Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint alle 14 Tage in Heften& 25 Pfennig und ist durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. C/SS3J Dir Alten und dir Urnen. Roman von M. Kcuttsüy. (8. gortsczung.l .Wvhi» wollen Sie, Georg?" fragte Elsa, als sie sah, wie lkser von ihr hinweg dem Ufer zuschritt. .?l»i liebsten fort, aus den Bergen hinaus, entgegnete Ct rauh. ..»�ic sagten uns einmal, Sie könnten das nicht, so lange Mutter lebte, weil Sie versprochen hätten, bei ihr zu dleibci,." _.Ja." sagte er schwer,.ich habe es versprochen." � Dann T' was an Widerstandskrast in ihm war, zusammenfasiend. �ch werde es auch halten."_,... r.Ich denke mirs wohl. Georg." entgegnete ,ie san,t. indem ne.an sei»?? Seite weiter schritt,.es muß Ihnen schwer, allen. a!! �ie nicht hinaus können in die Welt, um in ihr zu lernen. Hcrr Arnold hat Ihnen wohl auch dazu geraten, und er ha �hwn wohl von den großen und kleinen Vorgängen dicker We "iahlt, mit Worten, die eine überzeugende Kraft haben und "neu. das Herz bewegen." Sie, die bisher tief beklommen gestanden, wendete nun den Blick zu ihm empor. »Mir ist, wenn ich Sie höre— als fände ich etwas, das in mir gelegen, nun außer mir— in Ihnen wieder." Sie sagte es leise in unzusammenhängenden Säzen wie eine Eingebung, die einem selbst in ihrer ganzen Bedeutung noch nicht aufgegangen ist. Arnold fühlte sich von diesen Worten eigentümlich berührt, und vielleicht mehr noch von dem Blick ihrh: Augen, die so dunkel, so phantasievoll, so ähnlich den schönen Augen ihres Vaters waren. Er reichte ihr in rascher Geberde die Hand entgegen und hielt die ihrige einen Augenblick fest in der seinigen. Dann wandte er sich wieder Barr zu, es gab noch einiges zu rekapi- tulircn, ehe man sich trennte. Langsam schritt man den Booten zu. .Sic werden mir die Ergebnisse Ihrer ferneren Studien mitteilen und mich Einsicht in Ihre Arbeiten nehmen lassen," ..................&**** fäÄ '"Sil!- ri-I°» in dem Au«-nd"ck- Mm g d-m Sic wandte sich rasch um und w) üvemlicn gefolgt, aus dem Fußwege> davon gelauscn» iwhlichen Lächeln ihr entgegen. würde Doktor Lesebre ..Da bist du sa, ich fürchtete schon. 4 �" ES ist wem wem wildes Mädchen gar nicht fö«* y�n ihm ge- lungct alter Freund Arnold, ich habe. et m,t sagt, 'prochen. Elsa, und er kennt dich stit Kroge, g gcronch)en, "chh ehe wir nach dem Süden gingen. � t°ie, Arnold?". damal»,' bemerkte 'st wir so väterlich nahe getreten, daß wir 1 Geschwister ansehen dürfen." können, das ich zu venvcrten gedenke." Er legte seinen Arm in den Arnolds und sagte leiser mit einem milden Lächeln: .Ich hoffe, Sie wieder zu sehen, sollte mir dies aber nicht mehr vergönnt sein, so werden Sie meine lezten Arbeiten übernehmen als mein Vermächtnis." Arnold sah bewegt auf und in das blasse schöne Gesicht Barrs, in das Krankheit schon einen Zug des Leidens gedrückt, der hier, im vollen Licht des Tages, ihm erst recht deutlich wurde. Er wollte etwas envidern, aber Barr wies auf sein Kind und bedeutete ihm zu schweigen. Sie waren am llfer; Georg war bereits in das Boot gesprungen und steckte das Ruder in .Auch wir werden uns wiedersehen, mein Fräulein," sagte er mit Wärme, ohne jedoch ihre Hand zu ergreifen,„möge es dann zu guter Zeit geschehen und fröhliche Hossnung uns erfüllen." Sie nickte stumm. Er mochte vielleicht eine Antwort er- wartet haben und so neigte er sich forschend zu ihr hinab, um ihr ins Autliz zu sehen. Ihr Mund zuckte unter niedergehaltenen Tränen und die dunklen gesenkten Wimpern schimmerten feucht. Er mußte über den kindischen Kummer des jungen Herzens lächeln, zugleich überkam ihn eine, wie er meinte, ganz brüder- lichc Regung, und zärtlich beruhigend strich er niit der Hand über das goldige Haar. Indem er noch einmal den beiden zuwinkte, sprang er in das Boot. Georg ruderte mit Macht. Bald war das Boot weit draußen im See— und noch ein Winken und Grüßen. Bater und Tochter blieben am Uferrande; sie sahen dem Boote nach und sahen noch in dieser Richtung, nachdem es, den Weg nach der Mühle nehmend, ihren Blicken schon entschwun- den war. Die Sonne war längst hinter dem Salzberge untergegangen, kühl wehte es vom Wasser herauf. Barr, der lange unbeweglich geblieben, durchschauerte es plözlich. Er wandte sich und bemerkte sein Kind neben sich. „Du bist noch da, Elsa, und so still?" Sic warf sich in einem Ausbruch ungestümer Leidenschaft- lichkcit ihm an den Hals. Die lang zurückgehaltenen Tränen stürzten ihr aus den Augen und schluchzend rief sie:„Wird er denn auch wirklich wiederkommen, Papa?" Barr drückte das Kind fest an seine Brust. „Er kommt, beruhige dich," sagte er, und wie zu sich selbst sprechend:„Es war unvorsichtig, Natur und Einsamkeit niachen ein junges Mädchenhcrz allzu empfindlich." Dann den Arm der Tochter in den seinen ziehend,„du sollst vou nun an mehr Zerstreuung haben, wir werden den kommenden Winter ander Rivicra verleben." Viertes Kapitel. Vier Jahre waren seitdem vergangen. Barr hatte, wenn er auch die Absicht gehabt, seine Tochter vertrauter mit der Welt zu machen, doch den weitaus größten Teil dieser Zeit in stiller Zurückgezogenheit verbracht. Für einige Monate war er immer nach seiner Villa nni See gekommen, und er hatte auch einen Teil seiner Bibliotck hierher gebracht. Sein Gesuudhcits- zustand hatte sich indes stetig verschlechtert. Er wußte seit lange, daß eine Genesung unmöglich sei, und er erwartete sein Ende mit jener heitern Ruhe, die denen eigen ist, die auf ihr vergangenes Leben mit einiger Befriedigung zurückdenken und ein zukünftiges nicht inbetracht ziehen. Der Gedanke an Elsa, die er so allein zurückließ, beim- ruhigte ihn zuweilen. Er hatte indes alles getan, um ihr jene persönliche-und ökonomische Unabhängigkeit zu sichern, die sie srek machen und vor gesellschaftlicher. Konflikten bewahren sollte. 'Sie hatte fast ihr zwanzigstes Jahr erreicht und er hatte sie majorenn erklären lassen. Ein tüchtiger Rechtsfreund, dem Barr sein Vertrauen schenkte, sollte ihr Vermögen verwalten und ihr beratend zur Seite stehen. Sein Zustand gestattete ihm in den lcztcn zwei Jahren nicht mehr eine fortgesezte geistige Tätigkeit. Was er an wissen- schaftlichen Arbeiten noch zur Herausgabe bestimmt, hatte er einem langjährigen Freunde übergeben, mit dem Wunsche, daß die Publikation erst zwei Jahre nach seinem Tode erfolgen solle. Ein nicht unbedeutendes Material lag noch ungesichtet in ein- zelnen Notizen und Aufzeichnungen zerstreut in seiner Villa am See, die er wieder aufgesucht hatte. Dahin hatte ihm auch Arnold seine soeben vollendete Arbeit im Manuskript gesendet und Barr hatte an deren Durchsicht und Prüfung die lezten Monate ausschließlich venvcndet. Er bezeichnete dies selbst- ständige Werk des jungen Gelehrten als wahrhaft bedeutend und riet mit dessen Veröffentlichung nicht zu zögern. Er bat Arnold, zu ihm zu kommen, um einiges, über das er anderer Meinung sei, ausführlich zu besprechen und die Art der Herausgabe fest- zustellen. Er sollte dann das Manuskript sogleich mit sich nehmen. Er bat Arnold, sich zu beeile», da er fühle, daß ihm nur eine kurze Frist mehr gegönnt sei. Ter Brief wurde nach London adressivt, wo Arnold seit einem Jahre sich aufhielt. Dieser war soeben nach Irland gereist, um die agrarischen Verhältnisse dieses unglücklichen Landes zu studircn; der Brief wurde nach Dublin ihm nach- gesendet, aber er hatte die Stadt verlassen, um aufs Land zu gehen und unter den Pächtern selbst Umschau zu halten. So dauerte es einige Zeit, ehe der Brief ihn erreichte. Nach Empfang desselben war er unverzüglich abgereist, und er fuhr ohne Unterbrechung, denn es lag ihm alles daran, aus dem Munde des hochverehrten Mannes selbst die ihm so wich- tigcn Urteile und Ratschläge zu vernehmen. Da er London nicht berührte, so gelangte das soeben für ihn dort eingelaufene Telegramm nicht in seine Hände. Es meldete ihm Barrs Tod. In Paris erfuhr er ihn durch die Zeitungen, die dem im Leben vernachlässigten Gelehrten, dessen Bedeutung mau absicht- lich zu schmälern versuchte, nun fast durchaus warme Nachrusc widmeten.„Ein Mensch voll Karakter und ein Denker ersten Ranges, der sein ganzes Leben in unermüdlicher Hingabe der Wissenschaft geweiht, ist dahingegangen," hieß es in den Nc- krologcn. Arnold war tief bekümmert. Ter Mann war ihm mehr als ein Vater gewesen, er war sein geistiger Bildner, sein Freund. Seine Reise wollte er nichts destowcnigcr fortsezen, wenn auch nicht mit der vorigen Eile. Er wollte die Tochter wiedersehen und das arme Kind in seinem Schmerz zu trösten suchen. Auch sein Manuskript gedachte er an sich zu nehmen. Da der Tod, troz der traurigen Voraussicht, doch uncr- wartet plözlich eingetreten war, so hatte Barr möglicherweise darüber keine Verfügungen getroffen, und so konnte es kommen, daß dasselbe unter den Nachlaß geriet, was er nicht wünschte. Er war in Solenbad angelangt. Noch an demselben Nachmittag machte er sich aus den Weg nach Ammsce. Und wieder, wie vor vier Jahren, trat er vor die Kirche auf die Fclsenterrasse hinaus, um über den See nach der ein- samen Villa hinüber zu sehen. Wie verändert war alles! Es war ein bewölkter Herbstnachmittag; grau war die Luft und grau die Berge, an denen langgestreckte Nebel sich h'U' zogen. Unendlich düster erschien das Kolorit des Sees, in dem die hohen Berge in ihrer dunklen Massigkeit sich spiegelten, trübselig und monoton die ganze Stimmung. Das weiße nette Haus selbst erschien kalt und bleich»nd seine Türen und Fenster waren mit Holzladen verschlossen. Ei» feuchter kalter Windhauch blies über den See, er bc' wegte die Ahornbäume, die um die Villa herumstanden, lautlo- sanken die Blätter herab. Kein Zeichen von Leben war ch1' dem stillen einsamen Ufer zu erkennen, ganz verlassen erschien es, ganz verödet. Arnold sah lange hinüber, von tief schmerzlichen Empsi"' düngen ergriffen. Wie heiter und lieblich hatte ihm der Ort entgegen gelacht und wie herzlich ivar er daselbst empfangen worden, und i"1" lag Barr in kühler Erde und sein Haus war leer. Was war aus seiner Tochter, ans dem blonden Kinde den schwarzen Augen geworden, die ihn zulczt uiitcr Träne« angelächelt hatte? Ein schlürfender Tritt ließ sich hinter ihm vernehmen, � sah sich um. Ein häßlich aussehender verlumpter Bursche kam über de« Friedhof daher und ging auf ihn zu. Er asscktirte eine martialische Haltung und hatte den eine« Arm in die Seite gestemmt. Sein Gesicht war rnifgednnK« und er roch nach Branntwein. Es war ein ehemaliger Salzarbeiter, den sie zum Militär genommen und der, als er wieder zurückkam, den Bramarbas spielte und zur Arbeit nicht mehr recht taugte. Im Bergwerk wollten sie ihn nicht haben, und im Orte sürchtete man sich vor ihm; so kam er immer mehr herunter. Zulezt hatte die Gemeinde, die selbst ohne Mittel und in äußerster Dürftigkeit war, dem gänzlich Subsistcnzloscn die Todtenkammer als Quartier angewiesen, und als ein rauher Winter eintrat, hatte man so viel Mitleid gehabt und ihm einen csen hineinsczcn lassen. Er hieß Vogcrl, der Lokalwiz hatte ihm aber noch den Spiznamcn„Unmensch" beigelegt, den er nicht ohne Behagen annahm. Vogcrl Unmensch stand in dem üblen Ruf, alles Getier, das er cnvischcn konnte, umzubringen und für seinen Schmaus herzurichten. Es hieß, seine Nahrung koste ihm keinen Kreuzer, denn er esse Kazen und Hunde, aber auch Mäuse und Natten, von denen es in seinem sonderbaren Wohnorte wimmelte. Er lüpfte, Arnold begrüßend, den ganz zerrissenen und zerknüll- len Hut. »Der Herr ist ein Fremder?" sagte er, sich verbeugend; und sich hierauf selbst vorstellend,„und ich bin halt der Bogerl Unmensch, xjn ausgedienter Soldat, nun, das weiß ein jeder Mensch; und ich wohne ganz in der Nähe, und wenn der Herr vielleicht die Kirche anschauen will, oder das Bei— Bein- paus"— er kam in seiner lallenden Sprache nicht gut über 'e B hinüber—„so stehe ich immer zu Diensten." Arnold fixirtc den Vagabunden einen Augenblick, dann Hagte er:„Ist Fräulein Barr von hier fortgegangen?" Vogerl hatte ein vertrauliches Nicken. »Natürlich, die gräfliche Verwandtschaft hat die Elsa gleich U t �CIfl— Begräbnis abgeholt; es war ja für die Herr- ß•!. c'ne hüllische Bla— Blamage, daß er nicht einmal chviplich be-— begraben worden ist; aber auf unserni Gottes- v er werden Heiden nicht zugelassen." Er richtete sich gravi- .!!'iNer in die Höhe n»d atmete seinen abscheulichen Qualm Arnold ins Gesicht. V �'escr trat angewidert zurück. »Wohin ist der Leichnam gebracht worden?" »Ter Barr hat sich selber die Gruft ausgesucht." lachte der "hold,»da oben am Ccbenstcin; hoch oben, als wollt er dem Hch'niel näher sein, hat man ihn eingesenkt; ob der aber die v'ge Ruhe findet, die wir andere Christcnmcnschcn zu mvarten Vil(Cn~~ h'"-'ch möchte es be— bezweifeln. Tic ? lll jczt verschlossen, wenn Sie sie aber von außen zu be- „ i �en wünschen, mein Herr, ich bin bereit Sie zu führen, nehmen eine Plä— Plätte." "O. danke Ihnen, ich weiß hier selbst Bescheid." Ger rff0.' Ivgtc Bvgerl gedehnt.„Sind vielleicht von der W �'Immission, die für morgen erwartet wird, sind vielleicht Herr Rechtsanwalt selber?" tön. 7 niachtc wieder ein Kompliment, so daß ihm das ungc- ~.H"ar ins Gesicht fiel. der 9rriIC �vrichtskommission wird erwartet, da soll wohl in i a das Inventar aufgenommen werden?" fragte Arnold. vgcrl Unmensch hatte ein behagliches Schnauben. Umftt 1"h l'd) keiner Gcrichtspcrson gegenüber und der da ctm.s""hlS. so konnte er als der Ausknnftgcbcnde sich �jugute tun. djx'vvhl, mein Herr, über alles dort Befindliche wird Sie oufgenominen; na also— wollen Sic oder wollen nicht?" einem ausgedienten Soldaten, wie ich bin. kommts über" QlfQUi an''eh fahre Sie meinetwegen— umsonst hin- unb'r• stcmnlte beide Arme wie Henkeln an seine Seiten q""sgedunsencs Gesicht blähte sich noch mehr auf. »Da>,,?'hm eine kleine Silbermünze und sagte kurz: > unv adieu." besann �""övg sein Gesicht zu einem freundlichen Grinsen, her mi,l„LQbet sogleich und das Geld in der Hand hin und et stech- vs mit einem Auge kritisch beschielend, sagte >■»-t-cr Herr wird schon noch etwas dazulegen müssen, solche Auskunft gibt ihm nicht ein jeder, und überhaupt laß ich mich nicht gern, so mir nichts dir nichts, von der Arbeit auf- halten." „Zu deiner Arbeit kommst du noch früh genug, und es liegt nicht in meiner Absicht, dir allzurciches Material dafür zuzu- führen." Arnold wandte ihm den Rücken. Vogerl behielt beide Anne in die Seiten gestemmt und sah dem Tahinschrcitcnden mit einem>vidcrlichcn Lächeln nach.„Vor solchen Kerlen graust mir immer," grunzte er, sich schüttelnd. „Sie schimpfen einen nicht, wie ein gewöhnlicher aufrichtiger Mensch tut, sie lassen sich aber auch nicht imponiren, man weiß nicht, wie man mit ihnen dran ist." Arnold stieg gegen die Lahn hinab. Er hätte gerne niit Georg gesprochen, aber dieser war am Salzberg oben, und so wollte er denn hinüberfahren und das einsame Ufer betreten, das so wehmütig teure Erinnerungen in ihm weckte. Am Landungsplaze lagen mehrere Boote, er sprang in das erste beste und machte es los. Nach zwanzig Minuten befand er sich am jenseitigen Ufer. Er fuhr in die Schiffshütte ein und sprang ans Land. Wie er über die feuchten faulenden Matten dahinschritt, scheuchte er eine Schaar Krähen auf, die krächzend weiter flogen. Er wandte sich der Villa zu. Ein Gedanke drängte sich ihm ans und begann ihn zu be- unruhigen. Morgen sollte hier in der Stille die Inventur ans- genommen werden, würde es ihm gelingen, sein Recht auf das Manuskript geltend zu machen und würde ihm sein geistiges Eigentum sofort zurückgestellt werde»? Er bezweifelte es. Eine Amtshandlung würde darüber eingeleitet werden, das Manuskript selbst würde beschnüffelt und vielleicht bei der Behörde deponirt werden. Im besten Falle würde eine Verzögerung daraus er- wachsen, die die Drucklegung auf Monate hinausschieben würde. Er war um die Villa herumgegangen, ungeduldig und erregt. Er kam an die hölzerne Treppe, über welche man von der Rück- leite des Hauses nach dem Balkon hinaufstieg, er betrat den- selben und kam an den niit Laden geschlossenen Fenstern und an der Tür vorüber. Die Holzgallerie ging um das Haus herum, er machte die Runde mehrmals und stieg dann wieder hinab. Als er an der äußeren Küchentür stand, die nach dem Felsen zu ging, fiel es ihm auf, daß diese nur aus weichen Brettern bestand, er trat näher und sah, daß das Schloß alt und verrostet und in zerbröckeltes Mauerwerk eingefügt war. Diese Tür mußte dem Drucke einer kräftigen Manneshand nachgeben, und doch verschloß dieselbe Gegenstände von Wert, zunächst sein kostbarstes Eigentum. In nervöser Energie drückte er daran, und was er von der Kraft eines andern befürchtet, die scinige hatte es schon zuwege gebracht: die Tür war offen. Das Geschehnis machte ihn doch betroffen, das war Ein- bruch. Tann mußte er wieder lächeln, sein Arm hatte voll- zogen, indes sein Verstand noch unschlüssig mit sich zu Rate ging. Aber nun wollte er auch allen Borteil aus dieser raschen Tat ziehen. Der heftige Wunsch, sich sofort in den Bcsiz seines Ma- »uskriptes zu sezcn, überwog alle ivciteren Bedenke». Ter Schlüssel steckte von innen in der kleinen Tür. Er keilte ein Stück Holz in die Mauer und befestigte das Schloß, dann versuchte er die Tür hinter sich zu schließen; es gelang ihm. Er betrat das einsame verwaiste Haus. Er durchschritt die Küche, die>vohl eingerichtet war und Vorräte aller Art zu bergen schien; er gelangte in das Stiegen- Haus und in den ersten Stock. Die Gemüchcr waren dunkel, die Türen und Fenster fest verschlossen, aber er hatte einen Leuchter aus der Küche mitgenommen und zündete nun'die Kerze an. In dem Empfangszimmer fand er noch all die trauliche Anordnung, als wäre es vor einem Augenblick erst verlassen worden. Er schlug eine Portiere zurück und betrat das Arbeits- i zimmcr Barrs. Auch hier wies alles auf eine kaum beendete Tätigkeit. Auf dem großen Schreibtische tagen Papiere aller Art umher, Bücher waren aufgeschlagen und niit Zeichen versehen, und in dem großen Broncegcfaß war die Dinte noch nicht vertrocknet. Eine Vase mit welkenden Blumen stand in einer Ecke und daneben eine Zigarreukassette, deren Deckel geöffnet war. In einer reizenden silbernen Schale lag noch die abgestreifte Zigar- renasche. Barr hatte bis zum leztcn Augenblick gearbeitet und, seiner Gewohnheit gemäß, dabei geraucht. Alles vergegenwärtigte ihm den Teuren, der hier gewaltet, und es war Arnold, als trüge das weiche Fell, das unter den Tisch gebreitet lag, noch den Abdruck seines Fnßes. Er ließ sich in den weichen Lchnstuhl gleiten, und nach- dcntlich stüzte er den Kopf in die Hand.