STT T Erscheint alle 14 Tage in Heften ä 25 Pfennig und ist durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Die Alten«nd l»ie Denen. Roman von M. Kautsky. <4. Fortsezung.) : 5. tlapitcl. 8ofi■ S n�c e'n1ame Schloß des Grafen Falkcnau, das einige itin �en von der Residenz entfernt lag und das er mit .'er W----- i---= a f � l�lITPr cn.-------,-----(j...jj••••• pst..«omilie den größten Teil des Jahres zu bewohnen aiisg/' in den lezten Tagen eine Anzahl Gäste in sich $)n»;n�mincn.®'e'varcn eine Seltenheit, denn die Dame des !»ttc p Stille und klösterliche Zurückgezogenhcit. Es reich � auch eines besonderen Anlasses bedurft, um so zahl- Oikw s herbeizuführen, der die sonst so ruhige Physio- "hcrir f Schlosses durchaus veränderte und seine Herrin zu die Diesen Anlaß bot eine hohe Auszeichnung, Zieich/"' Grafen Robert v. Falkcnau, Großgrundbesizer und lkihung���g�ordncten zuteil geworden war, es war die Ber- h � ��ökreuzes. Und es waren nun die Freunde und diesxx die Anhänger und Kollegen gekoinincn, um ihn zu N,."�-ichnung zu beglückiviinschen. Nu ber Rummel vorüber. die p.,. ältere Schwester des Grafen, eine Gräfin Tönhof, zieh»,,' Intelligenz, ihre Energie, ihre intimen Bc- Ttell,,,," �.utn und zur römischen Kurie eine imponircnde Nespe�'i einnahm und der man in der Familie besonderen jüngst ivilte, war noch anwesend und nebst ihr die zwei "nbitom, ni"cn in der Verwandtschaft der Falkenaus. die acht- Gon,».» d'gjährige Gräfin Helene v. Falkenau und ihre Nichte man den Adel ihrer Mutter übertrage» glaubte. "�"geh i'0 ben Vorteil, in doppelter Verästlung der Familie iomis pj61'1. einmal war sie die Tochter eines Falkenau, und Hann[.Qt,'�te des Grafen Robert und der Gräfin Dönbok. ratet p lte auch an einen Grafen Erwin Falkcnau Cs'hJ-®?Hn eines dritten Bruders. hatte i>i �bas freilich schon ein wenig Inzucht, aber man gest�t.�'ivens und den Segen des heiligen Vaters»ach- "zdein, et�Q�cn' und somit waren alle Skrupel beseitigt. >n wf in keiner Weise befriedigt. Der junge Ehe- (JXft V' Vif» yJIIQnKy*, WWW....... Flucht„„p jbMs und den Segen des heiligen Vaters nach- l wi e G. achte iU„.--■»■"»«■m uuu �rrirreuung in weniger irgiilinr» ""d sah fich� da er allzuhastig aus dem Becher """•ibmbuunpn—■* der Freude geschlürft, bald auf der Neige. Er wurde dann zur Herstellung seiner Gesundheit nach Egypten geschickt, wie das so Mode war; aber nach einer flott durchlebten Nacht beim Khcdive, wo er sich, wie er sich lallend noch rühmte, wacker gehalten hatte, ging ihm der Atem aus. Eine Lähmung machte diesem unnttzen Leben ein Ende. Gräfin Helene war mit 26 Jahre» die pikanteste und nach der üblichen Trauerzeit auch die lebenslustigste Witwe, die man sich denken kann. Es war ihr doch eigentlich nur ihr Kousin gestorben, und jeder mußte zugestehe», daß sie in keinem Falle viel an ihm verloren hatte. Helene war nicht schön zu nennen, aber sie wußte zu ge- fallen. Sic besaß einen herrlichen Körper, und, zugleich kräftig und gewandt, exzcllirte sie geradezu in allen körperlichen Uebungen. Im Schwimmen, Turnen, Reiten und Jagen zeigte sie sich als eine unübertroffene Meisterin. Das alles erforderte Kraft, und sie konnte die ihrige in keiner andern Weise manifestiren. Ein lleberschuß an Vollsäftigkeit machte sie übermütig, und so war sie nicht selten zu allerlei Tollheiten und Exzentrizitäten auf- gelegt. Sic war nicht ohne Geist, selbst nicht ohne Bildung, aber sie war eine viel zu oberflächliche Natur, um nur das geringste Interesse für die ernsteren Fragen des Lebens zu haben. Sie waren ihr nie nahe getreten, sie hatte nie darüber iiachzildcnken gebraucht; ihren Sinn beschäftigten Kavalkaden und Feste, Brillanten und Toiletten. Sie lachte über die Hnldi- gungen, die man ihr, wo sie erschien, darbrachte, und verlaugte sie zugleich als etwas Selbstverständliches. In politischen und religiösen Dingen zeigte sie sich durchaus indifferent. Sie war gläubig aus Gewohnheit und beobachtete all die Zeremonien der Kirche, weil dies so Mode war. So hatte sie denn auf Elsa in dieser Beziehung keinerlei Einfluß verlangt und keinerlei Pression geübt. Sie befragte sie nicht über ihre Meinungen, da sie ihr ganz gleichgültig waren, aber sie wollte sich in ihr eine Gefährtin für alle Art von Sport erziehen, und da bei Elsa zugleich mit dem Geiste auch der Körper geschult worden war, so schien ihr dies, zu ihrer großen Befriedigung, vortrefflich zu gelingen. Die der Kirche ganz ergebenen Damen der Familie Falkcnau hatten es 102 ihr freilich höchst verübelt, daß sie die Tochter des Ateisten und Revolutionärs zu sich genommen, und Tante Marie Falkcuau hatte sich ganz empört darüber gezeigt, als sie erfuhr, daß ihr Gatte, dem Helene ihre Absicht anvertraut, sich derselben nicht widersezt hatte. Aber Taute Märiens Antipatien fielen bei Helene nicht allzusehr ins Gewicht; sie galt ihr als eine sehr fromme, streng sittliche, aber etwas beschränkte Dame, die nie in der Gesellschaft auftrat und auch nicht auftreten wollte. Mit Gräfin Natalie Dönhos war dies anders, diese besaß großen Einfluß und Helene hatte alle Ursache, hier vorsichtig zu sein. Sie war denn auch gegen Tante Natalie von der schmeichelnd- sten Liebenswürdigkeit und sie bettelte förmlich um Versöhnung. Als diese aber erklärte, sie wolle keinen Fuß in das Haus Helencns sezen, solange sich das Hcideukind daselbst befinde, erwiderte Helene gereizt, daß Onkel Robert gerechter sei und es wohl erkannt habe, daß die Falkenaus allein die Schuld trügen, daß diese arme Seele eine Ungläubige geworden, warum hatten sie die Verbindung ihrer armen Schwester mit diesem hirnverbrannten Professor nicht mit allen Mitteln verhindert. Dann lachte sie in ihrer übermütigen Weise hell auf und sagte, indem sie die Arme um den Hals der Tante schlug: Ucbrigcns wird dieses Kind glauben, was man will, sie ist noch so köstlich naiv und von einer fast rührenden Vertrauensseligkeit. Bekehre sie Tantchcn, sezte sie neckisch hinzu, als handle sichs darum, ein Hündchen abzurichten. Seitdem war Gräfin Dönhos über diesen Fall nachdenUich geworden, und ein stachelndes Gefühl der Neugier hatte sie er- saßt, ein Geschöpf kennen zu lernen, das seinen Schöpfer negiite. Sein Anblick, sie wußte es im voraus, würde ihr wehe tun, würde sie vielleicht mit Abscheu erfüllen, aber sie wollte es drauf wagen. Sie fuhr eines Tages bei Helene vor, und als sie von dem Portier vernommen, daß die Frau Gräfin nicht zu Hause sei, verließ sie den Wagen und trat, ohne sich anmelden zu lasten, bei dem Heidenkinde ein. Sic betrachtete mit Verwunderung die ganze wunderbare Schönheit dieses Mädchens, sah die rcine Stime, die großen klaren Augen, die jede» Gedaukm widerspiegelten, sie hörte es sprechen und sie sagte sich, daß Gott ei» solches Wesen nicht für die ewige Verdammnis habe schaffen können. Wie eine Erleuchtung kam es über sie, daß das-Kind noch gerettet wer- den könne und daß ihr selbst diese hohe Mission zugefallen sei. Aber wer dem Teufel eine Seele abringen will, muß vor- sichtig sein und klug. Hier durste nichts übereilt werden. Sie schied mit einem Kuß von Elsa, der sie gesagt, welche innige Sympatic sie für ihre arme Mutter gehegt und wie sie diese nun auf die Tochter übertragen wolle, da sie gesunden, daß diese ihrer zärtlichen Liebe würdig sei. Seit dem Tage war das gespannte Verhältnis ein durchaus anderes geworden. Gräfin Dönhos kam häufig und lud die jungen Damen wieder zu sich. Elsa war bisher ihrem Wunsche gemäß in ziemlicher Einsamkeit verblieben, nun schien es im Plane der Gräfin zu liegen, sie nach und nach in die Gesellschaft einzuführen. In derselben tauchte damals eine neue Erscheinung auf. die viel zu interessant war, um nicht von sich reden zu mache». Es war ein noch junger Mann, im Beginne der dreißig, von elegantem und durchaus weltmännischen Aeußern, der dem Orden der Jesuiten angehörte und Pater Cölcsti» hieß. Er war Italiener, aber als Knabe schon nach Oesterreich gekommen, wo er in ein Kloster in der Umgebung Wiens als Zögling eingetreten war. Er sprach mit Gewandtheit die meisten europäi- scheu Sprachen und schien deshalb von dem päbstlichen Stuhl in diplomatischen Missionen verwendet zu werden. Man rühmte seine Talente und feinen Manieren. In alle hocharistokratischen Kreise eingeführt, verschmähte er es nicht, auch in den Salons einiger Finanzgrößen, katolischen und nicht katoli- scheu, sich sehen zu lasten, und man behauptete, er verkehre auch mit den Niedern Ständen. Es hieß, er werde demnächst wieder nach Rom zurückkehren, und ein weiteres Gerücht fügte hinzu, Gräfin Dönhos, der er den Segen des heiligen Vaters mitgebracht hatte und die als seine besondere Freundin galt, werde zugleich mit ihm diese Reise antreten. Auch hierher nach Schloß Falkenau waren sie zusammen gc- I kommen und mit ihnen Helene und Elsa. Seitdem ihr Gatte und seine Schwester diese Ungetanste i» ihren Schuz genommen. hatte Marie ihre durch nichts geminderte Antipatie tiefer in ihe Inneres verschließen müssen....... Am Nachmittag hatte Helene den neuen Phaöton ausprobiren wollen, und sie war mit Elsa und dem jungen Grafen Hugl'< dem ältesten Sohne der Falkenaus, der Offizier war und in einem Husarenregiment diente, ausgefahren und noch nicht zuriick' gekehrt. Der Herr des Hauses war nach der Stadt gefahren. hatte aber versprochen, noch rechtzeitig zurück zu sein, um seinen Gästen die lczten Honneurs zu mache». Gräfin Dönhos>v� mit dem Pater in der Bibliotek, und so hatte denn die Haus' frau nach diesen beschwerlichen Tagen wieder einigermaßen a«!' atmen und die ersehnte Ordnung und gewohnte Beschäftigung wieder aufnehmen können. Sie befand sich zur Stunde in dem großen Gemache, an die Bibliotek stieß, um hier dem Unterricht ihrer einzig Tochter Nanny beizuwohnen. In dem Kamin des großen und hohen Gemachs, das äußerster Einfachheit möblirt war, brannte ein helles zugleich war eines der gegenüberliegenden Fenster geöffnet, M der etwas rauhen Frühlingsluft und den sinkenden Strahl der Sonne ungehindert Eingang gewährte. Gräfin Marie saß an diesem Fenster in einem hartgcpolstt� Sessel mit hoher Lehne und strickte. Sic saß steif und gerade und die knappen Falten iüm dunklen einfachen Kleides, das jedes Auspuzes entbehrte,}cl* ncte die harten eckigen Formen der etwa vierzigjährigen �. in ihrer ganzen poesielosen Dürftigkeit. Ihr dunkles Haar � glatt gescheitelt und legte sich straff an die hervorstchr»� Backenknochen. Tie Züge des Gesichts waren regelmäßig gebildet und ß" nicht unschön, aber Anmut, den sinnbestrickenden Zauber, M sie wohl niemals besessen. Emst und Verschlossenheit sich in ihrem Gesicht und in der ganzen Haltung aus, � etwas Mißtrauisches brach im raschen Aufblick aus dieses ihrer Farbe undefinirbarcn Augen, die, je nachdem, grau, sM oder braun schimmerten. g Jezt streiften sie ihre Tochter und hierauf den Lehrer-, in der Mitte des Gemaches an einem großen Tisch** einander saßen. Comtesse Nanny, ein hochaufgeschossenes ungemein 5J j und dünnes Mädchen von sechzehn Jahren, eben so einfach � wenig zierlich gekleidet wie ihre Mama, beugte sich M% ihr Aufgabenheft. Sic las ihren Aussaz mit schwacher und undeutlichem Accent. aber mit sichtlichem Eifer und J Atem zu schöpfen herunter. Ihr Lehrer, Pater Benedikt. diesen Redefluß zu hemmen, indem er die Silben>viedcrh% die Kommata hinein brachte und somit Säze bildend den» des Gelesenen in etwas dem eigenen Verständnis näher � ier Pater war in dreifacher Eigenschaft im Sä>te!� gestellt, einmal als Seelsorger, dann als Erzieher und lieh als Kustos der Bibliotek des Grafen, die eine bedeuten� Er war noch nicht alt, aber sah nichts weniger als S � lich aus. Seine kurze rundliche Gestalt, die schon ei" � chen zeigte, und sein gutmütiges lächelndes Gesicht,-'»t f etwas stechenden Augen, hatten etwas durchaus Vertrau � weckendes. Aber Gräfin Falkenau traute niemanden, I sie war. und obwohl ihr der Priester als Stellvcrtret" galt und jeder Zweifel in die Göttlichkeit seiner#l!' ein Verbrechen gedünkt, so traute sie doch auch dein+' nicht. Sie hatte sichs zur vornehmsten Pflicht 9�% Kind nicht aus den Augen zu lassen, da die � jimdig und schlecht und die Herzen der Männer best111. 10 verdorben waren. Sie sah also von Zeit zu Zeit k" ----- i ' j iwcfj bcn bcidc» hinüber und aufseufzend senkte sie dann wieder Augen auf ihre Arbeit. _ Sic strickte mit Emsigkeit und Uebenvindung an blaufarbigcn äußerst groben Strümpfen, deren festes Garn und dicke Nadeln % die Finger wund rieben und sie mit Indigo färbten, so daß � Hände fast wie die eines Färbergesellen aussahen. . Aber es war ein gutes Werk, unter dem sie seufzte. Sie lüickte für die Dorfarmen, und sie konnte sich die christliche �be und Barmherzigkeit nicht anders als mit Selbstqual der- '|wbm vorstellen, nur dann erschien sie ihr als wahrhaft der- 'knsilich und allein imstande, das Wohlgefallen der Himmlischen erregen. So strickte sie denn tapfer und in dem guten Glauben drauf sörd m'' bcni Strumpf auch ihr ewiges Seelenheil zu g.. �amch hatte den Aufsaz weggelegt und zur Feder gegriffen. �'e sollte einige Moralfäzc nachschreiben, die ihr Pater Bcnc- °Ut diktirte. fei �'fC'et �nttc l'ch behaglich in den Stuhl zurückgelehnt und freundlichen Augen sahen nach der gegenüberliegenden �ch>d Mo das schöne lebensgroße Bild hing, das den Pabst in V.no vollen geistlichen Ornat darstellte. Aber er dachte Ll>& Augenblick nicht an die Strenge seines geistlichen v�?°uptes. und auch die Moralsäze glitten nur autvmatenhaft � icnien Lippen. Seine kurzen Finger rundeten ohne Unterlaß e« Uügclchen, das er aus einer Krume des Mittag- Kit* �A'gt hatte und er gedachte dieser vergangenen Mahl- der r- �0'"te'c bereits im vorhinein die Freuden und Genüsse chnstrgen. Stadl» t'till in dem Gemach und zwischen dem Krizeln der Stinin,' �'e Komtesse Nanny führte, ertönten vernehmlich die «üb jf, C" ni.l§ ber Bibliotck nebenan, in der sich Gräfin Dönhof den �,�"timns befanden. Sie berieten über die zu ergreifen- bei,(u! te'' um ihren Einfluß auf Elsa zu festigen und sie für dieser 3}•cu gewinnen; aber ihre Meinungen mußten in über*��3 auseinander gehen, oder hatten sie sich sonst und ei,«?.�hiji. genug, die Stimme der Gräfin klang laut 9ebömöff05 tchvrf. Ter Jesuit antwortete ihr darauf in einem tiittilirfj CaT�0"' �Cl in seiner Tiefe und Weichheit einen eigen- stehen". hilrnit hatte. Seine Worte konnte man nicht ver- sofort' ivar ein musikalischer Klang, der die Sinne irritireis.nahm. Gräfin Marie schien dieser Klang zu faßten«„i r �"ge wurden noch strenger und ihre Finger um- In d- fchwcrsälligcr die dicken Nadeln. btig trat•U'Augenblick öffnete sich die Mitteltür und ein Jung- ichlonk tij'11, ,�co' ber jüngere Sohn des Hauses. Groß und 'iusdrnrk fL friner Mutter ungemein, ohne den harten fWüc ctiBnÄ Cl ön haben. Sein weiß und rotes Gesicht ?5f den-o„t. ��chcs, mädchenhaftes und indolentes. Er trat M sei�r 1'! ouf' U1U die Lernende nicht zu stören und näherte Sie Ut'c.V' niit der er einige leise Worte wechselte. c Zeit bea'm�ff cben crfr"cut' ihn hier zu sehen, da dies weißer fortgeschj��' Cr ��ch und habe daher den Händel qea!.,!�"" � ein jämmerliches Gesicht, fuhr mit beiden J'fe«©tölnip, Cn- arnicn Kopf und warf sich dann mit einem .�grabend, tv c'"c Chaise longue, sich tief in die Kiffen ,l*%r Blick'? buiflefrielte Komödie tat ihre Wirkung. Mamas '�bnggsohae'hinüber� � blickte fast zärtlich zu ihrem fch»ierzea lit? ,nV�' büß das arme Kind so häufig an Kopf- werden n! aHee einer angestrengten Tätigkeit nicht aus- fühw tüic Hiiflu Ul'v!!"b er war sonst so fügsam, cr war i 5. fc' unendlich' erin' ierer Bruder, der ein lockeres Leben eeitete. gj.