Erscheint alle 14 Tage in Heften ä 25 Pfennig und ist' durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Die Alten und die Ueuen. Uml Roman von? die knapp an den Hals on|? lt)cte Weiblichkeit »»azonenhoft aussehen. lies; aber � hervortreten. hctemgetommen und sie bcgrnvten ihren �„ ühnelte rn «..«..w°«« 4ÄTS; «-£'S:S."S" DMMMR ■�u gehst mit uns.' fa®?(UÄuÄ'�/lÄW»» wch b" A!'».»»- � � pteilen." ne itith ein kurzes ausgelassenes Lachen an.. I..Äcrutslly. p 5ort(fjung.) .Abscheulicher!" sagte sie; dann laut und befehlend: ..Hugo!' Der junge Lieutenant, der indes an seiner Uniform gerich- tct und das Haar mit einem Biirstchen zurccht gekämmt, sprang herbei und bot seiner Cousine den Arm, den sie fast unmutig entgegennahm. „Ich bin ans diese Betstmide grade auch nicht so sehr er- picht', sagte sie, halb zürnend halb lachend,„aber wenn es sich darum handelt, gefällig zu sein, nicht wahr, Hugo, dann gehen wir doch." „Nicht zehn Pferdekräfte brächten mich sonstwo in die Vesper", entgegnete er mit dem frivolsten Ausdruck,„aber hier doniinirt Mama, und wir müssen uns füge»'. Sie schritten durch das große Gemach, der Diener öffnete ihnen die Tür und ging hinter ihnen hinaus. Der Baron und Elsa waren allein. Sie war schon vorhin an das Fenster getreten und sah in das nächtige Dunkel hinaus, das alle Gegenstände umhüllte. Rcinthal beobachtete einen Augenblick die feine anmutige Gestalt des jungen Mädchens und das zarte gedankenreiche Antliz. dann näherte er sich rasch. „Mein teures gnädiges Fräulein", sagte er und der ge- dämpfte Ton seiner Stimme klang voll und warm,„ich ersehnte seit lange diesen Augenblick— ich habe Sie so viel zu fragen, Ihnen so manches zu sagen— ich kam einzig und allein hie- her, weil ich Sie hier wußte— weil ick'— er hielt inne, als erwarte er ein Wort, einen Blick von ihr, der ihn ermuntern sollte, weiter zu sprechen. Sie hatte ihre Stellung nicht verändert, die Augen sahen noch immer in die Nacht hinaus. Als er zu reden aufgehört, fuhr sie sich mit der Hand langsam über die Stirne. „Mein Kopf ist so verwirrt, Baron, entschuldigen Sie, das Teukcn tut mir oft wehe, denn was ich empfinde ist immer im Widerstreit mit dem, was ich erfahre, und so kann ich mich nimmer zurechtfinden." „Armes Kind," sagte er weich und zärtlich,„ich begreife das, ich wußte es seit langem. Sic stehen mit Ihrer ganze» Umgebung in einem seltenen Kontrast." 126 „ Und doch sind diese Menschen so herzensgut," erwiederte sie leise,„sie glauben nach Recht und Gewissen zu handeln, und sie lieben mich. Aber ich— wie undankbar erscheine ich mir oft—" „Sie stehen Ihnen ewig fremd gegenüber, ist's nicht so?" „Ja, denn wir gehen in allem auseinander, in unserem Denken, in unserem Fühlen! Was mir hoch und erhaben dünkt, ist ihnen Sünde, und ich finde wieder—" sie drehte sich pliiz- lieh um, und aus ihren dunklen Augen brach ein Bliz der Er- regung.„Warum gehen sie in die Kirche, warum beten sie? Was wollen sie damit? Soll ihr Gebet den Zkaturlaus ändern? Soll es Gott zu Wirkungen bestimmen, die willkürlich wären und mit den Gesezen der Natur im Widerspruch stünden? Oder muß das Mitleid des„Allerbarmers", wie sie ihn nennen, erst erbettelt werden? Muß er den Menschen nicht gewähren, was ihnen im Leben Bedürfnis und Notwendigkeit ist? Und warum verweigert er Glückseligkeit denjenigen, die sich nicht vor ihm im Staub erniedrigen? Hat er den Schmerz, das Elend nur darum geschaffen und in die Welt gesczt, damit er den Triumph seiner göttlichen Barmherzigkeit genieße?! Ach, die niedersten Gesinnungen haben sie ihm angedichtet und damit verunstaltet, was sie anbetend ihr Höchstes nennen." Reinthal hatte versucht, die Hände des jungen Mädchens zu erfassen und an sich zu ziehen. Ties Tema war durchaus nicht dasjenige, worüber er mit ihr zu sprechen wünschte. Ihr Glaube oder Unglaube war ihm durchaus gleichgültig, er machte sich nichts aus solchen Sachen; aber nun fand er, daß die Er- regung, die tiefe Herzensempörung, in die sie geraten war, ihr einen neuen wunderbaren Reiz verlieh, und er führte sie vom Fenster hinweg, der Lampe zu, um ihr in die schwarzen flam- wenden Augen zu schauen. „Die Unterschiede in Glaubcnssachen sind ungeheuer, und wir müssen hier eine gewisse Duldung üben," sagte er beruhigend, mit einem Lächeln zärtlicher Ueberlcgcnheit.„Es gibt in der Welt eine Menge von Religionen und Kulten und innerhalb der verschiedenen Konfessionen selbst wieder die verschiedensten Sekten und Schismen." „Aber es gibt nur eine Natur und nur eine Wahrheit," sagte sie entschieden, mit einem leuchtenden Blick der Begeiste- rung,„und man hat mich gelehrt, mich au diese zu halten." „Gewiß, Comtesse, nur ist die Wahrheit eben dasjenige, was man am schwersten auffindet, und dann ist sie nicht ein- mal immer das Taugliche; das Leben ist eben so komplizirt und wir sind noch so unwissend." „Ja," rief Elsa, und sie faltete ihre Hände zusammen, wie im plözlichcn Jamincr über sich selbst,„das ist's ja eben, was mich beängstigt, ich bin so unwissend, so unerfahren noch, und ich fürchte oft, mich in diesem Wirrsal zu verlieren." „Elsa!" rief Rcinthal mit Lebhaftigkeit und Wärme; er hatte sie da, wo er sie wünschte,„vertrauen Sic mir, ich habe keine Vorurteile des Glaubens, ich besize durchaus jene Objck- tivität, die uns aus Kenntnissen und Erfahrung erwächst, und ich bin Ihr trcuester. Ihr verläßlichster Freund, glauben Sie mir; freilich, ich könnte Ihr Vater sei», aber—" seine schönen sympatischen Augen suchten in diesem Augenblick jenen des Mädchens nuss neue zu begegnen—„ich bin noch jung, noch in der Fülle meiner Kraft und geistigen Fähigkeiten, und ich wünschte, Elsa—" Er konnte den Saz nicht vollenden, die Thür wurde rasch und heftig aufgemacht, und die stolze imponirende Gestalt der Gräfin Dönhof rauschte mit ihrer Schleppe über die Schwelle. Pater Cölestin kam gleich ihrem Schatten hinter ihr drei». Sie hatte die etwas vertrauliche Haltung des Barons bc- merkt und sein rasches Zurückfahren, aber sie wollte es ignorircn- sie wendete sich direkt an Elsa und küßte sie auf die Stirne. »Ich h�be für dich gebetet, mein liebes Kind," sagte sie mit einem unendlich sanften und gütigen Ausdruck,„so recht von ganzer Seele gebetet." „Gebetet, für mich!" rief Elsa fast erschreckt,„und weshalb taten Sie das? „Damit auch in dein Herz jener Friede und jene Ruhe einkehre, deren wir schon hienieden bedürfen, und die die Ge- sundhcit unserer Seele bedeuten." Elsa sah sie mit großen Augen entsezt an. Tie Gräsin wußte es also, daß diese Ruhe nicht in ihr war? Und sie sollte ihr durch ihre Fürbitte, durch den Einfluß einer Maclü werden, die als etwas fremdes, geheimnisvolles in ihr wirkte> Der Gedanke irritirte sie. Als sie, gleichsam in Abwehr pdi wendete, bemerkte sie den Pater. Er war in dem dunklen Teil des großen Gemaches stehen geblieben, unbeweglich, einem Schatten gleich. Aber seine dunklen Augen hatten sich sofort bei seinem Eintritte mit inquisitorische Strenge den beiden zugewandt, die er im tete ä töte ge* troffen. Was Baron Reinthal noch nicht ausgesprochen, n'n- noch als heimlicher Wunsch in seinem Herzen ruhte, er h'1"' es crrathen, und es erregte seinen Zorn. Jezt trafen fei": Blicke mit denen Elsas blizartig aufeinander. Feinde tauschen einen solchen Blick. Es quälte ihn unsäglich, daß dieses Mädchen eine SeWj verwarf, Prinzipien nicht teilen wollte, für die er sein ganze- Wesen dahingcgebcn. Ihr Unglaube fanatisirte ihn. Aber ee wollte ihn bekämpfen, und er wollte in dem Kampfe sieget Aber kein Anderer durfte hier dazwischentreten, kein Anders durfte Gewalt über sie erlangen, er mußte sie frei halten. Die Gräfin hatte sich dem Baron zugewandt. „Wir dachten Euch schon im Speisesaal zu treffen", sie in ihrem lebhaften Ton,„alles ist dort versammelt."_ Sie hatte seinen Arm genommen und die beiden 3'� plaudernd voran.... Cölestin hatte sich Elsa genähert, schweigend, mit et** leichten Verncigung bot er ihr seinen Arm. und als sie- leicht den ihrigen hinein legte, wurde sein blasses Gesichj- � das der sorgfältig rasirte Bart einen schwarz-bläulichcn Süsi"1"" warf, noch um eine Nüance bläffcr.. JM Die hohen schlanken Gestalten schritten leicht und eW' durch den Saal. Der Priester hatte seine Augen zur gewandt, sie fielen auf den Schatten, der die Wand e»> huschte. Ihre beiden Körper erschiene» da zusainniciigede� gleichsam zu einem vereint. Wie unter einem Schauer er er leise, seine Schulter entfernte sich noch mehr von der und seine Augen irrten weiter an den Wänden. Jezt' sie auf dem Madonnenbilde hasten. v;: Er blieb plözlich stehen und seine schmale weiße ¥ zeigte auf die Maria. i$ „Ist sie nicht schön, unsere heilige Jungsrau? k leise in einem seltsam verschleierten Ton. g(ti Elsa betrachtete das herrliche, poetisch empsundene einer Raffaelschen Madonna. „Warum nennt Ihr sie Jungfrau?" fragte sie cr»I- hat ihr Kind aus dem Schoß." Der Priester senkte die Augen. giiif „Das ist das göttliche Mysterium, das sich" erfüllt.",.Qrlif, Elsa sah ihn groß und kalt an.„Das eine U>>n in sich schließt, an die doch niemand glauben kann.| „Bei Gott ist nichts unmöglich, er schafft Wunde■ � „Und bedurfte er dieses Wunders, um uns e»> verehrungswürdig zu machen?".„ Cölestin preßte die Lippen aufeinander und% f1, Sie gingen weiter. Als sie die Tür erreicht' jir, bete er sein blasses Gesicht dm Mädchen zu, etwa»& tischer, unbändiger Willenskraft prägte sich in den schönen Zügen des Priesters aus: dos.- »Sie haben keinen Glauben und noch fehlt dürfnis dazu; aber es wird eine Zeit kommen, wo �'ßhlCy sein werden. wo Sie Sich zerschlagen und elend alles um Sie wanken und Sie Sich mit Grauen � jpickAj und allem Sichtbaren hinwegwenden werden, da. fcW Glaube in Ihrem Herzen erstehen und Sie w nach himmlischem Trost." Elsa halte mit einem Nuck ihren Arm aus dem seinen ge- jogen; sie sprang gegen die Tür und öffnete rasch. . Heller Lichterglanz und heiteres Geplauder der hier Vcr- bammelten tönte ihr entgegen. Sie atmete auf wie befreit. Sechstes ttapitel. . Eine Reihe Gemacher im Hause des Barons Reinthal stand geöffnet. Ein Kunstfreund und Kenner, eine Autorität Glinst fachen, hatte er sein Haus mit wahrhaft bewundcrns- ertcm Geschmack und als Millionär zugleich mit großem Auf- wd eingerichtet. Er besaß Schönes und Seltenes aus allen fächern der Kunst, und Künstler ersten Ranges hatten für ge"en Aufstellung und Umgebung alles Entsprechende geschaffen. m Besuch bei Reinthal war fast Mode geworden; man sprach J�ls viel von seinen Gemälden und Teppichen, von seinen al-clins und seinen Waffen, und einige Heißsporne ließen sich ■, c'n oder das andere ihrer Appartements ä la Neinthal '"richten. Helene kannte die Schäze seines Hauses; er hatte aber auch Im,®önhof und Elsa so dringend gebeten, seine Samm- hlutT' m't �rem Ersuche zu beehren, daß die Gräfin zugesagt k � rnvartctc sie nun, und er durchschritt, von seinem .�erdiener gefolgt, die Räume, alles mit kritischen Augen niciii�-atte c",c sorgfältige Toilette gemacht, und sah unge- p /. un� wohlgelanut aus. choji" Vc alles entfernt worden, was die Damen irgendwie en lönnte?" fragte er Felix mit einem vielsagenden kleine,� lIrt�ou® o�rs", antwortete der Kammerdiener mit einem wir va ��ulichen Lächeln,„ich weiß ja, welche Rücksichten der Töich.",e�mcn haben, und ich kenne übrigens die Prüderie �lbum� �aron war an einen Tisch getreten und schlug ein pottrüt- 1>cm s'ch eine Anzahl jugendlicher Mädchen- lvelchx f fanden. Es waren Schülerinnen dcS Konservatoriums, Giini,er?. liebenswürdigen Kunstfreund und einflußreichen Seworden."-�"��aphiren lassen, der sich für die eben flügge die£)e:: �Künstlerinnen interessirte und ihre ersten Schritte in k'* du übenvachcn pflegte. Neinthal lachte diesen die gtirn"' pikanten Gcsichtchcn zu, dann runzelte er . ��öleichen lassen Sic unkonfiszirt?" l""glich« vcni � wäre aus Dankbarkeit und daher unver- �diehung.��hl' alles hinwegzuräumen, was irgend welche Iihars.' du Damen verraten könnte," entgegnete Rcinthal �d dQ Pas Album hinweg und begann nun selbst hie breitend Anzugreifen. alles wie zu einer Vorstellung ft-,en ander» t v ec d09 hier einen Vorhang zu. öffnete dort ..Mi eine«'® �'cht geschickt verteilend, daß es mit dem ,'e ssauteuils �orandtschen Gemäldes auf die Causcuse und �eten Pt„, 0" blaßrothcr Seide fiel, auf denen die Er- Li 61 IWe Ä™ i°Utm. sah n■ J'eiQuf selbst und, gleichsam diesen Effekt pro- k's.�ergnuae»\ Segcnüberhängcnden Spiegel und bemerkte - seinen lies- das einfallende Licht ihn ungemein jung * Haupt oenp» lehnte er sich in den Fauteuil zurück, fid» iangc �ormeuse schmiegend. Sein Blick durch- dZ gehabt, IQ»,1 ,�cr Gemächer. Er hatte niemals die Ab- demnächst'�er zu bleiben, jezt dachte er ernstlich »nd leztent�0" �ier einzuführen. ütLe% nicht Dcrnllrl" �ottc cr in Hc[cnen§ Fesseln gelegen Mt»ltbun9 war pi �s.Um Gunst gebuhlt, eine öffcnt- wtione» zu ziehen, aber da ereignete sich zum ersten mal in seinem Leben der kizliche Fall, daß sein Vorteil mit seinem Verlangen in Widerspruch geriet, und es ivollte sich fast herausstellen, als ob seine Leidenschast stärker sein werde als seine Vorsicht. Seitdem er Elsa gesehen, war sein achtundvierzigjähriges Herz von diesen jungen keuschen Reizen gefangen genommen, und er wollte sich einreden, daß er jezt erst, zum ersten mal in seinem Leben, wahrhaft verliebt sei. Er begann ein wenig über die Anzahl seiner Jahre zu seufzen, die er sich übrigens niemals voll eingestand, und so war er denn auch viel zu eitel, um im Ernst an seiner Unwidcrstchlichkeit zu zweifeln, die ihn ja noch niemals im Stiche gelassen hatte. Und er war ja auch wirklich noch im besten Manncsalter und hübsch, und er besaß all die Vorteile seiner Stellung, sei- nes Reichtums und seiner Bildung. Warum sollte Elsa in ihrer Benvaisung nicht gern die rettende Hand ergreifen, die ihr den legitimsten Beschüzcr und ein behagliches Heim sicherte? Zeigte doch die Erfahrung, daß gerade junge Mädchen nicht allznhänfig dagegen sind, reifere Männer zu beglücken. Aber dann hatte er Helenens Einfluß preisgegeben und all die Pläne, die sein Ehrgeiz darauf gebaut, und er hatte die heißblütige Frau vielleicht zu seiner Gegnerin gemacht. Das durfte nicht geschehe», das mußte vermieden werden um jeden Preis— wie aber aus diesem Dilemma herauskommen?! Wie oft hatte er in lezter Zeit über diesen Gegenstand nachgedacht, aber er hatte immer nur eine mögliche Lösung gefunden. Auch jezt schien ihn diese zu beschäftigen, und er versuchte, ihr näher zu kommen. Arnold ist hübsch, sehr hübsch— kombinirte er und seine Augen schlössen sich halb, als sollte dadurch ein weit entfernter Gegenstand seinen Sinnen näher rücken— er hat etwas von dem Zauber, der die Weiber betört, cr ist mein Sohn. Er wird ihr gefallen, und wenn man es ein wenig darauf anlegt, werden sie gegenseitig von einander entflammt sein.— Aber der bürgerliche Doktor könnte immer noch ein Hindernis bilden? Helene ist nicht wie ihre Schwester, die einem armen Gelehrten nachgelaufen ist, sie ist durchaus Aristokratin. Nun, ich werde ihr verraten, daß blaues Blut in seinen Adern fließt, ich könnte sogar eine hochadelige Mutter vermuten lassen— ivas tuts! Und im Notfalle schlage ich alle Bedenken nieder durch eine Adoption. Seine Finger trommelten bereits den Hochzeitsmarsch Men- delsohns auf dem Seidenbrokat der Armlehne, dann aber legte sich ein Schatten des Verdrusses über sein Gesicht. Wenn er gekommen wäre, wie ich es gewünscht, zu Anfang der Saison, dann könnte in dem Moment alles im Reinen sein, und ich wüßte, woran ich bin. O, ich hätte darauf dringen sollen; aber cr sprach mir von einer gelehrten Arbeit, die er herauszugeben gedenke, und auch mein guter Lord schwazte mir da etwas vor, wie vortrefflich cr das ausgezeichnete Lehrmaterial Londons zu benüzcn verstehe und wie der junge Doktor fast täglich im Britischen Museum zu finden sei. Reinthal schmun- zelte. Ja. der Junge hat Begabung, er hat Arbeitskraft. Grade solche Leute brauchen wir, brauchen sie notwendig. Nun jezt kommt er, und so wollen wir denn sofort alle Minen springen lassen. Er selbst sprang in die Höhe wie emporgeschnellt von seinen Kombinationen, die er in seiner diplomatischen Weise doch nie- mand anvertrauen durfte als sich selbst. In dem Augenblick wurden die Damen gemeldet, frcude- strahlend ging er ihnen entgegen, und er begrüßte die Gräfinnen Tönhof und Falkcnau, Komtesse Elsa und Pater Cölesti». Man begann die Gemächer der Reihe nach zu besichtigen. Rcinthal war der liebenswürdigste und geistreichste Kustos, den man sich denken kann, und er hielt für das eine oder an- d?re seiner Kunstobjektc kleine Histörchen in Bereitschaft, die sie noch interessanter machten. Die Damen zeigten sich sehr befriedigt und des Bewundcrns war kein Ende. 128 Endlich hatte man sich in dem kleinen Renaissance-Salon mit den alten Gobelins und den Sizmöbeln aus rosa Seiden- damast niedergelassen. Erfrischungen wurden servirt und alle waren heiter und aufgeweckt. Man sprach von der Soiröe der Fürstin Lilli, welche in einigen Tagen stattfinden solle, und zu welcher alle Anwesenden geladen waren. Elsa sollte an diesem Abend in die Gesellschaft eingeführt werden. Aachdcm neun Monate der Trauerzeit vorüber waren, hatte Gräfin Donhos diese Soiree, in welcher nicht getanzt wurde, für ihr Entree in die große Welt befiiinmt, und sie selbst wollte es überwachen. Elsa, in der keine Spur einer asketischen Neigung lebte, die nach Freude verlangte, war begierig, diese Welt kennen zu lernen, von der sie so viel vernommen, und der sie doch im vorhinein ein gewisses Mißtranen entgegenbrachte. Der Baron zeigte sich entzückt, sie dort zu treffen