Eisen, ohne den Laternengalgen und die Massenmezgcrei der Guillotine. Diese leztgedachte, unscheinbarere Revolution ward ge- boren, wurde groß und mächtig in Deutschland,— eine Revolution des Geistes, die in dem Triumvirate Lessing, Schiller, Goethe ihre höchste Verkörperung, ihre gewaltigsten Apostel fand. Es gibt heute noch in den Reihen aller politischen Par- teien und auf den verschiedensten Bildungsstufen Leute, welche an der stillen Arbeit des Geistes, an dem meist anscheinend langsamen Wachsen der Volksintelligenz achtlos vorübergehe» und nur Interesse finden an den Spektakelstücken, welche sich polternd und staubaufwirbelnd im Vordergründe der Weltbühne abspielen. Bisher hieß man Weltgeschichte die geistlos zusammenge- tragenen Erzählungen aller möglichen Kriegsbrutalitäten und der rein äußerlich und oberflächlich aufgefaßten Ereignisse das Leben der Fürsten- und Priesterschaft. Jezt gibt es gebildete und ungebildete, das Beste und das Schlechteste wollende Menschen genug, welche es ansehen für die höchste Leistung, die der Geschichte zugemutet werden kann, wenn an Stelle jener historischen Schauer- und Traucrgeschichten, jener blöden Lobhudeleien und widerlichen Klätschereien, die genau so oberflächliche Beschreibung der Aeußerlichkeiten des Volkslebens, an Stelle der Brutalitäten der Fürsten-, Racen- und Religionskriege die— denn der Zweck heiligt nicht die Mittel!— völlig gleichwärtigen Roheiten der blutigen Volks- aufstände gesezt würden. Unvermeidlich waren die Kriege aller Art, die Kreuzzüge sowohl als die Bürgerkriege der Volkserhebungen, die einen wie die andeni legitime Kinder der geistigen Beschränktheit der Völker, die für die Niedertracht vieler von denen, welche ein glück- liches Geschick über die Masse und ihren Unverstand erhoben, den Boden des Gedeihens und das Feld der Betätigung gab. Unvermeidlich waren sie— ob und wie lange noch sie un- vermeidlich sein werden— daran Behauptungen oder gar Ab- Handlungen zu verschwenden, überlassen wir den guten Leuten, die als Zukunftsmnsikanten so zweifelhafter Güte besonders qualifizirt sind,— den Propheten und den Narren. Aber jede Art und jede Erscheinungsform der Völkerrauferci ist nichts iveiter als ein immer neues Aufflackern der ursprüng- lichen Tierheit des Menschcnkaratters, während das stille Weben und Wachsen unsrer Gedankenwelt das von jener Tierheit sich losringende Rein- und Edelmenschliche in unsrer Entwicklungs- geschichte repräsentirt. Darum wird die Menschengeschichte im Gegensaz zur bis- herigen sogenannten Welthistorie nur Kulturgeschichte sein und mehr und mehr sich verbreiten über und sich vertiefen in das innere Leben und Streben, Schaffen und Wirken aller Menschen, die zu geistigem Leben überhaupt erwacht und emporgedichen sind. Besonders interessant aber werden für den Kulturforscher diejenigen Zeiten sein, in denen eine höhere Welterkenntnis und Lebensanschauung sich Bahn gebrochen hat, und, soweit sich der Entwicklungsgang der Kulturvölker überschauen und würdigen läßt, am allerinteressantesten wohl die Epoche, in der uiisre Kulturwelt die Kinderschuhe der mittelalterlich- christlich-schola- stischen Weltauffassung mit Bewußtsein und Absicht abzulegen begann. Während des gesammten Mittelalters hatte es Menschen gegeben, die da erkannten, in wie tiefer Geistesnacht ihre Mit- weit umhertappe, und denen ein