- j1" Schulden machte und ihr somit ewigen Kummer bc�ch ein Knabe ,? Cmieg ol8 sittlich und fromm. Als ' �tte er fteta lin.b gefragt Ivurdc, was willst du wer- urauf geantwortet: Bischof. Mama war über diese früh sich zeigende geistliche Richtung ihres Sohnes entzückt gewesen, und sie betrachtete es als einen Fingerzeig des Himmels, daß sie ihm schon bei seiner Geburt den Namen ge- geben, der für die höchste Würde, die ihni dereinst verliehen werden konnte, so wohl paßte. Papa aber hatte doch eine etwas genauere Motivirung dieser bei einem Kinde etwas sonderbaren hierarchi- schen Schwärmerei verlangt und diejenige, die ihm Leo gab, nämlich, daß er Bischof werden wolle, weil er dann nichts zu lernen brauche und nicht in den Krieg ziehen müsse, befriedigte ihn keineswegs. Ja, er zeigte sich sehr ungehalten darüber und versicherte seinem Sohne, daß ein Kirchenfürst sehr viel zu lernen habe und daß er einen beständigen Kampf für seinen Glauben, gegen feindliche Gesinnungen aller Art, zu kämpfen habe. Leo erschreckte jedoch dieser Kampf weit weniger, als jeder andere, und daß es beim Priester viel weniger aufs Wissen als aufs Glauben ankomme, glaubte der schlaue Junge längst heraus ge- fundcn zu haben. Je älter cr wurde, desto mehr schien sich ihm diese vorgefaßte Annahm� als richtig herauszustellen. Leo war äußerst träge, und er fand es so bequem, sich in einer sicheren Stellung zu wissen, so bequem und angenehm, sich als bereits erlöst von aller Sünde und allen Uebeln zu denken, ungleich den übrigen Menschen, die allen Zufällen einer weltlichen Existenz preisgegeben, sich von all den liebeln selbst zu befreien und selbst zck erlösen hatten. Und so war denn der geistliche Stand seinem Temperament und seinen sonstigen friedlichen Eigenschaften höchst angemessen und cr dachte schon jezt daran, wie er all die Vorteile genießen»volle, die mit diesem Stande verbunden seien und die durch seine Leistungen, wahrlich, nicht aufgewogen zu werden brauchten. Es waren ja überkommene, feststehende Vorteile, die den frommen Körperschaften für einstige, frühere Dienstleistungen zu- gestanden worden»varen, jezt verlangte man dergleichen, Gott sei Dank, nicht mehr. Mit der Gelehrsamkeit,»venu Papa dies auch bestreiten»vollte, geben sich doch gegenwärtig andere Leute ab; die Wissenschaft ist in»veltliche Hände übergegangen, und Gebete und Bußübungen»Verden auch nicht mehr so dringend und in sonderlich lästigem Maße gefordert. Leo hatte also eine ruhige und behagliche Zukunft in Aussicht, und cr fand nur, daß seine Eltern dafür zu viel Unnötiges verlangten und ihn mit ihrem Ehrgeiz quälten. Wenn cr auch nicht Bischof wurde, »vas lag daran? Er versicherte, mit einem Prälatcnsiz, der ihm eine Revenue von 40000 Gulden sicherte, ebenfalls zufrieden zu sein. Sein Kopfschmerz schien in der ruhigen Lage sich rasch ge- mindert zu haben, und cr sah mit einem schlauen vergnügten Lächeln auf das große herrliche Madonnenbild, das dem des Pabstes gegenüber hing. Er dankte der Heiligen gleichsam für ihre Mithilfe und sah dann nach der Uhr. Laut und phlegmatisch äußerte cr hierauf:.Der Schnellzug ist schon vorüber; Papa kann jeden Augenblick hier sein." Diese Vermutung erhielt ihre sofortige Bestätigung. Ein Diener trat eben so leise und geräuschlos ein,»vie Leo vorher, und meldete, daß der Exzellenzherr soeben angekommen sei, und mit ihm Baron Reinthal. Dieser unerwartete Besuch brachte auf alle eine getvisse Wirkung hervor. Leo hatte sich mit etwas mehr Behendigkeit als gctvöhnlich erhoben und fuhr glättend durch seine zenvühltcn Haare. Nanny hielt in ihrem Lesen inne und Pater Benedikt klebte sein Kügelchen an der Innenfläche des Tisches fest, um es späterhin wiederzufinden. Die Gräfin war merklich erblaßt; sie preßte die Lippen fest zusammen, als gälte es ein Wort des Abschcus zurückzudrängen; aber wenn sie es auch nicht laut»verde» ließ,! jeder Zug in ihrem Gesichte drückte die unsägliche Antipatie aus, die sie für den soeben gemeldeten Gast empfinden mußte. Ihre Hände zitterten ein»venig, als sie ihren Strumpf zu- j saminen rollte und bei Seite legte, dann richtete sie sich hoch auf nnd schritt resignirt und»vürdevoll gegen die Tür. Tort kamen ihr die Herren schon entgegen. Ihr Gemahl, ein stattlicher, vornehm aussehender Fünfziger, schien in der besten Laune, nnd nichts konnte liebenswürdiger sein, als 104 die Art, mit der Baro» Rcinthal die Dame des Hauses begrüßte. Er war wie immer im Frack und weißer Kravattc. Der Mann, um den mau sich in den Salons riß, der taglich einem Feste oder Kunstereignisse beizuwohnen hatte, war ja gezwungen, dies Festkleid zu tragen; es paßte vorzüglich zu seiner feinen, ungemein eleganten Gestalt und ließ ihn fast jugendlich er- scheinen. Er sah aus wie ein Dreißiger, und er war wirklich schon zu nennen. Sein Gesicht hatte einen edlen Schnitt, sein Teint war frisch, seine Augen groß und lebhaft, sein braunes Haar kaum merklich gelichtet, und als er nun die Gräfin ver- sicherte, wie glücklich er sei, sie so wohl zu sehen und sich selbst wieder einmal in dem schönen Falkenau zu finden, wußte er die banale Phrase zu einer graziösen Huldigung zu gestalten. Mit familiärer Äcrtraulichkcit wandte er sich dann an die Kinder. Nanny war aufgestanden und sie beantwortete seine Frage mit der Befangenheit eines Schulmädchens.»Sic hat ihre Lektion noch nicht beendet," sagte die Gräfin trocken, und man merkte den Wunsch deutlich heraus, daß Nanny durch die An- kunst des Barons nicht weiter gestört werden niögc. Aber Papa nickte seinem Töchtcrchcn freundlich zu und sagte:„Nun wir kürzen sie heute ab, unserem Gaste zu Ehren." Ein rosiger Hauch des Entzückens überflog das blasse Gesicht des jungen Mädchens, sie trat vom Tische hinweg und auf ihren Papa zu. „Du bist so gütig, Papa," flüsterte sie. „Sic schenken mir doch auch einen so hübschen Blick, Com- tesfe?" scherzte Reinthal,„Papa hat Ihnen nur meinethalben diese Konzession gemacht; aber Nanny. ich hoffe Sic heute noch günstiger sür mich zu stimmen." „Baron Reinthal will sich auf jede Weise bei dir ein- schmeicheln," lachte der Graf,„er hat dir auch etwas mit- gebracht." , Wieder eine Muschel für nieinc Sammlung, wie neulich?" fragte das Mädchen rasch. Der Graf gab dem Diener, der soeben mit einer eleganten Handtasche eintrat, einen Wink, dieser überreichte sie dem Baron, der einen in Seidenpapier gehüllten Gegenstand daraus hervorzog. „Hier Comtesse, schlagen sie das Papier zurück." „O danke," rief diese, das Papier rasch hcrunten'eißcnd. „Ein Buch, wie hübsch gebunden und mit Bildern!" „Der Inhalt ist doch passend?" fragte die Gräfin scharf, mit einer deutlichen Nüance von Unruhe und Unzufriedenheit herzutretend. „Durchaus, Gräfin; Illustrationen zu Schillers Glocke." „Schiller! was fällt Ihnen ein, Nanny ist noch so jung." «Gezeichnet von Ludwig Richter," beruhigte der Baro» mit einem Lächeln. „Ach!" rief Nanny entzückt, den Kopf tiefer in das Buch steckend, um das hübsche Bild, das sie aufgeschlagen, noch genauer zu betrachten. Aber Mamas examinircnder Blick hatte dieselbe Richtung genommen, und ihre hageren Wangen flammten ans in der Purpurglut dcS Zornes. Ein blutjunges Paar war hier abgebildet, das im Grase neben einander saß, er hatte seinen Arm um ihren Hals gc- legt,.Liebesglück' stand darunter. Sic entriß das Buch de» Händen ihres Kindes, dessen un- schuldige Augen durch solche Sccncn vergiftet wurden. „Ich muß Sie bitten, Baron," sagte sie fast bebend,„daß Sie es künftig unterlassen, Nanny mit dergleichen zu über- raschen." „Aber Gräfin, der poetische, der kindliche Ludwig Richter!" rief der Baron, den es Mühe kostete, nicht in Lachen auszu- brechen. „Ihr Herren vermögt nicht nachzuempfinden, was den reinen Spiegel eines Mädchenherzens zu trüben vermag," entgegnete sie scharf.„Nanny, du hast mit Leo noch einige Etüden zu spielen. Pater Benedikt, Sie werden die Kinder begleiten." Diese entfernten sich mit dem Erzieher. Ter Graf zuckte die'Achseln. „Meine Frau ist vielleicht zu empfindlich," sagte er lächelnd, „aber eine Mutter kann verlangen, daß man ihr die Erziehung ihrer Tochter allein überläßt." „Eine Debatte, Messieurs?" fragte eine sonore Stimnic, „doch keine politische, hoffe ich?" Gräfin Dönhof war aus der Biblivtck getreten, Pater Cölcstin kam hinter ihr her. „Nicht im geringsten, Natalie," versicherte ihr Bruder, dcr mit dem Baron auf sie zugegangen,„wir bekämpfen uns zwar in der Kammer und in den Couloirs grimmig genug, aber außer dem Hause suche ich mich mit seinem Liberalismus und seinen modernen Schrullen abzufinden, so gut es eben gehl.' „Und Graf Falkenau treibt die Liebenswürdigkeit soweit nur in diesen vertraulichen Augenblicken von den Anträgen � sprechen, die er einzubringen gedenkt, damit ich doch ein klein wenig gerüstet mich dem Sturm entgegenstelle, den er zu c»b fesseln pflegt." Man lachte. Natalie hatte hierauf auf der Chaise lougae Play genommen und alles gruppirte sich um sie herum.~'1 hatte, wie ihre Schwägerin, keine Sympatie sür den Bare». aber sie war viel zu viel Weltdame, um sich das anmerke» i" lassen. Und so sprach man denn von diesem und jenem in dcin neutralen leidenschaftslosen Ton dcr guten Gesellschaft. Pater Cölestin saß auf seinem Stuhle lässig zurückgclchnl er beteiligte sich fast gar nicht an dcr Konversation.~� die ihm von außen kommen mußten. Aber man veniahm»ich� Seine schönen außerordentlich gepflegten Hände tasteten ncrl» in gesteigerter Unruhe hin und her. Indes plauderte Baron Reinthal in seiner geistvollen � haften Weise. J An Stoff fehlte es ihm nie. Er stand als Politiker i» � Opposition und war doch allgemein beliebt und wurde zu hinzugezogen. Er fehlte bei keinem Ball und keiner Fkstlich� des Adels, und er war dcr Protektor aller Kunstinstitute, Ehrenpräses einer ganzen Menge von Vereinen; er u"11. allen Teatern zu Hause und niit allen Künstlerinnen vcrtr» Er galt als ein vorzüglicher Kenner, als eine Autorität Kunstsachcn, malte und koniponirte selbst, und verfaßte 51' gedichte und geistreiche Sprüchwörtcrdarstellunge». ij Man hörte dem brillanten Causeur mit Interesse zu, erklang das Läuten des Ave-Maria. Ji ..Die Vesperglocke", sagte Gräfin Marie, und sie erhob und mit ihr all die ander». J war Sitte in Falkenau, sich um diese Zeit zu kurzen Gebet in die Schloßkapclle zu begeben. Selbst L Geiste da waren, wurde davon nicht gerne Umgang go»o>u�( „Helene hatte mir versprochen, um diese Zeit"iit s zurück zu sein", versezte Gräfin Tönhof mit einem �• Stirnrunzeln. Marie sah sie ernst an und entgegnete nicht oHne®?3Ji „Wag willst du mit ihnen in der Kirche? Tic ei»c gar nicht und die andere nur, wen» sie Langeweile Hot- Baron Reinthal bat lächelnd, auf sein Mitgehen ö" zichtcn. Tie kalte Kirchenluft ziehe ihm so leicht eine» �thu zu, und so wolle er denn hier die Damen erwarten. Graf Falkenau halte seiner Schwester den Arm und er schritt niit der stattlichen Dame voraus. Pater Cölestin führte die Hausfrau. „•ter Baro» ist ein Freigeist?" fragte sie der einen Blick nach dem Zurückbleibenden entsendend. Ein Seufzer des Haffes drängte sich aus der Brust der Gräfin. „O dieser Mann, er hat keine Religion und er Herz!" ger" # «jirief1,| sch-u� Hill lfi'i 106 „Sie kennen ihn seit laiige, Gräfin?" Sie nickte. „Er hat iiieinc Jugendfreundin Camtesse Jllona geheiratet, sie war gut und sanft. Er hat sie unglücklich gemacht, und doch hat sie ihn geliebt bis zu ihrem lezten Atemzuge." Der Jesuit sah sie forschend au. „Sic keiineu auch die Geschichte dieser Ehe?" fragte er. Sic nickte.'Sie kauute sie nur allzugcuau. Sie war die Bertraute Jllonas geblieben und diese hatte sie zur Mitwisserin einer Begebenheit gemacht, die sonst aller Welt ein Geheimnis geblieben, und die ihr Sünden und Leidenschaften dieses Mannes enthüllte, unter denen Jllona nicht allein und nicht am meisten gelitten. Aber die Freundin hatte Schweigen gefordert, sie hatte es ihr zugelobt und wollte es halten. Als nun der Pater mit einer weiteren Frage in sie drang. antwortete sie nur ausweichend: „Ich will nicht richten, aber der Herr wird einen jede» bezahlen nach seinen Werken." Das klang so streng wie aus dem Munde einer Puritanerin. Und in der Tat, diese Frau war ehrlich und streng i» ihrem Glauben wie in allem andern. Baron Reinthal war allein zurückgeblieben und schien darüber sehr vergnügt. Er stellte sich an das offene Fenster und sah in die zunehmende Dämmerung hinaus. Ein Diener brachte eine angezündete Lampe. Jczt hörte man das Rollen eines Wagens, der durch die Avenue heranbrauste, es waren die Erwarteten. Helene kut- schirtr, Elsa saß mit Hugo im Eoupö. Schon hielt der Wage» vor dem Portal und bald darauf vernahm man im Vorgcmach die laute helle Stimme Hclenens. Ein Diener öffnete ihr die Thür. Sic kam herein, rasch vorschrcitend und zugleich in lebhafter Weise nach rückivärts sprechend und gestikulirend. Als sie den Baron erblickte, schlug sie mit einem Ausruf der Freude die Hände zusammen. „Ah, charmant! Welch gute Idee, hierherzukommen; da fahren wir nun zusammen zurück, das ist reizend!" Sie war bis in die Mitte des Gemachs gekommen und sah sich hier um. „Sie sind schon in der Kapelle? Ich habe die Pferde gc- jagt, um zurccht zu konimcn." Sie riß die Handschuhe von den Händen und besah dicsc lachend. „Ich-habe mich dabei selbst nicht geschont, wahrlich, Barlv- sie schmerzen mich." Sie hielt ihm die Händchen entgegen und er nahm sie rasch in die seinen, sie in rascher Folge küssend. Sic überließ ßs ihm ganz, und den Körper etwas zurückbeugend, den Kopf, � dem der Fcderhut kccklich saß, gegen den Nacken gewendet, W sie ihm in schelmischer Koketterie ins Gesicht, und ihr großck Mund zeigte lachend all seine weißen, etwas zu kräftigen Zäh»� (Jortj. Ii#) Eine Blutanklage gegen die Inden. Akttnmäßige Beläge für die Barbarei unseres Jahrhunderts. Bon Z>. Die berüchtigte, die Schrecken des Mittelalters wieder herauf- beschwörende Tisza-Eszlar-Asfairc erneuert das Interesse an einer ähnlichen Anklage im Anfang der vierziger Jahre, deren Schau- plaz der Orient war. Im Nachstehenden soll die an interessanten, großentheils schauerlichen Einzelheiten reiche Begebenheit, welche geeignet ist, auf das eben abgespielte Drama in Ungarn manches Streiflicht zu werfen, in gedrängter Kürze(hauptsächlich nach der Dar- stellung von Gräz) erzählt werden. Am 5. Februar 1840 verschwand in Damaskus der Guardian eines Kapuziucrllosters aus Sardinien, Pater Thomas(Tomaso) mit seinem Diener. Der Pater war kein Heiliger im katolischen Sinne, sondern ein Lebemann, der bc- züglich des Geldes den Spruch seines Meisters„Geben ist seliger denn nehmen" umgekehrt zu haben schien. Er hatte sich mit Arzneipsuscherei, besonders mit Pockenimpfcn beschäftigt und zu diesem Behufe ebensooft jüdische wie mohamedanische und christliche Quartiere besucht, lieber das Verbleiben des Paters wußte niemand Auskunst zu geben; nur ein Gerücht war laut geworden, daß Thomas einige Tage vorher einen heftigen Wortwechsel mit einem türkischen Maultiertreiber hatte, welcher geschworen haben soll: der Christenhund soll von keiner anderen Hand als der meinen sterben. Es soll dabei zu Beleidigungen und Tätlichkeiten gekommen sein und der Pater den Moslem und seine Religion so arg verflucht haben, daß ein dabei an- wesender türkischer Kaufmann seinen Zorn kaum habe bcmeistcrn können. Sobald das Verschwinden des Paters gewiß und sein gc- waltsamer Tod wahrscheinlich geworden war, bestürmten die Mönche den französischen Konsul in Damaskus, Ratti-Menton, dem Mörder nachzuspüren. Sogleich wurde die Aufmerksamkeit auf die Juden gelenkt, weil einige Juden harmlos ausgesagt hatten. Thomas und sein Bedienter sei am Abend vor dem Verschwinden im Judenquartier gesehen worden. Tie Mönche, besonders der sanatische Pater Tusti. klammerten sich um so fester an den Verdacht gegen diese, weil sie dadurch nicht blos ihren Haß gegen die Juden sättigen, sondern auch die Untersuchung über den Streit des Paters mit Muselmännern und dessen Lästerungen— welche den Fanatismus der Türken herausgefordert hätte— vermeiden und einen neuen Märt») unter ihre Heiligenschaar aufnehmen konnten, was für das KW? ziemlich einträglich zu werden versprach. Der gewissenlose Menton seinerseits unterließ jede andcnveitige Nachforsch»� obwohl ein Fingerzeig dafür vorhanden war, indem der türkis Kaufmann, der beim Streit mit dem Pater zugegen war, I1. erhängt hatte, und erhob bei dem Gouverneur von Damas-J* Schcrif Pascha, gegen die Juden die Anklage, diese h'1' 1 ________, ü-p 1»«� VW.» ihm eventuell Befreiung versprach, überreden, l1�' � und zwar die reichsten und angesehenstcn, als �' � pck nennen, darunter einen Greis von achtzig Jahren, �vg hastet und verhört, stellten die Angegebenen jede~ � Abrede. Die Bastonade wurde angewendet, aber da � sürchtctcn, die Greise würden den Streichen erliege», würde deren abgepreßte Geständnisse nicht veriveUU» wj wendeten sie eine andere Qual an. SechsunddrcN» anderen sünszig) Stunden mußten sie, von Soldatc wftedjt stehen, ohne Speise und Trank und ohne sich dem Schlaf überlassen zu dürfe». Da diese Qual nicht anschlug, lchritten die Wüteriche auf Ratti-Mentons Wink zu mörderischen "tenschlögen. Beim zwanzigsten Schlag sanken die Unglück- •chcn ohnmächtig zusammen; nichtsdestoweniger ließ der Konsul cnn Erwache» die Geißelung an ihnen fortsezen. Aber alles führte kein Geständnis herbei. Nun führte Sheri Pascha "eile Folter ans. Mehr als sechzig Kinder, im Alter iüuschen drei bis zehn Jahren, wurden den Eltern entrissen; in °w Zimmer gesperrt, ohne daß ihnen Nahrung verabreicht wurde. Ties sollte die Mütter bewegen, Geständnisse abzulegen. za�> dieses diabolische Mittel hatte nicht die gehoffte �ukung. Nur eine Frau und deren Tochter bekehrten sich vor pnerz und ans Liebe für ihre verschmachtenden Kinder zum F°"'- Schcrif Pascha geriet in Wut, ließ von einer Schaar n/ v" nm 1 Februar ein Haus im Judenviertel zerstören, u die Leiche oder Spuren derselben zu finden. Auch in den v>ujcn> der übrigen Angeklagten richtete er Verwüstungen an. und•e'n l"dischcr Jüngling sich zum Pascha zu begeben . Zeugnis abzulegen, er habe den Pater Tomaso kurz vor Mm Verschwinden in den Kaufladen eines Türken eintreten l»iid'■ diese Spur zu verfolgen, wendete Ratti-Mcnton � fem Geheimschreiber Baudin allen Eifer an, diese Stimme Ueick/""�" machen. Der Jüngling wurde so unbarmherzig «) agen, daß er noch in derselben Nacht den Geist aushauchte, dieser Imgöbir. «"�enton, unerschöpflich an Mitteln, Geständnisse zu (inea%'«.