� Das Licht brannte düster; eine tiefe Stille umgab ihn, und doch zugleich ein Odem des Lebens und des geistigen Schaffens. Und kann ein so reiches Geistesleben denn wirklich zugrunde gehen? Nein, was ein Geist gedacht und geschaffen, wirkt fort und fort, und es verkörpert sich die Lehre und wird zur Wirklichkeit. Arnold legte eine Anzahl Bücher bei Seite und zog ein Schubfach heraus. Es enthielt eine große Anzahl von Schrift- bogen, Arnold riß sie an sich, es war sein Manuskript. In lebhafter Freude drückte er es an seine Brust, gleich einem wiedergefundenen Schaz. Ein offener Brief lag darin. Arnold durchflog ihn rasch. Er war an ihn gerichtet und enthielt Andeutungen, das Werk betreffend, und zum Schluß die Bitte, Arnold möge gelegentlich seine Aufzeichnungen und Aotizen ordnen und zusammenstellen. Das mußte nun freilich auf geeignetere Zeit verschoben lvcrdcn. Er schloß die Schubfächer, steckte hierauf das Manuskript zu sich und kain»vieder in das mittlere Zimmer zurück. Als er an einer Reihe Fauteuils vorüberschritt, fiel ihm ein Damentuch in die Augen, das über einer Lehne hing. Das blonde Mädchen stand mit eincmmale vor ihm in all seiner Lieblichkeit und in all seinem Schmerz. Wie»vcichherzig»var dies zarte Geschöpf und welch tiefes Leid mußte ihm diese Trennung von deinjenigen gebracht haben, der bisher seine ganze Welt gcivescn! Und sie»var also fort, und die adelige Bcrivandtschast ihrer Mutter war es, die sie himvcg geholt? Univillkürlich»vandtcn sich seine Augen der Türe zu, die in ihr Zinimer führte, als könnte ihm von dort nähere Aufklärung über ihr Schicksal kommen. Einen Augenblick später hatte er dessen Schwelle überschritten. Helle Tapeten, kleine zierliche Möbel, ein großer Spiegel und einige Blumenstillleben an den Wänden ließen es ungemein freundlich erscheinen und Arnold fühlte sich univillkürlich davon beeinflußt. Er lächelte. Es»var das erstemal, daß er das Gemach einer jungen Danie betrat. In seinem Leben hatten die Frauen noch keine Rolle gespielt. Nicht ohne Neugier begann er sich genauer umzusehen, und um sich in diesem Beginnen zu nntcrstüzen, zündete er einen Kandelaber au, der auf dem kleinen Kamin stand. Auf einer Staffelei in der Nähe des Fensters bemerkte er das Porträt Barrs, ein Brustbild in natürlicher Größe. Es zeigte ihn in der Fülle der Kraft und seiner männlichen Schön- heit. Arnold betrachtete es lange. Ein Kranz, aus den vcr- schicdenstcn Blüten geivundcn, hing nun»velk über dem Rahmen; ein Fautcuil»var davor geschoben. Da hatte sie gesessen,»vic er, in diese schönen lebendigen Züge gesehen, und sich den Vater in all seiner Vollkommenheit zurückgerufen. Ein kleines feines Sacktuch lag in einer Ecke, er griff darnach;»var es nicht feucht von Tränen? Er führte es selbst an seine Augen. Und hier eine volle Rose, sie schien noch jezt von Tust erfüllt. Arme Kleine! Die Blume hat ihr Erquickung gebracht, und ettvas von der Freude des Daseins. Er tat einige Schritte im Zimmer auf und nieder, er»var in eine ihm unerklärliche Stimmung geraten. Es»var, als »vürc die Atmosphäre, die ihn umgab, erfüllt von dem Hauche ihres Lebens, und als müsse er darin nachfühlen,»vas sie hier gedacht, geträumt und gelitten. Er stand vor dem Kamin, ein kleines aufgeschlagenes Büchelchen lag auf dem Gesimse. Es waren gesammelte Aussprüche der Klassiker des Alter- tums. Zivei Hexameter waren unterstrichen, er las: „Sieh, nicht wütet der Sturm durch sämmtliche Tage des JahrS, Dir auch, glaube mir, wird lachen noch freundlicher Lenz." Armes mutiges Kind, es hatte in seinem Schmerz nach Trost gesucht, es»vollte in ihm nicht untergehen. Elsa standen keine Träume zu Gebote voil einem Wiedersehen im Jenseits, sie hatte nicht diese Narkose der Schivachcn. Sie hatte nur die Ucberzeugnug, daß eine Naturnotivcndigkeit, vor der»vir uns alle beugen müssen, ihr dieses große Leid gebracht, und sie besaß ihre durch nichts verkümmerte Lebensfreudigkeit, die ihr eingab, dem großen Schmerz auch eine große Kraft entgegen zu sczen. Alles zeugte davon. Sic rcagirte gegen diesen Kummer so viel als möglich. In dcinsclbcn Büchclchcn lag eine Visitenkarte. Gräfin Helene von Falkenstein stand darauf. Es»var dies »vohl die Verlvaudte, die hierher gekomnien»var sie abzuholen. Auf der»veißcn Seite»varcu einige Zeilen mit Bleistift flüchtig hingeworfen:„Teure Elsa, deine Tante»vünscht dich zu um- armen und deinen Kummer zu teilen." Und Elsa»var dieser Tante nun»virklich gefolgt? War dies nicht auch natürlich? Das junge Mädchen konnte hier nicht allein bleiben, in dieser Einsamkeit, unter dem Schuze einer alten Dienerin. Aber die Welt, in die man sie geführt, war aus ihr neuen Elementen zusammcngesezt, sie besaß all die Vorurteile einer buchstabengläubigcn Weltanschauung, und Elsa»vürde vielleicht darunter zu leiden haben. In einiger Erregung schritt er auf und nieder. Elsa»var majorenn, sie konnte dieser Welt entfliehen, wenn sie ihr nicht bchagte, und niemand würde ein Recht haben, sie darin festzuhalten. Der Vater hatte diesen Fall vorausgesehen und sein Kind nach Möglichkeit davor zu sichern gcivußt. Jede Intervention von seiner Seite schien ihm unberechtigt und»vohl auch überflüssig, niemand hatte ihn dazu autorisirt, nicht Barr, nicht Elsa selbst, und doch»väre er ihr als ein Freund so gerne zur Seite gestanden. Er bemerkte einen dnnkelsarbigen Mantel, der über den Tisch gcivorsen»var, ein einfacher Strohut lag daneben. Offen- bar hatte sie diese Kleider anlegen»vollen und die Tante hatte ihr dies nicht gestattet, da sie nicht die einer vorschriftsmäßigen Trauer waren. Aber Elsa wußte ja nichts von dieser jüdisch- christlichen Askese, von dieser Religion des Leidens, die die Schmerzen dieser Welt noch zu vergrößern sucht, um so des eivigcn Lebens»vürdig zu erscheinen. Ihr Schmerz um den Vater hatte nach äußerlichen Zeichen der Trauer nicht begehrt, und sie hatte nicht in berechneter Koketterie nach dem intcrcs- sauten Schivarz gegriffen, um ihre Blässe hervortreten und sie noch unglücklicher erscheinen zu lassen; aber die vorsorgliche Gräfin hatte»vohl, um der Sitte genug zu tun und den Gläu- bigen kein Acrgernis zu geben, die Traucrtoilette gleich mitgebracht. Arnold schob den Mantel etwas bei Seite med ein sar- kastisches Lächeln trat auf seine Lippen, als er die Gegenstände, die darunter lagen und die seine Vermutung bestätigte», näher betrachtete. Hier»var ei» großer schwarzer Fächer und daneben ein geöffnetes Etui, in dem ein vollständiger Trauerschmnck sich befand. „Die Frivolität in der Askese," murmelte er.„Aber sn »vill es die heuchlerische Mode unserer Zeit, in der alles für den Schein berechnet ist, und in der sogar dem natürlichsten und»vahrsten Schmerz noch ein Mäntelchcn umgehaugcn wird, um die Blicke aller auf sich zu ziehen, ihn dem heuchlerischen Mitleid preiszugeben und ihm so jede Würde zu rauben. Aber Elsa hatte diese Dinge zurückgcivicsen. Sie hatte das Anlegen schivarzcr Ohrringe uird schlvarzer Armbänder nicht als einen Akt der Pietät aufgefaßt. Daz» »var sie zu natürlich, zu unverdorben, aber sie hatte durch diese? Zurückiveisen ihre Selbständigkeit beivieseu, und daß sie hin- längliche Energie besaß, um sie zu wahren. Ter gefesselte Prometheus.(Seite 98.) FrcSke von Franz Simin im Treppenhause des kaukasischen MuscumS.in TifliS. 82 Das blonde Mädchen war kein Kind mehr. Dieser Gedanke schien ihm alle Beruhigung zu geben. Er verließ das Zimmer und die Villa. Sorgfältig verschloß er die Tür von außen; er hatte ihr die vorige Festigkeit wieder gegeben, und schob den Schlüssel in seine Tasche. Es war dunkle Rächt geworden, Nebel lagen über dem See und kaum vermochte er die Landungsstelle wieder- zufindcn. Erst spät des Nachts erreichte er Solenbad. Mit dem nächsten Zuge fuhr er nach der Residenz. Er begab sich in das Hotel, das er in vorhinein für seinen Aufenthalt bezeichnet, und schrieb hier einen Brief an Fräulein Barr, worin er ihr das Geschehene mitteilte und sie bat, ihm sein eigenmächtiges Eingreifen zu verzeihen. Er sagte ihr, daß er sofort nach London zurückkehren und daß die Fertigstellung und Herausgabe seines Werkes seine ganze Tätigkeit in An- spruch nehmen werde. Sobald dies geschehen, werde er hierher zurückkehren. Tann hoffte er sie wiederzusehen, und er bat sie, ihn jederzeit als ihren treuestcn und ergebensten Freund zu be- trachten. Er begab sich mit diesem Schreiben zu dem Rechts- auwalte, um es ihm zur Besorgung zu übergeben. In der Kanzlei erfuhr er, daß derselbe vor einer Stunde nach Ammsce abgereist sei. Er erfuhr zugleich die Adresse Elsas und daß Gräfin Falkenau die Schwester von deren Mutter und eine noch junge Dame von vollendeter Liebenswürdigkeit sei, so daß der Aufenthalt in ihrem Hause als der passendste und zugleich an- genehmste für Fräulein Barr angesehen werden müsse. Als Arnold in sein Hotel zurückkehrte, wurde ihm ein Schreiben übergeben, das den hiesigen Poststempel trug. Es war nach London adressirt und dem Adressaten nachgeschickt worden. Ter Brief kam von Baron Rhcintal; er war schwarz um- rändert und trug ein schrvarzcs Siegel. Dieses äußerliche Zeichen der Trauer hatte ihn jedoch keines- Wegs zu beunruhigen vermocht, es war länger als ei» Jahr, daß die Gattin seines Vaters gestorben war, und der Inhalt des Briefes trug keineswegs den Stempel trostloser Witwerschast, er war übermütig heiter, ja burschikos. Der Baron wünschte, daß Arnolds Reisen ihren vorläufigen Abschluß fänden und daß er hierher zurückkehre. „Ich habe Pläne mit dir, mein Lieber," schrieb er ihm, „du sollst in meinem Hanse wohnen, nichts steht dem im Wege. Ich lasse einige Appartements für dich einrichten und wir werden dann ä deux ein flottes Gar�onleben führen.— Mache rasch deine Abschiedsvisite und komm. Zu Anfang der Saison möchte ich dich hier haben, sie verspricht glänzend zu werden. Ei» Caroussel im Kostüm, lebende Bilder und einige Provcrbes sind schon jezt projektirt. Alle meine Talente werden dafür in An- spruch genommen. Dann kommt noch die Politik und manches andere hinzu. Du sollst mir ein wenig beistehen, mein Freund. Apropos, Lord B. hat mir viel Liebenswürdiges über dich geschrieben, er bedauert nur, daß du in den Zirkeln so selten zu sehen bist. Was treibst du denn, du Schlingel?— Einstweilen mache ich für dich hier Reklame." Arnold überlegte einen Augenblick, dann legte er den Brick in sein Portefeuille und befahl den Wagen. Er konnte dem Wunsche des Barons in diesem Augcnblill nicht Folge leisten. Er hatte Ernstes übernommen und ivollic es ausführen. Er fuhr nach dem Bahnhof und löste eine Karte nach Paris- lZortscjung folgt.) Winterlkbrn der Tiere. lHärcn, Mausern, Farbenveränderungen, Winterschlaf, Wanderungen.) Von Realschullchrer Htto Leßnrcrmr. (Sfllufc.) Der Umstand, daß die bezeichneten Farbenverändcrungen Tieren eigen ist, welche kalte Erdgegenden bewohnen, muß uns zu dem Schlüsse führen, daß der Wärmegrad einen Einfluß darauf aus- übt. Der langsame Fortschritt dieser Veränderungen in einem milden Herbst und die unvollkommene Umwandlung in einem gelinden Winter bestätigen jene Voraussezung. Ueberdics wird die Veränderung bei manchen Tieren, wie bei dem Taucher- huhu, in gemäßigten Zonen nie, sondern nur ini äußersten Norden vollständig. Die Verteilung der Farbe in dem Tier- reiche scheint im allgemeinen einem und demselben Geseze zu folgen. Tiefe und glänzende Farben sind vorherrschend, während sie unter kälteren Himmelsstrichen blaß und matt werden. Tic Kälte scheint die Tätigkeit der Gefäße zu vermindern, welche den färbenden Stoff absondern, und wenn sie heftig wird, diese Tätigkeit gänzlich zu hemmen.— liebet den natürlichen Zweck jener Farbcnveränderungcn nach dem Wechsel der Jahres- zeitcn hat man manche Vermutungen aufgestellt. Tic oft aus- gesprochene Meinung, daß die Farbenverändcrung die Tiere im Winter gegen ihre Feinde schüzcn solle, könnten zwar der Berg- Hase und das Schneehuhn für sich anführen, die sich auf dem schneebedeckten Boden vor den Raubvögeln verbergen würden, aber dem kühnen und behenden Hermelin müßten sie dann desto leichter zur Beute werden, und den im Winter gefleckten Vögeln kann die Farbenvcränderung keinen Schuz geben. Der cigcnt- liehe Zweck dieser Natureinrichtung scheint darin zu liegen, daß die weiße Bekleidung jener Tiere besser geeignet ist, die in dem Körper entwickelte Wärme zusammenzuhalten als eine dunkel gefärbte, dje mehr Wärme ausstrahlt und daher die Lebens- wärme vermindert. Die Veränderung in der Dichtigkeit und Farbe der Hautbedeckung der Tiere ist geeignet, ihre innere Wärme in den verschiedenen Jahreszeiten gleichmäßig machen. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen in dem tierische Leben ist der Winterschlaf, der eine der geheimnisvollste» erhaltende» Vorkehrungen der Natur ist. Es gibt nämlich mchrcck Tiere, welche außer der täglichen Ruhezeit einet jährlich ciniilf Monate dauernden Untätigkeit bedürfen, um in der übrigen des Jahres die Beschwerden des Lebens ertragen zu könne»- Betrachten wir zuerst die Erscheinungen, welche in diesem 3»' stmibc hervortreten und nach den Tierklassen verschieden fi"* Bei den Pflanzen ist der Winterschlaf Regel, bei den Tiers" aber erscheint er nicht so allgemein und besteht darin, daß P' die Winterzeit in der Verborgenheit und mit Unterbrechung � Sinnentätigkeit, der willkürlichen Beivegung und der Ernährung zubringen. In, schärfsten Gcgensaze zeigen sich in dieser ziehung die Vögel und Amphibien, da bei jenen der Winter' schlaf in der Regel gar nicht erscheint, bei diesen aber allgenie'" ist. In den übrigen Tierklasscn ist nur einzelnen Gattunge» dieser Zustand eigen. Unter den Weichtieren(Mollusken) schlaf z. B. die Schnecken, während andere auch unter dem Eise wach»"' unter den Insekten erstarren die meisten Käfer, andere»üf durchleben den Winter im Freien oder in ihren Nestern. IluC die Biene» in ihren Körben. Mehrere Süßwasser- und See' fische erstarren im Winter. Unter den Säugetieren sind dc-" Winterschlafe mehrere nächtliche Tiere bei den Handflüglee" unterworfen, z. B. die Fledermäuse, einige Insektenfresser; f sonders aber mehrere Nagetiere, z. B. der Hamster, das Ei-f Hänichen, die Haselmaus. Der Winterschlaf besteht teils"! einem tiefen, den ganzen Winter fortdauernden Schlafe, wie � den in der Erde lebenden Insekten und dem Murmeltiere. K". in einem von Zeit zu Zeit unterbrochenen Schlafe, wie K' mehreren in der Lust lebenden Insekten, die bei mildem 28� erwachen und herumfliegen, oder bei den Igeln, den Hasel-"" 83- Stebcrmiiufcit, die bei jedem Tauwetter erwachen und wieder äw Ruhe gehen, teils aber ist es nur ein Vorherrschen des Schlafes, indem das Tier in seinem Lager den größten Teil es Winters schlafend zubringt, und gar keine oder nur wenig Wahrung genießt, z. B. der Dachs, der Biber.— Die Nahrung Wiuterschläfer ist sehr verschieden nach den Klassen,'zu vclchcn diese Tiere gehören; so lebt die Fledermaus von In- Ickten, der Igel von Würmern, Schnecken, der Hamster und «s Murmeltier von Pflanzentcileu. Ter Winterschlaf beginnt c> mehreren Insekten mit dem ersten Froste, bei andern früher; gewöhnlich suchen die Winterschläfer ihren Ruheplaz, wenn das ermometer um den Eispunkt steht, im allgemeinen zu der Zeit, v,0 iN" schwierig wird, sich Nahrung zn verschaffen. Bei Js 3*" und bei dem Hamster währt der Winterschlaf vier '2 fünf Monate, bei mehreren Schnecken und Landschildkröten, ei dem Murmeltier und der Haselmaus länger. Tie Zeit des ptuichens fällt meist in den März oder April, wo die Nahrung vn'f 7.�üufiger wird.— Das Winterlager ist nach den Ge- oynheiten der Tiere verschieden. Luftinsekten leben unter Laub, urzeln oder Steinen, in hohlen Bäumen oder Mauerspalten, Mcrkäfer im Schlamm, Wasserschnccken in der Tiefe des Ln�c � e>der im Schlamm, Laubschnecken unter Moos und ss"" andere in Erdlöchern, mit der Leffnung ihres Gehäuses v,?.