Erichcmt alle 14 tage m Heften a 25 Pfennig und tft durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Die Alten und die Ueuen. Roman von M. Kautsky. 12. Jorlsczung. 13. Kapitel. 3}ca ��der war anhaltendes Regenwetter eingetreten. Die Sfit„llm5.nÖe dieses Frühjahrs war ganz abnorm, und von allen Jl.'cfcn_ Berichte ein von Wassergefahr und Zerstörung. zur ff'e- Dönhof befand sich auf ihrer Villa in Obcrgau, Lau»-"""d Zurückgezogcnheit verurteilt, in der übelsten übern n", � �'e�' cr �erde erst in vier Wochen nach Solenbad n,c 5In/ und so blieb auch der übrige Adel noch aus. �hre Schwägerin Marie, die mit Nanny ihren Besuch absichtlich diese Frühlingszeit gewählt, wo der �'u/iefen Berichte ein von Wassergefahr und Zerstörung. iii ' a'e �"öweiltc sich cntsezlich. �0fe hatte man in lczter Stunde andere Dispositionen "«T Sli lgesal S"och keine Frequenz zeigte, war noch nicht gekommen. 3�1'{.mtn. auch am Nachmittag der Regen mit gleicher U%buil* öc9cn die Fensterscheiben schlug, erreichte ihre gn""d nervöse Gereiztheit den Höhepunkt. schästj.�. hindurch hatte die Bekehrung Elsas ihre» Geist be- kel*.-..-.""d ihr Herz erquickt, und welch anregender Verkehr, Und d�,-. �uulichkeit war infolge dessen auch zwischen ihr u>eius�.s..�üneii Jesuitcnpatcr entstanden; jezt war ihren ge- rissen m, Bemühungen in der leztcn Stunde der Sieg ent- shchcn 1 C-n.'®'e hatte für das blonde Mädchen eine Neigung �aß hesühlt von dem Slugenblick an, wo sie glauben durfte, Ür hq�."'1 auf dasselbe gewonnen, jezt haßte sie es, denn Tie bi>> zugleich auch Cölestin verloren. Mische» il en hatten sich getroffen und es hatte eine Erklärung � iutiirf"!» stattgefunden, ehe sie zusammen in das Pfarr- �'tt. cil« tvaren. Aber er hatte ihr nichts davon mit- ?asgcben in'-kk vergeblich sei, daß man das Mädchen Er hatte ihr hierauf Elsa überlassen und war ii aicht»,■. �itdem war eine Woche vergangen und sie hatte| �"icht'.�gesehen. Wo weilte er denn? Warum hatte er °' ste hait/�stens eine Zeile geschrieben? Zürnte er ihr? d, ffr.-'Se"t eher Grund, ihn für die plözliche Sinnes- -Uth eine ii 10 verantwortlich zu machen; er hatte sie wohl durch"Uarsjchtigkcit provozirt. Sie selbst hatte sich da- war Lanz verändertes Wesen einschüchtern lasten. u>er und bestimmt ausgetreten und hatte verlangt, sofort nach der Residenz zurückzukehren. Sie hatte sich gefügt, und so waren sie nur nach ihrer Villa in Obcrgau gekommen, um daselbst zu dinircn. Mit ihnen fast gleichzeitig trafen auch Helene und Reinthal hier ein. Der Baron hatte die fluchtartige Abreise der Gräfin bedenklich gefunden, und er hatte Helene leicht überredet, selbst nach ihrem Schüzling zu sehen. Die Gräfin fühlte sich nun diesem Liberalen gegenüber sehr beängstigt, sie bekam Furcht vor einem Eklat. So hatte sie es Elsa noch Tank misten müssen, daß sie über all die Vorgänge im Pfarr- hause Schweigen beobachtete, und sie selbst tat alles, um ihre Angabe glaubwürdig zu machen. Sie habe das junge Mädchen, das sich unwohl fühlte, nur mit sich genommen, um es in eine bessere Luft zu bringen und zu zerstreuen. Ja, sie hatte sogar den Vorschlag Rcinthals und Hclenens akzcptirt, der dahin ging, che sie zur Station fuhren, die Villa des Barons in Solenbad zu besuchen, sowie die daneben befindliche, etwas kleinere, welche Helene für diese Saison gemietet hatte. Beide lagen an der Promenade, beide inmitten von Parks, und von Obergau aus waren sie nach halbstündiger Fahrt, die durch liebliche Auen ging, zu erreichen. In der Villa Rcinthals angekommen, hatte man alles in Bewegung gefunden, eine Anzahl Handwerker war hier beschäf- tigt, und auch ein Teil der Dienerschaft war bereits angelangt. In seinen Jünglingsjahren hatte Reinthal stets einige Som- mermonate hier zugebracht. Sein Vater hatte dies reizende Landhaus erbaut, aber er hatte es vergrößern und verschönern lasten. Nach seinem Roman mit Marie Lefebre, der sich in Solenbad abspielte, schien er durch Jahre die Lust für diesen Aufenthalt' verloren zu haben, ja, er vermied es absichtlich, in diese Gegend zu kommen. Erst mit der zunehmenden Kränklichkeit seiner Gattin hatte er die Idee gefaßt, sie nach Solenbad zu schicken, und Ilona hatte hierauf einige Sommer hier verlebt und war auch hier gestorben. Darnach hatte sich der Baron nicht mehr hier sehen lassen. Suchte er trüben Erinnerungen zu entgehen? Jezt war der Befehl gekommen, alles für seinen Slufenthalt instand zu sezen. Die Zimmer, welche seine Gemahlin bewohnt hatte, sollten frisch tapezirt, teilweise auch neu möblirt werden; Doktor Lefebre sollte sie bewohnen. Reinthal inspizirte zusammt den Damen dies alles, erbat in einigen Dingen ihren Rat, und lud sie hierauf zu einem kleinen Mahl in den Salon. Er und Helene waren von der muntersten Laune; sie scherzten beide über die nahe Nachbarschaft, und Reinthal behauptete, man werde mit Hülfe eines Opernglases von den Fenstern der Villen ans niitcinandcr kokettircn können. Dabei suchten seine Augen immer wieder denen Elsas zu begegnen. Und nun war es der Gräfin interessant zu bemerken, wie Elsa, obwohl sie sich heiter und lebhaft gab, doch den Baron mit Kälte behandelte und einem Geschick fern zu halten wußte, das sie in Erstaunen sezte. Der Baron war es also nicht gewesen, der ihren Bekehrungs- versuchen im Wege gestanden? Wer war es also? Hatten sie nicht zu vorschnell dies Mädchen wieder freigegeben? Sie be- reute jczt ihre Nachgiebigkeit, sie schämte sich ihrer Schwäche, aber es war zu spät. Reinthal benuzte den nächsten Zug, um Helene und Elsa nach der Residenz zu geleiten. Die Gräfin fuhr allein in ihrem Wagen nach Obergau zurück. Heute, wo sie sich in ihrer Einsamkeit diese Vorgänge ins Gedächtnis zurückrief, regte sie sich aufs neue und in noch maßloserer Weise ans. Und er, auf den sie gerechnet hatte, der ihr seine Hilfe zugesagt, er, der ihr geistlicher Beirat geworden, er hatte sie in dem kritischesten Augenblick verlassen und war nicht wieder gekommen. Sie ging im Zimmer auf und nieder und wandte sich wohl auch einmal den, Fenster zu, aber der trübe graue Regenton, der auf allem lag, flößte ihr eine Art Ekel ein. Sic war eben sehr nervös, die gute Natalie, und sie konnte nicht einmal im Gebet Trost finden. Auch dazu fehlte ihr Cölestin. In diesem Augenblick trat ein Diener ein und meldete den Pater Cölestin. Die alte aber noch lebhaft suhlende Dame hätte fast einen Freudenschrei ausgestoßen. Sie warf einen Blick in den Spiegel, und als sie sich über- zeugt, daß der innere Grimm ihr weder eine Spizenriiche vcr- knittert, noch ein Bändchen verschoben, und daß ihre Toilette die distingnirteste Nettigkeit zeigte, wandte sie sich der Türe zu, um dem Erwarteten einige Schritte entgegen zu gehen. Cölestin trat ein. Er reichte ihr die Hand, ohne etwas zu sagen. Sic sah ihn mit großen erschreckten Augen an, sie fand ihn sonder- bar verändert. Seine Wangen waren cingesallen, und der starke bläuliche Schimmer, den der seit Tagen nicht rasirte Bart darauf verbreitete, ließ sein Gesicht geradezu blaß erscheinen, sein sonst sorgfältig geordneter Anzug hing lose und unordentlich an seiner Gestalt, die darunter hager erschien. „Sie sind krank gewesen!" und sie erfaßte in mitleidiger Teilnahme abermals seine Hand; sie war heiß und trocken. «Um Gotteswillen was ist Ihnen?" Er hatte ein mattes geringschäziges Lächeln. „Beunruhigen Sie Sich nicht, es ist nichts. Die Luft der Berge, die starke Bewegung hat mir so zngesezt." „Wo sind Sie denn gewesen?" „Ich irrte in der Bergwildnis umher, über Schluchten und Eisfelder bin ich geklommen, und dann wieder nach den Hoch- tälern herabgestiegen; ich habe die Hochlandsnatur studirt und die Menschen, die da wohnen, da oben, so nahe dem Himmel — dem Himmels O, ich bin um manche Erfahrung reicher geworden!" Er lachte, es klang schneidend, bitter. Sic nötigte ihn Plaz zu nehmen und sezte sich neben ihn Er sah sich um. „Ist sie fort?" fragte er in einem Tone, der heiser, wie ans zusammengeschnürter Brust sich ihm entrang. „Ja," sagte die Gräsin fast hart. „Sie ist wieder zu Helene zurückgekehrt?" „Natürlich, Sie haben sie ihr ja selbst ausgeliefert. Sic haben ja dazu geraten, sie aufzugeben." Sie wußte, daß sie ihm wehe tat, aber es war ihr eine Art Genugtuung, warum hatte er sie nicht besser gehütet. Er biß die Zähne zusammen, seine Brust hob sich unter einem schweren Atemzuge. Nach einer Pause begann er leiser und häufig stockend: „Haben Sie es nicht bemerkt— als wir— damals zurückkamen— sie trug einen Gegenstand in ihr Tuch gewickelt in der Hand— sie hatte ihn ans der Hütte des Arbeiters mit- genommen— erinnern Sie Sich doch!" Tie Gräfin nickte. Ja ja, sie erinnerte sich jezt, es war ihr aufgefallen, und ihre Neugierde war gewachsen, als sie zu bemerken glaubte, daß Elsa diesen Gegenstand zu verbergen, ihrer Beachtung zu entziehen versuchte. Sie hatte ihn in ihren Ncist- mantel gesteckt, aber die Kammerjnngfer war die Indiskrete gc- Wesen und hatte der Gräfin verraten, daß dieser Gegenstand cw Buch war, eine Broschüre, ganz neu, noch nicht einmal auf- j geschnitten. „Es ist richtig!" rief er,»nd er sprang auf in heftiger Be» s. wegung und durchschritt das Zimmer, unter den anfstürmcU' den Gedanken nach Fassung ringend. Jezt blieb er vor der Gräfin stehen, die in ihre Causeuse gelehnt, verwundert»n etwas bänglich, jeder seiner Bewegungen gefolgt war. „Von wem war das Buch?" fragte er streng. „Ich weiß es nicht." „Sic haben nicht weiter geforscht?" „Nein.",. „Sie haben also diesem Umstände keine Bedeutung bcigeüg' gar keine?" � Sie sah ihn mit Ungewisser Miene an, halb ärgerlich, V j erstaunt.„Mein Gott, nein." „Ach, ja ja, man ist blind, man ist taub, man sieht mch> man scheint keine Ahnung zu haben von der Trostlol'S unserer Zustände, von ihrer Gefahr; wohin treiben wir, o w Gott!" „Ich verstehe Sie nicht." Er lachte wieder, es klang nur noch gereizter. „Ein Arbeiter war es, nicht wahr, ein Arbeiter; uich' � einer, der zu dem bereits verdorbenen Proletariate der-' � gehört, nein, ein Gebirgsbewohner, der in dieser 5 r j(i Leben zugebracht, ein einfacher schlichter Bursche, und de im Bcsiz einer Broschüre, die soeben die Presse verlasse».* j wir finden schon die neuesten Erscheinungen des Bücher»'?,: unter der ländlichen Bevölkerung verbreitet, die moderne j tur, oder gar die moderne Wissenschaft in der Hütte der-, u die ihren lezien Groschen, den sie sich voin Munde abge" � dafür hingegeben. O, dies erklärt niir vieles, es erkl>" � alles!" Er faßte mit beiden Händen nach seinem müsse er ihn sichern vor allzu schwindelnden Eindrücken, Sie, Gräfin, was ich in diesen Bergen erfahren habe-- � diese Aermsten. diese Ausgestoßenen, daß unsere Gräfin, auf die wir bisher am festesten vertraut Hab''' j,„ I auch sie schon angesteckt sind von der Verderbnis, wa» Glauben, von der Strömung erfaßt, die sie Vorwort- � j unaufhaltsam!" Er sah sie mit trockenen geröteten j» in denen ein unheimliches Feuer glühte.„Gräfin, da jener Bergwildnis, da habe ich darüber gctvütet und"9 ßhy darüber geweint, heiße blutige Tränen habe ich um die hcit geweint und um mich selbst!"_ ,{ mch»' Wie innerlich gebrochen ließ er sich iu den � Die Gräfin führte ihr Taschentuch gegen die „Gott wird die Sünder züchtigen mit ewiger BCVL» lispelte sie, als ob sie ihm und sich selbst damit c' Trostreiches gesagt hätte.'....iSgl'� Um seine Lippen zuckte wieder jenes Lächeln Verachtung, er stüzte den Kopf schwer in die Hand" � Ke- dic Augen. Und wieder reihten sich ihm Gedan ci danken, Bilder an Bilder. Und wieder stand Mädchen vor ihm, schöner in ihrem Widerstande � gchrcnswerter:„Ihre Vorstellungen find nicht die g# Geist bewegt mich nicht," hatte sie gesagt. Ah, a fahren, was ihr den Geist bewegte. In welche"' c>c stand sie zu jenem Arbeiter? Sie hatte ein Buch. C! nommcn, deutete das nicht auf eine geistige �«..ni>utu"� Er- wollte für all die sich ihm aufdrängenden Gewißheit! 295 „Befehlen Sie den Wagen," sagte er, indem er sich erhob.' „Wollen Sie zur Bahn?" „Ich will Sie bitte», mit mir eine Spazierfahrt zu unter- Rehmen." „Bei diesem Wetter, nird wohin?" „Nach Amsee." „Sie scherzen." „Es wäre vielleicht anzunehnien, daß bei dem Arbeiter Georg Hofer— ich weiß jezt seinen Namen— noch ei» zweites Exemplar lkncr nnaufgeschnittenen Broschüre zu finden wäre. Was ich über ocn Burschen vernommen, rechtfertigt diese Voraussezung." Es bedurfte keiner weiteren Pression auf die Gräfin; all Mire Neugierde war geweckt und all der Eiser, einer Sache auf den Grund zu kommen, die mit Elsa in Verbindung stand. Zwei Stunden später hielt ihr Wagen vor dem felsengewölbten �or, durch das man in den Ort Amsee gelangte. Natalie und Cölestin verließen den Wagen, dem Kutscher Weisung hinterlassend, sie hier zu erwarten. Sie schritten, troz des noch immer herniederrieselndcn Regens, oor Niederung entgegen, die Lahn genannt. Jezt klopften sie an die Tiir der Hofcr. Diese öffnete 'hnen selbst. Die Gräfin erzählte, sie sei von Solcnbad herübergekommen, uw die Kirche und die eigentümliche Anlage des Ortes zu be- l'chtigcn; nun am Ende desselben angelangt, bitte sie um die Erlaubnis, sich hier einen Moment ausruhen zu dürfen, che sie kn Rückweg antrete. Und Cölestin fügte in seiner liebcns- vurdigen Weise hinzu, die Frau und ihr Hauswesen habe ihm, � cr vor acht Tagen hier war, einen so günstigen Eindruck gemacht, daß er die Frau Gräfin in kein anderes Haus führen sollte als in dieses. Die Hafer wußte vor Ueberraschung und Verwunderung erst "icht, wie sie sich zu geben habe. Sie hatte noch nie mit einer Gräfin gesprochen, und jezt ni?5 Cf'"C solche in ihre niedere Hütte eingetreten und tat gar Nack 9ut�e bielmehr so recht freundlich und vertraulich ch allen Seiten herum, und war auch nicht prächtig anzusehen. w trug keine schönen Kleider, wie sie sich's bei einer Gräfin f",Cr borgcstcllt; einen ganz simplen Regenrock, und auf dem Hut nicht einmal eine Feder. Und der gute hoch- aem I?e �>evr' uüt dem der Georg neulich so wenig Umstände um. t �ttc, er hatte es ihr also nicht nachgetragen und ihr ihre N<�VC"tvicsen. Sie fühlte sich ganz gerührt, und . �"lcgenheit begann zu schwinden. Dazu kam noch das Btninrf Bewußtsein, daß sie soeben gescheuert und rein >v.Z hatte. Sie konnte ihre Stube sehen lassen. Das Bett der n-+ überzogen, das Duzend Milchlöffel, das sie noch aus und r' lü0'tlmcrin war, aufbewahrte, tvar sauber gcpuzt vor d � don dem dunklen Holzgcstcll hernieder; an der Leine genial!11 Üboßcn Kachelofen, die Sommer und Winter hier an- Co,,,,.'°ur. hingen zwei soeben gewaschene Hemde», Georgs ftiesel und nahebei standen seine neuen hohen Juchten- ihr Q. f[c''e uiit Fett geschmiert hatte. Diese Stiefel waren nickt ,,ü)'?)cr Triumph jahrelanger Sparsamkeit, solcher gab's feli, Amsee, und die Gräfin konnte es an diesen Stic- %, s.' �ß sie zu ordentlichen Leuten gekommen war. so/ Gräfin brachte für diese Tinge, die der Hofcr ein Mit, Bewußtsein verliehe», eine ganz andere Anschauung nicht vürr'eu�'e 2uft der niederen Stube, in der die Diele noch dieser°"�etrockuct tvar, der Geruch der Wäsche und Betten, fchärseres � armen Leute, der durch die Juchten ein noch tzi' rvma erhielt, erregte ihr den heftigsten Widerwillen. hilsesiKf,.."lcfte ihr Taschentuch gegen die Nase und wendete sich ' Dies".-""� Cölestin nm. hier war- nichts um sich beachtend, auf einen Fleck; l>en jw.. ür gestanden mit dem schönen, in Begeisterung glühen- alles Könne hatte sie ihm das Wort zugeschleudcrt, daß sie �aigkeit � lDQt"st seitdem vergangen, es dünkte ihn eine Schmerzes. Die Hofer hatte zwei Stühle dicht neben einander hingestellt und bat nun die Herrschaften Plaz zu nehmen. Cölestins strenger Blick wies die Gräfin an, der Einladung zu folgen. Sie sah es wohl, er bestand auf seinem Vorhaben unter allen Umständen, und so tat sie denn das Einzige, was ihr in diesem Falle übrig blieb, sie trat ans Fenster und machte es aus, dann zog sie ihren Stuhl nahe bei und sezte sich in Gottes Namen darauf nieder. Cölestin befragte jezt die Hofer in milder, teilnehmender Weise um ihre Verhältnisse. Als Priester hatte er das Recht, sich in das innerste Leben der Familie zu drängen; er fragte nach Georg, und ob er wieder im Salzwcrk arbeite. „Natürlich. Hochwürden, jeden Montag geht er hinauf, und am Freitag wieder herunter, die ganze Woche bin ich armes Mutterl allein." „Ihr könnt Euch doch am Sonntag seiner erfreuen und mit ihm die Kirche besuchen." .Das wär' schon recht, wenn— wenn nur—" Die Hofer machte ein einfältig verlegenes Gesicht. „Ihr habt doch gewiß als Mutter Eure Pflicht gcthan und den Sohn fromm und christlich erzogen," fragte die Gräfin. „O mein Gott, schon wie! Wie er noch ein ivinziges Bübel war, hat er schon müssen in die Kirchen gehen, ob er wollen hat oder nicht, und zur Beicht' Hab' ich ihn auch fleißig an- g'halten, und sein Katechismus hat der Georg auf's Und her- sagen können, aber jezt— no, Sie wissen's Euer Gnaden vielleicht auch, was das für eine Mod' bei den Männern ist: 's Kirchcngehcn und's Beten haben's ganz uns Weibsbildern allein überlassen. Unsereins könnt' sich schier mattbctcn, um unserm Herrgott das Nötigste nur zu leisten. Und ich gar, ich hab's in die Fiiß, ich kann keine Prozession mehr mitmachen— aus is! Aber ich laß halt dafür hie und da eine Mess' lesen." „Jeder wird dereinst für sein eigenes Tun und Lasten sich zu verantworten haben," ermahnte Cölestin und hierauf, in drängender innerer Ungeduld, direkt auf sein Ziel losgehend: „Versucht es doch wenigstens, ihn zum Lesen guter und gottes- fürchtiger Bücher anzuhalten. Ihr habt doch solche Bücher?" Seine Augen wandten sich fragend dem Schrank zu, hinter dem er diese vermuten konnte. „O mein— Bücher haben wir g'nug, aber ob's gottes- fürchtig sind?