vergleichsweise Heller Strahl der Erkenntnis zuteil geworden,— aber diese Erleuchteten mußten vereinzelt bleiben— weil der Menge oder besser der großen Herde der Menschen die Fähigkeit solchen Erkennens völlig abging und sie sich zum willigen Werkzeug ihrer„Hirten" ge- brauchen ließ, welche die christlich-scholastische Geistesfinsternis brauchten, um unter ihrem Schuze möglichst unbeachtet und un- gestört ihre Schafe scheeren zu können. Erst mit der schneidigen Kritik und Polemik der Encyklo- pädisten in Frankreich und dem gewaltigen Schaffen der deutschen Klassiker der schönen Literatur brach jene Epoche für die ge- stimmte Kulturmenschheit an,— jene vorwiegend das Alte, Törichte, Verderbliche angreifend, zersezcnd, zerstörend, dieses wesentlich die Saat des Wahren, Guten, Schönen säend, das Fundament edel-menschlicher Lebensgestaltung in dauerhaftem Gestein ausrichtend. Zu den pikantesten und zugleich lehrreichsten Episoden aus der Geschichte jener mächtigen Schöpfungszeit gehören die Kämpfe, welche Lessing gegen die Größen der Literatur, der Gelehrsain- kcit und der Kirche seiner Zeit geführt hat. Wir greifen im Folgenden die belangreichsten heraus, die gegen den dereinstigen Beherrscher deutscher Literatur, Joh. Christian Gottsched, und den Vorkämpfer christlicher Recht' gläubigkeit, den Hamburger Hauptpastor Götze, und hoffen damit unseren Lesern ein gut Teil von den Wurzeln und dem Werde» unserer modernsten Kultur enthüllen zu können. (Fortsczimg solgt.) Proben deutscher Polkspoefik der Gegenwart. Das Volkslied. Kennt ihr den zaubrisch wunderbaren Klang, Der mächtig sich von Mund zu Munde schwinget, Unwiderstehlich in die Herzen dringet, Bald hochaufjauchzend, flüstenid bald so bang? Jezt schäumt es auf in ungestümer Lust, Dem Kinde gleich, die Freude harmlos zeigend, Der Lerche gleich, die hoch zum Himmel steigend Laut jubilirt aus freier, voller Brust. Dann lvieder lispelts leis, geheimnisvoll, Und offenbart des Herzens schönste Triebe, Das holde Glück der süßen Jugendliebe, Von dem der Busen einst so mächtig schwoll. Und wieder hallt's wie banger Klageton, Wie heißes, ivildes, ungestilltes Sehnen, Es klagt der Menschen töricht eitles Wähnen, Klingt wie enttäuschten Hoffens bittrer Hohn. Ost braust's auch wie ein brüllender Orkan, Der Tod und Unheil rings umher bereitet, Der Glocke gleich, die wild zum Sturme läutet, Die Männer ruft zum Kampf auf blut'ger Bahn. 623 Verachtet nicht des Volkes schlichten Sang, Belächelt nicht die leichtgesügten Weisen— Des Volkes Lied kamt Trone niederreißen, Wenn ihm erwacht der Freiheit mächt'gcr Drang. Luchs und Auerhahn.(Jllustr. S. 517.) Auch in Europa hält l>ch eine Kazenart auf, welche denjenigen der heißen Erdstriche an Raub- '»cht und Blutdurst nicht»achsteht. Es ist das der Luchs, dessen Icharfes Auge sprichwörtlich geworden ist und im Altertum zu manchem Aberglauben Anlaß gab. So glaubte man, daß er mit seinen fun- kclndcn Augen sogar durch eine Mauer sehen könne. Nicht minder [{jW ist sein Gehör. Dabei ist er mit einer im Verhältnis zu seiner Größe— welche die eines mittelmäßigen Hundes erreicht— ganz bedeutenden Stärke ausgestattet, die ihn befähigt, nicht blos kleines Wild, londern auch Edelwild aller Art, und zwar junges wie altes, zu be- wältigen, weshalb er zu den schädlichste» Raubtieren zählt. Er lauert dir den von ihm ausgespürten