°�n; die Fische im Schlamm, Seefische in der Nähe der an b �udschildkrötcn in Erdgruben. Das Murmeltier gräbt an. et südlichen oder westlichen Seite des Gebirges etwa zwei cna � ein Backofen gewölbte Erdhöhlen, zu deren «aH �dc, Sand, Laub und Steinen verstopftem Ein- rimlT C"' �"ücr Gang führt. Das Ziesel hat eine länglich toal»''�)CU ausgefüllte Höhle, deren Eingang es verschüttet, hat C§ e.!ne" andern Gang bis dicht an die Oberfläche an- JLint? es sich nach dem Envachen vollends durchgräbt. Alle Feinb� �er suchen einen Ruheplaz, wo sie, entfernt von ihren üegen Abwechslung von Kälte und Wärme geschüzt, ü> il schlafen können. Die meisten Insekten liegen einsam gcsckn Winterschlafe, andere ruhen gesellig und aneinander �cbcn Un� öwar nicht blos solche, die im Sommer gesellig toiewobl• me''ten Amphibien leben einsam im Winterlager, eüemn f. �'ule Schlangen sich haufenweise beisammen legen, und seine» � manchen Säugetieren, z. B. den Zieseln, jedes llere Hühle, während gewöhnlich fünf bis sechs Murmel- 'ht!!, C'"CV Hühle liege». Wenn die Wiuterschläfer sich in derc o U9Ct|tt zurückziehen, nehmen sie gewöhnlich eine beson- kleinen� C'11 Derschen sich auch wohl vorher mit einem im«v u träte von Lebensmitteln. Mehrere Insekten liegen wie Seif,,.�uuzustande, und ziehen Füße und Fühlhörner an den » y Cl Ik t rt L% V Z ma Ä.. i» ,i�. rf*e s zusammen ducken und die Äugest verschließen. �cklas verfallen, , Wenn die Winterschlaf« in dresen Lebens. sAuß nicht geweckt werden konnten. �_l � � � bedeutenden l(Umüi geworden, daher merkt man ber gzUe gänzliche elektrischen Schlägen streckt es sich, öffnet die Augen, erwacht aber nicht; nur durch sortgeseztes Galvanisiren wird es völlig geweckt. Die Glieder der Insekten werden so starr, daß sie eher brechen als sich biegen lassen. Bei den Säugetieren sind die Muskeln stark zusammengezogen, und ein mit Gewalt aus- eiuandergerolltcs Murmeltier kugelt sich von selbst wieder zu- sammcn. Der italienische Naturforscher Mangili fand, daß bei den wachenden Murmeltieren, wenn er ihnen den Kopf abschnitt, der Herzschlag fünfzig Minuten, bei schlafenden drei Stunden dauerte. Während des Winterschlafs hört das Äiahrungsbedürf- nis auf, die Verdauung steht still, und erst bei dem Erwachen erfolgt eine Tarmentleerung. Man fand bei schlafenden Mur- meltiercn Magen und Därme verengt, den Mastdarm mit einem dem sogenannten Kindspcch ähnlichen Kote angefüllt und in der Gallenblase eine graugrüne, wenig bittere Masse. Diejenigen Tiere, welche sich Vorräte einsammeln, zehren davon vor und nach dem Winterschlafe, andere aber, z. B. die Haselmaus und der Igel, werden, wie es scheint, von Zeit zu Zeit durch Hunger geweckt, und zehren dann von ihren Vorräten. Bei dem Er- wachen sind die Tiere halb betäubt. Insekten, die an warmen Wintertagen aufleben, zeigen sich stumpfsinnig. Ter erwachende Hamster streckt sich, öfstiet den Mund, stößt knurrende Töne aus, öffnet endlich blinzelnd die Augen und versucht es, sich auf die Beine zu stellen, aber seine Bewegungen sind unsicher und er taumelt, bis er nach wiederholten Anstrengungen den Gebrauch seiner Glieder wieder erlangt. Diese Verändeniugen mögen unmerklich vorgehen, wenn das Tier in seiner Höhle bleibt, wo es die Unannehmlichkeiten nicht fühlt, die mit einer gewaltsamen Envcckung unter den Händen beobachtender Natur- forscher verbunden sind. I» den Lebcnstätigkeiten der Winterschläfer zeigen sich merk- würdige Veränderungen, die besonders die Erzeugung der inner» Wärme, das Atmen und den Blutumlauf treffen. Der Herz- schlag vermindert sich, und sinkt z. B. bei der Fledermaus auf ein Viertel, bei dem Murmeltiere auf ein Neuntel gegen den wachenden Zustand. Bei dem Hamster ist der Blutumlauf so langsam, daß das Herz in einer Minute nur fünfzehnmal schlägt, während man bei dem wachenden Tiere hundertfünfzig Schläge zählt. Noch laugsamer wird der Blutumlauf bei der Hasel- maus, bei welcher man im wachen Zustande die Pulsschläge kaum zählen kann, wogegen sie im Winterschlafe endlich auf sechzehn in einer Minute hcrabgehen. Im tiefsten Winter- schlafe ist kaum Atmen zu bemerken, und erst unter dem Ein- flussc von fünfzehn Grad Wärme trat es bei einem Murmel- ticr ein. �Zuweilen erfolgt die Atmungsbewegung unmerklich, wenn nian das Tier an die freie Luft bringt. Bei dem Igel erfolgen dreißig bis sünsunddreißig Atemzüge nach vierstiindigen Pausen. Aber auch das Bedürfnis des Atmens ist während des Winterschlafes geringer. Beobachtungen haben gezeigt, daß schlafende Insekten nicht leicht ersticken, und die Fledermäuse selbst dann nicht, wenn sie einige Minuten lang unter Wasser gehalten werde». Die Lungen schlafender Murmeltiere sind zu- sammengcfallen und enthalten wenig Luft, während in den Ge- säßen derselben viel Blut ist. Bei den Insekten ist der Nah- rungssaft, der die Organe umgibt, während des Winterschlafs dicker und nimmt später ab. Bei den schlafenden Säugetieren enthält das Blut viel wässerige Teile und wenig feste Stoffe. Die Wärmeerzeugung vermindert sich, doch ist diese Vermin- derung nicht bei allen Säugetieren gleich. Gewöhnlich sinkt die Lebenswärme sehr tief. Aus Vergleichungen des Zustaudes dieser Tiere im Wache» und im Winterschlafe ergab sich, daß die Wärme in der Brusthöhle und in der Bauchhöhle bei dem Murmeltiere von 30 auf 4, bei der Haselmaus von 29�2 auf 3' 2 Grad sank. Nach anderen Beobachtungen war die innere Lcbenswärine im Winterschlafe niedriger als die Luft innerhalb der Höhlen, wo die Tiere ruhten, doch war diese uni einige Grade höher als die äußere Luft. Tie Wintcrschläfer nehmen au Gewicht ab. Ein Murmeltier verlor nach Maugilis Beobachtungen binnen zwei Monaten zwei Unzen an Gewicht, eine Fledermaus nach einem andern Beobachter in drei Wochen',»2 ihres Gewichts. Aus diesen Erscheinungen ergibt sich, daß bei dem Winter- schlase hauptsächlich der Znstand der Sinnentätigkeit Verän- derungcn erleidet. Der Schlaf beginnt mit Empfindungen, die das Tier veranlassen, sich in die Verborgenheit zurückzuziehen. Das tierische Leben tritt von der Oberfläche zurück. Zuerst nimmt das Atmen ab und dadurch vermindert sich der Blut- umlauf und die Wärmeerzeugung. Beim Erwachen treten Atmen, Blntumlauf und Wärmeerzeugung nur allmälich in den rcgcl- mäßigen Zustand zurück, und zwar um so später, je tiefer der Schlaf war. Die bedingenden Ursachen dieser Erscheinung liegen zunächst in dem Umstände, daß die äußere Welt in einer bestimmten Zeit die zur Erhaltung des tierischen Lebens nötigen Mittel versagt. Das Tier wird dann in einen Znstand versezt, in welchem es, ungeachtet jenes Mangels, sein Leben zu erhalten vermag. Der Winterschlaf soll aber auch gegen die ungünstige Luftbeschaffenheit der Jahreszeit schüzen. Die Winterschläscr sind sehr empfindlich gegen Kälte; der Igel z. B. erstarrt und stirbt, wenn man ihn einer Kälte von acht Grad aussezt.— Wie wirken nun diese Umstände, die die Erscheinungen des Win- terschlafs herbeiführen? Die Triebe des Tieres sind erloschen, und es zieht sich zurück, weil die Außenwelt ihm nichts mehr darbietet; es sehnt sich nach Ruhe, weil es nach halbjähriger Fütterung gesättigt ist. Das Fett, als Ueberschuß an bildender Tätigkeit, kündigt die Befriedigung des Nahrungstriebes an. Bei vielen Winterschläfcrn hat es sich so reichlich abgelagert, daß es die Eingeweide der Bauchhöhle ganz einhüllt, und die Brusthöhle ausfüllt. Es veranlaßt die Schläfrigkeit des gesät- tigteu und befriedigten Tieres und trägt mit andern Umständen, z. B. der gekrümmten Lage, dazu bei, den Raum für die Lungen zu beschränken, wodurch das Atnien vermindert wird. Das Blut bleibt größtenteils in den Adcrstämmcn, und es findet nicht mehr ein vollständiger Kreislauf statt. Während indes in diesem Zustande die bildenden Lebenstätigkeiten fortdauern, entwickelt sich in der Ruhe allniälich eine neue Empfänglichkeit für Ein- drücke. Die Trägheit weicht, Muskeln und Nerven ivirken leb- haster aufeinander, nach der Zersczung des Fettes wird die Lungentätigkeit freier und durch das vermehrte Atmen mehr rotes Blut gebildet, welches das Gehini zu erregen vermag. Zugleich treten Umstände ein, die das Gemeingefühl beleben. Das Bedürfnis der Nahrung cnvacht, und so erhebt sich das Tier zu neuer Tätigkeit gerade in der Zeit, wo die Außenwelt die Befriedigung seiner Triebe begünstigt. Die Veränderungen in dem winterlichen tierischen Leben, welche wir bis jezt besprochen habe», sind weit häufiger als das Vorkommen solcher Tiere, die bei der Annäherung des Winters den Uebcrfluß des Herbstes einsammeln, um sich sür den Winter hinlängliche Nahrung zu sichern. Alle Tiere, die diese Gewöhn- heit haben, leben von Pflanzen und gehören fast ohne Aus- nähme zu den Nagetieren, obgleich nicht alle Tiere dieser Fa- milie Vorrate sammeln. Außer dem Biber und Hamster, die alle Tiere dieser Art an Betriebsamkeit und Sorgfalt im Ein- sammeln nnd Aufbewahren übertreffen, gehört vorzüglich das Eichhörnchen hierher, das sein Winterlager unter den größten Aesten alter Bäume, oder in hohlen Baumstämmen wählt, sich eine Norratskammcr anlegt und sie mit Eicheln, Nüffcn und andern Früchten anfüllt. Diese Vorräte werden nicht eher be- rührt, bis die rauhere Jahreszeit das Tier abhält, seine Nah- rung zu suchen. Alle zur Familie der Mäuse gehörenden Tiere scheinen Vorräte einzusamnieln, selbst die Hausmaus und die Ratte, vorzüglich aber die Feldmaus. Unter den Vögeln, Amphibien und Fischen, sowie unter den Niedern Tierklasscn findet man keine Beispiele dieser Fürsorge für den Winter, unter den Insekten aber ist vorzüglich die Biene zu nennen. Ein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit sind die Wan- derungen mehrerer Tierarten gewesen; namentlich verdienen in dieser Hinsicht die Vögel Beachtung. Wir kennen nur wenige Umstände in Beziehung auf die Wanderungen vierfüßigcr Tiere. Einige Arten haben diese Gewohnheit. In Italien zieht die dort häufig vorkommende gemeine Fledermaus bei dem Eintritt des Winters südwärts und findet sich nirgend in Höhlen im Zustande der Erstarrung. Tie Nachtflcdcrmaus hingegen kommt I jährlich im Winter dort an und bringt den Sommer in nörd- j liehen Gegenden zu. Mehrere wiederkäuende Tiere verändern ihren Aufenthalt nach den Jahreszeiten, wie der Hirsch und das I Reh bei der Annäherung des Winters die Alpe» verlassen und I Schnz in ebenen Gegenden suchen. So gehen auch die Gemsen j vor dem Winter in die Täler hinab, um im Sommer wieder nach dem Hochgebirge zn ziehen, und der Steinbock wendet sich! nach der Südseite der Gebirge, während er sich im Sommer an der Nordscitc aufhält. Ausgedehntere Wanderungen mache« besonders die Robben. Sie verändern ihren Aufenthalt, m«| sichere Pläze für ihre Brut zn suchen; der gemeine Seehund aber macht regelmäßige Wanderungen, um Nahrung zu siudc». Tie grönländischen Robben scheinen im Winter gemäßigtere Gegenden aufzusuchen, und kommen jährlich im Dezember in die Gegend von Island, wo sie bis zum Biai etwa verbleiben. Die Wanderungen der Vögel sind seit den ältesten Zeitc« 1 ein Gegenstand allgemeiner Beobachtungen gewesen, aber ob' I gleich wir viele wichtige Tatsachen kennen, so ist doch das Feld I der Beobachtung noch keineswegs erschöpft. Tie Zugvögel zerfallen in solche, welche im Frühlinge i"| den gemäßigten Gegenden ankommen und ini Herbste sie ivicM 1 verlassen, die Sommerzugvögel, und in solche, die im Herbst* I eintreffen und im Frühling wegziehen, die Wintcrzugvögcl. j Zeit der Ankunft und des Wegziehens ist jedoch keineswegs i derselben Gruppe gleich; ja nicht einmal bei derselben Art tri«» sie imnier zur gleichen Zeit ein. Zuweilen beträgt der Untrv| schied in einem Jahr gegen das andere 8 bis 30 Tage,«"'j es ist klar, daß dies von Umständen abhängt, die sich selbst#! gewöhnlichen Beobachtung darlegen. Kälte verzögert die I fünft der Frühlingsboten und die frühe Ankunft der wintch j lichcn Zugvögel deutet auf einen frühzeitigen Winter. Auch �; Wanderung der Vögel geht mehr aus einem Vorgefühle � j künstigen, als aus einem Gefühl der gegenwärtigen Tempera� l hervor. Sie suchen mildere Gegenden auf, in welchen sie Nahrung in reichlichem Maße finden und gegen die Kälte da» nördlichen Gegenden geschüzt sind.» Ehe die Zugvögel wegziehen, pflegen sie sich zu versamw*�| Man bemerkt das namentlich bei den Schwalben, die sich) j großen Zügen vereinigen. Ter Entschluß, die Heimat zu � J lassen, scheint ihnen einen Kampf zu kosten; sie sind in gu'k I Unruhe, einige sizen lange wie unschlüssig, und einzelne, den Flug versucht haben, kehren zurück, wenn die ander» ch"''' nicht nachfolgen. Tie Störche fliegen mehrmals eine| Strecke und kehren wieder zurück, bis sie endlich ganz>�,' bleiben. Interessant ist es, die Ordnung zu beobachten,[*1 welcher sich einige Vögel beim Wegziehen sammeln. Tie Gänse z. B. bilden zwei Reihen, die sich von: in einen ff'� Winkel vereinigen, wo der Führer des Zuges die Luft dul? schneidet und wenn er müde ist, dem nächsten in der seinen Plaz überläßt. Können sie mit günstigem Winde so ist dies ein Vorteil, wo nicht, so laviren sie, so gut t können, den Widerstand zu überwinden. Es gibt einige � Vögel, welche, so weit unsere Beobachtungen reichen,»ü Gesellschaft wegziehen. Es ist merkwürdig, daß bei viele» 3� vögeln die Männchen einige Tage vor de» Weibchen crsch*� Die meisten Vögel ziehen am Tage; die Lerchen nur ,, Morgenstunden und zuweilen auch noch am Abend eine 2#' Viele aber ziehen vorzüglich in der Nacht, z. B. die SB'1*"., Fischreiher. Kraniche, wilde Enten, mehrere von Znscktcn lel»'»} Vögel, besonders in hellen Nächte».,-A Man hat oft gefragt, wie die Zugvögel auf ihren so lange fliegen können, ohne öfter? hinlängliche Nahru»� finden. Tie Schwierigkeit aber hebt sich, wenn man««..(, außerordentliche Schnelligkeit des Fluges der Vögel denkt.% Vögel legen in einer Stunde über zwanzig Meilen zurück-' ist es bekannt, daß ein Falke Heinrich IV. aus Fontaine»' wegflog und vierundzwanzig Stünden später in Malta a eine Entfernung von mehr als dreihundert Meilen.& Kbodj werden die Zugvögel auf ihren Wanderungen van Sturm- winden ergriffen und von dem Winde fortgeführt, den sie sonst wit bewunderungswürdigem Instinkt verfolgen. Sie werden �ann zuweilen weit verschlagen, oder ganz erschöpft ans dem Meere gefunden, wo sie sich an das Takelwerk der Schisse hangen. Leider erliegen auch viele den Strapazen, noch mehr werden aber von den Bewohnern der südlichen Landstriche und namentlich der Inseln, wo sich die Vögel zum Ausruhen nieder- wsscn, gefangen. Die Ursachen dieser Wanderungen können nur in einem wächtigen Triebe liegen, der die Vögel zwingt, die Felsen, wo Üe ausgebrütet wurden, die Wälder, wo sie aufwuchsen, zu ver- wpen und eine gefährliche Reise in entferntere Gegenden zu »»teenehmen. Das Verlangen, sich hinlänglich Nahrung und gleichmäßige Wärnie zu verschaffen, ist ohne Zweifel die nächste Ursache dieser Erscheinung. Mehrere Sommervögel im»örd- lichen Europa können nur während der Monate, wo sie dort bleiben, Nahrung finden. Meist von Insekten und Pflanzen- teilen lebend, müssen sie ihren Wohnplaz verändern und am Ende des Sommers wärmere Gegenden aufsuchen, um ihr Leben zu fristen. Ebenso mächtig wirkt aber auch das Bedürfnis, den zu ihren Lebensbedingungen gehörigen Grad von Lustwärme zu finden. Steigen wir zu den Niedern Tierklaffen hinab, so finden wir den Wandertrieb immer seltener, da diese Tiere zu wenig Bewcgungskraft haben, ihre Wvhnpläze zu wechseln; und wenn das Bedürfnis eintritt, sich gegen Winterkälte zu schüzen, so vcrsezt sie die Natur in den Zustand der Erstarrung. Zur Geschichte der Schreckenszeit. Von WilHefrn Wksr Schon früher haben wir in diesen Blättern*) zu zeigen ersucht, daß die Schreckensherrschaft der Jakobiner es gewesen (f s lllC'C�C während der großen französischen Revolution zu - � �ws achtzehnten Jahrhunderts den Boden für den Staats- > wich und für die Militärdiktatur des ersten Napoleon geebnet m'®'r zeigten, daß eine Regierung, die ihre politischen egner durch Massenhinrichtungen auszurotten trachtet, damit »r die Anzahl ihrer Feinde verzehnfacht, indem sie die An- Tra?�-' und Familien der Hingerichteten in Schmerz gräbt Mezc "MtrTS Tv.," v o>/» 0 die Hugenotten durch die Bartholomäusnacht auf »»er und Wut vcrsezt und so ihre eigene Stellung unter- gräbt. Es hat Regierungen gegeben, die durch eine groß». Mezclei ihre Gegner zu vertilgen suchten, wie die Regierung [. die Hugenotten durch die Bartholomäusnacht aus swwer aus der Welt schassen wollte. Sie erreichte so wenig 'hrcn Zweck, als die Vertreter des Schrcckenssystcms. die durch w'gandaucrnde blutige Verfolgung jeder anderen politischen wesiiinung als der herrschenden zu einem vollständigen Triumph i» gelangen suchten., Bei näherer Betrachtung schwinden in der-rat ue aug S"1 große» Verdienste des Schreckcnssystems immer mehr. �»n findet, daß von den eigentlichen Reformarbeiten. soweit wlche während jener Zeit vollbracht wurden, nur die wenigsten " den eigentlichen Repräsentanten des Schreckenssystemv an-.'- K». Auch die Behauptung. Frankreich sei nur durch den schrecken, vor den Angriffen der verbündeten europäischen.'Aachtc Sercttet worden, ist unhaltbar. Republikanische Begeisterung und »"litärischrs Genie bewirkten diese Rettung. Wird man bc- haupten wollen, daß Fouquier-Tinville. als Anklager am Aevolutionstribunal. mehr dazu beigetragen hat. den-lugi N der Verbündeten Mächte abzuschlagen, als etwa Carnot. welcher h Hrere der verbündeten Mächte durch die von ihm orga- rten Massen erdrückte? Ohnehin siegte Frankreich m spatc c�' Kriegen über die verbündeten Mächte auch ohne Schrecken., Ystem. Was bezweckte das Schrcckcnss'hstem? Den ker-'IC. ginung feindliche» Parteien Furcht und Schrecken e.nzu- 2'Ä: »bei eine Phrase blieb . Tie antike» Demokratien wußten in ihrer Glanzzeit von KWWM Snhrg'.