— Ich vermein', die seind's nicht, die ihm der alte Kezer vermacht hat, der—" sie stockte,„ich weiß halt nicht, wie Hochwürden von ihm denken, weil's mit seiner Fräulein Tochter bekannt sind." „Ihr Instinkt hat Sie sicher geleitet," rief die Gräfin da- zwischen,„es kann ihm kein Segen kommen von dieser Seite." „Aber noch weit gefährlicher tvirkcn die neuen Bücher, die man jezt allenthalben unter den Arbeitem zu verbreiten sucht, wißt Ihr— jene ganz neuen— die auch ihm unlängst zu- gekommen sind." „Aus is!" rief sie, und schlug in Ueberraschung und Schreck die Hände zusammen,„Hochwürden wissen davon!" „Diese enthalten das schlimmste, das gefährlichste Gist für Ihren Sohn." „Ja ja, was ich halt immer gesagt Hab', die sakrischen Bücher! Deshalb hat er auch gar so heimlich damit getan, und hat sie vor mir versteckt g'halten." „Sie befinden sich also nicht in jenem Schranke?" „G'wiß nicht,— aber so was— ich Hab' mir's gleich denkt, denn— denn—" „Erleichtert Euer Gewissen, gute Frau," sagte der Pater mit erheuchelter Sanftmut, indes er in ungeduldiger Pein die Fingernägel in die geballte Hand drückte. Die Hofcr-holte tief ans zu dem Bekenntnis:„Sehn's, die Truhen dort am Fenster, in der er sein Sacherl hat, ist immer offen �'standen, mein Gott, er hat nicht viel drin, und seinen Bergrock nimmt ihm. keiner— plözlich war's zugesperrt. Und von da an Hai er den Schlüssel immer bei sich tragen, sogar bei der Nacht, ich Hab ihm nicht drauf kommen können; aber die Neugier hat mich nöt g'ring peinigt, und ich Hab' mir g'sagt, was der Bua vor seiner leiblichen Mutter so Verstecken tut, das kann nichts Gutes sein— und da—" „Habt Ihr die Truhe erbrochen!" „Tas Hütt' ich mir nöt traut', niemals not, und—" ihr Gesicht nahm einen ungemein verschmiztcn Ausdruck an,„da war' mir der Georg halt auch gleich drauf kommen. Na, das Hab ich nöt tan, aber ich Hab' alle Schlüssel zusammg'sucht, die ich nur Hab' finden können, und Hab' so lang prvbirt, bis einer paßt hat und da— no und da ist halt die Truhen gleich offen g'west." „Euch hat die beste Absicht geleitet, und so ist kein Un- recht dabei." „Ich küß'd Hand Hochwürden, es ist mir ein wahrer Trost, daß Sie so reden." „Ich will auch jede weitere Verantwortung übernehmen, aber zeigt mir die Bücher." „Sie müssen es tun," fügte die Gräfin hinzu,„als Mutter haben Sie die Pflicht, nicht nur das leibliche, sondeni auch das geistliche Wohl Ihres Sohnes zu überwachen und alles Schäd- lichc hintan zn halten." Die Hofcr holte den Schlüffel. Sie sperrte auf und schlug den Deckel zurück. Cölestin und die Gräfin waren herzugctrcten, crwartungs- voll beugten sie sich vor, der Pater in fiebernder Spannung. Die Hofcr war niedergekniet. Behutsam legte sie den tuchencn Bergmannsrock bei Seite, das Galakleid ihres Sohnes und die Sonntagswcste, und stöberte hierauf hastiger unter den noch darin befindlichen Gegenständen herum, dann rief sie: „Aus is, die Bücher sind weg!" Cölestin beugte sich hernieder und wühlte nun seinerseits in der Truhe. Er hatte sich bald überzeugt, daß die Frau recht hatte. „Und Ihr habt es deutlich gesehen, daß er hier Bücher venvahrt gehabt?" Troz der gewohnten Selbstbehenschung ver- riet sich die mächtige Erregung in seiner Stininic. „Bei meiner armen Scel', Hochwürden," versicherte die Hofer,„ich Hab' sie selber in der Hand g'habt." „Und es waren ihrer mehrere?" „Wohl so a Stück a zehn." „Bon gleichem Aussehen?" „Ganz gleich, eins wie's andere." ,,U»d die Aufschrift, der Titel?" „Ich kann schon lesen, aber das nöt,>vas da drauf g'standcn ist; und einwendig könnt' man grad nur von unten ein bisserl die Nasen'neinstecken; o ich glaub's schon, daß das die ver- botenen Bücher waren, die von allen Seiten zupickt sind, weil man's halt nöt offen und ehrlich lesen darf." „Er hat sie weiter verbreitet," murmelte Cölestin zwischen den Zähnen,„er ist straffällig." Und dann zur Gräfin:„Sic sehen, alle meine Vermutungen haben sich bestätigt, aber wir sind zn spät gekommen." „Wir werden wenigstens bis an's Ende gehen," entgegnete sie entschlossen, und ihr Gesicht hierauf wieder in die freund- lichsten Falten legend:„Liebe Frau, ich wünsche sehr die Erbschaft kennen zu lernen, die Herr Barr Ihrem Sohne vermacht hat. Die Hofer sah etwas beängstigt aus. „Ich wollt, er hätt's mit sich in's Grab g'nommen, der Georg hat sich g'wiß nix Gutes daraus herausg'lcse»»nd doch halt' er so viel drauf, und darum weiß ich halt nicht—" Aber die Gräsin fragte nicht weiter um Erlaubnis, sie hatte den Bücherschrank geöffnet und ging sofort daran ihn zu durch- suchen, um ihre brennende Neugier zu befriedigen. Sie riß die Bücher heraus, sah selbst nach de» Titeln und Autoren, oder gab sie zur Prüfung an Cölestin. „Goethe— Lessing!" riefen sie, und sie sahen sich an, ganz verduzt.„Und hier Schiller!" „Börne!" Die Indignation der Gräfin steigerte sich noch, als ihr jezt Mignets Geschichte der französischen Revolution und Rouffeaus Gesellschaftsvcrtrag. mit seinen Reben und Bc- kcnutnisscn zusammengebunden, in die Hände fiel. Cölestin warf hastig eine alte Encyclopädie aus dem Jahre 40 bei Seite, um zu sehen, was dahinter aufgestellt war. So Irnichs ihre Gier und ihr feindseliges Interesse an diesem Studium. Hier gewannen sie einen Einblick in das Seelen- leben eines Individuums, das in der Gesellschaft einen so Niedern Rang einnahm, so tief unter dem ihrigen, und das sich nun vermaß, in seinem geistigen Bedürfen sich auf gleiche Höhe mit ihnen zu stellen. „Und hat Ihr Sohn diese Bücher häufig in die Hand ge- nommen," fragte sie erhizt von der Arbeit und ihrem Eifer. „Nur jeden Sonntag hat er drin g'lcscn, aber dann schon gleich von früh bis abends." „Arbeiterlcscbuch," las jezt die Gräfin, völlig aufatmend, doch endlich auf etwas harmloses zu stoßen, aber schon im nächste» Augenblick stieß sie einen Schrei des Entsezens aus,„vo»| Lassalle!" und als hätte sie Feuer berührt, schleuderte sie das; Hestchen, das diesen Titel trug, weit von sich. Cölestin hatte ein dickleibiges Werk aufgeschlagen, er starrte darauf und es zitterte in seinen Händen. Es war Tar>vi»-> j „Entstehung der Arten". „Darwin," murmelte er, und seine Augen überflogen die Zeilen, die wie glühende Lettern ihm entgegenbrannten.„Darwin � hier ist der Schlüssel zu allem. Das ist das neue EvangeliuM- das sie uns entfremdet, das alles untergräbt, was bisher al» � Offenbarung die Welt erklärt und uns in ihr.— Ihre Vorstellungen sind nicht die meinen, hat sie gesagt; sie hat RsA es sind total veränderte. Sie haben eine andere Poesie, cinc» andern Idealismus, eine andere Begeisterung— sie cntgö"_ern alles und sezen an deren Stelle ein unerbittliches Naturgescs' die Notwendigkeit. Es ist ein furchtbares, ein äzcndes®>I in alledem, das weiter frißt, weiter, weiter!" Aufstöhnend griff � I nach seinem Herzen, als wäre auch ihm bereits etwas von dffir11 Gifte eingeimpft, als säße es ihm im Blute und alles Wehre sei vergeblich, denn auch er war Untertan diesem Naturgesei- „Darwin!" schrie jezt laut die Gräfin, die einen i'0.!e Band envischt, und sie schleuderte auch ihn zu Boden, um be> Hände über dem Kopfe zusammenzuschlagen.„Und das 9 Barr verschuldet, dieser Elende, dieser Volksvcrsührer, o, dor� erkenne ich ihn. nicht genug, daß er sein eigenes Kind, ff! Tochter in der Gottlosigkeit erzogen hat, er sucht nun auch dir! Arbeiter zu verderben." f, Cölestin lachte höhnisch und bitter auf, seinen inncrn O»» gleichsam Lust machend. „Meinen Sie, dieser Fall stehe vereinzelt?! Hahn- sagte es Ihnen ja doch, es ist alles, alles von diesem nc Geist erfüllt, die Reichen, die Armen, die Menschen Städten, die Menschen in den Bergen, da oben, hoch 0~' sie haben dieses Buch oft gelesen, sie kennen seinen Voi!» nicht einmal dem Namen nach, und sie folgern in öl)»', Weise und möchten sich alles erklären können— erklären! So schreitet die Verderbnis immer weiter, von allen~,c ct drängt sie heran, wir übersehen sie nicht mehr, wir können'9 nicht mehr Herr werden, o. es ist wie ein Fluidum, ein gehl» volles Etwas, das die Welt durchdringt!" s�ne» „Sie übertreiben," sagte die Gräfin, mit all dem angc' Hochmut, der die feindlichen Kräfte gering schäzt. b' dafür zu sorgen, daß diese giftige Saat noch rechtzeitig. werde, und wir werden dafür sorgen. Ich selbst werde an gebender Stelle berichten, was ich in diesem Erdeuwi» l"- Hause der Armut angetroffen habe." Mirten- Sie sah ungemein belebt aus und auch ihre Auge» 3 � Ihr war in ihrer Unbeschäftigtheit eine Aufgabe zugefallen,% j. sie ihren Haß betätigen konnte. Ihr war, als nehme Revanche für all die Unbill, die sie von Elsa erfahre» 9 Die beiden hatten sich entfernt, die alte Hoserin»m � häudcriiigcnd vor dem geleerten Bücherschrank und übcrblu � j in Heller Verzweiflung die wirr durch einander geworfenen „Aus is! so a Wirtschaft, und da verlasse»?'»' �„tt, Lebtag bring ich das nicht allein in Ordnung.*!cl � jch mein Gott, wenn's nur keine Bücher auf der Welt g» stell g'wiß alles verkehrt hinein!" 298 Ans dem Herzen des Moskowitertums. Jene altberiihmte Stadt an der Moskwa, das„heilige" Moskau, dessen Geschichte so reich ist an Katastrophen, Greueln, Umwälzungen und Schlachten, jenes„Mütterchen", wie die Russen zärtlich diese ihre liebste Stadt nennen, man darf sie wohl als das Herz des alten, unverfälschten Moskowitertums bezeichnen. Petersburg am baltischen Meer repräscntirt mehr das moderne Rußland in Verbindung niit dem westlichen Europa; in Bioskau drängen sich die Traditionen und die Erinnerungen des alten Rußland zusamnien. Petersburg wird bei dem National- russen niemals auf die Anhänglichkeit und die Begeisterung rechnen können wie Moskau, das nicht nur nach seinen Traditionen und nach seinen histori- scheu Denkmälern, son- dern auch nach seiner geographischen Lage das Herz des eigentlichen Rußland bildet. In Pe- tersburg ist der Russe mit mehr oder weniger europäischemFirnisüber- zogen, den man freilich, wie jenes Sprichwort sagt, nur abzukrazcn braucht, um den Halb- asiatcn zum Vorschein kommen zu lassen; in Moskau, wie im innem Rußland überhaupt, ha- ben sich die alten For- men, Sitten, Gewöhn- heite» und Eigentümlich- leiten des Moskowiter- tums bis in unsere Tage herein erhalten. Man findet hier ein Volk vor, das in seiner Veran- lagung und historischen Entwicklung durchaus auf den Orient hinweist. Und die Eigentümlich- leiten dieser Bevölkerung haben sich erhalten, troz- dem der moderne Ver- kehr nun auch vielfach nach Rußland hineinge- drungen ist und das Land schon ca. 2 2 000 Werst an Eisenbahnlinien besizt. Dieses Volk hat in seinem Karakter etwas Unruhiges und Unstätes; es befindet sich in steter Bewegung und eine Menge von Existenzen lassen sich nicht an einen bestimmten Ort fesseln. Das sind die Ueberblcibsel des alten Nomadentums, das ans der langen und oft innigen Berührung mit den Stämmen des inneren Asiens entstanden ist. Das alte„heilige" Moskau aber bildet den festen Punkt, um den sich diese zahlreiche und nn ruhige Bevölkerung gruppirt; es ist für diese Menschen der Mittelpunkt der Welt. Die Stadt Moskau wird im Jahre 1147, also zur Zeit des Krcuzzuges des Kaisers Konrad III. zum erstenmal urkundlich erwähnt, und die Stadt mag lange Zeit keine größere Bedeutung gehabt haben. Bald wurde sie der Zielpunkt der Angriffe der Tartaren, die wiederholte und großartige Vorstöße nach dem Westen unternahmen und 1241 sogar bis nach Breslau vordrangen, nach der Schlacht bei Liegnitz aber sich zurückzogen. Im Jahr 1237 wurde Moskau von den Tartareu verbrannt, dann von den Moskowiten wieder aufgebaut und zur Residenz Lawotschnik. des Großfürsten anserwählt. Der Kreml, der als gewaltige Steinveste im Jahre 1367 emporstieg, bildete von da ab die Burg des Großfürstentums, wo es sich gegen Angriffe von Osten und Westen zu halten verstand. Moskau brannte mehr- mals ganz ab und immer ward es verhältnismäßig rasch wieder ausgebaut. Doch wurden immer wieder eine Unzahl von hol- zcrnen Gebäuden errichtet und dadurch die alte Fcuersgcfahr aufrecht erhalten. Denn der Moskowiter hat gern sein eigenes Haus, und wenn er sich, was nicistens der Fall ist, keines ans Stein bauen kann, baut er sich eben eines ans Holz. Nach dein großen Brande bei Napoleons Einfall von 1812 wurde Moskau in seiner Bauart etwa- verbessert; es waren van über 9000 Häusern noch etwa 500 steinerne und etwa 2000 hölzerne übrig geblieben. Die Tar- tarcn nahmen Moskau auch 1382 ein und verbrannten es; 1571 wu� es von dem Khan Dewlel Girat belagert und 5� Hälfte niedergebrannt JmAnfangdcsl?.�'. Hunderts wurde es a l einige Zeit von d-nP� lcn besezt, bei deren~ treibung 1612 die Stab' ebenfalls niederbran� Residenz des Zarcnre'� blieb Moskau bis Z"' In diesem Jahr)1C der Hof nach dem" St. Petersburg aL diese Invasionen,& strophen und Erob gen tiefe Nachwirke aus die Gestaltung° SUd,.»»I di- S*1, und Neigungen V Einwohner zurück. SHsj» cnwp' ngrisf' sichern. Dies suchten sie durch einen eisernen T>cspoü��» ""i c gefunden hatten, waren sie naturgemäß im ju darauf bedacht, sich gegen Jnvasioneii und Angriff. 1' na n. n>ics suchten sie durch einen eisernen Despoff- zu erreichen, mittels dessen sie alle Selbständigkeit niederdrnä und austilgten und aus der Bevölkerung eine stummt � zittcnibc blind gehorchende Masse von Sklaven machten.> überall beiaßen die Städte und Genicinden auch in eine Anzahl von feierlich gewährten Rechten und wohlverbr« i„ Privilegien. Wie sehr auch die Mongolen und Tarhut". Schwert und Feuer gehaust, wie sehr sie geraubt und gepl", Hatten— die alten Rechte der Städte und Gemeinden v. aufrecht erhalten geblieben. Die Hansa war bis tief»«4; � lond hinein vorgedrungen, und die alte Stadt Nischnei�owg gehörte diesem Bunde an. Sie hatte sich als Republik. erhalten und bildete ein mächtiges Bollivcrk gegen golcn und Tartaren. Allein dem furchtbaren Despoten-3„jchl dem Schrecklichen, erschienen die Tartareu und � �„B so gefährlich als die unabhängige Stadt Nischnei-Nvwg 1570 überfiel er die Stadt und ließ an 60000 Menschen umbringen. Mit blutiger Grausamkeit unterdrückte und vernichtete er alles, was sich von selbständigen Elementen in Rußland noch vorfand. Die Strafe folgte bald, denn das so geschwächte Ruß- land unterlag 1571 den Tartaren, welche Bcoskau bis auf den ftteml eroberten und über 100000 Gefangene mit sich fort- schleppten. Von der Zeit Iwans ab datirt die eigentliche Zwingherr- schaft der Zaren. Tic Neuerungen Peters I., den seine SchmeichUr ben Großen genannt haben, haben an dem inncrn Wesen des schon tu diesen Blättern enthalten war*). Der Kreml bildet einen ganzen abgesonderten Stadtteil für sich und ist eigentlich eine kleine Stadt, ans Palästen, Kirchen, Kapellen, Höfen, Mauern, Türmen und Toren bestehend und etwa 2000 Einwohner zählend, deren es früher noch mehr waren. In dem riesigen Zarcnpalast, der über 700 Säle und Zimmer zählt, sind jene märchenhaften Schäze aufgehäuft, welche das Zarentum im Laufe der Jahrhunderte an sich gebracht hat. Hier befinden sich die goldenen, mit Edelsteinen geschmückten Kronen; darnntcr eine vom Jahr 1116, die vom griechischen ###!#### Das heutige Moskau rust in dem Geschichts- kundigen diese Eriune- vungen durch seinAeuße- ves wach. Schon der Anblick des weit ausge- dehnten Häusermeeres Wgt, daß man es mit keiner eigentlich europäi- scheu, sondern orientalischen Stadt zutun hat. Alan erblickt über fünf- �ehnhundert Türme mit ben verschiedenartigsten kuppeln, die zum Teil v>it den buntesten Far- bcn geschmückt sind, zun, �eil in reicher Vergoldung strahlen. Da sind Archen, Kathedralen, Kapellen, Synagogen und Bcthäuscr von allen Tvrmcn und Farben vcr- treten. Man deutet dies vuhin, daß in Rußland broße und allgemeine Religionsfreiheit bestehe, ® sa so verschiedene Glaubcnsgenosscnschaf- 'n Rußland ihre Gotteshäuser haben. Al- uns däucht, die GM Zaren die dem gfloäf ivrI"-ettan und zinspflichtig sind, die Ausübung ihres Kultus Riis'li, v l'tetcn- Das ist auch die einzige Konzession, die man in berech/., �vmacht hat, und sie ist offenbar für Volksstänime stehen � k|e uns einer noch wenig befriedigenden Kulturstufe denn L rfCn" dei fortgeschrittenen Völkern verlangt man heute �ltusfoV� u>vhr als die bloße Duldung ihrer religiösen f�'�ung mit dem Orient findet sich aber auch in Da- ct näherer Betrachtung der Bauformeu selbst vor. Uanientl n f'" rein moderner oder europäischer Stil zu finden; Aijsch') die Kirchen und Paläste weisen eine seltsame °viki,ernd byzantinischen und tartarischen, ja aus Chinesische dort auf, zwischen denen sich wiederum da und vierktogrt,�"� einen westlichen Stil vorfinden. Auch an die dcli, xri Bauart der Perser mit ihren zwicbelförniigcn Kup- aller E./!