-nMn c'nen versuch mit dem türkischen Diener dq.J""den anstellen, Namens Mnrad cl Fallat. Auch dieser ttacb/' � gestehen und ließ die Ruteiistreiche über sich hained"'l?,» �eib fast zerfeztc». Da machte sich Mo- fchast üuch an ihn heran und brachte durch Freund- klagt,""d Drohung mehr aus ihm heraus. Am 27. Februar ®cf)cif• der Diener selbst an, er habe auf David Araris Der Beisein der übrigen Angeklagten Thomas getötet. ftätiar, m?"�dier wurde bewogen, dessen Aussage zu be- Ivo an.. tüüuimelt wurden beide an einen Plaz geführt, tvorden�r- � �uochen und Schädel in einen Kanal geworfen einx,, o'CIU Ratti-Mcnton fand ein Stück Knochen und Ate, Christliche Aerzte erklärten diesen Knochen für hatte ,,,n der Lappen galt als Baret des Paters. So Tie sieb" iL�dare Beweise von dem Mord im Jndenquartier. �geklagten wurden darauf von neuem verhört und Vlut h,,/x etolterqualen unterworfen. Sic sollten die Flasche sesi gg-,. Gemordeten herbeischaffen, welches für das Passah- ai,b worden sei. Ein Greis erlag den Schmerzen. ju entqcl/�'�geklagter nahm den Turban, um den Qualen »vn ihnen n übrigen sagten vor Schmerz aus, was man einen tnfrf Üe waren stumpf geworden und wünschten Dce Ko'-'f" Dvd. Aber das Geständnis half ihnen nicht viel. u. deral �vllte handgreifliche Beweise, die Flasche mit Blut �'geschafft" � konnten mit dem besten Willen nicht her- dieff bracki. �cuc Foltern wurden angewendet; aber dandnissg armen Opfer nur dahin, ihre früheren Ge- ?"> andere" c�men. Anfangs März wurde der Verdacht Üiitger«>C,C�enc lüdischc Familien gewendet, worunter ein Dflinciif,,» 1'mens Isaak Lcvi Picciotto. Drei Rabbiner von 'M Word/ �on früher eingezogen, mißhandelt und ge- worden>va,.'' daß eine Lüge aus ihrem Munde erpreßt �de ei»:>' den Versteck eines Inden zu entdecken, Mben traktirt m fti,lb im Beisein der Mutter mit Peitschen- js Aerzte n,,'-- Gebein wurde aufgefunden, und obwohl ?e»ton dock nil0»8"' c§ seien Schafsknochen, gab sie Ratti- - s'e und s. Beweisstücke aus. die Mönche lasen eine Messe "andhast und � 1'b'wn Heiligkeit bei. Nur Picciotto blieb !'"enschlickke!»? �atti-Menton und dem Pascha mutig die ,c® Generalkm,? Verfahrens vor. Picciotto war ein Neffe "egeu Verdient/" bon �llcppo und vom österreichischen Kaiser 0n dem öfien /�"� �'tter erhoben; dadurch ward er geschüzt 'ch'schcn Konsul, einem Italiener Merlato, der allen Drohungen und Gefährdungen zum Troz nicht zugeben mochte, daß ein österreichischer Untertan ohne tristigen Beweis der Folter unterworfen werde. Durch diese neue Verwicklung trat eine Wendung in diesem Schanerdrama ein. Merlato hatte lange den Unmenschlichkeiten zugesehen, ebenso wie die übrigen europäischen Konsuln, namentlich der englische Werry, der mit Ratti-Menton unter einer Decke steckte. Aber endlich riß Mer- lato die Geduld; er trat offen und freimütig gegen das gräß- liche Verfahren auf. wofür er aber viel zu erdulden hatte. Ratti-Menton seinerseits war unermüdlich, neue Anklagepunkte und Scheinbeweise herbeizuschaffen. Unter anderem ließ er ein Lügenbuch gegen die Juden ins Arabische übersezcu, welches ans dem Talmud bewies, daß die Inden Blut brauchten, daß sie Christenkinder schlachteten und Hostien schändeten, die dam, Wunder getan hätten.— Besonnene Türken schüttelten aller- dings das Haupt zu diesem kannibalischen Verfolgungssystem, aber sie schwiegen. Ratti-Menton schloß die Akten und fällte ein Urteil, als wenn es unwiderleglich erwiesen wäre, daß die eingezogenen und gefolterten Inden die Mörder des Pater Thomas waren. Diejenigen, welche noch am Leben waren, sollten enthauptet werden. Schcrif Pascha holte dazu die Er- laubnis seines Herrn Mehmet Ali ein. Ungefähr zur selben Zeit fiel auf der Jusel Rhodus etwas Aehnliches vor. Ein zehnjähriger Knabe, Sohn eines griechischen Bauern, hatte sich erhängt, und die Christen beeilten sich, die Inden als dessen Mörder anzugeben. Die europäischen Kon- suln nahmen die Sache in die Hand und verlangten vom Statt- Halter Jussuf Pascha eine strenge Untersuchung. Auf die Aussage zweier griechischen Weiber, daß der Knabe einem Juden von Rhodus gefolgt wäre, wurde derselbe eingezogen und unmenschlich gefoltert. Man durchbohrte ihm die Nasenflügel mit einem eisernen Draht, legte ihm glühende Kohlen auf den Kopf und einen schweren Stein auf das Herz. Das ließen Konsuln der europäischen Mächte tun, Englands, Frankreichs und Schwedens; nur der österreichische Konsul hielt sich auch hier von der Beteiligung an der Unmenschlichkeit fern. Diese Folterqualen wurden ohne Wissen des Pascha durch dessen stell- vertretende Beamten angewendet. Das Geständnis sollte erpreßt werden, daß der Angeklagte de» griechischen Knaben umgebracht habe, um dessen Blut dem Großrabbiner von Konstantinopel zu überliefern. Es war eine Art Verschwörung der Christen in der Türkei gegen die Juden, vielleicht aus Scheelsucht, weil der junge Sultan Abdul Medjid bei seiner Troiibcstcignng in seinem Gnadenbrief, allen Untertanen seines Reiches gleiches Recht zukommen zu lassen, auch die Juden eingeschlossen hatte. Durch diese Folterqualen ließ sich der halb leblose Jude in Rhodus herbei, Mitschuldige anzugeben, von denen er glauben mochte, sie hätten sich durch die Flucht bereits der Verfolgung. entzogen. Aber mehrere der Genannten waren noch zu finden Sie wurden, gleichfalls sieben, wie in Damaskus, gefoltert und dem Tode nahe gebracht. Zur selbigen Zeit, im März 1840(sollte es bloßer Zufall gewesen sein?), wurde auch in Jülich in Rheinprenßeu gegen einen Juden eine Blntanklage erhoben. Ein christliches Mädchen von neun Jahren behauptete, von einem Juden in den Leib gestochen worden zu sein. Ihr sechsjähriger Bruder bestätigte die Aussage. Ein fremder Jude mit seiner Frau, die zufällig durch Jülich reisten, wurden von den Kindern als die Täter erkannt, und das Mädchen fügte hinzu, der Jude hätte zur selben Zeit einen christlichen alten Manu mit einem Messer totgestochcn. Eine strenge gerichtliche Untersnchung ergab aber, daß die Aussage der Kinder eitel Lug und Trug war. Der angeblich Ermordete war am Leben. Die angebliche wunde Stelle am Leib des Mädchens war nur mit Blut bestrichen. Der angeklagte Jude wurde freigesprochen und ein Gerücht be- schuldigte zwei Christen aus Düsseldorf, den Kindern die Ge- schichte eingetrichtert zu haben.(Aachener Zeitung 1840, Nr. 82') Während in Rheinprenßeu die Wahrheit bald an den Tag kam, dauerte cs in Damaskus und Rhodus lange Zeit, bis das Lügengewebe, wodurch selbst viele Europäer getäuscht wurden, 108 zerrissen werden konnte. Neligiöser Fanatismus, Judenhaß und politische Leidenschaft mischten sich ein. um die Liige eine Zeil lang trinmphiren zu lassen. Die Finsterlinge bedienten sich Guttenbcrgs Kunst, deren vicrhundcrtjährigcs Jubiläum gerade damals gefeiert wurde, um eine?lnklage gegen die Gesammt- judenheit zu schleudern. Ratti-Menton sorgte nämlich. dafür, daß in französischen Zeitungen ein Bericht aus Damaskus in seinem Sinne und mit seiner Färbung der europäischen Welt vorgeführt wurde. Nach demselben hätten die Juden einge- standcnermaßen den Pater und seinen Diener ermordet, um die Mysterien ihrer Religion zu feiern. Ohne Ratti-Mentons Eifer wären die Urheber des Verbrechens nicht entdeckt worden und ohne dessen Dazwischcnkunft wäre das Judcnviertel und die ganze Bevölkerung vernichtet worden. Nicht nur die im Dienste der katolischen Klerisei stehenden Blätter verbreiteten diese An- schuldigungen mit Eifer, sondern auch die liberalen, um Frank- reichs Macht im Morgenland zu rühmen. Der erlogene Bericht strömte rasch durch die Adern des europäischen Zeitungswesens. Entsezen ergriff sämnitlichc Inden Europas bei dem Gedanken, daß sie am hellen Tage des neunzehnten Jahrhunderts noch gegen das finstere Gespenst der Blutanklagc ankämpfen mußten, um nicht von ihm ins Grab gezogen zu werden. Indessen ermannten sich die französischen und englischen Juden, ihren verfolgten Brüdern im Orient zu Hälfe zu kommen. Unter den ersten ragte Adolf Cremieux hervor, der sich am 1. Mai zum französischen König Louis Philipp begab, während am gleichen Tage eine jüdische Deputation den englischen Mi- nister Lord Palmcrston um Schuz für die Opfer in Damaskus anging. Beide gaben besriedigende Zusicherungen. Die. wirk- samsten Schritte aber gingen von Wien und dem österreichischen Kabinet aus. Der österreichische Konsul Merlato, der einzige, welcher die Bosheit Ratti-Mentons, seiner Helfershelfer und der Mönche durchschaut und ihr mit dem Aufgebot seines soldatischen Muts Widerstand geleistet hatte, gab einen wahrheitsgetreuen und ergreifenden Bericht von der bodenlosen Niedertracht, welche gegen die Opfer von Damaskus aufgeboten worden war, um sie für schuldig zu erklären. Durch diese Darstellung wurde Ratti-Menton, den die klerikalen Jntriguen als einen Lichtcngcl verherrlicht hatten, als boshafter Teufel an den Pranger gestellt. Sie führte einen Umschwung in der öffentlichen Meinung herbei, denn Metternich, dem der Bericht durch den Generalkonsul von Egypten übermittelt wurde, ließ sämmtliche den Juden günstige Schreiben durch die Zeitungen verbreite». Metternich, dessen Teilnahme für die Inden teils aus politischer Feindseligkeit gegen Frankreich, teils aus Gefälligkeit gegen das Haus Roth- schild entsprungen sein mochte, ermutigte die österreichischen Agenten in Egypten und Syrien, standhaft für die Jude» ein- zutreten. Ans den weiteren Verlauf der Angelegenheit, welche auch in der französischen Deputirtenkammer(2. Juni) und im englischen Unterhaus(22. Juni) zur Sprache kam, wollen wir nicht, näher eingehe». Besonders erwähnenswert ist, daß mehrere zum Protestantismus übergetretene Inden in kirchlicher Stellung die Unschuld der Juden beteuert haben, unter andern der als Kirchengcschichtschrcibcr und als Mann von zartester Gewissen- hastigkeit bekannte August Neander. Von den Katolikcn tat es nur einer, der Hosprediger Vcith in Wien, welcher von der Kanzel mit dem Kruzifix in der Hand einen feierlichen Eid leistete, daß an der Beschuldigung gegen die Inden kein wahres Wort sei.— Neben Crcmicnx hat sich noch der hochherzige londoner Jude Moses Montefiore um die unschuldig B erfolgten hochverdient gemacht und durch unermüdliche Tätigkeit den Abschluß der Affaire beschleunigt. Nachdem das Nötige eingeleitet und vorbereitet war, reisten Montefiore mit seiner Begleitung und Ercmieux mit der seinigen am 14. Juli nach Egypten und es gelang ihnen, Mehmet Ali von der Unschuld der Angeklagten zu überzeugen, so daß derselbe ani 28. August nach Damaskus den Befehl abgehen ließ, die Gefangenen sofort ans freien Fuß zu sezen. Sobald der Befehl in Damaskus eintraf, mußte Scherls Pascha, der Mehmet Alis Strenge kan»� die noch im Kerker befindlichen neun jüdischen Gefangenen sofort freilassen, ohne Ratti-Menton zu befrage». Das geschah a>u 6. September. Es waren darunter sieben, welche von dru Folterqualen verstümmelt und nur zwei, die verschont gebliebc» waren. Vier Schlachtopscr waren gefallen. Sechs Jude"- welche sich der Haft durch die Flucht entzogen hatten, durste zu ihren Familien zurückkehren. Viele Muselmänner zeigt� freudige Teilnahme und der Konsul Merlato konnte mit GcuuZ' tuung auf sein Verhalten zurückblicken, denn er war es. wcllhck die Vorgänge in Damaskus zuerst und eindringlich ins rcl� Licht sezte. Die jüdischen Gesandten glaubten ihre Aufgabe noch' L genügend gelöst, wenn sie nicht, so Diel sie vermochten.? Wiederholung solcher Vorfälle vorzubeugen suchten. Moutcfi� begab sich nach Konstantinopel, erhielt eine Audienz bcini S»|f und erlangte eine» Fcrman(G. November) von demselben, welch erklärte: Ein altes Vorurteil bestand gegen die Juden, daß s Menschenopfer brauchten, um Blut für ihre Osterfeier«"J" --tM wenden. Durch diese Verleumdung sind die Juden von Taffl kus und Rhodus Qualen ansgesezt worden. Die Falschheii Anklage gegen die von Rhodus ist vollständig erwiesen wo�. Die Religionsbücher der Inden sind außerdem von kunW Männern untersucht worden und das Ergebnis der Prüfung" gezeigt, daß den Juden sogar der Genuß von Tierblut vertu' ist, geschweige von Mcnschcnblnt. Wir können daher»idst � geben, daß die jüdische Nation ferner gequält und belästigt wev wir»vollen vielmehr, daß sie laut des Hatti-Scherif von Hann»,(der oben erwähnte Gnadenbrief) dieselbe Gercchch� wie die anderen Nativiici» genieße. Sie soll daher in unse Reiche geschiizt und verteidigt»verde». So geschehen in der Türkei im Jahre 1841. Zur Geschichte der Cerealien. Kulturhistorische Skizze von K. Schlüter. Selten ist die Bedeutung des Getreides für die Kultur so kurz und trefflich gekennzeichnet»vorde», als durch folgende Anrede eines nordamerikanischcn Indianerhäuptlings an seinen Stamm, die Knapp in seinem„Lehrbuch der Technologie" mit- teilt.„Seht Ihr nicht," sprach dieser Wilde,„daß die Weißen von Körnern,»vir aber von Fleisch leben? Daß das Fleisch niehr als dreißig Monden braucht, um zu wachsen,»ind oft selten ist? Daß jedes jener wunderbaren Körner, die die Weißen in die Erde streuen, ihnen mehr als hundertfältig zurückgiebt? Daß das Fleisch, wovon»vir leben, vier Beine hat zum Fort- laufen,»vir aber deren nur z>vei besizcn, um es zu haschen? Daß die Körner da,»vv die lvcißcn Männer sie hinsäen, bleiben und wachsen? Daß der Winter, der für uns die Zeit unserer mühsamen Jagden, ihnen die Zeit der Ruhe ist? Darum haben sie so viele Kinder und leben länger als»vir. Ich jcoeiii, der mich hören»vill, bevor die Ecdcrn unsere-' � � vor Alter»verde»» abgestorben sein, und die Ahornbä»"' � Tales aufhören, uns Zucker zu geben, wird das Oesth'��, kleinen Kornsäcr das Geschlecht der Flcischfrcffcr vertilgt »vofern diese Jäger sich nicht entschließen zu säen. ,,[,#■ Die Voraussicht dieses Indianers»var,»vie die Fwgc eine richtige, das Geschlecht der„Jäger" verschwindet>"< =. v:. feiten' mehr und die Kultur der„Kvrnsäer"»vird bald die lezte jener vom Erdboden vertilgt haben.. � •».cc Anbau der mehlreichen Grasarten, deren Kulten � olvn vorgeführte Häuptling seinen Mannen empfahl, ihres Gehaltes an Kleber und Stärke halber die Hf»#� teile vegetabilischer Ernährung bilden, geht bis ins gro»e' 109 '"W zurück, und feine feststehende Ueberlieferung bezüglich der Mt, da man anfing Getreide zu bauen, ist auf uns gekommen. Höchstens die vergleichende Sprachforschung kann im allgemeinen Zeitraum feststellen, in welchem ein Volk begann, in seiner Sprache eigene Bezeichnungen für Landwirtschaft und was damit zusammenhängt, aufzunehmen, und hiernach ist ungefähr auf die 9e'' zu schließen, von welcher an Bodenbebauung und Agrikultur überhaupt begann. Man darf annehmen, daß unter den ersten Pflanzen, denen " Mensch seine Pflege widmete, jene Arten der Gräser sich Nauden, welche noch heute hauptsächlich zur Bereitung von rod benuzt werden. Schon in der Pyramidenzeit wurden in ghpten die Felder gepflügt und mit der Hacke bearbeitet, und Weizenkörner, die man im Innern der Riesenbauten des ullandes vorfand, und jezt, nach Jahrtausenden, noch zum ßiClme.n brachte, bezeugen, daß schon damals der Mensch dem �"ksdebau oblag. Tie egyptischc Sage erzählt, daß der Sonnen- * Lfiris, um den Menschen davon abzubringen, seine Mitmenschen . CNC1{' diesen durch die Isis auf die Frucht des Weizens 'wcrksam gemacht habe, die bisher unbeachtet unter Gräsern de- ß.. �'chzkitig lehrte Osiris dem Menschen das Zerreiben »er, das Rösten des Mehles an der Flamme und das sind™•)C*®vode§ im Ofen.— Auch in Indien und China h.*.» Uch Spuren von frühzeitig entwickelteni Getreidebau. So ..'ui'cn die alten Sanskritbücher von dem Weizen, und der teir-'w� Ching-nong soll im Jahre 2822 v. Chr be- Auck-"t Weizen aus Indien nach China eingefühlt haben. hin®»roba zeigen Spuren auf früh entwickelten Getreidebau Srsmb�" �» �eberresten, die in den Pahlbauten der Schweiz Slvt» Cn wurden, zeigten sich nicht weniger als fünf verschiedene o»' 1,011 Weizen und drei Arten Gerste, und es ist kaum h ICn' die Bewohner der Pfahlbauten diese Könier blls i!»'H01'bek erhielten, vielmehr ist es wahrscheinlich, daß bot.üri.1 bort, wo es gefunden wurde, auch gebaut ward, so Siitiit/ In'CllCn blcberrcstcn die Früchte der landwirtschaftlichen N � ber Urbewohner Europas vor uns haben. burch V.un'C1:ciu Wissen über die Abänderung der Pflanzen liins.J"sezen in ein anderes Klima, durch natürliche und juneh,,� �"chtwahl, durch Düngung u. s. w. ist nicht wohl an iclboi, unsere kultivirten Pflanzen ursprünglich in der- Ez»>> unter welcher wir sie heute kennen, existirten. ändert' r fest, daß diese Pflanzen sich wesentlich ver- ittadei, s».' beredelt sind, und einige Forscher behaupten nicht Q,.: l.n'1 11110 deshalb die Urform unserer Kulturpflanzen fijstt ist, weil diese in einem solchen Maße modi- kitnei,»' man ihre ursprüngliche Form nicht mehr er- belle,(,'!»