%«pokon und sei« G'™"' Beute von Demagogen und Tyrannen wurden, verfiel man auf das Mittel der Schreckensherrschaft. Und es gab danials auch Verräter und Feinde der Regierungen sowohl wie der bestehenden Staatsformen. Das System, welches durch die französische Revolution gestürzt wurde, der Feudalismus, hat zivcifellos noch viel mehr Verbrechen aufzuweisen, als die Schreckensherrschaft; der ge- wissenhaftc Geschichtsforscher aber kann hierin keinen Grund finden, die Ansschrcitungen jenes demokratisch angestrichenen Liberalismus, welcher Frankreich in der SchreckenSzeit regierte, zu entschuldigen oder zu beschönigen. Es wird sich auch nach- weisen lassen, daß die eigentliche Volksmasse kcincswegs mit dem Schreckenssysteni sympatisirte, und daß sie vernünftig genug war, in demselben keinen Ersaz für die weit dringenderen soziale» Reformen zu finden. Untersuchen wir diesmal das Verhalten des Hauptorgans der Schreckensherrschaft, des pariser Revolutionstribnnals. Dieser Gerichtshof, der sich einen so furchtbaren Namen gemacht hat, wurde am 10. März 1793 ans Beschluß des Nationalkonvents eingesezt. Man wählte diese Form zur Ver- folgung der Feinde der Republik, weil sich die Girondisten unaufhörlich über die Septcmbermezclcicn beschwerten. In- dessen war diese Form sicherlich nicht die geeignete. Denn wenn man die Gegner der Regierung richten wollte, so durfte man sie nach demokratischen und humanen Grundsäzen nicht töten; wenn nicht, wenn man nur brutale Gewalt anwenden wollte, wozu dann die Heuchelei juristischer Forme», welche nötigte», Verbrechen zu erfinden, wo keine vorhanden waren? Schon nach dem Aufstände vom 10. August war ein solches Tribunal eingesezt worden, aber nicht lange in Tätigkeit gc- blieben. Nun erschien Chaumette als Vertreter des pariser Gcmeindcrats vor dem Konvent und verlangte die Einsezung eines außerordentlichen Gerichtshofes ohne Appellation,„um die schlechten Bürger zu richten". Dies Verlangen fand im Konvent eine günstige Aufnahme und Danton bewirkte den cndgiltigcn Beschluß. Der neue Gerichtshof hieß ursprünglich tribunal criminel extraordinairo; auf Antrag von Billaud- Varennes nannte man denselben später Revolutionsgerichtshof oder Rcvolutionstribnnal(tribunal rövolutionnaire). Dieser Gerichtshof, der ohne Appellation über jede kontrcrevolutionärc Unternehmung erkennen sollte, wie es im Beschlüsse hieß, bestand aus fünf Richtern, zwölf Geschworenen, einem öffentlichen An- klüger und dessen zwei Adjunkten. Das Rcvolntionstribunal konnte nur auf Todesstrafe erkennen oder freispreche»; die Freigesprochenen sollten entschädigt werden. Ob und wie diese Entschädigung gegeben wurde, darüber ist uns nichts bc- kannt. Sicherlich ist sie nur von wenigen beansprucht worden, denn wer freigesprochen war, hatte nur in den seltensten Fällen Lust, mit dem Tribunal in irgend eine Berührung zu kommen. «r.<. 1884. Später vermehrte man das Personal; es wurden sechszehn Richter und sechszig Geschworene eingesezt. Von den Präsidenten des Gerichts sind am meisten bekannt geworden Her man, Coffinhal und Dumas, sämmtlich Anhänger Robespierres. Ankläger war der bekannte Fouquier>Tinville. Als Voll- zugsinstrumcnt der Urteile war die Guillotine bestimmt. Am 28. März 1793 wurde das Personal gewählt, am 2. April wurde das Tribunal feierlich eröffnet und da ihm noch niemand zur Aburteilung überwiesen war, so übertrug der Konvent die Funktionen der Anklagekommission dem öffentlichen Ankläger. Das Verfahren war in den verschiedenen Perioden ein anderes; im Anfang war es so: der Präsident Verhörteden Angeklagten, dann kam das Plaidoyer des Staatsanwalts, dann das des Verteidigers. Die Geschworenen beantworteten hierauf die Fragen, die der Präsident formulirte; jeder sprach laut und einzeln sein Verdikt aus. Nach dem Wahrspruch stellte der Staatsanwalt seinen Strafantrag; der Angeklagte erhielt noch- mals das Wort, dann kam das Urteil. Im Fall der Frei- sprechung wurde der Angeklagte sofort in Freiheit gesezt. Das wurde später alles anders. Am 31. Mai 1793 wurde das Nevolutioiistribunal wieder ausgehoben. Es waren— nach Campardon— in dieser Zeit 5215 Angeklagte vor dem Gerichtshof erschienen. 2781 davon wurden verurteilt und hingerichtet, 2200 wurden freigesprochen; 234 wurden an die ordentlichen Gerichte verwiesen oder aus besondern Umständen zu andern Strafen verurteilt. Vor dem Sturze Robespierres am 9. Tcrmidor(27. Juli) 1794 wurden von dieser Zahl aber 4164 Personen abgeurteilt; davon wurden verurteilt und hingerichtet 2728, also 66 Prozent. Ueber die Tätigkeit des Revolutionstribunals sind viele Lügen und Uebertreibungen in Umlauf gesezt worden. Die Wahrheit ist, wie obige Ziffem beweisen, noch schrecklich genug. Vor uns liegt eine Liste der vom Revolutionstribunal Ber- urteilten. Dieselbe reicht leider nur vom 11. April 1793 bis 22. Juni 1794, schließt also etwa einen Monat vor Robes- pierres Sturze ab. Indessen läßt sich aus dieser Liste der Karakter des Verfahrens des Tribunals genugsam beurteilen. Vielfach wird die Tätigkeit dieses Gerichtshofs so aufgefaßt, als habe er nur Aristokraten, Verräter und Verschwörer ver- urteilt, Angehörige jener Gesellschaftskreise und Klassen, die man als Feinde des Volkes bezeichnete, Leute des alten Systems, die vor der Revolution die Unterdrücker des Volkes gewesen, Adelige und Geistliche, Hosleute mit ihrem Anhang, verräterische Offiziere und schließlich Agenten und Diener dieser Leute. Das ist ein Irrtum. Die Listen der Hingerichteten beweisen, daß das Revolutionstribunal die große Mehrzahl seiner Opfer aus dem eigentlichen Volke nahm. Leider haben wir die genaue Liste der Hingerichteten in der Zeit vom 22. Juni 1793 bis 27. Juli 1794 nicht zur Hand. Gera De in dieser Periode war die Schlächterei am tollsten geworden. In diesem verhängnisvollen Monat wurden in Paris über 1600 Menschen hingerichtet, an einem Tage oft 60 bis 70 Personen. Bei der sogenannten Verschwörung des Luxemburg wollte Fouquier-Tinville sogar 134 Personen auf einmal aburteilen und hinrichten und zu diesem Zweck eine große Estrade im Sizungssaale des Tribunals bauen lassen. Der Wohlfahrtsausschuß verbot ihm dies und die angeblichen Verschwörer wurden in drei Klassen' abgeurteilt. Thiers be- hauptet fälschlich, die Estrade sei wirklich errichtet worden. Bis zum Tode Marats zählen wir beim Rcvvlutionstribnnal etwa 36 Hinrichtungen. Charlotte Corday hatte sich sonach sehr getäuscht, als sie mit der Ermordung Marats das Schreckens- system beseitigt zu haben glaubte. Es begann erst recht nach ihrem Tode am 17. Juli. Marat verfolgte mehr die Häupter der Parteien, als deren Masse; die Menge des Volkes dominirte damals unter Marats Einfluß über den Konvent. Nach Marats Tode erst begann das Schreckcnssystcm sich gegen die große Masse zu richten, und Sieyes hatte ganz recht, wenn er die Zeit der Robespierre'schen Diktatur als eine Unterdrückung des Volkes durch den Konvent bezeichnete. Das erste Versahren des Revolutionstribunals war gegen einen emigrirten Adeligen, Guyot-Desmoulains, gerichtet. Auf Emigration(Auswanderung) stand die Todesstrafe; der An- geklagte wurde am 6. April 1793 verurteilt und Abends bei Fackelschein hingerichtet. Damit war die furchtbare Lausbahn des Tribunals eröffnet, das so viele Todesurteile aussprechen und schließlich selbst in seinen hervorragendsten Personen das Schaffot besteigen sollte. Anfangs waren die Prozesse vor dem Revolutionstribnnal im allgemeinen gegen politische Persönlichkeiten gerichtet; das Tribunal verurteilte hervorragende Anhänger des Königtums, Offiziere von Dumouriez, Ausgewanderte jc. Allein gleich im Anfang kamen Affären vor, welche diese sonderbare.Justiz' karaktcrisirten. Am 19. April 1793 wurde die fünfunddreißig' jährige Köchin Katharina Leclerc zum Tode verurteilt. Ihr&(' liebter hatte sich zum Militär stellen müssen und sie hatte gesagt! „Hätten wir nur wieder einen König, dann gäbe es keinen Krieg und mein Geliebter könnte dableiben."— Man klagte die arme Köchin, die bei einem Kaufmann in Dienst stand, an, „Mangel an Bürgersinn" bekundet zu haben und ward sie, die ein Recht hatte, sich für völlig unschuldig zu halten, zum Tode verurteilt. Ihr Verhalten hatte indessen den Präsidenten des Revolutionstribunals Montaus zu der Ucbcrzeugnng gebracht, daß Katharina Leclerc unmöglich die Bedeutung der Worte verstanden haben könne, die gesprochen zu haben sie angeklagt war. Montaus*) verwendete sich bei dem Abgeordneten Mazuycr für die Verurteilte. Dieser stellte auch im Konvent den Antrag auf Begnadigung.„Die Versammlung war gut gestimmt," heißt es in den Memoiren eines Zeitgenossen;„sie hatte bereits eine ähnliche Gunst einem Bürger bewilligt, der zum Tode ver' urteilt worden war, weil er einen unbeeidigten Priester einem Streite getötet hatte. Ein Abgeordneter untcrstüzte warm Mazuyers Bitte. Unglücklichenveise bot i�iese Sache seiner Bcredtsamkeit ein zu schönes Tema; während der Redner seine Periode rundete und Griechen und Römer zitirte, fiel einige Straßenlängen von der Tribüne der Kopf, den er sich zu rette» vorgenommen hatte, und mau konnte zur Tagesordnung über" gehen." j Wir geben das Verfahren gegen die arme Köchin so an- führlich, weil es für viele andere Prozesse typisch ist. Am 28. März wurde ein Droschkenkutscher hingerichtet,>vc> er gesagt hatte, eine Partei, deren Haupt er, der Droschka kutscher, sei, werde bald alles wieder in Ordnung bringt' Die Betrunkenheit konnte den Armen nicht schüzcn. „Es waren," sagt der schon oben zitirte Memoirenschreiber, „nicht die großen Schuldigen, gegen welche man das Tribunal eingesezt glaubte." Man findet unter den Opfern der ersten Zeit Verhältnis' mäßig viele Frauen. Begreiflich, wenn die Licbesschmerzr» einer armen Köchin schon staatsgcfährlich werden konnten! � 17. Juni verschlang das Schaffot eine Anzahl bretagnisch� Edelleute, darunter befanden sich eine fünfzigjährige Frau de>» Motte, die dreißigjährige Tochter des Parlamcntsrats Fougär»- und die vierundzwanzigjährige Angelica Desilles, die Schwefe eines übertrieben verherrlichten royalistischen Offiziers, der � Nancy ums Leben kam, als er bei einer Soldatenmeutcrci söhnlich auftrat. Charlotte von Corday, die Mörderin Marats, ward»"J 17. Juli guillotinirt. Am 5. September schlachtete man Bürger aus Rouen und eine Frau, weil sie einen Freihc'� bäum umgesägt hatten. Am 24. September fällt der Kops � scchsundfünfzigjährigen Witwe Lefebure.„weil sie Schwiegermutter war". Natürlich fand man für ihre 3K urteilung einen plausiblen Grund. Wegen eines Attentats den Abgeordneten Lsonard Bourdon wurden nenn Biir� von Orleans hingerichtet. Sie trugen das rote Hemde � *) Montaus war den Schreckensmännern zu mild, Unwille denunzirte ihn. einige Verurteilte, darunter Charlotte Cor»'' begünstigt zu haben. Der Konvent ließ Montane verhaften und W ,, blieb in Hast bis zum September 1794. Dann wurde er fteigelp*"1' Vatermörder. Bourdon hatte bei einer Schlägerei mit den Angeklagten, die er obendrein provozirt hatte, eine Beule am �opf und einen leichten Bajvnnctstich am Arm erhalten. Am 8. Oktober guillotinirte man Charlotte Routan,„ein lediges Frauenzimmer von zweiundzwanzig Jahren"; mit ihr die Zlvillingsbrüder und Ochsenhaudlcr Bcllanger, weil sie die Tat �rr Charlotte von Corday gepriesen. Beim großen Prozeß �rr Girondisten änderte man das Verfahren des Tribunals. Fouquier-Tinville geriet durch die geschickte Verteidigung der Girondisten in Verlegenheit, und nun beschloß der Konvent, die �sschworenen hätten jederzeit das Recht, sich für genügend 'aformirt zu erklären und dadurch alle weiteren Verhandlungen abzuschneiden. Dieses Gcsez wendete nian sogleich auf die Girondisten an, ließ sie nicht weiter zu Wort kommen und horte auch ihre Verteidiger nicht an. In vierzig Minuten fällte ow 31. Oktober der Henker die einundzwanzig Köpfe der Gi- rondisten. Viele Frauen suchten sich zu retten, indem sie nach der Verurteilung angaben, daß sie schwanger seien. Gewöhnlich erlangten sie dadurch eine» Ausschub; dann wurden sie der ärzt- >chen Untersuchung unterworfen. Konnte die Schwangerschaft "icht sicher konstatirt werden, so war die Verurteilte dem Beil brrfallen. Die Schriftstellerin Olympia de Gouges, eine An- �"gcrin der Girondisten, war wegen Prcßv ergchens zum � ölvei Girondisten Kersaint und Rabaut Saint Etiennc; Sjx.-1" sste die Tubarry, die berüchtigte Maitresse Ludwigs XV. sich �tsezlich, als man sie unter das Messer legte, suchte I#9'.-. fatcncv m. b'c berühmten oder berüchtigten Opfer immer i»nqcv«w" ��chtet meistens namenlose Opfer. Ein Namens Grondel stirbt, weil er auf eine Assignate sechlLw."®ä lebe der König!"— Mit ihm stirbt eine Hiüchct 1'"bzigjährige Lehrerin einer Armenschule. Zwei Schuh- jeinber ��ndau, Suder und Flamand, werden am 2. De- l'ch Eingerichtet,„wegen schlechter Schuhe," die wahrschcin- Baim'" geliefert worden waren. Mit sxj,, b�bcr, ein reicher Banquier aus Amsterdam, ward k'ftitäicr qrttoei®ö�nc" hingerichtet; ihnen folgte ein giron- Abgeordneter Namens Noel. Am 9. Dezember 1793 wurden vier Schneidergesellcn hingerichtet. Am 12. Januar schlug man einer vierunddreißigjährigen Prostituirten den Kopf ab. Dazwischen fällt eine große Anzahl von Hinrichtungen von Adeligen, Geistlichen, Militärs, Beamten und reichen Leuten. Wir können nicht auf jeden einzelnen Fall eingehen, sondern wir wollen zeigen, wie sich das Schreckenssystem seine meisten Opfer mitten aus der Blasse des Volkes herausholte. Mit den Herrschaften richtete man gewöhnlich auch die Dienerschaft hin. So am 21. Dezember eine sechzigjährige Frau mit ihrer dreißigjährigen Dienstmagd; mit ihnen einen Schuster Namens Hortier, dreinnddrcißig Jahre alt. Der Kammerdiener der Dubarry mußte natürlich auch daran glauben. Unter den Hingerichteten sind viele Deutsche. Am 24. Dezember fällt der Kopf einer einundvicrzigjähligen Berlinerin Namens Karoline Adam, die in Paris ansässig und Witwe war; am 23. März schlachtet man drei Arbeiter aus Mcrzig bei Trier, einen Leine- weder Namens Kurt, einen Tagelöhner Namens Kurt und einen Strvhdachdccker Namens Kurz. Alles fällt bunt durcheinander; auf den General Biron folgen drei Frauen, Frau Jolivet und Frau Narret; als dritte eine lustige Wienerin, Rosalie Albert, die als Freudenmädchen im Palais Royal ihr Wesen trieb. Auf den Marschall Lnckncr folgt ein armer Seifensieder. Am 7. und 8. Januar 1794 fallen wieder zwei Frauen, eine Frau Bettinger ans Brüssel und Frau Faucher aus Paris, leztcre, weil sie Abonnements sür ein royalistisches Blatt angenommen. Am 16. Januar starben zwei junge Frauen und ein Friseur; ein Schreiber mit ihnen, weil er den Konvent beschimpft hat. Im Laufe des Januar wurden noch vier junge Frauen guillotinirt. Im Februar starben neun Franc» auf dem Schaffot; darunter zwei Nonnen, eine Bäuerin und eine Biarqnise; außer Adeligen und Beamten finden sich unter den Opfern des Februar mehrere Pasteten bäcker, Trödler, Kutscher, Soldaten, Friseure, Tagelöhner und Bauern. Am 2. März starben aus einem Dorfe der Pfarrer, der Bür- gcrmeistcr, zwei Bauern, ein Hufschmied, ein Holzschuhmachcr und ein Müller. Am 6. wird mit den Generalen Chancel und Devaine ein scchszigjähriger Bauer hingerichtet. So geht es fort. Wir können nur noch hervorragende Bei- spiele aufzählen. Am 17. März fällt der Kopf eines armen Dienstmädchens mit den Köpfen zweier Bauern und zweier Lud- wigsritter. Ende März und Anfang April kommen wieder berühmte Opfer, die Hcbertisten und Tantonistcn. Nach Dantons Tod erreicht das Wüten des Tribunals seinen höchsten Grad. Am 31. März wird Frau Champ-Laurier, weil sie die Hinrichtung ihres Galten als ein Werk der Tyrannei bezeichnet hat, sofort zum Tode verurteilt und enthauptet. Eulogius Schneider, aus Wipfeld bei Würzburg, der im Elsaß eine Schreckensherrschaft eingeführt hatte, fällt am 1. April mit einem Gewürzkrämer- gehilfen. Am 13. April fällt das reizende Haupt der drciund- zwanzigjährige» Gattin von Camille Desmonlins; niit ihr stirbt die Gattin Höberts, eine ehemalige Nonne. Am 24. April sielen die Köpfe der dreinnddrcißig Einwohner von Vcrdun, welche den Preußen bei Uebergabe der Stadt mit Freudcnbezeigungen entgegengekommen waren. Es befanden sich außer den Spizcn der Stadt darunter zwölf Frauen, eine siebzigjährige Schusters- frau und eine fünsundfünfzigjährige alte Jungfer, dann einige junge Mädchen, deren Alter schon die Henker hätte rühren müssen. Es disscrirt zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahren. Mit ihnen stirbt ein armer Winzer. Am 5. Mai sterben drei junge Puzmachcrinncn; mit ihnen ein Konditor- bursche und drei Perückenmachcrgesellen. Am 8. Mai sterben achtundzwanzig Generalpächter, darunter der berühmte Chemiker Lavoisier.*) Am 10. Mai starben zwei scchszigjährigc Nonnen und eine siebenundsiebzigjähr'ge Näterin. Am 28. Mai starben ein Winzer, ein Schneider und seine Frau, ein Tagelöhner, *) Lavoisicr bat um eine» Ausschub von vier Wochen, um eine Entdeckung, an der er arbeitete, zu vollenden. Aber Cosfinhal, der Präsident des Tribunals, schlug es ab mit den Worten:„Wir brauchen keine Gelehrten!" Ein SonntngsdergnügtN i'C%. 3i '"wer.(Seile 98.) 