und er entwarf ihr sofort ein wahrhaft verführerisches Bild einer solchen Soirse; er sprach von der Notwendigkeit, dergleichen kennen zu lernen, denn dies bedeute für eine junge Dame gewissermaßen die Erweiterung ihres Lebens und ihres Wissens. Gräfin Dönhof sah etwas beunruhigt aus. Sie durchschaute die Absicht des Barons, das Mädchen für sich zu gewinnen, und sie wechselte mit dem Pater einen Blick des Einverständnisses. Dieser hatte sie schon auf die Gefahr aufmerksam gemacht, daß ihnen Elsa von dieser Seite bestritten werden könnte. Die Gräfin hatte vorhin ein großes Album mit Radirungen von Führich flüchtig angesehen, sie wünschte nun die herrlichen Bilder, die die Passion Christi darstellten, genauer zu bc- sichtigen. Der Pater brachte es sogleich selbst herbei und er sczte sich neben Elsa, um die Blätter, nachdem sie die Gräfin angesehen, ihr zuzuwenden und ihr den Gegenstand zu erklären. Die beiden Verbündeten manövrirten geschickt, und sie ver- standen es meisterhaft, alles und jedes als Mittel für ihren Zweck zu benüzen. Sie berechneten im voraus, daß die Passion in so meister- hafter Darstellung ihre Wirkung auf Elsas empfängliches Gc- müt nicht verfehlen könne, und sie selbst waren von dem Gegen- stand erfüllt, begeistert. Als Cölcstin die Geschichte des Mcnschcnsvhncs, der, um die Menschheit zu erlösen, den schimpflichen Kreuzestod erlitten hatte, vortrug, hatte seine Stimme jene Weichheit, jenen ver- führerischen Wohllaut angenommen, der von unwiderstehlichem Zauber war. Er wies auf die Bilder, die Blatt für Blatt dies hocherhabene Epos illustrirten, und niit Entusiasmus sprach er davon, daß diese Schöpfungen des frommen Meisters zu den schönsten der Kunst zählten, daß nur ein verdorbenes Gemüt dein herzbildcnden Einfluß, den sie übten, sich entziehen könne. Und weitergehend, gipfelten seine Ausführungen in dem Aus- spruch, daß jede poetische Schöpfung, jede Kunst überhaupt, eine religiöse Kundgebung sei. Die Gräfin war über diese Wendung erstaunt, von dieser weltlichen Auslegung der Religion höchlichst betroffen, als sie aber bemerkte, wie Elsa durch diese Auslegung gefesselt ward, weil dieselbe ihrer Anschauung verwandt war, und hierauf die Bilder mit gesteigertem Interesse betrachtete, da begriff sie die schlaue Taktik des Jesuiten, der nur das Reinmenschliche her- vorhob und diesem ungläubigen Sinn vorerst den Kultus des Schönen predigte, weil er doch nur allmählich bekehrt, nur aus Schleichwegen erobert werden konnte. Helene, die an so ernsten Erörterungen durchaus keinen Gefallen fand, hatte versucht, sich auf eigene Faust zu ver- gnügen, voll prickelnder Lebhaftigkeit und neckischen Mutwillens schlug sie Bücher und Albums auf, rückte an den Nippes und zog hie und dort ein Schubfach heraus. Wenn noch etwas vorhanden gewesen wäre, das sie nicht hätte sehen sollen, ihr wäre es gewiß nicht entgangen. Rcinthal trat zu ihr und bat sie, ihm in da? Rauchzimmer nebenan zu folgen, da er ihr Urteil über ein neues Arrange- ment, das er vorzunehmen gedenke, einholen wolle. „Endlich!" rief Reinthal, als die Portiere hinter ihnen zu- gefallen und sie mit ihm in dem Gemache allein war,„ich habe diesen Augenblick herbeigesehnt!" Sie blieb stehen und die Augen zu ihm erhebend, lachte sie ihm in übermütigster Weise gerade ins Gesicht. „Um Gotteswillen, Baron, Sie haben mich doch nicht hier- her gelockt, um mir eine Liebeserklärung zu machen?" „Wenn ich wirklich eine solche Absicht gehabt hätte," ver- sczte er mit einem diskreten Lächeln,„Ihre Heiterkeit, teucrßt Gräfin, hätte mir die ganze Unklugheit und die ganze Selbst- überschäzung eines solchen Schrittes klar machen müssen." Sie suchte ihr Lachen nur in etwas zu mäßigen. „Sie sind der liebenswürdigste, aber auch zugleich der gcift- reichste Mensch, und Sie würden jedenfalls Ihren Augenbl>° besser wählen." „Meinen Augenblick?!" Er seufzte in emphatischer Weist „ach, Helene! ich fürchte sehr, mein Augenblick, das heißt dsl rechte Augenblick, in dem ich das herrlichste Kleinod mir s� das Leben hätte erobern können, ist für immer dahin." Er hatte nach einer Zigarrcnkassctte gegriffen und er rcichtc sie ihr geöffnet hin. Sie nahm eine Zigarre und entzündete sie an dem Lichta das er ihr entgegenhielt.. „Nun," sagte sie lustig,„Sie ertragen wenigstens disl' geringen Hoffnungen mit einem Stoizismus, der für i"Cl1" Eitelkeit niederschmetternd ist." „Qui n'a pas les vertus de son age, de sonageato" les rnalheurs, sagt, glaube ich, Voltaire; nun, Gräfin, ich leider darauf ausgehen, mir diese Tugenden des Alters anj eignen, ich werde lernen müssen, mich mit Ihrer dauernd Freundschaft zu begnügen, sonst könnte ich allzuschmerzlich 1,1 gewissen Tatsachen überrascht werden, wie?" Sie warf unwillig den Kopf zurück, denn sie glaubte r verstehen, daß er auf den Prinzen anspielte. Er aber, wie von exaltirter Reue ergriffen, erfaßte1"� beiden Hände und küßte sie wiederholt und immer wst in leidenschaftlicher Zärtlichkeit, und er sah ihr dabei tief � einem vertraulichen Lächeln in die Augen. Sie drohte ihm schelmisch mit dem Finger. „Das sieht aber gar nicht so aus, als dächten Sie cv» lich daran, sich auf den Altcn-Anteil zu sezen.". � „Und doch möchte ich Ihnen soeben ein Geständnis absts)� das mich in Ihren Augen furchtbar ehrwürdig machen wird- Ich habe Ihnen schon von meinem Schüzling gesprochen?' � „Von diesem jungen Doktor, den Sie auf Reisen gW damit er sich ein wenig die Hörner abstoße?" „Sie wissen auch, was mir Lord Blomfield über ihn � schrieben, wie sehr er seine Talente, seine Arbeitskraft H#�., gehoben, und daß er ihn gerne selbst in sein Ministerium-| nominell hätte." „Ja, nun?" „Nun, dieser junge Mann kommt jezt auf meinen zurück." j, „So, ah!" meinte sie mit der Miene äußerster y| tigkeit, während sie zu ihrer Unterhaltung den Rauch in 9"_ 1 durch die Nase trieb. Er neigte sich tief zu ihr hernieder-� „Und ich möchte Sic nun bitten, teure Helene, ctiva--z � der Freundschaft, mit der Sie den Vater beehren, auch � 1 — Sohn zu übertragen." � I Sic nahm die Cigarre aus dem Munde und starrte ir „Das wäre—?" „Mein Sohn," ergänzte er. Sie war im Begriffe einen Schrei des Mutwille»-' Ueberraschung auszustoßen. „Pst!" machte er,„es ist ein Geheimnis und muß es idm a „Ah, köstlich, wunderbar!" sie kicherte.„Sie habe" einen natürlichen Sohn, und die Mutter?" „Eine Dame—" M „SBon Raiig?" Reinthal nickte geheimnisvoll:„Sie ist tot." „Ich erhole mich kaum— aber Sie sehen so jung ans." „Ich war ein Knabe, als—" „Als—", sie brach in eiil wahrhaft ausgelassenes Lachen °us.„oh, c» war eine Fürstin, eine Herzogin, eine— und mnn hat Sie verführt, armer Junge!" Sie reichte ihm die Hand und schüttelte sie, noch iiiimer �cheud, mit auffallender Herzlichkeit. „Sie bewahren mir das Geheimnis, Helene?" „Unverbrüchlich. Und jener interessante Sprößling also?" „Morgen, übermorgen werde ich ihn, Ihnen vorstellen." „Ich bin furchtbar neugierig." „Ich mochte ihn für die diplomatische Karriere bestimmen; ich size freilich nicht selbst am grünen Tisch, ich habe es noch nicht zum Minister gebracht—" „Nur Geduld, mein Freund." „O, ich habe auch kaum für mich irgend welchen Ehrgeiz, aber inbezug auf Arnold und in Hinblick auf seine glänzenden Eigenschaften, werde ich nicht ganz leicht zu befriedigen sein." „Er wird gut untergebracht werden, seien Sie unbesorgt." „Ich rechne dabei sehr ans Ihren Einfluß, teure Freundin." „Verlassen Sie Sich darauf, wir werden den jungen Menschen gemeinschaftlich poussiren." „Dieser junge Mensch wäre alt genug, um Ihr Gatte zu sein," scherzte Neinthal. Gestörte Wrrhe.(Seite 147.) tocrfciV'®aton'" rief sie, sich lachend in einen andern Fauteuil �erne' Qllä � Kassette eine Cigarre heraussuchend,„ich das■muna' neue Talente an Ihnen kennen und schäzen, aber J}.?Lent de mariage*) ist doch das überraschendste." gxsß!...'chl finden Sie, daß ich auch darin nicht ganz un- erweise. O, ich will Ihnen meinen Klienten ver- spraim �.na�e bringen, vor allem müssen Sie ihn sehen." Er Unb eilte zu einem Schrank. "(L Sie»vollen mich also»virklich überrumpeln?" er,'"Ansehen ist umsonst," rief der Baron lustig, indem ntot»jn/-"mcn�' eine Photographie in ziemlich großem For- ftanc!Ö-.r' Milien Blick drauf und schleuderte dann die Ei- Papier eben anzünden»vollte,»viedcr bei Seite, um das 'a)cr an die Augen zu bringen.„Das ist also—?" Heiratz. agenicn. „Doktor Arnold Lcfebre," sagte Reinthal nachdrücklich und bedeutungsvoll,„vor der Hand nicht mehr." Sie antwortete nichts und betrachtete noch immer das Bild. „Ist er nicht hübsch?" fragte der Baron sich zu ihr her- niederbeugend. „Er ist mehr, er ist interessant," verseztc Helene. Der Baron drückte entzückt einen Kuß auf ihr duften- des Haar. „Aber wissen Sie, daß er sehr ernst aussieht— fast wie Ihr älterer Bruder," fügte sie scherzhaft hinzu. „Ich»verde Sie ans die Wange küssen!" drohte er, und er hätte diese Drohung wahr machen können, sie hatte ruhig gehalten, freilich nur einen Augenblick, dann, als»vollte sie ihn dafür bestrafen, daß er ihn nicht mit jener Raschheit benüzt, die einem exaltirten Verehrer ziemte,»varf sie in übermütiger Ablehnung den Kopf zurück und sprang auf. Tic Photographie in der Hand haltend, eilte sie in den kleinen Salon.(jovtf. folgt.» - 130 Zur Frage des sogenannten Natnrheilverfahren� insbesondere der Ichroth'schen Durstkur. Von Dr. med.'glicvtßurg. Vor kurzem ging der Vedaktion dieses Blattes ein Artikel zu, welcher das Schroth'sche Naturhcilverfahren als eine wich- tigc Entdeckung der Neuzeit bis in den Himmel lobt. Das- selbe hätte, so wurde behauptet, schon an das Wunderbare gren- zende Kuren und Heilung auch solcher Krankheiten erzielt, die bisher(natürlich!) allen Aerztcn zu widerstehen vermochte. Ter Artikel schließt mit der Annahme, daß das Schroth'sche Natur- Heilverfahren von den Medizinärzten deshalb ignorirt und unter- drückt wurde, weil dieselben befürchten müssen, daß diese durchaus unfehlbare Hcilmctode die ganze bisher geübte Medizinkunde über den Haufen werfen könnte. Da aus diesen Worten ein sehr geringes Vers'tändnis für das Wesen, Können und die Ziele der Heilkunde hervorgeht, welches überhaupt bei dem großen Publikum durch allerhand Schreier und Charlatane, schwindel- hafte Versprechungen und betörende Lobpreisungen in bcdaucr- lichcr Weise getrübt und verwirrt ist, so möge die Beleuchtung dieser wichtigen Entdeckung der Neuzeit— beiläufig etwa 50 Jahre alt— und das Zurückführen der pomphaften und sieges- gewissen Sprache auf den kleinen und unbedeutenden Kern der Sache hier eine Stelle finden und zugleich als Beispiel dienen, wie sehr der Arzt Grund hat, solche hohle Worte zu belächeln und die armen Toren, die auf solchen Leimruten immer und immer wieder gefangen und gerupft werden, zu bedauern. Ehe ich von dem Schroth'schen Naturhcilverfahren die Narrenkappe abziehe, muß ich mit einigen Worten auf Pricßnih, den Vater des sogenannten Naturheilverfahrens überhaupt, zurückgreifen. Auf dem Gräfcnbcrg in österr. Schlesien 1799 geboren, wurde Vinccnz Prießnitz bei einer Feldarbeit einst von einem Pferd geschlagen und ihm dabei einige Rippen eingedrückt. Prießnitz machte dabei in Ermangelung ordentlicher ärztlicher Hilfe auf eigene Faust Umschläge und Einwickelnngen mit kaltem Wasser, wodurch er eigene schnelle Heilung und durch gleiche Behandlung von allerhand kranken Haustieren das allgemeine Vertrauen seiner Nachbarn und großen Zulauf erzielte. Mit Eifer und Ausdauer versuchte er es nun, die Wirkungsweise des segensreichen kalten Wassers zu untersuchen und stellte zu diesem Zweck Experimente von beinahe rührender Naivität an, aus denen er mit glücklichstem Sanguinismns seine Schlüsse zog. Seine einfache, aber von einem festen, fast übergroßen Selbst- vertrauen getragene Art, deren moralischer Einfluß gewiß nicht zu untcrschäzcn ist, wußte sich so geltend zu machen, daß die naiven Gebirgsbewohner ihn als Auserwähltcn des Himmels betrachteten, sodaß die Kraft, welche die Kranken heilte, in ihren Augen nicht etwa von dem Wasser, sondern von seiner Persön- lichkeit ausging. Bald kamen auch aus der Ferne und aus wohl- habenderen Kreisen Leidende, die ohne Diagnose, ohne Rücksicht auf Krankheit, Alter, Geschlecht derselben Behandlung unter- zogen wurden. Dieselbe umfaßte: eine bestimmte„natnr- gemäße" d. h. kräftige, derbe, reizlose aber reichliche Diät, starke Muskelanstrcngung, Trinken großer Mengen von kaltem Wasser und die verschiedenen Formen der äußeren Applikation desselben, worunter die allgemeinen und lokalen Bäder, die er- regenden Gürtelumschläge, die Douchen und Abreibungen die Hauptrolle spielen, endlich die schwcißmachenden Prozeduren, d. h. Einpackungcn, welche bis zur Dauer von sechs Stunden und darüber getrieben wurden. Die Modifikationen, welche dieses Verfahren bei den einzelnen Fällen erlitt, bewegten sich, da Prießnitz, dem Fanatiker seiner Sache, doch jedes Mittel eine Diagnose zu stellen abging, in sehr engen Grenzen, und so konnten denn üble Erfahrungen an Schwindsüchtigen und mit Herzfehlern Erkrankten nicht ausbleiben. Dadurch gewarnt, schloß Prießnitz hustende und an serösen Ergüssen Leidende, d. h. Wassersüchtige der verschiedenen Art und Form, bald von der Aufnahme in seine Behandlung aus. Der lebhaften Agi- tatjon gegen ihn ungeachtet, welcher diese Mißerfolge Nahrung boten, erhielt Prießniß im Jahre 1830 von der Regierung die Bewilligung zur Eröffnung eines Heiletablisicments nach seiner Mctode. In diesem Jahr versammelte er dort 45 Kranke, aber die Zahl wuchs in fabelhafter Progression, und im Jahre 1840 beherbergte er deren bereits 1576, und sie mehrten sich von Jahr zu Jahr durch Zufluß aus allen Weltgcgendcn. Als mehrfacher Millionär starb Prießnitz im Jahr 1852 in einem Alter von nur 53 Jahren. Eine von den vielen Abarten seiner gewiß ganz gesunden, vernünftigen und natürlichen Bchandlungsweise ist die energische Durstkur des Bauern Schroth in Lindcwics, einem unweit Gräfenberg gelegenen Dorf, welcher es unternahm, die von seinem Nachbar Prießnitz mit Waffer überschwemmten Kranken durch eine energische Trocken-(Semmel)-Diät bei tagelanger Enthaltung jeglichen Getränkes wieder gründlich auszutrocknen. Er entdeckte plözlich, ohne erst viel nachzugrübeln, oder Versuche anzustellen, wohl im Hinblick auf die armen, bedauernswerten Schäflein, die bei Prießnitz keine Aufnahme mehr fanden und angeregt wahrscheinlich durch Prießnitz' Lorbeeren und— glänzende Einnahmen, der staunenden Welt ohne viel Federlesens seine Metode durch Austrocknen der schädlichen Säfte Kranke wieder gesund zu machen, und siehe da, das Publikum, das nun doch einmal den Weg auf den Gräfenberg gemacht, füllte auch die Dcpendcnce, und der bisherige, selbst dem Trünke etwas crge- bcne Bauer ist mit seiner Durstkur plözlich unter die Heiligen des Aeskulap als Wunder- und Wohltäter der Menschheit vcr- sezt. Schroth's Semmel- oder Durstkur hat zum Glück süe das Publikum den Vollmond ihres Ruhmes schon hinter fidl Das ihr innewohnende Körnchen Weisheit der schon von den alten Arabern geübten Trockendiät, welche durch die im Körper geschaffene Revolution mehr oder minder flüssige Krankheit?- Produkte und Ausschwizungen zur Aufsaugung bringen oder starke Entleerungen durch die Schleimhäute hemmen soll, vermag nicht das Fundament abzugeben für eine ganze Hcilmetode, welche bei ihrer Einseitigkeit eine ungemein naive Ausfaffung von dem Wesen einer Krankheit und den physiologischen Bor- gängen im lebenden Körper verrät. Diese„Nietode", die, wie c? scheint, nur erfunden wurde, um dem glücklicheren Nachbar Pricß- nitz durch eine der seinen gerade cntgcgcngeseztc Behandlung�- weise Konkurrenz zu machen, hat denn auch in keiner Weise dic ausschweifenden Erwartungen befriedigen können, welche ihre Vertreter sich davon versprachen. Prof. Runge in Breslau zählt sie geradezu unter die„barbarischen und abscheulichen Kuren, welche Leben und Gesundheit in hohem Grade gcfähr- den." Tie bei ihr eingeschalteten, häufig zu den unwürdigste" Exzessen führenden„Trinktagc" bildeten eine nur trübe Erhcl- luug des durch die„Dursttage" gcseztcn beklagenswerten Z" standes der armen Patienten. Zudem sind die mit Stolz vorgezeigten„Ausscheidungen" in erkaltetem Urin nach solchc» Dursttagcn lediglich eine optische Täuschung, denn nur die Ko»' zentration dieser Flüssigkeit nach dem Dürsten läßt die sauren Salze zu Boden fallen, während die absolute M'cngc derselben eher vermindert ist und gerade umgekehrt bei reich lichcm Trinken vennchrt wird, aber sie bleiben im Urin gelöst' und dies hat jene Selbsttäuschung veranlaßt. Nun und was behaupten denn die großen und kleinere" sogenannten Naturhcilkünstler Neues, wodurch wußten sie sich ö" ihrem großen Vorteil in Gegensaz mit den zünftigen Aerstc" zu bringen?