?' bezeichnet doch ein französischer Forscher, de Can- P{lo.uen 1 hw'dertsiebenundfünfzig von ihm beschriebenen Kultur- ihre,,, Urb"- weniger als zweiunddreißig als solche, die in lki»i �"glichen Zustande völlig unbekannt sind. pslenzeu 1'10v,chCl' nehmen an, daß die Form unserer Getreide- »bhernh\ Ux- �Cm® runde auch früher dieselbe oder doch an- btt Ajq,; gewesen sein müsse, wie jezt, weil andernfalls Aaheu ben Wert dieser Pflanze erkannt und sie nicht �k>nviu dir� slcuvmmen hätte. Dieser Ansicht gegenüber weist r"'1 ütüdli/111' �»' baß noch heute manche wilden Stämme sich [.keibevfrJ1»»? Wurzeln nähren, die der Urform unserer "riten. m';1».'"bezug aus Nahrhaftigkeit sehr nahe kommen und m* t8 Zeiten der Hungersnot ist der Ratnr- Mangel" 1 sti» zivilisirterer Bruder nicht so wählerisch. ,-�bei, hnb, ,,"'� 0't 9C1UI9 ben Menschen der Urzeit dazu ge- n-. iu Uft' 0 f§, was er kauen und verschlingen konnte, zu .Wanit*.. CIt u»d als Nahrungsmittel zu bennzc». Bei �Wver- unserm ,____ ... 0— i....... Urzeit dazu öc' KNZZWH kraft der Urformen unserer mehlartigen Grasarten kennen ge- lernt haben. War einmal die Erkenntnis vorhanden, daß diese oder jene Pflanze— hier also bestimmte Grasarten— zu Zeiten der Hungersnot Ersaz für sonst übliche Nahrung bot, so mußte das Ansammeln dieser Pflanze die nächste Folge sein und von hier bis zum selbständigen Anbau war nur ein Schritt. Was von mehreren unserer Gemüsearten unzweifelhaft feststeht, nämlich: daß sie sich aus wilden, kaum zu genießenden Arten zu ihrer jczigen Vollkommenheit entwickelt haben, sollte das nicht auch von unseren Getreidesorten gelten? Je nach Klima, Bodenbeschaffenheit, Zeit der Aussaat u. s. w. wurden sie veredelt und modisizirt, verschiedene Varietäten entstanden und nach und»ach entwickelte sich aus jenen einfachen Gräsern unser geschäztes Getreide. Nach der Heimat unserer Cerealien hat man bisher ver- geblich gesucht. Soviel steht fest, daß— mit Ausnahme des Mais— sämmtlichc bekannteren Körnerfrüchte der alten Welt entstammen. Während einige Forscher behaupten, die Urform des Weizens in verschiedenen Teilen Asiens gesunden zu haben, wird das von anderen bestritten. Wie Diodor Siculus er- wähnt, war es ein Glaube alter Völker, daß an verschiedenen Orten Sieiliens der Weizen wild wachse, und auch Goethe hegte diesen Glauben. In Wirklichkeit handelt cs sich indes um verwilderte Pflanzen, wie es denn überhaupt oft unmöglich er- scheint, zwischen wilden und verwilderen Pflanzen zu unterscheiden. Nach Humboldt verdient am meisten Vertrauen eine Mitteilung des Professors Koch, der im pontinischen Gebirge 5—6000 Fuß hoch vielen Roggen vorfand, und zivar an Orten, wo, nach der Erinnerung der Anwohner diese Getrcideart nie vorher angebaut worden war. Ein Beweis ist aber hiermit noch nicht erbracht und das Dunkel über die Herkunft unseres Getreides ist immer noch nicht gelichtet. Von den Cerealien, zu denen etlva 20 der 4000 Arten reichen Familie der Gräser gehören, sind es besonders Reis, Mais, Weizen und Roggen, die unsere pflanzlichen Nahrungs- mittel bilde», lieber dir Hälfte aller Menschen lebt von Reis, vom Reste wiederum der größte Teil vom Mais und die Zahl der von Weizen und Roggen lebenden Menschen kommt erst in dritter und vierter Reihe. Sehen wir im Norden und Osten Europas den Roggen am meisten angebaut, so tritt uns in West- und Mitteleuropa— zum Teil auch in Nordamerika— der Weizen als Hanptkorn entgegen, während der Mais in Südeuropa, Amerika, Nordafrika und einen großen Teil Asiens der Landwirtschast das Gepräge gibt. Im übrigen Teil von Afrika und Asien ist es der Reis, von dessen Gedeihen das Wohl der Landbevölkerung abhängt. Gerste, Hafer, Hirse, Buch- weizen, Kartoffeln und Hülsenfrüchte— alles Cerealien, dieses Wort im weitesten Sinne genommen— kommen den oben ge- nannten vier Pflanzen gegenüber weniger in Betracht und sind für die Ernährung des Menschen von geringerer Bedeutung. Ter Reis hat sein Vaterland wahrscheinlich in Indien, wo er seit langem gebaut wurde. Seit über 5000 Jahren auch in China kultivirt, wohin er von Indien eingeführt wurde, bildet er in diesen zwei Neichen das Hauptnahrungsmittel der Be- wohner. Europa wurde erst durch die Eroberungszüge Alexan- dcrs des Großen mit dieser Frucht bekannt, ohne daß indes die Pflanze angebaut wurde. Man bezog vielmehr den Bedarf an diesem Korn aus Asien, von Ivo dasselbe über das persische und rote Meer in die Häfen des makedonischen Weltreiches eingeführt wurde. Von römisch-griechischen Acrzten wird erzählt, daß sie aus Reis ein schleimiges Getränk bereiteten, welches sie bei ihren Patienten anwandten. Ter weite Transport ver- feuerte das Korn derartig, daß cs eigentliche Bolksnahrung noch nicht wurde, und erst die Mauren waren es. die neben so vielen andern neuen wichtigen Pflanzen auch den Reis zuerst in Europa, nämlich in Spanien, kultivirten, nachdem sie auch Untcregypten mit dem Bau dieser Pflanze bekannt gemacht hatten. Auf dem Wege des Küstenhandels versahen die Araber nun auch ihre christlichen Nachbarn mit dieser Frucht, und als der "t.« christliche Fanatismus die maurische Kultur zerstörte und die Atauren aus Spanien vertrieben wurden, gingen die Reisfelder in den Besiz der Christen über. Mit der Ausbreitung des spanischen Weltreiches erlangte auch der Reisbau weitere Aus- dehnung. Besonders in Norditalien und in der Levante fand das neue Produkt guten Boden zum Anbau. Ter Reis bedarf zum Gedeihen Wasser-reicher Niederungen, und in Venedig und im Mailändischcn fanden sich diese im reichsten Maße. Im Jahre 1522 legte der General Trivulci auf seinem Gute am Tartaro eine Reispflanzung an und schon 1530 war der Reisbau in der Lombardei weit verbreitet und die zeitherige Einfuhr von Damiette in Egypten und von Majorka sehr beschränkt. Nach Amerika gelangte die Frucht gleichfalls durch die Spanier und zwar im Jahre 1701, seit welcher Zeit sie dort, besonders in den Südstaaten der Union, so stark gebaut wird, daß Anierika— dann Ostindien und Java— das größte Quantum dieses Produkts auf den Markt bringt. In Europa trifft man jezt auf Reisbau außer in Ober- italien nur noch in Spanien, in der Türkei, Griechenland, in der frianlschcn Tiefebene— in den Bezirken Carrignano und Monfalcone— in den Sunrpfgegenden des temesvarer Banats, in Ungarn und im südlichen Rußlands Auch in Deutschland hat man, indes vergeblich, Akklimatisationsversuche gemacht. Vor wenigen Jahrzehnten in Europa noch ein Luxusartikel, werden jezt nahezu zwei Millionen Zentner Reis nach Europa eingeführt. Der Reisbau ist für die damit beschäftigten Arbeiter ein äußerst ungesunder und beschwerlicher, und die als Folge der feuchten Ausdünstungen auftretenden Fieber bereiten manchen von ihnen ein frühes Ende. In Italien sind es zumteil die Bewohner der südlichen Alpcuabhänge, mit deren Hilfe der Reisbau betrieben wird. Alljährlich zur bestimmten Zeit steigen diese Leute von ihren Bergen hinab in die Ebene; sie müssen durch Arbeit in den Reisfeldern ihr Leben wagen, um ihr Leben zu gewinnen. Ehe die Rcissaat dem Boden anvertraut wird, sezt man die dazu bestimmten Felder mehrere Tage lang unter Wasser. Nach Ablassen des Wassers wird gesäct und wiederum das Feld überschwemmt, um ein drittcsmal in ähnlicher Weise zu verfahren. Die Pflanze, die, wie schon erwähnt, nach dem Reis der größten Zahl von Menschen zur Nahrung dient, ist der Mais, unter andern auch als türkischer Weizen und Welschkorn bekannt. Die Urform des Mais ist in Dunkel gehüllt, denn auch der Anbau dieses Grases geht in die graue Vorzeit zurück. Danvin fand an der Küste von Peru Maiskolben, die zusammen mit Seemuscheln in einer Erdschicht lagerten, welche 85 Fuß hoch über den Meeresspiegel emporgehoben war. Als jene Schicht sich also auf dem Nivemi des Meeresbodens befand, wurde in jenem Teil Amerikas bereits der Mais angebaut. Bei der Entdeckung der„neuen Welt" ward der Maisbau von den Ureinwohnern von den jczigcn Neucnglandstaaten bis hin nach Chili betrieben. Anfangs des 16. Jahrhunderts gelangte der Mais von Amerika nach Spanien, und bald wurde er in den meisten westeuropäische» Ländern als Gartenpflanze gezogen. Auch als Fcldfrucht wurde dieses Korn bald gebaut, und über Italien kam es nach der Türkei und den Donauländern. Als Welschkorn kam es von Italien, als türkischer Weizen vom Balkan nach Deutschland. In einem 1539 zu Straßburg er- schiencuen„Kräuterbuch" sagt der Verfasser:„Unser Germanien wird bald Felix Arabia(glückliches Arabien) heißen, dieweil wir so viel frenides Gewächs von Tag zu Tag aus fremden Landen in unser» Grund gewöhnen, unter welchen das groß Welschkorn nit das geringst ist." Ob der Verfasser Ursache hatte, das Land glücklich zu preisen, welches dieses Geschenk Amerikas empfing, ist sehr zu bezweifeln. Wenigstens haben die Menschen, die gezwungen sind, den Mais als Hauptnahrung zu genießen, wenig von diesem Glück gespürt. Der Mais,„der Proletarier unter den Getrcidearten, wie die Kartoffel der Proletarier unter den Knollengewächsen, hat," wie sich ein Schriftsteller ausdrückt,„sich auf Kosten nüzlicherer Pflanzen allzusehr ausgedehnt." Schon Darwin weist in seiner „Reise eines Naturforschers" daraufhin, daß die Verminderung l der Eingeborenen von Neuseeland— der Maoris— zwischen| 1830 und 1840 beginnt, zur selben Zeit, als der Mais(und I die Kartoffel) sich dort ausbreitete und ein Versahren entdeäl» und angewandt wurde, fauligen Mais durch Einweiche» 1 Wasser zuzubereiten. Inwieweit und ob durch Ausbreitung! des Mais und der Kartoffel eine Degeneration der europäische I Bevölkerung herbeigeführt wurde, ist eine Frage, die noch I Beantwortung des Forschers harrt, gewiß aber ist, daß drt» Mais dort, wo er ausschließliches Nahrungsmittel bildet, schrj�| liehe Folgen gehabt hat. Wir sehen das besonders an Italien I Hier wurde bis zum Ende des 16. Jahrhunderts der Mul nur als Futterpflanze gebaut und nur in Zeiten der Hunger-| not als Nahrungsmittel für Menschen verwandt. Anfangs 17. Jahrhunderts aber ward dieses Nahrungsmittel allgemciusM von den armen Leuten genossen. Seit dieser Zeit grassirt j'I den gesegneten Gefilden Italiens aber auch jene schrecklwl „Krankheit der armen Leute", die Pellagra, von der Autorität i behaupten, daß sie eine Folge des Maisgcnusses sei..> Die Untersuchungen italienischer Aerzte haben dargetan, im allgemeinen die Pellagra dreißig Jahre nach Beginn Nj! Maisgenusses sich einstellte. Zuerst wurde sie 1735 in Astur> I — nach Spanien gelangte der Mais ans Amerika zurrst"'! von dem Arzte Casal beobachtet und beschrieben. Im N) I 1740 beobachtete ein italienischer Arzt die Krankheit im Gcl>u s von Feltre. 1755 trat sie in Frankreich, 1848 in Algier J"1'! 1850 in den Donaufürstentümern auf. Was bei ihrer breitung zunächst auffiel, waren zwei bezeichnende Umstand! die örtliche Ausdehnung war auf den Raum zwischen d; 42. und 46. Breitengrad beschränkt, mit Ausnahme von 3�1 reich, wo sie bis zum 49. ging; und ihr Ausbruch folgte j�j ein Schatten der Kultur und dem übcnviegendcn Genuß:; Mais oder türkischen Weizens. jH Diese entsezliche Krankheit vererbt sich auf die Nachkon�I des davon Befallenen und ist im vorgerückten Stadium bar. In vielen Fällen zeigen sich Geistesstörungen, und ist damit die Neigung zu Todschlag und Selbstmord verbu« J Man hat von der Krankheit behaftete Mütter gefunden, I neben den von ihnen mit der Axt erschlagenen Kindern k>w I und das Blut wegznküsscn suchten. Die Zahl der von Seuche Befallenen betrug 1830 in der Lombardei 20�! 1856 38000 und 1880 nahezu 41000, während ihre Geß'�I zahl in Italien in diesem Jahre über 78000 beträgt. Städter leidet nicht unter der Pellagra, weil er bessere R�jT! hat als der ländliche Arbeiter Italiens. Dieser lebt in � J solchen Elend, daß er, wie ein Beobachter jüngst mitteilte,! deshalb sich gerne an den Mais als Nährmittel hält, llH!' J ihn beinahe roh verzehrt und so die Kosten für Feuerung �! Bis vor kurzem war die Annahme eine ziemlich unbesw 1 � l daß Europa den Mais erst von Amerika erhalten habe, neuester Zeit wird nun behauptet, daß schon lange jJ Entdeckung Amerikas der Mais in Italien angebaut worbe I Anhänger dieser Ansicht behaupten, in einem schon Iblb �1 ösfentlichten Dokumente werde die Tatsache mitgeteilt. i zwei von der Belagerung Konstantiiiopels zurückkehrend& gjiK fahrer bereits 1204 dieses Korn in die Markgrafschafl eingeführt habe», und ein mailändisches Statut vom Jah� soll den Mais ausdrücklich als Futterpflanze erwähnen. soll der Italiener C. Bertagnolli durch fleißiges NachWS»|| in mittelalterlichen Chroniken gefunden habe», daß das'u � Korn wenigstens hundertmal zu Zeiten erwähnt wird, al. ,■ niemand an Amerika dachte. Weiter wird behauptet. i einem Teilpachtvertrag aus dem Jahre 813 gleichfalls � das türkische Koni genannt werde. Wenn hier nicht/ wechslung mit einem andeni Getreide vorliegt, so wäre I � auch die große Verbreitung des Maisbaus erklärlich- � nicht nur in Amerika und Europa finden wir den Mai�.ürf sondern auch in Australien. Asien und Afrika, und in>0 j Weltteile sogar da, wo noch nie ein Europäer hinkam- «Schlub folgt.) i: IL. Iii Warum ich kein Von A. Ta ich cincn mir nicht wohlgesinnten Stiefvater hatte, so mich meine Großmutter zu sich, um mir eine geeignete Ziehung zu geben. Die gute Frau, der ich dankbar sein muß, mmmte aus einer Pfarrersfamilie, und meine Erziehung war �wgeniäß eine gut christliche. Meine Großmutter sorgte dafür, "B ich recht viel Religionsunterricht bekam und recht fleißig 'e Kirche besuchen mußte. Sie war für das Heil meiner �le weit mehr besorgt, als für das meines Körpers. Denn M ich im Winter mit halberfrorenen Füßen aus der Kirche �n- so fanden meine Klagen kein Gehör. Es war einmal We so, daß man im Winter während der Predigt halberfrorene »uße hatte. Selbst mein Einwand, daß ich unter solchen Um- wden mich nicht an der Predigt erbauen könne, half nichts. wußte weiter gefroren werden. Ta meine Frömmigkeit nicht stark genug war, meine Füße » gen den Frost zu schiizen, und ich meine Klagen häufig wieder- ?,- so begann niciii sittlicher Wert und sein religiöses Gepräge weiner Großmutter bedeutend im Kurs zu sinken. Wer bei jer so schönen Predigt, wie mein braver Oheim, der Stadt- �a'tcn pstcgte, noch an seine kalten Füße denken ß,'le' der müsse, meinte meine Großmutter, nicht vom rechten tor!? kutchbrungcn sein und habe kein Verständnis für vlliche Erbauung. Als ich einmal mit der ganzen Offen- ZWr.? t der„Flegeljahre" bemerkte, mein Glaube und mein �'""duis würden vielleicht zunehmen, wenn sie mir gestattete, da, n)�rc!,b dor Predigt eines warmen Fußsacks zu bedienen, gut..f*6 wir ernstlich böse. Ich hatte Mühe, sie wieder � Kimmen, trvzdenl sie selbst im Winter in der Kirche den T01" 9ro�c"' wit Pelz gefütterten Fußsack versehen Ivar. 'hr u � Dienstmädchen dahin nachtragen mußte und der '� Andacht und Erbauung wesentlich erleichterte. Heinp• en lDarcH solche großmüttcrliche Nachforschungen über als s," ln.nercn Wert damals für mich keineswegs so gleichgiltig, sg� �. wir etwa heute sein würden. Denn meine Aussichten Ji;e| lc'1' ZonzcZ späteres Leben hingen damit eng zusammen. ihre&. Kniuttcr hatte mir nämlich versprochen, daß ich ans toerbfnfn �"logie studiren, oder wie sie sagte, Pfarrer %.loutc, wenn ich mich zu solchem Amt qualifiziren würde. hohen Konfirmation stand damals bevor, und an diesem ��le sich es zeigen, ob ich die Qualifikation zum �tOctKt �föße oder ob die in dieser Beziehung bereits Mein T■�,DeK'cl meiner Großmutter berechtigt seien. Vor Triindc,, � wir sehr bange und zwar aus verschiedenen pon Natur aus glücklicherweise weder sauertöpfisch hohe» z, s �inig oder gar duckmäuserig bin, so konnte ich die gen Sp'',�üche. welche meine Großmutter an mich, als künfti- wildxx i,'v1801 kellte, unmöglich befriedigen. Ich war ein Ävnx,, r. 0K ungezogener Bube, wie es die meisten gesunden »nih�.'"m- trieb mich soviel ich konnte mit anderen im Walde dillifJ L,. �list und Trauben und verübte allerhand mut- �rvßniut»'�e. Wollte ich mir das Wohlgefallen meiner %%% orwerben, so mußte ich den Kopf hängen, die bei bcn, fs!8. 8�" Himmel aufschlagen, recht viel beten und hetvafw®wfte" Vorkommnis mit einem passenden Bibelspruch hies� Er? �knn ich brachte es zu keiner Fertigkeit in �hrcre r'1?"'"bschon wir auf dem Gymnasium wöchentlich �"Sfiend?