Orten, in Mitteleuropa den Hirschen »»d Rehen, im Norden auch den Renntieren, sogar Elcntieren auf, Ichleicht an sie heran und springt mit drei bis vier ungeheuren, zwölf ms vierzehn Fuß weiten Säzen auf seine Beute los, saßt sie, sich fest einbeißend, im Genick, schlägt seine Krallen tief ein, hält sich damit fest und beißt nun mit seinen scharfen Zähnen die Schlagadem des Halses durch. Bis das Tier verendet, bleibt er auf ihm size»; ja man kennt ein Beispiel, daß dieser furchtbare Reiter wider Willen mit seinem Reit- nere und Schlachtopfer weiter getragen worden ist, als ihm lieb war. Aach einer norwegischen Zeitung kam eines Tages eine Herde Ziege» Witten am Tage aus dem benachbarten Walde in höchster Eile nach dem Gute zugelaufen. Ein Tier der Heerde trug auf seinem Rücken einen jungen Luchs, welcher seine Klauen so tief und fest in de» Hals der Ziege eingeschlagen hatte, daß er nicht wieder loskommen konnte. •wc Ziege rannte i» der Angst hin und her, bis es den inzwischen hinzugekommenen Söhnen des GutsbesizerS gelang, das Raubtier zu rifchießen, ohne die Ziege zu verlezen. Von einem großen Tiere frißt er verhältnismäßig nur sehr wenig, 2—3 Pfund etwa, das Uebrigc 'dbt er liegen, seinen Mitraubtieren Fuchs und Wolf zur Beute, welche 'hn bald als freigebigen Wirt erkennen lernen und ihm folgen. Er oegnugt sich nicht einmal mit der Tötung eines Tieres, sondern reißt >n blinder Wut und unersättlicher Mordgier soviel zu Boden, als er wnn. Bechstein erzählt, daß ein einziger Luchs in Thüringen in einer Aacht dreißig Schafe getötet habe, und Schinz kennt Beispiele aus der Schweiz, wo ein LuchS in kurzer Zeit dreißig bis vierzig Stück kleines «>eh abgewürgt hat. Interessant ist die Beschreibung, die der ausge- zeichnete Naturforscher Tschudi von dem Tiere macht. So lange der Waichs in seinen Hochwäldern und Gebirgsklüften seine Nahrung findet, schreibt Tschudi u. a., jagt er nicht weiter. Hier lebt er in den ein- '»nisten und finstersten Schluchten niit seinem Weibchen und verrät leinen Aufenthalt nur selten durch sein durchdringendes, widerliches Heulen. So lange es geht, liegt er in der tiefsten Verborgenheit und ingt, aus dem Anstand lauernd, der Länge nach auf einem bequemen uniern Baumast im Dickicht hingestreckt, Ivo ihn das Laubiverk halb PMl'iHi, ohne ihn beim Absprunge zu hindern. Auge und Ohr in 'charsster Spannung liegt er Tage lang auf dem gleichen Fleck und scheint mit halb gesenkten Lidern zu schlafen, wenn seine verräterische 'Gochsamkeit am größten ist. Er lebt von der List, da sein stvie aller «(izeii) stumpfer Geruchssinn, seine verhältnismäßig geringe Schnellig- reit ihn zum offenen Angriff nicht besähigen. Geduldiges Lauern, nußer- ordentlich leises, kazenartiges Schleichen bringt ihn zur Beute. Er ist "'cht so schlau als der Fuchs, aber geduldiger; nicht so frech als der w)olf, aber ausdauernder, von gewanterem Sprung; nicht so kräftig wie der Bär, aber scharfsinniger, aufmerksamer. Seine größte Kraft "igt in den Füßen, der Kinnlade und dem Nacken. Er weiß sich die bequem zu machen und ist nur wälerisch in der Beute, ivenn er tfiille hat. Was er mit seinem langen, sichern Sprung erreicht, wird niedergerissen; erreicht er sein Tier nicht, so läßt er es gleichgiltig stiehen und kehrt, obne ein Zeichen von Gemütsbewegung, auf seinen Zauniast zurück. Er ist nicht gefräßig, aber