„Nur dic Natur heilt. Die Natur zeugt"'H erhält, und somit kann sie allein heilen." Durch diese mehr minder glücklich variirten Schlagwörter stellten sie sich als geklärte, rationelle Heilkünstler hin. die plözlich den Stein � Weisen gefunden und mitleidig auf die ohnmächtig in dunkle' wiffenschaftlichcr Finsternis herumtappendcn und herumprobircnde" Zunftärzte herabblickcn konnten. War dieser sog. Naturheilung- \— 1 pwzeß wirklich bisher den Aerzten unbekannt geblieben; glaubten diese im Ernst mit ihren Mittelchcn— damals freilich noch Maximaldosen— den kranken Menschen gesund machen zu können, hat ein Arzt überhaupt wohl je eine andere als Natur- Heilung angestrebt? Auch die ärztliche Behandlung bestrebt sich nur, die Natur zu unterstüzen und dem in jedem noch le- densfähigen Organismus inncnwohnenden und, wie der der Selbst- »Haltung, sich geltend machenden Triebe, etwaige Störungen in de» Funktionen der einzelnen Organe von selbst und durch eigene auszugleichen, etwaiges Fremde und Unreine in Blut und Ä ästen durch sich selbst auszustoßen, fördernd und hilfreich zur Seite zu stehen. Glücklicherweise hat die arme Menschheit nicht erst auf das Johrhundert, das der Ausklärung, warten müssen, ehe den �>k Blindheit geschlagenen Aerzten das Licht der Weisheit von 01 dauern Prießnitz, Schroth u. a. aufgesteckt wurde. Schon um das Jahr 400 vor Chr. schreibt Hippokrates von Kos, der gloßtc Arzt des Altertums:„Folge der Natur, sie ist der Arzt » Krankheit." Und weiter:„Je mehr man unreine(kranke) »per nährt, desto mehr schadet man ihnen. Ungesäumt müssen uch solche Kranke, bei denen das Fieber mit größerer Heftig- »t auftritt, einer sehr mageren Diät unterwerfen." Nun aber � legendem unterscheidet sich der denkende, wissenschaftliche kzt von dem nach der Schablone kurpfuschenden Bauern:„Man che aber zugleich die Kräfte des Kranken, ob sie imstande ™ werden, diese magere Diät bis zum höchsten Grad der ankheit hin auszuhalten. Oft tut völlige Beraubung recht »'' wenn die Kräfte des Kranken es irgend aushalten können. ou muß aber allemal bei diesen Regeln auf die Stärke und / �'0 einer jeden Krankheit, auf die Konstitution und die r ohutc Lebensweise sowohl in Rücksicht der Speise als des w ausmerksam sein." Auch die physiologische Wirkung bef"ort''cl� 1)011 verschiedener Temperatur ist Hippokrates wohl jo ,®r spricht zuerst die Behauptung aus, daß kaltes reit, IDoinic' warmes kühle. Er kennt Begießungcn und Ab- ®nrmc Begießungen erzeugen Schlaf, bei Ohn- leid' �",',1Jcn kalte. Mit Begießungen behandelt er Gelenk- k>i> �icht, den Starrkrampf und fieberhafte Krankheiten. und. war vor allem Praktiker, der nicht durch das Neue nie"rf0<�•n'e �Wowesene seiner Bchandlungsmetode seinen Mit- der,"c impouiren, Ruhm und Geld zu verdienen suchte, son- lind 0 �'c �wkkkommenste Weise ihnen helfen und ihre Leiden /00�tc und durch ruhige schlichte Jndividualisirung und bälh--® 0klcr bei einer Krankheit inbctracht kommenden Ber- "»c sich als denkender Arzt bewies. Geis, � können bedarf es Bildung und Erziehung des nis./""d Verstandes, Uebung der Sinne und einige medizi- Mkdi-i �01knnit„issc. Man höre, was Sonderegger, ein an dp- � Schriftsteller der Gegenwart, für Anforderungen du l011äm> Arzt stellt:„Helle Augen und feine Ohren mußt u»d" Hilbringen, ein großes Beobachtungstalent und Geduld Koni Geduld zum endlosen Lernen, einen klaren kritischen ein m" Willen, der in der Not stark ist, und doch uiitsülu/ bewegliches Herz, das jedes Weh begreift und liihkxj,' �"�schen Halt und sittlichen Ernst, der die Sinn- °nstäiid"' Geld und die Ehre beherrscht, nebenbei auch ein Finne,-,. sl-ußcre, Schliff im Umgang und Geschick in den du hgv' Wundheit des Leibes und der Seele, das alles mußt Atzt lvcnn du nicht ein unglücklicher oder ein schlechter schlevven'"willst. Tu mußt die Kameellast des Vielwissens Künste d""r � Lüsche des Poeten bewahren, du mußt alle Kerl bl? � larlataneric kennen und doch dabei ein ehrlicher Politik x Cn" �ie Medizin muß deine Religion und deine Beruf' x,.Gtikl und dein Unglück sein. Sie ist der erhabenste leuchtuna �• erbärmlichste Handwerk." Eine plözlichc Er- bie Schrntt� zufälliges Entdecken einer neuen Heilmctode wie l sckie,„von der zu eriv arten steht, daß sie die ganze jczige Medizinkunde verdrängen und wie ein altes morsches Gebäude über den Hansen werfen wird", erscheint neben der Ernsthaftigkeit der Anforderungen, wie sie oben an die Jünger der Heilkunde gestellt werden und der sittlichen Würde der Ausfassung vom ärztlichen Beruf wie der barste Unsinn und eine Lengnung jeglichen Fortschrittes auf geistigem Gebiet über- Haupt. Nicr der Mensch leistet bewußten aktiven Widerstand in dem Riesenkampf des ewig waltenden Naturgcsezcs der Ber- nichtung gegen Leben und Gesundheit, den die nimmerrastenden Kämpen jenes Elemcntargcsezcs, Krankheiten und Seuchen, gegen das Menschengeschlecht führen seit Erschaffung der Welt, mit gleichem Mut, aber nicht mit gleichem Erfolg. Allerdings sterben die Menschen heutzutage noch ebenso wie vor tausend Jahren, und das wird die ärztliche Kunst niemals ganz ver- hüten. Aber schon ein flüchtiger Blick in die statistischen Auf- zcichnungen über die Sterblichkcitsverhältnisse von einst und jezt zeigt, daß bei fortschreitender Kultur die Mortalität sich ver- ringert. Es ist die Stcrblichkeitsziffer in verschiedenen Ländern, zumal wenn diese ans verschiedener Kulturstufe stehen, sehr ver- schieden. Im ganzen nimmt sie mit der Ausbildung höherer geistiger und gesellschaftlicher Kultur ständig und beträchlich ab. So starben in Frankreich 1770— 74 alljährlich 1 unter 32 Einwohner, 1817— 30 1:40, 1850 1:46, während in Rußland die Stcrblichkeitsziffer noch jezt 1: 32 beträgt. Was die Lebensdauer angeht, so starben Ende des vorigen Jahrhunderts von 100 Menschen 50 unter 10 Jahren, bis zum 50. Jahr 74%, bis zum 60. Jahr 820/o, jezt in demselben Lebensalter nur 38, 65 und 77%. Die mittlere Lebensdauer betrug Ende des vorigen Jahrhunderts 27(in Preußen) bis 30(Baiern) und 37(Hannover), nach den neuesten statisti- scheu Erhebungen wird sie jezt in Deutschland auf 39 Jahr- berechnet. Diese Zahlen sprechen für sich und sind nicht zu- fällige. Trozdcm vermeint ein jeder, der imgrunde weder logisch urteilen, noch seine Gedanken in verständiger und verständlicher Weise zum Ausdruck bringen kann, über wissenschaftliche Fragen mitsprechen, ja seine„eigenen Ansichten" über diese und jene medizinische Behandlungsmetode zur Geltung bringen und über allerhand sanitätspolizeiliche Anordnungen ins Blaue hinein ein Urteil fällen oder nun gar ein neues Heilverfahren entdecken zu können. Wahrhaftig, selig sind die Einfältige»! Bekanntlich ist der Mensch um so bescheidener, je mehr er sich in die Wissen- schaft vertieft hat, und umgekehrt sind Leute um so sicherer in ihrem Urteil und Auftreten, je unwissender und urtcilsunfähiger sie sind. Würde in den Schulen allgemein, nicht nur ausnahms- weise, wie wohl in etlichen höheren Lehranstalten*), statt mancher mit biblischer Geschichte und Auswendiglernen von sinnlosen Gesangbuchvcrscn nuzlos vergeudeten Stunde, der Jugend nur ein flüchtiger Einblick gewährt in den Bau unseres Leibes und die Funktionen der einzelnen Organe, die Grundzüge der Körper- und Gesundheitspflege, eine kurze Anweisung im ersten Sama- riterdienst bei plözlichcn Unglücksfällen und der naturgemäßen Krankenpflege gegeben, dann würde bald auch ein tieferes Ber- ständnis plazgreifen für das ärztliche Können und die Ziele der medizinischen Wissenschaft. Solange dies Verständnis noch fehlt, möge die Menschheit denjenigen vertrauen, welche ihr ganzes Leben diesen Dingen weihen und durch ihren Bildungsgang Gewähr dafür leisten, eine so komplizirte lebende Maschine, wie es der menschliche Körper ist, beobachten und verstehen zu können, nicht aber jedem Charlatan und Schreier vertrauensselig nachlaufen und deren Ausbeutung immer wieder von neuem zum Opfer fallen. Solange die Dummen nicht alle werden, solnngc wird es auch stets solche geben, die auf die Dummheit der Menschen spekuliren, nicht aber umgekehrt. ♦) In welchen? Wir haben nie ton einer einzige» gehört, wo daS in auch nur einigermasien zwccfgemigender Weise geschieht. D. Red. Warum ich kein Bon TL Der große Tag brach an, trüb, kalt, und znm erstenmal wieder regnerisch. Der Himmel schien uns anzukündigen, daß nun die sonnigen Tage jugendlicher Liebestandelci vorbei und daß düstere Schatten aufzusteigen im Begriff seien. Und so war es in der Tat. Die Kirche war dicht besczt, sowohl im unteren Räume als auf den Galerien. Am einen Ende des Zuhörerraums, wo sich die Kanzel befand, führten zwei Stufen zn einem etwas erhöhten Plaze empor und da war eine Art von Altar errichtet, schmucklos anzusehen, wie bei den protestantischen Gotteshäusern gewöhnlich. Hier wurde das Abendmahl gegeben und fanden die Trauungen und Taufen statt. Die Mitte nahm ein vier- eckiger steinerner Tisch ein, um den eine etwa halbmannshohe Einfassung herumlief. Inmitten des Vierecks standen heute die prüfenden Geistlichen, während die zu prüfenden Konfirmationskandidaten auf der rechten und linken Seite der Einfassung einander gegenüberstanden; rechts die Knaben, links die Mädchen. Fanny und ich standen beide in der vordersten Reihe; ich warf «ab und zu einen raschen Blick hinüber, aber Fanny wagte gar nicht aufzusehen. Jezt mußte es fürchterlich und schmachvoll an den Tag kommen, was wir gesündigt. Die Kirche war mit tausend Neugierigen angefüllt, die ihre Blicke auf die Konfir- mandcn richteten; meine Großmutter und die Kontrolcurin hatten ihre besten Brillen aufgesezt, damit ihnen ja nichts entging. Hier befand sich ein unerbittliches Auditorium; wer hierdurch- fiel, war in der öffentlichen Meinung gerichtet. Die Prüfung begann und zittenid sah ich sie an mich heran- kommen. War es Absicht, war es Zufall, daß der Dekan, welcher die Prüfung leitete, mir gerade die zehn Gebote vor- zutragen befahl— es kam so. Beim fünften oder sechsten Gebot blieb ich stecken— es war eine Stille in der Kirche, daß man hätte jede Mücke summen hören mögen. Ich haspelte mich zwar glücklich zu Ende, aber eins der Gebote war aus- gelassen, und der Dekan, mir einen strafenden Blick zuwerfend, trug meinem Nachbar auf, die zehn Gebote herzusagen. Damit war mir gesagt, daß ich, wie man sich im Volke ausdrückte, .nichts gekonnt" habe. Mir entstand ein Brausen im Gehirn, so daß ich nichts mehr von dem hörte, was um mich vorging; ich wagte auch nicht mehr auszusehen. Welchen Blick niußte jezt meine Großmutter aus mich richten! Und die Predigt, die mich zuhause erwartete! Und die Zukunft! Mir ward so heiß, daß ich zu schwizen begann und mir die dicken Tropfen über die Stirnc rollten! Ich hatte auf nichts mehr Acht, als darauf, tvie es meiner Genossin ergehen möchte. Unter allen münnlichW Konfirmanden war ich es allein, der sein Sprüchlein nicht gewußt; alle andern waren ivohl vor- bereitet gewesen. Ei» re.oderner Atlas hatte ich die ganze Last der Schmach auf meine Schultern zu nehmen. Etwa eine Stunde später kam Fanny dran, und merk- würdiger Weise wurde auich ihr die Aufgabe zuteil, die zehn Gebote aufzusagen..Geteilter Schmerz ist halber Schmerz," sagt man sonst; hier aber ward der Schmerz ein doppelter, denn auch Fanny blieb stecken und blamirte sich wie ich; auch unter den Mädchen ganz allein, wie ich tunter den Knaben. Ich wagte nicht, sie anzusehen. Sicherlich hatte der Dekan irgendwie erfahren, daß wir zusammen uns auf die Prüfung vorbereitet hatten. Was wollte er nun damit, daß er jedem die gleiche Frage vorlegte? Wollte er damit den Eltern Fannys und meiner Großmutter andeuten, ivie unpassend es sei, zwei Leutchen, wie wir es waren, ohne Aufsicht zusamme» zn tun? Ich weiß es nicht. Nach Hanse ging ich ivic ein Betrunkener; ich fühlte, wie tausend spöttische Blicke auf mir ruhten. Ich schlüpfte zur Hintertüre hinein und begab anich eiligst in das kleine Zimmer. Pfarrer wurde. Titrcs.(Forlsczung stau Schluß.) welches als das meinige betrachtet>vurde. Tort wollte ich den kommenden Sturm erwarten. Wo sollte ich es auch sonst? Es dauerte lange, bis sich jemand vernehmen ließ; im Hause herrschte eine unheimliche Stille. Endlich öffnete sich die Tür meines Zimmers und meine Großmutter rauschte herein. Ich werde den Blick, den sie mir zuwarf, nicht so leicht vcr- gessen. „Nichtsuuziger, verdorbener Bube," begann sie, und die Hochzeitshaube, die sie ans dem Kopfe trug zur Feier des Tages, schien sich förmlich emvorzublähen,»so hast du deinen Eltern und mir Schande gemacht. Und die schlechte Fanny. wer hätte diesem scheinheiligen Wesen das zugetraut! Dumnics Zeug habt ihr gemacht und die Zeit vertrödelt, statt etwas zu lernen. Tu willst Pfarrer werden! Ich werde dich bei einem Besenbinder in die Lehre tun. Der Junge hat nichts und will noch so übermütig sein. Und ich soll sie bezahlen, die Dumm- heiten, die er macht." In diesem Tone ging es eine halbe Stunde fort. Ja, meine gute Großmama hatte eine tüchtige„Suade", wie man zu sagen pflegt. Endlich aber ging ihr der Atem aus und sie schloß ihre Rede mit den patetischcn Worten: „Da sizt der elende Mensch stumm wie ein Oclgöze und hat nicht ein Wort zu seiner Verteidigung. Mich dauert nur der schöne Kalbsbraten! Und die Mandcltorte!" Da ich sonst immer leidliche Zeugnisse nach Hause brachte, so hatte meine Großmutter auch diesmal ans einen Triumph gehofft, den sie zuhause durch einen außergewöhnlich jchöncn und großen Kalbsbraten und durch eine Mandcltorte zu fcicrfl gedachte. Diese Gcnußstücke standen bereit, um so größer war die Enttäuschung. Kalbsbraten! Mandeltvrtc! Der erhebende Gedanke an f"1 schnellte meine unter der Wucht meiner Schmach nicdcrgedrüll- tcn Lebensgeister wieder empor. Ich wagte zu sprechen. „Aber," sagte ich schüchtern,„der Kalbsbraten hat doch dem Katechismus nichts zu tun! Und die Torte auch nicht! „So!" schrie jezt die Großmutter in heller Empörung, soll dich auch noch belohne» dafür, daß du unsere ganze milie blamirt hast. Das fiele mir ein." Sie rauschte hinaus und krachend fiel hinter ihr die Tue ins Schloß. Ich blieb zerknirscht sizen. Meine schönen%oV säze waren alle ins Wasser gefallen und ich hatte den erste" Teil der mir bevorstehenden Prüfungen schlecht bestanden. nun meine Großmutter die Uebcrzeugung gewann, ich sei zus" Studium der Teofogic nicht vcranlagt, und ihre Hand von""j zog! Tann adieu, schöne Zukunft, behagliches Brotstudiuw- Adieu auf immer! Ter Kelch meiner Leiden war für diesen Tag»och leer. Bald darauf schlürfte die böse Annemarie auf ihren getretenen Hausschuhen zur Tür hcrciu. Sie wußte, wie das Gewicht meiner Schmach mich niederdrückte, und glau� nun gleichfalls sich an nur reiben zu können. „Hähä! Tic jungen Herrchen tverden bald reif heutzul"!�' Sic solle» zum Essen kommen. Hähä, und die Damen m'' Die Frau Großmutter ist unwohl vor Aerger und ißt nickst J"'' Früher waren die jungen Leute doch»och sittsamer, haha! Nun aber schwoll mir der Kamm._. ..Böse, alte Hexe," schrie ich wütend.„Sie waren nie Engel und werden nie einer werden." Dabei streckte ich � geballte Faust gegen sie aus; sie bekam Furcht und floh verlor einen ihrer Schuhe dabei, den ich verächtlich mit � Fuße davou stieß, daß er die Treppe hinunter kollerte..c »Mein Schuh," jammerte Annemarie; ich aber begab n>> in das Eßzimmer, wo ich ein äußerst frugales Mahl ausgetr� fand. Die Strafe war nicht allzuhart, denn ich war nicht der Lage, besonderen Appetit zn empfinden. 133 Ich hatte kaum einige Löffel Suppe zum Munde geführt, da brach das züniende Geschick von neuem auf mich herein. Denn die Tür ward aufgerissen und mit fliegender Haube, in höchster Aufregung erschien die Frau Kontroleurin. Ich sah gleich, wieviel die Glocke geschlagen hatte, denn sie hielt einen Stoß Papiere iu der Hand, den sie wie eine Trophäe wild in der Lust schwenkte. O weh, es waren meine unglückseligen �erse, oie ich an Fanny gerichtet hatte. „Wo ist die Großmutter?" schrie das fürchterliche Weib, dessen Anblick auf mich nahezu eine Wirkung ausübte, wie das Haupt der Medusa auf die Feinde der Pallas Athene. Tie Großmutter erschien mit einem Tuch um den Kopf. und nun erzählte die Kontroleurin, wie man Fanny ordentlich >ns Gebet genommen, diese aber alles geleugnet habe. Und da habe man ihre Sachen durchsucht und diese Verse gefunden. zweifellos hätte ich durch meine Gaukeleien das Mädchen betört und sjc vom Lernen abgehalten. „Das scheint ja ein richtiger Taugenichts werden zu wollen," schloß das wütende Weib. Meine Großmutter sagte nichts mehr; sie hatte sich schon nuide geärgert! Man brachte Petroleum und begoß die nach usen, Reseden und Veilchen duftenden poetischen Licbesergüsse weiner jungen Seele mit dieser häßlichen, übelriechenden Fliisüg- wi- Dann wurden die Verse ohne Erbarmen in den Ofen gesteckt, angezündet und dem doppelten Tode der Flammen und °er Vergessenheit überantwortet. Ich sah stumm zu, wie die u>dce meiner Aiuse sich in Asche vcNvandelten. lieguieseant in pace— sie mögen ruhen in Frieden. Es iuar auch recht gut so. . Ich wagte in den nächsten Tagen kaum mehr mein Zimmer *l; verlassen; einigemal schaute ich hinüber nach Fannys Fenstern, "T auch dort war alles still. Tie Welt schien mir tvie aus- Würben; alle bekannten Menschen kamen mir wie verändert 0l; Tie Einsamkeit lehrt»achdenken, ich sann und sann, ob uc>n Vergehen denn wirklich so groß war, um des Lärms, den un seinetwegen erhob, wert zu sein. Meine Erziehung vcr- �"derte natürlich, daß ich die geringe Bedeutung der ganzen �ache erkannte; ich konnte mich noch nicht zu dem Verständnis heben, daß mir Unrecht getan wurde. Ich trug tatsächlich in mir. .»""p Hill Vlllll'UJL————.. a °'"Ncrbrecherbcwuß.scin in mir. Nur überkam m.ch em dunkles . esuhl, eine Art Ahnung, als ob man mich unter cie Herr- Aust eines Systems, einer Anschauungsweise zwingen wolle, wc als berechtigt anzuerkennen ich keineswegs verpflichtet se.; begann mich nach Freiheit, nach freieren Lebensformen zu lehne». . Aber die Galeerenkngcl der Abhängigkeit war scst an mein �"1 geschmiedet, und ich mußte sie nachschleppen. Wenn meine �ßmütter mich nun nicht studiren ließe! Die Drohung m.t °"n Besenbinderlehrling nahm ich nicht ganz ernst, aber- konnte es wissen, wie weit der Fanatismus einer nur u ytischen Neigungen lebenden alten Frau gehen winde. M°n hielt eine Art Familienrat, vor welchem ich als armer Är elcheinen mußte. Von meinen. Herr» St.csvater lag ,,, Brief voll verständlicher Anspielungen au, Hasel, töcke und Jwwbusrohre vor. die mir es im höchsten Grade prakt.,ch er- «W ließen, in diesem Augenblicke möglichst fern vom teuren aterhause zu sein. Ich mußte im Familienrat"iedcr,chn>ctter>.de 'bpredigten anhören, und meine Augen suchten ,cheu den Boden. �'e weiner Großmutter mit verklärtem Schmerz zum dak?