�"�Kunden hatten und der als Rcligionslchrcr dahj« �u'testai, tische Pfarrer es sich zum Ziel gesezt hatte, hörte.,, aui��e hangen, daß wir jeden Bibelspruch, de» wir or stnnx aufschlagen könnten, d. h. Kapitel und Vers, �'gkeit ii'Atlücn'9Kcn3 ungefähr wüßten. Ich hab's in dieser ... Bei gebracht. pfänden pgon Familienfesten, die bei meiner Großmutter ' oaren immer viele Pfarrer aus unserer Verwandt- Pfarrer wurde. Titus. schaft anwesend; es wurde tüchtig geschmaust und gebechert und zuweilen auch Whist oder Tarok gespielt. Alle waren dabei seelcnvergnügt; warum sollte ich also ein Kopfhänger sein? Ja es war einer darunter, der beim Whist, wenn er verlor, grimmig zu fluche» und zu wettern pflegte, wie ein alter Soldat. Bei jedem Kcrnflnch zählte meine Großmutter, und wenn das Duzend voll war, sagte sie würdevoll: Schwager, mach's nicht zu arg!— Trozdem aber wurden oft mehrere Duzend voll. Wurde ich so mit inneren Widersprüchen erfüllt, so ver- mcljrtcn noch anderweitige Umstände meine unbehagliche Stim- mung, je näher der Tag der Konfirmation herankam. Das war nicht etwa die Konfirniativn selbst— dafür>var ich zu gut erzogen— sondern einige mit der Konfirmation zusammen- hängende Gebräuche machten mir schwere Sorgen, so schwer, daß ich Nachts in unruhigen Träumen tobte oder mich schlaflos aus dem Lager umhcrwälzte. In meiner Vaterstadt hielt man mit seltener Zähigkeit an dem Alten fest. Wie man besorgt war, die finsteren, engen und unbequemen Häuser troz aller Baufälligkeit, die schmalen krummen und schmuzigcn Straßen troz ihrer Unbequemlichkeit in dem Zustand zu erhalten, in dem sie sich seit Jahrhunderten befanden, so wurden auch veraltete Gebräuche mit einem Ernste aufrecht erhalten, als ob es gar kein neunzehntes Jahrhundert gäbe. Der Konfirmand mußte, sowohl im Gymnasium als iu der Volksschule, den ganzen lutherischen Katechismus auswendig lernen. Denn acht Tage vor der eigentlichen 5lonfirniation wurde eine Prüfung der Konfirmanden vorgenommen, bei der ihre Eltern und Angehörigen und wer sonst noch wollte zugegen waren. Die Konfirmanden gruppirtcn sich um den Altar, die Knaben auf der einen, die Mädchen auf der anderen Seite, und da priiste der Dekan des Kirchsprcngcls, d. h. jeder einzelne Konfirmand mußte eine beliebige Stelle des Katechismus, die der Dekan ihm bezeichnete, aus dem Gedächtnis hersagen. Da man nicht wußte, welche Stelle der Dekan wählen würde, so mußte man eben den ganzen Katechismus auswendig lernen. Wer die Fragen des Dekans nicht genügend beantworten konnte, galt vor der ganzen Gemeinde als unsterblich blamirt. Das war es jedoch nicht allein, was mich ängstigte, denn ich besaß ein leidlich gutes Gedächtnis. Es hatte sich noch eine andere schöne Sitte für die Konfirniationszcit bei meinen biederen Mitbürgern fortgeerbt. Am Tage vor der Konfirmation hatte nämlich der Konfirmand vor seine Eltern, Großeltern und alle seine am Plazc oder in der Nähe wohnenden Verwandten zu treten und sie für alles Böse, das er ihnen zugefügt, um Ver- zeihung zu bitten. Diese Anforderung machte mir weit mehr Kummer, als das Auswendiglernen des lutherischen Katechismus. Denn einmal war ich mir nicht bewußt, meinen Bertvandten Ucbles zugefügt zu haben; zum andern waren mir die meisten Persönlichkeiten dieser pictistischen Sippe in der Seele zuwider und am meisten fürchtete ich die geharnischte Straf- und Bußpredigt, die bei solchen Gelegenheiten von meiner Großmutter mit Sicherheit zu cnvarten war. Schließlich empörte sich mein Stolz gegen diesen ganzen veralteten Gebrauch. Aber was half das alles? Wenn mir auch mein Verstor- bcner Vater ein kleines Vermögen hinterlassen hatte, so reichte dies keineswegs ans, um ein Studium bis zum Staatsexamen durchzuführen, und die Unterstüzung durch meine Großmutter ivar die einzige Aussicht, die ich hatte. Also entschloß ich mich, in den sauren Apfel zu beißen und mich den fatalen Umständen anzubequemen. Kann man von einem vierzehnjährigen Jungen auch etwas anderes verlangen? Die mir erwachsende Pflicht war eine doppelte. In den Osterferien, während jüngere und ältere Kameraden freie Zeit hatten, sich nach Herzenslust draußen herumtummelten und sich 114 ihrer sonnigen Jugend in aller Lust des Lenzes erfreuten, sollte ich mich in vier Wände einschließen und— den Katechismus von A bis Z auswendig lernen. Zugleich aber hatte ich dabei Gelegenheit, Selbstbeherrschung zu lernen, um den Bittgang zu meinen Verwandten mit der nötigen Deniut antreten zu können. Ich nahm mir vor. möglichste Energie zu entwickeln, aber — nun, wir werden sehen. Beim Auswendiglernen des Katechismus war es Sitte, daß sich zwei befreundete Konfirmanden gegenseitig abhörten und sich so das niiihscligc Geschäft erleichterten. Nu» wohnte keiner meiner Freunde in der Nähe; gegenüber aber wohnte ein Kontroleur— was er eigentlich zu kontroliren hatte, weiß ich nicht mehr— der eine Tochter Namens Fanny besaß, welche dieses Jahr gleichfalls konfirmirt werden sollte. Ach Fanny! Tu trägst die Schuld daran, daß ich heute nicht in Talar und Bäfichcn würdevoll die Kanzel besteigen und den Durst meiner Gemeinde nach Erbauung mit dem Wort Gottes löschen kann? Du trägst die Schuld daran, daß ich nicht an den Fleischtöpfen einer behaglichen Pfarre sizcn kann, sondern mich draußen niit Rotten und Teufeln, mic der gute Doktor Martinus Luther sagt, herumschlagen muß! Die Frau �Kontroleur und meine Großmutter pflegten an schönen Tagen Nachmittags ihre Gärten zu besuchen, die neben einander lagen; sie gingen gewöhnlich zusammen. Meine Großmutter war eine praktische Frau. „Meinen Sic nicht," sagte sie eines Tages zur Kontroleurin, „daß der Aloys"— das war nämlich meine Wenigkeit— „und die Fanny einander den Katechismus abhöre» könnten, während wir Nachmittags in den Garten gehen? Sie sind dann ungestört." Die Kontroleurin, die wie eine Gans unaufhörlich während des Sprechens mit dem Kopfe zu nicken und zu ivackclu pflegte, stimmte zu. Plözlich aber warf sie einen scharfen Blick auf Fanny und mich, die wir eben am Fenster standen und uns über das Wetter unterhielten. Dann sagte sie meiner Groß- mutter etwas in die Ohren. „Ach was," entgegnete diese in ihrer derben Weise,„es sind ja Kinder; die sollten sich unterstehen!" „Aber so allein," sagte die Kontroleurin und nahm eine sehr tugendhafte Miene an, die zu ihrer Häßlichkeit vortrefflich paßte. „Nun," sagte meine Großmutter,„sie sind doch beide gut erzogen und—" „Meinetwegen," unterbrach sie die Kontroleurin.„Ich hoffe auch, daß sie fleißig sind." Ich hörte nur mit halbem Ohr hin, bemerkte aber, daß Fanny mich mit einem eigentümlichen Blick musterte. Gleich darauf aber wurde uns beiden offiziell angekündigt, daß wir uns den Katechismus abhören sollten mit daß die Exerzitien gleich heute, in Kontrolcurs Wohnung, ihren Anfang nehmen sollten. „Ihr habt fleißig zu sein," sagte meine Großmutter in ihrem strengsten und rauhesten Tone,„und dürft keine Zeit verschwenden. Sowie Ihr etwas anderes treibt, dann—" Und sie drohte mit dem Finger ganz ernsthast, worauf auch die Frau Kontroleurin eine längere salbungsvolle Predigt hielt, mit deren Wiedergabe ich mir die Leser nicht zu belästigen getraue. Fanny und ich standen mit niedergeschlagenen?lugen da, und nachdem die Zeit des AbHörens auf den Nachmittag jeden Wochentags festgesezt war, schlichen wir nach entgegen- geseztcn Richtungen davon, als hätten wir kein gutes Ge- misten mehr. Ja, ja, der Böse hatte schon die Hand im Spiel! Der Nachmittag kam; die Großmutter und die Kontroleurin gingen eifrig schwazcnd zum Garten und ich ging hinüber zu Fanny. Es war eigentlich überflüssig, daß ich heute hinüber- ging, denn was sollte Fanny mir abhören? Ich hatte ja noch nichts auswendig gelernt. Aber ich ging doch. Fanny war nicht schön, nicht einmal anziehend. Eine lange, klapperdürre Figur mit holländisch großen Händen und Füße»; auf einem langen spindeldürren Halse saß ein Kopf mit stechen- den schwarzen Augen, langen, wallenden, schwarzen Haaren und einer unbescheiden großen Nase. Aber Fanny war sentimental, feurig, schwärmerisch; sie hätte alle Anlagen zu einem Blau- strumpf gehabt, wenn sie von Natur nicht etivas kärglich mit Geist ausgestattet gewesen wäre. Sicherlich war Fanny nicht dazu angetan, einen Mann in hellauflodernde Flammen zu versczen. Allein sie war erst vier- zehn Jahre alt und ich war ein Knabe von gleichem Alter. Und wenn man die Wahl hatte, den Katechismus auswendig zu lernen oder mit Fanny zu tändeln, so konnte man das lezterc immer noch vorziehen. Als ich hinüberkam, stand Fanny nachdenklich am Fenster mit dem Katechismus in der Hand; sie drehte sich rasch herum. „Ah." sagte sie hastig,„ich soll dich abhören." „Nein, ich will dich abhören." „Aber," sagte Fanny errötend,„ich habe noch nichts gc- lernt." „Und ich auch nicht." Wir sahen uns an und brachen in ein schallendes Gelächter aus, wie man in der Jugend häufig tut, ohne genau zu wissen warum. „Da muß ich wohl wieder gehen?" frug ich. „Gott bewahre," sagte Fanny,„bleib nur da!" Und ich blieb. Wir schwaztcn über allerhand für uns wichtige Dinge mit komischem Ernst, und als ich ging, hatten wir den Katechismus ganz vergessen. Es blieb anhaltend schönes Wetter und die Großmutter ging mit der Frau Kontroleur jeden Nachmittag in den Garten; ich aber ging jeden Nachmittag zu Fanny, um— den Katcchi� mns abzuhören. Am zweiten Tag stellte sich heraus, daß wir beide wieder nichts memorirt hatten. Fanny sah mich so schmachtend a». Wenn man selbst ein langbeiniger, im schnellen Wachsen begriffener und in den Flegeljahren befindlicher Schlingel ist, nimmt man es mit weiblichen Schönheiten auch noch nicht st' genau. Bald übten Fannys feurige und träumerische Blicke an! mich einen magischen Einfluß aus; wir begannen erst einander zu necken und schließlich kam es dahin, daß ich die vor n>>r um den Tisch fliehende Fanny haschte und ihr einen tiichtilst" Kuß gab. Sie war gar nicht so böse darüber, als ich bf' fürchtet hatte, und die Tändelei ging fort; es entspann sich kleines kindisches und unschuldiges Liebesverhältnis mit all der Naivctät, die jenem Alter bei solchen Gelegenheiten eigcntii>n° lich ist. Die Sache war romantisch und zog mich um so mehr o"' j als sie strengstes Geheimnis bleiben mußte. Aber der I chismus? Nun, der Gedanke an die öffentliche Prüfung erfst®* mis beide mit einem gelinden Grauen. Allein wir dach�| leichtsinnig: Nach uns die Sintflut! und betrachteten einswc�| den Katechismus als unsern besten Freund, denn er war str �! an»? schüzendc Vermittler unserer Zusammenkünfte. Ich begann zu machen und die liebenswürdigen Eigenschaften meiner ß»»»' i» zierlichen gereimten Versen zu besingen. Diese ErstlW- Porsten deckt glücklicherweise eine ewige Nacht, und ich nur, daß sich die auch sonst nicht ganz seltenen Reime: und Schmerz. Lust und Brust, Kuß und Genuß" in denstld' vorfanden. Wenn ich Nachmittags zu Fanny kam, las ich ihr»'st'! zii ihrer Verherrlichung gedichteten Verse vor und wurde reg mäßig mit einem Kuß für jede Zeile belohnt. Angesu»r. Damen finden die Verse ihrer Liebhaber immer hübsch, st'iL wenn man erst vierzehn Jahre alt ist. Welche Dame>»'" auch nicht gern ihre Reize in Versen gerühmt wiffen?( war so entzückt, daß sie mir sagte, ich werde ein großer„ werden, au welche Weissagung ich damals natürlich fc'b'" glaubte. Im Laufe der Jahre ist dieser Glaube indes! bedeutend erschüttert worden, daß ich heute nur noch � mache, wenn ich dazu durch ei» unerbittliches Schill" zwungen bin. 115 Wenn bev Ritter aber, wie man sagt, noch nicht hinter den Chren trocken ist und die Dame noch kurze Kleidchen trägt, rcsp. im Fliigelkleide geht, da flieht die Zeit doppelt schnell »im Raub verstohl'ner Wonnen", und mit Schrecken cnvachtcn wir eines Tages aus unserem Liebestaumcl; wir fanden, daß bis zu dem gefiirchteten Prüfungstag nur noch eine kurze Frist und es zur Unmöglichkeit geworden sei, den Katechismus über- Haupt noch ganz auswendig zu lernen. Wir überblickten schau- dernd die ganze Größe des Abgrunds, vor dem wir standen, und ich beschloß meine poetische Tätigkeit mit einem höchst Magischen Schwanengesang, in dem ich vom goldenen Sonnen- ücht Abschied nahm, um mich in den tiefen Schlünden des Unglücks zu begraben. Fanny vergoß heiße Tränen ob der bevorstehenden öffentlichen Blamage, und rührte mich dadurch fr, daß unsere Tränen ineinander flössen, umsomchr, als ich zu befürchten hatte, daß mein böser Stiefvater die Blamage mit einer tüchtigen Portion ungebrannter Asche meinem Gedächtnisse dauernd einprägen werde. Endlich siegte in mir der männliche Mut und ich schlug �uc Flucht vor. Wir wollten nach Paris flüchten. In den Volksbüchern von W. O. von Horn hatte ich ja gelesen, daß auch arme Savoyardenknaben in Paris oft ihr Glück machen; warum sollte das uns nicht gelingen? Der Ernst des Augen- blicks schien Fanny diesem Gedanken geneigt zu machen. Allein wir erinnerten uns, daß wir kein Geld hatten, um eine solche Flucht auszuführen, und eine Fußreise schien uns denn doch zu gewagt, natürlich wegen der Wölfe in den Ardennen. Fanny von Wölfen zerrissen— der Gedanke ließ meine Haare sich cmporsträubcn. So verbrachten wir die lezten Tage unter Seufzern, Tränen und Zärtlichkeiten. Wir sahen beide ganz angegriffen aus. Die Frau Kontrolenr und meine Großmutter meinten, wenn der Katechismus den jungen Leuten auch Anstrengung bereite, so dürfe an der Vorbereitung für den hochwichtigen Tag der Konfirmation nicht das geringste fehlen. Man widmete uns, als den fleißigen Märtyrern einer schweren Pflicht, eine stille aber wohlwollende Teilnahme. Nur die alte Annemarie, die durch ihr böses Mundwerk weithin bekannte langjährige Dienst- magd meiner Großmutter, faßte die immer blässer werdenden Wangen Fannys etwas anders auf und meinte gelegentlich, so loses junges Volk sollte man nicht unbeaufsichtigt zusammen lassen.(Schlub folgt.) Moderne Schicksale. Novelle von Karl Hörlitz. (4. fjorlftjung.) ilfeheii, N einc» Fälsch 7. Tie erste Anklage. ins wurde die Glastür, welche vom Korridor herein- an aufgerissen und so heftig in ihren Angeln bis an die wjjj zurückgcschleudert, daß eine Scheibe klirrend zu Boden fiel. �tr Baron sprang ans. c- �Cl' 2ätm der fallenden Scheibe brach den Bann, der seine ,"c. �sher gefesselt hatte. � �ickc der drei Herren richteten sich gleichzeitig nach rötkt�" derselben erschien Mistreß Jonston mit vor Zorn ge- i-tC(. cm ,®ei'cht; einen Augenblick blieb sie auf der Schwelle sie w..'iuge musterte prüfend die Anwesenden; dann trat D, bc» Speisesaal. Uarfit Ct'druck, den das Erscheinen der Dame auf die Herren k, war ein sehr verschiedener. war unangenehm überrascht; er sah es sogleich der geiuackt �Dn'ton u". daß sie nach der auf dem Polizeibüreau| efret iT-t nicht nur nicht eingeschüchtert, sondern von iffophp ften Entschlossenheit beseelt war; er sah eine Kata- nun wt' P's jezt hatte er mit verdeckten Karten gespielt, Stella,"lfenen Kampf, und er nahm die riicksichtsloseste SfrrnrfJ9 eni. Auf seinem Gesicht trat der Ausdruck scharfer sei» ZTl hervor, sein Blick sagte jezt dasselbe, was vorher . über seine Widersacherin gesprochen hatte. "ahme.--ron betrachtete sie halb verlegen, halb voll Teil- Gruszx' � W-iißie sie bei ihrem Eintreten und hielt im halben �nnOct'0'''"'"frh wie ein verwirrter Schnlknabe stand er ihr alz Hom!"" i" h.n'te s'ch genug in der Gewalt, um seine Stellung wen,, n»rfl'Ut nich* vergessen. Er beobachtete ein artiges,. frieltc.c'wa§ reservirtes Benehmen; ein süßliches Lächeln HE 1|m r.--------- � �' Sliift- zusammengekniffenen Mund. c Houston ging, ohne die beiden andern Herren an- »-im)*,,, entschlossen aus den Hotelier zu. haben einen ev»Hirr Mohrmann," rief sie ihm entgeg �" Mra 5 hatte, trat beleidigt zurück. Madame l" Dane--i�cr, sage ich!" fuhr sie kräftig fort.i" meinem meinen Wunsch zur Gesandtschast geschickt worden, um nähere Recherchen auf telegraphischcm Wege anstellen zu lassen!" Seliger wurde unruhig, faßte sich aber sogleich wieder. Die beiden andern lauschten gespannt. „Ter Beamte war umsichtig genug," sagte sie.