liebt das frische, warme �>ut und wird durch diese Liebhaberei unvorsichtig. Erlauert er am �»ge nichts und ivird er hungrig, so streift er deS Nachts umher, oft '"»geheuer iveit, auf drei bis vier Alpen; der Hunger macht ihn mutig "nd schärft seine Klugheit und seine Sinne. Trifft er eine weidende «chas- oder Ziegenherde, so schleicht er, schlangenartig auf dem Bauche I>ch windend, heran, schnellt sich im günstigen Augenblicke vom Boden »uf, dem aufspringenden Tiere auf den Rücken, zerbeißt ihm die Pulsader oder das Genick und tödtet es so augenblicklich..Dann Zsit er zuerst das Blut, reißt dann den Bauch auf, frißt die «ingeweide und etwas vom Kopf, Hals und Schultern und laßt o»ö übrige liegen. In, Sommer 1814 zerrissen drei oder vier Fuchse in de» Gebirgen des Sinnentales 160 Schafe und Ziegen. Hat der Luchs aber Wildpret genug, so hält er sich an dieses und scheint eine ge, visse Scheu zu haben, sich durch Zerreißung der Haustiere zu "erraten. Die in den Alpen lebenden Gemsen fällt er mit Vorliebe an; doch übertreffen ihn diese an Feinheit der Witterung und entgehen ihm wifig- Häufiger erbeutet er Dachse, Murn.eltiere, Alpenhasen, Hasel-, Schnee-, Birk- und Auerhühner und greift im Notsall selbst zu Eich- hornchen und Mäusen. Selten fällt ihm bei uns»» Winter, wo er Im Liede klingt des Volkes Lust und Schiuerz, Im Liede klingt sei» Wünschen und sein Wollen, Iiil Liede klingt sein Zürne» und sein Grolle», DeS Voltes Lied— quillt aus des Volkes Herz! sich oft in die unteren Berge und selbst in die Täler wagen muß, ein Reh zu; dagegen versucht er es ivvhl, sich unter der Erde nach den Ziegen- oder Schafställen durchzugraben, ivobei einst ein Ziegenbock, der den unterirdische» Feind bemerkte, als er eben den Kopf aus der Erde hob, diesem so derbe Stöße zuteilte, daß der Räuber tot in seiner Mine liegen blieb.— Der Luchs wird etwas über drei Fuß lang und nicht ganz zwei Fuß hoch. Er hat einen auffallend kurzen, nur sechs Zoll langen Schwanz. Sein Aeußeres zeichnet sich besonders aus durch schwarze Haarpinsel an den Ohren. Sein Balg ist graubraun, rotbraun oder weißgrau und oft mit verschiedenen dunklen Flecken oder Strichen versehen; man nennt ihn daher je nachdem Fuchsluchs, Kazenluchs oder Wolfluchs. Im Süden Europas ivird der gemeine Luchs durch den Pardelluchs vertreten, der kleiner ist als sein nordischer Verwandter und sich besonders durch den großen Backenbart und die langen Ohrpinsel kennzeichnet. Der Balg gehört zu den schönsten und teuersteil Pelz- werken; doch sind die Haare spröde und springen daher nach längerem Gebrauch. Die Jakuten halten auch das Fleisch des Luchses für einen vorzüglichen Leckerbissen und merkwürdigerweise essen auch die Schweizer nach Tschudi Luchsfleisch, das sie für sehr wohlschmeckend halten. Kobell erzählt, daß bei der Fürstenversammlung in Wien mehrmals Luchs- braten auf die Tafel gekommen sein soll und fügt dem hinzu, daß»och im Jahre 1819 in Ettal Auftrag gegeben wurde, Luchswildpret zu liefern, weil solches dem König von Baliern als Arznei gegen den Schwindel angeraten worden sei.— Junge Luchse werden so zahm, als überhaupt ein derartiges Raubtier werden kann. Man darf ohne Gefahr, sie zu verlieren, sie später frei im Hause laufen lassen, doch wird ihre Neugier lästig, da sie jeden fremden Gegenstand zu beriechen Pflegen. Die Kazen bleiben übrigens eben so wenig neben den jungen Luchsen, als die Hunde neben einem jungen Wolf.