90 noch ein Winzer, ein Schneider, ein Müller, ein Fuhrknecht, ein Faßbinder, ein Bedienter, ein Nähmädchen, ein Tagelöhner, ein Tabaksraspcler, ein Glaser. Am 13. Juni starben ein Schneider, ein Glaser, ein Holzhändler, noch ein Glaser, ein Kutscher, ein Maler, ein Mezger, ein Gärtner, zwei Buch- drucker und eine Wäscherin ans Hamburg, die vierundzwanzig- jährige Harmassi»! Inwiefern diese arme Wäscherin wohl die Kontrcrcvolution gefördert hat! Am Ende hat sie gar für Roya- listen gewaschen! Nun werden die Tageslisten lang; der 16. Juni zählt schon vierundfiinfzig Opfer; unter diesen sind neununddreißig Arbeiter und etwa zehn Bediente und niedrige Angestellte. Wir ivollen damit die traurige Aufzählung schließen, denn sie ist von nun ab bis zum Sturze Robespicrre das gewöhnliche Verhältnis; bei fünfzig Opfern sind mehr als vierzig aus den armen und arbeitenden Volksklassen genommen. Wir erwähnen hier nur noch den berüchtigten Prozeß Lad- mirel. Dieser, ein ehemaliger Bedienter, hatte ans das Mit- glied der Regierung, Collot d'Hcrbois, geschossen, aber gefehlt. Nun mußte Robespierrc auch sein Attentat haben; als daher ein zwanzigjähriges Mädchen ihn besuchen wollte und man bei dieser zwei kleine Taschenmesser fand, als vollends das Mädchen sagte:„Ich habe sehen wollen, wie ein Tyrann ans- sieht", da war das Attentat fertig. Man betrachtete nun Lad- mirel und das junge Mädchen als Häupter einer großen Vcr- schwörung, in die man einundscchzig Personen verwickelte; altes, >vas man an berühmten und angesehenen Gefangenen hatte, wurde zu Mitschuldigen Ladmirels gemacht. Mit dem be- zeichneten jungen Mädchen, Cäcilic Renault, wurden ihr Vater, ihre Brüder und ihre Tante angellagt. Zugleich vcr- wickelte man in diese Anklage Frau von Saint Amaranthe, ihre Tochter, ihren Schwiegersohn und die frühere Geliebte dieses Schwiegersohnes, alles mit seinem Dienstpersonal. Tann tat man alle bis jezt aufgesparten bekannteren Adeligen dazu. Es waren einundscchzig Personen, darunter zehn Frauen. Vcr- gcbens protcstirtcn sie, und erklärte Ladmirel, daß er sie nicht kenne; sie wurde» alle zusammen als Glieder einer und derselben Verschwörung zum Tode verurteilt und in roten Hemden als„Vatermörder" auf das Schafsot geführt. Dieser Prozeß, einer der ungeheuerlichsten der ganzen Weltgeschichte, war hauptsächlich das Werk des alte» Vadier, der damit Robespierrc treffen wollte. Tic Saint Amaranthe hatte»üm- lich eine Spielhölle gehalten, wohin viele revolutionäre Größe», auch Robcspierres Bruder, gekommen waren. Unser Liste bricht mit dem 22. Juni ab. Je zahlreicher die Hinrichtungen, desto mehr Opfer aus den eigentlichen Volks- klaffen. Fouguicr-Tinville konnte mit den Arbeiten nicht mehr fertig werden; daher reorganisirte man das Rcvolutionstribunal. Auf Antrag Couthons wurden die leztcn schüzenden Formen, die noch für die Angeklagte» bestanden, hinweggeräumt. Man gestattete den Angeklagten keine Verteidiger mehr.„Das Gc- sez," hieß es in diesem furchtbaren Dekret,„gibt den verlcuni- detc» Patrioten die patriotischen Geschworenen zu Verteidigern; den Verschwörern vettvcigcrt es die Verteidiger."— Man teilte das Revolutionstribuual in vier Sektionen ti» und vermehrte entsprechend das Personal. Es arbeitete jezt derart, daß Fou- quier-Tinville sogar einmal ein Schauder üb.rfiel und daß er, als er Nachts die Seine passirte, zu seinen Begleitern sagte, der Fluß käme ihm wie ein Blutstrvm vor. Damals erfand mau die Verschwörungen in den Gcsäng- nisten; es waren dazu besondere Angeber angestellt. Unter ihnen zeichnete sich ein Elsässer Namens Wiltcherich aus, sowie ein gewisser Beausire. der Mann jenes Freudenmädchens Oliva, die in dcni berüchtigten Halsbandprozcssc eine Rolle gespielt hatte. Bei einer solchen Affaire wurde angegeben, die Gefangenen hätten sich verschworen, um die Konveutsniitglieder zu töten, ihnen das Herz auszureißen, es zu rösten und zu verspeisen. Solch blödsinniges Zeug wurde ernst genommen und die An- gellagten verurteilt. Dagegen ist nachgewiesen worden, daß verschiedene gegen das Revolutionstribunal erhobene Beschuldigungen" unwahr sind, so z. B. daß man einen gewissen Loizcrvllcs an Stelle seines Sohnes hingerichtet habe. Dies findet sich in vielen Geschichts- werken, ist aber nachweislich unwahr. Nach dem Sturze Robespierres und nach der Hinrichtung seiner Anhänger wurde das Tribunal rcorganistrt und eine mildere Praxis eingeführt. Man venvendete das Tribunal fast nur noch gegen die Häupter von Aufständen und in den als Racheakte erscheinenden Prozessen gegen die Jakobiner. Bald kamen auch die alten Richter und Geschworenen selbst auf die Anllagebank. Der Präsident Dumas war mit Robespicrre hin- gerichtet worden; Coffinhal gleich daraus; am 1. Mai 1795 aber wurden Fouguicr-Tinville, der Präsident Herman, der Präsident Scellier und dreizehn andere zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die anderen sprach man frei; unter den freigesprochenen Geschworenen befand sich auch ein Deutscher, der Schneider Benedikt Trey aus Bußmannshausen bei Ulm. Am 31. Mai 1795 wurde das Revolutionstribuual ganz aufgehoben. Das Volk hatte sich dem Tribunal nie sympatisch gezeigt; es war nur ein kleiner Teil, der die Hinrichtungen beklatschte. Die Bewohner der Straßen, wo die Henkerkarren passirte», schlössen die Läden. Als man deshalb die Züge zum Schafsot die Vorstadt Saint Antoine Passiren ließ, von deren revolu- tionär gesinnter Arbeiterbevölkerung mau eine andere Haltung erwartete, geschah dasselbe; die Arbeiter hielten sogar die neu- gierigen Frauen ab, die Verurteilten zu betrachten. Das Boll empfand Abscheu vor diesen Schlächtereien, die ohnehin sciuc eigenen Angehörigen betrafen und seine Lage nicht bessern konnten. Es kam vor, daß die Henkcrkarrcn mit Geschrei und Pfeifen empfangen wurden, das keineswegs den Verurteilten galt- Wir haben nur die Tätigkeit des pariser Revolution�' tribuuals geschildert; es bestanden aber noch mehrere Tribunale. die zum Teil verhältnismäßig noch schlimmer hausten, wie da� pariser, so zu Nantes und zu Orange. Das Revolutionstribuual hat der Sache der Demokratie mehr geschadet als alle ihre Feinde. Kein Mensch wird glaube». daß, uni die französische Republik zu begründen und die vcr- bündctcn Mächte Europas zurückzutreiben, es notwendig das Blut von Näherinnen, Wäscherinnen, Witwen, Jungfrauen. Bauern, Tagelöhnern und Arbeitern zu vergießen. Man tral eine im Verhältnis zur Masse der Hingerichteten geringe A»- zahl wirklicher Aristokraten und Anhänger des alten Regiment'-. allein auch dadurch vermehrte die Regierung nur die Zahl il)"'1 Feinde. Eines bleibt immer bestehen: Es ist weder mensch' lich, noch dem Staate nüzlich, wen» eine Regier»»!) ihre politischen Gegner tötet oder sonstwie zu vci' nichten trachtet. Dieser Saz gilt für alle Staaten und am Regierungen. Das Schreckenssystcm verschlang eine Menge guter Rcv"' blikancr und untergrub die Republik, indem es sie gegen Feinde zu verteidigen wähnte. Es machte Frankreich reis!'" j die Säbeldiktatur Napoleons. I Wir wiederholen, was wir schon früher in diesen Blätss'� gesagt: Kein schlechterer Dienst, der der Demokratie geleü� i werden kann, als wenn man Fehler und Ausartungen bcschö»�': Wenn es Leute gibt, die sich verpflichtet fühlen, Unmensch!'. kciten und Torheiten zu verteidigen— so sind diese Verteidig selbst Toren oder Unmenschen. Moderne Novelle von\ Mistreß Jonston sciß in ihrem Zimmer am Fenster und sah °us das ledhafte Straßentreibe» hinab. Als der Oberkellner bei ihr eintrat und den Grund seines Kommens mitteilte, starrte sie ihn an, als ob sie den Sinn seiner Worte nicht verstände. Erst wie er seine Rede wiederholte und durch weitere Kommentare ergänzte, stand sie von ihrem Siz aus und trat in a>e Mitte des Zimmers. »Eine solche Beschuldigung ist ja unglaublich/ sagte sie �uhig,„und es ist wirklich kühn, mich deshalb zu inkommodiren." »Ich bedauere aufrichtig, gnädige Frau," fuhr Kaps fort, »aber den Fordeningen der Behörde müssen wir nachkommen." »Wie Sie sehen, bin ich auch gleich bereit dazu," vcrseztc he und ergriff Hut und Sammctpaletot,„irgend ein Mißver- Itändnis, das sich schnell genug aufklären lassen wird, liegt hier wahrscheinlich zugrunde." Kaps verneigte sich artig, blieb ihr aber die Antwort ichuldig. jj Sie schritt die Treppe hinab und wurde von dem Portier wa den übrigen ihr Begegnenden mit unvxrschämtcr Neugier brachtet, da die sie betreffende Nachricht sich wie ein Lauffeuer arcits verbreitet hatte. �. Mistreß Jonston, die in der Sicherheit ihres guten Ge- �"lens die zudringliche Aufmerksamkeit der Dienerschaft garnicht „werkte, fragte unbefangen, ob das Polizeibüreau entfernt vom - wl läge. bo"Nein," erwiderte der Portier,„es ist das dritte Hans " Aar; wenn Sie erlauben, so weise ich Sie zurccht." n,./Bitte darum!" sagte sie und trat mit dem Portier in die 1 öiöffnete Haustür des Hotels. riibt Keß(ich das betreffende Haus genau bezeichnen, W|CtC ,10£� aiaige Fragen über die Oertlichkeit desselben an de» tocit,teC wollte dann mit dankendem Neigen des Hauptes die s�a» Stufen hinabsteigen, welche auf das Trottoir der Straße ilcgen" k'eWt Augenblicke kam ihr Baron Warren eilig cnt- � begrüßte Mistreß Jonston mit größter Ehrerbietung. f'chci; hieben in der Tür auf der obersten Treppenstufe bei»1�'0 � ihre Figuren sowohl von der Straße, wie von >!>»ucrn des Hotels ans gesehen werden konnten. djx.."Portier war in seine Loge zurückgetreten, Kaps und Dienerschaft in dem Hintergründe des Korridors vvz und Mohrmann, die hinter der Glastür standen Horabtommen der Engländerin erwartet hatten, Werf. c» sie auch jezt noch unaufhörlich, ohne von ihr be- werden. 1 das für eine unangenehme Affaire," raunte Mohr- wir ei, Machbar zu.„Daß diese Donna auch gerade bei Selen»' e en wußte und die Augen der Polizei auf mein Hotel SÄ"' höchst fatal!" Sie. 11 wtt," antwortete Sengcr,„was geht das Sie an? Schuld aff'cne Türen für jedermann; es ist doch nicht Ihre bix/.wknn auch einmal Abenteurer bei Ihnen absteige», wit dm T � ganzen Welt verbreitet und die Behörden pstegen � Glücksrittern, männlichen und weiblichen Ge- tot>„'' l'wll genug fertig zu werden! Sollte es Ihnen aber �l'lesscn s?a�nehm sein, so parircn Sic schnell, geben Sie ein % f0( Waisenkinder oder sonst einen wohltätigen Zweck, .«Tag'[j-"1. c'" wenig mit der öffentlichen Meinung!" Hotels, V l011 zu oft von mir angewendet worden," seufzte . Wäfirenix"'"ba§ i'eht nicht mehr!" ; W bot K. cm stand der Baron, glücklich lächelnd, den Hut > vor Mistreß Jonston. Schicksale. rrl Hörtih.(s. Fortsezung.) Er pflegte sonst stets erst zur Table ck'liüte-Zeit im Hotel zu erscheinen, heute hatte er seine in der Nähe liegende Privat- Wohnung viel früher als gewöhnlich verlassen. Der junge Mann hatte nach der Aufregung, welche die Vorfälle auf dem Balle im Theclenschen Hause bei ihm hervorgerufen, wenig geschlafen, sich sehr zeitig wieder erhoben, und war dann, so wie die Stunde es nur erlaubte, in das Hotel geeilt, in der Hoffnung, die Dame, die seit gestern ihm Herz und Sinn vollständig ge- fesselt hatte, dort wieder zu sehen. Sein guter Stern führte ihm dieselbe gleich bei seiner An- kunst cntlsegen. „Sie wollen so früh schon ausgehen, meine Gnädige?" Hub Baron Warren an, und leises Bedauern klang in seinem Tone durch, daß dies Wiederfinden zugleich ein Abschied werden sollte. „In wenigen Minuten bin ich wieder zurück," sagte sie und erwiderte mit anmutigen! Lächeln seinen Gruß. „So gestatten Sie mir vielleicht, Sie hier zu erwarten," — gerne hätte er gesagt„zu begleiten",— doch schien ihm diese Bitte zu kühn; das Eis des Zeremoniells war noch nicht genug gebrochen,„denn ich kam nur, um mich Ihnen vorzu- stellen und Sie um Ihre Befehle zu bitten!" „Das ist sehr liebenswürdig von Ihnen, auch hatte ich Sie," ein Erröten flog über ihr liebliches Gesicht,„nach dem Auftritt auf dem gestrigen Ball erwartet, um Ihnen denselben zu er- klären!" Der Baron war entzückt. Sie hatte ihn erwartet, das war ein Geständnis, welches die kurze Bekanntschaft zwischen beiden unl einen hohen Grad fester schürzte, und rosige Illusionen für die Zukunft erfüllten sein für die schöne Frau schlagendes Herz. „Also habe ich die Ehre, Sie bald wiederzusehen?" „In kürzester Zeit!" entgegnete sie, zog den Schleier vor das Gesicht und begab sich auf das Trottoir der Straße hinab. Sengcr, der mit Mohrmann an der Glastür des Speise- saals stehend das Paar keinen Moment aus den Augen ver- loren hatte, flüsterte dem Nebenstehenden hämisch zu:„Sie spielt die Dame comme il fantl" „Sie hat ein wirklich nobles Air," gab Mohrmann zurück, „ich kann an ihre Schuld nicht glauben!" „Der Schein niachts doch hcnt zu Tage nicht!" höhnte Senger. „Freilich!" mußte der Hotelier zugestehen, denn das konnte gerade er am besten beurteilen. Beide traten von der Tür zurück, da sie Baron Warren, der Mistreß Jonston erst nachgeschaut hatte, sich nähern sahen. Sengcr ging in die Mitte des Saales, nahm seinen ursprünglichen Plaz wieder ein und hielt das Glas, in dem sich noch ein Rest Portwein befand, prüfend in die Höhe. Er wollte um jeden Preis vernieidcn, daß der Baron arg- wöhncn möchte, von ihm bemerkt worden zu sein. Der Hotelier dagegen trat dem jungen Aristokraten artig entgegen und öffnete ihm von innen bereits die Glastür, che jener noch die Hand nach dem Schlosse derselben ausgestreckt hatte. „Der Herr Baron," sagte Mohrmann, und blinzelte mit den Augen,„scheinen großen Anteil an der schönen Engländerin zu nehmen!" „Gewiß," entgegnete Herr von Wanen ruhig, indem er in den Saal trat,„ich wurde ihr gestern auf dem Balle bei meinem Freunde Senger vorgestellt." Bei Nennung seines Namens wandte sich Sengcr, über- rascht tuend, um, und stand, als sich seine Blicke mit denen des Barons begegneten, mit gut gespielter Verwunderung auf. „Ah, da sind Sie ja selbst, Herr Scnger!" rief der Baron. Beide Herren schüttelten sich mit scheinbar großer Herzlich- keit die Hand. 92 „©iitcn Mvrgen, lieber Baron, wie haben Sie nach unserem kleinen Fest geschlafen?" „Nicht besonders! Das können Sie Sich doch denken; mich beschäftigte fortwährend der rätselhafte Auftritt bei Ihnen, durch welchen mein Interesse für die Dame sich noch gesteigert hat. Ich konnte kaum die Zeit erwarten, um hierher zu eilen; ich fürchtete zu früh zu kommen und doch ist es schon zu spät ge- worden, denn sie ging soeben fort, versprach aber bald wieder zu kommen." „Versprach Sie?— so?"— sagte Senger etwas malitiös. „Wenn das nur in ihrer Macht bleiben wird!" sezte Mohr- mann ebenso spöttisch hinzu. Ter Baron sah von einem auf den andern. „In ihrer Macht?" fragte er.„Wie soll ich das verstehen? Wer sollte sie darin beschränken?" („Vielleicht," fuhr Senger gedehnt fort,„die Polizei!" Der Baron, der sich die Handschuhe ausgezogen hatte, war eben im Begriff, sich niederzusezen, aber wie vom Bliz getroffen, schnellte er wieder in die Höhe. „Die Polizei?!" rief er verwirrt und tödtlich erschreckt. „Was sagen Sie? Was sollte diese Dame mit der Polizei zu schaffen haben?" „Sie ist zur Polizei zitirt worden," erklärte Mohrmann, „weil ihre Legitimationspapiere nicht in Ordnung befunden worden sind!" „Zur Polizei zitirt," klagte der Baron,„und Sie ließen sie ohne Beistand gehe»? Wie war daS möglich? Schnell ihr nach!"— Er ergriff seinen Hut und wollte hinausstürzen, aber in demselben Augenblick war Senger an seiner Seite und hielt ihn fest. „Halt, keine Unbesonnenheit!" „Lassen Sie mich!" rief der Baron und wollte sich los- reißen, aber Senger gab nicht nach; nur um so fester legte» sich seine Finger um des Barons Arm. „Sie sind noch jung und kennen die Raffinements solcher koketten Abenteurerinnen nicht!" „Welch einen Ausdruck brauchen Sie da?!" Senger ließ sich durch das Aufbrausen des Barons nicht irre machen. „Ho, ho! Nicht so heftig, junger Hizkopf!" sagte Senger sehr bestimmt,„Mohrmann sprach die Wahrheit und Sie könnten in imaiigenehme Konflikte kommen, wenn Sie Sich ihrer an- nähmen, ehe ihre zweifelhafte Stellung aufgeklärt ist! Tanken Sie es dem älteren, besonnenen Freunde, daß er Sie zurückhielt!" Bei dem Baron trat durch die wohlberechnete Opposition von Senger die naturgemäße Umslimmnng ei». Unter dem ersten Eindrucke dieser abnorm klingenden Nach- richt bäumte sich sein Geist auf, alle Fibern hatten sich zu dop- pelter Zäligkeit angespannt, er wollte ihr nach, und wäre jeder Gewalttat zu ihren Gunsten fähig gewesen, aber er wurde zurückgehalten, sein aufschäumender Zorn gewaltsam eingedämmt,— und der erste Eindruck schlug in das Gegenteil um. Tie furchtbare Entdeckung überwältigte ihn, ein leises Zit- tem überflog seinen Körper, und schwach geworden, sezte er sich auf den zunächst stehenden Stuhl nieder. „Zur Polizei! sie, sie!" hauchte er fast»nhörbar und tief senkte sich sein Kopf auf die schwer atmende Brust. Senger sah befriedigt auf den Baron nieder; er hatte dessen Arm losgelassen und sich wenige Schritte von ihm entfernt dann ebenfalls gesezt. Die Apatie, in welche der Baron augenblicklich versunken war, mußte benuzt, ihm mußte von dem Gifte der Berleum- dnng noch eine größere Dosis beigebracht werden. „In einer großen Stadt, wie die nnsrige," fuhr Senger gleichgültig und leichthin fort,„ist die Berührung mit den un- sauberen Elementen der Gesellschaft unvermeidlich. Es gehört freilich oft ein scharfer Blick dazu, dieselben sicher zu erkennen, hier aber wurde es mir nicht schwer gemacht, denn die Ante- zedentien dieser interessanten Dame sprechen zn sehr gegen sie, ebenso wie ihr kühnes Eindringen in mein Haus. Der Baron richtete sich auf. „Sie kennen sie also schon von früher?" fragte er matt. „Gewiß," antwortete Senger,„nur Rücksicht gegen meine Frau und die anwesenden Damen legte mir gestern Still- schweigen auf. Geschickt genug hatte sie sich des Justizrats Schnz zu verschaffen gewußt!" „Aber was wollte sie von Ihnen?" stieß der Baron müh- sam hervor,„was bezweckte sie in Ihrem Hause?" „Mein Gott, was wollen solche Glücksritter?" lächelte Senger achselzuckend, und ein saunischer Blick traf den gemarterten armen Baron,„stets dasselbe, Geld, Geld, und noch einmal Geld!"