�de Gebäude sind vorhanden. Das hervorragendste v-- natürlich der Kreml, der alte Zarenpalast dessen Beschreibung»nd Abbildung vor einiger Zeit flalduu. Masse von Gold- und Silbergeschirr, daß man an die Märchen von Tausend und Eine Nacht erinnert wird. Dazu kommen noch die kost- baren Waffensammlun- gen und das Rüstzeug; darunter befindet sich z. B. ein Sattel, den der türkische Sultan ge- schenkt hat und der auf 2u0 000 Silberrubel ge- schäzt wird. Eine lange Reihe von Schazkam- mern, Kellern, Gclvölbcu und Speichern dient dazu, diese Fülle von Schäzen aufzunehmen. Als Napoleon 1812 in Moskau einrückte, hätte er selbstverständlich gern die Schäze des Kreml erwischt und nach Paris geschleppt, wie er überall tat. Allein man hatte die Schäze des Zaren in Sicherheit gebracht, während die Privatpersonen zum großen Teil sich der abergläubischen Zuversicht Hingaben, daß in das„heilige" Moskau kein Feind gelangen kön- nc. In der Tat war seit des falschen Demetrius Zeiten, da die Polen in Moskau waren, also seit gerade 200 Jahren, kein Feind mehr in die Stadt an der Moskiva eingedrungen. Die Schäze des Kreml sind also noch da. Aber wer denkt heute an sie und was sollen sie heute dem Zaren? Man denkt an die furchtbare und tief- gehende Krisis, welche heute Rußland erschüttert und nicht an die Krone des Kaisers Kommnenos oder an den vergoldeten Tronscssel des Schahs Abbas von Persien. Unser Bild(S. 297) zeigt die berühmte Erlöserkirche. Es gibt zwei Erlöserkirchen, erstens„die Erlöserkirchc hinter dem goldenen Gitter." Das sogenannte goldene Gitter ist aus den Kupfermünzen gegossen, die 1670 die Unzufriedenheit des Volkes erregt hatten und infolge eines Ausstandes eingezogen wurden. Diese Kirche ist eine Hauskirche des Zaren. Die auf unsereni Bilde dargestellte Erlöserkirche befindet sich außerhalb des Kreml und wurde vom Kaiser Nikolaus zum Andenken au das Jahr *) Siehe„Nublauds Zarenpalast", Neue Welt 1883, Nr. 31. Wir •vagen heute noch einiges zu jenem Anfsaze nach. 1812 erbaut. Es ist ein großartiges Weißes Marmorgebäude mit einer ungeheuren Kuppel, die vielleicht die größte derartige Kuppel ist und deren Vergoldung allein eine Million Rubel ge- kostet hat. Da hat das Land seinen Sieg über Napoleon doppelt tencr bezahlen müssen. Von der Erlöserkirche hinter dem goldenen Gitter geht es aus dem Kreml hinaus durch das düstre, mit einem gewaltigen Turm versehene Erlösertor. Durch dieses Tor pflegte früher der Zar bei seinem Einzng in den Kreml den Esel zu führen, auf dem der Metropolit saß; diese vielverspottcte, aber der Tradition des Zarentums bei der Masse dienende Sitte wurde von Peter I. abgeschafft. Durch das Erlösertor geht es hinaus auf den sogenannten roten Plaz, den früheren Richt- plaz, der jezt natürlich keine Spuren seiner früheren furchtbaren Bestimmung mehr aufweist. Die Köpfe der Hingerichteten wurden auf diesem Plaze auf eiserne Stäbe gesteckt. Wahrscheinlich hat der„rote Plaz" seinen Namen von dem vie- len Blute, das dort geflossen ist. Hier fanden die gräß- lichsten Würgeszenen der an solchen Dingen so reichen russischen Geschichte statt und im Jahre 1570 wurde hier vou dcu Henkern Iwans des Schrecklichen jene große Massenhinrichtung vollzogen, bei welcher die des Einver- stäudnisses mit der Stadt Nischnei- Nowgorod Ange- klagten den schrecklichsten Martertod erleiden mußten. Wahrscheinlich hatten die meisten der so schmählich hingerichteten Moskowiter durch ihren Reichtum den Neid des Zaren erregt. Auf demselben roten Plaze hatte im Jahr 1547 derselbe Zar Iwan vor versammelten! Volke sich selbst seiner Grau- samkeiten angeklagt, da er Reue empfand. Die Reue hat freilich nicht lange an- gehalten. Auf dem roten Plaze wütete auch Peter, den man den Großen nennt, gegen seine Leibgarde, die Strelizen. Diese Strelizen waren von den Zaren, genau wie die Prätorianer im alten Rom von den Cäsaren, gehätschelt und bevorzugt worden; sie hatten daher sich auch in die Rolle der Prätorianer hereingefunden, und wenn sie auch nicht gerade wie jene Kaiser nach Belieben ab- und einsezten, so war die Befestigung der Herrschaft eines Zaren doch von ihrer Zustimmung abhängig. Peter suchte den Einfluß dieser Garden zu beseitigen, und es gelang ihm, indem er die Sache in seiner brutalen Weise angriff. Seine Schwester Sophie hatte sich mit den Strelizen wider ihn verschworen. Sie ent- ging kaum dem Tode und wurde lebenslänglich eingesperrt; aus . dem roten Plaze aber wurden einige hundert Strelizen hinge- richtet, teils mit dem Beil, teils durch den Galgen, und Sophie mußte von einem Fenster aus zusehen. Peter soll eigenhändig Hcnkerarbeit verrichtet haben. Heute stehen auch die Kapellen, die man den Hingerichteten erbaut hatte, nicht mehr. Ein lebendiges Treiben wogt jezt auf dem Plaz, der so grausige Szenen gesehen. In diesem düsteren Zwingpalast, dem Kreml, hat sich nie heiteres und fröhliches Leben entwickeln können. Die Kaiserinnen und die Frauen im Palast wurden wie Nonnen von der Außen- tvelt abgesperrt; sie durften den Hosfestlichkeiten nur durch ein kleines Guckfenster zusehen. Und auf diese Periode klösterlicher Abgeschlossenheit der Zarinnen folgte die der größten kkngebuudcn- heit im 18. Jahrhundert; es kam Katharina I. mit ihrem merk- würdigen Vorleben und nach ihr kamen die Zarinnen Anna. Elisabeth und Katharina IL, die sich bekanntlich keinen Zwang auferlegten. So schnell entfernte man sich im aufblühenden Petersburg von den starren Traditionen des Kreml. Ein für geistreich 9.c[' tender Diplomat, der Fürst von Ligne, sagte, Moskau gliche einer Anzahl von Tör- fem, bei denen die Hüttru der Bauern um das Schlaf* des Gutsherni herumstehen- Er hat damit das alte Mos- kau, vor dem Brande vou 1812, gemeint, und es mall auch seine Richtigkeit damit haben. Wie kam es, daß diese- Volk sich so lange Jahrhun- dcrte unter einem eiserne» Despotismus beugen konnte und heute noch beugt? ist eben ein gar eigentüm- lichcr Menschenschlag, �a» I hm»cht darf den Moskowitcn» nach den Kriegsberichte" oder nach dem Gebrüll p»»' slavistischer Blätter oder n"») dem Nihilismus beurteile" wollen. Der Moskolvit>1 im ganzen der friedfertig! e und sanfteste Mensch der Welt. Das zeigt M besonders in den Wirkunge' des vielen Schnapses, � ertrinkt. Bei uns in Deutl-Y' land gibt es bei den® trunkenen nur zu Streit; man schimpft»n priigcl.t sich und loird" »och dafür bestraft.® kommt beim Russen se> vor. Der vom Schnapp, rauschte Russe wird 5�■?' was in manchen Fälle»! den Mitmenschen .... schlimmer ist, als wen» Itreit,ucht.g würde. Betrunkene Russen prügeln sich nicht. umarmen und küssen sich. Diesen naiven Menschen imp»"' der eiserne Zarendespotismus mit seinen drohenden Waffe»»' leinen starren Traditionen. Dazu kommt, daß auch'» flioijen Stadt Moskau die Bildung unter der Masse»»r, geringes Niveau erreicht. Diese Masse ist furchtsam, vcrar-' nomm, abergläubisch, wenn auch wieder in anderer Vezieh. anstellig und geschickt. Aus ihr lassen sich jene Neg'N'c' f1' �ie blindeiii Gehorsam ins Feuer gehe»; Furcht cricheinen dieser Masse die Gebote der Diszipl'»»"* 'V'1"nt. vsm Handel sind sie vcrschmizt, wenn sie auch demutig erscheinen. Als eine der interessantesten Figuren der russische» taung gilt der Lawotschnik(S. 298), in dessen Lawka Twornik. 301 oHeS zu haben ist, von der Stiefelschmiere an bis zu den feinsten �clikatesien. Stets zuvorkoninicnd, freundlich und unermiidlich ist er gewissermaßen das Orakel seiner nächsten Umgebung. weiß alles, er kennt alles und raisonnirt über alles. Mit achcimnisvoller Miene erzählt er Maria Jwanowna. daß Alexander. � Sohn der Gcheimrätin, die doch auch nicht viel in die �uppe zu brocken habe, gestern 1000 Rubel im Spiel verloren; jw solle sich daher vorsehen, denn das wisse er ganz genau, Alexander habe ein Auge auf ihre Tochter geworfen. Wenn (Iis seinen Schwäzcrcicn Unannehmlichkeiten entstehen, so weiß � sich mit einer unglaublichen Schlauheit und niit der unschul- "'ästen Miene von der Welt ans der Schlinge zu ziehen. Sagt doch sprichwörtlich, daß ein Jude zehn Tcutschc betrügen, russischer Handelsmann es aber getrost mit zehn Juden auf- "chmen kann, und das will etwas heißen. Eine typische Figur ist ferner der„Dwvrmk". Im Gegensaz 5" seinem Landsmann, dem Lawotschnik, ist er schweigsam und Mt auch eine gewisse Würde heraus, die sich wohl durch die Verantwortlichkeit seiner wichtigen Stellung im russischen Gc- weil, Wesen langsam herausgebildet hat. Tie altrussifchen„Dwor- 'Uli" waren weiter nichts als Haus- oder richtiger Hofkncchtc, für Reinlichkeit und Ordnung in Hof, Haus und Keller zu �gc» halten. Mit dem Entstehen der großen Städte, nament- 'A Petersburgs, brachte die westeuropäische Kultur auch die . ütte der großen Häuser, die in Petersburg und teilweise auch '" Moskau geradezu ungeheure Dimensionen annahmen. So '"'d Häuser mit einer Einwohnerzahl von 500—000 Personen , �2 ganz gewöhnliches. In der Apraxin-Percnlok in Peters- '"g befinden sich sogar einige Gebäude, die über 9000 Mcn- W ��rbergen. Daß in solchem Gewühl eine strenge Aus ">t nötig jst� niird einleuchten. Zu dem Amte des„Dwornil" werden denn auch nur solche zugelassen, die in jeder Beziehung zuverlässig sind. Ter Dwornik hat zunächst die Verpflichtung, jeden Einwohner des Hauses zu kennen und sich zu vergewissern, ob derselbe auch im Bcsize eines Passes ist, ohne den in Ruß- land bekanntlich niemand existircn kann. Tag für Tag hat er dem Polizcianit seines Reviers Meldung zu machen über Ab- und Zugang seiner Hanseintvohner, und die dabei in Frage kom- inenden Pässe vorzulegen. Bei dieser scharfen und unerbittlichen Kontrole streift es geradezu ans wunderbare, daß sich die ge- Heimen Klubs und Gesellschaften lange Zeit unentdeckt halten können. An den Dwornik gehen auch alle gerichtlichen und polizeilichen Vorladungen der Hauseinwohncr, so daß er genaueste Kenntnis von dem Leben und Treiben der lezteren erlangt, und diese daher das größte Interesse haben, mit dem„Hausknecht" auf gutem Fuße zu stehen. Der Dwornik ist sodann auch der Kassircr des Hauseigentümers. Der Zeichner unseres Bildes führt uns in vortrefflicher Auffassung den ernsten Mann vor, wie er im Begriff ist, vor seinem Chef zu erscheinen, um ihm die ansehnlichen Erträge seines, des„Hausherrn-Schweißes" zu überbringen. Paris und Badcn-Badcn wissen davon zu erzählen, wohin die „fettigen" Banknoten wandern, während„Mutter Russia" da- heim darbt und im Elend verkommt. Eine der widerlichsten Erscheinungen im russischen Volks- leben ist der„Kaldun", ein sog. Zauberer, ein auf den krassen Aberglauben seiner Landslcute spckulircndcr arbeitsscheuer Wicht zweifelhaftesten Karakters. Er cnt- und behext Vieh und Acker und ist überall gefürchtet. Bcan entledigt sich seiner daher gerne durch Gaben aller Art. Diesen dunklen Existenzen ist allein durch Volksbildung beizukommen. Wenn in Rußland ein menschenwürdiges Untcrrichtswesen bestände, so wäre damit schon einiges geholfen, wenn auch nicht sehr viel. U o e t i f ch e A e H r e n l' e f e. von dem heutigen Stande finUnt im deutschen Lande. Jinhe wünschest du mitunter... Öttnht schön, es steht recht munter. �üt die Literarfadriken Mttn Schönheitssinn erquicken, 3Ern Dichter und Dersalser; ihr isandwerst geht am Nasser. Epistel. Gedicht von Heinrich Teuthold. Geht am Wasser, geht am Dampfe. Tn dem grasten Dildungskampfc Stehen nedft des Geistes Essen Fünstchntausend Dampfdnickprrssen. Diese Monstredampfmaschmen Must ein Mohrenvolk bedienen, Dnst es nnstrer Lildnngsmutter presse nicht gebricht an Futter. Zwar ich habe ihrer pressen pferdekrästezahl vergessen — Leipzig, Stuttgart, Hildburghausen, Doch ich denke dran mit Grausen: Was in Deutschland die Verleger ÄIs der„wahren Dildnng" Träger Mit so vielen Pferdekräften Leisten in Lultnrgcsrhastcn. ÄUcs wird mit Dampf betrieben, ilur gedruckt, nicht mehr geschrieben; tlnfre Literaten-Mohren Sind ja nur zum Druck geboren. Einst, wenn der Gulturbediente Deutschlands ganz entwöhnt der Tinte, Dricht dem Sprichwort auch die Spize, Dast er„in der Tinte stze". Trci Die Elen Amerikas und Asiens. Von Dr.<£mtgßc*t>cr. 5« 5s». iagt Kapitän Butler in seinem Buche„The ,... Tcil> � � eive Winterreise quer durch den nörd- " bog q?,n �ardamcrika enthält, haben ihr Heim an den f' 6 �ckcr und seiner Nebenflüsse(südlich vom ' sind 2: bc.r Bär. das Moostier und der Biber. Alle Indianer wertvoll wegen des Fleisches und Felles, alle drei gelangen hier zu größerer Vvllkviiimcnheit als i» irgend einem anderen Teil des Landes. Das erste und dritte legen sich zum langen Winterschlafc nieder, aber das Moostier durch- wandert die Wälder und nährt mit seinem Wildpret die Bc- saznngen der Forts und die Indianer entlang dem ganzen Flußnfcr. Gegen 1(0 ausgewachsene Moostierc wurden aus dcn 4 Militarstationen während der Wiiitcriiwnate verzehrt in frischem Fleische. Es ist ein gewaltiges Tier, dessen Körper 3— 600 Pfund wiegt. Viele hundert Tiere sicherlich werden von dcn Indianern verspeist; es gibt dort aber so viele und der Jäger verhältnismäßig so wenige, daß wahrscheinlich jczt noch eben so viele Moostiere dort Hansen wie vor 50 Jahren. Athabasca verschickt jährlich gegen 2000 Häute. Wenig Tiere sind wohl ungestalter als dieser Riesenhirsch. Sein Nacken neigt sich etwas von den Schultern herab und endet in einem Kopfe, der so groß ist wie der des Pferdes, und der Kopf endet mit einer Nase, gekrümmt, ähnlich der eines Kamels, die für die Witterung ausgezeichnet gut, für das Auge des Beschauers garstig ist; aber so häßlich auch Nase und Ohren sind, sie ver- leihen ihm die Hanptschuzmittcl gegen seinen Feind, und in dem großen, unvorteilhaften Kopfe wächst ein Gehirn von be- wundcrnswerter Schlauheit. Durch Nase und Ohr ist es be- sähigt, leicht den Gefahren zu entrinnen. Biit Ausnahme des Jndicfiicrs und des Halbindianers kann hier niemand mit Ans- ficht auf Erfolg das Moosticr jagen. Ich weiß sehr wohl, daß Engländer und Canadier dagegen vpponircn tvcrdcn, aber wahr bleibt dieser Ausspruch dessenungeachtet; denn es ist ein großer Unterschied, das Tier jagend zu verfolgen und— es wirklich auch zu erlegen. Es ist etwas anderes, dcn schlauen Lachs mit allen möglichen Kunstgriffen zu angclu, und etwas anderes den geangelten zu töten. Das Moostier zu jagen erfordert jähre- lange Uebung. Wenn der frühe Morgen graut, sucht sich das Moostier einen Plaz zur Rast; es hat geäst an den grauen und goldenen Weidcuzwcigen, au denen es gemächlich entlang ging, seine Spur ist markirt im Schnee oder im weichen Lehm. Behutsam geht es auf dieser Spur zurück, biegt dann plözlich so ab, daß es die Witterung etwaiger Verfolger bekommen kann und tut sich dann in Büchsenschußweite im Dickicht nieder. Um den Lagerplaz des Moostieres zu erspähen, bricht der Indianer Twa-poos(Drei Daumen) am Morgen auf. Er bemerkt die Spur und folgt ihr; sorgfältig prüft er die abgebrochenen Weiden- zweige oder die Fährte, und Erfahrung lehrte ihn kennen, ob beide Anzeichen des in der lczteu Nacht hier äsenden Wildes tragen. Er verläßt die Spur in einem weiten Halbkreise unter dem Winde abbiegend, kehrt behutsam wieder nach derselben zurück und verläßt sie wiederum im Bogen, wie wenn er die Halbkreise des Buchstabens U abgehen wollte; bei jedem Rück- gange prüft er aufmerksam die Weidcnzwcige und beurteilt darnach die Nähe des Wildes. Schließlich erkennt er mit absoluter Gewißheit, daß das Moosticr in geringer Enfernung im Dickicht liegen muß. Jezt ist die größte Vorsicht nötig. Er legt alle Kleidungsstücke ab, die das geringste Geräusch ver- Ursachen könnten im Walde, sogar auch die Moccassins, und nähert sich behutsam auf dcn Zchenspizc»— eine Ballettänzerin möchte ihn um diese Sicherheit bewundern— dem Wilde. Jezt wird jeder Busch geprüft, jedes Dickicht. Sich, plözlich bleibt er stehen, du folgst seinem Blicke, du siehst nicht das ge- ringst?. Er lacht innerlich und zeigt nach einem Weidcngebüsch. Nichts, gar nichts ist dort zu sehen. Geräuschlos spannt er dcn Hahn. Du blickst wieder und wieder dorthin und siehst nichts. Jezt streckt Twa-poos seine Hand aus und bricht einen kleinen trockenen Zweig von einem überhängenden Ast ab. In demselben Augenblicke richtet sich 30- 40 Meter von dir ei» großes dunkelhaariges Tier aus dcn Weiden empor; es wirst einen Blick nach der Richtung,>vo du stehst, dieser Blick ist . aber auch sein lezter, Twa-poos hat geschossen, und das Moos- i tier bleibt entweder tot im Gebüsch liegen oder schleppt sich höchstens 100 Schritte weit. Noch ein Wort über den feinen Gehörssinn dieses Tieres. Der günstigste Tag es zu jagen ist der bei starkem Winde, wenn die trockenen Acste durch ihn krachend zu Boden fallen; aber auch dann brechen die Indianer. wenn sie des Tieres ansichtig geworden, einen trockenen Zweig ab und bemerken, daß plözlich das Wild stuzt— es unter- scheidet genau das Abbrechen mit der Hand von dem durch den Wind. Wie roh und unmenschlich ist dagegen daß sinnlose Nieder- mezeln der Moostiere im östlichen Canada, in Neu-Braunschwcig, wenn wegen des oberflächlich hart gefrorenen tiefen Schnees d>e armen Tiere den Menschen auf ihren schnellen Schneeschuhen und den wilden unerzogenen Meuten nicht entkommen könne»- Leith Adams erzählt uns davon in seinen Ficld und Forest Rambles: Nach einer mühevollen mehrtägigen Wanderung in den Wäldern kehrte ich nach der Hütte zurück, um meinen Freund, den Moostier-Schläger, zu treffen, der seit Jahren mit seine» Nachbarn Jagden auf diese Tiere mit Axt und Kugel obgelegen und dann in wenig Wochen mehr als 20 niedergeschlagen l)»"1'- Eben hatte ich mit ihm über die Grausamkeit und das völlig Verkehrte gesprochen, hochbeschlagene Tiere, die sich schwerer fortbewegen können, niit der Axt niederzuhauen, als die niedrige Türe geöffnet wurde und Leute, begleitet mit einigen Hunden- eintraten. Hollah! rief mein Gefährte, da kommen die Moosticr- Wächter! Die Distriktsbehördcn haben nämlich bestimmte Mün»� angestellt, darüber zu wachen, daß in der Schonzeit die Tier nicht von de» Kolonisten und Engländern geschaffen werde»- aber gerade diese sind die Wölfe ans der Fabel, welche dl Schafe hüten sollen. Vierzehn englische Meilen von hier w»� i| sie drei Tieren ans die Spur gekommen, hatten sie in bie �ör| dieser Hütte getrieben und forderten nun dcn Besizer dcrscw j ans, morgen mit ihnen zusammen die Tiere zu erlegen. i auch anfänglich mit Widerstreben, vielleicht infolge der vow�, gegangenen Unterhaltung, sagte er doch endlich zu, und ich sprach, aber nur als untätiger Zuschauer, sie zu beglc> �' Am folgenden Morgen verteilten sich alle auf Schneeschuhe. r Walde, um die Fährten der Tiere aufzusuchen. Sic waren gefunden. und nun beeilten sich Menschen und Hunde, so" es die Natur des Bodens zuließ, sie zu verfolgen. Äuch'„| waren, wie gewöhnlich, die drei Tiere in einem„einzigen F» � gegangen, indem die zwei fast genau in der Spur des efl; trollten. Unser„Start" war sicherlich ein seltsamer. Tie. geschlachte» langbärtigcn Hinterwäldler in Pelzkappen und � gefertigten Kleidern paßten vollkommen zu dcn zehn oder» � auf dcn verschiedenen Farmen aufgegriffenen Hunden, d» � heterogene Kötcrkollektion um uns herum belferten und C in völliger Unkenntnis darüber, weshalb sie überhaupt nommen waren. Jeder der sogenannten Wächter krmi. schlechte Flinte und eine Axt, mein Freund einen langen,.t( Die Tiere standen in einem Erlenbruch. Als sie da» � Gebell der Köter hörten, ergriffen sie in verschiedenen 3cich die Flucht. War auch die Entfcniung eine bedeutende, V � und Menschen kamen ihnen bald sichtlich näher, weil ste � festen Schneekruste nicht einbrachen; die kräftigen#11 schweren Tiere aber durchbrachen wiederholt dieselbe,»" � versanken sie fast bis zu dcn Flanken in dcn tiefen Sch"� flI1, solcher Lage wurde das eine von ein paar Hunden iviil(w � gefallen, blutig gebissen und verendete durch den Ai"m,�jsc; „Wächters". Das zweite arbeitete sich mühsam bis zu"' durch, brach dort durch und verschwand unter dem. 0 dritte, die stärkste Elenknh, hatte von dcn Hunden,(gifst zu den Blättern in dcn Schnee eingesunken tvar, st'" � d! in die Nase bekommen und eine Blullachc stand bi'O, sich wieder herausgearbeitet hatte. Ein schlecht gezielt'" 5, C.j 1 ichriß brachte ihm eine neue Wunde bei, und deniwch� � weiter. Endlich nach einer halben Stunde fanden wie jui atemlos und erschöpft auf dem Schnee liegen und„he �. Kreis, von Mordsucht heiß" die blassenden Köter.