— Vordem in allen Wäldern Europas verbreitet, ist der Luchs aus Deutschland verschwunden und nur selten ivird ein aus den Nachbarländern zu uns verirrtes Tier geschossen. Dagegen findet er sich noch öfter in Böhmen, im nördlichen Europa, in den Pyrenäen und in den Alpen. In eine dieser Gegenden müssen wir daher die Szene versezen, die unser Bild vergegenwärtigt. Diesmal hatte sich Meister Scharfauge einen Geflügelbrnten versprochen und den edlen, schmackhaften Auerhahn auf seine Speisekarte gesezt. Mit gereckte» Ohren und funkelnden Blicks lauert er in seinem Versteck auf den Lecker- bissen. Aber auch Herr Auerhahn und Dame Auerhahn haben sehr scharfe Sinne, Gesicht und Gehör sind vortrefflich und, vorsichtig wie sie sind, werden sie selten den ihnen nachstellenden Raubtieren zur Beute. Auch der Auerhahn unseres Bildes ist der Gefahr glücklich entronnen. Er hat sich vom Bode», wo er sich des Tages über aufhält, erhoben und in rauschendem Fluge schwingt sich der stattliche Vogel auf einen Baum, wo er vielleicht das glückliche Ereignis in hübschen Versen be- singt. Versniachen nennt nämlich der Waidmann geivisse eigentümliche Töne des Auerhahns, welche derselbe besonders zur Zeit der Balze hören läßt, wo er ganz besonders aufgeregt zu sein pflegt. Er streckt den Kopf vor, sträubt die Kopf- und Kehlfedern und gibt nun schnalzende Laute von sich, welche immer schneller auf einander folgen, bis der Hauptschlag erschallt und das Schleifen ansängk. Dieses besteht auS zischenden Lauten, welche dem Wezen eines eisernen Werkzeugs sehr ähnlich sind und in mehreren Säzen sich folgen; der lezte Ton ivird lang gezogen. Dabei befindet sich der Hahn in einer gewissen Ver- zückung, welche ihn alles um sich her vergessen läßt und so iveit geht, daß er sich sogar um den Knall eines Feuergewehrs nicht kümmert. Aus alle» Winkeln der Zeitliteratur. Rote Kanarienvögel. Der bekannte Omitologe Carl Ruß in Berlin hat im Junihest der von Sacher-Masoch herausgegebenen Revue„Auf der Höhe" eine interessante Arbeit über„die Farben der Vögel" ver- ösfentlicht. Er sagt u. a.: Seit einigen Jahren züchtet man in England Kanarienvögel, deren ganzes Gefieder rot ist. Diese Färbung Ivird da- durch erzielt, daß man die jungen Vögel vor und während des Feder- Wechsels init dem bekannten roten Knyennepsefser(Paprika), fein gepulvert und mit eingeweichtem Weißbrod vermischt, füttert. Der scharfe Pfeffer schadet den Vögeln nichts, dagegen geht seine Farbe ihnen in's Blut über und färbt ihr Gefieder rot. Lassen wir nun der Phantasie die Zügel schießen, so dauert es garnicht lange, da züchten wir nach bestimmten Gesezen allerlei Vögel und färben sie ganz nach Belieben durch dem Kayenuepfeffer gleichwirkende Stoffe in allen Farben des Regenbogens. Wirkung hohen Drucks. W. Spring, ein belgischer Physiker, hat über den Einfluß hohen Drucks auf feste Körper höchst interessante Bei- suche angestellt. Er sezte dabei massive oder pulverisirte Körper einem Drucke aus, der bis zu 10 000 Atmosphären steige» kann. Unter solchem Drucke wurde Kohlenstaub in einen festen Block verwandelt, der alle Eigenschaften der gewöhnlichen Kohle aufwies. Torf wurde in gleicher 524 Weise in einen Block schwarzen Minerals mit glänzendem Bruch um- geformt, das feine Spur organischer