* Der Baron stieß einen lauten Seufzer aus. „Ich würde es nicht glauben, wenn Sie es mir nicht sagten!" tönte es von seinen vor Aufregung zitternden Lippe»- Dann lehnte er sich auf den Stuhl zurück und bedeckte W Gesicht mit beiden Händen. „Aber, verehrter Herr Baron," fuhr C enger treuherzig sock- „Sie scheinen der Sache wirklich mehr Wert beizulegen, flies nötig ist! Was wollen Sie? Diese Art von Leuten müsse» mich leben, ja ich wette, da sie bei mir mit ihre» Jntrig»e» abgeblizt ist, wendet sie sich jezt vielleicht bald an Sie,>vc»» die Polizei ihr noch fernere Freiheit gestatten sollte! Die schi»u Dame wird wohl längst darüber orientirt sein, was für c>» kleiner Goldfasan Sie sind!" J Der Baron schüttelte verzweifelt den Kopf; er konnte � Gehörte noch immer nicht fassen; wie würde ihm erst zw»»'' gewesen sein, wenn er hätte ahnen können, was noch gescheht sollte._* Senger berechnete schlau und richtig. Die Bekanntsä zwischen dem Baron Warren und Mistreß Jonston war» mehr rückgängig zu machen, deshalb mußte zwischen bei Mißtrauen gesäet werden. Ter Baron hatte seine ganze Fassung verloren. Diese decknng traf ihn zn unvorbereitet. Die Frau, für welche vom ersten Augenblick an ein Gefühl empfunden hatte, so ßp wie bisher nie in seinem Leben, wurde von Senger, der von früher kannte, in einer Weise bezeichnet, daß es sein gfl'' Inneres zerriß. An Sengers Worten zu zweifeln, kam nicht in den Sinn; die Autorität dieses Mannes war z» ponirend für ihn. Andererseits konnte er aber sein leidens liches Interesse für die Fremde nicht aus seinem Herzen rci er blieb mit sich selbst im qualvollsten Widerspruch und untc fast diesen widerstreitenden Gefühlen. Regungslos saß er da. Mohrmann hatte sich an dem Pulte des Oberkellner� schassen gemacht, kramte scheinbar emsig in den Papiere» blätterte in dem Kontvbuche des Hotels, hatte aber dabei» Wort von der Unterhaltung der beiden anderen verloren. Nach einer kleinen Pause bog sich Senger zu ihm hi" und sagte in völlig gewechseltem Tone: „Wir sind ganz von unserer Unterhaltung abgekoi» ?ie bis h» bester Mohrmann! Sie sagten vorhin, daß Mille gehen würden?" „Wie?" machte jener verdnzt. „Oder noch höher?" fuhr Senger beharrlich fort und i'» ihm mit den Augen zu. Der Baron verharrte noch immer teilnahmlos und de die Zeichensprache zwischen den beiden andern nicht. Mohrmann dagegen begriff sogleich, was Senger bez> und ging aus dessen Ton ein. Er kehrte sich um. leh'»' mit dem Rücken gegen das Pult und spielte nachlässig goldenen Verlognes an seiner Uhrkette. „Eigentlich unbeschränkt!" antwortete er. üf „Desto besser." sagte Senger nickend,„je größer die fK je größer die Aussicht auf Verdienst! Nur möchte w; darauf aufmerksam machen, wenn Sie kaufen sollten, kaufe" nur in bester Gegend!" ü 94 „Also billigen Sie doch meine Ansichten?" fragte Mohr- mann, der sich vollständig in dem von jenem begonnenen Manöver zurecht gefunden hatte. „Vollkommen, nmsomchr da Sie mir gesagt, daß Ihre Gesundheit nicht mehr den Anforderungen des Hotellcbcns gewachsen sei." „Nur furchte ich, daß es mir schwer werden wird, etwas Passendes und zugleich Preiswürdiges zu finden!" „Ja, seine Schwierigkeiten dürfte es wohl haben," bekräftigte Scnger, und als ob ihm filözlich ein neuer Gedanke käme, wandte er sich an den Baron:„Doch wie? Was fällt mir ein! Herr von Warre», sprachen Sie nicht davon, daß Sie gesonnen wären, Ihr Gut zu verkaufen?" ..Ich?" fuhr der Baron aus seinem Sinnen auf,„mein Gut verkaufen? Ja, ich glaube wohl, ich hatte die Absicht, doch ich bin in diesem Augenblicke kaum eines klaren Gedankens fähig!" Und zu dem Jdeengange, unter dessen Einwirkung er so schmerzlich litt, zurückkehrend, murmelte er:„Zur Polizei, sie!"—— „Aber so lassen Sie doch eine solche brillante Gelegenheit zur Realisirung Ihrer Wünsche nicht vorübergehen," fuhr Sengcr fort,„wer weiß, ob sich jemals Ihnen wieder eine so sichere und reelle Chance dafür bieten würde!" „Wozu denn? fragte der Baron völlig zerstreut. „Da, er hört uns nicht!" lachte Senger. „O doch, mir ist kein Wort entgangen!" „Nun also!" sezte Scnger weiter auseinander,„Freund Mohrmann will sein Geschäft quittiren und seine Ersparnisse in Grund und Boden auf dem Lande anlegen; Sie wollen vcr- kaufen, also ließe sich dies vielleicht gegenseitig bestens arrangiren." Der Baron machte eine abwehrende Handbcwegung. „Ach," sagte er,„ich mag jezt nicht daran denken, solche Veränderungen, diese Last von Geschäften in diesem Augenblicke!" Senger tat, als ob er diesen Einwurf gar nicht beachtete, sondern fragte Mohrmann, wie viel Kapital er wohl zur An- zahlung disponibel hätte. „Sechzig bis siebzigtausend Mark!" lautete die Antwort des Hoteliers. „Baron," wandte sich Seiiger wieder an diesen,„eine ganz schöne Summe; Sie wären der lästigen Bewirtschaftung über- hoben und zögen außerdem Ihre sichere Rente aus den Rest- kaufgcldern, welche stehen bleiben könnten!" „Wenn auch!" sagte der Baron, und stüzte den Kopf, der ihm schmerzte, in die Hand,„wo sollte ich überdies so viel baares Geld gleich plaziren?" „Hm, das findet sich schon." fiel Sengcr rasch ein,„Sie kennen ja meine Freundschaft für Sie! Ich würde mich im schlimmsten Falle der kleinen Mühe unterziehen und das Geld einstweilen in mein Geschäft aufnehmen. Mohrmann könnte an mich zahlen, und ich würde Ihnen Solawechsel zu sechs Pro- zcnt Zinsen geben!" „Das wäre allerdings ein Ausweg!" gestand der Baron zerstreut zu. Mohrmann rieb sich mit verstohlener Freude die Hände. Scnger blieb äußerlich ruhig, wie stets; nur im stillen triumphirte er. Hatte er dem Baron erst gesagt, daß Mohr- mann die Anzahlung an ihn geleistet hätte, so würde der jungt Mann im Vertrauen auf Sengers Wort den Vertrag über den Gutsvcrkauf unbedingt unterzeichnet haben. Tann würde das wertvolle Areal der herrschaftlichen Bcsizung um jeden Preis mit größtmöglicher baarer Anzahlung verschleudert worden sein und Senger hatte neue Kapitalien in Händen. Einen Teil seines Raubes hätte er dann wie ein groß- mütiger Löwe an Mohrmann überlassen, der hierbei die Rolle des Schakals spielte. Der Baron war dadurch ruinirt und wäre wie eine aus- gepreßte Zitrone bei Seite geworfen worden. Er hatte seine Solawechsel und konnte, selbst wenn diese nicht eingehen sollten, schwer gegen Senger auftreten, von dem er überhaupt durch Prolongationen und glatte Versprechungen der Vagesten Art hingehalten sein würde. Im schlimmsten Falle hätte Sengcr jeden- falls im Laufe der Zeit ein neues Opfer gefunden, und wenn nicht, nun— die Existenz aller im große Maßstäbe agircndc» Schwindler ist zulczt immer nur eine Zcitfragc. Heute stand Sengcr freilich noch auf der Höhe seiner in'! allen Mitteln erkämpften Erfolge. Nachdem der junge Baron in seiner Zerstreutheit den vo» Senger gemachten Vorschlägen zugestimmt hatte, klopfte ihm dcl lcztcre freundschaftlich auf die Schulter. „Es ist zwar eine neue Last für mich," sprach er dabei. „doch hoffe ich, daß Sie meine Gefälligkeit für Sie auch a»' erkennen»verde»!" „Daran brauchen Sic doch nicht zu zweifeln!" crividci� der Baron und drückte Senger treuherzig die Hand. Senger schlvieg einen Augenblick und überlegte,»vie er besten und raschesten die Punktationen über den Gutsverko»! zustande bringen könnte. Das Unheil zog sich in immer engeren Kreisen um Bar� Marren zusammen. (Forlsczung folgt.) Der Bau des menschlichen Körpers. Eine anatomisch- ph»)siologische Skizze von Wruno Geiser. Die Luftröhre mündet nach oben in den Kehlkopf(Larynx). Derselbe besteht ausschließlich aus Knorpeln, die mit Schlciin- haut überzogen und mit Bändern nnd Muskeln besczt sind. Seine Gestalt ist ungefähr die einer dreiseitigen Pyraniidc, deren oberer vorragender Teil durch eine dreieckige knorpelige Klappe, den Kehldeckel(epiglottis), bedeckt ist, welche init ihrer breiten Seite an die Zungcnwurzel angeheftet ist, indes ihre Spize in ruhigem Zustande schräg nach rückwärts und auswärts gc- richtet ist. Der Hauptbestandteil des Kehlkopfs ist der Schildknorpcl (carülago thyreoloidea), der aus zwei viereckigen Platten zusammcngesezt ist,»velche sich nach vorn unter einem Winkel in dem sogenannten Adamsapfel vereinigen, nach hinten aber offen sind. Unter und im Schildknorpcl liegt der Ringknorpel (cartilago cricoidea), mit einer hohen hinteren Platte finger- ringartig gestaltet und die vom Schildknorpcl offen gelassene hintere Wand des Kehlkopfs bildend. Nach unten steht der Ringknorpcl durch ein starkes Band mit der Luftröhre in Ber- bindung; oben sizen ihm die»vie der Siebanfsaz einer Gieß- kanne mit deren Rohr aussehenden Gicßkannenknorpel(carti� gines arytaenoideae) auf. so die hintere Wand des Kehlkopf vervollständigend. Die von den Gießkannenknorpeln»ach zum Schildknorpcl gehenden beiden Bänder sind die St im»'' bänder, und die Spalte zwischen ihnen,»velche die Luft duw treten läßt, ist die Stimmrizc. Ter Kehlkopf des Mannes ist von erheblich bedeutendes Umfange als der Kehlkopf des Weibes; im Kindesaltcr ble>l' er sehr unausgebildct, um sich erst in der Zeit des Manub»'' »Verdens rasch zu entivickeln. Die durch den Kehlkopf hergestellte Verbindung der röhre mit der Mund- nnd Nasenhöhle ermöglicht das 6''!' dringen der atmosphärischen Luft in die Lungen,»venn dM gezwungen werden, sich auszudehnen, nnd das Austreten W Luft aus den sich verengernden Lungen,— beides genicinß' nennt man die Atmung(Respiration). Wir haben im vorhergehenden Artikel erfahren, daß Lungen im Brustkasten vermittelst des Brustfells luftdicht f'. gehängt sind, was zur notwendigen Folge hat, daß sie si-h ausdehnen müssen, wenn der Brustraum sich vergrößert. Tics geschieht nun durch die Tätigkeit von Muskeln, welche einerseits das den Boden des Brustraums bildende, nach oben gewölbte Zwerchfell abflachen, andererseits die Rippen sanimt den Weich- teilen, die sie verbinden, heben und stärker wölben. Tie während der Ausdehnung durch die Luströhre in die Lungen eindringende Luft richtet den Kehldeckel auf, erweitert die Ctimmrize und füllt alle Partien der erweiterten Lungen aus,— mit lczterem hat die Einatmung(Inspiration) ihr Ziel erreicht, und nun läßt die Spannung der Atmungsmuskelu nieder nach, die Elastizität des Lungcngewcbcs zieht die Lunge zusammen, das Zwerchfell steigt von neuem in die Brusthöhle Häher hinein, die Rippen senken sich und die Lungen pressen einen Teil der in ihnen befindlichen Lust wieder hinaus— der Mensch atmet aus(exspirirt). Tie Beweglichkeit der die Atmung unterstüzenden Rippen >st verschieden, insbesondere nach Alter und Geschlecht, in lezterer �jichung jedoch erst vom zehnten Lebensjahre ab. Beim Weibe b"d die oberen Rippen, beim Manne die unteren beweglicher. �as Atmen der Weiber wird daher vorzugsweise als Brust- atmen bezeichnet, während das Atmen der Kinder, welches fast "ur durch die Bewegung des Zwerchfells veranlaßt wird, Bauch- atmen genannt wird. , Auch bei der tiefsten Exspiration bleiben die Lungen i» ihren �uzelncn Teile» immer noch ausgedehnt, so daß sie niemals völlig luftleer tverden. Dieser auch bei energischester Ausatmung zurückbleibende Luftrcst wird die rückständige oder Rcsidualluft genannt; was bei mäßiger Ausdehnung an Luft über das Maß cv Rcsidualluft hinaus in den Lungen bleibt, heißt die Rc- ikrvcluft; die Luftmcnge, welche bei gewöhnlicher Inspiration u»d Exspiration ein- und ausgeatmet wird, ist die Rcspira- ivnsluft; was bei tiefster Einatmung über die Rcspirations- "st hinaus aufgcuommcu werden kann, nennt man die Komple- sntärluft; Rescrvcluft, Rcspirationsluft undKomplcmentärluft iusaiiinien, also dasjenige Luftquantum, welches bei tiefster Ein- N"»ig aufgenommen, bei tiefster Ausatmung ausgestoßen werden v'w. heißt die vitale Kapazität der Lungen; endlich gibt diese iMiiiiit der Residuallnst die absolute Kapazität derselben. . Räch Hutchinson beträgt ungefähr die Menge der Residual- "" 1435 Kubikmillimeter, wen» die der Reserveluft 1526, die n' Respirationsluft 507, die der Komplcmcntärluft 1739 und fiinoch die Bitalkapazität 3722 Kubikzentimeter beträgt*). Räch Prof. Jägers Messungen schwankt die Vitalkapazität v Lunge beim Mensche» zwischen 20 bis 80 Kubikzentimeter inff 1C�C® ��0 des Körpergewichts**). Aeltern Forschern nach mit dem Körpergewicht die Vitalkapazität nicht steigen, bei cn Personen sogar sinke». Hutchinson und Simon ließen m""v von der Körpcrlänge, Fabius von der Höhe des »mpfrs, dem Brustumfange und dem Alter, Arnold von der bn�n�nge'm verein mit dem Brustumfang, der Beschäftigung, V'�er. U11� kcm Gcschlcchte des Individuums abhängen***). �hc» daraus, daß die Akten über diese wichtige Frage Ria• toc'tcm nicht als geschlossen zu betrachten sind. Das furfi- �li'e dabei nicht auf der Seite des Einfachen zu ftiillr"'e'u' und Arnold sicherlich weit eher recht haben als A»>son und vielleicht auch als Jäger. Atmung an sich ist vom Willen unabhängig, der Rytmus werd' vor sich geht, kann vom Willen beeinflußt »tni en' können 1 Minute lang aushalten ohne zu Äeb' derühmte leipziger Physiologe Eduard Friedrich �l» vermochte das Atmen solange zu unterlassen, bis er in schnim� sank. Nach Ouetelet tut ein Ertvachscner durch- »ack'n der Minute 18 Atemzüge, nach Hutchinson 20, foniv, vh sogar 26, dagegen nach Funke 13 h'), nach Bierordt uut kaum 12. Lnnfcf), Kurzes Lehrbuch der Physiologie deS Menschen, �"�hklopädie der Natunvissenschasten, a. a. O. Artikel Atmung. 4zz vr. Otto Funke, Lehrbuch der Physiologie, Bd. 1, Die Zahl der Atemzüge wird nicht nur beeinflußt von dem Lebensalter der Individuen, sondern auch von der Körper- Masse derselben, von der augenblicklichen Körperstellung, durch Gemütserregung und Krankheiten. Durchschnittlich tut ein Neu- geborenes 45 bis 50 Atemzüge in der Minute, ein Kind von 5 Jahren 26; im kräftigsten Mannesalter zwischen 30 und 40 Jahren ist die Zahl der Atemzüge am geringsten, etwa 16 bis 18, im höheren Alter ninimt sie wieder ein weniges zu. Am langsamsten atmet man im Liegen, etwas rascher im Sizen, am schnellsten bei rascher Bewegung oder leidenschaftlicher Auf- regung. Beim Einströmen der Luft in die Atmungsorgane wird ein Geräusch wahrnehmbar, daS an der Luftröhre und den großen Bronchien ein hauchartigcs ist, während es sich in den feineren Bronchien zischend anhört. Bei Kindern hört man dieses Atmungsgeräusch nicht nur beim Einatmen, sondern auch bcini Ausatmen. Um die Aufgabe zu erkennen, welche die Atmung zu lösen hat, müssen wir zunächst die Beschaffenheit der atmosphärischen Luft, die wir einatmen, mit der Luft unserer Ausatmung ver- gleichen. Die atmosphärische Luft enthält in hundert Raumtcilen 20,96 Teile Sauerstoff, 79 Teile Stickstoff und 0,04(4/ioo) Teile Kohlensäure*), oder, da der Sauerstoff schwerer ist als der Stickstoff, 23,19 Gewichtsteilc Sauerstoff, 76,77 Stickstoff. Die ausgeatmete Luft dagegen enthält 16,033 Raumteile Sauerstoff bei ungefähr gleichem(ganz unbedeutend vermehrtem) Stick- stossgehalt wie vorher, und 4,380 Teilen Kohlenstoff. Der Saucrstoffgehalt ist also um etwas mehr als den fünften Teil geringer geworden, indes der Kohlensäuregehalt sich ums hundert- fache vermehrt hat. Demnach besteht die Aufgabe der Atmung in der Hauptsache darin, dem Körper Sauerstoff zuzuführen und Kohlensäure ab- zunehme». Von dem hohen Gehalte der Atemluft an Kohlensäure kann sich sehr leicht jedermann überzeugen. Man braucht nur in ein kleines Gesäß klares Kalkwasser zu bringen und dann den Atem durch ein Röhrchen hincinzublasen, so wird sich das Wasser allmälich trüben und ein Niederschlag bilden, der in kohlen- saurem Kalk besteht, wozu sich die Kohlensäure mit dem gelösten Kalk verbunden hat. Von der größten Wichtigkeit für die Physiologie und grund- legend für die Teorie der Ernährung war die Beantwortung der Frage, wieviel Kohlensäure der Mensch in den verschiedenen Lebensaltern und je nach Geschlecht, Beschäftigung, Gesundheits- stand u. s. w. ausatme, da man die Zusammensezung dieses Gases kannte und dadurch in den Stand gesezt wurde zu be- rechnen, wieviel an Kohlenstoff der Körper durch die Atmung innerhalb einer gewissen Zeit verliere. Mit Hilfe schwieriger Untersuchungen gelangte man zu den sich auf die Verschiedenheit der Lebensalter beziehenden Rc- sultaten, die nachstehende Tabelle(aus: Carl Vogt, Physiolo- gische Briefe, 4. Aufl., Gießen 1874, S. 128) angibt. Auch von der Art. wie die Respiration vor sich geht, hängt die Menge der ausgeatmeten(exhalirten) Kohlensäure ab. Atmet *) In der bei der Korrektur dieser Spalten in meine Hände kommen- den neuesten Liesennig der E n c y k l o p ä d i e der N a t u r w i s sc n s ch a f t e n man öfter und tiefer als gewöhnlich, so wird man wohl liber- Haupt(absolut), als auch im Prozcntsaze zum Sauerstoff- und Stickstosfgchalt jedes Atemzuges(relativ) mehr Kohlensäure ans- atmen. Atmcr man rasch, aber nicht tiefer als gewöhnlich, so wird der Prvzcntgehalt jedes Atemzuges an Kohlensäure geringer werden, der absolute Gehalt aber infolge der Vermehrung der Atemzüge steigen. Umgekehrt wird es der Fall sein, d. h. der relative Kohlensäurcgehalt wird steigen, der absolute aber ab- nehmen, wenn man langsam und tief atmet. Die Verschiedenheit des Geschlechts übt gleichfalls einen Einfluß auf den Kohlensäurcgehalt des Atems. Bis zur Zeit des Mannbarwcrdens(Pubertät) steigt die exhalirtc Kohlen- säuremenge bei männlichen und weiblichen Personen ziemlich gleichmäßig. Während der Pubertät jedoch vermehrt sie sich beim männlichen Geschlecht sehr bedeutend, während sie beim weiblichen sich gleich bleibt, um erst nach etwa dem 45. Jahre, d. i. nach dem Aufhören der Menstruation, erheblich zu wachsen; ein Umstand, welcher der starken Entwicklung der Muskeln im Jünglingsalter und im später» Fraucnaltcr zuzuschreiben ist. Ferner hängt der Kohlensäurcgehalt des Atems auch von der Nahrung, ihrer Menge und ihrer Zusammensezung ab. Nach der Mahlzeit und während der Verdauung ist er höher, nach Alkoholgenuß jedoch geringer als sonst. Wie groß die Schwankungen im Verhältnis zur Nahrung sind, zeigen folgende von einem 72 Kilogramm schweren 24jährigcn Manne gewonnenen Resultate*): Dann von den Tageszeiten; in der Nacht ist der Kohlen- sänregehalt geringer als am Tage. Auch von der Temperatur ist er abhängig. Mit zunehmen- der Wärme sinkt er. Des weitern wird die Kohlensäuremenge des Atems be- einflußt von gewissen Zuständen, so von der Schwangerschaft, die sie erhöht, und den: Schlaf, der sie herabsezt. Desgleichen vom Wassergehalt der Atmosphäre. Nach Lch- mann„steigert feuchte Luft die Kohlcnsäurcexhalation. Tiefe und Frequenz(Zahl) der Atemzüge nehmen zu."