„meine An- ficht über die Sachlage vorläufig zu teilen, und ich bin unan- fochten geblieben, was wohl nicht im Plane des Fälschers lag." „Madame, ich muß bitten," eiferte Mohrmann,„Sic sprechen so schwere Anschuldigungen aus, daß ich es meiner Reputation schuldig bin, sogleich alle meine Leute zu ver- sammeln!" Er wandte sich der Saalccke zu, um den Klingelzug in Be- wegnng zu sezen. Sie vertrat ihm den Weg. „Lassen Sie das; von Ihren Leuten hätte keiner ein In- teresse daran, mich in Weitläufigkeiten zu venvickelu; das Fal- sum hat nur jemand begangen, der mich fürchtet und mich ver- derben wollte, um mir die Macht zu nehmen, gegen ihn selbst zu handeln." Ein niederschmetternder Blick aus ihren Augen traf bei diesen Worten Senger. Dieser erkannte jezt erst, welche Feindin ihm gegenüber stand. So lange hatte er nur die Rechtsansprüche gefürchtet, welche sie vertrat und durch Papiere dokumentiren konnte, nun fürchtete er sie selbst, denn er wußte die ganze zornige Ent- schlosscnheit, welche ihm aus ihre» Augen drohte, wohl zu würdigen. Zwei geistig ebenbürtige Gegner standen sich gegenüber, wenn sie auch mit verschiedenen Mitteln und nach weit von einander verschiedenen Prinzipien kämpfte». Er vertrat das Prinzip der pcrsonifizirten Selbstsucht und der Niedrigkeit,— sie das der Tugend und Ehre. Noch stand die Wagschale zwischen beiden gleich; das Zünglein neigte sich nach keiner Seite. Aber der kritische Augenblick war da, der Kampf offen geworden. Sie hatte ihn direkt angegriffen, auch er warf die Maske ab. „Bester Mohrmann," sagte Senger,„Sie lassen mir wohl ein kleines Frühstück serviren, denn dies ist doch,"— gering- schäzig sah er die Dame an,—„der Speisesalon?" Mistreß Jonston war über Sengers Worte und Benehmen empört. „Unverschämter!" konnte sie sich nicht enthalten, auszurufen. „Unarten im Munde hübscher Frauen werden zu Schwei- i chcleicn für einen Mann!" erwiderte Senger mit artiger Höflichkeit, und sezte dann achselznefend hinzu:„Ich bebanre nur, mich nicht rebanchiren zu können, da ich keine Sympatie dafür habe." „Ich sehe," zitterte es von ihren Lippen,„Sie spielen ein wohldurchdachtes Spiel der Verdächtigung gegen mich fort, und hierdurch wird mein Argwohn zur Gewißheit, daß mein Paß durch Ihre Hände gegangen sein muß!" Er trat ihr herausfordernd entgegen. „Alles hat seine Grenzen." rief er stolz und hart,„also auch meine Geduld! Geben Sie Ihre Komödie mir gegenüber auf, mir imponiren Sie nicht! Ihr gestriges Eindringen in mein Haus und diese heutige Fortsezung Ihrer Rolle zeigt von Gewandtheit, verspricht Ihnen aber bei mir keinen Erfolg!" Mistreß Jonston wich sprachlos vor Entrüstung zurück; nicht die Rcchtforbcmbe, sondern die Frau hatte er in ihr tödlich getroffen und sie einen Augenblick schach und matt gesezt. Mohrmann beobachtete eine abwartende Politik. Der Baron fühlte sich völlig gelähmt durch diesen so plözlich und furchtbar hereingebrochenen Kampf zwischen einem Manne, den er so hoch verehrte, und einer Frau, deren Schönheit er vom ersten Augenblick an angebetet hatte, und die ihm jezt — von ihm kompetenter Seite— so schwer verdächtigt wurde. Senger übersah sogleich, daß Mistreß Jonston die Fassung verloren hatte; er benuzte seinen Vorteil und ließ sie garnicht wieder zur Besinnung kommen. „Wechseln Sie lieber den Gegenstand," höhnte er mit glatter Zunge weiter, faßte die Hand des Barons und schob den jungen Mann, ehe dieser es hindern konnte, bis dicht vor die Dame, „hier, vielleicht Herrn von Warren, dessen Bekanntschaft Sie ja auch schon gemacht haben. Er ist noch in den Jahren der Illusionen und jeder Täuschung leichter zugänglich!" Dann wandte er sich um und ließ sich auf einen Sessel nieder, als ob nun für ihn die Sache abgetan fei. Mistreß Jonston stieß einen Schrei aus, tiefes Erröten flog über ihr Gesicht. „Ah--" sagte sie zuerst mit stockender, aber allmälich wieder fester werdender Stimme,„ich fange an zu begreifen, daß der Kampf, in welchen ich mich eingelassen, schwerer ist, als ich glaubte! Ich habe Sie noch nnterschäzt, aber durch Ihr Benehmen fühle ich mich meines Versprechens gegen Sie entledigt, ich bewillige Ihnen die drei Tage Frist nicht mehr, und werde noch heute gegen Sie vorgehen!" Senger durfte sich de» beiden andern Herren gegenüber nicht merken lassen, daß er sie verstände, deshalb lachte er spöttisch und rief: „Ha, ha, ha! Eine neue Wendung!" Der erste, den Mistreß Jonstou aufzuklären wünschte, war Barron Warren. Es war ihr unerträglich, in seiner Gegenwart so beleidigt worden zu sei». Was sie sonst lange überlegt hätte, tat sie unter diesen Umständen ohne Bedenken. ..Herr Baron/ wandte sie sich an diesen,„Sie sagten vorhin, daß Sie gekommen wären, mich zu sehen, wohlan, jezt bitte ich Sie, mich auf mein Zimmer zu begleiten!" Scngcr lachte höhnisch auf, während er im stillen überlegte, wie er jene beiden am schnellsten trennen könne. „Ich werde," fuhr Mistreß Jonston zum Baron fort.„Sie bitten, von einigen Papieren Kenntnis zu nehmen, die jenen Mann betreffen." „Papier ist geduldig, das beweist jener Paß!" höhnte Senger weiter. Der Baron, der sich inzwischen wieder gesammelt hatte, war an die Tarne herangetreten und versuchte, sie zu beruhigen. "Was Ihren Paß betrifft," sagte er zu ihr,„so müssen Sie Sich täuschen, den» Herr Senger kann bei einer Fälschung desselben keinesfalls beteiligt fein, dafür bürge ich Ihnen." "Sie waren soeben lange genug mit diesem Herrn zusammen," antwortete sie.„um nicht seinem Einflüsse hierin bereits unterlegen zu sein." „Gnädige Frau," beteuerte der Baron, dem es angenehm war, Senger in Schuz nehmen zu können,„Sie täuschen �ich gewiß, denn wie Sie eintraten, war zwischen uns nur die Rede von Geschäften." Senger konnte einen Fluch nicht unterdrücken. „Tölpel!" knirschte er zwischen den Zähnen. Das Gespräch nahm die für ihn allcrfchlimmste Wendling. wenn Mistreß Jonston weiteren Einblick in seine Pläne bekommen sollte. Er stand heftig auf. „Endigen mir," rief er,„Herr Mohrmann, ich bat um Frühstück!" Der Hotelier übersah insoweit die Gefahr, als es sich»w Vereitelung eines lockenden Gewinns handelte, und kam Senger zuhilfe. „Ich werde hier ferbiren lassen," sagte er, und machte absichtliches Geräusch durch Rücken eines Tisches und Klapper» mit silbernen Messern und Gabeln, um die weitere Unterhaltung zu stören. „Geschäfte?" meinte Mistreß Jonston ungläubig. Senger ergriff die Hand des Barons und wollte ihn vo» der Engländerin entfernen. Aber der Baron blieb hartnackig stehen; er wollte bnrcha»- zwischen jenen beiden vermitteln, da er in feiner Ehrenhaftigkeit noch immer an ein Mißverständnis zwischen ihnen glaubte. „Wir sprachen nur von mir," versicherte er der Tamr> „Herr Senger wollte mir bei dem Verkaufe meiner Güter t'c> behilflich fein und erbot sich, die Geldverhältnisse dabei zu vf! gntiren." Das Wort war gesprochen, die Wirkung folgte nnmittell'»r- Senger stampfte mit dem Fuße auf, feine Selbstbeherrschung ließ ihn jezt doch im Stich. Run galt es einen Kampf um Leben und Tod. Mistreß Jonston stieß einen Schrei aus. Sie vergaß einen Augenblick ihre eigene Lage und fch1»'C!' kurze Zeit, als ob plözlich das Aufzucken eines Blizcs ihr ei»1'1' neuen Abgrund auf nächtlichem Pfade gezeigt hätte. „Ho!" rief sie dann wie elektrisirt von der neuen ff»1 deckung,„sollte es so stehen? Dann bin ich vielleicht»l"'' Himmel bestimmt, ein neues Bubenstück zu vereiteln!" i''' Mitleid veranlagte sie, aus ihrer lezteu Reserve herauszutretr» was sie sonst nicht getan hatte, das tat sie jezt aus Besorg»1' für den Baron. Sie ergriff dessen Hand und beschwor ih»»" aller Beredsamkeit, die ihr zugebote stand, ihr zu folgen. i Aber auch Senger versuchte feinen Einfluß auf den V»1� geltend zu machen. Seine Lage war um so schwieriger, d»,1 eine Dame zu bekämpscu hatte, auf welche er als solche 3ü» ficht nehmen mußte, wenigstens äußerlich. Er durfte nin»»e mehr aus feiner Rolle als Kavalier fallen; er würde bab»1' unbedingt den Baron gegen sich selbst herausgefordert Hab»»- Auf Mohrmanns Läuten war der Oberkellner ersch'CI,f' um auf Weisung seines Herrn einen kleinen Tisch zum Xeje»» für Senger in Ordnung zu sezen. wj Tann eilte KapS nach der Küche und ließ dort ein~aVi: mit kaltem Braten und Austern garniren, das Georg'» 1 Speisesaal tragen sollte..„ Mohrmann ging unruhig auf und ab, rückte hier r»1� Stuhl zurecht und ordnete dort etwas auf einem Tisch- völlig in Ordnung war, und schaute dabei verstohlen»»� ,, ängstlicher Erwartung auf die Gruppe, in bereu Miltrst»1 sich der ratlose Baron befand. Der junge Manu wußte»' � ob er sich der Dame ober dem lang bewahrte» Freunde» wenden sollte; er war in größter Verlegenheit, jene lH' plözlich sich in so offener Feindschaft gegenüber stehe11 5 sehen. � Georg trat ein und sezte das Tadlet mit dem 5l" L auf den Tisch und entfernte sich dann sogleich wieder, m» : Flasche Wein zu holen, dessen Marke ihm von bezeichnet worden war. Senger zeigte nach dem servirte.i Tisch. --Herr Baron, darf ich Sie bitten, beim Friihstiick mein zu sein?" Mistreß Jonston sah mit Schmerz seine Unschlüssigkeit. , �ber es galt nicht ihr, sondern sein Wohl, da durfte sie zaudern. Sie nahm ihre Zuflucht zur stärksten Waffe der vranen, gegen welche männliche Kraft fast stets zur Ohnmacht zur Liebenswürdigkeit. SDJit dem holdesten Schmcicheltone flehte sie zum Baron: "Icein Hern, nur wenige Minuten für mich und Sie werden >eles anders beurteilen! Können Sie dem angstvollen Flehen enier Freundin widerstehen?•" Baron unterlag dem Zanber der reizenden Frau. � Er machte ihr eine bejahende Verbeugung und sagte zu knger wie entschuldigend, daß er bald zurück sein würde. gerettet!" jauchzte Mistreß Jonston und zog den Baron Tür, auf dessen Schwelle sie sich noch einmal umwandte. , lüßc weibliche Ton ihrer Stimme war verschwunden, l>� Seiiger kräftig zurückrief: �czezt für Sie keine Schonung mehr!" Dann schloß sich hinker ihr und Herrn von Warren die Tür. Senger brach fast vor Wut zusammen, als er sein Opfer .-»»"Ntan entschlüpfen sah. Er war keines Wortes mächtig, v streckte nur drohend die geballte Faust in der Richtung Djw aus, durch welche Mistreß Jonston verschwunden war. "Wer ist denn diese Frau?" fragte Mohrmann unruhig, Schaden?� ����uten ihre Anspielungen? Kann sie Ihnen dcrl".� Teufel hat sie hergeführt! Zum crstenmale im Leben »lanT"•'*.1IIC'ne ruhige Besonnenheit und der Aergcr über- aleiru �"st' denn alles ist verloren, wenn wir nicht so- «lir st»den, sie unschädlich zu machen!" Motu-'" welchen Beziehungen stehen Sic zu ihr?" fragte kür bem die Ahnung ausdämmerte, wie gefährlich >hni h Verbindung mit Senger werden könnte, da leztcrcr �schien � e'ncm"wl zweifelhafteren Lichte als jemals gleichgittig!" fuhr Scnger auf.„Es genüge fürchten ist! Denken Sie, daß es eine den., Pchue-Tame ist, und helfen Sie mir, sie vcrschwin- fälagcn!" fn'®'e verstehen es ja ausgezeichnet, Volte zu �t'tc über diesen grausamen Spott zusammen. er von Hotelier fühlte nur allzusehr, wie abhängig ,le'cm Manne war, deni er, da derselbe sein Geheininis es cn Spiels kannte, zu Diensten sein niußte, so oft er �"�langte. Eham!"!]ci stz/e sich an den servirtcn Tisch, da Georg mit deni �'rklickr""trat, und fing scheinbar an, zu frühstücken. In Pläne nh''"avtcrtc l'ch sein Gehirn mit der Erfindung neuer Zu verderben s"mmtlich darauf hinausliefen, Mistreß Jonston �eil tonnte keine weiteren Fragen an ihn stellen, egenwart des Kellners dies unmöglich machte. Nach wenigen Minuten stand Senger auf, zog niit Georgs Hilfe seinen Paletot an, ergriff seinen Hut und verließ nach kurzem Abschiedsgruß gegen Mohrmann das Hotel. Mohrmann verneigte sich zwar sehr artig vor dem Fort- gehenden, dachte aber im stillen gleichzeitig: „O, nur eine Gelegenheit, mich von ihm zu befreien; und wär's auch durch seinen Untergang; ich trüge dazu bei, wenn ich nur nicht selbst kompromittirt würde!" 8. Tas Veilchenniädchen. Als Mistreß Jonston mit dem Baron in ihr Zimmer ein- getreten war, schleuderte sie Paletot, Sonnenschirm und Hut weit von sich, so daß diese Sachen unordentlich ans den Teppich niederfielen. Sic wollte dem Baron einen Stuhl anbieten, aber die Stimme versagte ihr. Das Mißliche ihrer Lage stand ihr plözlich vor Augen, die Spannung des Zorns, die sie bis jezt aufrecht erhalten hatte, verschwand, da sie den Gehaßten, der ihren Zorn erregt hatte, nicht mehr vor sich sah, ihre Kraft verließ sie immer mehr,— sie sank auf das Sopha, verbarg ihr Gesicht in den Händen und weinte bitterlich. Die Teilnahme des Barons für die so arg geschmähte und verfolgte Dame stieg bei diesem Anblick ans das höchste. Bis jezt hatte er Mistreß Jonston nur in vollster Kraft und blühender Schönheit vor sich gesehen, jezt wurde er durch ihren Schmerz gerührt. Ihre herrliche Gestalt erbebte kpnvnl- sivisch durch den Ausbruch des lang verhaltenen Schmerzes, und krampfhast rang sie ihre Hände, bis sie allmälich ruhiger wurde und die eine ihrer schönen weißen Hände kraftlos auf die Falten des herabhängenden Seidenkleides niedersank, während die andere das mit Spizen umsäumte Taschentuch vor die Augen drückte. Die Bewunderung, die den Baron für die schöne Frau erfüllte, wäre allein wohl noch nicht die Veranlassung zu einem Geständnis geworden, das jezt durch die Umstände beschleunigt wurde. Dieser Bewunderung gesellte sich nun das Mitleid hinzu; in dem Verlangen, sie trösten zu können, beugte er sich zu ihr hinab, ergriff ihre Hand und drückte einen ehrfurchts- volle» Kuß auf dieselbe. Erschreckt fuhr Mistreß Jonston in die Höhe und entzog ihm niit zürnendem Blick heftig ihre Hand. „Kann ein Zeichen meiner Liebe Sie vcrlezcn?" fragte er, durch den zornigen Ausdruck ihres Gesichts eingeschüchtert»nd verwirrt. „Wer mir in diesem Augenblick von Liebe sprechen kann," rief sie,„beleidigt mich! Welch eine Liebe kann es sein, die man einer Abenteurerin weiht, als welche mich jener Elende bezeichnet hat?!" „Ich glaube an Sie, wie an mich selbst!" entgegnete er mit dem Tone tiefster Ucberzengung. Sic sah ihn fest an; der Ausdruck des Zorns verschwand von ihrem Gesicht»nd machte einer tiefen Traurigkeit Plaz. cJorlsezung solgl.» Der Bau des menschlichen Körpers. *«.5 Ei»- sFTÄÄ «"gerichtet. Er stellt sich dar als ein.'-�rmössming"" er mit den Lippen beginnt und mit a- ülltt(Anns) endet.. Vr Gesichtshaut und welche ein Muskel eingebettet ist. der die W" —---... jjet Lagerung > b. tj. eine Verdopplung der Haut, bestehen ' vantplatte über einer andern. Skizze von Wrrmc» Geifer. (Sorlicjinifl.) förmig umgibt und der Schließmuskel des Mundes(musculus orbicularis oris) genannt wirb. An diesen von. den Lippen gebildeten, Mund genannten Eingang in den Vcrdaunngskanal schließt sich die Mundhöhle (cavum oris) an, die nach hinten in die Rachenhöhle oder den Schlundkopf(pliarynx) übergeht. Tie Mundhöhle besteht ans zwei Teilen, einer vorderen Höhle(vestibulum oris), welche bei geschlossenen Kiefern den Raum zwischen den Lippen mit den Wangen und den Kiefern stimmt den Zähnen bildet; und einer inneren Höhle, der cigcnt- lichen Mundhöhle, welche vorn und an den Seiten von den -J "N. Zähnen, oben bon dem harten nnd weichen Gaumen und unten von der Muskclschicht eingeschlossen wird, ans der und durch die die Zunge bewegt wird. Der harte Gaumen(palatum durum) ist die quere knöcherne Scheidewand zwischen Mund- und Nasenhöhle; seine Grundlage bilden in den vordem zwei Drittteilen die Gaumen- fortsäze der Oberkieserbeine, in dem hintern lezten Drittel die des Gaumenbeins. Am hintern horizontalen Rande der Gaumenbeine befindet sich der, ans einer wulstigen, aus zwei Schleimhautplatten ge- bildeten Falte bestehende, weiche Gaumen(palatum molle), auch das Gaumensegel(velum palatinum) genannt, der nahezu ebensolaug ist, als der knöcherne Gaumen, und von dessen Hinterem Rande nach unten und rückwärts gegen die Zungen- Wurzel hinabgeht. Mitten im freien unteren Rande des Gaumensegels ist ein länglicher, stumpf zugcspizter Vorsprung, das Zäpfchen(uvula) augebracht, zu dessen beiden Seiten sich die Gaumenbögcn befinden, von welchen der untere vordere, der Zungengaumcnbvgen, bis zum Rande der Zuugenwurzel hingeht, während der Hintere obere, der Schlundgaumeu- bogen, sich seitlich in die Schleimhaut des Rachens verliert. Zwischen den beiden Gaumen- bögen bleibt an jeder Seite eine drei- eckige Vertiefung; in denselben liegen die Mandeln(tonsillae), d. s. von der Schleimhaut umgebene Anhäusun- gen von Balgdrüsen mit Sekretions- kanälen*), die im entzündlichen Zu- stand den Schlund versperren können. Die Oeffnuug, welche von dem hintern Teil des Zungenrückens, dem weichen Gaumen und den Gaumen- bögen gebildet wird, heißt die Rachen- enge(isthmus faucium) und ist der Eingang zum Rachen. Dieser ist ein muskelhäutiger; fast senkrecht abwärts gehender nnd sich trichterförmig verengernder Schlauch, der außer niit der Mundhöhle noch mit der Nasenhöhle und nach unten mit der Kehlkopshöhle in Verbindung steht und in der Gegend des fünften Halswirbels in die Speiseröhre übergeht. Die Speiseröhre, auch Schlund genannt(Oesophagus), ist eine muskelhäutige, innen mit faltiger Schleimhaut ausgekleidete Röhre etwa von Fingerdicke, welche hinter der Luströhre und vor der Wirbelsäule in die Brusthöhle hinabsteigt, hier rechts neben der absteigenden Aorta bis zum Zwerchfell(ü)**) geht, dieses in der Höhe des neunten Brustwirbels durch ein Loch(das Foramen oesophageum) passirt, um in die Bauch- höhle einzutreten und hier sofort in den Magen überzugehen. Der Magen, ventriculus, auch gaster oder stomachus(ma), liegt also unmittelbar unter dem Zwerchfell; nach unten grenzt er an das Oucrstück des Grimmdarms, nach vom an die Bauch- wand und den linken Leberlappen, hinten an die Bauchspeichel- brüst, rechts an die ihn zumteil verdeckende Leber(le) und nach links an die Milz(mi). Seine Gestalt(vgl. Fig. 7, S. 17) ist die eines Dudelsacks; er ist etwa 34 Zentimeter lang und 12 bis 15 Zentimeter breit und damit der weiteste Teil des Vcrdaunngskanals. Bei Männern faßt er ungefähr drei, bei Frauen zwei