Textur mehr zeigte bei 6000 Atmosphären. Durch Druck wurde dieser Torf plastisch; durch Verbrennen dieses so komprimirteu Torfs erhielt man gewöhnlichen CoakS. Durch solche Versuche ist Spring zur Ueberzeugung gelangt, dag durch Hize, verbunden mit Druck von nur 200—300 Atmosphären, unsere heutigen Kohlenlager sich haben bilden können. Weiche Metalle und sehr viel krystallinische Körper in pulverisirtem Zustande lassen sich auch so in mehr oder wenig feste Blöcke venvandeln, die zuweilen ein höheres spezifisches Gewicht haben, als sie vorher in gewöhnlichem Zustande besagen. Aedelbildiiiig. In einer Sizung der londoner physikalischen Ge- selschast wurden kurzlich verschiedene höchst interessante Experimente zur Erläuterung der Rebelbildung vorgeführt. Im Jahre 1875 zeigte schon Maseart, dag bloge Herabsezung der Temperatur oder des Luftdrucks in der Atmosphäre keine Rebel herbeiführen könne, wenn nicht in der Lust feste Rauchteilchen oder gewisse Gase, wie schwefelige Säure, enthalten seien, die einen Kern bilde», um den sich das Wasser kondensirt. Auch Aitki» hat kürzlich dasselbe durch Versuche bewiesen und die Experi- mente in der londoner physikalischen Gesellschaft hatten ebenfalls den Zweck, die Wichtigkeit der Masrart'schen Behauptung darzutun. Dazu war ein kugelförmiges Glasgesäg, das etwas Wasser enthielt, mit einer Luftpumpe verbunden; das Innere der Flasche konnte durch das Licht einer elektrischen Lampe erleuchtet tverden. Zuerst lieg man ein wenig von der staubersüllten Luft des Auditoriums in die Flasche eintreten; bei der dann vorgenommeuen Lustverdünnung trat sofort ein dichter Nebel auf; wurde jedoch das Wasser in der Flasche empor geschüttelt und dadurch der Staub aus der in der Flasche enthaltenen Lust mehr und mehr entfernt, so wurde auch der Nebel immer dünner und dünner. Eine geringe Quantität Rauch führte dichte Nebel herbei; dasselbe er- reichte man dadurch, daß man ein Stückchen brennenden Schwefel in die Flasche brachte; sogar ein durch einen elektrischen Strom in's Glühen versezter Platiudraht gab genug feste Teile ab, um die Bildung eines Nebels zu veranlassen. Tie Necvenkoustitutiou der Insekte». Beim Menschen stehe» außer den Nerven deS Herzeus und der inneren Organe fast alle üb- rigen Nerven unter der Oberaufsicht des Gehirns, alle Betvegnngen der Gliedmaßen und Muskeln geschehen in llebereinstimmung mit Antrieben, welche vom Gehirn ausgehen. Bei den Insekten jedoch ist kein Zentralnervenorgan vorhanden. Allerdings liegt der Hauptknotenpunkt der Nervenmasse geivöhnlich in der Nähe der Sinnesorgane und nimmt direkte Nervenstränge von den Augen, Fühlen», Maul und anderen benachbarten Partien in sich auf, aber Flügel und Beine werde» durch besondere Knoten von Nervenzellen bewegt, die zwar durch eine Art Markleitung mit dem Kopse in Verbindung stehen, aber auch ganz unabhängig von diesem funktioniren können. Wenn wir z. B. einer Wespe den Kopf abschneiden, ihn aus eine Nadel stecken und ihm etwas Zuckerwasser vorhalten, so wird das Maul begierig den süßen Saft cinschlürfe», ohne daß es etwas von dem Verluste des Magens weiß und sich bewußt wird, daß die eingenommene Nahrung an der dem Maul entgegeugesezteil Seite wieder herausläuft. Schlagen wir ferner einem Exemplar der rings um das Mittelmeer vorkommenden Insekten- art der„Gottesanbeterin"(unintis religiosa) den