**) Und vom Luftdruck.„Ein einzelner Atemzug enthält nach Vivcnot bei 1�/s Atmosphäre"(d.h. bei einem um'/s Hähern Lustdruck als der normale von etwas mehr als 1 Kilogramm auf jeden Ouadratzcntimctcr oder IG Pfund auf den Luadrat- zoll)„vor dem Versuch 0,2239 Gramm, im Versuche 0,2691 Gramm Kohlensäure. Komprimirte Luft verlangsamt den Puls und die Respiration, erhöht die Lnngcnkapazität und steigert die Kohlensäuremenge." Fernerhin vom Licht.„Nach Moleschott exhaliren Frösche im Dunkeln weniger Kohlensäure als im Hellen." welche die 0. Lieferung des Handwörterbuchs der Chemie bildet, finde ich im Artikel Atmung unter Berufung auf Valentin und Brunner, Archiv f. physiol. Heilt. 11, pag. 273, die durchschnittliche Menge des Sauerstoffs in der atmosphärischen Lust auf 20,8 Volumprozente angegeben und die der Kohlensäure aus 0,03 Prozent. *) Vogt, a. a. O. S. 130. *♦) Die hier und iin Zuuächststehenden mit Anführungszeichen vci scheuen Stellen sind dem bereits erwähnten„Kurzen Lehrbuch der Physiologie" von Dr. C. Larisch entnommen. Schließlich von geistigen und körperlichen Anstrengungen. I „Sczt man den Atmungswcrt im liegenden Zustande als Ein- I heit, so wird schon bei einfachen Eisenbahnreiscn in der zweiten I Klasse die Menge der ein- und ausgeatmeten Lust und also I auch die Menge der Kohlensäure um die Hälfte vermehrt; bei I sehr langsamem Spazierengehen, wo man nur einen Kilometer in I der Stunde macht*) oder beim Reiten im Schritt verdoppelt; I bei Fußreisen, wo nian drei Kilometer in der Stunde macht, I verdreifacht, beim Reiten im Trabe und beim Fußrcise», wo man Stunde für Stunde niacht**), vervierfacht, beim I Laufen und Radtreten zu noch bedeutenderen Mengen hinauf- I geschraubt***). Im Durchschnitt beträgt die Menge der ausgeatmete» I Kohlensäure bei Erwachsenen in 24 Stunden rund ein Kilo' l gramm, während die des aufgenonimencii Sanerstofss 900 Graun» j ausmacht. Tie Menge der Kohlensäure schwankt zwischen 686 1 und 1285 Gramm, die des Sauerstoffs zwischen 594 nnfc 1 1072 Gramm. Der Austausch von etwas mehr als vier Raumtcilen de- j Sauerstoffs, den die atmosphärische Luft in die Lungen führt I gegen wenig nichr an Kohlensäure, geschieht in den,>»»' I die Beeren einer Traube an den Ende» der Bronchien sizcnde» I Lungcnoläschtn, die nach Huschke eine atmende Fläche vo» l 2000 Qnadratfnß oder etwa 196 Quadratmeter aufweisen und, 1 wie wir bereits wissen, überall von einem dichten Nczc zarteste I Blutgefäße umsponnen sind. Bei dieser innige» Berührung dck I Lust mit dem Blute bindet das Hämoglobin der Blntkörpcrchtß| chemisch den Sauerstoff, und die Blutkörperchen transportitt»| ihn bei dem Blutkreislauf in alle Teile des Körpers, um deck» I Wasserstoff in Wasser und deren Kohlenstoff in Kohlensäure j" 1 oxydircn(verbrennen), die Vcrbrennnngsprodukte Wasser»»-| Kohlensäure in das Blut auszunehmen und wieder den Ln«S� I zuzuführen, damit diese sie im Atem aus dem Körper hin#! befördern. iv I Daraus geht hervor, daß der Atem auch reicher an WaR'(| dampf sein muß, als die atmosphärische Luft, eine Tatso� I die schon durch das Anlaufen eines Spiegels oder Fensterglas�> wenn man es anhaucht, bewiesen wird und die sich bcsont»» � deutlich in dem Absezcn seiner Waffcrbläschcn zeigt, wenn 1 atmosphärische Luft bedeutend kälter ist als der Atem.| Da nun ein Gasgcmcngc,>vie es die Lust darstellt, de I mehr Waffer in Tampfform, bis zur völligen Sättigung*'! Wasser, aufzunehmen vermag, je höher seine Temperatur ist,' I zeigt sich die Atemluft, welche bei gewöhnlicher Atmosph»�[ tcmpcratur fast genau die Temperatur des Blutes, also 36 J>* i .58 Grad Celsius ausweist, bei langsaincm Atmen mit i dampf gesättigt. Aus diesem Ilmstande erhellt, daß wir» t dann durch die Atmung keine Verluste an Waffer f würden, wenn wir Luft von derselben Temperatur und dj I selben Wassergehalt einatmen; da dies jedoch nur äußerst l der(jatl ist, so erleidet das Blut einen um so 0�6% j Wasscrvcrlust, je tiefer und häufiger unsere Atemzüge j"'L, trocknet die Luft ist, die wir inspirircn. Hierdurch erklärt � nrst, der uns bei heftiger Muskelarbeit, insbesondere bei j Marschletstungen an trocknen heißen Sommertagen befällt u» �» mahnt, durch Wasscrtrinkcn dem Körper Ersaz für die erhe» 1| Verluste an Flüfflgkcit zu gewähren. ooul f"1' ...... � o-r's.-.11 9(U15 außerordentlich langsames Dem- xjc tüchtige Lauser sind 6 bis 7 Kilometer in der Stunde nicht 3 - bei starkem Schrittgehen. fit* ) Die Wegstunde(licue itint-rairo) hält 16000 Fuß oder l>! meter. tvahrend die gewöhnliche deutsche Meile 7>/, Kilometer ***) Vogt, a. a.L. S. 127. Unsere Illustrationen. 9Tfs?'c?c�,cn Philosophen. Es ist ein seltsam geartetes Pärchen. . � Henne, ihre Frau Mama, brütend über den beiden Eiern tv fic« eine finnig angelegte Natur, zugleich mit ihrem "ber den schwierigsten Problemen, denn ihr Gemahl, der !vik!�e Hahn weit und breit, ein Heldentenor, dessen Kikeriki alle bezauberte, war im Duell mit einem eifersüchtigen Neben- >■• fallen. Unsterblichkeit, Fortdauer nach dem Tode, ewige Selig- x,"a jenseits! Die trauernde Witwe wurde immer mehr von der bfn!?■ bie'.c.t tröstlichen Idee überzeugt, sie schwelgte in dem Ge- besseren Regionen, wo es keine Duelle und keine Eifersucht lim't- 11,0 bkste Haser und die fettesten Würmchen die tilgend- tofA''bu?uer erquicken und beselige» werden, wieder vereinigt zu , tuit dem geliebten, leider der Polygamie ctwaS zu sehr er- iui*: hatten. Was Wunder, daß der Hang zur Spekulation sich (rlt k f,e'')en holden Sprößlinge vererbte. Vor wenigen Stunden lie ins Dasein geschlüpft und schon beginnt der philosophische Genius seine Schwingen zu regen, und statt die Augen auszuschlagen und sich die schöne Welt anzusehen, den Blütenstaub der Ideen von den Blumen des Lebens abzustreifen und den Honig der Philosophie daraus'zu bereiten, verschmähen sie diesen schnöden Realismus und suchen, wie die Jünger Fichles, Schellings und Hegels, die Welt aus dem Kopfe zu konstruiren. Allzu pessimistisch wird übrigens ihre Philo- sophie nicht ausfallen, dazu sind sie zu jung und anmutig. Vorerst sind sie auch nicht so weit, nach dem metaphysischen Substrat aller Dinge zu fahnden, worüber das Hirn unserer Zunftphilosophen so sonderbare Blasen trieb und treibt, das Objekt ihres Grübelns sind die zerbrochenen Eierschalen, welche das Geheimnis ihrer Entstehung um- schlössen hatten.„Wer hat wohl die Eierschale geschaffen?" piepst das eine, ein Hühnchen.„Fragen wir lieber," gluckst das Hähnchen mit männlicher Logik,„wer das alles geschaffen hat, die Eierschale, das Gras, dich und mich und das Blau da oben?"„Wer kann es anders sein als eine große Henne, welche eines Tages das große Willlei gelegt hat, aus welchem alle Dinge geschlüpft sind."„Nein," antwortet das Hähnchen,„es ist ein großer Hahn, er krähte und die Welt war fertig." Tie beiden Philosophen. Gemälde von Gustav SüS. - Ei"- Henne? Unsinn!- Gebt acht, liebe .. H und um euer gelehrter Streit nicht in Tätlichkeiten aus- ".Hahn ui,!.• öu schlichten, stelle ich die Behauptung auf, es war Nachtbar"°g.eme Henne. Noch besser aber ist es, ihr lasset biete (?. eiirc� � Mutationen auf sich beruhen und suchet lieber den .x ein Hüh„*,n näher kennen zu lernen. Die Art, wie aus dem ora"«ußers.*«d. ist höchst merkwürdig und gewährt zugleich >ni??'>chen Einblick in die Bildung aller lebenden bez. Lös, ermann>,!'- Menschen mit einbegriffen. DaS Ei besteht, ei»,"'an den t\"»s der Schale, dem Eiweis und dem Dotter. - ahnchen. Daraus geht hervor, daß man ein Ei auch künstlich ausbrüten kann, indem man es 21 Tage lang ununterbrochen in eine Temperatur von 30 Grad versezt. In der Tat hat man Brutmaschincn erfunden, welche ganz die Dienste der Bruthenne verrichten, und wenn man sich eine solche anschafft und eine gehörige Anzahl von Eiern hineinlegt, so kann man, wenn man alle paar Stunden ein Ei zerbricht und öffnet, die Metamorphose des Eis, d. h. seine Verwandlung zum Hühnchen, bequem verfolge», d. h. wenn man ein recht starkes Mikroskop zu Hülfe nimmt. Ter Keimfleck, das müssen wir voraussendcn, zeigt sich bei genauerer Besichtigung nicht als bloßer Fleck, sondern als kleine runde«cheibe, die aus zwei Häutchen besteht, welche wie Blätter übereinander liegen?, das obere zeigt sich aus feinen, sehr kleinen Kügclchen bestehend. Im Mittelpunkt des Dotters ist ein hohler Raum, von dem ein Kanal bis zur Oberfläche der Dolterkugcl hinaufgeht: hier erweitert sich der Kanal und bildet eine Art Grübchen oder Becher, der mit feinem Eiweiß überzogen ist. Das Loch dieses Bechers, das zum Kanal führt, ist mit einem weißen Körnchen per- stopft und auf dem Rand des Bechers ruht die Keimscheibe wie ein Teckel. Gehen wir jezt zu unserer Brutmaschine und sehen wir, waS in den Eiern vorgeht, indem wir je nach Verlauf mehrerer Stunden ein Ei öffnen. Nach sechs Stunden: die Keimscheibe ist gewachsen, 98 hat um sich gcgrisscu und ruht mit einem breiteren Rande auf dem Dotter. Die Kiigelchen des oberen Keimblattes haben sich vermehrt und sind zu Zellen geivorden, d. h. zu Bläschen, von einer feinen Haut aebildet, tvelche im Innern eine Flüssigkeit, in der Mille einen kleinen Kern haben. Auch das untere Keimblatt zeigt dieselbe Erscheinung. Nach zwölf Stunden: Das untere Keimblatt hat sich zu zwei Blät- tern gespaltet, von denen das eine unter dem andern liegt, so dasi jezt die Keimscheibe aus drei übereinander liegenden Blättern besteht. Nach achtzehn Stunden: In der Mitte des oberen Keimblattes erscheint ein feiner Streifen, der an einem Ende ein wenig dicker ist als am andern: dort wird sich der Kopf, hier der Schwanz bilden. Das ist die erste' Andeutung des Rückens und zwar dessen Mittellinie. Tie ganze Kcimscheibe hat sich bedeutend vergrößert, dabei verdicken sich die beiden obere» Blätter in ihrer Mitte, so daß sie dort undurchsichtiger werden als an den Rändern. Auch verwachsen sie miteinander in der Richtung jenes ersten Streifens und bilden dadurch eine schmale läng- liche Platte, die Rückenplattc. In dieser Platte erhebt sich nach vier- undzwanzig Stunden ein seiner Rand, der sich wie ein Wall neben dem Streifen hinzieht. Die beiden Wälle stehen sich gegenüber und lassen ein langes Tal oder eine Rinne in ihrer Mitte: sie wird die hohle Wirbelsäule bilden, das Gesäß des Rückenmarks! denn bald vcr- wachsen sie miteinander und bilden ein hohles Rohr. Am obersten Wirbel aber(wo später der Kops sein wird, der eben nichts anderes ist als ein höher ausgebildeter Wirbel) erhebt sichs blasenartig auch vom untersten Keimblatt her in die Höhe, und diese Erhöhung biegt und buchtet sich immer mehr vor, so daß das Hühnchen(wenn man schon jezt das Ding so nennen darj) auf dem Dotter wie ein umgestülpter Kahn daliegt, dessen obere Biegung stärker ist als die untere. Diese skizzenhafte Darstellung dessen, was am ersten Tage im Ei vorgeht, wird dem Leser einen Begriff von dem Prozeß geben, der in den sol- gcnden sich vollzieht und den wir später einmal ausführlich zu behan- dein gedenken. In den leztcn Tagen sind Dotter und Eiweiß fast ganz verschwunden, denn sie sind im Hühnchen ausgegangen. DiejeS macht sich reisefertig. Am breiten Ende des Ei's ist bekanntlich zwischen Eier- schale und Eiweiß ein mit Luft gefüllter Raum. Das Hühnchen liegt mit seinem Schnäbelchen an diesem Lustraum, und ivenn es Zeit ist, pickt es an die Hülle, um die dort befindliche Lust einzuatmen. So- dann macht eS sich an die Eischale und hämmert so lange daran, bis ein Riß da ist oder ein Stückchen abspringt. Die eindringende Lust wird nun krästiger geatmet. Aach und nach vergrößert eS das Loch in der Schale, bis es den Kopf herausstrecken kann. Jezt erst schöpft es frei und voll Atem, und ieiuem Austritt auS der Kleinwelt des Ei's in die große Welt des Hühnerdaseins steht kein Hindernis mehr im Wege. Doch pflegt sich daS Hühnchen damit nicht zu beeilen, stunden- lang liegt es oft da und guckt mit dem Kopf zum Fenster hinaus, wie mein Hausphilister aus der Universität, ein wohlgenährter Rentier, der oft ganze halbe Tage im Fenster lag, eingehüllt in den warmen Schlaf- rock, die Zigarre dampfend, die Arme aus weiche Polster gelegt, und dem armen Taglöhner zusah, der im dürftigen Kittel im Strahle der kalten Dezembersonne Holz sägte. Es gibt doch kein größeres Ver- gniigcn als die Arbeit, nieinte der brave Rentier dann oft; ich kann stundenlang zusehen und bekomms nicht satt. Von den wunderbaren Vorgängen im Ei, durch welche sie gebildet wurden, haben die beide» Philosophen auf unserem Bilde keinen Be- griff, so wenig als mancher Philosoph und NichtPhilosoph über den durch einen ähnlichen Wcrdeprozeß geformten Menschen. Mit den Wundern der Natur aber vertraut zu sein, hat tausendmal mehr Wert als an übernatürliche Wunder, welche die Kirche lehrt, zu glauben. Darum, liebe Hausfrau, wenn du Eier einschlägst, um Pfannkuchen zu backen, denke zuweilen daran, ivelch ein Fülle von Wundern dieses so einfach scheinende Ding, daS Ei, in sich schließt und vergiß nicht, daß daS Ei die Form ist, aus welcher alle lebenden Wesen sich entwickeln, nach dem Worte des alten Naturforschers: ouiue vivum ex ovo, alles Lebende kommt aus einem Ei. Lt. Prometheus.(S. 81.) Die griechische Göttersage erzählt uns wundersame Geschichten von den Titanen, jenem Riesen- und Helden- geschlecht, das trozig und stark genug war, um den Kamps mit den Göttern auszunehmen, aber endlich von ihnen besiegt und in die Unterwelt gestürzt wurde. Schon der älteste griechische Schriftsteller, Hesiod, erwähnt dieser Sage, sowie auch deS Schicksals des interessantesten aller Titanen, des Prometheus. Die Sage ist folgende: Bei einem Streite zwischen Göttern und Menschen gelang eS Prometheus, die Götter zu Gunsten der Menschen zu überlisten; im Zonie darüber enthielten die Götter den Menschen das Feuer vor. Der kühne Prometheus aber drang bis in den Saal der unsterblichen Götter auf dem Berg Olhinp vor und entwendete das Feuer, um es den Menschen zu bringen, die sich dies ebenso hilfreiche als zerstörende Element von da ab nicht mehr entwenden ließen. v Dm Prometheus aber traf die furchtbare Rache der Götter; er wurde an einen Felsen geschmiedet und ein Adler mußte ihm jeden Tag die Leber zerfleischen, die Nachts immer wieder nachwuchs um am anderen Tage wieder dem grausamen Raubvogel anheimzusälle» Lange schmachtete der Dulder auf dem einsamen Felsen am Strande des Meeres, bis endlich Herakles(HerknleS), der gewaltige Held, er- schien, den Adler mit seinem serntreffenden Bogen erschoß und die Fesseln des Dulders zerschlug." Die Sage vom Prometheus hat einen tiefen Gehalt; sie zeigt uns den kühnen Denker und Ersinder— man schrieb Prometheus auch die Erfindung resp. Begründung der Schiffahrt, Astronomie und Baukunst zu— der das Menschengeschlecht aus seinen Fesseln befreien hilft und deshalb von dem Zorne der Mächtigen verfolgt wird. In diesem Sinne hat auch der große altgricchische Dramatiker Aeschylus die Prometheus- sage behandelt, nur daß er, um den Anschauungen seiner Zeit nicht zu widersprechen, die Strafe des Prometheus als gerechtfertigt hinstellen mußte. Uebrigens ist von diesem Drama deS Aeschylus nur ein Ten erhalten geblieben. Das Bild, das unsere Illustration vorführt, ist eine Darstellung des an den Felsen geschmiedeten Prometheus von dem berühmten Males Franz Simm. Das Original ist eine Freske im Treppenhause � kaukasischen Museums zu Tiflis. Der gefesselte Titane sieht den Raub' vogel heranfliegen, der ihm täglich den grausamsten Schmerz bereit» und er sträubt sich, soweit es seine Ketten gestatten. Doch sein Wider' stand wird vergebiich sein. Droben auf dem Olymp aber freuen I1® die unsterblichen Gölter der Qual ihres Feindes. Aber nicht alle Gow Helten, mit denen die Phantasie der Griechen alle Elemente so zablb»® bevölkert hat, sind so grausam. Aus den Wogen des um den siftlp des Dulders brandenden Meeres tauchen die Töchter des greifen M1*1' gottes Lkeanos, die Okeanidcn, empor und zollen dem gefesselten HeldfJ ihr Mitleid und ihre Entrüstung über seine Qual. Aber die Töchter d«* Meeres können den fraßbegierigen Adler nicht verscheuchen; ihre Tränt» bleiben ohnmächtig, bis endlich eine stärkere Hand kommt, welche du vom Aberwiz geschmiedeten Fesseln des Dulders zerschmettert Ein Sonntagsvergnügen aus dem Lande. ist, wie der' (S. 88-89.) DasKeg-l' iflffP Dichter sagt,„auch eine tapfere Kunst" und will gel� sein. Dazu istS eine gar nicht üble Leibesübung und Anstrengung ..... ,.i.