Kilogramm Flüssigkeit. ») Sekretion heißt die Ausscheidung von Flüssigkeiten im menschlichen Körper. **) Die so eingeklammerten kleinen lateinischen Buchstaben beziehen sich alle aus die hier gegebene Figur S. Die Magenwand wird gebildet aus drei Häuten, dem nach außen gewundenen Bauchfellüberzug, welcher ein Teil des Bauch* fellsacks ist, der in der Mitte zwischen den beiden andern Häuten befindlichen Muskelhaut nnd der Schleinihaut. Die Eintrittsöffnung der Speiseröhre in den Magen(Gardia) heißt auch der Mageumund(ostium oesophageum). Die enge ringförmige Oeffnung des Magens in den Zwölffingerdarm wird der Pförtner(pylorus)(p) genannt. An diesem befindet sich eine durch ein Bündel von Ring- fasem gebildete fadenartige Schleimhauterhebung, die Pförtner- klappe(valvula pylori), welche den Magen gegen den Zwölf- fingcrdarm abzuschließen vermag, weshalb das obenerwähnte Bündel von Muskelfasem der Schließmuskel des Pförtners heißt Der Zwölffingerdarm(duodenum intestinum) Hat seinen Namen davon, daß er ungefähr so lang ist, als zwölf Fingel breit sind. Er ist der ctivas weitere, hufeisenförmig von recht- oben nach links unten an die Bauchwand angeheftete, die Bauch- speicheldrüse(panereas) umschlicßendc Anfangsteil des Dünndarms(intestinum tenue% welcher leztere der läng� und engste Teil des Verdaunngsrohrr- ist, nämlich bei einer Länge von 5 z1 bis 6 Metern— nahezu viermal l" lang als der ganze menschliche Körp� — nur etwa 3 Zentimeter weit. Der Dünndarm ist in einer MeW sehr beweglicher Schlingen nnd W'"' düngen(du) in die Bauchhöhle gelagert Sein oberer, in der Nabelgegend lcgener Teil heißt Leerdarm(iutesU nem jejunum), sein unterer, den Hül� naheliegender Teil, in welchen der erst' >v>r° ohne bestimmte Grenze übergeht, >») als Krummdarm(intestinum ilö01 bezeichnet. � Dieser leztere geht in seinem � teren Ende in den, Dickdarm(di) � nannten, lezten Teil des Darms � des gesammten Vcrdauungskanals üb' c.t (itf Der Dickdarm(intestinum c***. sum) ist fast noch einmal so weit 0 der Dünndarm und 1 H'a bis l /s lang. Fig. 8. Eingeweide des Bauches auseinandergelegt. Jtetck Er liegt wie ein Kranz»m � «schlingen des Dünndarms Herum" enthält viele Ausbuchtungen, von de" sich die erste gleich an seinem Anst"�' in dem untern Teile der rechten 0.' Hüftgegend, bemerklich innchh Dies' besteht in einem kurzen blinden Da Blinddarm(intestinum coec"� genannt, an welchem sich in dem federkicldickeir 5 bis 3 meter langen Wurmfortsaze(appendicula— oder processw vermiformis) noch ein Anhängsel befindet. � Ein weiterer Teil des Dickdarms ist der Grimmd" (colon), der zunächst als aussteigender Grimmdarm ascedens) von der rechten Beckcnschaufcl zur untern Flädst � Leber emporsteigt, um dann im Quergrimmdarm("JL, transversum) wagcrecht unter dem Magen nach links Hi»u � zugehen, von da als absteigender Grimmdarm(colon des� deus) bis zur linken Darmbcingrube hinunterzusteigen und einer L-förmigen Krümmung(dem S romanum) in den% barm(intestinum rectum) auszulaufen.. Der Mastdarm, dieses lezte Stück des Dickdarms, lP. der hintern Wand der Beckenhöhle etwa 15 Zentimetc' � bogenförmig von oben nach unten und steht durch de» � einem starken ringförmigen Schließmuskel(sphincter an'); gebcnen Aster mit der Welt außerhalb des menschlichen in Verbindung., j Während der Zwölffingerdarm ziemlich fest an der wand anliegt, ist der übrige Dünndarm in seiner Lage buvq) J r 119 9roik, etwa handbreite Falte des Bauchfells, das Gekröse (meseiUcrium) genannt, frei beweglich an die Wirbelsäule angeheftet. Die vielen Krümmungen des Dünndarms bedingen �e Vielsache, halskrausenartige Faltung des Gekröses, woher dieses seinen Namen hat. Der Dickdarm dagegen ist im ganzen ähnlich wie der Zwölffingerdarm fest an seine Unterlage an- gkhestet, nur seine 8-Krümmung hängt loser, und der Quer- grimmharm liegt ganz frei zwischen den beiden Platten des Bauchfells, welches den Magen von hinten und vorn überzieht. Das bereits mehrfach erwähnte Bauchfell(Peritoneum) 'st eine dünne, halb durchsichtige, seröse Haut, welche die ganze �»nensläche der Bauchhöhle und von den darin gelegenen Organen den Magen, den Dann, die Leber und die Milz �allständjg überzieht, indes sie die Gebärmutter und die Harnblase nur teilweise umspannt. Das Bauchfell bildet dem Gekröse»och das die Därme in der Form einer schürze bedeckende große Nez(ne) und das von der oberen Teite des Magens nach hinten zur unteren Seite der Leber gehende kleine Nez. Zur Unterstüzung der Bewegungen der Eingeweide und zur Vermeidung schädlicher Reibungen sondert das Bauchfell für gewöhnlich eine geringe Menge wässeriger Flüssigkeit ab, welche � stets weich und schlüpfrig erhält.—— Haben wir im Vorstehenden uns über die Beschaffenheit des Berdl köinr auungskanals vom Munde bis zum After unterrichtet, so en wir nun daran gehen, uns über den Vorgang der Ber- a>umg selbst aufzuklären. Verdauung besteht in einer derartigen Umwandlung der hx. Ernährung verwendbaren Bestandteile der Speisen, daß zur Ausnahme in die Körpersäste geeignet werden. % Verdauung beginnt bei fester Nahrung bereits im «nde. wo die Speise in erster Linie durch die Zähne zerkleinert p Flüssige Nahrung, die der Zerkleinerung nicht bedarf, dagegen den Mund ohne Aufenthalt. Die meißelfönnigen jjp�sdezahne haben die Aufgabe, die Spcisebiffen abzubeißen; breiten Backenzähnen kommt das Zermalmen derselben zu. duz den Hin- und Hertransport der Speise im Munde hat beweglichste Muskclorgan im Körper, die Zunge(lingua der� s�Ö6"1 welche mit ihrem mittleren Teil an den Boden cm p"dhöhle angewachsen und nach vorn durch eine Falte der pchleimhaut, das Zungenbändchcn, angeheftet ist. de» n der Bewegung der Speisen im Munde werden sie von sond"dspcichcl durchtränkt, der ein Gemisch aus der Ab- der drei Speicheldrüsen mit der Absonderung der, lüfcrf/" genannten, mit einem dichten Nez feiner Blutgc- umsponnenen Säckchen ist, wie sie sich in der Mund- wchaut zahlreich vorfinden. Cfitt IC.�beicheldrüsen sind paarige Organe; die größte, die �lbeicheldrüse(glanäula parotis), mündet in der Gegend des Aji,,°bern Backenzahns durch die Wangenschleimhaut in die l°.?le, die andern, die Unterkieferdrüse(glanclula lin}, ax.lllaris) und die Unterzungendrüse(glauckula sub- � n Ausführungsöffnungcn am Boden der Mstc in der Gegend des Zungenbändchens. schwach' �cichclgcmisch zeigt sich als eine wässerige, schaumige, ' 2'|abciijichciibe Substanz, welche farblos ist und nur etwa bemert � an festen Bestandteilen enthält, unter denen am ein nnI"§®er*C�en ßnd der sogenannte Speichelstoff, Ptyalin, widern R grauer bekannter Gährungsstoff, und das in keinem � Bestandteile des Körpers vorkommcnde Rhodankalium. werd-,? innigen Vermischung der Speisen mit dem Speichel rv. invp frtfttu:-.- /~ i rr. rf»fr: r____ v IC �.�9 znr ßCr?'«1"1 ber Einrichtung der Mund- und Rachenhöhle gesck�' igung des ihnen zugewiesenen Teils des Verdauungs- gründlichst bewährt.!_ „Ter Bau der hintern Teile des Mundes, des Gauniens und der Rachenhöhle," sagt Vogt*),„ist vorzüglich darauf be- rechnet, den Bissen auf seinem richtigen Wege zu erhalten, und ihn weder nach oben in die hintern Nasenöffnungen, noch nach vorn in den Kehlkopf und die Luftröhre ausrutschen zu lassen. Das weiche Segel des Gaumens, das im hintern Teile der Mundhöhle herabhängt, bildet gewissermaßen einen Teppich- Vorhang, den der Bissen wegdrängen und aufheben muß, um in den Schlund zu gelangen. Bon der Seite her wirken die Gaumenbogen, welche man bei geöffnetem Munde sieht, durch ihr Zusammentreten. So von allen Seiten eingeschlossen und gedrängt, schlüpft der Bissen unter dem Gaumensegel durch und über den Kehldeckel weg in den Anfang des Schlundes, von wo er durch die Zusammenziehung der Muskelfasern abwärts in den Magen getrieben wird. Die Ocffnung der Stimmrize im Kehlkopf bietet eine ganz besondere Schwierigkeit aus diesem Wege. Die Rachenhöhle hinter dem Gaumensegel ist der Kren- zungspunkt des Lustweges und des Nahrungswcges. Die Speise- röhre liegt unmittelbar an der Wirbelsäule an,— jeder Bissen streicht also über die Stimmrize weg nach hinten in die Speise- röhre,— jeder Atemzug durchsezt quer den Spciseweg. Der Kehldeckel schließt die Stimmrize bcinc Hinabschlncken,— er klappt sich nach hinten über. Ist dieser Schluß unvollständig, so gelangt leicht der Bissen an die Stimmrize, die äußerst empfindlich ist, oder selbst in den Kehlkopf. Husten, Erstickungs- zufälle sind die Folgen des Berschluckens." Tic dem Willen nicht unterworfenen, peristaltischcn**) Be- wkgungen der Muskelfasern in der Speiseröhre schieben nun das eingespeichelte und darum leicht transportable Spcisegemenge in den Magen, den man bis vor noch nicht gar langer Zeit für das Hanptorgan, ja sogar für das einzige Organ der Ver- dauung gehalten hat. In ihm findet die Vermischung des Nahrungsbreies mit dem Sekret der in außerordentlich großer Menge die ganze Magenschleimhaut dicht bedeckenden L a b d r ü s e n statt, winziger zylindrischer Schläuche, welche sich trichterförmig öffnen. Dieses Sekret ist der sogenannte Magensaft(Labsaft), dessen physiolo- gisch wichtige Bestandteile außer dem in der Menge von 98 Proz. vorhandenen Wasser freie Salzsäure in einer Quantität von �/ioo Prozent und Pepsin �cooo Prozent sind; daneben enthält der Magensaft Chlornatrium, Chlorkalium, Chlormagne- sium, Spuren von Eisenchlorür, phosphorsaurcn Erden, Peptone und tvohl auch Spuren von Fett. Die Menge des gesammtcn innerhalb 24 Stunden zur Ausscheidung aus den Labdrüsen gelangenden Magensafts ist auf 25 bis 30 Pfund berechnet worden. Das Pepsin ist das Magenferment, der Gährungsstoff des Magens. Es besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff und ist löslich in Wasser und fällbar durch Alkohol. Die Hauptwirkung des Magensaftes besteht darin, sämmt- liche Proteinkörper***), gleichviel ob sie im löslichen oder geronnenen Zustande, innerhalb oder außerhalb des Magens mit dem Magensaft in Berührung kommen, zu lösen und die ge- lösten Eiweißstoffe(Albuminstoffe) und die Albuminoide genann- ten Leime und leimgebcndcn Gewebe in Peptone überzu- führen. Diese Peptone sind Modifikationen der Protcinkörper, welche von diesen wesentlich verschieden sind. Sie sind, nach Funke, leicht löslich in Wasser, während kein einziger Eiwcißkörper in Wasser wirklich löslich ist; durch Kochen werden sie nicht ver- ändert, auch sind sie weder durch Säure», noch durch Alkaline fällbar, wohl aber durch Ammoniak, Quecksilberchlorid und Blei- essig. Während ferner die Albuminate im sogenannten löslichen Zustande sehr schwer oder garnicht durch tierische Membranen durchdringen(diffundiren), diffundiren die Peptone sehr leicht durch die Membranen. *) a. a. O. S. 63. **) Pcristaltisch wird die wurmartige Bewegung des Verdauungs- schlauches genannt. ***) Eiwcißartige Körper. — r 122 Ebenso verhält es sich mit dem Filtriren der Albuminate und Peptone durch Membrane. Dasselbe geht bei den ersteren auch unter Druck sehr schwer vor sich und liefert eine ver- dünntere Lösung, indes es bei den Pcptinlösungen sehr leicht vor sich geht und diese nicht verdiinnt. Mechanisch lösend wirkt der Labsaft auf Zucker, Gummi, Dextrin und mehrere Salze. Dagegen ist er chemisch wirkungs- los, d. h. ohne Einfluß auf die Zusammensezung der betreffenden Stoffe, auf Fette, Ccllulose, Stärke, Zucker, Wachs, Horn und elastisches Gewebe. Begünstigt wird die Wirkung des Magensaftes durch den Zusaz geringer Mengen Fett, vermindert durch Zusaz von Alkaliialzen und zuviel freie Säure; vollständig aufgehoben durch Kochen, Neutralisation, Galle, Gerbsäure, arsenige Säure, schweflige Säure und viele Mctallsalze. Den mit Speichel und Schleim durchfeuchteten Speisedrei möglichst innig mit dem Labsaft zu mischen, dazu dienen die Bewegungen des Magens. Also nicht, wie man früher allgemein annahm, um die Speisen zu zerreiben*1), übt der Magen eine energische Bewegungstätigkeit aus, sondern er dreht sich und seine Wände kontrahiren sich langsam peristaltisch, um die Speisen mit allen Teilen der Magenschleimhaut in gleitende Berührung zu bringen. Ist der Magen mit Speise gefüllt, so geht er aus der senkrechten Lage in eine mehr wagercchtc über; seine große Kriimmung(Curvatur) wendet sich nach vorn und oben. Der Bissen, der durch die Mündung der Speiseröhre in den Magen gekommen ist, wird nun durch die Zusammenzichung der Muskelfasern links hin zum Magengrund und an der großen Curvatur hin bis zum Pförtner geschoben, von da zurück an der kleinen Curvatur hin, bis er wieder bei der Cardia(Ma- genmund) angelangt ist, von wo er den Weg an der großen Curvatur entlang zum Pylorus von neuem antreten niuß. Entwickeln sich bei der Magenverdauung Gase, so müssen sie ihrer Leichtigkeit wegen nach oben, d. i. durch die Cardia in die Speiseröhre und den Mund entweichen,— es„stößt" dem Verdauenden„auf". Haben die Gase kleine Mengen der sauren Magenflüssigkeit mit sich fortgerissen, wie es oft geschieht, so ist das Aufstoßen von einem brennenden Gefühl begleitet. Entgegen den früheren Annahmen weiß man jezt, daß mit der Magenverdauung die Verdauung überhaupt noch nicht *) Was man von dem menschlichen Magen fälschlich annahm, trifft bei anderen, z. B. dem der Hühner und anderer Vögel zu. Die starken Muskclwände des Vogelmagens zerkleinern die Nahrung me» chanisch, indem sie wie Reibplatten gegeneinandcrwirken. Die Magen- tätigkeit der Tiere ist überhaupt eine sehr verschiedenartige; der Magen der Krebse und einiger Insekten hat sogar Zähne auszuweisen. beendet ist. Sie wird vielmehr in den Därmen fortgesezt. Dem durch den Pförtner in den Zlvölffingerdarm eingeschobenen sauren Speisebrei wird hier Galle und pankreatischer Saft beigemischt, und überall, wo der Speisedrei in den Därmen hinkommt, kommt er mit Darmsaft in verdauungfördernde Berührung.| Die Galle,(bilis, fei), eine gelbliche, auch grünliche. braungrüne, selbst teerschwarze, sadenziehcndc, schäumende, schleimige Flüssigkeit von eigentümlich widerlichem Geruch und stark bitterm Geschmack, ist ein Produkt der Leber, welche bei normalen ausgewachsenen Menschen etwa 1 Hz Kilogramm davon alle 24 Stunden hervorbringt. Die Galle unterstüzt die Aufnahme der Fette aus dem Nahrungsbrei derart, daß ohne sie nur eine sehr geringe, den Bedürfnissen des Körpers nicht genügende Menge in die Körper- säste übergehen würde. Die Galle färbt den Speisebrei zu- nächst grünlich und dann allmälich braun und gibt ihm den Kotgeruch. Der pankreatische Saft, auch Bauch spcichel genannt, ist das Sekret der Banchspcicheldriise(Pankreas), die in ihrer Beschaffenheit den Speicheldrüsen des Mundes sehr ähnlich ist. Er ist eine klare, färb- und geruchlose, zähflüssige, klebrige stark alkalische Flüssigkeit von eigentümlichem Geschmack; er zer- sezt sich leicht und wird durch Hize, Alkohol und Atetallsalze koagulirt*). Die Wirkung des Bauchspeichels besteht darin, daß er gleich dem Mundspeichel'Stärkemehl in Dextrin und; Zucker umwandelt, die Fette durch Verseifung zur Aufnahm� in die Körpersäftc vorbereitet und geronnene Euveißkörper und leimgebende Substanzen auflöst und in Peptone überführt. Der Darm fast endlich ist das Sekret der in ungeheurer Anzahl in der Darmschlcimhaut vorhandenen sogenannten Lieber-| kühn'schen Drüsen; er ist dünnflüssig, von weingelber Farbe und riecht stark alkalisch. Aehnlich wie der Bauchspeichel lost er Eiweißkörpcr und Faserstoff auf und verwandelt Starke i11> Dextrin und Zucker. Bei den peristaltischcn Darmbewegungen, die weniger Zwölffingerdarm als im Dünndarm sehr energisch geschehen- im Dickdarm jedoch sehr langsames Tempo annehmen, wird der Speisebrei unter normalen Umständen des größten Teils seines nährenden Bestandteile, welche ihm die Magenverdaunng""4 übrig gelassen hat, beraubt und langsam— in etwa sechs b«» fünfzehn Stunden— bis zum Mastdarm transportirt; dort werden die unverdaulichen Ucbcrrestc als Kot nach außen, entleert. __(Fortscjung folflW' *) Zum Gerinnen gebracht. Unsere Illustrationen. Tamenkcgclklnb in New-Bork.(S. 103.) Tie Amerikanerinnen können eine Menge von Eigenschaften und Gepflogenheiten ausweisen, die ffch von denen unserer europäischen Damenwelt wesentlich unter- scheiden. Vor allem ist an der echten Amerikanerin eine größere Selbständigkeit, eine Eigenschaft, die wir nur als vortrefflich anzu- erkennen uns verpflichtet fühlen, wenngleich man im alten verschrobenen Europa für alle solche Eigenschaften die verrufene Bezeichnung„Eman- zipation" hat. Es gibt bei uns tatsächlich Leute, die glauben, die „Emanzipation" der Damen bestünde dann, daß dieselben, etwa wie unsere Studenten, rauchen, Bier trinken und sich ganz so uugenirt aus- sühren, wie etwa gewisse Kategorien unserer Studentenschaft. Es ist auch nicht in Abrede zu stellen, daß unter dem Namen„Frauen- emanzipation" sich in Amerika, vielleicht auch in England, verschiedene Extravaganzen verbergen. Aber im Ganzen und Großen handelt es sich nur darum, für die Frauen jene Selbständigkeit zu erringen, die sie davor bewahrt, sich dem Manne gegenüber in der leider alther- gebrachten Abhängigkeit zu befinden. Daß bei uns verschiedene Frauen- kreise bemüht sind, dieses Bestreben selbst herabzusczen und verächtlich zu machen, ist uns ein Beweis, mit welch bedauernswürdigem Mangel an Verständnis viele Frauen noch ihren eigensten Jnteressenftagen gegenüberstehen. Man wird in diesen Dingen mit Neuerungen vor- sichtig sein muffen; ganz energisch aber müssen die alten Vorurteile bc- kämpft werden, welche bisher die Frau in der Tat in einer Kuech»� erhalten haben, die uns nur deshalb weniger verwerflich erscheint,# wir an dieselbe gewöhnt sind.