• 1 flUf, wurde durch einen Axthieb getötet und ans ihm ein''.�se j gewachsenes Junges herausgezogen. So endete b'i- Kit Sport, an dcn ich mit Abscheu stets zurückdenken n,m; Ausnahme eines waren alle mit ihrem Jagderfolgc 5 ggWe dieser aber, ein abgehärteter Hinterwäldler, hatte eines vierten Moosthieres entdeckt und folgte dieser,„lü er nur ein Stück Brotrinde und rvcnig Käse in der sich führte. Erst am nächsten Abende kehrte er>")W Hütte zurück. Er hatte die Nacht im Walde(i»Cl1 morgens die Spur wieder aufgenommen und e»d!>'>' Hot Schuß die Elenknh erlegt, die mit zwei Kälber» g "u" auch das Gcscz als Zeit für die Jagd der Moostiere das "be des Sommers und den Herbst bestimmt, was niizt es, b>e"n sogar die bestellten„Wächter" zn jeder Jahreszeit und ""ch dazu so roh die Tiere dezimircn, und wenn niemand da- Wen einschreitet, daß ans osscncr Straße in den Städten das "ets schmackhastc Wildpret angeboten wird. Vergleicht man den Fuß des Ren- und des Moostieres, 1° könnte es seltsam erscheinen, daß die Natur das Ren so sehr edorzugt und das leztcre so stiefmütterlich behandelt haben �nch de» Füßen zu urteilen, müßte in Amerika das s" sich länger halten als das Moosticr und der virginische vttsch, denn seine leichten, hohlen, expansiven Schalen befähigen schneller über den Schnee zu laufen, in den die beiden andern ' zu den Keulen einsinken. Der virginische Hirsch trollt sehr «u. M hartgefrorener Fläche, ist aber in großem Nachteil bei Ossein„od weichem Schnee, in welchem er leicht gefangen wird, 'c schalen des Ren jedoch mit den abgerundeten Spizen und charscn Rändern lassen es auch über Eisflächen mit vollkom- kner Leichtigkeit laufen. Es würde schwer fallen, ein besseres *>!biel der Adaption eines Gliedes zu finden um Schwierig- ' en zu überwinden, als die Konstruktion des Caribaufußcs, . er.nucf) wohl keine schlechtere als die soliden, schweren, scharf ö Wpjzteu Schale» des Moostieres. Daher stammen auch die foJj�uen Gewohnheiten beider im Winter. Das Moostier ) die Stellen auf, wo sein Lieblingsfuttcr, Acer pcnnsil- j0n'ca und Dirca palustris, in Menge steht, und bleibt dort £ nn9e, bis von diesen und den jungen Pappeln, die seine ob��uhrung bilde», alles Gezwcige abgenagt und die Rinden ofip'' sfud. Es liebt dichte Wälder. Das Ren zieht aber Gras �Lenden vor, wandert von Plaz zn Plaz nnd frißt ditf' r�00� und Flechten. Das immer größere Aussterben „'p uaidctt Tiere durch die Eingriffe der Menschen und der kvist � R �"'pf ums Dasein mit ihren Feinden ähneln in ge- in �?ziehung dem Verschwinden mancher ihrer Verwandten hiril� rische» Perioden, ganz besonders deni des Riesen- 'MS Irlands. Ticr� �knhirsch aufgeregt wird durch das Mahnen des due&'s, durch das tiefe Orgeln und Plärren eines Rivalen, �urch h""chuhmenden Laute des Indianers, stürzt er sinnlos Wm n mit ausgedehnten Nüstern und zurückgcwor- und d> um so durch die beengenden iTcfk zu dringen fordet 011 Sfs'uuungstüchtigen Gegner zum Zweikampf hcrauszn- iBi,,,."' Diese sinnlose Aufregung der brunstcnden Hirsche ist schon � � Sroß. Ich kenne Beispiele, wo der Hirsch Kaschmirs daß ßj�rch allein in die Nähe des schußfertigen Jägers eilte, den Zweige im Walde abbrach, und jener, vermeinend spat.y•)IU ikuvalcn zu treffen, blindlings dorthin fiel, um zu Sein, Sntum gewahr zu werden. Aehnlich ist es auch scheu 5|v(0�'cr;. Der Kvlonel Sannders der neubraunschweigi- Tiere s äluei Paar Geweihe, die beim Zweikampf der elendjn, y Zueinander verschlungen hatten, daß die Tiere trage, � � umkommen mußten. Derartiges kommt auch bei Horn- Gl" Männchen, bei Antilopen und Steinböcken, vor. Nie h,'"'uürdigc Personen versichern gesehen zu haben, daß, sie die m}-"" �ai die Elche Kuhblumen fressen, so in Amerika lange,, bvn Nymphaeacccn lieben und, um sie zu er- bisiveile, unter Wasser stecken. Dann können sie sich Wvittd! glücklicherweise mit den Geweihen in Banniwurzcln �chlanim'' Sas wäre eine teilweise Erklärung für die im ßlchtcfi„ Sksundenen irische» Hirsche und für die zahlreichen w Tie T"»dY Bai. lDci()c u ,CI behaupten, daß die Hirsche die abgeworfenen diele haos/ S�aben; deshalb sollte man in den Gegenden, wo �det man"' � llets nur wenige finden. Auch im Himalaya Hessen, i!' uur wenige Geweihe. Man darf aber nicht ver- �sler,'"auchc Hirschartcn gcwohnheitsgemäß an den dich- Melden nJ"1.Renschen unzugänglichsten Stellen der Wälder D'e häufig�'weisen, und deshalb nur wenige aufgefunden werden. U(ch, daß" �weihsundc in Marschgcgcndcn erklären sich da- w Moosliere das Geweih gern an Erlcnstämnicn in den Sümpfen sich abstoßen. Dort finden die Indianer auch viel mehr als in den Wäldern. Die Zeit des Abwerfens ist auch bei diesen Tieren nicht stets dieselbe; in Amerika z. B. fällt sie in Neu-Schottland früher als in Neu-Braunschweig. Die meisten werden früher abgervorfcn als das Eis die Seen bedeckt; manche Spießer und Gabler tragen sie bis zum Dezember, während die Rcnkühe und die jungen Ren sie häufig bis zum März behalten. Einige Moosticre tragen Geweihe von enornicr Größe und Gewicht. Während der Anwesenheit des Prinzen von Wales in Kanada wurde ihm ein Schädel mit Geweih überreicht, der 65 Pfund wog nnd dessen Gewcihbreite 70 Zoll betrug. Ein anderer Schädel wog 50 Pfund, das Geweih hatte 19 Enden nnd seine Breite 60 Zoll. Einem Engländer, der reiche Er- fahrungen in der Jagd und im Waldleben besaß, erzählte einst ein Indianer, eine Elenkuh getötet zn haben, die ein kleines Geweih besaß. Solche Anomalien sind auch bei anderen Hirsch- arten nicht sehr selten und bilden vielleicht ein Mittelglied zwischen den knochigen Protnbcranzen der weiblichen Wapihi nnd den völlig ausgebildeten der Renkühe. Die Anzahl der Moostierc in den östlichen Gegenden nimmt stetig ab; man muß sich verwundern, daß dort noch überhaupt welche leben bei der ins großartige getriebenen Vernichtung durch Kolonisten, durch von der Kultur beleckte Indianer und leider auch durch Engländer, welche daheim sich scheuen würden, auf ein brütendes Rebhuhn zu schießen, hier aber unter Miß- achtung der Schonzeit und der Grundsäze jedes rechtlich denkenden Jägers, ja überhaupt jedes»nr etwas gefühlvollen Menschen, dem hochbeschlagcnen Moosticre, wenn es mühsam durch den tiefen Schnee sich fortschleppt, das Gehirn mit der Spizkngel fortblasen. Von dem in Neu-Braunschweig beliebten Mafsakre liefert vielleicht schon das eine Faktum einen schlagenden Beweis, daß in den sechsziger Jahren am Ufer des Magagnadavieflusscs durch die Kolonisten während einer„Saison", und nur der Häute halber, nicht weniger als tausend abgeschlachtet wurden. Eine andere Ursache für das allmäliche Eingehe» des Moosticres liegt in der Vernichtung der Wälder durch Menschenhand und Feuer. Wenn wir in solchen Betrachtungen des Lebens und Treibens der prähistorischen Menschen gedenken, sollte da die Annahme so ungereimt sein, daß die größeren Vierfüßler, wie noch jczt in den verschiedenen Weltteilen, vornehmlich dann ver-| schwanden, wenn sie Zeitgenossen des sich verbreitende� Menschen wurden? Alce malchis ist nach Allen i» Massachusets jezt aus- gerottet. In Labrador scheinen die Tiere noch sehr verbreitet i zn sein; wenigstens trafen die Mitglieder der amerikanischen astronomischen Expedition noch zahlreiche Fährten derselben an dem Nordende der Halbinsel. Im ganzen britischen Nordamerika leben die Tiere nur noch etwa bis zum Parallelkreise der großen Seen in größerer Anzahl. So weit sind sie in der historischen Zeit, und besonders in der Gegenwart wieder zurückgedrängt worden, sie, die in der posttcrtiärcn Zeit bis Virginien vor- drangen, nachdem sie in ihrer Blüteperiode. zur Tiluvialzeit, durch die Erkältung des Nordens aus ihrer Jugendperiode, der Polarzvne verdrängt, nach Süden hin eine weite Ausbreitung gefunden hatten. Während dieser Zeit lebten sie auf der ganzen Erdhälfte, in Asien bis zum Himalaya. Wie in diesem Erd- teile, in Sibirien nämlich, die Lebensweise des Elen sich ge- staltet, wie verschiede» die Jagd auf diese Tiere hier ist, mögen die nachfolgenden Zeilen zn schildern versuchen. Die Wogule» am mittlem Ural jagen das Elen besonders im August nnd September, wenn die Tiere am fettesten sind. Zu ihrem Aufenthalt bevorzugen hier die Elen die Inseln, welche aus den Morästen jener Gegenden sich erheben, und durch üppige» Graswnchs und reichliches Unterholz ihnen hin- längliche Nahrung gewähren. Die Jagd auf sie ist aber eine überaus mühselige, da es dem Wogulenjäger oft erst nach vier bis sechs Tagen gelingt, das flüchtige Tier einzuholen. Ist es endlich erlegt, so trocknet er an Ort nnd Stelle das in dünne Streifen geschnittene Fleisch und birgt es ans einem Baume oder auf hohen Pfosten, die ihm als Vorratskammern dienen. In bcn Demidoff'schen Besizungen am Ural, die gegen 234 Ouadratmcilcn umfassen, fallen noch viele Elen und von seltner Größe vorkommen. Hat sich gegen Ende des Winters der Schnee gesenkt und mit einer Eiskruste überzogen, dann beginnt der Ostiake ans das Elen die Jagd. Auch hier ist dieselbe mit großen Schwierig- leiten verbunden, und doch konnte ein Jäger dieses Volks- stammcs, der nicht einmal alljährlich auf die Jagd auszog, im Laufe von 25 Jahren gegen 200 erlegen. Wie bei den Ainos der Bär, bei den Biongolen der Wolf, so spielt bei den Ostiaken das Elchwild eine große Rolle. Das Sternbild des großen Bären nennen sie Los, d. h. Elen. Der gesteigerte Verkehr und der Eigcnnnz des Menschen drängt auch hier das Ein- samkeit und ungestörte Ruhe liebende Elen mehr und mehr zuriick. Bei Beresow kommen sie jezt fast gar nicht mehr vor. Die nomadischen Tungusen von Bauntowk und der Angara be- ginnen im Turan, dem ersten Sommermonate(März), wenn die verschiedenen Tiere mit gespaltenen Hufen in dem tiefen Schnee versinken, auf Schneeschuhen mit ihren Hunden die Jagd auf das Elen. Im Jlkum(Juli) dagegen legen sie sich zur Nachtzeit in einen Hinterhalt an den zahlreichen Seen. Hierher kommt in der Nacht oder bei Tagesanbruch das Tier, um die Wurzeln der Lycopodium solago, das die sumpfigen Seen bedeckt, zu fressen. Es geht ins Wasser, taucht bis auf den Grund und wühlt mit den Zähnen die Wurzeln heraus. Dann kommt es wieder an die Oberfläche oder ans Ufer, je nachdem es ihm bequem ist, seine Beute hier oder dort zu verzehren. Im leichten Kahne ans Birkenrinde erreicht es bald der Tun- guse und ersticht es mit dem Spieße. Die Jagd ist jedoch selten erfolgreich, weil das Elen den Feind sehr weit wittert und überdies klugerweise größtenteils nur in finstern Nächten oder bei Tagesanbruch,>vcu» der Nebel ansängt sich über die Wasserfläche auszubreiten, an die verräterischen Seen zieht. Ist zu Anfang des Arkin(Scptcniber) der erste Schnee Wer tragt Novelle von Endlich, es war schon völlig Tag und Franz bereits auf- gestanden, erwachte Klara von einer helle» Stimme geweckt, die in der Etage über ihr in langgezogenen Tönen eine ihr be- kannte Melodie sang. Sie konnte sich nicht gleich besinnen, wie der Text dazu lautete. Endlich fiel er ihr ein. Es war die Melodie des englischen Liedes:„Lang, lang ist's her," und die Töne klangen in der nüchternen Morgenfrühe so resignirend, so öde und hosinungslecr, daß die Erinnerung an das Geschehene und an ihr Elend sie mit doppelter Gewalt ergriff. Erst der Gedanke an Reinhold rüttelte sie ans ihrer Ver- nichtung empor. Gegen ihn hatte sie»och Pflichten zu erfüllen und diese waren alles, was ihr noch übrig blieb. Während des Anklcidcns wurde sie ruhiger, ja es kam eine Art Märtyrer- frcudigkeit über sie. Tie furchtbare Kränkung, die sie empfand, wollte sie durch die hingrbcndste Pflichterfüllung rächen und die Sühne gewissermaßen au sich selbst vollziehen. Gefaßt betrat sie die gemeinschaftlichen Wohnräume. Franz war schon ausgegangen. Salon und Speisezimmer waren leer. Als sie an der Tür des Krankenzimmers klopfte, kam ihr Gertrud niit verweinten Augen und dem Finger auf den Lippen entgegen. Es stand sehr schlecht mit Rcinhold. Tic Nacht wäre leidlich gewesen, doch gegen Morgen hätte sich sein Znstand ans- fallend verschlimmert. Franz sei nach den, Älrzt gegangen. Gertrud fügte hinzu, sie hätte Klara nicht„inkvminvdircn" wollen, da sie nicht, wie sie versprochen, von selbst gekommen wäre, sie in der Nachtwc�he abzulösen. Klara achtete kaum auf den halb pikirten, halb verlegenen Ton, in dem die lezten Worte gesprochen wurden. Sie dachte nur an den Kranken. Sie schob Gertrud bei Seite und trat leisen Schrittes an das Bett. Rcinhold lag schwer atmend mit gefallen, dann folgt der Tunguse der Fährte, und im Walde gelingt öfter eine bessere Jagd. In den dichten düstern Nadelholzwaldnngen des bergigen Terrains des mittleren Stromgebietes von Bratskij-Ostrogg bis an den Jenisseiskischen Kreis ist das Elen Hauptgegenstand der Jagd. Auch hier schleichen sich die Jäger bisweilen an die Seen, unl die von Myriaden von Miickcn verfolgten Tiere, welche im Wasser den Insekten entgehen wollen, aus sicherem Versteck niederzuschießen. Die Zahl der Elen ist hier noch so bedeutend, daß eine ungcgerbte Haut 3, eine gegerbte 5—7 Silberrubel kostet. Welche Mengen von Tieren müssen hier noch vorkommen, wenn in manchen Jahren in der Stadt Jcnis- scisk 10000 Häute zum Verkauf gebracht werden. In den weiten Gebieten des an landschaftlichen Schönheiten so reichen Aniurlandcs haben die beiden Wörter Jagdticr und Elen dieselbe Bedeutung. Die mehrere hundert Werst oberhalb des in de» Amurfluß miindendeu Gorin Hausenden jagdlustigcn Kile und Golde stellen dem Elen nur mit Pfeilen und Boge» nach. In den vorwiegend von Laubholz bestehenden Wälder» trifft man die Fährten der Tiere überall an. In diesen Amur- gegenden, sonst aber nirgend mehr auf der Erde, begegnen noch einander Ren,.Elen und Tiger.?lm Altai, wo noch kurz vor Humboldts Ankunft der Tiger, dessen gewöhnliche Nahrung M1 Überall die zahlreichen Wildschweine bilden, als besondere» Leckerbissen bisweilen ein unvorsichtiges Elen erhaschen konnte, sind jezt schon dieselben verschwunden. Wie der Eibenbaum der jezigen Flora ein Fremdling, ein Märchen ans guten all'» Zeiten, so sind auch vielleicht die Tage des Elen in scincn> gegenwärtigem Greisenaltcr schon gezählt; und geht die rapide Ausrottung dieses edlen Jagdticres wie bisher mit Riesew schritten weiter, so wird nach Ablauf eines neuen Jahrhundert- vielleicht nur noch die Sage von ihm melden und die M»ia'» werden allein noch zeigen, welch riesiger Hirsch auch bei u» einst sein stilles Heim hatte. die Schuld? K. Langer. ,s»rtlq«n, und Schlot-' halb geschlossenen Lidern da. als Klara jedoch sich über'h» beugte, zuckte etwas wie ein seliges Lächeln über die cinge- sunkenen Züge und die Brust schien freier zu atmen. Sic legtt die Rechte leise auf die abgezehrte Hand und sezte sich. icr Linken bo§ Gesicht verhüllend, neben ihn. Gleich darauf wurde» männliche Schritte laut und Fvanj tiat mit dem Doktor herein. Das peinliche Wiedersehen zwifch01 den Gatten wurde durch die Aufmerksamkeit, mit der alle de» Ausspruch des