(„.„ii!.�,...?!......... 1.-..ia..nmi»» 1 v 1• i(»v vuit Jsiiv uiuji uuit■s.ni.'vvuuuiiy iiuw die als Sonntagsvergnügen viel empfehlenswerter ist, als etwa f „Schapfskopf", ein„Solo" oder gar ein„Sechsundsechzig". Eine tlc> Anstrengung schadet nichts; die bei einförmiger Tätigkeit erstarr' Muskelteile werden durch die heftigen Bewegungen beim Kegelschu� angespannt, beweglich und geschmeidig gemacht. Das Kegelspiel 0 aber auch seine lustige Seite und zwar bezüglich der verschiedenen? situren, welche die einzelnen Spieler einzunehmen Pflegen. Man leg weniger um Gewinn— obschon bei manchen Spielen ganz nette ivinne zu erzielen sind— als um die Ehre des SicgeS, und das UV was die meisten Spieler in die Hize geraten läßt. Der ruhige schiebet ist freilich gegen den hizigen im Vorteil. Aber sie tverfcn(( verschieden. Der eine schleudert wild die Kugel hinaus, alS hati j eine Wut gegen die armen Kegel in sich, und trifft sie so heftig- sie nach allen Richtungen hin auseinanderfliegen; der andere z'e>i dächtig und läßt seine Kugel langsam hinauSrollcn, als fürchte en den Kegeln wehe zu tun. Ter eine steht gravitätisch da und et!V([j den Erfolg seines Wurfes; wenn er fehlt, schüttelt er den Kopf, u' V ihm unbegreiflich wäre. Ein anderer rennt der davonrollendcn � � mit lautem Geschrei nach, als wäre die Kugel ein mit Gehör beg' V Wesen, das seine Befehle befolgen könnte: ein dritter arbeitet naa Wurs noch krampshast mit Händen und Füßen, als ob er dem � der Kugel dadurch eine andere Richtung zu geben vermöchte, u-, vierter flucht wie ein Mamelucke und Türke; will er der Kug«..z leicht Furcht einjagen und sie auf den richtigen Weg bringe»- � könnte man es glauben. Die meisten Spieler schneiden Gri>»»!><%(. verschaffen dadurch dem gewöhnlich zahlreich zuschauenden eine ungemeine Belustigung. Tie Spötter finden hier ein reiche?»zj. um sich auf Kosten der Kegelschieber zu amüsiren. Da sizt»V jck t'ger Philister, der durch seine Hornbrille dem Spiel)»(#*« � von dem Spiel der Jugend gar nicht? hält. Wenn einer Akte ganz aus dem Häuschen, als ob irgend ein nationales passirt wäre.„Zu meiner Zeit," bnimml er in den Bart, y#* lich geschämt, so schlecht zu werfen!"— Man kann allcrdi»� � nicht mehr kontroliren, ob der Alte seiner Zeit besser g-wor»�� Dort sizt ein junger Fant und moquirt sich über das Spiel � die na» seiner Ansicht nichts treffen und nie ordentlich etw»«(P haben. Denn sie Wersen ihm viel zu langsam und zu deda«''� s» schwach, so daß sie ablaufen. JSenn.®', a"' nicht beyer werien könnten, wie die Alten, so»iüßten w>r»"W lachen lassen." zischelt der junge Mensch seinem Nachbar?» d» ..."vcr nun hat einer geworfen, dem die Spötter V' tonnm. �aS ist ein alter Virtuose deS KcgelspielS, im burgcrluhen Leben eine gewichtige Persönlichkeit. Mit 9"" Sicherheit uiir|t er seine Kugel hinaus und nicht weniger fjJtK �oigt er ihren Lauf. Allseitig blickt man mit gespannter gJW amleit der Kugel nach und envanet einen guten Kurl,''. ä-v J'h1 d« alte Bürgersniann als Legelkünstler anerka»"t>-./ Haltung zu verleihen, die dem jüngeren Publikuni jederzm fr* le>deii|cha|tliche Liebhaber deS Kegelspiels wollen w> dati zu Quedlinburg von einem Herrn Bado ein SchtiilöK»', vuemmg zum Kegeln erschienen ist. das den Titel führt: � 99 TrachtnselS, Trachenburg und Trachenselsbahn. Dicht bei Königs- Winter am Rhein erhebt sich der Drachenfels, eine der sieben Kuppen öe- berühmten Ticbengcbirges. Man hat von hier eine prächtige Aus- M aus das Rheintal mit den rings emporstrebenden Gebirgen. Hier pt einer der schönsten und romantischsten Punkte, die man in Deutsch- wnd kennt. Der Drachenscls selbst, 325 Meter hoch, trägt auf seinem !?>piel eine im zwölften Jahrhundert erbaute Ruine, die im dreißig- -�"gen Kriege zerstört wurde. In halber Höhe des Berges befindet !' me Höhle, wo nach der Sage der fürchterliche Drache Fasner hauste, m Siegfried erschlug und in dessen Blut er badete, so daß seine Haut »yurnm" ward. Am Abhang des steilen Berges aber kocht in der Eitzen �ommersonne das edle Drachenblut, ein kostbarer Wein, der Ltf*. Haut nicht„hürnen" macht, dafür aber andere, weit an- i iheiidere Eigenschaften hat. bei ir*1 ��achenfels ist immer schwer zu erklimmen gewesen, und so ,'"''Moderne Technik es übernommen, seine Besteigung zu erleich- jl?''wdem sie zugleich eines ihrer Wunderwerke hier schuf. ES führt (Binf t ü�ch e'ne Eisenbahn, eine sogenannte Zahnradbahn, auf den t.r" acS Drachenscls, so daß man der früheren Anstrengungen über- nual&A Die Bahn ist ähnlich wie die Rigibahn beschaffen: sie ist ®»?.hl und Eisen zusanimengesezt. Die Lokomotive schiebt, wie au.- i�igt, die bequemen Wagen empor. Lbcn findet man eine Restauration, unten ist ein hübscher Bahnhos angelegt. unh•. �'asscher Krösus, ein Baron von Tarier— früher ohne„von" vm vielfacher Millionär— hat es unternommen, den Drachenscls nj,«.. CI,nc.m Schlosse zu schmücken, das wohl in erster Linie den sonst öriua'"."�vs berühmten Namen seines Erbauers auf die Nachwelt in zweiter Linie wohl erst den Drachenfels um einen neuen �reichern soll. DaS Gebäude wird sehr prächtig werden. qemj, Abbildung(©. 93) kann indessen nur ein unvollkommenes Bild lein?.ü?' dns Schloß noch nicht fertig ist und der Erbauer über Die � Snltige Gestaltung nichts in die Oefscntlichkcit dringen läßt. lwfsen �uvg soll alles Aebnliche am Rhein an Kostbarkeit über- der miirfi,;£Sn endgültiges Urteil zu sällen, muß man warten, bis 4�9� Bau vollendet ist. W. B. » ««« dient eine Ctloschc Gasmaschine von Aus allen Winkeln der Zeitliteratur. �WV �'erra Leone und GallinaS Point.(StuUani.) "ZZZMWW M 12 Meter aroü? 9tnrtrnnafn-il mnr nnrfi Enameerina IS�.i mit besonderem Schwungrade. Auch beide Dynamomaschinen haben solche: ebenso ist die Transmissionswelle mit einem Schwungrade von ungefähr 300 Kilo Gewicht versehen. Die Gesammtlichtmenge beläust sich auf 8180 Kerzen(6 Bogenlampen zu je 1000 und 109 Glühlampen zu je 20 Kerzenstärken) anstatt 3530 Kerzen Gas. An Gas verbraucht die Maschine nach sorgsamen Beobachtungen für 1400 Mark(1000 Fuß ist 10 Pf.); die Ausgaben für Kohlen, Lohn der Wärter u. s. w. belaufen sich auf 2400 Mark; daher betragen die Gesammtkosten der elektrischen Beleuchtung 3800 Mark im Jahre, während die frühere Gasbeleuchtung 5000 Mark gekostet hat. (Tingtcr:„Polytcchnischc» Journal") Für die Jugend. Wir geben unter dieser Rubrik zunächst eiit>,-vftui iqjn ss| fuLw-fi würde teils zu elastisch sein, teils zu sehr in der Hand brennen. Die Spieler stellen sich gegen eine Mauer, die hoch und breit genug ist, um für das Spiel Raum zu gewähren; auf derselben wird mit Kreide oder Kohle eine Linie bezeichnet, über die hinaus der Ball nicht geworfen werden darf, weder in der Höhe»och an den Seiten. Trifft er gerade auf eine der Vegrcnzungsliuicn, so ist der Wurf uugiltig. Man spielt einer gegen eine» oder mehrere gegen»lehrere. Die Spieler müssen von beiden Seiten der Zahl nach gleich sein und ebenso in der Geschicklichkeit einander möglichst die Wage halten. Eine Partei muß bedienen, die andere spielen. Um den Ansang der Partie wird gelost. Die Partei, welche durch das Los als spielende bezeichnet wird, sängt an, und einer von derselben schlägt den Ball so, das; er leicht zu sangen ist, sei es im Fluge, sei cS nach dem ersten Ausschlage; ein Spieler der zweiten Partei schlägt oder wirft ihn zurück, und so fliegt er fortwährend zwischen den'Gegnern beider Parteien hin und her. Die Feinheit des Spieles besteht darin, den Ball nicht zu gut zu schlagen oder zu werfen, ohne sich dabei aber der Gefahr auszuiczen, den Wurf zu verlieren, was dadurch geschieht, das; er an der Mauer entweder über die bezeichnete obere Linie, oder außerhalb einer der Seitenlinie trifft; man muß ihn gerade in den bezeichneten Raum werfen. So lange der Ball hin und her fliegt, zählt keine der beiden Parteien: wenn aber eine einen Wurf verfehlt, den Ball aus die Linie wirft, oder außerhalb des bezeichneten Raumes, oder ihn bei dem zweiten Ausschlage sängt, so zählt die Olegenpartei 15; von der Gegenpartei wird jeder verfehlte Wurf ebenfalls mit 15 gezählt. Mit 60 ist die Partie beendigt, aber dazu gehört, daß eine von den beiden Parteien die leztcn 30 hintereinander ohne Unterbrechung durch die Gegner ge- zählt hat. Wäre also eine Partei bis auf 45 gekommen und die andere zählt darauf, so kann die erste, auch wenn sie 60 macht, nicht die Partie damit beendigen, sondern sie kommt nur in Vorteil, d.h. bei gleicher Zählung gewinnt sie, im Gegensalle aber die andere Partei, wenn sie die leztcn 30 Points hintereinander machte. 2. Bewegungsspiel im Zimmer. Abraham hatte sieben Söhne. Ein Spiel von sehr komischer Wirkung.— Die Spielenden sizen in einem Kreise, der Ordner spricht die Worte: Abraham hatte siebe» Söhne, Sieben Söhne hatte Abraham; Sie aßen nichts, Sie tranken nichlS. Sie mächten'? alle so: und macht dabei irgend eine Bewegung. Die Mitspielenden müssen daraus im Chor die Worte nachsprechen, dabei die angedeutete Be- wegung nachahmen, und dieselbe stets so lange beibehalten, bis der Vorsänger seinen Vers wiederholt und eine andere Stellung ange- geben hat. Die ruhelose Bewegung dcS ganzen Kreises, wenn vielleicht jeder auf einem Beine»mherhüpst und dabei mit ernster Würde den Spruch hersagt, ist höchst komisch. 3. Berstandesspiel. D i e Pantomime. Die Spielenden wähle» einen zun, Anführer des Spieles. Dieser befindet sich im Kreise der übrigen und fragt links und recht«, bald diese», bald jenen mancherlei, z. B.: Wie hast du heute Nacht ge- schlafen? Auf welche Art reisest du am liebsten? Warum kannst du den B. nicht leiden? Wie gefällt dir dein neucS Kleid?«. s. w. 100 Niemand darf dabei anders als durch Mienen antworten: wer dieS verficht und irgend einen Laut von sich gibt, muß ein Pfand geben oder bekommt einen Schlag mit dem Pluinpfacke. Für die Jugend ist dieses Spiel bei seiner Einfachheit ungemein lustig und unterhaltend. Die Fragen geschehen schnell auseinander, und man fragt gewöhnlich so, daß weder Ja noch Nein zur Antwort hinreicht. Die Äcsragten sind daher genötigt, schnell aus pantomimische Ausdrücke zu denken. Betrifft dieser Ausdruck oder diese Darstellung blos einen körperlichen Gegenstand oder eine körperliche Handlung, so wird cS bei nur einigem Scharffinne nicht schwer, durch Gebcrden zu sprechen, mit dem Körper Bewegungen nachzuahmen, mit den Händen anzuzeigen oder gleichsam zeichnend auszudrücken. Kommen die Fragen aber ins Gebiet der Empfindungen, so wächst die Schwierigkeit des Ausdruckes: und führen sie gar ins Reich der Ideen, so gerät der beste Scharssinn gewöhnlich auf die Folter. Der Frager muß hierauf, sowie auf die Fähigkeiten der einzelnen Gesellschaftsmitgliedcr Rücksicht nehmen, und es ist daher besser, seine Stelle nicht durchs Los, sondern durch Wahl zu besczcn und die fähigste Person dazu zu nehmen. 4. Humoristische Schaustellung. Schattenspiele. Diese Gattung der Spiele ist, wenn sie gut ausgeführt wird, sehr ergözlich. Es sind dazu zwei nebeneinander liegende Zimmer nötig. In dem einen, welches dunkel bleiben muß, befinden sich die Zuschauer, in dein andeni, welches auf eine näher anzugebende Weise beleuchtet wird, bereitet man die Schauspiele. Die zwischen beiden Zimmern liegende Tür wird ausgehoben und mit einem weißen Linnenluche die Oeffnung straff gespannt. Etwa 3— 4 Meter hinter diese weiße hell durchsichtige Wand stellt man auf den Boden eine Lampe so, daß das Licht derselben nicht zu sehen ist, dennoch aber die Person, welche die Bewegungen zu machen hat, vollkommen bescheint. Dadurch wird die bespannte Tür zu einer glatten weißen Fläche, auf der sich die Schatten der sich dahinter bewegenden Personen in scharfen Umrissen zeigen. Die Personen, welche die Schattenspiele aussührcn, müssen sich stets im Profil so zeigen, daß ihre Gesichter von der Seite deutlich zu erkennen find, und alle Bewegungen scharf vorwärts oder rückwärts machen, weil jede Seitenbewegung durch den Körper verdeckt und also nicht sichtbar sei» würde. Die Darsteller binden an der einen den Zuschauem zugewendeten Seite Pappendeckel vor, in denen ein Gesicht ausgeschnitten ist, die aber über dem Gesicht des Darstellenden vorragen müssen, damit die eingeschnittenen Augen und der Mund sichtbar bleiben. Auch einzelne Teile der sür die Darstellung zu wählenden Verkleidung kann man aus Pappe schneiden und an der Zuschaucrseite anbinden, damit sie schärfere Umrisse zeigen, als die gewöhnlichen Kleidungsstücke. Es ist dabei zweckmäßig, die Papplarven so zu befestigen, daß der Darsteller, der dahinter verborgen ist, seinen Schattenriß an der tveißen Kattun- wand sehen kann, wenn er seitwärts darnach hinschielt, denn dadurch wird er in den Stand gesezt, die Wirkung seiner Leistungen zu beob- achten und zu ändern, wenn die Linien nicht schars genug erscheinen sollten. Unmittelbar hinter der Lampe und durch den Schein derselben so gedeckt, daß man ihn nicht bemerken kann, sizt der, welcher daS Gedicht zu lesen hat, mit dein die Darstellung begleitet wird. Er trägt diese gereimte oder ungereimte(im doppelten Sinne) Begleitung so vor. daß die einzelnen Szenen dadurch erklärt werden und daß er die Wand nach jeder Szene verdunkelt, indem er einen Schirm vor seine Lampe stellt. , Bei dem Beginn einer neuen Szene wird der Schirm wieder wcg- .--genoinmcn und die Bilder zeigen sich dann in voller Schärfe. Die Pappmasken müssen so eingerichtet sein, daß die einzelnen Teile, d. h. die Augen, der Mund zc. sich mittels eines DrateS bc- wegen lassen, welche» der Spielende seitwärts zieht, so daß die Wirkung seiner Hand nicht zu erkennen ist. Die Wahl von Gedichten, welche sich zu dergleichen Schattendar- stellungcn eignen, ist nicht schwierig und es kommt hauptsächlich daraus an, dag die Dichtung bekannt ist. Jede einzelne Handlung wird dann ans die oben angedeutete Weise abgeteilt. Einige Beispiele mögen dies deutlicher machen. a) Doktor Eisenbart. Zum Doktor Eisenbart kommt ein Patient und klagt über hestige Kopfschmerzen. Doktor Eisenbart holt eine große Holzsägc und sägt dem Kranken die Hirnschale von der Maske ab, arcist dann in den hohlen jtopf und zieht daraus hervor, was den Kopfschmerz verursacht hat, z. B. Bücher, Stroh, ein Wein- oder Bier- glas u. s. w.: deckt alsdann die Hirnschale wieder aus und der Patient geht erleichtert fort. b) Der Seiltänzer. Man legt ein Brett über zwei Stühle, Ivelche nicht zu sehen sein müssen, die Flamme der Lampe muß genau' in der Höhe deS Brettes stehen, so daß nun die schmale Kante des Brettes einen Schatten auf die Kattunwand wirft, welche dann wie ein gespanntes Seil erscheint. Auf diesem scheinbaren Seile können bau Kunststücke ausgeführt werden, die Darsteller ahmen daS Balancire nach u. s. w. Einen sehr komischen Effekt macht es, wenn der Seil tänzer vom Seile herabspringt, nach der Lampe hinläuft und über dieselbe hinwegspringt; dies macht den Eindruck, als ob er in die Luft hineinspränge.— Gute Masken werden bei allen Schattenspielen die komische Wirkung sehr vermehren; z. B. der Teufel mit Schwe und Hörnern; beim Doktor Eisenbart versäume man nicht, einen al fränkischen Frack(sogenannten Spargelstecher), der ans einem langen Lberrock vermittelst Znsammenstechens der Vorderteile der Schöße g«* macht werden kann, so wie schrecklich hohe Vatermörder, welche au» Papier geschnitten' werden, anzuwenden. e) Der Zahnarzt. Ein Patient kommt zum Zahnarzt und deut» hestige Zahnschmerzen an. Der Patient reißt den Mund weit aus; der Arzt besieht ihm den Zahn und bedeutet ihn, er müsse sich denselben ausziehen lassen. Langes und komisches Sträuben von Seiten de» Zahnkrankcn. Gegendemonstrationen von Seiten des Arztes. EuMw sczt sich der Patient auf einen Stuhl, der Arzt holt eine kolossale Zaug' hervor, steckt sie in den Mund des Kranken und zieht mit großer A»' strengung, indem er ein Bein an das Knie des Kranken anstcmuu, zum großen Gelächter der Zuschauer einen unnatürlich großen Zahn au- homonyme. Getrennt stößt's irgendwie dir aus an jedem Tage, Doch tust du eS, so kann's dir Schmerzen machen, Leicht gibtS dir Grund zum Aergcr und zur Klage, Zumal wenn andre noch darüber spöttisch lachen. Bald ist es leicht, bald schwer, Ost auch recht int'ressant, Nicht selten ordinär, Mitunter höchst pikant. Vereint hast du es auch vermutlich ganiicht spärlich, Rur ob es etwas taugt, das, Freundchen, ist die Frage, Es kann sehr wol auch sein dem Leben dein gefährlich, Doch kaum, Wenns dir passirt; indes aus schlimmster Lage Hat's manchen schon besrcit, War's geistvoll, glücklich nur! Nun, Lieber, sei gescheit— Leicht kommst du ailf die Spur. Semper Notnag el. R e b u s. Auslösung des Rätsels in Nr. 2: Der Schlaf. Auslösung des Rebus in Rr. 2: ES gibt viel Noch zwischen Bolz und Ziel. lII'