„ Natürlich kann der gebildete Mensch von Selbständigkeit der FM# nicht jene rohen Anschauungen haben, die gewissen Industriellen s'öst ist, welche glauben, die Frau sei selbständig, wenn sie nur„miterwerbc,, dürfe. Die Frau in der Fabrik bedeutet nicht nur die Herabsezung- Löhne, sondern auch die Auslösung der Familie, die Depravation s' kommenden Geschlechts. Leider hat die Gesezgebnng hierauf noch JJ die gebührende Rücksicht genomnien, trozdcm die Berichte der F� Inspektoren dazu mehr als genügende Veranlassung geben...s, Selbst Kegelklubs von Damen, ein an und für sich doch � unschuldiges Vergnügen, wird man bei uns nicht leicht ohne eine wisse Prüderie betrachten und dem zugleich als ganz gesunde Lew. Übung dienenden Kegelspiel Dinge unterschieben, an welche die A»'' kancrinnen auch nicht entfernt denken. Sie werden sich aber dar» nicht kümmern und daran tun sie auch ganz recht. Denn sie wie die Engländerinnen, die körperlichen Hebungen und zeige» o» nicht die manchmal recht albern erscheinende Zurückhaltung une Modedamen. Unser Bild zeigt uns solch einen Damcnkegelklub in Tät'g�.� schon der Anblick der Sache selbst kann uns beweisen, wie wewiL Einwürfe gegen dies famose Vergnügen gerechtfertigt sind.■A' 123 Ein Wetter kommt!(Seite 112—113.) Der blaue See hat sich w sein schönstes Gewand gehüllt. Glatt wie ein Spiegel liegt er da, glänzend im Sonnenstrahl: die Oberstäche wird nur hier und da von °sn Ringen eines leichten Wellenschlags gekräuselt, wenn ein Fisch vor -vergnügen sich in die Höhe schnellt und wieder ins Wasser zurück- plumpst. Kaum streicht ein Hauch über die blanke Fläche, die man dald von flinken Ruderbooten durchfurcht sieht. Die Fischer ziehen pst-'h hinaus, um ihre Neze anszuwersen, und bald bedeckt sich der ■ooden der Fahrzeuge mit den stummen, zappelnden Bewohnern des jj�s, die heute noch in den Pfannen der Gasthöfe prasseln werden. aber nicht nur die Fischer, auch andere Bewohner des Seegestades dcnuzen das schöne Wetter, um eine Seefahrt zu machen. Nicht nur »um Vergnügen; allerlei Geschäfte treiben dazu an, und wer nicht viel auszugeben vermag und sich auf die Kraft seiner Arme beim Rudern Massen kann, der wartet nicht den Dampfer oder die Fähre ab, son- macht sein kleines Boot los und treibt es mit raschen Ruder- lchlagcn dahin. . Aber der See ist ein heimtückischer Gesell; unter der klaren Decke iV irt Muhende Gefahr und Not. Der See liebt es, seine Launen stylen zu lassen. Während sich noch alles fröhlich auf dem See um- Anreibt, steigen in der Ferne kleine Wölkchen auf, die sich schnell ver- m lenV®er erfahrene Fischer kennt diese Vorboten des Sturmes und Irf» J'4 bald auf den Heimweg. Wehe dem, der sich mit seinem Mwanken Kahn verspätet und unter die tobenden Fluten gerät. Der e Jl' gar gierig nach solchen Opfern. . �ar Himmel ist voll dunklen Gewölks, die Mövcn flattern kreischend lor apar noch immer hat der See seine trügerische Glätte nicht ver- Gnsivt �Ur'e'tte Farbe hat ein unheimliches Dunkel angenommen. W-a aber sezt sich auch das Wasser in Bewegung; weisischäumende an �«m"�ben sich, der Sturm kündigt sich in kurzen einzelnen Stößen konin. Schrt ein dumpfes Rollen, das vom Grunde des Sees zu iaat � �eint; es ist aber der Sturm, der die Wogen vor sich her der ffi n. am Horizont zucken einzelne Blize aus dem dichten Gewölk; dem �'"gt ein Wetter und zeigt uns sein düsterstes Antliz, nach- kr vor kurzem noch so freundlich ausgesehen. gebor Rinken Kähne sind längst zum Land geflohen und haben sich »n hp r ban Wogen, die grimmig zum Strand heranrollen und �on, a steinernen Dämmen den weißen Gischt hoch cmporsprizen. Das u»' bas noch draußen geblieben, braucht eine kundige Hand, um Nock 1 7rt,uni) glücklich zum Strand zu gelangen. Und leider ist eins drei«/außen, in dem sich nicht einmal ein Mann befindet. Es trägt &mbe e �ksen. Eine junge Fischersfrau, deren Mann heute am Ee-i-*u tun hat, hat eine Ladung Fische nach der andern Seite des Fabrt- cht; ihre alte Mutter und ihr kleines Töchterchcn haben die noch zugemacht. Auf der Rückkehr haben sie sich verspätet; sie sind zieht Uom Lande und der Sturm bricht los; daS finstere Wetter an bpti, L,1�nen hrrauf. Gierig rollen die Wogen heran und schäumen n,it w, ichlvaaken Kahn empor; die Sturmvögel, die Möven, umkreisen u>Utio- Warnungsschrei das gebrechliche Fahrzeug. Aber die ist,-'�.scherin, die mit den Tücken und Rücken des Sees vertraut listx 3 bus Ruder mit kräftiger Hand; sie wird das Boot sicher zum hinaus Kind sieht furchtlos in die brausenden Wogen lcheintin,. uur die Alte scheint ein wenig furchtsam zu sein; wahr- ®efafcr''e'e'st ein Stoßgebet um gnädige Errettung aus der Köniaa«, 10'rd da gehen wie bei der berühmten Mccrsahrt des den isn/' bei der alle Ritter jammerten, wie sie dem Sturme und entrinnen möchten. Aber, singt Uhland: Der König Karl am Steuer saß, Er hat kein Wort gesprochen, Er lenkt das Schiff mit festem Maß, Bis sich der Sturm gebrochen. Mchthf auch die junge Fischerin, diese vom Künstler so Zeigend, �.Bolksgestalt, den gebrechlichen Kahn mit ihren Lieben kein M Ncher durch den Sturm. Der See rast, aber er wird Aer haben.\\. U. AuS allen Winkeln der bcrun9 hat Hände, ja sie belegen oft Schweinezüchter mit schweren Strafen, wenn diese wagen, Vieh direkt an weiße Schlächter zu verkaufen. Die Chinesen haben das Waschmonopol im ganzen Staate, ebenso wie die Kontrole der Cigarrenmanufaktur, und allein Anschein nach werden sie bald die der Schuh- und Stiefelmanufaktur besizen. Schon ist berechnet worden, daß die Hälfte der ganzen Handarbeit in San Franzisko von Chinesen getan wird._(®iotm8.) Verkehr im Suezkanal 1882. Der stetig zunehmende Verkehr am Suezkanal hat auch im Jahre 1882 ungeachtet der verhängnisvollen Ereignisse keine Einbuße erlitten; im Gegenteil war der Verkehr in dem genannten Jahre der stärkste seit dem Bestände desselben. Es passirten denselben 3198 Schiffe mit einem Tonnengehalte von 6811521 und es wurde eine Einnahme von 60504878 Francs erzielt. Bei diesem Verkehr war England mit 84 Prozent beteiligt. Im Jahre 1881 zählte man 2727 Schiffe mit 5 794 401 Tonnen Gehalt und 51274352 Frcs. Einnahme.__(Ausland.) Furchtbare, feit Monaten anhaltende Regcngüffe richteten in Argen- tinien und besonders im südlichen Teile der Provinz Buenos- Aires große Verwüstungen an. Die Zeitung von St. Nikolas berechnet die Anzahl der durch die Regen allein im Staate Buenos- Aires umgc- kommenen Mutterschafe und Lämmer auf sieben Millionen Stück. Durch Ueberschwemmungen waren einzelne Ortschaften seit Monaten von jedem Verkehr abgeschnitten.(Ausland.) Für unsere Hausfrauen. Uebcr Benuzung und Aufbewahrung de» Obstes. Der Obstsegen dieses Jahres, besonders in Aepfeln, läßt es Wünschens- wert erscheinen, die Früchte möglichst vielseitig und durch zweckmäßige Aufbewahrung möglichst lang zu benüzen. Da das Obst sicherlich in vielen Gegenden um sehr mäßigen Preis verkauft werden wird, so wird man auch in solchen Haushaltungen, wo man keinen Eigenbau hat, in den Stand gesezt sein, sich, wenn auch nur in beschränktem Maße, mancherlei Vorräte für den künftigen Gebrauch einzulegen. So sind z. B. geschälte, geschnizte(gespaltene) und getrocknete Aepfcl in jeder Haushaltung nicht nur eine gute Zuspeise und ein schäzbares Material sür die Küche, sonder» oft ein wahres Labsal für Kranke. Aepfel lassen sich aber überall auch im kleinen leicht trocknen, entweder auf einem Herd oder indem man die Schutze an Fäden aufreiht und an die Lust und Sonne hängt. Kauft man dieselben getrocknet, so ist der Preis in der Regel der zehn- bis dreißigfache der grünen Früchte. Das Trocknen derselben dürfte deshalb in vielen Fällen selbst da der Mühe lohnen, wo man sie, billige Preise vorausgesetzt, zu kaufeil genötigt ist. Wir führen dieS nur als ein Beispiel an. Es gibt aber, wie allgemein bekannt ist, noch vielfache andere Benüzungsarten der verschiedenen Obstsorten, und der Zweck dieser Zeilen ist, einige erprobte Verfahren zu diesem Bchufe, sowie zur Ausbewahrung des Obstes in grünem Zu- stände anzugeben. Ein Vorteil beim Dörren des Obstes.— Nachdem die reifen Früchte geschält und gespalten sind, wobei der Kelch und das Kernhaus auszuschneiden sind, werden die Schnize in glasirte, nicht zu hohe Töpfe getan, aus deren Boden ein wenig Wasser kommt, und mit den Obst- schalen oder einem(nicht eisernen) Deckel zugedeckt und dieser Topf in einen größeren Hasen, worin Wasser kocht, eingestellt und so lange darin gelassen, bis die Früchte oder Schnize so weich sind, daß sie mit einem Strohhalm ohne Beschwerde durchstochen werden können. Dies ist bei vielen Aepfeln schon nach fünf Minuten der Fall, während andere etwas länger brauchen. Den Topf kann man auch in einen Backofen oder in eine Bratröhre stellen. Hieraus werden sie zum Dörren aufgelegt. Dieses Verfahren hat zum Zweck, das Dörren sehr wesent- lich zu beschleunigen. Eine ähnliche Wirkung erzielt man, wenn man die Schnize einige Minuten in kochendes Wasser taucht. Auf dieselbe Weise werden auch Birnen behandelt, die indes nicht geschält und, wenn sie klein sind, ganz gedörrt werden. Ebenso können auch kleine Aepfel gedörrt werden. Sie werden dann wie große geschält, aber nur die Kelche ausgeschnitten. In halb getrocknetem Zustand können sie dann plattgedrückt werden. Obstkraut(Gesälz).— Dieses Produkt ist besonders am Rhein sehr gebräuchlich und bildet einen gesuchten Handelsartikel. Eine ein- fache Bereitungsart ist folgende: Zur Hälfte geschnittene Aepfel, zur Hälfte Runkelrüben(am besten Zuckerrunkeln) werden, jeder Teil be- sonders, halbgar gekocht, abgeseiht und zusammen ausgepreßt. Der ge- sammte so erhaltene Saft wird darauf zu einem Gelee eingekocht. Anstatt Aepfel kann man auch Birnen zur Bereitung dieses Mußes verwenden. So eingekocht wird eS in Steintöpfe gefüllt und mit aus- gelaffenem Rindsfett übergössen. Die rheinischen Fabriken füllen aber daS Obstkraut einfach in Fässer. Ein ähnliches Muß wird allgemein in Amerika unter dem Namen Acpfelbutter bereitet, indem man süßen Aepfelmost zuerst auf die Hälste einkocht, demselben dann eine Hinlängliche Quantität geschälte Aepfclschnize zusezt und darauf unter bestand igem Uniriihren weiter kocht, bis das ganze einen dicken Brei bildet, dem man etwas gestoßenen 124 Zimmt und klein geschnittene Zitronenschale zusezt und ihn endlich, wie oben angegeben, ausbewahrt. Er soll sich mehrere Jahre halten. lieber Äufbcwahrnng des Obstes wird mitgeteilt: Um das im Herbst geerntete Obst lange, bis Ostern, ja bis Pfingsten zum Verbranch aufzuheben, wird dasselbe, wenn vollkommen und reis (die Reinetten bis zum eintretenden Frost, weil, wenn sie früher abge- nommen, sonst zusammenschrumpfen), bei trockener Witterung, und zwar mit Handschuhen vorsichtig abgepflückt, gleichsam wie Eier in ftorbe gelegt, also, um Verlezungen zu verhüten, nicht geworsen, ebenso an eine luftige Stelle, etwa auf dem Speicher, zum Ausschwizen neben einander gelegt, wo es bis zum eintretenden Froste liegen bleibt; als- dann wird es gleich hier auf dem Speicher ebenso vorsichtig in großen Körben, lagen und kreuzweise, mit langem, frischem und ganz trockenem Stroh versehen, verpackt und auf zwei Reihen von hölzernen Unterlagen in den Keller gcsezt. So behalten die Körbe stets Luft von unten und wird das Obst selbst vor Frost geschüzt, ohne durch übermäßige Wärme zu leiden und in Fäulnis überzugehen. — Zur guten Konscrvirung eingeinachtcr Früchte trägt es sehr wesentlich bei, wenn, die Gläser eine Zeit lang,.etwa 8 Tage, aus den Kork gestellt werden. Wenn man sie dann wieder umkehrt, so bildet der anhaftende Fruchtsaft und Zucker einen festen Ueberzug, wodurch alle Poren des Korks verschlossen werden und der Luftzutritt abge- sperrt wird. — Einmachgurken, die schon nach 12 Stunden genießbar sind, kann man auf folgende Weise bereiten: Man gibt in das Gefäß starken Essig, sogenannten Essigsprit oder Doppelessig, und einige grüne Schoten von spanischem Pfeffer sPaprika), die man in Stücke schneidet. In diesen Essig, den man vorher heiß macht, legt man unter Zusaz der nötigen Gewürze die in gewöhnlicher Weise vorbereiteten Gurken und verschließt das Einmachglas möglichst luftdicht. Schon am folgenden Tage können diese Gurken verspeist werden. Die grünen Paprikaschoten erhält man in den Handelsgärtnereien; zweckmäßiger ist es aber, wenn man die Pflanzen selbst in Töpfen zieht. Der Zusaz der grünen Schoten zu den eingemachten Gurken trägt sehr viel zur Konservirung der lczteren bei. Wenn man kleinere Quantitäten einmacht, so kann man denselben Essig auch mehrmals benüzen. — Kartoffelkäse. Weiße Kartoffeln werden gekocht, geschält und zu Brei gestoßen. Mit 5 Pfund dieser Masse wird l Pfund sauere Milch geknetet, eine Quantität Salz dazu getan und diese Maffe, mit einem Tuche sorgsam gegen die Lust geschüzt, 3-4 Tage stehen ge- lassen. Hierauf wird sie abermals geknetet in durchlöcherte Thonformen gebracht, damit die Flüssigkeit abläuft. Dann werden die Käse aus den Formen genommen und im Schatten getrocknet, indem sie reihen- weise aufgestellt werden. Der Käse ist an einem trockenen Ort auszu- bewahren und wird je älter desto bester. sEs ist dies das Rezept, das ein Schwindler um 4 Mark verkaust.) — Naffeeverfälschung. Die Fälschung der rohen Bohnen besteht hauptsächlich im Färben derselben, um geringeren Sorten ein befferes, den feineren ähnliches Aussehen zu geben. Sie wird vorzugsweise an den Secpläzcn, aber auch von inländischen Großhändlern ausgeübt. EineS der zu diesem Zweck angewendeten Mittel besteht darin, daß man zu den Bohnen in einem Fasse eine Anzahl Bleikugeln gibt und hierauf das Faß eine Zeit lang hin und her wälzt, wodurch sich von dem Blei so viel ab und an die Bohnen reibt, daß der beabsichtigte Zweck erreicht wird. Natürlich ist solcher Kaffee gesundheitsschädlich. ES werden aber auch noch andere Färbemittel angewendet, so daS giftige Berlinerblan und das nicht minder giftige chromsaure Bleioxyd. Um sich gegen die Nachteile solcher Verfälschungen zu schüzcn, empfiehlt es sich, die Kaffeebohnen zweimal in lauwarmem Waffer zu waschen, abtrocknen zu lasten und dann erst zu rösten. Abgesehen davon, daß dadurch der Kaffee auch an Wohlgeschmack geivinnt. erfordert dies schon die Reinlichkeit. Man versuche nur einmal, eine kleine Quantität Bohnen zu waschen und man wird sich überzeugen, welcher Schmuz davon abgeht. — Gebratener Hecht(Rezept eines alten Klosterkochs). Derselbe wird sauber gepuzt und mit einem seinen Pulver von Salz, Pfeffer, Tymian, Majoran und Knoblauch tüchtig eingerieben und so I Stunde stehen� lasten. Hieraus kourmt derselbe in eine Pfanne mit Ziviebcln und Schmalz und wird halb gar gebraten. Während dem tut man in ciiieu Tiegel: Sellerie, Rüben, Petersilienwurzel, Lauchzwicbel nebst einem Stuck frischer Butter. Dieses wird weich gekocht und dann zum Hecht geschüttet nebst einem GlaS Wein, hierauf dieser vollends gar gebraten. Das Rezept wird als vollkommen erprobt empfohlen. Richtig so zubereitet gebe der Hecht ein feineS Gericht. probtn deutscher volkspoesle der Gegenwart. Vor'm Scheiden. Traute, die mein Herz entzückt Durch den heitern Sinn, Blumen bring' ich, frisch gepflückt, Vimm sie gütig hin. Zwar dir Rose fehlt darin, Doch der Rosen Pracht Glrichfl du, Herzenskönigin, Wenn dein Rüge lacht. Und wer Wang' und Lippen dann Sah wie ich rrglühn, Weih gar gut, dir Rose kann Schöner nicht rrblühn. lirbfle, eines RZächi'grn Wort Raubt mir bald mein Glück. Doch mein Her; bleibt immerfort Treu bei dir zurück. Bald rufl dumpfer Trommrlklang Und Trompelrnton, Und die Rlultrr, ahnungsbang, Prrlit ans Herz den Sohn. V nur dann von Deinem Wund Hrik der Trrurkufz, Wacht mich stark zur Rbfchirdsflund, Wann ich fchridrn muß! «u». Schmidt IZ-brilarbcilcrr schachtelrätfel. I 2 3 4 ü K macht manch' lustigen Streich, 2 3 4 5 6 ist eine Stadt, nicht groß und nicht reich, 3 4 5 6»tüsten Tausende tragen. 4 5 6 sieht man bewaldet gen Himmel rage». R ö ff e l f p r u u g. für Juden. M-nmiHl-� * Schlüter.-"W. dernng in San FranziSko.~ Verkehr im Suezkanal 1832.- Furchtbare Regengu,,- i „im, im und 9(„!l,pmnhr,.nn- W.........- >1 nüziges.— Mnnnichsattiges.— Humoristisches.