ArzteS. cnvaitete». gemildert. Dieser beobachte einige Sekunden den Kranken und wandte sich dann mit st'w'" Fragen und Anordnungen über Gertrud hinweg, welche nebe« ihm stand, an Klara, wie er es in der lezten Zeit stets goW" halte. Ter Mann mußte das Gefühl haben, daß sie hier der rechte Kopf und die zuverlässigere von beiden Franc» sei, leicht auch diejenige, welche den größten Anteil an dem Kran u nehme. Während er sich gegen Klara stets mit Zartheit»" Hochachtung benahm, ignorilte er Gertrud meistens vdei� auch wohl auf ihre Fragen eine kurze Antwort. Gegen 5rfl" äußerte er sich beim Weggehen dahin, daß seine Kunst ei» E» habe und die Katastrophe nahe bevorstehe. Sie sollten o alles gefaßt sein, er könne jedoch nicht sagen, ob das Le »ach Stunden oder Tagen zählen würde. ONauz hinterbrachte diese Kunde den Frauen in schone»_ Wi'i)c. Klara hatte dieselbe nicht anders erwartet und»ll, )ic demgemäß mit stiller Resignation ans, während Gertrn einer wilden Verzweiflung überließ und von Franz ans l Klankenzimmer geführt werden mußte. her War es Heuchelei, war es Reue und Gewissensangst die Furcht vor der»ngcivisscn Zukunst, was dieses-' welches an dem Sterbebette ihres Gatten mit einem lUl einem verheirateten Manne, ein verräterisches Spiel trieb, eine so wilde Szene aufführen ließ? Klara wußte keine Antwort aus diese Frage. Was lag ihr auch daran? Ter Gedanke, das Herz des Gatten verloren zn haben, verloren an dieses seiner so gänzlich unwürdige Geschöpf, war der einzige, den sie denken konnte, und er bohrte sich wie glühendes Eisen in ihr Gehirn. Wäre der Kraule nicht gewesen, siir den sie zu sorgen hatte, sie hätte unbeweglich in einer Stellung verharrt. Wie beneidete sie jczt ihn, der bald den schweren Kanipf des Lebens aus- gerungen haben würde. Sein Grab und das kleine Grab ihres Kindes, das war dann alles, was ihr im Leben blieb! Das i�rab ihres Kindes! Wie eine leuchtende Vision stieg es auf einmal vor ihrem Geiste auf. Das war die Stelle, wo sie ihre starre Verzweiflung ausweinen, wo sie Ruhe, Resignation finden würde. Eine allmächtige Sehnsucht erfaßte sie, dorthin zu eile». Und dann war es ihr plöztich, als säße sie an dem Kranken- bette ihres Kindes, und alle Zärtlichkeit, die sie für dasselbe gehegt hatte, schwellte ihre Brust für den blassen Jüngling, der 'hr in den lurzcu Wochen ihrer Bekanntschaft so teuer gcwor- den war. Sie sah hinfort nichts als ihn. Alle übrigen Personen, dw sich uni sie her bewegten, erblickte sie nur wie durch einen �cbelslor. Sic wich Franz aus, wo sie konnte, und er kam 'hr nicht entgegen, indem er nur selten zu Hanse war. Ilm dk» Frauen die Pflege zn erleichtern, aß er außer dem Hause. Ulle Bande der Häuslichkeit waren aufgelöst. Keiner legte sich mehr völlig zu Bett. Klara wachte fast die ganzen Nächte, während Gertrud sich wenigstens einige Stunden niederlegte. ■vMi diesen traurigen unheimlichen Nachtstunden, wo die Schatten Üsspcnstig iu den Ecken herumhuschten und der Kranke mit den �'stalten seiner Ficberphantasicn flüsterte und zischelte, faßte Klara allerlei Entschlüsse. Sic wollte vor die beiden treten, ße des Verrates an sich beschuldigen, sie zwingen, ihren Vcr fhr aufzugeben; doch nein, ihr Stolz empörte sich dagegen— |le wollte fliehen— fort— gleichviel wohin; dann wieder wollte sie sich Franz an die Brust werfen und demütig flehen, lw wieder an sein Herz zn nehmen— sie konnte ja nicht leben vh»c seiue Liebe!— Aber die Worte wären ihr nie über die WPen gekommen, sie besaß die Schcn aller edlen Naturen, den �wkiz ihrer Empfindungen wie gewöhnliche Scheidemünze aufs .Vc" i" zählen. Sic»ahm sich vor, ihm zn schreiben— und Nachts tat sie es wirklich. Sie trug den Brief den jbwzeii Tag bei sich, um ihn Abends, wenn sie sicher war, daß .>h>> in Ziuhc lesen würde, auf seinen Schreibtisch zu legen. "o sg geschah es. Mit pochendem Herzen saß sie am Bette cnihvlds und lauschte auf den Schritt ihres Gatten. Endlich �gcn Mitternacht kam er heim. Leise trat er in das Kranken- zniimer, um sich nach dem Bruder zu erkundigen und reichte «X? flüchtig die Hand. Gertrud hatte sich im Salo» an- » bet aus das Sopha gelegt, um Klara später abzulösen. !nh sich nach ihr um, scheute sich aber nach ihr zu fragen, klm, butc Stacht und ging in seine Stube. Mit stürmisch stndeni Herzen saß nun Klara und malte es sich aus, wie wj. n" Brief finden, ihn lesen und dann gerührt zu ihr kommen daii Um wenigstens durch einen Händedruck zu beweisen, trau ,lleilu �uch nicht mehr seine Liebe, so doch sein Vcr- ber TU"b!cillc Freundschaft besaß. Aber es erfolgte nichts * rt- Die Nachtstunden verrannen wie gewöhnlich. »m l",flttct überließ sie gegen Morgen ihren Plaz Gertrud, li'flc* Statt sich auf dem Sopha im Salon nicderzu- kflan, sw die Shawls und Decken, die zenvühlt daraus War Wo tc. s'el ihr ein Blatt Papier in die Hände. Was War � � Hiniincl, ihr Brief an Franz! Wie kam der hierher? gebe,/' bcukbar, daß Franz ihn der Schivägerin zu lesen ge Haus-.% lwß er sie noch ausgesucht hatte, nachdem er nach rate- gekommen war? Doch nein, eines so schmachvollen Vcr- und jr"11 i�eciu Vertrauen konnte sie ihn nicht für fähig halten vor s.-lc bonze Seele sträubte sich dagegen. Gertrud mußte �snndlu 1 Heimkehr in seinem Zimmer gewesen sein, den Brief 1 1111 b ihn mit sich genommen haben. Ja, gewiß, so verhielt es sich! Aber wenn es so war— ein Schwindel überkam sie, und sie mußte sich an dem Tische halten, an dem sie stand, um nicht zu Boden zu sinken. Wenn Gertrud zu einer solchen Indiskretion sich ermächtigt halten durfte! Allmächtiger Gott! Leise schleichende Tritte näherten sich dem Zimmer. Franz trat herein und blieb betroffen stehen, als er seine Frau er- blickte. Sic trat ihm rasch einen Schritt entgegen, hob den Brief gegen ihn auf. wollte sprechen und vermochte es nicht. „Du hast Gertrud den Brief lesen lassen?" kam es endlich wie ein Keuchen über ihre Lippen. Sie bedurfte seiner Antwort nicht; sie las die Bestätigung in seinen Mienen. „Klara, ich bitte dich— diese Enipfindlichkeit— ich werde dir erklären——" Sie hörte ihn nicht mehr; sie war ohnmächtig hingestürzt. IV. Ter folgende Tag war Reinholds leztcr. Die drei Menschen, die sein Sterbebett umstanden, waren weniger zu beneiden als er. Ein Dämon hatte ihnen die Herzen im Busen vertauscht, die Liebe darin getötet und unhcilige Flammen an ihrer Statt entzündet. In Klaras Seele war es öde, tot. Ihre Bewußtlosigkeit in der Nacht hatte kaum einige Minuten gedauert. Schon in den Armen ihres Gatten, wie er sie auf- hob, war sie wieder zu sich gekommen und hatte sich mit einer heftigen Gcberde aus ihnen frei zu machen gesucht. Er hatte sie gebeten, sich zu Bett zu legen, aber sie hatte sich geweigert. Er hatte ihr erklären wollen, aus welche Weise der Brief in Gertruds Hände gekommen war, aber sie hatte ihm fortgcwinkt; sie wollte, sie mußte allein sein, und er hatte sie verlassen. Er war nicht so schuldig, wie Klara ihn glauben mußte. Als er ihren Brief gelesen hatte, war er finster brütend unablässig in dem kleinen Gemach auf- und abgeschritten. Von Klaras herzbewegenden Worten erschüttert, versuchte er zum erstenmale seit der Wandlung, welche iu seinem Herzen vor- gegangen war. sich ernstlich Ncchcuschast davon zu gebe». Allein die Leidenschaft für das reizende Geschöpf, das seine Sinuc gefangen hielt, verblendete ihn zu sehr, als daß er der Neue zugänglich gewesen wäre, zwischen sich und seinem Weibe ein unparteiischer Nichter zn sein vermocht hätte. Er hatte Klara von ganzer Seele geliebt und hochgehalten, selbst damals, als sie sich etwas zu selbstsüchtig iu ihren Gram um das Kind eingesponnen halte. Sie war ihm immer die liebe Gefährtin, die ernste treue Freundin geblieben, und allmälich hatte sie wieder mit der ganzen Ausschließlichkcit ihrer hingebenden Natur für de» geliebten Mann zu leben begonnen. So ivar das Ver- hältnis wieder das alte innige gewesen, als Franz nach der Residenz gekommen war. Die junge Schwägerin hatte anfangs nur den Eindruck eines hübschen verwöhnten Kindes auf ihn gemacht. Er hatte mit ihr getändelt wie mit einem solche» und sich an ihrer Anmut, ihren Kaprizen, ihrem brüsken und doch wieder so cinschmeichcludcu Wesen ergözt. Run war Klara gekommen. Der Kontrast zivischen beide» war ein großer. Dort die Zierlichkeit und Beweglichkeit eines Wesens, das nur für äußeren Tand und Vergnügen lebte, hier die schlichte und heitere Ruhe einer tiefen, in der Liebe still befriedigten Natur. Zum erstenmale fiel es Franz auf. daß Klara sich unvorteilhaft kleide. In den Kreisen, in welchen er bisher gelebt, hatten sich die Frauen alle schlicht und einfach getragen. Sie hatten alle mehr oder weniger geistige Interessen gehabt. Sein Auge war an diese Einfachheit gewöhnt gewesen und die Fraucntoilettc dem in seinen Idealen Lebenden überhaupt als ein Ding erschienen, welches kaum der Beachtung wert ivar. Um so mehr Eindruck machte jezt der Schick auf ihn. mit dem Gertrud sich zu kleiden verstand. Sic erschien ihm täglich neu, war es auch nur durch ein kokett angebrachtes Band, eine Schleife oder Veränderung der Haartracht. War sie gestern rührend lieblich gewesen, so sprühte sie heut von Feuer und Lebe». Franz konnte sich diesem Zauber nicht entziehen. Schon ftls Klara anlangte, hatte er das berauschende Gist eingesogen und um die Wirkung zu 308 vollcndc», fehlte nichts, als daß sie sich vom ersten Augenblick an gegen Gertruds Wesen ablehnend verhielt, während sie sich der Pflege Neinholds ganz und gar bemächtigte. Nicht umsonst machte sie sich später Vorwürfe, daß sie Gertrud unbewußt vom Bette ihres Gatten entfernt und zu Franz hingedrängt hätte. Dieser fand bald ein ungekanntes Vergnügen daran, mit der hübsch gcpnzten, reizenden jungen Frau am Arm durch die be- lebten Straßen zu wandern, ihr Geplauder zu hören, ihre tausend kleinen Wünsche zu erfüllen, Abends im Salon mit ihr zu tändeln oder ihr auch wohl diese oder jene Frage der Tages- Politik zu erklären, wenn sie, seine Schwäche kennend und wissend, daß ihm dies schmeichelte, darüber Auskunft verlaugte. All- mälich, ganz allniälich zogen sich die Fäden des Nezcs zusammen, in dem die nach Lebensgenuß dürstende und in ihm ein Mittel zu deren Befriedigung erblickende Circc seine Phan- tasie, wenn nicht sein Herz gefangen nahm und die Liebe zu seinem Weibe erstickte. An jeucni Abend, als Klara beide in dem schwülen Tötc-ä-tete überrascht hatte, war es zu einem Geständnis seiner Leidenschaft gekommen. Gertrud hatte es stumm und kalt und halb beleidigt, aber mit Blicken auf- genommen, die die Glut in seinem Herzen nur noch stärker anfachen mußten. Daun war sie plözlich aufgesprungen und mit krampfhaftem Schluchzen ins andere Zimmer geeilt, welches sie hinter sich abgeschlossen hatte. War es eine tugendhafte Wallung oder nur Koketterie gewesen? Er mußte das crstcre glauben und auf deren Rechnung die Zurückhaltung schreiben, mit der sie ihm am nächsten Morgen begegnete. Klaras geschärfter Blick freilich erkannte darin nichts als Berechnung. Alles das ging an Franzens Seele vorüber, nachdem er den Brief seiner Frau gelesen hatte. Er fühlte sich nicht frei von Schuld; aber was entzog er denn seiner Frau, wenn er sich dem Liebreiz dieser gaukelnden Libelle hingab? Er hatte ja noch gar nicht an eine Trennung seiner Ehe gedacht; er war Klara nur in Gedanken untreu gewesen. Was wollte sie denn? Was konnte er dafür, daß ihm die Auge» aufgegangen waren, daß er gezwungen worden, Vergleiche zwischen ihr und Gertrud anzustellen und daß diese zu ihrem Nachteil ausgefallen waren? Er hatte erfahren, welche Erquickung ein Wesen wie Gertrud wäre und daß alle Tugenden und alle Bildung der Welt ohne diese Frische und naiv kokette Grazie die Frauen nur zu lang- weiligen Pedantinnen machten. Tic Vergangenheit ivar hinter ihm versunken. Das stille häusliche Glück, welches er genossen hatte, erschien ihm nüchtern und langweilig, die Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit seiner Frau nur als ein Mangel an Geist und Geschmack. Das Kind freilich war ihm für alles Ersaz gewesen, allein das Kind war tot, eine neue Hoffnung nicht vorhanden; welches Unrecht be- ging er also nun, wenn er die Lücken seines Daseins einen kurzen Augenblick durch die Hingabc an diese Neigung aus- füllte? Es würde schnell genug vorüber sein! Es war nicht anders zu erwarten, als daß die reizende junge Witwe von Anbeten, bald umlagert werden würde, vor denen er, der ältliche Manu, bald zurücktreten müßte. Daun würde ihn Klara ja wieder haben, all' ihre Rechte, auf die sie pochte, wieder über ihn ausüben können. O ja. die Ehe war eine Sklaverei, nicht nur für die Frauen; auch die Männer waren gebunden, gc- knebelt an Händen und Füßen auf Lebenszeit!!— Ueber den Sturm in seinem Innern hatte er ein leises Klopfen an seiner Tür nicht gehört, welche sich jezt sachte öffnete. Es war Gertrud. Mit bleichem Gesicht, die großen schwarzen Augen von dunkeln Ringen umgeben, jenen rührend hilflosen Ausdruck in den Mienen, die sie für Franz so unwiderstehlich machte, stand sie da. .Franz, sei nicht böse, daß ich dich störe," sagte sie.„Ich hoffte, du würdest mir noch gute» Abend sagen kommen. Ich bedarf so sehr eines freundlichen Trostwortes. Klara ist jezt immer so abweisend, du bist den ganzen Tag nicht zu Hause und mein armer Reinhold—" Hier brach sie in Tränen aus und sank auf den Lehnstuhl vor dem Schreibtisch nieder. Franz war außer sich. Liebe, Mitleid, Entrüstung, Verlegenheit känipften in seiner Seele, während er in beschleunigtem Tempo seine Wanderung fortsezte. Endlich blieb er mit einer kurzen Wendung vor Gertrud stehen und sagte finster: „Komm soit aus diesem Zimmer. Wir werden beobachtet, wir haben Späheraugen um uns und könnten leicht verdächtigt werden." Sie hob das weiße Gcsichtchcn traurig fragend zu ihm auf, und er erzählte ihr, daß Klara ihm geschrieben, daß sie seine warme Freundschaft für sie mißbillige und ihm bittere Vorwürfe mache über seine Gleichgültigkeit gegen sie. Es lag Hohn in dem Blick, mit welchem Gertrud ihres Schwagers Mitteilungen anhörte. „Laß mich den Brief lesen," bat sie.„Wie komisch an seinen Mann zu schreiben, mit dem man doch zu jeder Stunde reden kann. Ich möchte das lesen. Und diese Eifersucht, wie albern!" Sic biß sich auf die Lippe», aber das übereilte Wort war heraus. Es verlczte seine Eitelkeit und vermehrte nur seine» Groll gegen seine Frau. Er zögerte Gertrud den Brief z» geben, aber als sie ihre Bitte wiederholte, tat er es dennoch und sie floh damit in den Salon. Seltsam! In dem Augenblick, als er den Brief ans der Hand gab, war es ihm, als hätte er damit eine schwere E»t- schciduug getroffen, eine schicksalbestinimcndc Tat getan. W|C gern hätte er ihn wieder zurückgcuommcnl Gertrud hatte fs komisch genannt, daß Klara a» ihn geschrieben. Sic hattc kein Verständnis für eine so innerliche Natur wie die Frau, der es nicht gegeben>var, ihren Gefühlen in Worte» Luft zu machen. Er fühlte etwas wie Rührung über den Weg- den sie eingeschlagen hatte. Nur still in sich gesammelt war es ihr möglich gewesen, ihm ihr Inneres darzulegen, lind diese» Erguß eines in seinen heiligsten Gefühlen gekränkten Herze»' gab er rücksichtslos fremden Blicken Preis! Nein, er mußte de» Brief zurück haben und eilte in den Salon.— Doch das Schicksal hattc seine» Laus gehabt, Klara de» Brief gesunden. Vernichtet sank er in seinem Zimmer auf»e» Lehustuhl und vergrub das Gesicht in beiden Händen. So w» er bis tief in den Morgen hinein und Gertrud ihn»» �a. Sterbebett ihres Mannes rief. Düsteren Blickes trat er do seiner Frau gegenüber. Er hattc sie begütigen, ihr Ansicht? geben, sie ihn nicht hören wolle». Sein Herz tvar voll gegen sie über die Ungerechtigkeit, mit der sie ihn ungchört W urteilte, und er wühlte sich tiefer und tiefer in Troz und L j bitterung hinein. Nun mochte geschehen was wollte, die kamen über ihr Haupt. Ach, wenn er nur einen Blick>» I Zukunft hätte tun können! Es war, als ob der Tod, d" Lippen seines Bruders schloß, auch die seinigen versiegelt ha � Still und bleich stand Klara da, als der Sterbende c' lezte» Seufzer ausgehaucht hattc. während Gertrud sich' eine Rasende über ihn warf und ihn mit de» zärtlichsten N»"' zurück ins Leben rufen wollte. Voll Widerwillen lvandte l Klara von dieser Szene ab und schritt hinaus, es ihrem G» überlassend, die verzweifelnde Wittwe zu trösten. Die Tage bis zum Begräbnis hielt sie sich in ihrem � gemache auf. Frauz hatte mit den Anordnungen dazu Z» Gertrud mit ihrer Trauertoilcttc. Es ivar ein besti'M � Kommen und Gehen. Endlich war auch das vorüber.■' � hatte auf diesen Zeitpunkt gewartet, als ob er �hr li'1 � bringen müßte— was, das wußte sie nicht. Die Stille.»'■ im Hause plözlich eingetreten, war drückend. Klara der» sie nicht länger zu ertrage»! Franz wich jedem Mci»b»" ihr aus; doch einmal, als er ein solches nicht umgehen � � faßte sie sich ein Herz und fragte ihn, ob er lliat wüßte. � »un geschehen sollte?„Was wird geschehen sollen?" ö'„ ungeduldig zurück.„Wieder das alte Lied. Begreif!! 1'.-jjjstc nicht," fuhr er mit verhaltenem Grimm fort,„daß s-.Ergibt, i» denen man nicht wühlen darf, die mau sich ff'' lassen muß, wenn sie zur Ruhe kommen sollen?"...-tänbni& Klara stockte das Blut. Das war ein offenes /y' „Wie, du verlangst noch mehr Schonung von mir? ha Btstelguug einer Pyramide.(Seile 315.) 