°.""Wschlagen waren. Zum Schlüsse einigte man sich »ock Anbetracht meiner früher leidlich guten Fuhrung listlativn Besserung zu geben. Ueber meine r.-iu zum Teologl en waren die Meinungen immer noch Man ließ mich in der Schwebe. Jedenfalls hatte man die Absicht, einmal erst zu beobachten, wie ich mich bei der Kon- firmation selbst benehmen werde. Denn mich von der Konfir- mation auszuschließen, so weit wollte man die Sache doch nicht kommen lassen und konsequenterweise durfte man es bei Fanny auch nicht tun. So hatte ich also Chancen, mich bei der Konsirmation selbst wieder einigermaßen zu rehabilitire», aber auch die Unannehm- lichkeiten meiner Situation waren bedeutend gestiegen. Denn nun mußte ich Gott und die Welt erst recht um Verzeihung bitten; bei all den über mein Pech hämisch lächelnden Tanten und Basen männlichen und weiblichen Geschlechts mußte ich reihum gehen und um Vergebung meiner Sünden flehen. Tie arme Fanny sah ich inzwischen nur ein einzigmal. Sic begegnete mir vor dem Hause und hatte wieder rot gemeinte Augen. Sogar ihre lange Nase hatte etwas rötlichen Glanz angenommen. Sic warf mir einen tiestraurigen Blick zu, der mir zu sagen schien:„Wie muß ich um dich leiden!"— Ob Fanny mit dem väterlichen Stock in entwürdigende Berührung gekommen, wußte ich nicht; aber als ritterlicher Liebhaber geriet ich schon bei diesem Gedanken in den heftigsten Zorn und schwur bei meinem künftigen Barte, diese Unbill zu rächen. Das alles aber hielt das Heranrücken der verhängnisvollen Zeit, da sich zeigen sollte, ob ich noch besserungsfähig sei, nichts auf. Am Sonnabend, welcher dem für die Konfirmation bc- stimmten Sonntag voranging, hatte ich den großen Bittgang zu unternehmen. Am gefährlichsten schienen mir zwei Onkel, von denen dc.� eine Stadtpfarrer, der andere Obereinnehmer war. Diese beiden Brüder hatten die merkwürdige Eigenschaft, daß sie beide heftig stotterten, und es war sehr erbaulich witanzuhören, wenn sie ini Gespräch in die Hize gerieten. Böse Zungen hatten früher behauptet, der Onkel Stadtpfarrer habe das Stottern bei einer besondern Gelegenheit plözlich gelernt. Als nämlich 1848 ein großer Trupp Freischaaren in meiner Vaterstadt Quartier nahm, erschienen viele derselben an deni großen Brunnen, der vor dem Pfarrhause steht, und schliffen ihre Säbel auf dem Rande des Brunnentrogs. Mein Onkel sah diesem Treiben aus dem Fenster seiner Pfarrwohnung zu. Plözlich erhob einer der Freischärler seinen Säbel und rief, indem er die Klinge im Sonnenstrahl funkeln ließ:„Pfaff, der ist für dich!" Ein homerisches Gelächter begleitete diesen Scherz— denn ein solcher war es offenbar— mein Onkel aber verschwand eiligst und versteckte sich in der Bodenkammer, bis die Freischaaren wieder abgezogen waren. Die bösen Zungen flüsterten nun, er habe von dem Schreck das Stottern bekommen. Aus der Kanzel stotterte er nicht, da er sehr langsam und salbungsvoll sprach. Es war gut, daß sein Bruder später sich am gleichen Ort niederließ; der Bruder stotterte auch und bewies dadurch, daß das Stottern ein den beiden angeborenes Hebel war. So wurde die Mär von der bösartigen Wirkung des Freischaaren- sübels widerlegt. Ich warf mich in meinen Sonntagsstaat, um meinen Schmer- zcnsgang anzutreten. Dabei dachte ich an den Wahlspruch des tapfer» Majors von Schill:„Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende!" und beschloß, die schlimmsten Vcr- wandten vorweg zu nehmen. Zuerst erschien ich beim Onkel Stadtpfarrer. „Ah, der Aloysl? Freut uns, daß du an uns denkst." Der gute Onkel schwieg zuhause gern, denn hier führte seine bessere Hälfte das große Wort, und er pflegte sich dem iu Demut zu fügen. Die Frau Stadtpfarrerin aber war stets aufgelegt zu Büßpredigten, denn sie hatte eine 37jährige Tochter auf Lager, die sie gern an den Mann gebracht hätte. Da aber niemand das Mädchen nehmen wollte, so ward ihre Mutter der ganzen Männerwelt Feind und der arme Stadtpfarrcr mußte das häufig genug empfinde». So hatte auch ich eine lange, lange Predigt der lieben Tante anzuhören, worin die frühzeitige Zuneigung zu deni andern Geschlecht als eine Todsünde dar- gestellt ward. 1884. „Da nimm dir meine Sophie zum Muster," sagte sie;„die wäre nicht so leichtsinnig gewesen wie Kontrolenrs Fanny, und ihr hat noch niemand Liebesgedichte gemacht." Troz allen Elends stand mir das Lachen näher als das Weinen. Das war begreiflich, daß niemand sich dazn ver- steigen würde, des Stadtpfarrers„noch zu habendem" Tvchterlein Liebesgedichte zn widmen. Allein ich mußte Zerknirschung heucheln, und so ging ich denn, nachdem die Tante endlich mit ihrer Predigt fertig war, zum CnM und sagte demütig und leise: Zur Geschichte Kulturhistorische Skiz Wie schon erwähnt, ist außer Reis und Mais der Weizen die Hauptnahrungsfnicht des Menschen, und diesem schließt sich der Roggen an. Gerste und Hafer dagegen werden mehr als Futterpflanzen oder zur Verwendung in der landwirtschaftlichen Industrie, denn als Rahrungspflanzen gebaut, und nur zu Zeiten der Hungersnot oder in ärmeren Gegenden werden auch diese zur Ernährung der Menschen herangezogen. So ist in Schweden die Gerste die Hanptbrodfrncht, und im Hnngcrjahr 1846/47 mußte auch in Deutschland sich manche Familie mit Haferbrod genügen lassen. Der Hafer scheint ein Kind des Nordens zu sein, denn an den Küsten der Ostsee findet man •ihn wild. Doch ist hierdurch nicht gesagt, daß hier seine Ur- Heimat ist; kann er doch recht gut venvildert sein, denn schon seit über 2000 Jahren wird in Deutschland Getreide gebaut. Die Hirse war bei Römern und Griechen seit Julius Cäsar bekannt, und Strabo berichtet von ihr, daß sie in Gal- lien vortrefflich gedeihe und die stärkste Schnzwehr gegen Hungers- not sei. Es wird angenommen, daß die verschiedenen Arten des Weizens, von welchem es mehr als 300 Varietäten gibt, von 4—8 Spezies abstammen. Thatsache ist, daß der Weizen— wie die Gerste— sich außerordentlich den Verhältnissen an- paßt, unter denen er kultivirt wird, und daß natürlich diese Eigenschaft die Zahl der Varietäten außerordentlich fördert. Interessant sind in dieser Beziehung einige Experimente, die man nach Darwin mit Gerste und Weizen machte. Dieses Korn wird, je nach der Fähigkeit, der Kälte zu widerstehen, und der darnach bestimmten Aussaatzeit, in Winter- und Som- merkorn eingeteilt. Man versuchte nun, Winter- in Sommer- gctreide und umgekehrt, umzuwandeln. Von Winterweizen, der im Frühjahr gesäet war, reiften von 100 Pflanzen nur vier. Diese wurden gcsäet und wieder gesäet, und in drei Jahren wurden hieraus Pflanzen gezogen, die sämmtlich reiften. Umgekehrt wurden fast alle ans Sommcrkoni gezogenen Pflanzen, die aber im Herbst gcsäet waren, vom Froste zerstört. Einige we- »ige erhielten fich aber und erzeugten Samen, und in drei Jahren war diese Sommervarietät in Wintervarietät umge- wandelt. Nach Amerika ward der Weizen 1493 durch Kolumbus ge- bracht und schon im März 1494 konnte man ihm reife Aehrcn überreichen, welche erst im Januar gesäet worden waren. Das war also der Anfang des amerikanischen Weizcnbaues, der heute die alte Welt durch seinen allzu reichen Ertrag zu ersticken droht*). In Mexiko war es, wie Humboldt erzählt, ein Neger- sklave Cortez', der zuerst Weizen baute. Er fand drei Körner davon unter dem Reis, den man als Proviant ans Spanien mitgebracht hatte. Im Franziskancrkloster in Quito wird der Topf noch als Reliquie aufbewahrt, in welchem der erste süd- amerikanische Weizen enthalten gewesen, den der Franziskaner-" inönch Franz Jodoco Rixi da Ganta zu Oniw aussäete. Dieses ♦) Diese Gefahr ist nur vorhanden, wo liberale Volks- Mißwirt- schast herrscht, und wird auch da nur diese selbst mit ihrem Verderb- lichen Hauptgrundsaze des Laisser faire totgeschlagen. D. Red. „Also bitte ich euch alle um Verzeihung!" „Nn," sagte täppisch lächelnd der Onkel,„wir brauchen dir nichts zu verzeihen. Es ist nur gut, daß du die schöne alte Sitte aufrecht erhalten hast und zu uns gekommen bist." Mich packte ein gewaltiger Zorn. Klang es nicht wie ein Hohn, wenn diese Leute, nachdem ich wie ein armer Sünder vor ihnen erschienen, noch taten, als legten sie gar keinen Wert darauf. Und doch hielten sie mir Moralpredigten! Wäre ich aber nicht gekommen, so würden sie sicherlich die höchste sittliche Entrüstung zur Schau getragen haben. Schluß folgt.) __ i der Cerealien. e von K. Schfüter. CSchlnb.) Korn ward vor dem Kloster gebaut, nachdem man den Wald ausgerodet. Neben den mehlrcichcn Grasartcn sind es besonders noch der Buchweizen, die Hülsenfrüchte und die Kartoffel, welche als Nährpflanzen hier zu nennen sind. Den Buchweizen finden wir in Deutschland zuerst gegen Ende des 15. Jahrhunderts genannt. Die 1594 in Lübeck erschienene plattdeutsche Bibel spricht nämlich Jes. 28. 25 von„boekwete", ein Beweis, daß diese Pflanze damals schon die deutsche Flora bereichert hatte. Angenommen wird, daß diese Pflanze aus Zentralasicn stammt! zur Zeit der Kreuzzllge wurde sie in das südöstliche Europa eingeführt, von wo sie durch den Seehandel über Venedig»nd Antwerpen über das übrige Europa verbreitet wurde. Dcr, Buchweizen, auch Heidckorn, führt ersteren Namen nach der! Aehnlichkcit seiner Körner mit der Buchecker. Die zweite Bc nennung soll eigentlich Heidcnkorn bedeuten, woraus man W gern will, daß uns das Korn von den Heiden überliefert wurde. Unter diesen„Heiden" werden die Zigeuner verstanden, die t"" 15. Jahrhundert sehr zahlreich Mitteleuropa überschwemmten. Sicheres ist indes darüber nicht festgestellt, und heute sind e besonders die Landbewohner des nördlichen Deutschlands»n Rußlands, welche diese Pflanze kultivire», und ihnen ist bei Buchweizen von derselben Wichtigkeit, die der Mais im lichen Europa beansprucht. j Die Kultur der Hülsenfrüchte, die für manche Gegend/'� dieselbe Wichtigkeit haben, wie für andere Länder die mch' j haltigen Grasartcn, reicht bis ins graue Altertum zurück.®' I Bohne wird schon von Herodot und von Homer, wie auch 1 alten Testamente genannt, und die Pfahlbautcnbewohner be I Schweiz bauten gleichfalls diese Frucht schon an. Es steht fest, wann sie»ach Deutschland kam, doch wird unter den Ack�' erzeugnisscn unseres Landes im 9. Jahrhundert die Bohne W J erwähnt. Auch Linse und Erbse haben schon eine alte W'1 tur. Danvin nimmt an, daß unsere gewöhnliche Erbse i" in Südeuropa vorkommenden wilden Feldcrbse ihre Urform r!• während andere sie dem mittleren Asien zuweisen. auch die Linse ihre Heimat, die, im Altertum schon allen y| fern des Orients bekannt, von dort nach Italien und von diell. »ach Deutschland gelangte. Auf das Alter der Linseukul weist auch das bekannte Linsengericht Esau's im alten Je! mente hin. In Griechenland war die Linse eine so, I liehe Volksspeise, daß die Reichen ans diesem Grunde schmähte», davon zu essen, und es von der Vergangenheit e>n Emporkömmlings hieß:„früher, als er noch Linsen aß.", Es ist nicht festgestellt, ob Deutschland die Erbse zuerst., Balkan oder von Italien erhielt. Nach England wurde fie/'\ Holländer eingeführt, und auch in Deutschland, wo die K"| der Erbse im Mittelalter unbedeutend war, wurde sie' 11•. Niederländer weiter ausgedehnt. Als grünes Gemüse km» Erbse zuerst in Frankreich unter Ludwig XIV. auf. währ�. wie wir gesehen, sie getrocknet schon im Altertum Bolksst geworden war. Bildeten bis zum 17. Jahrhundert neben Brod und speisen die Hülsenfrüchte ein Hauptnahrungsmittel in De» r 135 Innb, so wurden dieselben um diese Zeit noch und nach durch ein Geschenk Amerika's, durch die Kartoffel stark in den Hinter- gnmd gedrängt. Die Heimat der Kartoffel ist das Hochgebirge Amerika's, wo sie nicht nur in Chili und Peru, ihrem ersten Fundorte, sondern auch in Nordamerika, in den Gebirgsketten Arizona's, bis zu einer Höhe von 12000 Fuß gedeiht. In Peru ward diese Pflanze schon unter den Jnka's vor Eintreffen der Spa- »icr auf dem Hochplateau der Kodillcren sorgfältig angebaut, und hier lernten die spanischen Eindringlinge diese Frucht kennen. Zwischen 1560 und 1570 ward sie nach Spanien gebracht, und �on hier aus gelangte sie rasch nach Portugal, Italien und Burgund. Wegen ihrer Aehnlichkeit mit der Trüffel nannte wan sie in Italien Taratuffoli, Tartuffoli, woraus durch Kor- Uiption das deutsche: Kartoffel, entstand. Im Jahre 1565 wurde die Kartoffel durch einen Sklaven- Händler, John Hawkins, nach Irland gebracht, welcher sie als �chiffsproviaut in Santa Fe erhalten hatte. In England wurde sie 1584 durch Sir Walter Ralcigh, der sie aus Virginicu mitbrachte, eingeführt. Zwei Jahre später ward sie auch durch den Freibeuter und„Sccheldcu" Franz Drakc nach England gebracht, und dieser bemühte sich um die Nerbrcituug der Frucht iu solcher Weise, daß man lange dafür hielt, er sei der erste gewesen, der die Kartoffel nach Europa brachte. Im Jahre 1596 wurde die neue Pftanze durch den englischen Botaniker 3- Gcrard, der Saatkartoffeln von Drake erhalten hatte, kul- sivirt und als Batata virginiaua beschrieben. Außerordentlich widerlich für den Anbau der neuen Frucht wirkten die eng- "scheu Bürgerkriege, und zwar, weil die Soldaten alles zer- Mten. was sie in Feindesland antrafen, sich aber nicht die ~|uhe»ahmen, ein Kartoffelfeld umzuwühlen, und auf diese �ise der Landman» eine gewisse Sicherung seiner Arbeit im wrtosselbau hatte. Ueberhaupt wirkten alle Kriege— in �utschland besonders der 30jährige— auf die Ausbreitung llartoffelbaucs hin. Schon 1588 pflanzte der nicdcrlän- °'lche Botaniker ClufiuS. der sie aus England erhalten, die �rtossel als Seltenheit und trug später viel zu ihrer Aus- vreitung in Holland bei. Im selben Jahre gelangte die neue jfrutht aus den spanischen Niederlanden nach Wim, wo sie iu kaiserlichen Gärten angepflanzt wurde. Clusius schreibt *601. daß in Italien die Kartoffel schon so reichlich gebaut �de, daß man sogar die Schweine damit füttere. . 5luch Frankreich wurde durch Vermittlung Englands mit sm neuen Knollengewächs bekannt. Doch wurde die Pflanze .!" dinge nur wenig angebaut, sodaß sie im Jahre 1616 noch gwße Seltenheit auf der königlichen Tafel galt. «"s einigen Gegenden Deutschlands wird um 1613 bc- (Vx baÜ der Anbau der Kartoffel schon„gar gemein" sei. leÜk e Bedeutung als Nährfrucht erlangte sie indes erst wäh- e.. und nach dem 30jährigen Kriege. 1640 kam sie»ach �'Darmstadt und Westphalen, und nach Braunschweig 1647. � selben Jahre führte sie der Bauer Haus Nagler ins Voigt- kin, und drei Jahre später gelangte, sie auch nach Berlin. der ö Anfangs des vorigen Jahrhunderts erlangte bei uns Gxg�toffelban größere Bedeutung, aber immer izvch gab es etit in welchen die Pflanze unbekannt blieb. So kamen später wurde sie durch den Waldcnser Antoine Jng- Kartoffeln aus Schottland nach Mecklenburg. Noch lamb nio» r•0n� Würtemberg gebracht, und erst 1716 ""Sfbant% Bamberg, Bayreuth und in Baden auf Aeckern �e|wtol[L* �®a�hfen kam sie 1717 aus Brabant durch den «wich Will!- � �'kkau. Im Jahre 1738 schenkte Frie ~Qubr- 1 1,1'• dem berliner Krankenhaiise einen Komple, �offrl»' Bedingung, daß darauf für Arnie und �e Fturfit'l1"t werden sollten. Erst im Jahre 17 w auf die schwäbische Alb. Besonders die Hunger- dies whre Komplex Kranke 740 kam ■*')« von 1745 und später'l'? 