Kopf ab, so.haschen die am kopslosen Rumpfe befindlichen Vorderfüße ruhig weiter nach Fliegen und suchen die gefangene» in das fehlende Maul zu bringe». Mags mit dem Menschen sein wie es will, die niedriger organisirten Tiere sind mehr vder minder bewußte Automaten, deren Lebensäuße- rungen»ein mechanisch durch die Art der Nervenkonstitution und die Eindrücke von außen her bedingt werden. Flöten gehe». Der Ausdruck hat wohl schon manchen gewundert — ähnlich wie das„Maulaffen feil halten"— denn mit einer Flöte und Flöten hat er eben so wenig zu tun, wie dieses feil halten mit irgend einer geheimnisvollen Affengattung. Offenbar stammt auch dieser Ausdruck aus dem Plattdeutschen und zwar muß es eigentlich heißen: fleeten, d. h. fließen, schivimmen. Aus dem ihnen unverständlichen fleeten haben die Süd- und Mitteldeutschen dann„flöten" gemacht, wie aus dem„Maul apeu" loffen) die Maulaffen entstanden sind. Flöten gehen bedeutet also fortfließen, schwimmen gehen— was voll- ständig dem Sprachgebrauch entspricht. Ib. Allgemkinwiffenschaftliche Auskunft. Hamburg. F. L. DaS„Archimedische Gesez" hat mit Politik und Rechtspflege nichts zu tun; eS ist vielmehr ein physikalisches Gesez und besagt, daß jeder in eine Flüssigkeit versenkte Körper von seinem Ge- ivichte soviel verliert, als das Gewicht der von ihm verdrängten Flüs- sigkeit beträgt. Benannt ist dieses„hydrostatische" Gesez nach dem Ge- lehrten, der es entdeckt hat, d. i. der größte Matematiker des klassi- scheu Altertums, Archimedes von Syrakus, der in» dritten Jahrhundert vor Christi Geburt gelebt hat. Aus die Entdeckung dieses Gesezes be- zieht sich das auch heut»och vielzitirte Heureka! z. d.: Ich Habs ge- funden! das Archimedes ausgerufen haben soll, als er beim Baden auf den jenem Geseze zugrundeliegenden Gedanken gekommen sein soll. Zürich. Stud. B. S. Sie finden die gewünschte Auskunft, die uns an dieser Stelle zu geben beiiveitem der Raum fehlt, im„Hand- buch der deutschen Altertumskunde" von Lindensch mitt. Breslau. Kaufin. H. B. Die polnische Literatur der neue- sten Zeit ist garnicht so arm, als Sie meinen. Auf dem Gebiete des Dramas und des Romanes ist Bedeutendes geleistet worden. Auch die Leistungen auf dem Felde der wissenschaftlichen Literatur sind nicht zu verachte». Der bedeutendste polnische Schriftsteller der allerneuesten Zeit ist Kraszewski, der Erzählungen aller Art, von der Bolkser- zählung bis zur historischen Erzählung, soziale Romane und Dichtungen in gebundener Rede geschrieben, Denkwürdigkeiten herausgegeben und als Journalist gewirkt hat und überall der Welt höchst Beachtenswertes bietet. Da Sie die polnische Sprache verstehen, so können Sie sich ja davon überzeugen. Ratgeber für Gesundheitspflege. Erfurt. F. G. Frage», deren Gegenstand nicht von allgemeinem Interesse ist oder sich nicht zur öffentlichen Besprechung eignet, beant- Worten wir nicht, wie Sie sonderbarer Weise meinen, brieflich, son- der» in der Regel garnicht. Unsere Tätigkeit als Ratgeber ist aus- schließlich eine öffentliche, und nur weil wir Ihnen einen Rat geben können, den jeder junge, im übrigen gesunde, aber durch aus- regende Träume belästigte Mai»» zu befolgen wohl tnt, erhalten Sie statt des verlangten Briefes überhaupt eine Antwort. Also: kalte Waschungen vor de»» Schlafengehen, leichtverdauliche Nahrung beson- ders bei der mehrere Stunden