310 .Ja, ja, die verlange ich/ rief er mit blizenden Augen. „Du glaudst, daß du nur allein leidest und ein Recht zu fordern hast und erkennst das Kämpfen und Ringen anderer nicht an." Das war zu viel. Zu der tiefen Wunde, die er ihr ge- schlagen, fügte er auch noch diesen grausamen Vorwurf hinzu. Er zerriß ihre Seele mehr als der Verlust seiner Liebe, und voll Verzweiflung verließ sie ihn. Jczt galt es einen Eni- schluß zu fassen. Das Grab ihres Kindes hatte ihr immer als der Ort vorgeschwebt, an dem sie ihren heißen Schmerz ans- Ivcinen, sich die gepreßte Brust befreien könnte. Tort würde sie auch das Richtige finden, was sie in dieser schweren Prüfung zu tun hätte. An eine Trennung von Franz vermochte sie troz alledem noch nicht zu denken. All ihr Denken und Fühlen war ja mit ihm venvachsen. Aber für den Augenblick war es besser. sie ließ ihn allein. Ach, ihr einst so seliges Beisammensein war jczt für beide eine dual. Aber sie wollte fort ohne Abschied zu nehmen. Sie hätte ihn nicht ertragen. In dem ihrem che- maligcn Gut beuachbartcu Städtchen lebte eine Freundin von ihr und von dort wollte sie ihm schreiben. Ob sie ihm mittler- weile durch ihr Verschwinden Angst cinslvßte, daran dachte sie in ihrem venvon'encn Seelcnzustande nicht. Es konnte ihr nicht schwer werden, ihre Abreise ohne jedes Aufsehen zu bewerkstelligen. Franz war fast den ganzen Tag abwesend, Gertrud in ihren Zimmern. Gepäck brauchte sie kcins. Mit einer Handtasche am Arme verließ sie eines Morgens still das Haus, sezte sich in die nächste Droschke und fuhr zum Bahnhof. Tort mußte sie freilich einige Stunden warten, bis der nächste Zug abging, aber was kam es darauf an, wo sie ihren Gedanken»achhing? Als die Glocke geläutet wurde, die dui Abgang ihres Zug verkündete, fuhr sie wie aus einem Traume auf. Sie wußte nicht, wie lauge sie so da gesessen. Jedes Zeitmaß ivar ihr abhanden gekommen. Und so verging ihr auch die Reise wie im Trauni. Sie fuhr den ganzen Tag und die ganze Nacht ohne Aufenthalt. Bei Morgengrauen langte sie in dem Städtchen, welches das Ziel ihrer Reise war, au. Sollte sie die Freundin zu solcher Stunde stören, ihr jezt Aufklärung über ihr plözlichcs Erscheinen geben? Es schauderte ihr davor. Nein, sie wollte gleich dorthin, wohin es sie von so weit hergezogen hatte, an das kleine Grab am Ende des Parkes. Es war bis dahin nur ein kurzer Feldweg, den sie genau kannte. Sie fand ihn troz des dichten Herbstnebels, der die Landschaft einhüllte und ihr kaum erlaubte, fünf Schritte vor sich zu sehen. Ringsum herrschte noch die Stille des Schlummers. Kein Insekt, kein Vogel regte sich. Feld und Flur waren leer und crsüllten die Lust mit dem scharfen Geruch verdorrter Stoppeln und welkenden Krautes. Durch den Nebel gedämpft ließ sich Hahnengeschrci wie aus weiter weiter Ferne hören. Hier und da traten Föhremvaldungen aus dem Nebel hervor, an denen seine feuchten Schleier in Fezcn hingen. Sie schritt auf dem feuchten Wege fort, ihre Erschöpfung nicht achtend und ange- strengt durch den Nebel nach den Bäumen des Parkes spähend. die sich jezt schon zeigen mußten. Aber noch immer kein Park. War sie denn irre gegangen, oder hatte sie den Verstand ver- lorcn? Sie befand sich vor einem Schienenwege, der hier nie gewesen, und doch erkannte sie die Gegend ringsumher. Da— plözlich- kam ihr eine Erinnerung. Kurze Zeit nachdem sie in die Stadt übergesiedelt waren, hatte sie davon gehört, daß die im Bau begriffene Zweigbahn unmittelbar an ihrem Gut vorübergeführt werde» sollte, die Sache hatte sie aber nicht iuteressirt und war ihr wieder entfallen. Mit furchtbarer Klar- hcit ging es ihr jezt auf, daß ihr auch das lezte geraubt worden ici. daß das Ziel, wonach ihr ganzes Sein gestrebt hatte, zu dem es pe Meilen um Meilen hcrgetricben hatte, daß dies Fleckchen Erde, welches ihr einziges Gut barg, für sie ver- schivunden, unkenntlich geworden war. Die ganze Vcrzweif- lung, gegen die ihr gesunder Sinn bisher angekämpft hatte bemächtigte sich jezt des beklagenswerten Weibes, besten physische Kraft endlich gleichfalls zu unterliegen begann. Wie betäubt sank sie aus einen Steinhausen am Wege nieder und starrte vor sich hin. Jezt erst gab sie sich verloren, sah sie keine Rettung mehr für sich und Franz. Wilde Gedanken wälzten sich chaotisch durch ihren Geist. Mittlerweile war die Soune in unheimlich roter Glut, welche blutige Reflexe auf die Schieiicu warf, aufgegangen, und von ihren Strahle» erwärmt, begann der Nebel sich Z" ballen und hin und her zu ivogeu. Wie Schlachtreiheu zöge« die Ncbelmasseu am Horizonte auf nud prallten gegeneinander. Mit fieberglühendeu Augen folgte Klara ihrem phantastische» Spiel, in welchem ihre aufgeregte Phantasie allerhand Gestalte» erblickte, die sie. angrinsten und die Arme nach ihr ausstreckte». Dabei fielen ihr die Riesen und Ungeheuer bekannter Märche» ein und Sceuen aus ihrer Kindheit und Jugend, und sie wunderte sich, daß sie an so gleichgültige Dinge denken konnte. Aber es war, als ob ihr Geist, scheu vor der Gegenwart, sich in die Vergangenheit flüchtete. Sie sah sich an dem Sterbebette der Mutter, an dem des Baters, mit einer Tante aul Reisen, am Gardasce. dort wo Franz mit seinem offenen, leben-?- frohen Gesicht ihr zum crstcnmale vor das Auge getreten ihm ihr ganzes Herz sogleich entgegengeflogen war. Fra»i' Ja, jczt erfaßte sie die Gcgcuwart wieder mit zermalincndr Gewalt. Was sollte sie tun? Konnte sie zu ihm zurück, stZ- da er den ersten Schreck über ihre Entfernung bereits»b' wunden hatte? Sie hatte die Schiffe hinter sich verblau»' Zum erstenmal fiel es ihr ei», daß sie ihm Schreck vermsa � hatte— ob auch Schmerz? sie glaubte es nicht. ihr nicht gesagt, daß er zu kämpfen, zu ringe» hätte, daß eine lieblos Fordernde sei, die ihn an der Kette der+n festhielt? Hieß das nicht, daß er einem Glück entsagen daß er an ihrer Seite fortan ein Gefühl des Mangels, � Leere empfinden würde? Konnte sie mit diesem soltenidcn � wußtsein, mit dieser Kluft zwischen sich und dem Ma»»�' � dem sie das innigste Herzcnsvcrhältuis bisher verbunden» das Leben ertragen? Und schrecklicher als alles: fühlte I>e_ auch ihren Glauben an das hohe sittliche Ideal, welches � gewesen war, erschüttert?— Nein, sie konnte uicht � Da— welch ein Ton. welch ein dumpfes Brauls»- die Walbecke dort schoß der Zug hervor und glitt � näher und näher. Wer vermag zu schildern, was>»• j � Seele vorging? Mit tvtcnblastcm Gesicht und krampsh�s 1 flllj Brust gepreßten Händen, die weitgeöff'ncten Auge» ff» � das nahende Ungetüm geheftet, stand sie da. Das 11 Wink des Schicksals? Wozu zaudern? Es war j»» Augenblick!—„O Gott— Franz— lcbewohl ,,�cii Damit stürzte sie sich über die Schienen und>»' Augenblick hatte die Maschine sie erfaßt. Unfern d-r � wo das Kind gebettet worden, hatte die Mutter-» Frieden gefunden.-- fffltfem»»9 Als Franz den Abend nach Klaras heimlicher �ib, nach Hause kam und seine Frau nicht in ihrem 3'"" �sfie das sie seit Reinholds Tode nicht mehr verlasse» ff». zu er. daß sie endlich„Vernunft angciwmmcn" und d Q,,)»' Gertrud gegangen sei, um ein erträglicheres Vcrha#iib bahnen. Erleichterten Herzens schritt er hinüber, Wohnzimmer waren leer. Jezt klopfte er leise ai i Klara ist doch •Muffle», ach 'C �eichr einer auf den Schiene» I unglücktcn Tcime, in ivclchcr man seine Frau erkannt haben wollte, zu rekognosziren. Nach den furchtbaren Tagen und Nächten, die er durchlebt hatte, konnte diese Nachricht ihm kaum noch Entsezcn bereiten. Er war ans das Aergste gefaßt gewesen, eine starre Resignation war alles, was er empfand. Unverzng- W) reiste er nach dem genannten Orte ab. Der Abschied zwischen ihm und Gertrud war unter diesen Umständen hastig und kiihl. Er versprach wiederzukommen und ihre Verhältnisse zu ordnen. Alles, was er an baarem Gclde entbehren konnte, Heß er ihr. Eine schreckliche Stunde war ihm noch vorbehalten, als er in der Frühe des nächsten Morgens sein Ziel erreichte. Ein %id ans den entstellten Leichnam genügte, um sein Weib, sein Teuerstes ans Erden, von dem er sich nur einen kurzen Augen- Wid zu einer anderen verirrt hatte, zu erkennen. Starr und iränenlos stand er an der Leiche und starr und träncnlos brachte die nächsten Tage hin, immer Klaras lezten Augenblicken nachgrübelnd. Ihr Tod war für ihn kein Rätsel. Wer so geliebt hatte wie sie, konnte das Glück des Herzens nicht überleben. Endlich mußte er daran denken, sein Dasein wieder neu einzurichten. Nach der Reichshanptstadt kehrte er nicht zurück. Er übertrug einem befreundeten Rechtsanwalt das Ordnen von Gertruds Angelegenheiten und dieser selbst sezte er ein Jahr- geld bis zu ihrer Wiedervcrmählnng aus. Die Art, wie sie alles annahm, ja, wie sie ihre Unzufriedenheit mit den Anord- nnngen äußerte, überzeugte Franz nur zu sehr, daß Genußsucht und Eigennuz ihr Spiel mit ihm getrieben hatten und daß der kurze Rausch durch den Tod seines Weibes mit einem furchtbar hohen Preis erkaust worden sei. Nach Jahresfrist schickte Gertrud eine Verlobungsanzeige. Das Verhältnis löste sich jedoch bald wieder auf und erst nach vollen fünf Jahren gelang es ihr, einen alten reichen Witwer zu erobern. Franz blieb»»vermählt. r i ch I w i n g l i. Mit einleitenden Bemerkungen zur Frage der kulturellen Bedeutung der Resormation. Von Wrrmc» Heiser.(Sfllufc.) #:#### Uu\c eigene Auffassung von ver urt, Schalten werden solle, durchblicken ueß. Reformation aus- MMMtzM- "nr zum Schaden der Sache, welcher 1 �) M» WLBSSSS-äi MMZM mit der Einsezung Christi mit vielen Mißbränchen gehalten worden sei. Nun war die Zwinglische Reformation als fcstbegrnndct zu betrachten, und dieser Tatsache gab die im November 1523 erfolgende Veröffentlichung der Zwinglische» Schrift„Eine kurze christliche Anleitung" zur allgemeinen Daniachachtung in Glau- benssachen deutlichen Ausdruck. Im Laufe des nächsten Jahres wurde mit der Umgestaltung des Gottesdienstes Enist gemacht. Die meisten Aenßerlichkciten, wie das Weihen von Palmen, Salz, Waffer, Kerzen und Kräutern, das Trauer- und Vespergeläute, selbst das Orgelspiel und die lcztc Oelung wurden abgeschafft, und die Abendmahlsfeier wurde.nach Art der Einsezung Jesu und dem Gebrauche der Apostel und der älteste» Kirche" reformirt und nur als Ge- dächtnisfeier beibehalten. Ucber diese Auffassung des Abendmahls gerieten die Refor- matoren unter einander in Streit. Luther verlangte, der Christ solle glauben, daß er beim Abendmahle den ivirklichen Leib Christi genieße, was Ztvingli als sinnlos bezeichnet hatte. Nun siel Luther in seinem.Sermon von dem Sakrament des Leibes und Blutes Christi wider die Schwärmgeister" in gewohnter Grobheit über ihn her,.verdammte ihn als den vcr- derblichstcn Kezer, als den echten und wahren Antichrist, gegen den der Pabst als ein Engel des Lichts und das katolische Dogma als lauterste Wahrheit erscheine." Zwingli antwortetc ansang 1527 verhältnismäßig sehr ruhig, aber mit siegreichen Gründe», und fand so viel Anerkennung, daß er hoffe» durfte, seine Anschauung bald überall die lutherische übeuvinde» zu sehen. Der Schriftenstrcit ging lange herüber und hinüber, und er führte insofern zum Siege ZwingliS,— der sich in der Act, wie er de» Kampf führte, seinem»vittenberger Gegner überlegen gezeigt hatte,— daß er der znricher Reformation eine ebenbürtige Stellung neben der lutherischen eroberte. Im Oktober 1529 kam es zu einer persönlichen Begegnung von Luther und Zwingli. Die Anhänger beider wollte» eine Bereinigung der reformirten Kirche herbeiführen. Aber daraus wurde nichts, obgleich beide Reformatoren die Uebereinstimmung ihrer Fundamcntallehren zugaben. Zwingli, ans dessen Seite in dem Punkte der Abendmahls» feier die menschliche Vernunft stand, konnte hierin nicht nach- geben, und Luther hat überhaupt nie in seinem Leben nach- gegeben und nie der Vernunft eine entscheidende Stimme ein- geräunit. Ursprünglich war er zwar durchaus derselben Ansicht, wie sie Zwingli hegte, geneigt gewesen und bereit, im Abendmahle 312 nichts weiter zu sehe», als Brvd und Wein und nicht den Leib Christi selbst. So bekannte er z. B. im Jahre 1524 selbst: Hätte ihn fünf Jahre vorher jemand berichten mögen, daß im Abendmahl bloßes Brod sei, so wäre ihm hiermit ein großer Dienst getan worden, und er habe selbst auch harte Anfeindung darüber erlitten, indem er gesehen, daß er damit dem Pabsttum den ärgsten Puff hätte geben können*'), später aber wäre er tiefer in den Sinn des Einsezungswortes, wie es vom Herrn Christo selbst herrühre, eingedrungen und dieser hielte ihn nun gefangen. Demgegenüber wird eine unparteiische Geschichtsforschung höchst wahrscheinlich dem vollkommen zustimmen müssen, was der ausgezeichnetsten einer unter den lebenden Kennern der Refor- mationsgeschichtc, D öllinger, zu diesen interessanten Punkten in Luthers Glaubenslehre sagt; nämlich folgendem: „Indes pflegten ihn(Luther) die klarsten Bibelstcllen, wenn sie mit seinen Licbliiigslehren in Konflikt gerieten, nicht zurückzuhalten, und er hatte eben erst während des Streites mit Erasmus**) in Mißhandlung und gewaltsamer Verdrehung klarer Schristtexte das Unglaubliche geleistet. Es war die Oppo- sition, erst gegen Carlstadt, dann gegen Zwingli und Oekolam- padius, die ihn antrieb, sich mit aller Kraft seines Geistes in die Ueberzeugung hineinzuarbeiten, daß die streitigen Texte der Schrift nur von einer substantiellen Gegenwart und Mitteilung des Leibes Christi verstanden werden könnten. Den Glauben hielt er fest, daß er ein von Gott auserkorenes und mit allen erforderlichen Gaben reichlich ausgerüstetes Werkzeug zur Wieder- bringung des verlorenen Evangeliums, zur Wiederherstellung der seit den Zeiten der Apostel verfallenen Kirche sei, daß daher auch im lange» Laufe der Jahrhunderte niemand erschienen, der mit ihm an Reichtum der Gaben und Erhabenheit der Sendung verglichen werden könne. Jezt sah er in der Schweiz und in Oberdcutschland eine von ihm unabhängig sich entwickelnde Partei, an deren Spize Zwingli stand, sich erheben und rasch um sich greifen; so mischte sich auch die Bitterkeit der Eifersucht und des vcrlezteu Stolzes in den Streit, und Luther gab dies selber durch den nachher ausgesprochenen Vorwurf zu erkennen: Zwingli trachte seinen Ruhm als Reformator zu schmälern, er habe sich in das Werk, welches ihm, Luther, eigentümlich sei, hineinge- drängt. Die gereizte Gehässigkeit und Leidenschaftlichkeit seiner Stiinmiing und seines polemischen Verfahrens ward aber dadurch noch erhöht, daß er jezt eben die Waffen gegen sich gekehrt sah, die er selber geschmiedet hatte: willkürliche, von aller Traditio» losgerissene Interpretation einzelner Schriftstellen, und daß er bald genug auch erkennen mußte, wie auf diesem Boden der Streit schlechthin unausgleichbar und endlos werden würde. Er selbst hatte die Hauptbollwerkc des Dogmas, das er nun vcr- kündigte, niedergerissen, durch seine Verwertung der Verwand- lungslehre hatte er bereits den einfache» Sinn der Einsczungs- Worte verlassen und die Figur einer Synekdoche***) angenommen; es sei, erläuterte er auf der Konferenz zu Marburg, eine ein- gefaßte Rede, wie man etwa von einem Schwert rede, aber mit dem Schwerte auch zugleich die Scheide meine; denn der Leib Christi sei im Brode. wie der Degen in der Scheide.* f) Diese Stellung Luthers zu der Abendmahlfrage erklärt, weshalb es in Marburg zu einer vollen Einigung niit Zwingli nicht kommen konnte; und sehr widerwillig nur ließ sich Luther zu der übereinstimmenden Erklärung bewegen, daß er und Zwingli sich künftighin freundlich begegnen und den gegenseitigen Streit *) Reakenzyklopädie für prote st antische Teo- logic und Kirche. IL Aufl. 9. Bd. 1881. S. 58. **) Erasmus, einer der allerhervorragendsleir Humanisten, über de» und deffen Streit mit Luther wir in einer spätere» Abhandlung„Der Humanismus und die Nesormation" ausführlicheres berichten werden. ***) Die Synekdoche ist eine rhetorische Figur, bei der durch einen einzelnen oder besonder-» Gegenstand das Ganze oder Allgemeine oder umgekehrt durch das Ganze oder Allgemeine ein Teil oder ein Beson- deres bezeichnet werden soll. Also z. B. wenn man sagt:„Ein Cicero" für„ein grober Redner", oder andererseits:„Ter Deutsche ist ein Träumer", während man meint:„die Deutschen überhaupt sind Träumer." t) Katolisches Kirchenlexikon, Bd. VI, 1851, S 664. den gemeinsamen Feinden gegenüber beiseite lassen wollten.