93 gar �rst �durch� die In neuerer Zeit ist die Kultur der etwa 2000 Arten zählenden Kartoffel etwas eingeschränkt worden durch die sogenannte Kartoffelkrankheit, die 1746 zuerst im Obere» zgebirge bcob- achtet wurde. Im lezten Drittel des vorigen Jahrhunderts trat diese Krankheit vcrschicd'cutlich im Erzgebirge, in Süddeutsch- laud und Hannover auf, doch erlangte sie erst 1843 weitere Verbreitung. Seit 1846 ist sie der Hauptfeind der Kartoffel- kultur, die in Deutschland ihren Hanptsiz hat. Ans jeden Ein- wohner prodnzirt Deutschland gegemvärtig etwa 6,6 Hektoliter Kartoffeln. Die Regierungen gaben sich große Mühe, f. Z. die Kar- toffel in ihre Staaten einzuführen, stießen dabei aber überall auf ganz energischen Widerstand seitens der Landbauer. Es scheint beinahe, als ob ein gewisser Instinkt das Volk vor der Ausbreitung der neuen Frucht warnte. Besonders»var es auch die Geistlichkeit,»vclchc gegen den Anbau der„Teufelswurzel", »vie sie die Pflanze naiintc, zu Felde zog. Bei dieser lag frei- lich ein sehr erklärlicher Grund für ihre Feindschaft gegen die „Tcufclsivurzcl" vor. Sie bekam nämlich von der Kartoffel keine Zehnten, und das war die Veranlassung, daß die Priester- schaft gegen den Anbau der Pflanze>var. Der' Zehnte wurde nämlich erhoben als großer Zehnten, der von Getreide und Wein, als kleiner Zehute, der vom Gemüsegarten und als Blut- oder Fleischzehnte, der vom jungen Vieh bezahlt werden mußte. Die Bibel sagt, daß der Zehnte zu erheben sei vom„Samen des Landes" und von den„Früchten der Bäume"; hierunter konnte man aber die Kartoffel nicht rangircn, und doch wollte sich die Geistlichkeit ihr Einkommen nicht gern schmälern lassen. Schon 1694 brachen bei Hof Streitigkeiten über Erhebung der Kartoffelzehuteu aus, und ein Jahr später erschien in Baden die erste Verordnung über Regelung des Kartoffelzehuts. Der Widerstand der Geistlichkeit bestärkte auch die Bauern in ihrem ohnehin vorhandenen Widenvillcn gegen den Kartoffelbau. Nicht nur, daß sie diesen selbst verschmähten, auch andere wurden am Bauen verhindert. In Berlin sträubte sich die Eimvohuerschaft zehn Jahre lang, die Kartoffel, die ihnen„die Weisheit der Obrigkeit" ausdrang, auch nur zu genießen. In Preußen»vurde durch Friedrich II. der Anbau bis zu einer gelvissen Ausdeh- nung jeder Gemeinde zur Pflicht gemacht. Als das nichts half, mußte Militär nachhelfen, und in Pominern, Schlesien und der Mark wurden den Bauern, die der Kartoffelbau-Verordnuiig nicht folgten, Dragoner solange ins Quartier gelegt, bis sie nachgaben. In Frankreich bemühte sich ein gewisser Parmcn- tier besonders, den Kartoffelbau zn fördern. Er schrieb Bücher und hielt Reden, worin er den Landlcuteu die angeblichen Vorteile des Kartoffclbaucs klar zu machen suchte. Es half aber nichts; die„dummen" Bauern cutgeguctcn ihm, die Kartoffel sei kaum für die Schweine genießbar, ivieviclwcniger für die Menschen. Jezt soll,»vie erzählt»vird, Parmenticr zu einer List gegriffen haben. Er ließ um Paris herum Land mit Kar- toffeln bepflanzen, und als die Erntezeit herankam, bekannt inachcn, daß bei schiverer Strafe sich niemand unterfangen solle, nur eine Knolle der Frucht zu cntivenden, dieselbe sei aus- schließlich für den königlichen Hof und„einen hohen Adel" bestimmt, und für den„gemeinen Mann" zu kostbar. Die aus- gestellten Feldhüter schliefen des Nachts, und jezt sollen die Landlente sich von der Frucht geholt, und sie gleichfalls angepflanzt haben. Diese Anekdote wird aber sehr verschieden er- zählt, und ist darnach ihr historischer Wert zu bemessen. Noch 1844 sah in Rußland, um den Kartoffelbau zu fördern, die Regierung sich veranlaßt, Prämien für diesen anszusezen, und dort begegnet noch heute derselbe dem Widerstand der Bauern. Ein wie richtiges Gefühl die Landbevölkerung mit diesen» Wider- stände bekundete, werden wir in folge», dem sehen: Physiologen und Kulturhistoriker sprechen lehrreich genug »"iber den Einfluß von Speise und Trank auf den Einzelnen »vie auf ganze Völker, und»vir dürfen bestimmt behaupten, daß der Einfluß der Kartoffel dort, wo sie ganz oder doch beinahe ausschließlich als Nahrungsmittel gilt, ein sehr verderblicher ge- »vcsen ist. Einer der zur Ernährung wichtigsten Pflanzenstosfe ist tmK Amylum oder Stärkemehl. So, wie wir dieses Stärkemehl als Nahrungsmittel zu verbrauchen pflegen, ist es meist mit anderen Stoffen, die gleichfalls zur Ernährung wichtig sind, gemischt, und zwar kommen hier hauptsächlich die stickstoffhaltigen Stoffe, wie Kleber, Legumin u. s. w. inbetracht, auf deren größeres oder geringeres Vorkommen die Ernührungsfähigkcit der betref- senden Pflanzen mit beruht. Von den stärkemehlhaltigen Nah- rungsmitteln haben nun dieses günstige Mischungsverhältnis hauptsächlich die Getreidepflanzen— besonders Weizen, Roggen und Gerste— und die Hülsenfrüchte. Beim Weizen verhalten sich nach Liebig die stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien Substanzen wie 10:46, in Roggen und Gerste wie 10:57. Beim Brode ist das Verhältnis des hinzugeseztcn Wassers halber ein wesentlich anderes. Bei den Hülsenfrüchten— Erbsen, Bohnen und Linsen— ist das Verhältnis der stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien Substanzen wie 24: 100, und diesem Umstände verdanken die Hülsenfrüchte ihre große Nährkraft. Werden sie in Verbindung mit fettreichen Nahrungsmitteln genossen, so zeigen sie sich vor allem geeignet, den Körper selbst bei schwerer körperlicher oder geistiger Arbeit gesund und kräftig zu erhalten. Ganz anders aber bei der Kartoffel. Dieselbe enthält von nahrhaften Stoffen größtenteils Stärkemehl, und auf 100 Gc- wichtsteile nur etwa 6—8 Teile stickstoffhaltiger Stoffe. Dieses Verhältnis ist bei dem Reis ein ebenso ungünstiges, vor diesem aber hat die Kartoffel noch den Nachteil, daß bei ihrem Genuß große Mengen Zellstoff(Cellulose) in den Magen geführt wer- den, die bei der heutigen Zubereitung unserer Speisen unver- baulich sind. Wenn nun ein arbeitender Mann die für ihn er- forderlichen Mengen stickstoffhaltiger Körper, welche er sich in 614 Gramm Ochsensteisch verschafft, in Kartoffeln decken sollte. so müßte er in runder Zahl 10 Kilo Kartoffeln täglich zu sich nehmen. Da dies nicht möglich ist, so sieht man hieraus, wie die Ernährung von Leuten beschaffen ist, die allein auf Kar- toffcln angewiesen sind. Moleschott behauptet, daß derjenige, welcher sich 14 Tage lang ausschließlich von Kartoffeln nähren wollte, nicht mehr imstande sein würde, sich die Kartoffeln zu verdienen. Die Kartoffel hat dort, wo sie Einfluß gewann, mehr die Gesellschaft beeinflußt, als Kriege und andere gewaltsame Kämpfe es jemals hätten tun können. Am besten sehen wir dieses im Erzgebirge, einem Teil von Schlesien und in Irland, wo die Kartoffel Hauptnahrung geworden ist. An der Armut und dem grenzenlosen Elend dieser Gegend trägt die Kartoffel ein gut Teil Schuld mit. Die Leichtigkeit, mit der diese Frucht angebaut, der Maffenertrag, den der Anbau liefert, machten es möglich, daß eine größere Anzahl von Menschen, als vorher, aus einem gegebenen Räume leben— leben nein, existiren konnte. Die Lebenshaltung des Volkes ward hinabgcdrückt und — billige Arbeitskrast geschaffen. Das war der vielleicht nicht bewußte Zweck, als die Regierungen so energisch für die Aus- breitung des Kartoffelbaues eintraten. Eine abnorm große Sterblichkeit, zahlreiche Erkrankungen, Degeneration der ganzen Bevölkerung, das ist der Preis, mit dem diese billige Arbeits- kraft bezahlt wurde. Von den wenigen Kulturpflanzen, die tvir Amerika vcr- danken, und von denen die wichtigsten der Tabak, der Mais und die Kartoffel sind, haben die beiden lezten, wie wir ge- sehen, wenig zur Glückseligkeit des Menschen beigetragen. Dar- win meint, daß von den vielen taufenden Pflanzen Amerikas nur deshalb so wenig kultivirt wurden, weil jene Pflanzen, die bereits seit Jahrtausenden der Kultur unterworfen, durch die lange Zucht so veredelt sind, daß die erst später der modernen Kultur zugängig gemachten ämcrikanischen Pflanzen mit jenen älteren Kulturpflanzen inbezng auf ihre» Nuzcn für die Menschheit nicht konknrriren konnten. Sollten der Mais und die Kar- toffcl nicht nur deshalb das Uebcrgewicht der älteren Pflanze», besonders des Getreides und der Hülsenfrüchte, überwunden haben, weil durch ihren Anbau die Lebenshaltung des Volkes heruntergedrückt, billige Arbeitskraft geschaffen wurde und so Re maßgebenden Gewalten in Staat und Gesellschaft ein Jntcrcffe daran fanden, den Bau dieser Pflanzen zu fördern? Moderne Schicksale. Novelle von Gcrrt Herlitz. (6. goctfcjim»-) „Sehen Sic," rief Mistreß Jonston und hielt dem Baron das geöffnete Medaillon mit dem Bilde ihres Vaters hin, „meines Vaters Willen habe ich ausgeführt bis diesen Tag, bis diese Stunde! Meinem Vater bin ich in ein fremdes Land gefolgt, seinem Wunsch und Rat nachkommend, reichte ich einem ungeliebten Manne die Hand am Altar, zu seinem Tröste nnd um ihm Beruhigung zu verschaffen, kam ich hierher, sein Recht geltend zu machen, immer alles für ihn, nichts für-mich!" Sie hielt inne, und ihre Tränen flössen reichlicher, als sie fast unhörbar hinzusezte:„Als höchstens den Schein der Schande!" „Verzeihen Sie mir," bat er leise,„daß mein Ungestüm Ihnen freudlose Bilder zurückruft und Sic veranlaßt, mir eine traurige Vergangenheit zu enthüllen!" „Sic brauchen Sich nicht zu entschuldigen," fuhr sie fort, „daß Sie in mir Erinnerungen weckten, die mir troz alledem lieb sind, denn sie zeigen mir die erfüllte Pflicht, nnd ich werde meines Vaters Willen, ohne zu murren, bis zum Ende durch- führen! Von Ihnen, Herr Baron, erbitte ich nur, daß Sie nie wieder mir gegenüber Punkte berühren, die außer dem Ge- schäftskreise liegen." „Niemals wieder?" fragte er langsam und konnte dabei den Gedanken nicht los werden, daß sie ohne Liebe und halb ge- zwungen einem Manne einst die Hand gereicht hatte. „Nein," entgegnete sie. ohne direkt auf seine Frage zu antworten,„wir beide dürfen nur an das Geschäft denken; hatte ich doch fast den eigentlichen Grund vergessen, weshalb ich Ihre Begleitung erbat!" Mit der alten Ruhe und Sicherheit ging sie an einen Koffer. öffnete denselben und nahm die rote Mappe heraus. „Darf ich Sie bitten, an meiner Seite Plaz zu nehmen?" sagte sie. Er folgte»ach stummer Vcnieigung dieser Aufforderung- Ehe eine Viertelstunde vergangen war, kannte der Bare» den Gcschäftsvertrag, welchen Sengcr einst mit dem Vater der Mistreß Jonston abgeschlossen hatte, sowie alle späteren Ken- sequenzen desselben.—— Während derselben Zeit war Senger durch die Straßen W» und her geint. Nur mit seinen Plänen für die nächste 3»' kunft beschäftigt, beachtete er die Grüße verschiedener ihm � gegnender Bekannten nicht, bemerkte ebensowenig, daß Hera»' sprizendcr Kalk eines Neubaues seinen Paletot bcschmuzte sah sich plözlich an einem großen Torplaz. Er ging in eine an diesem Plaz gelegene Konditorei. M»» hatte in den Vorgarten allerdings schon Tische und gestellt, aber dieselben waren der frühen Jahreszeit wegen nicht von Gästen besczt. Auch die Glashalle vor dem Hause ivar leer, die hatten troz des hellen Märzsonnenscheins den Aufenthalt in dc» inneren Lesekabinets vorgezogen. Senger suchte die Einsamkeit, um ungestörter nachdenken ö» können, deshalb trat er in die Glashalle ein. � Ein Gar�on brachte ihm aus sein Verlangen Absynt Zeitungen. Senger mischte den Absynt mit dem Inhalt einer Saff"' i— i tataffe und leerte bmm den Pokal, der die berauschende Flüssig- keit enthielt, fast bis auf die Neige aus. Mechanisch hielt er eine Zeitung in Händen und bemerkte nicht, daß sie vom gestrigen Tage war; sein Geist war zu sehr mit andern Dingen beschäftigt. Der Absynt tat seine Wirkung, die schnellere Zirkulation des Blutes erhöhte die Tätigkeit seines Gehirns, die Phantasie gaukelte Bild auf Bild ihm vor, aber rastlos folgten sich diese Phantome in flüchtiger Jagd; keins davon suchte er zu halten, da keines seinen Plänen dienen konnte. Er hatte eine Frau zu bekämpfen und er war ein Mann; � fühlte seinen Nachteil, suchte nach Hilfstruppen und konnte 'eine entdecken. Sein Blut, durch Nachdenken und Absynt Zugleich gereizt, erhizte sich immer mehr, er erhob sich, warf dw Zeitung fort und trat an die vordere Seite der glasgedeckten >kranda. Er öffnete eins der Fenster und sog die herein- Illöniendc sonnige Frühlingslust behaglich ein. Draußen jenseits des Gitters stand auf dem Trottoir ein Frauenzimmer. Es war eine jener Proletarierinnen, deren �rrgangenheit und Zukunft mehr als jedes andere Lebcnsschicksal �Cm Zufall seine Färbung verdankt. Sie werden auf der hohen �re des Lebens, die in einer Weltstadt wie Berlin mehr randet als anderswo, willenlos umhergeschleudert. Das Körbchen am Arm der draußen stehenden Frauens- Person ließ keinen Zweifel über ihre Beschäftigung. Sie war we Blumenverkäufenn. Ihr Korb war mit duftigen Veilchen- ! außchen gefüllt, deren Stiele zierlich in Silberpapier gewickelt . waren. , hatte den eleganten Herrn am Fenster der Glashalle um erblickt, als sie durch das Gitter in den Vorgarten trat Mich der Veranda näherte. m. �enger bemerkte sie garnicht; erst als sie ihm einen ihrer uchensträuße zum Kauf anbot, wurde er auf sie aufmerksam. nj-°ä M schlechten, unordentlichen Kleidung fiel ihm der juno- ! Jy SBuchs der Person auf, ebenso ihr intelligentes, scharf nipÜ U-tC§®ef'cht' auf dessen Stirn wirre dunkle Haare salopp dpa m-®0ni besonders aber interessirte ihn das Auge � �eilchenmädcheus, das den Blick fest auf ihn gerichtet hielt. | a �r Menschenkenner genug, um sogleich zu wissen, was für ! tzj,.� Eigenschaften und physische und psychische Fähigkeiten im leiD?�""be solchen Blickes schlummerten. Sie mußten nur tjnJ, 1 werden. Den größten Vorteil hat stets derjenige, der andern Fähigkeiten sich dienstbar zu machen versteht. ßgt bedachte Senger, als er das Veilchenmädchen von der �Mcr Veranda musterte. ihn Habchen mißverstand seine Absicht völlig und lächelte blies,""'. schelte auch, aber in sich hinein; seine Züge eaen kalt und unbeweglich. to'rti'ifh t,' gnädiger Herr," klagte die Blumenhändlerin mit Niix■ ��ergreifendem, rührenden Tone in der Stimme,„bitte, paar Veilchen abzukaufen!" Dabei streckte sie die »Pur e'uigen Bouquets hoch und fuhr da»» flehend fort: !'Ueinx l\')C i'iv zwei Sträuße! Mein Bater ist tot und Gesch.,," uttfl feit langer Zeit krank, dazu noch vier kleine erhaij'. Daheim! Sch muß uns alle mit dem Blumenhandel lostz®ie können Sich nicht denken, wie schwer es mir 'm'l ehrlich mein Brot zu enverben!" mit L 1 auswendig gelernt," dachte er bei sich,„und ganz � erforderlichen Tone vorgetragen!" box sj�, bäbkig überzeugt, daß er ein Talent im Bettlcrkleidc % Jnt'e und beschloß, die Probe zu machen, ob es sich zeigen würde. i! I» bi f b'C Peilchen frisch?" fragte er kurz._ 11 Bl», C'Cn karten lag eine indirekte Antwort, daß er von Sie f2 faufen wallte. fiuäbige k C.§ auch so auf, denn sie beteuerte, daß der nach jw sich davon überzeugen könnte und wandte sich zu»>2�e"w. die zu der Veranda hinaufführte. Lezterc wunte, sch � daß sie die Veilchen ihm von unten reichen wußte dazu selbst in die Halle hinaufkommen. Es dauerte kaum eine Minute, bis das Veilchenmädchen in die glasbedeckte Veranda trat. Aber so kurz dieser Zeitraum auch gewesen war, er hatte für Senger genügt, sich den Siegel- ring vom Zeigefinger zu streifen und denselben auf einen der nahestehenden kleinen Tische zu legen. Die Blnmenverkäuferin trat ein.—— Senger saß bereits wieder auf seinem vorigen Plaz, nahm der Eintretenden zwei Veilchensträuße ab, reichte ihr dafür ein Markstück und blickte dann, als ob jene garnicht mehr für ihn da wäre, in seine Zeitung. Das verwirrte sie, denn sie hatte geglaubt, daß er mit ihr sprechen würde. Vermutlich waren die Veilchensträuße nur das bunte Schild für eine doppelte Firma. Da er aber gar keine Miene machte, das Interesse von seiner Zeitung auf sie zu übertragen, so ging sie langsam der Tür wieder zu, indem sie noch immer von ihm zurückgerufen zu werden hoffte. Plözlich stockt ihr Fuß! Was blizt da vor ihr auf dem Tisch, neben dem sie gerade vorbeigeht? Sie sieht schärfer hin, ein prachtvoller Ring schimmert ihr mit funkelndem Glänze entgegen,— niemand beobachtet sie,— ein kühner, geschickter Griff, dem man es ansieht, daß er nicht Erstlingsarbeit ist,— und das kostbare Kleinod ist in ihrer Tasche verschwunden. Jnstinktmäßig beschleunigt sie jezt den Schritt und steht bereits an der offenen Tür, als sich eine Hand wie eine eiserne Klammer auf ihre Schulter legt. Entsezt steht sie wie gebannt. Senger, der im an der Wand hängenden Spiegel jeder ihrer Bewegungen mit den Augen eines Luchses gefolgt war, j stand nach raschem Sprunge neben ihr. „Halt, mein Kind!" höhnte er,„nennst du das auch ehrlich dein Brot verdienen?" Sie stieß einen Schrei aus, weniger aus Schreck, sich ent- deckt zu sehen, als vor Entsezen über das dämonische Behagen, das in dem Tone seiner Stimme und im Ausdruck seines Gesichts lag. Ans diesen Schrei kani der Garyon, der Senger vorher den Absynt gebracht hatte, aus dem Büffetzimmer. Er fragte nach der Ursache des Schreies. „Die Dirne ist eine Diebin!" lachte Senger,„ha, ha. ha! Das war ein lustiges Gauncrstückchen!" Auch der Herr des Etablissements erschien, von dem Lärm angelockt, jezt in der Tür. „Herr, wahrhaftig nicht!" beteuerte das Mädchen und suchte sich von Sengcr los zu machen, was ihr aber nicht gelang. „Du, lüge nicht!" drohte Scnger,„in dem Spiegel dort sah ich zufällig hinter meiner Zeitung hervor, daß du einen goldenen Ring vom Tische nahmst!" „Welche Frechheit!" rief der Konditor und sah ängstlich in das Innere seines Etablissements, ob auch nicht einige der dort sizenden Gäste diesen ärgerlichen Austritt bemerken möchten. Das Veilchcnmädchen beteuerte seine Unschuld. „Es war mein Ring," fuhr Senger fort, ohne sich von diesen Unschuldsbeteuernngen beirren zu lassen,„ich hatte ihn abgelegt, weil er mir etlvas zu eng ist und mich beim Halten der Zeitung genirte. Da ich den Plaz gewechselt hatte, wäre ich meinen Verlust zu spät gewahr geworden, wenn nicht der Spiegel mir den Diebstahl verraten hätte!" „Sie muß ins Gefängnis!" rief der erboste Kafetier. „Das ist ihr gewiß," sezte Senger hinzu. Das Veilchenmädchen sah die Hoffnungslosigkeit� deS Leugnens ein und legte sich aufs Bitten. � „Machen Sie nicht Lärm um solche Kleinigkeit! Ich bitte Sie," flehte die Dirne,„lassen Sie mich los!"' Dabei faßte sie in die Tasche, zog den grstohfienefl Ring heraus und gab denselben an Senger zurück. M i■■ „Nichts da! Solche Vögel wie dich läßt uian�nischt' wieder fliegen." 