vor dem Niederlegen einzunehmenden Abendmahlzeit, tüchtige Bewegung und offener Leib, lezteres, wenn es nicht anders geht, durch Kaltwasserklystire zu erzwinge». Welda». A. Th. Verbinden Sie die eiternde Wunde mit Zinksalbe aus Eharpie. Die Zinksalbe erhalten Sie in jeder Apotekc. Berlin. E.K. Gegen Schlangenbiß ist Allssaugen derWunde, Auslegen von Eharpie, das mit Chlonvasser getränkt ist und festes Binden des gebissenen Gliedes oberhalb der Wunde anzuwenden. Das Aussaugen der Wunde ist ungefährlich, weil daS Schlangengift nur schädlich wirkt, wenn eS in unmittelbare Berührung mit dem Blute kommt. Braunjchweig. W. G. Die„fettigen Stellen" in Ihrem Ge- ficht sind eine Folge überreichlicher Absonderung der Talgdrüsen. Lösen Sie in 12 Teilen siltrirlem Regenwasser einen Teil zerstoßenen gereinigten Borax, wie sie ihn bei jedem Drogisten zu geringem Preis haben können. Gießen Sie, nachdem Sie die Mischung einige Stun- de»» stehen gelassen haben, die Flüssigkeit ab, sezen Sie eine Kleinigkeit Perubalsam oder Orangenblütenwasser hinzu und füllen Sie das so erhaltene Waschwasser ans Flaschen. Des Morgens, wenn Ihr Gesicht nicht mehr vom Schlafe sonderlich ivarn» oder schweißig ist, waschen Sie dasselbe mit jenem Wasser und lassen es einige Minuten unabge- trocknet, um dann die gewöhnliche Morgenwäsche, aber ohne Seife vorzunehmen. Redaktions- Korrefpondenz. Berlin. E. S. Herr M. Trausil hat vor»»gefähr»>., Jahre» die Redaktion et»eZ sreilonlervativen Blattes lideriioniine». Seit jener Zeit hat er aufgehärt, Mit- arbeiter der N. SB. zu(ein. (surilib-(Örafilien). St. Sch. SBoitn kommt die Zorlsejmig Ihre» SlrtilelS über Brasiiien? Frdt.®v. Kittlitz. R. SB. Die Blätter aus dem betresseilden Fremdenbuch, »velche Sie uns eingesendet habe», enthalten nichts, Iva« der BerSffenltichnng wert wäre. Wir schicken sie daher Ihrem Wunsche gemäh zurück. (Uodeioburg. N. Jederzeit derartiges willkommeu. (tharloltenburg. Reserendar und Lieutenant a. D., Schrislstellec und Dichter P. I. Ihre Novetle», Humoresken, Sldhandlnnaen und Bedichte, zusam- men in unser» Händen wohtgezähll ein halbes Schock, sind alle gleichgut und eine* wie da- andre trefflich geeignet zur Stufuahmc-- in unser» Papierkorb. Soltien Sie dieselben jedocki zurückzuerhalten wünschen, so liehen wir ebenfalls gern zu Diensten. «ielleicht teilen Tie uns noch im Bertraue» mit. wieviel Duzend Redaktionen vor uns das Berguügen hatten, diese meist schon durch ihr Sllter ehrwürdigen ltinder Ihre» Geistes bei sich einkehren zu sehen. Inhalt: Verschlungene Lebenswege. Roman von Franz Canon.(Forts.)— Die pariser Salons und die Encyclopädisten. Bon C. Fehleisen.(Forts.)— Gibt es Gespenster? Von Dr. Richard Ernst.(Schlug.)— Im Kamps wider alle. Roman von Ferdinand Stiller. (Forts.)— Gottsched, Götze, Lessina. Ein Stück Kulturgeschichte.(Mit Portraits.)— Proben deutscher Voltspoesie der Gegenwart: Das VolkS- lied.— LuchS llud Auerhahn.(Mit Illustration.)— Aus allen Winkeln der Zeitlitcratur: Rote Kanarienvögel.— Wirkung hohen Drucks. Die Nervenkonstitution der Insekten.— Flöten gehen.— Allgemeiinvissenschaftlichc Auskunft.— Ratgeber für Gesundheitspflege.— Redaktions- Korrespondenz. Verantwortlicher Redakteur Bruno Geiser in Stuttgart. Redaktion: Neu« Weinsteigc 23.— Expedition: Ludwigstraße 26 in Stuttgart. Druck und Verlag von I. H. W. Dietz in Stuttgart.