— Der Forderung, die auch von vielen seiner Anhänger ge- stellt wurde, daß er Zwingli und die mit diesem eines Glaubens waren, als Brüder anerkenne, gab er jedoch nicht nach, und es hätte sich in der Tat auch gar seltsam ausgenommen, wenn er Zwingli und den Seinen die Bruderhand gereicht hätte, nach- dem er kurz zuvor von ihnen behauptet hatte, sie hätten ein „eingcteuseltcs, durchteufeltes, überteufeltes, lästerliches Herz und Lügenmaul, kein Christ solle für sie beten und er müsse sich selber in den Abgrund der Hölle verdamme», wenn er niit ihnen Gemeinschaft haben sollte*. Der Streit niit Luther und dessen äußerliche Beilegung in Marburg war für Zwingli, wenn auch der bedeutsamste, so doch keineswegs der schivierigstc und anstrengendste. Viel mehr zn schaffen machten ihm auf der einen Seite die Anhänger des Pabsttums in der Schtvciz und auf der anderen die grimmigsten Feinde des Pabsttums, welche viel weitergehende und nicht blos ans Kirche und Religion zu beschränkende Reformen wollte», als er selbst,— nämlich die schweizerischen Wiedertäufer. Dieser leztc der drei großen Kämpfe, welche Zwingli ausz«- fechten hatte, war ihm nach seinem eigenen Bekenntnis der schwerste von allen,— konnte er sich doch nicht verhehle», daß er sich hier gegen Menschen wendete, welche im Grunde»nt ihm auf demselben Boden standen, gewiffermaßen seine„Haus" genossen* waren. Die hervorragendsten der Wiedertäufer in der Schweiz, W»- Helm Stcnbli», Simon Stumpf, Ludwig Hetzer, Felix M»».) und Konrad Grevel, hatten in der Tat längere Zeit mit Zwing s Schulter an Schulter den harten und gefahrdrohenden Kainw gegen den Pabst geführt. Sie nahmen es aber noch viel crnstc mit der Rückkehr zum Urchristentum als Zwingli selbst, ti'1!!' Menge fanatisch erregter Handwerker umgab sie und trieb st vorwärts, Schwärmer, die nun endlich das Himmelreich Erde» eingerichtet sehen und sich mit den schönen Predigllvortc> allein nicht mehr begnügen wollten. Die Zwinglische 2 tan � kirche gefiel diesen Stürmern und Drängern der schtveizerstch� Reformation, je näher sie sie kennen lernten, desto weniger, � sie war ihnen noch lange nicht volkstümlich genug, halb hielte» sie gottesdienstliche Versammlungen in ihren eigens Häusern und rcsormirtcn auf eigene Faust, so gut sie es e konnten und verstanden, unter anderem in der Taufe, die>>)> Meinung nach»iir den Erwachsenen, und nicht de»»ow nicht zum Glauben herangereiften Kindern zuteil wer c sollte. Nach der Meinung der nieisten Wiedertäufer war es» bedingt nötig, mit dem Bestehenden ganz und gar zn vre) und total neue Zustände herbeizuführen. Wie sollte das» aber geschehen? Nun, sehr einfach: genau nach den Vorschm der Bibel. Ernst mußte gemacht werden mit dem Evangei»' Christus müsse jedem Christen zum Vorbild dienen,. in allen Dingen auf das genaueste nachzufolgen habe.~ und Zwingli gehörten nach ihnen zu jenen Wcltkindern,. Heiden gleichen, mit denen sie als Kinder Gottes keinen � gang pflegen durften. Luther wurde u. a. von den � � tä ufern direkt vorgeworfen, daß er in Wittenberg»".. Doktoribus Bier trinke und die Laute schlage, was, wie wissen, Zwingli gleichfalls tat. Ein rechter Christ,"w»', � große Haufe der Wiedertäufer, dürfe so etwas nicht tnn. st» � müsse sich von der Welt absondern. Darum verschmäh c die echten und rechten Wiedertäufer, den„Weltkindern, allen, die nicht so evangelisch„radikal* dachten wie I>c, � nur die Hand zu geben oder sie zu grüßen; sie natpnen_. Teil an den Freuden der Welt, nicht einmal an festliche». zeitcn, und suchten sich auch durch allerlei sonderbare Aeug, � keitcn, z. B. in einem eigentümlichen Schnitt und ,1( i» Kleidung, von den„Heiden* rings um sie her trennen. Neben vielerlei vertvorrencn und törichten£i»flcn''V'�ch den Gedanken und dem Streben der Wiedertäufer 1 � A�e. manches verhältnismäßig oder wirklich Vernünftige»» möglichst steckte So wenn sie Christus nicht als Allversöhner ausfaßten, dessent- Wille» allen Christen ihre Sünden vergeben sein sollten, sondern jweii nur als nachahmungswcrtes Vorbild; wenn sie ferner die �Beseitigung aller leiblichen Not erstrebten, freilich nur auf Grund kindischen Gedankens einer in Wahrheit gänzlich unniöglicheu Gemeinschaft aller Güter; endlich, und wahrlich nicht zum niin- besten, wenn sie Christus als einen Menschen betrachteten, der ba war wie andre Mensche» auch und nicht als Gott in eigener Person. Da sie aber dennoch von der christlichen Religion nichts auf- Nebe,,»wchten und dem leitenden Prinzipe der Reformatoren Nteichfalls anhingen, wonach für Christentum und christliches --eben allein die Bibel maßgebend war, und da sie noch dazu .le Prinzipienstarren waren, welche sich kein Tüpfelchen über emcm biblischen I, selbst des alten Testamentes, abhandeln wn wollten, so mußten sie notwendig sogleich niit allen Anders- weinenden in schwere Konflikte kommen. In der Schweiz traten die Wiedertäufer allerdings im ganzen wcht f0 gnr sch�ss mif; es fiel ihnen nicht ein, ihren Tcsen "j: Gewalt Verbreitung schaffen zu wollen, aber die Zeit der rhrsreiheit für alle Meinungen war noch lange nicht angebrochen ..'"ii" im Machtbereiche irgend einer der Religionen, welche w Kulturgeschichte der Menschheit kennt,— mit einziger Aus- OHb th e'11'0 e'1,C� öbläuterten Buddhismus,— auch niemals in �'e Ichweizerischcn Wiedertäufer mußten also mit Zwingli ein ürraten, und diesen versuchte man, wie üblich, durch b Tisputation auszusechtcn. Dieselbe fand im Großmünster r einer zahlreichen Zuhörerschaft statt und dauerte drei Tage Ki-i«? � November 1525). Auf Seiten der Wiedertäufer neh �bel, Manz und der ehemalige Mönch Blaurock und öwiugli standen Leo Jnd und Megaudcr. kn,./uch diesmal hatte der zürichcr Rat zu entscheiden und täuk'wtürlich wie immer zu Gunsten Zwinglis. Tic Wieder- i� B� wurden„als unzulässige Sekte und Rotte" erklärt und �"hrcr„ernstlich vermahnt, ihrem Irrtum zu entsagen." bau �rrte man ein, ließ sie jedoch bald wieder frei, verbot sw" �'c Wiedertaufe bei Strafe von ein Mark Silber. »iibt" failU � Bicken, daß damit die Bewegung noch lange >»sb war. Herüber und hinüber wogte noch lange der Kampf, Prm& �re mit dem nach Zürich gekommenen wiedertäufcrischen denen r" Balthasar Hubmeyer. Allerlei sittliche Exzesse, zu derü' � Wiedertäufer auf ihre evangelische Freiheit trozcnd Ei»s�?' gaben den willkonimenen Anlaß zu energischem t�'�eiten gegen sie— sie lehrten ut unura habemus spiri- (gtn'.lta et unum corpus snmus*) und feierten diesem iih, J.nie gemäß fleißig nuptias spirituales**; bei denen es <*'e?iaßen fleischlich zuging. P(toih erließ man wider sie am 7. März 1526 eine djx ff wonach ans die Wiedertaufc und deren Begünstigung �»ser(rtnf!l"9 gesezt wurde. Auch jezt verharrten die Wieder- Ivgee»;' �ren Glaubensmeinungen,— da sie die Schwächeren tvvrdp,' zu ihrem Schaden, denn nun tat man, wie gedroht i ,n,ftr- und y wurden Landes verwiesen, Blaurock wurde ausgepeitscht wstkli� gelehrte Manz und nach ihm noch zwei andere wurden Z/�änkt. , cm Bunde der Städte Zürich, Bern, St. Gallen, die Aij'v �chasfhausen zu einem gleichförmigen Vorgehen gegen i» vom 14. August 1529, war deren Schicksal '"sc S-s. i besiegelt; nicht mehr als kleine, stille, einsluß- Der �wBen von ihnen übrig.— iechtei, r cdte der drei großen Kämpfe, die Zwingli anszu- Wen Ivllte weit minder glücklich für ihn persönlich Mne» sii'r0 die beiden anderen— der Kampf mit Rom und �«»Hangern in der Schweiz. «— � � 1U'r»�sanimt eines Geistes sind, so sind wir auch ein (i)fif,i9e �o%iteU. Zu ernstlichem Widerstände gegen die weit um sich greifende Reformation hatten sich die Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Freiburg miteinander eng verbündet. Zürich, dessen Rat u. a. auch darum von der Zwinglischen Reformation nicht lassen wollte, weil sie ihm durch die Ein- ziehung der Klosterschäze ungeheure Reichtümer an Gold, Silber und Kostbarkeiten aller Art eingetragen, hatte dagegen bei Zeiten zum Kriege gerüstet und sich der Treue seiner Gemeinden nach Möglichkeit versichert. Indessen, che es zum blutigen Kampfe kam, versuchte man noch einmal ein großes Religionsgespräch; diesmal aber wurde es von den Päbstlichen ganz nach dem Muster der zürichcr Reformirten so präparirt, daß es zu Gunsten Roms ausfalle» mußte. Ter gelehrte Gcneralvikar Dr. Fabcr wollte Revanche für den Mißerfolg auf seiner lczten Disputation mit Zwingli haben, daher wurde das neue Gespräch nicht in Zürichs Mauern, sondern nach dem kleinen Ort Baden verlegt, wo die Päbstlichen die Oberhand hatten. Am 26. Mai 1526 begann die Redeschlacht; als Hauptkämpe der Katolischen war der gcfürchtcte Dr. Eck aus Ingolstadt erschiene», indes die Reformation durch Ocko- lampadius vertreten wurde. Zwingli war wohlweislich nicht erschienen, der züricher Rat hatte ihm die persönliche Teilname daran sogar ausdrücklich verboten. Es wäre ihm diesmal auch sicherlich nicht nur an die Lehre, sondern vielmehr ans Leben gegangen. Eck und Faber hatten bereits offen erklärt, daß man wider die Kezer am besten mit Feuer und Schwert disputire, und zehn Tage vor Beginn der Disputation waren in Schwyz unter Fabers Vorsiz auch schon zwei Männer, deren einer der Prediger Hügli war, wegen ihrer Nesormationsfrcundlichkcit ver- bräunt worden. Daß Zwingli während der ganzen Dauer des Gesprächs nntwirkte, indem er auf die täglich seitens seiner Freunde an ihn ergehenden Mitteilungen über das, was Eck gesprochen, Tag um Tag in furchtbarster Arbeitsanstrengung Material zur Widerlegung Ecks zusammentrug und nach Baden sandte, nüzte gar nichts. Die große Mehrheit der Anwesenden erklärte die Reforniation für besiegt und abgetan, Eck verdammte Zwingli als Tyrannen von Zürich, als Heiligenschänder und Kirchen- räuber und Dr. Murner schimpfte womöglich noch ärger auf ihn und seine Feigheit, die ihn von Baden ferngehalten hätte. Nun verhängten neun Kantone über ihn und seine Freunde den großen Bann, die Verbreitung rcfvrmatvrischer Schriften wurde auf das strengste verboten und der Rat von Zürich auf- gefordert, Zwingli zum Schweigen zu bringen. Lcztcrcr antwortete in einer geharnischten Schrift und der Rat nahm ihn tapfer in Schuz. Zweifellos wäre es schon jezt zum Bürgerkrieg gekommen, wenn nicht König Franz I. von Frankreich große Werbungen zu einem Kriege gegen den Kaiser unternommen und dies die eidgenössische Kriegslust augenblicklich in andere Bahnen geleitet hätte. Zwingli und seine Gesinnungsgenossen benuzten diese Gunst der Zeit mit Aufgebot aller Kräfte, und es gelang ihnen im Jahre 1528 Bern völlig auf ihre Seite zu ziehen. Anfangs 1529 folgten Basel, St. Gatten und kurz darauf auch Schaff- hausen nach, Appenzell, Außer-Rhvdcn wurden gleichfalls ganz gewonnen, in Graubündcn, Glanis und Solothurn machte die Reformation vielverheißende Fortschritte. Zum Schirme der evangelischen Lehre hatte Zürich zuerst mit Konstanz, jezt nun auch mit Bern, St. Gallen, Biel, Mühl- Hausen, Basel. Schasshausen und Straßburg ein Bündnis ab- geschlossen. So stand 1529 alles gut für die schweizerische Reformation und Zwingli auf der Höhe seiner Macht und seines Ansehens. Jedoch der Kampf mit den dem Pabsttum anhängenden Kantonen kam nicht einen Augenblick zur Ruhe und ging schließ- (ich in eine Reihe unerträglicher Plänkeleien und gegenseitiger Anfeindungen über, welche de» offenen Krieg als unvermeidlich erscheinen ließen. Im Mai 1529 gab der Ucberfall. welcher von päbstlicher Seite wieder den Pfarrer Jakob Kaiser von Zürich verübt wurde, und die Verbrennung dieses Mannes der Reformation den Anlaß zum Beginn der kriegerischen Feindseligkeit. Zürich schickte seine Krieger wie angenommen wird, einem von Zwingli selbst entworfenen Operationsplan folgend, nach verschiedenen Richtungen wider die feindlichen Kantone aus. Zwingli selbst zog nicht als Prediger, sondern als waffcngeriisteter Kampfer mit der 4000 Mann starken Hauptmacht an die zuger Grenze. Am 10. Juni sollte es zur Schlacht kommen, da gelang es dem als Friedensstifter herbeigekommenen Landammann Axtli von Glarus noch einmal zu vermitteln. Zwingli war damit zwar sehr unzufrieden, denn seiner streitbaren Natur widerstand das stete Umgehen des offenen Kampfes mit Feinden, mit denen er einen dauernden und ernsthaften Frieden doch für unmöglich hielt. Darum sormulirte er seine Vorschläge für die Friedens- bedingungen so scharf als möglich; Freiheit für die Predigt des Evangeliums in der ganzen Eidgenossenschast, Aufkündigung aller Sonderbündnisse, insbesondere der mit Oesterreich, Verbot der Pensionen vom Auslande her und strenge Bestrafung der Förderer des Pensionswesens in den fünf feindlichen Kantonen. Die Friedensliebe und die Scheu vor einem Kriege der Eidgenossen untereinander war trozdem stark genug, es noch einmal zu einem Frieden, dem sogenannten ersten Landfrieden vom 25. Juni 1529 zu bringen, freilich auf wesentlich gemäßigte Ansprüche von Seiten Zürichs hin, dem ohnehin dabei das Uebergcwicht über seine Feinde und Freunde zufiel. War es nun Zwingli nicht gelungen, die päbstlich gesinnten Eidgenossen mit dem Schwerte zu unterwerfen, so richtete er sofort sein Streben auf höhere politische Ziele. Der Zusammenstoß mit Luther in Marburg bot ihm dazu willkommenen Anlaß. Er dachte an ein großes Bündnis wider das spanisch-österreichische Kaiserhaus und suchte dazu zunächst den Herzog Ulrich von Würtemberg, den Landgrafen Philipp von Hessen und den Stadtmeister Jakob Braun von Straßburg zu bewegen. Die Fürsten sollten dem Bunde Sachsen und die übrigen Gegner des Kaisertums in Mittel- nnd Nicdcrdeutschland zuführen, indes Zwingli. als Leiter der Politik Zürichs, die resor- mirten Kantone der Schweiz und die süddeutschen Reichsstädte gewinnen wollte nnd selbst Venedig und Frankreich mit in die Koalition ziehen zu können hoffte. Glückte der gewagte Plan, so sollte über den Kaiser her- gefallen, derselbe seiner Würde beraubt und Landgraf Philipp an seine Stelle gcsezt werden; Zwingli wäre alsdann in der Tat das geistliche Haupt des gesammtcn Reichs und der evan- gelische Pabst geworden. Indessen scheiterte das großartige Unterfangen schon in den Vorbcrcitnngsstadien. Die katolischcn Mächte Venedig und Frankreich verweigerten höflich aber entschieden genug ihre Mit- Wirkung und schließlich kam es nur zu einem Bunde Zürichs mit dem Landgrafen. Die hohe Politik hinderte Zwingli nicht, in Zürich die Reformation an Haupt und Gliedern, so wie er sie auffaßte, fortzusezen. Am 26. März 1530 trat auf sein Betreiben ein Sitten- gcsez i» Kraft„im Namen Jesu Christi unseres Seligmachers, ihm zu soliderem Lob und Wohlgefallen', welches u. a. jeder- mann„aufs allercrustlichste zum wenigsten' den Besuch des Gotteshauses an jed em Sonntage unter der Drohung anbefahl, daß die Zuwiderhandelnden„bis sie sich zum christlichen Gr- horsam ergeben' von Zunft und Gemeinde ausgeschlosien, ihnen der Genuß der bürgerlichen Ruzungen entzogen, in der Stadt die Ausübung ihres Gewerbes oder Berufes untersagt werden solle. Tie Mißachtung der Feiertage ward mit einer Buße von zehn, Schillingen belegt, die Zahl der Wirtshäuser sehr bedeutend vermindert; alles Spiel, es sei mit Karten, Würfeln, Bretten, Schachen, Kegeln, Wetten. Grade- oder Ungradmachen u. s. w- bei Strafe einer Mark Silber unbedingt verboten.*) Das war nun eine arge Tyrannei, welche das Volk von � Zürich und auch manches Mitglied des Rats, auf den sich � tcologische Herrschsucht des in seinem Machtbewußtsein mehr und| mehr sich aller Rücksichten entledigenden Leutpriesters auch(V j streckten, heftig gegen Zwingli einnahmen und ihm empfindliche Reibungen innerhalb seines bisherigen Anhängerkrcises zuM j| Aber der Reformator wich und lvankte nicht, er trieb sogvk i Zürich»och zu gewalttätigem Vorgehen gegen die eifrigst kato� i tischen Kantone an. So riß lezteres die Hoheitsrcchtc de Abts von St. Gallen wider offenbares Recht an sich und verkaufte die Gebäude und die Schäze des Klosters zu eigenes Nuzcn. Die katolischen Kantone konnten es sich jezt nicht länge i mehr verhehlen, daß es um ihre selbständige Existenz gcsche� sei, wenn sie sich nicht mit Waffengewalt zur Wehre scM' jj Da sich nun auf dein zu dieser Zeit zusammengekommenen lficich' tage zu Augsburg zeigte, daß Zwingli und die Seinen vo den Mächtigen im Reich keine Unterstüzung zu gewärtigen hall so getrauten sich die fünf feindlichen Kantone nun wieder# gegen Zürich vorzugchen.< Zürich beantwortete Feindseligkeit mit Feindseligkeit Zwingli trat mit einem neuen großen Plane hcvor: die j gcnossenschaft von Grund aus umzugestalten und alle»a» der Herrschaft von Zürich und Bern zu untcNvcrscn. DaS rief alle seine Feinde, auch in Zürich selbst, gege"�,, auf,— ihn nannte man nun allerorten den Störcr des � genössischen Friedens, und man sezte ihm so hart zu, daß ee 26. Juni von dem großen Rat seine Entlassung verlangte Zürich verlassen zu wollen erklärte.-,|n« Da verstummte wenigstens in den Züricher Behörden �; Gegnerschaft, man bcwog ihn zu bleiben und uuternwO � wieder ganz seinem Einflüsse, den er dazu benuztc, jedes geben de» katolischcn Kantonen gegenüber unmöglich zu nll( Aber es zu einem Bündnis wider dieselben oder a".p zu ernstlichen Rüstungen in Zürich selbst zu bringen, gew'ig nicht mehr.. ,�hl- Daher stand Zürich im Oktober, als ihm plözlich 51„„i gerüstete» feindlichen Städte den Krieg erklärten, alle � höchst ungenügend vorbereitet an der Schwelle blutig schcidung.. oua ge- Am 10. Oktober hatten sich die Feinde bereits bei 0 sammelt. Am 11. rückten die schlagfertigen Mannschap» �„lf — Von 4000 Kriegern nur 700— unter dem Bell>'■..�cht- LavatcrS aus der Stadt; Zwingli hoch zu Roß»» gerüstet mitten unter ihnen. mcni#� Diesmal sah er nicht siegcsgewiß in die Zukunft, cht) nicht für seine Person. Dennoch trieb er zum Awll es kam zur Schlacht, in der den Zürichern nur-0 gegen 8000 Feinde zur Verfügung standen. agriih� Der ungleiche Kampf war bald entschieden,—(ii# flohen und Zwingli lag zu Tode wund mitten'' � Hausen Toter und Sterbender. Tapser bot er die �sczte- Todesstoß, welchen ihm ein untenvaldener Hauptm�.�rte' Am folgenden Tage wurde der Leichnam des Kezer nnd verbrannt.•*»« aiiV�f Seiner Reformation vermochten die Feinde»>> � sie �e' Wie er kurz vor seinem Tode vorausgesagt� hatte. de stehen und behauptete ihre ebenbürtige Stellung Reformation Luthers. *) Evangelische Realcncyclopädie, Bd. XV lll,®. I5 31 o Unsere IlluKrationen. � Tie Heimkehr der Sieger.