140 Der Kafetier schloß sich diesen Worten Sengcrs an und gab dem Garyon Befehl, einen der Polizcibcamten vorn Plaze zn holen, damit dieser die Diebin arretiren möchte.' Aiit dem Ringe zugleich hatte die Person ein gefaltetes Papier ans der Tasche gezogen, welches sie nun an Sengcr reichte. „Barmherzigkeit!" flehte sie weiter,„sehen Sie hier meinen Gewerbeschein, daß ich mir ehrlich meinen Lebensunterhalt verdiene! Vergeben Sie mir, was ich getan, die Versuchung war zu groß!" Senger entfaltete das Papier und sah hinein. Es war wirklich ein Gewerbeschein, der die Inhaberin desselben, Lea Bcrthold, ermächtigte, im Bezirk der Stadt Blumen verkaufen zu dürfen. Senger, der den Kellner durch einen Wink von dem Holen eines Polizeibeaintcn zurückgehalten hatte, faltete Leas Gewerbe- schein zusammen und steckte ihn in seine eigene Tasche. Jezt war sie ihm ganz verfallen. Der Kafetier wiederholte seine Absicht, einen Polizisten herbeirufen zn lassen. „Nicht doch," erwiderte Senger hierauf,„wozu ein Aufsehen erregen, das Ihre übrigen Gäste erschrecken könnte! Ich werde die Person selbst zur Polizei führen!" Damit war der Herr des Etablissements vollkonimen ein- verstanden, da es in seinem Interesse lag, die Sache zu vcr- tuschen. Sengcr nahm seinen Hut, warf die Bezahlung für den genossenen Absynt auf den Tisch, rief dein zitternden Mädchen ein energisches„Voran" zn und verließ mit demselben das Lokal. Er folgte ihr ans dem Fuße, und als sie Miene machte, seitwärts zn entspringen, hielt er sie fest und raunte ihr in das Ohr: „Kein Fluchtversuch, sonst laß ich dich auf offener Straße verhaften; auch hülse dir keine Flucht, bedenke, daß ich den Schein mit deinem Namen in der Tasche trage!" Dabei be- zeichnete er ihr de» Weg. Sic seufzte und gab sich verloren. Kraftlos und willig ging sie voran. >,Jn dieses Hans hinein!" befahl er plözlich. Scheu sah sie ans. Das gefürchtete Polizcischild war nicht an der Haustür zn sehen. Beide traten ein. „Die Treppe hinaus!" Auf diesen Befehl Sengers gehorchte sie stillschweigend. Eine seltsame Gewalt, die von diesem ihr furchtbaren Manne ausging, beherrschte sie vollständig. Sie fühlte sich ganz in seiner Macht und wagte ihm gegenüber keinen-Wille» mehr zu haben. Als beide das erste Stockwerk des Hauses erreicht hatten, standen sie vor einer Tür, ans deren Messingschild der Name: „Agent Larberg" eingravirt war. Dort zog Sengcr die Klingel. Die Tür öffnete sich, und er führte das unglückliche Veilchen- mädchen, das in die von ihm aufgestellte Falle gegangen und dadurch von ihm abhängig geworden war, in die Wohnung seines Agenten. W. ßi» Fraucnkoiiiplott. Im Thcclcn'schen Hanse herrschte die größte Aufregung. Leopoldine hatte, solange sie verheiratet war, cincn solchen Tag noch nicht erlebt. Als sie sich nach der durchschlvämtcn Ballnacht ziemlich spät vom Lager erhoben hatte, war sie nicht wenig erstaunt, zn hören, daß ihr Gemahl, ohnc das Frühstück zn nehmen, bereits das Hans verlassen hätte. Das war durchaus gegen seine Gewohnheit; mchrcremale schickte sie in das Komptoir hinab und ließ sich erkundige», ob er noch nicht zurückgekehrt sei.. Stets erfolgte eine verneinende Antwort. Ihr Erstaunen wurde Unmut»nd ging zulezt in lebhafte Besorgnis über. Es bemächtigte sich ihrer eine nervöse Iln- ruhe und trieb sie ans einem Salon in den andern. Die Mittagsstunde schlug, und er war noch immer nicht da. Sic hatte zn verschiedenen Bekannten geschickt und Nach- frage halten lassen, aber von niemanden war ihr Gatte gc* sehen worden. Man trug das Essen auf, sie ließ es unberührt. Da wurde die Hausglocke gezogen und gleich daraus der Kommissionär ans Mohrinanns Hotel gemeldet. Lcopoldine vergaß sich in ihrer Aufregung soweit, daß sie dem Manne bis in das Vorzimmer entgegeneilte. Sic empfing von ihm die Kunde, daß ihr Gemahl heute im Hotel speisen würde. Dabei wäre nun nichts Ausfälliges gewesen, denn das war schon öfter vorgekommen, aber die Art und Weise, wie er heute fortblieb, beunruhigte sie und spornte ihr sonst schwer zu er- regendes Nachdenken an. Wohnte denn nicht jene Fremde, die gestern Abend den rätselhaften Krankheitsanfall in ihrem Hanse bekommen und fast den Ball gestört hatte, in jenem Hotel? Ja, sie irrte sich nicht, das hatte ihr die Justizrätin Härder mitgeteilt. Sollte zwischen jener fremden Dame und ihrem Gatten irgend ei»e geheime Beziehung stattfinden? Das schien Lcopoldincn zuerst unmöglich, und doch kehrte ihr immer wieder dieselbe Borstel lung zurück. Als die Dämmerstunde hereinbrach und Sengcr noch i»»»ce nicht heimgekommen war, wurde sie vor Unruhe und Aerger st' unwohl, daß ihre Kaninierjnngfer/ ohnc daß Lcopoldine es wußte. zum Hausarzt sandte. Als dieser erschien, wurde er sehr übel empfange» und kurz abgewiesen mit dem Bemerken, daß sie ganz gesund sei u»d niemand sehen wolle. Dann folgte eine heftige Szene mit der Dienerin, und allc� wurde zulezt durch einen Ausbruch höchster Aufregung über- troffen, als ein Billet an Lcopoldincn von ihrem Gatten a» kam, dessen Inhalt in lakonischer Kürze lautete: „Es ist möglich, sogar wahrscheinlich, daß ich vor morgen früh nicht nach Hanse komme. Wichtige Geschäfte halten pucki aus- Sie hatte die Dienerin, welche ihr das Billet iibcrbracht. heftig hinansgewiesen, sich eingeschlossen, und war in Träne" ausgebrochen. Sengcr hatte sie bisher durch Schmeicheleien verwöhnt. st'iu häufigen Abwesenheiten unter den zärtlichsten Abschieden stel- bedauert und immer die triftigsten Gründe dafür vorgebracht- Sic hatte ihm stets geglaubt, denn sie liebte ihn wirkst�' und ihre Liebe hatte festes Vertrauen erzeugt. Das war heute erschüttert worden; sie hatte seine N""' sichtslosigkeit zum ersten male qnpfnndc», weil er sich heute uidst' wie gewöhnlich. Zeit genommen hatte sie zu täuschen. Da sich bei ihr aber alles in der Liebe zn ihrem Wst'! konzentrirte, so brachte sie auch jedes Vorkommnis mit dic>� Liebe in Verbindung. Bis jezt war sie in ihrem Wahne st�st glücklich gewesen, heute empfand sie plözlich die Qualen'stj tigster Eifersucht. Dies Gefühl veränderte ihren Karaktcr,'u trat ans ihrer Passivität heraus, und immer klarer drang � Hang zum Handeln bei ihr durch. Dein angebeteten Go"'" konnte sie nicht zürnen, nur ihr, die sie auch in dein mannschcn Hotel wußte und an deren Seite sie den Mann ist*"'" Herzens wähnte.. Ein förmlicher Trieb zur Rache erfüllte sie. Aber wie diese Rache ausführen? Sic konnte das Ehaos ihrer Gedanken, das sie bcstür"'� nicht ordnen, und nur umso reichlicher flössen ihre Träne». Plözlich erinnerte sie sich der Worte der Justizrätin lu"1 vorigen Abend, und wie diese sie schon damals vor der ist sährlichcn Fremden gewarnt hatte. Ja, die Rätin ist ihre beste Freundin, zn ihr will sie sich dort Rat und Trost in ihrem Kummer holen. Kaum ist der Gedanke gefaßt, so wird er auch schon geführt.(Sorlttjuns l-lg'-' - 141- Der Dan des menschlichen Kiirpers. Eine anatomisch- physiologische Skizze von Wruno Heiser. tZortiezung.) Die Leber(hepar, jecur, Fig. 9 le) ist die größte Drüse des Lei den Kindern ist sie im Verhältnis zum Körpergewicht größer. Wirbeltierkörpers. Sie ist bei Erwachsenen durchschnittlich 12 Zoll Sie liegt oben in der Bauchhöhle, mit ihrem größeren nach '�g, wiegt l2/»— 2 Kilo und zeigt eine unregelmäßige Eiform. j oben stumpf abgerundeten Teile auf der rechten Seite dicht Bagüra, Männer einer Arabcrtribe im Sudan.(Seite I4ßj Uiiter s ohp,, cm, Zwerchfell(im rechten Hypochondrinin), dessen nach "ach � uianitte Fläche ihre Wölbung bedeckt, so, daß nur ihr "'and t rtev'�tetrr kleiner zngespiztcr Teil die vordere Lauch- Ztach""�1 und die vordere Magensläche zum Teil bedeckt. »nd J"'"' grenzt die Leber an den Pförtncrtcil des Magens in'� � daran anschließenden Zwölffingerdarm, dann �tiirk des Onergrimmdarms und an die rechte Niere. Sic ist mit Ausnahme ihres hinteren stumpfen Nandes vom Bauchfell überzogen und vorn durch zwei annähernd gleich- laufende Vertiefungen, sogenannte Längenfurchen, in vier Abteilungen, die Lcberlappen, geteilt, von denen der große rechte Lappen mehr als die Hälfte der ganze» Leber bildet. Die übrigen bedeutend kleineren Lappen heißen: der kleine linke Leberlappen, der kurze und der Spigel'sche Lappen. Die Leber besteht aus einer Ungeheuern Anzahl kleiner durch Bindegewebe vereinigter Bläschen, den Gallen- oder Leberzellen, welche einen Durchmesser von Yiooo bis 2/io00 Millimeter hab�n und eine gallenähnlichc Flüssigkeit, sowie einen oder zwei Kerne und Fetttröpfchen enthalten. Mit ihren Flachen sind die Leberzellen zu den Lebcrzellenbalken, das sind einfache oder doppelte Reihen, verbunden, welche miteinander ein Nez bilden,— worin die Kapillargefäße enthalten sind. Die Kapillargefäße und die Leberzellen zusammen bilden die Leberläppchen oder Leberinselche»; ihr Durchmesser beträgt etwa zwei Millimeter, sie haben eckige Gestalt und unregelmäßige, zackige, braunrote Flecken in hellbrauner oder hellgeblicher Um- gebung; eine Doppelfärbuug, welche von dem Blute der Leber- gefäße und der in den Gallengefäßen ausgeschiedenen Galle herrührt. Die Gallengefäße nehmen als außerordentlich feine Kanälchen (canaliculi biliferi) in der Außenfläche der Leberläppchcn ihren Anfang und umspinnen die Leberläppchcn in Gemeinschaft mit den feinsten Aestchen der Pfortader(vena porta), des dunkles Blut führenden, dünnwandigen, großen Gefäßes, welches die Venen der meisten Bauchhohlenorgane aufnimmt, nämlich außer den Venen der Leber noch die der Milz durch die Milzvcne, die des Magens durch dessen obere Kranzvene, die des Darm- kauals durch die große und kleine Gckrösveue und die der Bauchspeicheldrüse. Die Pfortadcr ist die einzige Vene im ganzen Körper, welche— aus einem Kapillarsystem gespeist— noch ein zweites Kapillarsystem bildet. In der Leberpforte teilt sich die Psort- ader gabelförmig in zivei Aeste, von denen der rechte sich im rechten und im viereckigen Leberlappeu verteilt, während der linke Ast in den linken und in oen Spigcl'schen Leberlappeu eingeht. Die Pfortaderäste teilen sich dichotomisch(zweiteilig) immer weiter und dringen mit ihren kapillaren Enden in die Mitte der Leberläppchen ein, wo sie sich in zentrale Venen ver- einigen, welche die Anfänge der Lebervenen bilden, die ihrer- seits das Blut in die große Hohlvcne führen, damit es dem rechten Herzventrikel übermittelt wird. Wie die Pfortadcr teilt sich auch die Leberartcrie, das der Leber frisches Herzblut zuführende Gefäß, vor seinem Eintritt in die Leber in zwei Aeste, die sich dem Lause der Pfortader- äste anschließen und das Gewebe sowie den serösen Ueberzng der Leber mit ernährendem Kapillarncz versehen. Die sich aus diesem Kapillarncz sammelnden Venenanfänge münden nun merk- würdigerweise auch in die kleinen Psortaderästchen und nicht in die Lcbcrvcne, so daß das Blut der Leberartcrie gewissermaßen auch einen doppelten Kreislauf durch zwei Kapillarsysteme hin- durchmachen muß. Die in den Leberzellen mit Hilfe des Pfortaderblntcs ge- bildete Galle geht durch die anfangs sehr engen Gallenkauäl- che» in immer größere Röhren ein, welche sich in einen einzigen großen Schlauch, dem Gallengang, vereinigen, der da, wo die Pfortader in die Leber eintritt, diese verläßt und sich dann in zwei Kanäle spaltet, deren einer in den Zwölffingerdarm führt, während der andere die Leber mit der unter ihr an- gehefteten Gallenblase verbindet, in der die nicht sofort zur Verwendung gelangende Galle ausbewahrt wird. Außer der Galle wird in der Leber noch Tranbenzucker bereitet, und zwar indem aus der Lebersubstanz sich zunächst eine dem Stärkemehl sehr ähnliche, sogenannte glykogenc Substanz bildet, welche durch Gährung in Zucker übergeht. Dieser Traubenzucker wird durch die Lebervenen zum Herzen und von da in die Lungen geführt, wo er mittels des Sauer- stoffs verbrannt wird und den Körper erwärmen hilft. Wo der Zucker nicht vollständig verbrannt wird, da geht der Ueberrest in den Ham und es entsteht die unter dem Namen Zucker- Harnruhr bekannte Krankheit. Zu den Anhängen der Vcrdauungsorgane gehört in leztcr Linie die Milz(lien, spien). Dieselbe ist ein weiches, sehr gefäßreiches drüsennrtiges Organ, das keinen Ausfühnmgsgang aufzuweisen hat. Ihre Aufgabe, welche noch bis in die aller- neueste Zeit herein unbekannt und der Gegenstand vielfältiger Streitigkeiten war, dürfte nunmehr als in der Neubildung farbloser und farbiger Blutkörperchen*) richtig erkannt sein und vielleicht außerdem auch darin noch bestehen, ältere unbrauchbar gewordene Blutzellen untergehen zu lassen. Die Farbe der Milz ist dunkelbraunrot, ihr Gewicht beträgt ungefähr 230 Gramm und ihre Größe ist etwa die einer Faust von 4�2 Zoll Länge. 3 Zoll Breite und 1(2 bis 2 Zoll Di� Ihre obere Fläche liegt im linken Hypochondrium(der Gegcn� unter den Rippen) dem Rippenteil des Zwerchfells an, indc- die untere dem Magengrunde zugekehrt ist und an die Bauch- speicheldrüse stößt. In der Mitte dieser unteren Fläche befindet sich eine senkrechte Furche, durch die die Blutgefäße ein- und ausgehen. Ucberkleidct wird die Milz vom Bauchfell, dem innen ein» weißliche.derbe Faserhaut anliegt, von der Fortsäzc in der Farin eines balkenartigen Gerüstes und in der von Gcsäßschciden das Innere der Milz hineingehen. Zwischen diesen befindet sich das eigentliche Trüsengewcbe der Milz, eine dickliche, blaurät- liche Masse, pulpa lienis genannt, in der Kerne, Zellen, spindcl- förmige Kernfasern und Blutkörperchen in verschiedenen Ih" waudlungsphascn eingebettet sind. Auf den Scheiden der feinst� Arterien sizcu traubcuförmig gruppirt die sogenannten Malphig' scheu Körperchen auf, die ein mit Blutkapillarcn durchsezt� Nezwerk darstellen, dessen Maschen mit lymphkörpcrartigeu ausgefüllt sind. Noch zwei weitere Drüsen befinden sich in der Bauchhöhle � es sind dies die Nieren. Dieselben haben die Aufgabe, � Harn aus dem Blute auszuscheiden. Sie sind**)„zwei j" beiden Seiten der Lcudcnwirbelsäule in der Bauchhöhle Ü)1"' metrisch gelegene, bohnenförmige Drüsen, welche bei dem scheu etwa die Größe einer kleinen Faust haben. Turchlchuci� man eine solche Niere der Länge nach, so sieht man, daß>5 aus zwei wesentlich verschiedenen Substanzen zusammcngcsczt'!'• Nach außen zeigt sich eine dunklere weiche Lage von Rind�' substanz, von unbestimmt kernigem Ansehen, die nach innen(r in die blaßrötliche, streifige Marksubstanz übergeht, welche etwa 12— 15 kegelförmige Abteilungen, die sogenannten PlP' midcn, geteilt ist. Tie Spizcn der Kegel oder die A'icrP Wärzchen sind alle nach innen, gegen den Mittelpunkt der 0� gerichtet, und enden frei in einem Hohlräume, dem sogena»n� Nierenbecken, welches sich unmittelbar in den röhrenförmig� Harnleiter sortsezt, der jedcrseits nach unten läuft und i» � Harnblase sich öffnet. Untersucht mau die Struktur der genauer, so ficht man, daß die Rindenmasse aus einer UW' vielfach hin und her gewundener Harnkanälchcn besteht, A •-—>— Co,..,«—— r.----------- s,„,. NllnliuP allseitig von den Blutkanälchen umsponnen werden. samnieln sich diese Harnkanälchcn nach innen zu, wobei J ----" ,"2.— /»ittl zugleich einen gestreckteren Verlauf annehmen und so das Ansehen der Pyramiden der Marksubstanz erzeugen. mehr zusammcnmündend öffnen sich endlich die Hanikana � an der Spize der Nierenwärzchen und lasten hier den Hai � das Nierenbecken austreten, von welchem er dann dural � Harnleiter in die Blase abfließt. Die Hanileiter haben förmige Muskelfasern, durch deren wurmförmig nach schreitende Bewegung der Harn in die Blase geschah Es kommt zuweilen vor. daß bei Individuen mit Y. Ausbildung der Bauchdcckcn, infolge ursprünglicher M>b' � die Vordenvand der Blase fehlt, so daß man in dieseU'i schauen und die Oeffnungm der Hanileiter unmittelbar bcn kann. Man steht dann, daß die Flüssigkeit aus dieiu. nungeii tropfenweise in Absäzen oder zuweilen auch p Strahle bei stärkeren Zusammenzichungen der Harms' 1. y vortritt und sich in der Blase ansammelt, aus der Iic sundem Zustande nur von Zeit zu Zeit entleert wird. *) Funke, a. a. O. I,!gZ. niKstg� **) So wie im Folgenden unter Ansührungszeichen. � uü schildert sie Vogt, a. a. O. S. 154. Der Anschaulichkeit, 4r 5 Kürze der Schilderung wegen gebe ich sie wörtlich wieder. � l !'"«° H--°�-°-» mw,-.- d.» wwww M'ö l-V**" V'V*••»*' Neze, an denen besondere Gefäß- lnäuel hängen. Ein jeder solcher Gefäßknäuel, der mit dem bloßen Auge gerade noch als rotes Punkt- chcn gesehen werden kann, ist von einem einzigen Gefäße gebildet, welches sich in mehrere Zweige spaltet, die sich knäuelsörmig zu- sammenwinden und endlich wieder in ein einziges Gefäß sammeln. dieses aus dem Gesäßknäuel her- Portretende Arterienstämnichen löst sich erst einige Zeit nach seinem Austritte in das Haargesäßncz °us, welches die gewundenen Hanstanälchen umspinnt. Man nennt in der anatomischen Kunst- spräche die Auflösung größerer Gesäßstämme in feinere Zweige, �e sich wieder zu einem Gefäße von derselben Natur sammeln, Wunderneze. Ein solches Gc- loßknäuelchen der Niere ist mit- wn ein Wunderncz eines seinen Arterienzweiges, das sich nur anrch seine Zusammcuknäueluug �vr anderen Nezen dieser Art auszeichnet. Merkwürdig ist aber as Verhalten dieser Gesäßknäucl- zu der Mechanik der Nieren- avsonderung. Jeder Knäuel ist 'cht von einer feinen häutigen Gpsel umgeben, welche nichts HÜ. �'sA das blascnförmig Fig. 9. Eingeweide des Bauches in ihrer Lage. «MSSM andern Drüse wiederfindet. .. Der Harn ist eine bernsteingelbe, durch- s'chtige und klare Flüssigkeit von bitterlich sal- z>gem Geschmack und eigentümlichem Geruch. °ar sich beim Erkalten verliert, beim Erwärmen "der wieder bemerklich wird. Er ist etwa- asges schwerer als Wasser; seine Bestandter c � t folgende Tabelle an, welche die durch zoh" Vei�e Harnanalysen gesundeneu Mittelwerte Klsammenstellt: H°rnsws�°� bestehen aus: Harnsäure'..... Chlo Atrium. gar. k-isr: �urr, Ljs:"' Mdo, sich im Hnn, Köhlen- 9s,, A,: Unb(Sölfrpti hntt in 24 3tb. 1500 1440 60 1 35,00 0,75 16,50 3,50 2,00 1,20 0,65 3,00 in 1000 E. Harn. Körperbestandteilen hervor und ist aus denselben chemischen Elemen- ten(Wasserstoff, Kohlenstoff, Stick- stoff und Sauerstoff) zusammen- gesczt, wie der Harnstoff, nur nach anderm Verhältnisse als die- scr, indem, von andern Verschie- denheiten abgesehen, in 100 Gewichtsteilen Harnsäure 33 Teile Stickstoff, in 100 Gewichtsteilcn Harnstoff dagegen etwa 47 Teile Stickstoff sind.— Ein gesunder Mann scheidet in 24 Stunden durchschnittlich 32 Gramm Harnstoff und'/% bis 1 Gramm Harnsäure aus. Die Menge des Harnstoffs wird beeinflußt zu- nächst von der Nahrung. Stick- stoffreiche Nahrung, wie Fleisch und Eier, vermehren den Harn- stoffgehalt. Fette und Kohle- Hydrate verringern sie. Auch der Genuß von Kochsalz(Chlor- Natrium) vermehrt den Harnstoff, indes Kaffee, Tee, Bier und Wein ihn vermindern, indem sie den Stoffwechsel verlangsamen. Unmittelbar vor der Haupt- mahlzeit ist die Harnstoffmcnge am unbedeutendsten; danach steigt sie ungefähr sechs Stunden lang allmälich. Der Harn der Männer ent- hält mehr Harnstoff als der der Frauen, bei Kindern ist er verhältnismäßig daran reicher als bei Erwachsenen. Bei ganz alten Leuten ist er am Harnstoff- reichsten. Bei warmer Temperatur ist die Harnstoffmenge ge- ringer. Auch freudige Erregungen steigern sie, Schmerz und Gram verringern sie. Die Menge des Harns beträgt bei Er- wachsenen durchschnittlich 1600 Gramm täglich. Viel Essen vermehrt die Harnmenge, viel Trinken tut es in noch höherem Grade. Alles, was den Stoffwechsel anregt und beschleunigt, steigert die Harnabsonderung, alles, was ihn behindert, vermindert sie. Nachdem wir uns im Vorangegangenen im Innern des menschlichen Körpers orientirt ha- ben, müssen wir einen Blick auf die äußere Umkleidung desselben werfen. Die äußere Haut des Menschen(integu- mentum commune) ist aus drei Schichten zusammengesezt, von denen die unterste das Unterhautzellgewebe(tela cellulosa cutanea), die mittelste die Lederhaut(corinm) und die oberste Oberhaut oder Epidermis heißt. Das Unterzcllhautgewebe stellt gewisser- maßen das Polster der Haut vor, indem es aus lockerem Bindegewebe besteht, worin mit Fett gefüllte Zellen gelagert sind. Seine Dicke ist in den verschiedenen Lebensaltern und an Aus""b Spuren von Sauerstoff. Mst vo�G�jBahIen geht hervor, daß von den im Harn den verschiedenen Körperstellen verschieden� am Bauche, am f i| UNd wi.vyi uus.cvu)|VMtv||,— ,,,. �- �""erstoff und ist das lezte der Zersczungsprodukte werden, während es am �chadcl, am Ohrläppchen, an der Nase v t ö Mkn GWrnler' bümrikm mitteler; 9Wen und an den Schenkeln, wo eS WHW genannt wirch titf�ff und besteht aus Wasserstoff. Kohlenstoff, kann es 7 bis 20 Millimeter, und wohl auch noch mehr, d.ck 144 unb Stirn, am Halse, an der Hand, am Fuße, Knie, Ellen- bogen nur etwa 3 Millimeter, an den Augenlidern und am inneren und äußeren Teile des Ohres, Ivo es fettlos ist, aber noch nicht 1 Millimeter stark ist. An manchen Körperstellen ist die unterste Schicht des Unterzcllhautgewcbcs mit der Ober- fläche der Knochen- und Knorpelhaut und der Muskeln Der- bunden; im übrigen liegt es dem unter ihm befindlichen Körper nur lose auf. Ueberall ist es mit Blutgefäßen versehen, die in die darüber liegende Lcderhaut eingehen. Tiefe ist eine auch aus Bindegewebe gebildete derbe Membran von V2 bis 5 Millimeter Dicke. Sie ist reich an Gefäßen und Nerven und geht mit ihrer unteren weißen uezförmigcn und lockeren Lage(pars reticularis) in das Untcrzcllhautgewcbc über. Auf dieser unteren Lage befindet sich eine dichtere Lage von graurötlicher Farbe(pars papillaris), welche die Hautwärzchen oder Papillen enthält und in der sich die Enden der Gefäße und Nerven ausbreiten. Tie Papillen sind kleine durchscheinende und dehnbare Er- Hebungen von �20 bis Hz Millimeter Durchmesser, die auf der Oberfläche der Lederhaut mehr oder minder dicht gedrängt und meist sehr regelmäßig gruppirt Wirbel- oder spiralförmig verlaufen. Sie zerfallen in zwei Arten, die Gesäßwärzchen und die Nervenwärzchen. In den ersteren befindet sich nur ein schlingen- artig unigcbogcncs Gefäß,' lcztcre dagegen enthalten eiförmige, tanuenzapfenartige Kerne, die sich bei genauester Untersuchung als mit Flüssigkeit oder weicher Masse gefüllte Bläschen dar- stellen, in denen Nervenfasern frei enden. Tic aus dem Unterzellhautgewebe in die Lederhaut ein- tretenden Blutgefäßästchen spalten sich hier in Kapillarneze, die vorzugsweise die Schweißdrüsen und die Talg- oder Schmeerdrüsen umspinnen. Die Gesammtzahl der Schweiß- drüsen am ganzen menschlichen Körper beträgt etwa 2 Millionen; auf den Quadratzoll der Rückenhaut kommen etwa 400— 600, auf dieselbe Hautflächc der inneren Hand und der Fußsohle fast 3000 solcher Drüsen. Auch die Größe derselben ist sehr ver- schieden; während die kleinsten noch nicht\i Millimeter im Durchmesser haben, sind die größten bis 9 Millimeter breit. Ter von einer zarten Membran gebildete Drüsenkanal ist ein in die Lcderhaut eingestülpter Schlauch, welcher an seinem untern Ende eine Art Knäuel bildet und hier von einem fein verflochtenen Gefäßncz umwunden ist. Tie Schweißdrüsen öfincn sich in der Oberhaut durch die sogenannten Schweißsporen. Tie Talgdrüsen öffnen sich zumeist in der Nähe der Haare oder in dem Rohre selbst, welches der Haarwurzel als Scheide dient(Haarbalg), sie sondern eine fette, talgähnliche Masse ab und reichen oft bis in das Unterzellhautgewebe hinein. Die oberste Haut, die aus dünnen Plättchen zusammen- gcsezte durchsichtige Oberhaut oder Epidermis, zeigt gcnan die äußere Beschaffenheit der Lederhaut, da sie sich dieser innig anschmiegt und alle die durch die Hautwärzchen gebildeten Hügc� und Leistchen erkennen läßt. Sie ist für Wasser nur schwer durchdringlich; bei den Menschen weißer Rasse ist sie leicht gelblich gefärbt, erscheint aber wegen ihrer Durchsichtigkeit überall dir wo sie nicht besonders verdickt ist, wie aus der Fußsohle, als eine durch den Inhalt der Blutgefäße hervorgerufene rötliche Färbung. die da am stärksten hervortritt, wo die Epidermis am dünnsten ist, wie an den Wangen und Lippen. Die Epidermis besteht aus zwei ziemlich deutlich von einander zu unterscheidenden Schichten, die beide nur aus Zellen gebildet werde». Die obere, frei zutage liegende und ihrce hornartigen Beschaffenheit wegen die Horn schicht genannt; ibee Zellen sind sehr dünn, abgeplattet und ganz unregelmäßig fln Gestalt; bei den Weißen sind sie farblos, bei den FarbigsN gelb und bräunlich; die untere, welche weich und schleimig heißt die Schleimschicht oder das Malpighischc Schlcim»or Hier bilden die Zellen kernhaltige, unten längliche, oben r»»� liche Bläschen. Die Färbung einzelner Hautstellcn, wie � Hofe der Brustwarzen, wird dadurch veranlaßt, daß diese Bio-' chcn mit Pigmcntkörpcrchen �) gefüllt sind. Auch die 9c't,c' rote, braune und schwarze Hautfärbung bei Malayen, Mulattc». Indianern, Negern u. s. w. wird durch Farbstoffe in den 8�'" der Schleimschicht verursacht. s-lgO *) Pigmente sind Farbstoffe. Cruzlied*). Von J c> 1> cr n n e» Wedde. Wenn in blühender Waienlust Höher die Herzen schlagen, Schwillt begeistert die junge Brust, Kühn zu wetten, zu wagen; Was unmöglich weiland erschien, Will bedünllen erreichbar; siegrsträume den Geist durchzirhn Rosigen Wolken vergleichbar. Kinderbrgeistrrung, Dindrrmut, Diemand möge sie schelten; Wem sie nimmer entzündet das Blut, Soll uns als Wann nicht gelten. Jlber wenn ihm die Blüten nicht Dauernde Früchte getragen, Schwindet schnell mit des Frühlings licht All sein Hoffen und Wagen. Wenn sich Vovrmbrrnrbrl kalk, Grau auf die Fluren senken; Wenn wir es merken, da Ii Gristgewalt Licht dir Latur kann lenken, Daß in dem Ding, dem brutalen Sein, Nur die Gemeinheit künigt, Welche die lüge mit heuchelndem Schein Als Gottweishrit beschönigt— Kinderbegeisterung, Kindermut, Hoffnung auf baldige Siege, Wärmen da nimmer das frierende Blut, Stärken da nimmer zum Kriege. Lein, da gilt nur der männliche Sinn, Welcher mit Ernst es lernte, Vhnr Belohnung und ohne Gewinn Schaffen für künftige Ernte. Welcher, wenn ihm die Kraft zerbricht, So sich zu trösten erdreistet: Habe mir selbst bemessen dir Pstichl, Habe mein Wollen geleistet, Beugte mich vor der siegenden Wacht Weder durch Drohen noch Bitten, Habe des Erdenlebens Nacht Stark und stolz durchschritten! *) Aus des Verfassers im Erscheinen begriffener Gedichtsammlung:„Grüße des Werdenden". - 145-- II 11 Tf IT �Ultftrnfinitftt auftauchenden viletscherblicken. Die südliche Vegetation bleibt zurück - ♦ und auf den Vorbergcn erscheinen die eigenartigen Berggüter. Hier Brücke über den Tessin bei Saida. Zwischen den Gletschern geizt die Natur wieder mit ihren Gaben, oder liiht sie sich nur ver- der schweizerischen Hochgebirgswclt und der sonnenglühciiden lom- drossen abringen. Darum wohnt die Armut an der Strasse, denn der bardischen Ebene liegt wie ein prächtiger Park das Land der italie- trägere Geist der Bewohner kämpft nur lässig gegen dieselbe an. Ri- Nischen Seen, ein mit allen herzcrsreuenden Reizen geschmücktes, in viera heißt das Ufer des Flusses von Bellinzona bis zur Mündung -'cht. und Lust gesegnetes Land. In dieses Land streckt der Kanton des Blcgnotalcs, was deutscher Mund mit Reviertal zu verdolmetschen Zessin seine Hand, und eine üppig-spendende Natur füllt sie ihm pflegt. Dieser Fluß ist der Tessin, der Ticinus der Alten, er gab muhelos mit den köstlichsten Gaben dieser Zone. Die heiße Sonne, dem Kanton seinen Namen. Ein Kind der lepontinischen Alpen, Ivan- welche drückend und erschlaffend über die lombardische Ebene hinscheint, delt er gegen Süden, um, nachdem er sich mit der Moesa vermählt, mildert hier ihre Wärme, ohne ihr Licht zu schwächen, und verdoppelt zum Läuterungsbad in den Lago maggiore zu steigen und dann den ihre befruchtende Kraft. Sie umkleidet die Berge und Hügel mit schat- Vater Po auszusuchen. Den Tessin entlang führt die Wcltstraße des ngeu Laubwäldern, Felder und Wiesen schwellen von Reichtum, an den Gotthard durch das an Schluchten, wilden �elsbildungen, Wasscrsällen Hangen spendet der Ruß- und Kastanicnbaum seine Frucht, ranke» die\ und tausend landschaftlichen Schönheiten überreiche Tal, und die Ort- Neben an Maulbeerbäumen, während die Gärten im rosigen Schmuck schasten dieses Tals sind wohl das einzige, was der Sonunerrcisende der Pfirsiche und Mandeln blühen und im Sommer der Feigenbaum vom Norden zu sehen bekommt, der das westliche Parallcltal, das Val leine goldenen Früchte ansezt. Das ist der Süden des Kantons, der Maggia, nur selten in den Bereich seiner Wanderungen zieht. Der bei Bellinzona seine Grenze erreicht. Von da ab nimmt das Land Kanton Tessin besteht ihm in den Namen Gotthard, Airolo, Faido, bald wieder nordischen Karaktcr an, es beginnt das tessinische Biaska, Bellinzona, Lokaruo und Lugano, und damit hat er denn auch -Upen! and mit schroffen Höhen, wilden Wafferstürzen und überall> so ziemlich die Hauptsachen getroffen. So gewährt ihm der Kanton Brücke über den Tessin bei Faido. und'link unterhaltenden Straße mit anmutigen Schatten- Man trifft den Ticinesen, von einer Wandcrunruhc wie die Zugvögel schwel-.�unkten daran. Doch fühlt man sich hier nicht so recht im beseelt, auf allen Landstraßen Europas und in allen großen Städten als sinken n.x'.Himmel, Boden, Bauart, Volk, Sprache und Leben Kesselflicker, Schornsteinfeger, Lastträger, Kastanicnröster, Küfer, Kellner, Gebäude �cr �ilt, der das Tessin an das staatliche oder auch als Maurer, Steinmez, Glaser, Dekorationsmaler. Unter- gifallen>!>"°��ch�ft bindet, scheint überall aus den Fugen dessen sind die Weber aus den Aeckern und Wiesen tätig oder sizen in ei,,(«e[,j H der Tonne Italiens. Ist der Schweizer im großen Ganzen trübseligen Stuben und weben, aber auch von ihnen ziehen viele hinaus. Eucrai,.'g, eiMch, so ist der Tessiner ein Talmensch, dem Kraft und Bei Faido stehen eine Anzahl prächtiger, uralter Nußbäume, welche Mommrn m langen Druck einer trübseligen Geschichte abhanden in dem Aufstand, in welchem die unglücklichen Liviner daS Joch ihrer b-rgifch.»«�"'hundert Jahre lang wurden die sogenannten„Ennet- Urner Zwinghcrrn, von denen sie die hochmütigste Behandlung erfahren, �klavcnlnu mißhandelt und ausgesaugt als unter hartem abzuschütteln versuchten, eine traurige Rolle spielten. Das war im überitunir! wehende Untertaucnländer. Wie ein miserabler Spielball Jahre 1755. Ein geringer Anlaß entzündete in ihren gedrückten Herzen trieqmjj, i?unetl der Geschichte wurde der Ticinesc zwischen den die Flamme des Aufruhrs. Aber noch war es zu früh, die umsichtige gcschleud,.� Fausten der romanischen und germanischen Völker umher- Leitung fehlte, und so wurdet die Urner und ihre Verbündeten, die dangen pr,'0"f* deren Fluten hier zusammenstießen und böse Bran- über den Gotthard herrückten, gar bald Herren über die Aufständischen. Ceficrreirh*eUmten' �cr®n"tun ist ein Grenzland, hier liefen die Grenzen Das Liviner Volk mußte darauf am 2. Juni nach Faido kommen. stnrcch»? Monis, der Schweiz zusammen, und es heißt nicht mit Es kam 3000 Männer stark. Die Schaaren der Eidgenossen umringten schuhe' sini? �'de Grenze demoralisircnd wirkt. Die erste» politischen die Menge, die jezt barhaupt und knicend unbedingten Gehorsam schwören siichpatri»-J'"* durchgelaufen, woher sollte dem Tessiner der mußte. Knieend mußte es der Hinrichtung seiner Führer beiwohnen, Aber et."'�.«chweizergeist kommen, wie er den Urkantonen eigen? die an eben jenen Nußbäumen aufgeknüpft wurden. Leid und Eni- werde,,""" unter dem Banner der Eidgcnossenschast anerzogen i sezen im Herzen kehrten sie in ihre armen Hüllen zurück. Die Skla- ' verei aber wurde ärger denn vorher. das non, V?''in kleiner Crt mit 50 Häusern, liegt im Livincntal, Die ganze Landschaft hier herum hat etwas Düsteres, Unheim- Tiesi, o bei« � herab bis an den Zusammenfluß des Brenno und lichcs. Wie ein Bann liegt es aus ihr, und der Mensch, im Kamps und die l» f.ia8Ia"'chi- und dem der Tessin mit seinen Gefährten mit den Elementen großgezogen, der Enkel einer wüsten Geschichte, ist in diesem T das Leben gibt. Ter Reichtum wohnt nicht auch ernst und schweigsam. daher suchen die Männer vielfach ihr Heil in der Fremde. Oberhalb Faido wütet der Tessin mit dämonischer Gewalt zwischen den Felsen. Der Wut seiner Wasser ist nichts vergleichbar. Es ist, als ob der Fluß sich in sich selber verzehren müßte, und wieder und wieder, donnernd und knirschend wiederholt er den Versuch. Die Straße führt dicht über den Wasserwirbel hin und erst seit allerneuester Zeit schwingt sich nicht weit davon eine Eisenbahnbriicke darüber und macht der primitiven Brücke auf unserem Bilde Konkurrenz. 8t. Gestörte Ruhe.(S. 129.) Die Parlamente sind geschlossen, die Politik ist in die Ferien gegangen, die saure Gurke macht den Tages- blättern das Leben sauer, der Diplomat erholt sich im Bade von den 'i Strapazen der politischen Heuchelei, die Residenzen sind entvölkert, alles was Odem hat, schnappt nach ländlichem Sauerstoff, zieht ins grüne Landleben oder macht eine Tour ins Gebirge, wenns langt in die Schweiz, und kehrt, an Leib und Seele erfrischt und gestärkt, in die Heimat zurück. Nur der Arbeiter kann sich diesen Luxus nicht gönnen; er, der vielgeplagte, dem eine solche Erholung besonders gut täte, ist auch in des Sommers kaum erträglicher Schwüle an die Werkstatt ge- bannt, um im Schweiße seines Angesichtes den kärglichen Taglohn zu verdienen, für ihn hat kein gütiges Schicksal Sommerfrische, Bäder und Schweizerberge geschaffen.— Arthur ist kein Arbeiter, sondern der ver- hätschelte Sohn eines steinreichen Fabrikanten. Auf dem Reitplaz, im Skating Rink, im Lrpheum und ähnlichen Lokalitäten fließen ihm die Tage und die Nächte sanft und lieblich dahin. Wer ihn aber einen Tag- dieb nennen würde, täte ihm bitteres Unrecht; keiner versteht besser als er die Kunst, Champagnerflaschen zu entkorken, daß der Pfropf knallend an die Decke fliegt, Austernschalen mit Eleganz zu öffnen, hübschen Damen den Hof zu machen und sie mit Anekdoten und Schnurren zu unterhalten, wobei ihm seine Phantasie ausgezeichnete Dienste leistet, denn er hat„vom Mütterchen die Frohnatur und Lust zu fabuliren". Dichtung und Wahr- heit sind in seinen Erzählungen hold gemischt, und merkwürdigerweise ist er Achill und Homer in einer Person, die Heldentaten, die er seinen schönen ZuHörerinnen in lebhaften Farben mit schön gedrechselten Redensarten schildert, hat er alle selber vollbracht. Wie leuchten die Vergißmeinnicht- äugen der blonden Seraphine, da er die zahlreichen Duelle erzählt, welche er mit Studenten und Offizieren ausgefochten, wie pocht ihr Herz bei der Erzählung von dem großen Brande, wo er, Arthur, ein zweijähriges Kind aus dem Flammenmeer geholt hat. Nichts besticht ein Frauenherz so sehr, als Kraft und Mut, eine Desdemona ver- schmäht die schönsten und vornehmsten Freier und wirft sich dem tapferen Mohren in die Arme. Wenn der blonden Scraphine jemand sagen würde, Arthur habe gräulich aufgeschnitten, gewiß, sie würde ihn aufs tiefste verachten, denn sie glaubt an Arthur, sie schwärmt schon für ihn, sie liebt ihn. Den größten Effekt aber hat Artur aus zulezt aufgespart: das ist seine Erzählung von dem Stiergefecht in Sevilla, wo er einen« ivütenden Stier, der eben den Torrcro(Stierfechter) mit den Hörnern spießen wollte, unerschrocken zu Leib ging, eine ganze Viertelstunde mit der Bestie rang und sie schließlich unterkriegte. Er hat die Geschichte schon so oft erzählt, daß er sie beinahe selber glaubt. „Da ertönte gewiß rauschender Beifall", flötet Seraphinc.„Rauschend! sagen Sie lieber rasend. Hageldicht flogen die Kränze von den Bal- kons— Der Sprecher hält Plözlich inne, springt auf und ergreist das Hasenpanier und die Schönen eilen ihm nach. Ein Muni(wie in der Schweiz der Farren genannt wird, der bei uns auch Hummel, Häge oder Bulle heißt), der auf der nahen Alpe friedlich weidete im Kreise schöngefleckter Kühe, hat die Gesellschaft überrascht, und diese über- läßt dem Feind, nur aus ihre persönliche Sicherheit bedacht, ihre kost- baren Toilettenstücke, welche der Muni erstaunt betrachtet und ver- mutlich nicht unversehrt lassen wird. Namentlich wird er seine Kraft an dem Sonnenschirm erproben, der ihm seinen Stiel so herausfor- dernd entgegenstreckt. Arthur aber wird den Damen wie Falstaff be- weisen, daß Vorsicht die bessere Seite der Tapferkeit ist, und daß er diesmal eine Memme aus Instinkt gewesen. Und wenn die schöne Seraphine fragt, was denn das für ein Tier sei, wird er sie mit jenem Professor belehren: Der Stier ist der Vater des Kalbs, die Kuh ist seine Mutter, der Farren aber ist sein Oheim. Lt. Die Plünderung von Wisby.