(S. 304—305.) Der berühmte Maler ö™»z D esr e gg e r ist in Tyrol geboren, in demselben Pustcrtal, wo >»0S der Ausstand gegen die Truppen Napoleon? zuerst losbrach. Der IJWler ist seiner poesicvollen Heimat mit ihren lebensvollen Er- Mmungen und kraftvollen Formen immer treu geblieben. Seine nichen und lebenSwarme» Darstellungen auS der Vergangenheit und )?rge»wart seiner Heimat erwarben ihm seinen Ruhm, und sein Name 'lu.!e grchrt und angesehen iveit über die deutschen Grenzen hinaus. er stiinstler ist aber immer in seinen Schöpfungen wieder zur Heimat zurückgekehrt. Auster einer Reihe von Bildern, die in origineller Auf- ''ung die kräftigen Gestalten der Tyrolcr und Tyrolcrinnen in ihren Mtumlichen Trachten so nnturwahr wiedergeben, hat auch Desreggcr twr � �schichte seines Vaterlandes zum Gegenstand seiner Dar- > vuugen gemacht. Bekannt sind die Darstellungen von Andreas Hoser, »> er seine Bestätigung von der kaiserlichen Regierung in Wien als ' ,??ent von Tyrol" erhält, und wie er in Mantua zur Hinrichtung läb wie der Tyrolersührer Spcckbachcr seinen noch minder- .??üen Sohn Ander! empfängt, der schon tapfer gegen die Franzose» «.."W hat u. f. w. u. s. w Auch da? von uns reproduzirte Bild: ».Heimkehr der Sieger" gehört zu den renommirten Bildern �"''lers der Atpcnlande. Z,.. e sollte auch jene bewegte Zeit einem schöpferischen Künstler nicht «N. genug zu historischen Bildern liefern! Die Franzosen waren unter aber lSvb wieder über den Rhein gerückt, denn Oesterreich hatte ton. 7?. iu. einem entscheidenden Kriege die Waffen erhoben. Zwar Österreich schon vier Jahre zuvor von Napoleon bei Ulm und Ruit � entscheidend niedergeworfen worden, obschon es sich mit den neu? ez verbunden hatte; aber inzwischen hatte sich Napoleon in abwl.? u,it England und Spanien venvickelt, deren Ende nicht ziedn» Gdion im Februar wurden die diplomatischen Be- «.»l gen zwischen beiden Regierunge» abgebrochen, und Ende März skcht rast . Marschall Lcfebvre, einen seiner besten Gene- fan den hie und Bayern, und eS haF nichts, dast Ra- % �hrol sandte Qernxif und muhte �yrot Verlanen.«amp, war vewr.,-..� worden' laittelaltertichen Greueln und Grausamkeiten gesuhlt Tresten�.? sandte. Auch Lcfebvre wurde in mehreren hcistcn "'it n J�'eg, und muhte Tyrol verlasse». Der Kampf war beiderseits �WWWW ' lüCnn �an 0 n gefeierte Tyroler Erhebung erscheint aber ganz anders, Von*....... und nach dem Die österreichlschen eine un- WnnxTT" 9aite anrichten könne». Aber die altösterreichische Volk der � diesen Zuständen ganz wohl, und ihr hing daö dm. � dem« r l,r.oIcr mit blindem Fanatismus an. AndreaS Ho, er zur Schlacht. Die österreichischen Agenten Ree! Pre!...leichtes Spiel, und es war dem Tyroler Volke t>es?."U(to �- begreiflich zu machen, daß die von der bayeriichen >Nar�'>pr°ch��..S'planten Reformen dem Wohle deS Landes weit hatten, als die verfaulten österreichischen Regierungs- ni's nJ�on deröüel �!!oIer wurde von Oesterreich schlecht gelohnt. °sie�°b°Ik°n e!. beneral Ehasteler feige die Flucht ergriffen, %%%% sa SÄ SriÄ�..�».'wer befferen Eache�wurd�wew. L '"b niednn'... � Tyroler wurden von dem null | gklvorsen. Die Führer, deren man habhaft >'ag.«ne Proklamatt°n�HeSch-n>ais»s7die°lS eine Kriegs' "g betrachtet werden konnte. Sobald der Kampf zwischen Oester- und Frnnzost» in Bayern losging, erhobeil sich auch die Tyroser Tiim, � wältigten die bayerischen und französischen Truppen, die in backer«v-' Sandwirt von Passeyr, Andreas Hoser, Josef Speck- dieier'..''e Tcimer, der Kapuziner Haspinger u. a. waren die Führer r J IllDllPtt fp/ r m«---- 1------- k?.—.u.—. �cklei, nahm,.Un?- glücklichen Erhebung. Nach mehreren siegreichen Gc- buir Tyrol>. m tyroler Jnsbruck mit Sturm, und bis aus Kufstcin Aus d"°I'?°Ü->n und Franzosen frei. uuderz. c\.grollen Kriegsschauplaz aber gestaltete sich die Sache ganz a'*Ä«llert«t. bewunderungSivürdigen Manövern, die heute noch gm,, ml! g �u, warf Napoleon in wenigen Tagen die Oesterreicher l�bherr,, uachdcm Erzherzog Karl, einer der fähigste» s!5 Fran-nsel l bei Abensberg und Eckmühl geschlagen war. Schlacht A» �.besezten Wien, und ivcnn auch Erzherzog Karl in der jb' Man Angriff Napoleons abschlug— eine Leistung, � endli* s. �'�üzi hat— so entschied die Schlacht von Wagram Der ktienar*1!'9- Oesterreich unterlag. e''oeniqc,, �.r�tige Wrede hatte als französisch-bayerischcr General gefckjrf. bie man den Tyrolern unter Ehasteler zu l�oler' b-i Wörgl geschlagen. Aber Wrede zog ab. und .Spelten, UnnJf.- Üch troz der unrühmlichen Flucht Chastelers mit .' Tyroler biV�Um' 3» der blutigen Schlacht am Jselberg schlugen olf*"-r——-«■ m-............-= t-r: s�f. wurde, wurden erschossen oder gehängt. 1810 wurde Andreas Hofer in Mantua erschossen. Wahrlich, die Treue zu Oesterreich ist den Tyrolern teuer zu stehen gekommen. Sie waren auch zulezt über den österreichischen Verrat so erbittert, dast die österreichischen Agenten und Offiziere aus dem Lande flüchten muhten, um nicht erschlagen zu werden. Unser Bild zeigt uns, wie die kriegerische Mannschaft eines Tyroler Dorfes aus einem siegreichen Treffen heimkehrt, in der Mitte ein er- beuteteS feindliches Gcschüz, eine feindliche Fahne und mehrere Gc- fangene, die tief beschämt sind, von den Bauern gefangen worden zu sein. Voran schreitet ernst der„Hauptmann" des siegreichen Schlacht- Haufens, hinter ihm ein lustiger Fähndrich und Trommler und Pfeifer geben dem Einzug die gebührende Feierlichkeit. Die Sieger werden von der weiblichen Bevölkerung des Dorfes degrüstt, und da man keine weinenden Frauen und Kinder sieht, so scheint das Treffen recht glücklich abgelaufen zu sein._ Nun werden sich die Sieger nach dem blutigen Strauß aber auch gütlich tun, wobei nur zu befürchten steht, daß in de» Wirtshäusern und auf den Tanzböden blutig weiter„gerauft" ivird. __ W. B. Tie Pyramiden Aegyptens. Seite 304-305.) Die ägyptische Architektur, die Bauivclke von so kolossalem Umfang und fast uner- reichter Daucrbarkeit geschaffen hat, läßt sich in ihren ältesten Spuren bis in das vierte Jahrtausend vor Christus zurückversolgcu. Außer großen und tiefen Felsengräbern, deren Wände mit kunstvollen Skulp- luren geschmückt sind, außer den Obelisken zc. sind eS vor allen Dingen die Pyramiden, die heute noch das Staunen und die Bewunderung deS Beschauers erregen. Sie sind Bauwerke, deren Grundfläche ein gleichseitiges Viereck bildet, während die Seiten sich in schiefer Richtung in einer Spize vereinigen. Die ägyptischen Pyramiden sind die ältesten großen Bauwerke der Welt; nur bis zum Jahr 2300 vor Chr. sind solche erbaut. Sie sind ursprünglich klein angelegt; alljährlich aber wurde ihnen, wie der KunstanSdnlck lautet, ein»euer Eteinmantel umgelegt, und so»ahmen sie mit der Zeit eine bedeutende Größe an. Die Seiten entsprechen den Himmelsgegenden und der Eingang befindet sich an der nördlichen Seite. Die Pyramiden wurden uriprünglich in Stuscnsorm angelegt; dann wurden die Stusen ausgefüllt, und wenn der König, der die Pyramide hatte erbauen lassen, gestorben ivar, so wurde sie mit einem geglätteten„Mantel" umgeben. Diese Glttltung ist natürlich im Laufe der Zeit wieder verschwunden. DaS Baumaterial besteht gewöhnlich auS Bruchsteinen, zuweilen auch auS ungebrannten Ziegeln. Diese Steinhaufen bildeten die Grabdenkmäler ägyptischer Könige, und die Grabkammer befindet sich entweder im Mauerwerk oder sie ist in den Felsen cingehaucu, der gewöhnlich den ganzen Bau trägt. Man zählt in Aegypten etiva sechszig Pyramiden, durch welche jene Könige sich„unsterblich" zu machen glaubte», deren Taten ihnen keine Gewähr boten, aus die Nachwelt zu kommen. Aber nur wenigen ist dieS gelungen, und für diese ist es gerade kein besonderer Nachruhm, wenn die Nachwelt weiß, daß jene Despoten viele tausende von armen Menschen gezwungen haben, jahrelang an der Ausschichtung dieser öden und nuzlosen Stciiimaffen zu arbeiten. Die berühmteste Gruppe von Pyramiden befindet sich bei dem Dorfe Gizeh unweit von Kairo. Hier fand am 21. Juli 1798 die Schlacht statt, in welcher der aus Frank- reich herübergesegclte junge republikanische General Bonaparte das glänzende Heer der Mameluken vernichtete und bei deren Beginn er daS berühmte Wort sprach:„Soldaten, denkt daran, daß von dem Gipfel dieser Monumente vierzig Jahrhunderte auf euch herabsehen!" — Drei Pyramiden stehen hier, und die größte ist diejenige des Königs Cheops, der von 3091 bis 3064 vor Chr. regiert hat. Herodvt sagt, daß an dieser Pyramide 100 000 Menschen, die man von Bierteljahr zu Vierteljahr ablöste, dreißig Jahre lang gearbeitet hätten. Da ChcopS aber nur 24 Jahre regierte, so müssen besondere Umstände mit der Erbauung dieser Pyramide verknüpft gewesen sciu oder man hat eben nur 24 Jahre daran gebaut. Jede Seite dieser Pyramide ist 227' z Meter lang; die Pcrpendikularhöhe beträgt 137,18 Meter; früher etwa 146 Meter. Ein 33 Meter langer schmaler Gang führt in das Innere, wo der Königssaal sich befindet, in dem auch noch der Sarkophag des Cheops steht. Zwei schräge Oeffnungen dienen als Fenster dieses Saales; nebenan befindet sich der Saal der Königin. Die Pyramide des Chcphrcn ist 136 Meter, die dritte 62 Meter hoch. Und diese Steinhaufen sollen das Andenken von Leuten erhalten, von denen die Geschichte nichts zu berichten weiß, als daß sie regiert haben!— Wie schwierig damals die Herstellung dieser Monumente war. kann man daraus ermessen, daß Herodot meldet, man habe zehn Jahre allein verwenden müssen, um die Transportwege herzustellen, aus denen man die Bausteine auS dem Mokkatamgebirge jenseits des Nils herbei- schaffen mußte. Früher ging die Sage, daß sich in den Pyramiden die Schäze der darin begrabenen Könige befänden. Ein arabischer Schrift- stell« meldet, daß der Khalif Mainun die Pyramide des Cheops zuerst öffne» ließ und nach Schäzen suchte, aber nichts fand fMamun regierte 813 833 nach CljrA Der berühmte Sultan Saladin(1169— 1193) suchte auch nach Schäzen, fand aber ebensowenig. Sein Nachfolger wollte auS unbekannten Gründen die kleinste der drei Pyramiden bei Gijeh zerstören lassen; nach achtmonatlichen Arbeiten stand man indessen davon ab. Daß die Pyramide» vielfach beschädigt worden sind, kommt auch dabei, dab man sie zeitweise als Steinbrüche benuzt hat. Diese Steiumassen werden noch lange stehen, um ein Zeichen zu sein, zu 316— welchen Ziveclcn die menschliche Eitelkeit, wenn sie die Macht in Händen hat, die Arbeitskraft der Bolksmassen mißbrauchen kann. Unser Bild stellt dar, wie die Besucher einer Pyramide, unter denen sich auch Europäer mit einer Dame befinden, von der Höhe des riesigen Monuments wieder herabklettern. Es ist ein mühsamer Weg, aber nicht zu mühsam für den herrlichen Ausblick, den man von der Höhe herab auf den in der afrckanischen Sonne glänzenden Nil und auf die Stadt Kairo hat. A. T. Industrie und Technik. Elektrische Beleuchtung der Kettenbrücke zwischen New-Hork und Brooklyn. Bei Beginn des Baues der kürzlich dem Verkehr über- gebcnen Keltenbrücke zwischen Zlew-Vork und Brooklyn dachte niemand an die Möglichkeit elektii'cher Beleuchtung. In der jüngsten Zeit erst holten die Ingenieure Gutachten bei den verschiedenen Gesellschaften ein, welche sich mit der Verbreitung des elektrischen Lichtes in Amerika beschäftigen. Die Vorschläge der Kompagnie Edison auf Verwendung von Glüh- lampen fanden keine günstige Aufnahme; man hoffte unter den vor- liegenden Verhältnissen eine vollkommnerc Verteilung deS Lichtes und einen geringeren Aufwand an Betriebskraft durch Anwendung von Bogenlichtcrn erreichen zu können. Unter diesen zog die Kommission besonders die Lampen der Konrpagnie Weston und die der Kompagnie Brush in Betracht, endlich entschied man sich für das System Weston, weil dieses größere Betriebssicherheit und bessere Ausnuzung der Be- triebskraft verhieß; die Brückengesellschaft selbst ninß den Elektrikern die nötige Kraft liefern. Um Beschädigung von Personen von den metallenen Leitungs- drähten aus möglichst zu verhüten, wurden nach der Revue industrielle (1883, S. 254) die Lampen so konstruirt, daß die Kohlcnstäbe nur sehr wenig von einander entfernt sind; die Bogenlänge mißt nur 0,� Mille- meter, während sie bei anderen Lampen l,z bis 3 Millimeter beträgt. Daher ist auch die Spannung des Stromes geringer als in anderen Fällen, überdies ist der Gleichstrom der Westonmaschine von geringerer Gefährlichkeit als die Wechselströme welche die Brushmaschincn liesern. Die Stromleiter mußten sorgfältig gegen die Brücke isolirt sein, weil leztere ganz aus Metall besteht. Die nötigen 70 Lampen liegen in zwei Stromkreisen zu je 35. Die Hauptöffnung hat 14 Lampen, die bei den Zugangsöffnungen zusammen 50 erhalten; der Rest kommt auf die äußersten Stationen und den Maschinenraum, welcher auf der Seite von Brooklyn liegt. Die beiden Stromkreise sind ganz unab- hängig von einander und enthalten 6 Kilometer Kabel: die aufeinander folgenden Lampen liegen abwechselnd in dem ersten und den, zweiten. Jeder Stromkreis wird von zwei hintereinander gehaltenen Dynamo- Maschinen von 20 Lichtern gespeist, welche durch eine Carlißniaschine getrieben werden. Das Kabel besizt über dem metallenen Leiter eine Jsolirschicht und darüber ein Geflecht. Es ruht in gewissen Abständen auf metallenen Trägern mittels hölzerner, mit Parassin getränkten Unterlagen. Die Lampen enthalten doppelte Kohlenstifte und dadurch eine längere Brenndauer. Für den an sich höchst unwahrscheinlichen Fall, daß einmal beide Stromkreise gleichzeitig versagen sollten, hat man dafür gesorgt, daß man sie an das elektrische Beleuchtungsnez der Stadt New-Uork an- schließen kann. ttoiiservirung von Hölzern. Ans Grund langjähriger Erfahrungen und Beobachtungen über die Haltbarkeit der Hölzer in natürlichem, unpräparirten Zustande oder nach der Jmprägnirung mit Teer oder Eisenvitriol kommt, wie die„Pharm. Centralh."(1883, S. 81) mitteilt, Fayol zu dem Schluß, daß durch den Teer die Haltbarkeit von Tannen- holz kaum erhöht, die von Eichenholz etwa verdoppelt wird, während entsprechende Behandlung mit Eisenvitriol die Dauerhastiqkeit beider Holzarten verzehnfacht. In Bergwerken z. B. hält sich Eichenholz in natürlichem Zustande nur zwei Jahre, nach der Sulfatifirung dagegen bis zu dreißig Jahren. Zur Sulfatisirung genügt viernndzwanzig- stündigeS Eintauchen in eine zwanzigprozentige Eisenvitriollösung, wobei die Wirkung dieselbe ist bei trockncm wie bei grünem Holz.— Wir erwähnen bei dieser Gelegenheit noch eines andern Mittels zur Holz- konservirung. Dieselbe kann mittels eines billigen Anstriches leicht vor- genommen werden. Hierzu iverden auf 300 Teile gewaschenen und gesiebten Sandes 40 Teile Präzipitinen Kalks, 56 Teile Harz und 4 Teile Leinöl gemischt, iu einem eiserneu Kessel verkocht und diesen, Gemenge je ein Teil Kupferoxl)d und Schwefelsäure zugesezt. Der neue fertige Anstrich wird noch warm mit einem Malerpinsel aufgetragen. Eii» Zusaz von Leinöl verhindert das Dickflüssigiverdcn dieser Anstrichmasse und läßt sie rasch trocknen. An der Luft wird dieselbe rasch hart und nnempsind- lich und bewahrt hierdurch vor manchen Verlusten. Literarische Umschau. Geschichte der deutschen Literatur von ihren Ansängen bis ans die neueste Zeit. Von Dr. Franz Hirsch. Band I. Mittelalter. Leipzig, Wilhelm Friedrich. Ter Verfasser will parteilos schildern und urteilen; den Zusamme»- hang jeder Erscheinung mit dem Ganzen kulturhistorisch begründen! die deutsche Gesnmmtproduktion, auch in lateinischer Form sowie w> modern-journalistischen Gewände, vorführen und endlich: Alles dmäl die Selbstrcden der karakterisirte» Literaten illustriren. Wer am dreistabsprechenden, hochmütig formlosen Gervinus, nw formgeivandten doch prinzipiell verrannten Vilmar u. s. w. sich über- drüssig gelesen hat, nimmt mit Freuden diese neue anspruchslose Ge- schichte des Volkgeistes zur Hand. Ein kundiger Wegweiser leitet un« durch die oft pfadlosen Wildnisse des überreichen deutschen Schrifttums, das besonders im Mittelalter ein Dickicht scheint. Er beginnt mit de Urheimat und ihren Nachklängen in unserm heutigen Wohnsiz, europa; erwähnt die Grundbedeutung von„Deutsch", bei Ulfilas soms als heidnisch, hernach blos volkstümlich im Gegensaze zur KirchenipruM — worin aber leise Ironie durchschinimert, sofern die Kirche das»""'j tum ausrotten und christianisirend romanisiren wollte. Vergeben� Die gernianische Urkraft ist nie zerstört. Unsre Märchen bewahrte»' verkleideten Nationalgötter. Das Mittelalter zeigt das ewige WieeC austauchen der alten Germanennnschauung. Uralte Stoffe sind b>»» Richard Wagner Gemeinbesiz Deutschlands und des Nordens lftbliem• Wir deuten mit alledem nur an. ivas der Leser im Werke des � kannten Redakteurs mehrerer leipziger Blätter finden wird, und»"'i L- dem hübschgeschriebenen sreisinnigen, vor allem gediegenen, Werke Leser recht viele. Dr. A. 5 B u ch st a b e n r ä t s e l. 12 3 4 Winkt wonnig dir. 1324 Hat jeder schier. 432 1, 4 1 3 2 Stehn in der Reih Der Menschenmörder obenan, 1 2 3 4 dich gleichfalls töten kann. Rösselsprung. -l her �Mit Inhalt: Die Alten nnd die Neuen. Roman von M. Kautsky.(Fortseznng.)— Aus de», Illustrationen.)— Poetische Aehrenlese: Epistel. Von Heinrich Leuthold.— Wer trägt die schuld? Ulrich Zwingli. Mit einleitenden Bemerkungen zur Frage der kulturelle» Bedeutung der Resormalio». Illustrationen: Die Heimkehr der Sieger.— Die Pyramiden Aegyptens.— Industrie nnd Technik: wissenschaftliche Auskunst.— Polytechnischer Briefkasten.— Ratgeber für Haus- und Landwirtschast.— unslosungen. Sprechsaal für jedermann. Von Bruno Geiser,(afü r Elektrische Beleuchtung der" g.�liU Hirsch, Geschichte der deutlche' �c,"- f daktionskorreftHi""' Anslösungen.