(S. 136-137.) An der Westküste der schwedischen Insel Gotland liegt die Stadt Wisby, die mehrfach schon das Ziel von sogenannten WiSbyfahrten(Vergnügungsreisen mit Wisby als Ziel) gewesen ist. Das heutige Wisby ist eine Stadt von kaum 7000 Einwohnern, kaum ein Schatten seiner früheren Größe. Die Stadt ist von deutschen Kaufleuten angelegt worden und wurde wegen ihrer günstigen Lage bald eine der bedeutendsten nordischen Handelspläze. In seiner Glanzzeit hatte es 18 Kirchen und war mit gewaltigen Befestigungen versehen, von denen heule noch die impo- nirenden Ueberreste zu sehen sind; aus dem Jahre 1200 steht noch die gotische Domkirche. An 12 000 Kaufleute soll die Bevölkerung Wisbys unter sich gehabt haben, dessen Reichtum damals sprichwörtlich war. ! Die Chronisten, welche davon erzählen, mögen teilweise tüchtig auf- geschnitten und nach dem Hörensagen berichtet haben. Wenn sie er- zählen, daß es in Wisby Frauen gegeben habe, die aus goldenen Spin- deln spannen, so lassen wir uns das schon gefallen; wenn aber hinzu- gefügt wird, daß man den Schweinen ihr Futter in silbernen Gefäßen gereicht habe, so erlauben wir uns etwas mißtrauisch zu werden. Wisby gehörte der mächtigen Verbindung der Hansa an, und durch seine ex- ponirtc Lage war es bei den häufigen Kämpfen zwischen der Hansa und den nordischen Königen den Angriffen der lezteren sehr ausgesezt. Im Jahr 1361 griff der dänische König Waldemar IV. die schwedischen Inseln Oeland und Gotland an. Waldemar hatte die Gewohnheit, das Sprichwort:„Morgen ist wieder ein Tag!" viel zu gebrauchen, wovon man ihn„Attordag" nannte und ihn damit als einen weise abwägenden Fürsten bezeichnete. Dieser Dänenkönig strebte nach der Oberhoheit Dänemarks in den skandinavischen Ländern, wie sie später auch durch seine Tochter Margareta, die von dem Schwedenkönig in der derben Sprache jener Zeit als„König Hosenlos" bezeichnet wurde, in der Union von Kalmar erreicht wurde. Waldemar gelangte noch nicht soweit, aber er eroberte die beiden Inseln, und nachdem er die Soldtruppen der Wisby'schen Kaufleute geschlagen hatte, konnte auch die reiche Stadt selbst nicht widerstehen. Waldemar IV.(Attordag) zog als Sieger ein und nahm die Gelegenheit wahr, sich an den sagen- haften Schäzen der Wisby'schen Kausleute zu bereichern. Diese Dänen- könige scheinen überhaupt die Gewohnheit gehabt zu haben, mit der Hansa solange in Frieden zu leben, bis sie an gewissen Pläzen Schäze aufgehäuft wußten; dann zogen sie auf Plünderung und Beute aus. Waldemar IV. tat nicht anders; nachdem er in Wisby eingezogen war, ließ er auf dem Marktplaze drei große Tonnen aufstellen, welche die Einwohner binnen drei Stunden mit Gold und kostbarem Geschmeide zu füllen hatten. Diese Plünderung sollte ihm freilich nicht viel Nuzen bringen, denn die Schiffe, welche die Schäze von Wisby trugen, wur- den bei der Heimfahrt von den milden Wogen des baltischen Meeres verschlungen, in dessen Tiefe heute noch ruht, was einst der Bewohner von Wisby Stolz und Reichtum war. Aber auch Wisby hat sich von diesem Schlage nicht mehr erholen können. Wenn auch um 1370 der König Waldemar Attordag zu einem für die Hansa vorteilhasten Frieden gezwungen wurde, wenn auch 1428 noch eine hanseatische Flotte von 260 Schiffen gegen Kopenhagen zog, und wenn auch die Hansa noch im ersten Drittel des sechszehnten Jahrhunderts unter Jörgen Wullen- wewer die nordischen Könige ihre Macht fühlen ließ— Wisby erhob sich nicht mehr zu seiner Blüte von ehedem. Als die neuen Entdeckungen dem Handel andere Seewege geboten und die Hansa zerfiel, war an eine historische Rolle de? einstmaligen hanseatischen Vorpostens aui Gotland, Wisby, ohnehin nicht mehr zu denken. Es blieb ein kleines, unbedeutendes Städtchen, wie es heute noch sich darstellt, und nur die gewaltigen Trümmer seiner einstmaligen Befestigungen sind noch vor- handen als stumme aber untrügliche Zeichen der einstigen Macht und Herrlichkeit dieser alten Hanseatenstadt. Ein junger schwedischer Künstler, Karl Gustav Hellqvist, der lcho» vor fünf Jahren mit einem Bilde des vor Friedrichshall in Norwegen erschossenen Königs Karl XII. von Schweden Aufsehen erregte, hat, von den großen Erinnerungen der Hansa angezogen, die Plünderung Wis- by's durch Waldemar IV. in einem großen und rasch berühmt gewor- denen Bilde dargestellt, von dem ivir eine Kopie unseren Lesern vor- führen. Unter einem besonders für ihn errichteten Tronhimmel hat sich Waldemar IV. ausgepflanzt, um selbst die Ablieferung der Wisby- Schäze zu überwachen. Vor ihm steht ein Geharnischter, der einen merkwürdigen Helmschmuck hat, mit einer Wappenfahne, und ringsum der ganze Apparat, den ein Dänenkönig von dazumal zu solch einer Plünderung gebrauchte. Zunächst ein finster dreinblickender Pfaff uul Kutte und Kapuze, dann eine große Anzahl von Geharnischten und Bewaffneten, ein Trompeter, welcher die Säumigen antreibt, und im Hintergrund— der Henker, der mit mittelalterlicher Gemütlichkeit seinem Nachbar das Nichtschwert zeigt, das wir beiläufig für zu leicht halten, um stolze hanseatische Häupter vom Rumpfe zu trennen. Die noch vorhandenen Richtschwerter zeigen mehr Breite und Wuchtigkeit. T>e Söldlinge Waldemars treiben brutal die Wisdy-Bewohner herbei. Bon allen Seiten werden die Kostbarkeiten gebracht und voll bitteren Schmerzes in die Fässer des räuberischen Dänen geworfen. Alle Stände siub unter den Beisteuernden vertreten, und eine Fran, der man vielleich' ihr Leztes genommen, wirst sich verzweifelnd vor dem Bilde des Ge- kreuzigten nieder. Im Vordergrund aber sehen wir einen stolzen Pn' trizier von Wisby, der mit Weib und Kind über den Markt wandelt- Die Beraubung seiner Vaterstadt erregt seine ohnmächtige Wut und f' ballt seine Faust verborgen gegen den Dänenkönig, während sein 23ew flehend gen Himmel sieht. Er tut gut, seinen Unwillen nicht luw werden zu lassen, denn Waldemar beobachtet alles argwöhnisch, und dm Henker steht nicht umsonst dort. Im Hintergrund ragen die stolzen Mauern und Gebäude von Wisby, so daß sich das Ganze zu einem großartigen und lebensvollen historischen Bilde aus der Zeit groyer Kämpfe im Norden gestaltet. W. ö. Vom Krieg im egyptischcn Sudan.(S. 141.) Im vergangene» Sommer vernahm man häufig von den Erfolgen eines Aufstandes>» Oberegypten, an dessen Spize sich ein Prophet, ein sogenannter Mahd>' befindet. Der Mahdi oder Madhi ist bei dem Muselmann ein P)� phet, der kurz vor dem jüngsten Tag erscheint und diesen verkündig'- Dann wird das große Weltgericht über Gläubige und Ungläubige er- folgen. Bis jezt sind schon viele Mahdis erschienen, aber der jüngl'' Tag und das Weltgericht sind noch vorläufig ausgeblieben, obscklvn jeder dieser Mahdis der richtige Bcrkündiger zu sein behauptete. Abde Kader wurde als solch ein Mahdi angesehen; desgleichen Bu-Amenm- der vor einiger Zeit im südlichen Algier die Franzosen angriff, von dem man aber in jüngster Zeit nichts mehr gehört hat. Abdel Kader Ü inzwischen nach langjähriger Verbannung in Syrien gestorben; zwischen hat sich aber in Obereqypten, im egyptischen Sudan, jenem Landstrich, den man früher als Nubien bezeichnete, ein neuer Prophet erhoben, welcher gegen die von den Engländern unterworfenen Egypter kämpft. Man hatte anfangs geglaubt, Ärabi Pascha und dieser Mahdi, Mohammed Achmed genannt, würden sich vereinigen, um den Eng- »ändern Widerstand zu leisten. Allein eS ist nicht dahin gekommen. Mohammed Achmed ist ein noch junger Mann; er mag etwa drei- unddreißig Jahre zählen und ist gebürtig aus Chartum am Nil, jener Hauptstadt des egyptischen Sudans. Wie die anderen Mahdis hat er die herrschende Stimmung unter den Muselmanen geschickt zu benuzcn gewußt. Diese fühlen nämlich, daß die Zeit, in welcher der Islam bis zu einem gewisien Grade eine Art Weltherrschaft bildete, völlig vorüber ist; daher jene eifrigen, aber vergeblichen Bestrebungen, die muselmännischcn Stämme und Strömungen zu einem �großen Ganzen zu vereinigen; daher jene ungeheure Ausregung, ivenn sich die Europäer sn irgend einem muselmännischcn Landstrich sestsezcn, in der ganzen 'ölamitischen Welt. So hat auch Mohammed Achmed die Erregung, welche die Invasion der Engländer in ganz Nordasrika Hervorries, ge- schickt benuzt, um als Mahdi aufzutreten und einen großen Aufstand zu erregen. Man spricht davon, daß seine jezige Kriegsmacht an zwei- Walhunderttausend Mann stark sei, ivas indessen zweifellos übertrieben ch' Der Mahdi hatte eine ganze Anzahl von kriegerischen Erfolgen zu verzeichnen, was zunächst wohl daran lag, daß die egyptischen Truppen, w>e sich ja im Krieg mit den Engländern herausstellte, schlecht dis- yplinirt und schlecht bewaffnet waren. Dazu kam die Ueberzahl der unHänger des Mahdi, die auss äußerste fanatisirt waren. Man weiß, vaß die Muselmänner den religiösen Fanatismus bis zu einer voll- ommenen Gleichgültigkeit gegen den Tod treiben können. Der Mahdi konnte seine Truppen weder mit Gewehren noch mit Geschüzen ver- Khen; ihre Hauptwaffe war und blieb ein langer Spieß, zum Wurs und Stoß eingerichtet, mit dem sie sehr geschickt umzugehen wissen. Sic ilussen mit einer solchen Wut und Todesverachtung an, daß sie die Mptischen Truppen nicht nur schlugen, sondern ihnen auch Gewehre "nd Kanonen in Masse abnahmen. Das Verhältnis änderte sich erst, �.englische Offiziere den Befehl über die egyptischen Truppen bekamen. s�wse bildeten aus der Infanterie feste und dichte Vierecke und empsingen w anstürmenden Spicßträger mit wohlgezicltem Feuer, das sie in *Men niederwarf. Augenblicklich ruhen die Waffen so ziemlich, aber Voregypten befindet sich ganz und gar im Zustande der Empörung wird •VltQ Qll* 4 der iuimf* n- k'ch seiner Feuerwaffen zu bedienen; sonst könnte für ihn �ner�.Tag sehr schnell kommen.w'~- der Antropologie und Gejundheitspstege. �vldt ju(£>??,!? der Blutkörperchen in Krankheiten, welche Dr. F. Pen- �?Sc hyn,ei>,tar". ausgeführt hat, ergeben für die örtliche Ernährungs- »llinieter,!"!!!?ssuute Tatsachen: in der Regel enthält l Kubik- s.°u Beobackn� � Millionen Blutkörperchen. Bei Blutarmut wurde Z"dcn und l.> ikuvke Verminderung der roten Blutkörperchen ge- Ä � sogar>,„» kleberwuchern der weißen Blutkörperchen in einem Äk»... a»r nur ICKnnn k....!...------ 1— c,;„t„ff„ eine « uahm/I„?uv 705 000 statt der normalen fünf Millionen, also �lutkii-�— i den siebeuten Teil, waS die Kraftlosigkeit und(da die o�vdern Ä?�üken bei Bewegungen klar legt.— Kühle Bäder "e" der Hnut �'--'C der Blutkörperchen in den Blut- Unb hrtrl/rj* llu; bu,la ym im 0u,iu.ivv wk ist. s uchen Auslösung, so daß dem„Propheten" schwer beizukommen viele Beute gemacht haben, und es müssen ihm von den z.fc igen auch sonst eine Menge Geldmittel zufließen, denn man weiß, m soine Truppen regelmäyig und reichlich besoldet. keine 3(uani*Cm � blefe Bewegung im egyptischen Sudan wenig oder aelin—#i!T uuf einen größeren Ersolg. Denn es wird ihr schwerlich 9elingen, über Chartum hinaus vorzudringen, reip. sich nr den Gegenden gypleus festzusezen, wo europäischer Einfluß maßgebend ist. In den «u,tensttichcn des Sudans kann solch ein„Prophet" wohl eine Zu- \gcht und"— reiche Hilfsquellen finden; ob es ihm aber gelingen wird, 0(0 t)0lt fA'**/*■ W V4.»«/»»»»wvv— f Each� a?1!1 angefachte Bewegung zu vervollkommnen, ist eine andere voll«ij s. vllodem sind solche Ausstände stets sehr blutig und gräucl- i.mfc.."b-, Brand und Plünderung ist den Wüstenstämmen � ig w'schen oder auch als Eroberer aultreten,-rcr »oer auch als Eroberer austreten. Der englische Einfall in �Shpten hat es verschuldet, daß nun auch Oberegypten verheert und "»geplündert"nrh litt" v-I cv die b.„'S? Illustration zeigt uns zwei Typen von jenen Muselmännern, sind svhdi Mohammed Achmed auf den Schild gehoben haben; es Ihre«.'gehörige eines Araberstammes im Sudan, Bagära genannt. eiQe»t,:!!!WfnnnS bildet der lange Speer und ein Dolch, den sie aus habe,, hi ri-�o''6 �rm befestigt haben; sie sind tätowirt und �sven die K'�-TVI"[TS.«.W5!W Man fnot? fm'l'o.st kahl geschoren, wie viele andere Muselmänner. bediene,,'.�di werde es verschmähen, sich der Feuerwaffen zu ■• Ma» v ,'vird von ihm nicht klug sein, wenn er Feuenvaffen Hunde vo» itfi'i babei an das vierte polnische Regiment beim Auf- "Hb nur mu s. 2?1.' bas geschworen hatte, keinen Schuß zu tuu T Torliei»... Bajonnclt zu kämpfen. Diese Torheit war eben ird' wenn auch heroische Torheit. Der„Prophet" von Sudan troz aller sanatischeir Tapferkeit A. t» S'vl'ötverA.. siebenten Teil, waS die Kraftlosigkeit und(da die '"emlvsiof?�". w Träger des Sauerstoffs sind) die schnell eintretende ven*!-. U li teuer r. QJ................_ a nai- MnSer und lassen sie beträchtlich steigen, wenn nach dem Bade das Wärmegefühl in der Haut bemerkbar wird, obgleich diese für das Termometer noch kühl erscheint.(Z. B. vor dem Bade fand man die Hauttemperatur 39,7 0 C., die Zahl der Blutkörperchen 3 690000, — und nach dem Bade die Temperatur von 38, 9° C. und die Zahl von 4 690 000.) Das kühle Bad hat also nachweislich den Vorteil, bei fiebernden Kranken nicht nur die Temperatur der Äörpervberfläche herabzusczen, sondern auch die inneren Organe von der Blutmenge zu entlasten.— Bei halbseitig Gelähmten fand man regelmäßig bald mehr, bald weniger eine Vermehrung der Blutkörperchen aus der gelähmten Seite, was für die Hygieine erkennen läßt, aus welchem Wege durch bessere Ernährung derartige Lähmungen zuweilen von selbst wieder heilen— und für die gerichtliche Medizin gelegentlich als Hilfsmittel zum Nachweise wirklich vorhandener oder aus irgend welchem Grunde nur geheuchelter Lähmung benuzt werden kann.(Gesundheit.) Ter preußische Kultusminister beabsichtigt die Gründung eineZ Hygieinemuseums in Berlin, in welchem hervorragende Leistungen und Erfindungen auf dem Gebiet der Hygieine und des Rettungswesens Aufnahme finden sollen. Ter Geh. Regicrungsrat Dr. Koch hat einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit der deutschen Cholcrakommission in Alexandrien er- stattet. Derselbe ist überaus interessant und reich an Material, doch geht aus der Darstellung hervor, daß ein zweifelloses Ergebnis über die wahre Ursache der Cholera noch lange nicht erreicht ist, trozdcm die Kommission durchweg frische Cholernleichen untersucht hat. Wichtig ist zunächst, daß die Kommission die volle Identität der in Egypten auftretenden Cholera mit der asiatischen feststellte. Dieselbe fand auch in den Darmwänden, in der Darmschleimhaut und in den Darmzotten, besonders aber im Dünndarm von Choleraleichen eine bestimmte Art von Bakterien. Dieselben sind stäbchenförmig und gehören also zu den Bacillen; sie kommen in Größe und Gestalt den bei der Rozkrankheit gefundenen Bacillen am nächsten. Fäulnisprodukte konnten sie nicht sein, da sie an ganz frischen Leichen gefunden wurden. Sie seien iden- tisch mit jenen Bacillen, welche von Pros. Koch vor einem Jahre in einem aus Indien gesendeten Choleradarm gefunden wurden. Jedoch wagt Koch dieselben doch nicht als die Erreger der Seuche zu bezeichnen, weit es weder mit den die Bacillen enthaltenden Dejekten, noch mit Reinkulturen der Bacillen gelang, die Krankheit durch Fütterung oder Impfung auf Mäuse, Hunde, Kazen, Affen zu übertragen. Tiere blieben ganz gesund. Daß jedoch Jnfektionsstoff vorhanden, geht daraus her- vor, daß in Egypten Wäscherinnen durch Cholerawäsche cholerakrank wurden. Prof. Koch schreibt das ungenügende Resultat der bisherigen Beobachtungen der gegen Ende der Epidemie eingetretenen Abschwächung des Scuchenstoffs zu und besünvortet die Fortsezung der Studien in Indien. Dies hat die Regierung genehmigt, und so wird die Kommis- sion sich zunächst nach Bombay begeben.(Jllustr. Ztg.) Mitteilungen aus den Gebieten der Industrie, Technik und Landwirtschaft. Gehärtetes Glas als Konkurrent für Gußeisen. Das Glas dürfte dem Gußeisen bald bedeutende Konkurrenz machen. Der bekannten Sieinens'schcn Fabrik soll es gelungen sein, in der Fabrikation von gc- härtetem Knistallglas so bedeutende Verbesserungen einzuführen, daß dasselbe so zäh und fest wie Gußeisen wird. Ein Hauptvorzug dieses Materials ist, daß daffelbe durch Witterungsverhältnisse nicht leidet und daß es auch bedeutend leichter ist als Gußeißen. Die Fabrik be- , absichtigt zunächst aus Hartkrystallglas Straßenlaternenpfosten, Ge- länder, Gitter, Treppen, sowie auch Gas- und Wasserleitungsröhren herzustellen und in den Handel zu bringen. Wären diese Gegenstände so schwer wie Gußeisen, so würden sie allerdings teurer kommen als dieses, allein das Material ist wesentlich leichter, und man hat be- rechnet, daß Artikel daraus etwa 30 Prozent weniger kosten, als solche aus Gußeisen.(Gcwcrbcbl. au« Wlirttb. IM«.®. 15.) Reue Verwendung von Papier. In Amerika werden jezt die Röhren zur Leitung der Telegraphendräte, sowie solche für elektrische G--- 0 IM— 4-1-.—-—-— f-— �(a t a Arn»*«* A >cke aus Papier verfertigt. Sie sind wasserdicht und biegsam genug, um Brüchen vorzubeugen. Auch die Träger für Eisenbahnschienen _ a CA r_.'__— ff»# Crnffm**»**« A-¥*** A*«• ,» m»» C f-V werden jezt aus Papier hergestellt. Sie sollen zweckmäßiger sein als die hölzernen._t einem Aktienkapital von 549,41 will. Mark. Die Summe der dafür ans- zugebenden Consols berechnet sich bedeutend höher.(Jllustr. Ztg-> Rätsel. l. Auf daß ich freundlich dir entgegentöne, Besuche des Propheten Söhne! Wer hinten mir zwei Zeichen raubt, Und sie erhebt zu meinem Haupt, Schafft einen argen Grillensänger Und fleißig muntern Liedersänger. H. E- II. Mit D der besten Geister Erbe, Mit H ein traurig, schlecht Gewerbe. Mit L ist's Kutscher und Gen'ml, Der Kanzler und der Kaiser zumal. F. ZI. R e b u s. H ilfv